Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 120

Ui, das war vielleicht ein Sonntagsspaziergang! Aber bevor ich Euch davon erzähle, muss ich ein Geständnis ablegen. Ich bin ja Ritter, wie Ihr wisst, und deswegen total furchtlos. Aber ich bin halt noch kein ganzer Ritter, ich bin ja noch in Ausbildung. Und es gibt eben doch noch Momente der Schwäche….

Im Herbst (als ich noch viel kleiner war) haben wir einen Spaziergang gemacht – Diego der Große und ich mit unseren beiden Menschen – und ich wandere so neben meinem Mädchen auf der Straße entlang und dann geht das da den Berg hoch und plötzlich sehe ich, dass es an beiden Seiten ganz tief runter geht und da unten Blechkisten von rechts nach links sausen! Ich wollte mich noch zusammenreißen, wirklich. Aber das war ehrlich angsteinflößend! Ich hab meinem Mädchen gesagt, dass wir zusehen müssen, dass wir hier weg kommen! Sie hat gesagt, wir müssen es irgendwie schaffen, geradeaus da rüber zu gehen ohne dass wir dabei in wilden Galopp fallen. Ich habe mich sooooooo angestrengt und schließlich waren wir drüben auf der anderen Seite. Dann war alles wieder gut – zumindest aus meiner Sicht. Mein Mädchen war fertig mit den Nerven. Sie hat so doll Angst gehabt! Mehr als ich, glaube ich. Dann hat sie sich bei mir entschuldigt. Nochmal und nochmal und nochmal. Sie hat nicht gedacht, dass ich mich so doll fürchte, weil ich mich doch sonst (fast) nie richtig doll fürchte. Ich fand das jetzt nicht so schlimm. Wir haben es ja überlebt, mein Mädchen! Aber sie hat einen Plan geschmiedet. Einen Brücken-Übungsplan. Einen Teil davon haben wir schon erledigt. Aber es gibt noch viel mehr Teile in diesem Plan. Gestern haben wir noch zwei Teile erledigt. Und noch viel mehr erlebt- und das völlig ungeplant. Also das kam so: Wir sind kurz in der Wackelkiste gewesen und dann an einem Platz raus gekommen den ich schon kannte. Aber diesmal sind wir von da aus in die andere Richtung los gelaufen. Gestern war wieder „Glitzertag“. So nennen wir das wenn die Sonne so scheint, dass alles glänzt und glitzert. Das finde ich immer eine Spur unheimlich. Als erstes war da eine Leitplanke die jemand über einen Graben gelegt hat. Das hat so geglitzert! Das haben wir uns kurz angeschaut. Dann kamen wir über einen kleinen Fluss, der hat auch so geglänzt! Der Mann hat dann Stöcke in den Fluss geworfen und ich bin jedes Mal zusammengezuckt wenn der Stock ins Wasser gefallen ist. Aber ich hab auch Kekse bekommen und dann wurde es besser. Dann schön durch den Wald wandern….. alles fein. Als wir aus dem Wald wieder raus kamen war da ein Bauernhof. So was kenne ich. Da sind immer Maschinen und oft auch Krach und so. Aber das war schon eine andere Dimension. Da war das so laut! Ziemlich aufregend. Ich bin aber tapfer vorbei marschiert. Kaum war es nicht mehr laut, habe ich es wiehern gehört – Pferde auf der anderen Seite des Zauns! Ich hab zurück gewiehert aber mehr darf ich nicht machen, sagt mein Mädchen. Nicht hingehen, nicht schnuppern, auch keine Angeberei am Halfter. Na gut. Dann kamen wir an eine Stelle die war ungefähr so romantisch wie die hier. Da durfte ich Gras essen, während die Blechkisten an uns vorbei gesaust sind. Gehört mit zum Übungsplan. Ok wenn Du meinst, mein Mädchen. Dann noch ein Stück weiter und dann waren wir an unserem eigentlichen Ziel. Es war so wie bei dem anderen Spaziergang: man geht die Straße entlang, den Berg hoch und plötzlich sind die Blechkisten rechts und links unter einem!

Die Blechkisten kann man leider auf dem Bild nicht sehen. Aber ich konnte sie sehen – und hören!

Aber diesmal sind wir nicht rüber gegangen. Wir haben uns hingestellt und Blechkisten angeschaut. Diego ist da ja unbeeindruckt. Der ist auch ein gutes Stück weiter gegangen und ich muss sagen ich bewundere ihn sehr für diesen Mut. Mein Mädchen und ich sind ganz am Anfang stehen geblieben. Ich habe meinem Mädchen gesagt, dass ich auch mit ihr da rüber gehe, wenn sie es meint. Wir schaffen das schon! Aber mein Mädchen hat gesagt, das machen wir nicht, da fürchtet sie sich zu doll. Davor dass ich mich fürchte. Ui, kompliziert. Wir haben da also eine Weile herumgestanden und ich durfte Kekse essen und gucken.

Wenn Ihr den Ton aufdreht könnt Ihr die Blechkisten hören!

Und dann haben wir umgedreht. Auf dem Rückweg haben wir eine Abkürzung über den Bauernhof genommen – das war aber auch noch mal spannend. Was da alles rum lag! Uiuiui, schade, dass wir da keinen Müll sammeln konnten, das hätte sich wirklich gelohnt. Dann nochmal über das Wasser, wieder ein paar Stöcke rein werfen – diesmal habe ich nicht gezuckt – an der spannenden Leitplanke vorbei und in die Wackelkiste. Mein Mädchen war kaputt. Ich nicht so, mein Kopf war zwar voll aber nicht überfüllt. Abends kam mein Mädchen zu mir und hat sich schon wieder entschuldigt. Warum? Weil sie so viel Angst hat. Sie sagt, ich würde das ja alles so toll machen und alles richtig machen und es täte ihr leid, dass sie immer so angespannt ist, wenn wir so was üben. Aber dass wir das einfach so lange und so oft üben bis wir es beide können. Sie hat auch gesagt, ich müsste lernen, damit klar zu kommen, dass sie mal „drüber“ ist, denn das wird später auch so sein, wenn wir auf richtige Distanzritte gehen. Sie ist ja immer so viel schneller müde als ich. Sie sagt, sie bringt mir alles so gut bei, dass ich dann später auch klar komme, wenn sie nicht mehr kann und ich auf sie aufpassen muss. Ach Mädchen, das läuft schon. Bin schließlich Ritter! Auf die Damen aufzupassen wurde mir in die Wiege gelegt! Und jetzt auf zu neuen Abenteuern, würde ich sagen!

Euer mutiger Sir Duncan Dhu of Nakel

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