Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 128

Da mein Mädchen ja gestern nicht ganz fit war für einen Sonntagsspaziergang, haben wir Alternativprogramm gemacht. Ich war beim Herrenausstatter! Na eher: der Herrenausstatter war bei mir. Ich habe nämlich ein neues Halfter bekommen – ja es sieht genauso aus wie das alte, aber es ist ein bisschen größer am Unterkiefer.

Das, was an mir am meisten wächst, ist nämlich mein Unterkiefer (sagt mein Mädchen. Ich persönlich finde das total ausgewogen). Also hat der Mann – alias der Herrenausstatter – mir ein neues Halfter geknotet. Das hört sich jetzt so einfach an, ist aber eine große Kunst. Und erfordert von mir einiges an Geduld. Altes Halfter drauf, mit dem Maßband am Kopf rum fummeln, altes Halfter runter. Halbe Stunde später: altes Halfter rauf, raus auf den Hof, Seil anhalten, Knoten machen, Seil wieder anhalten, noch einen Knoten machen, altes Halfter runter, Seil über die Nase halten, noch ein Knoten… und so weiter und so fort. Um das ganze etwas aufzupeppen hat mir mein Mädchen nebenbei noch die Hufe ausgekratzt und eingeschmiert. Da musste ich zwei Sachen gleichzeitig richtig machen! Hab ich aber hinbekommen.

Endlich fertig! Jetzt muss nur noch das Ende eingekürzt werden.

Danach haben wir noch meine neuen Hufschuhe anprobiert, die jetzt auch endlich wirklich richtig passen. Was für ein Drama! 3 Größen kleiner als mein Mädchen ausgemessen hatte! Na jetzt sitzen sie. Gekauft hat sie sie übrigens bei Karo von www.karos-hufschuhshop.com. Die ist total nett, macht einen super Service und hat stylisches Zubehör.

Sind die mal totschick oder was? Vorne grün und hinten orange, damit mein Mädchen immer weiß wo welche Schuhe hingehören – sind nämlich zwei verschiedene Größen.

Ich hab viiiiiiiiel kleinere Hufe als mein großer Bruder – und das liegt jetzt ausnahmsweise mal nicht am wachsen sondern an der Genetik. Also an dem was meine Mama und mein Papa mir in die Wiege – ich meine ins Strohbett – gelegt haben. Da kann ich nun wirklich nix für.

Zum Spaß hab ich mal den Schuh von meinem großen Bruder angezogen, da passen ja fast beide Hufe von mir in einen Schuh! Wäre allerdings sehr unpraktisch beim Laufen.

Ein bisschen größer werden meine Hufe schon noch, aber wenn es dann nicht mehr passt, kann ich größere Schuhe bekommen. Die alten Schuhe versteigern wir dann höchstbietend an meine zahlreichen Fans – das könnte ich ja auch schon mit dem alten Halfter machen… na, wer möchte es haben? Das hat schön Patina und ich habe es wirklich bei so vielen Kilometern getragen, das riecht nach Abenteuer! Also her mit Euren Geboten!

Halfter mit Abenteuerspuren – original Sir Duncan Dhu!

Nachdem das ganze Herrenausstatter-Geduldsspiel dann vorbei war, war ich noch mit meinem Mädchen im Roundpen. Ich hatte so Lust zu laufen! Schritt war mir viel zu langweilig ich wollte lieber traben. Durfte ich auch. Aber dann auch wieder nicht. Dann sollte ich Schritt gehen. Hatte aber keine Lust und bin einfach heimlich angetrabt. Aber nein, das war nicht gestattet, mein Mädchen hat mich ausgebremst. Bin ich also wieder Schritt gegangen und dann heimlich wieder angetrabt. Aber sie hat es wieder gemerkt und mich ausgebremst. So ging das eine Weile hin und her. Ich habe sie gefragt, was sie wohl macht, wenn ich immer wieder antrabe und sie hat gelacht und gesagt, dass sie mich immer wieder ausbremsen wird und es so lange keinen Keks gibt, bis ich es richtig mache. Waaaas? Und dass es ihr ganz egal ist, wie lange das dauert. Oh Mann! Sie ist wirklich stur wie ein Maulesel! Ich habe kurz nachgedacht und es dann doch lieber richtig gemacht. Dann gab es einen Keks und ich durfte wieder traben. Uff. Sie hat dann so lange mit mir rumgespielt bis ich ganz zufrieden war und nicht mehr unbedingt schneller laufen wollte als sie gesagt hat. Und sie hat sich gefreut, weil ich doch so ein feines Pony bin, selbst wenn ich Pubertät habe. Und sie ist auch gar nicht mehr lahm und hat gesagt, dass wir am Dienstag wieder mit dem Spaziergehkumpel losziehen können. Juhuuuuuu! Ich hoffe aber dass sie heute auch noch etwas lustiges mit mir macht.

Euer neu ausgestatteter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. ich warte auf Eure Halfter-Gebote! Das Geld wird einem guten Zweck zu Gute kommen – ich werde es nämlich gewinnbringend in Kekse investieren!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 127

Mein Mädchen lahmt! Mir sagt sie immer ich soll vorsichtig sein, wenn es so matschig ist, dass ich nicht weg rutsche und mir weh tue! Und was macht sie? Sie rutscht weg und tut sich weh! Ob jetzt der Tierarzt kommen muss? Aber sie sagt das ist nicht nötig, weil sie sich an ihre eigene Regel hält. Sie sagt uns nämlich immer „alles was ohne Tierarzt von allein wieder verheilt, ist erlaubt, alles andere nicht“. Dann schaut sie mich ganz streng an und meint damit, dass ich auf mich aufpassen soll, wenn ich mit meinen Kumpels spiele und renne.

Und jetzt? Pah – jetzt lahmt SIE! Das kommt weil ihr Menschen so unpraktisch gebaut seid. Eure Vorderbeine sind viel zu weit weg vom Boden und wenn dann ein Hinterbein rutscht, dann fallt ihr gleich um! Passiert mir auch mal, wenn ich hoch steige und ein Hinterbein rutscht. Der Unterschied ist nur: ich bin nicht so wehleidig wie sie. Ach was hat sie gejammert und geschimpft und geflucht als sie da am Boden lag! Ich tu das nie. Ich steh auf, schüttel mich, rücke die Rüstung zurecht und es geht weiter.

Na ich hab mir das erst mal angeschaut. Sie ist dann wieder aufgestanden und weiter gehumpelt. Ich bin hingegangen und hab sie gefragt ob alles ok ist – hab mir Sorgen um sie gemacht. Fand sie sehr süß und hat auch gleich einen Keks raus gerückt. Also kann es ja nicht so schlimm sein. Aber sie sagt, Spazierengehen ist heute nicht drin. Och menno! Dafür machen wir andere tolle Sachen hat sie gesagt. Ok, dann lasse ich mich mal überraschen! Morgen werde ich Euch dann berichten was auf dem Programm stand. Und hoffentlich kann sie Dienstag wieder lahmfrei laufen, damit ich nicht den ganzen Spaziergang auf sie warten muss – wo sie eh schon immer so langsam ist….

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 126

Draußen ist Sturm und mein Mädchen ist ja nicht wetterfest. Also sind wir heute wieder wippen gegangen. Aber diesmal hat sie sich was neues überlegt! Sie meinte, wir benutzen die Wippe jetzt mal anders herum. Erst habe ich es so probiert wie immer: vor-zurück-vor-zurück aber das hat nicht so richtig funktioniert. Und dann ganz langsam dämmerte es mir: das geht jetzt rechts-links-rechts-links!

So wie ich mein Mädchen kenne, hat sie noch wieder einhundert Details die ich beachten soll. Aber für den ersten Versuch, sagt sie, war das schon ganz amtlich. Sie war auch ganz zufrieden weil ich heute keine Pubertät hatte, sondern im Gegenteil sehr konzentriert und ruhig mitgearbeitet habe. Kann ich! (meistens)

Euer konzentrierter Sir Duncan Dhu of Nakel

Das Leben geht weiter

„Das Leben geht weiter“ ist einer der Sprüche die ich am wenigsten leiden kann. Zum Glück hat niemand es gewagt, mir nach Finlays Tod diesen Spruch an den Kopf zu werfen. Aber ich habe ihn oft gelesen, interessanterweise oft von Leuten die selbst einen schweren Verlust hinter sich haben. „Das Leben geht weiter“ sagen sie dann und meinen damit, dass es für sie eben irgendwie weiter gegangen ist.

Finlays Tod ist jetzt 1 Jahr und 8 Monate her. Und jetzt, seit ein paar Wochen, fühle ich „mein Leben geht weiter“. Direkt nach seinem Tod war es für mich eine Unverschämtheit, eine Gemeinheit, eine Grausamkeit zu sehen, dass das Leben weiter geht. Das Leben anderer Menschen ging einfach so weiter. Auch mein Leben ging weiter – aber es war alles falsch. Und eigentlich hätte es gar nicht weiter gehen sollen. Ich wollte nicht, dass es so weiter geht. Alles hätte stehenbleiben sollen, so wie in meinem Inneren alles still gestanden hat. Aber das hat es nun mal nicht getan. Stattdessen sind irgendwie die Pferde mit mir durchgegangen und ich habe Duncan gekauft – einfach so. Es war schrecklich und schön zugleich. Schön, ihn hier zu haben, dieses wunderbare Pony. Schrecklich, dass Duncan nur zu mir gekommen ist, weil Finlay nicht mehr da ist. Und während meine Seele noch gar nicht mit all dem klar kam, ging das Leben einfach weiter. Irgendwie ohne mich und doch wurde ich mit gezogen, geschubst, gerissen und gezwungen. Aussteigen aus der Situation ging nicht, denn es war ja nichts daran zu ändern, dass mein Pony tot ist. Und auch wenn im Inneren die Zeit stehenbleibt, läuft sie im Außen doch unerbittlich weiter.

Ganz langsam komme ich wieder an, halte wieder Schritt. Werde nicht mehr nur mit geschliffen sondern fühle mich Stück für Stück wieder normal in meinem Leben. Und ich fühle: Mein Leben geht weiter. Auch ohne Finlay. Ich habe mich in der neuen Situation zurecht gefunden und sie ist nicht mehr ganz so falsch.

Vor ein paar Wochen wollte ich Platz auf meinem Handy schaffen und habe den Ordner mit den Finlay-Bildern auf den Computer kopiert. Ich schau sie ja doch nie an. Und dann wollte ich sie vom Handy löschen. Aber das ging nicht. Ich konnte es nicht tun. Dass all diese Fotos da auf meinem Handy sind, fühlt sich ein bisschen so an als könnte ich Finlay in der Hosentasche mit mir herumtragen. Es ist das einzige was mir geblieben ist und obwohl ich nicht hinschauen kann möchte ich doch wissen, dass diese Fotos und Videos da sind. Dass ich jederzeit hinschauen KÖNNTE, wenn ich wollte.

Gleichzeitig passiert etwas mit Duncan und mir. Letztes Jahr, als er noch so klein war, war immer alles ganz offen. Ich hatte keine Ansprüche, ich habe mich einfach überraschen lassen. Jetzt, wo er in der Herde anders behandelt wird und sich mir gegenüber manchmal etwas pubertär gebärdet (sehr selten und sehr mild aber immerhin kommt es vor) habe ich beschlossen, Ansprüche zu stellen. Verhaltensweisen die er nun seit einem Jahr kennt, die ich sorgfältig aufgebaut und viel belohnt habe, die können jetzt einfach mal klappen. Loslaufen wenn ich den Vorderhuf heben will – weil man da einen essbaren Krümel gesehen hat – oder im Roundpen meinen, er könnte die Richtung bestimmen, für so etwas gibt es jetzt schon mal einen Rüffel. Vorher habe ich in großer Ruhe alles nochmal und nochmal und nochmal erkärt, aber jetzt finde ich, er weiß das alles und ist alt genug um es zu tun. Ich lasse mich leiten von dem, was ich bei Gatsby und Diego beobachte, die ebenfalls vermehrt auf ordentliche Einhaltung der Regeln pochen. Wildes Spiel ja, aber außerhalb des Spiels gilt Knigges bzw Diegos Regelwerk für gutes Benehmen. Und das stellt Duncan auch nicht in Frage.

Und dieses andere Verhalten macht auch unsere Beziehung anders. Es ist nun schon mehr eine Art der Zusammenarbeit: wir haben da diese Aufgabe zu erledigen und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Ich arbeite grundsätzlich mit meinen Ponys so. Nicht ich bin diejenige, die alles weiß und alles kann. Wir sind es immer beide zusammen. Ich arbeite an meiner Körpersprache und meinem Timing, mein Pony arbeitet an dem was gerade ansteht – ordentlich geführt werden in Duncans Fall, schön piaffieren in Merlins Fall. Es kann uns nur gelingen, wenn wir uns beide Mühe geben. Das ist keine Einbahnstraße. Aber mit so einem kleinen Zwerg wie Duncan es letztes Jahr war, war es eben doch oft eine Einbahnstraße: das musst Du tun um den Keks zu bekommen. Ich habe Duncan natürlich beobachtet und auch gelernt, aber es gab keine gemeinsam zu lösenden Aufgaben zu erledigen.

Duncan fragt nun wirklich fast jeden Tag nach Beschäftigung. Und ich darf kreativ sein: heute spazierengehen, morgen in den Roundpen, übermorgen auf den Reitplatz und dann wieder auf die Wippe. Finde Dinge, die das Pony beschäftigen und ausbilden ohne es körperlich zu überfordern. Finde heraus, welche Dinge bewirken, dass er zufrieden und ausgeglichen ist, sowohl in der Herde als auch mit mir. Wenn das Bespaßungsprogramm stimmt, ist Duncan wunderbar erwachsen, vernünftig und feinfühlig. Hat er aber zu wenig Beschäftigung, wird er nervig und pubertär – mit mir und gegenüber den anderen. Und so arbeiten auch die Ponys gemeinsam daran, ihn bei Laune zu halten. Er spielt mit dem einen bis der keine Lust mehr hat, dann klatschen die Ponys untereinander ab und der nächste ist dran. Wenn er einen nervt, kommt ein anderer und sagt „komm, Duncan, ich spiele mit Dir, lass den mal in Ruhe“. Und ich stehe fasziniert am Fenster und bin einmal mehr glücklich, dass Duncan hier bei uns aufwachsen kann.

Und so geht mein Leben weiter. Ohne Finlay, dafür mit Duncan. Alles ist anders aber es ist auf seine Art genauso gut wie vorher. Nur mit mehr Angst und Unsicherheit. Mehr Fragezeichen über den Gang der Dinge. Weniger Selbstverständlichkeit, dass morgen alles so ist wie heute. Denn auch jetzt kann ich die Zeit nicht anhalten und sagen „so gefällt es mir, es soll so bleiben“. Ich muss aushalten, dass ich nicht weiß, was passieren wird. Wird Duncan wirklich Hengst bleiben können? Wird er irgendwann die anderen attackieren und müssen wir ihn dann kastrieren? Wird er das gut überstehen? Wird alles gut gehen bei den großen Schritten die wir vor uns haben – erste Kutschfahrt (vielleicht schon nächstes Jahr), erstes Reiten (wer weiß wann)? Bleibt er gesund? Wird er sich doch irgendwann in seinem wilden Spiel verletzen?

Das Leben geht weiter – ohne uns zu fragen. Unser Einfluss ist groß und trotzdem klein. Auch wenn ich alles richtig machen sollte, kann mein Pony morgen tot sein. Das habe ich von Finlay gelernt. Mein letzter Ritt mit Finlay auf dem Reitplatz ist noch in meinem Herzen. Oft, wenn ich mit einem meiner Ponys gearbeitet habe, frage ich mich am Ende: kann ich das so stehen lassen? Wenn es das letzte Mal war, dass wir etwas gemeinsam machen konnten, würde ich es dann bereuen? Es hilft mir, zu sehen, ob etwas ungeklärt geblieben ist, ob einer von uns mit schlechter Stimmung vom Platz geht. Das kommt natürlich vor, aber ich versuche es nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Vorstellung, es könnte meine letzte Chance sein, motiviert mich, es so gut zu machen, wie es mir möglich ist. An diesem einen Tag war es plötzlich wahr, es war meine letzte Chance – aber das wusste ich da noch nicht. Unser letzter gemeinsamer Ritt war ein guter. Wäre es doof gelaufen, hätte ich noch eine Krauleinheit am Ende einlegen können oder meinem Pony sagen, wie sehr ich es liebe, unabhängig von dem was da heute alles nicht geklappt hat. Das tue ich seit Finlays Tod noch häufiger als vorher. Es ist diese eine Kleinigkeit, die ich heute tun kann um Frieden zu ermöglichen mit den unbekannten Ereignissen von morgen. Denn das Leben geht weiter – so oder so. Und wir werden dazu nicht gefragt. Ein Tag nach dem anderen kommt und geht und dem Leben ist es völlig egal, ob wir mitkommen oder nicht. Ich hoffe, dass mein Leben jetzt mit Duncan weitergeht. So lange wie möglich.

„Das Leben geht weiter“ mag für viele ein tröstender Spruch sein. Für mich ist es eher eine Art Drohung. Aber ich kann es nicht ändern, nur das Beste daraus machen. Und wenn ich eins weiß, dann das: an jenem Tag, an dem ich mich entschieden habe, Duncan zu kaufen, habe ich das Beste draus gemacht. Was für ein Glücksgriff in der dunkelsten Stunde meines Lebens. Jetzt, wo ich wieder angekommen bin in meinem Leben, bedanke ich mich oft bei Duncan dafür, dass er hier ist. Und dann schaut er mich an mit seinen runden Knopfaugen und ich frage mich, was er denkt. Wichtiger ist mir, dass er fühlt, was ich fühle: wir gehören zusammen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 125

Mein Mädchen wollte ja nie wieder einen Schimmel. Obwohl Merlin wirklich schön ist – und auch reinlich (im Gegensatz zu vielen anderen Schimmeln) – findet sie, gerade bei uns Schotten, Falben viel schöner. Aber ich habe einfach ihr Herz erobert und ein gutes Pferd hat eben nie die falsche Farbe! Jetzt hat sie also zwei Schimmel – einen weißen und mich. Und ich bin noch weit von weiß entfernt. Nur keine Eile! Das einzige was an mir schon sehr weiß geworden ist, ist mein Wallehaar. Mein Fell macht derweil was es will. Jetzt zum Beispiel sieht es wieder so aus, als würde ich ganz schnell ganz weiß werden. Aber mein Mädchen fällt da nicht mehr drauf rein. Das sind nämlich „Fake News“!

So viele weiße Haare!
Hier seht ihr mein kleines Geheimnis -mein Mädchen hat’s entdeckt!

Diese vielen weißen Haare werde ich jetzt nämlich alle entsorgen im Laufe des Fellwechsels. Die Vögel freuen sich, die polstern ihre Nester damit aus. Und ich produziere derweil mein Sommerfell und das ist ganz dunkel! Seht Ihr diesen kleinen schwarzen Fleck? Da ist schon Sommerfell nachgewachsen, nachdem Diego mir im Spiel etwas Fell ausgerissen hatte. Mein Mädchen hat das gesehen und jetzt kann ich sie gar nicht mehr damit überraschen. Schade. Letztes Jahr ist sie mir so schön auf den Leim gegangen, hat gedacht, ich würde ganz schnell weiß werden.

Aber schaut mal, so war das bei meinem Papa, Trailtrow Ghillie Dhu. Leider weiß ich nicht wie alt er auf den Fotos jeweils ist.

Da war Papa anscheinend noch recht klein – vielleicht so wie ich jetzt?
Da war er schon etwas größer – vielleicht so 4 Jahre alt?
Sieht das nicht schick aus? Leider weiß ich nicht, wie alt Papa da war.
Das war als mein Mädchen uns zum ersten Mal besucht hat. Da war Papa 14 Jahre alt.

Ihr seht also, es wird nicht so schnell langweilig mit einem Schimmel im Stall. Man weiß ja nie, was wir so für Überraschungen parat halten! Die anderen haben ja immer die gleiche Farbe. Und deswegen ist mein Mädchen auch gar nicht traurig, dass ich ein Schimmel bin.

Aber in Wirklichkeit ist es so: sie liebt mich heiß und innig und würde das selbst dann tun, wenn ich rosa Fell mit türkisfarbenen Sternen hätte. Aber zum Glück gibt es so etwas bei uns Ponys nicht, denn ich persönlich würde das doch sehr peinlich finden.

Euer schimmeliger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 124

Gestern meinte mein Mädchen, die Sonne scheint so schön, da können wir mal Glitzertag zu hause machen. Weil ich glitzernde Sachen ja immer so komisch finde. Aber da zeigt sich ja wieder, wie wenig sie davon versteht. Ich weiß doch ganz genau, dass das im Paddock nicht gefährlich ist! Aus zwei Gründen. Erstens würde sie niemals etwas gefährliches zu uns nach hause bringen, weil sie doch immer viel zu viel Angst um uns hat. Zweitens würde sie sich selbst nicht trauen, so ein gefährliches Ding anzufassen – sie ist ja nun auch nicht gerade die mutigste. Also haben wir schön mit dem Glitzerding gespielt. Der Mann hat gefilmt – aber obwohl er behauptet es wäre Schokoladenverpackung muss ich leider sagen: es war keine Schokolade drin. Und essen durfte ich auch nix. War trotzdem lustig!

Gold steht mir auch, oder?

Euer Ritter in glitzernder Rüstung Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 123

Da ja jetzt die Saison wieder eröffnet ist, muss ich zusehen, dass ich mein Mädchen nach der Winterpause wieder fit kriege! Dafür habe ich einen Trainingsplan ausgearbeitet. Die letzte Woche lief wie folgt:

Sonntag 7km Spaziergang mit allerhand Unterhaltung (ich hatte berichtet).

Montag leichtes Training im Roundpen. Hier trainieren wir vor allem ihre Körpersprache

Dienstag 4km die sie hinter mir her gelaufen ist. Das klingt erst mal wenig, ist aber recht anspruchsvoll für mein Mädchen, weil sie erstens mit mir Schritt halten muss und dann auch noch die Leinen und die Peitsche sortieren. Zudem habe ich an ihrer Konzentrationsfähigkeit gearbeitet indem ich zum Beispiel überraschende Stopps eingelegt habe um Äppelhaufen zu untersuchen.

Mittwoch als Ausgleichsgymnastik durfte sie mir die Hufe schön machen

Donnerstag war Wippentraining angesagt. Dabei arbeite ich an ihrer Reaktionsgeschwindigkeit und an der Keksrate

Freitag waren wir dann nochmal im Roundpen. Ihr Körpersprache ist wirklich ausbaufähig was sich auch am

Samstag auf dem Reitplatz wieder zeigte, wo wir auch noch daran gearbeitet haben, dass sie den Strick richtig handhabt. Da sie so lange nur Freiarbeit gemacht hat, ist sie da ganz schön aus der Übung!

Am heutigen Sonntag haben wir dann eine etwas größere Ausdauer-Trainingseinheit eingelegt: 10km in knapp zwei Stunden also strammer Schritt mit ein paar kurzen Trabeinlagen. Gleichzeitig habe ich ihre Geduld und Konzentration auf die Probe gestellt indem ich die erste Hälfte der Strecke mit kleinen Spaßeinlagen aufgepeppt habe (bisschen antraben, ab und zu kneifen, gelegentlich schubsen und so. Ihr wisst schon). So wie sie danach geguckt hat denke ich, sie braucht morgen zum Ausgleich wieder etwas ruhigeres.

Insgesamt eine schöne, ausgewogene Trainingswoche, die schon einiges für die Grundfitness gebracht hat. Als nächstes möchte ich vor allem die Trabeinlagen beim Spazierengehen verlängern, damit sie auch mal ein bisschen in Schweiß kommt und was für ihre Lunge tut. Außerdem werden wir ihre Fertigkeiten an den Fahrleinen weiter verbessern und auch da die Kilometerzahl nach und nach erhöhen. Entscheidend wird jetzt vor allem sein, dass wir kontinuierlich weiter arbeiten und nicht zu viele Pausentage einlegen, das habe ich ihr schon erklärt!

Euer „Mädchen-Trainer“ Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 122

„Männer sind Spielkinder“ sagt mein Mädchen. Also ihr Mann ist definitiv ein Spielkind. Mein Mädchen hat ihn gebeten, mich kurz zu halten. Dann sagt sie manchmal aus Spaß „meinst Du, Du wirst mit dem wilden Hengst fertig?“ Und dann macht der Mann sowas:

Hä?

Und kaum ist sie dann um die Ecke gegangen um etwas zu holen, macht er noch mehr Quatsch!

Hm.

Aber einer hier ist nicht so ein richtiges Spielkind gewesen am Anfang. Diego der Große! Der war immer sooooo ernst. Das fand ich gar nicht gut! Ich mag ihn doch so gern und er ist mein Adoptiv-Papa, da muss er doch auch mit mir spielen! Aber am Anfang wusste er gar nicht so richtig wie das geht. Am Anfang hab immer nur ich gespielt und er hat sich bisschen im Kreis gedreht. Jetzt, ein gutes Jahr später, habe ich ihm das schon ganz gut beigebracht. Und die Menschen staunen, dass Diego doch eben auch ein Spielkind ist – irgendwo ganz tief drin. Und ich hab das raus gelockt aus ihm. Toll oder? Inzwischen hat er so viel Spaß am Spielen, dass er sogar mal anfängt. Zumindest wenn ich ihn anschaue und ihm sage dass ich spielen will. Dann kommt er zu mir und fängt an nach mir zu haschen mit seinem großen Maul. Und dann geht’s los! Juhuuu! Jetzt lernt er das Steigen und vielleicht schaffe ich es noch, ihm auch das runtergehen auf die „Knie“ beizubringen – Ansätze macht er schon manchmal. Und mein Mädchen freut sich, weil Diego jetzt mehr Sport macht. Das ist wichtig für ihn, sagt sie, und sie hat mich zu seinem personal trainer ernannt. Gerne doch – kann ich gut. (Das weiß mein Mädchen ja schon aus eigener Erfahrung).

Wenn Ihr das jetzt dreimal täglich je 15 min in Dauerschleife guckt, habt Ihr einen realistischen Eindruck.

Euer Spiel-Trainer Sir Duncan Dhu of Nakel

Gemeinsam fürchten

Gut, nun ist es also raus. Es gibt etwas, wovor Duncan sich wirklich fürchtet. Anfangs hatte ich da ja nicht so dran geglaubt – Ihr erinnert Euch? Also wovor fürchtet er sich? Vor der Autobahnbrücke!

Schon im Herbst hatten wir festgestellt, dass die Autobahnbrücke unsere erste echte Herausforderung werden könnte (er hat Euch vor kurzem davon erzählt).

Da habe ich ihn doch einfach überschätzt in seiner Gelassenheit. Wir hatten – zum Glück! – den Anhänger ein Stück hinter der Autobahnbrücke stehen. Ich dachte, einmal da rüber gehen reicht. Das war aber auch das einzige schlaue was ich an dem Tag gedacht hatte, der Rest war leider Mist. Es war nämlich so, dass Duncan auch noch vorneweg gegangen ist, also Diego und Arnulf hinter uns waren auf der Brücke. Wir hätten ihn zwischen uns nehmen sollen, aber er ist so mutig mit mir voran marschiert, dass ich dachte „der macht das schon“. Na, hat er ja auch. Nur sehr viel aufgeregter als geplant. Und dann war das auch noch die Autobahnbrücke auf der irgendwie oben auch noch jedes mal Autos fahren wenn man da rüber will. Wir hatten wirklich Glück, dass die beiden Autofahrer – ein Auto von vorn und eins von hinten – so nett waren, zu warten und der Idiot, der mit gefühlten 100km an uns vorbei gebrettert ist, erst kam, als wir schon wieder runter waren von der Brücke. Naja, es ist alles gut gegangen, aber ich war wirklich fertig mit den Nerven.

Wenn so etwas passiert, dann mache ich immer gleich Pläne. Ich liebe nun mal Pläne! Also habe ich nach Brücken gesucht, unter denen Wasser fließt. Also so richtig fließt. Und nach Brücken über Straßen, auf denen wir üben können, nur da zu stehen und zu gucken, ohne gleich rüber gehen zu müssen und ohne dass ständig Autos kommen.

Dann kam der Winter und es wurde nix mit dem Üben. So haben wir bis jetzt erst eine kleine Brücke über Wasser und den Sonntagsausflug zur Autobahnbrücke gemacht.

Nun hätte es ja auch sein können, dass mein Pony sagt: Ja, das war zwar gruselig, aber es ist ja nix passiert, also können wir das ruhig machen. Und wenn ich stabilere Nerven hätte, würde ich vielleicht genau das tun: mit ihm da rüber marschieren bis er merkt dass es ok ist. Ich glaube, für Duncan wäre das zwar aufregend, würde aber funktionieren. Aber meine Nerven geben das nun mal nicht her und langsamer ist mir auch wirklich lieber. Am Sonntag hat sich auch gezeigt, dass er es wirklich gruselig findet. Also möchte ich versuchen, die Übungsschritte so klein zu halten, dass er sich nicht fürchten muss. Zum Glück kann man Duncan – ganz im Gegensatz zu Finlay – gut ansehen, wann er sich fürchtet. Wir stehen also am Sonntag da am Rande der Brücke und Sir Duncan bekommt seeeeeeehr spitze Ohren. Um zu sehen, ob er mich noch wahrnimmt, sage ich „zuuuuurück“ ohne mich dabei zu bewegen. Und siehe da, er geht ohne Zögern einen Schritt zurück (und kassiert einen Keks). Das klappt zwei oder drei mal, nur einmal braucht er einen leisen körpersprachlichen Hinweis. Also lerne ich: selbst wenn er schon sehr auf die Gefahr fixiert aussieht, ist er noch ansprechbar. Nun stellen sich weitere Fragen: wie schnell verbessert sich das, wie viele Wiederholungen braucht er? Wie sieht er aus, wenn er wirklich nicht mehr ansprechbar ist und was muss ich dann tun damit er wieder ansprechbar wird? Braucht er viele verschiedene Brücken oder klären wir das an einer und dann sind alle ok? Was ist wenn Diego vorne weg oder neben dran geht? Wie viel Unterschied macht die Verkehrsdichte, die Geräuschkulisse und das „Glitzern“?

All das sind Dinge, die ich in den vergangenen 1,5 Jahren mit Duncan noch nicht erforschen konnte, weil wir so eine Situation noch nicht hatten. So wird das dieses Jahr mein „Projekt“: möglichst viel gemeinsame Lebenserfahrung sammeln. Er soll möglichst viele Dinge sehen und erleben und ich möchte ihn in möglichst vielen verschiedenen Situationen sehen, erleben und begleiten. So dass wir dann, wenn es wieder in den Winter geht, hoffentlich eine lange Liste an Dingen haben, die gut klappen.

Meinen damaligen Artikel hatte ich getitelt „von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“. Und vielleicht ist das das, was wir nun tun. Wir lernen, uns gemeinsam zu fürchten (denn oft habe ich mehr Angst als er; Angst, dass meinem geliebten Pony etwas passiert). Und wir lernen, uns dann den Dingen langsam anzunähern, vor denen wir uns fürchten. Denn Mut heißt nicht, keine Angst zu haben, Mut heißt, es trotz Angst zu tun. Und wenn alles gut läuft, wird er auch lernen, dass ich Gefahren wahrnehme und – in seinen Augen – realistisch einschätzen kann. Denn da liegt oft der Hase im Pfeffer: Pferde finden andere Dinge gefährlich als wir. Und wenn wir unsere Pferde immer wieder in Situationen bringen, die sie gefährlich finden und aus denen sie rauskommen, sich quasi den Schweiß von der Stirn wischen und sagen „das war knapp!“ dann verspielen wir ihr Vertrauen. Duncan soll erleben, dass wir uns Dingen gemeinsam annähern. Und uns dann wieder gemeinsam zurück ziehen. Und wieder annähern und erforschen und erkunden – so lange bis wir uns beide sicher sind, dass das wirklich ungefährlich ist. So wie Pferde es eben tun, wenn sie eine Wahl haben. Und mein Job wird sein, ihm diese Wahl zu lassen und ihn trotzdem zu führen – ein schmaler Grat. Und viel Arbeit. Aber einen lohnende Investition in eine Zukunft, in der wir hoffentlich dann, wenn uns etwas gruselig ist, ein Stück zusammenrücken und uns zuflüstern „gemeinsam schaffen wir das“.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 121

Gestern sind unsere Mädchen verrückt geworden! Naja ein bisschen verrückt waren sie ja schon immer, aber gestern sind sie endgültig durchgedreht. Hallo, Mädchen, ich bin HENGST ok? HENGST! Und mein Spaziergehkumpel ist zwar kein Hengst mehr aber er fühlt sich wie einer und abgesehen davon dass er keine kleinen Ponys mehr erzeugen kann, hat er alle notwendigen Fähigkeiten noch voll drauf (ich hab das mit eigenen Augen gesehen – und genau hingeschaut!). Also was bitte soll denn DAS?

Zöpfe? Echt jetzt? Und es sieht aus als wäre ich mit meinen zwei kleinen Zöpfchen noch gut weggekommen…

Nachdem sie dann fertig waren mit Verrücktheiten, sind wir in die Wackelkiste geklettert. Mein Spaziergehkumpel war so geschockt von unseren neuen Frisuren dass er ganz schnell eingestiegen ist – ohne zögern oder überlegen. Sonst hat er ja mitten auf dem Weg in die Wackelkiste immer nochmal kurz abgebremst.

Wir sind dann in den Wald gewackelt und mein Mädchen hat mir das Fahrgeschirr angezogen. Oh, das ist ja mal was neues! Dabei hab ich auch gemerkt was es mit den Zöpfen auf sich hat. So kann sie nämlich das Zaumzeug einfach über meinen Kopf ziehen und muss nicht die Haare einzeln sortieren. Na gut.

Wir sind dann losmarschiert – das Mädchen vom Spaziergehkumpel hat uns beide geführt und mein Mädchen lief hinter mir her. Gleich als erstes mussten wir an einem Pferd vorbei – ein schwarzer Hengst! Ooooooh …. ach so ich darf nicht gucken und nicht stehenbleiben und nicht angeben. Na gut.

Als wir dann im Wald waren ist das Mädchen vom Spaziergehkumpel aufgestiegen und geritten und mein Mädchen hat mich von hinten gelenkt. Kann ich jetzt, haben wir ja gut geübt! Aber ich hab was raus gefunden: Wenn sie hinten dran ist, kann sie nicht gut verhindern, dass ich den Spaziergehkumpel in den Po kneife! Mein Mädchen hat geschimpft wie ein Rohrspatz aber das war mir egal. Kneifen, kneifen, kneifen! Das Ende vom Lied war, dass ich schließlich vorneweg gehen musste. So war einfach kein Po vor mir in den ich hätte kneifen können. Schade. Aber vorneweg gehen mag ich ja auch. Ein bisschen aufregend war das schon, denn es wurde schon dämmrig im Wald und mit den Augenklappen kann ich nicht so gut zur Seite gucken und ja auch mein Mädchen nicht sehen. Einmal hab ich mich doll erschreckt und bin zur Seite gehüpft. Dann hab ich gemerkt dass da doch nichts war und bin weiter gegangen. Mein Mädchen war sehr stolz auf mich und hat gesagt das hätte ich prima gemacht. Erschrecken ist ok nur los rasen sollte man dann nicht. Zum Schluss war ich ziemlich kaputt im Kopf. Mein Mädchen meinte ich würde schon wieder so rennen. Sie hat mich dann Schlangenlinien gehen lassen bis ich wieder zuhören konnte. Und dann waren wir auch schon zurück. Rein in die Wickelkiste und ab nach hause. Zum Glück haben die Mädchen die Zöpfe wieder raus gemacht. Jetzt haben wir Locken! Oje. Aber der Ausflug war toll. Ich mag es ja immer am liebsten wenn es mal wirklich anstrengend ist. Im Kopf. Im Körper darf es noch nicht angstrengend sein, sagt mein Mädchen. Das mache ich dann beim Spielen, auch gut. Aber in ein paar Jahren darf ich auch mal so lange laufen wie ich mag, sagt mein Mädchen. Freu mich schon!

Euer Sir Duncan dhu of Nakel