Meine Liebe zum schottischen Highlandpony begann vor ungefähr 11 Jahren, als ich eine Highlandpony-Züchterin als Hufpflegekundin bekam. Damals ahnte ich noch nicht, dass das mein Leben verändern würde. Dass ich einmal Fan einer bestimmten Pferderasse werden würde, hielt ich für ausgeschlossen. Schließlich sind alle Pferde toll und alle haben ihre Vorzüge.
Das stimmt auch immer noch. Und ich habe die Rasse gefunden, die am besten zu mir passt: das Schottische Highlandpony. Einige Jahr später wurde bei dieser Züchterin mein erstes „Schotten-Pony“ Finlay geboren und Finlay wird für mich (was den Charakter angeht) vielleicht immer der Innbegriff des Highlandponys sein. Die Schotten sind ein bisschen anders als andere Ponys. Natürlich gibt es – wie auch innerhalb anderer Rassen – eine Bandbreite an verschiedenen Typen: von den sehr lieben, die sich als Therapiepferd eignen bis zu den sehr selbstbewussten, die ihre Besitzer schon mal vor die eine oder andere Herausforderung stellen. Was ihnen gemeinsam ist, ist die große Menschenbezogenheit, das unbedingte Bedürfnis nach viel Beschäftigung und Abwechslung sowie der Gerechtigkeitssinn. Behandle mich fair, dann ist alles ok. Behandle mich unfair und Du zahlst den Preis. Die Schotten sind sehr ehrlich – geradeheraus, kein Blatt vor dem Mund. Und viele von ihnen sind abenteuerlustig, haben wenig Angst und erleben gern Neues.
In diesem Blog möchte ich Euch teilhaben lassen an den Geschichten, die ich mit meinem Schotten-Pony erlebe. Bald schon geht es los – ich nehme Euch mit auf eine Reise, die so gar nicht hätte stattfinden sollen, und die ich jetzt als neue Chance und neues Abenteuer sehen möchte. Abonniert am besten gleich diesen Blog, damit Ihr keine Schotten-Pony-Abenteuer verpasst! (einfach Ich freue mich jederzeit über Kommentare, Fragen und Themenwünsche.
Nach dem Ausritt am Samstag kam mein Mädchen am Sonntagmorgen sogar NOCH früher. Was ist los mit ihr?
Diesmal stand etwas anderes auf dem Programm. Unsere werte Schneidermeisterin kam zu Besuch und die machte die Beifahrerin auf der Kutsche. So konnte Diego die Kutsche ziehen mit dem Mann und der Schneidermeisterin drauf, während ich mein Mädchen tragen durfte. Das war eine schöne Lösung, gemeinsam los zu ziehen!
Aber vorab habe ich meine neu aufgepimpten Hufschuhe anbekommen.
Ich habe ja letztes Jahr neue Sandalen bekommen, das sind die einzigen, die ich bisher nicht abgetreten habe beim Galoppieren. Die werden in Einzelteilen geliefert und dann kann man sich die selbst zusammenbauen, genau passend für das eigene Pferd. So weit, so praktisch! Aber schon beim Zusammenbau hatte mein Mädchen Bedenken, ob das wohl alles so haltbar ist. Und tatsächlich: schon nach 370km, die ich mit den Schuhen zurückgelegt habe, ist das Profil komplett runtergerockt und die Schrauben von den Seitenteilen teilweise abgelaufen. Das findet mein Mädchen richtig blöde! Eigentlich sollten Hufschuhe mindestens 1000km schaffen. Also hat sie überlegt, was zu tun sei und im Internet einen tollen Tipp gefunden. Andere Sohlen drunter bauen! Und so haben der Mann und sie am Wochenende geschraubt, geflucht, wieder auseinandergeschraubt, anders zusammengeschraubt und bei mir anprobiert und am Sonntag durfte ich das neue Konstrukt dann testen. Und bei der Gelegenheit auch die neu erworbenen Hinterhufschuhe (noch mit Originalsohle) ausprobieren.
Neue Sohle für meine Sandalen
Da wir mit der Kutsche viel auf Asphalt unterwegs sind, aber auch nicht immer nur Schritt gehen wollen, haben Diego und ich in den vorderen Hufschuhen „Sporteinlagen“, die alles gut dämpfen. Damit können wir wie auf Wolken über den harten Boden schweben.
Alle fertig angezogen?
So, nun war ich also angezogen mit meinen neuen Schuhen, Sattel, Zebradecke, Fliegenmaske. Diego war auch komplett ausstaffiert und die Kutsche an ihm festgetüddelt und also ging es los! Der Mann und mein Mädchen hatten noch etwas anderes Neues auszuprobieren: Headsets! Mein Mädchen hatte nämlich auf dem Kurs mit der Reitmeisterin immer so ein paar Kopfhörer auf, so dass Frau Reitmeisterin entspannt am Rand sitzen und leise sprechen konnte, und mein Mädchen sie gut gehört hat. Das fand mein Mädchen so patent, dass sie das für ihren eigenen Unterricht auch wollte und ist direkt shoppen gegangen. Und der Testlauf war jetzt unser gemeinsamer Ausflug, denn da ist das auch sehr praktisch, wenn man sich nicht immer so anbrüllen muss. So konnten die Menschen sich immer ganz leicht absprechen, auch wenn der Abstand zwischen uns mal größer wurde. Überhaupt: der Abstand! Diego und ich müssen jetzt viel mehr Abstand halten, wegen der Kutsche. Ich darf da nicht so dicht ran, damit wir nicht zusammenstoßen, falls einer von uns doch mal unverhofft einen kleinen Hüpfer machen sollte. Das gilt es dringend zu beachten, sagt mein Mädchen.
Dafür, dass wir das erst das zweite Mal überhaupt so gemacht haben, ging das wirklich sehr, sehr fein in dieser Kombination! Und mit meinen neu besohlten Schuhen lief es sich sehr gut, muss ich sagen, ich war hoch zufrieden, die gehen jetzt in den Langzeittest. Wir sind schöne 10km gefahren/geritten und weil es noch so früh am Tage war, waren die Bremsen noch am schlafen (mein Mädchen war darauf leicht neidisch). Diego und ich haben alles perfekt richtig gemacht und die Schneidermeisterin hat in einer Tour davon geschwärmt, was Diego für ein toller Kerl ist. Mein Mädchen hat mir dann immer zugeflüstert, dass ich auch ein toller Kerl bin! Danke, mein Mädchen, das höre ich stets gern.
Schön, gemeinsam unterwegs zu sein!
Als wir nach Hause kamen, waren leider auch die Bremsen aufgewacht und hatten uns als Frühstück auserkoren, aber zum Glück gab es dann ja nur noch eine schnelle Dusche, bevor wir uns im Stall verstecken konnten, um den Biestern zu entgehen. Schön war das und verlangt nach einer Wiederholung!
Der nächste Ausritt hat nicht lange auf sich warten lassen. Nachdem ich am Freitag erstmal beim Haus- und Hof-Osteopathen war (der hat mir schnell die Hüfte wieder gerade gemacht, keine große Sache, und er war sehr angetan, wie locker ich bin!), ging es am Samstag wieder auf Tour. Diesmal in Begleitung vom Rennesel.
Mein Mädchen kam recht früh (für ihre Verhältnisse), weil es schon wieder ziemlich warm zu werden drohte. Erstmal ging es zum Coiffeur für einen neuen Zopf, wegen der Wärme. Frisch frisiert bin ich fröhlich in die Wackelkiste marschiert und habe dem Rennesel großzügig etwas von meinem Heu angeboten – aber der wollte mal wieder nix. Kein Wunder, dass der so knochig aussieht, wenn er nie was futtert!
Erstmal ein neuer Zopf
Wir kamen am Ponyhof raus, da kenne ich mich gut aus, da waren wir schon ganz oft. Satteln, einsprühen, diesmal ohne Decke los. Der Rennesel – der sich auch als Packesel ganz gut macht – hat meine Decke für den Notfall mitgenommen. Ha! Endlich schleppt mal ein anderer!
Erstmal wie immer ein Stück zu Fuß. Dann ist mein Mädchen auf meinen Rücken geklettert und es ging los. Rinderweide! Ich wollte schon ganz munter vorbeimarschieren, da hat mein Mädchen zum Mann gesagt, er soll mal hinter uns bleiben und sich raushalten. Moment mal! Ich ganz allein hier vorne? Und jetzt soll ich die ganze Verantwortung tragen, wenn da eine riesige Herde mit riesigen schwarz-bunten Kühen steht? Puh! Plötzlich kam ich mir doch etwas klein vor. Und was soll ich sagen: kaum war ich todesmutig an er ersten Kuh vorbeimarschiert (die mich sehr intensiv angestarrt hat), da kam die zweite angeflitzt und bockte auf den Zaun zu! Mädchen! Was soll ich denn jetzt machen! Weiteratmen, meinte sie. Aber ich war mir doch nicht so sicher. Nachdem ich mehrfach SOS nach oben gefunkt hatte, ist sie dann netterweise abgestiegen und hat die Verantwortung übernommen. Puh! Sie meinte aber, ich hätte das trotzdem toll gemacht und wir würden das jetzt einfach ein bisschen üben.
Schön, zusammen unterwegs zu sein
Dann kam eine ganze Weile nix aufregendes mehr – zum Glück! Ich bin fröhlich gemütlich vor mich hingetrabt und um uns herum summte und brummte es die ganze Zeit, dass es zum fürchten war! So lange man nicht durchpariert, können sie aber nicht landen, also einfach weiterlaufen! Mein Mädchen fand das bisschen eklig, wenn die Bremsen ihr ins Gesicht geknallt sind, aber besser als gebissen werden ist es allemal, da waren wir uns einig. Hier rechts! Das ist doch der Ochsenweg – und hier ist der Boden so schön. Da hat mein Mädchen einen Galopp vorgeschlagen und ich war sehr dafür. Erst musste ich mich bisschen eingrooven, aber dann hab ich meinen Rhythmus gefunden und bin zügig durchgaloppiert mit bis zu 20km/h. Mein Mädchen war stolz wie Bolle, weil ich das jetzt so toll kann! Und im Galopp hat man dann auch Ruhe vor den brummseligen Fliegviechern.
Nur einen Haken hatte das Ganze: nach dem Galopp hatte ich ordentlich geschwitzt und das lockte nur noch mehr von den fiesen Bremsen an! Aber nicht umsonst trage ich ja immer allerhand Zeug herum – unter anderem einen „Deo-Roller“ mit Stinkezeug, der die Viecher zumindest etwas von mir fernhält. Mein Mädchen hat mich eingeschmiert, während ich noch am Traben war, Durchparieren wollte ich lieber nicht! Der Mann hat dann den Roller genommen und mich während der Fahrt an den Körperstellen beschmiert, an die mein Mädchen nicht rankam. Sehr sportlich! Dann hab ich mich getraut, Schritt zu gehen und wir kamen dann auch in eine Gegend in der nicht so viele Bremsen waren. Aber mein Mädchen wollte gerüstet sein für den weiteren Weg und hat sich vom Mann einen schönen Zweig schneiden lassen.
Der hatte oben einen Griff und dann zwei schön belaubte Enden, die genau rechts und links über meinen Hals passten. Damit hat sie mich dann einfach in einer Tour abgestrichen – vorne, hinten, unten und dann wieder vorne, hinten, unten. Erst dachte ich, der Zweig sei zum Essen, aber dann habe ich den smarten Plan dahinter verstanden und mich abstreichen lassen, während wir im Schritt und Trab unterwegs waren. Im Galopp brauchte sie das nicht machen, da hat sie den Zweig schön hinter uns herwehen lassen.
Der Zweig!
Mein Mädchen ist sehr zufrieden mit dieser Version der Bremsen-Vertreibung und bietet solche Zweige jetzt kostengünstig zum Bestellen an. Vegan, rein biologisch abbaubar aus nachwachsenden Rohstoffen, passend für jedes Pferd vom Shetty bis zum Shire! Mit smartem Griff, leicht zu handhaben, für Rechts- und Linkshänder geeignet! Kann nach dem Ausritt auch direkt als Leckerli verfüttert werden. Wenn das kein Angebot ist! Jetzt zum unschlagbaren Einführungspreis von 20€ pro Zweig.
Naja, Spaß beiseite. Nach 11km, die wir mit einem Affenzahn hinter uns gebracht hatten, kamen wir an DEN Vorgarten. Also DER Vorgarten! Und da standen schon wieder zwei Stühle, zwei Wasserflaschen für die Menschen und ein großer Bottich mit frischem Wasser für mich bereit! Ich durfte dann den Rasen dort mähen, während die Menschen sich mal wieder ein leckeres Eis genehmigt haben. Ach, das war fein! Den Vorgarten merke ich mir, mein Mädchen hat mir schon angemerkt, dass ich niemals wieder ohne Vollbremsung dort vorbeigehen werde, nachdem ich jetzt ZWEIMAL leckerste Verpflegung dort genießen durfte.
Nach ausgiebigen, recht erfolgreichen Mäharbeiten meinerseits war es dann Zeit für den Heimweg. Die Wackelkiste war nicht weit entfernt und so ist mein Mädchen einfach den Rest mit mir zu Fuß gegangen. Der Mann hat uns nach Hause kutschiert und wir waren hoch zufrieden mit diesem schönen Ausritt.
Während mein Mädchen mir erzählt hat, dass manche Pferde 120km laufen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18 km/h war sie sehr stolz auf unsere 11km mit 9km/h Durchschnitt. So schnell war das alles gar nicht geplant, aber manchmal haben Bremsen eine erstaunlich beschleunigende Wirkung!
War jedenfalls ein toller Ausflug ganz nach meinem Geschmack und ich muss sagen, ohne die Zebradecke komme ich doch besser klar mit der Hitze. Da will mein Mädchen jetzt nochmal nachbessern, damit es mir nicht immer so warm ist. Vorschläge sind uns willkommen!
Euer bremsenbeschleunigter Sir Duncan Dhu of Nakel
Nachdem wir dann eine ruhige Zeit hinter uns gebracht hatten – bisschen unterrichten, bisschen selbst das üben, was wir auf dem Kurs gelernt haben – wurde es Zeit für den nächsten Ausritt. Das Wetter war schön, nicht zu warm, nicht zu viele Vampire unterwegs. Also ab in die Wackelkiste und den Ausreitkumpel abholen! Mein Mädchen hat gesehen, dass ich meine neuen Hufschuhe bereits nach 370km ziemlich kaputtgelaufen habe und wollte die gerne etwas schonen. Sie meinte, die geplante Strecke müsste auch ohne Schuhe gehen, aber weil sie nicht ganz sicher war, wollte sie die Schuhe mitnehmen. Sie hat sie also an der Seite vom Sattel mit dem Karabiner festgemacht.
Ich bin ja gewohnt, alles mitzuschleppen, was sie und ich so brauchen. Wasser und Futter für sie, Erste-Hilfe-Set, Kacktüten, ein Wechselshirt für sie, Fliegenspray für mich, ihre Pipi-Hilfe (weil sie nicht ihren nackten Hintern in die Landschaft halten will). Aber wenn wir mit dem Ausreitkumpel unterwegs sind, nimmt das andere Ausmaße an! Plötzlich trage ich auch noch die Wasserflasche vom Mädchen vom Ausreitkumpel, sein Fliegenspray (als ob er nicht meins nehmen könnte!), und in diesem Fall auch noch seine Hinterhufschuhe, weil die ihn irgendwie mächtig gestört haben und er ständig mit den Hufen gestampft hat. Die hat mein Mädchen hinten in die Tasche gestopft, die Karabiner waren ja mit meinen Schuhen besetzt. Ich glaube, ich sollte mal ein bisschen Transportgeld verlangen für die ganze Schlepperei! Aber ich bin ja ein geduldiger Ritter und mache das alles mit ohne zu murren.
Los ging es in den schönen Wald! Diesmal voll verkleidet mit Maske und Decke, denn in dem Wald gibt es Hirschlausfliegen und ne Menge Zecken, da wollten die Mädchen lieber kein Risiko eingehen.
Kaum waren wir munter losmarschiert und hatten die ersten ein oder zwei Kilometer hinter uns, kam die Meldung vom Mädchen: „Hufschuh verloren!“. Hä? Ich hab doch gar keine Schuhe an? Also wirklich, das ist die hohe Kunst: Hufschuhe verlieren, die man gar nicht anhat! Da hatte einer der Schuhe sich vom Karabiner gelöst. Die Mädchen haben kurz beraten was zu tun ist und dann beschlossen, dass wir weiter reiten und den Hufschuh am Ende suchen, wenn wir zurückkommen. Den zweiten Hufschuh hat mein Mädchen dann lieber in der Packtasche verstaut, damit der nicht auch noch verloren geht.
