Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 233

Wie Ihr ja wisst, bin ich vielseitig begabt. Influencer, Förster, Bergsteiger, Pfützenfeinabschmecker. Aber hauptberuflich bin und bleibe ich Herzensreparateur. Und da war heute wieder ein wichtiger Tag, denn mein großer Bruder jenseits der Regenbogenbrücke hat heute Geburtstag. Und an diesem Tag braucht mein Mädchen mich ganz besonders. Ich hab da so meinen eigenen Stil: ich lasse ihr einfach keine Gelegenheit zum Trübsal blasen sondern halte sie gut beschäftigt. Dann ist sie ganz im Hier und Jetzt – so etwas nennt Ihr Menschen Achtsamkeit und es ist gut für Eure Seele. Ich bin ein schlauer Ritter und weiß das. Also habe ich unseren heutigen Ausflug gut durchstrukturiert. Wir sind heute die „Zwei-Dörfer-Runde“ gegangen. Die ersten 3 km habe ich mich damit beschäftigt, meinem Mädchen zu erzählen dass wir zwei Wochen (!) keinen Ausflug gemacht haben und auch sonst keine dollen Sachen (wegen dem Humpelfuß, der ist übrigens wieder tiptop in Ordnung) und ich deswegen dezenten Energieüberschuss habe. Da ich weiß, dass ich nicht am Strick ziehen darf, habe ich mich auf Kopfschlenkern beschränkt und dann so alle 2-3 Sekunden mal angedeutet, dass ich überlege, ob ich mal nach meinem Mädchen haschen soll. Woraufhin sie stoisch geradeaus geschaut und unbeteiligt mit ihrem Strick gewedelt hat. Ich weiß schon: wenn der Strick vor ihr kreist, ist es keine gute Idee, mit der Nase zu nah an sie ran zu kommen. Sonst krieg ich nämlich den Strick auf die Nase! Aber das hält mich natürlich nicht davon ab, mein Glück 2 Sekunden später wieder zu versuchen.

Nachdem wir also eine Weile so unterwegs waren, sind wir im ersten Dorf angekommen, Kleinvollstedt. Da war ich dann beschäftigt, habe „Vorgarten-watching“ gemacht. Mein Mädchen sagt, ich habe gelächelt. Da gibt es nämlich allerhand zu sehen und ich mag ja immer wenn mein Kopf was zu tun hat. Da hatte ich dann auch keine Zeit zum haschen spielen.

Diego und ich haben allerdings eine kleine Angewohnheit die unseren Menschen ordentlich auf die Nerven geht: wir äppeln IMMER im Dorf. Aus Prinzip. Weil wir es können. Dann halten wir alle an und mein Mädchen sammelt alles in eine Tüte ein. Wenn wir dann wieder im Grünen sind, wird die Tüte ausgeleert. Und jetzt aufgepasst: mein Mädchen hat gesagt, es sei gut, dass ich so klein bin! Warte mal, normalerweise soll ich doch immer wachsen? Was ist das jetzt für ein Sinneswandel? Sie meinte, noch geht sie ja eh zu Fuß aber später wenn sie reitet, wird es einfacher, schnell abzusteigen, die Tüte voll zu machen und dann wieder aufzusteigen. Siehst Du, mein Mädchen, gar nicht so schlecht, dass ich so ein handliches Format habe! Allerdings hat mein Mädchen dann dem Mann erklärt, er soll doch lieber einen tragbaren Staubsauger bauen. Der kommt dann in die Satteltasche und hat ein Rohr das lang genug ist um die Äppel ohne abzusteigen von der Straße weg zu saugen. Ideen hat sie immer…..

Als wir dann durch das Dorf durch waren, sind wir an zwei Pferden vorbei gekommen. Das eine kenne ich schon, das ist ein schöner schwarzer Friesenhengst! Ein ziemlicher Angeber. Ich wollte auch bisschen angeben, aber mein Mädchen hat gesagt, ich müsste da nicht mit machen. Also habe ich mich zusammengerissen und bin artig vorbei gegangen, da war sie sehr zufrieden und hat mal einen Keks rausgerückt.

Dann ein Stück durch den Wald und dann kamen wir an einen schönen Weg, da wollte mein Mädchen gerne reiten. Das ist immer ein Aufwand! Sie muss ihre Schutzweste anziehen, ihre Mütze ab- und den Helm aufsetzen (also ehrlich, als ob ich nicht gut auf sie aufpassen würde!), dann die Zügel aus den Packtaschen holen und an mein Halfter klipsen und den Strick ab machen und in die Taschen stopfen. Die kleine Gerte die sie immer mit hat, muss der Mann nehmen, damit sie uns nicht im Weg ist. Dann warnt sie mich immer einmal vor, hüpft ein bisschen neben mir hoch und legt sich einmal über mich drüber, damit ich weiß, dass es los geht. Das ist nett, weil ich nämlich dann noch Zeit habe, meine Füße zu sortieren. Und dann hüpft sie auf mich drauf. Normalerweise kann sie das recht elegant, aber heute irgendwie nicht so. Aber inzwischen kann ich das halten, ich spanne einfach meinen Körper bisschen an und dann kann sie sich an mir hoch ziehen. Danach gibt es einen wohlverdienten Keks für mich und wenn sie „voran“ sagt, gehe ich los. Dann merkt sie meistens dass sie schief sitzt und muss sich zurecht ruckeln – aber ich hab mich da schon dran gewöhnt und ignoriere da so drüber weg.

Während ich sie trage, üben wir ein bisschen das lenken, aber ich finde es geht schon sehr gut und mein Mädchen findet das auch. Nach einer Weile ist sie dann wieder abgestiegen. Wir waren beide schon ganz entspannt und kamen dann auch ins zweite Dorf, Groß Vollstedt. Da konnte ich mir noch ein paar Sachen anschauen. Und als wir dann wieder aus dem Dorf raus kamen, ist sie wieder rauf gehüpft. Also es war so: wir durften erst ein bisschen grasen, dann hat sie gesagt es sei Schluss mit grasen, dann ist sie rauf gehüpft. Ich dachte, jetzt wo sie bequem sitzt, könnte ich einfach weiter grasen. Aber das war nicht erlaubt! Habe ein paar mal nachgefragt, ob ich nicht doch…. Aber nein. Na gut. Also habe ich sie artig noch ein Stück getragen. Und schließlich ist sie wieder abgestiegen. Der Mann meinte, ich würde etwas müde aussehen, aber da habe ich mein Mädchen schnell eines besseren belehrt und bin nochmal kurz zum haschen spielen übergegangen. Aber dann hab ich gemerkt, dass ich doch ganz zufrieden bin und habe beschlossen, ihr den letzten Kilometer zu schenken und einfach ganz artig zu sein. Damit sie mich und unseren Ausflug in guter Erinnerung behält. Am Ende hat sie gesagt, ich hätte einen sehr guten Job gemacht. Na klar! Bin schließlich Profi. Sie hat mich gefragt, ob sie schwer zu tragen war, weil ihr Herz schwerer war als sonst. Ach was, mein Mädchen, hast du nicht gemerkt? Sobald du auf meinem Rücken gesessen hast, war dein Herz doch wieder ganz leicht! Herz reparieren kann ich.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

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