Mein Mädchen hat schon seit Tagen vor sich hin gekichert und mir erzählt, dass wir ein tolles Abenteuer vorhaben – inklusive besonderer Überraschung für unsere Mitreiterin! Na da war ich aber gespannt wie ein Flitzebogen.
Sonntag: Hufschuhe, Fliegenmaske, Wackelkiste! Juhuuu! Da hab ich doch gleich allerbeste Laune! Kurz wackeln, dann kamen wir an einem Weg raus, den ich kenne. Dort haben wir zwar noch nie gesattelt, aber was solls. Und wer war da auch? Der schöne Spanier mit seinem Mädchen! Ach wie nett, den mag ich leiden!
Und wo soll es nun heute langgehen, mein Mädchen? Erstmal durchs schöne wilde Moor. Ach hier war ich ja lange nicht! Und zum Glück waren außer uns nicht wirklich viele Leute unterwegs, vorteilhaft für uns. Wir sind erstmal eine Weile getrabt. Dann links (da war ich schon irritiert, wieso denn jetzt links?).

Ach, hier sind wir, ja das kenne ich. Da nehmen wir doch mal den schönen Abenteuerweg. Da geh ich aber jetzt lieber vorneweg, du schöner Spanier, weil du dich ja mit Matschlöchern so gar nicht auskennst. Ich übernehme die Verantwortung als Guide und sage dir, wo die Lunken sind – sind zwar alle trocken, aber trotzdem lunkig. Und von oben auch recht zugewuchert, da musste ich erstmal was wegförstern!
Dann auf die schönen Plattenwege. Ach, hier war ich ja auch ne Ewigkeit nicht! Ist aber immer noch schön hier. Wir sind munter getrabt und hatten allerbeste Laune. Ja richtig, hier rechts und dann kommt nach einer Weile diese Brücke. Schritt! Die Brücke sieht aus als wäre sie asphaltiert, aber trotzdem ist da irgendwie Metall drauf. Wenn man da rüber geht, macht es laut „klonk klonk“. Ich bin wieder vorneweg gegangen. Ich bin zwar etwas aus der Übung, aber ich erinnere mich, dass ich das schon öfter geschafft habe. Der schöne Spanier hinter mir. Als der die Brücke betrat und es laut „klonk“ machte, wurde ihm blümerant. Er fing an zu tänzeln – nicht der beste aller Pläne, um ehrlich zu sein! Denn je mehr man seine Füße bewegt, desto mehr klonkt es halt auch! So kam es, dass der schöne Spanier mir von hinten auf die Pelle rückte. Er war zum Seitwärts übergegangen und versuchte mit Mühe und Not, weiter zu atmen. Ich fragte mal kurz bei meinem Mädchen nach, ob er recht hat und das wirklich gefährlich ist – seine Darbietung war recht überzeugend! Aber mein Mädchen war sich sicher, dass es NICHT gefährlich ist und hat mich gebeten, freundlich zu bleiben. Bin dann einfach weitergegangen, auch wenn er mir ziemlich im Heck hing. Zum Glück ist die Brücke nur ganz kurz und so war der Spuk bald vorbei. Mein Mädchen war sehr stolz auf mich, weil ich das so erwachsen geregelt habe. Kann ich!
Kurz nach der Brücke geht es links, das weiß ich. Da steht dann immer die Wackelkiste. Aber diesmal sollten wir geradeaus weiterlaufen! Davon war ich ja nun nicht überzeugt. Hab das Tempo gedrosselt, weil ich dachte, mein Mädchen hätte schon wieder die Orientierung verloren. Aber sie war sich sicher: heute hier geradeaus. Hier war ich noch nie!

Aber ist auch schön. Nur in dem Dorf, das dann kam, da war es gruselig. Irgendwie war da eine Veranstaltung oder so. Es war uns beiden – dem schönen Spanier und mir – so unwohl, dass die Mädchen schließlich abgestiegen sind. War auch nicht schlimm, denn danach kam eh die große Straße und da wollten sie auch zu Fuß gehen. Ein kleines Stück auf dem Radweg neben der Landstraße her. Atme, mein schöner spanischer Freund, atme! Der Milchlaster tut dir nichts! Und dann gingen die schönen Wege weiter.

Ach, hier war ich auch schon mal! Möchte wetten, die Wackelkiste steht gleich da hinten beim Ponyhof. Wird auch Zeit, ich hab doch langsam ganz schön Hunger, der Tacho zeigt ja schon 16km! Aber auch beim Ponyhof stand die Wackelkiste nicht. Jetzt wird es mir aber langsam zu bunt! Mein Mädchen hat mir zugeflüstert, dass wir gleich eine schöne Graspause machen werden, ich soll es nur mal noch nicht ausplaudern. Stellt sich raus: wenige Meter weiter wohnt eine Kundin von ihr und die hatte für uns Wasser hingestellt und wir durften den Vorgarten mähen, während die Mädchen mit Eis verwöhnt wurden. Ach, da hat das Mädchen vom schönen Spanier sich kurz gewundert, aber dann gefreut über diese unverhoffte Snackpause.


Danach waren wir alle etwas im Tief. Es lagen noch 8km vor uns, davon erstmal einer zu Fuß durchs Dorf. Mir war eher so nach stehenbleiben und mal nachdenken über alles, was schon so war. Aber stehenbleiben stand nicht auf dem Plan. Meine Füße konnten schon noch laufen, aber mein Kopf konnte einfach nicht mehr so recht denken.
Als wir das Dorf aber hinter uns hatten, kamen wir an einen vertrauten Weg. Hier kenne ich mich gut aus! Da ging es wieder in den Trab und ich hab den Reservetank gefunden.
Noch ein paar Kilometer im Trab, dann nochmal absteigen und über die Brücke über die Landstraße. Am Steinmuseum wieder aufsteigen, ein letzter Trab und dann rief der Feierabend! Zwar waren wir gar nicht an unserem Ausgangspunkt angekommen, aber da standen die Männer unserer beiden Mädchen und hatten die Wackelkisten mitgebracht. Ja, gute Idee! Nach 23,7km in knapp 4 Stunden war es mal genug Abenteuer. Aber toll war es!
Wir Pferde durften alle Gras schmausen, während die Menschen auch gut getafelt haben. Zum Abschied hab ich dem schönen Spanier nochmal hinterhergeschaut – komm mal bald wieder, war schön mit dir, du bist mir ein guter Ausreit-Freund!
Euer gut beabenteuerter Sir Duncan Dhu of Nakel
