Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 18. Juni 2026

Jetzt habe ich lange nicht für euch geschrieben. Das liegt daran, dass unser guter alter Freund Merlin uns vor gut zwei Wochen verlassen hat und wir erstmal etwas Zeit brauchten, um zu trauern.  

Er war ja schon uuuuuuuralt und es ging ihm nicht mehr ganz so gut. Dann, eines Tages, ging es ihm plötzlich richtig, richtig schlecht. Während wir anderen auf der Weide waren, hat er sich in den Stall geschleppt und als mein Mädchen ihn dort gefunden hat, wusste sie schon, dass es jetzt Zeit wird, Abschied zu nehmen. Draußen auf der kleinen Grasfläche vor dem Stall hat Merlin sich dann hingelegt und die Tierärztin hat ihm auf seinem letzten Weg geholfen. Danach durften wir anderen Ponys uns von ihm verabschieden. Ich habe ihm ein paarmal in die Nüstern gepustet und eine Weile direkt neben ihm gegrast, und dabei daran gedacht, dass Merlin mein erster Freund hier war.

Tschüss, mein guter alter Freund

Als ich hier eingezogen bin und die anderen mich alle doof fanden, war Merlin freundlich zu mir. Er hat auf mich aufgepasst, wenn ich meine vielen Wachstumsschläfchen gemacht habe, hat sein Heu mit mir geteilt und mich zum Spielen aufgefordert. Er hat mir immer wieder erklärt, dass mein Mädchen sich zwar viel Mühe gibt, und dass er in über 20 Jahren auch schon viel erreicht hat in ihrer Ausbildung, aber dass sie noch viel lernen muss. Und dass Menschen erstaunlich langsam lernen und ich viel Geduld brauchen werde. Er hat mir aber auch gesagt, dass mein Mädchen eine Sache richtig gut draufhat: uns liebhaben. Einfach so. Und das stimmt!

Wenn er seine ungefähr 38472 Brei-Eimer pro Tag bekommen hat, hat mein Mädchen mein neidisches Gesicht gesehen und gesagt, wenn ich mal so alt bin wie er und keine Zähne mehr habe, darf ich das auch. Fest versprochen!

Merlin war damals auch der erste, der nett war zu Gatsby und der Diego hier willkommen geheißen hat. Mit Caruso hat er so manchen Futtereimer geteilt (nicht immer ganz freiwillig, aber sie waren trotzdem beste Freunde). Und mit meinem Mädchen hat er großartige Dinge vollbracht – hat ganz viele Kurse mit ihr besucht und dabei immer gut auf sie aufgepasst. Wenn sie nervös war, hat er sie beruhigt und dafür gesorgt, dass sie immer gut dasteht und es so aussieht, als könnte sie das alles voll gut. Er hat gesagt, das wird jetzt mein Job sein und ich soll ihm ein würdiger Nachfolger werden. Ganz schön große Hufabdrücke, in die ich da trete!

Als Merlin zu meinem Mädchen gekommen ist, war er genauso alt, wie ich jetzt bin. Man hatte meinem Mädchen damals gesagt, Merlin sei ein schwieriges Pferd. In Wirklichkeit hatte Merlin einfach viel zu viel mit schwierigen Menschen zu tun. Als er gemerkt hat, dass mein Mädchen es gut mit ihm meint, hat er sofort auf Kooperation umgeschwenkt und die beiden wurden richtig dicke Freunde.

So sah Merlin aus als er zu meinem Mädchen kam

Am liebsten mochte er immer das Publikum auf den Kursen. Da ist er nach seiner spektakulären Performance dann immer eine Runde schnorren gegangen und war auch immer erfolgreich. Ich war ja bisher erst auf einem einzigen Kurs und habe daher noch nicht so viel Publikumserfahrung, aber ich werde an Merlins Rat denken, wenn es nächste Woche für mich auf einen Reitkurs geht: erstmal unschuldig gucken und klein, pummelig und verstrubbelt aussehen, so dass alle denken, man könnte nix. Dann den Angebermodus einlegen, alles selbständig perfekt abliefern (ReitlehrerIn in der Mitte beachten, diese Person gilt es zufriedenzustellen!), danach seelenruhig die Publikumsreihe entlangstromern und die Fresskörbe inspizieren, bis eine was rausrückt. Er sagte, das klappt zuverlässig und ergibt Äpfel, Bananen und jede Menge Bewunderung und Aufmerksamkeit.

Nachdem der gute alte Knabe uns verlassen hatte, haben wir übrigen Ponys viel Zeit nah beieinander verbracht. Wir haben gemeinsam gegessen und geschlafen und aufgepasst, dass wir uns nie aus den Augen verlieren. Jetzt haben wir uns langsam an den neuen Zustand gewöhnt und unser Leben geht wieder seinen normalen Gang, obwohl wir den großen Zauberer natürlich vermissen und niemals vergessen werden.

Ich hoffe, ich kann mich seiner würdig erweisen! Seine Ratschläge werde ich jedenfalls nie vergessen.

Euer trauriger Sir Duncan Dhu of Nakel

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