Hervorgehoben

Wie alles begann

Warum dieser Blog „Schotten-Pony“ heißt

Sir Duncan Dhu of Nakel

Meine Liebe zum schottischen Highlandpony begann vor ungefähr 11 Jahren, als ich eine Highlandpony-Züchterin als Hufpflegekundin bekam. Damals ahnte ich noch nicht, dass das mein Leben verändern würde. Dass ich einmal Fan einer bestimmten Pferderasse werden würde, hielt ich für ausgeschlossen. Schließlich sind alle Pferde toll und alle haben ihre Vorzüge.

Das stimmt auch immer noch. Und ich habe die Rasse gefunden, die am besten zu mir passt: das Schottische Highlandpony. Einige Jahr später wurde bei dieser Züchterin mein erstes „Schotten-Pony“ Finlay geboren und Finlay wird für mich (was den Charakter angeht) vielleicht immer der Innbegriff des Highlandponys sein. Die Schotten sind ein bisschen anders als andere Ponys. Natürlich gibt es – wie auch innerhalb anderer Rassen – eine Bandbreite an verschiedenen Typen: von den sehr lieben, die sich als Therapiepferd eignen bis zu den sehr selbstbewussten, die ihre Besitzer schon mal vor die eine oder andere Herausforderung stellen. Was ihnen gemeinsam ist, ist die große Menschenbezogenheit, das unbedingte Bedürfnis nach viel Beschäftigung und Abwechslung sowie der Gerechtigkeitssinn. Behandle mich fair, dann ist alles ok. Behandle mich unfair und Du zahlst den Preis. Die Schotten sind sehr ehrlich – geradeheraus, kein Blatt vor dem Mund. Und viele von ihnen sind abenteuerlustig, haben wenig Angst und erleben gern Neues.

In diesem Blog möchte ich Euch teilhaben lassen an den Geschichten, die ich mit meinem Schotten-Pony erlebe. Bald schon geht es los – ich nehme Euch mit auf eine Reise, die so gar nicht hätte stattfinden sollen, und die ich jetzt als neue Chance und neues Abenteuer sehen möchte. Abonniert am besten gleich diesen Blog, damit Ihr keine Schotten-Pony-Abenteuer verpasst! (einfach Ich freue mich jederzeit über Kommentare, Fragen und Themenwünsche.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 289

Gestern war bei euch Menschen ja Feiertag. Da war also ein Feiertagsausflug angesagt! Ab in den Wald! Vorher war ich beim Sattelcheck. Der Mann meint, das passt alles. Dann die Hufschuhe an, die mein Mädchen ein bisschen überarbeitet hat. Aber die sind trotzdem knapp, meine Füße sind wirklich größer geworden! Die neuen Schuhe sind schon bestellt aber die Lieferung dauert ein bisschen. Bin gespannt! Bis dahin geht es noch so.

So, jetzt darf ich aber endlich einsteigen, oder? Ich liiiiiiiiiiiebe die Wackelkiste! Im Wald haben Diego und ich dann angemerkt, dass wir es auch voll ok finden würden, erst mal noch da drin zu bleiben und das Heu aufzuessen. Aber daraus wurde nix, so lange wollten die Menschen nicht warten, also mussten wir aussteigen. Na gut, durch den Wald laufen ist ja auch schön. Aber – herrje! – die „bösen Reiter“ hatten den ganzen Weg kaputt geritten, so dass alles total vermatscht war! Zumindest wird das ja immer behauptet. Ich fand ja nicht, dass das nach Hufspuren aussah…. Jedenfalls war das erste Stück des Weges ziemlich nass und rutschig. Ich musste mich ordentlich konzentrieren! Ich meine: zu hause, so alleine für mich, da komme ich klar wenn es rutschig ist. Auch im Turbogalopp und beim Steigen. Aber mit meinem Mädchen auf dem Rücken muss ich ja viel mehr balancieren! Das war ganz schön harte Arbeit. Und die Pfützen haben überhaupt nicht gut geschmeckt. Ein paar habe ich probiert, dann habe ich es aufgegeben. Eklig war das!

Die Reiter haben den Weg kaputt gemacht! Oder war das etwa jemand anders?

Zum Glück wurde der Weg nach einer Weile besser. Da sind wir dann ein schönes Stück getrabt. Aber plötzlich haben wir ein lautes Geräusch gehört! Das fand ich ein bisschen komisch. Wir sind dann näher ran gegangen, Diego vorne weg und mein Mädchen hat überlegt, ob sie jetzt absteigt oder nicht. Dann ist Diego stehen geblieben – und wenn Diego stehen bleibt, dann ist es wirklich gruselig! Er hat sich das angeschaut und überlegt, ob es gefährlich ist. Mein Mädchen ist derweil abgestiegen. Aber gerade da hat das Geräusch aufgehört! Es gibt ja eben doch nette Menschen und diese zwei, die da mit der Kettensäge im Wald zu Gange waren, die waren sehr nett. Haben ihren Hund ins Auto gesetzt, die Säge aus gemacht und uns vorbei gelassen. Mein Mädchen hat dann darum gebeten, dass sie die Säge wieder anmachen, damit ich mir das noch anschauen kann, nachdem wir vorbei gegangen sind. Und so konnten wir Ponys uns noch überzeugen, dass das genau so eine Säge ist, wie der Mann sie zu hause auch schon benutzt hat. Und ich konnte mich überzeugen, dass es Kekse gibt, wenn man sich das anhört.

Mein Mädchen war zu blöd mir den Keks richtig zu reichen. Na immerhin hab ich ihn noch bekommen!

Also konnten wir unbeschwert weiter reiten! Wir haben uns aber kurz danach erst noch ein Päuschen mit einem Häppchen Gras gegönnt. Dabei haben wir diesen Prachtkerl von Pilz gesehen. Da waren noch mehr so riesige Dinger im Wald, aber dieser war der schönste, weil der auch so schön leuchtet!

Nun ist das in unserem Wald so: es gibt einen kleinen Parkplatz – der ist näher an unserem zu hause. Deswegen parken wir da, wenn wir können. Am anderen Ende des Waldes gibt es einen großen Parkplatz. Wenn auf dem kleinen kein Platz ist, parken wir da. Letztes Mal haben wir auf dem großen Parkplatz geparkt. Und ich hatte kurz vergessen, das wir dieses Mal auf dem kleinen Parkplatz aus der Wackelkiste gestiegen sind. Als wir also nach der Hälfte unseres Ritts zum großen Parkplatz kamen, wollte ich da unbedingt hin. Mein Mädchen meint, ich wäre wohl sehr vergesslich! Aber hätte es nicht sein können, dass die Wackelkiste jetzt da steht? Wenn sie mich nicht nachschauen lässt, kann ich das ja auch nicht raus finden!

Auf dem Rückweg haben wir dann noch ein bisschen „biegen“ geübt. Linksrum kann ich das. Rechtsrum bin ich ein bisschen steif, da will das nicht so klappen. Deswegen haben wir dann gaaaaaaanz oft geübt. Mit Keksen zwischendurch, wenn es mir gut gelungen ist. Bis es besser wurde. Das draußen beim Ausreiten mehr zu üben steht jetzt auf der Agenda, sagt mein Mädchen. Weil ich anscheinend beim traben noch nicht so alles ganz richtig locker lasse und mich dann etwas verspanne.

Dann nochmal über den Matschweg und – juhuuu! – wieder in die Wackelkiste. Schöner Ausflug!

Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen Feiertag, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

3 Jahre mit Duncan

Heute vor 3 Jahren ist Duncan bei mir eingezogen. Unvergesslich, wie mein kleiner Jährling so völlig stressfrei 4 Stunden Anhänger gefahren ist mit Diego neben sich (der nicht gerade schockverliebt war). 4 Stunden in denen er nur gefressen oder gedöst hat. Nicht ein einziges Mal hat er mit dem Kopf geschlagen, gewiehert oder mit dem Huf gescharrt. Bis heute ist das so geblieben: er liebt Anhängerfahren. Viele andere Dinge sind nicht so geblieben. Elsa sagte auf dem Kurs zu mir: „es braucht viel Zeit, ein Pferd wirklich kennen zu lernen. Und da du ein junges Pferd hast, wirst du 27 Pferde kennen lernen müssen.“ Und so fühlt es sich an. Wobei ich hoffe, von den 27 Pferden vielleicht schon 17 geschafft zu haben. Die einzige Konstante mit einem jungen Pferd ist die Veränderung. Heute pubertär, morgen ängstlich, übermorgen mit Wachstumsschmerzen und nächste Woche ein paar Tage lang total erwachsen. Dann unausgelastet, nervig, größenwahnsinnig oder aber müde, abgeschlagen und unsicher. Hoch motiviert, mitzumachen oder hoch motiviert, einen Streit vom Zaun zu brechen, auf der Suche nach Halt und Trost oder auf der Suche nach Grenzen – mal so, mal so. Stimmungen können innerhalb eines Tages wechseln aber auch innerhalb einer Minute. Dann all diese Unbekannten: wovor hat er Angst, wovor nicht? Welche Dinge lernt er schnell, bei welchen dauert es ewig, welche leuchten ihm vielleicht nie ein? Welche Methode ist (im Moment) die richtige und wie lang ist die Konzentrationsspanne heute?

Die drei vergangenen Jahre waren ein heißer Ritt durch Höhen und Tiefen. Und dabei ist Duncan nach wie vor eins der einfachsten Ponys die ich kenne. Finlay war ein viel komplizierterer Charakter – oder kam es mir nur so vor, weil er mein erstes eigenes Jungpferd war? Sicher würde ich heute vieles anders machen und anders sehen. Fest steht, dass Finlay viel mehr Grenzen ausgelotet hat – auch in der Herde und am Zaun, nicht nur mit mir.

Die Achterbahn mit Duncan ist stark abgemildert worden durch unsere wunderbare Herde, die ihn hervorragend erzogen hat und mit seinen Launen und Stimmungen umzugehen weiß. Ob auch die Ponys von Finlay gelernt haben und jetzt besser wissen, wie man so einen kleinen Rotzlöffel groß zieht zu einem anständigen Kerl? Sie sind sich immer sehr einig und ziehen alle 4 perfekt an einem Strang, wenn mein nicht mehr ganz so kleiner Ritter sich daneben benimmt. Und dabei sind wir verletzungsfreie Zone, seit Duncans Eingewöhnung (in der er sich ein paar blutige Bisswunden geholt hat). Die Ponys haben noch nicht mal Kratzer. Wenn Duncan einen Kratzer hat, bin ich gewarnt: Pubertätsschub. Denn ansonsten passiert das hier nicht. Alle Uneinigkeit wird über Drohgebärden geklärt.

Drei Jahre sind eine lange Zeit – und eine kurze Zeit. Gleichzeitig war es eine von Krisen geprägte Zeit. Nicht nur Finlays Tod, sondern bald danach auch Krisen in der Welt, die mich zwar nicht so ganz direkt betreffen aber eben doch da sind und mir Sorgen und Unsicherheit bescheren. Umso mehr brauche ich die Stabilität hier zu hause – und Duncan konnte mir das in den letzten drei Jahren nicht so oft geben.

Jetzt werden die Tage mehr, an denen er das schafft. Ob wir uns gemeinsam auf dem Reitplatz konzentrieren und in fast schon meditativer Stimmung unsere Gymnastik machen oder ob er mich freundlich durchs Gelände trägt und wir einfach genießen, in der Natur unterwegs zu sein: immer öfter kann ich mich auf ihn verlassen. Ich muss nicht mehr ständig alles abklopfen auf potentielle Störungen. Regeln, die schon immer bestehen, stellt er nicht mehr dauernd in Frage. Ja, einen Moment der Ablenkung nutzt er immer noch aus um einen Grashalm zu erhaschen oder das Begleitpferd zu kneifen. Aber das finde ich nicht schlimm, denn es ist nur die Rückmeldung an mich, dass ich nicht ganz bei ihm war. Und es passiert ja nichts wildes.

3 Jahre mit Duncan und ich weiß: da kommen noch weitere 4 Jahre bis mein Pony wirklich ehrlich und vollständig erwachsen ist. Vielleicht habe ich Glück: Finlay war mit 6 Jahren so weit. Aber wissen kann man das eben nie und bei Duncan stehen uns wohl auch noch Testosteronschübe bevor. Wenn ich auf die vergangenen 3 Jahre zurück schaue, bin ich guten Mutes, dass alles rund läuft. Ein paar Pannen, ein paar Streits und die eine oder andere Überraschung kommen bestimmt noch. Aber die drei überstandenen Jahre – so anstrengend sie waren – machen mir auch Mut. Und das, was wir uns in den drei Jahren aufgebaut haben, kann uns keiner mehr nehmen.

Bei Finlay habe ich all die Arbeit in Ausbildung und Erziehung investiert in dem Gedanken, viele, viele Jahre davon zu profitieren. Bei Duncan fühle ich mich anders. Ich versuche, noch mehr das zu genießen was schon da ist. Manchmal packt mich die nackte Angst, dass es wieder morgen vorbei sein kann. Dann mache ich mir klar, dass ich mich entschieden habe, dieses Risiko wieder einzugehen. Dass ich nicht ohne Pony sein möchte, auch wenn ich vielleicht wieder einen harten, viel zu frühen Abschied erlebe. Und dass ich Duncan heute lieben kann, ohne an morgen zu denken. Wieder ist Ambiguitätstoleranz gefragt: ihn heute lieben, ohne an morgen zu denken – aber mich gleichzeitig heute so verhalten, dass morgen ein gutes Ergebnis dabei heraus kommt (auch dann, wenn das heute unbequem ist). Schreibt sich leicht, es zu tun ist eine Herausforderung. Allein, mein Herz wieder wirklich zu öffnen, mich wieder so verletzlich zu machen ist ein großes Risiko und im Gegensatz zu vorher bin ich mir dieses Risikos sehr bewusst. Nach und nach merke ich aber auch, wie sich die Angst etwas abmildert. Weil Duncan bereits 4 Lebensjahre lang bewiesen hat, dass er grundsätzlich gesund und sehr vernünftig ist. Er hat sich selbst nicht verletzt, auch beim wilden Spiel mit entsprechenden Stürzen nicht. Außer einer Kolik war er nie krank (und bei der Kolik weiß ich jetzt auch was ich vorher hätte sehen können). Mehr als das kann ich an Sicherheit nicht erwarten.

So gehen wir jetzt in unser 4. gemeinsames Jahr. Ein Jahr voller Ausritte und Gymnastizierung auf dem Platz. Ich bin gespannt, wie Duncans Energiepegel sich entwickelt, wenn das Wetter jetzt wieder kühler wird. Wird er wieder ungestüm und möchte endlos bewegt werden? Oder ist er insgesamt ruhiger geworden? Beim Ausreiten scheint es mir nun doch so zu sein, dass er sich seine Kräfte besser einteilt. Er hat – wie von mir gewünscht – gelernt, dass man nie so recht weiß, wie lang die Runde wird. Dass es dumm ist, alle Energie am Anfang zu verpulvern. Dass man Führpausen besser nutzt um sich zu erholen anstatt ständig Schabernack zu machen. Aber wer weiß, ob sich das ändert, wenn die Weide wieder zu ist, die Weidewampe etwas schrumpft und die Tage kälter werden. Diesmal habe ich aber bessere Mittel, damit umzugehen, denn ich kann mit ihm in Ruhe durch den Wald traben, bis er sich wieder wohl fühlt. Darauf freue ich mich und wie jedes Jahr bin ich gespannt, was ich nächstes Jahr zu berichten habe.

Duncan am Tag seines Einzugs

Duncan dieses Jahr auf dem Kurs bei Elsa (Foto von Jessica Freymark)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 288

Es hat ordentlich geregnet bei uns. Mein Mädchen freut sich, die Bäume freuen sich, die Wiese freut sich. Und wir Ponys sind nass. Das macht aber nix, denn wenn man nass ist, kann man sich so schön panieren und das hebt die Laune ungemein! Die meisten Menschen behaupten, Schimmel seien viel dreckiger als andere Pferde – dabei stimmt das gar nicht! Man sieht den Dreck auf dem weißen Fell nur besser. Aber das ist gar nicht der Grund, weshalb mein Mädchen keinen Schimmel mehr wollte. Sie findet einfach andere Farben schöner, das ist alles. Aber ein gutes Pferd hat niemals die falsche Farbe und ich bin der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke und also ist es vollkommen egal dass ich ein Schimmel bin, sagt mein Mädchen. Und es ist ihr auch vollkommen egal, wenn ich mich paniere. So lange ich rechtzeitig zum satteln wieder trocken bin und das hat gestern gut geklappt. Sie hat also die getrocknete Panade abgebürstet und dann ging es zum Dienstagsausflug. Und was soll ich sagen: mein Ausreitkumpel und ich haben wieder perfekt abgeliefert und unsere Mädchen haben nur so geschwärmt. Wir sind eben einfach die besten Ponys 2.0!

Schöne Panade
Dienstagsausflug! Können wir.

Jetzt wird es schon wieder viel früher dunkel, da werden die Touren nicht mehr so weit. Oder aber schneller, das ist ja auch eine Lösung. Na mal sehen was der Herbst so bringt. Jetzt warte ich erstmal ungeduldig auf Sonntag, dann ist bestimmt der nächste Ausflug dran. Ich hab aber schon vernommen, dass mein Mädchen vorher den Mann bestellt nochmal nach meinem Sattel zu schauen. Sie meint nämlich ich wäre vorne doch wahrhaftig schon einen Hauch breiter geworden und da muss vielleicht was neu justiert werden. Na wollen wir mal sehen was der Mann dazu sagt!

Euer panierter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 287

Mein Mädchen sagt ja immer, ich soll wachsen. Mit der Höhe ist sie schon recht zufrieden, jetzt soll es bitte in die Breite gehen. Wenn ich dann aber wachse, dann bin ich nicht so gut drauf und in meiner Hüfte macht es oft laut „plopp“ und ich bin krumm und schief und überhaupt. Das findet mein Mädchen dann wiederum blöd – und ich im übrigen auch. Dann muss der Haus- und Hof-Osteopath ran und ich bekomme Dehnübungen und Massagen.

So nun habe ich also wieder einen Wachstumsschub dieser Art hinter mir und finde, ich bin ganz schön in die Breite gewachsen. Aber ihr kennt ja mein Mädchen! Sie ist nie zufrieden. Nie! Jetzt sagt sie doch wieder, ich hätte ja die vordere Hälfte vergessen! So wie damals, als ich hinten höher war als vorne. Nur dass ich jetzt diesmal hinten nicht höher bin als vorne, sondern breiter. Mein Mädchen sagt, ich sehe aus wie ein Dreieck! Also ehrlich. Lass mir doch ein bisschen Zeit, ich kann auch nicht alles auf einmal erledigen! Das kommt schon alles noch. Aber was soll ich euch sagen: diesmal komme ich nicht mit Massage und Dehnübungen davon. Diesmal ist Sport angesagt! Damit meine Brust breiter und kräftiger wird, soll ich jetzt ganz viel seitwärts üben. Meistens geht mein Mädchen dabei neben mir her, aber manchmal üben wir es auch beim reiten. Schön die Beine spreizen und kreuzen und spreizen und kreuzen, das macht angeblich eine kräftige Brust und also vorne breiter. Ich weiß nicht, Mädchen, hat das nicht eher was mit Futter zu tun? Aber wenn ich das anmerke, schaut sie auf meinen Bauch, murmelt was von „Weidewampe“ und sagt „nein, Muskeln bekommt man nicht vom essen, sondern vom trainieren“. Menno. Wenigstens gibt es viele Kekse für das Seitwärts-Gelaufe also hat es doch irgendwie was mit essen zu tun. Und ein paar Dehn- und Lockerungsübungen gibt es dann auch doch noch.

Gestern war auch wieder so ein Programm dran. Ausreiten ist nämlich ausgefallen, weil der Mann nicht da war – der hat einen Kurs gegeben und anderen Menschen was über Pferdehufe erzählt. Meine Hufe hat mein Mädchen auch wieder schick gemacht, ich hab kaum noch in meine Schuhe gepasst. Anscheinend sind meine Füße aber auch insgesamt nochmal größer geworden sagt sie. Also bitte, ich wachse doch! Was sie immer hat. Und natürlich werde ich auch vorne noch in die Breite wachsen. Nur damit mein Mädchen zufrieden ist.

Das mit der Balance ist nicht so einfach, sage ich euch! Mein Mädchen sagt das üben wir jetzt gemeinsam. Na so lange die Keksrate stimmt…..

Euer dreieckiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 286

Ich bin euch ja noch den Bericht von unserem Dienstagsausflug schuldig. Ach das war wieder großartig! Bei allerfeinstem Herbstwetter haben wir meinen Ausreitkumpel abgeholt (wir sind ja solche Profis, dass unsere Mädchen da immer schon völlig ausflippen. Ich steh brav in der Wackelkiste während er brav zusteigt. Wir versuchen jetzt auch nicht mehr, uns während der Fahrt gegenseitig am Halfter zu packen. Zugegebenermaßen geht das auch nicht mehr, weil mein Mädchen zwischen unseren Köpfen ein Heunetz installiert hat, so dass wir uns gar nicht richtig sehen können und schon gar nicht anfangen zu spielen. Weil die Mädchen finden, auf der Wackelkiste spielt man nicht…. )

Dann sind wir wieder ins schöne Moor gefahren. Nun sind da ja die Kühe, wie ihr wisst. Aber diesmal war ich verdammt mutig und bin da dran vorbei marschiert wie ein großer. Mein Mädchen war auch mutig, ist auf meinem Rücken sitzen geblieben, hat die Zügel schön lang gelassen und mir gut zugeredet. Unsere beiden Mädchen haben den Kühen dann Namen gegeben, damit sie freundlicher wirken. Eine Kuh ist ein Stück vor uns her gegangen, bis wir sie überholt haben, eine hat mit dem Kopf durch den Zaun Gras gefressen (das kann ich verstehen, Gras ist IMMER auf der anderen Seite des Zauns grüner!) und zum Glück hat keine gemuht und keine ist schnell gelaufen. Als wir das geschafft hatten, gab es erst mal eine kleine Graspause. Dann sind wir sind noch ein gutes Stück getrabt. Mein Ausreitkumpel vorne weg. Der hat lustige Ideen! Der sucht sich immer was zum erschrecken und tut so als würde er sich doll fürchten. Dann macht er einen riesigen Satz zur Seite und trabt anschließend weiter als wäre nix gewesen. Eine Bank – hüpf!- , ein Schaf – hüpf! – , ein Steinhaufen – hüpf! Mein Mädchen musste lachen, weil das so lustig aussah. Das Mädchen vom Ausreitkumpel musste auch lachen, weil das so eine bescheuerte Marotte ist. Aber sie sagt, mein Ausreitkumpel sorgt immer dafür, dass sie nicht das Gleichgewicht verliert und also ist alles ok. Ich bin lieber einfach geradeaus gelaufen. Hab mich konzentriert, ein gleichmäßiges Tempo zu halten obwohl der Boden da sehr wellig ist. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir und ich hab mich gut eingegroovt in die Traberei. Nicht schnell, aber stetig. Wie ein kleines Uhrwerk.

Weil ich schon auf Winterfell umrüste, hab ich allerdings ordentlich geschwitzt. Mein Mädchen meint, sie muss mir wohl doch wenigstens die Mähne weg flechten, damit mein Hals besser gekühlt wird. Irgendwie hab ich mehr Fell und/oder mehr innere Hitze als mein großer Bruder im Himmel, der hat nie so doll geschwitzt, sagt mein Mädchen. Ich hab halt Feuer!

Mein Mädchen guckt Sonnenuntergang…
… während ich was schmause.

Später ist mein Mädchen noch ein Stück zu Fuß gegangen, damit ich mich erholen kann. Ich war allerbest gelaunt und sehr artig. Und mein Mädchen hat dem Mädchen von meinem Ausreitkumpel endlos erzählt, wie toll ich bin und was ich alles feines gelernt habe. Zum Beispiel kann ich jetzt gleichmäßig traben und ich muss auch nicht mehr ständig nach meinem Ausreitkumpel haschen sondern kann gesittet neben ihm her laufen. Und ich halte meinen Kopf besser und stolpere weniger. Ich weiß, was ein treibender Schenkel bedeutet und kann auch die Zügelhilfe für „Kopf etwas höher“ jetzt gut erkennen und umsetzen. Außerdem bin ich total artig, gar nicht pubertär (im Moment) und sehr vertrauenswürdig, weil ich nie Quatsch mache. Und ich förstere fast gar nicht mehr unterwegs. Überhaupt bin ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat immer freundlich genickt. Aber ob sie die Lobeshymnen wirklich noch hören kann? Keine Ahnung, eine Wahl hat sie ja nicht. Zwischendurch hat sie dann aber auch vom Ausreitkumpel geschwärmt, der auch soooooo erwachsen geworden ist. Im Endeffekt waren beide Mädchen ganz selig und glücklich, weil wir endlich richtig ausreiten können nach all dem Spazierengehen der letzten 3 Jahre (ja, so lang bin ich schon bei meinem Mädchen!). Dann haben sie große Pläne für nächsten Herbst geschmiedet, auf die wir jetzt hin trainieren. Wir Ponys waren auch glücklich, weil wir so schön unterwegs waren und weil wir die Lobeshymnen natürlich gar nicht oft genug hören können. Also schon wieder ein sehr gelungener Ausflug!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Höflich

„Gurtest Du nochmal für mich nach, bitte?“ Ich grinse. Meine jüngste Reitschülerin (12) hat kapiert, wie es sich mit mir gut leben lässt. Anfangs hat sie immer wieder Sätze versucht wie „kannst du mal nachgurten?“ und hat immer die selbe Antwort bekommen: „ich kann, und wenn du mich freundlich bittest, mache ich es sogar“. Inzwischen hat sie sich das „bitte“ und „danke“ nachhaltig angewöhnt. Manchmal grinst sie auch schelmisch dabei, es ist so ein kleines Spiel zwischen uns.

Während ich für sie nachgurte, denke ich an Pferde-Ausbilder wie Elsa Sinclair, Warwick Schiller oder die Reitmeister der Hofreitschule in Bückeburg (um nur die zu nennen die mich im Moment besonders beeinflussen). Die Ausbilder, die mit möglichst wenig Druck und Dominanz arbeiten, sind die mit den höchsten Ansprüchen. Elsa steht da natürlich ganz oben auf der Liste, denn sie ist niemals dominant. Und sie hat – in meinen Augen – den höchsten Anspruch an das Pferd. Das klingt paradox, ist aber eigentlich logisch. Mit „Anspruch“ meine ich jetzt keinen Leistungsanspruch. Wer will, dass sein Pferd hoch springt, Kühe hütet oder ein Distanzrennen gewinnt, der muss halt trainieren. Mit „Anspruch“ meine ich einerseits den Anspruch an den Menschen – wer mit wenig Druck arbeiten möchte, braucht perfektes Timing, einen guten Plan, wie er das gewünschte Ergebnis bekommt und unter Umständen anfangs mehr Zeit (später, so nehme ich es jedenfalls wahr, sind diese Trainer dann viel schneller am Ziel). Aber da ist auch ein hoher Anspruch an das Pferd, auf kleinste Signale sehr akkurat zu reagieren, sich gut zu konzentrieren, die eigenen Gefühle gut regulieren zu können. So sehr es Menschen ehrt, wenn sie die Schuld immer nur bei sich suchen und nie beim Pferd: Es gehören zwei dazu und das Pferd muss seinen Beitrag leisten zu einer gelungenen Beziehung. Und während ich in jeder anderen Trainingsform den Ball wieder zurück spielen kann und sage: der Mensch ist dafür verantwortlich das Pferd zu motivieren und ihm das beizubringen, ist das im Freedom Based Training nicht so einfach. Denn dort tut das Pferd was es tut und ich kommentiere als Mensch nur. Mein Einfluss ist klein und je nachdem wie mein Pferd von Natur aus gestrickt ist oder was es an vergangenen Erfahrungen mitbringt, kann es sein, dass es lange dauert, bis das Pferd sich wirklich für meine Meinung interessiert. Noch mehr Zeit geht dann ins Land, bis das Pferd wirklich so „erwachsen“ geworden ist, dass es ein angenehmer Zeitgenosse für alle anderen ist. Elsa hat mir klar gezeigt, wie hoch der Anspruch auf dieser Ebene sein kann. Und sie hat immer wieder bewiesen, wie dieser hohe Anspruch dazu führt, dass das „langsamste Pferdetraining der Welt“ in kurzer Zeit Ergebnisse bringt – wenn auch nicht die, um die es im normalen Pferdetraining geht (für die braucht es viel mehr Zeit). Und während das Pferd durch diese Art des „Trainings“ lernt, seine Gefühle zu regulieren, kann der Mensch das gleich mit üben. Denn so einfach ist das nicht, wie es erst mal klingt. Es erfordert Konzentration und Geduld, Frustrationstoleranz und Kreativität, genaue Beobachtung und viele, viele Wiederholungen. All das, was man im „normalen“ Pferdetraining übrigens auch braucht. Und von all dem braucht man als Mensch eben umso mehr, je weniger Druck man aufs Pferd ausüben möchte. Kurz mal drauf hauen damit „der Bock“ schneller läuft kann jeder.

Meine kleine Schülerin hat in dieser ganz einfachen Situation natürlich schnell verstanden, worum es mir geht. Sicher bin ich nicht die erste, die es netter findet, wenn sie „bitte“ und „danke“ sagt und ich war in der Situation ziemlich dominant: wenn du deine Bitte nicht so formulierst wie es mir gefällt, tu ich gar nichts. Da bin ich als Reitlehrerin am längeren Hebel, denn sie will ja reiten und mit losem Gurt ist das gar nicht so witzig. Dennoch haben wir nicht gestritten oder gekämpft, sondern uns freundlich angegrinst und ein lustiges Spiel daraus gemacht. Anfangs hatte sie dann immer interessante Tonfälle „würdest Du bitte für mich nachgurten“ kann man ja auf sehr verschiedene Arten aussprechen. Wir haben uns köstlich amüsiert dabei und ich habe mir entsprechende Antworten einfallen lassen „aber gerne doch, gnädige Dame“. Inzwischen ist die höfliche Formulierung normal geworden und hat keine komischen Betonungen mehr.

