Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 343

Na, das war aber mal ein Ausflug!

Mein Mädchen hatte Lust, mal wieder in unseren anderen Lieblingswald zu fahren. Der ist etwas weiter weg, dafür aber noch viel schöner. Sie hatte erst überlegt, ob wir unsere derzeit üblichen 10km mal etwas erweitern, aber dann hat sie sich dagegen entschieden und wollte lieber nochmal ganz genau ausbaldowern, wo da jetzt die neuen Reitwegeschilder stehen – das ist nämlich teilweise verwirrend. Also hat sie 9,7km geplant.

Los ging es bei allerschönstem Sonnenschein über den allerschönsten Waldweg. Wir Ponys waren gut gelaunt und ich bin fleißig marschiert. Mein Mädchen meinte, ich wäre wieder viel lockerer und das wäre gut. Dann mache ich größere Schritte und federe mich besser ab, sagt sie. Ich hab ein bisschen Turboschritt eingelegt.

Der Wald war so schön lichtdurchflutet!
Verwirrende Schilder – da rechts ist nämlich gar kein Weg (mehr?)
Schön, schön, schön!

Weil es in letzter Zeit viel geregnet hat, war da das eine oder andere Matschloch und nach jedem Matschloch haben die Menschen schnell unsere Hufschuhe durchgezählt. Die haben aber einwandfrei gehalten. Dann kamen wir raus aus dem Wald auf einen Plattenweg, wo wir dann auch ein Stück getrabt sind. Dann eine ausgiebige Graspause und über uns bisher unbekannte Wege an romantisch einsam gelegenen Häusern vorbei wieder in den Wald. Dort wollten wir noch ein Stück traben. Plötzlich sagt der Mann zu meinem Mädchen: „hat Diego noch alle Hufschuhe drauf? Der läuft irgendwie ungleich“. Ach herrje, da fehlte doch einer! Meinem Mädchen wurde gleich ganz blümerant, denn sie hatte länger nicht nach Diegos Hufschuhen geschaut (sie kann ja meine Schuhe von oben so schlecht sehen, deswegen schaut sie nach Diegos Schuhen und der Mann nach meinen). Und da hat sie gleich geahnt, dass der Schuh vielleicht schon länger fehlt! Was soll ich euch sagen, es ging ein gutes Stück zurück. Aus dem Wald wieder raus, an den romantisch einsam gelegenen Häusern vorbei bis zur Grauspausenstelle. Der Mann war sicher, dass dort noch alle Schuhe da gewesen wären. Aber wir haben den Schuh auf der ganzen Strecke nicht gefunden. Mein Mädchen war sicher, dass wir weiter zurück müssen. Schließlich haben sie sich entschlossen, weiter zurück zu gehen und siehe da, hinter der nächsten Kurve lag der Schuh.

Also Schuh wieder drauf und wieder umdrehen! Ich wurde mittlerweile etwas kopfmüde von dem ganzen hin und her und meinem Mädchen war kalt, also ist sie ein langes Stück gelaufen. Vorbei an den romantisch einsam gelegenen Häusern und wieder rein in den Wald. Dort sind wir noch ein kleines Stück getrabt, aber leider wurde der Weg dann so steinig, das war doof. Da haben selbst unsere Hufschuhe nicht so gut geholfen. Die Menschen wollten den kürzesten Weg zur Wackelkiste nehmen und haben sich deswegen für den Hauptweg entschieden. Im Nachhinein war das aber ne blöde Idee weil wir dort wegen der Steine nur Schritt gehen konnten. Mein Mädchen sagt, der andere Weg wäre zwar 500m länger gewesen, aber dafür viel schöner und wir hätten noch traben können.

Nun war es wie es war und wir haben insgesamt 14,4 km in knapp über 3 Stunden hinter uns gebracht. Meine Füße konnten schon noch gut laufen, aber mein Kopf war aus, das ganze Umdrehen und so war doch irgendwie anstrengend.

Mein Mädchen hat versucht, mich mit dem einen oder anderen Keks bei Laune zu halten und mir erzählt, dass ihr Vater auf Ausflügen immer eine Tafel Nussschokolade aus der Jacke gezaubert hat, wenn sie nicht mehr konnte. Also damals, als sie noch klein war – jetzt macht er das leider nicht mehr! Aber deswegen hat sie immer Schokolade in ihrem Auto und einen Müsli-Riegel in der Tasche, man weiß ja nie, wann einem die Kräfte versagen! Ich hatte Durst und hab jede Pfütze probiert, aber es hat keine so gut geschmeckt, dass ich mich satt getrunken hätte. Und Hunger hatte ich, die Graspause war viel zu lange her! Deswegen hab ich an der Wackelkiste auch gleich versucht, etwas Heu zu ergattern. Mein Mädchen hat sich beeilt, dass ich schnell einsteigen und essen kann, bevor mein Blutzucker komplett im Keller ist. Zum Glück kennt sie sich ja aus mit uns Ponys und weiß, wie wichtig Essen für uns ist!

Trotzdem: es war ein prima Ausflug und ganz aus Versehen haben wir jetzt einen neuen Streckenrekord aufgestellt! Ihr wisst ja, ich mag das, mich mal richtig auszupowern. Und mein Mädchen sagt, sie merkt sich, dass man den Hauptweg nicht reiten sollte, weil der so steinig ist. Sie will jetzt noch den Rest von dem Wald erkunden und dann irgendwann alle Wege dort zusammensetzen, das werden dann so knappe 18km. Aber das dauert noch etwas, bis wir das gut schaffen können.

