Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 171

„Schluss mit Romantik“ hat mein Mädchen gesagt. „Wir müssen jetzt ran an den Speck“. Hä? Welcher Speck denn? Ich bin doch voll gut in Schuss und perfekt proportioniert!

Aber sie meinte auch nicht wirklich „Speck“. Eigentlich meinte sie, dass wir jetzt ein paar Dinge mal ernsthaft üben müssen. Fremde Pferde, Dorf, fremde Pferde, Brücken und fremde Pferde zum Beispiel. Ungefähr in dieser Reihenfolge. Also fahren wir jetzt nicht mehr mit der Wackelkiste an all die romantischen, verwunschenen, einsamen Orte wo nichts und niemand unterwegs ist, sondern wir suchen die Herausforderung. Heute waren es die fremden Pferde. Wobei ich die Strecke schon kannte, eigentlich ist das ein schöner Spaziergang, nur dass man ein ganzes Stück an einer Pferdeweide vorbei läuft. Aber der Rest vom Spaziergang war heute auch nicht so wahnsinnig romantisch, weil mein Mädchen dauernd mit mir geübt hat. Weil ich nämlich fremde Pferde so unglaublich spannend finde und dann manchmal vergesse, dass mein Mädchen auch noch da ist und Tempo und Richtung bestimmen will, hat sie beschlossen, dass wir jetzt immer seitwärts gehen, wenn ich sie vergesse, damit ich mich erinnere, dass sie noch existiert. Und damit wir auch beide genau wissen was zu tun ist, haben wir das vorher auf dem Weg zu den fremden Pferden geübt. Mit 1384729 Tipps vom Mann, der das auch zwei- oder dreimal noch demonstrieren musste, mit viel Fluchen von Seiten des Mädchens wegen der 7 Meter Seil und – zum Glück – mit Keksen für mich wenn ich es gut gemacht habe. War anstrengend, nicht romantisch. Als wir dann zu den fremden Pferden kamen, die da auf der Koppel rumstehen, hab ich mir überlegt dass ich schon genug seitwärts unterwegs war und lieber gleich alles richtig mache. Hab da mal so zu den anderen geschielt aber wenn mein Mädchen am Strick gezupft hat und gesagt hat, dass ich lieber zu ihr schielen soll, hab ich das halt gemacht. Und was war sie begeistert von mir! Weil ich so ein artiger Hengst bin. Ganz ruhig bin ich da lang marschiert. Ohne Wiehern, ohne Imponiergehabe und ich habe mir auch verkniffen, meinen „Rüssel“ raus hängen zu lassen, das mach ich sonst ganz gerne mal. Aber mein Mädchen kann das nicht leiden, sie sagt das will doch keiner sehen. Ach, ich glaube, da gibt es schon welche die das beeindruckend finden… Aber gut, so gehen die Meinungen auseinander und letztendlich hat sie halt das Sagen. Manchmal schade, aber da ist wohl nix zu wollen – weil sie ja die Kekse verwaltet und somit am längeren Hebel sitzt.

„Schluss mit Romantik“ heißt übrigens auch, dass sie ganz schön streng geworden ist. Weil ich jetzt ein echter Teenager bin und sie allezeit gutes Benehmen erwartet. Uiuiuiui. Anspruchsvoll ist sie geworden. Aber ich kann das (meistens).

Also, anscheinend gibt es jetzt dauernd was zu üben. Na wenigstens kommt dann keine Langeweile auf.

Euer unromantischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 170

„Komm mein Ritter, heute probieren wir mal was neues“. Ach, das höre ich ja gern. Ich mag immer gern was neues probieren, das gibt dem Leben die richtige Würze. Also, Mädchen, was steht an? Ach, da kommt ja eine nette Frau, wer bist Du denn? Kekse hat sie aber nicht in der Tasche. Naja.

Dann sind wir zusammen auf den Reitplatz gegangen. Wieder mal allerhand Zeugs an mir fest getüddelt und dann hat die fremde Frau gemeint sie könnte mit mir was machen. Ich hab mein Mädchen angeschaut, die sagt „ja ja, mach mal, das klappt schon“. Aber ich hab das nicht kapiert was die wollte. Versucht hab ich es wohl, aber irgendwie hatte sie einen komischen Dialekt in ihrer Körpersprache und mir war nicht klar was das heißen soll. Also hat sie dann doch das ganze Zeugs direkt meinem Mädchen in die Hand gedrückt. Das waren sooooooo lange Leinen dass mein Mädchen Angst hatte, dass sie nachher wie ein verschnürtes Paket auf dem Reitplatz liegt. Aber die nette Frau hat ihr geholfen und ihr die Leinen hinterhergetragen. Und mein Mädchen hat mir gesagt, ich soll außen rum gehen. Ach soooooo! Ja das kann ich wohl. Wobei diese Leinen schon irgendwie komisch sind. Aber nach einer Weile hab ich raus gefunden, dass ich mir die einfach so zurechtlegen kann wie ich das möchte, einfach Hals lang machen und dann kann ich mich ganz fein frei bewegen. Bisschen Schritt, dann ein Keks, dann ein Trab und noch ein Keks…. andere Richtung auch. Und wir wurden immer besser, mein Mädchen und ich. Das einzige, was mich wirklich irritiert hat, war, dass die fremde Frau mein Mädchen manchmal abgelenkt hat. Aber beide waren ganz begeistert von mir, ich will mich nicht beschweren. Und als wir dann alles gut gemacht hatten und Feierabend war, da sind auch noch die Zuschauer zu uns gekommen – der Mann und das Mädchen vom Spaziergehkumpel und noch eine Frau. Und da standen sie nun zu fünft und haben mir vorgeschwärmt was für ein tolles Pony ich doch bin! Ach, so lass ich mir das ja gefallen! Und mein Mädchen lag auch nicht verschnürt am Boden. Zum Glück, wer hätte mir sonst Abendessen geben sollen?

Jetzt können wir also was neues. Oder sagen wir mal: wir können es vielleicht noch nicht perfekt aber wir haben einen guten Start hingelegt. Jetzt geht mein Mädchen bestimmt wieder shoppen, das macht sie immer wenn wir was neues anfangen. Dann bekomme ich wieder buntes Equipment. Na, so lange es nicht rosa und lila und türkis sein muss – solche Farben muss mein armer Spaziergehkumpel immer tragen! Er ist da sehr geduldig mit seinem Mädchen. Zum Glück hat mein Mädchen einen anderen Farbgeschmack.

Mein Mädchen sagt, dass ich gestern auch noch etwas ganz anderes gelernt habe: Unterricht bekommen. Das war erst mein zweites Mal das jemand fremdes zum Unterricht gekommen ist. Sonst gibt der Mann meinem Mädchen manchmal Unterricht aber der kennt mich und ich kenn ihn und dann läuft das. Unterricht bedeutet, dass mein Mädchen versucht, sich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren und dass ich manchmal selbst klar kommen muss während sie über etwas nachdenkt oder etwas ausprobiert. Nur was ich dann in der Zeit machen muss ist mir noch nicht ganz klar. Manchmal sollte ich stehen bleiben und manchmal sollte ich weiter laufen. Hm. Merlin und Diego haben gesagt, dass man das mit der Zeit raus findet. Und dass Unterricht toll ist, weil die Lehrer in der Mitte einen immer ganz besonders doll loben. Merlin sagt, am allerbesten ist es mit vielen Zuschauern, weil die dann auch alle immer ganz begeistert sind und man sich dann so richtig feiern lassen kann. Merlin liebt Zuschauer! Ich muss sagen, gestern konnte ich das verstehen, das war schon gar nicht mal so übel!

Mein Mädchen sagt, sie hat auch ganz viel gelernt. Und zwar vor allem über mich! So so.

Also sind wir jetzt beide wieder ein Stück schlauer. Und für die, die wissen wollen was wir denn da gemacht haben: mein Mädchen sagt das heißt „Doppellonge“. Und ich finde, dann brauche ich dafür auch einen „Doppelkeks“. Logisch, oder?

Sobald wir das mal im hellen probieren, bekommt Ihr natürlich noch Fotos und Videos nachgeliefert!

Gemeinsame Zeit

Als Arnulf und ich uns kennengelernt haben, führten wir zunächst eine Fernbeziehung, sahen uns also nur an den Wochenenden. Aber das waren keine normalen Wochenenden, an denen wir unsere Freizeit miteinander verbrachten, sondern Wochenenden, an denen wir mindestens einen Tag zusammen unterwegs waren um Hufpflegekunden zu betreuen. Und so ein Tag voller Hufpflegetermine ist anstrengend. Wir lernten also sehr schnell essentielle Dinge übereinander: wie ist der andere drauf, wenn er müde ist und abgearbeitet? Wie reagiert der andere auf Stress und Ärger? Wie geht der andere damit um, wenn ein Tagesplan nicht funktioniert? Und wie plant der andere so einen Tag überhaupt? Was passiert dann abends wenn man gemeinsam auf dem Sofa sitzt und einfach nur müde und müffelig ist? All diese Dinge lernten wir schon sehr früh über einander.

In einem Podcast hat eine Profi-Reiterin mal gesagt, sie fühlt sich auf einem jungen Pferd erst dann sicher, wenn es einmal eine größere Panne gab – eine Angstsituation in der das Pferd buckelt/durchgeht oder sonstige unerwünschte Reaktionen zeigt. Denn erst dann weiß sie, wie dieses Pferd sich verhält, wenn etwas schief geht. Eine Beziehung immer schön und harmonisch zu halten so lange alles im Lot ist, ist ja ganz leicht. Aber wenn mal alles durcheinander purzelt, nichts so läuft wie es soll und alle Beteiligten gereizt und genervt sind, dann noch in Kontakt zu bleiben und kein totales Desaster zu erzeugen – wie man so schön sagt „kein Porzellan zu zerschlagen“ – das ist die Kunst der Beziehung.

Arnulf und ich wussten das voneinander schon ganz früh und wir haben früh gelernt, dass wir auch dann noch gut zusammenpassen und gut miteinander sein können, wenn alles drunter und drüber geht. Und das macht unsere Beziehung so verlässlich und stabil.

Mit Duncan hatte ich noch sehr wenige Pannen. Wir waren nur selten am Limit. Und ich bin froh darüber, weil wir ja erst mal eine gemeinsame Basis brauchten. Und er brauchte überhaupt eine Basis im Leben. Aber jetzt merke ich, dass wir „zu wenige“ Pannen hatten. Ich weiß nicht, wie er auf Pannen reagiert und er weiß nicht, wie ich reagiere. Und es liegt jetzt an mir, Situationen herzustellen oder herauszufordern, in denen wir das einigermaßen gefahrlos lernen können. Zum Beispiel indem ich im Gelände, wenn ich ihn vom Boden fahre, nicht mehr gleich zu ihm nach vorn sause, wenn es mal gruselig wird. Sondern ihn – wie neulich – auffordere, mutig an den Rindern vorbei zu gehen und auszuhalten, dass das nicht so entspannt ist. Und er macht. Er gibt sich Mühe, ruft gelernte Verhaltensweisen ab, fragt zwischendurch unverhohlen nach einem Keks weil er das toll macht. Gelegentlich gibt er auch Gas. Aber inzwischen kann er sich nach 2 Schritten (oder auch Galoppsprüngen) wieder einsammeln und beruhigen. Er rennt nicht kopflos weiter, er lässt sich bremsen, bleibt dann stehen und erwartet ein entsprechendes Lob für diese Ruhmestat. Neulich habe ich ihm dann sogar sofort sagen können, er möge bitte trotzdem weiter gehen (eine Fähigkeit, die wir vor der Kutsche brauchen) und er bekam seinen wohlverdienten Keks etwas später. Ich weiß jetzt schon viel besser, woran ich die Höhe seines Stresspegels ablesen und die Wahrscheinlichkeit für diese oder jene Reaktion einschätzen kann.

Mit jeder dieser Situationen steigt mein Zutrauen in ihn. Und wohl auch sein Zutrauen in sich selbst und vielleicht in uns als Gemeinschaft (wenn ich es nicht übertreibe). Jenes Zutrauen, dass eine gute Beziehung ausmacht: was auch immer passiert, gemeinsam stehen wir das durch. Unsere Beziehung hält das aus, wir bleiben im Kontakt, wir sind füreinander da.

„In guten wie in schlechten Zeiten“ das sagt sich so leicht, so lange keine schlechten Zeiten sind. Nach Finlays Tod habe ich ansatzweise erfahren, wie schlecht Zeiten sein können und wie stark eine Beziehung sein muss, um das tragen zu können. So eine starke Beziehung entsteht nicht, wenn man immer nur im Sonnenschein gemeinsam spazieren geht. In guten und in schlechten Zeiten zusammen halten zu können bedeutet, die schlechten Zeiten gemeinsam zu erleben. Ich werde mein Pony nicht vor allem beschützen können und wenn wir Kutsche fahren und auf Distanzritt gehen wollen, kann ich nicht jede Situation als Trainingssituation genau bestimmen und üben. Was, wenn neben uns der Rettungshubschrauber landen muss? Was, wenn uns ein Vollidiot auf dem Motorrad mit 100km/h fast über die Füße fährt? Was, wenn das Pferd eines Mitreiters plötzlich ohne Mensch durch die Gegend läuft? Was, wenn aus dem angesagten Regen ein Starkregen mit Sturmböen wird? Wenn wir einen geplanten Weg nicht nutzen können und plötzlich 10 km Umweg vor uns haben?

Immer noch geistert der Glaube durch die Reiterszene, wenn man nur „Herdenchef“ gegenüber seinem Pferd sei, würde es all diese Probleme nicht geben. In unserer Herde, mit Diego als wundervollem Chef, kann ich beobachten, wie verkehrt dieser Glaube ist. Selbst wenn Diego sich über etwas gar nicht aufregt und völlig ruhig bleibt, erschrecken sich die anderen manchmal. Und fürchten sich. Ja, Diego kann helfen mit seiner Ruhe. Aber er kann die Angst der anderen auch nicht wegzaubern. Und er hat noch nie einen von seinen Freunden gezwungen – oder auch nur überredet – an eine vermeintliche Gefahr heran zu gehen. Wenn etwas los ist, geht er voran und schaut sich das an. Dann entscheidet er, ob er das gefährlich findet oder nicht. Fast immer findet er es nicht gefährlich. Dann verhält er sich entspannt und normal und lässt die anderen Ponys gewähren. Die entscheiden für sich je nach Angst ob sie ihm glauben oder nicht. Wenn nicht, kann es schon mal wildes Gerenne geben, an dem Diego dann eben nicht teilnimmt. Niemals schickt er ein rangniedriges Pony vor in die Gefahr (wie Menschen so gern behaupten dass es wäre). Er geht immer vorweg und übernimmt die Verantwortung.

Wenn ich mein Pony am Strick oder vor der Kutsche habe, bin ich nicht in der Situation, dass ich ihn rennen lassen kann wenn er es meint. Ich muss schon Einfluss nehmen. Und in unvorhergesehenen Situationen muss er an der Kutsche auch voran gehen (in vorhersehbaren kann der Beifahrer vorher absteigen und das Pony vorne unterstützen). Ich muss also eine andere Beziehung zu meinem Pony haben als Herdenchef Diego sie hat. Und die will geübt und aufgebaut werden – jedes Mal wenn wir gemeinsam unterwegs sind. Bis wir uns aufeinander verlassen können: in guten wie in schlechten Zeiten.

Zwei Jahre ist Duncan jetzt bei mir. Und nein, das reicht nicht um eine stabile Beziehung aufzubauen, erst recht nicht bei einem jungen Pferd. Und gerade in diesen Tagen voller Erinnerungen an unseren gemeinsamen Start und an den Schmerz, der damit verbunden ist, weil ich meinen Finlay verloren haben – gerade in diesen Tagen weiß ich, wie weit der Weg noch ist. Weil ich weiß, wie weit er mit Finlay war. Es geht schnell, einem Pferd bestimmte Verhaltensweisen beizubringen. Aber eine Beziehung aufzubauen, die wirklich hält, das dauert. Und es gibt keine Abkürzung (so sehr uns die entsprechende Ausbilder-Branche das auch verkaufen möchte). Umso wertvoller ist sie nachher und umso magischer fühlt sie sich an. In guten und auch in schlechten Momenten.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 169

Mir ist ganz romantisch zumute. Heute vor zwei Jahren bin ich nämlich hier eingezogen! Ach, das war vielleicht kompliziert alles! Die anderen fanden mich nämlich erst nicht so toll. Aber mit meinem Charme und meiner Hartnäckigkeit habe ich sie schließlich doch noch überzeugt. Erst nur Merlin den Zauberer. Der alte Knabe ist wirklich ein ganz netter. Und ich habe nicht vergessen, wie rücksichtsvoll er mit mir umgegangen ist als ich noch klein war – deswegen geh ich jetzt immer rücksichtsvoll mit ihm um, wenn wir mal bisschen spielen. Weil er nämlich schon uralt ist und nicht mehr so doll spielen kann.

Merlin war der erste hier, der nett zu mir war. Das werde ich nicht vergessen!

Diego der Große hingegen hat mir damals gleich gesagt, wer hier das Sagen hat (nämlich er). Aber er war auch nicht gemein zu mir, sondern hat mir erklärt, wenn ich mich an seine Regeln halte, dann ist hier alles friedlich. Gatsby fand mich anfangs total doof. Bei uns Schotten gibt es ja so Clans und manche davon sind verfeindet…. Hat ein bisschen gedauert, bis wir uns einig geworden sind. Dafür sind wir jetzt echte Kumpels.

Caruso hat mich am Anfang ganz schön erschreckt: so klein und doch so willensstark! Hat sich immer an mir fest gebissen und nicht mehr losgelassen! Aber was soll ich Euch sagen: inzwischen fällt mir auf, dass er wirklich ziemlich klein und eigentlich ganz harmlos ist. Der macht nur auf dicke Hose, aber ich kann ihn geschmeidig an mir abprallen lassen wenn es Not tut. Natürlich sind wir trotzdem beste Freunde, ist doch klar. Caruso ist immer für Schabernack zu haben und hat lustige Ideen. Und er kann wahnsinnig schnell rennen! Das ist wirklich unfassbar. Wie ein Kugelblitz, da kann ich nur noch hinterher schauen.

Und außerdem hab ich mich ja noch mit meinem Spaziergehkumpel angefreundet. Der wohnt zwar nebenan, besucht mich aber ab und zu, damit wir spielen können. Dann spielen wir und wenn wir fertig sind, geht er wieder nach hause. Außerdem erleben wir jede Menge tolle Abenteuer zusammen mit unseren Mädchen!

Ich muss sagen, als ich damals meinem Mädchen gesagt habe, dass ich bei ihr einziehen möchte, habe ich eine gute Entscheidung getroffen. Ich hab ihr gleich gesagt, dass ich regelmäßige Abenteuer erwarte und sie liefert auch wirklich ganz gut. Meistens zumindest. Und wenn nicht, dann hört sie zumindest meine Hinweise und bessert nach. Damit kann ich leben.

Unser allererstes gemeinsames Abenteuer. Schon sooo lange her!

Ich hab in den zwei Jahren auch schon ganz schön viel gelernt und ich bin natürlich viiiiiiiiiiel größer, schöner, stärker und schlauer geworden. Und haariger.

Mein Mädchen sagt, ich hätte in den zwei Jahren vor allem ihr Herz repariert. Noch nicht ganz, aber zu großen Teilen. Manchmal tut es ihr noch weh, aber nicht mehr so oft und so doll. Manchmal erzählt sie mir von meinem „großen Bruder“ auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke. Dann versuche ich, ihn mir vorzustellen. Ich glaube, er war ein guter Typ.

Jetzt sind mein Mädchen und ich ganz gespannt, was in den nächsten zwei Jahren so passiert. Da kommen nämlich die richtig tollen Sachen! Ich soll ja lernen, eine Kutsche zu ziehen – ganz in echt, nicht nur so tun! Und bald möchte meine Mädchen auch wirklich endlich mal aufsteigen. Sie sagt, in zwei Jahren können wir beides und dann bin ich auch alt genug um auf den ersten kleinen Distanzritt zu gehen! Ui das klingt wirklich toll! Ich werde Euch natürlich weiterhin auf dem laufenden halten. Und heute werde ich erst mal sehen ob ich nicht ein paar Gratis-Kekse kassieren kann, einfach nur so weil ich jetzt 2 Jahre hier bin….. das würde ich sehr angemessen finden für diesen besonderen Anlass.

Euer romantischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 168

Heute haben wir einen sehr demokratischen Spaziergang gemacht. Diego und ich haben nämlich mein Mädchen und den Mann zum Wahllokal begleitet. Das hat schon Tradition, sagt mein Mädchen. Aber früher war das einfacher, da wurde im Landgasthof gewählt und die Ponys konnten direkt vor der Tür warten. Jetzt wird in der Schule gewählt und da geht das leider nicht. Also mussten wir Ponys etwas weiter weg warten, während jeweils einer von unseren Menschen wählen gegangen ist. Und so gibt es nun kein schönes Foto von uns vorm Wahllokal! Das ist sehr betrüblich.

Wir warten geduldig während der Mann seine Kreuzchen macht. Mein Mädchen war schon dran.

Wählen durften wir auch nicht. Aber da war auch keine interessante Partei für uns dabei. Ich persönlich hätte da schon ein paar Vorschläge. Wie wäre es mit der KoK-Partei (Kekse ohne Knausern) oder vielleicht die FGa (Freies Gras für alle)? Ich könnte mir auch vorstellen, die AfsP zu wählen (Abenteuer für schöne Ponys) oder die Wallehaar-Partei. Oder die Partei der freien Ponys (PfP). Aber die standen ja alle nicht zur Wahl.

Liebe Menschen, ich versteh nicht viel von Eurer Demokratie. Aber uns Ponys bleibt oft nicht so viel Wahl und das eine oder andere Mal hätten wir gern mehr davon. Deswegen rate ich Euch: Geht wählen – weil Ihr es könnt!

Euer demokratischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Geht wählen – weil ihr es könnt!

Mein neues Pony

Alles neu macht – das Erwachsenwerden.

Der Zeitpunkt ist gekommen. Der Zeitpunkt zu dem ich erfahre, welche von Duncans Eigenschaften bleiben und welche sich verändern, während er erwachsen wird. Was für ein spannender Moment! Naja, wahrscheinlich dauert dieser „Moment“ mindestens ein Jahr. Mal sehen.

Bald ist Duncan 2 Jahre bei mir – und wie oft habe ich mich in den zwei Jahren gefragt: dieses Verhalten – ist das sein Grundcharakter oder wird sich das noch ändern?

Vieles ist geblieben: die Lust am Abenteuer, die Intelligenz, das Lernverhalten. Manches ändert sich jetzt und ich denke viel darüber nach. Vor allem eins fällt mir auf: mein Pony ist dickfelliger geworden. Und ich glaube, das ist nicht (nur) die Pubertät, die bewirkt, dass er den einen oder anderen Rüffel (sei er von mir oder von einem Herdenmitglied) wahlweise ignoriert oder mit Gegenwehr beantwortet (gerade so wie ein Teenager, der die Mutter schnell mal mit „dumme Kuh!“ anbrüllt, wenn sie Kritik wagt). Nein, ich glaube, er ist wahrhaftig dickfelliger – oder soll ich sagen: dickhäutiger – geworden. Schon in unserem Urlaub fiel mir auf, dass Duncan auf die nervigen Fliegen etwas weniger Reaktion gezeigt hat als Diego. Und als wir jetzt – oh Schreck! – die erste Hirschlausfliege hier bei uns hatten, da hat Duncan ebenfalls herzlich wenig Reaktion darauf gezeigt. Das erinnert mich an Finlay, der (was ja durchaus angenehm ist) auf jegliche Wetterphänomene sowie auf Insekten aller Art fast keine Reaktion gezeigt hat. Die Kehrseite dieser Medaille ist, dass so ein Pferd eben auch einen Rüffel schneller einsteckt und einen anschaut nach dem Motto „na und?“. Neulich hatten wir zum ersten Mal die Situation dass Duncan versucht hat, völlig ungerührt an mir vorbei zu marschieren, während ich eigentlich gesagt hatte, er soll warten und mich durch lassen. Nicht nur einmal, sondern zwei mal hat er das versucht. Denn auf der anderen Seite des Tores hatte er eine Schüssel gesichtet und beschlossen, dass die für ihn sei (dabei hatte Merlin sie längst geleert). Bis ich ihm das Tor vor der Nase wieder zu gemacht habe mit der Ansage, dass es das Heu eben leider erst dann gibt, wenn Herr Ritter gedenkt, sich ritterlich zu benehmen. Ach so. Na dann. Ungläubiger Blick aber meine Botschaft kam schnell an.

Wenn er unterwegs ungefragt die Nase ins Grün steckt, muss ich schon deutlich mehr Gas geben um die da wieder raus zu kriegen. Meine vorher sehr erfolgreiche Taktik, ihm das Seil vor oder an die Nase zu werfen, beeindruckt ihn nicht mehr. Jetzt könnte ich vermuten, dass es sich abgenutzt hat und somit meine Schuld ist. Aber ich sehe, dass er auf die anderen Ponys ähnlich stoisch reagiert. Beiß mich doch. Ich steh trotzdem hier. Und Caruso beißt sich dann langsam mal die Zähne aus an seinem großen Freund. Ich schätze, Sir Duncan hat begriffen, dass er doch deutlich schwerer ist als 180kg… Diego hingegen hat den Ton etwas verschärft und ich sehe öfter mal, dass Duncan ein paar Meter „fliegt“ wenn Diego das allzu rüpelig fand, was der Teenie da tut. Also darf ich wohl mein Training anpassen. Jetzt ist es eben doch ein Schotte. Letztes Jahr habe ich noch gesagt, ich gehe mit ihm um wie mit dem durchschnittlichen Araber, weil er so ein Sensibelchen ist. Jetzt hat sich das was mit Sensibelchen.

Als er im Urlaub vom fremden Tierarzt eine Spritze bekam, hatte der erst im zweiten Anlauf Erfolg. Die erste Kanüle drang nicht bis zur Vene vor und der erstaunte Tierarzt fragte „was hat der denn für eine Haut? Meine Kanüle ist verstopft!“. Tja das ist eben doch eher eine Ritterrüstung, die taugt zum Abwehren sowohl schottischer Wetterverhältnisse als auch der Millionen von „Midges“ (Stechmücken) die in den Highlands über alles herfallen was Blut zu bieten hat.

Zum Glück heißt das eben auch, dass mein Pony noch nicht mal mit dem Ohr wackelte, als der Tierarzt mit der zweiten Kanüle kam. So etwas trägt der Ritter mit Fassung. Und so hat die Dickhäutigkeit ihre Vorteile. Ich bin ja auch gar nicht so wirklich der Typ für Sensibelchen. Und wenn ich Duncan mit Arnulf zusammen sehe (Arnulf ist immer sehr direkt und bewusst unvorsichtig mit den Ponys) dann beobachte ich, dass Duncan das jetzt völlig gelassen nimmt. Es gruselt ihn nicht mehr, wenn Arnulf ihn in den Arm nimmt und herzhaft durchknuddelt. Er hat kein Problem mehr damit, dass Arnulf Kommandos viel deutlicher gibt als ich. Während ich noch als Übermami daneben stehe und mich um mein Pony sorge, machen die Männer das fix unter sich aus und sind beste Freunde. Duncan sieht Arnulf jetzt als Kumpel, das ist zu merken.

Und eine weitere Neuheit habe ich beobachtet: wenn Arnulf mir Unterricht gibt, nimmt er mir Duncan ab und zu aus der Hand um etwas auszuprobieren oder zu zeigen. Früher war Duncan dann immer verwirrt und hat ständig zu mir geschaut. Als wir am Sonntag „Chaos“ geübt haben, war das nicht mehr so. Duncan hat immer genau hingeschaut, wer von uns beiden den Strick in der Hand hat und sich dann an demjenigen orientiert. Er weiß jetzt auch viel besser, mit welchen Gesten er gemeint ist und welche nix mit ihm zu tun haben. Und ich glaube, dass er das verstanden hat, macht ihn wiederum sicherer und ruhiger.

Außerdem können wir neuerdings auf dem Reitplatz gemeinsam Pause machen. Ich muss das jetzt erst wieder lernen, denn sonst war Reitplatzzeit völlig ohne Pause. Duncan konnte mit Pause machen nichts anfangen (etwas was ich von Finlay auch kenne). Jetzt hingegen hat er entdeckt, dass es nett sein kann, zwischen den Übungen gemeinsam herum zu stehen. Und ich fange an, ein „Pausen-Ende-Signal“ zu etablieren. Das ist etwas, das Finlay mich gelehrt hat: da ich nie wusste, wann er wie lange Pause machen möchte, haben wir uns schließlich darauf geeinigt, dass er so lang Pause hat wie seine 4 Füße am selben Platz bleiben. Das hat drei Vorteile: er lernt, ruhig zu stehen und das mit Entspannung zu assoziieren, er lernt außerdem, sich von vorneherein so hinzustellen, dass es auch bequem ist und er kann kommunizieren wie lang die Pause sein soll. So fange ich es jetzt auch mit Duncan an (und ich vermute, er hat die Logik bereits durchschaut). Im Unterschied zu früher stehe ich selbst während der Pause aber nicht mehr still sondern wechsle meinen Platz wie ich es bei Elsa gelernt habe. Das ist nicht nur für mein Pony angenehmer, sondern letztlich auch sinnvoller, denn so lernt er, dass er Pause machen kann, während ich um ihn herum wusel – das wird sehr praktisch sein später auf Distanzritt oder auch wenn wir mit der Kutsche los wollen.

