(Alles was im Text bunt und unterstrichen ist, könnt Ihr anklicken und dann könnt Ihr die Geschichte dazu nochmal lesen)
Jetzt sind wir also angekommen. Nachdem wir unsere 160km auf genau 30 Etappen aufgeteilt haben – weil mein Mädchen ja dauernd Pause braucht. Ich hätte das ja viiiiiiiiiiiiiel schneller geschafft! Aber ihr Fitnesslevel lässt ja noch sehr zu wünschen übrig. Immer Dienstags sind wir zusammen losgezogen (naja gelegentlich war es auch ein anderer Tag), mein Spaziergehkumpel mit seinem Mädchen und ich mit meinem Mädchen. Und was wir nicht alles erlebt haben! Wir sind dem Höllenhund Cerberus begegnet, wir sind furchtbar nass geworden (gut, dass ich wasserfest bin! Mein Mädchen ja irgendwie nicht so), ich bin zum ersten Mal an der Kutsche gelaufen , wir haben zum ersten Mal „fahren vom Boden“ geübt, erst auf der Wiese und dann später nochmal ganz richtig draußen. Wir haben uns im Wald verlaufen als es schon dunkel wurde und sind plötzlich viel weiter gelaufen als geplant (juhuuuuuh!), mein Spaziergehkumpel hatte dauernd ganz schlimme Pubertät und ich war dauernd super artig aber trotzdem ist mein Spaziergehkumpel erwachsener geworden als ich und hat sein Mädchen schon ein paar mal getragen. Ich habe derweil das Picknick getragen Und wir hatten diesen einen Spaziergang, bei dem mein Gehirn mal wirklich richtig überfüllt war. Das ist mir übrigens nie wieder passiert!
Dazwischen waren noch ein paar unspektakuläre Spaziergänge auf denen gar nichts besonderes passiert ist. Die waren aber auch schön! Ich mag ja alles was wir draußen machen. Hauptsache ich seh was von der Welt! Und all diese Dinge zusammen ergeben hundert Meilen, also 160km, die wir gemeinsam mit Erlebnissen gefüllt haben. Was für ein großer Spaß! Und dann sind wir durchs Ziel gelaufen. Das war allerdings mal wieder komisch. Menschen sind da ja so umständlich! Foto hier, Foto da, stillstehen so rum, so rum, dann durch Klopapier laufen (hä??). Aber ich habe mir sagen lassen, dass es auf den echten Distanzritten genauso umständlich ist. Also ich sag mal so: ich bin bereit, das Umständliche hinzunehmen am Start und am Ziel, wenn dazwischen immer so viel Spaß stattfindet. Bin gespannt!
Zielfoto
Mein Spaziergehkumpel soll ja nächstes Jahr lernen die Kutsche zu ziehen und sein Mädchen möchte ihn dann für die erste Distanzfahrt trainieren. Und ich darf mit, hat sie gesagt! Er macht vor der Kutsche die Arbeit und ich darf hinten mitlaufen und „schneller, schneller!!“ rufen. Das wird eine Gaudi! Und unsere Mädchen wollen faul auf der Kutsche sitzen und Tee trinken und Kekse schmausen – ohhh Dein Fitnesslevel, mein Mädchen…. Aber bevor wir das alles tun können muss es erst Frühling werden. Das erkennt man dann daran dass unser Winterfell ausfällt hat mein Mädchen gesagt. Bis dahin verbummeln wir unsere Zeit mit Wippen und üben lustige Sachen. Aber dazu später mehr.
Also gestern sind wir kurz in der Wackelkiste (alias Zeitmaschine) gewesen. Dann sind wir ausgestiegen. Der Mann hat mit mir und Diego dem Großen gewartet, während mein Mädchen das Auto und die Wackelkiste geparkt hat. Der Mann kann das viel besser und schneller als sie, aber sie hat gesagt, sie will üben. Also haben wir gewartet. Mehr oder weniger geduldig.
Immer wenn einer was übt, müssen die anderen geduldig sein. So ist das bei uns!
Dann sind wir ein kleines Stück gelaufen und sind an eine Brücke gekommen. Mein Mädchen möchte nämlich Brücken mit mir üben. Also Brücken kann ich. Aber Wasser drunter, da bin ich manchmal nicht so sicher. Ich bin ja schließlich Ritter. Und Ritter wohnen auf Burgen! Und früher – zumindest hat man mir das erzählt – waren da immer so Gräben drum herum. Und in den Gräben haben Monster gewohnt, die ungebetene Gäste kurzerhand auffressen. Wenn man dann über den Graben wollte, wurde die Zugbrücke runter gelassen. Nur – wer weiß ob die Monster nicht aus den Gräben auf die Brücke gesprungen kommen und einen doch aufressen! Man kann es ja nicht wissen!
Mein Mädchen sagt, das sind alles nur Märchen. Und sie zeigt mir, dass ich ganz mutig über Brücken gehen kann, auch wenn untendrunter Monster sind. Na gut. Also diese Brücke fand ich jetzt wirklich ok. Da waren keine großen Monster drunter und es gab viele Kekse für mich.
Kleine Monster sind ok. Das schaffe ich!
Als wir über die Brücke rüber waren, sind wir dann noch an den See gegangen. Oha! Da war doll Wind und es gab richtige Wellen! Das Wasser sah etwas gruselig aus. Ich hab mir das mit dem Reingehen laaaaaaaaaange überlegt. Ab und zu hat mein Mädchen gesagt, ich könnte ja mal einen Schritt vor gehen. Manchmal hab ich das gemacht. Dann gab es einen Keks. Meistens bin ich danach lieber wieder zurück gegangen. Dann hab ich bisschen mit dem Huf im Wasser gewühlt. Mein Mädchen hat mich angefeuert und gesagt dass ich das ganz toll mache.
Ich finde, das sieht gruselig aus! Gar nicht wie normales Wasser.
Schließlich hab ich mich entschieden, mutig zu sein. Und als ich dann mal im Wasser war, hab ich gemerkt, dass das genauso ist, wie wenn auf dem Reitplatz eine Pfütze ist: nass. Sonst nix. Ach so! Da war dann auch alles in Ordnung. Und mein Mädchen war sehr zufrieden mit mir.
Mein Wackelzahn hängt immer noch fest! Mein Mädchen schaut mir ständig ins Maul und wackelt an dem Zahn, aber ich geb den noch nicht her. Nach dem Füttern schaut sie immer in die Schüssel und hofft, dass ich ihr den Zahn geschenkt habe und neulich hat sie extra Möhren spendiert!
Ha! Die gibt sie mir doch nur damit ich den Wackelzahn raus rücke! Nix da, Mädchen, der gehört mir!
Gar nicht so einfach, Möhren essen mit Wackelzahn. Und sie saß daneben und hat gefilmt und gehofft aber ich hab den Zahn nicht her gegeben. Das mach ich nämlich dann wenn es mir passt, jawoll! Ich sag Euch bescheid wenn es so weit ist. Bis dahin darf mein Mädchen etwas Geduld üben! Soll mich nicht so drängeln. Immer hat sie es so eilig, beim Wachsen, beim Zähnewechseln, beim Erwachsen-werden…. nur beim Spazierengehen, da ist sie dann langsam. Aber erst gestern hat sie Euch ja geschrieben, dass sie mir alle Zeit lassen will die ich brauche. Denkt sie ich weiß nicht was sie schreibt? Tssssss. Also sie kann mir gern jeden Tag tausendmal ins Maul schauen (schließlich bekomme ich einen Keks fürs Stillhalten!) aber davon geht es nicht schneller, mein Mädchen.
Am Dienstag abend, im Stockdunkeln und bei Nieselregen, haben wir zu Ende gebracht, was am 1. Mai begonnen hat. Sir Duncan hatte Euch davon berichtet https://schotten-pony.com/2020/05/01/aus-dem-tagebuch-des-sir-duncan-dhu-35/ (und er wird bestimmt auch seine eigene Sicht auf unseren Zieleinlauf noch zum Besten geben).
