Dieser Montag war ja ein Sonntag – ach ihr Menschen und eure komische Zeiteinteilung… auch egal. Jedenfalls hatte der Mann frei und mein Mädchen auch. Und da Diego schon am Sonntag vor der Kutsche war (nachdem ich mit meinem Mädchen auf dem Platz das Springen geübt hatte), war ich dran mit ausreiten. Juhuuu! Meine Laune war spitze. Der Mann hat mir einen schönen Zopf geflochten, damit mir unter meinem Wallehaar nicht zu warm wird. Hufschuhe an und dann zum ersten Mal wieder die Fliegenmaske auf, weil man im Lieblingswald um diese Jahreszeit leider mit dem Angriff der Vampire rechnen muss. Zebradecke war aber noch nicht angesagt. Und das war auch gut so, denn es war sehr, sehr warm!
Deswegen bekam ich, als wir im Wald angekommen waren, auch erstmal leckeres Wasser angeboten. Um mich zum Trinken zu animieren, hatte mein Mädchen da eine Handvoll Mash reingestreut, also hab ich ein paar Schlucke genommen. Das sollte sich noch als sehr weise Entscheidung herausstellen…

Der Mann hatte wieder seinen Rennesel gesattelt und so sind wir alle zusammen losgezogen. Mein Mädchen wie immer erstmal zu Fuß. Dann, als wir uns warmgelaufen hatten, ist sie aufgestiegen und wir sind losgetrabt. Ich war bestens gelaunt und bin wie so ein kleines Uhrwerk vor mich hingetrabt und mein Mädchen hat gesagt, ich darf jetzt mal einfach traben, bis ich nach was anderem frage. Ok! Das macht Spaß! Ich war hoch zufrieden mit der Gesamtsituation und habe versucht „taktrein zu förstern“ (das Mädchen vom schönen Spanier hat diese Übung erfunden. Das bedeutet, dass man sich was pflücken darf, wenn man dabei das Tempo hält. Das ist schwieriger als es klingt!). Nach einer halben Stunde im fröhlichen Trab war mein Mädchen etwas überrascht, dass ich immer noch keine Anstalten machte, nach einer Pause zu fragen. Aber mir war halt nicht nach Pause! Ich hatte mich schön eingelaufen und mein Mädchen hat sich erinnert, dass wir vor knapp zwei Jahren mal 1 Stunde Trab und Galopp durchgängig geschafft haben. Warum sollte ich an diese Kondition nicht wieder anknüpfen können? Und so ging es weiter. Trab-trab-trab. Erst nach 9km Trab hatte ich das Gefühl, dass ich mal ne Pause brauchen könnte und tatsächlich ist mein Mädchen dann auch abgestiegen, um ein Stück zu Fuß zu gehen. Aber vorher hat sie Puls gemessen. 68! Das hat sie fertig gemacht. Bei der Wärme so lange getrabt mein Puls ist noch so lässig? Ja was hast du denn gedacht, mein Mädchen?
Nachdem sie ein Stück zu Fuß gegangen war, haben wir eine schöne Graspause gemacht. Ich durfte 10 Minuten schmausen, der Rennesel stand derweil dumm auf dem Gras herum und wusste nichts damit anzufangen, der Dummkopf. Egal, dann bleibt mehr für mich übrig.
Nach der Pause ist mein Mädchen noch ein Stück zu Fuß gegangen und dann wieder aufgestiegen. Weiter traben! Ich war immer noch allerbest gelaunt und munter unterwegs. Aber Moment mal, Mädchen, hier müssen wir doch rechts und nicht links! Hier waren wir doch in letzter Zeit 4 mal unterwegs und wir sind jedes Mal rechts abgebogen! Hat sie jetzt wieder die Orientierung verloren? Aber sie hat darauf bestanden, dass wir links abbiegen. Ich war nicht überzeugt. Habe so getan als müsste ich mal pieschen, weil ich bisschen verwirrt war. Nach einem kleinen Streit darüber, ob ich mich seitlich in die Büsche schlagen darf, auch wenn ich gar nicht Pieschen muss (mein Mädchen hat gewonnen), habe ich mich damit abgefunden, dass es wohl tatsächlich in diese Richtung weitergeht. Auch wenn mir das ganz falsch vorkam.

Tja, es stellte sich heraus, dass mein Mädchen das mit dem Kringel reiten jetzt anscheinend zur Mode macht, denn wir kamen dann genau da wieder raus, wo wir vorher schon waren und sind einfach den selben Weg zurück geritten, den wir gekommen waren! Na schön, jetzt weiß ich also wie der Plan ist.

Bisher waren wir nur getrabt, aber jetzt war ich etwas kopfmüde und mein Mädchen meinte, ein Aufmunterungsgalopp könnte mich wieder wecken. Und das stimmte auch! So ging es bei Kilometer 14 in einen schönen Galopp und ich hab mal gezeigt, was an Kraft noch in mir steckt. Rechtsgalopp, Trab, Linksgalopp. Die schlaue Uhr von meinem Mädchen sagte was von 17 oder 18km/h aber der Tacho am Rennesel meinte, es seien 20 km/h. Wer wohl recht hatte? Egal, mein Mädchen fand meinen Galopp super toll und hat mich über den grünen Klee gelobt.
Vor uns tauchte ein Pferd mit Reiterin auf und bog genau in den Weg ein, in den wir auch abbiegen wollten. Mein Mädchen hat gesagt, wir bleiben dann mal im Schritt und schauen wie die Situation sich entwickelt. Das andere Pferd trabte von uns weg und als es außer Sichtweite war, durfte ich auch wieder antraben. Anscheinend ist das andere Pferd dann irgendwo abgebogen, jedenfalls haben wir es nicht wieder gesehen und als die Sicht geradeaus gut war und die Bahn frei, hat mein Mädchen mich gefragt, ob ich noch mal galoppieren möchte. Wir waren mittlerweile bei Kilometer 17 aber etwas Energie hatte ich noch übrig und bin nochmal fein galoppiert. Dann hab ich aber angemerkt, dass es jetzt langsam knapp wird und die Tankleuchte schon leuchtet. Also Trab. Mein Mädchen hat auf ihre schlaue Uhr geschaut, die ihr mitgeteilt hat, dass es noch 2,5km bis zur Wackelkiste sind. Die Devise war also, noch 1,5km Trab und dann Schritt. Ok, schaffe ich. Ich war immer noch gut gelaunt und es war noch genug Vorwärts in mir, aber die Füße waren etwas schwer geworden und ich bin ein paarmal gestolpert. Da wusste mein Mädchen, dass es gut ist, dass wir bald wieder an der Wackelkiste sind. Schließlich ist sie dann abgestiegen. Diesmal ergab die Pulsmessung einen Wert von 80 und mein Mädchen meinte, ich hätte mich wohl tatsächlich ausnahmsweise mal ehrlich angestrengt! Sie hat sich Weste und Helm vom Leib gerissen und ihr schweißnasses T-Shirt gegen ein trockenes getauscht, mir hat sie das Gebiss rausgenommen und dann sind wir gemeinsam den letzten Kilometer im Schlendergang mit Grasnaschen gegangen. Geschlagene 20 Minuten haben wir dafür gebraucht und dann war mein Puls auch schon wieder auf 56 runter. Da wusste mein Mädchen, dass sie mich gefordert, aber nicht überfordert hat. Es gab noch einen ordentlichen Hub Mash-Wasser für mich und dann die übliche Wasch-Orgie, damit es mich nicht so juckt. Ab nach Hause! Zu Hause dann noch eine schöne Ganzkörperdusche, eine Panade und danach durfte ich direkt mit den anderen auf die Weide. Das hatte ich mir aber auch redlich verdient!
21 Kilometer Gesamtlaufleistung zeigt der Tacho für heute, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7,5km/h. Das findet mein Mädchen tipptopp und meint, jetzt ist wieder eine Steigerung der Streckenlänge dran, aber in langsamerem Tempo. Schließlich sollen wir Ende August 41 km schaffen, da braucht es wohl noch etwas Training für uns beide!
Euer fröhlich ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel