Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 315

Dieses Wochenende haben wir einen echten Reitmeister hier! Mein Mädchen sagt, er heißt Hugo. Er steht an der Ecke unseres Reitplatzes und schaut uns zu, wie wir Dinge üben. Er hat eine Peitsche dabei, die er aber nie benutzt, und Leckerlies in der Hand. Ein sehr schweigsamer Geselle ist das! Aber er gibt sehr guten Unterricht. Weil er seine Schüler selbst die Lösung erarbeiten lässt, ist das besonders nachhaltig. Viel besser als wenn einem alles vorgesagt wird. Wenn wir ihn was fragen, dann schweigt er, aber er lächelt dabei so nett, dass uns die Antwort selbst einfällt. Mein Mädchen sagt, wir müssen es ausnutzen, dass er hier ist, denn er hat nur dieses eine Wochenende Zeit für uns. Also üben wir fleißig auf dem verschneiten Reitplatz das reiten – weil mein Mädchen nicht zu Fuß durch den Schnee neben mir her stapfen möchte! Ob ich durch den Schnee stapfen möchte, werde ich nicht gefragt, oder? Aber eigentlich mache ich das ja gern. So lange es nicht zu rutschig wird. Und – ihr ahnt es bereits – so lange die Keksrate stimmt. Da mein Mädchen ja findet, dass ich das alles spektakulär gut mache, stimmt sie übrigens immer.

Hallo, Herr Hugo, Sie sind sehr nett!
Hugo unterrichtet auch Diego und den Mann
Er lächelt immer so nett, aber etwas geheimnisvoll

Nächste Woche soll es ganz viel regnen, dann reist der Reitmeister wieder ab und mein Mädchen sagt, wir gehen mal wieder wippen, das ist ja unsere Lieblings-Regen-Beschäftigung.

So jetzt müssen wir los und uns für unsere Unterrichtseinheit bei Hugo vorbereiten!

Euer unterrichteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 314

Wie ihr ja schon von meinem Mädchen erfahren habt, war der Sattler da. Was zur Folge hat, dass ich jetzt gar keinen Sattel mehr habe. Voll unlogisch, oder? Wir sind jetzt auf der Suche, mein Mädchen und ich. Sie hat mich schon vorgewarnt, dass das noch einiges an Geduld von mir fordern wird, aber dass ich bitte auch immer klar meine Meinung sagen soll zu dem was wir da ausprobieren. Vorerst ist aber mal Weihnachtszeit da passiert jetzt gar nix.

Aber eigentlich wollte ich ja was anderes erzählen, was nur bedingt mit dem Sattel zu tun hat. Es gab nämlich mal wieder Ekelpaste. Dafür muss mein Mädchen immer wissen, was ich wiege, damit sie es richtig dosieren kann. Nun war ich ja im Frühling zuletzt auf der Waage und bin seitdem natürlich tüchtig gewachsen. Also war die Frage, wie viel schwerer ich wohl geworden bin und weil wir keine Zeit hatten, zur Waage zu fahren, hat sie mich vermessen. Dann kann man nämlich angeblich mein Gewicht ausrechnen. In der Praxis kam da aber viel zu wenig raus, naja. Jedenfalls muss man zur Berechnung des Gewichts auch meine Länge messen (ohne Hals). Und was kam dabei heraus? 140cm! Das ist genau das gleiche Maß was ich auch in der Höhe habe! Ich bin also quadratisch, praktisch, gut und mein Mädchen nennt mich jetzt immer ihren Sport-Ritter. Gaaaaaaaanz flaches Wortspiel, mein Mädchen! Aber süß bin ich ja schon (findet sie).

Kurz und gut!

Seitdem schaut sie mich immer an und sagt „man, bist du kurz!“. Ihr fiel dann nämlich auf, dass sie was vergessen hatte. Sie meinte ja immer, ich wachse noch. Ja schon, ein bisschen in die Höhe und ganz viel in die Breite aber wohl nicht mehr in die Länge! (Zumindest nicht viel). Also hat sie jetzt eine klare Ansage, was die Weihnachtsplätzchen angeht, ihr Hintern darf nämlich keinesfalls größer werden als er ist, sonst passt sie nicht mehr auf meinen handlichen Sitzplatz! Das hat sie jetzt davon, wir müssen ja auch immer Diät halten um bei Figur zu bleiben. Pech, mein Mädchen, Pech!

Für die Sattelbestellung hat sie ein paar Fotos von mir gemacht. Dann schaut sie darauf herum und meint, es wäre doch noch eine Menge zu tun, für mich an Wachstum und für uns beide an Training, damit ich ihm wahrsten Sinne des Wortes in Form komme. Na, so lange die Keksrate stimmt, bin ich bekanntlich dabei. Und die Ausflugsrate, versteht sich. Mein Mädchen sagt, mit 4 Jahren darf ich so aussehen, ich soll nur bitte jetzt mal wieder vorne wachsen, das würde sie toll finden. Na gut! Wenn sie mich so lieb fragt…..

Euer quadratischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Online-Konferenz

Heute mit Werbung vorab: Ihr habt mein Inteview noch nicht gehört? Macht nix. Ihr könnt Euch immer noch kostenlos anmelden bei der Weihnachtskonferenz von Herzenssache Pferd und von morgen (Freitag) bis Sonntag sind alle Interviews nochmal frei geschaltet. Dann könnt Ihr alle Trainer noch einmal hören. Meine besonderen Empfehlungen sind die Beiträge von Jule Liebelt, Denra Dürr, Ursula Wimmer, Andrea Bethge, Dzéni Bakac und Osteodressage.

Ich selbst habe nicht alle Interviews gehört, aber in fast alle mal reingelauscht. Was mir extrem auffällt, ist die unterschiedliche Herangehensweise der Ausbilder. Viele haben richtige Präsentationen erstellt, Bilder und Videos beschriftet und erklärt und offensichtlich viel Arbeit in ihr Interview gesteckt. Das ist alles sehr interessant und hochprofessionell. Andere – wie ich – sprechen einfach in die Kamera und gestikulieren dabei höchstens mal ein bisschen.

Viele sind sich ihrer Sache sicher. Dann fällt häufig der Satz „Biomechanisch ist es so, dass….“ Interessant ist, dass danach unterschiedliche Erklärungen folgen. Man scheint sich da eben doch nicht ganz einig zu sein, wie so ein Pferd nun genau funktioniert. Ich kenne das aus der Hufpflege schon seit Jahren: jeder erklärt seine Methode mit der angeblich natürlichen Funktion des Hufes, trotzdem kommen ganz unterschiedliche Bearbeitungen dabei heraus und das witzige ist, dass jede dieser Methode spektakuläre Behandlungserfolge vorzuweisen hat. Für mich ist daher schon lange nicht die Frage, welche Methode die richtigie ist, sondern nur noch, welche die richtige für welches Pferd ist. Ich bin Praktiker, ich muss nicht unbedingt wissen, warum etwas funktioniert, obwohl ich da natürlich schon auch neugierig bin. „Biomechanik“ als Totschlagargument lasse ich nicht mehr gelten. Ganz besonders interessant fand ich einen Moment im Interview mit Ursula Wimmer, die erklärte, warum sie genau das, was alle anderen WOLLEN (nämlich das Auffächern des Widerrists) beim reiten NICHT will. Da haben also zwei Seiten die selbe Auffassung der Biomechanik, interpretieren sie allerdings genau anders herum.

Während alle Ausbilder, deren Interviews ich gehört habe, brav ihre Fragen beantwortet und Dinge erklärt haben, habe ich Geschichten erzählt. Ich habe mich öfter mal geweigert, Fragen direkt zu beantworten und musste im Nachhinein lachen, als ich mein Interview gehört habe. Das ist so typisch für mich, meine Schülerinnen kennen das auch von mir nicht anders. Ich pflege zu sagen „es gibt zwei Sorten von Schülern: die einen halten mich aus, die anderen hab ich nicht lang“. Weil ich mir denke, dass es kompliziert sein kann mit mir. Aber viele finden meine Art unterhaltsam und ich selbst habe in meinem Leben am meisten von den Geschichten gelernt, die mir erzählt wurden. Ich glaube, dass Geschichten eine der natürlichsten menschlichen Arten des Lernens sind – und ich bin in guter Gesellschaft (wenn wir nur mal an die Gebrüder Grimm denken zum Beispiel). Wenn ich es schaffe, eine Geschichte so zu erzählen, dass sie zum Nachdenken anregt, zum Fragen stellen ermuntert und Raum zum Ausprobieren öffnet, dann bin ich zufrieden. Denn da nun wieder im Laufe der Konferenz klar wurde, dass jeder dieser Top-Ausbilder die da ausgefragt wurden, andere Antworten hat (mit Schnittmengen versteht sich) und dass Biomechanik kein vollständig erforschtes, feststehendes Handbuch zur korrekten Pferdebedienung ist, müssen wir alle unsere eigenen Wege beschreiten. Jede wie sie kann und will, jede wie es zu ihrem Pferd und den eigenen Ansprüchen passt.

Einen wichtigen Satz, den Ursula Wimmer zitiert hat, möchte ich allerdings aufnehmen: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Albert Einstein) Wenn also nichts geht, ein Problem sich einfach nicht lösen lassen will mit unseren bisherigen Mitteln, dann dürfen wir mal „out of the box“ denken. Mal jemanden fragen, der eine komplett andere Sichtweise auf die Dinge hat und aushalten, dass uns das merkwürdig vorkommt.

In einem Punkt schienen sich die meisten Interviewten einig zu sein: häufig geht es darum, ob ein Pferd grundsätzlich gesund ist. Dann braucht es nämlich in der Regel gar keine so komplizierte Ausbildung und Spezialtraining. Dann kann man „einfach reiten“ (was kein Freibrief ist für schlechtes reiten!) Dieser Punkt gibt mir vielleicht mehr zu denken als alle anderen, denn ich maule schon seit Jahren, dass wir zu viele kranke Pferde haben. Pferde, die krank gezüchtet werden oder die nicht so aufwachsen, dass sie sich gesund entwickeln können. Pferde, die sich die Beine in den Bauch stehen (selbst in Offenstallhaltung), Pferde die chronisch überfettet und überfüttert sind und dadurch krank werden. Viele Ausbilder haben sich spezialisiert – manche aus eigener Not heraus – auf Pferde mit chronischer Lahmheit. Und ich frage mich, wie viele dieser chronischen Lahmheiten gar nicht erst entstanden wären, wenn wir ein besseres Verständnis von Zucht, Aufzucht, Haltung und Fütterung hätten. Wie viele grundgesunde Pferde wir hätten, wenn schon am Anfang, bei der Auswahl von Stute und Hengst, mehr auf Gesundheit und weniger auf anderes geachtet würde. Wenn mehr Ankaufsuntersuchungen stattfinden würden und das, was dabei heraus kommt, den Kauf auch unter Umständen verhindern würde (wie oft habe ich erlebt, dass Menschen ein Pferd trotzdem kaufen, aus Mitleid oder warum auch immer). Wenn Menschen aufhören würden, die wegen Lahmheit nicht mehr reitbare Stute zur Zucht einzusetzen, wenn Richter aufhören würden, die Pferde mit den spektakulärsten Bewegungen am höchsten zu bewerten, obwohl man ihnen ansieht, dass sie ihm wahrsten Wortsinn nicht gut dastehen – wie viel einfacher könnte unser ALLER Leben sein, vor allem das der Pferde.

Es ist Dzéni Bakac, die in ihrem Beitrag explizit darauf eingeht: Wer es leicht haben will, kauft sich ein gesundes Pferd mit perfektem Gebäude. Ich spoilere nicht den wunderbaren (etwas gemeinen, aber sehr lustigen) Spruch, den sie an der Stelle bringt, er wird für immer in meinem Kopf bleiben.

Wenn wir nun aber ein Pferd mit dem einen oder anderen Problemchen im Stall stehen haben und unseren Zausel natürlich abgöttisch lieben (was denn sonst!), dann bleibt uns nur eins: lernen, lernen, lernen. Damit wir das Beste draus machen können. Und die wunderbare Weihnachtskonferenz von Herzenssache Pferd kann da ein Startpunkt sein, Meinungen hören, Fragen stellen und neue Ausbilder kennen lernen, von denen man sonst vielleicht nie erfahren hätte.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 313

Ganz schön winterlich ist das hier! Mein Mädchen ist happy und wir auch: Bisschen glitzernder Schnee, viel Sonne, schon sieht alles schön aus. Aber der Winter hat auch andere Vorteile: wenn es so kalt ist, dürfen wir Ponys viel mehr Heu schlemmen als sonst. Mein Mädchen sagt, weil wir das zum heizen brauchen, ist dieser Tage mal keine Diät angesagt. Und dann lacht sie, weil wir sofort mäkelig werden: wenn es mehr Heu gibt, wollen wir bitte nicht dieses kalorienarme Ökozeug, sondern von dem anderen, das ist leckerer. Aber sie wechselt die Sorten trotzdem ab – schade. In die Heunetze tut sie das Ökozeug und sagt, wer wirklich Hunger hat, wird sich das da schon raus fummeln. Tun wir dann auch. Wenn es nix besseres gibt…… Zum Glück gibt es ja einmal am Tag Schüsseln! Das ist immer das Highlight. Diego bekommt neuerdings lecker Hafer in die Schüssel, während ich nur so getreidefreies Zeug zum Knuspern bekomme mit meinem Mineralfutter. Menno. Mein Mädchen sagt, ich bräuchte echt nicht mehr Energie als ich hab – was denn? Energie kann man nie genug haben, oder? Aber sie ist mal wieder unerbittlich. Ich sauge dann die Haferkörner auf, die neben Diegos Schüssel gefallen sind.

Ich gehe jeden Tag an den Zaun und mit den Nachbarn zu schnacken.
Schnee und Eis hin oder her, ein kleines Spiel zwischendurch muss schon sein! Die anderen nehmen derweil ein Sonnenbad.

Unsere Pfütze, aus der wir so gern trinken, ist komplett gefroren. Neulich ist meinem Mädchen fast das Herz stehen geblieben, weil Merlin auf die Pfütze gegangen ist und zu spät gemerkt hat, dass es ganz schön glatt ist auf dem Eis! Aber der alte Knabe ist besonnen geblieben und gaaaaaanz vorsichtig zum Rand der Pfütze getippelt, bis er wieder griffigen Boden unter den Hufen hatte.

Diego hat ein Schläfchen mit den Hufen auf der Pfütze gemacht und dabei mit seinen warmen Füßen das Eis angetaut so dass schöne Hufabdrücke entstanden sind. Das fand mein Mädchen toll!

Hufabdrücke im Eis

Was mein Mädchen weniger schön findet, ist, dass unsere Äppel teilweise am Boden fest frieren. Dann rennt sie mit der Tomatenhacke über den Paddock und hackt alles lose, dabei spritzen die Äppel überall hin. Was wir nicht so toll finden ist dass wir wieder aus der Balltränke trinken müssen, weil alles andere so schnell zufriert. Dazu müssen wir den Ball runter drücken und zur Seite schieben um ans Wasser zu kommen – die sonst übliche Mundspülung fällt flach. Blöd, aber so haben wir wenigstens immer frisches Wasser.

Außerdem ist der Reitplatz gefroren. Im Schritt kann ich da aber noch ganz gut laufen, also machen wir Handarbeit und mein Mädchen ist total entzückt, weil ich so tolle Fortschritte gemacht habe. Ich bin viel stärker geworden und kann mich aufrechter halten – früher war ich immer so schnell müde und mein Kopf wollte immer runter, jetzt nicht mehr. Und ich bin auch total koordiniert und super aufmerksam und feinfühlig und all die guten Dinge sagt sie. Ich sage dazu: ich kanns. Damit ist doch alles klar.

Nächste Woche soll es wieder tauen, dann können wir auch wieder auf dem Reitplatz reiten. Ob wir zwischendurch ausreiten gehen können, hängt davon ab, ob alles vereist, drückt mir die Daumen! Nicht dass ich wieder Burgkoller kriege!

Euer winterfester Sir Duncan Dhu of Nakel

Ausnahmesituation

Heute war der Sattler bei uns. Deswegen bin ich auch so spät mit schreiben, denn alles fing damit an dass der Termin plötzlich 3 Stunden früher stattfand als geplant. War mir sehr recht, so war es noch ein bisschen hell. Unser klettbarer Hidalgo mit Lederbaum – den ich schon für Finlay sehr günstig gebraucht erstanden hatte – ist ja nicht für die Ewigkeit geplant. Und mir war schon klar, dass er suboptimal sitzt. Nun denn, ich hatte die Hoffnung, dass man ihn für kleines Geld nochmal so hinbekommt, dass es geht. Hinbekommen, dass es noch ein Weilchen geht ja, aber das Geld war dann doch weniger klein als gedacht und so werde ich mich von dem Sattel verabschieden… aber das soll ja jetzt nicht Eure Sorge sein.

Der Termin war das, was ich als „Ausnahmesituation“ für mein Pony sehe. Und ich habe wieder mal gemerkt: auch das will geübt werden. Da kommt ein fremder Mann, dann sind noch Arnulf und ich da und eine Freundin zum gucken. Dann wird gesattelt – nicht einfach so, sondern drauf gelegt, geschoben, wieder runter genommen, verändert, wieder drauf gelegt, Hände hier und da und dort unter den Sattel geschoben. Dann wird gegurtet und es geht auf den Reitplatz. Duncan ist hibbelig, ich bin hibbelig. An der Aufsteigehilfe klappt gar nichts. Wenn Duncan hibbelig ist, will er essen. Wenn ich hibbelig bin, will ich dass Dinge JETZT klappen. Oje. Schließlich bin ich oben und schon geht es weiter mit den Ausnahmen, denn nach 2 Runden Schritt soll ich antraben. Duncan macht mit. Dann anhalten, runter, wieder nach vorn in die Scheune, das Sattelspiel wiederholt sich. Wieder auf den Reitplatz, wieder reiten. Wieder in die Scheune. Das ganze vier Mal. Duncan zwischendurch sichtlich verärgert und verwirrt. Aber er macht ganz gut mit. Und er zeigt, wie ihm der Sattel besser gefällt, wird dann ruhiger. Ich bin froh, dass er diese Erfahrung macht: trotz all dem Chaos wird es für ihn besser. Er macht seinen Job. Und ich bin zufrieden mit ihm. Ich weiß aber auch: er kann das (noch?) nicht so gut. Vielleicht wird er so etwas nie gut können, weil er so sehr auf Menschen reagiert, weil er so ungern so viel angefasst wird und weil ihm all das Gefummel schnell zu viel wird. Aber ein bisschen geübt haben wir es heute und ich hoffe, er hat gelernt, dass es solche Situationen zwar gibt, aber man sie gut überleben kann.

Morgen geht es weiter, dann probieren wir den nächsten Sattel. Und ich hoffe, er hat noch einmal den Nerv, das auszuhalten. Diesmal nur Arnulf und ich, immerhin. Vielleicht kann er verstehen, dass wir das tun, damit er es bequem hat. Ich sage es ihm jedenfalls und hoffe, dass die Botschaft ankommt. Gleichzeitig weiß ich jetzt wieder, was Pferde aushalten müssen in unserer Welt. Ganz ohne dass jemand etwas blödes macht, kann es einfach sehr stressig sein mit uns Menschen. Und ich werde meinem Pony das nicht immer ersparen können. So lange er nur weiß, dass das die Ausnahme ist und dass wir dann wieder zu unserem ruhigen, berechenbaren Alltag zurück kehren.

Für ein vierjähriges Pony hat er alles toll gemacht: er hat niemanden gekniffen oder geschubst, er ist Schritt und Trab gegangen, wenn ich ihn darum gebeten habe, hat sich dabei notdürftig um all die Zuschauer herum lenken lassen und er hat seine Meinung zu den verschiedenen Polsterungen deutlich, aber freundlich geäußert. Er hat dafür Kekse kassiert ohne Ende aber heute konnte ich deutlich wahrnehmen, dass die Kekse es nicht wett machen konnten, dass so viel an ihm herum gefummelt wurde und ich so unentspannt war. Immerhin, etwas versüßen konnte ich ihm das alles vielleicht.

Und jetzt drückt uns die Daumen dass wir einen Sattel finden, der uns beiden gefällt ….

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 312

Gestern abend habe ich meine Schuhe raus gestellt. Naja, so ganz sauber geputzt waren sie ehrlich gesagt nicht, nur grob abgespült, aber ich hab einfach mal auf das Beste gehofft. Und es hat geklappt! Der Nikolaus war da! Jetzt zeigt sich mal der Vorteil davon, 4 Füße zu haben.

Vier volle Schuhe!

Da staunt ihr, was? Sooooo viel Naschkram für mich! Aber natürlich werde ich ganz brüderlich mit meinen Kumpels teilen. Mein Mädchen sagt, Gatsby und Diego würden eigentlich den Löwenanteil verdienen, weil die so viel Arbeit mit mir haben. Arbeit? Hör mal, Mädchen, wir spielen doch nur! Aber mein Mädchen sagt, ich würde ja immer so viel mehr spielen wollen als die beiden und das wäre doch ganz schön anstrengend für sie. Papperlapapp! Ich bin hier doch der personal trainer für alle!

Naja, ich denke, mein Mädchen wird den Naschkram gerecht verteilen und niemand kommt zu kurz.

Heute hat sie mich nach langer Zeit mal wieder an die Longe genommen, damit ich mal bisschen laufen kann. Und sie war ganz angetan, weil ich alles noch drauf hatte: langsamer, schneller, anhalten, rückwärts, Schritt, Trab, Halt und Rechtsgalopp. Nur den Linksgalopp finde ich immer noch schwer. Wenn ich mal drin bin, gehts, aber erst mal reinkommen ist nicht so einfach. Mein Mädchen sagt aber, dass das ganz normal ist und ich mich nicht ärgern soll darüber. Nach 20 min in denen ich alles richtig gemacht hatte, waren wir auch schon wieder fertig. Sie ist dann noch Diego geritten und währenddessen haben Gatsby und ich dann gleich noch eine Runde gespielt. Wo ich doch schon so schön warmgelaufen war!

Ich hoffe, der Nikolaus hat eure Schuhe auch so schön befüllt, liebe Menschen!

Euer beschenkter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 311

Na, wie habt ihr den 2. Advent verbracht? Bei uns lief es so:

Am Vorabend hab ich mir das Abendessen mal wieder ans Bett bringen lassen. Das hatte ich so lange nicht, musste mal wieder sein. Mein Mädchen sagt, das ist ein Zeichen dafür dass ich wachse. Und darüber freut sie sich natürlich!

Abendessen ans Bett. Danke, mein Mädchen!

Sonntag morgen hab ich mir auch nochmal Zeit genommen für ein Nickerchen, gemeinsam mit Merlin. Nach dem Nickerchen war ich dann gut ausgeruht und ordentlich auf Zack! Habe erst mal eine Runde gespielt. Kurz mit Merlin, dann mit Diego. Leider war ich wohl etwas zu gut auf Zack, zumindest in Diegos Augen, denn der hat mich abgemahnt, ich wäre zu doll und pubertär und so. Wurde ganz ernst und ich musste mich entschuldigen. Mit Diego soll man sich besser nicht anlegen, weiß ich ja. Es war halt einfach mit mir durchgegangen! Naja. Mein Mädchen hatte ein bisschen Schnappatmung als sie das gesehen hat – sie hat ja immer Angst, dass ich Diego mal so lange provoziere, bis er mir weh tut. So ein Quatsch! Würde er doch nie.

Sonntag morgen, da kann ich einfach nochmal ein Nickerchen machen. Habt ihr euch auch nochmal umgedreht?

Jedenfalls meinte sie, dass es wohl dringend nötig ist, dass ich etwas überschüssige Energie los werde. Also: Ausreiten! Bevor wir los konnten, war aber Hufschuhe anziehen angesagt. Und da hat mein Mädchen fest gestellt, dass meine Hinterhufe jetzt endgültig zu groß geworden sind für die Schuhe. Die waren so eng (obwohl meine Hufe frisch geraspelt sind)! Hab mich direkt beschwert (einfach demonstrativ den Huf hoch halten und vorwurfsvoll gucken). Also hat sie mir die Schuhe wieder ausgezogen und mir die alten Vorderhufschuhe hinten angezogen, die sind etwas größer. Das war ordentlich Gefummel, weil da erst noch wieder die bunten Bänder zum zumachen dran gebaut werden mussten. Der Mann und mein Mädchen sind um mich herum geturnt und der Mann meinte, das wäre ja wie ein Boxenstopp bei der Formel 1! Na das gefällt mir: unten Reifenwechsel und vorne Keksbetankung. Als dann endlich alle Hufschuhe saßen wie sie sollen, ging es los.

Durchs Dorf, an all den Baustellen vorbei, wo neue Häuser gebaut werden. Obwohl Sonntag war, war da einiges los und zu gucken. Dann hinten raus aus dem Dorf, da war ich überhaupt noch nie. In den Wald und ab ging es im Trab. Hui! Das war toll! Es ging flott voran und mein Mädchen war begeistert. Wir sind schön viel getrabt und ruckzuck waren wir im Wald eine Runde herum und sind dann auf gleichem Wege nach hause. Mein Mädchen meinte, ob ich wohl müde wäre, aber der Mann hat fest gestellt, dass ich immer noch nach Diego hapsen kann und also definitiv noch nicht müde bin. Gegen Ende sind wir dann nochmal getrabt, obwohl es da bergauf und bergab ging. Als es so den Berg hoch ging, dachte ich mir: im Galopp wäre das einfacher. Hab ich meinem Mädchen nach oben gefunkt. Bisher, wenn ich sowas vorgeschlagen habe, hat sie immer nein gesagt und wollte nur traben. Diesmal hat sie ja gesagt! Und mir gestattet, zu galoppieren, wenn ich will. Hab ich gemacht. Allerdings gab es ein Problem: sobald der Mann gehört hat, dass ich hinter ihm galoppiere, hat er Diego gebremst und quer gestellt! Weil er dachte, mein Mädchen wäre nicht einverstanden damit dass ich galoppiere. Also war es ein sehr kurzer Galopp-Genuss. Jetzt haben die beiden vereinbart, dass mein Mädchen „yeeee -haa“ rufen soll, wenn wir einvernehmlich galoppieren, damit der Mann bescheid weiß. Das wird lustig! Darauf freue ich mich schon.

Zu hause angekommen, waren wir Ponys ordentlich nass geschwitzt. Diego hat ja immer die große innere Hitze, der war noch viel verschwitzter als ich. Deswegen musste er einen peinlichen „Schlafanzug“ anziehen, damit er sich nicht verkühlt. Ich bin da zum Glück drum rum gekommen, weil ich zwar am Bauch geschwitzte hatte, aber nicht am Rücken und da fand mein Mädchen das ok so.

Nach dem Ausritt gab es Heu – und für Diego einen peinlichen Schlafanzug.

Wir waren 9,5km unterwegs in nur 1,5 Stunden, das ist ein neuer Rekord! Und müde war ich gar nicht. Was bedeutet, dass mein Mädchen für nächsten Sonntag eine längere Runde planen muss, damit ich meinen Kumpels nicht zu sehr auf die Nerven gehe mit meinem Übermut. Und dazwischen, hat sie gesagt, packt sie mal wieder die Doppellonge aus, damit ich ordentlich laufe. Das haben wir ja ewig nicht gemacht! Also ihr merkt schon: jetzt muss ich Sport machen. Das hab ich jetzt davon dass ich Diego geärgert habe. Aber mir gefällt das, will ja nicht in Langeweile versauern!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (gut auf Zack!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 310

Es weihnachtet schon wieder sehr! Bevor mein Mädchen wieder die peinlichen Mützen auspackt und Fotos macht, steht aber erst mal die Weihnachtsbäckerei an. Zimtplätzchen backen unsere Menschen und wir kriegen davon nichts ab! Wieso eigentlich nicht? Wir müssen uns mit Heu und ein bisschen was in der Schüssel begnügen. Wobei da im Moment auch wieder Leckereien drin sind – gesunde Leckereien versteht sich. Mein Mädchen füttert ja nie lang das gleiche sondern immer mal dies und mal das. Derzeit bekommen wir Leinsamen, dieses Jahr mal gemahlen (sonst hat sie uns den immer schleimig aufgekocht, das war eine Sauerei! Den hatte man nachher überall, sage ich euch. Ich vor allem am Ohr, weil Merlin mir so gern das Ohr ablutscht! Aber ich schweife ab.)

Wo war ich? Ach, richtig, die Weihnachtszeit. Und die Zimtplätzchen. Da mein Mädchen den lieben langen Tag nur an Ponys denkt, tut sie das auch beim Backen. Also schaut, was sie gebacken hat!

Merlin und ich
Diego und Caruso

Solltet ihr es nicht erkennen: da sind Merlin und ich auf dem einen Bild und auf dem anderen seht ihr Diego und Caruso. Und wer jetzt maulen will, dass Diego ja gar nicht schwarz ist: ist er um diese Jahreszeit eigentlich nie. Er mag doch so gern ein Nickerchen machen und sich wälzen und – zack! – ist er nicht mehr schwarz, sondern braun. Und wenn wir ganz ehrlich sind, ist das auch meine Grundfarbe. Merlin und Caruso sind zwar auch nie ganz sauber, aber irgendwie sieht man das weiße Fell trotzdem noch durchschimmern. Also passt das schon so mit den Plätzchen. Nur die Größenverhaltnisse sind nicht ganz korrekt, aber was solls. Einmal in seinem Leben ist Caruso genauso groß wie Diego, das freut ihn.

Was backt ihr denn so, liebe Menschen? Ich frage mich übrigens, ob ich jetzt demnächst mehr zu schleppen habe, wenn mein Mädchen so viel nascht. Sie hat auch schon wieder Geschenke von Kunden bekommen, da ist bestimmt auch wieder tonnenweise Naschkram drin. Und jetzt, wo sie nicht mehr so viel neben mir her läuft, sondern sich lieber tragen lässt, ahne ich, wer das ausbaden muss: ich! Gut, dass ich so ein netter, geduldiger und starker Ritter bin! Und das, sagt sie, ist sowieso ihr größtes Geschenk. Gerne doch, mein Mädchen. So lange die Plätzchen- …. äh Keksrate stimmt.

Euer gebackener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 309

Spielen, spielen, spielen! Es wieder Saison! Am liebsten spiele ich mit Gatsby. So ist das mit uns Schotten, wir machen gern so kleine, freundschaftliche Kämpfchen.

Am liebsten spiele ich mit Gatsby, da geht es ordentlich zur Sache! Der hat was drauf!

Wenn Gatsby keine Lust mehr hat schnappe ich mir einfach Diego. Dem hab ich ja das Spielen so gut beigebracht, erinnert ihr euch? Wir haben jetzt auch ganz viel Spaß. Nur eins ist gemein: er ist so viel schwerer als ich und größer! Wenn er mich einmal schubst, hab ich keine Chance. Dafür bin ich wendiger als er, weil mein Schwerpunkt tiefer liegt. Ich kann also ganz schnell um ihn herum flitzen und ihn von hinten in den Popo kneifen! Das ist ja sowieso mein Lieblingsspiel, wisst ihr ja.

Mit Diego kann ich auch schön spielen!

Manchmal spiele ich auch noch mit Merlin. Ich weiß ja, dass ich bei dem langsamer sein muss und vorsichtiger, weil der ja schon 100 Jahre alt ist. Ich weiß auch, dass ich sofort aufhören muss wenn er sagt, dass er nicht mehr möchte. Aber manchmal möchte er noch! Beim Popo-Kneifen ist der alte Knabe etwas im Nachteil, weil er ja keine Schneidezähne mehr hat. Das hindert ihn aber nicht daran, es zu versuchen! Und für sein Alter kann er sich noch ganz schön flott drehen, muss ich sagen.

Gelegentlich hat Merlin auch noch mal Lust.

Mein Mädchen meint, eigentlich müssten wir jetzt die Ausreitsaison machen, ganz viel raus gehen und traben, traben, traben, damit ich meine Energie los werden kann. Aber mein Spaziergehkumpel hat ja im Moment keine Zeit für mich (also er schon aber sein Mädchen nicht) und der Mann hat auch nicht so oft im Hellen Zeit. Mein Mädchen sagt, vielleicht kommt doch der Tag an dem sie und ich alleine los ziehen. Bin gespannt! Aber vorerst muss ich mich auf dem Platz vergnügen. Das kann schon auch anstrengend werden, mein Mädchen im Trab im Kreis zu tragen. Und überschüssige Energie kann ich ja bei meinen Kumpels los werden, passt schon. Und am Sonntag machen wir hoffentlich wieder einen ausgiebigen Ausflug!

Euer spielender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 308

Nachdem ich meine Milchzähne jetzt alle ausgetauscht und mir auch noch ein paar neue Backenzähne zugelegt habe, bin ich jetzt dabei, mir meine allerletzten Zähne wachsen zu lassen: die Hengstzähne. Das ist ja schon wieder ein verwirrender Begriff, denn den haben auch Wallache und manchmal sogar Stuten! Aber bei mir ist der Name ja passend also was solls. Noch sind meine Hengstzähne mini-klein bzw zwei davon sind nur unterm Zahnfleisch zu fühlen, die wollen noch raus kommen (deswegen bin ich wohl wieder mal etwas maulig, sagt mein Mädchen). Sie wollte den größten der kleinen Stummelchen für Euch fotografieren, aber es ist kompliziert, mir das Maul aufzuhalten, ein Foto zu machen und dann noch meine Zunge beiseite zu schieben. Deswegen müsst ihr eure Fantasie bemühen, dann findet ihr den zwergen-Zahn.

Stummelzähnchen! Ich mach da noch einen ordentlichen Hauer draus, versprochen!

Ansonsten bin ich jetzt wieder im Winter-Modus und das heißt spielen, spielen, spielen! Dabei gilt: wer bremst, hat Angst. Seht ihr diese Rutschspuren? Mein Mädchen hat ihr Werkzeug daneben gelegt zum Längenvergleich. Dann hat sie gesagt, sie ist froh dass sie nicht live dabei war als diese Spuren entstanden sind und dass sie eine Ahnung hat, von wem die kommen. Was denn? Ich hatte nur Spaß! Und da sie ja sieht, dass es mir gut geht, glaubt sie mir das auch. Gut, dass ich Gatsby und Diego zum Toben habe! Wenn einer keine Lust mehr hat, schnappe ich mir den anderen. Bis ich fertig bin. Dann bin ich wieder ein paar Stunden entspannt und schon geht es von vorne los.

Rrrrrrrrrrrutschschschsch!

Ich kann auch das mit dem Timing echt gut. Ich spiele besonders gerne dann, wenn mein Mädchen mit Diego auf dem Reitplatz üben möchte. Dann schnappe ich mir Gatsby und wir toben genau neben dem Reitplatz rum. Diego kann da so drüber weg ignorieren aber mein Mädchen lenkt das total ab und das finde ich lustig! Neulich hat mein Mädchen ein Interview gegeben. Da saß sie am Computer mit Blick aus dem Fenster. Ich hab das ganze dann mal aufgelockert und vor dem Fenster eine ordentliche Tobe-Runde mit Gatsby hingelegt und mein Mädchen konnte sich schon wieder kaum noch konzentrieren. Aber dann hat sie meine Rauferei einfach ins Interview mit eingebaut. Ich habe ihr also geholfen, toll oder? Jaaaa, kann ich alles. Deswegen findet sie mich ja auch so prima und hat immer Herzchen in den Augen wenn sie mich anschaut. Also: Läuft bei mir.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel