Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 322

Mein Mädchen will ja immer, dass ich es bequem habe bei der Arbeit. Deswegen sorgt sie dafür, dass ich gute, passende Klamotten hab. Das ging schon früh los, da hat sie mein Halfter umnähen lassen, damit es mich nicht kneift. Später habe ich dann meine grüne Universalklamotte für alle Gelegenheiten bekommen. Noch später fiel meinem Mädchen auf, dass der Gurt vom Reitpad blöde sitzt, auch da musste mal wieder meine persönliche Haus- und Hofschneiderin ran. Dann stellte sich heraus, dass Gurte bei mir grundsätzlich gar nicht so gut sitzen: wenn die vordere Strupfe straff ist, hängt die hintere durch und umgekehrt. Das ist ja nun nicht Sinn der Sache! Also was tut mein besorgtes Mädchen? Richtig: sie aktiviert die Haus- und Hofschneiderin. Und die hat wieder mal gezaubert. Dann kam sie höchstpersönlich zur Anprobe vorbei. Hatte ihre groooooße Schneiderschere mit und hat alles passend gemacht.

Mit der großen Schere ist sie angerückt!

Dann ging es in die Erprobungsphase. Die hat sich diesmal etwas hingezogen, aber vor Weihnachten stand dann endlich fest, welche kleinen Verbesserungen noch vonnöten sind und jetzt ist er fertig, mein toller Sattelgurt! Der ist so schlau genäht, der gleicht den Druck zwischen der vorderen und der hinteren Strupfe schön aus, so dass es jetzt immer passt. Außerdem ist er super gepolstert und ein bisschen elastisch, so dass ich auf jeden Fall genug Bewegungsspielraum habe. Voll bequem ist der, ich sage es euch!

Der Gurt sitzt!

Außerdem hat sie gleich noch mehr für mich genäht, weil sie doch gerade so in Schwung war! Mein Mädchen hatte nämlich Sorge, dass es mich stört, wenn das Bosal mit dem schmalen Riemen so direkt hinterm Ohr sitzt. Also wollte sie gern so ähnliche Polster wie sie an meiner Universalzäumung dran sind. Das hat auch den Vorteil, dass zwischen den beiden Polstern genug Platz für mein Wallehaar ist. Und auch diese schnieken Dinger sind jetzt fertig und sitzen einfach fantastisch! Zu unserer beider Überraschung ist sogar das Anziehen des Bosals einfacher geworden damit. So habe ich es jetzt auf jeden Fall ganz gemütlich beim Arbeiten und so soll das ja auch sein – besonders wo mein Arbeitspensum ja jetzt beträchtlich steigt.

Jetzt drückt nix mehr.
Zwischen den Polstern ist Platz für mein Wallehaar

Jetzt fehlt wohl nur noch der passende Sattel zu unserem Glück – und vielleicht probieren wir auch nochmal das eine oder andere Gebiss, sagt mein Mädchen, weil ich das immer noch nicht so gern ins Maul nehme und das macht sie stutzig. Schauen wir mal!

Euer bequem gekleideter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 321

Man, das war nötig!

Mein Mädchen war ja mal wieder in Urlaub – ohne mich! Und ich hab hier Langeweile geschoben. Naja, nicht ganz, ich hab natürlich mit den anderen gespielt und mit den Nachbarn geschnackt, aber so ganz ohne Ausflug ist das einfach nix für mich! Als mein Mädchen dann wieder da war, haben wir erst mal wieder Handarbeit gemacht. Alles schön und gut, aber du weißt ja, mein Mädchen, die echten Abenteuer finden jenseits der Grundstücksgrenze statt! Zum Glück ist heute Sonntag und also ging es endlich mal wieder los!

Hier könnt ihr sehen, wo wir lang geritten sind und wie schnell wir waren: das grüne ist Schritt, das orangene ist Trab.

Schaut mal ganz genau hin!

Ich war gut drauf und hab ordentlich los gelegt. Beim ersten Trab hat mein Mädchen ein bisschen gemeckert, weil ich so los geflitzt bin – mit Sattel wäre das ja kein Problem gewesen aber so sagt sie, ich hätte die „Wurfmaschine“ angeschmissen und das wäre gar nicht schön. Ich wollte aber doch so gern in Diegos Po beißen! Der lief so provokativ vor mir her! (Der Mann hat dafür ein neues Wort erfunden: „popokativ“).

Naja, nach einer Weile ist die schlimmste Energie ja weg und dann kann ich mich besser benehmen. Im Wald war mein Mädchen ganz stolz auf mich, ich kann nämlich jetzt auch auf Matsch und unebenem Boden ganz fantastisch gleichmäßig traben ohne zu stolpern oder aus dem Takt zu kommen. Als wir aus dem Wald raus waren und wieder auf dem Weg nach hause ist etwas überraschendes passiert: wir sind nochmal abgebogen! Moment mal, wollt ihr etwa die ganze Waldrunde nochmal…..?? Nein, wir sind nur ein paar Meter in den Weg rein und haben dort eine ausgiebige Graspause gemacht. Schööööööön!

