Spektakulär

Neulich habe eine Einladung ausgeschlagen. Man hatte mich eingeladen, kostenlos an einem Seminar teilzunehmen, das normalerweise viel Geld kostet. Und dann war man ziemlich schockiert, dass ich diese Einladung ausgeschlagen habe. „Jomo“ nennt sich das, habe ich gelernt. „Jomo“ ist das Gegenteil von „Fomo“. Wobei ich glaube ich beide Begriffe hier etwas neben dem eigentlichen Gebrauch verwende. „Fomo“ ist „Fear of missing out“, die Angst, etwas zu verpassen. Wenn das Handy aus ist zum Beispiel. „Jomo“ ist das Gegenteil „Joy of missing out“. Und dieser Begriff gefällt mir so gut, dass ich ihn für mich selbst als Entscheidungshilfe verwende in genau solchen Momenten. Ich verpasse – ganz bewusst – eine Gelegenheit und freue mich daran. Eine Gelegenheit, die mir als „Chance“ verkauft wird, die man auf keinen Fall verpassen darf. Doch doch, ich darf. Denn das Seminar ist natürlich nicht ganz kostenlos – es kostet mich Lebenszeit. Worum ging es? Ein Seminar über Führungskräftetraining mit Pferden. Wovon ich sowieso nicht sehr viel halte. Da könnte ich eine lange Abhandlung drüber schreiben aber ich erspare uns das. Das Video, mit dem diese Veranstaltung beworben wurde, war in den kurzen Szenen, in denen Pferde gezeigt wurden, voller „cheap tricks“. Diese „billigen Tricks“ sind die Dinge, die jeder, der einigermaßen über Lernverhalten Bescheid weiß und ein halbwegs gutes Timing hat, seinem Pferd problemlos in kürzester Zeit beibringen kann. Komischerweise sind das immer noch die Tricks, mit denen man anscheinend unendlich viele Leute beeindrucken kann. Wenn das Pferd rückwärts auf einen zu kommt. Oder ohne Seil um einen herum läuft. Spanischen Schritt zeigt oder steigt. Oder oder oder.

Das Video veranlasste mich, darüber nachzudenken, was die schwierigsten Dinge sind, die Duncan kann. Die, die mich am meisten Gehirnschmalz, Aufmerksamkeit und Fehlversuche kosten. Und da fiel mir ein: Fressen aus der Schüssel. Jawohl. Fressen aus der Schüssel ohne mit dem Fuß darin herum zu dengeln. DAS ist unsere Meisterübung im Moment. Daran arbeiten wir am längsten, am intensivsten und ich denke darüber am meisten nach, probiere am meisten aus. Spektakulär, oder?

Noch etwas anderes spektakuläres hat Duncan neulich geschafft: Wir waren auf dem Reitplatz und mit uns war dort auch sein Spaziergehkumpel, der an der Longe herum galoppierte und Arnulf mit Diego, die mit der großen Fahne spielten. Trotzdem konnte Duncan sich total auf mich konzentrieren und wir konnten etwas neues üben. DAS war spektakulär in meinen Augen. Wie er immer mal zu den anderen kurz rüber geschaut hat und sich dann ganz selbstverständlich wieder mir zugewendet hat um weiter zu machen.

Und natürlich auch: Wir verladen Duncan und seinen Spaziergehkumpel, fahren in fremdes Gelände, gehen dort spazieren und fahren wieder nach hause. Auch das finde ich jedes Mal wieder spektakulär. Weil es so unspektakulär ruhig und entspannt abläuft. So selbstverständlich und weil die Ponys sich wirklich immer freuen wenn es los geht.

Anstatt mir ein Seminar anzutun mit einem Herrn der – so ist aus dem Video ersichtlich – unglaublich von sich überzeugt ist und vermutlich seine Pferde hauptsächlich nutzt um sein Ego zu polieren, habe ich dann lieber Zeit mit meinen Ponys verbracht. Und unspektakuläre Dinge gemacht, die für mich so wertvoll sind. Jomo!

Jeder kann ja mit seinem Pferd machen was er will. Die billigen Tricks schaden den Pferden meistens nicht. Was ich ärgerlich finde ist, dass so viele Menschen – auch Pferdemenschen – sich davon blenden lassen. Sie glauben, weil sie so etwas sehen, DAS sei ein richtig guter Pferdetrainer. Aber billige Tricks sind kein Beweis dafür dass jemand ein guter Pferdetrainer ist. Und die billigen Tricks zu lernen macht auch keine besseren Pferdemenschen aus uns. Und deswegen finde ich nichts spektakulär daran.

Spektakulär war für mich zum Beispiel der Besuch bei der Pferdewaage. Dass mein kleines Hengstchen sich in Anwesenheit so vieler fremder Pferde so gut benehmen konnte, war für mich ein Hit. Und dass er auch dann, als ich nachher ziemlich groggy war, zwar etwas nervig, aber nicht doof wurde, das rechne ich ihm hoch an.

Noch ein Stück spektakulärer fand ich zum Beispiel die Begegnung mit dem Trecker an diesem Tag. Es kam von hinten ein gigantischer Trecker mit monströsem Anhänger. Duncan hat sich diesmal dann doch erschreckt, wahrscheinlich einfach weil die Grundspannung so hoch war. Springt neben mir in die Luft, will nach vorne, fühlt das Halfter und stoppt, obwohl der Trecker noch neben uns ist. DAS sind für mich spektakuläre Momente. Sich NICHT erschrecken ist nämlich das eine, aber im Moment des Erschreckens MICH noch wahr- und ernst nehmen, auf mich achten und sich dann in letzter Konsequenz darauf einlassen, dass ich sage es ist ok und nicht gefährlich, DAS ist spektakulär.

Und es wird noch spektakulärer. Als ich auf der Tonne stand am Dienstag und mein Pony mir das Einparken fast schon geschenkt hat. Was daran spektakulär war, war nicht das Einparken. Es war die Tatsache, dass er so lang nicht begeistert war von der Idee, dass ich meinen Arm auf seinen Rücken legen könnte. Und dass er jetzt das Zutrauen hat, einzuparken, in der Gewissheit, dass ich nichts tue, was er doof findet. Für mich ein großer Vertrauensbeweis, der von außen völlig unsichtbar ist. Viele Menschen finden es erstaunlich, wenn ein Pferd an der Aufsteigehilfe einparkt. Für mich ist das eine Basis-Übung und ich würde auf mein Pferd gar nicht aufsteigen, so lange es diese Übung nicht beherrscht. Aber die Tatsache, dass er es nicht nur getan hat sondern unglaublich bemüht war, selbst herauszufinden, wie es richtig geht – offensichtlich eben bei den anderen abgeschaut – diese Tatsache lässt mir das Herz in der Brust hüpfen. Er WOLLTE da einparken obwohl er weiß, dass ich dann theoretisch aufsteigen könnte (was er schrecklich finden würde, da bin ich überzeugt).

Gleichzeitig ist das für mich auch noch auf anderer Ebene spektakulär. Denn offensichtlich hat der das Verhalten bei den anderen gesehen und dann für nachahmenswert empfunden. Was heißt das? Dass die anderen Ponys ausstrahlen, dass es gut ist, wenn der Mensch aufsteigt. Es ist nicht „oje, jetzt muss ich arbeiten“. Denn wenn sie das ausstrahlen würden und er das beobachtet, würde er es nicht freiwillig versuchen. Behaupte ich mal so.

Ach, mein Ritter hat mir schon so viele erstaunliche, wundervolle, spektakuläre Momente geschenkt. Die meisten davon hätte ein Außenstehender nicht als solche erkennen können. Aber wir haben sie erlebt, Duncan und ich, und darum geht’s.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 140

So Ihr fleißigen Rater, hier kommt die ganze Wahrheit! Ich wiege 358kg (sagen wir mal, das habe ich jedenfalls am Sonntag um 13.16Uhr gewogen).

Das ist deutlich weniger als mein Mädchen geschätzt hat. Wo ich doch vor 1,5 Jahren schon 316kg hatte! Da ist gar nicht so viel dazu gekommen, obwohl ich jetzt wirklich schon viel größer bin (11cm habe ich seit dem ersten Waagenbesuch geschafft!)

Gestern brauchte mein Mädchen dann mal einen Tag Pause, weil sie unser Abenteuer so anstrengend fand. Dann sagt sie immer, ICH könnte gut einen Tag Pause vertragen, weil ich so viel erlebt hätte. Hör mal, Mädchen, ich brauch keine Pause, ich bin fit, im Gegensatz zu Dir!

Heute sind wir dann in die Halle gegangen. Weil es regnet und mein Mädchen bekanntermaßen nicht wetterfest ist. Wir haben die langweiligste Übung der Welt gemacht: Mein Spaziergehkumpel war auch mit dabei und wir beide mussten auf unseren Plätzen stehen bleiben während unsere Mädchen herumgelaufen sind und komische Sachen gemacht haben. Oh Mann war das öde!

Nur blöd rumstehen? Was soll das denn?

Aber es gab Kekse. Und dann als ich schon dachte heute passiert gar nichts spannendes mehr, hat mein Mädchen mit mir so ein paar kleine Übungen wiederholt. Auch, dass ich meinen schönen Po in ihre Richtung schwenke, wenn sie mir die Gerte über den Rücken hält. Das haben wir noch nicht so oft gemacht, aber ich hab mich schnell erinnert wie das geht. Und dann…. dann hat sie sich auf eine Tonne rauf gestellt und mir wieder die Gerte über den Rücken gehalten! Ich war ganz aufgeregt, ich weiß doch was das heißt! Das machen Menschen wenn sie aufsteigen wollen, das hab ich schon so oft beobachtet! Und ich weiß auch was man als Pony dann tun soll. Ungefähr jedenfalls. Und nach ein paar Anläufen hatte ich es auch raus. Mein Mädchen hat sich sooooo doll gefreut! Und dann hab ich zum krönenden Abschluss auch noch kapiert, wie das mit dem Keks geht. Wenn die Menschen oben stehen und man als Pony seitlich eingeparkt hat, gibt es den Keks nämlich auf der anderen Seite, der wird einem dann über den Rücken gereicht. Aha! Da hab ich doch wieder was ganz wesentliches gelernt! Mein Mädchen ist fast ausgeflippt, so stolz war sie auf mich. Und dann hat sie gesagt dass es besser ja gar nicht werden kann und wir deshalb jetzt Feierabend machen. Und sie hat mich mit stolzgeschwellter Brust zu Merlin und Caruso gebracht für unser abendliches Extra-Heu. Ich muss sagen: ich bin sehr zufrieden mit mir.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 139

Was für ein Abenteuer! Heute sind wir zu viert vom Hof marschiert – Diego der Große, meine Spaziergehkumpel, der Freund vom Spaziergehkumpel und ich. Und dann natürlich der Mann, mein Mädchen, die drei Mädchen vom Spaziergehkumpel und seinem Freund und 5 Wölfe! Na da war was los! Den Freund vom Spaziergehkumpel kenne ich ja bisher nur so aus der Ferne. Der ist immer vor mir her gelaufen und ich wollte doch so gern mal gucken!

(Ritter, Du wolltest nicht nur gucken). Ach Du weißt schon, Mädchen, so richtig gucken. Mit schnüffeln und so.

Aber mein Mädchen hat gesagt ich darf nur mit den Augen gucken. Von weitem. Na gut, aber dann muss ich jemanden beißen! Aber auch das durfte ich nicht. Menno. Dabei war ich doch so aufgeregt!

Als wir dann eine Weile unterwegs gewesen waren, sind wir auf einem Hof angekommen. Da waren noch mehr Pferde! Und dann kamen noch nach uns zwei und das eine war eine Stute! Da hab ich mal ein bisschen einen Kragen gemacht und sie freundlich angebrummelt. Mein Mädchen staunt dann immer wie tief meine Stimme ist. Aber sie war auch sehr zufrieden weil ich mich auf brummeln beschränkt hab und nicht rumgetanzt habe oder so was. Neee, weiß ich doch. Und wenn ich mich dann wieder auf mein Mädchen konzentriert hab, hab ich auch Kekse bekommen.

Dann hab ich kapiert was da los war: da war eine Waage! Und deswegen waren da auch so viele Pferde. Aha! Vorm wiegen hab ich ja keine Angst. Das kann ich. Und Ihr dürft jetzt raten wie schwer ich bin!

Waage ist einfach. Was sie wohl anzeigt?

Anschließend wurde ich noch vermessen. Die nette Frau hat gesagt, ich wäre 139cm groß. Mein Mädchen hat nachher gesagt das wäre ein bisschen gemogelt, weil ich ja Schuhe an hatte. Also bin ich wohl doch nur 138cm groß. Aber innerlich war ich heute schon ganz, ganz groß! Weil ich mich so gut benommen hab obwohl ich wirklich, wirklich aufgeregt war.

Innerlich schon ganz groß! Kann man mit dem Stockmaß nicht sehen. Aber mein Mädchen hat’s gesehen!

Mein Spaziergehkumpel, sein Freund und Diego der Große waren auch auf der Waage. Diego hat alle überrascht, weil er jetzt so rank und schlank ist wie noch nie! Er wiegt nur noch 598kg! Ich vermute er wird eine Erhöhung seiner Futterration beantragen. Ich vermute aber auch, dass mein Mädchen das ablehnen wird, weil er immer noch so kleine Pölsterchen hat und sie davon träumt, die auch noch weg zu bekommen. Armer Diego! Sie ist unerbittlich. Ich darf noch so viel essen wie ich will. Weil ich noch wachse. Glück gehabt!

So und jetzt ratet, wie viel ich wiege! Wer am nächsten dran ist darf bestimmen, worüber ich in meinem Tagebuch mal berichten soll. Oder worüber mein Mädchen mal was schreiben soll. Uuuuuuuuuund los!

Euer gewichtiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Ausprobiert

Einer meiner am häufigsten gesagten Sätze im Unterricht ist „probier’s aus!“ Ich frage ja gern mal meine Schüler, wie man denn ein Problem beheben oder eine Sache verbessern könnte. Dann denken sie nach und kommen mit einer möglichen Lösung. Und ich sage dann „probier’s aus!“

Ich in schließlich auch nicht allwissend. Und ich möchte bei meinen Schülern das fördern, was ich auch bei meinen Ponys fördern möchte: Ausprobieren. Der Mut, einfach mal zu machen, der fehlt bei manchen Pferden und Besitzern. Aber es ist so wichtig, einfach mal zu machen. Und sich darüber klar zu werden, was eigentlich schlimmstenfalls passieren kann. Meistens ist die Antwort auf diese Frage: mein Pferd könnte mich nicht verstehen. Das ist ja nun gar kein Weltuntergang (es sei denn das Pferd hat gelernt, dass es für nicht-verstehen bestraft wird. Aber selbst dann kann es ja hier und heute lernen, dass das ab sofort nicht mehr passiert.)

Häufig sind wir total blockiert angesichts einer Katastrophe die keine ist. Mein Pferd biegt sich nicht korrekt! (Oh Gott! Weltuntergang!) Was mache ich denn, wenn er da vorne dann nicht um die Kurve geht (weil ich nicht, wie gewohnt, am inneren Zügel ziehe) – tja, der Reitplatz ist eingezäunt, was wird da wohl passieren? Aber man stelle sich bloß mal vor, das Pferd würde auf der Vorhand latschen – dann hat es ja morgen einen Sehnenschaden! (Nicht. Die meisten Pferde latschen ihr Leben lang „auf der Vorhand“ und die wenigsten haben einen Sehnenschaden.)

Pferdeausbildung braucht analytische Fähigkeiten: hinschauen, was passiert, überlegen was ich tun könnte, ausprobieren wie das was ich tue, sich auswirkt. Wieder und wieder und wieder. Und zwar auch und gerade bei den Dingen, die schon gut klappen. Ja ich kann Diego in allen Seitengängen reiten. Kann ich das auch einhändig? Ohne gleich mit der inneren Hand in den Zügel zu greifen wenn Biegung oder Abstellung nicht gleich stimmen? Welche Alternativen könnte ich finden um die gewünschte Biegung und Abstellung zu bekommen?

Ja ich kann eine Trabhilfe geben, auf die hin mein Merlin sofort antrabt. Was passiert, wenn ich weniger oder eine etwas andere Hilfe gebe? (Mein Unterbewusstsein schreit: siehst Du, der trabt nicht an! WEltuntergang!)

Oder die, die meinen, Ihr Pferd könnte das noch nicht. Nein ich habe mein Pferd noch nie seitwärts über die Stange geschickt, was muss ich denn da machen? „Probier’s aus!“

Ich weiß nicht, was meine Schüler denken, wenn sie das das erste Mal erleben. Ich baue eine Übung auf, erkläre, was das Pferd tun soll und lasse mein armen, ratlosen Schüler dann einfach mal machen. Fakt ist: all die hundert kleinen Details, Wenns und Abers kann ich sowieso vorher nicht erklären. Also lasse ich meine Schüler machen und drehe dann an kleinen Stellschräubchen. Vielleicht stelle ich fest, dass das Pferd wirklich noch nicht seitwärts über die Stange gehen kann, weil noch ein Verständnisdetail fehlt oder ein körperliches Problem vorliegt. Aber ich suche ja Übungen aus, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im ersten Anlauf so halbwegs klappen. Und dann können wir ja alle gemeinsam an der Verbesserung arbeiten. Und so lernen meine Schüler und ihre Pferde, dass Ausprobieren etwas tolles sein kann. Dass es nicht schlimm ist, erst mal nicht zu wissen, was man da tut. Da kann man sich auch mal komplett verheddern, das macht nichts. Das Pferd lernt, damit umzugehen, dass der Mensch mal Mist verzapft. Der Mensch lernt, dass sein Pferd überlebt, wenn der Mensch Mist verzapft und das gar nichts schlimmes passiert – oh Wunder, mein Pferd hasst mich gar nicht nur weil ich mal kurz unklar war. Es hat auch kein Trauma davon getragen weil ich falsch reagiert habe. Nur die Übung hat halt nicht geklappt. Na und?

Die Türen im Kopf mal aufmachen und ein kleines Wagnis eingehen, dazu möchte ich meine Schüler immer ermuntern. Natürlich kann das auch mal schiefgehen. Mit Duncan gleich über die Autobahnbrücke zu marschieren, war keine brillante Idee. Ich vermute, sein Brücken-Problem ist durch dieses Erlebnis nur größer geworden. Kleiner jedenfalls nicht. Kann passieren. Jetzt habe ich ja aber die Möglichkeit, diesen Fehler wieder gut zu machen. Ihm zu zeigen, dass ich verstehe. Dass ich die Schritte jetzt so klein wähle, dass sie machbar sind. Dass ich mit ihm gemeinsam mutig bin. Und während des ganzen Prozesses wird nicht gestraft oder gemeckert. Er hat es ja auch probiert mit der Autobahnbrücke. Er hätte ja auch stehenbleiben können, sich weigern, weiter zu gehen. Dann hätte ich Plan B geschmiedet. Aber auch er war bereit, es zu probieren und hat erst im Nachhinein gemerkt, was für eine dämliche Idee sein Mädchen da hatte. Nun denn, so etwas kommt in den besten Familien vor.

Elsa Sinclair (taming wild) sagt „wenn ich es richtig mache, lernt das Pferd etwas, wenn ich es falsch mache, lerne ich etwas“. Da möchte ich ihr ausnahmsweise widersprechen. Ich glaube: wenn ich es richtig mache, lernen wir beide etwas und wenn ich es falsch mache, lernen wir beide etwas.

Die Frage ist nur: was. Lernt mein Pferd „sie hat jetzt von 10 Versuchen 10 vermasselt, sie hat keine Ahnung“ dann ist das kein gutes Ergebnis. Lernt mein Pferd „ok der erste Versuch war schrecklich. Aber dann hat sie anscheinend kapiert, dass sie was anders machen muss und wir haben diese Nuss gemeinsam geknackt. Und sie war die ganze Zeit nett und hat mich fürs Probieren gelobt“ dann wird mein Pferd beim nächsten Fehlversuch sagen „na gut, probieren wir es nochmal“. Und genauso gilt das auch für den Menschen. Und da sehe ich meinen Job beim Unterrichten. Mein Job ist nicht, vorher alles haarklein zu erklären. Sondern machbare Herausforderungen zu finden und dann dafür zu sorgen, dass die Stunde mit einem Erfolgserlebnis für Mensch und Pferd endet. Denn jedes Erfolgserlebnis – vor allem wenn man selbst das Problem gelöst hat – stärkt das Selbstbewusstsein. Das gilt natürlich für Pferd UND Mensch. Und mit besserem Selbstbewusstsein wird das Leben insgesamt besser – und darum geht’s mir.

Ich hab auch mal was neues ausprobiert. Normalerweise wenn ich mit Duncan wippen gehe, gehen wir einfach ohne Halfter in den abgezäunten „Wippbereich“ und dann geht es auch schon los mit den Übungen. In diesem abgezäunten Bereich ist unser Spielplatz – vor allem meiner für das Thema positive Verstärkung. Die Gerte bleibt an der Wand hängen und ich schaue einfach was geht, wenn ich nur meine Kekse und mein Timing zur Verfügung habe.

Nun würde ich ihm gern die Hufe auskratzen bevor gewippt wird. Problem: Sir Duncan möchte nicht stillstehen. Er ist aufgeregt und will los legen. Aber ich möchte das Thema jetzt angehen. Die Vorderhufe lässt er sich fein auskratzen. Dann sage ich „warte“ und gehe Richtung Hinterhand. Duncan läuft los. Ich versuche, ihn mit „hooo“ zu stoppen, aber er reagiert nicht. Und ich denke: was mache ich jetzt? Nix. Ich setze mich hin und beobachte ihn. Er dümpelt durch die Halle, findet heruntergefallene Keksreste, schnobert hier und da. Nach ein paar Minuten kommt er zu mir und fragt nach einem Keks. Aber den soll er sich verdienen! Ich sage „warte“ und gehe Richtung Hinterhand. Duncan läuft los. Na dann eben nicht. Ich setze mich hin. Das Spiel wiederholt sich. Als ich keine Lust mehr habe, da dumm rum zu sitzen, fange ich an, mich zu bewegen, ein paar kleine Dehnübungen zu machen. Duncan kommt zu mir und fragt nach einem Keks, der Ablauf wiederholt sich. Schließlich, nach einer Viertelstunde, gelingt es. Duncan bleibt stehen, ich kann zur Hinterhand gehen, dafür gibt es einen Keks und der Bann ist gebrochen: ich kann den Huf auskratzen. Auch dafür wieder Keks und dann will ich zur anderen Seite – und Duncan geht.

Da kommt mir schon mal der Gedanke, was ich da nun eigentlich mache. Aber es ist eben ein Experiment. Was ist das schlimmste was passieren kann? Dass Duncan lernt, dass er „warte“ nicht einhalten muss? Macht nix, das ist schnell repariert. Das Beste was passieren kann ist, dass er (obwohl er staubige Futterreste im Sand findet) herausfindet, dass Zusammenarbeit sich wirklich lohnt. Wirklich wirklich. Und dass die Ignoranz, mit der er mich straft, nicht zum Erfolg führt.

Nach einer Weile ist er bereit, sich auch den anderen Hinterhuf auskratzen zu lassen und wir können uns dem Wippen widmen. Er ist sehr viel ruhiger als sonst, nicht so aufgekratzt. Vielleicht liegt das an diesem merkwürdigen Start, vielleicht an was anderem. Wer weiß das schon…. Ich bin jedenfalls gespannt auf die nächsten Male. Und ich nehme mir vor, ihn schon eine Viertelstunde vorher in den abgezäunten Bereich zu lassen und dann weg zu gehen, so dass er alle Futterreste abstauben kann und sie nicht als Belohnung für Missachtung meiner Person ansieht. Wir werden sehen, was dabei heraus kommt.

Also: Probiert doch mal was aus – und habt Spaß dabei!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 138

Gestern waren wir wieder zusammen los: mein Mädchen, mein Spaziergehkumpel, das Mädchen vom Spaziergehkumpel und ich. Und natürlich die 4 Wölfe vom Mädchen vom Spaziergehkumpel.

Wir sind mit der Wackelkiste in unbekanntes Terrain gefahren und mein Mädchen hat so getan als würde sie Kutsche fahren – Ihr wisst schon, wirklich Kutsche fahren können wir ja noch nicht, weil ich angeblich noch zu klein bin. Aber sie läuft hinter mir her und lenkt mich von hinten. Und jetzt haben wir auch wirklich den Bogen raus, mein Mädchen und ich.

So gut können wir das jetzt schon!

Wir können jetzt schon tolle Sachen: sie konnte mich gestern an Pferden vorbei lenken die da auf der Wiese waren – ich finde das immer soooooo aufregend und dann ist es ganz schwer mich zu konzentrieren auf das was sie sagt. Aber ich hab das geschafft und sie war mega stolz auf mich! Gab auch prompt einen Keks. Außerdem haben wir zwei Autos geschafft die uns von hinten überholt haben und eins von vorn. Bisher war sie immer noch zu mir nach vorn gekommen wenn da Autos waren, aber jetzt meinte sie wir schaffen das. Ich fand das nicht schwer. Was WIRKLICH schwer war, war dass ich dann auf dem Grasstreifen laufen musste. Und das heißt ich muss über das leckere, frische grüne Frühlingsgras rüber laufen und darf NICHT NASCHEN! DAS sind die echten Herausforderungen im Leben, ich sage es Euch! Aber auch das schaffe ich schon ganz gut. Und es gibt auch dafür Kekse. Und wir haben dann auch ein paar mal angehalten zum grasen.

Sie war auch super stolz, dass ich das mit den Wölfen jetzt so gut wegignorieren kann. Das fand ich vor 2 Wochen noch ziemlich schwierig, aber jetzt schaffe ich das besser. Manchmal stehen die im Weg rum, da weiß ich noch nicht so was ich machen soll. Aber ansonsten tue ich die meiste Zeit einfach so als wären sie nicht da. Dafür gibt es auch gelegentlich Kekse!

Außerdem war gestern Treckertag. 7 Trecker-Begegnungen und davon 5 mal der selbe! Der ist anscheinend immer im Kreis gefahren. Ein Riesen Ding war das! Zum Glück ist er schön langsam an uns vorbei gefahren, so dass wir Ponys keine Angst hatten. Beim 5. Mal wollten wir ihm das „Du“ anbieten aber er sah etwas genervt aus, also haben wir ihn lieber nicht angesprochen. Wenn der große Trecker kam ist mein Mädchen immer zu mir nach vorn gekommen um mich zu unterstützen. Ich weiß ja: je größer und lauter das Gefährt, desto höher die Kekswahrscheinlichkeit. Und das war nun der größte Trecker der Welt mit riesigem Anhänger. Und das 5 mal! Also 5 Kekse aufs Konto gebucht für mich! Plus die zwei kleineren Trecker macht 7 Kekse nur für Trecker!

Am Ende kamen wir wieder bei der Wackelkiste an. Mein Mädchen dachte, ich würde meinen Schritt beschleunigen weil ich nach hause wollen würde. Aber ich bin einfach weiter marschiert, an der Wackelkiste vorbei. Da hat mein Mädchen gelacht und sich gefreut und gemeint, ich würde wohl noch bis nach hause laufen wollen! Hätte ich gemacht. Aber ihr ist das wohl zu weit. Na gut, also Wackelkiste, ist mir auch recht, da gibt es nämlich Heu. Auf der Rückfahrt habe ich mich mit meinem Spaziergehkumpel unterhalten. Wir waren beide sehr zufrieden mit uns, weil wir so tolle, erwachsene Ponys sind. Keiner hatte Pubertät und unsere Mädchen waren mal wieder restlos begeistert von unserer Performance. Sie sagen, wir können Sachen, die andere Pferde nie lernen. Zum Beispiel völlig problemlos in die Wackelkiste steigen und dann durch fremdes Gelände laufen. Wir finden das einfach. Aber ist ja schön, wenn man mit einfachen Sachen so viel Begeisterung auslösen kann! Uns soll es recht sein. Also ein rundum gelungener Dienstag! Wir freuen uns schon auf nächste Woche, dann geht es wieder los!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Erinnerungen

„Neue Erinnerungen schaffen“ das ist für meine Freundin und mich so eine Art Motto geworden. Auch sie hat – ein halbes Jahr vor mir – ihr junges Pony verloren. Auch sie hat Nachwuchs – Duncans Spaziergehkumpel. Und wenn wir so durch die Gegend wandern, dann hängen da manchmal viele Erinnerungen dran.

Aber jetzt ändert sich etwas. Denn jetzt sind da plötzlich neben den Erinnerungen an „die besten Ponys 1.0“ auch neue Erinnerungen an „die besten Ponys 2.0“. Als wir neulich spazieren waren, sind wir auf jenem Weg unterwegs gewesen, der unser erster Anhängerausflugs-Weg mit Duncan und seinem Spaziergehkumpel Freddy war. Damals – das ist jetzt etwas über ein Jahr her – haben wir uns darüber unterhalten, dass die Pferdemesse wegen Corona abgesagt wurde. Aber von Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Wellen, Schnelltests und Impfungen hatten wir noch keine Ahnung. Wir waren mit den beiden Jungspunden im Anhänger eine ganz kurze Strecke gefahren und dann vom Wanderparkplatz aus nach hause gelaufen. Und es hat geregnet. Ach, was sage ich, es hat geschüttet! Das Wasser lief die Straße und die Baumstämme herunter. Und mein kleiner Ritter, zu diesem Zeitpunkt noch keine 1,5 Jahre alt und erst ein knappes halbes Jahr bei mir, war dann doch gegen Ende ein bisschen durch mit dem Lack. Das sind die Dinge, an die man sich erinnert. Viel mehr als an die schönen, ruhigen und entspannten Spaziergänge, die mir viel Kraft geben, aber weniger im Gedächtnis bleiben.

Er war noch sehr klein und es war sehr, sehr nass.

Dieser Spaziergang war der Auftakt für unsere allwöchentlichen Dienstags-Ausflüge. Im Sommer waren wir dann fast jede Woche mit dem Anhänger los in schöneres Gelände und unsere Ponys sind inzwischen die absoluten Profis was das angeht. Einsteigen, Heu fressen, aussteigen, Wege gehen die man kennt oder nicht kennt, völlig egal. Dann wieder einsteigen, Heu fressen, aussteigen. So wie wir auch ins Auto steigen um irgendwo hin zu fahren.

Diesen Sommer wollen wir vermehrt zu den Wegen fahren, wo all die Erinnerungen an die besten Ponys 1.0 hängen. Wege, die fast schon Hufabdrücke haben von den beiden wunderbaren Ponys, die uns angestiftet haben, auf Distanzritt zu gehen.

Die besten Ponys 1.0 wir hatten so viel Spaß….

Damals war das alles anders. Meine Freundin war immer vorn, ich war immer hinten. Mit Finlay war man einfach immer hinten. Finlay hatte es nie eilig – wofür auch? Er war mein Träumer und mein Bummelant. Eigentlich gar kein Distanz-Pferd. Aber er hatte so viel Lust am Abenteuer und am draußen sein, dass wir es eben doch gemacht haben. Er brauchte endlos viel Training für die Einsteiger-Strecke, die Pferde normalerweise ohne extra Training schaffen können sollten (was für Diego im Übrigen auch wahr war). Aber er hatte Spaß und er hat mir gezeigt, wie sehr ich meine Ponys oft unterschätzt habe, was die körperliche Leistungsfähigkeit angeht.

Mit Duncan bin ich fast nie hinten. Duncan will immer voran, bis zum Horizont und darüber hinaus. Wenn wir in fremdes Gelände kommen, gehen die Ohren vor und er läuft schnurstracks vorneweg. Er läuft auch dann noch vorneweg, wenn er unsicher wird – das wurde uns auf der Autobahnbrücke zum Verhängnis. Er bleibt dann nicht stehen und sagt „oh ich hab Angst“. Er sagt „oh ich hab Angst“ und geht weiter. Bis er mehr Angst hat und noch mehr und dann gerne losrennen möchte. Es liegt an mir, ihn davor zu beschützen, dass er sich nicht selbst überfordert. Und so wird das Training für die Distanzritte wohl auch für mich ganz anders ablaufen als bei Finlay, den ich immer gepusht habe, dem ich immer gesagt habe „das schaffst du bestimmt noch“ und der dann fest gestellt hat: ah, da ist ja noch Kraftreserve.

Wenn Duncan sich auf das körperliche Training bezogen genauso verhält wie auf die seelischen Herausforderungen, dann wird es mein Job sein, ihn zu bremsen und zu sagen „mach mal Pause. Schnauf mal durch“. Ich werde vermutlich viel lernen über Pulswerte und Krafteinteilung. Und ich werde neue Erinnerungen schaffen.

Aber auch mit den besten Ponys 2.0 hatten wir nun schon eine Menge Spaß!

Da Duncans Spaziergehkumpel jetzt eingefahren wird – zwei Mal war er jetzt vor der Kutsche und hat das erwartungsgemäß großartig gemeistert – sind viele Erinnerungen daran hoch gekommen, wie wir Finlay gemeinsam eingefahren haben. Auch ihn haben wir gut vorbereitet. Auch er hat das selbstverständlich gemacht. Er hatte seine Schwäche beim Straßenverkehr und wir erinnern uns lachend an eine Situation mit einem Bus, als ich ängstlich auf dem Kutschbock neben meiner Freundin fragte ob ich nicht lieber absteigen und zu Finlay nach vorne gehen sollte um ihn zu unterstützen und meine Freundin schaute nur streng und sagte „Du bleibst sitzen“ und dann, an Finlay gerichtet „und Du läufst weiter“ und wir haben beide getan wie uns geheißen. Finlay hat seinen Mut zusammen genommen und ist anständig weiter gelaufen, während uns auf der kleinen Dorfstraße der Linienbus beängstigend groß entgegen kam. Im Nachhinein eine großartige Erinnerung!

Auch Pannen haben wir gehabt und wir haben daraus gelernt. Verletzte oder traumatisierte Ponys hatten wir dabei nie. Wir haben immer alles gut vorbereitet, sauber erarbeitet und es den Ponys so leicht wie möglich gemacht. Dadurch konnten unsere Ponys die „Fehlerrestquote“ gut kompensieren.

Wir beide haben unsere Ponys trotzdem verloren – ohne dass jemand einen Fehler gemacht hätte. Manchmal ist das Leben nicht fair. Andererseits bin ich manchmal froh darum. Wäre eins der Ponys durch einen Fehler unsererseits zu Tode gekommen wäre mein Vertrauen in meine Ausbildungsfähigkeiten wohl kaputt. So habe ich nur gelernt: ich kann nicht alles kontrollieren.

Die neuen Erinnerungen helfen dabei, dass die schrecklichen Erinnerungen in den Hintergrund rücken. Sie wirken weniger real, nicht mehr so nah. Mehr wie ein schlimmer Film. Was bleibt, sind die vielen, vielen guten Erinnerungen, die jetzt immer wieder geweckt werden – an die besten Ponys 1.0 UND an die besten Ponys 2.0

Diesen Sommer werden wir noch viel mehr neue Erinnerungen erschaffen, darauf freue ich mich. Mit den besten Ponys 2.0 am Band und den besten Ponys 1.0 im Herzen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 137

Frühling! Also diesmal jetzt aber wirklich, so ganz ehrlich. Woran man das erkennt? Also es gibt viele gute Indizien. Ich rüste von Winter- auf Sommerfell um. Mein Mädchen rüstet von Winter- auf Sommerfell um. (Und wenn sie sich im Wetter getäuscht hat, muss ich wieder ihren Pelz tragen! Aber ich bin ja Gentleman.)

Das wichtigste ist aber: wir durften auf die Weide! Nur Merlin, Caruso und ich. Mein Mädchen nennt uns immer liebevoll ihre Vielfraße. Weil wir ganz viel essen dürfen. Ich weil ich noch wachse und die beiden anderen weil sie schon so alt sind. Diego und Gatsby dagegen müssen immer Diät halten weil sie sonst zu dick werden. Die ärmsten! Die müssen Heu essen, während wir schon mal ein paar Minuten auf die Weide dürfen und etwas von dem guten Frühlingsgras kosten.

Aber so ganz entspannt wie es sich anhört ist es dann doch nicht, man muss sich nämlich auch beim Weidegang gut benehmen. Das heißt, man muss am Weidetor warten, während das Mädchen auf macht und dann so lange da stehen bleiben bis sie sagt, dass man aufs Gras darf. Merlin kann sich da nicht so richtig beherrschen und ist heute schon vorher los geprescht. Oje! Das hat böse Konsequenzen! Mein Mädchen ist mit der Peitsche hinter ihm her gerannt und hat ihn wieder von der Weide runter gescheucht und dann musste er am Tor warten, während Caruso und ich schon am schmausen waren! Naja, Merlin hat sich entschuldigt und durfte dann auch mit ins Gras.

Als wir dann da so am mümmeln waren, hat mein Mädchen uns immer abwechselnd gerufen. Wenn ich dran bin, ruft sie „Duncan Dhuuuuuuuuuuu!“ und das heißt ich muss schnell zu ihr laufen. Wenn nicht, fängt sie nämlich an, mich mit der Peitsche zu scheuchen, so dass ich nicht essen kann! Essen darf ich erst wieder, wenn ich bei ihr bin. Ich weiß das noch vom letzten Jahr aber ich hab es vorsichtshalber nochmal ausprobiert. Könnte ja sein, dass die Regeln sich geändert haben! Haben sie aber nicht. Und als ich das geprüft hatte, habe ich lieber die schlaue Variante genommen: Ich laufe im Trab zum Mädchen und wenn ich da bin habe ich die Wahl: ich kann einen Keks bekommen und dann weiter grasen oder ich kann gleich weiter grasen. Ich habe mich manchmal so und manchmal so entschieden, wie mir gerade der Sinn stand. Mein Mädchen sagt, ich bin ihr kleiner Streber, weil ich am besten komme von uns allen. Kann ich!

Leider dürfen wir noch nicht lange Gras essen. Unser Bauch muss jetzt erst wieder üben, das Gras zu verdauen, sagt mein Mädchen. Außerdem ist auch noch gar nicht so viel Gras da. Das möchte es lieber wärmer haben zum wachsen. Aber das kommt alles noch. Und wenn wir von der Weide runter müssen, dann dürfen wir im Paddock noch nach Keksen suchen, die wirft unser Mädchen uns hin. Ein kleiner Trost immerhin.

Wir dürfen schon ein bisschen naschen

Also liebe Menschen: Genießt den Frühling!

Euer grasgelaunter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 136

Ich war beim Osteopathen. Hier ist ja immer „alles aus einer Hand“. Mein Mädchen bildet mich aus, außerdem ist sie meine Hufpflegerin. Wenn sie mal nicht weiter weiß fragt sie den Mann, der ist dann ihr Pferdetrainer und manchmal ist er auch der Osteopath. Einmal war ich bisher schon beim Osteopathen. Da hat der Mann mich nämlich beim Spazierengehen angeschaut und gesagt, ich wäre ganz schief. Also nicht alles an mir, nur mein Po. Den hat er mir dann wieder gerade gezogen.

Diesmal hat mein Mädchen gesagt, ich müsste zum Osteopathen. Weil ich doch so doll gewachsen bin (übrigens möchte ich an dieser Stelle mal was erklären. Die Menschen sind nämlich zu blöd, den Zollstock richtig zu benutzen. Würden sie ihn nicht immer nur senkrecht halten, sondern auch mal waagrecht, würden sie merken, wie doll ich wachse! So hat mein Mädchen es wieder mal erst gemerkt, als sie mein Fahrgeschirr verstellen musste, weil der Schweifriemen plötzlich viel zu kurz war.)

Also weil ich so doll gewachsen bin, sind meine Muskeln wohl nicht so ganz hinterher gekommen. Da sind jetzt welche ein bisschen zu kurz und ich dreh beim Laufen die Knie raus. Ist nicht schlimm, aber mein Mädchen hat gesagt, ein bisschen Gymnastik wird mir bestimmt gut tun. Sie hatte nämlich als Kind immer Knieschmerzen beim Wachsen und wenn ihr jemand die richtigen Übungen gezeigt hätte, hätte sie jetzt keinen komischen Knubbel unterm Knie. (Osgood-Schlatter heißt das lustige Ding).

Und weil sie mich so lieb hat und will, dass es mir immer total gut geht, hat sie beschlossen, mit mir Gymnastik zu machen. Aber natürlich nur nach Anleitung. Der Mann hat ihr gezeigt wie es geht und ich habe ganz fein mitgemacht. Bein hoch und dann immer im Kreis bewegen. So sollen meine Muskeln zwischen den Pobacken schön geschmeidig werden.

Ich muss nix tun. Nur locker lassen. Kann ich!

Und danach hat sie mich auch noch schön massiert – auch zwischen den Pobacken! Ganz schön intim. Aber wir kennen uns ja schon gut, mein Mädchen und ich. Und ich mochte die Massage ganz gern. Das machen wir jetzt öfter, damit das Wachsen mir keine Schmerzen macht. Mein Mädchen sagt, es kann schon trotzdem mal zwicken, aber wenn sie mir helfen kann, dann tut sie das.

In meinem Mund wächst es auch. Mein Mädchen weiß aus dem Internet, dass ich gerade zwei neue Backenzähne mache, wo vorher noch gar keine waren. Und ich tausche welche aus – alt gegen neu. Was ich da genau mache, behalte ich aber für mich. Mein Mädchen weiß das nur, weil ich Probleme beim Kauen hab. Aber zeigen tu ich ihr die Zähne nicht. Erst wenn der Zahnarzt wieder kommt, dem zeige ich sie. Der guckt dann ob alles richtig ist.

Wachsen ist nicht so einfach, ich sage Euch das. Deswegen lege ich jetzt auch immer das eine oder andere Extra-Nickerchen ein. Aber das machen die anderen auch, obwohl sie gar nicht mehr wachsen. Die sagen, das ist die Frühjahrsmüdigkeit. Ach egal, Hauptsache pofen.

Euer schläfriger Sir Duncan Dhu of Nakel

Mein junges Pferd

Da sind wir nun also: mitten in dem Lebensjahr, das mit Finlay das schwierigste war. Zwischen 2,5 und 3,5 Jahren war es mit Finlay wirklich kompliziert. Das entsprechende Kapitel in meinem (immer noch unveröffentlichten) Buch heißt „Ein böser Traum“. Allerdings beinhaltet dieser Titel auch, wie ich diese Zeit im Rückblick empfunden habe, nämlich so, wie man einen bösen Traum empfindet: ziemlich unwichtig. Ja, vielleicht ist man wie gerädert aufgewacht und hat noch ein paar Stunden länger gebraucht um wieder im richtigen Leben anzukommen. Aber es war eben nur ein Traum und das was das Gehirn einem da vorgegaukelt hat, ist nicht wirklich passiert. Und so ging es mir mit Finlays „Pubertät“ im Rückblick. Er war dann ja „erwachsen“ (natürlich war er mit 3,5 Jahren nicht wirklich erwachsen. Aber er war weitgehend zuverlässig, ruhte in sich, war mit dem Wachsen aus dem Gröbsten raus, hatte keine fiesen Stimmungsschwankungen mehr und unsere Beziehung war stabil.)

Und nun stehe ich also wieder da. Jeden Tag ist Duncan anders. Er sieht auch ständig anders aus. Mal ist alles ganz harmonisch, dann wieder hat er einen Karpfenrücken, drückt die Wirbelsäule nach oben raus, wackelt beim Gehen ganz gruselig mit dem Hintern und sieht insgesamt aus als würde ich ihn nie füttern. Drei Tage später schafft er es aber wieder, ganz gut bemuskelt auszusehen für sein Alter. So ist das mit den Teenagern nun mal.

Von der Laune ganz zu schweigen, denn die wechselt quasi im Stundentakt. Von friedlich und kuschelig zu aggressiv-genervt ist es nur ein klitzekleiner Schritt. Er hat aber auch wirklich bös mit sich selbst zu tun. Wenn ich ihm einen Keks gebe, dann schiebt er den harten Brocken im Maul von rechts nach links und von vorne nach hinten, teilweise schäumt er auch ordentlich beim Fressen. Anscheinend brechen hinten gerade die neuen Backenzähne durch und das ist eben einfach kein großer Spaß.

Ich merke, wie ich durch die Finlay-Erfahrung mit mehr Zuversicht an die Sache ran gehe. Gleichzeitig bin ich oft genervt, denn mit Finlay war ich da ja nun durch gegangen und Finlay war mit seinen 8 Jahren gerade so richtig erwachsen, als er dann starb. Jetzt fange ich von vorne an und ich weiß zwar: das geht vorbei. Aber ich weiß auch: da müssen wir durch. Es gibt nun mal nichts, was man dagegen tun könnte. Das Pony muss ja wachsen und Zähne wechseln bzw bekommen, da beißt die berühmte Maus keinen Faden ab. Und auch für noch so tapfere Ritter ist das kein Vergnügen, da kann die Laune schon mal schnell im Keller sein. Und darunter leidet dann nicht nur Duncan, sondern auch ich und ganz besonders die Herde. Die großen Ponys sind manchmal doch ziemlich entnervt, wenn Duncan so von einem zum anderen wandert und sie alle ärgern möchte, aber keine Lust auf ein richtiges, schönes Spiel hat. Zum Glück sind da 4 erwachsene Jungs, die es mit Gelassenheit ertragen aber zur Not auch eine klare Grenze setzen für den kleinen Rotzlöffel. Sie teilen sich die Arbeit sehr schön untereinander, so dass keiner übermäßig genervt wird.

Und ich denke derweil über junge Pferde nach. Ich war immer ein großer Fan davon, dass Pferdebesitzer, die schon ein bisschen Erfahrung haben, sich ein junges Pferd kaufen und mit Hilfe eines Trainers selbst ausbilden. Nun, da ich diesen Weg ein paar Mal mit Schülern und ihren Pferden gegangen bin, bin ich zunehmend weniger überzeugt davon. Es gibt im Großen und Ganzen zwei Optionen. Option 1 (ich werde oft gefragt warum ich es nicht so mache): man stellt das junge Pferd auf eine Aufzuchtweide und „lässt es in Ruhe“. Das wird dann oft beschrieben mit den blumigen Worten „ich lasse mein Pferd Pferd sein“ (sehr großzügig. Aber ein Pferd bleibt sowieso immer ein Pferd, völlig egal was wir tun). Was dabei de facto in fast allen Fällen herauskommt: der Jungspund steht mit anderen Jungspunden zusammen – mit viel Glück ist EIN erwachsenes Pferd dabei, dass dann den „Erzieher“ machen soll. Je nachdem um was für ein Pferd es sich handelt, wird es sich relativ wenig um die nervigen Teenager kümmern, während die Teenager aufeinander losgehen, schlecht gelaunt und rüpelig wie sie nun mal sind. Es gilt das Recht des Stärkeren und mangels Altersunterschied gibt es keine gesunde Herdenstruktur. Klar, die spielen auch viel. Nur dass es eben oft nicht so schön ist, wie es auf den ersten Blick aussieht. Denn auch harmonisches Spiel will gelernt sein und dafür braucht es Vorbilder und auch mal einen ordnenden Eingriff.

Der Mensch lässt sich kaum blicken und wenn er dann mal auftaucht, dann will er blöde Sachen, die das junge Pferd nicht gut kann: Hufe geben, Wurmkur rein drücken oder impfen. Das Pferd lernt schnell: Menschen wollen immer nur komischen Kram und den Rest der Zeit kommt man gut ohne sie klar. Umweltreize, mit denen es später sein Leben lang zu tun haben wird – vom Straßenverkehr bis zum Stallkater – sind in der Regel nicht da.

Natürlich gibt es wunderbare Jungpferdeaufzuchten, die total durchdacht sind, nur eben nicht so furchtbar viele.

Dann kommt dazu, dass – gerade hier in Norddeutschland – die Jungpferde in der Regel auf der Weide stehen. Und das ist nicht so toll wie es sich anhört, denn die Weiden hierzulande sind weich und das ist ein großes Problem. Ein Pferd das im Wachstum fast ausschließlich auf weichem Boden steht, wird sich nicht gut entwickeln. Die Knochen, Sehnen, Hufe und Bänder brauchen festen Boden um stabil zu werden. Das viel gepriesene Spielen und Rennen ist zwar auch wichtig, ersetzt aber eben den festen Boden nicht. Und so haben wir dann, wenn wir das Pferd zum Anreiten zu uns holen, ein „weiches“ Pferd. Und dann mag es wahr sein, dass dieses Pferd sofort Schaden nimmt, wenn man es etwas zu früh etwas zu stark belastet. Studien belegen, dass nicht so sehr das Alter des Pferdes beim Anreiten darüber entscheidet, ob es Schaden nimmt, sondern viel mehr die Art der Aufzucht und die Frage, ob mit dem Anreiten das Einsperren in eine Box einhergeht oder nicht.

Die Alternative zu dieser Art der Jungpferdeaufzucht ist das was ich mache: man nimmt das junge Pferd in eine ganz normale, altersgemischte Gruppe. Natürlich ist es wichtig, dass dort Pferde sind, die gern spielen, das Alter ist dabei aber egal. Gerade Wallache spielen oft bis ins hohe Alter sehr gern. Der Jungspund lernt dabei auch, mit jedem Pferd so zu spielen, dass es harmonisch bleibt – und das ist mit jedem ein bisschen anders. Von den „alten“ kann der Zwerg sich eine Menge abgucken und wird das auch tun. Ich würde also ein Jungpferd nicht zwischen Pferde stellen, die vor allem und jedem Angst haben, die weglaufen, wenn der Mensch mit dem Halfter kommt oder die dem Menschen gegenüber drängelig, rüpelig und unaufmerksam sind.

Und dann finde ich es schon angebracht, so einem jungen Pferd in altersgerechten Schritten zu zeigen, wie die Menschenwelt funktioniert. Denn das wird nun einmal die Welt sein in der es den Rest seines Lebens verbringt. Warum um Himmels Willen soll ich meinem Jungpferd weismachen, das Leben würde aus einer Weide mit Kumpels bestehen, wenn ich in Wirklichkeit später mit dem Tier ausreiten oder auf Turnier gehen möchte? Unseren Kindern erzählen wir doch auch nicht, der Spielplatz wäre die ganze Welt. Junge Pferde sind – wie alle jungen Tiere – darauf ausgelegt, schnell viel zu lernen. Als „Nestflüchter“ stehen sie (im wahrsten Sinne des Wortes) schnell auf eigenen Beinen und müssen dann lernen, wie die Welt funktioniert. Sie sind begierig auf Neues – mehr als sie es in jeder anderen Phase ihres Lebens je wieder sein werden. Und ich finde es schade, diese Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Aber jetzt kommt der Haken und der Punkt, der mich so nachdenklich macht. Ich habe in den letzten Jahren beobachtet, dass die meisten Pferdebesitzer, auch die schon etwas erfahreneren, eben doch überfordert sind mit der Ausbildung eines Jungpferdes. Denn gerade die Phase, in der Duncan jetzt ist – zwischen 2,5 und 3,5 Jahren – ist eine wirklich schwierige Phase. Woher weiß man, wie viel man verlangen kann, wenn das Pferd jeden Tag anders ist? Woher weiß man, ob der jetzt gerade einfach mal was ausprobiert oder ein körperliches Problem hat? Woher weiß man, wie viel man dem zumuten kann? Ganz zu schweigen von Klarheit, Beständigkeit und Timing bei denen so ein junges Pferd viel weniger Fehler verzeiht als ein schon erwachsenes, etwas abgeklärtes Modell. Letztendlich habe ich viele Pferd-Mensch-Paare gesehen, die große Schwierigkeiten hatten. Manchmal zu große. Manche sind dann auf einem niedrigen Ausbildungsniveau hängen geblieben, weil die Basis nie so recht stabil wurde. Das erwartete große Glück mit dem selbst ausgebildeten Zausel blieb aus. Und das, was ein junges Pferd in der Anschaffung weniger kostet, hat mancher dann in Unterricht investiert, um zurecht zu kommen. Das ist mit einmal alle 2 Wochen eben nicht getan, wenn wirklich Probleme da sind. Und ich wage zu behaupten: jedes junge Pferd hat und macht an irgendeinem Punkt Probleme. Und wenn wir es nicht auf eine Wiese „geparkt“ haben, müssen wir damit umgehen. Und wenn wir es auf einer Wiese geparkt haben, müssen wir auch damit umgehen – wenn der Hufschmied oder der Tierarzt kommt. Das ist dann zwar seltener, aber dafür überhaupt nicht witziger und fürs Pferd mehr oder weniger traumatisch.

Den Weg mit dem eigenen Jungpferd zu gehen ist intensiv, lehrreich und kann einen zur Verzweiflung treiben. Es ist nicht die rosarote Blümchenwelt, die wir uns vielleicht vorgestellt haben. Und auch wenn wir alles richtig machen würden (was wir natürlich nie tun): so ein junges Pferd wird immer schwierige Phasen durchmachen. Erwachsen werden ist harte Arbeit, so oder so. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Und das steht nicht dran, wenn man den Absetzer oder Jährling kauft. Wie wird der in der Pubertät? Mir ist eine Pferdebesitzerin begegnet, die schon zwei Wallache völlig problemlos großgezogen hatte und dann sehr überrascht war, als ihre junge Stute in die Pubertät kam – und zwar heftig. Die Situation zwischen den beiden war schon reichlich verfahren als ich dazu kam. Letztendlich hatten die beiden Glück: die Pflegebeteiligung hat die Stute gekauft und ist bereit den Weg mit diesem Pferd zu gehen.

Ob ich so ein typischer „Influencer“ sei, der nur schreibt, was gut läuft, wurde ich neulich gefragt. Na ich will mal so sagen: ich liebe mein Pony abgöttisch und ich sehe die Dinge, die gut laufen und habe Herzchen in den Augen. Meistens.

Ich weiß im wesentlichen was ich tue, denn ich arbeite den lieben langen Tag mit Pferden und das seit 20 Jahren. Aber ja, natürlich gibt es auch diese anderen Momente. Und ganz ehrlich: dass die so selten sind, habe ich meiner Erfahrung zu verdanken und der Tatsache, dass ich mit einem Pferdetrainer verheiratet bin und eine wunderbare beste Freundin habe, die mich unterstützt. Ich habe es dem Umstand zu verdanken, dass wir die Ponys am Haus haben und ich viel beobachten kann, ständig im Stall herum wusel und mein Pony mich dabei natürlich auch beobachtet und wir viele ungezwungene Begegnungen haben und uns eben nicht nur zur „Arbeit“ treffen. Aber am allermeisten habe ich unseren erwachsenen Ponys zu verdanken, die nicht nur 90% der Erziehungsarbeit übernehmen, sondern mir durch ihr Verhalten auch genau anzeigen, womit ich rechnen muss und wie ich heute am besten mit Duncan umgehe – oder vielleicht nicht umgehe. Denn es gibt einfach Tage, da geht man sich besser mal aus dem Weg. Dann freue ich mich darauf, dass die Pubertät irgendwann vorbei ist. Wann – das weiß keiner. Aber ich hoffe, dass ich eines Tages, wie bei Finlay, sagen kann: es war nur ein böser Traum.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan 135

Gestern war mein Mädchen ein bisschen traurig. Mein großer Bruder auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke hatte nämlich Geburtstag. Er wäre 10 Jahre alt geworden! Was für eine tolle Party hätte das sein sollen….

Aber jetzt komme ich ins Spiel. Denn ich bin nicht nur Förster, Influencer und Bergsteiger, sondern ich bin vor allem hauptberuflicher Herzensreparierer. Jeden Tag repariere ich das Herz von meinem Mädchen. Immer so Stück für Stück. Und ich komme wirklich gut voran! Gestern wusste ich auch genau, was zu tun ist. Habe sie einfach mitgenommen auf einen schönen Spaziergang.

Wochenend‘ und Sonnenschein…..

Wir haben uns wieder die Brücke angeschaut – das habe ich schon viel besser gemacht als letztes Mal, sagt mein Mädchen – und ich war die allermeiste Zeit sehr, sehr artig. Damit mein Mädchen aber keine Zeit hat, über traurige Sachen nachzudenken, habe ich alle paar Sekunden versucht, einen Grashalm zu erhaschen. So bleibt sie aufmerksam, das ist eine Achtsamkeitsübung für sie! Einmal zwischendurch haben wir auch gestritten. Das kommt vor….. mein Mädchen sagt, das ist eben die Pubertät. Ich wachse ja auch so doll und laufe etwas merkwürdig. Deswegen soll der Mann mich heute osteopathisch untersuchen und wird mir evt Massage oder Dehnübungen verordnen. Mal sehen. Aber erst wird gemessen! Hoffentlich bin ich nicht wieder geschrumpft. Ich glaube, der Zollstock mogelt immer ein bisschen. Aber fest steht: Mein Herz ist größer geworden. Zumindest brauche ich jetzt den Gurt 2 Löcher länger als noch vor ein paar Wochen und nein, das ist keine Futterwampe (die habe ich im Moment nämlich nicht). Also kann es ja wohl nur heißen, dass mein Herz gewachsen ist. Vielleicht auch meine Lunge. Und das ist beides echt wichtig, wenn wir später auf Distanzritt gehen wollen.

Also, ich hab noch zu tun, habt einen schönen Sonntag, liebe Menschen!

Euer Mädchen-Herz-Reparateur Sir Duncan Dhu of Nakel