Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 125

Mein Mädchen wollte ja nie wieder einen Schimmel. Obwohl Merlin wirklich schön ist – und auch reinlich (im Gegensatz zu vielen anderen Schimmeln) – findet sie, gerade bei uns Schotten, Falben viel schöner. Aber ich habe einfach ihr Herz erobert und ein gutes Pferd hat eben nie die falsche Farbe! Jetzt hat sie also zwei Schimmel – einen weißen und mich. Und ich bin noch weit von weiß entfernt. Nur keine Eile! Das einzige was an mir schon sehr weiß geworden ist, ist mein Wallehaar. Mein Fell macht derweil was es will. Jetzt zum Beispiel sieht es wieder so aus, als würde ich ganz schnell ganz weiß werden. Aber mein Mädchen fällt da nicht mehr drauf rein. Das sind nämlich „Fake News“!

So viele weiße Haare!
Hier seht ihr mein kleines Geheimnis -mein Mädchen hat’s entdeckt!

Diese vielen weißen Haare werde ich jetzt nämlich alle entsorgen im Laufe des Fellwechsels. Die Vögel freuen sich, die polstern ihre Nester damit aus. Und ich produziere derweil mein Sommerfell und das ist ganz dunkel! Seht Ihr diesen kleinen schwarzen Fleck? Da ist schon Sommerfell nachgewachsen, nachdem Diego mir im Spiel etwas Fell ausgerissen hatte. Mein Mädchen hat das gesehen und jetzt kann ich sie gar nicht mehr damit überraschen. Schade. Letztes Jahr ist sie mir so schön auf den Leim gegangen, hat gedacht, ich würde ganz schnell weiß werden.

Aber schaut mal, so war das bei meinem Papa, Trailtrow Ghillie Dhu. Leider weiß ich nicht wie alt er auf den Fotos jeweils ist.

Da war Papa anscheinend noch recht klein – vielleicht so wie ich jetzt?
Da war er schon etwas größer – vielleicht so 4 Jahre alt?
Sieht das nicht schick aus? Leider weiß ich nicht, wie alt Papa da war.
Das war als mein Mädchen uns zum ersten Mal besucht hat. Da war Papa 14 Jahre alt.

Ihr seht also, es wird nicht so schnell langweilig mit einem Schimmel im Stall. Man weiß ja nie, was wir so für Überraschungen parat halten! Die anderen haben ja immer die gleiche Farbe. Und deswegen ist mein Mädchen auch gar nicht traurig, dass ich ein Schimmel bin.

Aber in Wirklichkeit ist es so: sie liebt mich heiß und innig und würde das selbst dann tun, wenn ich rosa Fell mit türkisfarbenen Sternen hätte. Aber zum Glück gibt es so etwas bei uns Ponys nicht, denn ich persönlich würde das doch sehr peinlich finden.

Euer schimmeliger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 124

Gestern meinte mein Mädchen, die Sonne scheint so schön, da können wir mal Glitzertag zu hause machen. Weil ich glitzernde Sachen ja immer so komisch finde. Aber da zeigt sich ja wieder, wie wenig sie davon versteht. Ich weiß doch ganz genau, dass das im Paddock nicht gefährlich ist! Aus zwei Gründen. Erstens würde sie niemals etwas gefährliches zu uns nach hause bringen, weil sie doch immer viel zu viel Angst um uns hat. Zweitens würde sie sich selbst nicht trauen, so ein gefährliches Ding anzufassen – sie ist ja nun auch nicht gerade die mutigste. Also haben wir schön mit dem Glitzerding gespielt. Der Mann hat gefilmt – aber obwohl er behauptet es wäre Schokoladenverpackung muss ich leider sagen: es war keine Schokolade drin. Und essen durfte ich auch nix. War trotzdem lustig!

Gold steht mir auch, oder?

Euer Ritter in glitzernder Rüstung Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 123

Da ja jetzt die Saison wieder eröffnet ist, muss ich zusehen, dass ich mein Mädchen nach der Winterpause wieder fit kriege! Dafür habe ich einen Trainingsplan ausgearbeitet. Die letzte Woche lief wie folgt:

Sonntag 7km Spaziergang mit allerhand Unterhaltung (ich hatte berichtet).

Montag leichtes Training im Roundpen. Hier trainieren wir vor allem ihre Körpersprache

Dienstag 4km die sie hinter mir her gelaufen ist. Das klingt erst mal wenig, ist aber recht anspruchsvoll für mein Mädchen, weil sie erstens mit mir Schritt halten muss und dann auch noch die Leinen und die Peitsche sortieren. Zudem habe ich an ihrer Konzentrationsfähigkeit gearbeitet indem ich zum Beispiel überraschende Stopps eingelegt habe um Äppelhaufen zu untersuchen.

Mittwoch als Ausgleichsgymnastik durfte sie mir die Hufe schön machen

Donnerstag war Wippentraining angesagt. Dabei arbeite ich an ihrer Reaktionsgeschwindigkeit und an der Keksrate

Freitag waren wir dann nochmal im Roundpen. Ihr Körpersprache ist wirklich ausbaufähig was sich auch am

Samstag auf dem Reitplatz wieder zeigte, wo wir auch noch daran gearbeitet haben, dass sie den Strick richtig handhabt. Da sie so lange nur Freiarbeit gemacht hat, ist sie da ganz schön aus der Übung!

