Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 30

Gestern Abend ist etwas Lustiges passiert. Plötzlich stand ich auf der Weide, mitten im Gras! Ich wusste gar nicht so recht, wie ich da hingekommen bin. Merlin und Caruso standen auf der anderen Seite des Zauns im Paddock und haben ganz schön blöd geschaut. Sie wollten auch auf die Weide aber wussten nicht wie! Ich wusste ja auch nicht wie das kam.

Und als ich gerade so schön am Essen war, kam mein Mädchen. Ich war so vertieft, ich hab sie erst gar nicht bemerkt.

„Duncan, was machst Du da auf der Weide?“

„Hmmm lecker Gras…“

„Duncan, wieso bist Du auf der Weide und nicht im Paddock wo Du hingehörst?“ „Duncan!“

„Hm, was? Oh, hallo, Mädchen! Schön hier!“

„Das glaube ich, aber Du solltest doch im Paddock sein!“

Dann hat sie mich gerufen („Duncan Dhuuuuuuuu“) und ich bin ganz toll brav gekommen und sie war sehr zufrieden und hat mir Kekse gegeben. Aber sie war trotzdem böse mit mir irgendwie. Weil der Zaun kaputt war und sie fand, es war meine Schuld. Habe ich aber abgestritten. Und dann hat sie mich gefragt wie lange ich Gras gegessen habe.

„Bekommst Du mir jetzt heute Nacht Bauchweh? Du bist ja noch nicht so viel Gras gewöhnt“

„Hm? Ich bin noch hungrig…“

„Ich gebe Dir lieber vorsorglich was“

Och und dann kam sie mit so ekliger Medizin um die Ecke! Ich wusste ja nicht was mir blüht und habe mir das einfach so ins Maul spritzen lassen. Alter Schwede, da zieht es einem ja die Socken aus! (Bevor Ihr jetzt behauptet, ich hätte keine an, mein Behang ist so was wie Socken und ich schwöre, der hat senkrecht in die Luft gestanden so eklig war das!). Ganz gesund soll das sein. Gut für die Verdauung. Na danke. Danach hat sie mit Keksen versucht mich zu besänftigen. Aber die Kekse haben nach dem Ekelzeug geschmeckt, die hab ich kaum runter bekommen! Aber ich bin ja großherzig und habe ihr verziehen. Sie hat sich ja bemüht. Und ich glaube sie hat es auch wirklich gut gemeint. Auch wenn es natürlich totaler Quatsch war. Ich hatte ja gar kein Bauchweh!

Nachts ist sie dann mit halb geschlossenen Augen in den Stall gewankt gekommen um zu gucken ob es mir gut geht. Natürlich ging es mir gut! Was sie immer hat. Ich war doch nur bisschen Gras essen! Sie macht sich immer so viele Sorgen. Wahrscheinlich wegen meinem großen Bruder. Merlin sagt wir müssen das verstehen. Und dass sie immer gut auf uns aufpassen will und das auch ganz gut hinbekommt. Na gut.

Und sie hat den Rundlauf zugesperrt. Bis heute Nachmittag! Wahrscheinlich zur Strafe. Dabei habe ich gar nichts böses gemacht. Wirklich nicht! Keine Ahnung wie das passiert ist. Absicht war es nicht. Brauchst gar nicht böse schauen, mein Mädchen.

Jedenfalls halte ich mich jetzt extra vom Zaun fern. Damit sie sieht dass ich es nicht war. Vielleicht glaubt sie mir dann.

Bis bald!

Euer unschuldiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Drängende Fragen

Duncan steht etwas mehr als Armeslänge von mir entfernt und schaut mich mit großen Augen an. Wie die Knopfaugen eines Teddybärs, tiefschwarz, kreisrund und glänzend. Und ich weiß inzwischen was das bedeutet: das kleine, gute geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren arbeitet auf Hochtouren an der Lösung des Problems. Die Leitungen laufen heiß und Duncan wühlt fieberhaft in den Aufzeichnungen auf seinem Klemmbrett, findet aber nichts, was ganz genau passt.

Ich hatte ihn gerufen, er sollte sein Extrafutter bekommen. Dazu müsste er jetzt durch das Tor in den anderen Stallteil gehen. Und dazu müsste er mir entweder näher kommen oder an mir vorbeigehen, denn ich muss da stehen bleiben, damit ich das Tor zu machen kann bevor die anderen Ponys auch rein wollen.

Aber am Morgen hatte ich ihn ganz ausgiebig belohnt für höfliches „auf Abstand anhalten und freundlich gucken“ als letzten Teil des Kommens. Ich hatte ihn auf der Weide gerufen und er kam aus recht großer Entfernung mit Schwung zu mir. Da bin ich dankbar wenn er großzügig Abstand hält beim Anhalten, nicht in mich reinsemmelt, nicht die Ohren anlegt sondern eben auf Armeslänge stehen bleibt und freundlich drein schaut.

Jetzt ist die Situation anders und die Fragezeichen in seinem Gesicht werden von Sekunde zu Sekunde größer. Warum nur verhalte ich mich jetzt so anders als heute morgen? Was ist jetzt zu tun?

