Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 39

Heute ging es endlich los – wir sind gestartet!
(Ihr habt verpasst worum es geht? Schaut mal hier:
https://schotten-pony.com/2020/05/01/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-35/ )

Das war aber ganz schön umständlich! Erst hat mein Mädchen mich nicht nur geputzt, sondern mich auch angemalt. Das hat bisschen gekitzelt, war komisch. Dann mussten mein Spaziergehkumpel und ich hinter eine Linie gehen. Das Mädchen vom Spaziergehkumpel hat uns festgehalten und mein Mädchen hat an einem kleinen schwarzen Kasten auf einem Gestell herumgefummelt. Dann fing es an zu piepen, mein Mädchen ist ganz schnell zu uns gerannt (man, hab ich mich erschreckt!) und dann plötzlich ganz still gestanden. Dann ist sie zurück gelaufen zu dem schwarzen Kästchen, hat daran herum gefummelt und das Ganze ging von vorne los. Vier mal! Ich fand das so blöd, dass ich schließlich das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel gekniffen habe. Gab ein bisschen Ärger…. Ich hoffe, Distanzritte sind nicht immer so nervig! Dann hat mein Mädchen noch an meinem Kopf herum gefummelt und mit dem kleinen Kästchen herumgespielt. Weiß der Himmel was das sollte!
Die einzig gute Nachricht am Start war, dass die beiden Mädchen sehr gut gelaunt waren.

Lioba und Duncan – das Herz hat uns das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel geschenkt
Mut zur Strecke 160km Herausforderung 2020
Können wir nicht einfach loslaufen? So ein Distanzwettbewerb scheint doch umständlich zu sein.

Dann ging es endlich los! War ein toller Spazierengang. Mein Mädchen war wieder sehr zufrieden mit mir. Ich mit ihr aber nicht ganz so. Wegen dem Gras. Wir dürfen zwar ab und zu was essen, aber sie hat jetzt eine Methode gefunden, wie sie ganz leicht verhindern kann, dass ich im Gehen was nasche. Sie hat sich einen längeren Stock mitgenommen und anstatt zu fluchen dass ich sie ins Gras ziehe kann sie jetzt mit einem milden Lächeln ihren verlängerten Arm vor meine Nase ins Gras tun. Der Stock frisst das Gras weg und ich kann nicht ran. Menno! So ein blöder Kram. Warum ist sie nur so knauserig mit dem Gras? Verstehe ich nicht.

Ich bin heute wieder viel vorneweg gegangen. Am Anfang habe ich dann immer versucht, meinem Mädchen schnell den Weg abzuschneiden um zum Gras zu kommen. Aber sie hat das immer verhindert. Hat gesagt, ich darf nur vorneweg gehen wenn ich ihr nicht in den Weg gehe und nicht heimlich esse. Dafür hat sie ab und zu das magische Wort gesagt („Keks“) wenn ich es gut gemacht habe. Und wenn sie das Wort gesagt hat, gibt es einen Keks. Also habe ich es öfter richtig gemacht.

Wir sind auch fremden Pferden begegnet. Das ist auf Distanzritten so! Und ich finde das immer so spannend! Aber mein Mädchen gar nicht. Die geht einfach stur geradeaus, schaut nicht hin, wiehert nicht und zeigt auch nicht was sie hat (na gut, das was ich dann zeige hat sie auch nicht). Sie meint, ich soll mir das gleich wieder abgewöhnen, so hengstig zu tun. Hör mal Mädchen, ich tu nicht so, ich BIN ein Hengst! Aber das beeindruckt sie auch irgendwie nicht.

Tja, nun sind wir also gestartet auf diesen Langzeit-Distanz-Spaziergang. Heute haben wir 5,7km geschafft. Also sind es jetzt nur noch 154,3km bis zum Ziel! Schaffen wir mit links. Ich zumindest. Ich geh schon mal vorneweg!

Ich geh gerne vorneweg

Euer zielstrebiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 38

Heute hat mein Mädchen wieder Rumstehen geübt. Kann sie jetzt schon etwas besser. Sie kann besser verstehen was ich sage, auch wenn ich leise rede.

Ich hab derweil Gras gefressen. Und über das Erwachsen-werden nachgedacht. Das ist nämlich gar nicht so einfach. Ihr Erwachsenen, Ihr habt das wohl vergessen. Aber ich bin mittendrin. Einen Tag geht es mir gut, dann kann ich mich gut konzentrieren und bin ganz entspannt, auch wenn mein Mädchen komische Sachen macht. An manchen Tagen bin ich ganz kribbelig, dann habe ich so viel Energie dass ich dauernd jemanden ärgern muss und immer in Bewegung bin. Und dann gibt es die blöden Tage, an denen ich mich einfach mies fühle. Dann bin ich ganz gereizt und alles nervt mich.

Als mein Mädchen so neben mir stand, habe ich sie gefragt, wie sie sich denn ans Erwachsen-werden erinnert. Und sie hat gesagt, sie war zwar gerne Kind, aber in der Pubertät war alles blöd. Sie kann das gut verstehen, dass ich Tage habe an denen ich einfach schlecht drauf bin. Sie hatte auch manchmal Wachstumsschmerzen und vor allem so fiese Stimmungsschwankungen, sagt sie.

Dann hat sie plötzlich gekichert und ich habe sie gefragt warum. Sie sagte „weißt Du, mein Ritter, manchmal glaube ich ja zu erahnen welche von Deinen Verhaltensweisen zu Deinem Charakter gehören und bleiben werden, wenn Du erwachsen bis und welche verschwinden werden. Aber gerade musste ich an etwas denken, was meine Eltern über mich gedacht haben“

„Was denn?“ hab ich sie gefragt

„Dass ich in der Pubertät aufhöre, mich für Pferde zu interessieren.“

Da mussten wir beide laut lachen! Und jetzt warten wir ganz entspannt ein paar Jahre. Dann werden wir ja sehen, welche meiner Verhaltensweisen noch genauso sind wenn ich erwachsen bin und welche nicht. Mein Mädchen sagt, das ist alles ok und ich bleibe sowieso der Ritter ihres Herzens. Na dann!

Euer erwachsen-werdender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 37

Ich habe einen neuen Spaziergehkumpel. Es ist ein Esel, sagt mein Mädchen. Aber einer ohne Ohren und ohne Hufe! Erst ist der Mann Diego geritten und mein Mädchen den Esel. Später ist dann der Mann den Esel geritten und das Mädchen auf Diego.

Mein neuer Spaziergehkumpel.


Ich durfte wieder als Handpferd mit. Diego ist wirklich soooo schnell im Schritt, da musste ich mich ordentlich ins Zeug legen um mitzukommen.

Aber dann ist was ganz tolles passiert: wir sind zusammen getrabt! Und da passt das Tempo prima. Mein Mädchen war so stolz auf mich! Ich habe das aber auch wirklich gut gemacht. Ich weiß doch jetzt wie man sich als Handpferd benimmt.
Am Ende sind wir sogar durchs Dorf geritten. Da war allerhand los: ein lautes Zweirad von vorne, rechts hat jemand sein Auto gesaugt (das fand Diego etwas merkwürdig, so was machen unsere Menschen nie!) dann waren links Kinder mit Spielzeugtreckern aber mich hat das alles nicht gestört. Ich habe ja von Diego dem Großen gelernt wie man durchs Dorf geht: hoch erhobenen Hauptes voran und alles ignorieren was rechts und links stattfindet! Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/02/20/richtigstellung/
So habe ich das heute gemacht.
Mein Mädchen ist fast geplatzt vor Stolz! Sie sagt, heute wäre ich wieder richtig erwachsen gewesen. Da bin ich dann fast geplatzt vor Stolz! Dann hat sie gefragt, ob das bedeutet, dass ich bald wieder nervig und pubertär sein werde. Och menno, warum musst Du die besten Momente immer so versauen, mein Mädchen?

Zu meinem Distanritt zählen die knapp 6 Kilometer heute übrigens nicht, weil mein bunter Spaziergehkumpel nicht dabei war. Also war das nur Aufwärmtraining heute. Hat Spaß gemacht! War aber auch ein bisschen anstrengend. War zwar nicht länger als sonst aber ich musste mich so konzentrieren alles richtig zu machen. Da war ich dann doch ein klitzekleines bisschen müde nachher. Aber ich mag das, mich so richtig auszupowern. Danach bin ich so schön entspannt. Hoffentlich machen wir das bald nochmal!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 36

Während mein Mädchen heute arbeiten geht, werde ich für unseren Distanzwettbewerb trainieren.

leichtes Galopptraining. Ich kann auch noch deutlich schneller!

Ritter Du weißt schon dass wir die 160km ZUSAMMEN laufen sollen und dass ich bei dem Tempo nicht mitkomme.

Ooooch Du bist so langsam!

Wir können immer mal ein Stück traben, schau:

DAS ist das schnellste was Du kannst? Wir werden verlieren, Mädchen!

Es geht doch gar nicht um Geschwindigkeit. Beim Distanzreiten geht es sowieso viel mehr um das Zusammensein und darum, sich seine Kräfte einzuteilen und auch am Ende der Strecke noch fit zu sein.

Also ICH bin fit, mein Mädchen! Und Du am Ende der 160km auch, versprochen.

Oje.

Tja liebe Meschen, Ihr seht, ich habe viel Arbeit vor mir!

Trainieren, trainieren, trainieren!

Macht‘s gut und bleibt fit!

Euer sportlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 35

Heute geht es los! Meine Karriere als Distanzpferd startet!

Da staunt Ihr, was? Ich fange gleich richtig an: gerade 1,5 Jahre alt und schon starte ich meinen ersten Hundertmeiler!

Aber jetzt muss ich erst mal erklären worum es geht. Für die, die sich nicht so auskennen: Distanzwettbewerbe werden normalerweise geritten oder gefahren. Ein Mensch und ein Pferd bewältigen eine vorgegebene Strecke in einer vorgegebenen Höchstzeit. Mein großer Bruder ist 28km in 3 Stunden und 10 Minuten gelaufen mit meinem Mädchen auf seinem Rücken. Für ihn war das schon echt gut. Ich könnte das natürlich schneller. Aber ich kann mein Mädchen noch nicht tragen (sagt sie) und überhaupt bin ich noch zu klein (sagt sie).

Die richtig guten Distanzpferde schaffen das alles viel weiter und viel schneller. Und die allerbesten laufen Hundertmeiler. 160Km an einem Tag! Das finde sogar ich beeindruckend.

Tja und jetzt werde ich auch einen Hundertmeiler laufen! Allerdings nicht an einem Tag. Das würde mein Mädchen nicht schaffen. (Du auch nicht, mein Ritter. Nein vielleicht bräuchte ich zwei Tage. Aber Du, mein Mädchen, Du brauchst dafür 7 Monate, richtig?)

Also wir haben gaaaaaaanz viel Zeit dafür. Nämlich bis zum 1.12. Bis dahin sammeln wir jetzt Kilometer. Es zählen aber nur die Kilometer die mein Spaziergehkumpel und ich zusammen gehen. Er und sein Mädchen sind unsere „Rittpartner“.

Diego der Große war mit meinem großen Bruder damals auf Distanzritt. Er hat mir erzählt wie das normalerweise geht: man steigt in die Wackelkiste und lässt sich so lange schütteln bis man am Veranstaltungsort ist. Dort baut das Mädchen einen Zaun auf (mal wieder darf man als Pony nicht frei herum laufen) und von hinter dem Zaun beäugt man die Konkurrenz/findet die schönsten Stuten. Die Menschen rennen hektisch rum und sind aufgeregt. Dann wird man geputzt (dabei muss man stillstehen, obwohl es so viel zu sehen gibt), dann geht man zur Anmeldung. Dort müssen die Menschen einmal neben uns her traben damit die Veranstalter sehen, dass die Menschen zur Not auch selbst laufen können falls wir Pferde keine Lust mehr haben. Dann bekommt man eine Nummer auf den Po gemalt. Und dann geht man ausreiten. Aber nicht so ganz normal, sondern viel schneller. Die Menschen suchen mehr oder weniger verzweifelt nach Wegmarkierungen, schauen dauernd auf die Uhr und ab und zu stehen andere Menschen am Wegesrand die einen aufhalten wollen. Die messen dann unseren Puls. Diego hat aber immer keinen Puls, sagt er. Das ist witzig, dann sind die Menschen immer verwirrt. Diego der Große hat nämlich zwar ein großes Herz aber er kann das voll gut verstecken.

Wenn sie dann einen Puls gefunden haben, darf man endlich weiter laufen. Zwischendurch stehen für uns Wasserbottiche zum Trinken am Weg und manchmal hält man an zum grasen, aber nicht so oft wie sonst. Und man begegnet viel mehr Pferden als sonst. Manchmal wird man auch überholt oder man überholt andere. (Letzteres würde mir viel besser gefallen!)

Wenn man dann wieder angekommen ist, sind die Menschen ganz stolz, weil sie es geschafft haben. Sie bekommen dann eine Schleife oder eine Plakette und Geschenke weil sie so tapfer waren. Und wir bekommen extra leckeres Essen (macht auch viel mehr Sinn als eine Plakette, die kann man nämlich nicht essen) und werden gefeiert. Dann geht es wieder in die Wackelkiste und nach hause. Am nächsten Tag bekommt man mit Glück noch eine schöne Massage. Falls man Muskelkater hat. Keine Ahnung was das ist. Wir haben hier am Stall auch einen Kater aber ich bin noch nie deswegen massiert worden.

Diese Plakette hat mein großer Bruder gewonnen. Aber essen kann man die nicht.

An solchen Veranstaltungen darf man als Pferd erst teilnehmen wenn man groß ist. Mindestens 5 Jahre. Das heißt ich darf erst frühestens in 3,5 Jahren starten! Menno. Aber dieses Jahr macht Ihr Menschen ja alles anders. Ihr dürft so Veranstaltungen ja gar nicht machen. Also haben sich ein paar Verrückte etwas Neues überlegt. Jeder macht einfach bei sich zu Hause die Strecke und ihr Menschen redet dann darüber. Und damit auch die Kleinen mal mitmachen können und die denen das sonst zu anstrengend wäre, kann man sich die Strecke einteilen wie man will. 160Km in 7 Monaten, das ist doch einfach. Das kann sogar mein Mädchen schaffen (wenn sie sich anstrengt).

Tja und so bin ich nun ganz offiziell ein Distanz-Schotte! Ich werde Euch natürlich über die Fortschritte auf dem Laufenden halten!

Offiziell ist heute Start. Aber mein Spaziergehkumpel hat keine Zeit, also starten wir erst am Dienstag. Dienstag ist nämlich immer unser gemeinsamer Spaziergehtag.

Euer startbereiter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Euer Daumen drücken hat geholfen, es hat schon 15mm geregnet! Die Weide sieht schon ganz glücklich aus. Aber mein Mädchen sagt, mehr wäre noch besser. Also weiter drücken bitte!

Von der Kunst, nichts zu tun

Duncan rupft Gras. Ich stehe neben ihm und versuche, mit ihm zusammenzusein. Also: mit ihm zusammen zu sein. Und das ist komplizierter als es sich anhört – zumindest für mich.
Ich bin nie der Typ Mensch gewesen der stundenlang bei seinem Pferd auf der Wiese sitzt und ihm beim Fressen zuschaut. Wenn ich beim Pferd bin, will ich was tun.

Nun versuche ich, nichts zu tun. Und doch nicht nichts. Ich versuche, heraus zu finden, wo Duncan mich gerne stehen hat und wo nicht so. Wie lange ich an einem Platz stehen soll. Warum er manchmal freundlich ist und manchmal wütend. Wie ich erreichen kann, dass er sich wohl fühlt in meiner Gegenwart. Grundsätzlich tut er das ja schon. Aber gerade wenn er frisst, ist er dann doch manchmal unentspannt und findet schnell, ich würde an der falschen Stelle stehen. Und so wandere ich um ihn herum, mit mehr Abstand, mit weniger Abstand, parallel oder gegenläufig und denke nach.
Über all die Dinge die ich von Elsa Sinclair lerne. Über die Unterschiede zwischen Finlay und Duncan und darüber wie schwer es mir fällt, kein Ergebnis zu erwarten. Darüber, wie wenig ich noch über Elsas „Freedom Based Training“ weiß. Kurz auch mal darüber dass ich nicht glaube, dass sie diesen Oktober nach Deutschland kommen und einen Kurs geben darf. Aber zum Glück ermutigt sie uns alle, Dinge auszuprobieren und also tue ich das jetzt. Und ich finde einen der vielleicht größten Unterschiede zwischen Finlay und Duncen, der mir bisher gar nicht so bewusst war.

Ein Pferd hat (so wie jedes andere Tier auch) drei Möglichkeiten auf Stress zu reagieren. Flucht, Kampf oder Erstarren. Und während man uns dauernd weismachen will, das Pferd sei ein Fluchttier, sehe ich doch gerade in meinem Kundenkreis auch viele, die eher erstarren. Der Durchschnitts-Tinker zum Beispiel neigt dazu. Und Finlay – der war Meister darin.
Nun ist das erst mal leicht zu händeln. Denn ein erstarrtes Pferd bewegt sich nicht – schon gar nicht schnell. Und wenn wir die Erstarrung erkennen und dem Pferd helfen, seinen Stress abzubauen, kommt es zum Denken und wir bekommen ein gutes Ergebnis. Erstarren hat auch seine Tücken, so ist es nicht. Aber ich kenne diese Tücken, weil ich so viele Pferde kenne die zum Erstarren neigen.
Duncan hingegen sehe ich fast nie erstarren. Duncan ist entweder auf der „positiven“ Seite des Erstarrens – nämlich Denken – oder die Stimmung kippt und er geht über zu Kampf oder Flucht.
Im Gegensatz zu vielen anderen Pferden, die dann doch eher die Flucht wählen, hat er durchaus „Kampf“-Potential. Das hört sich heftig an, heißt aber nur, dass er, wenn ich etwas tue was ihm nicht passt, eher nach mir schnappt als wegzulaufen. Das Problem ist nur, dass ich noch nicht so recht weiß, wann ihm was nicht passt. Wenn ich mit Halfter und Strick arbeite, kann ich ihn daran hindern mich zu beißen. Ich kann meinen Willen durchsetzen und wenn Duncan gut mitmacht, gibt es Kekse. So kommen wir gut klar. Aber im Freedom Based Training läuft das anders. Denn hier geht es darum, dass ICH es richtig mache. ICH will mich so verhalten dass er gut findet was ich tue. Und das ist bei Duncan unendlich viel schwieriger als es bei Finlay war.
Finlay war ein großer Kuschler, vor allem als er klein war. Er wollte immer gekratzt werden und kam einem fast auf den Schoß gekrochen dafür. Wenn er keine Lust mehr hatte, ging er weg. Ich habe immer dafür gesorgt, dass ich weggehe bevor er keine Lust mehr hat und schon war ich seine beste Freundin.
Duncan hingegen ist anderer Meinung. Kratzen ist schon ok. Aber er möchte dass ich mich anders verhalte. Und ich weiß noch nicht wie. Ein bisschen peinlich ist mir das schon, dass mein Pony so viel schneller weiß, was ich von ihm will als umgekehrt. Ich glaube, die Pferde haben da einen Vorteil: sie beobachten uns neutraler. Sie haben keine Bücher gelesen und keine Kurse besucht. Sie denken nicht über theoretische Konstrukte nach, sie probieren einfach aus, was passiert. Und dann machen sie eben das, was ihnen einen Vorteil bringt – so einfach ist das. Aber ich habe es da schwerer. Ich habe zu kämpfen mit meinen eigenen Vorurteilen, meinen guten und schlechten Erfahrungen, meiner Sorge, etwas falsch zu machen, meinen Erwartungen, was passieren soll.

Und so stehe ich nun neben Duncan auf der Weide und habe Fragezeichen im Kopf. Warum kippt die Stimmung bei ihm so unglaublich schnell? Ohne Vorwarnung (so scheint es mir) wechselt er von freundlich zu verärgert.
Dann erinnere ich mich aber an Finlay: der konnte das schon auch, nur in anderen Situationen. Aus der Pause heraus, während wir auf dem Reitplatz zusammen standen ohne dass ich Ansprüche hatte ist er manchmal buckelnd, furzend und quietschend abgezischt. Für mich ohne ersichtlichen Grund. Bei Finlay ist dieses Verhalten verschwunden, als er erwachsen wurde. Ob das bei Duncan auch so sein wird? Ich nehme es an. Ich nehme an, dass die Übergänge zwischen den Launen sanfter werden, dass ich mehr Zeit haben werde, zu reagieren. Aber ich möchte ihn ja verstehen und besser kennenlernen – jetzt, nicht erst wenn er erwachsen ist. Und so probiere ich weiter. Und ich beobachte mich selbst und mache eine erstaunliche Entdeckung. Während der Plan in meinem Kopf ist, dass wir nur in Ruhe Zeit miteinander verbringen, ist da ein kleines Teufelchen auf meiner Schulter dass mir einflüstert, dass das gar nichts bringt, weil gar nichts passiert. Und dieses Teufelchen will mich verführen, mich an eine Stelle zu begeben von der ich weiß, dass Duncan sie nicht mag. Ist das nicht verrückt? Elsa hat darüber einen Blogpost geschrieben in dem sie über den „Red Button“ spricht.
https://equineclarity.org/2018/01/14/the-big-red-button/?fbclid=IwAR2AhRGasmwEJi4tjcFvPt1x6NNKvnuFPnWijjXOu7LbUsZnm49RuN1dgig

Deutsche Version https://www.facebook.com/notes/taming-wild-deutschland/der-gro%C3%9Fe-rote-knopf/1917625358551812/?hc_location=ufi

Sie schreibt dort symbolisch über einen großen roten Knopf. Dieser große rote Knopf ist verführerisch. Den wollen wir drücken wenn wir zu sehr gestresst sind. Und dass ich neben meinem Pony stehe und (scheinbar) nichts passiert, das stresst mich. Etwas soll passieren! Irgendwas! Ich will, das etwas passiert und ich bin sehr in Versuchung, den roten Knopf zu drücken, indem ich mich direkt neben Duncan stelle. Obwohl ich weiß, dass dann etwas passiert von dem ich nicht will, dass es passiert: Duncan wird ärgerlich werden.
Es kostet mich einiges an Konzentration, genau hin zu schauen und mir klar zu machen, dass hier sehr wohl gerade etwas passiert. Etwas gutes. Dass er schon ein bisschen entspannter ist, als ich mich dem Platz nähere an dem er mich nicht haben will. Dass er schon ruhiger ist im Bescheidsagen – ein kleiner Blick in meine Richtung und ich weiß, ich bin an der Grenze. Dass ich schon besser geworden bin darin, ihn zu lesen – letzte Woche hätte ich den Blick noch nicht gesehen.

Aber die Versuchung, auf den roten Knopf zu drücken ist da. Und ich glaube es ist dieser rote Knopf, der auch für Duncan die Versuchung darstellt. Auch er sieht ihn vor sich und wenn ihn die Langeweile quält oder er gestresst ist vom Wachsen, dann drückt er drauf. Auch wenn das negative Konsequenzen hat – von mir, von anderen Pferden, vielleicht sogar vom Stromzaun. Wie bei unserem letzten Spazierengang. Da musste er unbedingt beißen – mich, meine Freundin oder seinen Spaziergehkumpel, völlig egal wen, nur beißen wollte er! Es war offensichtlich, dass er einfach nur irgendwo hin musste mit seiner Energie. Das sind keine „Angriffe“ auf uns, das ist das kleine Kind, das überall gegentritt, weil es nicht anders kann.
Negative Aufmerksamkeit ist auch Aufmerksamkeit, so sagt man in der Kindererziehung. Und das sage ich meinen Schülern auch oft. Und wir alle wollen viel Aufmerksamkeit. Zur Not sorgen wir dafür, dass wir sie bekommen.

So stehe ich vor einer neuen Herausforderung. Denn während ich in meinem „normalen“ Umgang mit den Pferden schon recht geduldig geworden bin und viel positive Aufmerksamkeit verteile, mich über kleinste Kleinigkeiten freuen kann und alles meistens ganz gut läuft, bin ich im Freedom Based Training noch totaler Anfänger. Ich weiß gar nicht, was ich da tue. Ich weiß nicht, warum ich tue was ich tue. Ich weiß nur, wo ich mal hin will. Und die Versuchung, da schnell hinzukommen, ist manchmal überwältigend. Und nur die Gewissheit, dass es nur länger dauert, wenn ich zu schnell mache, kann mich davon abhalten – und es kostet mich Konzentration.

Als ich Elsa kennen gelernt habe, dachte ich „das ist eine tolle Methode, das will ich mit meinen Pferden so machen“. Aber recht schnell war klar, dass ich mit Elsas Ausbildungsmethode (laut ihr selbst der langsamste Weg den es gibt) lange nicht dort hin komme wo ich hin will, nämlich mit meinen Ponys den Hof verlassen zu können. Also beschloss ich, nur Teile ihrer Methode in mein jetziges Tun zu integrieren. Das gelang mir mal besser und mal schlechter. Erst neulich wurde mir so richtig klar, wofür ich das Freedom Based Training in der Ausbildung meiner Pferde nutzen will: Hauptsächlich zur Bestandsaufnahme. Wir gehen so schnell über Dinge hinweg. Die Pferde sind bereit, unglaublich viel zu akzeptieren und viele viele Verhaltensweisen von uns zu akzeptieren, die sie eigentlich blöd finden. Aber wenn wir es einmal ganz frei probieren – ohne Werkzeuge und ohne Futterbelohung – dann bekommen wir eine ehrliche Rückmeldung vom Pferd, was es schwierig oder blöd findet und was leicht. Duncan hat spielerisch leicht gelernt, Hufe zu geben. Das ging so flott, dass ich schon dachte, ich hätte Elsas Methode verstanden. Aber nun scheitere ich kläglich daran, neben meinem Pony zu stehen, weil Duncan das blöd findet. Na großartig.

Ich werde nicht darauf verzichten, neben ihm zu stehen. Aber ich werde es nur tun, wenn er ein Halfter trägt. Dann ist er auch meistens ganz entspannt damit. Er weiß, da ist eine Grenze und er hält sich daran. Wenn nicht, kann ich eine setzen. Und wenn er es gut macht bekommt er einen Keks. Ich kann ihn überall anfassen, darf mich überall hinstellen, kann neben ihm her gehen. Alles ist gut. Aber so richtig gut ist es eben nicht, denn sonst wäre das ja auch frei ok. Und so nähere ich mich dem Thema wieder von zwei Seiten. https://schotten-pony.com/2020/01/09/zwei-seiten/

Aber ich habe auch verstanden: vom nächsten Schritt, den ich mir ausgedacht hatte, nämlich dass Duncan lernt, einen Gurt zu tragen, sind wir noch recht weit entfernt. Denn offensichtlich ist die Gefahr, dass ihn das doch stresst, groß. Er mag nicht, wenn mein Arm über seinem Rücken liegt und er mag nicht, wenn ich um ihn herum greife. Und so lange er das nicht mag oder zumindest halbwegs akzeptiert, ist es zu früh für einen Gurt, denke ich. Und für diese Informationen möchte ich das Freedom Based Training nutzen. Und für die Vorarbeit, die ich damit leisten kann, auch wenn ich nicht den ganzen Weg bis zum gurten in Freiheit gehe (vielleicht). Also probiere ich herum. Komme mir vor wie ein Anfänger (bin ich in dieser Trainingsart ja auch) und tue mich schwer. Aber ich lerne über mein Pony und über mich selbst. Und über diesen großen roten Knopf. Über meinen Stress, der entsteht wenn „nichts passiert“ (und den ich so oft bei meinen Schülern schon beobachtet habe). Zu meinen Schülern sage ich oft „Du bist die Erwachsene in dieser Beziehung. Du musst mit gutem Beispiel vorangehen“. Und das ist jetzt meine Aufgabe. Wenn ich meinen eigenen Stress nicht managen kann, meinen eigenen Frust nicht aushalten, wie kann ich es dann von meinem Pony erwarten?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 34

Mein Spaziergehkumpel musste gestern zum Zahnarzt. Hat bisschen Angst gehabt, der Gute, weil es hieß, ihm müssten Zähne gezogen werden. Aber er hatte Glück, das war dann doch nicht nötig.

Zahnarzt kenne ich. Wir waren da auch alle vor ein paar Wochen. Merlin hat eine Spritze bekommen, so wie mein Spaziergehkumpel gestern auch. Das ist für die Angsthasen die sich nicht ohne Spritze trauen. Von der Spritze wird man ganz müde und dann findet man das alles gar nicht mehr so schlimm. Merlin findet es aber trotzdem schlimm. Der kann den Zahnarzt gar nicht leiden! Der Zahnarzt hat aber gesagt dass Merlin das auch wirklich weh tut wenn man an seinen Zähnen was macht. Der hat doch so kaputte Beißer der Arme. Er ist ja auch schon 100 Jahre alt (ungefähr).

Diego der Große kann natürlich ohne Angsthasenspritze zum Zahnarzt. Der hat ja sowieso eigentlich nie Angst und wenn dann nicht lange. Und Caruso war auch ganz mutig. Naja und ich natürlich sowieso. Unser Zahnarzt ist auch echt voll der nette Typ. Er hat sogar schottische Verwandte, genau wie ich!

War nur schade, dass ich mir sein Werkzeug nicht so richtig anschauen durfte, da hat er mich immer weggeschickt. Immer wenn er mit den anderen beschäftigt war habe ich versucht mich zu seinen Sachen zu schleichen. Aber mein Mädchen oder der Zahnarzt oder der Mann – irgendwer war immer da um aufzupassen dass ich nichts anfasse. Blöd. Aber nachher als ich dran war hat er mir seine spannenden Sachen gezeigt. Dann hat er alle Zähne in meinem Maul angeschaut und gesagt ich hätte sehr schöne, gerade Zähne. Na klar – alles an mir ist schön! (Aber nicht alles an Dir ist gerade, mein Ritter. Du hast ein X-Bein, schon vergessen? Tsss das verwächst sich noch, mein Mädchen! Gutes Futter wird‘s richten – her damit!)

Nur mal gucken – ist doch alles so spannend!
Darf ich nicht, hat er gesagt.
Aber jetzt ist er ja gerade beschäftigt… was hat er da auf dem Rücken?

Mein Mädchen wollte ein lustiges Foto machen und da hat der Zahnarzt seine große Zahnbürste raus geholt und so getan als würde er mir die Zähne putzen. Aber so richtig hat er das nicht gemacht – war ja keine Zahnpasta drauf! Naja, mein Mädchen sagt, Zähne putzen müssen wir Ponys auch nicht. Zumindest nicht so wie Ihr – jeden Tag. Wir kauen dann mal einen Zweig, dann passt das schon. Und außerdem ernähren wir uns ja auch viel gesünder als ihr. Wenn meine Schneidezähne dreckig sind mache ich immer einfach Fellkraulen mit einem meiner Kumpels. Nachher sind meine Zähne ganz sauber. Und die Haare vom Kumpel sind meine Zahnseide. Die nachher wieder raus zu kriegen kann aber schon mal nervig sein.

Zähne putzen!

Ich hab übrigens noch meine allerersten Zähne. Deswegen sagt mein Mädchen immer „Babyzähne“ wenn sie meine Zähne anschaut. Voll gemein, wo die doch noch so lange drin sind. Bis nächstes Jahr irgendwann. Es sei denn ich bin mal wieder schneller als andere und fange früher an mit wechseln. Aber nur weil ich noch meine ersten Zähne habe, bin ich KEIN BABY mehr mein Mädchen! Merk Dir das endlich mal!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Heute regnet er hier ein kleines bisschen. Die Weide wird also endlich getränkt. Gestern hat mein Mädchen ihr Futter gegeben. Ich hoffe sie ist bald satt und zufrieden und macht ganz viel schönes grünes Gras für uns. Drückt mir die Daumen!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 33

Wisst Ihr eigentlich schon, dass ich eine Patin habe? Ja, da staunt Ihr, was? Ich habe nicht nur mein Mädchen und den Mann die sich um mich kümmern. Und die Freundin von meinem Mädchen (also das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel) und das Mädchen von Gatsby die ab und zu aushelfen und einspringen. Nein, ich habe auch eine Patin! Laut Duden ist ein Pate oder eine Patin

„jemand, der andere helfend begleitet, sie in bestimmter Hinsicht betreut“.

Meine Patin gewährt mir vor allem geistigen Beistand und viel Anerkennung und Lob. Was natürlich enorm wichtig ist für meine Entwicklung! Nichts ist schlimmer als ein mickriges Selbstbewusstsein wegen mangelnder Anerkennung in der Jugend!

Leider habe ich meine Patin noch nicht persönlich treffen können, da sie weit weg von mir wohnt. Vielleicht, sagt mein Mädchen, wenn ich etwas größer bin, können wir da mal hin. Das ist so weit, das schafft sie nicht zu Fuß und noch nicht einmal wenn ich sie tragen kann. Also ICH würde das ja schon schaffen. Aber ich muss eben Rücksicht nehmen auf mein Mädchen, das habe ich verstanden.

Also werden wir vielleicht eines fernen schönen Tages mit der Wackelkiste hinfahren. Die Zeitmaschine – Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/03/23/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-4/

Bis dahin werde ich mich damit begnügen müssen, dass meine werte Patin mir Briefe schreibt. Sie schreibt immer: „Verehrter Ritter Duncan Dhu“ und dann erzählt sie mir, wie toll sie mich findet. Wie großartig ich bin und wie nett es von mir ist, dass ich mein Tagebuch veröffentliche für Euch zum Lesen. Hach, so mag ich das! „Sie sind wirklich ein edler Ritter – das sehe ich daran, dass Sie in Zeiten der Not und der allgemeinen Ratlosigkeit nicht zuerst an Ihre Futterversorgung und Ihr eigenes Wohlbefinden denken, sondern Ihre ritterlichen Tugenden einsetzen und Ihre Mitgeschöpfe durch Ablenkung und Unterhaltung trösten.“ Das schrieb sie mir als ich meinen ersten Tagebucheintrag veröffentlicht hatte. Da seht Ihr, sie erkennt meine wahre Größe. Und ich glaube, sie hat mir noch nie geschrieben ich sei für irgendetwas „zu klein“. Hörst Du, mein Mädchen? Ich bin ein edler Ritter und nicht „zu klein“!

„Mit Bewunderung nehme ich Kenntnis von Ihren enormen Fortschritten“ na sowas geht doch runter wie frisches grünes Frühlingsgras.

Allerdings hat sie einmal auch geschrieben „Mit Ihrem Mädchen haben Sie schon ein besonderes Glück – wo findet man noch so eine kluge und liebevolle Betreuung und Ausbildung. Denn das ist ja wohl wahr: Sie müssen sich, bei aller angeborenen Intelligenz, schon noch manchmal was sagen lassen, das kann nur zu Ihrem Vorteil sein.“ Moment mal, ich soll mir etwas sagen lassen? Hmmmm darüber muss ich erst nachdenken. Aber da meine Patin eine gebildete und intelligente Dame ist, die ich sehr schätze und die nur mein Bestes will, werde ich ernsthaft in Erwägung ziehen diesem Ratschlag gelegentlich mal Folge zu leisten.

„Ich bin Ihnen in Stolz und Freude verbunden!“ Och, was für ein lieber Abschiedsgruß den sie mir geschrieben hat!

Tja, liebe Menschen, da könnt Ihr wohl nur neidisch sein was ich für eine tolle Patin habe. Hinter jedem starken Ritter steht eine edle Dame oder so. Und da mein Mädchen von sich selbst sagt, „Dame“ wird sie in diesem Leben wohl eher nicht mehr werden, steht eben meine Patin als Dame hinter mir. Und mein Mädchen – na die ist für den Alltag zuständig. Sauber machen, Futter besorgen und so. Ist ja auch wichtig. Diego der Große und Merlin der Zauberer haben mir erklärt, dass man den Alltag niemals unterschätzen soll. Und dass die Menschen, die dreckig in den Stall kommen und immer selbst so riechen wie ein Pony, oft die besten, verlässlichsten Alltagskumpel sind. Aber unter uns: die beiden haben auch keine Patin! Tja. Sowas hab eben nur ich.

Euer fröhlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 32

Liebe Menschen,

gestern ist mein Spaziergehkumpel erwachsen geworden! Wow was für ein toller Tag für ihn. Sein Mädchen hat sich nämlich zum ersten Mal auf seinen Rücken draufgesetzt und mein Mädchen hat ihm unendlich viele Kekse gegeben. Ich will auch erwachsen sein und mein Mädchen soll auf meinem Rücken sitzen! Anscheinend lohnt sich das ja….

Kekse hat er bekommen….
… und noch mehr Kekse…

Hab ich meinem Mädchen auch gleich gesagt. Aber sie hat gelacht. Hat gesagt – Ihr ahnt es schon – ich sei noch zu klein. Mein Spaziergehkumpel ist viel älter als ich. 2,5 Jahre älter! Das ist doch verrückt, so lange kann ich doch unmöglich warten mit dem erwachsenwerden! Außerdem hat mein Mädchen gesagt er ist noch gar nicht richtig erwachsen. Er würde sich nur gerade kurz so fühlen. Aber bis er RICHTIG erwachsen ist, gehen nochmal 2 Jahre ins Land. Was? Das ist ja eine endlose Tortur, dieses erwachsenwerden! So viel Geduld habe ich nicht.

Hab ich meinem Mädchen auch gesagt. Da hat sie sich neben mich gestellt, ihren einen Arm über meinen Rücken gelegt, den anderen unter meinem Bauch durch und sich an mich ran gedrückt. Und dann hat sie mir gezeigt, dass ihre Hände sich unter meinem Bauch berühren. Sooooo klein bin ich noch! Boah da war ich aber sauer!! Hab sie ordentlich angemeckert. Und was macht sie: sie sagt mir, das wäre der Beweis, dass ich zu klein bin, weil ein Pony was einen Menschen trägt, so was aushalten können muss. Und nicht nur aushalten sondern sogar noch entspannt und fröhlich sein dabei. Dann hat sie gesagt, dass wir das jetzt ein bisschen öfter üben, damit ich entspannter sein kann. Ach menno so habe ich mir das jetzt aber nicht vorgestellt mit dem groß werden! Ich dachte man hat einfach immer nur Spaß und dann ist man erwachsen. Und dann hat man natürlich auch immer nur Spaß!

Aber manchmal gibt es so Tage, da ist das alles kein Spaß.

Mein Mädchen sagt, ich wäre schon wieder so komisch und ich würde bestimmt schon wieder wachsen. Weil ich letztes Mal auch so komisch drauf was als ich gewachsen bin. Keine Ahnung, bin einfach mies drauf. Gemessen wird erst in 2 Wochen wieder, dann sehen wir es ja.

Und ich finde das ganz ungerecht, dass mein Spaziergehkumpel jetzt schon groß ist und so viele Kekse bekommt nur weil er neben einem Stuhl steht und sein Mädchen rauf und runter turnt. Und ich muss immer so schwierige Sachen machen für meine Kekse. Im Schneckentempo neben meinem Mädchen her gehen zum Beispiel. Und dabei nicht zu dem leckeren Gras hin ziehen.

Das Leben ist doch ungerecht.

Abends, als mein Mädchen eigentlich mein Tagebuch für mich tippen wollte, haben wir uns darüber noch ein bisschen unterhalten. Deswegen konnte ich Euch gestern nichts schreiben, sorry. Sie hat sich ganz nett zu mir gestellt während ich Heu gegessen habe. Und sie hat mir gesagt, dass wir noch ganz viel Zeit haben und sie jetzt langsamer macht mit der blöden Übung wo sie so neben mir steht und um mich rum greift. In ganz kleinen Schritten. Dafür halt öfter, damit wir das hinkriegen. Sie hat gesagt, dass sie versteht, dass wachsen und groß werden blöd ist, weil das für sie auch so war. Und dass sie findet, ich habe das schon ganz fein gemacht, weil ich gelernt habe, dass ich sie besser vorwarnen muss dass ich gleich sauer werde. Letztes Mal habe ich sie ja nur so leise gewarnt und dann hat sie sich so erschreckt als ich ausgeflippt bin. Diesmal habe ich es lauter gesagt, damit sie besser Bescheid weiß. Das fand sie gut. Sie hat gesagt, wir kriegen das schon hin. Ich hoffe sie hat recht.

Euer gefrusteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 31

Samstag der 25.4.2020

6 Uhr Der Mann serviert uns unser Frühstück. Wir haben aber noch etwas Heu von der Nacht übrig. Wir hoffen, er bietet uns etwas besseres an, aber diese Hoffnung wird eigentlich immer enttäuscht.

7 Uhr Nachdem wir sowohl die Nacht-Heu-Reste als auch das Frühstücksheu weggemuffelt haben, ist es Zeit für ein Dösestündchen. Rumstehen und verdauen.

8 Uhr Genug gedöst. Jetzt gehen wir auf Wanderschaft. Rund um unseren Rundlauf sind schon ein paar grüne Hälmchen zu finden. Und die Hecke hinterm Zaun bietet auch den einen oder anderen schmackhaften Zweig. Diego der Große ist wieder mal im Vorteil, er ist nämlich, wie der Name schon sagt, der größte hier und kommt am höchsten mit seinem Maul.

9 Uhr Die Erwartungshaltung in der Herde steigt. Es geht auf 10 Uhr zu und das ist meistens die beste Zeit des Tages. Vor lauter Aufregung muss ich dringend jemanden beißen – Zeit für eine Runde Popo-Kneifen!

10 Uhr Juhuuu das Mädchen kommt! Jetzt gibt es was Besseres. Nicht nur schnödes Heu, sondern die richtig guten Sachen. Manchmal dürfen Merlin und ich um diese Zeit auch schon auf die Weide. Aber heute nicht. Dafür bekommen wir was aus der Schüssel (bzw ich aus meinem Spielzeug UND aus einer Schüssel). Leckerleckerleckerleckerlecker!

11 Uhr Alles weg. Schade. Nochmal gründlich die Schüssel auslecken, dann geht es zu einem Verdauungsnickerchen in die Sonne. Schön auf die Seite fallen lassen und ausgiebig träumen.

12 Uhr Bin wieder wach! Zeit, jemanden zu ärgern!

13 Uhr kleine Wanderung um den Rundlauf. Mal sehen was die Nachbarn so zu erzählen haben.

14 Uhr schon gibt es wieder Essen! Diesmal haben Merlin und ich Glück: wir dürfen auf die Weide, die anderen müssen sich mit trockenem Heu begnügen. Weil Merlin es wieder so eilig hat, müssen wir am Weidetor warten bis er sich benimmt. Oh das fällt ihm soooo schwer! Mir nicht, ich hab das voll drauf.

15 Uhr mein Mädchen taucht auf der Weide auf. Sie ruft mich, ich gehe zu ihr, bekomme Kekse, darf weiter grasen. Sie läuft neben mir her und versucht sich genauso zu bewegen wie ich. Das sieht manchmal sehr komisch aus! Da hat sie noch viel zu üben. Ab und zu fasst sie mir unter den Schweif. Keine Ahnung was das soll. Hat mich anfangs gestört, aber jetzt nicht mehr. Ich hab gelernt: wenn ich den Schweif dann bisschen anhebe, nimmt sie ihre Hand wieder weg. Sie sagt ich soll mich da wohlfühlen weil ich nachher einen Schweifriemen brauche zum Kutsche ziehen. Keine Ahnung, mir egal. Ich esse Gras, passt schon.

15.30 Uhr inzwischen hat sie das Prozedere ein paar mal wiederholt: rufen, Kekse, wieder grasen. Jetzt macht sie ernst und wir müssen von der Weide runter. Na gut, dafür gibt es viele Kekse, nicht so schlimm. Merlin findet es blöd.

16.30Uhr Spazierengang mit meinem Spaziergehkumpel. Heute einen neuen Weg. 6Km mit einem hohen Berg. Sehr schöner Weg, aber ich darf nicht genug grasen. Menno. Mein Mädchen ist fröhlich weil ich keine Angst vor lauten Zweirädern habe. Sie hat jetzt auch nicht mehr so viel Angst. Ich habe ihr gezeigt dass die ungefährlich sind.

18 Uhr ich spiele noch etwas mit meinem Spazierengehkumpel. Die Halle ist so staubig aber mein Mädchen sagt wir können bald auf der Weide spielen.

19 Uhr ich beaufsichtige die Reinigungsarbeiten nebenan. In Wirklichkeit schaue ich nach der Stute, aber das darf mein Mädchen nicht wissen. Ist aber auch schon wieder Zeit für Heu und eine zweite Schüssel!

20 Uhr Zeit für einen ruhigen Abend. Bisschen bummeln, ab und zu jemanden kneifen, bisschen dösen.

21 Uhr ich lege mich nochmal hin für ein Nickerchen.

22 Uhr die letzte Heumahlzeit des Tages. Mein Mädchen schaut nochmal ob wir auch alle gesund und munter sind. Ich sage ihr nochmal kurz dass ich sie lieb hab und einen Keks will. Aber meistens gibt es keinen. Dafür sagt sie mir, dass sie mich auch lieb hat. Na gut.

Danach legen wir uns meistens erst mal aufs Ohr.

Um 2 Uhr geht ein Tor auf und wir können zu den Heunetzen gehen. Da fressen wir ziemlich lange dran.

Was wir ansonsten nachts so machen bleibt unser kleines Pony-Geheimnis!