Etwas wehmütig war uns zumute, als wir wieder zu hause waren. Über den ganzen Sommer hinweg hat jeder der Spaziergänge die Duncans „Spaziergehkumpel“ Freddy, sein „Mädchen“ Sabrina und Duncan und ich gemeinsam gemacht haben, zu dieser Challenge gezählt. Wir haben alles aufgeschrieben und auch fast immer in der dazugehörigen Facebook-Gruppe darüber berichtet. Wir haben so viel erlebt, von pubertierenden Ponys, den ersten Versuchen im Fahren vom Boden, den ersten Schritten, die Freddy seine Sabrina getragen hat über jede Sorte von Wetter und Gelände, Horrorbegegnungen mit Hunden und einfach wahnsinnig viele schöne Momente. Ja, hätten wir ohne die Challenge auch gemacht. Wir wären spazieren gegangen, vermutlich sogar fast genauso viel und oft. Aber es macht eben einen Unterschied, wenn man ein Ziel vor Augen hat. Und wenn man dann das Ziel erreicht hat – was dann? Dann kommt das, was ich den „Weihnachtsblues“ nenne. Ach, was habe ich mich als Kind wochenlang auf Weihnachten gefreut! Mit all den schönen Dingen, die die Vorfreude so richtig wunderbar gemacht haben, Adventskalender und Adventskranz, Heimlichtuereien wegen Geschenken, zwischendurch noch der Nikolaustag – der ganze Dezember war ein einziges Fest. Und dann, dann war Weihnachten vorbei. Und dann war irgendwie nichts mehr übrig zum drauf freuen. Und genau so geht es mir noch heute. Vielleicht geht es anderen Leuten anders, ich weiß es nicht. Aber bei mir ist das geblieben, nur dass ich heute besser damit umgehen kann. Ich weiß, dass das kommt, wenn ich ein Ziel erreicht habe und ich kann mich darauf einstellen. Jetzt im Moment freue ich mich darauf, es im Winter ruhiger angehen zu lassen. Ich lege keinen Wert darauf, im Winter bei Regen von der Seite, womöglich im Dunkeln, durch die Gegend zu stapfen. Duncan und ich werden uns mit Wippen und Bodenarbeit die meiste Zeit des Winters vertreiben und dann, wenn der Frühling kommt, geht es wieder mehr raus.
Der Weg ist das Ziel, so sagt man ja. Und gerade bei dieser sehr langgezogenen Veranstaltung wurde das wieder einmal deutlich. Wir haben den Weg in vollen Zügen genossen und das Ziel war nur der kleine Ansporn, auch bei miesem Wetter und zunehmender Dunkelheit noch los zu gehen oder mal doch eher die längere Strecke zu wählen.
Corona-gerechte Ziellinie aus Klopapier.
Beim tatsächlichen Zieleinlauf war es dann allerdings schon zu dunkel für ein gutes Foto…
Und ich erinnere mich an den Zahnarztbesuch neulich. Der Pferdezahnarzt war da und hat unsere Ponys behandelt. Alle standen wir in der Halle herum und Duncan wollte doch so gern alles untersuchen. Aber er durfte halt nicht – das Werkzeug ist einfach zu teuer um es der Neugierde meines kleinen Ponys zum Fraß vorzuwerfen. Also dachte ich mir, ich biete ihm etwas Abwechslung. Ich habe meine Hände leicht auf Duncans Rücken abgestützt und bin neben ihm hoch und runter gehüpft. Duncan fand das höchst unterhaltsam und immer wenn ich aufhörte zu hüpfen, kam er mit der Nase herum und schien zu sagen „hey, mach weiter!“ Der Zahnarzt beobachtete unser Treiben und sagte irgendwann „wie wäre es mit Belly-Bumps?“ (Das Wort übersetzt sich schlecht. Gemeint ist, dass ich hochspringe und meinen Bauch gegen Duncan dotzen lasse). Ich erklärte ihm, dass es noch ganz neu ist, dass ich neben Duncan in die Luft springen darf und dass ich mit den Belly-Bumps warten werde, bis ich sicher bin dass es ok ist für ihn. Der Zahnarzt sagte „es ist gut dass Du das sagst. Ich selbst habe früher Rennpferde ausgebildet. Da hatten wir einen Plan über zwei Wochen, dann mussten die angeritten sein. Ich habe manchmal noch sehr die Einstellung einfach „da hin zu kommen““.
Nun muss ich sagen, dass unser Pferdezahnarzt ein unglaublich geduldiger, einfühlsamer Mann ist. Er ist ganz sicher einer der besten Pferdemenschen die ich kenne. Und dann kam da dieser Satz und ich dachte „schau an“. Ich habe schon öfter gedacht, dass vielleicht gerade mein Weihnachtsblues aus der Kindheit mir in der Pferdeausbildung zugute kommt. Weil ich nämlich viel weniger zielfixiert bin als andere. Und dadurch bin ich vielleicht manchmal gelassener und geduldiger. Bestimmt bin ich deswegen aber auch weniger „erfolgreich“ im kapitalistischen Sinne. Schließlich verkaufen sich auch in der Pferdewelt schnelle Ergebnisse oft immer noch am besten. (Wie viele Schüler haben sich schon gewundert, wie lange Verladetraining bei mir dauert…..)
Bei jungen Pferden gibt es ja viele Teilziele zu erreichen. Vom ersten Spaziergang über das erste Mal draufsitzen bis hin zum ersten Galopp, dauernd solche Meilensteine. Dann hörte das auf und die Schritte werden kleiner bzw langwieriger und weniger „messbar“. Und zum ersten Mal wird mir klar, dass es vielleicht das ist, was sehr zielorientierten Menschen bei der Pferdeausbildung im Wege steht. Denn den Pferden sind unsere Ziele herzlich egal. Ich glaube schon, dass Pferde sich über das Erreichen eines Meilensteins freuen können, dass sie stolz sind, wenn sie etwas zum ersten Mal geschafft haben. Aber vorausplanen tun sie das sicher nicht und daher können sie auch nicht verstehen, warum bei uns da so ein Druck dahinter ist.
Über Ziele könnte ich endlos weiterschreiben, scheint mir. Zum Beispiel über die Situation neulich, als ich im Verladetraining mit einer Schülerin war. Ihr Pferd sollte lernen, zuzuhören und sie übte das mit ihm an der Rampe – ein Fuß rauf, ein Fuß runter, zwei Füße rauf, ein Fuß runter. Jemand schaute uns zu und sagte plötzlich „einfach reingehen!“. Ich erklärte, was wir tun. Nachher dachte ich: ich hätte einfach zurückfragen sollen „warum?“. Weil jeder, der einen Anhänger und ein Pferd sieht, automatisch den Wunsch hat, dass das Pferd einsteigen soll. Zielautomatismus sozusagen. Vielleicht sollten wir den gelegentlich hinterfragen, zum Wohle unserer Pferde. Und das werde ich noch ganz ganz oft tun dürfen in den nächsten Jahren. Wenn es darum geht, ob ich heute „Belly Bumps“ übe. Ob Duncan schon so weit ist, dass ich ihn am Strick um mich herumschicken kann. Ob Duncan schon so weit ist, dass er gelassen über die Autobahnbrücke gehen kann. Ob er schon so weit ist, dass ich ihn ohne Führperson vom Boden fahren kann. Schließlich wann er wohl so weit ist, dass ich einmal kurz aufspringen darf. Ich habe all diese Ziele und natürlich bin ich sicher, dass wir das alles schaffen. Aber ich möchte Duncan den Zeitpunkt bestimmen lassen, wann es so weit ist. Denn der Weg ist das Ziel und das Ziel ist in meinem Fall einfach eine wunderbare Zeit gemeinsam mit meinem wunderbaren Pony zu verbringen.
Manchmal kann mein Mädchen ja ganz romantisch sein. Wenn sie mich so verliebt anschaut und mir erzählt wie wunderschön ich bin (weiß ich, aber ich hör das natürlich trotzdem immer sehr gern). Oder wenn sie ganz lieb mit mir kuschelt und mir einen Kuss auf meine weiche Nase drückt. Oder wenn wir gemeinsam durch die Natur spazieren und einfach nur das Zusammensein genießen.
Und dann hat sie diese anderen Momente. Da vergisst sie die Romantik irgendwie. Ich meine: was soll das hier denn bitte?
Romantik ade!
Sie hat gesagt, es dient meiner Ausbildung. Ach ja? Was jetzt genau?Naja so Abhärtung gegen den Verkehr halt. Witzig. Brauch ich doch nicht, kann ich doch schon. Danke für das Gras aber so lecker schmeckt das an der Stelle jetzt gar nicht mal.
Zum Glück hat sie schnell kapiert dass ich das nicht romantisch finde aber auch nicht üben muss. Und sie hat gesagt, das wäre dann jetzt abgehakt und wir sind noch ganz nett weiter spazieren gegangen. Na gut. Aber nächstes Mal bitte wieder etwas stimmungsvoller, ja?
Seitdem war ich auf dem Reitplatz sehr vorsichtig mit ihm. Wir machen es im Moment so, dass wir genau EINE Übung machen und wenn die klappt ist Schluss. Zeitaufwand maximal 5 Minuten. Er versteht ja auch alles immer so schnell und macht es dann auch, also sind das sehr kurze Einheiten.
Vom „longieren“ bei dem er mir abgehauen war, hatte ich bisher abgesehen. Ich habe stattdessen Übungen gemacht, die ihm zeigen, dass das Hauptziel immer ist, dass der Strick durchhängt. Neulich habe ich dann zum ersten Mal wieder angefangen, ihn um mich herum gehen zu lassen. Und siehe da: ich konnte das Problem sehen. Eine Winzigkeit von „wenn Du mich rausdrückst laufe ich ins Halfter“. Gar nicht viel und etwas was ich vorher nicht so ernst genommen hatte. Ich dachte, er wird schon merken dass das nicht die Lösung ist und habe ihn quasi einfach festgehalten und weitergemacht. Aber im Nachhinein denke ich, diese Winzigkeit hat mir nachher das große Problem beschert. Der Widerspruch, den ich in seinen Augen aussende „geh weg aber bleib hier“ ist noch nicht aufgelöst und so ist es dann eben schief gegangen. Gut, also werde ich es ihm jetzt von vorn erklären. Ich hab ja Glück, ich bin mit meinem Bodenarbeitslehrer verheiratet und der hilft mir auf die Sprünge. Wir üben Kreisslalom – Duncan geht im Kreis um die Hütchen um mich herum, immer ein Hütchen außenrum, eins innenrum. Und mein kluger Mann gibt mir den Tipp „sag ihm was er tun soll“. Ist ja irgendwie altbekannt und ich hätte es wissen können. Es ist ja nicht so, dass Duncan „geh raus“ und „komm rein“ als Stimmkommando verstehen könnte, aber natürlich bewege ich mich viel eindeutiger wenn ich es laut ausspreche und schon funktioniert es und Duncan hat Feierabend.
So bauen wir das jetzt also schön von vorn auf. Entgegen meiner eigentlich Vorlieben und Gewohnheiten arbeite ich mit Duncan derzeit auch ohne Gerte. Er ist so sensibel und je mehr Information ich ihm gebe desto schneller ist er überfordert. Das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren verarbeitet jeden noch so kleinen Hinweis (wo Finlay gern mal großzügig gefiltert hat was er unwichtig fand bzw was ihm nicht in den Kram passte) und allein das Zeigen mit der Gerte ist dann eben noch eine Information obendrauf und macht den Overload. Eigentlich ist Duncan mir da ganz schön ähnlich. Ich selbst bin auch schnell reizüberflutet und nehme zu viele Informationen auf. Der Trick ist, das zu merken. Bei mir und bei Duncan. Denn uns beiden sieht man das gar nicht so gut an. Und während ich lang gebraucht habe um für mich selbst herauszufinden warum ich eigentlich manchmal so durcheinander und gereizt bin, habe ich jetzt bei Duncan die Chance, das schneller zu verstehen. Die reinen Umweltreize – der Spaziergang durchs Dorf – die sind kein Problem. Aber Informationen von mir, die er anscheinend (zu meiner Freude) als sehr wichtig einstuft, davon kommt dann schnell mal zu viel. Und so darf ich mich ganz zurücknehmen, gerade so als hätte ich einen Araber in der Hand oder einen Spanier, darf die Hilfen minimieren und mich wundern, dass ein Highlandpony so sein kann. Was für eine erstaunliche Mischung aus Mut und Robustheit gepaart mit dieser hohen Sensibilität, wahnsinnigem Lernvermögen und großer Motivation.
Es gibt noch eine Geschichte, die meiner Meinung nach dazu passt. Bisher kannte Duncan zum Thema Beine nur „Hufe geben“. Jetzt gab es etwas neues zu lernen denn für unsere Spaziergänge im Dunkeln trägt er Leuchtbänder an den Beinen. Das klassische Problem: wenn man ihm ans Bein fasst um das Leuchtband festzumachen, hebt er den Huf – so hat er es gelernt. Ich habe mir dann überlegt, wenn ich seitlich komme, soll das Bein stehenbleiben. Beim Hufe heben steht man ja immer parallel zum Pferd. Bereits nach dem Anbringen von 3 Bändern mit entsprechender Belohnung war der Fall für ihn klar. Und ich mal wieder baff.
Leuchtbänder als Anlass, etwas neues zu lernen und mich wieder mal in Staunen zu versetzen.
Manchmal denke ich ja, es ist ganz normal dass die so schnell lernen. Wir können das durchaus öfter mal beobachten. Es ist nur bei den meisten Pferden verschütt gegangen unter all den unklaren Informationen die sie in ihrem Leben schon erhalten haben. Sie filtern dann vieles raus, weil es keinen Sinn ergibt. Und natürlich nutzen Pferde ihr Lernverhalten unterschiedlich. Der eine, um möglichst energiesparend durchs Leben zu kommen, der andere um möglichst oft an etwas zu essen zu kommen, der dritte für eine Menge Schabernack und der vierte für eine große Portion Liebe. Und genau in diese Kategorie scheint mein kleiner Abenteurer zu fallen. Da stehe ich und staune, denn das hatte ich nicht erwartet.
ich hatte Euch ja neulich fon erfählt, daff ich grofe Taten vorbereite. Und jetft ift ef fo weit!
Na wie gefällt Euch meine föne Fahnlücke?
Ich bin dem erwachfenwerden ein grofef Ftück näher gekommen! Mein Mädchen ftaunt mal wieder über mich, weil ich früh dran bin mit dem Fahnwechfel – aber ich hab ja flieflich nicht ewig Zeit! Das wachfen ift nicht so wichtig, aber wenn ich irgendwann auf Diftanfritt gehen will dann fauen die ob meine Fähne ganf fertig gewechfelt find und wenn nicht darf ich nicht ftarten – also hat der Fahnwechfel eindeutig Priorität! Wie grof ich bin ift denen nämlich echt egal.
Leider bleibt noch viel Arbeit übrig. Daf ift ja nur der erfte Fneidefahn (der fweite ist auch fon fast rauf) aber ich muff noch foooo viele andere Zähne wechfeln – uff! Ganf fön anftrengend finde ich daf. Ich habe auch vorerft alle anderen Aktivitäten wie wildef fpielen und die anderen ärgern auf Eif gelegt, bin total befäftigt mit der Fahnerei. Der neue Fahn muff ja auch erft gemacht werden und daf mache ich auch ruckifucki! Ihr könnt ihn fon fehen auf dem Bild!
Mein Spaziergehkumpel hat einen neuen Kumpel! Der ist gestern hier eingezogen. Wohnt mit meinem Spaziergehkumpel und seiner Stute zusammen.
So jetzt würde ich normalerweise an dieser Stelle sagen: „die Freunde meiner Freunde sind auch meine Freunde“ aber mein Spaziergehkumpel ist noch nicht ganz sicher was er von dem Neuen hält. Also Freunde sind die (noch) nicht. Mein Spaziergehkumpel meint, der Neue wäre zwar an sich ganz ok, würde ihm aber die Stute und seine Mädchen streitig machen wollen und das wäre natürlich so gar nicht ok! Ich glaube er muss noch darüber nachdenken ob er den Neuen mag. Ich denke da auch noch drüber nach. Werde ihn erst mal beobachten so über den Zaun hinweg. Mein Mädchen sagt wir gehen auch bald mal mit dem spazieren. Dann hab ich zwei Spaziergehkumpel…. na ich werde Euch berichten wie es mir gefällt!
Seht Ihr das weiße Pony rechts im Bild? Das ist der Neue. Wir haben uns schon mal so über zwei Zäune angeschaut.
Kennt Ihr das, wenn die Klamotten kneifen? Bei Merlin und Caruso passiert das manchmal im Sommer. Die haben ja so Decken gegen die fiesen kleinen Mücken. Abends, wenn mein Mädchen ihnen die Decken anzieht, passen sie ganz gut. Aber nach einer Nacht auf der Weide sind die Bauchgurte plötzlich merkwürdig eng! Und manchmal wenn wir besonders leckeres Gras hatten, passt Carusos Decke gar nicht mehr richtig, dann muss mein Mädchen den einen Bauchgurt auf lassen.
Ich hab ja normalerweise nix an. Außer halt mein Halfter. Und das schwarze Halfter das ich immer anziehe wenn ich in der Wackelkiste unterwegs bin, das ist was ganz besonderes. Das hat so nämlich Klett, falls ich mich damit in der Wackelkiste verhake geht das auf. Naja nun ist es aber so: angeblich (so sagt jedenfalls mein Mädchen) wachse ich ja nicht genug. Aber es gibt schon Stellen an denen ich wachse! Zum Beispiel am Kopf. Deswegen hat sie mir ja schon vor geraumer Zeit ein größeres Halfter gekauft. Aber das größere Halfter passte nun auch nicht mehr richtig. Ich bin ja meinem Papa so ähnlich: gleiche Farbe, genauso hübsch, der gleiche tolle Charakter, die gleichen wundervollen Augen. Naja und der gleiche kräftige Unterkiefer. Und mein Unterkiefer, der ist jetzt so doll gewachsen, dass das Halfter kneift! Der blöde Karabiner da an der Seite der hat mir immer in die Backe gedrückt. Und wenn mein Mädchen den zu gemacht hat dann hab ich immer ein bisschen so ein Gesicht gezogen um ihr zu sagen dass mir das nicht gefällt. Und sieh an: sie hat mich verstanden! Und hat jemanden gefunden, der für mich das Halfter umgebaut hat. Jetzt ist aus meinem kleinen alten Halfter und dem größeren neuen ein wirklich passendes Halfter geworden und das kann noch so viel verstellt werden dass es mir auch noch passt wenn ich ganz fertig bin mit wachsen. Toll oder?
Als ganz besonderes Pony brauche ich ein ganz besonders Halfter! Ist doch logisch oder?
Ich bin ganz zufrieden mit meinem Mädchen. Hat zwar etwas gedauert bis sie das Problem gelöst hat, aber immerhin, sie hat es kapiert und was dagegen getan. Und danke an die nette Näherin (eine meiner heimlichen Bewunderinnen)!
Bisher hat mein Mädchen mir immer geholfen wenn es darum ging, aus der Wackelkiste auszusteigen. Sie hatte Angst dass ich versuche, mich umzudrehen. Pah! Als ob ich so etwas Dummes machen würde! Jetzt hat sie endlich kapiert, dass ich weiß wie das geht. Aber seht selbst!
Erst musste ich mal überlegen ob ich überhaupt aussteigen will – da war doch noch Heu übrig! Aber wenn sie mich so lieb ruft …. (hat sie bestimmt einen Keks für mich!)
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel
P.S. Ja der Mann kommt ins Bild gerannt weil er fürchtet dass ich schräg runter gehe und daneben trete. Kein Vertrauen in meine Fähigkeiten…. Tsssss…..Und deswegen muss man mir die Show vermiesen?