Am heutigen Sonntag haben wir dann eine etwas größere Ausdauer-Trainingseinheit eingelegt: 10km in knapp zwei Stunden also strammer Schritt mit ein paar kurzen Trabeinlagen. Gleichzeitig habe ich ihre Geduld und Konzentration auf die Probe gestellt indem ich die erste Hälfte der Strecke mit kleinen Spaßeinlagen aufgepeppt habe (bisschen antraben, ab und zu kneifen, gelegentlich schubsen und so. Ihr wisst schon). So wie sie danach geguckt hat denke ich, sie braucht morgen zum Ausgleich wieder etwas ruhigeres.

Insgesamt eine schöne, ausgewogene Trainingswoche, die schon einiges für die Grundfitness gebracht hat. Als nächstes möchte ich vor allem die Trabeinlagen beim Spazierengehen verlängern, damit sie auch mal ein bisschen in Schweiß kommt und was für ihre Lunge tut. Außerdem werden wir ihre Fertigkeiten an den Fahrleinen weiter verbessern und auch da die Kilometerzahl nach und nach erhöhen. Entscheidend wird jetzt vor allem sein, dass wir kontinuierlich weiter arbeiten und nicht zu viele Pausentage einlegen, das habe ich ihr schon erklärt!

Euer „Mädchen-Trainer“ Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 122

„Männer sind Spielkinder“ sagt mein Mädchen. Also ihr Mann ist definitiv ein Spielkind. Mein Mädchen hat ihn gebeten, mich kurz zu halten. Dann sagt sie manchmal aus Spaß „meinst Du, Du wirst mit dem wilden Hengst fertig?“ Und dann macht der Mann sowas:

Hä?

Und kaum ist sie dann um die Ecke gegangen um etwas zu holen, macht er noch mehr Quatsch!

Hm.

Aber einer hier ist nicht so ein richtiges Spielkind gewesen am Anfang. Diego der Große! Der war immer sooooo ernst. Das fand ich gar nicht gut! Ich mag ihn doch so gern und er ist mein Adoptiv-Papa, da muss er doch auch mit mir spielen! Aber am Anfang wusste er gar nicht so richtig wie das geht. Am Anfang hab immer nur ich gespielt und er hat sich bisschen im Kreis gedreht. Jetzt, ein gutes Jahr später, habe ich ihm das schon ganz gut beigebracht. Und die Menschen staunen, dass Diego doch eben auch ein Spielkind ist – irgendwo ganz tief drin. Und ich hab das raus gelockt aus ihm. Toll oder? Inzwischen hat er so viel Spaß am Spielen, dass er sogar mal anfängt. Zumindest wenn ich ihn anschaue und ihm sage dass ich spielen will. Dann kommt er zu mir und fängt an nach mir zu haschen mit seinem großen Maul. Und dann geht’s los! Juhuuu! Jetzt lernt er das Steigen und vielleicht schaffe ich es noch, ihm auch das runtergehen auf die „Knie“ beizubringen – Ansätze macht er schon manchmal. Und mein Mädchen freut sich, weil Diego jetzt mehr Sport macht. Das ist wichtig für ihn, sagt sie, und sie hat mich zu seinem personal trainer ernannt. Gerne doch – kann ich gut. (Das weiß mein Mädchen ja schon aus eigener Erfahrung).

Wenn Ihr das jetzt dreimal täglich je 15 min in Dauerschleife guckt, habt Ihr einen realistischen Eindruck.

Euer Spiel-Trainer Sir Duncan Dhu of Nakel

Gemeinsam fürchten

Gut, nun ist es also raus. Es gibt etwas, wovor Duncan sich wirklich fürchtet. Anfangs hatte ich da ja nicht so dran geglaubt – Ihr erinnert Euch? Also wovor fürchtet er sich? Vor der Autobahnbrücke!

Schon im Herbst hatten wir festgestellt, dass die Autobahnbrücke unsere erste echte Herausforderung werden könnte (er hat Euch vor kurzem davon erzählt).

Da habe ich ihn doch einfach überschätzt in seiner Gelassenheit. Wir hatten – zum Glück! – den Anhänger ein Stück hinter der Autobahnbrücke stehen. Ich dachte, einmal da rüber gehen reicht. Das war aber auch das einzige schlaue was ich an dem Tag gedacht hatte, der Rest war leider Mist. Es war nämlich so, dass Duncan auch noch vorneweg gegangen ist, also Diego und Arnulf hinter uns waren auf der Brücke. Wir hätten ihn zwischen uns nehmen sollen, aber er ist so mutig mit mir voran marschiert, dass ich dachte „der macht das schon“. Na, hat er ja auch. Nur sehr viel aufgeregter als geplant. Und dann war das auch noch die Autobahnbrücke auf der irgendwie oben auch noch jedes mal Autos fahren wenn man da rüber will. Wir hatten wirklich Glück, dass die beiden Autofahrer – ein Auto von vorn und eins von hinten – so nett waren, zu warten und der Idiot, der mit gefühlten 100km an uns vorbei gebrettert ist, erst kam, als wir schon wieder runter waren von der Brücke. Naja, es ist alles gut gegangen, aber ich war wirklich fertig mit den Nerven.

Wenn so etwas passiert, dann mache ich immer gleich Pläne. Ich liebe nun mal Pläne! Also habe ich nach Brücken gesucht, unter denen Wasser fließt. Also so richtig fließt. Und nach Brücken über Straßen, auf denen wir üben können, nur da zu stehen und zu gucken, ohne gleich rüber gehen zu müssen und ohne dass ständig Autos kommen.

Dann kam der Winter und es wurde nix mit dem Üben. So haben wir bis jetzt erst eine kleine Brücke über Wasser und den Sonntagsausflug zur Autobahnbrücke gemacht.

Nun hätte es ja auch sein können, dass mein Pony sagt: Ja, das war zwar gruselig, aber es ist ja nix passiert, also können wir das ruhig machen. Und wenn ich stabilere Nerven hätte, würde ich vielleicht genau das tun: mit ihm da rüber marschieren bis er merkt dass es ok ist. Ich glaube, für Duncan wäre das zwar aufregend, würde aber funktionieren. Aber meine Nerven geben das nun mal nicht her und langsamer ist mir auch wirklich lieber. Am Sonntag hat sich auch gezeigt, dass er es wirklich gruselig findet. Also möchte ich versuchen, die Übungsschritte so klein zu halten, dass er sich nicht fürchten muss. Zum Glück kann man Duncan – ganz im Gegensatz zu Finlay – gut ansehen, wann er sich fürchtet. Wir stehen also am Sonntag da am Rande der Brücke und Sir Duncan bekommt seeeeeeehr spitze Ohren. Um zu sehen, ob er mich noch wahrnimmt, sage ich „zuuuuurück“ ohne mich dabei zu bewegen. Und siehe da, er geht ohne Zögern einen Schritt zurück (und kassiert einen Keks). Das klappt zwei oder drei mal, nur einmal braucht er einen leisen körpersprachlichen Hinweis. Also lerne ich: selbst wenn er schon sehr auf die Gefahr fixiert aussieht, ist er noch ansprechbar. Nun stellen sich weitere Fragen: wie schnell verbessert sich das, wie viele Wiederholungen braucht er? Wie sieht er aus, wenn er wirklich nicht mehr ansprechbar ist und was muss ich dann tun damit er wieder ansprechbar wird? Braucht er viele verschiedene Brücken oder klären wir das an einer und dann sind alle ok? Was ist wenn Diego vorne weg oder neben dran geht? Wie viel Unterschied macht die Verkehrsdichte, die Geräuschkulisse und das „Glitzern“?

All das sind Dinge, die ich in den vergangenen 1,5 Jahren mit Duncan noch nicht erforschen konnte, weil wir so eine Situation noch nicht hatten. So wird das dieses Jahr mein „Projekt“: möglichst viel gemeinsame Lebenserfahrung sammeln. Er soll möglichst viele Dinge sehen und erleben und ich möchte ihn in möglichst vielen verschiedenen Situationen sehen, erleben und begleiten. So dass wir dann, wenn es wieder in den Winter geht, hoffentlich eine lange Liste an Dingen haben, die gut klappen.

Meinen damaligen Artikel hatte ich getitelt „von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“. Und vielleicht ist das das, was wir nun tun. Wir lernen, uns gemeinsam zu fürchten (denn oft habe ich mehr Angst als er; Angst, dass meinem geliebten Pony etwas passiert). Und wir lernen, uns dann den Dingen langsam anzunähern, vor denen wir uns fürchten. Denn Mut heißt nicht, keine Angst zu haben, Mut heißt, es trotz Angst zu tun. Und wenn alles gut läuft, wird er auch lernen, dass ich Gefahren wahrnehme und – in seinen Augen – realistisch einschätzen kann. Denn da liegt oft der Hase im Pfeffer: Pferde finden andere Dinge gefährlich als wir. Und wenn wir unsere Pferde immer wieder in Situationen bringen, die sie gefährlich finden und aus denen sie rauskommen, sich quasi den Schweiß von der Stirn wischen und sagen „das war knapp!“ dann verspielen wir ihr Vertrauen. Duncan soll erleben, dass wir uns Dingen gemeinsam annähern. Und uns dann wieder gemeinsam zurück ziehen. Und wieder annähern und erforschen und erkunden – so lange bis wir uns beide sicher sind, dass das wirklich ungefährlich ist. So wie Pferde es eben tun, wenn sie eine Wahl haben. Und mein Job wird sein, ihm diese Wahl zu lassen und ihn trotzdem zu führen – ein schmaler Grat. Und viel Arbeit. Aber einen lohnende Investition in eine Zukunft, in der wir hoffentlich dann, wenn uns etwas gruselig ist, ein Stück zusammenrücken und uns zuflüstern „gemeinsam schaffen wir das“.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 121

Gestern sind unsere Mädchen verrückt geworden! Naja ein bisschen verrückt waren sie ja schon immer, aber gestern sind sie endgültig durchgedreht. Hallo, Mädchen, ich bin HENGST ok? HENGST! Und mein Spaziergehkumpel ist zwar kein Hengst mehr aber er fühlt sich wie einer und abgesehen davon dass er keine kleinen Ponys mehr erzeugen kann, hat er alle notwendigen Fähigkeiten noch voll drauf (ich hab das mit eigenen Augen gesehen – und genau hingeschaut!). Also was bitte soll denn DAS?

Zöpfe? Echt jetzt? Und es sieht aus als wäre ich mit meinen zwei kleinen Zöpfchen noch gut weggekommen…

Nachdem sie dann fertig waren mit Verrücktheiten, sind wir in die Wackelkiste geklettert. Mein Spaziergehkumpel war so geschockt von unseren neuen Frisuren dass er ganz schnell eingestiegen ist – ohne zögern oder überlegen. Sonst hat er ja mitten auf dem Weg in die Wackelkiste immer nochmal kurz abgebremst.

