Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 358

Sonntag! Ausflugstag! Ab in die Wackelkiste und dann ist ja immer die Frage: wo geht es heute hin? Mir fiel schon auf, dass ich keine Hufschuhe an bekommen habe. Dann weiß ich schon, dass es keine lange Tour wird, sondern wahrscheinlich eher was zum üben. Und richtig: wir haben meinen Schimmelfreund wieder besucht! Diesmal war Diego wieder mit und das war auch gut so, denn wir waren zusammen ausreiten: Diego, der Schimmelfreund und ich. Das Mädchen vom Schimmelfreund geht noch zu Fuß, der hat noch nicht so viel Reit-Erfahrung. Aber mein Mädchen ist erst mal munter aufgestiegen. Los ging es, alle zusammen! Ich war aufgeregt. Ooooooooh was war ich aufgeregt! Mein Mädchen hat das genau gemerkt. Benommen hab ich mich ja trotzdem gut, aber ich war im Turboschritt unterwegs und dann hat der Schimmelfreund plötzlich hinter mir laut gewiehert! Man, hab ich mich verjagt! Bin erst mal halb ins Feld gehüpft! Mein Mädchen meinte, da sieht man, wie aufgeregt ich bin. Sie meinte, wenn sie eine Weile reitet, wird es bestimmt besser mit meiner Aufregung, aber das wurde es irgendwie nicht. Der Schimmelfreund hat immer mal wieder gewiehert und ich bin jedes Mal zusammengezuckt und überhaupt bei jedem lauteren Geräusch auch einmal angetrabt. Schließlich ist mein Mädchen dann abgestiegen und meinte, es wäre wohl doch besser für meine Nerven, wenn sie zu Fuß geht. Das fand ich auch und nach und nach wurde es dann auch besser. Ich musste noch drei mal äppeln und dann ging es langsam. Der Schimmelfreund war wohl auch aufgeregter als er zugeben wollte, denn normalerweise macht er das nicht mit dem Gewieher. Insgesamt waren wir nur knappe 3km unterwegs, aber ich war doch ziemlich müde danach. Mein Mädchen sagt, ich hab das toll gemacht und nächstes Mal bin ich bestimmt schon weniger aufgeregt. Sie hat aber auch gesagt, wenn wir auf Distanzritt wollen, muss ich das alles können: fremde Pferde, fremdes Gelände und Gewieher! Oha, ich sehe schon: es gibt noch einiges zu lernen für mich.

Zum Glück gab es danach eine leckere Runde Gras für uns: Ich sag es euch: der Schimmelfreund, der wohnt im Paradies! So viel grünes Gras! Ich war echt traurig als mein Mädchen meinte, dass wir wieder in die Wackelkiste einsteigen sollen. Können wir nicht hier bleiben? Nein, ab nach hause. Tschüss, mein Schimmelfreund! Wir kommen wieder!

Das ist das Paradies!
Tschüss, Schimmelfreund! Bis bald!

Euer müder Sir Duncan dhu of Nakel (der jetzt eine Pause macht)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 357

Wenn man in der Öffentlichkeit steht – so wie ich – dann wird man ständig mit der Kamera verfolgt. Überall Paparazzi! Ob ich nun schlafe oder esse, einen neuen Sattel anprobiere oder fleißig trainiere. Mein Mädchen meint, ich wäre zwar wunderschön, aber das mit dem fotografieren hätte ich noch nicht richtig verstanden. Was denn, ich denke ich soll immer im Bilde sein? Also sehe ich zu, dass ich der Kamera immer nah komme. Aber sie sagt, dann wäre nur meine Nase zu sehen. Na und, meine Nase ist doch echt schick? Und manchmal möchte ich einfach nur abchecken, ob da ein Keks zu holen wäre, so ganz eventuell.

Nase…
Nase…..
Ich will in den Vordergrund!

Und weil es ohne euch, meine liebe Fangemeinde, diesen Blog gar nicht gäbe, bekommt ihr heute mal ein virtuelles Pony-Küsschen von mir.

Ein virtuelles Küsschen für euch, liebe Leserinnen (na gut, für die Herren auch, ich will mal nicht so sein)

Danke, dass ihr meine Geschichten lest und mir gelegentlich auch einen Kommentar da lasst! Ich werde natürlich weiter fleißig von meinen Abenteuern berichten. Und immer wenn ihr denkt, ein kleines Dankeschön wäre angebracht für die Arbeit, die mein Mädchen damit hat, geht ihr bitte hier hin und lasst ein paar Taler für meine armen Artgenossen springen, denen es nicht so gut geht wie mir, ok? Oder für die Menschen dort, die können es auch gebrauchen.

Danke dafür!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Person Pony des öffentlichen Lebens)

Trainingsplan

So, da ist sie, die „echte“ Ausreitsaison. Mit Sattel und Ziel: Gedenkritt im Herbst. 23km auf den Spuren der besten Ponys 1.0. Wie lange wir für die 23 km brauchen ist egal, aber meine Freundin und ich sind beide keine passionierten Schritt-Reiter und ich wünsche mir schon, dass wir uns an das Tempo eines Einführungs-Distanzritts annähern (auf unserem ersten Ritt mit Finlay war damals mindestens Tempo 8, echte Distanzreiter kichern jetzt). Ich könnte also jetzt versuchen, mit meinem laienhaften Wissen einen Trainingsplan zu erstellen und ich werde das auch zumindest ansatzweise tun im Sinne von: wie viele Wochen, wie viele Ritte, bis zu welcher Strecke möchte ich vorher schon mal geritten sein. Wichtiger wird mir sein, die Teile der Strecke zu üben, die für Duncan eine Herausforderung sein könnten, allen voran die Autobahnbrücke.

Zeitgleich beobachte ich in meinen Unterrichtsstunden, wie es laufen kann: man sucht sich ein Thema aus und landet plötzlich ganz woanders. Weil heute komisches Wetter ist, weil die Pferde ausgebrochen sind und sehr aufgeregt sind, weil das Pferd sich die Hüfte schief gezogen hat beim Sprint auf die feuchte Wiese oder weil ich einfach eine oder zwei Stufen unterhalb des sichtbaren Problems eine Ursache entdecke, die zuerst beseitigt werden muss.

Manchmal glaube ich, mein nicht vorhandener Ehrgeiz ist in Sachen Pferdeausbildung ein großer Vorteil. Wenn wir den Ritt nicht diesen Herbst machen können, weil das Training noch nicht reicht oder irgendwas anderes ist, dann wird er eben verkürzt oder verschoben. Auch damals auf unserem Einführungsritt: wie lange es dauert ist mir egal, Hauptsache wir kommen an. Bei unserem zweiten Einführungsritt waren wir weit außerhalb des Zeitlimits. Der eigentliche Reiz lag für mich viel mehr im Training davor. Plötzlich war ausreiten nicht mehr so beliebig, was für mich dann schnell etwas langweilig wird. Ausreiten hatte eine Struktur, es gab Sachen zu üben, zu beobachten und zu überdenken. Ich habe viel gelernt bei unseren Trainingsritten – über mein Pony, über mich, über unser Equipment, unsere Grenzen und Motivation. Und natürlich gab es dauernd Fortschritte zu feiern!

Manche meiner Reitschülerinnen meinen, ich würde mich langweilen mit ihnen, weil sie noch nicht so gut reiten und wir an der Basis arbeiten. Nein! Es gibt so viele Facetten von Unterrichtserteilung, so viele Möglichkeiten an der kleinsten Kleinigkeit zu arbeiten, ich kann meine Sprache variieren, meine Erklärform, meine Übungswahl und das alles ist eine riesige Spielwiese für mich. Wenn ich wirklich mal denke „das erkläre ich jetzt zum 100. mal“ dann verändere ich meine Sprechgeschwindigkeit und staune, welchen Effekt das jeweils auf meine Schülerin hat. Ehrgeiz, meine Schüler irgendwo hin zu bringen, habe ich nicht und das selbe gilt für mich und mein Pony.

Und ganz ehrlich: mir ist es hundertmal lieber wenn eine Schülerin absteigt, nachdem sie ein paar Meter geritten ist und sagt „das geht heute nicht, wir müssen Handarbeit machen“ als wenn auf Teufel-komm-raus geritten wird obwohl Pferd und Reiterin dafür heute viel zu aufgeregt sind. Und wenn eine Schülerin, die heute galoppieren wollte, mit mir bereit ist, am Schritt zu tüfteln, weil wir da gerade ein Problem aufgespürt haben, dann bin ich dafür sehr dankbar. Aber auch umgekehrt kann es ja passieren: jede Schülerin, die vor einer bestimmten Sache Angst hab (meistens vorm galoppieren) weiß, dass sie jederzeit sagen kann „jetzt ist es so weit“. Plötzlich kommt der eine Moment und dann geht es los – egal, was eigentlich gerade geplant war. Und mir ging es mit Duncans erstem Galopp mit mir oben drauf nicht anders – das war völlig ungeplant. Solche Chancen dann nicht zu ergreifen wäre ja sehr schade!

Alle meine bisherigen Pläne mit Duncan haben sich im Laufe der gemeinsamen Jahre immer wieder verschoben und verändert. Wenn ich also einen rudimentären „Trainingsplan“ erstelle und ein Ziel ans Ende schreibe, dann ist das nicht mehr als eine Orientierungslinie. Das Ziel (und ein Plan ist ja auch nichts weiter als lauter Zwischenziele) dient meiner Motivation, bestimmte Dinge anzupacken, die ich sonst vielleicht auf die lange Bank schieben wollen würde. Und es dient mir dazu, Grenzen auszuloten – nicht beim ersten Anzeichen von Müdigkeit auf meiner oder Duncans Seite auf der Bremse zu stehen, die „Helikoptermutter“ zu machen und lieber einen Schritt zurück zu treten, sondern uns beide ein bisschen heraus zu fordern und das Augenmaß dafür zu entwickeln, wo Grenzen wirklich sind und wo nur ein erstes „oh, anstrengend“ vermeldet wird.

Dazu, und nur dazu, dient mir mein „Trainingsplan“. Und ich bin sehr gespannt, was ich im Laufe dieser Zeit über Duncan lernen werde, denn wir betreten neues Terrain: echtes Training mit dem Ziel der Leistungssteigerung. Wird es einen Punkt geben, an dem er sagt „es reicht“? Finlay hat sich seine Pausen ja immer selbst und vehement verschafft. Da kannte er keinen Spaß. Aber nach einer Pause war er auch bereit, weiter zu machen und er hat sich durchaus auch gut gesteigert im Training. Das Tempo hat er dabei selbst bestimmt. Wie wird Duncan damit umgehen? Wahrscheinlich ganz anders. Eins steht fest: im Herbst weiß ich mehr.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 356

Dienstaaaaaaag! Ich dachte schon, mein Mädchen hätte vergessen, wie so ein ordentlicher Dienstag abzulaufen hat! Das ist ja eeeeeeeeewig her! Seit Oktober waren wir nicht mehr zusammen los, mein Ausreitkumpel und ich. Aber jetzt geht es endlich wieder los – juhuuuuuu! Und mit dem Ausreitkumpel ist immer ganz viel traben angesagt, auch damit geht es jetzt wieder los! Zum Einstieg haben wir eine kleine Tour gemacht, 6,7km, aber davon immerhin stolze 4,1km im Trab (in zwei Etappen mit Graspause dazwischen versteht sich). Mein Mädchen hat nachher gerechnet: ich schaffe im Trab gute 10km/h also Tempo 6 (6min für einen Kilometer.). Das heißt wir sind bummelig 24 min getrabt, das ist schon echt ok oder? Mein Mädchen meint, mit etwas Übung kann ich später vielleicht 12 km/h im Trab schaffen, aber das ergibt sich von allein, ich bestimme mein Tempo selbst. Nur gleichmäßig soll es sein. Mit meinem neuen Sattel laufe ich wie ein schweizer Uhrwerk, ein Schritt genauso wie der andere. Was bedeutet, dass mein Mädchen schön ruhig sitzen kann, was bedeutet, dass ich sie leichter tragen kann, was bedeutet, dass ich schön lange und gleichmäßig wie ein Uhrwerk laufen kann – ihr versteht? Mein Mädchen war hoch erfreut über meine Fitness: obwohl es echt warm war, hab ich nicht übermäßig geschnauft und auch nicht doll geschwitzt. Sie macht sich ja gern mal Sorgen, dass es mir zu viel sein könnte, aber sie weiß inzwischen auch, dass ich ganz deutlich bescheid sage, wenn es mir anstrengend wird, dann nehme ich im Trab den Kopf immer so runter. Und das hab ich nicht gemacht, also alles gut. Der neue Sattel machts möglich! Und natürlich all das andere Training was wir machen, ist ja klar. Ich sag nur: Handarbeit, Doppellonge, Hügeltraining, Ausreiten, Wippen…… (und Gras essen, aber davon erzähle ich die Tage mal).

Weil wir so flott unterwegs waren und uns alle so gefreut haben, blieb keine Zeit für ein Foto, aber ihr könnt euch das ja sicher gut vorstellen. Hier eine Bildbeschreibung:

Sonnenschein, Vogelgezwitscher, mein Ausreitkumpel und ich schon wieder in Fliegendecke (ich als Zebra, dazu komme ich gleich noch!), unsere Mädchen grinsend von einem Ohr zum anderen, wir Ponys grinsend von einem Ohr zum anderen, Waldweg und dann das Geräusch von trabenden Ponys (trabtrabtrabtrabschnaubtrabtrabtrab). Mein Mädchen hat abends auf der App gesehen, dass ich angeblich 89bpm im Trab habe, das entspricht zum Beispiel dem Song „I´m still standing“ von Elton John. Da sie öfter mal Ohrwürmer hat findet sie es nützlich zu wissen, welchen Song sie auf ihrer inneren Schallplatte laufen lassen kann, damit der Rhythmus passt. Das wird nächstes Mal gleich ausprobiert!

Auf dem Rückweg sprach uns dann noch eine nette Dame an, ich wäre ja ein süßes Zebra! Ich wollte ihr gern hallo sagen und sie hat mir die Hand hin gehalten. Sie bekam einen zarten Handkuss von mir und hat mir dann leider mitgeteilt, dass sie keine Kekse für mich hat. Schade! Aber nett war sie trotzdem. Mein Ausreitkumpel wollte gern in ihrem schicken Cabrio mit fahren (manchmal ist er doch etwas lauffaul und ganz ehrlich: er hat sich im letzten halben Jahr eine ordentliche Wampe angefuttert, weil er so wenig Sport gemacht hat! Da bin ich doch schon wieder als personal trainer gefragt!)

Am Ende waren wir alle happy und mein Mädchen und ich sind wieder nach hause gefahren. Dort hat sie noch meinen Puls gemessen, der – traditionsgemäß – bei 44 lag. Das ist irgendwie mein Wert, den ich nach der Heimfahrt anscheinend immer hab. Vielleicht denkt sie ja mal dran das Stethoskop mitzunehmen und direkt nach dem Reiten meinen Puls zu messen.

Wir erklären jetzt die Saison offiziell für eröffnet und arbeiten auf unseren Gedenkritt im September hin!

Euer hoch zufriedener Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 355

Vorgestern war ja wieder Sonntag – also Ausflugstag! Ihr fragt Euch sicher, was eigentlich am Sonntag davor los war. Da waren mein Mädchen und der Mann gar nicht da! Eine Woche waren sie weg und wir Ponys haben Langeweile geschoben. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gelegentlich vorbei geschaut und ansonsten hat uns Gatsbys Mädchen versorgt. Gatsby fühlt sich dann immer gleich ganz königlich wichtig, wenn sein Mädchen der Chef im Hause ist. Und Diego und ich wissen gar nicht wohin mit unserer vielen Freizeit.

Dann kamen die beiden Menschen endlich wieder und es ging wieder los mit der Bespaßung! Am Samstag an der Doppellonge hab ich meinem Mädchen erst mal gezeigt, was so an Energie in mir steckt – aber ganz gesittet, versteht sich. Bis sie dann meinte, wenn ich so gut drauf bin, könnten wir ja auch mal wieder ein Galöppchen wagen und da ist es dann aus mir heraus gebrochen! Mein Mädchen hat gelacht und gemeint, buckeln könnte ich ja nicht so toll aber gleichzeitig mit allen vieren in die Luft springen, dabei den Kopf runter nehmen und wild schütteln und die Vorderbeine nach vorn raus werfen könnte ich ja schon ganz gut, ich sollte nur aufpassen, dass ich nicht auf die Nase fliege dabei. Ich weiß ja: so lange ich nicht an der Longe ziehe, ist Spaß haben erlaubt und das habe ich mir dann rechtsrum und linksrum auch erst mal gegönnt, bevor ich jeweils artig galoppiert bin. Mein Mädchen war hoch zufrieden, weil ich in allen Gangarten so schön im Takt war und so fleißig und aufmerksam und überhaupt. Sie meint, in der Woche in der sie weg war, bin ich noch ein bisschen erwachsener geworden – oder ich bin einfach froh, dass sie wieder da ist und gebe mir extra Mühe, das könnte auch sein.

Sonntag war dann also Sonntagsausflug aber bei Diego ist immer noch eine Schraube locker (also bei seinem Sattel) und deswegen ist der Mann ohne Sattel los geritten. Erweiterte Hausrunde, knappe 8km, die meiste Zeit Schritt weil traben ohne Sattel mit Diego kein großer Spaß ist. Mein Mädchen wollte aber den Ritt für einen letzten Sattel-Fein-Test nutzen und daher auch mal traben, was zur Folge hatte, dass wir immer vorne weg getrabt sind und Diego gaaaaaanz langsam nach gekommen ist. Da üben wir auch gleich wieder das alleine ausreiten, meinte mein Mädchen. Mein Kopf war etwas hyperaktiv, es war windig und ich war ja länger nicht draußen gewesen, aber benommen hab ich mich natürlich einwandfrei. Kann ich! Diego hatte auch Bock und ist im Schritt wieder so elendig schnell gelaufen, dass ich mit meinen etwas kürzeren Beinen trotz Turbo-Tempo einfach keine Chance hatte, mitzukommen. Menno. Meistens wartet Diego dann irgendwann auf uns (und rollt dabei genervt mit den Augen) oder wir traben mal ein Stückchen nach. Beim Nachtraben ist der Nachteil aber der, dass ich durchparieren muss, bevor ich richtig in Fahrt gekommen bin, das mag ich nicht so gern. Wenn man schon trabt, soll sich das doch auch mal lohnen, bitteschön! Ich bring doch meine Schwungmasse nicht mühsam auf Tempo um dann gleich wieder alles abzubremsen.

Das mit dem Sattel hat auch etwas genervt: Foto davor, Foto zwischendurch, dann mal neu satteln, eine Weile zu Fuß gehen, noch ein Foto…. und als sie dann zu hause abgestiegen war fiel meinem Mädchen ein, dass wir noch ein Foto mit ihr obendrauf brauchen – also ist sie wieder rauf geklettert. Danach wurde wieder mit Kreide auf mir rum gemalt und nach dem Schwerpunkt gesucht. Was hat sie für ein Glück, dass ich so ein geduldiger, höflicher Ritter bin! Aber die gute Nachricht ist: die Sattel-Expertin ist sehr zufrieden, der Sattel wird für passend erklärt! Jetzt können wir erst mal reiten und weiter beobachten ob er gut liegt. Ich soll ja noch wachsen und Muskeln aufbauen und der Sattel wird sich mit der Zeit noch etwas setzen, da müssen wir schauen ob nochmal nachjustiert werden muss. Aber erst mal hat das ganze fotografieren ein Ende – Gott sei Dank!

Sattel-Fotos, Sattel-Fotos, Sattel-Fotos….. egal, Hauptsache Ausflug!

Und wir können jetzt unsere alte Satteldecke dazwischen legen, die mit den Taschen, damit alles wieder seine Ordnung hat (und wir die komische Farbe vom Pad nicht mehr sehen).

Später am Tag ist dann übrigens noch etwas ganz interessantes und tolles passiert, aber davon erzähle ich euch nächstes Mal!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Mit freundlicher Unterstützung

Der Speicher von meinem Handy war voll. Fotos, Fotos, Videos, noch mehr Fotos. Auf der langen Fahrt vom Urlaub nach hause habe ich mir dann einen Teil davon mal vorgenommen und zumindest grob sortiert. Die meisten Fotos, die ich auf diesem Handy habe, sind aus der Zeit ohne Finlay, mit Duncan. Auf den ersten ist Duncan gerade hier eingezogen. Wie eine Zeitreise war das und als wir zu hause ankamen und ich mein Pony im Stall begrüßte, wunderte ich mich, wie groß er ist und wie viel weiß in seinem Fell schon zu sehen ist, war er doch auf den Fotos so klein und dunkel.

Und als ich die Fotos so durchgesehen habe, wurde mir wieder klar, wie viel Hilfe ich habe und hatte bei der Ausbildung meines jungen Ponys. Nicht nur der wunderbare Diego und die anderen Ponys, sondern auch Menschen, die mich unterstützt haben und unterstützen. Allen voran natürlich mein wunderbarer Mann und meine Freundin. Mit einem jungen Pferd ist am Anfang alles eine Übungsaufgabe. Von Stillstehen über Hufe geben bis zu den ersten Spaziergängen, nichts ist selbstverständlich. Man weiß nie, was einen erwartet. Ganz zu schweigen von all den ersten Malen: erstes Aufsitzen, erstes Ausreiten, erster Trab. Und der Erfolg oder Misserfolg solcher Unternehmungen hängt unter anderem von der Begleitung ab, die man hat. Ist da ein Mensch, der mich drängt, aufzusteigen, obwohl ich mich nicht wohl fühle? Ist da jemand, der einfach antrabt ohne mich zu fragen? Fängt jemand an zu galoppieren ohne zu beobachten, was mit meinem jungen Pferd passiert? Ist jemand genervt, wenn ich absteige und führe? Oder ist da, wie in meinem Fall, all diese wunderbare Unterstützung, die Rücksichtnahme, die Hilfe beim Einschätzen einer Situation (ist mein Pony jetzt schon müde oder einfach nur entspannt?). Kann ich ein Gespräch mitten im Satz unterbrechen und mich meinem Pony widmen, ohne dass mein Gegenüber beleidigt ist? Kann ich sagen „ich möchte den Plan ändern, das läuft nicht wie gedacht“?

In vielen Ställen erlebe ich, wie Pferdemenschen schlecht miteinander umgehen. Von gegenseitiger Unterstützung und Rücksichtnahme keine Spur – im Gegenteil: an der Bande wird gelästert über alles und jede und wenn jemand kleinschrittig und freundlich mit seinem Pferd arbeitet, wird mit den Augen gerollt. „Warum reitest du denn immer noch nicht?“ hören viele meiner Schülerinnen vielleicht als häufigsten Satz. Aber auch das unsägliche „du musst dich nur mal durchsetzen“.

Ich bin dann immer sehr traurig, denn wenn wir uns gegenseitig unterstützen würden, wäre vieles so viel einfacher. Das gelassene Pferd kann dem ängstlichen im Gelände etwas Sicherheit vermitteln, während das bewegungsfreudige Pferd das Energiesparmodell mal etwas „mitziehen“ kann. Wenn am Stall jemand den Anhänger anhängt zum üben, könnten alle anderen sich anschließen – wenn es denn eine entsprechende Übereinkunft gäbe, dass das verleihen des Anhängers angemessen „entlohnt“ wird, zum Beispiel indem man eine Urlaubsvertretung oder einen Stalldienst übernimmt. Anstatt dass wir ungefragt Tipps geben, weil wir immer meinen, alles besser zu können und zu wissen, könnten wir ja mal fragen „wie kann ich dich unterstützen?“. Oft helfen ja Kleinigkeiten schon weiter. Wenn ich mein junges Pferd reite, möchte ich gern, dass jemand davon weiß. Wenn ich runter fallen sollte, soll das bitte jemand mitkriegen und helfen oder Hilfe schicken. Deswegen rufe ich immer bei Arnulf an bevor ich aufsteige und sage dann per Whatsapp bescheid, wenn ich wieder abgestiegen bin. An einem Reitstall wäre es hilfreich, wenn jemand dann mal schaut oder vielleicht zeitgleich sein ruhiges Pferd in der Halle reitet. Es kann so einfach sein, sich gegenseitig zu unterstützen. Wenn eine Reiterin Angst hat, kann es helfen, mit ihr zu reden – nicht über das was sie falsch macht oder was sie tun sollte, sondern über ganz andere Sachen. Oder darüber, wie toll das Pferd das gerade macht. Manchmal kann ein Außenstehender uns helfen, einen Zwischenschritt zu finden, den wir selbst gerade nicht sehen: was könnte ich denn üben um da hin zu kommen wo ich hin will? Wie könnte ich diese Plane „entgruseln“ vor der mein Pferd sich so fürchtet?

Aber Hilfe kann auch ganz anders aussehen: geh bitte weg, ich möchte jetzt ungestört sein. Hör bitte auf, dieses Geräusch zu machen, mein Pferd hat Angst davor und ich möchte das JETZT nicht üben. Oder hast du Zeit, das mit dem Geräusch jetzt so zu machen, dass wir es üben können? Nimm bitte Rücksicht auf mich, mein Jungpferd ist noch nicht so sicher zu lenken.

Wie viel besser und leichter könnten wir mit der Ausbildung unserer Pferde voran kommen, wenn wir es nur schaffen würden, andere auf IHREM Weg zu unterstützen.

Ich bin dankbar für all die Unterstützung und Hilfe, die ich hatte und habe und manchmal, wenn ihr denkt, dass bei mir alles ganz leicht ist, dann liegt das zu einem großen Teil auch daran, dass meine Umgebung es mir und Duncan leicht macht. Und vielleicht könnt ihr es euch ja auch gegenseitig das eine oder anderen Mal leichter machen anstatt schwerer, das wäre auch sehr im Sinne der Pferde.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 354

Manchmal ist mein Mädchen ja ein bisschen schwer von Begriff. Seit einer Ewigkeit jammert sie, dass Schleswig-Holstein zwar ohne Zweifel das schönste Bundesland der Welt ist, aber für ein gutes Training leider viel zu flach. Die Auswahl an Bergen ist doch eher begrenzt bei uns und dabei machen Berge uns Ponys doch so schön fit!

Neulich fiel es ihr dann auf: wir haben den perfekten Trainingsberg bei uns im Paddock! Jeden Tag läuft sie daran vorbei und merkt nix. Oh man. Ich kenne diesen Hügel gut, weil ich den gern beim Spielen mit den anderen Ponys nutze. Ich stell mich da drauf und dann bin ich schön groß!

Jetzt hat mein Mädchen also auch diesen Berg entdeckt und möchte ihn in mein Training integrieren. Früher stand dort eine Hecke und von den Büschen stehen noch die Stümpfe da. Steine sind da auch im Weg, also es ist gar nicht so leicht, da rauf und runter zu laufen, da muss ich gut meine Hufe sortieren! Und oben kommt auch gleich der Zaun, da muss man scharf um die Kurve navigieren.

Zum Spielen da drauf stehen ist das eine, aber jetzt soll ich auf Kommando im Kreis rauf und runter gehen und manchmal sogar traben. Heidewitzka, das ist ganz schön anstrengend! Mein Mädchen sagt, wir fangen mit 10 Minuten an und ich gestehe das reicht auch erst mal. Zwei mal haben wir das jetzt an der Longe gemacht, aber einmal auch einfach so frei. Und mein Mädchen findet, ich hab das toll gemacht – was auch sonst?

Also das wird jetzt ein neuer Teil unseres Fitnessprogramms. Mein Mädchen sagt, sie ist schon ganz gespannt wie schön und geschmeidig ich das eines Tages kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem eigenen Trainingshügel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 353

Zur Fitness, sagt mein Mädchen, gehört nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Geschmeidigkeit. Deswegen gehören ein paar Dehnübungen auch immer mit ins Programm. Meistens so zwischendurch wenn ich einen Keks bekomme, dann muss ich mich immer irgendwo hin strecken oder drehen um da ran zu kommen.

Kopf nach rechts, das üben wir natürlich auch nach links!
Ein paar Dehnübungen halten die Rüstung geschmeidig.

Und nach der Arbeit dehnen wir noch meine Beine, besonders mein linkes Hinterbein braucht immer einen Moment, bis ich das entspannen kann. Aber es wird besser! Und ich habe gelernt, dass das sehr angenehm ist. Am Anfang fand ich das immer eher gruselig und mein Mädchen hat nur gaaaaaanz sachte mein Bein nach hinten raus geführt bis ich loslassen konnte und einmal durchgeatmet habe. Jetzt weiß ich aber auch, dass es schön ist, wenn sie da mal vorsichtig ein bisschen Zug aufbaut. Dann lasse ich meine linke Pobacke sinken und entspanne mich und merke wie mir das gut tut.

Hmmmm schön entspannen.

Empfohlen und erklärt hat uns all diese Übungen natürlich der Mann in seiner Eigenschaft als Haus- und Hof-Osteopath. Der weiß genau, wo es bei mir gern mal zwickt und ziept. Und wenn ich es beim Spielen mal wieder übertrieben habe, richtet er mir manchmal meine Hüfte und mein Genick wieder, so dass alles gut voreinander sitzt und sich nix schief und krumm schiebt. Ich kenn das jetzt schon und ich weiß auch, dass ich da mithelfen kann und dass ich ein Mitspracherecht habe, wenn ich etwas nicht mag.

Auch vorne wird gedehnt, damit meine Schulter schön geschmeidig bleibt. Damit ich nicht nur schön und stark, sondern auch beweglich bin!

Schulter frei machen tut gut!

Euer beweglicher Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem eigenen Fitness-Trainer-Team

Sicherheit

Diego haben wir 2012 auf einem Kurs kennen gelernt. Als wir heraus fanden, dass er zum Verkauf steht, wunderten wir uns: wer verkauft so ein tolles Pferd? Es stellte sich heraus, dass Diego bei seiner Vorbesitzerin nicht glücklich war – er wurde in der Herde gemobbt.

Als Arnulf sich entschieden hatte, dass er Diego gern kaufen möchte, zog der zunächst auf Probe bei uns ein. Was hätte es genutzt, wenn er auch in unserer Herde nicht klar gekommen wäre? Aber Merlin hieß ihn gleich willkommen, die beiden waren nach 5 Minuten Freunde und außer Merlin wohnten damals nur die beiden Shettys bei uns, die sowieso mit jedem Pferd klar gekommen sind.

Ein halbes Jahr nach seinem Einzug wurde Diego Herdenchef und seitdem ist er unser wunderbarer, ruhiger, souveräner „Pony-Papa“ nach dem sich alle richten. Ich habe lange gerätselt, warum so ein gelassenes, durch und durch freundliches Pferd gemobbt wurde. Erst Elsa Sinclair hat mir die Erklärung geliefert, die ich für absolut einleuchtend halte.

Elsa hat viel mit Mustangs zu tun, die in der Wildnis aufgewachsen sind. Diese Pferde wissen – im Gegensatz zu unseren Hauspferden – was echte Lebensgefahr ist. Sie kennen nicht nur Hunger und Kälte, sondern auch Verletzungen und vor allem Fressfeinde. Aufpassen ist für sie wirklich noch überlebenswichtig und alle Herdenmitglieder sind gefragt, dabei mit zu helfen. Elsa beobachtet, dass in gemischten Herden – also Mustangs und Hauspferde – die Mustangs oft ungehalten sind, weil die Pferde, die in menschlicher Obhut aufgewachsen sind, einfach nicht genug aufpassen. Die Mustangs finden, dass die Hauspferde leichtsinnig sind und sie werden sauer, wenn die „Schnarchnasen“ zu viele Dinge einfach ignorieren und dösend stehen bleiben. Die Hauspferde wiederum verstehen aber nicht, warum die Mustangs sie durch die Gegend schicken und was sie eigentlich wollen. Und ich glaube, etwas ähnliches ist damals mit Diego passiert. Denn der hat nun wirklich die Ruhe weg. Es ist extrem selten, dass etwas seine Aufmerksamkeit wirklich nachhaltig erregt und dass er mal meint, es sei evt nötig, zu flüchten, passiert gefühlt nur 5 mal im Jahr. Er fühlt sich sicher in unserer Menschenwelt. Die anderen Pferde in seiner früheren Herde waren aber hochblütiger, ein Vollblut, ein Warmblut und ein Spanier wenn ich mich richtig erinnere. Wahrscheinlich waren diese Pferde einfach der Ansicht, dass Diego seinen Anteil am Aufpassen nicht erfüllt und wurden deswegen sauer. Diego konnte aber nicht verstehen, warum er durch die Gegend geschickt wird. Bei uns in der Herde traf er dann auf Pferde, die ein ähnliches Gemüt haben wie er. Merlin ist froh, wenn jemand Ruhe ausstrahlt und hat sich zumindest in jüngeren Jahren auch nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Mit seiner Gelassenheit hat Diego mir jetzt zum zweiten Mal geholfen, ein junges Pferd sicher durch sämtlich „Erstsituationen“ zu bringen, sei es Straßenverkehr, Anhänger fahren, fremdes Gelände oder was auch immer. Ohne seine Ruhe hätte alles mit Finlay und Duncan viel länger gedauert. Auch beim Einfahren, sowohl bei Finlay als auch bei Duncans Ausreitkumpel, ist Arnulf mit Diego jeweils bei den ersten Fahrten vorneweg geritten, was einen wunderbar beruhigenden Effekt auf alle Beteiligten hat.

Neulich, als die Gänse auf unserem Paddock waren, konnte ich zum ersten Mal beobachten, dass auch Duncan manchmal findet, dass Diego doch mehr aufpassen könnte. Als Diego sich hingelegt hatte, ging Duncan hin und ärgerte ihn, bis er wieder aufstand und mein Eindruck war, dass er sich einfach nicht sicher genug fühlte mit den Gänsen. Duncan wollte, dass Diego gut aufpasst. Ob Diego verstanden hat, worum es da ging? Ich weiß es nicht.

Mit Duncan kann ich jetzt zum zweiten Mal beobachten, wie das Sicherheitsgefühl junger Pferde sich ändert. Am Anfang sind die Kleinen unheimlich angstfrei. Viele Jährlinge sind sehr sorglos. Sie liegen gern oft mitten im Geschehen platt auf der Seite, pennen in aller Seelenruhe und sind sich sicher: die Großen passen auf. Von den Kleinen wird nicht erwartet, dass sie sich um Gefahren kümmern, sie kennen sich ja eh noch nicht aus.

Dann kommt ein Alter, in dem die Großen doch etwas mehr erwarten. Ein langsamer Übergang, in dem das junge Pferd lernt, dass es auch selbst auf Gefahren achten muss. Gerade im letzten halben Jahr ist Duncan diesbezüglich deutlich anders geworden. Wenn ich dann auch noch reite, anstatt neben ihm zu gehen, fühlt er sich oft für unser beider Sicherheit verantwortlich. Dass Diego gelassen bleibt, dient nur noch teilweise seiner Beruhigung. Da Diego die meisten Dinge in seiner Umwelt ignoriert, hat Duncan für vieles was er sieht, wahrscheinlich erst mal keinen Anhaltspunkt: findet Diego das ok oder hat er es nicht gesehen/gehört? Duncans Augen und Ohren sind unaufhaltsam dabei, seine Umwelt zu überprüfen. Die meisten Dinge stuft er als „interessant“ ein. Manche erschrecken ihn kurz, wenige lösen wirklich einen Fluchtreflex aus. Ich erwarte, dass er innerhalb der nächsten Jahre ein großes Repertoire an Eindrücken sammelt und dann vermutlich wieder etwas gelassener wird, weil er viele Dinge schon oft gesehen hat. Aber vom Typ her ist er sicher ein Pony, das grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit für seine Umwelt mitbringt.

Von Elsa habe ich auch gelernt, was Duncan und Diego mir jetzt bestätigen: dass das ranghöhere Pferd gelassen bleibt und eine vermeintliche Gefahr ignoriert, vermittelt nicht immer Sicherheit. Als unser Bundeskanzler an die Macht kam konnte ich dieses Gefühl übrigens plötzlich gut nachvollziehen und habe es des öfteren mit Erfolg im Unterricht als Beispiel eingesetzt….

Wenn wir ein Problem sehen und es ist jemand da, der eigentlich zuständig ist, dann wollen wir bitte, dass derjenige HANDELT! Und so habe ich bei den Pferden einen Teil von Elsas Vorgehen übernommen: ich gucke mit, ich passe mit auf. Natürlich versuche ich, auszustrahlen, dass ich das, was ich da sehe oder höre, für ungefährlich halte, aber ich nehme es wahr, ich ignoriere es nicht. Auch wenn ich nicht weiß, wonach mein Pony gerade schaut oder lauscht, kann ich meine Sinne kurz schärfen und dort hin richten wo er mir etwas anzeigt. Dann entspanne ich mich wieder und sage ihm, dass ich überzeugt bin, dass wir in Sicherheit sind. Was zur Folge hat, dass mir immer öfter auffällt, dass Duncan, wenn er etwas sieht, zwischendurch Kontakt zu mir sucht und schaut, was ich davon halte. Und das ist ja genau das was ich will! Er soll mir ja vertrauen – und ich hasse diesen Satz. Denn es ist nicht SEINE Aufgabe, mir zu vertrauen, sondern MEINE Aufgabe, ihm die entsprechende Sicherheit zu geben. Und heute weiß ich, dass ich diese Sicherheit nicht unbedingt durch ignorieren aller Umweltreize geben kann, sondern vielmehr indem ich meinen Teil zu unserer aller Sicherheit beitrage – auf eine Art und Weise, die das Pferd auch wirklich so empfindet.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 352

Heute war kein Ausritt angesagt, weil bei Diego eine Schraube locker ist. Nein, nicht was ihr denkt, nur an seinem Sattel! Deswegen haben wir uns entschlossen, das Abenteuer von neulich zu wiederholen: Besuch bei fremdem Pferd! Diesmal in der Version für Fortgeschrittene – soll heißen: ohne Diego. Nur ich allein in die Wackelkiste und los ging die Reise. Wieder zu dem Araber, den ich an Ostern schon gesehen hatte – wieder auf die tolle Weide! Ooooooh da ist das soooo schön grün und lecker!

Heute fand ich, der Araber zählt nicht mehr als fremd. Den hab ich doch neulich erst gesehen, da brauche ich mich nicht aufregen. Mein Mädchen fand das toll und so sind wir gleich zur nächsten Fortgeschrittenen-Version übergegangen und haben einen gemeinsamen „Ausritt“ gemacht. Wahrscheinlich war das der kürzeste Ausritt aller Zeiten, 300 Meter hin und 300 Meter wieder zurück. Mein Mädchen ist auf mir geritten, der Mann hatte mich sicherheitshalber am Strick (was echt nicht nötig gewesen wäre, aber ihr kennt ja mein Mädchen) und das Mädchen vom Araber ist mit dem Araber schräg hinter uns oder schräg vor uns gelaufen. Das fand ich voll ok und alles gut. Was ich NICHT ok fand war, dass ich derweil nicht von dem verdammt leckeren Grünzeug am Wegesrand essen durfte! Mein Mädchen meint, um diese Jahreszeit wäre ich ein echter Junkie. Nur dass ich das Gras halt esse anstatt es zu rauchen…. Aber sie weiß ja auch, dass ich wieder entspannter damit werde, wenn wir erst mal angeweidet sind und ich jede Nacht Gras schmausen kann so viel das Herz begehrt.

Na, jedenfalls fand mein Mädchen, dass ich das alles wunderbar und fein gemacht habe, wir sind nochmal zusammen grasen gegangen und jetzt soll der Araber bald mein „Ausreitkumpel 2“ werden. Aber das ist mir zu kompliziert, die alle durch zu nummerieren also habe ich beschlossen, ihn meinen Schimmelfreund zu nennen. Er wird nämlich auch weiß, so wie ich, und wie ihr sehen könnt, ist er mir da auch etwas voraus! Nur dass er sein Wallehaar noch schwarz trägt während das ja bei mir als erstes weiß wird.

Hallo Schimmelfreund! Du bist nett. Aber ich muss jetzt dringend Gras essen!

Das Mädchen vom Schimmelfreund meint, dass er und ich uns bestimmt Nachrichten per Gänsepost geschickt haben seit dem letzten Treffen. Weil bei denen auch immer so viele Gänse sind. Wer weiß?

Schließlich ist mein Schimmelfreund dann weg gegangen in Richtung von seinem Stall – ich wollte da dann doch gern noch mit, aber mein Mädchen hat am Strick gezupft und gesagt, wir trennen uns jetzt wieder. Ich durfte noch kurz grasen, dann wieder rein in die Wackelkiste und nach hause. Und was soll ich euch sagen: jetzt kriege ich wieder den ganzen Tag zu hören, wie toll ich doch bin und dass mein Mädchen fast platzt vor Stolz und dass es so viel besser lief als sie jemals zu hoffen gewagt hätte und dass ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke bin.

Ich habe dann das angenehme mit dem notwendigen verbunden und mich an der Stalltür eingeparkt. Notwendig war nämlich eine kleine Auszeit für mein Gehirn um all die Eindrücke zu verarbeiten, angenehm war, dass mein Mädchen da ständig vorbei gelaufen kam und mich angehimmelt hat und mir wieder gesagt habt, dass ich ein großartiger kleiner (was?) Ritter bin und mir versprochen, dass wir dann mit dem Schimmelfreund auch den einen oder anderen schönen Ausflug machen können, sobald wir das noch ein bisschen geübt haben.

Dösen an der Stalltür

Ach, das war fein!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem neuen Schimmelfreund (den ich nicht anfassen darf! Hab ich verstanden.)