Lecker Graspause

Dann sind wir umgedreht und haben uns auf den Heimweg gemacht. Im Dorf mussten wir nochmal anhalten, denn auf dem Hinweg hatte ich da eine Hinterlassenschaft platziert, die wollten die Menschen noch einsammeln. Ab damit in die Tüte und wer musste es wieder schleppen? Naja, nur durchs Dorf bis zur Aufsteigebank, dort hat mein Mädchen die Tüte am Feldrand entleert.

Der Mann sammelt meine Hinterlassenschaften ein

Aber vorher musste sie noch dieses Foto machen. Früher stand hier eine Ruine, das sah irgendwie immer ein bisschen romantisch aus. Jetzt haben sie da diese Dinger hingebaut! Mein Mädchen schwört, das ganze würde unter dem Motto „unser Dorf soll hässlicher werden“ laufen. Naja, im Grunde kann es uns egal sein. Nur schade um die Romantik.

Unser Dorf soll hässlicher werden!

Als wir dann auf dem Heimweg waren, ist etwas ganz tolles passiert. Diego ist vor uns flink den Berg hoch getrabt und wir waren recht weit hinten. Mein Mädchen sagt zu mir „wenn du willst: die Tür ist auf“. Und ich wusste was sie meint: ich darf galoppieren! Ja, das will ich! Kurz im Trab beschleunigt, nochmal nachgefragt und dann ging es los! Erst langsam, dann etwas schneller – war meinem Mädchen zu schnell. Also hat sie „laaaaaaangsam“ gesagt und bisschen gebremst und ich hab langsamer gemacht. Dann waren wir auch schon oben am Berg, ich hab artig durchpariert und mir einen Keks geben lassen. Jetzt schaut euch nochmal das Bild oben an: Grün = Schritt, orange = Trab und wenn ihr genau hin schaut seht ihr ein kleines bisschen rot – das ist Galopp! Juhuuuuu!

Auf dem Heimweg haben wir dann noch ein bisschen Seitwärts geübt – kann ich. Und so sind wir glücklich und zufrieden zu hause angekommen. Schön war das!

Ich hoffe, euer Sonntag war genauso schön!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Jahresplan

Da ist es also, das neue Jahr. Ich wünsche Euch, meinen treuen Lesern, ein gutes neues Jahr! Für viele von uns startet das neue Jahr mit Gedanken dazu, was es wohl bringen wird und was wir uns wünschen, welche Ziele wir uns setzen.

Ich bin normalerweise nicht der Typ für Trainingspläne. Aber sich am Anfang des Jahres – oder an irgendeinem anderen Tag – mal hinsetzen und überlegen, wo die Reise hingeht, das ist schon eine gute Sache. Selbstversorger wissen: man muss das noch nicht mal im Sitzen machen. Stall ausmisten, Weide abäppeln oder ähnliches eigenen sich perfekt um sich solche Gedanken zu machen.

Letztes Jahr war es leicht für mich, denn 2022 war das „Anreitjahr“ für Duncan. Das war das klare Ziel und wir haben es erreicht. Ich möchte sagen: spielerisch leicht. Dieses Jahr wird es schwieriger mit der Formulierung. Ein Sattel muss her, ich möchte mehr traben (hier haben wir ihn wieder, den „Nebel in Tüten„, was heißt „mehr“ denn genau?), ich möchte auch mal allein mit Duncan raus. Vielleicht soll Duncan vor die Kutsche, das liegt aber weniger in meiner Hand als am Zeitplan meiner Freundin. Ich kann natürlich vorbereitende Übungen machen bzw auffrischen und das schadet ja nicht, also schreibe ich das auf meinen Zettel mit drauf. Ansonsten steht da „Erfahrungen sammeln“. Und Freedom Based Training, was in meinem Fall bedeutet: Zeit mit Duncan verbringen in der er bestimmt, was wir gemeinsam tun und ich lerne, ihn zu lesen. Muskelaufbau, also noch viel mehr Handarbeit, bevor ich auf dem Platz noch mehr reite. Im Gelände den Galopp mit dazu nehmen. Längere Ausflüge machen, dabei auch die mentale Kondition üben – Duncans, aber auch meine.

Im Herbst möchten meine Freundin und ich einen „Gedenkritt“ machen, eine Strecke reiten, die wir mit unseren besten Ponys 1.0 damals zur Vorbereitung auf unseren Distanzritt geritten sind von ihrem damaligen Stall zu uns nach hause. Das sind bummelige 23km. Ich muss die Strecke nicht komplett reiten können, ich gehe gern noch viel zu Fuß zwischendurch, aber der Kopf muss mitmachen. Die Autobahnbrücke darf dafür auch kein Problem mehr sein. Und die Kondition bei uns beiden muss stimmen. Immerhin eine Verdopplung unseres bisher längsten Ausflugs (damals noch zu Fuß).

So ist also der Plan. Und ich werde das meine dazu beitragen, dass er gelingt. Duncan wird das sicherlich auch tun, die Frage ist nur, ob uns etwas dazwischen kommt. Das lässt sich nicht immer verhindern, wie wir alle wissen.

Seit Finlays Tod ist Pläne machen schwer für mich. Vielleicht wird es Zeit, das wieder zu üben. Optimistischer in die Zukunft zu schauen. Denn bisher hat Duncan mir allen Grund zum Optimismus gegeben, sowohl was seine Gesundheit angeht, als auch bezüglich seines Verhaltens. Einfach mal so tun, als könnte man sich sicher sein, dass man selbst es im Griff hat. Weil es ja nix nützt, mit hundert Unbekannten zu rechnen, die ich eh nicht beeinflussen kann.

Duncan ist das ja wahrscheinlich alles egal. So lange die Keksrate stimmt und wir genug Ausflüge machen, versteht sich. Er braucht keinen Plan, der ist nur für mich in meiner Eigenschaft als Mensch. Ich persönlich brauche es nicht genauer als ich es hier formliert habe. Ich brauche keine Abhaklisten, Wochenziele oder Tagespläne. Aber das heißt nicht, dass es falsch ist, so etwas zu machen, so lange diese Pläne mit einplanen, dass das Pferd unplanbar ist. Vielleicht stellt sich ja heraus, dass Duncan nicht gern vor der Kutsche laufen möchte. Dann lassen wir das eben (ok ich halte das für sehr unwahrscheinlich, aber möglich ist es ja doch). Vielleicht stellt sich heraus, dass Duncan nicht allein mit mir ausreiten gehen möchte. Vielleicht stellt sich heraus, dass er nicht weiter als 20km unterwegs sein möchte. Wissen kann ich das jetzt noch nicht, ich stelle nur Vermutungen an. Vielleicht hat er nochmal so extreme Wachstumsschübe, dass wir mehr Pausen machen müssen. Vielleicht zieht er sich beim Spielen eine Verletzung zu, die uns Zwangspause verordnet. Vielleicht hat er aber auch plötzlich so viel Energie, dass ich gar nicht mehr hinterher komme mit dem Beschäftigen und mir noch andere Sachen überlegen muss. Vielleicht kommen im Frühling die Hormone und wir haben mit Pubertät zu tun und arbeiten plötzlich wieder an der Basis der Ausbildung.

Davon abgesehen hat natürlich auch das Wetter großen Einfluss darauf, was wir wann machen. Lange Ausritte mit viel Trab sind bei über 30° nicht angesagt. Kutsche fahren ist für Anfänger nur bei Windstille und angenehmen Temperaturen ohne viele Insekten sicher genug.

Aber planen kann ich ja mal. Und träumen. Und mich dann hochmotiviert in die Umsetzung stürzen – denn ohne die nützt der beste Plan nix. Und deswegen geh ich jetzt mit Duncan Handarbeit machen.

Habt ein gutes Jahr 2023, empfehlt meinen Blog gerne weiter und bleibt Duncan und mir gewogen!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 320

Liebe Menschen, ich wünsche Euch ein gutes neues Jahr! Ich bin ganz entspannt rein gestartet mit einem Mitternachtsschläfchen. Die anderen Ponys haben gut auf mich aufgepasst, so dass ich das ganze Spektakel einfach verschnarchen konnte. Jetzt sind die anderen übermüdet und ich bin wach – juhuu!

2022 war vielleicht ein tolles Jahr! Was wir nicht alles erlebt haben, mein Mädchen und ich! Am Anfang ging es los mit Sturm und einem Humpelfuß aber dann hat mein Mädchen sich endlich mal durch gerungen, aufzusteigen und wir haben angefangen mit ausreiten! Erst nur ganz kleine Strecken im Schritt, dann auch im Trab und neulich sogar ein winziges bisschen im Galopp!

Und immer hab ich alles richtig gemacht. Ok, einmal hab ich mich vor einem Bären erschreckt (der sich dann als Rind entpuppt hat) und einmal vor einem Ungeheuer auf dem Reitplatz, aber ich hab immer dafür gesorgt, dass ich mein Mädchen nicht verliere. Bin doch ein echter Gentleman!

Erst hab ich sie mit dem Reitpad getragen, das hat meine Schneiderin extra für mich umgebaut, dann hab ich den alten Sattel von meinem großen Bruder bekommen, aber jetzt hat der Sattler gesagt das geht so nicht wirklich gut und also habe ich keinen Sattel mehr. Damit steht ein ganz großes Thema für dieses Jahr schon fest, denn wir wollen doch jetzt ganz viel ausreiten und traben und bitte bitte auch galoppieren, mein Mädchen! Und da ist das mit Sattel schon echt bequemer für uns beide (obwohl ich als Schotte ja ganz bequeme Gänge habe, wie ein Sofa, sagt mein Mädchen.)

Mit dem Kutsche fahren sind wir letztes Jahr nicht wirklich weiter gekommen, aber vielleicht wird es ja dieses Jahr was, sehen wir mal. Da haben wir keine große Eile.

Unser größtes Abenteuer war natürlich der Kurs bei Elsa, wo wir beide sooooo viel gelernt haben, aber der auch sehr sehr anstrengend war für uns alle.

