Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 302

Neulich war wieder „Regenwurmumzugstag“. Das ist weder für uns noch für die Regenwürmer ein schöner Tag, aber es ist eben notwendig und für die Weide ist es „Futtertag“. Und weil ich die Weide mag, gönne ich ihr den natürlich auch.

Aber jetzt muss ich euch das wohl mal erklären: wir Ponys bekommen Heu (von einem Bauern irgendwo aus der Nähe) und Gras (von unserer Weide) zu fressen. Wir machen dann daraus Wärme, Fell, Energie und wenn was übrig bleibt auch Speck. Dabei fallen Reste an, die wir fein säuberlich in Äppelhaufen über den Paddock und die Weide verteilen und die unser Mädchen immer einsammelt und auf den Misthaufen wirft. Für uns Ponys fühlt sich das immer so an als wäre es dann erledigt, aber auf dem Misthaufen herrscht reges Treiben! Dort wohnen unsere Freunde die Regenwürmer (und wohl auch noch ein paar andere Tiere, die aber zu klein sind als das man sie sehen könnte. Ach und manchmal unsere Ringelnatter aber die hat jetzt mit dieser Geschichte nicht so viel zu tun, die hat es nur so gerne warm).

Die Regenwürmer finden das, was wir übrig lassen, sehr lecker und verspeisen es ihrerseits nochmal (kann man jetzt drüber denken wie man will). Unser Misthaufen besteht aus zwei Teilen: ein frischer und ein alter. Der frische ist der, wo mein Mädchen unsere Äppel hin kippt. Der alte ist der vom letzten Jahr – das ist quasi ein riesiger Haufen Regenwurmscheiße wenn ihr so wollt. Wobei das nicht ganz stimmt denn die Regenwürmer wohnen da auch noch drin und machen munter weiter mit der Verwertung. Also ich glaube so reinlich wie wir sind die nicht.

Jedes Jahr im Herbst müssen die Regenwürmer dann umziehen – mitsamt ihrem jeweiligen Haufen. Der alte Haufen wird dann auf der Weide verteilt – die Weide wiederum mag nämlich Regenwürmer und ihre Hinterlassenschaften sehr gern und freut sich darüber. Die Regenwürmer helfen der Weide, das Zeug nach und nach in den Boden ein zu arbeiten und die Weide macht dann daraus neues Gras für uns und obwohl das nicht so lecker klingt, schmeckt es dann doch wieder fantastisch!

Der frische Haufen Mist wird dann einmal von links nach rechts geschaufelt und ist ab sofort der alte Haufen, auf den keine neuen Äppel mehr geworfen werden dürfen. Die Regenwürmer fühlen sich von der Aktion immer sehr gestört und wuseln wild durch die Gegend, aber da müssen sie durch, sagt mein Mädchen.

Unsere Freunde, die Regenwürmer

Weil es so ein großer Haufen ist, brauchen die Menschen den Trecker zum umschichten und einen zweiten Trecker zum Verteilen auf der Wiese. Und den Nachbarn. Und weil dann so viel los ist müssen wir Ponys den Tag im Stall verbringen. Wir werden in die Halle gesperrt, kriegen da unser Heu und müssen abwarten. Stundenlang, bis alles endlich fertig ist. Laaaaaaaangweilig! Zum Glück sind wir wenigstens alle zusammen, so dass ich zur Not jemanden ärgern kann. (Popo-Kneifen, ihr wisst schon!)

Ich bin ja nicht mehr so wild wie früher. Statt mit Popo-kneifen hab ich mir die Zeit mit Fellpflege vertrieben.

Wenn alles fertig ist, dürfen wir wieder raus. Dann sieht unser Paddock ziemlich verwüstet aus, aber das gibt sich mit der Zeit wieder. Und mein Mädchen schaut auf die Wiese, wo der alte Mist liegt und träumt schon mal von der nächsten Weidesaison wenn – so hofft sie – dort üppig Futter für uns wächst. Dann sagt sie, die Regenwürmer sind unsere Freunde entschuldigt sich bei ihnen für die Unannehmlichkeiten und verspricht, sie ein Jahr lang in Ruhe zu lassen.

Fertig umgezogen, jetzt habt ihr ein Jahr Ruhe!

Und ich habe das Gefühl, dass hier immer im Kreis gegessen wird. Aber dann höre ich einfach auf, darüber nachzudenken und freue mich aufs Frühjahr, wenn ich wieder auf die Weide darf. Dann sieht man die Regenwurmscheiße nicht mehr und alles ist grün und schön und lecker.

Schön auf der Weide verteilt

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Freund der Regenwürmer)

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1 Kommentar

  1. Vielleicht hilft es, wenn du anders über das Reinlichkeitsempfinden der Würmer nachdenkst: die haben kein Fell und brauchen daher auch Wärme.
    Dann ist es egal, wie oft etwas schon in wessen Magen war…
    Sehr gut beobachtet übrigens: es wird im Kreis gegessen. Das ist einer der Kreisläufe des Lebens.

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