Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 171

„Schluss mit Romantik“ hat mein Mädchen gesagt. „Wir müssen jetzt ran an den Speck“. Hä? Welcher Speck denn? Ich bin doch voll gut in Schuss und perfekt proportioniert!

Aber sie meinte auch nicht wirklich „Speck“. Eigentlich meinte sie, dass wir jetzt ein paar Dinge mal ernsthaft üben müssen. Fremde Pferde, Dorf, fremde Pferde, Brücken und fremde Pferde zum Beispiel. Ungefähr in dieser Reihenfolge. Also fahren wir jetzt nicht mehr mit der Wackelkiste an all die romantischen, verwunschenen, einsamen Orte wo nichts und niemand unterwegs ist, sondern wir suchen die Herausforderung. Heute waren es die fremden Pferde. Wobei ich die Strecke schon kannte, eigentlich ist das ein schöner Spaziergang, nur dass man ein ganzes Stück an einer Pferdeweide vorbei läuft. Aber der Rest vom Spaziergang war heute auch nicht so wahnsinnig romantisch, weil mein Mädchen dauernd mit mir geübt hat. Weil ich nämlich fremde Pferde so unglaublich spannend finde und dann manchmal vergesse, dass mein Mädchen auch noch da ist und Tempo und Richtung bestimmen will, hat sie beschlossen, dass wir jetzt immer seitwärts gehen, wenn ich sie vergesse, damit ich mich erinnere, dass sie noch existiert. Und damit wir auch beide genau wissen was zu tun ist, haben wir das vorher auf dem Weg zu den fremden Pferden geübt. Mit 1384729 Tipps vom Mann, der das auch zwei- oder dreimal noch demonstrieren musste, mit viel Fluchen von Seiten des Mädchens wegen der 7 Meter Seil und – zum Glück – mit Keksen für mich wenn ich es gut gemacht habe. War anstrengend, nicht romantisch. Als wir dann zu den fremden Pferden kamen, die da auf der Koppel rumstehen, hab ich mir überlegt dass ich schon genug seitwärts unterwegs war und lieber gleich alles richtig mache. Hab da mal so zu den anderen geschielt aber wenn mein Mädchen am Strick gezupft hat und gesagt hat, dass ich lieber zu ihr schielen soll, hab ich das halt gemacht. Und was war sie begeistert von mir! Weil ich so ein artiger Hengst bin. Ganz ruhig bin ich da lang marschiert. Ohne Wiehern, ohne Imponiergehabe und ich habe mir auch verkniffen, meinen „Rüssel“ raus hängen zu lassen, das mach ich sonst ganz gerne mal. Aber mein Mädchen kann das nicht leiden, sie sagt das will doch keiner sehen. Ach, ich glaube, da gibt es schon welche die das beeindruckend finden… Aber gut, so gehen die Meinungen auseinander und letztendlich hat sie halt das Sagen. Manchmal schade, aber da ist wohl nix zu wollen – weil sie ja die Kekse verwaltet und somit am längeren Hebel sitzt.

„Schluss mit Romantik“ heißt übrigens auch, dass sie ganz schön streng geworden ist. Weil ich jetzt ein echter Teenager bin und sie allezeit gutes Benehmen erwartet. Uiuiuiui. Anspruchsvoll ist sie geworden. Aber ich kann das (meistens).

Also, anscheinend gibt es jetzt dauernd was zu üben. Na wenigstens kommt dann keine Langeweile auf.

Euer unromantischer Sir Duncan Dhu of Nakel

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