Jetzt starten wir frohgemut ins neue Jahr mit neuen Plänen:

Für mich steht weiterhin wachsen auf dem Plan, in die Breite und am Vorderende auch noch etwas in die Höhe. Und erwachsen werden, meint mein Mädchen, wobei ich ja finde ich bin schon ganz großartig erwachsen. Sie meint, etwas Lebenserfahrung, noch mehr innere Ruhe und Beständigkeit wären toll. Weil ich sie so gern hab, werde ich mal sehen was ich da für sie machen kann.

Mein Mädchen möchte dieses Jahr auf die ganz großen Abenteuer (wie Urlaub oder Kursbesuch) verzichten und dafür übers Jahr verteilt lieber ein paar Tagesausflüge in fremde Gefilde unternehmen. Sie glaubt, dass wir da mehr Genuss von haben, weil wir nicht fremd übernachten müssen. Mir ist alles recht, Hauptsache ich komm raus!

Sie hat mir auch Hoffnung gemacht, dass wir nicht nur mit Diego oder meinem erprobten Ausreitkumpel losziehen, sondern auch mal mit dem schönen Spanier, der uns schon gelegentlich besucht hat – dann hätte ich noch einen Ausreitkumpel! Voraussetzung ist allerdings, dass ich mich benehmen kann, wenn der dabei ist und da hat mein Mädchen derzeit noch Zweifel. Pah! Ich kann das, wetten?

Vielleicht versuchen wir auch mal einen klitzekleinen Ausritt alleine, mein Mädchen und ich. Ich hoffe, ich kann sie überzeugen! Das wäre doch toll, so ganz romantisch nur sie und ich…

Also ihr seht, wir haben viel vor! Was habt ihr so vor für 2023? Ich wünsche euch jedenfalls, dass all eure Unternehmungen gelingen, liebe Menschen! Ich werde euch selbstverständlich weiterhin von meinen Abenteuern erzählen – und von meinem Alltag. Damit ihr allzeit gut unterhalten seid.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Rückblick

Diesen Donnerstag ist es leicht, das passende Thema zu finden. Zu dieser Jahreszeit kann es ja eigentlich nur um Weihnachten oder um den Jahresrückblick gehen.

Sicher wird Duncan noch aus seiner Sicht schreiben, wie das Jahr so war, aber heute bin ich dran. Und ich kann sagen: das war ein verdammt gutes Jahr. Für mich natürlich vor allem, weil Duncan mich jetzt trägt. Und das habe ich ganz besonders gemerkt als wir zu unserem Weihnachts-Wald-Ausflug unterwegs waren. Ich erinnere mich noch allzu gut, wie es war, mit Duncan spazieren zu gehen, wenn er Energieüberschuss hatte. Ich war ihm immer zu langsam, die Touren waren immer zu kurz. Er wollte nicht Schritt gehen, schon gar nicht in meinem Tempo. Ich musste mir immer etwas überlegen. Aber ich habe von Anfang an versucht, ihm zu zeigen, dass er eben doch MIT mir zusammen Energie los werden kann, wenn auch nicht auf einen Schlag durch wilden Galopp sondern durch konstantes Gehen. Und jetzt konnte ich die Früchte dieser Bemühungen ernten. Denn Duncans Energieüberschuss ist  beträchtlich, als wir im Wald ankommen. Er konnte schon beim Anziehen der Hufschuhe nicht gut still stehen, aber es zeigt sich jetzt, was er gelernt hat. Er reißt sich zusammen, damit ich aufsteigen kann, als ich sitze und er seinen üblichen Keks kassiert hat, ist es aber vorbei mit der Geduld: er will los. Und mein kleiner, vierjähriger Hengst bietet mir flotten Schritt an mit der deutlichen Anfrage, ob wir nicht traben können, aber es ist eben nur eine Anfrage. Und als ich den Trab erlaube, wird es auch kein wildes Gerenne, sondern ein schönes, gleichmäßiges Traben. Ganz taktmäßig geht es durch den Wald und ich kann einfach genießen. Ich habe keine Diskussion, ich muss nicht bremsen, ich muss eigentlich gar nichts tun außer sitzen und nicht stören. Als wir an der Kreuzung kurz aufs Handy schauen, welchen Weg wir nehmen wollten, geht auch das völlig problemlos – Schritt, anhalten, warten, wieder los gehen. Dann in Ruhe wieder antraben. Anstatt zu explodieren, hat Duncan ein Ventil gefunden, durch dass die überschüssige Energie nach und nach kontrolliert entweichen kann. Und wir sind beide glücklich. Ich weiß jetzt auch: ich kann ihm da entgegen kommen. Ich muss nicht auf Biegen und Brechen auf die letzte kleine Artigkeit bestehen und damit einen Streit vom Zaun brechen der uns nirgendwo hin führt. Er kennt den Rahmen und ich weiß: wenn er sich immer an den Grenzen dieses Rahmens bewegt ist das seine Botschaft an mich, wie schwer ihm das eigentlich fällt und dass das das Beste ist, was er mir geben kann. Und das Beste was er mir geben kann ist mir nicht nur „gut genug“ sondern immer noch fantastisch. Korinthenkackerei kann ich mir und ihm also durchaus ersparen.

