Hervorgehoben

Wie alles begann

Warum dieser Blog „Schotten-Pony“ heißt

Sir Duncan Dhu of Nakel

Meine Liebe zum schottischen Highlandpony begann vor ungefähr 11 Jahren, als ich eine Highlandpony-Züchterin als Hufpflegekundin bekam. Damals ahnte ich noch nicht, dass das mein Leben verändern würde. Dass ich einmal Fan einer bestimmten Pferderasse werden würde, hielt ich für ausgeschlossen. Schließlich sind alle Pferde toll und alle haben ihre Vorzüge.

Das stimmt auch immer noch. Und ich habe die Rasse gefunden, die am besten zu mir passt: das Schottische Highlandpony. Einige Jahr später wurde bei dieser Züchterin mein erstes „Schotten-Pony“ Finlay geboren und Finlay wird für mich (was den Charakter angeht) vielleicht immer der Innbegriff des Highlandponys sein. Die Schotten sind ein bisschen anders als andere Ponys. Natürlich gibt es – wie auch innerhalb anderer Rassen – eine Bandbreite an verschiedenen Typen: von den sehr lieben, die sich als Therapiepferd eignen bis zu den sehr selbstbewussten, die ihre Besitzer schon mal vor die eine oder andere Herausforderung stellen. Was ihnen gemeinsam ist, ist die große Menschenbezogenheit, das unbedingte Bedürfnis nach viel Beschäftigung und Abwechslung sowie der Gerechtigkeitssinn. Behandle mich fair, dann ist alles ok. Behandle mich unfair und Du zahlst den Preis. Die Schotten sind sehr ehrlich – geradeheraus, kein Blatt vor dem Mund. Und viele von ihnen sind abenteuerlustig, haben wenig Angst und erleben gern Neues.

In diesem Blog möchte ich Euch teilhaben lassen an den Geschichten, die ich mit meinem Schotten-Pony erlebe. Bald schon geht es los – ich nehme Euch mit auf eine Reise, die so gar nicht hätte stattfinden sollen, und die ich jetzt als neue Chance und neues Abenteuer sehen möchte. Abonniert am besten gleich diesen Blog, damit Ihr keine Schotten-Pony-Abenteuer verpasst! (einfach Ich freue mich jederzeit über Kommentare, Fragen und Themenwünsche.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 178

„Man muss die Feste feiern wie sie fallen“ sagt mein Mädchen. Gefallen ist ne ganze Menge – nämlich Wasser vom Himmel. Und deswegen ist unser Reitplatz jetzt so eine Art Wassertretbecken. Schon der alte Kneipp wusste: das ist voll gesund, durchs Wasser zu laufen. Sagt mein Mädchen. Aber anscheinend ist es nur für mich gesund, denn sie selbst ist nicht durch gelaufen. Sie hat auf einem trockenen Fleck gestanden und mich durch geschickt. Naja, kann ich schon machen. War auch irgendwie ganz lustig. Und nass war ich eh schon, also was soll’s. Hoffentlich rostet meine Rüstung jetzt nicht!

Ich bin übrigens sogar da durch getrabt, auch durch die tieferen Gewässer, aber das konnte mein Mädchen nicht filmen. Sie war leicht überfordert mit Longe, Peitsche und Handy in der Hand. Deswegen hier nur ein kurzer Einblick.

Bleibt schön trocken!

Euer gekneippter Sir Duncan Dhu of Nakel

Verlasspferd

„Der kleine Dunci“ sagt meine Freundin (oooooh für diese Formulierung wird sie seitens des Ritters sicher böse Blicke ernten!) „man kann sich doch auf ihn verlassen, wenn es hart auf hart kommt“.

Ein Verlasspferd, das gibt es ja vor allem im Verkaufsanzeigen. Im realen Leben sind diese Tiere eher selten unterwegs. Aber es gibt sie schon, je nachdem wie man „Verlasspferd“ definiert. Für mich ist das nicht ein Pferd das nie Fehler macht, sich nie erschreckt oder mit dem man keinen Unfall hat. Ein Pferd ist keine Maschine (und selbst auf die ist nie 100% Verlass). Ein Verlasspferd ist in meinen Augen ein Pferd, dass in unbekannten, ungeübten, potentiell gefährlichen Situationen gute Entscheidungen trifft. Diego zum Beispiel ist in meinen Augen ein absolutes Verlasspferd. Als er sich wirklich mal richtig böse erschreckt hat und einen großen Satz zur Seite machte, hat Arnulf nachher geschworen, Diego hätte ihn bewusst mitgenommen, sich so bewegt, dass Arnulf nicht fällt. Ja, auch ein Verlasspferd kann das bestimmt nicht immer, aber eben so oft, dass man sich mit ihm sicher fühlt.

Duncan ist natürlich noch kein Verlasspferd, das ist man mit 3 Jahren einfach nicht. Im Gegenteil, er ist mal wieder in der Pubertät und stellt Grundregeln in Frage. Aber im Gegensatz zum letzten Pubertätsschub hat sich etwas geändert. Neulich als wir spazieren waren und er es eigentlich eilig hatte, hat er trotzdem nicht am Strick gezogen. Kopf schlenkern, Kekse haschen wollen, grimmig gucken und die Stricklänge voll ausloten, ja. Aber kein Gezerre mehr. Und als ich dann – immer noch überfordert mit 7m Seil – den Strick plötzlich hinter meinem Fuß hatte und im Gehen versuchte, mich zu sortieren, da wurde er langsamer. Ganz selbstverständlich, schaute zu mir rüber, nahm mein Problem wahr und half mir, es zu lösen indem er Rücksicht nahm. Ich weiß nicht ob irgendjemand nachvollziehen kann wie sich das anfühlt, außer den Menschen, die es selbst erlebt haben. Da ist dieser Rotzlöffel mit all seinen Launen – aber wenn es ernst wird, nimmt er eben doch Rücksicht. Das gibt mir das Gefühl, dass ich ihm wichtig bin, wichtiger als noch vor ein paar Monaten. Und dass er erwachsener geworden ist.

Bei unseren Aufsteigeübungen habe ich neulich nicht gut aufgepasst: Die Aufsteigehilfe stand nicht ganz stabil. Und just als ich mit einem Bein auf der Kiste und dem anderen über Duncans Rücken stand, kippelte die Kiste. Nur ein bisschen, aber genug, dass ich einen Schreck bekam und mich kurz auf Duncan abstützte um mein Gleichgewicht zu halten und die Kiste wieder zurück zu kippen. Und Duncan, obwohl überrascht über die Situation, stand wie ein Fels. Und das Gefühl war: „ja ich steh gut, stütz dich ruhig ab.“ Vielleicht hat er in diesem Moment gelernt, wie man einen strauchelnden Reiter ausbalanciert. Hätte er sich bewegt, nur einen einzigen Schritt, oder sogar nur sein Gewicht von mir weg verlagert, hätte ich wohl auf der Nase gelegen. Aber er stand.

Ich glaube: wenn wir diese Momente wahrnehmen und gebührend würdigen – das muss nicht unbedingt mit Keksen sein aber mit Aufmerksamkeit auf das, was das gerade passiert und mit Wertschätzung – dann bekommen wir ein Verlasspferd. Nämlich ein Pferd, dass immer versuchen wird, unser Wohlergehen mit zu berücksichtigen, wie misslich die Lage auch sein mag. Weil wir ihm wichtig sind und weil es gelernt hat, wie es uns beschützen und helfen kann.

Für ein junges Pferd ist das in meinen Augen eine der größten Lernaufgaben: verstehen, wie Menschen sich bewegen, was für sie problematisch ist und wie ihr Gleichgewicht funktioniert. Dass Menschen viel empfindlicher sind als Pferde, dass man sie nicht spielerisch kneifen und rempeln darf, dass sie nicht angestiegen werden wollen und lange nicht so schnell rennen können, das alles ist für ein junges Pferd ja nicht klar. Woher soll es das auch wissen? Da müssen erst Erfahrungswerte her.

Als wir letzten Dienstag auf einem Plattenweg neben dem geparkten Anhänger standen um unsere Ponys fertig zu machen für den wöchentlichen Ausflug, kam eine Frau mit ihrem Hund (oder sollte ich sagen: ein Hund, der sein Frauchen spazieren führte?). Sie blieb bei uns stehen, sprach uns an und während sie die Ponys bewunderte, zog ihr Hund an der Leine, bis er direkt vor Duncans Vorderfüßen stand. Mein Herz setzte aus, denn Duncan mag nun zwar die Hunde meiner Freundin knapp akzeptieren, aber ein fremder Hund, der ihm dermaßen nah kommt, könnte dafür einen hohen Preis bezahlen… ich schob mich schnell dazwischen und versuchte, Duncan zu signalisieren, dass stillstehen die Lösung der Wahl ist. Und wirklich: er stand und regte kein Ohr, während die Hundebesitzerin ihr Tier in Sicherheit zerrte. Aus Sicht des Pferdes hätte Duncan jedes Recht gehabt, den Hund zu vertreiben und evt sogar zu jagen. Der Hund hätte vielleicht mit seinem Leben bezahlt. Dass Duncan die Situation ausgehalten hat, zeigt mir, dass er die Menschenwelt schon besser versteht. Mehr als das: er sah ein bisschen aus wie Diego in dem Moment, der „über den Dingen“ steht in solchen Situationen, ungerührt von dem was um ihn herum passiert. Er sah noch nicht einmal verärgert aus, nur leicht angenervt.

Die Hundebegegnung erinnert mich an eine Situation mit Finlay, als er 6 Jahre alt war. Wir hatten unsere alte Hündin „Sali“ mit beim Ausreiten, als uns plötzlich eine Frau mit 4 Hunden entgegen kam. Ich stieg ab und nahm Sali an die Leine. Rechts das Pony, links den Hund sah ich plötzlich, dass nur 2 der fremden Hunde angeleint waren, die anderen zwei schossen im vollen Tempo auf uns zu. Mir wurde Angst und Bange, Arnulf und Diego waren hinter uns und somit zu weit weg um uns die Hunde vom Leib zu halten. Da ging mein Finlay in aller Seelenruhe schräg vor Sali und mich, blockte die Hunde mit seiner Breitseite und schaute sie unmissverständlich an: „kommt nur her, wenn ihr Ärger wollt“. Und die Hunde verstanden die Botschaft sofort. Weg waren sie! Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an diese Begebenheit denke. Finlay hatte die Situation nicht nur voll durchschaut, er war auch in der Lage, zu entscheiden, als ich starr vor Schock war und die Entscheidung, die er traf, war perfekt. Was für ein Pferd! Ein Verlasspferd eben. Und wenn ich Duncan jetzt gerade so sehe denke ich, er ist auf dem Weg dahin. Er lernt mehr und mehr, wie das mit den Menschen funktioniert und langsam erwacht der Gentleman in ihm, auch wenn er im Moment noch überlagert ist von Pubertät.

Es ist der Unterschied zwischen dem „perfekt erzogenen“ Pferd und dem, was in meinen Augen das Verlasspferd ist: das perfekt erzogene Pferd wird stets das tun, was man ihm sagt. Was bedeutet: Finlay wäre neben mir her gelaufen und hätte die Hunde ignoriert. Das Ergebnis wäre ein Desaster gewesen. Stattdessen hat er selbst entschieden und es war eine gute Entscheidung. Ein Verlasspferd (wie ich es meine) hat die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und dann zu sehen ob es gute oder schlechte Entscheidungen waren. Im Menschenleben nennt man diesen Prozess wohl „erwachsen werden“. Natürlich wird die Entscheidungsfreiheit für die Pferde in der Menschenwelt immer eingeschränkt bleiben aber ich muss dem Pferd nicht JEDE Entscheidung abnehmen und es in ewiger, totaler Unselbständigkeit halten. Auch mein Pferd kann ein passendes Maß an Eigenständigkeit entwickeln.

Dazu fällt mir noch eine lustige Geschichte ein: Merlin hat einen behinderten Reitschüler. Der junge Mann kommt mit Betreuern, die ihn zu uns fahren, dann aber in aller Regel einfach warten, während er Reitunterricht von Arnulf und Merlin bekommt. Eines Tages war eine neue Betreuerin dabei, die sich unbedingt einmischen wollte. Sie stand immer ganz nah an Merlin, während der geputzt wurde und versuchte, dem jungen Mann ständig rein zu reden. Merlin fand das wohl störend (oder er spürte dass die beiden Männer es störend finden), denn plötzlich trat er mit seinem Huf gezielt aber sanft auf den Fuß der Betreuerin! Sie wurde nicht verletzt, aber sie merkte, dass sie wohl doch etwas zu nah gewesen war und zog sich zurück. Merlin – in meinem Verständnis von Verlasspferd – hatte die Situation erfasst und das Problem auf seine Weise gelöst. Übrigens tritt er sonst niemals jemandem auf den Fuß…..

Und wenn jener junge Mann Hüftschmerzen hat und sich selbst mit dem reiten überfordert, dann bleibt mein Merlin einfach stehen. Er trifft dann oft die bessere Entscheidung als der Mensch.

So ein Pferd fällt nicht vom Himmel. Es wächst und lernt indem wir Menschen die getroffenen Entscheidungen entsprechend kommentieren. Wenn wir die guten Entscheidungen wahrnehmen – auch wenn es mal unkonventionelle Lösungen sein mögen, die unser Pferd da anbietet – und wertschätzen, dann wird unser Pferd lernen, welche Entscheidungen zu einem guten Ergebnis für ALLE Beteiligten führen. Und ja, natürlich gehört dazu auch das Gegenteil: wenn mein Pferd eine schlechte Entscheidung trifft, ist es meine Aufgabe, ihm das mitzuteilen. Im besten Fall so, dass es selbst merkt, dass das, was da passiert eine Konsequenz seiner eigenen Entscheidung ist und keine Willkür meinerseits.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 177

Neulich hatten wir ja unsere erste Unterrichtsstunde in Doppelkeks …. äh ich meine Doppellonge, ihr erinnert euch?

Und wir hatten viel Spaß, aber da mein Mädchen noch nicht das passende Equipment hatte, konnten wir danach gar nicht üben. Erst musste sie mal wieder shoppen gehen. Und wenn mein Mädchen was für mich kauft, dann ist das meistens grün. Mein Mädchen mag ja eigentlich am liebsten orange und meinem großen Bruder hat das wohl auch sehr gut gestanden. Aber sie meint, ich sei einfach nicht der Typ für orange. Und auch nicht für braun. Aber zu orange und braun passt grün ganz wunderbar dazu und das steht mir gut. Deswegen habe ich ein grünes Halfter, grünen Strick, bisschen grün an den Hufschuhen…. und jetzt eine grüne Doppellonge! Totschick oder?

Dann hat sie versucht, sich zu erinnern wie das ging. Mein Gedächtnis ist ja besser, ich merke mir das immer alles gleich. Sie hat es dann auch noch hinbekommen und wir haben ein paar schöne Runden gedreht. Mein Mädchen hat gesagt, ich sei ihre Dampflok – ich schnaufe zwar nicht, aber meine Beine gehen rauf und runter wie Kolben und ich laufe ganz gleichmäßig, das findet sie super! Der Mann stand am Rand und hat gefilmt und gestaunt. Weil ich immer alles richtig mache, das kann er manchmal gar nicht glauben! Mein Mädchen gewöhnt sich da langsam dran, die weiß dass ich schlauer bin als sie.

Allerdings muss ich anmerken, dass ich kleinere Kreise im Trab noch voll schwer finde. Hat mein Mädchen auch gemerkt und mich ordentlich angefeuert! Dann hat sie gesagt, das üben wir jetzt. Ich soll nämlich jetzt ganz viel Sport machen, Muskeln bekommen und ganz viel Gleichgewicht. Es ist ja so: manche Sachen muss man einfach nur kapieren. Zum Beispiel dass ich außen rum laufen soll und dass ich mir die Doppellonge so hinlegen kann wie ich es bequem finde. Aber manche Sachen muss man halt auch üben, kleine Kreise traben zum Beispiel. Klar VERSTANDEN hab ich das aber ich finde es ist nicht so leicht, wie es aussieht! Übrigens sagt mein Mädchen, genau so sei es mit dem Menschen-tragen auch. Nicht schwer zu verstehen aber man braucht viel Kraft und ein gutes Gleichgewicht. Und das soll ich jetzt trainieren, damit ich noch schöner, noch stärker, noch schlauer und noch größer werde. Ok, klingt erstrebenswert, lass uns anfangen, mein Mädchen!

Euer grün-sportlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 176

Während mein Mädchen sich noch ziert und noch gar nicht richtig aufgestiegen ist, haben andere den Job längst erledigt. Eigentlich ist das ja geheim, aber sie haben sich verraten! Seht ihr das? Feenknoten!

Feenknoten!

Die Feen kommen nämlich nachts zu uns Ponys und sie reiten auch sehr gern! Die Legende sagt, das sie ihrem Lieblingspferd die Mähne so verknoten, dass sie sie als Steigbügel verwenden können. Und jetzt war ich zum ersten Mal auch dran! Sonst sind sie immer nur Diego geritten. Aber jetzt finden sie ich bin groß genug um mitzumachen (hörst Du das, mein Mädchen?). Hui, schnell wie der Wind! Feen sind nicht so langsam und ängstlich wie mein Mädchen, die legen gleich los im Galopp! Toll war das!

Morgens hat mein Mädchen das gesehen und gelacht und zum Mann gesagt, jetzt könnte sie mich wohl auch reiten, denn ich sei bereits eingeritten worden. Ja eben, lass mal loslegen jetzt!

Ob das alles so wahr ist? Nun, Schottland ist bekanntlich voller Feen und Elfen, warum sollen hier nicht auch welche sein? Ich jedenfalls mag die Feen. Und mein Mädchen weiß auch, dass man Feenknoten nicht gleich raus machen soll aus der Mähne, sonst werden die Feen nämlich böse! Also lässt sie sie in paar Tage drin, damit wir nachts gemeinsam Spaß haben können.

Euer feen-gerittener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 175

Für gewöhnlich ist mein Mädchen ja nicht sehr reinlich. Sie ist immer dreckig und riecht meistens verdächtig ähnlich wie wir. Das gute daran ist, dass es sie dadurch auch nicht so stört, wenn wir ein bisschen dreckig und zauselig aussehen und unseren Geruch findet sie wunderbar. Manchmal geht sie ganz nah an uns ran, steckt ihre Nase in unser Fell und zieht die Luft genüsslich ein. Dann entspannt sie sich ganz doll und sagt „du riechst so gut“.

Aber manchmal sagt sie auch „igitt!“. Neulich als sie in meinen Schweif gefasst hat. Weil ja Fellwechsel und Wetterumschwung und herbstliches Gras unsere Bäuche ein bisschen durcheinander gebracht haben (deswegen gibt es wieder Schmatzofatz!), hatte ich zwischendurch nicht ganz so adrette Äpfel produziert. Nix wildes, aber mein Schweif hat ja so viel Wallehaar, der ist schwer hoch zu heben. Deswegen hebe ich ihn halt nur eben so dass es reicht um eine Ladung fallen zu lassen. Wenn die Ladung dann aber eine Spur zu weich ist, bleibt leider ein bisschen was im Schweif hängen. Und das sieht dann so aus

Igitt!!

Da wird mein Mädchen dann doch plötzlich reinlich. Also ist sie los gelaufen und hat einen Eimer mit schön warmem Wasser geholt und Zauberpulver rein getan. Normalerweise hat sie dann den Eimer mit einer Hand hoch gehalten und mit der anderen meinen Schweif darin geschwenkt. Aber diesmal hatte sie eine bessere Idee und hat das so gemacht

In der Waschanlage

Sie hat gekichert und gesagt das sei so eine Art Waschanlage. Und dann hat sie fest gestellt dass der dreckigste Teil meines Schweifs trotzdem noch nicht im Wasser ist. Sie meinte, die grüne Tonne sei wohl zu klein. Blödsinn! In Wirklichkeit bin ich nur einfach inzwischen so riesengroß! Ist doch logisch.

Ich bin zu groß! Endlich bin ich mal zu groß!

Also hat sie geschwenkt und getunkt und mit Wasser geworfen was das Zeug hielt. Mein Job war stillstehen und nicht bewegen. Kann ich (gegen die entsprechende Bezahlung, die zur Zeit sogar aus lecker Möhrenstücken besteht und die ich mit Nachdruck eingefordert habe durch gelegentliches Kopf zu ihr drehen und sie eindringlich anstarren). Nach einer Weile war sie zufrieden, hat die Tonne weggeräumt und das Wasser weg geschüttet. Vorher war es weiß – nachher eher so was wie Matsche…. hat sich wohl gelohnt! Dann kommt der eklige Part: Ausspülen. Mit kaltem Wasser! An meinem Po! Sehr nah am Gemächt! Das ist fies, Mädchen, dafür brauche ich definitiv mehr Möhren!

Schon besser!

Im Anschluss hat sie mich ein bisschen abgetrocknet damit der Trocknungsvorgang nicht so lang dauert weil das Wetter ja schon so frisch geworden ist. Dann wollte sie mich noch fein bürsten, aber ach, die Uhrzeit war schon fortgeschritten und wir hatten beide einen dringenden Termin! Ich musste frühstücken und sie musste arbeiten gehen. Also wird das bürsten demnächst nachgeholt. Mein Mädchen hat gesagt, ich soll zusehen, dass mein Schweif wenigstens für eine Weile sauber bleibt.

Auch ohne Bürsten kann das Ergebnis sich sehen lassen!

Na gut!

Euer sauberer Sir Duncan Dhu of Nakel (mit glänzendem Wallehaar)

Anmerkung des Mädchens: bei dem Zauberpulver handelt es sich um Backpulver

Warum

„Ich hatte als Kind einen Esel“, sagt die Trainerin in dem Video „der hat auch irgendwann klein beigegeben“. Mich gruselt. „klein beigeben“ als Trainingsziel – echt jetzt? Dabei wurde mir erzählt, sie würde so pferdegerecht arbeiten, mit Körpersprache und so.

Immer wenn ich so etwas höre, nutze ich das als Anlass, nochmal darüber nachzudenken was wir da tun. „Wir tun so komische Sachen mit Pferden“ sagte eine Schülerin neulich „je älter ich werde, desto komischer finde ich das alles“. Ich konnte das total gut nachvollziehen aber meine Antwort hatte ich parat. Ich bin der festen Überzeugung dass es nur sehr, sehr wenige – vielleicht gar keine – Pferde in Deutschland gibt, die in einer Umgebung leben, die ihnen genug Anreize und Abwechslung bietet um nicht in Langeweile zu leben und geistig wie körperlich zu verkümmern. Und deswegen bin ich auch überzeugt davon, dass die komischen Dinge die wir tun für die Pferde bereichernd sein können.

Und ich glaube da geht es gar nicht so sehr um das, WAS wir tun. Ich glaube, es geht um das WARUM. Oder sollte ich sagen: das was ergibt sich aus dem warum? Tun wir etwas, damit unser Pferd sich „unterwirft“ so ist das in meinen Augen eben nicht pferdegerecht. Tun wir etwas ähnliches, um eine Kommunikation zu ermöglichen aus der wir dann eine gemeinsame Sprache entwickeln können, so ist das pferdegerecht – auch wenn beides von außen ähnlich aussehen mag.

Reiten wir Dressuraufgaben, weil der Richter sie sehen will oder reiten wir jene Aufgaben, die unser Pferd beweglicher und stärker machen (wodurch es sich automatisch wohler fühlen wird)?

Ziehe ich meinem Pferd ein Kopfstück an, weil es sonst nicht bei mir sein möchte, oder verwende ich das Kopfstück um meinem Pferd zu vermitteln, wie es seinen Körper besser verwenden kann?

Letztendlich: Übernehmen wir die Führung, weil wir so gern den Chef raus hängen lassen und einfach nur wollen dass der blöde Gaul das tut was wir sagen oder übernehmen wir Führung und Verantwortung um unserem Pferd Stress zu nehmen und es sicher durch die Menschenwelt bringen zu können? Ich bin überzeugt davon, dass die Pferde unsere Absicht spüren.

Und genau diese Absicht kann für uns der Kompass sein, für welche Art des gemeinsamen Tuns wir uns entscheiden. Für mich bedeutet pferdegerechtes Training, dass mein Pferd sich besser fühlt, größer, schöner, stolzer. Dass sein Selbstbewusstsein steigt, nicht sinkt. Und das tut es vor allem dann, wenn wir lösbare Aufgaben stellen mit dem richtigen Maß an Herausforderung für dieses Pferd hier, heute und jetzt. Wenn wir unser Pferd unterstützen und ihm helfen. Wenn wir erkennen, wie schwierig eine Aufgabe wirklich ist (da täuschen wir Menschen uns ganz schnell) und unser Pferd Schritt für Schritt befähigen, diese (schwierige) Aufgabe zu bewältigen.

Interessanterweise werden oft diejenigen für die besten Pferdetrainer gehalten, die ein Pferd dazu bringen können, etwas zu tun, was es eigentlich nicht möchte. Die Trainer von denen ich lernen möchte, sehen das umgekehrt: der Mensch muss es schaffen, das gewünschte so attraktiv für das Pferd zu machen, dass das Pferd es selbst auch will. Das ist die Kunst. Und genau wie das bei uns Menschen nicht nur über Geld erreichbar ist, sondern ein guter Job aus viel mehr besteht, so geht es beim Pferd auch nicht nur um Futter oder Pause.

Natürlich ist das mit dem „klein beigeben“ für den Menschen einfacher. Wenn man jedes Problem darauf zurückführt, dass das Pferd zu „dominant“ ist, braucht man auch nur eine einzige Lösung für alle Probleme. Und letztlich ist ein Pferd das „klein beigegeben“ hat vielleicht auch einfacher zu dirigieren. Ein starkes, stolzes und selbstbewusstes Pferd wird uns eher mal sagen, dass wir gerade auf dem Holzweg sind. Es wird unsere Kompetenz auch mal in Frage stellen. Es begegnet uns auf Augenhöhe und hat eine eigene Meinung. Das kann unbequemer sein und erfordert die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Ein selbstbewusstes Pferd wird sich auch führen lassen und gern Verantwortung abgeben, aber eben nur dann, wenn es sich fair behandelt fühlt und den Menschen als kompetente Führungspersönlichkeit sieht.

Und was in der Theorie so einfach zu unterscheiden ist, geht in der Praxis natürlich mal wieder fließend ineinander über. Die Frage, wie viel und welche Art von Führungsanspruch ich als Mensch stelle, muss letztlich jeder für sich selbst klären (und mit seinem Pferd). Viele Faktoren spielen da eine Rolle. Nur eins steht für mich fest: wer darauf abzielt, dass das Pferd „klein beigibt“ ist nicht der Trainer MEINER Wahl. Und so lerne ich wieder: nicht überall, wo „pferdegerecht“ drauf steht, ist auch meine Definition von pferdegerecht drin. Und es lohnt sich, Ausbilder mal nach dem „warum“ zu fragen und da auch mal nachzuhaken.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 174

Wisst Ihr, welcher Wochentag der beste von allen ist?

Der Dienstag! Am Dienstag kommt das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel. Wenn ich höre, dass sie da ist, komme ich meistens schon ans Stalltor und gucke erwartungsvoll. Weil ich genau weiß: Dienstag ist Abenteuertag! Mein Mädchen findet das immer total süß.

Dann werden mein Spaziergehkumpel und ich erst mal nebeneinander angebunden und geputzt. Währenddessen unterhalten wir uns und schmieden Pläne für den Nachmittag.

Vorbesprechung
Bereit zur Abfahrt!

Dann geht’s ab in die Wackelkiste und wir werden irgendwo hin gewackelt. Und dann ist Abenteuer! Manchmal im Wald, manchmal im Moor, manchmal durch die Felder. Und immer passiert etwas spannendes. Wir sehen Kühe oder Schafe, Züge oder Trecker, andere Pferde oder Brücken. Oder wir verlaufen uns oder schlagen uns durch die Büsche, weil der Weg so schmal ist. Das Wetter ist eigentlich immer schön und unsere Mädchen haben immer gute Laune. Es sei denn wir sind etwas zu aufgedreht. Dann schimpfen sie wie die Rohrspatzen. Aber nach einer Weile geht es dann immer.

Abenteuerlich durchs Gebüsch! Der Weg war echt schmal. Im Hintergrund mein Mädchen und ich. Ich wollte förstern aber ihr kennt ja mein Mädchen… (ich sage nur: Rohrspatz!)

Mein Mädchen tut Dienstags oft so als würde sie Kutsche fahren und das Mädchen vom Spaziergehkumpel (die ist ja dann „die gestrenge Fahrlehrmeisterin“) gibt ihr manchmal Tipps wie es noch besser geht. Inzwischen können wir das schon echt gut. Und mein Mädchen ist verdammt stolz auf mich, wenn ich auch an gruseligen Sachen vorbei vorne weg gehe. Da bin ich oft mutiger als mein Spaziergehkumpel. Ich weiß jetzt auch: schneller Schritt ist erlaubt, aber traben soll ich nicht ohne Aufforderung, auch nicht, wenn es mich gruselt.

Gestern abend kam der Nebel über die Felder und es wurde schon ganz dämmrig. Unsere Mädchen fanden das schööööööön aber wir Ponys ehrlich gesagt nicht so. Denn im Nebel könnte der eine oder andere hungrige Räuber lauern und Sachen die man sonst gut kennt sehen plötzlich verdächtig anders aus…. . Aber inzwischen kann ich gruselige Sachen aushalten, kann weiter vorne weg gehen und wenn mein Mädchen hinter mir sagt dass ich das toll mache und alles gut ist, dann schaffe ich das. Und ab und zu sagt sie „Keks“ und dann bekomme ich was.

Schöööööööön (finden unsre Mädchen)

Am Ende von diesen Abenteuern bin ich immer kopfmüde. Aber nicht so schlimm dass ich nicht mehr denken könnte, nur eben gerade so dass ich mich auf zu hause freue. Mein Mädchen sagt, so soll es sein. Wenn mein Kopf ordentlich gearbeitet hat, benehme ich mich nämlich besser. Wobei ich mich doch sowieso immer gut benehme. Naja, fast immer.

Leider wird es jetzt schon immer so früh dunkel, dass unsere Abenteuer kürzer werden. Aber nächsten Sommer, wenn ich mein Mädchen vielleicht schon ab und zu ein kleines Stück tragen kann, können wir noch längere Abenteuer unternehmen, das sind doch tolle Aussichten, oder?

Euer abenteuerlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 173

Erinnert Ihr Euch noch an diesen Beitrag? Mein Mädchen hat jetzt die Spielregeln geändert. Jetzt machen wir das für fortgeschrittene Ponys! Das geht so: Wir sind auf dem Reitplatz und üben lustige Sachen. Jetzt tut sie nicht nur so als würde sie Kutsche fahren – sie tut auch so als würde sie reiten! Das heißt sie geht neben mir her – hinter meiner Schulter, da wo sie später sitzen möchte. Sie hat zwei Zügel in der Hand und ich muss die Kommandos verstehen. Das ist aber wirklich kinderleicht. Naja und wenn ich es dann gut gemacht habe, gibt es einen Keks und dann gehen wir zur Aufsteigehilfe. Aber mein Mädchen sagt mir nicht, was ich machen soll. Sie stellt sich einfach auf die Kisten und schaut mich erwartungsvoll an. Am Anfang hab ich gedacht: sie scheint zu warten, also soll ich bestimmt auch warten. Warten kann ich – da müssen alle 4 Hufe am Boden bleiben. Aber nach einer Weile dachte ich: sie sieht doch eher aus als würde sie etwas ERwarten. Ich hab dann mal mein Gewicht verlagert. Und sie hat gesagt, das wäre voll die gute Idee! Dann hab ich einen Schritt gemacht. Und da hat sie gesagt, das wäre noch eine viel bessere Idee! Dann hat sie die Gerte genommen und mir gezeigt dass ich „einparken“ soll. Einparken heißt, dass ich mich exakt so hinstelle, dass sie aufsteigen könnte. Kann ich (wenn sie mich dirigiert). Dann gibt es Kekse auf der anderen Seite. Und sie hampelt ein bisschen herum, legt mir ein Bein über den Rücken und so. Manchmal finde ich das komisch. Dann macht sie es so lang bis ich mich entspanne.

Danach gehen wir wieder lustige Sachen üben. Und wenn ich es gut gemacht habe, gehen wir wieder zur Kiste. Beim zweiten Versuch war ich schon etwas schlauer: also um warten geht es nicht, ich soll mich bewegen. Als ich noch viel kleiner war, sollte ich mal im Kreis um sie herum laufen als sie auf der Kiste stand. Vielleicht will sie das? Sie hat gesagt, ich wäre nah dran aber ganz richtig ist es noch nicht. Hm. Dann hat sie mich wieder eingeparkt und das ganze Keks-auf-der-anderen-Seite und Bein-auf-meinen-Rücken-Ding wiederholt.

Anschließend haben wir wieder lustige Sachen geübt und – Ihr ahnt es schon – als ich es gut gemacht habe, sind wir zur Kiste gegangen. Mein Mädchen hat sich drauf gestellt und plötzlich hat es bei mir „klick“ gemacht: sie will dass ich mich SELBST einparke! Hab ich dann auch prompt probiert. War auch schon fast perfekt. Kennt Ihr das mit dem Auto wenn Ihr irgendwo in eine enge Parklücke wollt? So einfach ist das gar nicht wenn man es nicht geübt hat! Und so geht es mir auch. Ich muss genau die richtige Stelle erwischen. Aber ich übe das jetzt und bald kann ich das perfekt, sollt Ihr mal sehen. Ich hab das ja auch schon voll oft beobachtet bei Merlin und Diego.

Übrigens habe ich raus gefunden, dass sie lustig quietscht und von ihrer Kiste fällt, wenn ich zu nah parke. Aber ich bin ja ein edler Ritter also versuche ich das zu vermeiden. Weil ich so nett bin.

Ein Video gibt es leider nicht davon, aber ich werde nachliefern sobald ich kann, versprochen!

Euer einparkender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 172

Es ist Herbst. Das erkennt man an verschiedenen Dingen:

1. mein Mädchen findet alles schööööööön: Das Licht, die Blätter, den Nebel, die Sonnenuntergänge, die Sterne am Himmel, die Stille – alles ist schööööööön.

2. meine Rüstung ist schon wieder ganz plüschig (schööööööön). Für die warmen Tage ist sie oft etwas ZU plüschig, aber dafür ist es nachts gemütlich.

3. das Gras ist anders. Wir haben zwar zum Glück noch viel Gras aber das ist jetzt labberiger als im Sommer. Und deswegen braucht unser Bauch mehr Heu dazu, sonst machen wir Kuhfladen. Wobei auch der schönste, festeste Haufen nach wenigen Stunden in die Breite wandert, weil sooooo viele kleine Käfer unterwegs sind, die das irgendwie lecker finden und alles auseinanderbauen.

Das war ein perfekter Haufen! Aber dann kamen die Käfer…..

4. wir bekommen endlich auch wieder „Schmatzofatz“. Im Sommer mussten wir mit ein paar Mineralbricks aus der Hand klar kommen, Schüssel gab es da nur für Merlin. Jetzt gibt es wieder Leckereien. Während Merlin seine 3. überdimensionierte Riesenschüssel des Tages leert, bekommen wir anderen Heu und Schmatzofatz. Das ist voll lecker. Und voll gesund. Mit Kräutern und allerhand anderen guten Dingen, die so schlimm kleben dass man es kaum essen kann. Aber das ist es wert. Mein Mädchen steht daneben und passt auf dass jeder aus seiner eigenen Schüssel frisst und dass mein Fuß nicht hampelt. Wer fertig ist, darf nicht bei den anderen klauen sondern muss zum Heu gehen und dort weiter essen. Das ist Gesetz (ich hab das überprüft, es ist nicht verhandelbar). Meistens sind wir aber alle ungefähr gleichzeitig fertig.

Lecker Schmatzofatz!

5. mein Mädchen baut am Zaun rum und werkelt überhaupt draußen ganz viel. Da gibt es öfter mal was zu gucken. Allerdings muss man aufpassen: wenn sie gewerkelt hat, ist der Zaun danach besonders bissig! Wahrscheinlich hat er dann schlechte Laune, weil mein Mädchen ihn in seiner Ruhe gestört hat.

6. überall liegen Sachen rum, die man essen kann. Mal ein Apfel der den Weg vom Baum gefunden hat, eine Eichel, eine Haselnuss oder wir pflücken uns eine Schlehe. Das reinste Festmahl ist das! Manchmal trägt mein Mädchen dazu bei. Gestern hat sie zum Beispiel Möhrenstücke in den Paddock geworfen, die können wir dann suchen. Caruso ist der Beste in diesem Spiel, meistens bekommt er den Löwenanteil ab. Er ist so klein und wendig und hat total gute Ohren, der hört wo was runter fällt und saust dann schnell hin! Mein Mädchen lacht immer, vor allem weil wir anderen Ponys oft nur blöd hinterher gucken während Caruso schlemmt.

Ach ja, der Herbst ist eine schöne Jahreszeit. Mein Mädchen sagt, dass jetzt auch keine großen „Spezialtermine“ mehr anstehen. Bis Weihnachten sind wir jetzt einfach hier zu hause und genießen das Leben. Das mag mein Mädchen. Und ich mag das auch. Vor allem wenn wir die Zeit nutzen für Herbstspaziergänge und dafür, neue Sachen zu lernen.

Genießt den Herbst!

Euer plüschiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Dialekt

„Wir müssen mal das ganze Gelersch da weg räumen“ sagt Arnulf zu mir. Ich bin sehr beeindruckt. „Gelersch“ ist ein hessisches Wort und zwar eins, das mein Vater gern und oft verwendet. Jede Art von Krempel heißt „Gelersch“. Dadurch, dass mein Vater es so oft sagt, hat Arnulf es in seinen Wortschatz aufgenommen. Nur ist er halt kein Hesse und es mangelte an der Aussprache. Der Hesse hat ja so einen bestimmten Tonfall – jeder Dialekt hat ja seine ganz eigene Tonlage und Sprachmelodie. Und die nachzuahmen ist nicht leicht, wenn man mit einem anderen Dialekt aufgewachsen ist. Aber diesmal kam das Wort „Gelersch“ sehr natürlich und schön gesprochen über Arnulfs Lippen. Sieh an, Übung macht den Meister!

Wir sprechen den Dialekt mit dem wir aufwachsen. Wenn wir umziehen, können wir uns anpassen oder es lassen. Mancher spricht sein Leben lang hessisch, obwohl er längst in Schleswig-Holstein wohnt. Meine schlimmste Zeit war die in der man mich hier im Norden immer direkt als Hesse identifizierte, während man mir im Urlaub in Hessen nachsagte, ich würde schon wie ein „Fischkopp“ sprechen. Identitätskrise! Dabei ist das ja alles Deutsch. Noch ganz anders wird es in der Schweiz. Meine Schwester wohnt nun dort. „Ist das gut für Dich?“ fragte sie mich neulich – zum Glück mit der Erklärung dass der Satz Schweizerdeutsch ist. Denn im Hochdeutschen hätte er an der Stelle gar nicht gepasst. Wir hätten gesagt „ist das ok für Dich?“ und obwohl beide Sätze ähnlich klingen, sind sie eben doch sehr unterschiedlich in der Bedeutung – zumindest im Hochdeutschen.

Mein kleiner Duncan spricht meine Sprache. Meine Art Körpersprache, meine Stimmkommandos. Inzwischen versteht er auch Arnulfs Sprache ganz gut. Aber sonst halt nix. Als wir neulich Doppellongenunterricht hatten, hatte er keinen Plan, was die fremde Frau in der Mitte meinen könnte. Er war sehr verwirrt, wurde immer langsamer und als ich dann übernommen hatte und wir die Situation klären konnten, musste er erst mal ganz oft gähnen. Das war so verwirrend mit der fremden Person! Solche Situationen erinnern mich daran, dass ich mein Pony öfter mal bewusst aus der Hand geben möchte, damit er lernen kann, auch andere „Dialekte“ zu verstehen. Damit er nachher nicht verwirrt ist, wenn jemand fremdes kommt und etwas von ihm möchte, was er nicht versteht. Kann ja schnell mal passieren, wenn ich da so an geplante Abenteuer denke… und wenn es nur ist, dass ihn jemand für mich kurz mal halten soll.

Aber das Pony aus der Hand geben ist auch schwer. Ich bin ja gern mal „Helikopter-Mama“ und kann nicht gut aushalten, wenn mein Pony sich dann mit anderen auseinandersetzen muss die in meinen Augen vielleicht zu viel verlangen, zu viel Druck machen oder sich nicht verständlich ausdrücken. Das fällt unter die Kategorie „Chaos üben“ und es kommt mit auf meine Liste der zu übenden Dinge. Neben Brücken, Dörfern und fremden Pferden…..