Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 113

Tja, liebe Menschen, ich kann den Frühling zwar schon riechen, aber sehen kann ich ihn noch nicht….. das einzige was wir hier sehen ist Eis. Und deswegen gibt es wieder keinen Spaziergang! Och menno. Ich möchte so gern mal wieder raus gehen und was erleben! Aber mein Mädchen findet, man muss nicht über vereiste Wege gehen. Und was sie nicht tun will, das tut sie einfach nicht. Stur wie ein Maulesel…. Zum Glück ist der Boden im Paddock gut genug zum spielen, das tue ich ausgiebig. Mit allen meinen Kumpels immer reihum.

Damit ich etwas Abwechslung habe, haben wir mal was neues ausprobiert: der Mann hat Bodenarbeit mit mir gemacht. Mein Mädchen meint, es wäre wichtig, dass ich auch lerne, mit anderen Menschen gut auszukommen. Ach Mädchen, ich bin doch wirklich zu jedem nett. Aber sie meint, nett sein reicht nicht immer, ich müsste auch die Körpersprache von anderen Menschen verstehen lernen, sonst kann ich nachher nur „Mädchen-Dialekt“. Sie hat mir versprochen, dass nur Menschen mit mir arbeiten dürfen, denen sie vertraut. Dem Mann vertraut sie natürlich blind. Aber trotzdem hat sie zugeschaut als wir was zusammen gemacht haben. Ich war anfangs etwas irritiert – wieso sitzt sie da so und sagt nichts? Der Mann hat mir erklärt, dass ich auf ihn achten soll. Dann wollte er voll die komplizierte Übung mit mir machen. Aber als er die vielen Fragezeichen in meinem Gesicht gesehen hat, wurde ihm klar, dass ich die Übung davor noch nicht kenne. Also hatte ich keine Ahnung wovon er spricht. Er hat dann die Vorübung mit mir gemacht. Er ist rückwärts vor mir her gegangen und ich sollte ihm folgen. Klingt einfach? Ist es aber nicht. Weil er soooooooo langsam geht. Rückwärts geht ihr Menschen ja noch langsamer als vorwärts. Und ich musste genau in seiner Spur bleiben. Nicht drängeln, nicht überholen, nicht seitlich versetzt gehen, aber auch nicht stehenbleiben. Oha! Dann habe ich aber geschnallt, wie es am besten geht und bin mit ihm im Gleichschritt gegangen. Also wenn sein rechtes Bein zurückgegangen ist, bin ich ihm mit meinem linken Bein gefolgt. Wie beim Tanzen! Das lief! Mein Mädchen war ganz entzückt und hat gesagt, sie hat jetzt eine ganz tolle neue Idee und das wäre ja eine super Verfeinerung dieser Übung. Da siehst Du mal, mein Mädchen, was für tolle Ideen ich habe! Der Mann war auch sehr zufrieden mit mir, so waren wir dann nach 15 Minuten auch schon wieder fertig.

Also lustig war das, aber jetzt möchte ich mein Mädchen zurück haben. Sie hat versprochen dass wir heute mal wieder ausgiebig wippen, das haben wir soooooooo lange nicht gemacht. Außerdem hat sie gesagt, sie wird mich mal ordentlich putzen, weil es mich überall so juckt – blöder Fellwechsel.

Genießt den Tag liebe Menschen und schnuppert mal, ob Ihr nicht auch schon den Frühling riechen könnt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 112

Seht Ihr das, liebe Menschen? Wisst Ihr, was das ist? Das ist der Frühling!

Frühling! Ich kann ihn schon fast riechen….

Na, vielleicht eher die Hoffnung auf den Frühling. Ihr Menschen wundert Euch ja oft über uns: jetzt, wo die kältesten Nächte kommen, fangen wir Ponys an, uns auszuziehen! Aber wir wissen genau, wann es Zeit wird, umzurüsten (beachtet bitte das gelungene Wortspiel!): wenn die Tage länger werden. Und das tun sie bereits! So ein Fellwechsel – pardon, so eine Umrüstung – dauert halt eine Weile. Das geht nicht so hopplahopp! Wir können ja nicht einfach alles abwerfen, wir müssen ja auch das neue Fell bilden – wollen ja nicht plötzlich nackt dastehen! Außerdem müssen wir den Abwerfprozess sorgfältig auf die aktuelle Temperatur anpassen, mal schneller, mal langsamer, je nach Wetter.

Wenn wir dann anfangen mit Abwerfen, trennen wir uns erst von den langen Oberhaaren. Das findet Ihr Menschen immer noch ganz in Ordnung. Erst später kommt dann der ganz große Spaß, wenn wir noch die Unterwolle abwerfen (sozusagen die warme Unterwäsche). Die besteht nämlich aus kurzen Haaren und die fliegen dann im Frühlingswind so schön herum wenn Ihr uns putzt (und wir wollen in dieser Zeit bitte ausgiebig geputzt werden!). Mein Mädchen sagt, die Haare fliegen immer zu den Menschen – ganz egal wie der Wind steht. Und dann hängen sie überall. Ihr Menschen versucht wohl, Euch ein eigenes Winterfell zuzulegen, aber Ihr habt da was falsch verstanden: es macht keinen Sinn, sich das im Frühjahr anzuziehen! Ihr kennt Euch wirklich gar nicht aus, oder?

Naja, jetzt werfe ich erst mal so ein paar Haare aus, das macht uns allen gute Laune, denn das bedeutet dass der Frühling kommt – und mit dem Frühling kommt das Gras!

Euer umrüstender Sir Duncan Dhu of Nakel

Der Groschen

Eine Erzählung meiner Mutter aus der Kindheit meiner Schwester ist bei mir ein beliebtes Beispiel für Pferdeausbildung. Meine Mutter hat mir erzählt, dass meine Schwester sehr schnell buchstabieren konnte – aber nicht lesen. Lange hat es gedauert, bis in ihrem Kopf aus den einzelnen Buchstaben auch Wörter geworden sind.

Warum das mein Beispiel ist? Weil es uns klar macht, dass wir Verstehen nicht erzeugen oder erzwingen kommen. Etwas verstehen – das kommt aus uns selbst, aus unserem Gehirn von wer weiß wo. Wir alle kennen das, wenn das Verstehen plötzlich und unerwartet über uns hereinbricht. Neulich hat mir jemand einen komischen Kommentar auf Facebook geschrieben. Ich hatte versucht, den Kommentar zu verstehen, war aber gescheitert. Also hatte ich das Thema abgehakt. Drei Tage später kam mir plötzlich die Lösung und ich verstand, wie der Satz gemeint war. Offensichtlich hatte mein Gehirn weiter daran gearbeitet ohne dass mir das bewusst gewesen wäre.

Exakt diesen Mechanismus können wir uns in der Pferdeausbildung zu Nutze machen, indem wir Dinge ruhen lassen. Wir haben vielleicht eine Übung begonnen und keinen Erfolg gehabt. Oder nur einen sehr kleinen und dann haben wir keine Zeit oder Gelegenheit weiterzumachen. Oder wir sind an einem bestimmten Punkt einfach hängen geblieben und es geht irgendwie nicht weiter. Es lohnt sich, Dinge ruhen zu lassen, aber wir brauchen dafür stabile Nerven. Denn niemand wird uns sagen können, wann der Groschen fällt. Niemand wird uns sagen können, ob er denn auch in die richtige Richtung fällt. Ob unser Pferd vielleicht plötzlich sagt „ich hab´s!“ und wir dann leider antworten müssen „neeee das hatte ich nicht gemeint“.

Aber wenn der Groschen fällt – in die richtige Richtung – dann ist das ein toller Moment. Ich mag besonders Witze, bei denen es einen Moment dauert, bis der Groschen fällt. Am liebsten mag ich dann jemand anderem den Witz erzählen oder zeigen und heimlich Sekunden zählen bis zum Beginn des Lachens. Den Gesichtsausdruck zu beobachten zwischen „hm, Witz zu Ende aber was ist hier witzig?“ über „ach……. sooooooo!“ bis hin zum schallenden Gelächter finde ich spannend.

Ich weiß nicht genau, ob meine Mutter sich Sorgen gemacht hat, dass meine Schwester vielleicht niemals wirklich lesen lernen wird, wenn sie alles nur buchstabiert. Ich selbst habe im Laufe der Zeit und während der Arbeit mit vielen Pferden gelernt, dem Groschen mehr zu vertrauen. Wenn er wirklich gar nicht fallen mag, kann man ja noch kreativ werden und andere Wege der Erklärung versuchen. Aber erst mal abwarten und schauen, ob es nicht doch noch passiert.

Bei Duncan scheint ein Groschen gefallen zu sein. Wir haben Fahren vom Boden geübt und zum ersten Mal sind wir ohne „Zielperson“ über den Reitplatz gekreiselt und ich konnte lenken und bremsen und Gas geben – nicht perfekt aber doch in einer Art Kommunikation wie sie vorher noch nie da war. Immer wieder ein erhebender Moment, wenn das Pferd plötzlich versteht! Auch unsere Pferde empfinden das offensichtlich als gute Sache. Einige feiern sich richtig selbst, wenn sie etwas verstanden haben. Sie scheinen dann richtig zu strahlen und sind unendlich stolz auf sich. Andere – und ich glaube zu der Sorte gehört Duncan – verlassen sich so sehr auf ihre Fähigkeiten, dass sie sowieso nicht beunruhigt sind, wenn der Groschen nicht gleich fällt, sondern das Knobeln genießen – vielleicht mehr als den Moment des Verstehens. Wie meine Mutter und ich, wenn wir gemeinsam ein Kreuzworträtsel lösen. Den letzten Buchstaben hineinzuschreiben ist nicht der entscheidende Moment. Immer mal hier und mal da einen Durchbruch zu erzielen, ein Wort „beiseite“ zu legen, ein anderes zu probieren, vielleicht den Text einmal ganz anders zu interpretieren, darin liegt der Reiz. Die große Erkenntnis ist nur das Sahnehäubchen. Klar, ohne die ist alles davor kein Spaß, aber wenn wir alles schnell raus haben, schauen wir uns nachher etwas enttäuscht an und finden, es war zu leicht. Und ich glaube, zu dieser Kategorie gehört auch Sir Duncan. Wir werden sehen, ob diese Theorie sich bestätigt.

Bis dahin beobachte ich, wie er ganz langsam anfängt, Wörter zu erkennen aus den Buchstaben die ich ihn gelehrt habe. Anhalten, rechts, links, vorwärts – nach und nach ergibt sich eine fließende Kommunikation daraus, die nicht mehr nur ein abgehacktes aneinanderreihen von Buchstaben ist, sondern ein erstes „Gespräch“. Ich denke, es ist im Moment weniger eine Ausbildungs- als eine Altersfrage. Duncan entwickelt sich weiter, vielleicht vom Kind zum Jugendlichen. Auch in der Herde scheint mir die Kommunikation komplexer geworden zu sein und er wird als vollwertiges, gleichberechtigtes Mitglied der Gruppe angesehen und nicht mehr als der „Kleine“. Das schützt ihn nicht vor der Erziehung durch die Erwachsenen, aber der Ton ändert sich. Vielleicht hat er auch hier den Sprung vom Buchstabieren zum Lesen geschafft?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 111

Angekommen ist gewonnen! So sagen die Distanzreiter. Soll heißen: Egal wie lange man gebraucht hat für die Strecke, egal ob alle anderen schneller waren, so lange man ankommt, hat man gewonnen. Weil man es geschafft hat. Und wir haben es geschafft, Ihr erinnert Euch? https://schotten-pony.com/2020/11/25/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-90/

Also angekommen sind wir ja schon längst. Und ich hab meine Belohung auch schon bekommen. Aber mein Mädchen wollte auch belohnt werden. Sie hat sogar 3 Belohnungen bekommen!

Eine Urkunde, eine Trinkflasche (ratet mal, wer die dann in Zukunft durchs Gelände schleppt….) und eine Schleife! Die Schleife ist für mich gedacht. Zum Anstecken. Mein Spaziergehkumpel hat auch eine gekriegt. Der ist schließlich auch hundert Meilen gelaufen!

Verstehst Du, was das soll? Nö. Aber wenn die Menschen das meinen….

Dieses Jahr machen wir ja auch wieder mit. Dauert aber noch. Die Tage sind noch zu kurz um meinem Spaziergehkumpel das Kutsche ziehen beizubringen. Wahrscheinlich dauert das so viele Stunden oder so. Keine Ahnung. Jedenfalls warte ich schon sehnsüchtig darauf, dass wir wieder mehr spazieren gehen. Dann, mein Mädchen, würde ich vielleicht auch nicht mehr 18 Stunden am Tag spielen. Sondern die Zeit, in der wir spazierengehen, davon abziehen. Du verstehst? Ich kann schließlich nicht gleichzeitig spielen und spazierengehen. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte…. naja, das tut ja hier jetzt nichts zur Sache.

Also jedenfalls habe ich jetzt meine erste Schleife gewonnen, bevor ich überhaupt erwachsen bin. Früh übt sich, was ein Sieger werden will! Mein Mädchen sagt, es wäre ihr total egal. Na dafür hast Du jetzt ja aber schon ganz schön viel Aufstand gemacht wegen dieser Schleife. Ich mein ja nur. Aber ich gewinne gerne noch mehr Schleifen wenn es dafür entsprechend Spaß, Kekse und Abenteuer gibt.

Euer beschleifter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 110

Mein Mädchen meint, ich würde zu viel spielen. Quatsch, ich hab nur Spaß! Aber sie macht sich ja immer Sorgen. Ich könnte mir wehtun. Ich könnte hinfallen. Jooooaaa, ist schon mal passiert, mein Mädchen. Aber dann steh ich wieder auf, rücke meine Rüstung zurecht und weiter geht’s. Ist doch kein Problem!

Neulich hat sie mich angeschaut und gemeint, ich wäre auch dünner geworden. Was kein Wunder wäre bei ungefähr 20 Stunden Spielen am Tag. Ach, da übertreibst Du nun aber, mein Mädchen. Ich spiele höchstens 19 Stunden am Tag! Dazwischen muss ich ja auch essen und schlafen. Und bisschen dösen, bisschen wandern, bisschen Fellkraulen. Ich glaube, es sind sogar eher nur 18 Stunden spielen wenn ich so überlege. Maximal. Das ist doch wohl nicht zu viel! Es sind ja zum Glück genug Kumpels da. Meistens spiele ich jetzt mit Gatsby, mit dem klappt das toll. Wir sind jetzt ein eingespieltes Team! So sagt man doch, oder?

Wenn Gatsby keine Lust hat, gehe ich zu Diego. Wenn der keine Lust hat, frage ich auch mal Caruso. Mit dem kann man super rempeln und boxen, der hat echt was drauf obwohl er so klein ist! Und wenn der auch keine Lust hat gehe ich zu Merlin. Mit dem kann ich aber nicht so doll spielen, weil der ja schon soooo alt ist. Aber wir schnasseln uns mal so an den Nasen an und knapsen uns bisschen in den Po. Und bis ich alle einmal durch habe, hat Gatsby dann auch schon wieder Lust. Oder es gibt Heu. Oder ich brauche ein Pause. Aber das eigentlich eher selten. Da kann mein Mädchen sagen was sie will, ich spiele so viel ich Lust habe!

Euer energiegeladener Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. mein Mädchen meint, ich sollte die Energie lieber ins Wachsen stecken. Das macht aber gar nicht so viel Spaß! Da spiele ich lieber.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 109

Neulich haben wir was neues ausprobiert. Mein Mädchen, Merlin der Zauberer und ich sind zusammen in den Roundpen gegangen. Dann musste immer einer von uns Ponys stillstehen und der andere musste was tun.

Merlin kennt das schon von früher, aber ich kannte das noch nicht, deswegen hat mein Mädchen gedacht es würde großes Chaos geben. Aber warum denn? Eigentlich ist es doch ganz einfach: ich muss nur raus finden, ob ich gerade mit Stillstehen dran bin oder mit Bewegen. Wenn ich das richtig raus finde, gibt es Kekse. Ist doch schnell erklärt! Mein Mädchen war mal wieder baff und hat mich gefragt, woher ich das nun wieder weiß. Ich weiß so was eben, mein Mädchen! Du brauchst mir nicht alles hundert mal erklären, wirklich nicht! Das, was Du denkst, das kann ich direkt an Deinem Körper sehen. Und dann mach ich das. Weil ich weiß, dass es Kekse gibt. So einfach ist das. Und deswegen ist das einzige, was ich etwas komplizierter finde, die Sache mit dem Fahren vom Boden. Weil ich da Deine Gedanken nicht an Deinem Körper ablesen kann – weil ich Dich nicht sehe. Alles andere ist ein Kinderspiel für mich. Und vielleicht wirst Du mir das eines schönen Tages auch endlich glauben.

Ist doch selbsterklärend. Was soll daran schwierig sein?

Euer gedankenlesender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 108

Sport, Sport, Sport!

Derzeit ja leider nur indoor. Weil mein Mädchen keinen so guten Winterpelz hat. Sie sagt, sie kann sich zwar allerhand anziehen, aber ihre Nase friert trotzdem. Weil sie da nicht so schöne kleine weiche Flauschhaare drauf hat wie ich. Ihr Menschen seid leider einfach eine Fehlkonstruktion! Na egal. Also machen wir Indoor-Sport. Mein Mädchen sagt, das ist gut für meine Propriozeptoren. Meine was?

Propriozeptoren „dienen der Wahrnehmung von Stellung und Bewegung des Körpers im Raum und so der Propriozeption. Durch sie gelangen Informationen über Muskelspannung, Muskellänge, Gelenkstellung und Bewegung zum Kleinhirn und zum Cortex, wo diese unbewusst verarbeitet werden“ (Wikipedia.de)

So mein Mädchen und was heißt das jetzt auf Deutsch?

Na mein Ritter, wenn Du vom Boden auf den Steg auf die Matratze und dann das ganze rückwärts gehst, lernst Du, Deinen Körper gut zu koordinieren und weißt nachher immer, wo Deine Füße sind und was Du tun musst um die Balance zu halten. Und genauso auf der Wippe. Und Du trainierst die vielen winzigkleinen Muskeln die dafür zuständig sind dass Du nicht auf die Nase fällst wenn Du wieder mal Quatsch machst.

Ach so. Ich weiß noch was: ich krieg Kekse dafür und es ist lustig!

Ja das auch. Aber nicht fürs Quatsch machen!

Menno. Quatsch machen macht aber so viel Spaß!

Ja mein Ritter. Könntest Du Dich jetzt eventuell mal wieder auf das konzentrieren was ich Dir sage?

Naaaaaaa gut. Weil Du es bist.

Also hier ein kleines Sport-Video für Euch. Mein Mädchen macht das gerne kompliziert. Mit zwischendurch anhalten. Und wenn ich rückwärts gehen soll dann bitte gerade. Und das ist nicht ganz so leicht wie es scheint, rückwärts die Stufe hoch oder rückwärts auf die Matratze!

Entschuldigt bitte meine komische Frisur. Sie hat immer Angst ich könnte mir aufs Wallehaar treten und mir kostbare Strähnen ausreißen. Mein Mädchen sieht auch komisch aus. Da geht es ihr wie uns: so ein Winterpelz, der trägt ganz schön auf! Aber Hauptsache wir haben Spaß. Und den haben wir!

Euer sportlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Wörtlich

„Wer nämlich mit h schreibt ist dämlich“

Vermutlich haben viele von Euch mit diesem Spruch gelernt, wie man „nämlich“ schreibt. Auch ich kenne diesen Spruch und finde ihn durchaus hilfreich. Sagen wir: für mich. Denn dann kam mein Mann und hat mir mal erklärt, wie saudumm dieser Spruch ist. Das Wort nämlich wird nämlich durchaus mit h geschrieben (kleiner Tipp für die, die jetzt in Protestgeheul ausbrechen wollen: es befindet sich am Ende des Wortes).

Der Spruch ist also nicht nur unwahr, er ist auch wirklich dämlich. Denn er ist in Wahrheit eine Diskriminierung jener, die Probleme mit der Rechtschreibung haben. Diese Menschen sind nicht dämlich, das stimmt doch gar nicht. Ich kenne viele intelligente Menschen, die Probleme mit der Rechtschreibung haben. Und so finde ich es mittlerweile einfach nur noch grausam, solche Sprüche zu verwenden, besonders bei Kindern, die gerade erst anfangen mit schreiben und dann schon zu hören bekommen, sie seien dämlich, weil sie ein h an der falschen Stelle verwenden.

Die Tatsache, dass der Spruch falsch ist, ist anscheinend bisher nur wenigen Leuten aufgefallen. Dass es meinem Mann aufgefallen ist, liegt wohl daran, dass er so sehr versucht hat, alles richtig zu machen. Er hat genau aufgepasst und zugehört und dadurch das bemerkt, was vielen Generationen von Lehrern und Schülern anscheinend durch die Lappen gegangen ist, nämlich dass nämlich mit h geschrieben wird.

Neulich musste ich daran denken, als ich Duncan die Schnute eingeschmiert habe. Meine Freundin hatte das ja übernommen als wir in Urlaub waren. Und er hat das ganz fein gemacht. Ohne rückwärts zu gehen. Bei mir hingegen fing er plötzlich an, rückwärts zu gehen. Und nach einer Weile des Rätselns wurde mir klar, warum: Ich hatte es etwas eilig gehabt beim einschmieren, es nicht gut genug vorbereitet und er war rückwärts gegangen. Ich habe ihm die Lippe weiter hoch gehalten, habe ihn eingeschmiert und als er still stand gab es einen Keks. Und mein schlaues – vielleicht manchmal zu schlaues – Pony hat abgespeichert wie es geht: Lippe hoch, rückwärts gehen, anhalten, Keks kassieren. Nur, dass ich es so nicht gemeint hatte. Tja, nämlich wird mit h geschrieben.

Ich bin dann dazu übergegangen, ihn los zu lassen wenn er rückwärts geht und eben keinen Keks zu geben. Da er den Keks haben will kommt er sofort wieder. Kekse gibt es jetzt nur noch, wenn er mich ohne Rückwärtstendenz seine Schnute versorgen lässt. Hat sofort funktioniert.

Auch an anderer Stelle hat Sir Duncan mir Rätsel aufgegeben. Warum dreht er mir manchmal den Hintern zu wenn er zu mir gekommen ist? Nein, er möchte nicht gekratzt werden. Es hat eine Weile gedauert bis ich verstanden habe, dass das Hintern zudrehen die Steigerung von Wegschauen ist. Wenn er einen Keks möchte und weg schaut und ich eigentlich warte, bis er etwas zur Ruhe kommt, dann passiert es manchmal, dass er so weit weg schauen möchte wie möglich und das bedeutet, er dreht sich von mir weg! Na klar, mehr wegschauen geht nicht, ist doch logisch! Nur ich war sehr langsam darin, diese Logik zu durchschauen.

Ganz oft ist das im Unterricht ein Thema. Warum macht mein Pferd das? Weil Du es ihm beigebracht hast. „Der weiß doch was er tun soll“ bekomme ich oft zu hören. Und nicht selten ist die Antwort „nein, weiß er nicht“. Duncan zum Beispiel weiß, was „hooo“ bedeutet. Nämlich dass er sofort stehenbleiben soll. Aber weiß er es wirklich? Nein! Das hat sich neulich gezeigt, als ich „hooo“ zum ersten Mal auf dem Zirkel in der Freiarbeit verwendet habe. Obwohl er es am Strick versteht, wenn er um mich herumläuft, hat er es ohne Strick noch nicht verstanden. Woher ich das weiß? Weil er so nachdenklich geschaut hat, als ich es gesagt habe. Und dann zwei oder drei Schritte später stehen geblieben ist – nach Bedenkzeit, die er normalerweise nur dann braucht, wenn er gerade anderweitig abgelenkt ist (was er nicht war). Weil er dann beim nächsten Versuch wieder nachdenklich geschaut und ein anderes Verhalten angeboten hat. Und weil er beim 4. Versuch, als er es richtig gemacht und einen Keks kassiert hat, dieses „AHA!“ im Gesicht hatte und es seitdem kann. Aus diesen Gründen bin ich mir sicher, dass er es noch nicht wusste. Weil Übertragungsleistung nicht so einfach ist. Etwas aus einem bekannten Zusammenhang herausreißen und in einem anderen Zusammenhang wiedererkennen will gelernt und geübt werden und dazu hatten wir noch nicht viel Gelegenheit. Bisher kann Duncan quasi nur buchstabieren, Wörter lesen und in Sätze zusammenfügen kann er noch nicht, das üben wir jetzt erst.

„Warum macht er das?“ Manchmal ist die Antwort auch „er weiß es vielleicht, aber er will es nicht tun“. Weil Pferde oft ganz anders über Belohnung und Bestrafung denken als wir. Für Duncan war es kein Problem, dass ich ihm hinterher gegangen bin und seine Lippe hoch gehalten habe. Ein Problem ist es aber, wenn ich ihn los lasse und er weiß: es gibt dafür keinen Keks. Das ist eine Strafe und so habe ich das Rückwärtsgehen bestraft. Vorher habe ich es belohnt – ohne das zu merken. Bei einem anderen Pferd, das mehr Probleme mit Lippe hochhalten hat, hätte das anders ausgehen können – gut, dann eben kein Keks, Hauptsache Du lässt meine Oberlippe endlich los! Dann hätte ich das Rückwärtsgehen belohnt, wenn ich losgelassen hätte.

So passiert es oft am Anhänger. Das Pferd ist mutig und geht einen Schritt vor. Der Mensch lobt und füttert und denkt, er hat jetzt sein Pferd belohnt. Dann fragt er nach einem weiteren Schritt nach vorn – und das Pferd fühlt sich bestraft. Denn die einzige wirkliche Belohnung wäre der Rückzug gewesen. Weg von dem gruseligen Ding. Egal, ob ich Futter oder Lob bekomme, ich will nur weg. Und wenn die „Belohnung“ für den mutigen Schritt nach vorn ist, dass nach einem weiteren Schritt gefragt wird – dann vielen Dank, da mache ich nicht mit.

Was ein Pferd als Belohnung oder Bestrafung empfindet, kann uns nur das jeweilige Pferd sagen. Zum Glück tut es das aber auch. Denn Verhalten, dass sich lohnt, wird öfter gezeigt und Verhalten, dass bestraft wird, wird seltener gezeigt. Wenn also ein Verhalten öfter auftritt, haben wir es irgendwie belohnt (oder sagen wir: es hat sich gelohnt) und wenn es seltener auftritt, haben wir es bestraft. So einfach ist das. Ob wir denken, wir hätten belohnt oder bestraft, ist dem Pferd herzlich egal. Wir müssen also nur hinschauen, was denn eigentlich wirklich passiert. Es mal Wort für Wort zu sagen kann beim Verstehen helfen. Einfach nur auflisten: das hat mein Pferd getan, das hab ich getan, dann hat mein Pferd das getan und ich hab das getan. Genau wie es helfen kann, ein Wort zu buchstabieren, bevor man einen dämlichen Spruch verwendet.

Nämlich n-ä-m-l-i-c-h

Wer nämlich mit h schreibt ist ganz schön schlau.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 107

Den armen Caruso juckt es immer so am Kopf. Der hat sich schon den halben Pelz weggekratzt! Deswegen haben mein Mädchen und der Mann gestern abend eine Wellness-Einheit mit ihm gemacht. Erst hat der Mann Friseur gespielt und mit der Schere an Caruso herumgeschnippelt. Ich wollte ja helfen, aber natürlich hat man mich nicht gelassen! Wäre aber wohl besser gewesen, denn das was dabei herauskam sah wirklich sehr sehr bescheiden aus! Caruso hat aber Kekse zum Trost bekommen. Ich hätte auch gern welche genommen, aber anscheinend muss ich nicht frisiert werden und bekomme daher auch keine Kekse. Jetzt weiß ich nicht so recht, was mir lieber wäre: Kekse bekommen und dafür nachher die Frisur ruiniert oder weiterhin gut aussehen aber keine Kekse…. schwierige Wahl. Aber ich bin ja eh nicht gefragt worden. Dann hat das Mädchen eine kleine Brummmaschine gezückt und nachgearbeitet. Wahrscheinlich hat ihr Carusos Frisur auch nicht so recht gefallen. Nachher war alles ganz glatt abgeschoren. Das sieht vielleicht aus! Da konnte man erst so richtig sehen, dass schon ganz viele Haare weg sind. Also hat Caruso jetzt an manchen Stellen ganz kurze Stoppelhaare und an manchen gar keine Haare. Zum Glück ist es wenigstens nur der Kopf, sonst müsste er jetzt frieren so ganz ohne Winterpelz! Dann haben sie Caruso noch eine Lehmpackung verpasst. Soll gut sein für die Haut. Oder sie wollten damit ihre stümperhaften Frisierversuche vertuschen. Ich bin nicht sicher….

Oje…..

Auch da wollte ich gern helfen. Hat mir aber nichts eingebracht außer dass ich Lehmstippen auf die Nase bekommen habe. Jetzt sehen Caruso und ich aus wie Indianer mit Kriegsbemalung! Wir werden also zusammen eine Friedenspfeife rauchen.

Mein Mädchen meint, ich soll nicht überall meine vorwitzige Nase rein stecken. Warum nicht?

Howgh! Ich habe gesprochen.

Euer Häuptlingssohn Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 106

Neulich meinte mein Mädchen, ich wäre ja so maulig in letzter Zeit. Würde die anderen so viel nerven und sie so oft anmeckern. Jetzt hör mal gut zu, mein Mädchen! Nicht nur, dass ich gerade fleißig wachse – und zwar NUR FÜR DICH weil Du immer meinst ich sei „zu klein“ um bei den richtig coolen Sachen mitmachen zu können (was übrigens keiner von meinen Kumpels hier so sieht! Nur Du!), also nicht nur dass ich fleißig wachse, ich habe noch ein paar andere Baustellen! Da, schau! Alte Verletzung von vor Weihnachten die ich noch fertig ausheilen muss, neue Verletzung – nein ich sage Dir nicht woher ich sie habe! Nur so viel: eine Ausbildung zum Ritter ist nun mal kein Besuch im Streichelzoo! Und da unten, siehst Du das? Da arbeite ich am nächsten Wackelzahn!

Weißt Du wie anstrengend das alles ist? So und jetzt kommst Du und sagst ich sei „maulig“! Lass Du mich bloß in Ruhe mit dem Kram. Ich geht jetzt Diego in den Po kneifen.

Euer mauliger Sir Duncan Dhu of Nakel