Ursachenforschung

Ich bitte um Entschuldigung, aber mein Unterrichtserlebnis vor ein paar Wochen war so teuer und frustrierend, dass ich jetzt wenigstens das Beste daraus machen muss. Und das Beste sind in diesem Fall Erkenntnisse und also Blogartikel. Ich beziehe mich heute also noch einmal auf dieses unsägliche Erlebnis. Ich glaube, danach bin ich fertig damit.

Duncan und ich schwanken über den Reitplatz. Ich laufe neben ihm, weiß aber nicht genau wohin. Und er ist ständig zu schnell. „Ich habe ein Problem mit der Zügelführung“ sage ich zu der Reitlehrerin in meinem Ohr. Ich soll die Zügel direkt unterm Pferdekinn halten – eine Zügelführung die ich noch nie verwendet habe. Ich verstehe, warum das gerade sinnvoll ist, aber das macht es mir nicht leichter. Also äußere ich mein Problem. Schließlich sitzt am anderen Ende des Internets eine Person, die mir helfen soll. Als durch den Knopf in meinem Ohr ihre Antwort kommt, glaube ich zuerst an einen Scherz „dann sei froh dass wir nicht die andere Zügelführung machen, die ist noch viel schwerer“. Ok, lustig. Und jetzt bitte zu dem Teil wo mir geholfen wird. Aber der bleibt aus.

Ich ärgere mich, dass ich den Unterricht nicht an dieser Stelle unterbrochen habe. Es wäre Zeit gewesen, mich selbst zu beschützen. Meinem Gefühl zu vertrauen und die Stopp-Taste zu drücken. Aber ich war bereits derart überfordert mit all den anderen Dingen, die zu tun und zu beachten waren, dass ich nicht in der Lage war, für mich selbst einzustehen.

Zum Glück unterrichte ich ja selbst. Und habe deswegen ein paar Techniken gelernt und entwickelt, um meinen Schülerinnen bei solchen Problemen helfen zu können. Die konnte ich dann im Nachhinein bei mir selbst anwenden. Gedanklich ging ich in die Situation zurück. Ich nahm den Platz der Lehrerin ein und fragte mich selbst „was ist denn dein Problem mit der Zügelführung?“. Als Schülerin antwortete ich mir „ich stoße immer mit meinem Arm an Duncans Hals an und dann ist es ein einziges Drücken und Schieben“.

(Ja, ich führe manchmal Selbstgespräche. Da ich selbstständig bin, zählt das bei mir als Teambesprechung.)

Als Lehrerin konnte ich mir dann genau erklären, dass es gar kein Problem mit der Zügelführung als solches gibt. Das wirkliche Problem ist einfach nur das Tempo. Denn dass mein Arm an Duncans Hals anstößt passiert nur dann, wenn er zu weit vor gelaufen ist. Und schon bin ich wieder bei den Häppchen, denn hier wäre es jetzt nötig gewesen, kleinschrittiger zu üben. Losgehen und, wenn Duncan schneller geht als ich, sofort anhalten (das ist dann bei dem gewählten Tempo so nach 1-2 Schritten der Fall). Ihm sagen, dass er stehenbleiben soll, selbst einen Schritt nach vorn gehen, damit ich wieder in Position bin, dann wieder los gehen. Setzt voraus, dass er lernt, zu warten, während ich neben ihm vor gehe (Übung eins) und mit mir loszugehen, wenn er soll (Übung zwei, denn das kann er zwar schon, macht es aber derzeit IMMER, weil er es so gelernt hat). Aus Erfahrung weiß ich, dass so eine Unterscheidung – wann soll er los gehen, wann nicht, während der Mensch sich fast gleich verhält – ganz schön schwierig ist und viele, viele Wiederholungen braucht, bis sie zuverlässig klappt.

Alternative: Ich könnte ihn rückwärts wieder auf seine Position schicken, aber das war in dem Fall nicht erwünscht. Oder ich könnte versuchen, mich deutlich anders zu bewegen um meine Position zu korrigieren. Z.B. könnte ich mich seitwärts in meine Position bewegen, vielleicht würde ihm das schneller zu verstehen geben, dass er jetzt NICHT mitkommen soll. Oder ihm die Gerte vor die Nase halten, während ich nach vorne gehe. Oder die Zügel los lassen, mein „warte“-Kommando verwenden und im Bogen neben ihm nach vorn gehen. Oder die Zügel so halten, dass er vom Gebiss gebremst wird, während ich vor gehen. Wir könnten die Übung auch noch kleiner machen und wirklich immer nur einen Schritt gehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er deutlich vor mir zum stehen kommt, noch etwas kleiner (wenn auch nicht null!).

Ach, es gab so viele Optionen, das Problem zu lösen. Mir zu sagen, dass eine andere Zügelführung noch viel schwieriger wäre, war sicherlich eine der allerschlechtesten. Aber egal.

Worauf ich hinaus will: Das Problem, das ich formuliert hatte, war gar nicht das Problem. Dass die Zügelführung mir Schwierigkeiten machte, war nur das Symptom eines anderen, zugrunde liegenden Problems. Und das ist gar nicht selten.

Die Reiterin, die von sich selbst behauptet, schief zu sitzen, in Wahrheit aber von ihrem Pferd schief hingesetzt wird.

Die Reiterin die meint, ihre Hand wäre zu hart, weil das Pferd gegen das Gebiss geht, in Wirklichkeit zeigt das Pferd nur, dass es die Gebisshilfen falsch verstanden hat.

Das Pferd, das immer mit der Schulter drängelt und in Wirklichkeit ein Balanceproblem hat.

Das Pferd, dem ewig Stangentraining gegen Stolpern verordnet wird, obwohl es einfach komplett falsch auffußt und deswegen stolpert.

Das Pferd, das angeblich so triebig ist – in Wirklichkeit aber zu verspannt um vorwärts zu gehen.

Ich bin höchst überrascht, wie viele erfahrene Pferdeausbilder oft Ursachen nicht erkennen, die eigentlich völlig offensichtlich sind. Aber wer weiß, was ich alles übersehe? In jedem Fall denke ich, nachfragen und nachforschen lohnt sich. Viel zu oft werden Probleme „gelöst“ (also in Wirklichkeit nicht gelöst) indem man das Pferd beschuldigt, „dominant“, „stur“ oder „faul“ zu sein, während man der Reitschülerin bescheinigt, sie sei „zu nett“, „zu inkonsequent“ oder „eben noch nicht so weit“. Oder – wie in meinem Fall – Fragen einfach gar nicht beantwortet, sondern Pferd und Mensch damit allein lässt, weil man wohl keine bessere Idee dazu hat.

Manchmal ist es nicht so leicht, Ursachen zu finden, aber wir sollten niemals aufgeben. Ja, oft ist die Antwort auch „ihr dürft das einfach noch ein bisschen üben“. Allerdings bringt üben ja auch nur dann was, wenn RICHTIG geübt wird. Im Falle meines Zügelführungsproblems hätte „üben“ wahrscheinlich bedeutet, dass Duncan und ich so lange frustriert über den Reitplatz eiern, bis er mehr oder weniger zufällig kapiert wie es geht. (So ähnlich wurde es mir übrigens auch erklärt, blumig verpackt in den Worten, dass das Pferd selbst raus findet wie es seinen Körper benutzt. Ich bin total dafür dass das passiert, aber doch nicht während ich in seinem Maul hänge!). Diese zufälligen Ergebnisse sind meines Erachtens eine Katastrophe für die Beziehung zu unserem Pferd. Das Pferd lernt: der Mensch stellt eine unlösbare Aufgabe und „meckert“ (in diesem Fall: hängt im Zügel), wenn ich sie nicht löse, zeigt mir aber auch nicht wie es besser geht.

Bevor also „üben“ die Lösung ist, muss klar sein, was und wie denn zu üben ist. Dafür gilt es, die Ursache des Problems zu erforschen, sonst übt man am Problem vorbei (und das leider manchmal jahrelang).

Das System „raten lassen“ ist weder für den Reiter noch fürs Pferd hilfreich. Ja, im Rahmen der einen oder anderen Übung. Ich plädiere ja immer fürs Ausprobieren. Aber nur dann, wenn das ziemlich sicher zügig zum Erfolg führt – und mit zügig meine ich so im 3. oder 4. Anlauf (nicht im 1000.).

Obwohl wir bei besagter Dame keine Unterricht mehr nehmen werden, habe ich die Übung in unser Repertoire aufgenommen (wenn auch derzeit noch mit einer anderen Zügelführung). Ich arbeite jetzt kleinschrittig nach, was mir in einem unverdaulichen Brocken serviert wurde. Das tue ich unter anderem deswegen, weil ich nach Möglichkeit immer versuche, keinen Misserfolg stehen zu lassen. Weder Pferd noch Mensch sollen aus der Situation gehen und ein blödes Gefühl zurück behalten. Wo immer es geht, wiederhole ich Übungen, die schief gegangen sind, so, dass sie klappen. Das gibt beiden – Mensch und Pferd – neues Zutrauen in ihre Fähigkeiten und Mut, es beim nächsten Mal wieder auszuprobieren. Und das schöne ist: da ich jetzt die Ursache kenne, kommen wir ganz fix zum Erfolg. Und mein Pony ist hochmotiviert dabei.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 337

Wie ihr bestimmt schon mitbekommen habt, ist mein Mädchen ziemlich faul. Sie nennt das „schlau“. Sie sagt immer, wer faul ist, hat die besten Ideen, sich die Arbeit leichter zu machen. Ich sage, wer faul ist, ist faul. Ganz einfach! Wie gut, dass ich inzwischen groß genug bin, sie zu tragen, das kommt unserer Energieverteilung wirklich sehr entgegen. Aber es gibt halt Dinge, die muss sie selbst machen. Zum Beispiel meine Füße in Form bringen. Ich laufe mir die zwar auch ganz gut ab, so richtig lang werden sie nie, aber mein Mädchen sagt, es wächst halt doch immer ein bisschen in die falsche Richtung. Und da sie die Expertin auf dem Gebiet ist, glaube ich ihr das mal. Tatsächlich läuft es sich leichter, wenn sie meine Füße in Form gebracht hat. Und die Schuhe gehen dann auch wieder leichter an. Na jedenfalls findet sie es anstrengend, immer Hufe zu raspeln – das macht sie ja nicht nur bei mir, sondern auch bei ganz vielen anderen Pferden! Um das Geld für unser Futter zu verdienen. Und weil es anstrengend ist, hat sie sich jetzt was neues überlegt. Sie hat sich einen fahrbaren Untersatz gekauft! Ihr Bobbycar ist das, sagt sie. Und damit kann sie um die Pferde herum sausen von einem Huf zum anderen. Ich finde ja, sie soll damit lieber mal vom Keks-Vorrat zu mir sausen! Hat sie dann auch verstanden. Jedenfalls hatte sie einen Mordsspaß dabei, um mich rum zu flitzen. Na, wenn sie meint. Ich hingegen flitze ja lieber selbst, ganz ohne Bobbycar. Und bin dabei sehr viel schneller unterwegs als sie. Aber das ist ja jetzt gar nix neues.

Euer umfahrener Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 336

Heute war schon richtig warmes Frühlingswetter. Und Sonntag! Also Ausflugstag! Wir sind mal wieder von zu hause aus aufgebrochen. Mein Mädchen meinte, zwecks Wiedererlangung der Grundfitness wäre eine kleine Bergsteigertour mal wieder ganz gut. Aber bevor es auf den Berg geht, müssen wir durchs Dorf. Und was soll ich sagen: da war er wieder! Cerberus, der Höllenhund! Seit wann wohnt der denn bei uns im Dorf? Der hat so fies gebellt, dass sogar Diego sich erschreckt hat – und das will was heißen! Ich hab einen kleinen Satz gemacht, aber dann hab ich gesehen, dass da ein guter Zaun zwischen uns und Cerberus ist und dann ging es wieder.

Raus aus dem Dorf und ein gutes Stück getrabt. Schön ein bisschen durchs Feld, dann in den Wald. In dem Wald ist ein Teich. Und was soll ich euch sagen? Ich habe heute festgestellt dass dort auch gefährliche Tiere leben! Ich nenne sie „die Ente des Grauens“! Sie kam plötzlich mit viel lautem Geschnatter aus dem Schilf hoch geflogen. Man, hab ich mich wieder erschreckt! Mein Mädchen war aber ganz stolz auf mich. Weil ich nämlich wieder – wie bei Cerberus – nur einen Satz gemacht habe und dann stehen geblieben bin. So macht man das, sagt sie. Erschrecken kann sich schließlich jeder! Das ist ganz normal. Die blöde Ente hätte ja auch still sitzen bleiben können!

Als wir dann also wegen der ganzen Erschrecker-Viecher schon ordentlich Puls hatten, kam der erste Berg. Puh, ich hatte irgendwie vergessen, wie steil das da bergauf geht! Als wir oben waren, meinte mein Mädchen zum Mann, die ursprünglich geplante Route wäre wohl etwas zu viel für unsere mangelnde Fitness und wir sollten lieber etwas abkürzen. Ja, das ist allerdings ganz in meinem Sinne! Also ein Stück den Berg wieder runter. Aber dann nochmal rechts ab, den Berg wieder rauf! Man, man, man, das ist auch echt viel Arbeit, mein Mädchen da hoch zu schleppen! Aber es lohnt sich doch immer wieder. Denn oben ist die schöne Aussicht und eine traditionelle Graspause! Und weil Diego und ich schon so schwitzig und etwas schnaufig waren von dem ganzen Bergsteigen, war es eine ziemlich ausgiebige Graspause.

Aussicht und Gras, das hat auf dieser Runde Tradition.

Danach haben wir dann den Heimweg angetreten und die Menschen haben beschlossen, dass wir jetzt wieder öfter die Bergtour reiten. Für die Fitness! Auf dem Rückweg haben wir noch das eine oder andere seitwärts geübt und mein Mädchen war voll entzückt, wie gut ich das jetzt schon kann.

Zu hause gab es erst mal eine Verschnaufpause und dann kam mein Mädchen wieder mal Puls messen. Das macht sie ja gelegentlich, weil sie wissen will, was da so für Werte zustande kommen. Diego 36, ich 40. Macht aus dieser Information was ihr wollt, ich habe keine Ahnung. Mein Mädchen sagt, die hat sie auch noch nicht, aber sie will Daten sammeln, damit sie irgendwann Ahnung hat. Ok, so lange es fürs Puls messen Kekse gibt, soll es mir recht sein. Morgen haben wir frei und lassen unsere Muskeln wachsen während mein Mädchen fleißig arbeiten geht um unser Futter zu bezahlen.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel im Fitnesstraining

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 335

Mein Mädchen bekommt immer mal ängstliche Nachfragen, ob ich denn jetzt wieder ganz gesund bin. Ja bin ich! Wirklich wahr. Und mit Gatsbys Hilfe trainiere ich mich jetzt wieder zur alten Fitness auf. Spielen, spielen, spielen! Gestern kam mein Mädchen und wollte eigentlich „Rumstehtraining“ mit mir machen. Ich hatte aber Lust, mit Gatsby zu spielen. Also durfte mein Mädchen nicht rumstehen, denn wenn ich mich bewege muss sie sich auch bewegen. So sind die Regeln im Rumstehtraining! Sie hat versucht, die Kamera trotzdem ruhig genug zu halten um für euch ein schönes Video zu machen.

spielen, spielen, spielen!
Anschließend gemeinsam rumstehen.

Nach dem Spielen stehen wir dann immer noch ein bisschen zusammen rum, Gatsby und ich. Mein Mädchen lacht immer, wenn wir so stehen. Wir zwei wären „ein Kopp und ein Arsch“ sagt sie dann immer. Wir sind eben Schottenkumpel! Jetzt wo ich etwas erwachsener bin und mich schon gut auskenne im Leben brauche ich nicht mehr den ganzen Tag hinter Diego her laufen und ihm alles nachmachen. Ich weiß ja, was er so macht und wie das geht. Ich bin jetzt lieber mehr mit Gatsby zusammen, der hat nämlich schön viel und oft Lust zu spielen! Und er kann das voll gut. Und gerade jetzt muss ich ja sehen, dass ich meine Muskulatur wieder auf Vordermann bringe! Und Diego genießt derweil seine Ruhe.

Euer wirklich wieder vollständig gesunder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 334

Na sowas, mein Mädchen und ich haben doch glatt einen Jahrestag verpasst! Am 27.2.2022 habe ich mein Mädchen nämlich zum ersten Mal ein Stückchen durchs Gelände getragen. Seitdem sind ein paar Kilometer dazu gekommen, nach unserer Schätzung ungefähr 230km, die ich sie getragen habe. Dazwischen noch eine Menge, die sie zu Fuß gegangen ist (geschätzte 380km). Mein Mädchen meint, dieses Verhältnis darf sich gerne noch verschieben. Sie möchte nämlich lieber getragen werden als zu Fuß gehen und ich bin da ganz bei ihr – zu Fuß ist sie einfach zu langsam. Sicherlich wird sie immer mal ein Stück zu Fuß gehen – um ihre Füße aufzuwärmen im Winter oder um meinem Rücken eine Pause zu geben oder weil eine Situation zu gruselig ist für sie (oder mich). Aber die meiste Zeit möchte sie doch lieber, dass ich sie trage.

Auf den ganzen Kilometern, die ich sie getragen habe, habe ich nie was falsch gemacht, sagt mein Mädchen. Und sie ist verdammt stolz auf mich. Manchmal hatte sie Angst oder hat sich Sorgen gemacht, aber es war immer grundlos. Ich hab mich zwar ein paar mal erschreckt, zum Beispiel vor Bären, Vögeln oder Ungeheuern aber ich habe immer für sie gesorgt und sie nie verloren. Manchmal hatte ich etwas mehr Energie als ihr lieb war, aber auch dann habe ich mich immer anständig benommen. Wenn ich Probleme hatte oder müde war, hab ich das immer angemessen und verständlich geäußert. Voll erwachsen halt.

Wir sind mit Sattel unterwegs gewesen und mit Reitpad, mit Gebiss und ohne, bei Regen, bei Sonne, bei Schnee und bei Mücken. Im Schritt, im Trab und ein bisschen sogar schon im Galopp! Was auf der Liste noch fehlt ist alleine ausreiten und gemeinsam galoppieren (bisher bin ich nur galoppiert, während Diego getrabt ist. Mein Mädchen fürchtet, ich könnte es sonst als Wettrennen verstehen….. ).

Auf dem Reitplatz haben wir nur ungefähr 25 mal Reiten geübt und das immer nur ganz kurz. Dort machen wir lieber noch Handarbeit und andere schöne Sachen, meint mein Mädchen. Weil man auf dem Reitplatz immerzu um die Kurve gehen muss und das ist mit Reiter auf dem Rücken doch komplizierter als ich dachte! Dafür brauche ich Kraft, sagt mein Mädchen, und Balance. Aber ich komme schon noch dahinter und ich bin dem an diesem Sonntag auch ein gutes Stück näher gekommen, als ich kapiert habe, wie ich meinen Rumpf anheben kann und dass laufen dann leichter wird.

Also bin ich jetzt wohl so ganz richtig, echt und ehrlich ein Reitritter. Und wir beide – mein Mädchen und ich – sind sehr zufrieden damit.

Euer Mädchen-Träger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 332

Sonntaaaaaag! Also Ausflugstag!

Meine Lahmheit ist weg und die Schwellung auch. Fast, sagt mein Mädchen, aber ehrlich, jemand anders würde da sicherlich keine Schwellung mehr sehen. Also hat sie beschlossen, ich bin wieder fit. Eher gesagt: sie hat das beschlossen, als sie mich hat spielen sehen. Ich steige zwar noch nicht wie vorher, aber ansonsten kann ich den anderen schon wieder prima auf die Nerven gehen. Und das heißt: ein schöner Ausflug zum Austoben ist angesagt! Weil meine Kumpel ihr schon wieder leid tun.

Also ab in die Wackelkiste und in den Wald. Da unser Testsattel noch nicht da ist, musste wieder das Reitpad her halten. Alles angetüdelt. Dann stellt mein Mädchen sich auf die Aufsteigehilfe und sagt ich soll rankommen. Nun bin ich ja normalerweise Gentleman, parke ordentlich ein und warte, bis sie meinen Rücken erklommen hat. Aber wenn es ans Ausreiten geht, hab ich die Geduld einfach nicht. Dann gehe ich gemachen Schrittes einfach ganz nah an der Aufsteigehilfe vorbei. Genau so, dass mein Mädchen mit einem beherzten Beinschwung präzise auf meinem Rücken landen würde. Ich könnte dann einfach schon weiter gehen. Aber jedes mal meint sie, so jung ist sie nicht mehr und es ist Winter und sie hat zu viel an. Also soll ich anhalten. Herrje, wann geht es denn nun endlich los? Der Mann meint, im früheren Leben hätte ich bestimmt beim Pony-Express gearbeitet. Die haben nie angehalten zum aufsteigen! Der Gedanke gefällt mir. Könnte ich mal auf die Liste meiner Berufswünsche schreiben!

Als mein Mädchen dann eeeeeeendlich aufgestiegen war, konnte es los gehen. Wollen wir nicht mal wieder schön ausgiebig traben, mein Mädchen? Ja, wollen wir. Aber bitte erst wenn sie es sagt. Menno. Sie hat es dann aber alsbald gesagt und schon ging es los. Mein Mädchen happy, ich happy. Im Wald war heute absolut niemand außer uns. Trab, Schritt, Graspause mit Absteigen, dann ist sie ein Stück zu Fuß gegangen. Dann das ganze von vorn.

Plötzlich, wie ich so am traben bin, sagt mein Mädchen „wow, super!“ und ich wusste auch was sie meint. Irgendwas hab ich plöztlich anders gemacht mit meinem Körper. Mein Mädchen meint, ich hätte meinen Rumpf angehoben. Jedenfalls war es plötzlich leichter, große Schritte zu machen. Mein Mädchen war hin und weg. Sie meinte, ich bin ja so schon gut zu sitzen im Trab, aber wenn ich so schön trabe, dann ist es wie schweben. Da hatte sie ganz viele Herzchen in den Augen! (Ich kann das ja von unten nicht sehen, aber fühlen kann ich das ganz genau!)

Am Ende der Tour ging es noch ein bisschen im Galopp, juhuuuu! Der Mann ist flott vorne weg getrabt und immer wenn wir etwas Abstand hatten, hat mein Mädchen gesagt, ich darf galoppieren. Bitte langsam, sonst hat sie Sorgen dass es mit mir durch geht. Ok! Kann ich. Und – zack! – Mädchen noch glücklicher als vorher.

Bilder vom Ritt gibt es keine, mein Mädchen war damit beschäftigt, im Kreis zu grinsen.

Wir waren genau rechtzeitig wieder an der Wackelkiste als gerade der Schneeregen los ging. Jetzt sind wir alle glücklich und träumen schon von den langen Touren im Frühling!

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 331

Gestern hat mein Mädchen meinen Schweif angeschaut und gesagt „Deine Glückssträhne ist da ja immer noch drin, das ist schön“. Und dann haben wir vereinbart, dass wir euch von meinen Glückssträhnen erzählen.

Das kam so: heute vor 4 Wochen bin ich zum zweiten Mal ins Pferdekrankenhaus gekommen. Es ging mir soooo mies, ich mochte nicht essen und ich wollte am liebsten gar nicht angefasst werden. Ich wurde schon sauer, wenn jemand mit dem Halfter kam! Mein Mädchen wusste aber, dass das nur bedeuten kann, dass es mir schlecht geht. Wir sind also ins Krankenhaus gefahren und da bin ich von oben bis unten untersucht worden. Weil die Tierärzte nicht ganz sicher waren, ob ich ansteckend bin, musste ich dann auf die Isolierstation. Da ist man ganz allein! Und mein Mädchen hat sich große Sorgen gemacht. Um meine Gesundheit, aber auch um meine Seele. Darum hat sie sich was überlegt. Sie hat zu hause meine 4 Kumpel mit Handtüchern abgerieben, damit die gut riechen. Dann hat sie mir die Handtücher mit in die Klinik gebracht und an meiner Box drapiert. So hat es ein bisschen nach zu hause gerochen, das war toll!

Schade dass ihr es nicht riechen könnt!

Der Mann hat Diego zwei Haarsträhnen geklaut und dann haben sie mir eine davon in die Mähne geflochten und eine in den Schweif. Weil man manchmal nicht mit einer Glückssträhne auskommt, hat mein Mädchen gesagt, sondern zwei braucht. Anscheinend hat es ja geholfen, denn ich bin ja dann ganz schnell wieder gesund geworden.

Eine Glückssträhne (bzw zwei) war genau das was ich dringend brauchte!

Jetzt trage ich meine Glückssträhnen mit Stolz so lange sie noch halten. Und die Klinik will ich am liebsten nie wieder von innen sehen, ehrlich gesagt. Da ist mein Mädchen ganz bei mir. Wir vergessen das alles jetzt am besten ganz schnell und genießen unser Leben.

Alles vergessen und das Leben genießen. Ich bin jeden Tag etwas besser drauf!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit den zwei Glückssträhnen

Häppchen

Wie isst man einen Elefanten? Nun, die ethisch korrekte Antwort lautet: gar nicht. Dennoch ist der arme Elefant immer das Beispiel an dieser Stelle und die Antwort lautet immer ähnlich: indem man ihn in mundgerechte Happen zerlegt.

Nach meinem frustrierenden Unterrichtserlebnis tat ich, was ich immer tue: ich habe andere mit meinem Frust genervt. Erst Arnulf, dann meine Freundin, dann noch ein paar andere. Habe wieder und wieder gefragt „bin ich zu blöd mich klar auszudrücken? Warum kriege ich keine Antwort auf meine Fragen? Warum fühle ich mich so unfähig?“ Meine Freundin hatte die passende Antwort: wenn Du es nicht kapierst, hat die Reitlehrerin es nicht kleinschrittig genug aufgebaut. Und da hatte sie exakt einen der Punkte getroffen, warum ich so frustriert war. Denn entgegen der Aussage, die meine Lehrerin in der Stunde getätigt hat („die Methode ist extrem kleinschrittig“) waren da ganz schön viele Schritte auf einmal, die Duncan und ich bewältigen sollten:

  • die Zügelführung war für uns beide neu
  • Duncan war damit überfordert, das langsame Tempo so lang zu halten
  • ich sollte, wenn er zu schnell wurde und zu weit nach vorn kam, anhalten und dann selbst wieder in die korrekte Position gehen. Das kennt mein Pony aber nicht, dass er steht und ich direkt neben ihm zwei Schritte vor gehe. Er geht dann mit los. Und auch mein Warte-Kommando hat in dieser Situation nicht gut funktioniert, weil wir es in der Form noch nie verwendet haben. Allein das hätte ich erst mal kurz üben müssen, damit es klappt
  • für mich war die Körpersprache die ich verwenden sollte, neu
  • für mich war auch allein die Tatsache, online Unterricht zu haben, neu. Nur den Knopf ihm Ohr, niemand zu sehen, das war schon ungewohnt genug.
  • die Orientierung auf dem Reitplatz war für mich kompliziert (bis ICH das Problem über Hütchen gelöst habe. In meinen Augen wäre es der Job der Reitlehrerin gewesen, das vorzuschlagen, zumal sie sagte, ich sei nicht die erste mit diesem Problem.)

Und während wir mit all diesen Dingen beschäftigt waren, sprudelte über den Knopf in meinem Ohr ein Fluss von Informationen auf mich ein. Derweil hat Online-Unterricht einen großen Nachteil: das Pferd weiß nicht, wann die Reitlehrerin lobt. Ich muss als Schülerin immer gut aufpassen, dass ich das Lob entsprechend weiter gebe, obwohl ich so sehr mit mir selbst beschäftigt bin.

Alles in allem war ich komplett überfordert. Vor mir stand ein Elefant und ich sah mich nicht in der Lage, ihn zu essen. So richtig klar wurde mir das aber erst nach dem Hinweis meiner Freundin. Für mich als Unterrichtende ist das eine durchaus heilsame Erfahrung gewesen. Oft stehe ich in der Mitte und denke „klappt doch, lass mal weiter gehen“ und übersehe, dass Pferd und Mensch bereits am Limit sind. Oder dass das Pferd zwar bereit wäre für die nächste Stufe, der Mensch aber nicht so weit ist. Wenn man daneben steht und all die Schritte schon so oft gegangen ist, kommt die Aufgabe einem nicht mehr so schwer vor. Oder wie Amanda Barton einmal so schön sagte: es ist sehr leicht, ein Pferd zu reiten, so lange man auf einem Stuhl sitzt.

Einen Tag nach diesem Erlebnis war ich selbst dann wieder die Reitlehrerin und habe die bisher ungewöhnlichste Reitstunde meines Lebens gegeben. Eine Schülerin bat mich, ihr Pony im Gelände zu reiten, während sie neben uns her läuft. Nicht, weil das Pony ein Problem hätte – er ist wunderbar artig und absolut geländesicher – sondern weil die Besitzerin eine Erinnerung mit sich herum trägt. Die beiden sind vor Jahren mal gemeinsam gestürzt und diese Erfahrung hat sich nicht beim Pony, wohl aber beim Menschen im Gehirn eingenistet und ihr Unwesen getrieben. So etwas passiert. Nun gehen die beiden zwar ausreiten, aber nur im Schritt und wenn eine Bodenunebenheit zu sehen ist, hört die Reiterin auf zu atmen. Sie hatte sich überlegt, dass es ihr helfen würde, einmal von außen sehen zu können, wie ihr Pony im Gelände aussieht und wie es sich bewegt. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen, während das Pony und ich jede Bodenunebenheit aufsuchten, die wir finden konnten. Es zeigte sich, dass er inzwischen trittsicher und geschmeidig überall durch kommt und sich dabei auch noch pudelwohl fühlt. Die Aktion war extrem erfolgreich: nur wenige Tage später bekam ich eine Nachricht, dass sie auch ausreiten war und sich nun, meiner Empfehlung folgend, Schritt für Schritt an das Thema heran pirscht. Voller Erstaunen sagte sie mir „ich fühle gar nicht, dass der Boden uneben ist“. Neee, hatte ich auch nicht gefühlt. Bester Beweis dafür, dass das Pony damit klar kommt.

Ihre Art, den Elefanten zu zerteilen, mag ungewöhnlich sein, aber so lange sie erfolgreich ist, kann uns das doch egal sein oder? Und ich habe gelernt, welche Optionen es noch so gibt, Häppchen kleiner zu machen. Manchmal denke ich, wenn man Pferde ausbildet, ist das eigentlich die Hauptarbeit: Häppchen noch kleiner machen. Bis sie schließlich mundgerecht sind. Im Gegensatz zu einem echten Elefanten ist es übrigens bei der Pferdeausbildung meist so, dass es schneller geht, wenn man kleinere Häppchen nimmt. Der Elefant schrumpft dann quasi in sich zusammen, manchmal wird fast schon eine Mücke daraus. Wie ich jetzt gelernt habe, merke ich selbst manchmal zu spät, dass Happen zu groß serviert wurden. Darum erneut meine Bitte an alle, die bei mir Unterricht nehmen: tretet auf die Bremse, wenn ich Euch zu schnell bin. Haltet mir das symbolische Messer hin und sagt „bitte kleinere Happen draus machen“.

In meinem Fall habe ich mich übrigens aus verschiedenen Gründen entschieden, diesen speziellen Elefanten nicht zu verspeisen. Nicht jeder Elefant ist für uns gedacht. Hoch erhobenen Hauptes wenden Duncan und ich uns ab und sagen „nein, danke“. Und ich bin verdammt stolz auf mein Pony, der das gigantische Chaos wunderbar erwachsen ausgehalten hat, nicht wütend und verzweifelt wurde, sondern sein Bestes gegeben hat, während ich wirr und abgelenkt war. Und ich beneide ihn darum, dass er nicht tagelang brütet, was er wohl falsch gemacht hat, warum er nicht verstanden wurde und warum er keine Antworten auf seine Fragen bekommen hat. Er geht zu seinen Kumpels, kneift irgendwen, lädt so seinen Frust ab und danach ist alles wieder gut. Und mir verzeiht er spätestens beim nächsten längeren Ausritt.

Ein paar solcher Pannen haben wir sicherlich immer gut bei unseren Pferden. Wenn es ab und zu mal nicht klappt, ist das nicht schlimm, so lange wir in 90% der Fälle darauf achten, Elefanten in mundgerechten Häppchen zu servieren.

Mahlzeit!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 330

Nach dem ganzen kastrieren und krank sein und rum stehen bin ich nicht mehr so recht in Form. Es gab dann auch noch ein kleines Missgeschick, bei dem ich mir meine Rückenmuskeln ordentlich gezerrt habe und so bin ich jetzt ein wenig steif und unfit. Ich kann zwar so normal rum laufen und auch mein Mädchen mal ein Stück im Schritt geradeaus durchs Gelände tragen, aber wenn ich mit Gatsby spiele, dann mag ich noch nicht wieder so richtig Gas geben und auf dem Reitplatz im Trab an der Hand bin ich auch noch nicht wieder ich selbst. Deswegen hat mein Mädchen mir neben der üblichen Gymnastik ein Spezialprogramm verschrieben. Dazu hat sie den Mann geholt, der ist ja unser Haus- und Hof-Osteopath und kennt sich aus. „Der Osteopath im Haus ersetzt die Axt“ sagt mein Mädchen dann immer und kichert. Der Mann hat meine Muskeln angegrabbelt und meinem Mädchen gezeigt wo und wie sie mich massieren kann. Mein Job war, Rückmeldung zu gehen: Aaaaaaaah da ist es gut! Autsch! Da nicht so fest!

Außerdem soll ich auch noch ein paar Dehnübungen machen. Dann hält mein Mädchen mein Bein hoch und ich kann mich da so rein-entspannen. Hat einen Moment gedauert bis ich das kapiert hab, aber dann war es toll. Mein Mädchen meinte, sie bricht gleich zusammen, weil ich mich so entspannt hab und so schwer wurde. Mir egal, sie ist schließlich schuld an der Misere. Ich hab nicht darum gebeten, kastriert zu werden! Soll sie mal machen.

Außerdem zieht sie mir jetzt nach der Arbeit manchmal für eine Weile Merlins Spezial-Decke drauf. Die ist zwar bisschen groß für mich, aber sie wärmt die Muskeln so schön durch.

Gemütlich. Bisschen wie der Schlafanzug von großen Bruder.

Und mit dem guten Programm und ein bisschen Geduld bin ich bald wieder ganz fit, sagt der Mann. Und der muss es wissen, oder?

Euer Sir Duncan dhu of Nakel mit Verwöhnprogramm

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 329

In meinem Intimbereich, da wo sie kürzlich an mir herum geschnippelt haben, ist noch eine kleine Schwellung. Der Tierarzt hat meinen Mädchen gesagt, sie soll das „aggressiv beobachten“. Und wenn mein Mädchen irgendwas kann, dann das! Ihr glaubt gar nicht, wie oft sie da jetzt hin schaut. Und rum fühlt. Und Fieber misst. Und ständig macht sie Fotos! Dabei ist doch da jetzt gar nichts mehr zu sehen, das ist doch weg!

Aber es hat auch gute Seiten. Es gibt nämlich dauernd Kekse, ohne dass ich was dafür tun muss. So oft, dass mein Mädchen jetzt meint, ich wäre voll verwöhnt und würde das betteln anfangen. Aber ich kann halt auch so süß betteln, dass sie gar nicht nein sagen kann – weil sie so froh ist, dass ich hier bin und es mir gut geht. Weil mich die kleine Schwellung nämlich gar nicht stört, mir ist die egal.

Außerdem hat sie beschlossen, dass ausgiebig Schritt gehen das Mittel der Wahl ist und deswegen waren wir gestern 2 Stunden draußen unterwegs und haben 10km geschafft. Immer abwechselnd laufen und reiten, aber nur Schritt. Weil mein Mädchen findet, ich soll sie noch nicht wieder im Trab tragen aber im Trab neben mir her laufen kann sie ja auch nicht, weil sie sooooooo langsam ist. Naja, so sind wir also mit Diego und dem Mann los gezogen. Direkt an der ersten Ecke, kurz vorm Dorf, hat Diego plötzlich eine Vollbremsung hingelegt. Er fürchtet sich ja wirklich selten, aber diese riesigen Dinger, die da so in Lauerposition standen, fand er doch bemerkenswert. Der Mann hat ihm dann gesagt, dass er doch ruhig gucken gehen kann und das hat er gemacht. Ich hab dann beschlossen, dass Diego das schon regelt und bin einfach entspannt an den Maschinen vorbei gegangen.

Diego schaut sich das erst mal genau an.

Dann hab ich erst kapiert was die da machen: die erneuern unsere Galoppstrecke! Mein Mädchen meint, das ist der Radweg und nur weil wir da unsere ersten Galoppversuche illegaler weise getätigt haben (natürlich nur als weit und breit niemand zu sehen war), ist das noch lange nicht „unsere Galoppstrecke“. Das sehe ich aber anders! Und habe gleich mal angemerkt, dass ich das mit dem Schritt gehen voll blöde finde. Naja, keine Chance.

Schau nur, mein Mädchen, die machen unsere Galoppstrecke neu!

Dann kamen wir ins Dorf zum Landgasthof. Mit dem stehen wir irgendwie auf Kriegsfuß, da sind ständig komische Sachen. Diesmal waren da Kinder, die in so einem Wagen von ihren Eltern geschoben wurden und sehr laut geschrieen haben. Ich hatte mich gerade entschlossen, dass das ok ist, und war mutig vorbei gegangen, als die Kinder plötzlich aus dem Wagen raus gefallen sind und RICHTIG laut am Kreischen waren! Da hab ich doch mal einen gehörigen Satz gemacht vor lauter Schreck. Danach konnte ich zwar artig Schritt gehen, aber ich war doch etwas aufgeregt und fand plötzlich alles gruselig. Hat eine Weile gedauert, bis ich wieder wirklich entspannt war.

Dann durch den Wald nach Kleinvollstedt. Dort hat Diego mitten auf der Straße geäppelt. Mein Mädchen hat es eingetütet und bei einem Briefkasten abgelegt. Seit wann macht sie denn so was? Sie sagte, da wohnt eine Schülerin von ihr, die nimmt das bestimmt für uns mit zu ihrem Misthaufen. Weil mein Mädchen zu faul war, es mit zu schleppen. Tsssssss, ich sag es ja, sie ist faul!

Ich war mittlerweile schon deutlich entspannter und mein Mädchen ganz fröhlich. Noch fröhlicher wurde sie zu hause, als sie gesehen hat, dass die Schwellung deutlich kleiner geworden ist von dem ganzen Schritt gehen. Sie sagt, wenn die Schwellung weg ist, erklärt sie mich für endgültig geheilt, dann darf ich auch wieder mit ihr oben drauf traben. Das ist doch mal ein Anreiz! Außerdem droht sie mir immer, dass sie mit dem Gartenschlauch kommt und das kühlt, wenn ich es nicht allein hinkriege. Bei dem Wetter willst du mir mit kaltem Wasser ans Gemächt? Spinnst du? Das lassen wir mal schön. Gut, es liegt an mir, sagt sie. Ich werde mich also bemühen. Bald bekommen wir nämlich einen Testsattel und da muss ich doch fit sein für die Anprobe!

Euer fast vollständig geheilter Sir Duncan Dhu of Nakel