Stopp!

Als Caruso bei uns einzog, hatte er vor allem eins: Angst. Vor Menschen, besonders vor Männern, vor Gerten, vor unbekannten Situationen. Und immer wenn er Angst hatte, suchte er sein Heil in der Flucht. Caruso kann sehr schnell rennen, wie ein kleiner Kugelblitz sieht er dann aus. Und wenn er erst mal rannte, dauerte es ein bisschen, bis er wieder zu Sinnen kam und stoppte. Wir brauchten also einen Plan, um ihm zu helfen. Wir gingen mit ihm in die Halle und übten: wenn die Gerte und der Mensch sich bewegen: schau hin. Dann hört das auf. Und so lernte er, mit uns „Ochs am Berg“ zu spielen: Wann immer etwas gruselig war und er los rannte, dauerte es einen Moment und dann warf er sich heroisch herum und starrte uns mit wildem Blick an, woraufhin wir sofort erstarrten und uns nicht mehr vom Fleck rührten. Leider war ich nicht dabei, aber Arnulf lacht bis heute über das Gesicht des Dachdeckers der zur Besichtigung der Baustelle da war, denn als Caruso Angst bekam vor dem Dackdecker, der durch den Paddock lief, musste auch der das Spiel mit spielen und stehen bleiben sobald Caruso in anschaute. Wahrscheinlich hat der arme Mann uns für komplett verrückt gehalten, zum Glück hat er unser Dach trotzdem gedeckt.

Die Möglichkeit, uns zu stoppen, machte aus Caruso in kurzer Zeit ein mutiges kleines Pony. Wir mussten nicht alles kleinschrittig üben. Er wurde mutig genug um hier gut zurecht zu kommen und ohne dass wir groß etwas mit ihm machen oder üben hat er eine klare Kommunikation entwickelt, die wir gut verstehen können. Wenn er uns anstarrt, wissen wir: was immer wir gerade tun ist ihm zu viel. So können wir ihm helfen, in solchen Situationen den Druck raus nehmen, uns mehr Zeit lassen oder einen Keks zum Einsatz bringen.

Von Caruso habe ich gelernt, wie viel einfacher das Leben ist, wenn unsere Pferde ein klares Stopp-Signal haben. Er ist das Pony, bei dem ich das bisher am deutlichsten gesehen habe. Aber seitdem halte ich vermehrt Ausschau danach. Jedes Pferd wird sich auf andere Art und Weise äußern. Wenn wir aufmerksam sind und die frühen Zeichen erkennen, können wir so nicht nur dem Pferd helfen, sondern auch unter Umständen Unfälle verhindern oder Verletzungen, die ein Pferd uns vielleicht zufügen würde in Notwehr.

Finlay hatte ein solches Stopp-Signal in Bezug auf Pausen. Er hatte sehr unterschiedlichen Pausenbedarf wenn wir Bodenarbeit gemacht haben, so dass ich oft nicht wusste, wie lang die Pause sein soll. Wenn er genug Pause gehabt hatte, kam er zu mir und es ging weiter. Wollte er noch pausieren, blieb er genau auf einem Fleck stehen. So habe ich es seither bei einigen Pferden etabliert und fahre gut damit.

Wenn ich Duncan nun reite, dann bin ich natürlich sehr auf der Hut: wann ist es zu viel für ihn? Wann ist er überfordert? Und ich habe ihm immer gesagt: finde bitte ein eindeutiges, aber freundliches Signal. Nun glaube ich ja nicht, dass er meine Worte in dem Sinne verstanden hat. Aber ich glaube fest daran, dass er die dahinter liegende Stimmung meinerseits wahrnimmt, nämlich dass ich aufmerksam darauf achte, wie es ihm geht. Und ich glaube, er hat ein Signal gefunden. Sagen wir: mehrere Stufen von Signal und eins davon deutlich genug, dass ich es auch verstehe wenn ich nicht ganz aufmerksam bin. Und das kam so:

Am Sonntag, als wir unseren ausgiebigen Ausflug gemacht haben, sind wir ja auch wieder ein kleines Stück getrabt. Beim ersten Trab ging das wunderbar. Danach merkte ich, dass die erste Energie raus war und ging zu Fuß bis ich dachte, Duncan hätte sich erholt. Ich stieg wieder auf und wollte noch einmal traben. Duncan trabte, aber ziemlich langsam. Ich dachte, es fehlt ihm vielleicht an Mut und feuerte ihn etwas mit der Stimme an. Duncan mühte sich, fing dann aber an mit dem Kopf zu schütteln als wäre da ein Insekt was ihn stört. Ich habe den Zusammenhang in dem Moment noch nicht gesehen – auch wenn er beim Aufschreiben so offensichtlich rüber kommt. Ich parierte durch, weil ich dachte, Duncan wollte ein Insekt los werden. Da fing er an, den Kopf so herum zu schwingen als würde er ein Insekt auf seinem Rücken vertreiben. Er hat mich nicht berührt und auch nicht böse geguckt, es war nur wie diese typische „Fliege auf dem Rücken“ Bewegung. Und da war es: mein Stopp-Signal. Ich stieg ab und ging zu Fuß weiter. Später bin ich nochmal aufgestiegen und habe es auch nochmal mit Trab versucht, weil ich wissen wollte was passiert. Diesmal war ich gewappnet und habe das Vorsignal gesehen: im Trab nahm Duncan immer wieder den Kopf so runter wie ich es von Pferden kenne wenn sie müde sind. Es ist eine sehr typische Bewegung. Ich parierte ihn wieder durch und er machte im Schritt noch einmal seine „Fliegen-Verscheuch-Bewegung“. Ich ritt einige Meter weiter und stieg dann ab. Jetzt weiß ich: er hat es so gemeint wie ich es verstanden habe. Nach einer längeren Laufpause hat er mich übrigens im Schritt dann noch ein Stück getragen ohne Probleme. Und natürlich könnte ich sagen „oje ich hab mein armes Pferd überfordert“. Ich möchte Duncan fordern, daran hat er offensichtlich Spaß – ich möchte ihn aber natürlich nicht überfordern. Der Grat ist schmal und schwer zu finden. Nun haben wir eine Grenze gefunden und er hat ein Signal etabliert das so eindeutig ist dass ich es nicht übersehen kann und dabei ist es trotzdem total ungefährlich. Wunderbar! So hat er einen „Notaus-Knopf“ und ich fühle mich dadurch sehr viel sicherer – er wahrscheinlich auch.

Ein schlechtes Gewissen hatte ich dann natürlich schon: war es ihm viel zu viel? Aber schon am Dienstag, als dann der Ausflug mit dem Spaziergehkumpel anstand, wurde dieses schlechte Gewissen ausgeräumt. Duncan marschierte munter voran und war kaum zu bremsen. Getrabt bin ich nur einmal kurz und das nur in seinem eigenen Tempo ohne anfeuern. Anfeuern, das habe ich jetzt endgültig verstanden, darf ich Duncan nicht. Denn wenn ich das Gefühl habe, ihn anfeuern zu müssen, heißt das, dass er schon alles gibt und einfach nicht mehr geben kann. Fertig. So einfach, so klar und für mich so ungewohnt. Und so hoffe ich eigentlich, dass Duncan sein Stopp-Signal nie mehr braucht. Aber wer weiß, im Eifer des Distanzreitens kommt vielleicht doch irgendwann ein Punkt an dem er nicht mehr kann und nun wissen wir beide wie er es kommunizieren kann.

Ich hatte noch nie ein Pferd wie Duncan. Meine bisherigen, gemütlichen Modelle waren immer versucht, Energie zu sparen. Duncan hingegen hat Spaß daran, sich auszupowern. Und während ich das Buch lese, das eine Schülerin mir geliehen hat „So macht man Pferde fit“ bemerke ich das selbe Verhalten bei Menschen wie der Autorin Ursula Bruhns. Ihr Genuss daran, ihre eigenen körperlichen Grenzen zu sprengen beim Distanzreiten (160km innerhalb 24 Stunden, zwischendurch kaum mal auf Klo, nicht wirklich was essen, in den Pausen nicht etwa ausruhen sondern ums Pferd kümmern…..). Im Leben würde es mir nicht einfallen, mich freiwillig solchen Strapazen auszusetzen und bisher hatte ich immer Pferde die ähnlich gemütlich gestrickt waren wie ich. Duncan hingegen ist genau der Typ, der diese Grenzsuche liebt, das kann ich im Paddock deutlich beobachten wenn er spielt. Er scheut keine Anstrengung und kein Risiko. Wie oft fällt er auf die Nase weil der Boden eben doch zu rutschig ist. Dann steht er eben auf und macht weiter – wen kümmert’s? Und langsam fange ich an, mich daran zu gewöhnen, dass er so ist. Er will raus, die Welt sehen und das bitte ausgiebig. Und jetzt, wo er mich immer mal ein Stückchen trägt und endlich, endlich sein eigenes Schritttempo gehen kann, machen ihm die Ausflüge doppelt Spaß, scheint mir. Auch wenn er müde ist, hat er noch Spaß. Meine Aufgabe ist, ihm etwas zu bieten ohne ihn zu überfordern. Ganz schön kompliziert, denn die Grenze zur Überforderung wird sich ja auch dauernd verschieben. Und so bin ich heilfroh, dass er diese klare Möglichkeit gefunden hat, Stopp zu sagen, damit der Spaß erhalten bleibt, auch wenn ich mich vielleicht mal verschätzt habe. Kluges Pony!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 251

Ich schulde Euch ja noch eine Geschichte! An dem Feiertag mit den zwei Namen haben wir ja keinen Ausflug gemacht, sondern was anderes geübt. Was neues! Ach, ich liebe es wenn wir was neues üben! Also es war so: mein Mädchen kam mit dem Fahrgeschirr und dem Mann. Wir sind auf den Reitplatz gegangen und sie haben mir alles angezogen. Ich fand das schon super, wusste doch dass bestimmt was spannendes passiert! Dann sollte ich los gehen, mein Mädchen und der Mann hinter mir her. Erst war alles ganz normal, dann hat der Mann sich plötzlich an mich ran gehängt und ich hab ihn gezogen! Mein Mädchen sagt, so kann ich lernen wie das geht mit dem Ziehen. Dabei kann ich das doch längst. Das liegt in meinen Genen! Und der Mann ist zwar ein großer, starker Mensch aber mit seinen paar Kilos kann er gegen mich nicht anstinken. Den habe ich ganz locker weg gezogen. Immer wenn ich mich schön ins Zeug gelegt habe, hat er etwas nachgelassen, angeblich damit ich ein Erfolgserlebnis habe. In Wirklichkeit fand er es sehr anstrengend, die ganze Zeit in den Seilen zu hängen! Ich fand das alles ganz einfach und die Menschen waren mal wieder entzückt. Nach 10 Minuten hat der Mann kapituliert und zugegeben, dass ich gewonnen habe. Ha! So bin ich jetzt der Sache mit dem Kutsche fahren wieder ein kleines Stück näher gekommen. Hier noch ein kleines Video von unserem Tauziehen:

Der Mann hat keine Chance gegen meine PS!