Dass die anderen Ponys im Spiel sind, macht die Situation nicht leichter, denn diesmal kann er nicht nachmachen, sondern soll sich gegenteilig zu ihnen verhalten. Und ich kann mich ihm nicht uneingeschränkt widmen da ich auch mit den anderen kommunizieren muss.

Ich versuche, ihm seine Frage zu beantworten, so gut die Situation es zulässt.

Aber als ich ihn zwei Stunden später den umgekehrten Weg wieder zurückholen will – ebenfalls durch rufen – zeigt sich, dass er verunsichert ist. Warum unterscheiden sich die Lösungen des (in seinen Augen) gleichen Problems? Warum ist jetzt nicht das selbe Verhalten richtig wie heute morgen?

Er wird herausfinden, dass mein Rufen in unterschiedlichen Umgebungen und Zusammenhängen unterschiedliche Antworten erfordert. Aber das ist natürlich Stoff für Fortgeschrittene, das will geübt werden.

Und ich denke an den jungen Kaltblüter, den ich neulich im Unterricht hatte. Seine Besitzerin hat ihn longiert und das Pferd hat in einer Tour Fragen gestellt. Soll ich jetzt antraben oder nicht? Soll ich näher kommen oder nicht? Soll ich den Kopf tiefer tragen oder höher? Als ich die Besitzerin auf diese Fragen hinwies war sie bestürzt: sie hatte seine Fragen nicht „gehört“ (eher: gesehen). Sie wusste nicht, dass ihr Pferd in permanenter Unsicherheit lebt und dringend Antworten auf seine Fragen sucht.

Wie belastend es ist, keine Antwort auf drängende Fragen zu bekommen, wissen wir alle spätestens seit dem Ausbruch von Corona. Für unseren Seelenfrieden sind Antworten enorm wichtig und wenn wir keine finden, werden wir uns welche suchen – oder im Zweifelsfalle ausdenken.

Den Pferden geht es nicht anders. Sie werden sich, wenn es keine Antworten von uns gibt, eigene Antworten ausdenken. Dabei werden sie manchmal Treffer landen und die richtige Antwort erraten. Aber auch dann brauchen sie die entsprechende Rückmeldung von uns, dass sie richtig liegen. Sonst werden sie verzweifeln, frustriert sein und aufhören zu fragen. Manche Pferde stellen die Kommunikation mit dem Menschen schließlich fast vollständig ein. Hier geht es mir nicht um die Bitten die ein Pferd äußert („kannst Du mich mal da kratzen?“ Oder „ich mag diese Bürste nicht“) sondern um die an uns gestellte Frage „wie soll ich mich verhalten?“. Ich beobachte, dass gerade junge Pferde diese Frage sehr sehr oft stellen. Und leider sehe ich oft, dass sie keine Antwort bekommen, weil sie nicht gehört werden. Vielleicht sehe ich deswegen so selten, dass ältere Pferde Fragen stellen. Diego ist eines der älteren Pferde die ich kenne, die Fragen stellen. Anfangs stellte er in höchster Nervosität ungefähr 10 Fragen in einer Sekunde, was das Antworten extrem schwer machte. Heute fragt er gezielter und entspannter. Aber wenn er keine Antwort bekommt, wird er schnell wieder nervös, unsicher und manchmal auch wütend. Von ihm habe ich viel darüber gelernt, Fragen schnell zu sehen und klar zu beantworten.

Einen Dialog mit jemandem zu führen, der Fragen nicht beantwortet, ist frustrierend. So wie ich von meinem Pony erwarte, dass es auf meine Fragen antwortet, so möchte ich auch die Fragen meines Ponys sehen, hören, verstehen und vor allem: beantworten.

Dafür ist es nötig, dass ich als allererstes weiß, wie ich diese Fragen erkenne. In Duncans Fall: an kugelrunden Teddybär-Knopfaugen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 29

Ich bin ja Ritter (in Ausbildung). Und Forscher. (Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/04/17/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-24/ )

Ich habe ein neues Forschungsprojekt begonnen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich immer zu kurz gedacht habe. Und das kam so: ich habe Merlin und Diego beobachtet wie sie mit den Menschen umgehen. Es stimmt schon, meistens tun sie das, was die Menschen ihnen sagen. Aber manchmal machen sie es auch nicht. Manchmal bekommen sie dann Ärger oder – noch schlimmer – keinen Keks. Aber insgesamt sind die Menschen nie böse. Wenn die Menschen Merlin und Diego anschauen dann haben sie so einen verträumten Blick. Ich glaube, Merlin und Diego haben ihre Menschen hypnotisiert oder so. Manchmal greifen die Menschen auch in die Tasche und geben einen Keks raus ohne es zu merken.

