Hervorgehoben

Wie alles begann

Warum dieser Blog „Schotten-Pony“ heißt

Sir Duncan Dhu of Nakel

Meine Liebe zum schottischen Highlandpony begann vor ungefähr 11 Jahren, als ich eine Highlandpony-Züchterin als Hufpflegekundin bekam. Damals ahnte ich noch nicht, dass das mein Leben verändern würde. Dass ich einmal Fan einer bestimmten Pferderasse werden würde, hielt ich für ausgeschlossen. Schließlich sind alle Pferde toll und alle haben ihre Vorzüge.

Das stimmt auch immer noch. Und ich habe die Rasse gefunden, die am besten zu mir passt: das Schottische Highlandpony. Einige Jahr später wurde bei dieser Züchterin mein erstes „Schotten-Pony“ Finlay geboren und Finlay wird für mich (was den Charakter angeht) vielleicht immer der Innbegriff des Highlandponys sein. Die Schotten sind ein bisschen anders als andere Ponys. Natürlich gibt es – wie auch innerhalb anderer Rassen – eine Bandbreite an verschiedenen Typen: von den sehr lieben, die sich als Therapiepferd eignen bis zu den sehr selbstbewussten, die ihre Besitzer schon mal vor die eine oder andere Herausforderung stellen. Was ihnen gemeinsam ist, ist die große Menschenbezogenheit, das unbedingte Bedürfnis nach viel Beschäftigung und Abwechslung sowie der Gerechtigkeitssinn. Behandle mich fair, dann ist alles ok. Behandle mich unfair und Du zahlst den Preis. Die Schotten sind sehr ehrlich – geradeheraus, kein Blatt vor dem Mund. Und viele von ihnen sind abenteuerlustig, haben wenig Angst und erleben gern Neues.

In diesem Blog möchte ich Euch teilhaben lassen an den Geschichten, die ich mit meinem Schotten-Pony erlebe. Bald schon geht es los – ich nehme Euch mit auf eine Reise, die so gar nicht hätte stattfinden sollen, und die ich jetzt als neue Chance und neues Abenteuer sehen möchte. Abonniert am besten gleich diesen Blog, damit Ihr keine Schotten-Pony-Abenteuer verpasst! (einfach Ich freue mich jederzeit über Kommentare, Fragen und Themenwünsche.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 61

Liebe Menschen, ich bin schon ganz aufgeregt! Morgen ist es endlich so weit: Da kommt eine Malerin die mein ritterliches Konterfei auf Leinwand bannen wird.

Mein Mädchen sagt, wenn es nachher etwas kühler ist, üben wir nochmal das Posen. Damit ich morgen ganz genau weiß, wie ich am schönsten aussehe. Und dann heißt es früh ins Bett gehen, denn die Malerin möchte mich im Morgenlicht porträtieren und kommt daher bereits vor Sonnenaufgang! Ob mein Mädchen da die Augen überhaupt schon auf bekommt? Naja sie hat gesagt es reicht ja, wenn ICH schön aussehe, sie soll ja nicht mit auf das Bild. Und ich sehe ja auch wirklich schön aus – wer will das bestreiten? Auch morgens vor Sonnenaufgang seh ich schon schön aus.

Jedenfalls müssen wir dann also heute Abend ganz früh ins Bett damit mein Mädchen ausgeschlafen ist. Und wenn ich nicht schlafen kann, was mache ich dann? Da hatte mein Mädchen einen guten Tip: Schäfchen zählen!

Na dann gute Nacht!

Euer aufgeregter Sir Duncan Dhu of Nakel

Rosarot

„Warum“ fragt meine Freundin, während ihr Pony am Strick um sie herum tanzt „wird eigentlich immer alles so rosarot dargestellt? Das ist doch wie beim Kinder kriegen“ (zur Erläuterung: sie hat zwei Kinder, ich keins) „da erzählen dir die Leute auch: in dem Moment wo das Kind dann da ist hast du die Schmerzen der Geburt vergessen. So ein Blödsinn! Du bist einfach nur froh dass du das überlebt hast und dann hast du so einen Wurm im Arm der auf einer Frequenz schreit die dir ganz klar sagt, dass du das mit dem schlafen für die nächsten Monate vergessen kannst!“

Ich muss kichern. Sie schimpft in einer Tour wie ein Rohrspatz. Zwischendurch versucht sie, ihr Pony zur Vernunft zu bringen – allerdings ohne Erfolg. Er hat heute wohl wieder mal Pubertät. Die 4,7km die wir zurücklegen sind geprägt von den Streitereien der beiden, die sich schließlich so steigern, dass ihr Pony sie beißt. Der Ritter ist derweil recht entspannt, etwas flotter vielleicht als sonst, aber doch manierlich unterwegs. Zum Glück ist er keiner, der sich anstecken lässt von dem Gehampel seines Spaziergehkumpels.

Tja, warum wird alles so rosarot dargestellt? Ich komme nicht dazu, darüber nachzudenken, denn der Rohrspatz – alias meine Freundin – legt wieder los „und mit Hunden ist es doch genauso! Da gibt es dieses Buch „ein Welpe zieht ein“ und da ist alles süß und niedlich und keiner sagt dir dass die verdammt spitze Zähnchen haben und alle zwei Stunden raus müssen und alles zerkauen was nicht bei drei auf dem Baum ist!“

Ich glaube mittlerweile hat sie genauso schlechte Laune wie ihr Pony. Ich hingegen muss lachen, weil es einfach zu lustig ist, ihr Geschimpfe zu hören.

Zwischen ihren Schimpftiraden erinnere ich sie daran, dass heute der Tag ist, an dem sie sich an die „Genießen, genießen, genießen“ – Momente erinnern kann. Das sind jene wunderbaren Momente in denen alles rund läuft und unsere Ponys einfach nur die besten Ponys der Welt sind. Da wir beide junge Ponys haben und genau wissen, dass wir nicht davon ausgehen können dass es morgen oder nächste Woche wieder so läuft, erinnern wir uns in diesen Momenten gegenseitig daran, dass wir sie abspeichern wollen. „Genießen, genießen, genießen!“ Manchmal sind das auch nur kleine Augenblicke in einem Spaziergang voller Diskussionen und merkwürdiger Pony-Ideen. Dann kann es passieren dass einer von uns sagt „genießen, genießen… vorbei.“

Wenn es hart auf hart kommt, hilft dann nur noch, dass eine zur anderen sagt: „sprich mir nach: ich liebe mein Pony, ich liebe mein Pony, ich liebe mein Pony“

Tja, warum ist alles rosarot? Als ich schließlich dazu komme, darüber nachzudenken, fallen mir viele meiner Kunden ein. Die einen, die immer glückselig sind und ihr Pferd einfach nur lieben – völlig egal was es tut. Die anderen, die sich ständig Sorgen machen, dass sie etwas falsch machen oder es ihrem Pferd nicht gut geht. Die, die nie zufrieden sind, auch wenn ihr Pferd schon gute Ansätze zeigt. Alle haben eins gemeinsam: sie sind freiwillig Pferdebesitzer. Sie investieren viel Zeit und Geld in ihr Pferd – manche nur einen Teil, manche alles was sie haben – und also müssen sie ja gute Gründe haben.  Und deswegen, glaube ich, sehen wir Dinge gern rosarot. Bis auf gelegentliche Anfälle, bei denen wir uns kurz überlegen wofür wir das alles eigentlich machen, sind wir doch froh, unsere Pferde zu haben und wir finden, dass die positiven Aspekte der Pferdehaltung die negativen mehr als wett machen. Und wenn ich überlege, wie es manchmal ist, im Winter, wenn der Regen hier in Schleswig-Holstein waagrecht fällt bei 3 Grad in den Stall zu gehen und Äppel zu sammeln, dann braucht es einen großen Anteil an positiven Aspekten als Ausgleich.

Ich finde, wir dürfen die Dinge ruhig rosarot sehen. Die Menschen, die das nicht tun, hören nämlich oft alsbald auf, Pferde zu halten. Ich merke bei mir selbst, wie wenig Lust ich derzeit habe, wieder einen Hund anzuschaffen, weil in meinem Kopf eine – vielleicht realistischere – Vorstellung davon besteht, wie viel Zeit und Arbeit ich investieren müsste um wieder einen Hund auszubilden und weil ich sehe, dass Sir Duncan all meine Zeit und Energie in Anspruch nimmt – mit steigender Tendenz je älter er wird. Aber vielleicht kommt der Tag an dem ich plötzlich die rosarote Brille wieder auf habe und die Rechnung wieder anders ausfällt, weil der Spaß und die Freude überwiegen. Wer weiß?

In jedem Fall tun wir gut daran, uns vorher zu überlegen, ob es uns das wert ist. Man weiß zwar nie genau, was einen so erwartet, aber eine grundsätzliche Vorstellung kann man sich ja schon machen, wie viel Zeit und Geld so ein Tier wohl in Anspruch nimmt. Und sich fragen, ob auch diese Tage, an denen alles schief geht und das liebe Pony plötzlich den feuerspeienden Drachen mimt, die rosarote Brille die Realität noch ausreichend einfärben wird um das zu überstehen, um es am nächsten Tag wieder zu versuchen, um in die Ausbildung des Pferdes zu investieren, ständig selbst dazu zu lernen und sich einzulassen auf die individuellen Eigenheiten und Marotten des vierbeinigen Gefährten.

Fragt mich einfach wieder wenn Sir Duncan den nächsten Pubertätsschub hat……

Bis dahin sammle ich weiter die „Genießen, genießen, genießen“ – Momente, so dass ich einen großen Vorrat habe und alles schön rosarot bleibt.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 60

Liebe Menschen,

ich habe Euch ja noch sooooo viel zu erzählen! Von einer Begegnung der dritten Art, von meinen Berufswünschen und der Meinung meines Mädchens zu diesem Thema, von kaltem Wasser an warmen Tagen, von meinem pubertären Spaziergehkumpel und von meinen sportlichen Betätigungen. Aber diese Woche wird mein Mädchen wieder ziemlich viel arbeiten (damit sie Geld verdient von dem sie unser Futter bezahlt! Besonders das vom Zauberer natürlich. Wir anderen werden im Moment vom Gras satt) und wenn sie dann mal nicht arbeiten muss dann will sie wohl lieber etwas mit mir unternehmen anstatt am Computer zu sitzen und meine Texte zu tippen – das finde ich auch besser.

Deswegen habe ich gedacht ich schreibe Euch jetzt noch mal ganz schnell dass ich gestern wieder als Handpferd unterwegs war und ich habe das ganz hervorragend gemacht! Diesmal bin ich fast die ganze Strecke als Handpferd gelaufen. Der Mann musste die ganze Strecke den Drahtesel reiten und mein Mädchen ist Diego geritten – ob sich da jetzt doch mal eine Rangordnung herauskristallisiert? Und der Mann hat mich nur an einer Stelle an den Strick genommen als wir im Wald über einen kleinen Bachlauf gehen mussten. Hätte ich auch so geschafft aber die Menschen wollten sicher gehen dass wir Ponys uns nicht wehtun weil da so große Steine waren.

Wir sind auch ganz viel getrabt, das war toll! Mein Mädchen meint dann immer ich sei ihre kleine Dampflok. Nicht dass ich schnaufen, tuten und dampf spucken würde. Aber sie sagt meine Beine sind wie Kolben die so rauf und runter gehen. Meine Rücken bewegt sich ja fast gar nicht, das ist bei uns Schotten so. Aber meine Beine arbeiten fleißig und deswegen findet sie ich sehe aus wie eine Dampflok. Na so lange sie mich toll findet ist mir alles recht. Und sie findet mich toll! Drei mal haben wir auch den Seitenwechel geübt – erst bin ich rechts von Diego gelaufen, dann links, dann wieder rechts und zum Schluss nochmal links. Und Diego und ich haben den Seitenwechsel voll gut gemacht sagt mein Mädchen. Diego musste stehen bleiben und ich hinten um ihn herum gehen. Später will mein Mädchen das auch im Gehen machen.

Seht ihr wie sie grinst? Weil ich das so toll mache.

Alles in allem ein großer Spaß!

So, habt eine schöne Woche! Bei uns soll es richtig warm werden, da wird mein Mädchen wohl ordentlich ins Schwitzen kommen bei der Arbeit!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 59

Jetzt darf ich endlich mit dem Geburtstagsgeschenk spielen, dass der Mann meinem Mädchen gemacht hat. Das ist toll: sie hat Geburtstag und wir Ponys bekommen das Geschenk! Ob sie dann ein Geschenk bekommt wenn ich demnächst Geburstag habe? Hmmmm…

Na jedenfalls hat sie sich ja gewünscht dass er die Wippe (er sagt Schaukel) repariert. Diego und Merlin kennen das Ding schon, die sind schon fast Profis. Sagen wir mal: mein Mädchen hat da jetzt so ein online-Seminar gemacht und sagt die beiden könnten das NOCH besser machen – hatte ich schon mal erwähnt, dass sie nie zufrieden ist? Aber ich bin ja noch Anfänger, sagt mein Mädchen. Wobei – raufgehen und draufbleiben konnte ich sofort. Ist für viele wohl schon ein größeres Abenteuer. Ich kann so was natürlich. Jetzt soll ich lernen es ganz richtig zu machen. Alle 4 Hufe stehen still, Nase geradeaus und dann vor-zurück-vor-zurück.

Anstrengender als es aussieht!

Ich kann Euch sagen das ist gar nicht mal so einfach wie es sich anhört! Da braucht man Muckis für! Und das ist auch genau der Plan. Mein Mädchen steht ja auf meinen schönen runden Po und der soll noch etwas knackiger werden. Weil sie den später beim Kutsche fahren immer vor sich sieht und da will sie ja bitte was Schönes zu gucken haben. Ja, das kann ich verstehen. Ich schau auch gerne der Stute von nebenan….

Oh jetzt muss ich aufhören, sie guckt schon wieder so böse!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Entscheidungen

Diesen Dienstag hatten wir so eine Art Jahrestag, Duncan und ich. Am 28.7.2019 habe ich diesen einen Satz gesagt „ich möchte ihn gern kaufen“. Und dieser Satz hat unser beider Leben verändert.

Wie treffen wir Entscheidungen? Häufig möchten wir ja gern glauben, dass Entscheidungen etwas total rationales sind. Dass wir aus Vernunftgründen und nach gründlicher Abwägung der Argumente entscheiden. Wenn wir dann Menschen um uns herum beobachten, stellen wir oft fest, dass die ANDEREN sehr unvernünftige Entscheidungen treffen. Erstaunlich…. Und die Werbeindustrie weiß schon lange, dass Entscheidungen oft sehr wenig mit Vernunft zu tun haben.

Die Entscheidung, ein junges Pferd zu kaufen, dass ich 15 Minuten gesehen habe, war vielleicht die unvernünftigste meines Lebens. Ich war nach Finlays Tod im Ausnahmezustand – und ich wusste es. Ich habe mich immer wieder gefragt ob ich in diesem Zustand überhaupt etwas so wichtiges entscheiden sollte.

Aber dann ist da ja neben der Vernunft und dem Kopf auch immer noch das Bauchgefühl und das Herz. Das Herz, das will, was es eben will. Der Bauch weiß viele Dinge und das ist ja mittlerweile auch allgemein anerkannt dass so ein Bauch ziemlich schlau sein kann.

Mein Kopf hat nur noch einen Job gehabt: nach Ausschlusskriterien suchen. Rausfinden ob es einen triftigen Grund gibt, warum ich Duncan NICHT kaufen sollte. Zum Beispiel Anzeichen für eine Krankheit oder ernste Fehlstellung, Anzeichen dass die Elterntiere nicht gesund sind oder Anzeichen dafür, dass wir es mit Betrügern zu tun haben.

Aber so wie damals, als wir Diego für Arnulf gekauft haben, haben wir uns den Job geteilt, nur diesmal anders herum. Arnulf hat weitgehend den „Kopfpart“ übernommen und die Augen aufgemacht um Ausschlusskriterien zu entdecken, während ich mich mehr mit meinen – sehr verwirrenden – Gefühlen beschäftigt habe. Übrigens etwas was ich jedem empfehlen möchte der ein Tier kauft: nehmt jemanden mit, der sich bewusst emotional möglichst weit raus hält.

Zum Glück haben wir keine Probleme finden können die einen Kauf leichtsinnig oder unvernünftig gemacht hätten und also….

Das alles war diesen Dienstag ein Jahr her (Sir Duncan hat Euch romantisch davon berichtet).

Ein Jahr kann eine sehr kurze und zugleich eine sehr lange Zeit sein, das stelle ich immer wieder mal fest. In diesem Fall hat sich in diesem Jahr für mich so vieles verändert, dass es mir manchmal vorkommt wie aus einem anderen Leben.

In jedem Fall war die Entscheidung, Duncan zu kaufen die beste Entscheidung die ich nach Finlays Tod getroffen habe.

Duncan präsentiert sich jeden Tag so, wie ich ihn an jenem Entscheidungstag wahrgenommen habe: er ruht in sich selbst, mag gern Abenteuer erleben und möchte gern rausfinden, was ich möchte dass er tut. Er ist nicht übermäßig bemüht zu gefallen, aber er mag Dinge schon gern richtig machen.

Tage, an denen er bewusst streiten wollte, hatten wir bisher sehr wenige – ich würde sagen nur einen. Kann zwar noch kommen, aber wenn das so unsere Basis und sein Grundcharakter ist, dann ist er genau so, wie ich ihn mir vorgestellt habe.

Und ganz anders ist er auch – nämlich jetzt schon viel erwachsener. Was mir zugute kommt, denn so musste ich nicht so lange auf unsere ersten gemeinsamen Abenteuer warten wie ich ursprünglich dachte.

Ich bin froh, dass ich nur selten so große Entscheidungen treffen muss wie diese.

Trotzdem treffe ich natürlich jeden Tag viele Entscheidungen – wie gehe ich mit meinen Pferden um, was verlange ich, was verlange ich nicht, wie verlange ich es und wann? Welche Kompromisse gehe ich ein, was ist mir sehr wichtig und was ist mir eigentlich egal? Welche Prioritäten setze ich in der Ausbildung?

Aber auch meine Pferde treffen jeden Tag Entscheidungen. Wie Pferde Entscheidungen treffen bleibt für mich manchmal genauso rätselhaft wie menschliche Entscheidungen.

Meine Lieblingsgeschichte an dieser Stelle ist immer die von der Hufbadestelle. Diese Hufbadestelle war genauso aufgebaut wie das „schwarze Loch“ von dem Duncan Euch neulich berichtet hat: ein Holzrahmen in den man Teichfolie gelegt hatte und das ganze dann mit Wasser gefüllt, ca 15-20cm tief. Ich kam zu meiner Schülerin und sie und ihr Pferd standen vor diesem schwarzen Loch. Sie hatte bereits ihr ganzes (beträchtliches) Können und Wissen angewendet um ihr Pferd dazu zu bewegen, da rein zu gehen, aber das Pferd hatte nicht die Absicht das zu tun.

Ich nahm ihr den Strick ab und stellte mich in eine gute Position. Dann wartete ich. Das Pferd versuchte, vorbei zu gehen, was ich ihm verbot. Ansonsten tat ich nichts. Ich hatte ein ganz kleines bisschen Zug am Strick, gerade so dass ich sicher war, dass das Pferd weiß, was ich möchte. Dann standen wir da. Meine Schülerin sagte „da kannst Du jetzt lange stehen“. Ein übrigens sehr beliebter Satz bei Pferdeleuten, fällt mir auf. Der Tonfall sagt – je nachdem wer den Satz sagt – entweder „das wird doch nichts“ oder „der Gaul ist stur“ oder „du bist ja vielleicht bescheuert“. Manchmal auch alles drei gleichzeitig.

Ich stand also da mit dem Pferd. Und wir standen und standen. Das Pferd sah aus als würde es dösen. Und dann, mit einem Mal, traf dieses Pferd eine Entscheidung. Und es ging ohne Zögern in aller Ruhe ins Wasser. Kein wildes Springen, kein Erschrecken, kein Stocken. Ging mit mir einmal durch, von der anderen Seite wieder durch und wiederholte das Ganze dann mit der Besitzerin. Thema erledigt.

Ich habe keine Ahnung, was in diesem Pferd vor sich gegangen sein mag. Aber irgendwie war mir klar, dass das das ist, was das Pferd braucht: Zeit zum „Nachdenken“. Nun findet Nachdenken ja sicherlich bei Pferden nicht so statt wie bei uns Menschen (schon allein weil wir Menschen in Sprache denken die Pferde nicht haben) aber es findet eben irgendeine Form der Informationsverarbeitung statt. Und dann wird eine Entscheidung gefällt – so oder so. Ich habe durchaus auch Pferde gesehen die in so einer Situation anders entschieden haben, die dann zum Beispiel plötzlich zurück gesprungen sind. Aber in diesem Fall lief es genau wie geplant. Und es kam mir so vor als ob der gesamte Prozess, den Pferde sonst manchmal aktiv durchlaufen – erstmal einen Huf ins Wasser, etwas vor, etwas zurück, vielleicht mal schnell durch, dann wieder neu ansetzen – im Kopf dieses Pferdes abgelaufen wäre und als es dann anfing sich zu bewegen war die Verhaltensweise komplett „fertig“.

Dieser Tag hat nicht nur der Besitzerin des Pferdes sondern auch mir eine Menge zu denken gegeben. Und wann immer ich die Möglichkeit habe, es so zu machen (weil der Besitzer mir vertraut oder weil es mein eigenes Pferd ist) versuche ich, die Dinge so zu lösen.

Die Vorstellung, dass wir einen großen Anreiz setzen müssten, damit ein Pferd solche Dinge tut – in den Anhänger steigen oder eben in ein Wasserloch – ist oft verkehrt. Pferde sind in der Regel durchaus gewillt, diese Dinge zu tun. Weil sie es interessant und bereichernd finden und/oder weil sie uns gefallen wollen. Natürlich können wir mit Anreizen aller Art den Prozess beschleunigen, aber manchmal tun wir uns keinen großen Gefallen damit. Die Kunst besteht wohl darin, zu wissen, wann es gut ist, zu helfen und wann es besser ist, die Entscheidung des Pferdes abzuwarten.

Ich vermute, dass das auch damit zusammenhängt was ein Pferd bisher für Erfahrungen gemacht hat. Hat es gelernt, dass es Zeit bekommt, Dinge zu „durchdenken“ und dass es dann eine Entscheidung treffen kann und eine Rückmeldung bekommt? Oder wartet es darauf, dass man ihm sagt, was es tun soll und fällt einfach ins Nichts-tun wenn man ihm keine Handlungsanweisung gibt? Und wo ist diese magische Grenze wann diese beiden Pole zu Extremen werden die ungesund sind? Ich möchte ja auch nicht unbedingt, dass mein Pferd immer selbst entscheidet, schon gar nicht, wenn das länger dauert. Ich meine, wenn gerade ein Auto kommt, dann muss ich sehen, dass mein Pferd sich so verhält, dass es für uns alle ungefährlich bleibt. Für einen langwierigen Entscheidungsprozess bleibt da einfach keine Zeit. Andererseits möchte ich mein Pferd ja auch nicht zu einem Roboter machen, der nur etwas tut, wenn man auf den Startknopf drückt.

Und schon ist da wieder ein schmaler Grat, auf dem es zu balancieren gilt.

Am besten ist es natürlich wenn ich es schaffe, dass mein Pferd lernt, möglichst viele gute Entscheidungen zu treffen – also ich meine: in meinen Augen gute Entscheidungen. Meine Aufgabe ist es dann, dafür zu sorgen, dass das Pferd seine eigene Entscheidung auch im Nachhinein als gut empfindet weil etwas aus Pferde-Sicht Gutes dabei herauskommt.

Und genau das ist passiert an jenem Tag vor einem Jahr. Duncan und ich standen am Anhänger und alles was ich ihm gesagt habe, war, dass er jetzt nicht weggehen darf. Danach habe ich ihn entscheiden lassen. Er hat entschieden, ganz gemach Schritt für Schritt in den Anhänger zu gehen und bekam dort einen Keks von mir. Im Video sieht es leider so aus als würde er mehr Kekse bekommen aber tatsächlich gab es nur ganz oben einen. Ich hatte ihn nicht gebeten, auf den Anhänger zu gehen (zumindest nicht direkt. Mein Wunsch war es natürlich schon und da man sich dann automatisch entsprechend bewegt wird Duncan schon klar gewesen sein was ich möchte).

Einfach mal schauen was passiert – ich glaube das war unser beider Gedanke.

Und das war dieser Moment in dem ich mir sicher war: das passt. Das ist das Pony das ich will. Und seitdem hat Duncan schon sehr viele Entscheidngen getroffen, die mir gut gefallen haben. Die Entscheidung, öfter mal vorneweg gehen zu wollen ist da ein gutes Beispiel. Eine Entscheidung, die mir früher, als ich gerne Freiarbeit machen wollte, nicht gut gefallen hätte. Aber jetzt, wo ich vom Kutsche fahren träume, kommt sie mir sehr gelegen. Und jedes Mal wenn er vor mir her marschiert, weiß ich wieder: ich habe auch eine gute Entscheidung getroffen in jenem Moment als ich sagte „ich möchte ihn gern kaufen“.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 57

Liebe Menschen, heute ist mir etwas romantisch zumute. Heute vor einem Jahr haben wir uns nämlich das Ja-Wort gegeben, mein Mädchen und ich. Schaut mal, wie klein und dunkel ich damals noch war!

Wir sind uns einig: wir lassen uns gemeinsam auf ein großes Abenteuer ein!

Das war ganz schön abenteuerlich! Wir kannten uns ja kaum. Aber es war eben Liebe auf den zweiten Blick und wir waren uns beide sicher dass das klappt. Bis ich dann wirklich bei ihr einziehen konnte, hat es noch lange gedauert und dann hat es lange gedauert bis die Herde mich akzeptiert hat. Aber danach ging es steil bergauf und jetzt sind wir schon ein richtig gutes Team, mein Mädchen und ich. Sie hat wirklich gute Fortschritte gemacht und schon viel gelernt! Ich bin sehr stolz auf sie.

Wollte ich Euch nur kurz erzählen!

Euer romantischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 57

Ich soll jetzt etwas neues lernen. Nämlich allein in der Wackelkiste stehen. Das ist ganz einfach: Normal einsteigen wie immer, dann macht mein Mädchen alles zu, ich knabbere etwas Heu und nach einer Weile kommt sie und serviert mir meine Schüssel. Da ist das drin was sie „Schmackofatz“ nennt. Aber im Moment ist es eher „Schmatzofatz“.

Da ist nämlich so ein Schleim drin, der soll total gesund sein. Aber er schleimt und klebt und macht das essen doch ziemlich schwierig. Und nachher klebt das Schmatzofatz überall: an meiner Nase, an meinem Halfter, an meinem Mädchen – ups, tschuldigung!   Dann sagt sie ich soll mir die Nase mal lieber ordentlich abwischen. Aber nicht an ihr! Ja wo denn sonst? Manchmal lacht sie auch weil ich es sogar an den Ohren kleben habe!

Lecker war´s…..

Naja wenn ich dann wieder ausgestiegen bin dann findet sich ein Platz zum Nase abwischen. Merlin zum Beispiel. Bei dem sieht man das auch richtig gut wenn er dann auf seinem weißen Fell so grünbraune Flecken hat. Dafür lutscht er mir dann die Ohren sauber, auch gut.

Ich mag die Wackelkiste. Da passieren immer feine Sachen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Kennen-Lernen

Immer wenn ich ein neues Pferd im Unterricht treffe, ist für mich eine der spannendsten Fragen: wie lernt dieses Pferd? Ich denke dann gern zurück an eine Projektwoche in der Schule, in der ich bei der Stepptanzgruppe mitgemacht habe. Damit wir am Ende der Woche etwas aufführen konnten ging es natürlich darum, eine Choreographie einzustudieren. Oje, da habe ich mich schwer getan! Ich war die letzte, die sich all die Schritte merken konnte. Aber als ich sie konnte, war ich bombensicher darin und ich konnte sie noch Jahre später abrufen obwohl ich sie nie wieder brauchte. Langsam gelernt – langsam vergessen. Andere lernen schnell und vergessen schnell.
Und noch andere Unterschiede beobachte ich bei Pferden: manche lernen am besten, wenn man ihnen nur den allerersten Schritt einer Übung zeigt und sie dann damit in Ruhe lässt. Später können sie plötzlich die komplette Übung fehlerfrei abliefern. Andere lernen dann aber nur diesen ersten Schritt und kommen gar nicht auf die Idee, dass da noch mehr zu entdecken sein könnte. Sie bleiben dann dort hängen und man muss ihnen das komplette Programm zeigen, damit sie wissen, was alles dazu gehört. So wird manches Pferd, wenn es rückwärts gehen soll und man die erste Gewichtsverlagerung nach hinten belohnt, danach anstandslos rückwärts gehen während ein anderes die Gewichtsverlagerung perfektioniert aber nicht auf die Idee kommt, die Füße zu bewegen. Wenn es dann doch passiert, sind diese Pferde oft überrascht, weil sie es so gar nicht geplant hatten.
Manche Pferde mögen Wiederholungen und brauchen die selbe Übung ein paar Mal in der selben Art und Weise bis es ihnen leicht fällt. Andere empfinden Wiederholungen als „Nachsitzen“ und werden dann ungehalten. Bei solchen Pferden nutze ich Wiederholungen wenn ich zum Beispiel erreichen möchte, dass sie etwas SOFORT tun, anstatt sich bitten zu lassen. Ich wiederhole, bis sie es sofort tun, dann sind sie fertig mit der Übung und empfinden das als so große Belohnung dass sie es in Zukunft einfach immer sofort machen, um fertig zu werden. Andere sind so stolz, wenn sie etwas verstanden haben, dass sie es gleich noch ein paar mal anbieten und manche übertreiben es dann so, dass man sie stoppen muss in ihrem Übereifer.

Manche raten gern. Wenn man ihnen möglichst wenig Information gibt, machen sie sich auf die Suche nach Lösungen und lieben es, dabei kreativ zu sein. Andere wiederum verzweifeln daran und möchten lieber eine ausführliche und detaillierte Erklärung bekommen, was sie wann genau wie tun sollen. (Ich glaube, Duncan fällt in diese zweite Kategorie)
Es ist eben genau wie bei uns Menschen, jeder von uns möchte Information auf eine andere Art und Weise serviert bekommen. Ich war zum Beispiel immer ein Ass in Mathe und habe logischerweise in der Oberstufe Mathe-Leistungskurs gewählt. Aber dann hatte ich dort eine Lehrerin, deren Erklärungen ich einfach nicht verstehen konnte und es war vorbei mit meinen Künsten. Andere, die Probleme hatten, Mathe zu verstehen, blühten bei dieser Lehrerin erst so richtig auf und waren glücklich sie zu haben, während ich nur noch frustriert war. Bei den Pferden ist es meine Aufgabe, möglichst gut herauszufinden, welches Pferd wie lernt und dann meine Ausbildungsmethode anzupassen.

Mit Duncan sind wir nun ein paar mal auf dem Reitplatz gewesen und ich stelle mir genau diese Fragen: Wiederholen oder nicht? Viel Information geben oder wenig? Was ist die beste Belohnung? Wie sieht er aus wenn er nicht versteht, müde ist, nicht mehr mag oder noch Zeit zum knobeln braucht? Wie klein sollen die Lernschritte sein, welche Tageszeit passt am besten und so weiter und so fort.
Große Frage im Moment: wenn er eine Übung gut gemacht hat und wir dann Feierabend machen, was wird dann daraus? Das werde ich dieser Tage wohl zu sehen bekommen.

Mein wunderschöner Ritter

Als wir am Dienstag auf dem Abenteuerspielplatz waren (Duncan hat Euch gestern hier https://schotten-pony.com/2020/07/22/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-55/ darüber berichtet) war ich gespannt, welchen Schwierigkeitsgrad die einzelnen Hindernisse für ihn darstellen. Ich war mir sicher, dass er die Schwimmnudeln unproblematisch findet, weil er ja auch direkt unsere Dualgassen auf dem Rücken akzeptiert hat und kein Problem mit irgendwelchen Berührungen hat. Und ich hatte Recht.
Recht hatte ich auch damit, dass er das Wasser schwierig finden würde. Da er draußen beim Spazierengehen glänzende Wasserflächen öfter mal skeptisch beäugt war ich sicher, dass er zögern würde. Allerdings geht er problemlos durch Pfützen wenn er sie anschauen darf. Dass er also SO viel Stress auf das Wasser hat, hätte ich nicht erwartet. Der Aufbau mit der Teichfolie und der Kante über die man hinein steigt hatte doch einen ungeahnt hohen Gruselfaktor.
Ich habe mich nicht viel in seine Versuche eingemischt , das einzige was ich nicht wollte, war, dass er am Wasser vorbei über mich drüber läuft. Da wurde ich dann doch unbequem wenn er das versuchen wollte. Ansonsten haben wir halt lange da herumgestanden. Er hat immer wieder geschaut und wenn er anfing mit dem Huf darin herumzuprobieren gab es einen Keks. So kamen wir schließlich da hin dass er beide Vorderhufe im Wasser stehen hatte und auch stehenblieb. Das war genug für den Tag und ich habe Feierabend gemacht. Nächste spannende Frage: was passiert, wenn wir wiederkommen und er erneut mit dem „schwarzen Loch“ konfrontiert wird?

Auch überrascht war ich, wie schwer er den schmalen Steg fand. Angst hatte er keine (behaupte ich mal…. ) aber er musste sich doch recht konzentrieren um seine 4 Füße auf dem Steg zu halten, obwohl der für so ein schmales Pony eigentlich komfortabel breit ist. Nun ist er ja aber auch mitten im Wachstum und hat vielleicht gerade kein gutes Gleichgewicht. Oder aber er hatte eben doch etwas Angst vor dem lauten Geräusch dass seine Hufe auf dem Steg gemacht haben. Oder es hat ihn beunruhigt wenn er daneben ins Leere getreten ist. Wer weiß? Ich (noch) nicht.

Manchmal sagen Menschen (ja ich bin da auch nicht ganz unschuldig) es sei doch „langweilig“ wenn das alles so klappt, wofür fährt man dann in den Trailpark? Ich glaube da unterliegen wir einem gewaltigen Irrtum. Zum einen ist es für Kinder ja auch nicht langweilig auf den Spielplatz zu gehen – auch wenn sie sich alles trauen und alles können. Rutschen, wippen, Seilbahn fahren und dergleichen mehr dienen der Stimulation von Gehirn und Körper. Bei Kindern wissen wir das – bei Pferden vergessen wir es.
Zum anderen ist es unendlich spannend das Pferd dabei zu beobachten WIE es mit den Dingen umgeht. Duncans Spaziergehkumpel, der auch die meisten Hindernisse (außer dem schwarzen Loch) mit Bravour gemeistert hat, musste zwischendurch Dampf ablassen und hüpfte lustig durch die Gegend. Duncan hingegen war nur anfangs etwas bissig, bevor er sich dann in Ruhe auf mich und die Aufgaben konzentrieren konnte. Hüpfen als Stressabbau hat er nicht im Programm (wie schön für mich) und was das beißen bedeutet weiß ich ja nun. Außerdem konnte ich klar sehen, wann er müde war. Er hat ca 35 Minuten konzentriert und ruhig gearbeitet und dann war das Gehirn plötzlich für einen Moment aus. Kurze Ruhephase, dann konnte er nochmal ein paar Minuten aber ich habe es dann beendet, damit wir einen guten Abschluss haben. Nun finde ich 35 Minuten für so ein junges Pferd in fremder Umgebung mit so vielen Eindrücken schon sehr amtlich und ich habe ein ungefähres Maß womit ich rechnen kann wenn ich aufregende Ausflüge plane, die über unser normales Spazierengehen hinausgehen.

Ich hoffe natürlich, dass auch er etwas gelernt hat. Was das ist, wird er mir vielleicht im Laufe der Zeit verraten, wir werden sehen.
Was er schon gelernt oder geübt hat: er kann jetzt auch wenn er bissig ist noch einmal wieder ruhig und konzentriert werden. Früher war bissig das Ende der Fahnenstange, dann war er müde und zu kaputt um sich noch anständig zu benehmen. Diesmal kam das bissige gleich am Anfang und ging dann über in eine sehr guten Konzentrationsphase. (Im Übrigen ist es gut möglich, dass diesmal meine eigene Aufgeregtheit die Bissigkeit ausgelöst hat – er wurde ruhiger als ich mich selbst bewusst mehr zur Ruhe gebracht habe).

Und so lernen wir uns weiter kennen und ich versuche ihn weiter mit offenen Augen zu beobachten, nicht zu schnell Schlussfolgerungen zu ziehen sondern lieber noch einmal mehr hinzuschauen und vor allem zu akzeptieren dass sich bei einem jungen Pferd auch alles fix wieder ändern kann. Ich suche nach Konstanten auf denen ich meine Ausbildung aufbauen kann aber im Moment ist die Liste noch kurz. Klemmbrett raus und Notizen gemacht! (Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/03/19/klemmbrett/ )

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 56

Liebe Menschen,

jetzt habe ich lange nichts für Euch aufgeschrieben. Erst hatte mein Mädchen so viel zu tun und dann war sie ganz deprimiert. Weil sie nämlich erfahren hat, dass unser größtes Abenteuer für dieses Jahr nun doch ausfällt.

Ich hätte nämlich mit ihr zu einem Kurs fahren sollen. Nicht, weil ich nicht schon alles wüsste und könnte, sondern weil SIE Fragen hat. Das wäre ein Kurs bei einer Britin gewesen und mein Mädchen sagt, die Dame kennt sich auch mit Schotten gut aus. Und sie kennt mein Mädchen schon ganz lang. Und der Hof wo das stattfindet ist total nett und deswegen wäre das der optimale erste Kurs gewesen. Mein Mädchen wollte von der klugen Frau wissen, was sie so von mir hält, wie sie meinen Charakter einschätzt und so.

Aber ich hab meinem Mädchen gesagt, dass die Antwort auf diese Fragen doch wohl eindeutig auf der Hand liegt! Ich verstehe gar nicht warum sie einen teuren Kurs braucht. Wo doch jeder weiß dass ich das schönste, klügste, beste und mutigste Pony der Welt bin. Wirklich, wenn mein Mädchen das jetzt noch nicht begriffen hat ist ihr wohl doch nicht mehr zu helfen.

Aber es ist trotzdem schade, dass das Abenteuer ausfällt. Ich hätte mich schon gern mal einem größeren Publikum live gezeigt. Sicher hätte mir das wieder viel Bewunderung eingebracht (was sonst?). Aber so ist es nun mal, dieses Jahr ist bei Euch Menschen eben alles anders.

Ich habe meinem Mädchen gesagt dass sie nicht traurig sein soll deswegen. Wir können doch andere Abenteuer erleben! Und das haben wir dann gestern auch getan. Ein ganz feines Abenteuer war das! Wir sind mit meinem Spaziergehkumpel zu fremden Leuten gefahren. Die haben dort einen Spielplatz! Also einen Ponyspielplatz! Für mutige Ponys. Und für geschickte. Ein paar Sachen waren ganz leicht. Die Schwimmnudeln zum Beispiel, die fand ich lustig. Und das komische Gestrüpp, wo es unter meinen Füßen so geknistert hat. Und die Treppe – wenn ich da oben drauf stand, war ich viel größer als sonst, das war toll!

Den Steg zum drüber balancieren fand ich etwas kompliziert. Der war so schmal und mein Mädchen hat gesagt ich soll nicht daneben treten! Da musste ich mich doll konzentrieren.

Aber eine Sache fand ich wirklich etwas gruselig: das schwarze Loch. Wisst Ihr was ein schwarzes Loch ist? Das sind so Dinger im Universum die alles wegfressen was ihnen zu nah kommt. Und so was hatten die da aufgebaut! Mein Mädchen sagt, das stimmt nicht. Mein Mädchen sagt, es wäre nur Teichfolie und Wasser. Aber ich glaube eben doch, dass es ein schwarzes Loch war! Ich war seeeeeeeeeeeeeeeeeehr mutig und habe meine Vorderhufe rein gestellt. Das war nass. Aber tatsächlich waren meine Hufe nachher trotzdem noch da! Ich habe es dann nochmal ausprobiert. Mein Mädchen hat gesagt ich habe das toll gemacht und das reicht für den Anfang. Ich war auch schon ein bisschen müde vom vielen konzentrieren und mutig sein. Aber Spaß hat das gemacht! Sie hat gesagt wir fahren da bald nochmal hin. Und dann ist sie gespannt ob ich mich ganz in das schwarze Loch rein traue. Sie hat fest versprochen dass ich nicht darin verschwinden werde. Sie würde das ja sonst nicht machen, sagt sie, weil sie mich doch behalten will.

Hmmmmmmmm…..

Euer mutiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Wohin geht die Reise?


Es ist Donnerstag und meine Schuhe sind immer noch nicht trocken von unserem Spaziergang am Dienstag. Was als harmloser Nieselregen begann entwickelte sich dann doch im Laufe der Zeit zu einem gediegenen Landregen, so dass wir nach 6,4 km tropfnass in Auto bzw Anhänger stiegen um wieder nach hause zu fahren.
Doch dem Wetter zum Trotz war das jetzt der zweite Ausflug, bei dem Duncan sich benommen hat wie ein erwachsenes Pferd. Kein Ziehen, kein Kneifen, kein Nerven, keine Sorge vor gar nix.

Obwohl sein Spaziergehkumpel mal wieder einen akuten Anfall von Pubertät hatte, spazierte Sir Duncan in aller Gelassenheit neben mir her durch den Regen – rechts, links, vorne, hinten, mit Hunden und erstaunlich vielen Autos, vorbei an der Bullenweide, mit den Satteltaschen auf dem Rücken und die einzige noch bestehende Diskussion ist die darüber, wie viel von dem Grün am Wegesrand man mitnimmt. Diese Diskussion – da bin ich mir als erfahrene Ponybesitzerin sicher – wird uns ein Leben lang begleiten. Die hat nichts mit dem Alter zu tun.

Ich vermute, wer ihn nicht kennt, würde nicht ahnen, dass sein zweiter Geburtstag immer noch in der Zukunft liegt. Er ist gelassen, er weiß was er tut und er hört mir gut zu. Wir sind ein eingespieltes Team und wenn ich ehrlich bin: es ist mir ein bisschen unheimlich.

Auch als wir neulich eine recht lange, abenteuerliche Tour hatten mit Schafsbegegnung und Dschungelfeeling hat er keine Anflüge von Babyverhalten mehr gezeigt. Selbst als er müde war, musste er nicht hampeln, ziehen oder beißen, sondern ist einfach neben mir her getrottet und hat alles richtig gemacht. Wie müde er war, habe ich erst später gesehen, als er auf der Rückfahrt auf dem Anhänger ein Nickerchen und zu Hause ein richtiges schönes Schläfchen im Liegen gemacht hat. Es war eben doch ein richtiges Abenteuer.

Ich finde es schwer zu glauben, dass ein Pony in dem Alter schon so sein kann. Vielleicht kommt das dicke Ende ja auch noch – wer weiß.
Ich denke momentan immer nur von einem Tag zum anderen. Wird er morgen auch noch so erwachsen sein, oder wird er plötzlich wieder wilde Ideen haben? Wird er eines Tages merken, dass er ein Hengst ist und mir den dicken Macker machen? Oder gehört er zu der Sorte, die das unwichtig finden und gar nicht begreifen, warum andere sich so aufplustern?

In ein paar Wochen werden wir – mit Glück – zu unserem ersten Kurs fahren. Es kommt mir etwas absurd vor, mit so einem jungen Pferd schon auf einen Kurs zu fahren, aber ich habe bestimmte Gründe, über die ich Euch dann natürlich erzählen werde. Vorausgesetzt, der Kurs darf stattfinden, versteht sich.

Mein wunderbar pragmatischer Mann sagt mir immer wieder, ich sollte doch einfach genießen, dass Duncan das alles so fein macht. Und obwohl ich das natürlich tue, sind da doch auch immer mal wieder diese Momente in denen er mich verunsichert mit seiner erwachsenen Art. Er wirkt unglaublich geerdet, ruht in sich selbst und erinnert mich an den 8jährigen Finlay in seinem ganzen Gebaren. Ob das nur an ihm liegt oder auch an der Art wie unsere Herde mit ihm umgeht?

Und dann immer die Frage nach der Verantwortung.
Neulich sprach ich mit einer Schülerin, die zwar sehr pferdeerfahren ist aber jetzt zum ersten Mal selbst Pferdebesitzerin. Ihr Pferd fühlt sich an seinem derzeitigen Stall nicht so wohl und wir sprachen über einen Wechsel. Sie sagte sinngemäß zu mir „ich habe mir den Pferdekauf gut überlegt – was kostet es, wie viel Arbeit macht es, wie sehr bin ich angebunden. Aber ich habe unterschätzt, wie schwer die Verantwortung wiegt, solche Entscheidungen treffen zu müssen“.
Die Entscheidung, wie unser Pferd lebt, was es zu fressen bekommt und was es mit uns tun oder nicht tun soll, liegt bei uns – und manchmal wiegt diese Verantwortung ganz schön schwer, finde ich.
Ein junges Pferd – so empfinde ich es zumindest – bedeutet für uns noch etwas mehr Verantwortung.

Jedes Mal, wenn ich meinen kleinen Ritter aus dem Stall hole, muss ich wieder entscheiden: was kann ich ihm schon zumuten, was ist noch zu viel? Was ist vielleicht zu wenig und langweilt ihn? Was mag er, was mag er nicht, was wird er vielleicht mögen lernen wenn ich es jetzt schlau anstelle und was passt einfach nicht zu ihm? Wie viel körperliche und geistige Anstrengung tut ihm gut und tut es ihm gut, mal wirklich müde zu sein oder ist er dann überfordert?

Wenn ich mit unseren erwachsenen Ponys arbeite, vergesse ich solche Dinge manchmal. Es hat sich eben so eingespielt. Und bei Merlin weiß ich oft genau, was er mag und was nicht, er sagt seine Meinung und ich höre sie. Nicht, dass ich mich immer danach richten würde. Er muss schon auch Dinge tun, die er blöde findet, aber ich versuche, einen guten Kompromiss zu finden zwischen meinen Wünschen, seinen Wünschen und dem reinen Pragmatismus zur Erhaltung unser beider Gesundheit. Oft kommt der Spaß ja erst bei der Arbeit. Das erleben wir doch selbst, dass wir uns manchmal erstmal aufraffen müssen und anfangen – sei es mit der Arbeit, dem Sport oder dem Haushalt. Und wenn wir dann dabei sind, macht es Spaß. Oder wir fühlen uns hinterher gut. Und weil das so ist finde ich es nicht verkehrt, auch ein Pferd mal zu überreden, etwas anzufangen und zu tun. Mal eine Angst oder einen Schweinehund zu überwinden.
Es liegt an uns, das Maß der Dinge zu finden – das ist die Kunst.

Wie ist das nun also mit Sir Duncan? Man möchte meinen, er sei doch noch recht klein (äußerlich ist er das ja auch). Aber in den letzten Wochen benimmt er sich wie ein Großer – ich spüre wirklich keinerlei Unterschied zwischen ihm und einem erwachsenen Pferd, außer dass er natürlich vieles noch nicht weiß. (Siehe letzte Woche….). Das lernt er dann allerdings auch so schnell und leicht, dass sich Lücken schnell schließen lassen. Manchmal passiert es mir auch, dass ich einfach vergesse, dass er Dinge noch nicht weiß und mich kurz über Verhaltensweisen wundere, bis es mir wieder einfällt. Er selbst legt die Latte unglaublich hoch und doch übertrifft er sich immer wieder.

Ich sammle weiter Indizien, welche Verhaltensweisen erhalten bleiben werden und welche sich verändern. Ich werde weiter beobachten, an welchen Tagen Sir Duncans Laune so ist und an welchen anders. Welche Ausflüge ihm mehr Spaß machen als andere – und woran ich das wohl überhaupt erkennen könnte. Und derweil werden wir auch immer mal etwas Zeit auf dem Reitplatz verbringen, das nehme ich jetzt mit ins Programm. Um zu sehen ob es wohl auch dort Dinge gibt, die er gern tut.

In den letzten Wochen waren wir 3 mal auf dem Reitplatz und er hat einfach klaglos alles gemacht, worum ich ihn gebeten habe. Still und konzentriert immer im Rahmen seines Erfahrungshorizonts hat er in aller Ruhe getan, was zu tun war. Und da er danach auch im Paddock noch sehr interessiert war an meiner Gesellschaft, vermute ich, dass es ok für ihn war. Manchmal denke ich, er könnte der Typ Pferd sein, der einfach alles mitmacht. Er wirkt oft ein bisschen so. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet er nun derjenige sein soll, der nicht für sich und seine eigenen Interessen einsteht. Also vielleicht ist es auch einfach so, dass ich bisher Dinge gefragt habe, die wirklich ok waren. Oder das sein Repertoire an Dingen, die er ok findet, eben recht groß ist. So war es ja bei Finlay: so lange ein Abenteuer für ihn drin war, war der Inhalt desselben eigentlich egal. Ein Ausritt, eine Kutschfahrt, „Schrecktraining“ (sagen wir: das Spiel mit komischen Gegenständen) oder interessante Bodenarbeit, auch mal etwas Dressurreiten (dann aber bitte kurz und interessant), Kühe treiben … alles war recht außer Langeweile. Das ist auch etwas, was die Rassebeschreibung des Highlandponys explizit enthält: die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser Ponys. Sie sind normalerweisen keine Spezialisten für eine Disziplin sondern sind glücklich über jede Unternehmung die man ihnen so anbietet.

Durch fremdes Gelände wie ein großer



Auch in der Herde ist Duncan sehr entspannt. Spielen ist im Moment eine sehr seltene, kurze und ruhige Angelegenheit. Kleine Boxeinheiten mit Caruso, kleine Kabbeleien hier und da, aber wilde Steigerei fällt aus.

Ich beobachte ihn mit Argusaugen: ist er zu ruhig? Fehlt ihm etwas? Oder wächst er nur (Rücken und Hinterhand sind derzeit etwas unförmig)? Oder ist er eigentlich so und war vorher nur zu gestresst um diese Ruhe zu finden?

Natürlich sind alle unsere Ponys im Sommer sehr viel ruhiger. Sie sind 5 Nächte in der Woche auf der Weide, von dort kommen sie sehr satt rein, schlafen dann viel. Gut möglich, dass im Winter all die wilden Anwandlungen wieder kommen wenn Sturm, Regen und Kälte den Energiepegel erhöhen. Wir werden sehen.

Aber all diese Gedanken treiben mich um. Ich beobachte und probiere, frage und lese um meiner Verantwortung möglichst gerecht zu werden. Und das alles in dem sicheren Wissen, dass ich trotzdem Fehler machen und Dinge falsch einschätzen werde. Ich kann nur hoffen, dass es Fehler sind, die keine bleibenden Folgen haben. Fehler, die ich später ausbügeln kann. Manchmal bin ich neidisch auf Menschen, die sich nicht so viele Fragen stellen, nicht so viel zweifeln.  Aber so bin ich nun mal nicht…
Zum Glück scheint Duncan genug innere Ruhe und Stabilität mitzubringen für uns beide und ich möchte mich anstecken lassen von seiner gelassenen Art in der er die Welt erforscht.
Neue Abenteuer warten auf uns, von denen er Euch bestimmt wieder in seinem Tagebuch berichten wird. Und wenn Ende September unser erstes gemeinsames Jahr vergangen ist, werde ich staunend zurückschauen und feststellen: alles war anders als ich dachte.
Und dann werde ich schmunzeln, denn auch das ist eine Finlay-Lektion. Ich hätte es also wissen können….