Wir sind dann in den Wald gewackelt und mein Mädchen hat mir das Fahrgeschirr angezogen. Oh, das ist ja mal was neues! Dabei hab ich auch gemerkt was es mit den Zöpfen auf sich hat. So kann sie nämlich das Zaumzeug einfach über meinen Kopf ziehen und muss nicht die Haare einzeln sortieren. Na gut.

Wir sind dann losmarschiert – das Mädchen vom Spaziergehkumpel hat uns beide geführt und mein Mädchen lief hinter mir her. Gleich als erstes mussten wir an einem Pferd vorbei – ein schwarzer Hengst! Ooooooh …. ach so ich darf nicht gucken und nicht stehenbleiben und nicht angeben. Na gut.

Als wir dann im Wald waren ist das Mädchen vom Spaziergehkumpel aufgestiegen und geritten und mein Mädchen hat mich von hinten gelenkt. Kann ich jetzt, haben wir ja gut geübt! Aber ich hab was raus gefunden: Wenn sie hinten dran ist, kann sie nicht gut verhindern, dass ich den Spaziergehkumpel in den Po kneife! Mein Mädchen hat geschimpft wie ein Rohrspatz aber das war mir egal. Kneifen, kneifen, kneifen! Das Ende vom Lied war, dass ich schließlich vorneweg gehen musste. So war einfach kein Po vor mir in den ich hätte kneifen können. Schade. Aber vorneweg gehen mag ich ja auch. Ein bisschen aufregend war das schon, denn es wurde schon dämmrig im Wald und mit den Augenklappen kann ich nicht so gut zur Seite gucken und ja auch mein Mädchen nicht sehen. Einmal hab ich mich doll erschreckt und bin zur Seite gehüpft. Dann hab ich gemerkt dass da doch nichts war und bin weiter gegangen. Mein Mädchen war sehr stolz auf mich und hat gesagt das hätte ich prima gemacht. Erschrecken ist ok nur los rasen sollte man dann nicht. Zum Schluss war ich ziemlich kaputt im Kopf. Mein Mädchen meinte ich würde schon wieder so rennen. Sie hat mich dann Schlangenlinien gehen lassen bis ich wieder zuhören konnte. Und dann waren wir auch schon zurück. Rein in die Wickelkiste und ab nach hause. Zum Glück haben die Mädchen die Zöpfe wieder raus gemacht. Jetzt haben wir Locken! Oje. Aber der Ausflug war toll. Ich mag es ja immer am liebsten wenn es mal wirklich anstrengend ist. Im Kopf. Im Körper darf es noch nicht angstrengend sein, sagt mein Mädchen. Das mache ich dann beim Spielen, auch gut. Aber in ein paar Jahren darf ich auch mal so lange laufen wie ich mag, sagt mein Mädchen. Freu mich schon!

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 120

Ui, das war vielleicht ein Sonntagsspaziergang! Aber bevor ich Euch davon erzähle, muss ich ein Geständnis ablegen. Ich bin ja Ritter, wie Ihr wisst, und deswegen total furchtlos. Aber ich bin halt noch kein ganzer Ritter, ich bin ja noch in Ausbildung. Und es gibt eben doch noch Momente der Schwäche….

Im Herbst (als ich noch viel kleiner war) haben wir einen Spaziergang gemacht – Diego der Große und ich mit unseren beiden Menschen – und ich wandere so neben meinem Mädchen auf der Straße entlang und dann geht das da den Berg hoch und plötzlich sehe ich, dass es an beiden Seiten ganz tief runter geht und da unten Blechkisten von rechts nach links sausen! Ich wollte mich noch zusammenreißen, wirklich. Aber das war ehrlich angsteinflößend! Ich hab meinem Mädchen gesagt, dass wir zusehen müssen, dass wir hier weg kommen! Sie hat gesagt, wir müssen es irgendwie schaffen, geradeaus da rüber zu gehen ohne dass wir dabei in wilden Galopp fallen. Ich habe mich sooooooo angestrengt und schließlich waren wir drüben auf der anderen Seite. Dann war alles wieder gut – zumindest aus meiner Sicht. Mein Mädchen war fertig mit den Nerven. Sie hat so doll Angst gehabt! Mehr als ich, glaube ich. Dann hat sie sich bei mir entschuldigt. Nochmal und nochmal und nochmal. Sie hat nicht gedacht, dass ich mich so doll fürchte, weil ich mich doch sonst (fast) nie richtig doll fürchte. Ich fand das jetzt nicht so schlimm. Wir haben es ja überlebt, mein Mädchen! Aber sie hat einen Plan geschmiedet. Einen Brücken-Übungsplan. Einen Teil davon haben wir schon erledigt. Aber es gibt noch viel mehr Teile in diesem Plan. Gestern haben wir noch zwei Teile erledigt. Und noch viel mehr erlebt- und das völlig ungeplant. Also das kam so: Wir sind kurz in der Wackelkiste gewesen und dann an einem Platz raus gekommen den ich schon kannte. Aber diesmal sind wir von da aus in die andere Richtung los gelaufen. Gestern war wieder „Glitzertag“. So nennen wir das wenn die Sonne so scheint, dass alles glänzt und glitzert. Das finde ich immer eine Spur unheimlich. Als erstes war da eine Leitplanke die jemand über einen Graben gelegt hat. Das hat so geglitzert! Das haben wir uns kurz angeschaut. Dann kamen wir über einen kleinen Fluss, der hat auch so geglänzt! Der Mann hat dann Stöcke in den Fluss geworfen und ich bin jedes Mal zusammengezuckt wenn der Stock ins Wasser gefallen ist. Aber ich hab auch Kekse bekommen und dann wurde es besser. Dann schön durch den Wald wandern….. alles fein. Als wir aus dem Wald wieder raus kamen war da ein Bauernhof. So was kenne ich. Da sind immer Maschinen und oft auch Krach und so. Aber das war schon eine andere Dimension. Da war das so laut! Ziemlich aufregend. Ich bin aber tapfer vorbei marschiert. Kaum war es nicht mehr laut, habe ich es wiehern gehört – Pferde auf der anderen Seite des Zauns! Ich hab zurück gewiehert aber mehr darf ich nicht machen, sagt mein Mädchen. Nicht hingehen, nicht schnuppern, auch keine Angeberei am Halfter. Na gut. Dann kamen wir an eine Stelle die war ungefähr so romantisch wie die hier. Da durfte ich Gras essen, während die Blechkisten an uns vorbei gesaust sind. Gehört mit zum Übungsplan. Ok wenn Du meinst, mein Mädchen. Dann noch ein Stück weiter und dann waren wir an unserem eigentlichen Ziel. Es war so wie bei dem anderen Spaziergang: man geht die Straße entlang, den Berg hoch und plötzlich sind die Blechkisten rechts und links unter einem!

Die Blechkisten kann man leider auf dem Bild nicht sehen. Aber ich konnte sie sehen – und hören!

Aber diesmal sind wir nicht rüber gegangen. Wir haben uns hingestellt und Blechkisten angeschaut. Diego ist da ja unbeeindruckt. Der ist auch ein gutes Stück weiter gegangen und ich muss sagen ich bewundere ihn sehr für diesen Mut. Mein Mädchen und ich sind ganz am Anfang stehen geblieben. Ich habe meinem Mädchen gesagt, dass ich auch mit ihr da rüber gehe, wenn sie es meint. Wir schaffen das schon! Aber mein Mädchen hat gesagt, das machen wir nicht, da fürchtet sie sich zu doll. Davor dass ich mich fürchte. Ui, kompliziert. Wir haben da also eine Weile herumgestanden und ich durfte Kekse essen und gucken.

Wenn Ihr den Ton aufdreht könnt Ihr die Blechkisten hören!

Und dann haben wir umgedreht. Auf dem Rückweg haben wir eine Abkürzung über den Bauernhof genommen – das war aber auch noch mal spannend. Was da alles rum lag! Uiuiui, schade, dass wir da keinen Müll sammeln konnten, das hätte sich wirklich gelohnt. Dann nochmal über das Wasser, wieder ein paar Stöcke rein werfen – diesmal habe ich nicht gezuckt – an der spannenden Leitplanke vorbei und in die Wackelkiste. Mein Mädchen war kaputt. Ich nicht so, mein Kopf war zwar voll aber nicht überfüllt. Abends kam mein Mädchen zu mir und hat sich schon wieder entschuldigt. Warum? Weil sie so viel Angst hat. Sie sagt, ich würde das ja alles so toll machen und alles richtig machen und es täte ihr leid, dass sie immer so angespannt ist, wenn wir so was üben. Aber dass wir das einfach so lange und so oft üben bis wir es beide können. Sie hat auch gesagt, ich müsste lernen, damit klar zu kommen, dass sie mal „drüber“ ist, denn das wird später auch so sein, wenn wir auf richtige Distanzritte gehen. Sie ist ja immer so viel schneller müde als ich. Sie sagt, sie bringt mir alles so gut bei, dass ich dann später auch klar komme, wenn sie nicht mehr kann und ich auf sie aufpassen muss. Ach Mädchen, das läuft schon. Bin schließlich Ritter! Auf die Damen aufzupassen wurde mir in die Wiege gelegt! Und jetzt auf zu neuen Abenteuern, würde ich sagen!

Euer mutiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Sorgfalt

Jedes Jahr im Sommer, wenn das neue Schuljahr anfing, hatte ich alles ganz ordentlich. Ich wollte es wirklich durchhalten. Schön schreiben, kein Chaos in Heften und Büchern und keine Aufgaben vergessen. Keine Zettelwirtschaft weil das Matheheft nicht da war, keine Knickeohren weil der Ranzen nicht richtig gepackt war.

Aber lang gehalten hat diese Ordnung bei mir nie. Noch heute staune ich über Menschen, die die perfekte Ordnung nicht nur herstellen, sondern dauerhaft halten können.

Wenn ich heute große, berühmte Pferdetrainer sehe, sehe ich oft genau solche Menschen. Die ganz ordentlichen, oft in meinen Augen schon pedantischen. Große Reitmeister, bei denen für ihre Schüler eine Kleiderordnung herrscht oder der Zwang eine gewisse Ausrüstung zu benutzen oder jene bekannte Ausbilderin, die in ihrem Buch schreibt, es sei für sie ein Zeichen des Respekts gegenüber ihrem Pferd, dass sie gut angezogen in den Stall kommt. Die Dame ist sogar perfekt geschminkt bei ihren Pferden – da wundere ich mich, muss ich sagen. Oder ich kichere auch mal…

Den Pferden wird es wohl eher egal sein, was wir anhaben, vermute ich. Der Ritter ergänzt: so lange es Kekstaschen hat.

Und so lange jeder sich das Pferd anschafft was zu ihm passt, ist auch alles gut. Denn manches Pferd braucht diese Pedanterie. Immer gleiche Abläufe, total vorhersehbare Übungsstrukturen, eine kreativitätsfreie Zone, möchte ich sagen. Es gibt Pferde, denen gibt das Sicherheit und die profitieren von so einer Ausbildung. Als ich auf Reitlehrersuche war, hatte ich mir Videos angeschaut von einigen bekannten Trainern. Mir bleibt eine Szene im Gedächtnis in der ein Lehrer seine Schülerin unterrichtet und das Pferd etwas mehr anbietet als gefragt wurde. Das Publikum freut sich und applaudiert, der Lehrer sagt trocken „das nehmen wir nicht an, weil das nicht gefragt wurde“. An dieser Stelle wusste ich, wo ich keinen Unterricht nehmen werde. Ich verstehe den Gedanken dahinter. Wenn ich später jede Bewegung meines Pferdes steuern können möchte, darf es weder weniger noch mehr tun als ich frage. Aber wenn ich so mit Merlin gearbeitet hätte, würden wir wohl noch heute ohne Motivation unterwegs sein. Merlin liebt, wie ich, das Spiel. Das Ausprobieren und das Chaos. Er möchte sich zeigen und hat eine Menge eigene Ideen im Angebot. Es ist das, was ihm immer die Herzen der Zuschauer geöffnet hat, wenn wir auf einem Kurs waren. Und noch heute ist er bereit, sein Bestes für mich zu geben, damit ich lache und mich freue, und sein Bestes darf dann auch mal verrückt sein. Wenn er mich ansteigt, landet, nach vorn auf mich zu springt und wieder steigt sage ich oft „das darfst auch nur Du“. Wir kennen uns halt seit 20 Jahren, ich vertraue ihm total, weil ich weiß, was geht und was nicht. Und Merlin, der dieses Jahr stolze 28 Jahre alt wird, hat Narrenfreiheit bei mir.

Ausbilder, die mein Pony nicht verspielt sehen wollen, die ihm keine Kreativität gönnen und solche, die ihn nicht so loben wie er es gern mag (er möchte zum Reitlehrer hingehen dürfen und hören, dass er das allerbeste Pony der Welt ist), sind für mich mit Merlin tabu. Ich habe hervorragenden Unterricht genossen und kann mich doch nicht überwinden, wieder hin zu fahren aus eben jenen Gründen. Reitlehrer, die Pferde wie kleine Ballettschüler behandeln, sind nichts für mich. Sie sind nicht schlecht, das will ich damit nicht sagen. Und es ist grundsätzlich ja gut, wenn es Regeln gibt, an die sich alle halten. Aber ich brauche auch eine spielerische Stimmung.

Und jetzt kommt Duncan. Er ist 26 Jahre jünger als Merlin und wir kennen uns noch nicht einmal ein Zehntel der Zeit. Außerdem ist er Hengst und wird es hoffentlich bleiben. Er ist wahnsinnig sensibel – ganz im Gegensatz zu Merlin und Finlay – aber auch wahnsinnig schlau. In den eineinhalb Jahren die wir jetzt miteinander verbracht haben, war ich sehr beständig. Ich habe mit hoher Konzentration und sehr klaren Regeln gearbeitet. Ich versuche, immer alles gleich zu machen, um die Dinge, die wir jetzt tun, als gute Gewohnheiten für immer zu fixieren. Aber jetzt, wo wir uns besser kennen, fängt es an. Ich merke, wie sich bei mir kleine Nachlässigkeiten einschleichen. Er schaut nicht mehr immer weg, bevor es den Keks gibt. Ich habe wohl ein paar Mal den Keks verdächtig nah an der Tasche gefüttert und das macht sich sofort bemerkbar. Nach dem Spaziergang neulich hatten Arnulf und ich ein Gespräch, in dem er mich erinnert hat, dass da noch 200kg Masse, ein paar Zentimeter Größe und eine Menge Hormone dazukommen werden und dass ich das mit einrechnen darf, wenn es um Duncans Erziehung geht. Spielen und kreativ sein und endlose Freiräume gestatten ist noch nicht drin. Die Kröte muss ich jetzt wohl schlucken, auch wenn es mich nervt. Ihn nervt es übrigens offensichtlich nicht.

Ehrlich gesagt ist das für mich einer der größten Gemeinheiten: mit Finlay war ich nun gerade raus aus dieser Anfangs-Phase. Er war alt genug, ich konnte mich auf die Grunderziehung verlassen, auch die Pubertät war endgültig durch. Wir konnten Spaß haben und mussten nicht mehr pedantisch Erbsen zählen. Die Regeln waren klar und alles war gut. Und nun fange ich von vorne an. Muss wieder – entgegen meiner eigentlichen Natur – das spielerische Element verschieben. Denn ich weiß: wenn ich Duncan jetzt zu sehr für kreative Gegenvorschläge belohne, wenn ich zu sehr darüber lache, dass er Quatsch macht, wenn ich zu oft nicht darauf bestehe, dass er es GANZ richtig macht, dann haben wir nachher die doppelte und dreifache Arbeit. Ich habe mir schließlich ein Jungpferd gekauft um nicht die Fehler anderer Leute ausbaden zu müssen. Vielleicht kann ich es mir verkneifen, sehenden Auges selbst Fehler zu machen, zusätzlich zu den unvermeidlichen Fehlern, die ich sowieso machen werde ohne es zu merken.

Zum Glück haben wir hier ja die großartigste Herde der Welt. Und ich beobachte, wie Gatsby und Diego ihr Verhalten gegenüber Duncan ändern. Sie spielen mehr offensiv mit ihm, vorher war es oft so, dass sie ihm eher erlaubt haben, sich an ihnen abzuarbeiten, während ihre Reaktionen eher mäßig energiegeladen waren. Jetzt schicken sie ihn auch mal los, beißen sich mal in ihm fest und schieben ihn spielerisch durch die Gegend. Diego – so scheint mir (ich muss das noch abschließend beobachten)- bricht neuerdings das Spiel ab, wenn Duncan ihn zu penetrant in den Po kneift. Es ist einfach nicht mehr alles gestattet. Und Duncan hat höchsten Respekt vor beiden – Gatsby und Diego. Trotzdem erlaubt er sich manche Dreistigkeit, ist Diego neulich von hinten auf den Rücken gehüpft und lief dann auf den Hinterbeinen hinter ihm her, während Diego wütend versuchte ihn loszuwerden. Er kann jetzt eben schon mal ein echter Rotzlöffel sein!

Mir gegenüber sind die Dreistigkeiten (noch?) sehr klein. Kein Vergleich zu Finlay. Aber wir hatten nun schon wieder zwei Situationen in denen er mich gereizt hat, bis ich deutlich reagiert habe. Beide Male schien er danach sehr zufrieden und alles war fein zwischen uns – nicht so wie bei der Besen-Situation. Und ich glaube, herausgefunden zu haben, woran das liegt. Wenn es mit Diego im Spiel etwas zu heftig zuging, zeigen beide danach Beschwichtigungsverhalten. Da wird gegähnt und am Boden geschnüffelt und dann nach einer Minute oder zwei geht es in die nächste Spielrunde, in der man dann vielleicht etwas vorsichtiger ist. „War nur Spaß und wir sind Freunde“ diese Bestätigung ist anscheinend zwischendurch wichtig. Nun ist es natürlich von meiner Seite nicht als Spaß gemeint, wenn ich Duncan – nachdem er zum zehnten Mal nicht stehenbleiben sondern lieber Krümel vom Hof saugen möchte – eine Ansage mache. Aber die Tatsache, dass ich danach da bin und ihm die Chance gebe, es richtig zu machen und dafür einen Keks zu bekommen, richtet die Sache dann wieder. Sollte eine neue „Besen-Situation“ auftreten wird das also meine Taktik sein.

Und ansonsten nehme ich mich zusammen und übe mich in etwas spießiger Pedanterie, bis mein Pony aus dem Gröbsten raus ist. Sind ja nur noch ein paar Jahre… (vielleicht habe ich wieder Glück, Finlay war schon mit 4 Jahren aus dem Gröbsten raus. Danach verlief die Pubertät ziemlich milde. Aber man weiß ja nie…). Und wenn ich keine Lust habe, wird mich jemand daran erinnern, dass mein Pony noch 200kg mehr und ein paar Hormone aufbauen wird. Die Vorstellung einen unerzogenen 500kg – Hengst an der Hand (oder vor der Kutsche) zu haben wird mich dann mehr motivieren als jeder schön gepackte Ranzen und jedes ordentlich geführte Schulheft es je konnte…..

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 119

Dienstags sind wir ja immer meinem Spaziergehkumpel und seinem Mädchen verabredet. Aber weil mein Mädchen so stur ist und nicht im Dunkeln spazierengehen mag, waren wir seit Ende November nicht mehr zusammen draußen unterwegs. Aber jetzt! Jetzt ist es wieder länger hell und also war gestern gleich noch mal Saisonstart – nämlich die Saison in der wir mit dem Spaziergehkumpel wegfahren und spazieren gehen!

Endlich wieder mit dem Spaziergehkumpel in der Wackelkiste losziehen! Wir haben uns soooo gefreut!

Aber was soll ich Euch sagen – in den paar Wochen die wir jetzt nicht zusammen unterwegs waren ist mein Spaziergehkumpel noch erwachsener geworden! Der kann jetzt echt tolle Sachen, nämlich an einer Bank einparken, sein Mädchen aufsteigen lassen (dann einen Keks kassieren – hab ich genau beobachtet!) und dann trägt er sie! Einfach so, ganz allein, ohne dass jemand den Führstrick halten muss! Ich meine: ich weiß ja, dass Merlin und Diego das können. Aber ich war ehrlich gesagt nicht sicher, ob mein Spaziergehkumpel das schafft. Erinnert Ihr Euch noch an seine ersten Versuche? Na jetzt hat er anscheinend geschnallt wie das geht und sein Mädchen war soooooo stolz auf ihn! Mein Mädchen war auch sehr beeindruckt.

So was erwachsenes kann der jetzt! Da staune ich aber!

Wir sind schön flott marschiert und unsere Mädchen haben getan was sie dann immer tun: geträumt. Zum Beispiel davon, dass sie uns zweispännig fahren könnten. Also wir würden das lustig finden! Dann wäre mein Spaziergehkumpel nicht mehr mein Spaziergehkumpel sondern mein Kutschziehkumpel! Und dann stecken wir die Köpfe zusammen und es geht los – huiiiiii!

Sie haben sich aber auch noch über andere Sachen unterhalten. Zum Beispiel über mich. Der Mann hat am Sonntag nach dem Saisonstart mit meinem Mädchen geredet und gesagt sie muss ein bisschen aufpassen weil ich gerade in der Pubertät bin. Diego und Gatsby sagen das auch. Und deswegen soll sie ein bisschen mehr auf Anstand und Benehmen bestehen wenn sie mit mir spazieren geht. Sonst besteht sie ja auch immer drauf, nur beim Spazierengehen vergisst sie es manchmal, weil sie so entzückt ist von der Landschaft und ihrem süßen Pony (das bin ich!). Also hat sie mich gestern „bei Fuß“ gehen lassen. Nix schnüffeln, nix zum Gras ziehen, nix vortraben. Aber ehrlich, so lange sie flinke Füße macht und mein Tempo hält, ist das völlig ok. Quatsch machen hatte ich vorher mit Diego erledigt.

So, also jetzt bin ich jedenfalls glücklich: zwei Spaziergänge in drei Tagen ist ein guter Start. Wenn wir das jetzt immer ein bisschen steigern ist mein Mädchen bald fit wie ein Turnschuh und ich bin dann auch nicht mehr so schlimm in der Pubertät – versprochen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 118

Saisonstaaaaaaaaaaaart!

Endlich ist das ganze Eis und der Schnee weg und wir können wieder mit der Wackelkiste in den Wald – juhuuuuuu!

Vorher haben wir noch – das macht man beim Saisonstart so – unser Equipment aufgefrischt. Mein Mädchen hat sich eine neue Trinkflasche gekauft, die natürlich – ratet mal! – ich tragen muss. Egal, denn ich habe jetzt Schuhe! Schaut nur!

Sind die schick oder was?

Mein Mädchen möchte sichergehen, dass mir die Füße nicht wehtun wenn wir über Schotter laufen. Deswegen hat sie mir diese schicken Treter gekauft! Auf Zuwachs – sie hat überall ausgepolstert, damit sie halten. Aber dazu später mehr.

Wir sind also in die Wackelkiste gestiegen, Diego der Große und ich, und dann sind wir im Wald wieder ausgestiegen. Ich hab mich sooooooooo doll gefreut! Mein Mädchen hat gesagt ich würde lächeln – so ein Quatsch, ich hab über alle Backen gestrahlt! Und los ging es durch den Sonnenschein – das war ganz schön warm und schon nach kurzer Zeit haben die Menschen angefangen, sich auszuziehen. Und wer hat die Pullover und Westen getragen? Der edle Ritter (das bin ich). Wir Ponys können uns ja nicht so schnell ausziehen, wir haben also geschwitzt. Aber das konnte mir nun so gar nicht die Laune verderben.

Wochenend und Sonnenschein….

Ich wollte immer traben – los, Mädchen, lauf! Und tatsächlich ist sie irgendwann auch ein Stück mit mir getrabt. Aber ach – die Schuhe sind eben doch noch zu sehr auf Zuwachs gekauft! Im Schritt haben sie ja gut gehalten und sie waren auch angenehm zu tragen, aber im Trab ist der eine sofort abgeflogen. Also hat mein Mädchen mir die Schuhe ausgezogen und ich habe sie statt an den Füßen am Rücken getragen.

Eigentlich trägt man Schuhe ja an den Füßen!

Dann sind wir wieder zusammen getrabt. Aber sie ist so langsam! Und kaum waren wir einigermaßen im Tritt, hat sie schlapp gemacht und ich musste wieder Schritt gehen. Och menno. Sie hat dann gehechelt und geschnauft und gekeucht aber nach einer Weile ging es wieder und wir sind noch ein Stück getrabt. Dann wieder Hechelpause und noch ein Stück Trab. Na besser als gar nichts! Als sie dann völlig kaputt war, hat sie sich von Diego dem Großen tragen lassen und ich bin mit dem Mann zusammen gegangen. Das ist anders als mit dem Mädchen aber ich mag ihn auch. Er ist auch noch ein kleines Stück mit mir getrabt. Dann waren wir wieder an der Wackelkiste und der Ausflug war zu Ende. Schade, es war so schön! Aber jetzt ist ja Saison, also können wir das wieder viel öfter machen. Und wenn mein Mädchen fleißig trainiert, kann sie vielleicht auch länger mit mir traben. Ich werde mir jedenfalls Mühe geben, sie zu motivieren!

Jetzt muss sie mir aber erst mal kleinere Schuhe kaufen, damit ich dann auch mit Schuhen traben kann. Denn eins muss ich sagen: das mit den Tretern ist wirklich ganz angenehm auf dem Schotter .

Gut dass Diego groß genug ist um müde Menschen zu tragen. Ich geh derweil mit dem Mann, der ist auch nett.

Heute abend habe ich dann noch eine Runde mit Gatsby getobt. Es war so lange rutschig und eisig und verschneit, da hatten wir etwas nachzuholen! Haben mal so richtig Gas gegeben, sind hier herum gerannt so schnell wir konnten! Nachher waren wir ganz zufrieden mit uns und der Welt.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel