Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 183

Eigentlich kann ich ja schon alles. Und ich mache auch immer alles richtig. Weil ich so schlau bin (und weiß wofür es Kekse gibt).

Nur diese eine Sache, die ist echt schwierig: fremde Pferde. Wenn ich fremde Pferde sehe, dann kann ich mich gar nicht mehr auf mein Mädchen konzentrieren. Und dann meckert sie mit mir, weil ich dummes Zeug mache, aber ich merke gar nicht, dass ich dummes Zeug mache – ich muss doch nach den fremden Pferden schauen, die möchte ich doch gern kennenlernen!

Also hat mein Mädchen gesagt, wir müssen das mehr üben. Damit ich mich auch konzentrieren kann, wenn fremde Pferde da sind. Und deswegen will sie jetzt öfter mal Besuch einladen. Und wir wollen auch mal fremde Pferde besuchen fahren. Neulich war es dann zum ersten Mal so weit: da kam ein schöner Spanier auf den Hof gefahren! Und wir sind dann zusammen auf den Reitplatz gegangen. Er auf dem einen Zirkel mit seinem Mädchen, ich mit meinem Mädchen auf dem anderen Zirkel. Beim ersten Mal war ich noch ziemlich abgelenkt. Mein Mädchen hat mich herumgeführt und dabei geklungen wie eine Schallplatte die einen Sprung hat: „pass auf, ich bin hier, achte auf mich. Pass auf, ich bin hier, achte auf mich. Pass auf…..“

Da steht er der Ablenker vom Dienst! Im Hintergrund seht ihr mich bei Konzentrationsübungen. Nur nicht hingucken…..
Beim zweiten Anlauf konnte ich es schon richtig gut!

Dann haben wir alle Pause gemacht und was geschmaust. Danach sind wir nochmal zusammen auf den Reitplatz gegangen. Diesmal haben die beiden Mädchen uns longiert – der Spanier wieder auf seinem Zirkel und ich auf meinem. Und ich hab mich sooooooooooo doll auf mein Mädchen konzentriert und versucht, gar nicht nach dem fremden Pferd zu gucken. Mein Mädchen war wahnsinnig entzückt und nach 5 Minuten war schon Schluss weil ich alles perfekt gemacht hatte. Kekse gab es auch! Die musste ich mir aber immer ganz weit unten abholen, so kurz über dem Boden. Mein Mädchen sagt, Kopf runter nehmen beruhigt die Nerven und dann kann ich mich leichter konzentrieren. Ich sage, je mehr Kekse, desto mehr Konzentration.

Na Hauptsache mein Mädchen platzt mal wieder vor Stolz weil ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke bin.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 182

Hallo, Spaziergehkumpel, du stehst ja bei uns in der Halle! Wollen wir spielen? Was guckst du denn so komisch? Müde? Wie, müde?

Oh, hallo Tierarzt, du bist ja auch hier! Ich kriege eine Spritze? Wieso? Oh…. jetzt bin ich auch… ganz …..müde….. ……..

….. lange Zeit später bin ich wieder aufgewacht. Puh, ich war ganz schön weggedusselt! Warum fühlt mein Maul sich eigentlich so komisch an? Da hat mein Mädchen es mir gezeigt: die haben mir meinen Wolfszahn raus genommen!

Ist das nicht komisch, dass man als Pony einen Wolfszahn haben kann? Sind auch keine ganz richtigen Zähne, nur so kleine Überreste von der Evolution. Die echten Zähne dürfen wir alle behalten, versteht sich. Die brauchen wir ja auch! So einen Wolfszahn braucht niemand, der hängt nur nutzlos in der Gegend herum. Mein Spaziergehkumpel hatte sogar zwei Wolfszähne! Aber seine waren viel kleiner als meiner, obwohl er so viel älter ist als ich.

Diego hat mir erzählt er hatte auch früher Wolfszähne. Bevor der Mann ihn gekauft hat. Und einmal hat ihm das dann doll weh getan mit dem Metallding im Maul was die Menschen zum reiten und zum Kutsche fahren nehmen. Da hat sich wohl das Zahnfleisch eingeklemmt und es hat ihm so weh getan, dass er durchgedreht ist und aus Versehen seine Reiterin verloren hat. Und das Diego! Dem passiert so etwas nie! Seitdem hat mein Mädchen beschlossen, dass Wolfszähne raus müssen, bevor man was mit „Gebiss“ macht (lustig, so nennen Menschen das Metalldings). Denn weh tun soll uns ja nichts! Eigentlich sollte mein Wolfszahn schon im Sommer raus, da haben wir schon angefangen mit dem Gebiss zu üben. Aber dann habe ich vorher Bauchweh bekommen und musste ins Krankenhaus. Deswegen haben wir den Zahntermin verschoben.

So jetzt habe ich das hinter mir, schlimm war das auch nicht. Sobald mein Maul ganz verheilt ist, können wir endlich wirklich anfangen. Bin schon aufgeregt!

Euer entzahnter (oder entwolfter?) Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 181

Ich lerne ja immer durch Zugucken. Weiß mein Mädchen auch schon. Besonders wenn Diego der Große was macht, schau ich immer gaaaaaaanz genau hin. Damit ich nachher weiß, wie das funktioniert. Mein Mädchen lacht schon über mich, weil ich viele Sachen ganz genau so mache wie er. Aber was gibt es da zu lachen? Er kann halt alles so gut und die Menschen sind (fast) immer zufrieden mit ihm und sagen er ist ein ganz tolles Pony, also was sollte dagegen sprechen, alles genauso zu machen wie er?

Deswegen hab ich heute auch über den Wall auf den Reitplatz geluschert als mein Mädchen da eine Reitschülerin auf Diego hatte. Die Reitschülerin hat irgendwann gesagt, sie würde sich sehr beobachtet fühlen, weil ich da immer hingestarrt habe.

Mit den Augen klauen!

Ist aber auch blöde, dass man den Reitplatz von da unten nicht so gut einsehen kann – können wir das mal ändern? Ich verpasse ja die Hälfte! Trotzdem war es sehr interessant. Habe heute was übers geradeaus gehen gelernt – das scheint schwieriger zu sein als ich dachte! Und übers rückwärts, dann übers galoppieren. Jetzt bin ich wieder ein gutes Stück schlauer. Sollte mein Mädchen sich in diesem Leben nochmal aufraffen und einfach mal aufsteigen, könnte ich ihr das zeigen! Aber nein, angeblich bin ich ja IMMER NOCH zu klein! Ist das zu fassen?

Euer schlau-geguckter Sir Duncan Dhu of Nakel

Beständigkeit

„Du bist aber auch immer konsequent!“

Obwohl es bald 20 Jahre her ist, dass eine Miteinstellerin diesen Satz zu mir gesagt hat, werde ich ihn wohl nie vergessen. Diese Mischung aus Bewunderung und Vorwurf war wohl einmalig. Sie hatte das am schlechtesten erzogene Pferd am ganzen Stall und sie hatte soeben beobachtet wie ich meinem Warmblüter untersagt hatte, sein Kraftfutter zu fressen so lange er noch das Gebiss im Maul hatte. Nase raus aus dem Eimer, erst die Trense runter machen und das Halfter drauf. Ist doch klar. Und ja auch wichtig, denn fressen mit Gebiss im Maul kann halt auch schief gehen wenn nicht richtig gekaut wird.

Ich bin heute noch ein bisschen ratlos über diesen Satz an dieser Stelle. Was hätte sie wohl getan? Ihr Pferd einfach fressen lassen? Leider habe ich sie nicht gefragt.

Ich glaube, für die Pferde ist es schrecklich, wenn keine Beständigkeit herrscht im Regelwerk. Heute hüh, morgen hott. In einer Welt, in der sie sowieso immer „Fremdsprache“ sprechen, ist das sicher noch verunsichernder. Und so ist es schon allein meinen Pferden zuliebe, dass ich mich um Beständigkeit bemühe. Perfekt bin ich da natürlich auch nicht, wer ist das schon. Ich sehe aber eben auch, dass ein paar Grundregeln das Zusammenleben doch sehr erleichtern.

In dem selben Stall wurde ich angesprochen, meine Pferde seien ja „so artig“, weil ich zwei Pferde allein auf den Anhänger schicken konnte. Dass ich zuvor dafür kritisiert worden war, als ich das geübt habe („das arme Pferd muss ganz allein auf den Anhänger gehen“) hatte man wohl vergessen.

Ich bin nicht die einzige, der es so geht. Viele meiner Schüler investieren viel Arbeit in (scheinbar) kleine Dinge. Und dann bekommen sie erst zu hören, was sie denn da tun und was das soll, warum sie noch nicht reiten oder nicht einfach dies oder jenes tun, nur damit man später voller Neid meint, das Pferd sei ja so artig. Das das eine mit dem anderen zusammenhängt fällt vielen einfach nicht auf.

Egal wo man startet – mit jedem Pferd an einem anderen Punkt – und egal wie schnell oder langsam man voran kommt: Pferdeausbildung ist Arbeit. Neulich las ich einen Satz der ging ungefähr so „Durchhalten heißt, viel harte Arbeit in etwas zu stecken nachdem man schon viel harte Arbeit rein gesteckt hat und eigentlich keine Lust mehr hat“

Das klingt ja wieder so unromantisch. Wäre es nicht schöner, wir könnten einfach jeden Tag Spaß haben mit unseren Pferden? Die gute Nachricht ist: wir können. Wenn wir unsere Ausbildungsziele so stecken, dass wir immer Erfolg haben. Dann sind wir selbst glücklich und unser Pferd auch. Nur: wenn wir kein klares Ziel haben, werden wir auch keins erreichen. Wir werden uns dann treiben lassen und da irgendjemand ja ein Ziel haben muss im gemeinsamen tun wird es dann das Pferd sein, dass sich Ziele setzt – je nach Charakter. Und weil Pferde so kluge Tiere sind und jedes Pferd seinen Menschen hervorragend kennt und lesen kann wie ein offenes Buch, kommen sie ganz elegant und ohne Streit zum Ziel, jeder mit seiner eigenen Strategie.

Manche Pferde sind Meister der Überredung. Ich kenne zum Beispiel zwei Araber, die ihren Menschen erfolgreich einflüstern können, dass Schritt stinklangweilig ist. Dass sie im Trab schöner aussehen und mehr Spaß haben. Und dann traben sie – wenn auch ungefragt – wunderschön (viel schöner als auf Kommando). Und die Menschen freuen sich so über den schönen Trab, dass sie vergessen, dass das gar nicht angesagt war. Später, wenn es ihnen wieder einfällt und sie ihr Pferd durchparieren, gibt es kurz Schritt und dann wiederholt sich das Spiel. Diese Pferde sind so charmant wie der Taschendieb, der einem Komplimente für die schöne Brosche macht, während er einem die Ohrringe entwendet.

Manche Pferde machen auch „türkischen Basar“. Sie verhandeln stets und ständig darum, ob die etwas energiesparendere Variante nicht auch reichen würde. So werden aus 6 Galoppsprüngen schnell 5 und von der halben Runde Trab ziehen sie großzügig 4m ab. Bemerkt man das nicht, so werden im nächsten Anlauf aus den verbliebenen 5 Galoppsprüngen 4, dann 3, dann 2…… Diese Pferde handeln so langsam herunter, dass der Mensch es erst merkt, wenn plötzlich die Hälfte der Übung weg-verhandelt wurde. Der verwunderte Mensch fragt sich dann, was wohl passiert ist, das Pferd freut sich, dass es so viel Energie gespart hat.

Andere wiederum sind Meister der Ablenkung. Wie Kinder, die während den Hausaufgaben von ganz anderen Dingen zu sprechen beginnen, hoffen diese Pferde, dass man vergisst, dass sie eigentlich einen schönen Übergang vom Schritt zum Trab machen sollten, wenn sie lang genug um andere Dinge diskutieren – plötzlich nicht mehr auf der Linie bleiben, angaloppieren wollen, stehen bleiben oder seitwärts gehen, da gibt es eine Menge an Auswahl. Das ziehen sie 15 Minuten durch und hoffen auf die Vergesslichkeit der Menschen, was auch allzu oft funktioniert. Mehr noch: es gibt dann oft Kekse zwischendurch für Dinge, die an sich nie auf dem Stundenplan standen.

Wie kleine Kinder lernen Pferde solche Taktiken aus Erfahrung und es fordert Konzentration und Willensstärke von uns, uns weder ablenken und durcheinanderbringen zu lassen noch wütend und ungerecht zu werden. Beständig und beharrlich am Plan festhalten (wenn es denn in dieser Situation Sinn macht, am Plan fest zu halten, natürlich gibt es dann auch noch die anderen Situationen. Und das zu unterscheiden ist gleich die nächste Kunst).

Oft wende ich dann das an, was ich die „Pizza-Taktik“ nenne. Duncan hat auch damit schon Bekanntschaft gemacht. Im Schritt einmal um den Roundpen herum OHNE antraben: an manchen Tagen eine Herausforderung. Kann mal länger dauern! Dann stelle ich mir vor, dass ich mir einfach eine Pizza bestelle. Der Pizzabote liefert sie mir direkt in den Roundpen und ich werde sie vor Duncans Augen verspeisen, während er weiterhin die Aufgabe hat, eine Runde im Schritt zu gehen. Eine machbare Aufgabe, er kann das. Wenn er will. Und sobald er an meiner Körpersprache sieht, dass es mir WIRKLICH egal ist, wie lange es dauert, macht er es auch. Dabei hilft die Pizza-Vorstellung mir ganz ungemein.

Es ist ja eigentlich nicht schlimm, wenn das Pferd selbst entscheidet. Bis es dann eben doch mal schlimm ist. Und da liegt das Problem, denn wenn unser Pferd im Alltag ständig selbst entscheidet ohne dass wir Menschen das merken, dann etabliert sich das in unserer Beziehung. Und was wird das Pferd dann tun wenn es glaubt, eine Situation sei gefährlich? Wird es auf unsere Entscheidung warten? Wohl kaum. Und wenn eine Situation dann wirklich gefährlich ist, dann steigt leider die Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd eine ungute Entscheidung trifft, weil es sich in der Menschenwelt nicht gut genug auskennt.

Und wer jetzt glaubt, dieser Artikel stünde im Widerspruch zum dem über Verlasspferde, der fängt an zu verstehen, wie komplex Pferdeausbildung ist. Denn die Wahrheit liegt da, wo sie fast immer liegt: in der Mitte. Und die wiederum liegt für jedes Pferd-Mensch-Paar woanders.

Aufgaben

„Gib der mal eine Aufgabe!“ sagt die Reitlehrerin. Und ich sitze in den Zuschauerreihen und fühle mich ertappt. Denn das Pferd-Mensch-Team dem ich da auf dem Kurs gerade zuschaue, kenne ich. Und ich weiß: die Reiterin neigt dazu, sehr wenig von ihrem Pferd zu fordern. Das hat gute Gründe, aber jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern und ich gebe der Reitlehrerin total recht. Den Punkt finden, an dem ein Pferd bereit ist, an dem man nicht mehr schonen muss, vorsichtig sein, in Minischritten arbeiten – diesen Punkt finden ist eine große Kunst. Bei dem Pferd im Kurs waren es Krankheiten, die der Leistungsfähigkeit im Weg standen, bei Duncan einfach nur das (fehlende) Alter aber das Ergebnis ist das gleich: man gewöhnt sich an, übervorsichtig zu sein und dann verpasst man plötzlich den Punkt an dem das nicht nur nicht mehr nötig sondern im Gegenteil kontraproduktiv ist. „Totschonen“ ist das schöne Wort an der Stelle und etwas, was meiner Meinung nach mit unglaublich vielen Freizeitpferden passiert, während die Sportpferde andersherum verheizt werden. Wo ist dieses magische goldene Mittelmaß dass es zu finden gilt? Ich muss mich wohl neu auf die Suche machen.

Jetzt ist Duncan 3 Jahre alt und während ich ihm die letzten 2 Jahre immer nur Dinge erklärt und gezeigt habe und nie an dem Punkt war, ihn körperlich zu fordern, kann es jetzt los gehen und mehr noch: es muss los gehen. Denn da steht er nun und kann und weiß alle wesentlichen Dinge die er wissen und können muss. So ganz viel großes neues kommt da erst mal nicht mehr, so lange ich ihn noch nicht reite. Aber um ihn reiten zu können, braucht er jetzt Muskeln und Gleichgewicht. Und das heißt, es reicht nicht mehr, ihn ein bisschen um mich herum laufen zu lassen. Es reicht nicht mehr, die ersten drei Schritte im Schulterherein zu feiern und die Einheit zu beenden. Es müssen Trainingsreize her und Herausforderungen körperlicher Art. Und dazu darf er jetzt vor allem eins lernen: weitermachen. Nicht mehr: gut gemacht, Keks, nächste Übung. Sondern wiederholen und länger arbeiten bis der Keks kommt. Und er kann das. Er hat Spaß am machen, er braucht nicht ständig Bestätigung. Einfach mal machen lassen. Denn ganz ehrlich: wenn er (vielleicht schon nächstes Jahr) vor der Kutsche läuft dann ist da vorne niemand bei ihm, der ihm dauernd Kekse gibt. Dann muss er einfach mal eine gewisse Strecke laufen ohne gefüttert zu werden. Und sich einfach daran erfreuen, draußen zu laufen. Und ja, auch Pferde sind stolz, wenn sie Aufgaben gelöst haben. Und draußen unterwegs sein ist für den Ritter sowieso selbstbelohnend.

Am Sonntag haben wir den Anspruch gleich ein bisschen erhöht (der Ritter berichtete darüber). Und er war stolz dass er das konnte. Er hat es gern gemacht und fand sich offensichtlich großartig. Ich war leicht beschämt, denn ich bin sicher, dass ich ihn oft unterfordere. Er macht immer alles so gut, er hat keine Schwierigkeiten mit nix (ok außer Fremdpferdbegegnungen) und ich bewerfe ihn mit den symbolischen Wattebäuschen, das macht ihn nicht glücklich.

Es ist in meinen Augen immer wieder das schwierigste an der Ausbildung junger Pferde, dass die Pferde sich so stark verändern. Wo Duncan vor einem Jahr noch unsicher und schnell auch mal hektisch wurde, wenn eine neue Übung nicht gleich geklappt hat und insgesamt super sensibel war, ist er heute viel selbstbewusster, kann Pannen besser aushalten, weiß, dass er einfach ausprobieren soll, bis er die richtige Lösung gefunden hat. Dass Fehler machen dabei dazu gehört und keine schlimmen Konsequenzen hat, weiß er jetzt und er versteht meine Hinweise besser, die ihn auf dem Weg zum Ziel leiten. Auch im Umgang mit den anderen Ponys steht er sehr viel mehr seinen Mann. Er ist nicht mehr so schnell eingeschüchtert, er weiß, wo sein Platz ist und hält auch eine kleine Auseinandersetzung aus. Vorgestern wurde mir Angst und Bange, als sein Spaziergehkumpel Duncans Ohr festhielt und einfach nicht mehr los lassen wollte. Aber obwohl das Ohr nachher warm war und einen (klitzekleinen) Kratzer hatte, wollte Duncan weiter spielen und boxen. Der rauhe Ton macht ihm einfach nicht mehr so viel aus, dem Schotten. (Mir schon….)

Natürlich ist er trotzdem genauso freundlich wie vorher, es ist nur eine andere Art von Freundlichkeit. Und ich genieße dieses Gefühl, aber es ist eben noch neu und ich muss mich jetzt wieder anpassen in meinem Umgang mit ihm. Auch Finlay war mit 3 Jahren den geistigen Kinderschuhen entwachsen. Und von ihm habe ich damals gelernt, dass der Mensch aufpassen darf auf diese Veränderungen. Immer und immer wieder, nicht verpassen, dass der Kleine plötzlich ein ganz Großer ist. Oft empfinden wir ein Pferd, das noch nicht geritten wird, noch als „Jungpferd“ aber ich glaube diese Empfindung täuscht. Denn mag mein Pony auch noch weit entfernt von ausgewachsen sein, so ist der Kopf doch quasi fertig. Wie es ja auch Menschen gibt, die mit 15 Jahren im Kopf erwachsen sind – und andere bei denen das erst später der Fall ist.

Und so suche ich nun nach Aufgaben, überlege mir, wie ich das Training aufbaue und probiere vieles aus. Mal sehen, wie es jetzt los geht mit uns. Und ich lache über mich selbst: zwei Jahre habe ich gewartet bis ich „richtig“ mit ihm arbeiten kann und jetzt wo er da steht und bereit ist, hab ich mich irgendwie so an den „Babymodus“ gewöhnt, dass es mir schwer fällt, da heraus zu finden und ans arbeiten zu kommen. Da brauche ich dann den einen oder anderen Schubs von außen, um mich zu trauen. Zum Glück habe ich hier auch den einen oder anderen der mir sagt „gib dem mal ne Aufgabe“ und mir hilft, mich an mein neues Pony anzupassen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 180

Statt Ausflug habe ich gestern mit meinem Spaziergehkumpel gerangelt. Wir waren gut drauf und haben ordentlich Gas gegeben! Einmal hat mein Spaziergehkumpel es geschafft, sich mein Ohr zu schnappen. Und er wollte und wollte einfach nicht los lassen! Obwohl ich ihn in einer Tour ins Bein gezwickt hab. Mein Mädchen ist fast ohnmächtig geworden, sie dachte schon ich werde zum Schlitzohr verunstaltet! Ach was, Mädchen, wir wissen doch was wir tun. Irgendwann hat er dann doch los gelassen. Ich hab ihm übrigens als Revanche zwei Kratzer an der Brust gemacht, also sind wir quitt und unter besten Freunden ist das doch gar kein Thema.

Nachher als wir fertig waren hat mein Mädchen sich mein Ohr angeschaut. „Das ist ja ganz heiß“ hat sie gesagt. Na klar, wenn jemand an Deinem Ohr gezogen hätte wäre das auch heiß! Also kam sie prompt mit dieser Paste angesaust die sie immer überall drauf schmiert. Iiiiiih das klebt ja voll! Aber dann hab ich gemerkt dass das auch schön kühlt. Na dann mach mal. Und Kekse gab es ja auch fürs Einschmieren. Jetzt bin ich ein Weiß-Ohr-Ritter sagt sie. Ganz seltene Spezies. Ein klitzekleiner Ratscher ist da doch in meinem Ohr aber ganz ehrlich, im Winterpelz sieht man den doch gar nicht. Soll sich nicht so anstellen, mein Mädchen.

Heute ist das meiste von der Paste schon wieder abgekrümelt

Euer rangelnder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncn Dhu 179

Am Wochenende haben wir eine schöne Sonntags-„Ausfahrt“ gemacht. Mein Mädchen hat so getan als würde sie Kutsche fahren. Diego der Große und der Mann sind einfach so spazieren gegangen. Und diesmal hat mein Mädchen sich mal was getraut: wir sind nämlich die Dorfstraße entlang marschiert. Und zwar nicht mehr auf dem Bürgersteig (das machen wir sonst so, obwohl man das eigentlich nicht macht. Aber mein Mädchen sagt dass ist sicherer für junge Pferde und wir sind bisher nur auf die Straße gegangen wenn uns jemand auf dem Bürgersteig entgegen kam). Diesmal sind wir auf der Straße gegangen, so wie es halt auch wäre, wenn ich schon die Kutsche ziehen würde. Und sie ist die ganze Zeit hinter mir gegangen (sonst ist sie immer noch nach vorn gekommen wenn da Autos waren). Erst war mein Mädchen etwas nervös. Als ein Transporter mit einem Anhänger von hinten kam, war sie unsicher, das habe ich genau gespürt. Und weil sie so unsicher war, war ich auch ein bisschen unsicher. Aber ich weiß ja was ich tun soll wenn ich unsicher bin und hab einfach angehalten. Ach da hat sie sich süß gefreut! Gab auch einen Keks. Als wir dann weiter gegangen sind, hat sie immer ganz viel geatmet und ihre Füße gefühlt und sich entspannt und mir gesagt, dass ich einfach weiter gehen kann. Ok, wenn Du so entspannt bist, kann ich das auch, mein Mädchen.

Dann ein bisschen hinten rum durch die Felder marschiert und dann auf dem Rückweg wieder auf die Dorfstraße. Und da war in Groß Vollstedt Rushhour. Da kam ein Auto nach dem anderen! Wo die alle hin wollten wusste mein Mädchen auch nicht. Und Motorräder und was nicht noch alles. Zwischendurch dachte ich, dass ist doch ganz schön viel und hab das auch meinem Mädchen nach hinten gefunkt. Aber sie hat gesagt, dass alles gut ist und ich das schaffe. Also hab ich mich einfach weiter brav benommen und gehofft dass es bald aufhört. Dann mussten wir noch warten weil wir auf die andere Straßenseite mussten und als wir dann dort drüben angekommen waren, ist mein Mädchen komplett ausgeflippt. Hat mir ganz viele Kekse gegeben und gesagt, dass ich ihr Held bin und das beste Pony der Welt und schon so groß und erwachsen und überhaupt! Ich war etwas überrascht über diesen enormen Gefühlsausbruch aber ist ja auch immer schön wenn sie sich so freut (vor allem wenn sich diese Freude in Keksen ausdrückt).

Dann ging es nach hause. Und zu hause hat sie mir dann noch den ganzen Tag erzählt wie toll ich das alles gemacht habe. Ach Mädchen, das ist ja immer so fein wenn ich dich so einfach glücklich machen kann. Jetzt hat sie also noch mehr Herzchen in den Augen wenn sie mich anschaut und ist noch doller in mich verliebt. So lässt sich das leben und dafür kann ich gern auch in der Rushhour die Dorfstraße lang marschieren, kein Problem.

Euer stolzer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 178

„Man muss die Feste feiern wie sie fallen“ sagt mein Mädchen. Gefallen ist ne ganze Menge – nämlich Wasser vom Himmel. Und deswegen ist unser Reitplatz jetzt so eine Art Wassertretbecken. Schon der alte Kneipp wusste: das ist voll gesund, durchs Wasser zu laufen. Sagt mein Mädchen. Aber anscheinend ist es nur für mich gesund, denn sie selbst ist nicht durch gelaufen. Sie hat auf einem trockenen Fleck gestanden und mich durch geschickt. Naja, kann ich schon machen. War auch irgendwie ganz lustig. Und nass war ich eh schon, also was soll’s. Hoffentlich rostet meine Rüstung jetzt nicht!

Ich bin übrigens sogar da durch getrabt, auch durch die tieferen Gewässer, aber das konnte mein Mädchen nicht filmen. Sie war leicht überfordert mit Longe, Peitsche und Handy in der Hand. Deswegen hier nur ein kurzer Einblick.

Bleibt schön trocken!

Euer gekneippter Sir Duncan Dhu of Nakel

Verlasspferd

„Der kleine Dunci“ sagt meine Freundin (oooooh für diese Formulierung wird sie seitens des Ritters sicher böse Blicke ernten!) „man kann sich doch auf ihn verlassen, wenn es hart auf hart kommt“.

Ein Verlasspferd, das gibt es ja vor allem im Verkaufsanzeigen. Im realen Leben sind diese Tiere eher selten unterwegs. Aber es gibt sie schon, je nachdem wie man „Verlasspferd“ definiert. Für mich ist das nicht ein Pferd das nie Fehler macht, sich nie erschreckt oder mit dem man keinen Unfall hat. Ein Pferd ist keine Maschine (und selbst auf die ist nie 100% Verlass). Ein Verlasspferd ist in meinen Augen ein Pferd, dass in unbekannten, ungeübten, potentiell gefährlichen Situationen gute Entscheidungen trifft. Diego zum Beispiel ist in meinen Augen ein absolutes Verlasspferd. Als er sich wirklich mal richtig böse erschreckt hat und einen großen Satz zur Seite machte, hat Arnulf nachher geschworen, Diego hätte ihn bewusst mitgenommen, sich so bewegt, dass Arnulf nicht fällt. Ja, auch ein Verlasspferd kann das bestimmt nicht immer, aber eben so oft, dass man sich mit ihm sicher fühlt.

Duncan ist natürlich noch kein Verlasspferd, das ist man mit 3 Jahren einfach nicht. Im Gegenteil, er ist mal wieder in der Pubertät und stellt Grundregeln in Frage. Aber im Gegensatz zum letzten Pubertätsschub hat sich etwas geändert. Neulich als wir spazieren waren und er es eigentlich eilig hatte, hat er trotzdem nicht am Strick gezogen. Kopf schlenkern, Kekse haschen wollen, grimmig gucken und die Stricklänge voll ausloten, ja. Aber kein Gezerre mehr. Und als ich dann – immer noch überfordert mit 7m Seil – den Strick plötzlich hinter meinem Fuß hatte und im Gehen versuchte, mich zu sortieren, da wurde er langsamer. Ganz selbstverständlich, schaute zu mir rüber, nahm mein Problem wahr und half mir, es zu lösen indem er Rücksicht nahm. Ich weiß nicht ob irgendjemand nachvollziehen kann wie sich das anfühlt, außer den Menschen, die es selbst erlebt haben. Da ist dieser Rotzlöffel mit all seinen Launen – aber wenn es ernst wird, nimmt er eben doch Rücksicht. Das gibt mir das Gefühl, dass ich ihm wichtig bin, wichtiger als noch vor ein paar Monaten. Und dass er erwachsener geworden ist.

Bei unseren Aufsteigeübungen habe ich neulich nicht gut aufgepasst: Die Aufsteigehilfe stand nicht ganz stabil. Und just als ich mit einem Bein auf der Kiste und dem anderen über Duncans Rücken stand, kippelte die Kiste. Nur ein bisschen, aber genug, dass ich einen Schreck bekam und mich kurz auf Duncan abstützte um mein Gleichgewicht zu halten und die Kiste wieder zurück zu kippen. Und Duncan, obwohl überrascht über die Situation, stand wie ein Fels. Und das Gefühl war: „ja ich steh gut, stütz dich ruhig ab.“ Vielleicht hat er in diesem Moment gelernt, wie man einen strauchelnden Reiter ausbalanciert. Hätte er sich bewegt, nur einen einzigen Schritt, oder sogar nur sein Gewicht von mir weg verlagert, hätte ich wohl auf der Nase gelegen. Aber er stand.

Ich glaube: wenn wir diese Momente wahrnehmen und gebührend würdigen – das muss nicht unbedingt mit Keksen sein aber mit Aufmerksamkeit auf das, was das gerade passiert und mit Wertschätzung – dann bekommen wir ein Verlasspferd. Nämlich ein Pferd, dass immer versuchen wird, unser Wohlergehen mit zu berücksichtigen, wie misslich die Lage auch sein mag. Weil wir ihm wichtig sind und weil es gelernt hat, wie es uns beschützen und helfen kann.

Für ein junges Pferd ist das in meinen Augen eine der größten Lernaufgaben: verstehen, wie Menschen sich bewegen, was für sie problematisch ist und wie ihr Gleichgewicht funktioniert. Dass Menschen viel empfindlicher sind als Pferde, dass man sie nicht spielerisch kneifen und rempeln darf, dass sie nicht angestiegen werden wollen und lange nicht so schnell rennen können, das alles ist für ein junges Pferd ja nicht klar. Woher soll es das auch wissen? Da müssen erst Erfahrungswerte her.

Als wir letzten Dienstag auf einem Plattenweg neben dem geparkten Anhänger standen um unsere Ponys fertig zu machen für den wöchentlichen Ausflug, kam eine Frau mit ihrem Hund (oder sollte ich sagen: ein Hund, der sein Frauchen spazieren führte?). Sie blieb bei uns stehen, sprach uns an und während sie die Ponys bewunderte, zog ihr Hund an der Leine, bis er direkt vor Duncans Vorderfüßen stand. Mein Herz setzte aus, denn Duncan mag nun zwar die Hunde meiner Freundin knapp akzeptieren, aber ein fremder Hund, der ihm dermaßen nah kommt, könnte dafür einen hohen Preis bezahlen… ich schob mich schnell dazwischen und versuchte, Duncan zu signalisieren, dass stillstehen die Lösung der Wahl ist. Und wirklich: er stand und regte kein Ohr, während die Hundebesitzerin ihr Tier in Sicherheit zerrte. Aus Sicht des Pferdes hätte Duncan jedes Recht gehabt, den Hund zu vertreiben und evt sogar zu jagen. Der Hund hätte vielleicht mit seinem Leben bezahlt. Dass Duncan die Situation ausgehalten hat, zeigt mir, dass er die Menschenwelt schon besser versteht. Mehr als das: er sah ein bisschen aus wie Diego in dem Moment, der „über den Dingen“ steht in solchen Situationen, ungerührt von dem was um ihn herum passiert. Er sah noch nicht einmal verärgert aus, nur leicht angenervt.

Die Hundebegegnung erinnert mich an eine Situation mit Finlay, als er 6 Jahre alt war. Wir hatten unsere alte Hündin „Sali“ mit beim Ausreiten, als uns plötzlich eine Frau mit 4 Hunden entgegen kam. Ich stieg ab und nahm Sali an die Leine. Rechts das Pony, links den Hund sah ich plötzlich, dass nur 2 der fremden Hunde angeleint waren, die anderen zwei schossen im vollen Tempo auf uns zu. Mir wurde Angst und Bange, Arnulf und Diego waren hinter uns und somit zu weit weg um uns die Hunde vom Leib zu halten. Da ging mein Finlay in aller Seelenruhe schräg vor Sali und mich, blockte die Hunde mit seiner Breitseite und schaute sie unmissverständlich an: „kommt nur her, wenn ihr Ärger wollt“. Und die Hunde verstanden die Botschaft sofort. Weg waren sie! Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an diese Begebenheit denke. Finlay hatte die Situation nicht nur voll durchschaut, er war auch in der Lage, zu entscheiden, als ich starr vor Schock war und die Entscheidung, die er traf, war perfekt. Was für ein Pferd! Ein Verlasspferd eben. Und wenn ich Duncan jetzt gerade so sehe denke ich, er ist auf dem Weg dahin. Er lernt mehr und mehr, wie das mit den Menschen funktioniert und langsam erwacht der Gentleman in ihm, auch wenn er im Moment noch überlagert ist von Pubertät.

Es ist der Unterschied zwischen dem „perfekt erzogenen“ Pferd und dem, was in meinen Augen das Verlasspferd ist: das perfekt erzogene Pferd wird stets das tun, was man ihm sagt. Was bedeutet: Finlay wäre neben mir her gelaufen und hätte die Hunde ignoriert. Das Ergebnis wäre ein Desaster gewesen. Stattdessen hat er selbst entschieden und es war eine gute Entscheidung. Ein Verlasspferd (wie ich es meine) hat die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und dann zu sehen ob es gute oder schlechte Entscheidungen waren. Im Menschenleben nennt man diesen Prozess wohl „erwachsen werden“. Natürlich wird die Entscheidungsfreiheit für die Pferde in der Menschenwelt immer eingeschränkt bleiben aber ich muss dem Pferd nicht JEDE Entscheidung abnehmen und es in ewiger, totaler Unselbständigkeit halten. Auch mein Pferd kann ein passendes Maß an Eigenständigkeit entwickeln.

Dazu fällt mir noch eine lustige Geschichte ein: Merlin hat einen behinderten Reitschüler. Der junge Mann kommt mit Betreuern, die ihn zu uns fahren, dann aber in aller Regel einfach warten, während er Reitunterricht von Arnulf und Merlin bekommt. Eines Tages war eine neue Betreuerin dabei, die sich unbedingt einmischen wollte. Sie stand immer ganz nah an Merlin, während der geputzt wurde und versuchte, dem jungen Mann ständig rein zu reden. Merlin fand das wohl störend (oder er spürte dass die beiden Männer es störend finden), denn plötzlich trat er mit seinem Huf gezielt aber sanft auf den Fuß der Betreuerin! Sie wurde nicht verletzt, aber sie merkte, dass sie wohl doch etwas zu nah gewesen war und zog sich zurück. Merlin – in meinem Verständnis von Verlasspferd – hatte die Situation erfasst und das Problem auf seine Weise gelöst. Übrigens tritt er sonst niemals jemandem auf den Fuß…..

Und wenn jener junge Mann Hüftschmerzen hat und sich selbst mit dem reiten überfordert, dann bleibt mein Merlin einfach stehen. Er trifft dann oft die bessere Entscheidung als der Mensch.

So ein Pferd fällt nicht vom Himmel. Es wächst und lernt indem wir Menschen die getroffenen Entscheidungen entsprechend kommentieren. Wenn wir die guten Entscheidungen wahrnehmen – auch wenn es mal unkonventionelle Lösungen sein mögen, die unser Pferd da anbietet – und wertschätzen, dann wird unser Pferd lernen, welche Entscheidungen zu einem guten Ergebnis für ALLE Beteiligten führen. Und ja, natürlich gehört dazu auch das Gegenteil: wenn mein Pferd eine schlechte Entscheidung trifft, ist es meine Aufgabe, ihm das mitzuteilen. Im besten Fall so, dass es selbst merkt, dass das, was da passiert eine Konsequenz seiner eigenen Entscheidung ist und keine Willkür meinerseits.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 177

Neulich hatten wir ja unsere erste Unterrichtsstunde in Doppelkeks …. äh ich meine Doppellonge, ihr erinnert euch?

Und wir hatten viel Spaß, aber da mein Mädchen noch nicht das passende Equipment hatte, konnten wir danach gar nicht üben. Erst musste sie mal wieder shoppen gehen. Und wenn mein Mädchen was für mich kauft, dann ist das meistens grün. Mein Mädchen mag ja eigentlich am liebsten orange und meinem großen Bruder hat das wohl auch sehr gut gestanden. Aber sie meint, ich sei einfach nicht der Typ für orange. Und auch nicht für braun. Aber zu orange und braun passt grün ganz wunderbar dazu und das steht mir gut. Deswegen habe ich ein grünes Halfter, grünen Strick, bisschen grün an den Hufschuhen…. und jetzt eine grüne Doppellonge! Totschick oder?

Totschick, oder?

Dann hat sie versucht, sich zu erinnern wie das ging. Mein Gedächtnis ist ja besser, ich merke mir das immer alles gleich. Sie hat es dann auch noch hinbekommen und wir haben ein paar schöne Runden gedreht. Mein Mädchen hat gesagt, ich sei ihre Dampflok – ich schnaufe zwar nicht, aber meine Beine gehen rauf und runter wie Kolben und ich laufe ganz gleichmäßig, das findet sie super! Der Mann stand am Rand und hat gefilmt und gestaunt. Weil ich immer alles richtig mache, das kann er manchmal gar nicht glauben! Mein Mädchen gewöhnt sich da langsam dran, die weiß dass ich schlauer bin als sie.

Allerdings muss ich anmerken, dass ich kleinere Kreise im Trab noch voll schwer finde. Hat mein Mädchen auch gemerkt und mich ordentlich angefeuert! Dann hat sie gesagt, das üben wir jetzt. Ich soll nämlich jetzt ganz viel Sport machen, Muskeln bekommen und ganz viel Gleichgewicht. Es ist ja so: manche Sachen muss man einfach nur kapieren. Zum Beispiel dass ich außen rum laufen soll und dass ich mir die Doppellonge so hinlegen kann wie ich es bequem finde. Aber manche Sachen muss man halt auch üben, kleine Kreise traben zum Beispiel. Klar VERSTANDEN hab ich das aber ich finde es ist nicht so leicht, wie es aussieht! Übrigens sagt mein Mädchen, genau so sei es mit dem Menschen-tragen auch. Nicht schwer zu verstehen aber man braucht viel Kraft und ein gutes Gleichgewicht. Und das soll ich jetzt trainieren, damit ich noch schöner, noch stärker, noch schlauer und noch größer werde. Ok, klingt erstrebenswert, lass uns anfangen, mein Mädchen!

Euer grün-sportlicher Sir Duncan Dhu of Nakel