Euer Zugpony Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 250

Na DAS nenne ich mal einen Ausflug! Wir sind also gestern wieder in unseren Lieblingswald gefahren. Ich hatte allerbeste Laune und massenweise PS im Hintern. Deswegen ist mein Mädchen auch gleich aufgestiegen – mit Sattel – und ich bin los marschiert. Und zwar zügig! Nachdem ich jetzt 2,5 Jahre neben ihr her bummeln musste, habe ich was nachzuholen. Mein Mädchen fand ich mache das super. Dann schaut sie ja immer auf die Uhr – bisher ist sie nicht länger als 15min am Stück geritten. Aber diesmal war ich so fix unterwegs, da ist sie mal eine Runde sitzen geblieben. Schließlich waren wir 25min unterwegs, bevor sie das erste Mal abgestiegen ist. Wir haben uns eine schöne Graspause gegönnt und dann ist sie zu Fuß neben mir her marschiert. Los, schnell schnell mein Mädchen! Dann sind wir mal ein Stück getrabt, weil sie wissen wollte, ob der Sattel mich beim traben stört. Nö, nur die Kekstasche bamselte nervig herum, die hat sie dann besser verstaut. Dann ist sie wieder aufgestiegen und wir sind ein gutes Stück getrabt. Ja, doch, es ist immer noch anstrengend. Sooooo leicht ist sie nämlich gar nicht! Naja so ging es eine Weile hin und her: laufen, reiten, bisschen traben. Zwischendurch habe ich angemerkt, dass es anstrengend wird. Mein Mädchen hat gekichert und gesagt, dass das der Plan war. Und dann wurde ich doch tatsächlich mal müde. Uff. Normalerweise sind wir ja in letzter Zeit immer so unsere 7km unterwegs gewesen und dafür hatte ich mir meine Kräfte eingeteilt. Hätte sie mir nicht vorher sagen können, dass es heute weiter wird? 9,4km hatten wir nachher auf der Uhr. Mein Mädchen sagt, das ist genau das was ich lernen sollte: nicht am Anfang die ganze Energie verpulvern, sondern was für später aufheben! Aber es hat halt so Spaß gemacht am Anfang! Naja, später hat es schon auch noch Spaß gemacht. Ich war halt nur ein bisschen müde.

Als wir wieder zu hause waren, durften wir auf die Weide. Da hat mein Mädchen schon wieder gekichert, weil ich nur gerade durch den Eingang marschiert bin und dann dort einfach das Gras vor meiner Nase genommen habe. Ich hatte nämlich wenig Ambitionen, noch mehr Meter zu machen als nötig.

Ich fand, es war ein toller Ausflug! Können wir ruhig öfter machen, fühlt sich sehr entspannt an, wenn ich so schön ausgepowert bin. Und ihr kennt mich: nach 2 Stündchen auf der Weide hätte ich auch schon wieder los legen können.

Kurz und gut: alle zufrieden. Jetzt lass ich mir neue Muskeln wachsen und dann wird mein Mädchen ihr blaues Wunder erleben, wie lange ich durchhalten kann!

Nur eins hat nicht geklappt: das mit dem Kekspicknick. Wobei, wenn ich ehrlich bin: das Gras ist gerade so schön grün, da war mir die Graspause wirklich lieber.

Lecker Graspause! Eigentlich besser als ein Keks- Picknick.

Euer zufriedener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 249

Es gibt ja so Tage, die sind ganz besonders. Sonntage zum Beispiel. Da machen wir fast immer einen schönen Ausflug. Dienstage sind auch toll – aus dem selben Grund. Manche Tage gibt es seltener: Geburtstage zum Beispiel. Oder Weihnachten und Ostern. Manchmal gibt es dann Geschenke oder anderweitige Aufmerksamkeit. Aber wusstet Ihr, das heute auch ein sehr, sehr besonderer Tag ist? Ja, es ist Sonntag aber vor allem ist heute der 29. Mai und das heißt: es ist „National Biscuit Day“ (Nationaler Keks-Tag) für uns Briten (also auch für mich als Schotten). Ich möchte diesen Tag bitte ganz groß feiern, mein Mädchen! Kekse sind doch wirklich wahnsinnig wichtig für ein erfülltes Ponyleben!

Außerdem – weil Sonntag ist – möchte ich natürlich einen tollen Ausflug machen. Vielleicht mit Keks-Picknick? Mein Mädchen hat jedenfalls gesagt, wir wollen heute los. Mit Sattel und Trab! Huiiiiiii das wird ein Spaß, sage ich Euch! Vorher haue ich mir noch ne Portion Gras auf der Wiese rein und gönne mir ein kleines Verdauungspäuschen. Aber dann! Ich werde selbstverständlich berichten.

Jetzt wünsche ich Euch erstmal „Happy Biscuit Day“ liebe Menschen! Lasst es krachen – oder lieber knuspern.

Euer keksiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 248

Gestern war ja Feiertag. Nur was das für ein Feiertag ist, da seid Ihr Menschen Euch nicht ganz einig, scheint mir. War das jetzt Christi Himmelfahrt oder war das Vatertag? Na mir auch egal. Wobei – vielleicht auch nicht. Wir haben nämlich keinen Ausflug gemacht, obwohl Zeit gewesen wäre. Aber nachdem wir in letzter Zeit ein paar blöde Dorf-Erlebnisse hatten, sind wir heute lieber zu hause geblieben, weil ein paar Menschen meinten, es sei ein guter Tag um mit Bollerwagen, lauter Musik und viel Alkohol durch die Gegend zu ziehen. Und die kommen dann sogar hier draußen bei uns vorbei, wo sonst fast nie jemand ist. Mein Mädchen sagt, das gute daran ist, dass wir das vorher wissen und den Tag anders verplanen können.

Vielleicht war aber wirklich so was wie „Männertag“. Der Mann hat sich nämlich den Trecker vom Nachbarn geliehen und stundenlang damit gespielt. Sagt mein Mädchen. Er sagt, er hat gearbeitet. Und wir Ponys haben zugeschaut. Unter anderem hat er nämlich den Mist umgeschaufelt, damit die Schubkarre wieder leichter auszuleeren ist. Und ganz liebevoll hat er dabei um die Sonnenblume herum geschaufelt, die wir Ponys auf dem Misthaufen gepflanzt haben. Ja, wir Ponys machen das, das habt Ihr richtig gelesen! In unserem Schmatzofatz sind nämlich manchmal Sonnenblumenkerne. Und der eine oder andere davon entwischt unseren Zähnen und landet dann per Äppelhaufen-Express auf dem Mist. Wir haben dieses Jahr fleißig Sonnenblumen gesät und freuen uns schon wie schön das aussehen wird!

Liebevoll um die Sonnenblume herum geschaufelt
Diego schaut zu wie der Mann mit dem Trecker spielt – ich meine: arbeitet.

Diego ist immer sehr technik-interessiert und schaut gern genau hin wenn der Mann so tolle Sachen macht. Deswegen ist Diego auch so schlau und kennt sich so gut aus in der Welt, weil er sich alles ganz genau anschaut. Vielleicht war gestern für mich doch ein bisschen „Vatertag“. Weil ehrlich: Diego ist der beste Adoptivpapa der Welt! Wenn ich den nicht hätte! Und das tollste ist: er kann jetzt richtig, richtig gut spielen. Wisst Ihr noch, dass ich ihm das erst beibringen musste? Ich würde sagen, seine Ausbildung ist abgeschlossen. Der kann jetzt ganz schön loslegen! Normalerweise erklärt er mir ja die Welt und bringt mir alles bei, aber das spielen hab ich ihm erklärt. Und wenn wir genug gespielt haben, wandern wir zusammen herum oder machen ein Schläfchen. Ach, wir sind ein tolles Team. Und Diego kann Vatertag ohne Bollerwagen und Alkohol feiern – so wie der Mann, mit Männerspielzeug (würde mein Mädchen sagen. Und dann ist sie doch froh, weil der Mann mit dem Männerspielzeug so viel Arbeit weg schafft).

Diego kann jetzt richtig gut spielen!
Und zum schlafen kann ich mich ankuscheln wenn ich mag. Dann fühle ich mich ganz besonders sicher.

Wir haben dann statt Ausflug was neues ausprobiert, aber davon erzähle ich Euch nächstes Mal!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Plan B

Mit Duncan ist mein Leben meistens leicht. Ich mache einen Plan, wir folgen diesem Plan und haben Erfolg oder zumindest so weit Erfolg dass wir beide uns gut fühlen und diesem Plan weiter folgen können.

Aber manchmal halt auch nicht. Dann klappt es halt nicht wie geplant, alles ist anders und es herrscht Chaos und schlechte Stimmung. So wie diesen Montag. Nachdem Duncan mich am Sonntag so viel getragen hatte und wir sogar unseren ersten Trab so fein hinbekommen haben, wollte ich endlich mal wieder mit ihm auf die Wippe gehen, denn das erschien mir das perfekte Ausgleichsprogramm. Duncan liebt wippen und seiner Rumpfmuskulatur tut es sehr gut, also los.

Leider gibt es da ein kleines – oder eher größeres – Problem. Denn Duncan lässt (genau wie Merlin und Diego auch) auf der Wippe gern mal den „Rüssel“ hängen. Er schachtet also aus und zeigt alles was er hat. Und während das bei Merlin und Diego kein Problem für mich ist, finde ich es bei Duncan nicht witzig. Oder sagen wir so: ich möchte es nicht auch noch mit Futter belohnen. Denn ich möchte ja nicht, dass er das Gefühl hat, je hengstiger er sich benimmt, desto besser wird sein Leben. Und so ist es nun mal mit der Futterbelohung: man belohnt ALLES. So schön er auch wippt, ich belohne mit dem Keks dann eben auch, dass er seinen Penis in voller Schönheit raus hängen lässt. Und das finde ich keine gute Idee, wenn ich in allen anderen Situationen nicht möchte, dass das Ding draußen hängt.

Bisher habe ich es so gemacht: kurz auf die Wippe, dann kommt irgendwann das Ding raus, dann gehen wir wieder runter, machen was anderes, bis er ihn wieder eingezogen hat, gehen wieder auf die Wippe. Aber leider ist dieser Plan nicht aufgegangen. Am Montag war es dann eigentlich nicht möglich, ihn mehr als zwei mal wippen zu lassen, schon war es wieder passiert.

Zum Glück war mein Mann im Homeoffice und so konnte ich ihn um Rat fragen. Genau wie ich ist er der Meinung, dass eine Futterbelohnung in dieser Situation nicht in Frage kommt. Es geht nicht darum, Duncan dafür zu bestrafen oder ihn nicht zu loben, es geht mir nur ums Futterlob, denn Futterlob ist das größte und beste Lob was ich habe und ich möchte es nur vergeben, wenn wirklich alles toll gelaufen ist. Wenn er z.B. beim Hufe auskratzen nicht ganz still steht, bekommt er ja auch keinen Keks, sondern halt nur ein nettes Wort. So lernt er den Unterschied zwischen „gut gemacht“ und „absolut perfekt“ ganz nebenbei. Da ich aber die Wippe ausschließlich über Futter erarbeitet habe, habe ich derzeit keine Option ihn dann nicht mit Futter zu belohnen, weil er das nicht versteht und dann frustriert ist. Es muss also eine neue Strategie her. So haben wir dann am Montag geschaut, wie die Lage ist und besprochen, was ich nächstes Mal anders machen und ausprobieren könnte. Gewippt haben wir so gut wie nicht, schon gar nicht so, dass Duncans Rumpfmuskulatur etwas getan hätte.

Mein Frust war groß. Ich wollte doch nur ganz entspannt und schön mit Duncan wippen. Statt dessen ist da ein Problem zu lösen, mit dem ich noch null Erfahrung habe und bei dem ich eigentlich bisher nur weiß, wie es NICHT funktioniert. Es ist eine der wenigen Stellen an denen ich merke, dass Duncan Hengst ist und dass ich deswegen mit manchen Dingen anders umgehe (wie gesagt, bei den Wallachen stört mich das ausschachten nicht). Ich bin inzwischen etwas besser darin geworden, solche Frustmomente auszuhalten. Ich weiß: es wird eine Lösung geben, ich muss sie nur finden. Ich überlege, wen ich fragen kann und wie ich das gewünschte Verhalten in anderen Situationen noch besser herstellen kann. Denn ich weiß, dass ich bei der Handarbeit auch nicht immer ganz genau achtsam bin, was Futterlob bei hängendem Rüssel angeht. Ich bin dann oft so konzentriert auf die Übung und er macht es so gut und – zack! – habe ich das magische Wort (Keks!) gesagt ohne zu sehen dass er im „Angebermodus“ ist. Wenn ich aber den Keks versprochen habe, muss ich ihn auch geben, sonst ist das ganze System futsch. Und so hat er den einen oder anderen Keks kassiert, während die ganze Pracht ihm zwischen den Beinen herum baumelte. Woher soll er dann wissen, dass ich das nicht möchte? Das ist nicht seine Schuld. Ich glaube dass er es im Wesentlichen schon ahnt, aber so lange mein Verhalten unbeständig bleibt, wird es in Extremsituationen eben nicht funktionieren. Es wird immer Situationen geben, wo er übermannt wird von seinen Gefühlen, das ist weiter nicht schlimm aber wie gesagt möchte ich das nicht auch noch belohnen.

Und so muss ich nun auch andere Stellen meines Trainings noch einmal gut überprüfen und noch besser nachdenken wann es Kekse gibt. Das nächste Problem erwartet mich dann beim Reiten, wenn ich nicht sehen kann, was er da unten so tut. Dann bin ich auf meine Mitreiter angewiesen, mich darüber zu informieren was stattfindet oder von Anfang an ohne Futterlob arbeiten (was ich durchaus in Erwägung ziehe).

Außerdem habe ich ihm in Fremdpferde-Situationen gelegentlich wissentlich Kekse gegeben obwohl der Rüssel raus hing, einfach weil ich gesehen habe wie sehr er sich um gutes Benehmen bemüht hat. Und da brauche ich vielleicht die hohe Motivation durch das Futter, damit er bereit ist an etwas anderes zu denken als an die fremden Pferde.

Die meisten Menschen, die ich zu dem Thema befrage, sehen da übrigens überhaupt kein Problem. Sie finden es auch beim Hengst nicht schlimm, wenn er ausschachtet. Sie glauben nicht, dass er sich dafür belohnt fühlt und denkt, dass es völlig in Ordnung ist. Manche glauben sogar, dass das Ausschachten in so einer Situation für Entspannung steht und also gar kein Thema ist. Andere denken so wie ich. Es gibt also kein gesichertes Wissen darüber, was es genau für das Pferd bedeutet – es wird situations- und pferdeabhängig sein. Aber wie ich meinen Schülerinnen immer sage: Futterlob birgt Gefahren. Eben weil es so stark motiviert, belohnt man mit dem Futter auch extrem stark und festigt Verhalten viel schneller als wenn man ohne Futter lobt. Und wehe man hat dann aus Versehen etwas belohnt, was man nicht wollte! Folgerichtig bekam ich auf mein Nachfragen in den Hengstgruppen auf Facebook auch prompt wieder zu hören, man solle besser gar nicht mit Futter belohnen. Ich sage immer, die Pferde können mit Futterlob bestens umgehen, nur wir Menschen können das nicht – und das ist das Problem. Es will eben gut überlegt sein und genau das tue ich jetzt.

Aber ich habe bei meinen Nachfragen auch nützliche Hinweise erhalten über die ich so noch nicht nachgedacht habe. Alle meine Pferde waren bisher gemütliche Typen. Mein Job war, sie zur Mitarbeit zu motivieren, sie anzufeuern, ihnen möglichst viel Abwechslung zu bieten. Duncan ist da ganz anders. Duncan ist eher übermotiviert und sieht – wie sich erst gestern wieder gezeigt hat – auch kein Problem darin, noch die 5. Runde um mich herum zu traben (wo meine anderen Pferde alle nach einer Runde sagen „Job erledigt!“). Ich darf also sowieso noch einmal genau hinschauen, ob ich nicht das Futter lieber reduziere und tatsächlich nur für die ruhigeren Dinge wie z.B. stillstehen einsetze. Das geht gegen mein Gefühl, aber ich glaube es liegt eben nur daran, dass mein Gefühl darauf geeicht ist, mein Pony zu motivieren. Duncan steht aber mit seiner ganzen Energie da und weiß manchmal gar nicht wohin mit sich – er zeigt das im Zusammensein mit mir nicht so deutlich, aber in der Herde sehe ich es und ich denke ich tue ihm einen Gefallen, wenn er auch mit mir diese überschüssige Kraft in sinnvolle Bahnen lenken kann – dazu braucht er keine Extra-Motivation. Er verändert sich gerade sehr auf dem Weg vom Kind zum ganzen Kerl und meine Aufgabe ist es, mein Verhalten entsprechend mit zu verändern. Da wartet vielleicht noch mancher Frust-Moment auf mich, wenn Plan A plötzlich nicht mehr funktioniert. Aber den Frust darf ich dann umwandeln in Plan B, denn genau dieses Verhalten erwarte ich ja auch von meinem Pony.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 247

Frühling ist doch einfach toll! Jetzt wo es so fein ausgiebig geregnet hat (endlich!) ist das Gras auf der Wiese ordentlich gewachsen und wächst auch jeden Tag weiter. Und deswegen werden wir Ponys jetzt so richtig angeweidet. Das heißt, wir dürfen jeden Tag zwei mal aufs Gras und jedes Mal ein bisschen länger! Wenn wir dann ordentlich gemampft haben, sind wir immer müde. Dann gehen wir erst mal zum pennen in die Halle.

Verdauungsschläfchen

Mein Mädchen ist um diese Jahreszeit immer ein bisschen genervt, weil das ganze Anweiden den Tagesplan so durcheinander bringt. Aber es dauert halt so 2-3 Wochen bis wir dann die ganze Nacht auf Weide können und alles wieder seinen Gang geht. Und bis dahin muss sie jeden Tag neu überlegen wann sie uns raus lässt und wann sie uns wieder rein holt und wann es dann Heu gibt. Dazwischen meint sie, bleibt dann leider nicht sooooo viel Zeit, was mit uns zu machen, weil wir ja auch sehr beschäftigt sind mit grasen und verdauen. Aber das wird ja dann bald wieder besser.

Ach und übrigens: mein Reitpad ist fertig. Und schon getestet (im Trab!). Dank meiner Schneiderin sitzt jetzt alles perfekt, drückt nix, wackelt nix, nervt nix UND es ist auch noch so schön bunt! Alles farblich abgestimmt hier bei uns, man trägt grün, orange und braun. Schick, oder?

Dank der leuchtend grünen Gurtstrippe, die meine Schneiderin angenäht hat, haben wir jetzt zukünftig die volle Auswahl an Sattelgurten.

Heute ist übrigens Dienstag, da freu ich mich schon gleich wieder auf den nächsten Ausflug – juhuuuu! Genießt den Frühling, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 246

Vor fünf Wochen hat sie es mir versprochen, heute hat sie es endlich wahr gemacht! Wir sind getrabt! Juhuuuu! Also es war so: Mein Mädchen hatte mir das ja versprochen, seit sie im Wald diese schöne Strecke gesehen hat wo es ganz leicht bergauf geht und sonst genau gar nix ist – keine Straße, keine Leute, keine Pferde, keine Kühe oder sonst irgendwelche Ablenkungen. Dann hat es aber noch gedauert, bis es wirklich wahr wurde, weil ja noch so allerhand anderes zu tun war. Und heute war es dann so weit! Mein Mädchen – die ewige Bangbüx – war ganz aufgeregt. Und wenn mein Mädchen aufgeregt ist, bin ich das auch. Außerdem hab ich ne Menge Energie im Moment. Und sie hat ja schon dauernd an Trab gedacht, hab ich doch gemerkt! Also bin ich immer schon mal angetrabt. Nein, war nicht erlaubt. Wir sind laaaaange Schritt geritten, dann ist sie auch noch wieder abgestiegen und ein Stück gelaufen. Aber dann! Dann ist sie wieder aufgestiegen und hat gesagt „Trab!“ Und los ging’s! Kurz war es etwas chaotisch – ich wollte ja nun los, und zwar fix! Mein Mädchen aber ohne Sattel, hat sich beschwert dass es zu schnell ist und zu doll hopst, also musste ich langsam machen. Aber nach ein paar Sekunden hatten wir es raus und sind in einen guten Rhythmus gekommen. Und jetzt muss ich doch mal was gestehen: als es dann ein kurzes Stück steiler bergauf ging, war mein Mädchen doch ein bisschen schwer. Da hab ich vorgeschlagen, dass wir wieder Schritt gehen könnten, aber sie meinte, ich könnte das jetzt echt mal schaffen, wo ich doch immer so viel Extra-Energie habe. Hab ich dann auch geschafft. Und weil ich das alles so toll gemacht habe, ist sie danach wieder abgestiegen und zu Fuß gegangen. Jetzt ist aber noch was neu: weil sie nur noch so kurze Stücke zu Fuß geht, kann sie plötzlich richtig flott gehen! Alter Schwede, was kann sie Gas geben! Da musste ich echt lange Füße machen um mitzukommen. Und nach 10 Minuten ist sie dann auch wieder aufgestiegen und wir sind nochmal getrabt! Diesmal waren wir schon mehr in Übung und besser im Takt. Mein Mädchen war nur bisschen am Meckern, weil ich doch Lust hatte, nebenbei noch nach Diego zu haschen. Sollte ich nicht. Na gut. Wär aber lustig gewesen!

Und dann haben wir das alles wiederholt: Schritt führen, dann wieder aufsteigen und traben. Diesmal war sie total begeistert, weil ich raus gefunden habe, wie ich größere Schritte machen und sie besser abfedern kann.

Ach, das war doch wirklich ein großartiger Ausflug! Als nächstes wollen wir jetzt üben, mit Sattel zu reiten. Dann kann mein Mädchen bequemer traben und ich darf flotter machen. Das ist natürlich sehr in meinem Sinne! Und mein Mädchen sagt, das Grinsen wird sie die ganze Woche nicht aus dem Gesicht kriegen, weil es sooooo schön war und ich das so super toll gemacht habe!

Euer trabender Sir Duncan Dhu of Nakel

Bis die Seele nachkommt

Fast jeder kennt die Geschichte von den indischen Trägern im Himalaya, die nach der Überquerung eines Passes warteten, damit ihre Seele nachkommen konnte.

In unserer Gesellschaft ist warten irgendwie etwas ganz schlimmes. Lebenszeitverschwendung. Immer an die schnellste Kasse und bloß keine Sekunde warten müssen um im Internet einen Film herunterladen zu können. Das schnellste Auto fahren und niemals auf den Zug warten müssen. Warten, das ist furchtbar.

Auch ich kann warten oft nicht leiden – es hängt davon ab worauf ich warte. Aber ich habe erfahren, dass warten auch etwas sehr wertvolles sein kann. Oft warte ich mit Pferden vor dem Anhänger (während meine Schüler im Hintergrund ungeduldig werden), weil ich erlebt habe, dass die Pferde diese Wartezeit gut nutzen und nachher eine gute Entscheidung treffen. Bei Duncan habe ich auch gelernt, die Gerte zu heben und irgendwo an seinen Körper zu zeigen (ohne ihn zu berühren) und dann zu warten. Weil er immer etwas gutes daraus macht.

Warten, damit die Seele nachkommen kann ist noch etwas anderes. Dieses Jahr – in ein paar Wochen – wird Finlays dritter Todestag sein. Und dieses Jahr ist vielleicht das Jahr in dem meine Seele nachkommt. Dieses Jahr ist vielleicht das Jahr, in dem auch meine Seele endlich in der neuen Situation ankommt (die so neu ja eigentlich nicht mehr ist): Finlay ist nicht mehr hier, dafür ist Duncan hier. In der Zeit seit Finlays Tod habe ich zwar nicht nur gewartet – ich habe mein Leben gelebt, mein Pony ausgebildet und eine Therapie gemacht – aber ich habe auch immer wieder innegehalten und gewartet. Während dem Sammeln von Pferdeäppeln, dem Mähen der Wiese oder anderen Tätigkeiten die nicht so viel Konzentration erfordern, habe ich meiner Seele zugehört und gewartet und gehofft, dass sie sich in dieser neuen Situation einfindet. Manchmal dachte ich, sie sei schon angekommen, aber ich wurde eines besseren belehrt. Oft merkte ich bei einer kleinen Besserung erst, wie schlecht es mir vorher ging.

Es ist kein Zufall, dass er jetzt so viel besser wird. Es liegt zu einem großen Teil daran, dass Duncan mich jetzt trägt. Ich muss nicht mehr ständig auf meinen eigenen Füßen unterwegs sein und – noch viel faszinierender – ich muss nicht mehr ständig die gesamte Verantwortung allein tragen. Am Dienstag, als Duncan mich durch den Wald getragen hat und fast unermüdlich wirkte (fast! Dazu komme ich gleich noch), habe ich es deutlich gemerkt. Wenn ich auf seinem Rücken sitze, nimmt er ein Stück der Verantwortung auf sich. Anstatt sich ständig damit zu beschäftigen, ob er nicht Schabernack machen könnte, mich mal kneifen oder nach einem Grashalm haschen oder so, sind da weite Strecken auf denen er mit gespitzten Öhrchen in die Welt lauscht und mich im flotten Schritt voran trägt, was ihm offensichtlich sehr viel besser gefällt als wenn ich immer als Bremsklotz neben ihm hänge. Er kann sich offensichtlich besser konzentrieren, wenn er nicht ständig in Versuchung ist, ein Spiel mit mir anzufangen – dieses Phänomen konnte ich auch schon beim Fahren vom Boden beobachten. Wir können viel besser zusammen die Welt genießen und sind über meinen Sitz viel selbstverständlicher und natürlicher miteinander verbunden als es über jeden Strick möglich wäre – im Gegenteil, der Strick nervt oft, aber ohne geht es nun mal nicht.

Aber auch Duncans Seele braucht Zeit zum hinterher kommen. Etwas, was mir so wichtig ist, beim Anreiten junger Pferde. Zeit, das alles zu verarbeiten. Jetzt, wo er mich mehr, besser und schneller tragen kann, waren wir zum ersten Mal an dem Punkt, wo ich nicht abgestiegen bin, weil er körperlich am Limit war (bzw weil ich verhindern wollte dass es für seinen Rücken zu viel wird), sondern weil der Kopf nicht mehr mitgemacht hat. Nach unserer bisher längsten Reitreprise war da plötzlich eben keine gute Kommunikation mehr. Der Kopf war aus und auch nach dem Absteigen war Duncan leicht überdreht. Abends war er müde. Und ich merke: die Seele muss jetzt Zeit haben, nach zu kommen. Vom Spaziergeh- zum Reitpferd ist es eben doch ein großer Unterschied. Und all die Verantwortung die er übernimmt, kostet Energie. Das alles muss jetzt erst mal sacken können.

Auch Duncan wird nicht warten, während seine Seele nach kommt. Warten ist ja nun so überhaupt nicht sein Ding. Aber bis ich wieder aufsteige, vergehen ja sowieso ein paar Tage. Und ich finde jetzt heraus, woran ich beim reiten merke, wann sein Kopf überfordert ist und ich absteigen muss, obwohl der Körper vielleicht noch könnte. Wie ich meinen Ritter kenne, wird das alles weniger lang dauern, als ich jetzt vielleicht denke, aber es dauert so lange es dauert.

Währenddessen genieße ich das Gefühl, dass meine eigene Seele mich langsam wieder einholt. Und ich denke an die eine oder andere Schülerin, die oft selbst nicht hinterher kommen, wenn ihr Pferd sich entwickelt, die gar nicht mitkriegen, wie sehr ihr Pferd sich verändert hat, weil ihre Seele in früheren Erlebnissen noch fest hängt und Zeit braucht um nach zu kommen. Vielleicht lege ich da beim Unterrichten auch nochmal mehr Augenmerk drauf.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 245

Gestern war meine persönliche Schneiderin zu Besuch. Ihr wisst schon, die nette Dame die schon mein Halfter und mein Sidepull für mich umgebaut hat und fest zu meinem Team gehört.

Ich mag sie, denn sie mag Schimmel und zählt dann immer alle meine weißen Haare. Nein, nicht wirklich, zum zählen sind es ja schon zu viele. Aber sie freut sich sehr über jedes weiße Haar und sagt dann ich wäre „auf dem Weg zur Perfektion“ – ok, das muss noch diskutiert werden. Wieso „auf dem Weg“?

Nun fragt Ihr Euch bestimmt, was es denn schon wieder zu schneidern gibt. Na es ist ja so: ich bin ja sportlich voll durchtrainiert vom vielen spielen und deswegen habe ich einen richtigen Waschbrettbauch. Der ist nicht so rund wie der von den anderen Ponys. Und deswegen passt der Gurt vom Reitpad bei mir nicht so gut wie bei den anderen – der verrutscht so blöde, wenn wir länger unterwegs sind. Also soll das Reitpad umgebaut werden, damit mein Mädchen mir da einen komfortablen Gurt dran machen kann. Und dafür wollte die Schneidermeisterin Maß an mir nehmen.

Der Gurt verrutscht so blöde

Das war vielleicht ein Getüddel sage ich Euch! Was haben sie da zu dritt an mir herum gefummelt, hin und her, vor und zurück und diskutiert wie es am besten geht. Ich bin verschnürt worden wie ein Paket. Aber ich bin ja ein geduldiger Ritter (gegen die entsprechende Bezahlung, versteht sich).

So viel Getüddel!
Verschnürt wie ein Paket.

Mein Lieblingsmoment war übrigens der, als mein Mädchen dann meinte, sie setzt sich kurz auf meinen Rücken damit wir mal gucken können wo sie denn optimaler Weise sitzen würde. Wie immer ist sie mit einem großen Sprung auf mich drauf gehüpft – nur leider hat sie vergessen, dass sie ja gar keine richtigen Schuhe an hat sondern nur ihre ollen Stallschlappen! Der rechte Schlappen flog dann munter durch die Luft und ging hart neben mir zu Boden. Aber der Mann, ganz Gentleman, hat ihn ihr wieder an den Fuß gesteckt. Nachher ist mein Mädchen nochmal rauf gehüpft, aber diesmal hat sie die Schlappen kurzerhand vorher ausgezogen und ist einfach sockfuß aufgesprungen. Was hat sie für ein Glück dass ich so ein netter Kerl bin, mit mir kann man so was machen. So lange die Keksrate stimmt, versteht sich.

Reiterstatue Sockfuß!

Als sie sich wegen dem Pad dann endlich einig waren, durfte ich noch als Modell herhalten für einen Filzsattel den die Schneiderin für ein anderes Pferd angefertigt hat. Auch schön!

Modell stehen.

Aber dann hatte ich wirklich genug von der Fummelei. Das nervt nach einer Weile doch sehr! Zum Glück kann mein Mädchen das gut verstehen, die mag auch nicht wenn man an ihr rum tüddelt (beim Friseur zum Beispiel) und deswegen hat sie mich entlassen und wir durften ein bisschen auf die Weide. Uff.

Jetzt sind wir gespannt wie mein Reitpad aussieht, wenn es fertig umgebaut ist. Auf jeden Fall farbenfroher als vorher! Ich werde selbstverständlich berichten.

Euer bunt gekleideter Sir Duncan Dhu of Nakel