Am Ende sind wir beide sehr, sehr zufrieden. Er mit dem Ausflug und ich zudem noch mit dem Ergebnis meiner Ausbildungsarbeit. Wir hatten so viel Spaß zusammen!

Wenn ich also zurück blicke auf dieses Jahr, sehe ich all die Dinge, die wir dieses Jahr erreicht haben, aber natürlich haben wir sie in den Jahren davor vorbereitet. Dass ich dieses Jahr angefangen habe, Duncan zu reiten und dass das so wunderbar funktioniert hat, hat damit zu tun, dass ich mich bereits im vorigen Jahr bei ihm abgestützt habe, das Einparken geübt habe, mit dem Bauch über ihm lag und meinen Fuß auf seinem Rücken hatte. Dass ich das machen konnte, liegt wiederum daran, dass ich im Jahr davor geübt habe, dass er Nähe nicht nur aushält, sondern als angenehm empfinden kann, dass ich aber auch geübt habe, zu sehen, was wann geht und wann es ihm zu viel wird. Viele Fehler habe ich da gemacht, weil ich nicht wusste, wie Duncan kommuniziert und weil mir nicht klar war, wie viel Individualdistanz er hat – ganz im Gegensatz zu Finlay.

Als ich neulich in einer Vollmondnacht noch spät bei den Ponys war und ihnen beim  Heu fressen zugesehen habe, hatte ich den Wunsch, auf Duncans Rücken zu hüpfen und einfach dort zu sitzen. Wäre es Finlay gewesen, hätte ich das tun können und er hätte es gut gefunden. Ob ich es bei Duncan hätte tun können, wage ich zu bezweifeln, gut gefunden hätte er es ganz sicher nicht. Und so ist es für mich auch ein Jahr gewesen in dem ich noch besser verstanden habe, was Duncan leicht fällt, was er eben so mitbringt und an welchen Stellen ich entweder akzeptiere dass er so ist oder viel, viel  Arbeit (in diesem Fall in Freedom Based Training) investiere um nach und nach sein Gefühl dafür zu verändern. Ich habe mich gewissermaßen für beides entschieden: ich werde weiterhin im Freedom Based Training schauen, ob ich ihm noch mehr Freude an Nähe vermitteln kann, aber ich mache uns beiden da keinen Druck. Wenn er niemals möchte, dass ich im Paddock einfach so nah bei ihm bin, werde ich das akzeptieren und nicht persönlich nehmen, denn jetzt nach über 3 gemeinsamen Jahren, weiß ich, wie viel er für mich tut, wie viel Einsatz er bringt und wie viele von den Dingen die ich mit ihm gemeinsam tun möchte, ihm sowieso leicht fallen – wenn nun also etwas, was ich gerne hätte, nie passieren wird, ist das gar nicht schlimm.

Natürlich habe ich viele Pläne und Wünsche fürs nächste Jahr. Aber es ist keine „Problemlösung“ darunter. Weil es keine Probleme gibt. Ganz ehrlich: selbst die Begegnung mit fremden Pferden ist – realistisch betrachtet – kein Problem. Wenn ich Duncans Verhalten objektiv beobachte, weiß ich, dass das für einen Hengst in seinem Alter ganz sicher unproblematisch ist. Dass ich so ein Angsthase bin, ist ja nicht seine Schuld.

Und so ziehe ich aus diesem Jahr vor allem diese eine Bilanz: mein Pony hat alles richtig gemacht. Er hat bewiesen, wie verlässlich er schon ist und sich viel, viel Vertrauen meinerseits erworben. Was für ein feiner Kerl! Danke, mein wunderbarer Duncan.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 319

Man, hatte ich einen Energieüberschuss! Nun war ja ein Ausflug in den Wald versprochen und das ging auch los! Als die Wackelkiste da stand und ich sollte die Hufschuhe ankriegen, hab ich es nicht geschafft, stehen zu bleiben. Mein Mädchen war genervt und hat mich dann einfach angebunden um die Diskussion zu beenden. Dann ging es auch.

Im Wald wollte ich gleich los legen. Endlich mal Strecke machen! Mein Mädchen hat dann gesagt, wir können ruhig traben. Ich hab zwar keinen Sattel mehr (auf den neuen zum probieren warten wir noch) aber ein gut gepolstertes Pad und einen sehr bequemen Schotten-Trab, da kann ich mit meinem Mädchen auch ohne Sattel schön traben. Diego ist hinten geblieben und immer mal Schritt gegangen, so dass wir weit vorne waren – hat sich manchmal angefühlt als wären wir ganz allein unterwegs! Ich bin wie ein Uhrwerk einfach weiter getrabt. Bis direkt neben mir plötzlich ein Vogel soooo laut geschrieen hat! Da bin ich vor Schreck kurz in den Wald gehüpft! Hab aber gleich angehalten. Dann sind wir weiter getrabt. Als wir 3km hinter uns hatten, ging es mir besser und ich konnte mich entspannen. Etwas Schritt, eine Graspause, dann noch mehr Trab. Nach einer Weile wurde mein Rücken müde und mein Mädchen ist ein Stück neben mir her gegangen. Weil ich bisschen gähnen musste, meinte sie, ich sei wohl schon schön müde. Von wegen! Habe mir nur ein kurzes Päuschen gegönnt. Alsbald war ich wieder wach und hab angefangen, mein Mädchen zu kneifen. Da fand sie, es sei Zeit, nochmal aufzusteigen und wir haben von oben etwas seitwärts gehen geübt. Kurz vor der Wackelkiste ist der Mann abgestiegen, mein Mädchen meinte aber, das wäre jetzt unsere Gelegenheit um nochmal allein traben zu üben und so sind wir bis fast zur Wackelkiste nochmal 400m getrabt.

Nur weil ich mal gähne, heißt das nicht, dass ich wirklich müde bin! Nur kurz verschnaufen

Ach, das war toll! Müde war ich nicht, aber schön entspannt. Und nass. Weil ich nicht nur geschwitzt hatte, sondern zwischendurch auch Wind und Regen von der Seite kamen. Mein Mädchen sagt, es war gut, dass sie ihre neue Mütze auf hatte, sonst wären ihr die Ohren abgefroren! Ich fand gut, dass sie die neue, große Kekstasche mit hatte. Aber am besten war doch, wie viel Spaß wir hatten!

Es ist jetzt übrigens genau ein Jahr her, dass mein Mädchen zum ersten Mal auf meinem Rücken gesessen hat! Und mein Mädchen sagt, ich hab immer alles richtig gemacht, wenn sie auf mir gesessen hat und darauf ist sie ganz stolz! Und deswegen vertraut sie mir jetzt schon ganz doll. Und darauf bin ich stolz!

Das war einer unserer schönsten Ausritte bisher, finden wir beide. Tolle Weihnachten waren das und ich hoffe, ihr hattet es genauso toll wie wir!

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 318

Immer noch fröhliche Weihnachten, liebe Menschen!

Unser geplanter Ausritt ist auf morgen verschoben. Aber deswegen habe ich trotzdem keine Langeweile! Jetzt mal von vorn:

Gestern Abend haben der Mann und mein Mädchen Bescherung gemacht. Gegenseitig schenken sie sich ja nix, aber von einigen von euch gab es Geschenke! Darunter – tadaaaa! – eine Kekstasche! Das ist das braune Dings was ihr auf dem Foto seht. Und eine Mütze für mein Mädchen (sie hat ja kein Fell an den Ohren, deswegen braucht sie immer eine Mütze!). Die ist natürlich orange, wie es sich für mein Mädchen gehört.

So tolle Geschenke! Danke, liebe Menschen!

Das mit der Kekstasche ist der Hammer, oder? Wo ich euch doch erst gestern berichtet hatte, wie viele Kekse ich von euch zu Weihnachten bekommen habe! Und diese Tasche ist schön groß, da passt richtig was rein. Hat mein Mädchen dann heute gleich getestet. Ich hatte nämlich dezent Energieüberschuss und wollte mit Diego spielen. Aber der wollte nicht. Dann hat Gatsby sich überreden lassen und wir haben getobt bis wir beide ordentlich geschwitzt hatten. Mein Mädchen meinte, wenn ich nicht noch etwas Beschäftigung von ihr bekomme, werden die anderen sich wohl bei ihr beschweren. Also hat sie sich die Kekstasche angeschnallt und wir haben Dopplellonge gemacht. Eigentlich wollte mein Mädchen eine ausgiebige Session mit mir machen, damit ich etwas Energie los werde. Aber das Ding ist halt: ich mache immer alles richtig! Und diesmal nicht nur den Rechtsgalopp sondern auch den Linksgalopp auf Anhieb! Und weil mein Mädchen findet, wenn ich mich so doll bemühe und so klasse mitmache, werden Übungen nicht wiederholt, waren wir nach 13 min schon wieder fertig. Die Kekstasche war um einiges leichter und ich um das selbe Gewicht schwerer und wir waren alle sehr zufrieden. Wir haben dann noch meine osteopathischen Dehnübungen gemacht und dann gab es Heu.

Und zum Heu dazu gab es nochmal Geschenke! Mein Mädchen hatte ein paar Apfelschnitze in Heu in Kartons versteckt und wir Ponys durften die da raus suchen. Das war lustig!

Da sind doch irgendwo Apfelschnitze, ich riech sie doch!

Nachher kamen mein Mädchen und der Mann nochmal. Sie wollten mit Merlin und Diego auf den Reitplatz. Und da dachte ich: warte mal, die 13 min vorhin, die waren eigentlich echt zu kurz! Hab gefragt ob ich auch nochmal darf. Und ich durfte! Mein Mädchen hat mich und Merlin einfach zusammen mit auf den Reitplatz genommen. Ohne Halfter und alles! Und da haben wir das geübt was wir vor einer halben Ewigkeit mal im Roundpen geübt haben: einer von uns wartet, der andere macht was, dann wird gewechselt. Nebenbei ist da noch Diego mit dem Mann gewesen, die haben für sich geübt – das hat mich aber auch manchmal ganz schön irritiert! Ich musste echt aufpassen, wann ich denn nun gemeint bin mit bewegen und wann ich warten soll. Wenn der Mann Diego über den ganzen Reitplatz ruft, kann man sich nämlich auch mal angesprochen fühlen! Aber ich hatte das schnell raus, bin ja nicht blöd.

Gut, dass mein Mädchen jetzt die grooooße Kekstasche hat! Bei zwei Ponys gehen nämlich doppelt so viele Kekse weg wie bei einem! Und so war das Vergnügen auch viel zu schnell wieder vorbei. Mein Mädchen war wieder mal wahnsinnig stolz auf uns. Also das war mal ein toller Festtag! Und jetzt freue mich darauf, dass wir morgen schön in den Wald fahren.

Euer beschenkter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 317

Liebe Menschen,

ich wünsche euch großartige Weihnachten! Mein Mädchen hat wieder allerhand Naschereien geschenkt bekommen. Aber mir scheint, dass ihr auch an mich gedacht habt, denn sie hat nicht so viel Kekse, dafür mehr gesunde Sachen bekommen! Wahrscheinlich weil ihr gelesen habt, dass ihr Hintern nicht größer werden darf als er ist. Wie umsichtig von euch, liebe Menschen! Danke! Und auch an mich habt ihr gedacht. Ich habe Kekse und Hagebutten bekommen, da kann ich jetzt ordentlich schlemmen. Und irgendwie macht es doch auch viel mehr Sinn, MIR jetzt die Kekse zu geben, wo ich doch mein Mädchen jetzt so viel trage. Sie läuft sich ja gar nix mehr runter und ich soll schön Muskulatur aufbauen.

Wir machen uns das jetzt hier alle ganz gemütlich. Die Menschen machen heute Abend Bescherung, dann packen sie all die kleinen Pakete aus, die ihr für sie gepackt habt, und freuen sich. Danach kommen sie noch bei uns in den Stall und es gibt einen Weihnachtsapfel, eine Keksverkostung und die Versicherung, dass sie uns furchtbar lieb haben und dass wir die tollsten Ponys der Welt sind.

Kekse! Ich werde natürlich mit meinen Kumpels teilen. Danke, liebe Menschen!

Morgen machen wir dann einen schönen Weihnachtsausflug, hat mein Mädchen versprochen. Ab in den Wald! Wird mal wieder Zeit! Wo ich doch so viel Energie übrig hab.

Liebe Menschen, macht es euch gemütlich, esst Kekse und seid nett zu einander!

Euer weihnachtlicher Sir Duncan dhu of Nakel

Alle Jahre wieder

Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder sehr überraschend. Eben war noch November, bunte Blätter an den Bäumen und der Sommer schien gar nicht lange her – bzw er kam nochmal vorbei und bescherte uns viel zu warme Tage im Herbst – jetzt gab es plötzlich Schnee und Frost und – zack! – ist Weihnachten.

Und dann bricht auch gleich wieder die vorweihnachtliche Hektik aus. Alles gerät durcheinander, ich muss Hufpflegetermine jonglieren, den Urlaub vorbereiten, Heu organisieren, möchte Plätzchen backen und ganz nebenbei friert die Tränke zu. Dann stelle ich plötzlich fest, dass Donnerstag ist. Ich wusste das Datum aber nicht den Wochentag. Und Donnerstag ist Blog-Artikel-Tag! Und während es mir sonst fast immer leicht fällt, etwas zu schreiben, ist es diesmal schwer. Mein Gehirn ist überfüllt, ich bin seit Tagen reizüberflutet und ich beobachte an mir selbst, wovon Elsa Sinclair gesprochen hat: dass viele Menschen und Pferde nicht wirklich gut ausruhen können. Oft fallen wir stattdessen nur für eine Weile in Erstarrung, das ist die beste Pause die uns gelingt. Und ich beobachte mich selbst dabei, wie ich am Computerspiel hängen bleibe und nicht mehr weg komme, wie ich trotz Müdigkeit nicht ausschlafen kann und wie mein Gehirn immer wieder erstarrt, Sätze nicht formuliert werden können, Informationen nur im Schneckentempo verarbeitet werden.

Reizüberflutung kennt vielleicht jeder von uns. Jeder hat seine eigenen Grenzen, aber für jeden ist es irgendwann zu viel. Meine persönliche Grenze liegt ziemlich niedrig, schon immer, seid Finlays Tod noch etwas niedriger. Allerdings steigt sie langsam wieder, Duncan sei Dank. Zum Glück habe ich einen Mann und eine Freundin, die mich nicht drängen, die nicht sagen „stell dich nicht so an“, die die Musik leiser drehen wenn ich darum bitte und Aufgaben für mich übernehmen, wenn ich überfordert bin. Viel zu oft in meinem Leben habe ich geglaubt, Dinge aushalten zu müssen, weil andere das ja auch können. Wenn ich heute überflutet bin, denke ich an die Pferde. Oft wird von erlernter Hilflosigkeit gesprochen, aber ich bin nicht immer sicher, ob es das ist. Manchmal ja, aber bei vielen Pferden beobachte ich auch Strategien, mit Reizüberflutung umzugehen, die ähnlich aussehen. Abschalten. Aushalten, erstarren. Manche flippen auch aus. Dieser eine, letzte kleine Reiz, der das Fass buchstäblich zum Überlaufen bringt, kann dann so banal sein. Und vielleicht geht es den Pferden auch so wie mir, wenn ich plötzlich den Wochentag nicht mehr auf dem Schirm habe. Manchmal vergessen sie vielleicht einfach, was sie tun sollen, weil schon so viel anderes auf sie einprasselt.

In diesen vorweihnachtlichen Tagen kann ich sie gut verstehen. Und ich lerne von mir selbst: wenn ich mir etwas Zeit in Erstarrung gönne, bevor ich von mir selbst erwarte, wirklich zur Ruhe zu kommen, ist es einfacher. Denn von der Reizüberflutung in die Entspannung kann ein langer Weg sein und Erstarrung ein guter Zwischenschritt. Und den wähle ich jetzt, bevor ich dann durchatmen kann.

Ich wünsche Euch allen schöne Weihnachtstage, und dass Ihr sie so verbringen könnt, wie es Euch gefällt: mit vielen Reizen und Ablenkungen oder zurückgezogen mit viel Ruhe.

Den Pferden wünsche ich, dass wir lernen, sie noch besser zu lesen. Man sagt, in der Weihnachtsnacht könnten die Tiere sprechen. Eigentlich sprechen sie aber immer, es liegt an uns, zu lernen, sie zu verstehen. Damit wir ihr Leben angenehmer machen können und damit letztlich auch unser Leben angenehmer wird.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 316

Hugo, unser schweigsamer Reitmeister, hat uns gestern nochmal Unterricht gegeben.

Er lächelt immer so freundlich
Hugo beobachtet unsere Reitübungen

Erst lief alles ganz fein. Dann haben mein Mädchen und der Mann sich beraten, während ich so herum stand. Mein Mädchen auf meinem Rücken. Und da war plötzlich ein Ungeheuer im Schnee! Der Mann hat es auch gesehen, aber er meint, es war nur eine Ratte oder ein Vogel, jedenfalls kein Ungeheuer. Naja, wenn wir Ponys eins wissen, dann dass ihr Menschen von Ungeheuern keine Ahnung habt. Ich bin lieber auf Nummer sicher gegangen, habe auf dem Absatz kehrt gemacht und bin los. In der Drehung hat mein Mädchen kurz das Gleichgewicht verloren, aber sich noch schnell mit einem Oberschenkel gerettet und da war ich dann auch schon wieder stehen geblieben, weil mir auffiel, dass es vielleicht doch kein Ungeheuer war. Mein Mädchen war ganz fröhlich, weil sie immer etwas Angst hatte vor so einer fiesen Drehung. Ich bin ja nunmal klein und wendig (quadratisch halt!) und sie hatte Angst, dass sie einfach nicht mitkommt, wenn ich mal fix die andere Richtung einschlage. Jetzt hat sie diese Angst nicht mehr, weil sie ja gemerkt hat, dass sie doch ganz gut oben bleibt und ich sie nicht verliere.

Danach haben wir noch seitwärts geübt. Mein Mädchen hatte die fixe Idee, wir könnten mal ein Kruppeherein reiten, das haben wir bisher nur an der Hand geübt. Linksrum ging das ganz ok, rechtsrum nicht. Da war bisschen Chaos und dann hatte ich keine Lust mehr. In der Ecke wo ich das Ungeheuer gesehen hatte, hat es mich noch gegruselt (wo ein Ungeheuer ist, ist das zweite ja oft nicht weit!) und ich wollte zum Ausgang. Da hatten wir dann noch eine kleine Diskussion ob ich da echt nochmal abbiegen sollte. Nach ein paar Versuchen hab ich das nochmal gut gemacht und mein Mädchen ist abgestiegen. Dann ist sie los gelaufen Richtung Gruselecke und hat mich gerufen (allerdings war ich ihr schon nachgetrabt bevor sie gerufen hatte). Sie meinte, ich könnte in der gruseligen Ecke noch ein paar Kekse bekommen. Weil Kekse Monster besiegen – isso. Also haben wir „frei“ (ich hatte mein Zeug noch an aber sie hat es nicht angefasst) losgehen und anhalten geübt. Dann hatte sie die Idee ich könnte doch mal frei um sie herum traben. Hab ich gemacht, ist doch einfach. Dann meinte der Mann, ich soll es nochmal machen, für die Kamera. Naaaaaaa gut. Dann war Schluss und mein Mädchen war glücklich. Ich auch, wegen der Kekse.

Kekse essen in der Ungeheuer-Ecke
Ob ich mal um sie herum traben könnte hat sie gefragt. Klar kann ich.

Mein Mädchen sagt, sie hat wieder viel über mich gelernt. Vor allem dass ich ein echter Schotte bin, nämlich „opinionated“. Manche würden das mit „eigensinnig“ übersetzen, mein Mädchen nennt es „meinungsstark“ und sie liebt diese Eigenschaft an Ponys wie mir!

Mal sehen, was wir morgen noch von Hugo lernen, bevor er wieder abreist. Ich werde berichten!

Euer ungeheuerlicher Sir Duncan dhu of Nakel