Witziger weise beobachte ich ähnliches bei Duncan. Anfangs erlernte und teilweise extrem übertriebene Höflichkeitsgesten wie das Wegschauen wenn man einen Keks möchte, haben sich langsam in ein gutes, freundliches Alltagsverhalten gewandelt. Am Dienstag, als wir am Ende des Ausritts ein Stück nebeneinander gegangen sind, kam seine Nase zu mir: schelmischer Gesichtsausdruck, aber geschlossenes Maul. Dann streckte er die Oberlippe vor und ich glaube er flüsterte „ich könnte dich jetzt kneifen, soll ich?“. Ich musste lachen. Was für eine süße Spielaufforderung! Vor gut einem Jahr hatte ich diesen Artikel geschrieben über „Wasti oder die Kunst mit einem Krokodil spazieren zu gehen„. Da sah das noch ganz anders aus! Auch meine Freundin war beeindruckt von seiner neuen Verhaltensidee, sie erinnert sich nur allzu gut, wie der Ritter immer mit weit aufgerissenem Maul auf mich zusteuerte (nicht, dass er mich jemals ernsthaft gebissen hätte, keine Sorge. In aller Regel hat er mich noch nicht mal berührt, denn es war nur eine Spiel-Aufforderung). „Ich könnte dich beißen, einfach so, weil ich Lust dazu habe“ war damals die Bildunterschrift. Und ich verstehe: Weil ich es nicht bestraft habe – außer in den Fällen in denen seine Zähne mich dann doch berührt haben – ist das Verhalten nicht weg, aber es hat sich verändert. Er ist höflicher und freundlicher geworden, ohne seinen Charakter aufzugeben. Und wisst ihr was: das macht mich verdammt stolz, denn so hab ich mir das gewünscht.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 285

Sonntag. Erst mal ausschlafen! So eine ganze Nacht auf der Weide ist ja auch echt anstrengend.

erst mal schön ausschlafen

Nach dem schönen Nickerchen ein Heusnack zur Stärkung. Und dann ab in den Wald! Ach, was war das wieder schön. Wie wir gerade so 10 Minuten unterwegs waren, hab ich hinter uns was gehört. Habe ich meinem Mädchen nach oben gefunkt. Die ist ja schon viel besser geworden darin, meine kleinen Signale zu lesen. Erst war sie nicht sicher, worum es geht, aber dann hat sie verstanden und sich umgedreht. Da war ein Auto hinter uns, mitten im Wald! Was auch immer es da wollte. Na wir haben es dann vorbei gelassen. Etwas später habe ich wieder nach oben gefunkt, das was nicht stimmt. Da hatte sich ein Zweig in meinem rückwärtigen Wallehaar verfangen und schliff hinter mir her über den Boden. Mein Mädchen hat dem Mann bescheid gesagt und wir haben alle angehalten. Der Mann hat sich dann sportlich vom viel zu großen Diego runter gebeugt und nach meinem Schweif geangelt und gemeinsam haben wir dann den Zweig da raus bekommen ohne dass jemand absteigen musste. Ach da war mein Mädchen wieder stolz auf mich! Weil sie sich erinnert hat, dass ich es letztes Jahr noch gruselig fand, wenn sie Zweige hinter mir her geschliffen hat. Und jetzt macht mir das nix mehr. Ich war auch ein bisschen stolz auf sie, weil sie mich so gut versteht.

Diego ist immer flott unterwegs. Kein Wunder bei den langen Beinen!

Weiter ging die Reise mit einem guten Stück Trab. Diego hat da so einen Zahn drauf! Schwupps, war er um die nächste Kurve außer Sicht! Ich hab wieder nach oben gefunkt: Mädchen, wenn ich jetzt galoppieren würde, könnten wir die ratzfatz einholen! Aber mein Mädchen meinte, das lassen wir lieber noch mit dem galoppieren. Also bin ich nur flotter getrabt. Hinter der Kurve hat Diego netterweise auf uns gewartet.

Ich finde, der Weg müsste mal wieder frei-geförstert werden. Ich würde das freiwillig übernehmen, wenn man mich denn lassen würde!

Noch etwas weiter, als wir auf dem schönen grünen Weg unterwegs waren – und uns schon gewundert hatten, warum der bloß so zugewachsen ist, seit wir das letzte mal dort waren – versperrte uns plötzlich ein umgestürzter Baum den Weg. Ist ja nicht so schlimm, wir Ponys sind ja geländegängig mit Allhufantrieb. Allerdings war da ein Graben zu überwinden – bestimmt 40 oder 50cm tief. Mein Mädchen war am überlegen: ob ich das mit ihr oben drauf schaffe? Sie meinte dann, wir könnten das ja mal versuchen. Ok! Ich also mit den Vorderhufen runter in den Graben. Dann war ich vorne so tief, dass das Gras auf der anderen Seite meinem Maul verdächtig nah war. Mein Mädchen meinte, ich soll nicht essen, sondern versuchen, da rüber zu kommen. Ich war aber nicht sicher wie das funktionieren soll und sie war nicht sicher ob ich das schaffe. Und also ist sie abgestiegen – oder sollte ich sagen abgefallen? Weil das nicht sooooo elegant war, weil ich ja vorne so viel tiefer war als hinten! Wir sind dann halt zu Fuß durch den Graben, um den Baum rum und durch den Graben auf der anderen Seite wieder auf den Weg. Diego konnte das natürlich alles ohne dass der Mann absteigen musste aber der ist ja auch viel größer und hat viel mehr Übung als ich. Mein Mädchen fand trotzdem dass ich das gut gemacht hab.

Da ist kein Durchkommen!

Ach es war ein wunderbarer Ausflug. Nachher waren wir alle ganz zufrieden. Mein Mädchen sagt, dreckige Hufschuhe sind ein eindeutiges Zeichen für einen gelungenen Ausritt und ich finde da hat sie recht. Ich war auch voll artig die ganze Zeit, habe Diego nur einmal gebissen (als mein Mädchen anderweitig beschäftigt war mit einem tief hängenden Zweig – man muss ja seine Chancen nutzen!) und die meiste Zeit habe ich auch nicht versucht, allzu viel zu förstern (obwohl es wirklich nötig gewesen wäre auf dem zugewachsenen Weg!). Und als sie zu Fuß neben mir her gelaufen ist war ich auch ganz furchtbar anständig unterwegs. Wie ein kleiner Streber hab ich das gemacht, sagt mein Mädchen.

Jetzt verbummeln wir den Rest vom Sonntag einfach, denn dafür sind Sonntage schließlich da.

Genießt den Rest vom Wochenende!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 284

Da ist er, der Herbst! Nicht nach Eurem Kalender, aber nach dem Wetter. Mit Wind und Regen wie es sich gehört. Und schon fröstelt mein Mädchen wieder. Tja, wir Ponys wissen schon, warum wir so früh angefangen haben mit der Winterfellproduktion! Das war zwar die letzten Wochen echt zu warm, aber jetzt ist es sehr angenehm. Manchmal juckt der Fellwechsel aber auch echt. Dann suchen wir uns schöne Stellen zum kratzen, zum Beispiel am Holunder. Der ist schon ganz blank poliert…..

Schön poliert, unser Kratzbusch!

Außerdem ist Herbstzeit bei uns Naschzeit. Wir wandern rund um unseren Rundlauf und finden total gute Sachen da. Brombeeren und Schlehen, Eicheln (von denen räumt mein Mädchen leider so viele weg, weil sie Angst hat wir könnten zu viel davon essen….) und Hagebutten. Alles zupfen wir uns von den Büschen wo immer wir dran kommen. Nach dem Regen wachsen jetzt auch die kleinen grünen Halme am Wegesrand wieder ein bisschen und müssen dringend gestutzt werden. Und bald wird auch wieder die Zeit kommen, in der Diego der Große sich Haselnüsse pflückt. Das war lustig, als mein Mädchen mal im Herbst in den Stall kam und sich total erschreckt hat, weil es zwischen Diegos Zähnen so laut knirschte! Als sie hingegangen ist hat sie plötzlich gesagt „das riecht ja so nach Weihnachten!“ was sie aber meinte war: es riecht nach Haselnüssen. Diego liebt Haselnüsse und stört sich gar nicht an der holzigen Schale – die futtert er einfach mit weg. Leider heißt das, wir anderen Ponys bekommen kaum welche ab, denn er ist so groß, dass er alle runter pflücken kann und wir gucken dumm aus der Wäsche. Naja, sei es ihm gegönnt, er macht ja auch den verantwortungsvollsten Job hier als Chef.

Lecker
Lecker
Auch lecker

Die versprochenen Herbst-Ausritte sind bisher ausgeblieben. Ich hoffe aber sehr, dass es diesen Sonntag endlich los geht! Bisher waren wir viel auf dem Reitplatz und haben unsere Seitwärts-Versionen geübt. Mein Mädchen meint, ich kann das jetzt schon voll gut! Gestern haben wir auch wieder das Reiten geübt mit Seitwärts und mein Mädchen war wieder hingerissen. Ja, ein Film kommt noch!

Na jedenfalls hoffe ich auf Ausritte. Viele, lange Ausritte mit raschelndem Laub unter meinen Füßen. Dann kann ich mein Mädchen schön unterwegs nerven, indem ich nach gefallenen Blättern suche, die gut schmecken. Gibt bestimmt wieder Ärger, ist es aber wert. Jedenfalls hat sie diesen Herbst keine Ausrede mehr, die Ausflüge kurz zu halten. Ich kann sie ja jetzt tragen und sie muss nicht mehr jammern, weil sie so viel laufen muss. Und ich brauche endlich keine Fliegendecke mehr, die nervt ja auch irgendwie. Ach da wird fein! Kann es kaum erwarten dass es endlich los geht!

Genießt den Herbst, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Trainingsziele

„Wonach suchen wir?“ „Das wissen wir, wenn wir es gefunden haben“ (Zitat aus ungefähr jedem 3. Krimi)

Die „Star-Ermittler“ aus Krimis können das anscheinend gut: etwas finden, ohne zu wissen wonach sie suchen. Im realen Leben scheint mir das gar nicht ganz so leicht zu sein. Manchmal, wenn ich in einer Reitstunde begeistert rufe „Ja! Da! Hast Du das gefühlt?“ kommt ein trauriges „Nein“ zurück. Die Reiterin hat es nicht gefühlt – weil sie nicht weiß, wonach sie sucht. Macht nichts, denn zum Glück hat das Pferd trotzdem Lob bekommen – weil ich ja da bin – und wird also die Bewegung wieder anbieten. Und nach und nach kann die Reiterin fühlen, wovon ich spreche.

Aber auch ich weiß oft nicht wonach ich suche….

Meistens, wenn ich mit meinen Pferden etwas unternehme, habe ich ein klares Ziel. Wenn wir z.B. auf dem Reitplatz sind, könnte man das so erklären:

Übergeordnetes Ziel ist, dass ich mein Pony gymnastizieren möchte. Es soll ausbalanciert sein, genug Kraft haben, mich zu tragen und sich dabei wohl fühlen.

Was das jeweils bedeutet, hängt natürlich vom Ausbildungsstand des Ponys (und mir) ab. Wie Duncan euch verraten hat, bin ich neulich mit ihm das erste Schulterherein geritten, dieses Ziel stand schon länger auf meinem Zettel und ich habe sorgfältig darauf hin gearbeitet. An dem Tag, an dem wir es dann (erfolgreich) versucht haben, war mein Ziel, dass er ungefähr versteht, was er tun soll. Ein weiteres Ziel war aber auch, dass ich herausfinde, wie leicht oder schwer es ihm fällt, ob er mich versteht und wie der Unterschied zwischen rechts und links ist. Denn daraus ergeben sich wiederum die nächsten Ziele. Somit ist das Ziel meiner Einheit nicht nur ein Ergebnis (Schulterherein reiten) sondern auch neue Fragen zu finden, die zum nächsten Ziel führen.

Im Freedom Based Training, wenn Duncan und ich gemeinsam „herum stehen“ ist das schwieriger. Denn es passiert so wenig, dass es mir schwer fällt, zu erkennen, ob wir unserem übergeordneten Ziel näher kommen oder nicht. Duncan soll erwachsen werden und seine Gefühle besser regulieren. Dafür soll er lernen, seinen Fokus häufiger und deutlicher zu wechseln, denn das verbessert die Regulierung des Nervensystems. Und er soll lernen, das so deutlich zu machen, dass auch ich es verstehe, denn deutliche Kommunikation macht uns allen das Leben leichter. Aber ist das jetzt heute besser als gestern? Tue ich das richtige? Und warum verhält er sich so wie er sich gerade verhält?

Ja, es gibt natürlich Momente, da werden Fortschritte offensichtlich. So wie neulich, als Duncan auf dem Rundlauf unterwegs war und ich parallel zu ihm auf der Weide. Duncan wollte um die 90Grad-Kurve, ich war weit außen. Und mein kleiner Hengst hat so gut kommuniziert und so nett auf mich gewartet, dass ich in Harmonie mit ihm bleiben konnte, obwohl mein Weg so viel weiter war als seiner. Er hat es geschafft, mir ganz klar zu signalisieren, wann er wieder los geht und sich dann so langsam zu bewegen dass ich mitkommen kann. Ein großartiger Moment und einer in dem ich mir ganz sicher war: das war das, wonach ich suche.

Trotzdem stehe ich oft neben meinem Pony (wobei „neben“ in unserem Fall eher 10-20m entfernt bedeutet) und bin unsicher: ist das gut, was wir da gerade tun? Warum verhält er sich so, wie er sich gerade verhält? Hat das etwas mit mir zu tun oder nicht? Aber ich fange an, Dinge zu sehen. In seinem Gesicht zum Beispiel kann ich mehr und mehr erkennen, wie wohl er sich mit dem fühlt, was er tut. Es ist schwer, das zu beschreiben aber ein klar beschreibbares Kriterium habe ich gefunden: die Art, wie er blinzelt. Er hat so ein besonders langsames Blinzeln wenn er entspannt ist.

Da ich im Freedom Based Training das Verhalten meines Ponys nicht beeinflusse, sondern nur kommentiere, habe ich Zeit, zu fühlen und zu beobachten. Ich versuche, wenn es sich gut oder nicht so gut anfühlt, objektive Kriterien zu finden und zu beschreiben, was ich sehe. Es kommt mir vor wie ein Bild, dem ich immer neue Pixel hinzufüge. Anfangs ist alles ganz verschwommen und ungenau. Jedes Mal wenn ich etwas neu entdecke, wird das Bild schärfer. Und dann sind da die Momente, in denen ich denke „das ist es. Das fühlt sich richtig an“. Und dann beende ich das „Rumstehen“ und hoffe, dass ich tatsächlich richtig liege mit diesem Gefühl. Das zeigt sich dann später, wenn wir mehr geübt haben und deutlicher zu Tage kommt, was Duncan davon hält. Und wenn mich das frustriert, denke ich an meine Schülerinnen, die auch oft frustriert sind, wenn sie nicht gefühlt haben, was da tolles passiert ist, während ich gut gelaunt daneben stehe und weiß: wir sind auf dem richtigen Weg.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 283

Ich soll ja jetzt nicht nur erwachsen werden, sondern auch schön bemuskelt und ganz toll ausbalanciert. Bin ich ja schon, wenn ich so für mich alleine unterwegs bin. Aber mit meinem Mädchen neben dran oder gar oben drauf ist das doch eine andere Nummer! Deswegen machen wir ja jetzt immer schon so Gymnastik-Kram auf dem Reitplatz. Hauptsächlich irgendwas mit seitwärts. Da gibt es ja sooooo viele Variationen von! Und ich soll die alle können. So herum gucken aber anders herum laufen oder in die gleiche Richtung gucken wie laufen, mehr seitwärts bei weniger vorwärts oder mehr vorwärts bei weniger seitwärts, manchmal soll ich mich doll biegen und manchmal ganz gerade bleiben und alle Varianten sowohl rechtsrum als auch linksrum. Heidewitzka! Da kann einem schon mal alles durcheinander kommen! Bisher haben wir das alles fleißig nebeneinander gehend geübt. Gestern hat mein Mädchen dann gemeint, ich könnte das auch mal mit ihr oben drauf versuchen. Sie hat mir erst vom Boden gezeigt, welches Seitwärts es bitte sein soll (für die Kenner unter euch: Schulterherein links). Dann ist sie auf die Aufsteigehilfe geklettert und ich hab sie – ganz Gentleman – dort abgeholt. Und als sie dann auf mir drauf saß hat sie versucht, mir zu erklären, dass sie genau das gleiche will wie eben. Ich war kurzfristig verwirrt und habe meine Füße durcheinander bekommen. Plötzlich sagt sie „guuuuut“ und schiebt mir einen Keks rein. Was? Das war gut, als ich das Gleichgewicht verloren hab? Nein so meinte sie das nicht, aber der Schritt den ich gemacht hab um es wieder zu finden war gut. Ich hab dann nochmal vorsichtig probiert und – zack!- hatte ich raus wie es geht. Mein Mädchen ist völlig ausgeflippt, weil ich das so schnell kapiert hab. Hat mir die Zügel auf den Hals geworfen (ich weiß, was das heißt! Ich hab alles spitze gemacht und es gibt einen Keks!) und ist abgesprungen. Gestrahlt hat sie über alle Backen! Dann hat sie den Mann gefragt, ob es wohl zu riskant sei, noch die andere Seite zu probieren. Der fand das nicht zu riskant. Also haben wir Schulterherein rechts vom Boden aus gemacht – da hatte ich lange mit zu kämpfen, aber jetzt hab ich kapiert wie das geht. Dann ist sie wieder aufgestiegen, los geritten und hat gesagt ich soll das mit ihr oben drauf machen. Ja klar, kann ich! Hab ich gleich mal los gelegt. Und gar nicht mehr aufgehört. Da war mein Mädchen komplett fertig mit den Nerven, weil ich so ein schlaues Pony bin und schon hatte ich Feierabend! Und hab natürlich ne Menge Kekse kassiert.

Jetzt kann ich also Schulterherein mit Reiter. Und das ist schon voll erwachsen, sagt mein Mädchen.

Euer gut gymnastizierter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Filmchen gibt es bestimmt auch irgendwann, aber leider hat gestern abend niemand meine Heldentat gefilmt. Schade!