Nach diesem Drama konnte es dann wirklich losgehen. Erstmal wieder nach bester Mädchen-Logik: sich beschweren, dass die Äste so nah am Wegesrand wachsen und ihr die Arme zerkratzen, aber wegförstern soll ich sie auch nicht. Ihr ist einfach nicht zu helfen! Ich war schön vorneweg, aber entgegen der Erwartung meines Mädchens war mir nicht nach sehr viel Tempo zumute. Am Abend davor hatte ich den Turbo auf dem Reitplatz gezündet und sie meinte, ich würde vielleicht mal ordentlich galoppieren wollen, aber mir war warm unter meiner Zebradecke und mir war nicht nach galoppieren. Na, auch recht, also waren wir die meiste Zeit im Trab. Alsbald kamen wir dann auf einen Teil der Strecke, den wir bei unserem großen Ausritt auch geritten sind. Der Ausreitkumpel und ich haben uns bang gefragt, ob die Strecke diesmal wohl NOCH länger werden soll als letztes Mal. Jedenfalls haben wir beschlossen, uns unsere Kräfte lieber gut einzuteilen.
Nach ein paar Kilometern kamen wir dann auch wieder in das Dorf – diesmal von der anderen Seite als letztes Mal. Und im Dorf hab ich ja immer was Wichtiges vor: da wird geäppelt! Weil das so einen lustigen Effekt hat. Erst flucht mein Mädchen, dann steigt sie ab und tüddelt ewig mit der Tüte rum und meistens geht sie danach zu Fuß weiter bis die Strecke wieder schöner wird. So verschaffe ich mir eine kleine Pause von der Schlepperei!
Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat so lang meine Zügel gehalten und wir Ponys waren soooooo artig. Kaum war mein Mädchen fertig mit einsammeln, ging es los: Motorrad! Motorrad! Motorrad! Motorrad! Motorrad! – hört das denn gar nicht mehr auf? Früher hab ich für jedes Motorrad einen Keks bekommen, was ist eigentlich aus dieser Regel geworden? Hau mal was raus, mein Mädchen! Hat sie dann auch. Sie wollte mit uns stehenbleiben, bis die ganzen Motorräder vorbei sind, aber es nahm einfach kein Ende und so sind wir schließlich losgegangen, während gefühlte 28947423 Motorräder an uns vorbeigefahren sind. Wir Ponys waren ganz unbesorgt, haben uns gelegentlich einen Keks geben lassen und schließlich kehrte auch wieder Ruhe ein. Zack! – Mädchen stolz.
Wir sind sooooo brave Ponys!
Am Friedhof ist mein Mädchen dann wieder aufgestiegen – von der Bank, an der ich es ihr damals, vor 5 Jahren, schon angeboten hatte. Manche Angebote muss man wohl länger aufrechterhalten, bis sie angenommen werden!
Weiter ging es eine schöne gerade Strecke, da sind wir dann ein bisschen galoppiert, mein Mädchen und ich. Mein Ausreitkumpel durfte nicht galoppieren. Der war nämlich mal wieder in Hops-Laune und hatte seinem Mädchen schon ziemlich früh am Anfang des Ausritts einen ordentlichen Seit-Hopser zugemutet, bei dem sie fast den Abgang gemacht hätte und sich einen Muskel gezerrt hat. Jetzt war sie ihm böse und wollte, dass er ganz schnell trabt, dann kann er nämlich nicht so gut hopsen. Wenn er langsam galoppiert, macht er gern mal einen Zick-Zack-Parcours (jeder Anlass ist ihm recht: ein Baumstamm, ein Baumstumpf, ein böse aussehender Stein, ein gruseliger Grashalm…. So ist er eben!)
Wir sind also vorneweg galoppiert und mein Mädchen hat hart mit mir verhandelt, dass sie doch auch mal einen Rechtsgalopp will und nicht immer nur Linksgalopp. Aber mir fiel das schwer und als ich den Rechtsgalopp schließlich gefunden hatte, war er irgendwie nicht rund. Mein Mädchen hat sich also direkt eine mentale Notiz gemacht, dass ich zum Haus- und Hof-Osteopathen muss, weil da was nicht stimmt. Danach war ich auch irgendwie verklemmt und bin nicht mehr so recht vorangekommen. Es wurde ein zähe Angelegenheit, obwohl die Wege wirklich schön waren. Mein Ausreitkumpel war auch nicht mehr so recht gewillt, die Verantwortung zu übernehmen und vorneweg zu gehen. Und dann sind wir auch noch am üblichen Wackelkistenparkplatz vorbeigeritten! He, Mädchen, da links da müsste doch die Wackelkiste stehen! Aber mein Mädchen hat nur gelacht und gesagt, ich wüsste doch wohl, wo die Wackelkiste geparkt ist und müsste mich ja erinnern, dass wir diesmal auf einem anderen Parkplatz gestartet sind. Naja, aber die Wackelkiste ist ja beweglich, da weiß man nie! Nein, weiter ging es, nochmal über die große Straße, aber dann waren wir auch schon fast da. Wir sind dann nochmal das kleine Stück abgeritten, wo der Hufschuh liegen könnte – aber da lag er nicht. Also haben wir umgedreht und sind den Weg zur Wackelkiste zurückgeritten. Und da lag er, ganz unschuldig, mitten auf dem Weg! Er hatte die ganze Zeit auf uns gewartet, ist das nicht nett von ihm? Zum Glück waren die Wege ja gut genug, um ohne Schuhe laufen zu können.
Da liegt er und wartet auf uns, der Hufschuh!Da hätte er hin gehört!
Wieder an der Wackelkiste wurden wir gekühlt und dann haben wir uns schön nach Hause wackeln lassen. Und während ich ja zum Glück gut geschützt war mit Decke, Fliegenmaske und Spray hat mein Mädchen sich glatt zwei Zecken mitgenommen aus dem Wald. Ich glaub, sie braucht auch eine Zebradecke!
Knapp 15km in 2 Stunden haben wir geschafft – obwohl es sich eigentlich langsam angefühlt hat, also doch ganz schön flott. Aber mir war sooooo warm, mein Mädchen hat meinen Puls gefühlt, der war etwas höher als sonst (60) und ich war ausnahmsweise auch ein bisschen schnaufig – das bin ich sonst eigentlich nie. Egal, schön war es trotzdem!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (der sich gemeinsam mit seinem Mädchen schon sehr auf den Herbst freut…)
Nach dem Kurswochenende hatte ich viel Pause. Nicht, weil ich es so dringend gebraucht hätte, aber mein Mädchen hatte viel zu tun und sie brauchte auch viel Erholung nach den heißen Tagen mit wenig Schlaf. Da bin ich als Pony im Vorteil, ich kann tagsüber Nickerchen einlegen so viele ich will. Mein Mädchen ist da manchmal sehr neidisch!
Aber ein bisschen was gab es doch für mich zu tun, denn meine neue Freundin kam mal wieder. Ich habe schon wieder eine aufgegabelt! Eine Erwachsene – jetzt hab ich zwei kleine und zwei große Freundinnen, die regelmäßig kommen. Mein Mädchen hat gelacht, als ich meine neue Freundin kennengelernt habe, denn sie hat gesehen, dass ich meine Taktik geändert habe. Früher war ich bisschen aufgeregt und unsicher, wenn neue Menschen kamen. Jetzt weiß ich, dass die alle nett zu mir sind, auch wenn sie einen komischen Dialekt sprechen und manchmal selbst nicht wissen, was sie tun. Ich weiß auch, dass mein Mädchen zur Not immer einspringt und mir hilft. Und also kann ich mich aufs Wesentliche konzentrieren. Erstmal: Keks-Check. Welche Tasche muss ich ansteuern und hat dieser neue Mensch verstanden, wie die korrekte Berechnung der Keksrate funktioniert? Wenn nicht, muss ich da erstmal nacharbeiten. Dann die zweite wichtige Frage: kann ich Grünzeug ergattern? Auf dem Weg zum Reitplatz zum Beispiel, oder auch auf dem Reitplatz selbst? Ist die Person durchsetzungsfähig oder kann ich mit leichter Ignoranz schon viel Leckeres erreichen?
Und wenn sie dann aufgestiegen sind: Tempo und Richtung – bestimmt die Person oben das oder macht das mein Mädchen von unten…. Oder lässt mein Mädchen den Dingen (also mir!) ihren Lauf und amüsiert sich (un)heimlich? Das ist ja ihre Lieblingsmethode. Dann gibt sie zwar Hinweise, greift aber nicht ein. Zum Beispiel bei meiner neuen Freundin. Da hab ich die Nase (und die Zähne!) erstmal in diesen einen leckeren Busch gesteckt, der da am Reitplatzrand wächst. Mal sehen, ob sie Einwände hat. Aber sie hat hochkonzentriert in den Busch gestarrt, also hab ich einfach gefuttert, egal was sie da oben getrieben hat. Mein Mädchen hat ihr dann gesagt, dass sie vielleicht lieber mal da hinschauen sollte, wo sie hin will….. da war ich dann so freundlich und habe mich bequemt, diese Nascherei vorerst stehen zu lassen (also, bis wir wieder dran vorbeikommen, versteht sich. Dann geht die Diskussion von vorne los. Man lernt nur durch Wiederholung!).
Und dann diese Regel mit dem Kuchen! Mein Mädchen sagt ja immer, wer sie umreitet, muss Kuchen backen. Und dann stellt sie sich in der Pause ganz nah an mich ran (angeblich um was zu erklären), in der Hoffnung, dass die Lenkung von oben versagt, und sie Kuchen bekommt. Und ich stecke dann in der Zwickmühle: Soll ich nett zu meinem Mädchen sein und dafür sorgen, dass es Kuchen gibt? Oder bin ich nett zu meiner Reiterin und gleichzeitig nett zu mir selbst, weil mein Mädchen mir vielleicht zu schwer wird, wenn sie zu viel Kuchen futtert? Ich muss sie schließlich tragen! Hmmmmm.
Eine weitere Regel ist: wer die Tonne umreitet, muss sie von oben wieder aufstellen! Hat in diesem Fall allerdings nicht geklappt, trotz vollem Körpereinsatz.
Jedenfalls habe ich viel Spaß am Unterrichten. Mein Mädchen findet es zu lustig, wenn ich verschmitzt schaue und meine Reiterinnen auf die Probe stelle. Dabei bin ich natürlich so artig, dass niemandem etwas passiert, ich mache nur ungefährlichen Quatsch. Bin schließlich Ritter und Gentleman! Was zur Folge hat, dass sie mich alle toll finden, auch die Neue. Und ich bin gut im Beibringen, meine Schülerinnen werden immer besser! Darauf ist mein Mädchen sehr stolz. Dann sagt sie wieder, ich würde meinem Freund Merlin auch in dieser Hinsicht alle Ehre machen.
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Lehrpferd-Professor in the making)
Am nächsten Morgen kam mein Mädchen schlaftrunken angewackelt und sagte, es geht wieder los. Du so früh hier? Das wird doch nix. Aber zum Glück war ja der Mann dabei, der hat aufgepasst, dass alles gut läuft. Als wir dann wieder auf dem Hof waren, ging es diesmal direkt in die Reithalle zu einer weiteren Unterrichtsstunde. Oje! Frau Reitmeisterin hat sich alle Mühe gegeben, meinem Mädchen zu sagen, was sie wann tun soll. Aber ihr wisst ja schon: die Reaktionszeiten von euch Menschen sind einfach viel zu lang! Deswegen müssen wir Pferde ja immer auf euch aufpassen und bringen euch bei Gefahr selbständig in Sicherheit. Bis ihr geschnallt hättet, dass da ein Monster im Gebüsch sitzt, wären wir ja alle längst Monster-Frühstück geworden. Und so war es hier jetzt auch – also nicht mit Monstern, aber mit Anweisungen. Annehmen, nachgeben, nachtreiben, und mein Mädchen war immer zu spät und zu langsam. Ich war schlussendlich ehrlich gesagt etwas verwirrt – und mein Mädchen auch.
Als unsere Stunde zu Ende war, habe ich mir ein Taxi genommen (der Mann hat mich nach Hause gewackelt), während mein Mädchen noch dort blieb um den anderen Reitern zuzuschauen und am Theorie- Unterricht teilzunehmen. Sie hat Frau Reitmeisterin gesagt, wie verwirrt sie war und dass sie hofft, dass sie das in der nächsten Einheit mal fühlen kann, wie das gehen soll. Ich hab derweil den Tag im Stall verdöst, denn es war wirklich, wirklich heiß.
Mein Mädchen und die anderen Menschen hatten sich gefragt, wie viel man uns Pferden bei so einem Wetter wohl zumuten kann, und so hat mein Mädchen ein Thermometer mit in die Reithalle genommen. Jetzt sage ich mal so: ich weiß, dass 30° heiß ist. In der Reithalle waren es aber 86°! Du meine Güte! Mein Mädchen hat gesagt, das wäre in diesem Fall das gleiche, nur einmal Celsius und einmal Fahrenheit. Hä? Dann hat sie gesagt, man addiert die Grad Fahrenheit mit den Prozent Luftfeuchtigkeit und der Wert der da rauskommt, sagt einem, wie gefährlich es wohl ist, Sport mit dem Pferd zu machen. Das kam mir fast etwas komplizierter vor, als die Berechnung der korrekten Keksrate! Aber man will ja auch nicht irgendwann umfallen vor lauter Hitze.
Also hat sie neben das Thermometer einen Zettel gelegt, damit alle nachschauen können:
Hitzeindex
Temperatur in F° + Luftfeuchtigkeit in % = Risikowert
unter 130: alles ok
131-150: Risiko niedrig
150-180: Risiko mäßig
Über 180: Gefahr
(Quelle: Kernkompetenz Pferd)
So konnte sie immer die Lage checken und feststellen, dass wir das ganze Wochenende während unserer Reitzeiten nie nennenswert über 150 kamen.
Am Samstag Abend sind wir dann wieder hingefahren. Vorher hat mein Mädchen Fieber gemessen, um zu sehen, ob ich wohl innerlich doch heißer bin als geplant, aber ich hatte meine Körpertemperatur perfekt geregelt, da war sie sehr zufrieden. Und ich war trotz Hitze hoch motiviert, vor allem, nachdem mein Mädchen mir vor dem Ritt eine kühle Dusche verpasst hatte, damit ich nicht schon vor dem Start so heiß bin.
Frau Reitmeisterin hat dann den Wunsch meines Mädchens erfüllt und ihr mehr Zeit zum Fühlen gelassen und plötzlich hat es bei uns beiden „Klick“ gemacht und wir wussten, wie das geht. Ich hab mich in Pose geworfen und bin wie ein Meister-Tänzer durch die Halle geschwebt, dass es eine wahre Freude war. Frau Reitmeisterin war baff, wie fix ich das alles umsetzen kann und wie leicht das mit mir läuft. Tja, unterschätze niemals ein kleines, plüschiges Pony! Den Golf I, so sagt Frau Reitmeisterin, lassen wir ab sofort in der Garage, wir sind jetzt nur noch im „Jaguar-Modus“ unterwegs, mein Mädchen weiß jetzt, wie sie mir helfen kann, den zu finden. So waren mein Mädchen und ich sehr glücklich nach diesem Ritt und sind beseelt wieder nach Hause gefahren.
Im „Jaguar- Modus“ unterwegs
Zu Hause wurde ich nochmal schön kalt abgeduscht und durfte dann wie immer die Nacht mit meinen Kumpels auf der Weide verbringen. Und diese Nacht hatte es in sich! Da fing es an zu regnen und zu donnern und zu blitzen! Aber wir Ponys waren froh um die heiß ersehnte Abkühlung, auch wenn der Schlaf etwas zu kurz kam. Ich habe mir eine kleine Panade gegönnt, aber damit mein Mädchen sich nicht grämt, hab ich mich danach vom Regen wieder sauber waschen lassen.
So fand sie Sonntagmorgen – wieder viel früher als ich sie sonst zu Gesicht bekomme – dass ich doch ein sehr reinlicher Schimmel bin und es kaum was zu putzen gibt. Ich war zwar nass, aber sauber. Ich bin wieder hoch motiviert in die Wackelkiste geklettert und habe mich ein viertes Mal zu dem Hof mit Frau Reitmeisterin wackeln lassen. Wir haben alles nochmal geübt, was wir in den Einheiten davor gemacht haben und Frau Reitmeisterin hat sich nochmal meinen schönen Galopp angeschaut und meinem Mädchen Tipps gegeben, wie der NOCH SCHÖNER werden kann.
Außerdem hat sie nochmal betont, wie toll ich das alles mache und was noch alles in mir steckt. Dann waren wir alle ganz zufrieden mit unserer Leistung und haben uns verabschiedet. Ich wäre ja auch gern noch geblieben, all die nette Aufmerksamkeit und so viele potentielle Pferde-Freunde! Aber gut, zu Hause ist es ja auch schön. Als wir nach Hause gewackelt waren, wollte mein Mädchen mich aus der Wackelkiste aussteigen lassen. Aber ach! Sie war so müde und fertig mit der Welt, dass ihr Hirn wohl einfach eingeschlafen war. Sie hat mehrfach gesagt, dass ich doch endlich aussteigen soll. Ich hab das auch kurz mal versucht, aber dann fiel mir auf, dass sie eine Kleinigkeit vergessen hatte: ich war vorne noch angebunden! Da kann ich doch gar nicht aussteigen, du dummes Mädchen! Ich hab sie dann nur eindrücklich angeschaut, bis sie es gemerkt hat. Sie musste furchtbar über ihre eigene Tüddeligkeit lachen und hat für mich gleich ein paar Kekse springen lassen, weil ich so schlau war und mich nicht aufgeregt hab, sondern einfach stehengeblieben bin.
Ich bin dann in den Stall entlassen worden und habe mir erstmal ein ausgiebiges Nickerchen gegönnt. Mein Mädchen hat den ganzen Rest des Tages mit Herumgammeln verbracht und kam nur noch runtergeschlichen, um uns einen Happen Heu zu servieren.
Nebenbei hat sie große Pläne geschmiedet, weil sie hofft, dass wir mal Frau Reitmeisterin bei ihr zu Hause besuchen und Unterricht nehmen können – sooooo weit weg wohnt die nämlich nicht. Es riecht also mal wieder sehr nach neuen Abenteuern!
Aber jetzt ruhen wir uns erstmal ein bisschen aus, bevor es weiter geht.
Ich hoffe, ihr habt die Hitze alle gut überstanden!
Los ging es am Freitag Nachmittag. Es war noch ordentlich heiß, als es für mich erstmal in die Waschanlage ging und anschließend zum Privat-Coiffeur, mein Wallehaar neu einflechten (wenn es so warm ist, trage ich immer Zopf, damit mein Hals besser abkühlen kann). Am Donnerstag war ich schon unterm Entpelzer gewesen, das wird jetzt unsere neue Sommer-Routine, sagt mein Mädchen, dass sie mir auch im Sommer immer wieder stellenweise den Pelz wegmacht, damit jede frische Brise direkt auf meine Haut kommt.
Derart aufgehübscht ging es dann in die Wackelkiste. Ach, den Hof kenne ich, da steht die Waage! Ich wollte direkt da rauf klettern, das machen wir doch sonst immer, wenn wir hier sind! Aber diesmal ging es an der Waage vorbei und ich wurde in einer Box geparkt. Dort gab es Heu und Wasser für mich – aber auch ein Problem! Ich bin ja nicht der Größte meiner Art und ich wollt doch gern auch mal nach draußen schauen… Huhu! Wo seid ihr denn?
Ich will rausgucken!
Aber nach einer kleinen Weile habe ich etwas herausgefunden: Wenn ich direkt an die Tür rangehe, finden meine Vorderhufe eine kleine Kante, auf die ich mich stellen kann! Toll, jetzt kann ich gucken! Also hab ich mir immer etwas Heu genommen und mich dann auf die Kante gestellt, um zu gucken. Dann wieder paar Happen Heu essen, dann wieder auf die Kante zum Gucken. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, ich würde mich selbst trainieren mit diesem neuen Sport.
Ah, so geht das! Zum Glück bin ich ein schlaues Pony!
Nach einer Weile, in der ich mich mit diesem Spiel vergnügt hatte, kam sie dann, um mich abzuholen und es ging in die Reithalle. Spannend! Dort war schon ein Pferd, aber wir durften trotzdem schon mit rein zum Gucken. Ich war hier vor laaaaaanger Zeit schonmal kurz drin. Aber dieser Spiegel, den finde ich schon interessant – wer ist denn dieses hübsche Pony das ich da sehe?
Und Menschen waren da. Die saßen auf Stühlen am Rand und eine von denen hat immer geredet. Mein Mädchen hat gesagt, wir nehmen dieses Wochenende endlich mal wieder Unterricht und die Frau die da redet ist Frau Reitmeisterin. Ah ok!
Nachdem wir alles angeschaut hatten, ging es los. Ich habe Frau Reitmeisterin fröhlich hallo gesagt und festgestellt, dass sie nett ist, aber leider keine Kekse auf Tasche hat. Sie hat sich gefreut, einen Schotten zu sehen und mein Mädchen hat ihr ein bisschen erzählt, wie toll ich bin. Sie hat auch erzählt, was sie lernen möchte, nämlich, wie sie meinen „Porsche-Modus“ am besten sinnvoll nutzen kann. Es ist nämlich so: ich habe zwei Arbeitsmodi. Der eine ist, wie mein Mädchen sagt, „Golf I“. Wenn ich aber dann mal warm und in Schwung bin, dann schalte ich um auf „Porsche“. Und sie fährt halt dann doch lieber Porsche, aber sie weiß nie so recht, wie wir am besten in diesen Modus hineinfinden und was wir dann damit am besten anfangen.
Wir haben dann ein bisschen angefangen und als es an den Trab ging, hat mein Mädchen gesagt, das wäre jetzt der „Golf-Modus“, während Frau Reitmeisterin meinen Trab schon ganz schön fand. Naja, später, als dann der Porsche in mir ansprang, war sie dann endgültig vollständig von mir begeistert, denn DAS hatte sie mir nicht zugetraut! Mein Mädchen hat gelächelt und wir beide haben an meinen alten Freund Merlin gedacht, als Frau Reitmeisterin schwärmte, wie toll sie es findet, wenn Ponys harmlos und plüschig daherkommen und dann plötzlich zeigen, welch unerwartete Qualitäten in ihnen stecken.
Dann hat Frau Reitmeisterin verkündet, ich sei kein Porsche, sondern ein Jaguar. Denn der Jaguar sei viel eleganter. Das ging mir runter wie frisches Frühlingsgras, sage ich euch! Wir haben dann ein paar Übungen gemacht, um meine Schultern und meine Hinterhand beweglicher zu machen und zum Schluss hat Frau Reitmeisterin sich meinen Galopp angeschaut und schonmal davon geträumt, dass ich später mal ganz tolle fliegende Wechsel springen können werde. Hä? Kann ich doch schon! Aber wie Menschen immer so sind: es reicht ihnen nicht, wenn man es auf der Weide kann oder während man in Lichtgeschwindigkeit den Rundlauf entlangsaust. Man soll es unterm Reiter können und zwar genau dann, wenn die Reiterin es sagt und auch genau so, wie die Menschen es gern wollen. Und das dauert angeblich noch, bis ich das schaffe. Nie traut man mir was zu! Na immerhin hat Frau Reitmeisterin meine Qualitäten sofort erkannt und gesagt, ich sei „ein sehr solides Pferdchen“. Gut, eigentlich bin ich ein großer, starker Ritter, aber nachdem sie mein Gangwerk so gepriesen hat, gebe ich mich auch mit diesem Urteil zufrieden.
Mein Mädchen war sehr glücklich, weil ich das so toll gemacht habe und hat gesagt, ich wäre ein sehr würdiger Nachfolger für den guten alten Merlin. Der wäre bestimmt sehr stolz auf meine Leistung gewesen!
Dann war der erste Tag zu Ende und wir sind wieder nach hause gefahren. Die Nacht konnte ich auf der Weide nutzen um Energie zu tanken und mich abzukühlen.
Wenn Ihr wissen wollt, wie es weiterging, schaut morgen wieder vorbei! Dann könnt ihr den Rest nachlesen.
Nach dem Ausflug am Sonntag hatte ich den Montag schon wieder frei. Angeblich zum Erholen, in Wirklichkeit hatte mein Mädchen halt keine Zeit. Aber am Dienstag, da ging es dann wieder los. Mein Mädchen war mal wieder bisschen aufgeregt – meistens der Vorbote eines feinen Abenteuers! Sie hat hundertmal kontrolliert, ob sie alles mithat. Mir hat sie so komische Socken in die Hufschuhe gezogen, weil die am Sonntag gedroht hatten, in der Fesselbeuge zu scheuern. Na wenn du meinst?
Und los ging es. Wir haben den Ausreitkumpel abgeholt und sind dann an einen Ort gewackelt worden, den ich schon ganz gut kenne. Da wo die vielen Schafe wohnen. Satteln und los! Wetter war perfekt, Laune auch. Erst mal schön im Schritt und dann ging es im Trab los. Aua, Mädchen, mir tut der Fuß weh! Oh da hat mein Mädchen sich erschreckt! Hat sich große Sorgen gemacht, dass ich mich irgendwie verletzt haben könnte, oder ein Hufgeschwür bekomme. Aber nach einigen Minuten der Bange hat sie einfach mal die Socken ausgezogen und siehe da: nix tat mehr weh. Das hat mich einfach blöde gedrückt. Also lieber ohne Socken in die Sandalen und zwischendurch Scheuerkontrolle machen. Wir sind munter getrabt und galoppiert bis mein Mädchen plötzlich festgestellt hat, dass wir an unserer Abzweigung vorbeigezischt waren. Zurück marschmarsch! Abbiegen auf ein Stück Schotterstrecke, wo wir dann im Schritt geblieben sind. Gerade als der Schotter vorbei war, sagt das Mädchen vom Ausreitkumpel „dir fehlt ein Hufschuh!“ Ach menno. Also den Schotterweg zurück. Und dann? Hatte ich den Schuh auf der Strecke davor verloren oder da wo wir gar nicht hätten sein sollen? Also haben wir uns getrennt, der Ausreitkumpel ging rechts, ich links. Trabtrab und mein Mädchen hat den Späher gemacht. Nach kurzer Zeit klingelte es in ihrer Tasche: Schuh gefunden! Umdrehen! Und im Galopp zurück. Schuh wieder an – zum Glück war er ganz geblieben! – und wieder die blöde Schotterstrecke. Mein Mädchen war dezent gestresst wegen dieser zwei Pannen und brauchte erstmal einen Schokoriegel. Wir anderen haben es mit Fassung getragen.
Ach da kommt ja der Gruselhof! Was ist das mit diesen Gruselhöfen? Es gibt einfach solche, die sind immer wie im Horrorfilm. Wir Ponys waren uns einig: da gehen wir nicht rüber! Früher wäre mein Mädchen sofort abgestiegen, aber sie hat sich ja vorgenommen, dass sie öfter mal sitzenbleiben will. Also hat es eine Weile gedauert, bis mein Ausreitkumpel und ich uns getraut haben. Kaum waren wir in Gange gekommen
WAS IST DAS?
da hab ich erstmal einen Satz rückwärts gemacht. Ein Monster kam hinter der Hecke hervor! Ach so neee, doch nur ein ganz normales Auto. Mein Mädchen hat gelacht. Das ist nicht lustig! Ich hab mich voll erschreckt!
Als wir das geschafft hatten, kamen wir auf die Achterbahn. Da geht es immer ein bisschen rauf und bisschen runter und bisschen rauf und bisschen runter… und gerade als wir dann wieder auf der Ebene waren und schön angaloppiert sind, hat mein Mädchen wieder Alarm geschlagen. Abbiegung verpasst! Was denn, hier rechts? Wieso denn rechts? Zur Wackelkiste geht es doch geradeaus?
Aber es ging rechts. Naja, hier ist es auch schön, passt schon. Über eine große Bundesstraße (beide Mädchen stolz, weil wir Ponys sooooo geduldig auf die passende Lücke gewartet haben) und an einem Holz-Transporter (ohne Holz) vorbei – kein Problem wir sind schließlich mutige Po…
STOPP!
Auf keinen Fall!
Mein Ausreitkumpel und ich waren uns einig: Da können wir nicht vorbeigehen! Das sieht äußerst dubios und extrem gefährlich aus! Wir haben untereinander verhandelt, wer zuerst gehen soll, aber eigentlich waren wir uns einig, dass wohl eins der Mädchen gehen muss. Die sind aber stur sitzengeblieben und haben uns Schritt für Schritt an diesem Monster vorbeigetrieben. Dabei haben sie immer gewechselt zwischen Lachen und beruhigend auf uns einreden. Mein Ausreitkumpel und ich haben schließlich unseren ganzen Mut zusammengenommen und sind an diesem gruseligen Objekt vorbeigegangen. Man! Das war knapp! Ich hab schon seine scharfen Zähne gesehen und seinen heißen, hungrigen Atem gerochen!
Der Baumstamm des Todes! Da mussten wir vorbei gehen!!
Nachdem wir diese Gefahr besiegt hatten, wurde es ruhiger. Wir sind schön galoppiert, mein Mädchen und ich vorneweg und ich durfte auch mal was schneller, das war fein. Mein Mädchen hat panisch nach meinen Hufschuhen geschaut und ständig die Navigation gecheckt, damit wir nicht nochmal umdrehen müssen. Aber die Wege waren schön, die Laune gut und ruckzuck kamen wir an einem Friedhof heraus, an den ich mich noch erinnert hab. Da war ich doch schonmal! 5 Jahre ist das her, da war ich noch echt klein, mein Fell sehr dunkel und mein Mädchen ist noch nicht auf meinem Rücken geritten. Aber damals hatte sie Geburtstag und ich habe ihr ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht, dass sie niemals vergessen wird (hier nachzulesen).
Während mein Mädchen sich an dieses schöne Erlebnis erinnert hat, kamen wir auf der Dorfstraße an und die Mädchen sind abgestiegen. Das Dorf war schön ruhig und der einzige Motorradfahrer war der netteste Motorradfahrer der Welt, der uns gaaaaaaaaanz vorsichtig und langsam überholt hat. Danke!
Über die Brücke über den Fluss und direkt wieder rein in den Wald. Aufsteigen und weiter ging es. Und hier kam wieder eine sehr spezielle (Un-)Logik meines Mädchens zu Tage: Einerseits beschwert sie sich, dass die Zweige am Wegesrand ihre nackten Arme zerkratzen, aber wenn ich dann – ganz Gentleman – die Zweige wegförstern will, ist es auch wieder falsch! Kann sie sich mal entscheiden?
Sandwege! Sowas kennen wir eigentlich gar nicht.
Es ging über Sandwege und noch mehr Achterbahn und alle hatten allerbeste Laune. Nur an einer Stelle gab es etwas Chaos. Mein Mädchen und ich waren nun wohl doch geistig nicht mehr so ganz auf der Höhe, wir waren immerhin ungefähr bei Kilometer 18 und hatten ja schon einiges erlebt. Jedenfalls war mein Ausreitkumpel vorneweg und wir hinterher und plötzlich sieht mein Mädchen, dass das Grüne vor uns gar nicht nur Gras ist, sondern unter dem Gras ein gigantisches Matschloch verborgen liegt. Sie hat mir also ganz schnell gesagt, es wäre unabdingbar, den kleinen Pfad links vorbei zu nehmen. Hätte da nur nicht dieser junge Baum im Weg gestanden! Irgendwie hab ich mich vertan und plötzlich standen wir vor diesem Baum. Mein Mädchen hat gesagt, ich soll zurückgehen, das hab ich auch versucht, aber geklappt hat es nicht so recht. Stellte sich raus: mein rechtes Vorderbein war schon an dem Baum vorbei und hatte sich nun irgendwie da so herumgewickelt. Aber ich bin ja ein besonnener Geselle und habe mich in Ruhe wieder ausgefädelt, während mein Mädchen panisch zum Mädchen vom Ausreitkumpel rief, sie soll mal warten. Die musste dann erstmal nachschauen, ob ich mich verletzt habe, aber natürlich nicht. Ich kann sowas, da muss man sich nicht aufregen!
So ein schöner Wald!
Weiter ging es also, rechts, links, links, rechts, manchmal nach der geplanten Navigation, manchmal nach den Reitwegeschildern in der groben Richtung. Schön ist das hier! Ich hab die Verantwortung meistens ganz geschmeidig an den Ausreitkumpel abgegeben und mich darauf konzentriert, zu laufen. So langsam war mein Tank doch ein bisschen leer, muss ich zugeben! Mein Mädchen hat nach meinem Puls geschaut und gesagt, das wäre schon noch ok und ich würde das schaffen. Puh, also DU läufst das ja auch nicht alles! Trotzdem fühlte sie sich auch schon ein wenig matt. Wovon eigentlich, wenn ICH doch die ganze Arbeit mache?
Wetter perfekt, nicht zu heiß aber schön sonnig ohne Fliegviecher
Nachdem wir dann noch ein kleines Stück Straße hinter uns hatten, hat mein Mädchen für eine kleine Graspause plädiert. Wir waren mittlerweile 4 Stunden unterwegs und da wird es Zeit für uns Ponys, dass wir einen Happen essen. Also durften wir ein bisschen schmausen und uns derweil anhören, dass es „nur noch“ 7km bis zur Wackelkiste sind. Naja, 7km sind nicht lang, aber wenn man schon 26km auf der Uhr hat, dann halt schon! Nun denn, wir haben noch den Reservetank gefunden und es ging weiter. Mein Ausreitkumpel hat wieder mal einen seiner lustigen Hüpf-Späße vorgeführt und landete – weil rechts ein organenes Schild stand, dass er als „extrem gefährlichen“ Grund auserkoren hatte – mitsamt seinem Mädchen links in der Hecke. Das war schon ein bisschen lustig, muss ich zugeben! Das ist eben seine Art, einen kleinen Schabernack zu treiben. Sein Mädchen hingegen fand es überhaupt nicht amüsant (Spaßbremse) und hat ihn ordentlich vorangetrieben. Da musste ich einen schnellen Schuh hinlegen! Während er vorneweg flott trabte, bin ich immer kleine Stücke nachgaloppiert. Mein Mädchen war sehr zufrieden mit mir, weil ich genau das richtige Maß zwischen „selbst entscheiden“ und „auf Kommandos warten“ getroffen habe.
Wieder über die Bundesstraße und ein letzter schöner Weg und endlich kamen wir der Wackelkiste näher. Die Mädchen sind abgestiegen und wir Ponys haben noch eine kleine Pfütze leer gesoffen – man, hatte ich einen Durst! An der Wackelkiste angekommen, hab ich mir erstmal einen großen Schluck aus dem Eimer genehmigt.
Durstig waren wir!
Das war ein toller Ausflug! 33km in gut 4,5 Stunden haben wir geschafft und jetzt waren wir auch geschafft. Und vor allem hungrig. Unsere Mädchen waren sooooo stolz auf uns und mein Mädchen hat sich sehr gefreut über dieses schöne Training, denn auf unserem ersten Distanzritt wollen wir über 40 km reiten und da wollte sie doch gern mal wissen, ob wir das überhaupt schaffen, sie und ich. Mein Puls war ruckzuck unter 60, das ist eine der Bedingungen auf einem Distanzritt. IHR Puls wird ja zum Glück nicht gemessen!
Die nächsten Tage haben die Mädchen sich gegenseitig erzählt, wie viel Muskelkater sie haben, während wir Ponys einfach weitergemacht habe wie immer. Es war ein toller Ausflug! Am nächsten Tag kamen die Flieg-Viecher in Heerscharen, um unser Blut zu klauen und seitdem ist erstmal Ausreitpause aus diversen Gründen. Aber ich hoffe, dass wir bald mal wieder los können!
Euer Distanzpony in the making Sir Duncan Dhu of Nakel
Mein Mädchen sagt, was unter anderem gegen Trauer hilft, sind schöne Ausflüge. Und ich muss sagen, da hat sie vollkommen recht! Als wir über unseren ersten Schreck, dass unser Merlin nicht mehr da ist, hinweg waren, hat sie daher die Hufschuhe wieder ausgepackt und die Wackelkiste flottgemacht. Abenteuer! Ich wurde ziemlich lang gewackelt und kam auf einem mir unbekannten Hof raus. Sah aber nett aus und vor allem wuchs da Gras. Mein Mädchen hat mich an der Wackelkiste angebunden und gemeint, ich könnte das Gras unter meinen Füßen ignorieren. Hallo? Auf gar keinen Fall! Und wenn man genug am Anbinder herumzergelt, gibt der irgendwann schon nach. Siehst du? Zack – Karabiner kaputt, Weg zum Gras frei. Kein Problem! Mein Mädchen hat geschimpft wie ein Rohrspatz und der Mann musste als Ponybändiger herhalten. Jetzt war leider Schluss mit lustig, ich durfte nix mehr essen! Verdammt.
Dann tauchte ein kleines Pony auf der Bildfläche auf. So ein Caruso-Verschnitt. Und dem wurden Räder angeschnallt – also ein Sitz auf Rädern. Ich weiß nicht, so richtig nach Kutsche sah das nicht aus, eher wie ein rollender Sessel. Aber gut, mir ja egal. Und schon ging es gemeinsam los! Der Zwerg vorneweg, wir hinterher. Ab in den Wald! Es war kühl und windig und ich war gut drauf. Das kleine Pony hat erstmal gezeigt, dass es trotz halb so langer Beine ungefähr doppelt so schnell traben kann wie ich, wenn es drauf ankommt. Allerdings hatte das Mädchen vom Pony (die auf dem rollenden Sessel Platz genommen hatte) da ein paar Einwände und das kleine Flitzepony durfte nur Gas geben, wenn es bergauf ging (dann braucht man Schwung!). Ich hingegen hatte mich an die Tempo-Vorgaben von vorne zu halten, komme, was wolle. Und immer schön den Abstand einhalten, denn in den rollenden Sessel darf man auf keinen Fall reinlaufen!
Unterwegs mit dem Flitzepony
Insgesamt haben das Flitzepony und ich uns gut vertragen und wir sind fröhlich durch den Wald gegondelt, während der Mann auf dem Rennesel hinter uns her geritten ist. Der Rennesel ist aber nicht ganz so geländegängig wie wir Ponys, weshalb der Mann an einer Stelle eine Ausweichstrecke genommen hat, während wir die eine oder andere abenteuerliche Wegstrecke natürlich wie echte Profis gemeistert haben – Allhufantrieb sag ich da nur! Ich brauchte nachher übrigens eine kleine Unterbodenwäsche…
Die meisten Zeit bin ich hinter dem Flitzepony hergeflitzt, aber gegen Ende sind wir auch mal nebeneinander getrabt. Da fanden wir beide, es sei doch Zeit für ein kleines Wettrennen! Unsere Mädchen haben das aber leider direkt wieder abgeblasen. Schade! Das Flitzepony meint, es hätte mich locker abgehängt. Und ich fürchte fast, das könnte wahr sein, aber ich hätte es zu gern eines Besseren belehrt. Wie macht die das bloß mit den kurzen Beinchen?
Da musste ich mich ranhalten, um mitzukommen!
Nach knapp 19km schönster Waldwege (mit gelegentlichen Sumpf-Einlagen) waren wir schon wieder zurück. Die Mädchen haben vereinbart, dass wir auf dem Distanzritt zusammen losziehen wollen, weil es gut passt mit unserem Tempo. Das wird aber erst Ende August sein, vielleicht schaffen wir ja vorher noch eine gemeinsame Tour. Ich fand es nett und ein Pony mit Rädern ist doch mal ne Abwechslung. Und sie ist eine echte Distanz-Expertin, ist mit ihren kurzen Beinen schon bis zu 60km Distanzen gegangen! Wie viele Schritte sie da wohl so gemacht hat?
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit der neuen Distanz-Partnerin
Jetzt habe ich lange nicht für euch geschrieben. Das liegt daran, dass unser guter alter Freund Merlin uns vor gut zwei Wochen verlassen hat und wir erstmal etwas Zeit brauchten, um zu trauern.
Er war ja schon uuuuuuuralt und es ging ihm nicht mehr ganz so gut. Dann, eines Tages, ging es ihm plötzlich richtig, richtig schlecht. Während wir anderen auf der Weide waren, hat er sich in den Stall geschleppt und als mein Mädchen ihn dort gefunden hat, wusste sie schon, dass es jetzt Zeit wird, Abschied zu nehmen. Draußen auf der kleinen Grasfläche vor dem Stall hat Merlin sich dann hingelegt und die Tierärztin hat ihm auf seinem letzten Weg geholfen. Danach durften wir anderen Ponys uns von ihm verabschieden. Ich habe ihm ein paarmal in die Nüstern gepustet und eine Weile direkt neben ihm gegrast, und dabei daran gedacht, dass Merlin mein erster Freund hier war.
Tschüss, mein guter alter Freund
Als ich hier eingezogen bin und die anderen mich alle doof fanden, war Merlin freundlich zu mir. Er hat auf mich aufgepasst, wenn ich meine vielen Wachstumsschläfchen gemacht habe, hat sein Heu mit mir geteilt und mich zum Spielen aufgefordert. Er hat mir immer wieder erklärt, dass mein Mädchen sich zwar viel Mühe gibt, und dass er in über 20 Jahren auch schon viel erreicht hat in ihrer Ausbildung, aber dass sie noch viel lernen muss. Und dass Menschen erstaunlich langsam lernen und ich viel Geduld brauchen werde. Er hat mir aber auch gesagt, dass mein Mädchen eine Sache richtig gut draufhat: uns liebhaben. Einfach so. Und das stimmt!
Wenn er seine ungefähr 38472 Brei-Eimer pro Tag bekommen hat, hat mein Mädchen mein neidisches Gesicht gesehen und gesagt, wenn ich mal so alt bin wie er und keine Zähne mehr habe, darf ich das auch. Fest versprochen!
Merlin war damals auch der erste, der nett war zu Gatsby und der Diego hier willkommen geheißen hat. Mit Caruso hat er so manchen Futtereimer geteilt (nicht immer ganz freiwillig, aber sie waren trotzdem beste Freunde). Und mit meinem Mädchen hat er großartige Dinge vollbracht – hat ganz viele Kurse mit ihr besucht und dabei immer gut auf sie aufgepasst. Wenn sie nervös war, hat er sie beruhigt und dafür gesorgt, dass sie immer gut dasteht und es so aussieht, als könnte sie das alles voll gut. Er hat gesagt, das wird jetzt mein Job sein und ich soll ihm ein würdiger Nachfolger werden. Ganz schön große Hufabdrücke, in die ich da trete!
Als Merlin zu meinem Mädchen gekommen ist, war er genauso alt, wie ich jetzt bin. Man hatte meinem Mädchen damals gesagt, Merlin sei ein schwieriges Pferd. In Wirklichkeit hatte Merlin einfach viel zu viel mit schwierigen Menschen zu tun. Als er gemerkt hat, dass mein Mädchen es gut mit ihm meint, hat er sofort auf Kooperation umgeschwenkt und die beiden wurden richtig dicke Freunde.
So sah Merlin aus als er zu meinem Mädchen kam
Am liebsten mochte er immer das Publikum auf den Kursen. Da ist er nach seiner spektakulären Performance dann immer eine Runde schnorren gegangen und war auch immer erfolgreich. Ich war ja bisher erst auf einem einzigen Kurs und habe daher noch nicht so viel Publikumserfahrung, aber ich werde an Merlins Rat denken, wenn es nächste Woche für mich auf einen Reitkurs geht: erstmal unschuldig gucken und klein, pummelig und verstrubbelt aussehen, so dass alle denken, man könnte nix. Dann den Angebermodus einlegen, alles selbständig perfekt abliefern (ReitlehrerIn in der Mitte beachten, diese Person gilt es zufriedenzustellen!), danach seelenruhig die Publikumsreihe entlangstromern und die Fresskörbe inspizieren, bis eine was rausrückt. Er sagte, das klappt zuverlässig und ergibt Äpfel, Bananen und jede Menge Bewunderung und Aufmerksamkeit.
Nachdem der gute alte Knabe uns verlassen hatte, haben wir übrigen Ponys viel Zeit nah beieinander verbracht. Wir haben gemeinsam gegessen und geschlafen und aufgepasst, dass wir uns nie aus den Augen verlieren. Jetzt haben wir uns langsam an den neuen Zustand gewöhnt und unser Leben geht wieder seinen normalen Gang, obwohl wir den großen Zauberer natürlich vermissen und niemals vergessen werden.
Ich hoffe, ich kann mich seiner würdig erweisen! Seine Ratschläge werde ich jedenfalls nie vergessen.
Mein Mädchen hat schon seit Tagen vor sich hin gekichert und mir erzählt, dass wir ein tolles Abenteuer vorhaben – inklusive besonderer Überraschung für unsere Mitreiterin! Na da war ich aber gespannt wie ein Flitzebogen.
Sonntag: Hufschuhe, Fliegenmaske, Wackelkiste! Juhuuu! Da hab ich doch gleich allerbeste Laune! Kurz wackeln, dann kamen wir an einem Weg raus, den ich kenne. Dort haben wir zwar noch nie gesattelt, aber was solls. Und wer war da auch? Der schöne Spanier mit seinem Mädchen! Ach wie nett, den mag ich leiden!
Und wo soll es nun heute langgehen, mein Mädchen? Erstmal durchs schöne wilde Moor. Ach hier war ich ja lange nicht! Und zum Glück waren außer uns nicht wirklich viele Leute unterwegs, vorteilhaft für uns. Wir sind erstmal eine Weile getrabt. Dann links (da war ich schon irritiert, wieso denn jetzt links?).
Das schöne wilde Moor
Ach, hier sind wir, ja das kenne ich. Da nehmen wir doch mal den schönen Abenteuerweg. Da geh ich aber jetzt lieber vorneweg, du schöner Spanier, weil du dich ja mit Matschlöchern so gar nicht auskennst. Ich übernehme die Verantwortung als Guide und sage dir, wo die Lunken sind – sind zwar alle trocken, aber trotzdem lunkig. Und von oben auch recht zugewuchert, da musste ich erstmal was wegförstern!
Dann auf die schönen Plattenwege. Ach, hier war ich ja auch ne Ewigkeit nicht! Ist aber immer noch schön hier. Wir sind munter getrabt und hatten allerbeste Laune. Ja richtig, hier rechts und dann kommt nach einer Weile diese Brücke. Schritt! Die Brücke sieht aus als wäre sie asphaltiert, aber trotzdem ist da irgendwie Metall drauf. Wenn man da rüber geht, macht es laut „klonk klonk“. Ich bin wieder vorneweg gegangen. Ich bin zwar etwas aus der Übung, aber ich erinnere mich, dass ich das schon öfter geschafft habe. Der schöne Spanier hinter mir. Als der die Brücke betrat und es laut „klonk“ machte, wurde ihm blümerant. Er fing an zu tänzeln – nicht der beste aller Pläne, um ehrlich zu sein! Denn je mehr man seine Füße bewegt, desto mehr klonkt es halt auch! So kam es, dass der schöne Spanier mir von hinten auf die Pelle rückte. Er war zum Seitwärts übergegangen und versuchte mit Mühe und Not, weiter zu atmen. Ich fragte mal kurz bei meinem Mädchen nach, ob er recht hat und das wirklich gefährlich ist – seine Darbietung war recht überzeugend! Aber mein Mädchen war sich sicher, dass es NICHT gefährlich ist und hat mich gebeten, freundlich zu bleiben. Bin dann einfach weitergegangen, auch wenn er mir ziemlich im Heck hing. Zum Glück ist die Brücke nur ganz kurz und so war der Spuk bald vorbei. Mein Mädchen war sehr stolz auf mich, weil ich das so erwachsen geregelt habe. Kann ich!
Kurz nach der Brücke geht es links, das weiß ich. Da steht dann immer die Wackelkiste. Aber diesmal sollten wir geradeaus weiterlaufen! Davon war ich ja nun nicht überzeugt. Hab das Tempo gedrosselt, weil ich dachte, mein Mädchen hätte schon wieder die Orientierung verloren. Aber sie war sich sicher: heute hier geradeaus. Hier war ich noch nie!
Hier war ich noch nie
Aber ist auch schön. Nur in dem Dorf, das dann kam, da war es gruselig. Irgendwie war da eine Veranstaltung oder so. Es war uns beiden – dem schönen Spanier und mir – so unwohl, dass die Mädchen schließlich abgestiegen sind. War auch nicht schlimm, denn danach kam eh die große Straße und da wollten sie auch zu Fuß gehen. Ein kleines Stück auf dem Radweg neben der Landstraße her. Atme, mein schöner spanischer Freund, atme! Der Milchlaster tut dir nichts! Und dann gingen die schönen Wege weiter.
Jetzt muss ich mich ranhalten!
Ach, hier war ich auch schon mal! Möchte wetten, die Wackelkiste steht gleich da hinten beim Ponyhof. Wird auch Zeit, ich hab doch langsam ganz schön Hunger, der Tacho zeigt ja schon 16km! Aber auch beim Ponyhof stand die Wackelkiste nicht. Jetzt wird es mir aber langsam zu bunt! Mein Mädchen hat mir zugeflüstert, dass wir gleich eine schöne Graspause machen werden, ich soll es nur mal noch nicht ausplaudern. Stellt sich raus: wenige Meter weiter wohnt eine Kundin von ihr und die hatte für uns Wasser hingestellt und wir durften den Vorgarten mähen, während die Mädchen mit Eis verwöhnt wurden. Ach, da hat das Mädchen vom schönen Spanier sich kurz gewundert, aber dann gefreut über diese unverhoffte Snackpause.
Wieso stehen denn da Stühle am Wegesrand?Eis für die Menschen, Gras für uns!
Danach waren wir alle etwas im Tief. Es lagen noch 8km vor uns, davon erstmal einer zu Fuß durchs Dorf. Mir war eher so nach stehenbleiben und mal nachdenken über alles, was schon so war. Aber stehenbleiben stand nicht auf dem Plan. Meine Füße konnten schon noch laufen, aber mein Kopf konnte einfach nicht mehr so recht denken.
Als wir das Dorf aber hinter uns hatten, kamen wir an einen vertrauten Weg. Hier kenne ich mich gut aus! Da ging es wieder in den Trab und ich hab den Reservetank gefunden.
Noch ein paar Kilometer im Trab, dann nochmal absteigen und über die Brücke über die Landstraße. Am Steinmuseum wieder aufsteigen, ein letzter Trab und dann rief der Feierabend! Zwar waren wir gar nicht an unserem Ausgangspunkt angekommen, aber da standen die Männer unserer beiden Mädchen und hatten die Wackelkisten mitgebracht. Ja, gute Idee! Nach 23,7km in knapp 4 Stunden war es mal genug Abenteuer. Aber toll war es!
Wir Pferde durften alle Gras schmausen, während die Menschen auch gut getafelt haben. Zum Abschied hab ich dem schönen Spanier nochmal hinterhergeschaut – komm mal bald wieder, war schön mit dir, du bist mir ein guter Ausreit-Freund!