Alle Jahre wieder

Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder sehr überraschend. Eben war noch November, bunte Blätter an den Bäumen und der Sommer schien gar nicht lange her – bzw er kam nochmal vorbei und bescherte uns viel zu warme Tage im Herbst – jetzt gab es plötzlich Schnee und Frost und – zack! – ist Weihnachten.

Und dann bricht auch gleich wieder die vorweihnachtliche Hektik aus. Alles gerät durcheinander, ich muss Hufpflegetermine jonglieren, den Urlaub vorbereiten, Heu organisieren, möchte Plätzchen backen und ganz nebenbei friert die Tränke zu. Dann stelle ich plötzlich fest, dass Donnerstag ist. Ich wusste das Datum aber nicht den Wochentag. Und Donnerstag ist Blog-Artikel-Tag! Und während es mir sonst fast immer leicht fällt, etwas zu schreiben, ist es diesmal schwer. Mein Gehirn ist überfüllt, ich bin seit Tagen reizüberflutet und ich beobachte an mir selbst, wovon Elsa Sinclair gesprochen hat: dass viele Menschen und Pferde nicht wirklich gut ausruhen können. Oft fallen wir stattdessen nur für eine Weile in Erstarrung, das ist die beste Pause die uns gelingt. Und ich beobachte mich selbst dabei, wie ich am Computerspiel hängen bleibe und nicht mehr weg komme, wie ich trotz Müdigkeit nicht ausschlafen kann und wie mein Gehirn immer wieder erstarrt, Sätze nicht formuliert werden können, Informationen nur im Schneckentempo verarbeitet werden.

Reizüberflutung kennt vielleicht jeder von uns. Jeder hat seine eigenen Grenzen, aber für jeden ist es irgendwann zu viel. Meine persönliche Grenze liegt ziemlich niedrig, schon immer, seid Finlays Tod noch etwas niedriger. Allerdings steigt sie langsam wieder, Duncan sei Dank. Zum Glück habe ich einen Mann und eine Freundin, die mich nicht drängen, die nicht sagen „stell dich nicht so an“, die die Musik leiser drehen wenn ich darum bitte und Aufgaben für mich übernehmen, wenn ich überfordert bin. Viel zu oft in meinem Leben habe ich geglaubt, Dinge aushalten zu müssen, weil andere das ja auch können. Wenn ich heute überflutet bin, denke ich an die Pferde. Oft wird von erlernter Hilflosigkeit gesprochen, aber ich bin nicht immer sicher, ob es das ist. Manchmal ja, aber bei vielen Pferden beobachte ich auch Strategien, mit Reizüberflutung umzugehen, die ähnlich aussehen. Abschalten. Aushalten, erstarren. Manche flippen auch aus. Dieser eine, letzte kleine Reiz, der das Fass buchstäblich zum Überlaufen bringt, kann dann so banal sein. Und vielleicht geht es den Pferden auch so wie mir, wenn ich plötzlich den Wochentag nicht mehr auf dem Schirm habe. Manchmal vergessen sie vielleicht einfach, was sie tun sollen, weil schon so viel anderes auf sie einprasselt.

In diesen vorweihnachtlichen Tagen kann ich sie gut verstehen. Und ich lerne von mir selbst: wenn ich mir etwas Zeit in Erstarrung gönne, bevor ich von mir selbst erwarte, wirklich zur Ruhe zu kommen, ist es einfacher. Denn von der Reizüberflutung in die Entspannung kann ein langer Weg sein und Erstarrung ein guter Zwischenschritt. Und den wähle ich jetzt, bevor ich dann durchatmen kann.

Ich wünsche Euch allen schöne Weihnachtstage, und dass Ihr sie so verbringen könnt, wie es Euch gefällt: mit vielen Reizen und Ablenkungen oder zurückgezogen mit viel Ruhe.

Den Pferden wünsche ich, dass wir lernen, sie noch besser zu lesen. Man sagt, in der Weihnachtsnacht könnten die Tiere sprechen. Eigentlich sprechen sie aber immer, es liegt an uns, zu lernen, sie zu verstehen. Damit wir ihr Leben angenehmer machen können und damit letztlich auch unser Leben angenehmer wird.

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1 Kommentar

  1. Vielen herzlichen Dank für diese offenen Worte. Ich kenne das mit der Erstarrung nur gut genug und bin immer wieder froh wenn ich nicht alleine damit bin. Auch ich brauche viel Ruhe und will mir diese aber nicht immer nehmen, sondern auch den Trubel mit anderen genießen und lande dann in der Erstarrung.
    Lernen ist angesagt, auch dass es nicht immer gleich ist und schlecht vorhersagbar.
    Aber dass das ruhige Zeit mit dem Pony hilft, klappt immer und ist wunderbar!
    Schöne Festtage! Alex

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