Heute haben Diego und ich erst mal schön frei und dürfen uns erholen. Neue Muskeln wachsen lassen und ein paar neue Synapsen, damit wir für die nächste Tour gerüstet sind. Diesmal dann geplant und ohne umdrehen. Und mein Mädchen baut endlich wieder die Extra-Riemen an die Schuhe, damit wir sie nicht mehr verlieren.

Euer gut ausgepowerter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 342

Erinnert Ihr Euch noch an diese Beiträge? Und viele, viele andere zum Thema

Seit ich hier eingezogen bin, ist mein Mädchen besessen davon, dass ich wachse. Größer soll ich werden – und zwar nicht nur hinten, sondern auch vorne! Jetzt soll ich auch noch breiter werden, aber bitte nicht fett! Und überhaupt bin ich für alles zu klein. Gut, jetzt ist es ja im letzten Jahr dramatisch besser geworden, nachdem ich hinlänglich bewiesen habe, dass ich groß genug bin, mein Mädchen zu tragen. Trotzdem: wenn sie auf meinem Rücken sitzt, baumeln ihre Beine so an mir herunter und sie findet das irgendwie nicht gut. Mir ist es ja egal, ehrlich gesagt…. aber ich möchte ihr ja gern gefallen. Also: wachsen.

Und was ist: es geht ihr nicht schnell genug. War ja wieder klar! Wenn ich beim Ausflug vorschlage, wir könnten etwas schneller machen, steht sie auf der Bremse. Aber beim wachsen, da kann es ihr gar nicht schnell genug gehen!

Deswegen hat sie sich jetzt was neues überlegt. Ihr erinnert Euch an die Reifendruckprüfung neulich? Mit dem Kompressor war sie da am Gange. Und wie sie da so am prüfen war, kam sie auf die Idee: wenn sie einfach etwas Luft in mich rein pustet, werde ich viel schneller breiter! Jetzt bekomme ich jede Woche eine kleine Dosis Druckluft, dann geht es schneller mit dem Wachsen.

Na wenn sie meint?

Einmal die Woche etwas Druckluft beschleunigt das wachsen ungemein, sagt mein Mädchen!

Euer aufgeblasener Sir Duncan Dhu of Nakel

Freiheit

Immer wenn es sehr philosophisch wird, suche ich erst mal nach Zitaten. Zum Thema Freiheit beziehen sich diese in aller Regel auf Menschen und sind nicht auf Pferde übertragbar.

In der Pferdewelt gibt es oft einen romantischen Blick auf jene Pferde, die in Freiheit leben. Wildlebende Pferde (d.h. ausgewilderte Hauspferde) gibt es fast überall auf der Welt. In einer sehr interessanten Studie über wildlebende Brumbys in Australien hat Brian Hampson mit seinen Kollegen verschiedene Herden angeschaut. Dort wurde klar: Leben in Freiheit kann ganz unterschiedlich aussehen. Während eine Gruppe ständig dem Hungertod nah war und wahnsinnige Strecken zurück legen musste zwischen Weideland und Wasser (die Pferde gingen daher nur alle 4 Tage zum Wasser!), lebte eine andere Gruppe an einer Art Oase. Diese Pferde bewegten sich nicht mehr als 3km von ihrem Wasserloch weg, waren alle übergewichtig und litten zu 60% an Hufrehe. Zwischen den beiden Extremen gibt es natürlich alle Abstufungen.

Sicher ist diese Untersuchung nicht ganz aussagekräftig, weil Pferde in Australien keine Fressfeinde haben. Aber sie zeigt die extremen Bedingungen, die es in Freiheit geben kann.

Ich habe mal eine Frau kennengelernt, die selbst in einer Tierschutzorganisation tätig war, die am liebsten gar keine Tiere in Gefangenschaft sehen möchte. Sie selbst besaß aber einen Mustang, der die ersten 10 Jahre seines Lebens in Freiheit gelebt hatte. Und sie sagte den extremer eingestellten Tierschützern dann immer: „Komm mich mal besuchen. Ich zeige dir, welches meiner Pferde bei Regen als erstes in den Unterstand geht und sich im Winter am meisten über das Heu freut“. Der Mustang wusste, wie hart das Leben in Freiheit sein kann. Hunger, Durst, Gefahr, Verletzung, Erschöpfung, Wetter in all seinen Extremen. Das ist eben der Preis der Freiheit für ein Pferd. Will ich das? Will mein Pferd das? Ich kann es nicht fragen. So wie Menschen diese Frage unterschiedlich beantworten würden und ihre eigene Freiheit unterschiedlich einschätzen, so geht es bestimmt auch den Pferden: der eine hat lieber mehr Sicherheit und Bequemlichkeit, der andere verzichtet zu Gunsten von mehr Freiheit darauf.

Und was ist das überhaupt, diese „Freiheit“?

„Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden.“ (Abraham Lincoln)

Im Laufe der Jahre wurde unser Paddock für die Ponys immer größer und interessanter. Als erstes bauten wir einen Roundpen, in dem wir eigentlich Freiarbeit machen wollten, den wir aber wenig dafür nutzen. Somit beschlossen wir, dass die Ponys ihn auch als Paddock mit nutzen können. Sie schlafen dort oder spielen. Der Roundpen wird manchmal genutzt wie ein Boxring: wer spielen will, lädt den anderen dort hin ein, wer genug hat, verlässt den Ring. Etwas später bauten wir einen insgesamt ca 400m langen Rundlauf um die Weide. Den haben wir dann nochmal umgebaut, weil er an einer Stelle durch zu nassen Boden lief. Durch den Umbau entstand eine schnurgerade „Rennstrecke“, die gern genutzt wird. Oben bei den Nachbarn bauten wir dann nochmal etwas um, so dass eine großzügige Ecke entstand, in der die Ponys gern in der Gesellschaft ihrer Nachbarn schlafen oder spielen. Dann bauten wir einen zweiten, kleinen Rundlauf um unseren Reitplatz herum.

Jeder neue Paddockteil wurde von den Ponys dankbar als interessante Erweiterung angenommen. Am Rundlauf entlang läuft der Knick (eine Wallhecke), wo die Ponys gern ein paar Zweige und Blätter pflücken. Im Herbst sammeln sie dort Eicheln und schmausen Schlehen und Brombeeren. Jetzt im Frühling sind sie den lieben langen Tag damit beschäftigt, Meter für Meter die kleinen grünen Grasspitzen am Rand des Rundlaufs abzunagen und zu versuchen, mit ihrem Kopf möglichst weit unter den Zaun zu angeln (das scheint immer der Job meines Ponys zu sein. Finlay hat dort manche Verrenkung unternommen um möglichst viel Gras zu erhaschen und auch Duncan arbeitet an seiner Beweglichkeit zu diesem Zwecke). Im Sommer dreht Diego den Spieß dann um: wenn das Gras hüfthoch steht, langt er mit seinem langen Hals über den E-Zaun hinweg, spitzt seine langen Lippen und reißt sich von oben die Grashalme ab.

Unsere Ponys haben zwei Ställe, die zwar nebeneinander liegen, aber von unterschiedlichen Seiten begehbar sind. So können sie sich mal aus dem Weg und außer Sichtweite gehen und nutzen diese Möglichkeit auch, was in meinen Augen maßgeblich dazu beiträgt, dass unsere Herde so entspannt ist.

Ist das alles „Freiheit“? Nein, natürlich nicht. Es ist das beste, was ich meinen Ponys bieten kann (bis mir die nächste Verbesserung einfällt). Aber eins ist klar: wenn ich einen Teil des Ganzen aus irgendwelchen Gründen absperre, sind die Ponys genervt. Die Freiheit, die einem genommen wird, spürt man eben sehr viel mehr als die, die man nie hatte.

Das ist übrigens einer der Gründe, weshalb ich es sehr unglücklich finde, wenn Pferde von einer großen Weide, auf der sie aufgewachsen sind, plötzlich in einen kleine Stall gestellt und dann angeritten werden. Was für ein Kulturschock und dann soll man etwas ganz neues lernen? Leider ist das gängige Praxis.

Ich bin froh, dass mein Duncan direkt hier bei uns aufgewachsen ist. So ist er das, was hier an Freiheit ist oder nicht ist, gewohnt. Unser Reitplatz liegt quasi mitten im Paddock, das heißt dort ist man nie wirklich allein. Die Ponys schauen regelmäßig zu, wenn einer von ihnen „arbeitet“, für alle eine Art Entertainment-System. Duncan hat sich mit Sicherheit manches von den großen Ponys abgeschaut und hatte bei allem, was wir neu angefangen haben, immer die moralische Unterstützung vom Rand mit dabei.

Die wenigsten Menschen können ihren Pferden so viel Freiheit bieten, die meisten Pferd leben deutlich beengter. Unsere Ponys waren jetzt lange ohne ihren großen Rundlauf. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich trotzdem recht viel bewegt haben, aber ich muss diesen Eindruck revidieren. Jetzt, wo der Rundlauf wieder auf ist, sehe ich, wie viel Bewegung in der Gruppe ist. Und schon steigt die Fitness der Ponys wieder, ohne dass wir viel dafür tun – ein netter Nebeneffekt. Merlins alte Knochen werden wieder geschmeidiger, die jüngeren liefern sich mal wieder ein Wettrennen und den Rest des Tages wandern die Ponys herum wie es sich für Pferde ja eigentlich auch gehört.

Viele Reitweisen propagieren, sie würden die Pferde gesund erhalten. Immer mit gleichzeitig geäußerter Kritik an anderen Reitweisen. Witzig, wenn die Distanzreiter sagen „bei uns laufen viele alte Pferde im Sport“, während die „klassische Dressur“ behauptet, nur durch hohe Ausbildung, kurze Einheiten und sorgfältigste Geraderichtung und Versammlung könnten Pferde bis ins hohe Alter gesund bleiben. Ich weiß nicht, ob es dazu Untersuchungen gibt, wahrscheinlich wird das schwierig. Aber wenn ich mal so meinen eigenen Erfahrungsschatz durchwühle und anschaue, welche Pferde gesund (!) alt werden, möchte ich behaupten: es sind irgenwie meistens die, die vernünftig gehalten und gefüttert wurden. Die, bei denen die Besitzer sich viele Gedanken um die 23 Stunden machen, die das Pferd täglich ohne sie verbringt.

Unsere Pferde waren im Schnitt noch nie so gesund wie seit dem Bau des großen Rundlaufs. Sie sind fit und beweglich, nicht mehr so übergewichtig und bekommen keine Koliken. Keine Reitweise der Welt kann freie Bewegung ersetzen. Versteht mich nicht falsch: wenn mein Pferd zu wenig freie Bewegung hat, ist viel anderweitige Beschäftigung mit dem Menschen sicher hilfreich. Aber ein adäquater Ersatz ist es eben nicht. Da auch Pferde ökonomisch denken, braucht es aber Anreize, sonst bewegen sie sich auch auf der größten Fläche nicht mehr als sie müssen. In unserem Fall wachsen diese Bewegungsanreize am Wegesrand, was für uns das Leben leicht macht. Andere müssen da kreativer werden.

Und so stellt die Freiheit, die ich meine, auch eine Art Zwang zur Bewegung dar.

Freiheit ist eben relativ….

Es macht mich unendlich glücklich, die Ponys wieder in unserem ganzen (kleinen) Ausmaß von Freiheit zu beobachten und zu sehen, wie gut es ihnen damit geht. Das ist jede Mühe wert, die es uns Menschen macht, lange Zäune in Stand zu halten und Äppel aus entfernten Ecken zu kratzen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 341

Ach, herrlich! So ein schönes Wetter war das gestern, Sonne, um mein Mädchen zu wärmen, bisschen Wind, um uns Ponys abzukühlen. Und los ging es auf Ausflug! Aber vor dem Ausflug war noch Reifendruck prüfen angesagt. Erst beim Anhänger und dann angeblich auch noch bei meiner „Bereifung“! Aber ich glaube da haben die Menschen mich auf den Arm genommen. Jedenfalls hat der Kompressor komische Geräusche gemacht, da musste ich erst mal ein paar Kekse haben um sicher zu sein, dass das ok ist. Diego hat natürlich wieder kein Problem damit gehabt. Wie kann man so abgeklärt sein? Ob ich das auch irgendwann bin? Immerhin ist Diego 15 Jahre älter als ich. Vielleicht hab ich noch Chancen.

Ich glaub die haben mich auf den Arm genommen. Luftdruck prüfen? Ehrlich?
Bisschen gruselig. Aber mein Mädchen weiß: Kekse besiegen Monster. Isso.

Dann ging es endlich los! Wir Ponys waren allerbest gelaunt und die Menschen auch. Wir sind in ein Gebiet gefahren wo wir vor 2 Jahren mal waren und dann irgendwie nicht mehr – warum, wissen wir alle nicht so genau! Mein Mädchen hatte am Computer Wege rausgesucht und diesmal hat sie einen Volltreffer gelandet: die waren alle wunderschön! 10,7 km fast ohne Straße und eigentlich könnte man so gut wie überall traben. Na gut, so fit sind wir alle noch nicht und zwischendurch muss man ja auch mal bremsen weil ein Hund mit seinen Menschen vorbei kommt oder so.

Am Anfang gab es auch fremde Pferde zu sehen, da war ich doch noch etwas aufgeregt! Wallach hin oder her, fremde Pferde sind einfach soooooo spannend! Da möchte ich doch gleich Freundschaft schließen! Mein Mädchen sagt, mein großer Bruder (der im Himmel) ist genauso gewesen. Der wollte auch mit jedem Pferd befreundet sein. Wir Schotten sind eben nette Typen! Aber leider dürfen wir fremde Pferde immer nur angucken und müssen dann weiter gehen. Schade. Diego kann da ja so einfach weiter marschieren, völlig ungerührt. Wie macht er das bloß?

An einer Stelle sind die Menschen abgestiegen und wir durften grasen, während mein Mädchen allein einen Weg rein gegangen ist. Das war nämlich die andere Seite von dem Weg, auf dem sich damals die Büsche geküsst haben. Quasi der Weg auf dem ich eine meiner Berufungen gefunden habe („ich bin Förster von Beruf“). Sie ist da rein gelaufen und wieder raus gekommen und gesagt der Weg ist frei. Aber wir sind trotzdem den anderen geritten. Den kann man nämlich besser traben, weil er etwas breiter ist.

Voll die schönen Wege gibt es da!

Wir sind insgesamt ungefähr die Hälfte der Strecke getrabt und das ist wohl ein neuer Rekord! Gegen Ende meinte mein Mädchen, ich sei wohl müde, und hat nach vorne zum Mann gesagt „Schritt, bitte.“ Diego hat also durchpariert. Mein Mädchen hat die Zügel lang gelassen und gedacht ich pariere jetzt auch durch. Aber ich war halt grad so fein im Fluss! Bin einfach an Diego vorbei und noch ein bisschen weiter getrabt, während mein Mädchen gelacht und die Arme in die Luft geworfen hat, ohne die Zügel fest zu halten. Soooooo doll vertraut sie mir jetzt! Kann sie ja auch, wo ich doch so ein Guter bin. Irgendwann hab ich dann doch durchpariert. War auch ganz schlau, denn da war gerade so eine feine Stelle für eine Graspause, die haben wir dann auch ausgiebig genutzt. Mein Mädchen hat für die Graspausen jetzt so ein langes, dünnes Seil mit, so haben wir beide mehr Freiheit, wenn ich grase und sie kann mich zur Not trotzdem schnell fest halten, falls ich Blödsinn machen sollte (als ob ich das jemals tun würde!) Manchmal trete ich mir da aus Versehen auf den Strick und dann ist mein Kopf fixiert. Früher hab ich dann immer mit Gewalt mit meinem Kopf gezogen dann kam der Strick unter dem Huf frei. Jetzt kann ich das schlauer: wenn ich merke, dass ich meinen Kopf nicht mehr bewegen kann, hebe ich einfach nacheinander meine Füße und irgenwann geht es wieder. Mein Mädchen findet das mega schlau von mir! Manchmal hilft sie mir und zeigt mir, welches Bein ich heben muss, wenn ich nicht gleich drauf komme.

Graspause finden wir Ponys voll wichtig! Langsam lernt der Mann auch, sich da etwas mehr Zeit zu lassen.

Den letzten Kilometer sind die Menschen dann mit uns zu Fuß gegangen sind, weil sie fanden, wir haben sie jetzt wirklich lang genug getragen. Wir haben alle 4 fest gestellt, dass unsere Fitness schon besser geworden ist! Das muss auch, denn mein Mädchen plant ja für den Herbst einen Ritt, der mehr als doppelt so lang ist wie der gestern, da braucht es noch ein paar Muskeln an uns allen! (Und einen Sattel, aber das ist eine andere Geschichte).

Den letzten Kilometer zu Fuß.

Euer fröhlicher Ausflügler Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 340

Viele Wochen war unsere Freiheit ja nun deutlich eingeschränkt. Weil die Stuten beim Nachbarn mich so wuschig gemacht haben. Dann bin ich kastriert worden und danach wollten die Menschen noch warten, bis ich mich wirklich als Wallach fühle.

Das tue ich jetzt. Woher ich das weiß? Vor allem weil ich mich wieder viel besser konzentrieren kann. Wenn mein Mädchen und ich auf dem Platz sind und die Stuten beim Nachbarn über die Weide flitzen hatte mich das in letzter Zeit doch dezent abgelenkt. Jetzt kann ich sie geschmeidig ignorieren.

Und weil das so ist, hat mein Mädchen am Dienstag den Rundlauf um die Weide wieder aufgemacht. Vorteil für uns: da sind inzwischen kleine grüne Grasspitzen am Zaun gewachsen, die können wir jetzt erst mal abnagen! Leckerleckerlecker das schmeckt schon herrlich nach Frühling! Die Stuten finden wir nach wie vor nett, aber sie bringen mich nicht mehr um den Verstand. Ich kann jetzt, auch wenn wir direkt neben den Stuten stehen, mit meinen Kumpels zusammen sein und mich mit ihnen vertragen. Und wenn die Stuten weg gehen, bin ich nicht mehr frustriert. Sie sind eben nur Nachbarn, mehr nicht.

Wir sind alle froh, auch mein Mädchen, dass wir jetzt unsere Rennstrecke wieder haben und uns grundsätzlich wieder mehr bewegen. Weil wir ja auch so an Fitness verloren haben, Diego und ich, und sie vermutet dass das eben auch daran lag, dass wir weniger gewandert sind als sonst.

Lädt ein zum Wandern und Rennen und ist endlich wieder offen: Unser Rundlauf um die Weide!

Jetzt ist alles wieder so, wie es sein soll. Der Frühling kann kommen, ich wäre dann jetzt bereit!

Euer Wallach Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu of Nakel 339

Merlin ist ja schon uuuuuuuralt. Er ist das älteste Pony bei uns, sagt mein Mädchen. Dann schaut sie Caruso an und muss zugeben, dass sie das eigentlich gar nicht sicher weiß! Weil niemand weiß, wie alt Caruso ist. Jedenfalls auch schon älter, das steht fest. Aber irgendwie, sagt mein Mädchen, ist das ja bei Shettys noch schwerer einzuschätzen als bei uns größeren (ha! Hier gehöre ich mal zu den größeren!).

Wenn das stimmt, was die Vorbesitzer von Merlin damals gesagt haben, wird er dieses Jahr 30 Jahre alt! Es könnte aber sogar sein, dass er ein oder zwei Jahre älter ist. Niemand weiß, wann er geboren wurde, auch er selbst nicht (ist ja verständlich, dass er das vergessen hat, weil das so lang her ist!). Also hat mein Mädchen sich für Pragmatismus entschieden und gesagt, wir feiern einfach Merlins 30. Geburtstag wann es uns passt. Und das haben wir dann gemacht. Erst hat Merlin Bananen bekommen, für jedes Jahrzehnt eine. Dann hat mein Mädchen noch eine große 30 aus Möhren gelegt und die haben wir alle zusammen weggeknuspert. Eine schöne Party war das!

Party für unseren wahrscheinlich ältesten Freund!

Merlin ist jetzt also offiziell uralt. Noch ist er ja ganz fit so weit, aber arbeiten mag er nix mehr. Das macht nichts, das übernehme jetzt ich! Ich mag voll gern mit meinem Mädchen alles mögliche machen und Merlin kann derweil seine Rente genießen. Zack – alle glücklich.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel in seiner Funktion als Merlin-Nachfolger

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 338

Weil mein Mädchen beschlossen hat, dass wir dieses Jahr kein großes Abenteuer erleben, sondern lieber ein paar kleinere, war gestern Ausflugstag. Wir sind ganz kurz in der Wackelkiste gewesen und dann an einem Ort ausgestiegen, den wir schon ganz gut kennen. Vor da ging es los auf eine längere Tour – ich kannte alle Wege, aber nicht in dieser Reihenfolge.

Als erstes kamen wir gleich mal an eine Baustelle. Da wird ein riesiges Umspannwerk gebaut! Aber Baustelle kann ich. Da war auch nicht viel los.

Baustelle kann ich.

Dann ging es munter im Trab los und plötzlich meinte mein Mädchen, ein Galopp wäre doch auch mal was schönes. Und – zack! – haben wir einen der Punkte auf unserer Liste abgehakt: wir sind nämlich nebeneinander her galoppiert, Diego und ich. Und natürlich haben wir KEIN Wettrennen gemacht. Wir wissen schließlich, was sich gehört! Manchmal ist es praktisch, den Mann dabei zu haben. Der fragt nämlich nicht so lang und macht sich nicht so viele Sorgen, der lässt Diego einfach galoppieren und gut is.

Das Wetter war so windig und sonnig, dass mein Mädchen meinte, es sei das reinste Nordsee-Feeling. Meine Mähne war komplett verweht! Aber kalt war es nicht.

Der Wind hat mein Wallehaar zerzaust!

Nach einer ganzen Weile, als wir schon auf dem Rückweg waren, kam von hinten ein Trecker mit Güllewagen. Wir sind ein bisschen aufs Feld ausgewichen und haben den vorbei gelassen, das kann ich. Da fürchte ich mich nicht. Dann sind wir hinter ihm her geritten und er blieb plötzlich stehen. Der Mensch stieg aus und fing an, Zweige aus der Feldeinfahrt zu räumen. Also rechts stand der Trecker mit laufendem Motor und links hat der Treckerfahrer so halb versteckt im Gebüsch gewerkelt – da war ich mir doch nicht mehr ganz so sicher! Mein Mädchen meinte, ich schaffe das. Vorneweg. Ich meinte, ja, aber dann ganz schnell. Nein, bitte langsam, meinte mein Mädchen. Hm. Dann hab ich gedacht: ok, hier ist ein Kompromiss eine gute Idee. Wir machen die erste Hälfte langsam und die zweite ganz schnell! Hab ich dann so gemacht. Fand mein Mädchen nicht so gut. Als wir dann vorbei geflitzt waren, hat sie gesagt wir drehen jetzt um und gehen da nochmal hin und gucken. Hm. Sicher? Ja, gibt auch Kekse. Na gut. Aber so ganz wirklich überzeugt war ich trotzdem nicht. Habe mir das angeschaut und mir Kekse geben lassen, aber ich war trotzdem froh als wir dann weiter gegangen sind. Leider hatte ich bei meinem Blitzstart einen Hufschuh stehen lassen, also musste mein Mädchen noch absteigen und zurück gehen. Ich fand sie ja recht mutig, dass sie da einfach so ganz allein wieder hingeht! Sonst ist sie doch viel ängstlicher als ich!

Danach sind wir noch ein gutes Stück getrabt, bis ich ziemlich müde wurde. Wieder an der Baustelle vorbei. Dort gab es eine kleine Diskussion, ob wir an der roten Ampel halten müssen, wenn wir davor rechts abbiegen (ja ok, da war kein Grünpfeil. Aber ich hatte es halt eilig!), während der Mann lustige Reime aufgesagt hat und anschließend drohte, wir würden wohl ein Knöllchen bekommen.

Wenn der Mann anfängt, zu reimen, wird es ernst!
Jaaaa wir hätten warten müssen. Aber ich hatte keine Zeit!
Oje, hoffentlich wird das nicht zu teuer!

Den Rest sind die Menschen dann zu Fuß gegangen, weil wir Ponys schon etwas müde waren und dann sind wir hochzufrieden nach hause gefahren. Anstrengend, aber sehr, sehr schön.

Mein Mädchen plant jetzt jeden Monat einmal so eine Extra-Tour. Da wollen wir dann auch mal etwas weiter weg fahren und fremdes Gelände erkunden. Ui da freu ich mich doll drauf!

Euer durchgepusteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Ursachenforschung

Ich bitte um Entschuldigung, aber mein Unterrichtserlebnis vor ein paar Wochen war so teuer und frustrierend, dass ich jetzt wenigstens das Beste daraus machen muss. Und das Beste sind in diesem Fall Erkenntnisse und also Blogartikel. Ich beziehe mich heute also noch einmal auf dieses unsägliche Erlebnis. Ich glaube, danach bin ich fertig damit.

Duncan und ich schwanken über den Reitplatz. Ich laufe neben ihm, weiß aber nicht genau wohin. Und er ist ständig zu schnell. „Ich habe ein Problem mit der Zügelführung“ sage ich zu der Reitlehrerin in meinem Ohr. Ich soll die Zügel direkt unterm Pferdekinn halten – eine Zügelführung die ich noch nie verwendet habe. Ich verstehe, warum das gerade sinnvoll ist, aber das macht es mir nicht leichter. Also äußere ich mein Problem. Schließlich sitzt am anderen Ende des Internets eine Person, die mir helfen soll. Als durch den Knopf in meinem Ohr ihre Antwort kommt, glaube ich zuerst an einen Scherz „dann sei froh dass wir nicht die andere Zügelführung machen, die ist noch viel schwerer“. Ok, lustig. Und jetzt bitte zu dem Teil wo mir geholfen wird. Aber der bleibt aus.

Ich ärgere mich, dass ich den Unterricht nicht an dieser Stelle unterbrochen habe. Es wäre Zeit gewesen, mich selbst zu beschützen. Meinem Gefühl zu vertrauen und die Stopp-Taste zu drücken. Aber ich war bereits derart überfordert mit all den anderen Dingen, die zu tun und zu beachten waren, dass ich nicht in der Lage war, für mich selbst einzustehen.

Zum Glück unterrichte ich ja selbst. Und habe deswegen ein paar Techniken gelernt und entwickelt, um meinen Schülerinnen bei solchen Problemen helfen zu können. Die konnte ich dann im Nachhinein bei mir selbst anwenden. Gedanklich ging ich in die Situation zurück. Ich nahm den Platz der Lehrerin ein und fragte mich selbst „was ist denn dein Problem mit der Zügelführung?“. Als Schülerin antwortete ich mir „ich stoße immer mit meinem Arm an Duncans Hals an und dann ist es ein einziges Drücken und Schieben“.

(Ja, ich führe manchmal Selbstgespräche. Da ich selbstständig bin, zählt das bei mir als Teambesprechung.)

Als Lehrerin konnte ich mir dann genau erklären, dass es gar kein Problem mit der Zügelführung als solches gibt. Das wirkliche Problem ist einfach nur das Tempo. Denn dass mein Arm an Duncans Hals anstößt passiert nur dann, wenn er zu weit vor gelaufen ist. Und schon bin ich wieder bei den Häppchen, denn hier wäre es jetzt nötig gewesen, kleinschrittiger zu üben. Losgehen und, wenn Duncan schneller geht als ich, sofort anhalten (das ist dann bei dem gewählten Tempo so nach 1-2 Schritten der Fall). Ihm sagen, dass er stehenbleiben soll, selbst einen Schritt nach vorn gehen, damit ich wieder in Position bin, dann wieder los gehen. Setzt voraus, dass er lernt, zu warten, während ich neben ihm vor gehe (Übung eins) und mit mir loszugehen, wenn er soll (Übung zwei, denn das kann er zwar schon, macht es aber derzeit IMMER, weil er es so gelernt hat). Aus Erfahrung weiß ich, dass so eine Unterscheidung – wann soll er los gehen, wann nicht, während der Mensch sich fast gleich verhält – ganz schön schwierig ist und viele, viele Wiederholungen braucht, bis sie zuverlässig klappt.

Alternative: Ich könnte ihn rückwärts wieder auf seine Position schicken, aber das war in dem Fall nicht erwünscht. Oder ich könnte versuchen, mich deutlich anders zu bewegen um meine Position zu korrigieren. Z.B. könnte ich mich seitwärts in meine Position bewegen, vielleicht würde ihm das schneller zu verstehen geben, dass er jetzt NICHT mitkommen soll. Oder ihm die Gerte vor die Nase halten, während ich nach vorne gehe. Oder die Zügel los lassen, mein „warte“-Kommando verwenden und im Bogen neben ihm nach vorn gehen. Oder die Zügel so halten, dass er vom Gebiss gebremst wird, während ich vor gehen. Wir könnten die Übung auch noch kleiner machen und wirklich immer nur einen Schritt gehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er deutlich vor mir zum stehen kommt, noch etwas kleiner (wenn auch nicht null!).

Ach, es gab so viele Optionen, das Problem zu lösen. Mir zu sagen, dass eine andere Zügelführung noch viel schwieriger wäre, war sicherlich eine der allerschlechtesten. Aber egal.

Worauf ich hinaus will: Das Problem, das ich formuliert hatte, war gar nicht das Problem. Dass die Zügelführung mir Schwierigkeiten machte, war nur das Symptom eines anderen, zugrunde liegenden Problems. Und das ist gar nicht selten.

Die Reiterin, die von sich selbst behauptet, schief zu sitzen, in Wahrheit aber von ihrem Pferd schief hingesetzt wird.

Die Reiterin die meint, ihre Hand wäre zu hart, weil das Pferd gegen das Gebiss geht, in Wirklichkeit zeigt das Pferd nur, dass es die Gebisshilfen falsch verstanden hat.

Das Pferd, das immer mit der Schulter drängelt und in Wirklichkeit ein Balanceproblem hat.

Das Pferd, dem ewig Stangentraining gegen Stolpern verordnet wird, obwohl es einfach komplett falsch auffußt und deswegen stolpert.

Das Pferd, das angeblich so triebig ist – in Wirklichkeit aber zu verspannt um vorwärts zu gehen.

Ich bin höchst überrascht, wie viele erfahrene Pferdeausbilder oft Ursachen nicht erkennen, die eigentlich völlig offensichtlich sind. Aber wer weiß, was ich alles übersehe? In jedem Fall denke ich, nachfragen und nachforschen lohnt sich. Viel zu oft werden Probleme „gelöst“ (also in Wirklichkeit nicht gelöst) indem man das Pferd beschuldigt, „dominant“, „stur“ oder „faul“ zu sein, während man der Reitschülerin bescheinigt, sie sei „zu nett“, „zu inkonsequent“ oder „eben noch nicht so weit“. Oder – wie in meinem Fall – Fragen einfach gar nicht beantwortet, sondern Pferd und Mensch damit allein lässt, weil man wohl keine bessere Idee dazu hat.

Manchmal ist es nicht so leicht, Ursachen zu finden, aber wir sollten niemals aufgeben. Ja, oft ist die Antwort auch „ihr dürft das einfach noch ein bisschen üben“. Allerdings bringt üben ja auch nur dann was, wenn RICHTIG geübt wird. Im Falle meines Zügelführungsproblems hätte „üben“ wahrscheinlich bedeutet, dass Duncan und ich so lange frustriert über den Reitplatz eiern, bis er mehr oder weniger zufällig kapiert wie es geht. (So ähnlich wurde es mir übrigens auch erklärt, blumig verpackt in den Worten, dass das Pferd selbst raus findet wie es seinen Körper benutzt. Ich bin total dafür dass das passiert, aber doch nicht während ich in seinem Maul hänge!). Diese zufälligen Ergebnisse sind meines Erachtens eine Katastrophe für die Beziehung zu unserem Pferd. Das Pferd lernt: der Mensch stellt eine unlösbare Aufgabe und „meckert“ (in diesem Fall: hängt im Zügel), wenn ich sie nicht löse, zeigt mir aber auch nicht wie es besser geht.

Bevor also „üben“ die Lösung ist, muss klar sein, was und wie denn zu üben ist. Dafür gilt es, die Ursache des Problems zu erforschen, sonst übt man am Problem vorbei (und das leider manchmal jahrelang).

Das System „raten lassen“ ist weder für den Reiter noch fürs Pferd hilfreich. Ja, im Rahmen der einen oder anderen Übung. Ich plädiere ja immer fürs Ausprobieren. Aber nur dann, wenn das ziemlich sicher zügig zum Erfolg führt – und mit zügig meine ich so im 3. oder 4. Anlauf (nicht im 1000.).

Obwohl wir bei besagter Dame keine Unterricht mehr nehmen werden, habe ich die Übung in unser Repertoire aufgenommen (wenn auch derzeit noch mit einer anderen Zügelführung). Ich arbeite jetzt kleinschrittig nach, was mir in einem unverdaulichen Brocken serviert wurde. Das tue ich unter anderem deswegen, weil ich nach Möglichkeit immer versuche, keinen Misserfolg stehen zu lassen. Weder Pferd noch Mensch sollen aus der Situation gehen und ein blödes Gefühl zurück behalten. Wo immer es geht, wiederhole ich Übungen, die schief gegangen sind, so, dass sie klappen. Das gibt beiden – Mensch und Pferd – neues Zutrauen in ihre Fähigkeiten und Mut, es beim nächsten Mal wieder auszuprobieren. Und das schöne ist: da ich jetzt die Ursache kenne, kommen wir ganz fix zum Erfolg. Und mein Pony ist hochmotiviert dabei.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 337

Wie ihr bestimmt schon mitbekommen habt, ist mein Mädchen ziemlich faul. Sie nennt das „schlau“. Sie sagt immer, wer faul ist, hat die besten Ideen, sich die Arbeit leichter zu machen. Ich sage, wer faul ist, ist faul. Ganz einfach! Wie gut, dass ich inzwischen groß genug bin, sie zu tragen, das kommt unserer Energieverteilung wirklich sehr entgegen. Aber es gibt halt Dinge, die muss sie selbst machen. Zum Beispiel meine Füße in Form bringen. Ich laufe mir die zwar auch ganz gut ab, so richtig lang werden sie nie, aber mein Mädchen sagt, es wächst halt doch immer ein bisschen in die falsche Richtung. Und da sie die Expertin auf dem Gebiet ist, glaube ich ihr das mal. Tatsächlich läuft es sich leichter, wenn sie meine Füße in Form gebracht hat. Und die Schuhe gehen dann auch wieder leichter an. Na jedenfalls findet sie es anstrengend, immer Hufe zu raspeln – das macht sie ja nicht nur bei mir, sondern auch bei ganz vielen anderen Pferden! Um das Geld für unser Futter zu verdienen. Und weil es anstrengend ist, hat sie sich jetzt was neues überlegt. Sie hat sich einen fahrbaren Untersatz gekauft! Ihr Bobbycar ist das, sagt sie. Und damit kann sie um die Pferde herum sausen von einem Huf zum anderen. Ich finde ja, sie soll damit lieber mal vom Keks-Vorrat zu mir sausen! Hat sie dann auch verstanden. Jedenfalls hatte sie einen Mordsspaß dabei, um mich rum zu flitzen. Na, wenn sie meint. Ich hingegen flitze ja lieber selbst, ganz ohne Bobbycar. Und bin dabei sehr viel schneller unterwegs als sie. Aber das ist ja jetzt gar nix neues.

Euer umfahrener Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 336

Heute war schon richtig warmes Frühlingswetter. Und Sonntag! Also Ausflugstag! Wir sind mal wieder von zu hause aus aufgebrochen. Mein Mädchen meinte, zwecks Wiedererlangung der Grundfitness wäre eine kleine Bergsteigertour mal wieder ganz gut. Aber bevor es auf den Berg geht, müssen wir durchs Dorf. Und was soll ich sagen: da war er wieder! Cerberus, der Höllenhund! Seit wann wohnt der denn bei uns im Dorf? Der hat so fies gebellt, dass sogar Diego sich erschreckt hat – und das will was heißen! Ich hab einen kleinen Satz gemacht, aber dann hab ich gesehen, dass da ein guter Zaun zwischen uns und Cerberus ist und dann ging es wieder.

Raus aus dem Dorf und ein gutes Stück getrabt. Schön ein bisschen durchs Feld, dann in den Wald. In dem Wald ist ein Teich. Und was soll ich euch sagen? Ich habe heute festgestellt dass dort auch gefährliche Tiere leben! Ich nenne sie „die Ente des Grauens“! Sie kam plötzlich mit viel lautem Geschnatter aus dem Schilf hoch geflogen. Man, hab ich mich wieder erschreckt! Mein Mädchen war aber ganz stolz auf mich. Weil ich nämlich wieder – wie bei Cerberus – nur einen Satz gemacht habe und dann stehen geblieben bin. So macht man das, sagt sie. Erschrecken kann sich schließlich jeder! Das ist ganz normal. Die blöde Ente hätte ja auch still sitzen bleiben können!

Als wir dann also wegen der ganzen Erschrecker-Viecher schon ordentlich Puls hatten, kam der erste Berg. Puh, ich hatte irgendwie vergessen, wie steil das da bergauf geht! Als wir oben waren, meinte mein Mädchen zum Mann, die ursprünglich geplante Route wäre wohl etwas zu viel für unsere mangelnde Fitness und wir sollten lieber etwas abkürzen. Ja, das ist allerdings ganz in meinem Sinne! Also ein Stück den Berg wieder runter. Aber dann nochmal rechts ab, den Berg wieder rauf! Man, man, man, das ist auch echt viel Arbeit, mein Mädchen da hoch zu schleppen! Aber es lohnt sich doch immer wieder. Denn oben ist die schöne Aussicht und eine traditionelle Graspause! Und weil Diego und ich schon so schwitzig und etwas schnaufig waren von dem ganzen Bergsteigen, war es eine ziemlich ausgiebige Graspause.

Aussicht und Gras, das hat auf dieser Runde Tradition.

Danach haben wir dann den Heimweg angetreten und die Menschen haben beschlossen, dass wir jetzt wieder öfter die Bergtour reiten. Für die Fitness! Auf dem Rückweg haben wir noch das eine oder andere seitwärts geübt und mein Mädchen war voll entzückt, wie gut ich das jetzt schon kann.

Zu hause gab es erst mal eine Verschnaufpause und dann kam mein Mädchen wieder mal Puls messen. Das macht sie ja gelegentlich, weil sie wissen will, was da so für Werte zustande kommen. Diego 36, ich 40. Macht aus dieser Information was ihr wollt, ich habe keine Ahnung. Mein Mädchen sagt, die hat sie auch noch nicht, aber sie will Daten sammeln, damit sie irgendwann Ahnung hat. Ok, so lange es fürs Puls messen Kekse gibt, soll es mir recht sein. Morgen haben wir frei und lassen unsere Muskeln wachsen während mein Mädchen fleißig arbeiten geht um unser Futter zu bezahlen.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel im Fitnesstraining