Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 336

Heute war schon richtig warmes Frühlingswetter. Und Sonntag! Also Ausflugstag! Wir sind mal wieder von zu hause aus aufgebrochen. Mein Mädchen meinte, zwecks Wiedererlangung der Grundfitness wäre eine kleine Bergsteigertour mal wieder ganz gut. Aber bevor es auf den Berg geht, müssen wir durchs Dorf. Und was soll ich sagen: da war er wieder! Cerberus, der Höllenhund! Seit wann wohnt der denn bei uns im Dorf? Der hat so fies gebellt, dass sogar Diego sich erschreckt hat – und das will was heißen! Ich hab einen kleinen Satz gemacht, aber dann hab ich gesehen, dass da ein guter Zaun zwischen uns und Cerberus ist und dann ging es wieder.

Raus aus dem Dorf und ein gutes Stück getrabt. Schön ein bisschen durchs Feld, dann in den Wald. In dem Wald ist ein Teich. Und was soll ich euch sagen? Ich habe heute festgestellt dass dort auch gefährliche Tiere leben! Ich nenne sie „die Ente des Grauens“! Sie kam plötzlich mit viel lautem Geschnatter aus dem Schilf hoch geflogen. Man, hab ich mich wieder erschreckt! Mein Mädchen war aber ganz stolz auf mich. Weil ich nämlich wieder – wie bei Cerberus – nur einen Satz gemacht habe und dann stehen geblieben bin. So macht man das, sagt sie. Erschrecken kann sich schließlich jeder! Das ist ganz normal. Die blöde Ente hätte ja auch still sitzen bleiben können!

Als wir dann also wegen der ganzen Erschrecker-Viecher schon ordentlich Puls hatten, kam der erste Berg. Puh, ich hatte irgendwie vergessen, wie steil das da bergauf geht! Als wir oben waren, meinte mein Mädchen zum Mann, die ursprünglich geplante Route wäre wohl etwas zu viel für unsere mangelnde Fitness und wir sollten lieber etwas abkürzen. Ja, das ist allerdings ganz in meinem Sinne! Also ein Stück den Berg wieder runter. Aber dann nochmal rechts ab, den Berg wieder rauf! Man, man, man, das ist auch echt viel Arbeit, mein Mädchen da hoch zu schleppen! Aber es lohnt sich doch immer wieder. Denn oben ist die schöne Aussicht und eine traditionelle Graspause! Und weil Diego und ich schon so schwitzig und etwas schnaufig waren von dem ganzen Bergsteigen, war es eine ziemlich ausgiebige Graspause.

Aussicht und Gras, das hat auf dieser Runde Tradition.

Danach haben wir dann den Heimweg angetreten und die Menschen haben beschlossen, dass wir jetzt wieder öfter die Bergtour reiten. Für die Fitness! Auf dem Rückweg haben wir noch das eine oder andere seitwärts geübt und mein Mädchen war voll entzückt, wie gut ich das jetzt schon kann.

Zu hause gab es erst mal eine Verschnaufpause und dann kam mein Mädchen wieder mal Puls messen. Das macht sie ja gelegentlich, weil sie wissen will, was da so für Werte zustande kommen. Diego 36, ich 40. Macht aus dieser Information was ihr wollt, ich habe keine Ahnung. Mein Mädchen sagt, die hat sie auch noch nicht, aber sie will Daten sammeln, damit sie irgendwann Ahnung hat. Ok, so lange es fürs Puls messen Kekse gibt, soll es mir recht sein. Morgen haben wir frei und lassen unsere Muskeln wachsen während mein Mädchen fleißig arbeiten geht um unser Futter zu bezahlen.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel im Fitnesstraining

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 335

Mein Mädchen bekommt immer mal ängstliche Nachfragen, ob ich denn jetzt wieder ganz gesund bin. Ja bin ich! Wirklich wahr. Und mit Gatsbys Hilfe trainiere ich mich jetzt wieder zur alten Fitness auf. Spielen, spielen, spielen! Gestern kam mein Mädchen und wollte eigentlich „Rumstehtraining“ mit mir machen. Ich hatte aber Lust, mit Gatsby zu spielen. Also durfte mein Mädchen nicht rumstehen, denn wenn ich mich bewege muss sie sich auch bewegen. So sind die Regeln im Rumstehtraining! Sie hat versucht, die Kamera trotzdem ruhig genug zu halten um für euch ein schönes Video zu machen.

spielen, spielen, spielen!
Anschließend gemeinsam rumstehen.

Nach dem Spielen stehen wir dann immer noch ein bisschen zusammen rum, Gatsby und ich. Mein Mädchen lacht immer, wenn wir so stehen. Wir zwei wären „ein Kopp und ein Arsch“ sagt sie dann immer. Wir sind eben Schottenkumpel! Jetzt wo ich etwas erwachsener bin und mich schon gut auskenne im Leben brauche ich nicht mehr den ganzen Tag hinter Diego her laufen und ihm alles nachmachen. Ich weiß ja, was er so macht und wie das geht. Ich bin jetzt lieber mehr mit Gatsby zusammen, der hat nämlich schön viel und oft Lust zu spielen! Und er kann das voll gut. Und gerade jetzt muss ich ja sehen, dass ich meine Muskulatur wieder auf Vordermann bringe! Und Diego genießt derweil seine Ruhe.

Euer wirklich wieder vollständig gesunder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 334

Na sowas, mein Mädchen und ich haben doch glatt einen Jahrestag verpasst! Am 27.2.2022 habe ich mein Mädchen nämlich zum ersten Mal ein Stückchen durchs Gelände getragen. Seitdem sind ein paar Kilometer dazu gekommen, nach unserer Schätzung ungefähr 230km, die ich sie getragen habe. Dazwischen noch eine Menge, die sie zu Fuß gegangen ist (geschätzte 380km). Mein Mädchen meint, dieses Verhältnis darf sich gerne noch verschieben. Sie möchte nämlich lieber getragen werden als zu Fuß gehen und ich bin da ganz bei ihr – zu Fuß ist sie einfach zu langsam. Sicherlich wird sie immer mal ein Stück zu Fuß gehen – um ihre Füße aufzuwärmen im Winter oder um meinem Rücken eine Pause zu geben oder weil eine Situation zu gruselig ist für sie (oder mich). Aber die meiste Zeit möchte sie doch lieber, dass ich sie trage.

Auf den ganzen Kilometern, die ich sie getragen habe, habe ich nie was falsch gemacht, sagt mein Mädchen. Und sie ist verdammt stolz auf mich. Manchmal hatte sie Angst oder hat sich Sorgen gemacht, aber es war immer grundlos. Ich hab mich zwar ein paar mal erschreckt, zum Beispiel vor Bären, Vögeln oder Ungeheuern aber ich habe immer für sie gesorgt und sie nie verloren. Manchmal hatte ich etwas mehr Energie als ihr lieb war, aber auch dann habe ich mich immer anständig benommen. Wenn ich Probleme hatte oder müde war, hab ich das immer angemessen und verständlich geäußert. Voll erwachsen halt.

Wir sind mit Sattel unterwegs gewesen und mit Reitpad, mit Gebiss und ohne, bei Regen, bei Sonne, bei Schnee und bei Mücken. Im Schritt, im Trab und ein bisschen sogar schon im Galopp! Was auf der Liste noch fehlt ist alleine ausreiten und gemeinsam galoppieren (bisher bin ich nur galoppiert, während Diego getrabt ist. Mein Mädchen fürchtet, ich könnte es sonst als Wettrennen verstehen….. ).

Auf dem Reitplatz haben wir nur ungefähr 25 mal Reiten geübt und das immer nur ganz kurz. Dort machen wir lieber noch Handarbeit und andere schöne Sachen, meint mein Mädchen. Weil man auf dem Reitplatz immerzu um die Kurve gehen muss und das ist mit Reiter auf dem Rücken doch komplizierter als ich dachte! Dafür brauche ich Kraft, sagt mein Mädchen, und Balance. Aber ich komme schon noch dahinter und ich bin dem an diesem Sonntag auch ein gutes Stück näher gekommen, als ich kapiert habe, wie ich meinen Rumpf anheben kann und dass laufen dann leichter wird.

Also bin ich jetzt wohl so ganz richtig, echt und ehrlich ein Reitritter. Und wir beide – mein Mädchen und ich – sind sehr zufrieden damit.

Euer Mädchen-Träger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 332

Sonntaaaaaag! Also Ausflugstag!

Meine Lahmheit ist weg und die Schwellung auch. Fast, sagt mein Mädchen, aber ehrlich, jemand anders würde da sicherlich keine Schwellung mehr sehen. Also hat sie beschlossen, ich bin wieder fit. Eher gesagt: sie hat das beschlossen, als sie mich hat spielen sehen. Ich steige zwar noch nicht wie vorher, aber ansonsten kann ich den anderen schon wieder prima auf die Nerven gehen. Und das heißt: ein schöner Ausflug zum Austoben ist angesagt! Weil meine Kumpel ihr schon wieder leid tun.

Also ab in die Wackelkiste und in den Wald. Da unser Testsattel noch nicht da ist, musste wieder das Reitpad her halten. Alles angetüdelt. Dann stellt mein Mädchen sich auf die Aufsteigehilfe und sagt ich soll rankommen. Nun bin ich ja normalerweise Gentleman, parke ordentlich ein und warte, bis sie meinen Rücken erklommen hat. Aber wenn es ans Ausreiten geht, hab ich die Geduld einfach nicht. Dann gehe ich gemachen Schrittes einfach ganz nah an der Aufsteigehilfe vorbei. Genau so, dass mein Mädchen mit einem beherzten Beinschwung präzise auf meinem Rücken landen würde. Ich könnte dann einfach schon weiter gehen. Aber jedes mal meint sie, so jung ist sie nicht mehr und es ist Winter und sie hat zu viel an. Also soll ich anhalten. Herrje, wann geht es denn nun endlich los? Der Mann meint, im früheren Leben hätte ich bestimmt beim Pony-Express gearbeitet. Die haben nie angehalten zum aufsteigen! Der Gedanke gefällt mir. Könnte ich mal auf die Liste meiner Berufswünsche schreiben!

Als mein Mädchen dann eeeeeeendlich aufgestiegen war, konnte es los gehen. Wollen wir nicht mal wieder schön ausgiebig traben, mein Mädchen? Ja, wollen wir. Aber bitte erst wenn sie es sagt. Menno. Sie hat es dann aber alsbald gesagt und schon ging es los. Mein Mädchen happy, ich happy. Im Wald war heute absolut niemand außer uns. Trab, Schritt, Graspause mit Absteigen, dann ist sie ein Stück zu Fuß gegangen. Dann das ganze von vorn.

Plötzlich, wie ich so am traben bin, sagt mein Mädchen „wow, super!“ und ich wusste auch was sie meint. Irgendwas hab ich plöztlich anders gemacht mit meinem Körper. Mein Mädchen meint, ich hätte meinen Rumpf angehoben. Jedenfalls war es plötzlich leichter, große Schritte zu machen. Mein Mädchen war hin und weg. Sie meinte, ich bin ja so schon gut zu sitzen im Trab, aber wenn ich so schön trabe, dann ist es wie schweben. Da hatte sie ganz viele Herzchen in den Augen! (Ich kann das ja von unten nicht sehen, aber fühlen kann ich das ganz genau!)

Am Ende der Tour ging es noch ein bisschen im Galopp, juhuuuu! Der Mann ist flott vorne weg getrabt und immer wenn wir etwas Abstand hatten, hat mein Mädchen gesagt, ich darf galoppieren. Bitte langsam, sonst hat sie Sorgen dass es mit mir durch geht. Ok! Kann ich. Und – zack! – Mädchen noch glücklicher als vorher.

Bilder vom Ritt gibt es keine, mein Mädchen war damit beschäftigt, im Kreis zu grinsen.

Wir waren genau rechtzeitig wieder an der Wackelkiste als gerade der Schneeregen los ging. Jetzt sind wir alle glücklich und träumen schon von den langen Touren im Frühling!

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 331

Gestern hat mein Mädchen meinen Schweif angeschaut und gesagt „Deine Glückssträhne ist da ja immer noch drin, das ist schön“. Und dann haben wir vereinbart, dass wir euch von meinen Glückssträhnen erzählen.

Das kam so: heute vor 4 Wochen bin ich zum zweiten Mal ins Pferdekrankenhaus gekommen. Es ging mir soooo mies, ich mochte nicht essen und ich wollte am liebsten gar nicht angefasst werden. Ich wurde schon sauer, wenn jemand mit dem Halfter kam! Mein Mädchen wusste aber, dass das nur bedeuten kann, dass es mir schlecht geht. Wir sind also ins Krankenhaus gefahren und da bin ich von oben bis unten untersucht worden. Weil die Tierärzte nicht ganz sicher waren, ob ich ansteckend bin, musste ich dann auf die Isolierstation. Da ist man ganz allein! Und mein Mädchen hat sich große Sorgen gemacht. Um meine Gesundheit, aber auch um meine Seele. Darum hat sie sich was überlegt. Sie hat zu hause meine 4 Kumpel mit Handtüchern abgerieben, damit die gut riechen. Dann hat sie mir die Handtücher mit in die Klinik gebracht und an meiner Box drapiert. So hat es ein bisschen nach zu hause gerochen, das war toll!

Schade dass ihr es nicht riechen könnt!

Der Mann hat Diego zwei Haarsträhnen geklaut und dann haben sie mir eine davon in die Mähne geflochten und eine in den Schweif. Weil man manchmal nicht mit einer Glückssträhne auskommt, hat mein Mädchen gesagt, sondern zwei braucht. Anscheinend hat es ja geholfen, denn ich bin ja dann ganz schnell wieder gesund geworden.

Eine Glückssträhne (bzw zwei) war genau das was ich dringend brauchte!

Jetzt trage ich meine Glückssträhnen mit Stolz so lange sie noch halten. Und die Klinik will ich am liebsten nie wieder von innen sehen, ehrlich gesagt. Da ist mein Mädchen ganz bei mir. Wir vergessen das alles jetzt am besten ganz schnell und genießen unser Leben.

Alles vergessen und das Leben genießen. Ich bin jeden Tag etwas besser drauf!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit den zwei Glückssträhnen

Häppchen

Wie isst man einen Elefanten? Nun, die ethisch korrekte Antwort lautet: gar nicht. Dennoch ist der arme Elefant immer das Beispiel an dieser Stelle und die Antwort lautet immer ähnlich: indem man ihn in mundgerechte Happen zerlegt.

Nach meinem frustrierenden Unterrichtserlebnis tat ich, was ich immer tue: ich habe andere mit meinem Frust genervt. Erst Arnulf, dann meine Freundin, dann noch ein paar andere. Habe wieder und wieder gefragt „bin ich zu blöd mich klar auszudrücken? Warum kriege ich keine Antwort auf meine Fragen? Warum fühle ich mich so unfähig?“ Meine Freundin hatte die passende Antwort: wenn Du es nicht kapierst, hat die Reitlehrerin es nicht kleinschrittig genug aufgebaut. Und da hatte sie exakt einen der Punkte getroffen, warum ich so frustriert war. Denn entgegen der Aussage, die meine Lehrerin in der Stunde getätigt hat („die Methode ist extrem kleinschrittig“) waren da ganz schön viele Schritte auf einmal, die Duncan und ich bewältigen sollten:

  • die Zügelführung war für uns beide neu
  • Duncan war damit überfordert, das langsame Tempo so lang zu halten
  • ich sollte, wenn er zu schnell wurde und zu weit nach vorn kam, anhalten und dann selbst wieder in die korrekte Position gehen. Das kennt mein Pony aber nicht, dass er steht und ich direkt neben ihm zwei Schritte vor gehe. Er geht dann mit los. Und auch mein Warte-Kommando hat in dieser Situation nicht gut funktioniert, weil wir es in der Form noch nie verwendet haben. Allein das hätte ich erst mal kurz üben müssen, damit es klappt
  • für mich war die Körpersprache die ich verwenden sollte, neu
  • für mich war auch allein die Tatsache, online Unterricht zu haben, neu. Nur den Knopf ihm Ohr, niemand zu sehen, das war schon ungewohnt genug.
  • die Orientierung auf dem Reitplatz war für mich kompliziert (bis ICH das Problem über Hütchen gelöst habe. In meinen Augen wäre es der Job der Reitlehrerin gewesen, das vorzuschlagen, zumal sie sagte, ich sei nicht die erste mit diesem Problem.)

Und während wir mit all diesen Dingen beschäftigt waren, sprudelte über den Knopf in meinem Ohr ein Fluss von Informationen auf mich ein. Derweil hat Online-Unterricht einen großen Nachteil: das Pferd weiß nicht, wann die Reitlehrerin lobt. Ich muss als Schülerin immer gut aufpassen, dass ich das Lob entsprechend weiter gebe, obwohl ich so sehr mit mir selbst beschäftigt bin.

Alles in allem war ich komplett überfordert. Vor mir stand ein Elefant und ich sah mich nicht in der Lage, ihn zu essen. So richtig klar wurde mir das aber erst nach dem Hinweis meiner Freundin. Für mich als Unterrichtende ist das eine durchaus heilsame Erfahrung gewesen. Oft stehe ich in der Mitte und denke „klappt doch, lass mal weiter gehen“ und übersehe, dass Pferd und Mensch bereits am Limit sind. Oder dass das Pferd zwar bereit wäre für die nächste Stufe, der Mensch aber nicht so weit ist. Wenn man daneben steht und all die Schritte schon so oft gegangen ist, kommt die Aufgabe einem nicht mehr so schwer vor. Oder wie Amanda Barton einmal so schön sagte: es ist sehr leicht, ein Pferd zu reiten, so lange man auf einem Stuhl sitzt.

Einen Tag nach diesem Erlebnis war ich selbst dann wieder die Reitlehrerin und habe die bisher ungewöhnlichste Reitstunde meines Lebens gegeben. Eine Schülerin bat mich, ihr Pony im Gelände zu reiten, während sie neben uns her läuft. Nicht, weil das Pony ein Problem hätte – er ist wunderbar artig und absolut geländesicher – sondern weil die Besitzerin eine Erinnerung mit sich herum trägt. Die beiden sind vor Jahren mal gemeinsam gestürzt und diese Erfahrung hat sich nicht beim Pony, wohl aber beim Menschen im Gehirn eingenistet und ihr Unwesen getrieben. So etwas passiert. Nun gehen die beiden zwar ausreiten, aber nur im Schritt und wenn eine Bodenunebenheit zu sehen ist, hört die Reiterin auf zu atmen. Sie hatte sich überlegt, dass es ihr helfen würde, einmal von außen sehen zu können, wie ihr Pony im Gelände aussieht und wie es sich bewegt. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen, während das Pony und ich jede Bodenunebenheit aufsuchten, die wir finden konnten. Es zeigte sich, dass er inzwischen trittsicher und geschmeidig überall durch kommt und sich dabei auch noch pudelwohl fühlt. Die Aktion war extrem erfolgreich: nur wenige Tage später bekam ich eine Nachricht, dass sie auch ausreiten war und sich nun, meiner Empfehlung folgend, Schritt für Schritt an das Thema heran pirscht. Voller Erstaunen sagte sie mir „ich fühle gar nicht, dass der Boden uneben ist“. Neee, hatte ich auch nicht gefühlt. Bester Beweis dafür, dass das Pony damit klar kommt.

Ihre Art, den Elefanten zu zerteilen, mag ungewöhnlich sein, aber so lange sie erfolgreich ist, kann uns das doch egal sein oder? Und ich habe gelernt, welche Optionen es noch so gibt, Häppchen kleiner zu machen. Manchmal denke ich, wenn man Pferde ausbildet, ist das eigentlich die Hauptarbeit: Häppchen noch kleiner machen. Bis sie schließlich mundgerecht sind. Im Gegensatz zu einem echten Elefanten ist es übrigens bei der Pferdeausbildung meist so, dass es schneller geht, wenn man kleinere Häppchen nimmt. Der Elefant schrumpft dann quasi in sich zusammen, manchmal wird fast schon eine Mücke daraus. Wie ich jetzt gelernt habe, merke ich selbst manchmal zu spät, dass Happen zu groß serviert wurden. Darum erneut meine Bitte an alle, die bei mir Unterricht nehmen: tretet auf die Bremse, wenn ich Euch zu schnell bin. Haltet mir das symbolische Messer hin und sagt „bitte kleinere Happen draus machen“.

In meinem Fall habe ich mich übrigens aus verschiedenen Gründen entschieden, diesen speziellen Elefanten nicht zu verspeisen. Nicht jeder Elefant ist für uns gedacht. Hoch erhobenen Hauptes wenden Duncan und ich uns ab und sagen „nein, danke“. Und ich bin verdammt stolz auf mein Pony, der das gigantische Chaos wunderbar erwachsen ausgehalten hat, nicht wütend und verzweifelt wurde, sondern sein Bestes gegeben hat, während ich wirr und abgelenkt war. Und ich beneide ihn darum, dass er nicht tagelang brütet, was er wohl falsch gemacht hat, warum er nicht verstanden wurde und warum er keine Antworten auf seine Fragen bekommen hat. Er geht zu seinen Kumpels, kneift irgendwen, lädt so seinen Frust ab und danach ist alles wieder gut. Und mir verzeiht er spätestens beim nächsten längeren Ausritt.

Ein paar solcher Pannen haben wir sicherlich immer gut bei unseren Pferden. Wenn es ab und zu mal nicht klappt, ist das nicht schlimm, so lange wir in 90% der Fälle darauf achten, Elefanten in mundgerechten Häppchen zu servieren.

Mahlzeit!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 330

Nach dem ganzen kastrieren und krank sein und rum stehen bin ich nicht mehr so recht in Form. Es gab dann auch noch ein kleines Missgeschick, bei dem ich mir meine Rückenmuskeln ordentlich gezerrt habe und so bin ich jetzt ein wenig steif und unfit. Ich kann zwar so normal rum laufen und auch mein Mädchen mal ein Stück im Schritt geradeaus durchs Gelände tragen, aber wenn ich mit Gatsby spiele, dann mag ich noch nicht wieder so richtig Gas geben und auf dem Reitplatz im Trab an der Hand bin ich auch noch nicht wieder ich selbst. Deswegen hat mein Mädchen mir neben der üblichen Gymnastik ein Spezialprogramm verschrieben. Dazu hat sie den Mann geholt, der ist ja unser Haus- und Hof-Osteopath und kennt sich aus. „Der Osteopath im Haus ersetzt die Axt“ sagt mein Mädchen dann immer und kichert. Der Mann hat meine Muskeln angegrabbelt und meinem Mädchen gezeigt wo und wie sie mich massieren kann. Mein Job war, Rückmeldung zu gehen: Aaaaaaaah da ist es gut! Autsch! Da nicht so fest!

Außerdem soll ich auch noch ein paar Dehnübungen machen. Dann hält mein Mädchen mein Bein hoch und ich kann mich da so rein-entspannen. Hat einen Moment gedauert bis ich das kapiert hab, aber dann war es toll. Mein Mädchen meinte, sie bricht gleich zusammen, weil ich mich so entspannt hab und so schwer wurde. Mir egal, sie ist schließlich schuld an der Misere. Ich hab nicht darum gebeten, kastriert zu werden! Soll sie mal machen.

Außerdem zieht sie mir jetzt nach der Arbeit manchmal für eine Weile Merlins Spezial-Decke drauf. Die ist zwar bisschen groß für mich, aber sie wärmt die Muskeln so schön durch.

Gemütlich. Bisschen wie der Schlafanzug von großen Bruder.

Und mit dem guten Programm und ein bisschen Geduld bin ich bald wieder ganz fit, sagt der Mann. Und der muss es wissen, oder?

Euer Sir Duncan dhu of Nakel mit Verwöhnprogramm

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 329

In meinem Intimbereich, da wo sie kürzlich an mir herum geschnippelt haben, ist noch eine kleine Schwellung. Der Tierarzt hat meinen Mädchen gesagt, sie soll das „aggressiv beobachten“. Und wenn mein Mädchen irgendwas kann, dann das! Ihr glaubt gar nicht, wie oft sie da jetzt hin schaut. Und rum fühlt. Und Fieber misst. Und ständig macht sie Fotos! Dabei ist doch da jetzt gar nichts mehr zu sehen, das ist doch weg!

Aber es hat auch gute Seiten. Es gibt nämlich dauernd Kekse, ohne dass ich was dafür tun muss. So oft, dass mein Mädchen jetzt meint, ich wäre voll verwöhnt und würde das betteln anfangen. Aber ich kann halt auch so süß betteln, dass sie gar nicht nein sagen kann – weil sie so froh ist, dass ich hier bin und es mir gut geht. Weil mich die kleine Schwellung nämlich gar nicht stört, mir ist die egal.

Außerdem hat sie beschlossen, dass ausgiebig Schritt gehen das Mittel der Wahl ist und deswegen waren wir gestern 2 Stunden draußen unterwegs und haben 10km geschafft. Immer abwechselnd laufen und reiten, aber nur Schritt. Weil mein Mädchen findet, ich soll sie noch nicht wieder im Trab tragen aber im Trab neben mir her laufen kann sie ja auch nicht, weil sie sooooooo langsam ist. Naja, so sind wir also mit Diego und dem Mann los gezogen. Direkt an der ersten Ecke, kurz vorm Dorf, hat Diego plötzlich eine Vollbremsung hingelegt. Er fürchtet sich ja wirklich selten, aber diese riesigen Dinger, die da so in Lauerposition standen, fand er doch bemerkenswert. Der Mann hat ihm dann gesagt, dass er doch ruhig gucken gehen kann und das hat er gemacht. Ich hab dann beschlossen, dass Diego das schon regelt und bin einfach entspannt an den Maschinen vorbei gegangen.

Diego schaut sich das erst mal genau an.

Dann hab ich erst kapiert was die da machen: die erneuern unsere Galoppstrecke! Mein Mädchen meint, das ist der Radweg und nur weil wir da unsere ersten Galoppversuche illegaler weise getätigt haben (natürlich nur als weit und breit niemand zu sehen war), ist das noch lange nicht „unsere Galoppstrecke“. Das sehe ich aber anders! Und habe gleich mal angemerkt, dass ich das mit dem Schritt gehen voll blöde finde. Naja, keine Chance.

Schau nur, mein Mädchen, die machen unsere Galoppstrecke neu!

Dann kamen wir ins Dorf zum Landgasthof. Mit dem stehen wir irgendwie auf Kriegsfuß, da sind ständig komische Sachen. Diesmal waren da Kinder, die in so einem Wagen von ihren Eltern geschoben wurden und sehr laut geschrieen haben. Ich hatte mich gerade entschlossen, dass das ok ist, und war mutig vorbei gegangen, als die Kinder plötzlich aus dem Wagen raus gefallen sind und RICHTIG laut am Kreischen waren! Da hab ich doch mal einen gehörigen Satz gemacht vor lauter Schreck. Danach konnte ich zwar artig Schritt gehen, aber ich war doch etwas aufgeregt und fand plötzlich alles gruselig. Hat eine Weile gedauert, bis ich wieder wirklich entspannt war.

Dann durch den Wald nach Kleinvollstedt. Dort hat Diego mitten auf der Straße geäppelt. Mein Mädchen hat es eingetütet und bei einem Briefkasten abgelegt. Seit wann macht sie denn so was? Sie sagte, da wohnt eine Schülerin von ihr, die nimmt das bestimmt für uns mit zu ihrem Misthaufen. Weil mein Mädchen zu faul war, es mit zu schleppen. Tsssssss, ich sag es ja, sie ist faul!

Ich war mittlerweile schon deutlich entspannter und mein Mädchen ganz fröhlich. Noch fröhlicher wurde sie zu hause, als sie gesehen hat, dass die Schwellung deutlich kleiner geworden ist von dem ganzen Schritt gehen. Sie sagt, wenn die Schwellung weg ist, erklärt sie mich für endgültig geheilt, dann darf ich auch wieder mit ihr oben drauf traben. Das ist doch mal ein Anreiz! Außerdem droht sie mir immer, dass sie mit dem Gartenschlauch kommt und das kühlt, wenn ich es nicht allein hinkriege. Bei dem Wetter willst du mir mit kaltem Wasser ans Gemächt? Spinnst du? Das lassen wir mal schön. Gut, es liegt an mir, sagt sie. Ich werde mich also bemühen. Bald bekommen wir nämlich einen Testsattel und da muss ich doch fit sein für die Anprobe!

Euer fast vollständig geheilter Sir Duncan Dhu of Nakel

An die Reitschülerin

Ich habe diesen Artikel komplett in der weiblichen Form geschrieben. Ich arbeite fast ausschließlich mit Frauen, die Männer (Schüler wie Reitlehrer) mögen sich bitte mit angesprochen fühlen.

Liebe Reitschülerinnen,

ich wende mich heute mit einer Bitte an Euch. Dabei ist es egal, ob Ihr bei mir Unterricht nehmt, oder bei jemand anders.

Ich selbst habe neulich Unterricht genommen, der mich sehr frustriert zurück ließ, was mich veranlasst hat, noch einmal genauer darüber nachzudenken.

Viele Reitlehrerinnen beschäftigen sich den ganzen Tag mit Pferden und nur wenig mit der Kommunikation von Mensch zu Mensch. Viele Reitlehrerinnen haben selbst nie guten Unterricht genossen – wobei ich mit „gut“ nicht meine, welche Methode unterrichtet wird und wie qualifiziert die Lehrperson im Umgang mit Pferden ist, sondern wie gut das Wissen an den Menschen vermittelt wird. Viele, die Reitunterricht geben, sind selbst sehr talentiert im Umgang mit Pferden und im Reiten. Das bedeutet leider, dass sie erst lernen müssen, weniger talentierten und geübten Reiterinnen etwas zu vermitteln. Nicht jede Reitlehrerin kann das und nicht jede findet es wichtig – deswegen hier meine erste Bitte: sucht Euch eine Reitlehrerin, die nicht nur mit Pferden arbeiten möchte, sondern auch wirklich Spaß am Unterrichten hat. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, denn am Anfang meiner Hufpflegekarriere habe ich den Menschen eher als notwendiges Übel empfunden. Am liebsten hätte ich mich nur mit den Pferden beschäftigt. Unterrichten wollte ich nie, denn es erschien mir wie der frustrierendste Job der Welt: man sagt der Reitschülerin was sie machen soll, sie kann es aber nicht umsetzen und also sagt man es immer wieder. Völlig hirnlos.

Erst als ich 2009 zum ersten Mal Amanda Barton beim Unterrichten zusehen durfte, fiel bei mir der Groschen. Ab diesem Moment fing ich an, mich für die andere Hälfte der Pferd-Mensch-Beziehung zu interessieren. Ich fing an, mich im Bereich Kommunikation fortzubilden und ich begann, zu unterrichten. Ganz sicher haben einige Schülerinnen unter mir gelitten, wofür ich mich in aller Form entschuldigen möchte. Noch heute sage ich von mir selbst „es gibt zwei Arten von Schülerinnen, die einen halten mich aus, die anderen habe ich nicht lang“. Ich habe ein loses Mundwerk, das manchmal mit mir durchgeht und ich lache gern laut und viel. Und ich habe – so wird mir zumindest gesagt – eine recht direkte Art zu kommunizieren. Bei der Arbeit mit Ponys ist das übrigens ein großer Vorteil!

Ich bemühe mich, Dinge immer so positiv wie möglich zu formulieren. Wenn ich etwas kritisiere, zeige ich (hoffentlich!) immer einen Lösungsweg auf. Natürlich habe ich aber auch mal schlechte Tage und sicher bin ich nicht immer sensibel genug um die Sorgen meiner Schülerinnen wahr- und ernst zu nehmen. Daher meine dringende Bitte an Euch alle:

Helft mir und meinen Kolleginnen, Euch gut zu unterrichten! Wenn Ihr etwas nicht versteht, fragt nach. Wenn Ihr es dann immer noch nicht versteht, fragt wieder nach. Fragt so lange nach, bis Ihr eine verständliche Erklärung bekommen habt. Wenn jemand die Frage immer auf die gleiche Art (oder womöglich gar nicht) beantwortet, habe ich schlechte Nachrichten für Euch: diejenige ist nicht in der Lage, die Antwort anders zu formulieren oder versteht eure Frage nicht. Dann würde ich Euch raten, die Antwort woanders zu suchen. Aber gebt der Gefragten mehrfach die Chance, es umzuformulieren. Menschen kommunizieren und denken unterschiedlich und manchmal muss man sich darauf erst einstellen. Wird aber eine Frage auch nach mehrmaligem Stellen nur ausweichend beantwortet, dürft Ihr schon mal skeptisch werden.

Viele Reitlehrerinnen sind selbst in Systemen groß geworden in denen Menschen unterbewusst ständig suggeriert wird, dass sie zu dumm sind, ihr Pferd zu schlecht und/oder dass das sowieso nie was wird. Früher war es üblich, (Reit)schülerinnen klein zu halten. Heute sollten wir es besser können. Wenn Ihr Euch im Reitunterricht dumm und unfähig fühlt, dann stimmt etwas nicht. Sprecht mit Eurer Reitlehrerin darüber. Es ist ihr Job, Euch und Eurem Pferd zu helfen. Du und Dein Pferd, Ihr sollt beide stolz und zufrieden aus dem Unterricht gehen – zumindest meistens, schlechte Tage gehören natürlich auch mal dazu. Es darf keine Monate des Frusts dauern, bis Ihr erste, zarte Fortschritte merkt. Eine gute Reitlehrerin kann Euch spätestens in der zweiten oder dritten Reitstunde da abholen wo Ihr steht und das heißt, dass Ihr merkt, dass es besser wird (völlig egal, was das Thema ist). Besser werden heißt nicht, dass Probleme weg sind, aber dass Ihr versteht, worum es geht und Übungen an der Hand habt, die Ihr selbständig nacharbeiten könnt.

Reitlehrerinnen muss man ausprobieren. Traut Euch, das zu tun und bleibt dann nicht dabei, nur weil Ihr nicht absagen mögt. Die Chemie muss stimmen, sonst hilft es alles nix.

Wenn Ihr in manchen Situationen Angst habt oder Euch Sorgen macht um Euer Pferd, dann sprecht mit Eurer Reitlehrerin darüber. Wenn sie darüber hinweg geht und Euch oder Euer Pferd in angsterfüllte Situationen „hinein schubst“ ohne das entsprechend zu begleiten: sucht Euch bitte jemand anders.

Wenn Schritte zu groß sind und nicht bewältigbar erscheinen, bittet darum, dass sie in kleinere Häppchen zerlegt werden. Wer Pferde ausbildet, sollte das können. Natürlich ist nicht immer alles leicht zu lernen. Viele Dinge erfordern einfach Übung. Lernfrust gehört dazu. Fragt Euch dann: „Fühle ich mich von meiner Reitlehrerin unterstützt oder ist sie eigentlich diejenige die den Frust erzeugt?“

Habt keine Angst davor, solche Dinge anzusprechen. Manchmal merken wir Reitlehrerinnen etwas nicht und sind dann nur allzu dankbar, wenn wir einen Hinweis bekommen. Wir sind schließlich auch nur Menschen. Und wir wollen ja auch gern lernen und besser werden.

Macht Euch klar, was Ihr mit Eurem Pferd erleben, erreichen und tun wollt. Wie soll Eure Beziehung sein, was ist wichtig für Euch und wo geht es vielleicht um die Gesundheit Eures Pferdes oder um Sicherheit für alle Beteiligten? Formuliert Euer Anliegen möglichst klar. Sucht Euch die passende Lehrerin für Euer Thema. Viele meiner Schülerinnen nehmen parallel noch anderen Unterricht, auch das ist völlig ok, denn eine Reitlehrerin kann nie alles wissen und können.

Und das aller wichtigste: habt Spaß am gemeinsamen Lernen mit Eurem Pferd. Auch dabei sollte Euch Eure Lehrerin unterstützen.

Ich danke all meinen Reitschülerinnen für die vielen schönen Stunden, die wir gemeinsam mit Euren Pferden schon verbracht haben. Ich danke Euch für Euer Vertrauen, Eure Ehrlichkeit, Eure Hingabe an Euer Pferd. Danke, dass Ihr so oft mit mir lacht und Euch freut. Danke, dass Ihr mit mir zusammen stolz feiert, wenn Euer Pferd etwas gut gemacht hat. Danke, dass Ihr stets und ständig das Wohlbefinden Eures Pferdes mit im Blick habt. Danke an alle, die mich ausbremsen, wenn ich zu schnell voran gehen will. Danke für alles wo Ihr mich missversteht, Ihr helft mir, zu lernen, es besser zu erklären. Danke für jede einzelne Eurer Fragen. Danke auch für Eure vielen Antworten, die ich weiter trage zu anderen Schülerinnen. Es ist toll, mit Euch und Euren Pferden arbeiten zu dürfen!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 328

Mein Mädchen baut ja gern mal was auf, wenn wir auf dem Reitplatz üben. Meistens ergibt sich dann der Laufweg auch direkt von allein. Aber was soll das für ein Aufbau sein? Gestern nachmittag hat sie sich da lange mit beschäftigt. Ist hin und her gelaufen, hat die blauen und gelben Dinger durch die Gegend geschubst, kritisch geguckt, wieder zurück geschubst. Schließlich war sie wohl zufrieden. Ich habe sie die ganze Zeit genau beboachtet. Wir waren aber vorher schon auf dem Reitplatz gewesen und hatten was gemacht und leider, leider war ich dann doch nicht nochmal dran.

Heute hat sie dann ihr Handy auf den Hocker gestellt und sich einen Knopf ins Ohr gesteckt. Dann hat sie mich geholt und gesagt, wir hätten jetzt Unterricht. Ja? Wo ist denn die Reitlehrerin? „Da im Handy“, sagt mein Mädchen „und in meinem Ohr“. Na jetzt geht es aber los! Was soll das denn sein? Ich meine, als Hugo bei uns war, den konnte ich wenigstens sehen! Aber ein Reitlehrerin, die ich nicht sehe?

Reiten war auch gar nicht dran, sondern Handarbeit. Bzw so eine spezielle Art des Führens. Immer geradeaus und dann um die Ecke. Gaaaaaaaanz langsam. Und wir durften nur den Teil des Reitplatzes benutzen bis zu den Gassen, weil das Handy nicht so weit gucken kann.

Oha. Das ist ja nicht so ganz meins, muss ich gestehen. Und irgendwie auch viel komplizierter und anstrengender als es aussieht. Mein Mädchen hat so ziemlich durchgehend vor sich hin geflucht, weil sie nicht gefühlt hat, was sie hätte fühlen sollen. Ich hab mich einfach bemüht, alles richtig zu machen. Aber ich sag mal so: wenn mein Mädchen nicht weiß, was richtig ist, woher soll ich es dann wissen?

Also kurz und gut: das war eher chaotisch als irgendwas anderes. Mein Mädchen war nachher ein bisschen fertig mit den Nerven. Ich nicht, weil die Keksrate trotz allem ok war und weil ich ja grundsätzlich ein entspannterer Typ bin als sie.

Jetzt sehen wir mal, wie das wohl so weiter gehen soll. Mein Mädchen meint, eigentlich bräuchte sie jetzt jeden Tag Unterricht, bis sie das fühlt was sie da fühlen soll. Das geht aber aus mehreren Gründen nicht, hauptsächlich Zeit und Geld (weil Merlin und ich in letzter Zeit so viel gekostet haben und dann soll ich ja noch einen Sattel bekommen!). Wie ich mein Mädchen kenne, hat sie aber schon einen Plan geschmiedet, wie wir üben können obwohl sie es nicht fühlt. Manchmal muss sie sich erst aufregen und wieder abregen und dann ganz lang nachdenken aber am Ende kommt doch immer was brauchbares raus. Es bleibt also spannend – stay tuned!

Euer Sir Duncan dhu of Nakel mit der unsichtbaren Reitlehrerin