Und das hat mein Interesse geweckt. Durch gutes Beobachten, Nachfragen und Kombinieren bin ich der Sache nun auf den Grund gegangen. Wenn ich als Pony es schaffe, dass mein Mädchen sofort Herzchen in den Augen hat wenn sie mich nur anschaut, dann ist das quasi mein Freifahrschein. Dann ist es echt egal was ich kann und weiß und tue. Dann wird mein Leben unglaublich viel besser. Nun habe ich ja allerhand versucht und durchaus auch Erfolge verzeichnet. Durch artig sein vor allem. Oh was hab ich mich bemüht. Auch schön aussehen – und das kann ich wirklich wunderbar – klappt in einem gewissen Rahmen. Aber den richtigen Durchbruch habe ich ganz woanders erzielt.

Mein Mädchen fand es ja schon soooooo süß dass ich sie beim Abäppeln begleitet habe (Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/04/19/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-26/ ). Aber gestern, als sie abends zur letzten Fütterung kam, da habe ich geschlafen (mache ich abends gerne mal) und sie war wieder so nett mir etwas Heu zu bringen damit ich nicht aufstehen muss. Meistens stehe ich trotzdem auf aber gestern bin ich erstmal liegen geblieben. Da hat sie sich etwas weiter zum nächsten Heuhaufen gesetzt und mir verträumt beim Kauen zugeschaut. Und ich dachte so: das ist doch zu weit weg. Also bin ich aufgestanden und zu dem Heuhaufen marschiert bei dem sie saß. Dann habe ich da gefressen. Und immer wenn ich gekaut habe, habe ich meinen Kopf so über sie gehalten und sie hat mir in die Augen geschaut und ich habe ihr etwas Heu in den Kragen rieseln lassen und sie war ganz selig. So hab ich sie überhaupt noch nie gesehen – nur wenn sie Merlin anschaut. Ganz verliebt. Nur weil ich Heu gegessen habe.

Ach, Ihr Menschen, Ihr seid schon interessant. Da wollt Ihr immer so vieles von uns und letztendlich machen wir Euch dann am glücklichsten wenn wir gar nichts tun. Komisches Volk. Aber jetzt – jetzt! – habe ich kapiert wie es geht. Und jetzt wird mein Leben hier noch um einiges besser werden, davon bin ich überzeugt.

Bleibt gesund, liebe Menschen, bis bald!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Wie es in der Realität aussah
Wie es in den Augen meines Mädchens aussah (ungefähr)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 28

Am Sonntag habe ich etwas neues gelernt. Ich bin jetzt offiziell Handpferd. Im Moment noch in Ausbildung. Stufe eins habe ich aber mit Bravour gemeistert sagt mein Mädchen. Erst war es bisschen tüdelig. Der Mann ist auf Diego dem Großen geritten, hatte meinen Strick in der Hand (den schönen grünen) und mein Mädchen ist nebenher gelaufen. Wenn ich zu langsam war hat sie mich bisschen angetrieben und wenn ich zu schnell war hat sie mich ausgebremst. So weit so gut. Nur dass Diego der Große das ganz schön nervig fand und deswegen immer schneller wurde. Und da muss ich sagen: ich kann echt schnell Schritt gehen, aber Diego kann schneller Schritt gehen als ich (weil ich noch so klein bin. Wie mich das nervt!). Und er ist dann ungefähr doppelt so schnell wie mein Mädchen. Man hat die gekeucht und geschnauft und geflucht. Und wenn sie dann im Trab aufholen wollte, wollte Diego auch gleich traben. Und ich bin auch nicht mehr im Schritt hinterher gekommen und bin dann manchmal angetrabt und dann war ich zu schnell und im Schritt wieder zu langsam.

Anfangs war es etwas wild.

Naja, so ging das eine Weile bis wir uns alle sortiert hatten. Aber danach ging es wirklich gut und alle waren sehr zufrieden. Diego ist etwas langsamer gegangen und ich habe ein paar Kekse bekommen als Hinweis darauf wann ich es richtig mache. Ist eigentlich ganz einfach. Wie beim Spazierengehen, der Strick soll immer locker sein. Wenn Zug am Strick ist muss ich nachbessern.

Langsam finde ich raus wie es geht. Mein Mädchen hechelt hinter uns her….

Dann hat mein Mädchen mich wieder ganz normal genommen, weil wir an der Straße waren. Ich war ein bisschen aufgeregt und musste ein paar mal nach ihr schnappen. Inzwischen weiß sie ja was das heißt. Nämlich nur dass ich aufgeregt bin. Jeder hat ja so seine kleinen Ticks wenn er aufgeregt ist, kennt Ihr auch oder?

Und dann haben die beiden getauscht, das Mädchen ist Diego geritten und hat meinen Strick genommen und der Mann ist nebenher gelaufen. Das habe ich schon sehr gut hingekriegt und es gab auch noch Kekse. Immer einen für Diego und einen für mich. Und der Mann musste gar nicht mehr helfen.

Mein Mädchen sagt, wir üben das jetzt öfter. Und wenn es gut läuft, können wir sogar traben. Juhuuuu! Endlich mal schneller unterwegs sein! Sie hat gesagt der Mann muss dann auf dem Fahrrad hinterher fahren. Der Mann hat gesagt, das Mädchen muss auf dem Fahrrad hinterher fahren. Ich glaube ich werde eine neue Forschungsarbeit anfangen können zu der Frage welcher von den beiden ranghöher ist. Wird spannend… und ist ja auch wichtig für mich zu wissen wer im Zweifel das Sagen hat!