Nun habe ich also ein neues Pony und darf meine Kommunikation entsprechend anpassen. Und mich überraschen lassen, was sich noch so alles verändert und wohin die Reise weitergeht. Davon abgesehen ist mein Pony ja nun in einem Alter, wo er auch etwas mehr ernsthaft „arbeiten“ darf, so dass wir auch noch das eine oder andere an neuen Beschäftigungen ausprobieren werden. Und auch da lasse ich mich überraschen, welche Meinung der Ritter hat zu meinen Ideen. Er wird Euch sicher davon erzählen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 167

Mein Mädchen sagt, wir üben jetzt Chaos. Sie muss das aber gar nicht üben, sie kann das voll gut, das sage ich Euch. Aber von vorn:

Mein Mädchen hat sich ein neues Seil gekauft. Das ist länger als das andere und schwerer. Und wenn man es gut drauf hat (so wie der Mann) dann kann man damit total gut Signale geben. Schwingen rechts und schwingen links, von oben oder vorne oder hinten, langsamer und schneller und was nicht noch alles. Und für uns Ponys ergibt sich das dann fast alles von allein, was das bedeutet. So weit die Theorie…. In der Praxis sieht es eher so aus, dass mein Mädchen das Seil nicht im Griff hat, sich ständig darin verheddert und drüber stolpert oder es sich selbst um die Ohren haut. Das ist schon manchmal recht amüsant! Aber irgendwelche klaren Signale kommen da für mich jetzt nicht bei rum. Und da kommt das mit dem Üben ins Spiel.

Ich bin ja ein sensibles, artiges und sehr, sehr schlaues Pony. Und wenn mein Mädchen nicht gerade 7m Seil in der Hand hat, drückt sie sich ja in der Regel auch klar aus. Das hat zur Folge, dass ich immer alles im ersten Anlauf kapiere. Wir müssen eigentlich nie was üben oder wiederholen und sie muss auch nie viele oder dolle Signale geben. Meistens hält sie die Gerte irgendwo hin und wartet, während ich nachdenke, dann mache ich das was ich denke was sie meinen könnte und in aller Regel ist das richtig. Oder zumindest fast richtig und im zweiten Anlauf ganz richtig. Dann bekomme ich einen Keks und merke mir das. So läuft das bei uns. Bis auf eine Ausnahme: wenn wir spazieren gehen und da sind fremde Pferde auf einer Koppel, dann läuft das nicht mehr. Dann will ich nämlich die fremden Pferde kennenlernen! Und kann mich gar nicht auf mein Mädchen konzentrieren. Und mein Mädchen wird dann hektisch, weil sie sich Sorgen macht und kann nicht mehr so klar Signale geben. Und dann höre ich erst recht nicht mehr hin, weil sie eh nur Kauderwelsch redet. Und dann gibt es Streit. Und das will ja nun wieder keiner von uns.

Also hat mein Mädchen einen Plan ausgeheckt der da heißt: wir üben Chaos. Also: Sie macht Chaos mit dem langen Seil und ich muss trotzdem raten was sie will. Und mich konzentrieren und ruhig bleiben und lieber zu langsam machen als zu schnell. Mich nicht über das Chaos ärgern oder aufregen sondern das Beste draus machen. Und das üben wir jetzt erst mal auf dem Reitplatz. Und wenn wir das da geübt haben, macht mein Mädchen hoffentlich schon etwas weniger Chaos mit dem Seil und ich habe ganz viel gelernt über das Aushalten und Interpretieren von Kauderwelsch. Und wenn wir dann wieder fremden Pferden begegnen, redet sie weniger Kauderwelsch und ich verstehe ihr Chaos besser und wir müssen nicht streiten. So der Plan!

Zum Glück ist der Mann dabei. Der hat sie erst mal ohne mich üben lassen, wie man das Seil wirft und schwingt. Der hat glaube ich Mitleid mit mir, wenn sie so wirres Zeug macht. Aber inzwischen bin ich ja schon ein großer, starker Ritter, ich halte das aus, wenn es sein muss (und ich Kekse dafür bekomme). Und ich hab was raus gefunden: Sobald sie ihre Hände minimal bewegt, mache ich einen Schritt in die Richtung, die vorher die richtige war (gestern war es entweder rückwärts oder seitwärts), dann schaue ich wie sie reagiert. Entweder sie fängt doll an zu kichern und gibt mir einen Keks, dann war es richtig, oder sie macht irgendwas mit ihrem Seil, dann war es falsch. Dann warte ich kurz, probiere die andere Richtung und – zack – Problem gelöst. Der Mann findet, ich bin verdammt schlau. Mein Mädchen findet, ich bin verdammt süß. Beide haben Kekse in der Tasche. Und unter diesen Bedingungen lässt es sich auch mit Chaos ganz gut leben.

Euer gewitzter Sir Duncan Dhu of Nakel

Intelligenz

Manchmal nenne ich Duncan „Mr. Brain“. Weil ich das Gefühl habe, das gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren hat schier unendliche Kapazitäten. Aus seinem Klemmbrett ist mittlerweile ein ganzes Buch geworden. Und ein großes Kapitel darin beschäftigt sich mit meiner Körpersprache. Er nimmt jedes noch so kleine Detail wahr und weiß vor allem – zu meinem Leidwesen – immer sofort wenn ich mal nicht aufmerksam bin. Mein Lieblingsbeispiel: ich fahre ihn vom Boden, er trägt Scheuklappen. Er kann mich also nicht sehen! Wir gehen schön den Weg entlang da weist meine Freundin mich auf einen besonderen Vogel hin, der in einem Baum sitzt. Ich schaue nach dem Vogel und im selben Moment hat Duncan die Nase auch schon im Gras. Wie gesagt: sehen konnte er mich nicht. Aber trotzdem war seine Wahrnehmung so akkurat, dass er seine Chance erkannt hat. Davor hat er es noch nicht mal versucht! Es ist eine Krux mit diesen Ponys. Sie wissen einfach viel zu viel über uns. Jetzt wo Duncan etwas erwachsener ist, wird er lernen dürfen, dass er sich auch dann noch benehmen muss, wenn ich mal nicht ganz konzentriert bei ihm bin. Klar, in einer perfekten Welt wäre meine Konzentration immer zu 100% bei ihm. Aber das wird sie nicht sein. Ich möchte mir beim Spazierengehen auch mal die Landschaft anschauen und ich muss zwischendurch auf die Karte schauen (das wird auf Distanzritt nicht weniger werden!). Und das ist keine Einladung an den hungrigen Ritter, sich sofort das nächste fressbare Grün einzuverleiben! Es gibt nun also deutlich Abmahnungen bei solchen Aktionen und das zeigt auch schon Wirkung. Wer stundenlang mit mir unterwegs sein möchte, muss damit leben, dass auch meine Aufmerksamkeit mal wandert.

Duncan heißt bei mir „Mr. Brain“, weil er nicht nur unglaublich schnell lernt (wobei ich bei vielen jungen, unverdorbenen Pferden erlebe, dass sie unglaublich schnell lernen, also ist mein Pony da wohl eher Durchschnitt), sondern weil er vor allem unglaublich viele Informationen verarbeiten kann. Der „Systemausfall wegen Datenüberlastung“, den es bei jungen Pferden mehr oder weniger früh gibt, scheint bei ihm quasi nie stattzufinden. Ich glaube ich habe das jetzt in zwei Jahren nur 2 mal erlebt. Während bei anderen Pferden in schöner Regelmäßigkeit dieser Moment kommt, wo sie plötzlich schreckhaft oder unendlich langsam oder in irgendeiner Form „blöd“ werden, scheint es diesen Zustand bei Duncan „the brain“ Dhu nicht zu geben. Selbst im Urlaub in völlig fremder Umgebung mit all den Eindrücken war er nach 3 Stunden Spaziergang noch völlig er selbst. Müde ja, aber total denkfähig und präsent.

Dabei glaube ich nicht, dass mein Pony bei den gängigen Intelligenztests für Pferde besonders gut abschneiden würde. Aber was ist das schon, Intelligenz? Mein Merlin, der mit Menschen so geschickt umgeht und wahnsinnig gut und schnell neue Dinge lernt, war der letzte, der begriffen hat, wie unser neues Zaunsystem aufgebaut ist. Und Diego, der so wahnsinnig toll die Herde anführt und dabei jedes Problem lösen kann, ist verloren, wenn man ihm einen unsicheren Menschen an die Seite stellt. Wer von beiden ist nun intelligenter? Keine Ahnung. Meine Schwester (ihres Zeichens Professorin) hat zu mir mal gesagt, zwischen uns bestünde kein Intelligenzgefälle. Oh, da fühlte ich mich geehrt. Aber wie will man das feststellen? Ich glaube nicht daran, dass man Intelligenz anhand von Aufgaben in Punkte einteilen kann. Ich habe sogar mal gelesen, dass Menschen intelligenter sind, wenn sie mehr Geld haben. Dort wurde die Intelligenz bei Menschen bestimmt, die ihr Geld in wenigen Wochen im Jahr einnehmen – ich glaube es waren Zuckerrübenbauern. Vor der Ernte sind sie arm, dann sind sie plötzlich reich – und intelligenter als im armen Zustand (laut Test). Das ergibt Sinn, denn Armut macht Stress und Stress hindert uns am Denken.

Ob mein Pony einen Apfel aus einem Wassereimer angeln oder ein Stalltor auf machen kann, ist mir herzlich egal – bzw im Fall des Stalltores bin ich heilfroh, wenn er es NICHT kann. Ich erinnere mich grinsend an Martin Rütter, der einmal sagte, es sei gar nicht so toll, einen wahnsinnig intelligenten Hund zu haben und er würde Anfängern immer eher zu einem „dümmeren“ Modell raten. Die kriegen nämlich nicht raus, wie man Türen und Mülleimer öffnet. „Lernt schnell“ klingt immer so toll, weil wir dann meinen, wir können den Tieren schnell das beibringen war WIR wollen. Stimmt, aber sie lernen eben auch sehr schnell was sie tun müssen um zu kriegen was SIE wollen und das stimmt nicht immer überein (womit wir wieder beim unerlaubten Fressen unterwegs wären…..). Duncan ist jetzt mein 4. eigenes Pferd. Ich könnte partout nicht sagen, welches von den vieren am intelligentesten ist. Jedes hat(te) seine Stärken und Schwächen. Aber definitiv scheint Duncan den größten „Arbeitsspeicher“ mitzubringen, in dem er schier unendliche Mengen von Eindrücken verarbeiten kann, wo die anderen drei längst an ihrer Kapazitätsgrenze wären. Und wo ich am Anfang noch Zweifel hatte, ob ich ihn überschätze, bin ich mir jetzt sicher, dass ich mich darauf verlassen kann. Und das finde ich äußerst erstaunlich, ganz besonders im Hinblick auf sein Alter und seine begrenzte Lebenserfahrung .

Und so habe ich wieder Glück gehabt, denn genau das ist eine Eigenschaft, die ein Pferd sowohl sehr Kutsch- als auch sehr Distanztauglich macht.

Denn die Intelligenz, die jedes Pferd in irgendeiner Form mitbringt, kann sich natürlich dort am besten zeigen, wo das Pferd seine Stärken hat. Während mein Merlin nie ein guter Herdenchef war, hat er doch vielen ängstlichen oder unsicheren Reitern geholfen, zu lernen und er hat als „Professor“ einigen Fortgeschrittenen ein paar Feinheiten gezeigt. Diego hingegen, der nie ein Anfängerpferd sein wird, ist ein großartiger Lehrmeister für junge und unsichere Pferde und macht – so lange Arnulf dabei ist – einfach alles mit. Und mein Duncan, na der ist eben der rechte Abenteurer, dem es gar nicht genug Erlebnis sein kann.

Wenn jeder in seinen Stärken glänzen darf, dann bleibt mein „Mr. Brain“ kein Einzelfall.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 166

So, nachdem ich nun also im Bootcamp war und fleißig gewachsen bin, bin ich natürlich jetzt was? Na ein großes, starkes Pony!

Und schon sagt mein Mädchen wieder, ich hätte Pubertät. Nur weil ich gelegentlich anmerke, dass wir mal ein Stück traben könnten. Oder Gras fressen. Oder nach den Pferden da auf der anderen Seite des Zauns gucken. Ja wie, hab ich gar kein Mitspracherecht? Mein Mädchen meint, ich dürfte mir ja schon meistens aussuchen, auf welcher Position ich laufen möchte und in welchem Tempo und sie würde mir ja auch meine Graspausen gönnen. Aber ich finde, das reicht nicht. Groß und stark wie ich ja jetzt nun mal bin, könnte ich doch auch mal die Richtung bestimmen in die wir gehen und die Gangart, oder? Aber nein, mein Mädchen sieht das natürlich anders. Und immer wenn sie meint, ich hätte Pubertät, wird sie unglaublich stur. Anstrengend ist das, sage ich euch! Aber ich hab auch so meine Tricks…..

Wenn sie mal böse ist mit mir, guck ich einfach so. Dann schmilzt sie sofort wieder dahin weil ich soooooo süß bin!

Außerdem hat sie voll wenig Zeit für mich. Weil sie dauernd die Wiese mulchen oder Merlin füttern oder Geld verdienen muss. Oder was weiß ich was sie da noch alles treibt. Menno. Ich hatte mich gerade so schön an diese 12km-Touren gewöhnt.

Na gut, irgendwie muss ich mich wohl allein beschäftigen. Also mache ich so lange bisschen Zahnwechsel. Muss ja auch sein. Mein Mädchen meint schon wieder, ich wäre früh dran damit. Ja hopp hopp, ich hab schließlich nicht ewig Zeit!

Wackelzahn!

Aber seit gestern ist mein Mädchen ganz gut gelaunt, obwohl ich Pubertät habe. Weil nämlich das Mädchen vom Spaziergehkumpel mein Mädchen darauf hingewiesen hat, dass ich an der Stelle, an der mein Mädchen später auf meinem Rücken sitzen will, etwas breiter und kräftiger geworden bin. Und schon träumt mein Mädchen wieder von stundenlangen Ausritten. Ja bitte, wann geht’s denn endlich mal los? Aber ihr wisst ja was sie sagt: ich bin immer noch zu klein. Seufz.

Merke: ich bin entweder zu klein, zu pubertär oder zu groß und zu stark. Die Logik versteht wohl keiner oder?

Euer großer, starker aber auch leicht verwirrter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 165

Soooo hier kommt er endlich: mein ausführlicher Bootcamp-Bericht!

Mein Mädchen hatte mir versprochen, dass wir dieses Jahr wieder einen Abenteuerurlaub machen, so wie letztes Jahr, nur länger und weiter weg!

Also am Donnerstag sind wir in die Wackelkiste gestiegen, Diego der Große und ich. Und dann ging es los. Das war eine ganz schön lange Reise! Diego hat sich beschwert, dass er mal Pippi machen müsste. Ich hab da nicht lang gezaudert. In der Wackelkiste lässt sich das schließlich auch erledigen. Aber Diego wollte das nicht so gern. Als wir dann endlich da waren, musste er ganz schnell aussteigen und das dringende Geschäft erledigen.

Dann haben wir unsere „Ferienwohnung“ angeschaut. Das war ein Sandpaddock mit einem Unterstand. Und nebenan haben zwei Pferde gewohnt, ein großes und ein ganz kleiner, der hat mich an Caruso erinnert. Das fand ich spannend! Hab mich ein bisschen hergezeigt und bin auf und ab getrabt, weil ich doch so schön bin. Aber die beiden waren ganz entspannt und nach einer Weile fand ich es dann auch unnötig und bin lieber zum Fressen übergegangen.

Am nächsten Tag sind wir dann gleich ordentlich los marschiert – ich hatte Euch hier davon berichtet. Es war ganz schön warm und als wir dann mittags nach hause gekommen sind, war da alles voller Fliegen! Mann die haben vielleicht genervt! Das waren diese gemeinen Fliegen die so fies beißen können! Diego der Große fand das ganz schlimm, der wollte immer gern alle Fliegen auf einmal vertreiben. Da kamen mein Mädchen und der Mann zu uns und haben uns unsere Ausreitdecken wieder drauf gemacht, die haben wenigstens ein bisschen geschützt. Und nach einer Weile, als die Füße von meinem Mädchen sich etwas erholt hatten, haben sie uns mitgenommen und wir sind zu einer Stelle gegangen wo wir am Wegesrand grasen konnten. Da waren auch nicht so viele Fliegen, zum Glück. Abends ging es dann auch im Paddock wieder, Fliegen gehen ja zum Glück früh schlafen. In der Nacht haben wir so viel Heu bekommen, dass wir gar nicht alles aufessen konnten! Das ist zu hause nie so. Da ist immer Diät. Aber im Urlaub darf man schlemmen, sagt mein Mädchen. Toll!

Weil es da keine Weide für uns gab sind wir immer am Strick grasen gegangen.

Am nächsten Tag sind wir dann gleich wieder zusammen los gezogen. Ganz schönes Programm hier! Aber ich mag das ja auch, mich so auszupowern.

Unterwegs haben wir auch oft Pause gemacht um Gras zu naschen

Am Sonntag haben wir dann alle nur faul rum gehangen. Zwei mal sind wir zusammen grasen gegangen und nachmittags haben mein Mädchen und der Mann bei uns im Paddock gesessen und uns Gesellschaft geleistet.

Am Sonntag haben uns die Menschen im Paddock besucht um gemeinsam Zeit zu verbummeln

Und am Montag – da waren wir schon wieder 12km los! Ich war mittlerweile auch schon ganz entspannt, sogar wenn wir an den Weiden mit den fremden Pferden vorbei gegangen sind. Da war mein Mädchen echt stolz auf mich! Tja, das war ein toller Urlaub. Bis…. naja, bis dann Montag abend leider dieses Malheur passiert ist. Aber zum Glück war es kein so großes Ding wie mein Mädchen befürchtet hat. Nach ein paar Stunden war alles wieder vorbei.

Am nächsten Morgen ging es dann wieder in die Wackelkiste auf die lange Heimfahrt. Mein Mädchen war soooo stolz auf uns beide, besonders natürlich auf mich! Weil wir halt die besten Ponys der Welt sind! Ist doch klar.

Mein Mädchen sagt, nächstes Jahr machen wir wieder Abenteuerurlaub. Bin schon gespannt wo es dann hin geht! Und jetzt verrate ich Euch zu guter Letzt noch, wo wir eigentlich waren:

Euer Abenteuerurlauber Sir Duncan Dhu of Nakel