Und wartet nur, bis wir das dann im Galopp machen! Diego und ich haben uns schon für ein kleines Wettrennen verabredet. Aber pssssssst nicht den Menschen sagen! Soll eine Überraschung für sie werden.

Bis bald und bleibt gesund!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Sind wir nicht ein tolles Team?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 27

Was ist das?

Was ist das?

Ein Plastiksack.

Ja seh ich auch aber was ist da drin? Was zu essen?

Nein, da sind die Kletten von der Weide drin. Schau:

Schau: die Kletten von der Weide

Moment mal, ihr habt die Kletten weggemacht? Seid ihr total verrückt? Das könnt ihr doch nicht machen!

Ich habe keine Lust ständig Kletten aus deinem Schweif, deiner Mähne und deinem Behang zu pulen.

Aber du bürstest mich sonst nicht genug! Hat Diego der Große gesagt! Wie soll ich dich zum Bürsten überreden wenn du mir meine beste Waffe wegnimmst!

Ich verspreche, dich auch so zu bürsten. Ohne Kletten.

Wirklich? Jeden Tag? Von vorne bis hinten?

Äh, also so war das jetzt nicht…

Du hast es eben versprochen!

Nein mein Ritter. Ich habe versprochen dich zu bürsten. Aber bestimmt nicht jeden Tag. Außerdem dauert dir das doch eh immer zu lange, du willst doch gar nicht so lange stillstehen.

Doch doch will ich. Wenn es Kekse dafür gibt.

Ach von daher weht der Wind. Aber selbst mit Keksen hält sich deine Begeisterung für Stillstehen und gebürstet werden doch eher in Grenzen.

Ja schon aber Diego sagt wer schön sein will muss leiden.

Lass dir doch keine Bären aufbinden. Das sind Ammenmärchen. Du bist wunderschön, mein Ritter – gebürstet oder nicht. Und wer leidet ist gar nicht schön. Schön ist, wer lächelt und glücklich ist.

Wirklich? Glücklich sein kann ich.

Wirklich.

Ok. Aber ab und zu bürstest du mich?

Ja, versprochen. Ab und zu. Und wenn es dringend ist findest du bestimmt einen Weg mir das ohne Kletten zu sagen. Ziept dann auch weniger und wir brauchen weniger Müffelspray. Mögen wir doch beide nicht so, den Geruch.

Ja das ist wahr.

Gut, dann machen wir es so. Und nicht vergessen: Du bist wunderschön. Immer. Vor allem wenn du glücklich bist.

Danke mein Mädchen, jetzt bin ich beruhigt. Dann nimm die Kletten mal mit. Ehrlich gesagt war das nicht so toll als meine Haare so verklettet waren.

Ok dann nimm die Kletten mit.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 26

Gute Laune versprühen
Den Rechen halten

Mein Mädchen sagt ja immer, wir machen so viel Arbeit. Nun bin ich ja Ritter (in Ausbildung) und möchte ihr natürlich helfen. Also habe ich sie heute beim Absammeln begleitet. Habe ihr lustige Geschichten erzählt, sie zum Lachen gebracht und ihr den Rechen gehalten. Und die Äppel in der Karre sortiert. Dann ist mir eingefallen dass der Mann immer die Schubkarre für sie schiebt wenn er mitmacht beim Absammeln. Heute hat er nicht mitgemacht, also dachte ich, ich schiebe die Schubkarre für sie. Aber das ist ohne Hände irgendwie doch recht kompliziert, besonders wenn die Schubkarre nur ein Rad hat. Und also ist es schief gegangen. Ups.

Die Schubkarre schieben. Ups….

Tut mir leid, mein Mädchen.

Aus mir unbekannten Gründen bekam ich übrigens keinen Keks.

Sie hat gesagt sie träumt davon dass ich einen kleinen Wagen hinter mir herziehe in den sie die Äppel nur reinschmeißen muss. Mach ich, hab ich gesagt. Aber sie sagt ich bin noch zu klein (schon wieder!) und sie hat irgendwie noch nicht den passenden Wagen gefunden. Naja, während ich wachse kann sie ja das passende Gefährt finden. Und dann helfe ich ihr beim Absammeln – bin schließlich Gentleman. Und Ritter.

Im Übrigen fand sie es toll dass ich sie so lange begleitet habe. Ich war ganz allein bei ihr, meine Kumpels waren alle woanders. Sie meint, ich sei ein bisschen selbständiger geworden und würde sie mehr als vollwertigen Partner sehen. Ich hab mich ganz erwachsen gefühlt als sie es gesagt hat. Und dann, als ich sie küssen wollte, hat sie sich meine Zähne angeschaut und „Babyzähne!“ gesagt. Da war der Moment futsch. Och menno, Mädchen. Ich kann auch nichts dafür dass Wachsen so lang dauert. Vielleicht mit mehr Futter….?

Bleibt gesund, liebe Menschen und bis bald!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 25

Das war schön heute!

Heute war ich wieder mit meinem Mädchen spazieren. Der Mann war auch mit, aber kein anderes Pony. Und ich war ganz entspannt und gut gelaunt. Ich weiß ja jetzt welchen Weg wir immer gehen und dass wir auch wieder nach hause kommen. Mein Mädchen war sehr zufrieden mit mir. Ich war aber nicht so ganz zufrieden mit ihr, sie hat sich nämlich schon wieder eine neue Regel ausgedacht. Wenn wir an eine Stelle mit schönem Gras kommen muss ich mich GLEICH gut benehmen. Wenn ich ziehe oder schubse geht sie einfach an dem schönen Gras vorbei und lässt mich nicht davon naschen! Was soll das denn nun wieder? Sie hat gesagt, ich wüsste doch wie es geht und ich sollte es halt richtig machen. 2. Chance gibt es nicht mehr. Sie sagt, bei der nächsten Grasstelle ist dann die nächste Chance. Och menno! Ich finde das gemein, dass sie immer die Regeln aufstellen darf. Sie sagt, das ist so, weil sie mein Futter bezahlt. Na da müssen wir aber direkt mal über die Mengen reden die ich bekomme! Außerdem könnte ich prima für mich selbst sorgen, wenn nicht überall Zäune wären. Aber mein Mädchen sagt, das wäre sehr gefährlich für mich, weil hier so viele gefährliche Sachen sind. Menschen vor allem. Auf Rädern. 2 oder 4 sind es meistens. Räder – nicht Menschen. Aber sie sagt auch, das allergrünste grüne Gras soll ich jetzt auch nicht essen. Das wächst in Reih und Glied auf ganz großen Flächen und sieht sehr lecker aus. Aber mein Mädchen hat mich nicht kosten lassen, sie sagt, das sei ganz ungesund. Es ist gar kein Gras, sagt sie. Und es ist manchmal voller Gift. Oje, Ihr Menschen macht komische Sachen. Warum ist Gift auf dem Grün?

Übrigens ist da noch eine Sache die ich mal fragen muss. Manchmal wenn wir spazieren gehen bleibt mein Mädchen plötzlich stehen und hebt etwas auf. Dann schüttelt sie ihren Kopf und ist traurig. Sie hat gesagt, das was sie da aufsammelt, ist Euer Müll. Aber warum liegt der da draußen herum? Das versteht mein Mädchen auch nicht. Sie sagt, wenn ich bald gelernt habe, eine Tasche zu tragen, können wir noch mehr davon einsammeln. Ok, dabei helfe ich ihr gerne. Erstens gibt es nämlich Kekse wenn ich warte bis sie den Müll eingesammelt hat und zweitens will ich ja auch keinen Müll in meinem Essen liegen haben. Ihr etwa?

Liebe Menschen, nehmt Euren Müll doch mit nach hause. Ich weiß auch wo er hingehört: in die Monster die manchmal am Wegesrand stehen. Es sind sehr hungrige Monster die sehr gern Müll fressen. Ich weiß aber inzwischen dass sie keine Ponys fressen und habe keine Angst vor ihnen. Im Gegenteil: ist doch gut wenn einer den Müll frisst. Also total nett, diese Monster.

Heute hat sie nur wenig mitgenommen weil sie keine große Tasche hatte. Aber zum Schluss hat mein Mädchen sogar noch eine Tüte gefunden um alles rein zu tun. Das ist doch verrückt!

Und wenn einer von Euch mal Müll verliert, kann der nächste es ja mitnehmen. Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Ritter der – wie ich bald – den Müll nach hause trägt.

Danke!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 24

Liebe Menschen,

wie Ihr wisst, bin ich Ritter (in Ausbildung). Aber ich bin auch Forscher. Ich erforsche die Welt, die Menschen im Allgemeinen und ganz besonders erforsche ich mein Mädchen.

Mein Mädchen ist ein sehr interessantes und lohnendes Forschungsobjekt. Bei sorgfältiger Methodik springt einiges für mich dabei heraus. Folgende Fragen treiben mich um:

Wie genau komme ich am besten, schnellsten und elegantesten an den Keks in ihrer Tasche?

Wie genau kann ich bewirken dass sie mich grasen lässt?

Was genau muss ich tun damit sie mich an den richtigen Stellen kratzt?

Das sind die Hauptpunkte meines Forschungsprojekts. Natürlich ließe sich das jetzt noch beliebig im Detail ausführen. Stattdessen möchte ich es etwas anschaulicher gestalten und Euch eine Sequenz aus meinem derzeitigen Unterprojekt zeigen: was ist zu tun wenn sie mich ruft und welche Konsequenzen haben verschiedene Verhaltensweisen meinerseits.

Hier ein paar Versuche die ich dazu durchgeführt habe.

Fehlversuch. Ich erspare euch das darauf folgende Drama…. nur so viel: Sie hat mich erfolgreich vom Grasen abgehalten!
Das Ganze einmal als Testlauf: ignorieren und weggehen hat unangenehme Konsequenzen, Kommen löst das Problem schnell und einfach
Das hier ist wohl die optimal- Lösung. Sie war danach sehr lieb und ich durfte noch eine lange Zeit in Ruhe grasen.

Die endgültige Auswertung der Ergebnisse steht noch aus. Ich muss noch einige Gegenproben machen um meine Ergebnisse zu verifizieren. Zusammenfassend kann ich aber schon sagen: mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es schlauer, sofort zu ihr zu gehen wenn sie mich ruft. Derzeit experimentiere ich noch mit der Frage ob schnelleres Kommen sich lohnt und wie dicht ich ihr dann kommen sollte. Dazu erfordert es noch eine feinere Abstimmung der Experimente.

Ihr seht: ich habe eine Menge zu tun. Und das ist ja nur ein winziger Teil meiner Forschungsarbeit! Mein Klemmbrett füllt sich dieser Tage recht schnell mit neuen Notizen und Ideen. Ihr erinnert Euch? https://wordpress.com/block-editor/post/schotten-pony.com/282

Also, Ihr Lieben, ich muss meine Forschung vorantreiben. Bis bald und bleibt gesund!

Euer (Achtung, lustiges Wortspiel) Forscher-Ritter Sir Duncan Dhu of Nakel

Das Pony das ich habe

Letzten Freitag war Finlays Geburtstag. 9 Jahre wäre er alt geworden. Ich hätte diesen Tag mit ihm gefeiert, Fotos gemacht und Euch von seinen Fortschritten und unseren Träumen und Zielen berichtet. Ich wäre traurig gewesen, weil der Distanzritt, für den wir trainiert hätten, ausgefallen ist wegen Corona. Aber ich wäre froh gewesen, Finlay in meinem Leben zu haben, hätte von Distanzritten im Herbst oder nächstes Jahr geträumt und dafür trainiert.

Vor 9 Jahren habe ich Finlay kennengelernt. Da war er 4 Tage alt und ich wollte gar kein Nachwuchspferd kaufen – noch nicht. Und ich wollte sowieso garantiert kein Fohlen von Finlays Mama, die war nämlich nicht mein Fall. Die Züchterin von Finlay war meine Hufpflegekundin und ich wollte sehr wohl ein Fohlen aus dieser Zucht aber noch nicht zu diesem Zeitpunkt und eben schon gar nicht aus dieser Stute. Finlay hatte aber andere Pläne.

Als wir Finlay kennengelernt haben, dachten Arnulf und ich, dass er ein rechter Quatschkopf ist. Seine lustigen Verhaltensweisen, wegen derer ich mich so in ihn verliebt hatte, schienen darauf hinzuweisen. Interessanterweise kann ich rückblickend sagen dass das eine Fehlinterpretation war. Finlay war eigentlich kein Quatschkopf – jedenfalls kein großer. Aber er war ein Pony das immer mal ganz andere Lösungen für Probleme fand als andere Ponys. Noch Heu in der Karre, der Hals zu kurz, der Weg außenrum zu lang? Kein Thema, einfach mit den Vorderhufen in die Karre steigen.

Finlay mit 2 Jahren. Er hatte immer seine eigenen Problemlösungsstrategien.

Finlay war kein einfaches Pony. Ich habe oft gesagt, wenn er bei Anfängern gelandet wäre, hätte das böse schiefgehen können. Das lag vor allem daran, dass er so unglaublich wenig Mimik hatte. Irgendwie sah er immer gleich aus und es hat lange gedauert, bis ich einigermaßen einschätzen konnte, was in seinem Kopf vor sich ging. Oft sah er aus als würde er schlafen, aber er hat alles mitbekommen und sich seinen ganz eigenen Reim darauf gemacht. Finlay hat auch nie groß verhandelt. Er hat selbst entschieden was richtig ist und meine Meinung war ihm öfter mal egal. Er fand es trotzdem toll, wenn ich ihn toll fand. Er war nur nicht bereit, seine eigene Meinung dafür aufzugeben.

Mit Finlay hatte ich eine magische Verbindung, direkt von dem Moment an als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Und dann hatten wir diese Jahre zusammen, in denen wir uns so gut kennengelernt haben, so viel erlebt haben, so sehr zusammengewachsen sind. Finlay war nie wirklich „süß“ oder „lieb“. Er war raubeinig und direkt, immer absolut ehrlich und wenn ich Fehler gemacht hatte, musste ich erst Abbitte leisten und zeigen dass ich es besser kann, bevor er wieder mit mir gearbeitet hat.

Und jetzt ist da Duncan. Die Umstände, die Art und Weise wie er zu mir gekommen ist, macht mir manchmal das Leben schwer. Manchmal ist es einfach ganz falsch, dass er hier ist, wo mein Finlay sein müsste. Manchmal ist es ganz falsch, dass ich ihm noch nicht so recht traue, ihn noch nicht gut genug kenne. Und es ist ganz falsch, dass er so klein ist, wo mein Finlay doch so groß und stark war.

Aber er ist das Pony das ich habe und Finlay ist nicht mehr da.

Neulich sprach ich mit meiner Schülerin darüber: wir können uns ein Pferd kaufen, weil wir uns verlieben und dann dieses Pferd so nehmen wie es ist und die Dinge mit diesem Pferd machen an denen das Pferd Spaß hat und die es gut kann. Oder wir kaufen uns ein Pferd, weil wir bestimmte Dinge tun wollen. Dann müssen wir uns eben das passende Pferd dafür suchen. Das eine ist nicht besser als das andere, wir müssen nur wissen was wir wollen. Viele in meinem Umkreis haben damals, als ich Finlay gekauft habe, gestaunt. Meine Ambitionen, Dressur zu reiten, schienen nicht dazu zu passen. Sie hätten erwartet, dass ich mir einen Spanier kaufe. Aber ich wollte ein Pony. Ich wollte ein gefräßiges, freches, haariges Ding, eher zu faul als zu schnell, möglichst angstfrei und nicht so sensibel dass es nicht aushält wenn ich mal schlechte Laune habe.

Finlay hat all diese Ansprüche perfekt erfüllt, jeden Tag seines Lebens.

Als Finlay dann tot war, wollte ich vor allem wieder einen Schotten. Ich konnte mir einfach nicht so recht etwas anderes vorstellen. Und ich wollte wieder einen Charakter, etwas mutiges, freches. Ein Pony, das mir auf Augenhöhe begegnet. Aber ich wollte auch ein Pony, das anders ist als Finlay. Ich wollte nicht vergleichen. Es sollte kein „Finlay 2“ werden. Mir war vor allem wichtig, dass mein Pony Finay nicht zu ähnlich sieht und mich auch sonst nicht ständig an Finlay erinnert. Ich fand Duncan. Und Duncan erfüllt diese Bedingungen perfekt.

Und jetzt? Jetzt habe ich das Pony das ich habe. Ich habe mir nicht ein Pony für einen bestimmten Zweck gekauft, nicht dafür, bestimmte Dinge mit ihm zu tun. Ich habe einen Jährling gekauft, der mein Herz erobert hat. Welchen Charakter dieser kleine Mann am Ende wirklich haben wird, welche Stärken, welche Schwächen, welche kleinen lustigen oder nervigen Angewohnheiten – wer weiß? Ein junges Pferd zu kaufen ist ein kleines Wagnis.

Das Pony, das ich habe, lerne ich nun nach und nach erst kennen. Langsam fange ich an, ihm zu vertrauen. Als er sich neulich kurz gefürchtet hat vor dem großen Kastenwagen der von hinten kam und am Strick lostrabte, war ich zum ersten Mal entspannt in dieser Situation. Weil ich aus Erfahrung weiß: er tut nichts blödes. Er reißt sich nicht los, dreht sich nicht plötzlich um, tritt nicht nach mir aus. Er wird nur kurz schnell und lässt sich dann bremsen. Es war der erste Moment in dem ich diese feine Verbindung gespürt habe. Ein bisschen hat er mich schon gezähmt. (Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/02/27/zaehmen/ )

Im Alltag lerne ich seine kleinen liebenswerten Eigenschaften kennen und lieben. Dieses süße Weggucken – ich weiß, ich habe ihm das beigebracht, aber was er jetzt daraus macht ist einfach zu lustig. Dieser Gesichtsausdruck wenn er sich sehr bemüht, still zu stehen. Auch der Gesichtsausdruck der heißt „ich weiß nicht genau was Du willst“. Die Art und Weise wie er zu mir kommt und Kontakt aufnimmt. Die Art und Weise wie er beim Heu fressen unbedingt bei einem seiner Freunde fressen will und sich so seitlich anschleicht. Die Art und Weise wie er seine Kumpels zum Spielen animiert. Ich finde, es sind doch immer diese kleinen Eigenheiten, die ein Lebewesen so liebenswert machen und so einzigartig.

Das Pony, das ich habe ist nicht das Pony das ich haben sollte – denn ich sollte Finlay hier haben. Aber das Pony das ich habe ist ein anderes tolles Pony. Und manchmal, in kleinen Augenblicken, schenkt er mir schon jetzt das selbe Glücksgefühl wie Finlay.

Finlay hat immer eine Welle des Glücks durch mich laufen lassen wenn er mich nur angeschaut hat. Das ist etwas, was bei Duncan bisher nur selten passiert – nicht weil Duncan mich nicht glücklich machen würde, sondern weil zu viel Schmerz damit verbunden ist, dass er hier ist.

Aber langsam, ganz langsam, ändert sich das. Die Vertrautheit stellt sich ein, ich möchte sagen, sie schleicht sich ein, ganz leise. Und ich lerne, das Pony zu lieben, das ich habe.

Das Pony das ich habe – auch Duncan schenkt mir manchmal schon diesen Moment reinen Glücks.

Manchmal ist es ein bewusstes „Einlassen“. Manchmal passiert es nicht von selbst. Dann muss ich mir immer wieder klarmachen, dass es Duncan gegenüber nicht fair ist, ihn mit Finlay zu vergleichen. Dass es nichts nützt, Finlay hinterher zu trauern wenn ich Duncan in der Hand habe. Die Trauer um Finlay darf in Momenten stattfinden, in denen Duncan nicht beteiligt ist. Das gelingt nicht immer, aber ich kann mich immer wieder daran erinnern. Manchmal, wenn Duncan – die kleine Rennsemmel – voransaust und es ach so eilig hat, vermisse ich meinen Bummelanten, meinen verträumten, gemütlichen Finlay so sehr, dass ich sauer werde auf Duncan. Dann mache ich mir klar, dass das keine echte Wut ist, sondern Trauer über das, was ich nicht mehr habe. Manchmal mache ich mir auch klar, dass auch Finlay nervige Eigenheiten hatte und ich mich so oft über sein Verhalten aufgeregt habe. Auch er war nicht „perfekt“ – kein Pony ist das. Dass es an mir liegt, Lösungen zu finden. Dass Duncan noch klein ist und sich vieles noch verwachsen wird.

Ich weiß nicht, ob jemand, der so etwas nicht erlebt hat, verstehen kann, wie ambivalent Gefühle sein können. Ich wusste das vorher nicht. Meine Gefühle waren immer klar voneinander getrennt. Jetzt ist alles vermischt und verwischt – Trauer, Liebe, Schmerz, Freude, Hoffnung und Angst.

Ich hoffe, wenn im Herbst unser erstes gemeinsames Jahr vergangen ist, wenn wir diesen Sommer mit gemeinsamen Erlebnissen gefüllt haben und uns noch besser kennen, dass dann die Momente öfter werden in denen ich die Welle des Glücks fühle und den Stolz auf mein tolles Pony und die Freude darüber, ihn hier zu haben, so wie ich es bei Finlay gefühlt habe. Und obwohl der Schmerz über Finlays Verlust bleiben wird, darf er dann in den Hintergrund rücken, übertönt von der Freude über das Pony das ich habe.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 23

Wow, liebe Menschen, seht Ihr das? Das passiert, wenn mein Mädchen „klotzt“ statt zu „kleckern“. Das sind über 750kg Futter – mehr als Diego der Große wiegt! Und der ist ja echt schwer. Und mehr als doppelt so viel wie ich wiege! Stellt Euch das vor – zwei Sir Duncans in Futter!

Das meiste davon wird allerdings Merlin der Zauberer bekommen. Och menno. Ich möchte auch alt sein und ständig extra Essen bekommen. Aber mein Mädchen sagt ich bekomme genug extra und ich hätte schließlich gute Zähne. Das hat der Merlin nicht mehr. Das merke ich auch immer wenn wir uns kraulen, der Merlin kann gar nicht so richtig kraulen mit seinen übrig gebliebenen Zahnstummeln. Armer Kerl. Zum Glück hat das Mädchen ihn sehr lieb und sorgt dafür dass er Futter bekommt was er noch kauen kann.

Naja also das meiste von diesem vielen schönen Futter ist für Merlin. Manches ist für mich. Und manches ist für die Weide. Ja, das habt Ihr richtig gelesen, mein Mädchen füttert die Weide. Was für eine kuriose Idee! Sie sagt, es geht so: sie füttert die Weide, dann fressen wir das Gras da runter, das was wir daraus machen ist wiederum Futter für die Regenwürmer und die Regenwürmer kommen dann wieder auf die Weide um die noch besser zu machen damit die Weide mehr Gras für uns macht. Aber anscheinend reicht es nicht dass die Regenwürmer auf der Weide sind, die braucht noch mehr essen obendrauf. Scheint recht hungrig zu sein, unsere Weide. Aber sie ist ja auch groß. Na Hauptsache sie macht schönes Gras für uns! Mein Mädchen sagt aber wenn es nicht bald mal regnet wird das nix. Die beste Fütterung nützt nichts, wenn es nichts zu trinken gibt. Das verstehe ich, ich bin auch nach dem Heu immer durstig. Aber die Weide kann anscheinend nicht aus der Tränke trinken. Man muss das Wasser zu ihr bringen und das muss das Wetter machen. Mein Mädchen kann ihr nur Futter bringen.

Warum man diese Umwege gehen muss und nicht einfach das was da in den Tüten ist direkt an uns verfüttert erschließt sich mir nicht ganz, muss ich ehrlich sagen. Aber mein Mädchen sagt, über die Umwege hätten wir mehr davon. Gut, meistens ist sie ja in Futtersachen ganz kompetent, sagen wir mal mit Ausnahme der Mengenberechnung.

Im Übrigen habe ich heute nichts Neues zu erzählen außer dass mein Mädchen gestern ganz zufrieden war mit mir beim Spazierengehen. Sie sagt, ich sei fast schon entspannt gewesen. Naja ich bin ja auch vorher mit 200km/h hier über den Rundlauf gedonnert, damit ich mich dann über ihr Schneckentempo nicht so aufrege. Hat gut geklappt, dieser Trick. Der Mann und das Mädchen haben übrigens ganz schön gestaunt wie schnell ich rennen kann. Jaaaa da seht ihr mal! Geschwindigkeit ist keine Hexerei.

Macht‘s gut, bleibt gesund!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel