Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 341

Ach, herrlich! So ein schönes Wetter war das gestern, Sonne, um mein Mädchen zu wärmen, bisschen Wind, um uns Ponys abzukühlen. Und los ging es auf Ausflug! Aber vor dem Ausflug war noch Reifendruck prüfen angesagt. Erst beim Anhänger und dann angeblich auch noch bei meiner „Bereifung“! Aber ich glaube da haben die Menschen mich auf den Arm genommen. Jedenfalls hat der Kompressor komische Geräusche gemacht, da musste ich erst mal ein paar Kekse haben um sicher zu sein, dass das ok ist. Diego hat natürlich wieder kein Problem damit gehabt. Wie kann man so abgeklärt sein? Ob ich das auch irgendwann bin? Immerhin ist Diego 15 Jahre älter als ich. Vielleicht hab ich noch Chancen.

Ich glaub die haben mich auf den Arm genommen. Luftdruck prüfen? Ehrlich?
Bisschen gruselig. Aber mein Mädchen weiß: Kekse besiegen Monster. Isso.

Dann ging es endlich los! Wir Ponys waren allerbest gelaunt und die Menschen auch. Wir sind in ein Gebiet gefahren wo wir vor 2 Jahren mal waren und dann irgendwie nicht mehr – warum, wissen wir alle nicht so genau! Mein Mädchen hatte am Computer Wege rausgesucht und diesmal hat sie einen Volltreffer gelandet: die waren alle wunderschön! 10,7 km fast ohne Straße und eigentlich könnte man so gut wie überall traben. Na gut, so fit sind wir alle noch nicht und zwischendurch muss man ja auch mal bremsen weil ein Hund mit seinen Menschen vorbei kommt oder so.

Am Anfang gab es auch fremde Pferde zu sehen, da war ich doch noch etwas aufgeregt! Wallach hin oder her, fremde Pferde sind einfach soooooo spannend! Da möchte ich doch gleich Freundschaft schließen! Mein Mädchen sagt, mein großer Bruder (der im Himmel) ist genauso gewesen. Der wollte auch mit jedem Pferd befreundet sein. Wir Schotten sind eben nette Typen! Aber leider dürfen wir fremde Pferde immer nur angucken und müssen dann weiter gehen. Schade. Diego kann da ja so einfach weiter marschieren, völlig ungerührt. Wie macht er das bloß?

An einer Stelle sind die Menschen abgestiegen und wir durften grasen, während mein Mädchen allein einen Weg rein gegangen ist. Das war nämlich die andere Seite von dem Weg, auf dem sich damals die Büsche geküsst haben. Quasi der Weg auf dem ich eine meiner Berufungen gefunden habe („ich bin Förster von Beruf“). Sie ist da rein gelaufen und wieder raus gekommen und gesagt der Weg ist frei. Aber wir sind trotzdem den anderen geritten. Den kann man nämlich besser traben, weil er etwas breiter ist.

Voll die schönen Wege gibt es da!

Wir sind insgesamt ungefähr die Hälfte der Strecke getrabt und das ist wohl ein neuer Rekord! Gegen Ende meinte mein Mädchen, ich sei wohl müde, und hat nach vorne zum Mann gesagt „Schritt, bitte.“ Diego hat also durchpariert. Mein Mädchen hat die Zügel lang gelassen und gedacht ich pariere jetzt auch durch. Aber ich war halt grad so fein im Fluss! Bin einfach an Diego vorbei und noch ein bisschen weiter getrabt, während mein Mädchen gelacht und die Arme in die Luft geworfen hat, ohne die Zügel fest zu halten. Soooooo doll vertraut sie mir jetzt! Kann sie ja auch, wo ich doch so ein Guter bin. Irgendwann hab ich dann doch durchpariert. War auch ganz schlau, denn da war gerade so eine feine Stelle für eine Graspause, die haben wir dann auch ausgiebig genutzt. Mein Mädchen hat für die Graspausen jetzt so ein langes, dünnes Seil mit, so haben wir beide mehr Freiheit, wenn ich grase und sie kann mich zur Not trotzdem schnell fest halten, falls ich Blödsinn machen sollte (als ob ich das jemals tun würde!) Manchmal trete ich mir da aus Versehen auf den Strick und dann ist mein Kopf fixiert. Früher hab ich dann immer mit Gewalt mit meinem Kopf gezogen dann kam der Strick unter dem Huf frei. Jetzt kann ich das schlauer: wenn ich merke, dass ich meinen Kopf nicht mehr bewegen kann, hebe ich einfach nacheinander meine Füße und irgenwann geht es wieder. Mein Mädchen findet das mega schlau von mir! Manchmal hilft sie mir und zeigt mir, welches Bein ich heben muss, wenn ich nicht gleich drauf komme.

Graspause finden wir Ponys voll wichtig! Langsam lernt der Mann auch, sich da etwas mehr Zeit zu lassen.

Den letzten Kilometer sind die Menschen dann mit uns zu Fuß gegangen sind, weil sie fanden, wir haben sie jetzt wirklich lang genug getragen. Wir haben alle 4 fest gestellt, dass unsere Fitness schon besser geworden ist! Das muss auch, denn mein Mädchen plant ja für den Herbst einen Ritt, der mehr als doppelt so lang ist wie der gestern, da braucht es noch ein paar Muskeln an uns allen! (Und einen Sattel, aber das ist eine andere Geschichte).

Den letzten Kilometer zu Fuß.

Euer fröhlicher Ausflügler Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 340

Viele Wochen war unsere Freiheit ja nun deutlich eingeschränkt. Weil die Stuten beim Nachbarn mich so wuschig gemacht haben. Dann bin ich kastriert worden und danach wollten die Menschen noch warten, bis ich mich wirklich als Wallach fühle.

Das tue ich jetzt. Woher ich das weiß? Vor allem weil ich mich wieder viel besser konzentrieren kann. Wenn mein Mädchen und ich auf dem Platz sind und die Stuten beim Nachbarn über die Weide flitzen hatte mich das in letzter Zeit doch dezent abgelenkt. Jetzt kann ich sie geschmeidig ignorieren.

Und weil das so ist, hat mein Mädchen am Dienstag den Rundlauf um die Weide wieder aufgemacht. Vorteil für uns: da sind inzwischen kleine grüne Grasspitzen am Zaun gewachsen, die können wir jetzt erst mal abnagen! Leckerleckerlecker das schmeckt schon herrlich nach Frühling! Die Stuten finden wir nach wie vor nett, aber sie bringen mich nicht mehr um den Verstand. Ich kann jetzt, auch wenn wir direkt neben den Stuten stehen, mit meinen Kumpels zusammen sein und mich mit ihnen vertragen. Und wenn die Stuten weg gehen, bin ich nicht mehr frustriert. Sie sind eben nur Nachbarn, mehr nicht.

Wir sind alle froh, auch mein Mädchen, dass wir jetzt unsere Rennstrecke wieder haben und uns grundsätzlich wieder mehr bewegen. Weil wir ja auch so an Fitness verloren haben, Diego und ich, und sie vermutet dass das eben auch daran lag, dass wir weniger gewandert sind als sonst.

Lädt ein zum Wandern und Rennen und ist endlich wieder offen: Unser Rundlauf um die Weide!

Jetzt ist alles wieder so, wie es sein soll. Der Frühling kann kommen, ich wäre dann jetzt bereit!

Euer Wallach Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu of Nakel 339

Merlin ist ja schon uuuuuuuralt. Er ist das älteste Pony bei uns, sagt mein Mädchen. Dann schaut sie Caruso an und muss zugeben, dass sie das eigentlich gar nicht sicher weiß! Weil niemand weiß, wie alt Caruso ist. Jedenfalls auch schon älter, das steht fest. Aber irgendwie, sagt mein Mädchen, ist das ja bei Shettys noch schwerer einzuschätzen als bei uns größeren (ha! Hier gehöre ich mal zu den größeren!).

Wenn das stimmt, was die Vorbesitzer von Merlin damals gesagt haben, wird er dieses Jahr 30 Jahre alt! Es könnte aber sogar sein, dass er ein oder zwei Jahre älter ist. Niemand weiß, wann er geboren wurde, auch er selbst nicht (ist ja verständlich, dass er das vergessen hat, weil das so lang her ist!). Also hat mein Mädchen sich für Pragmatismus entschieden und gesagt, wir feiern einfach Merlins 30. Geburtstag wann es uns passt. Und das haben wir dann gemacht. Erst hat Merlin Bananen bekommen, für jedes Jahrzehnt eine. Dann hat mein Mädchen noch eine große 30 aus Möhren gelegt und die haben wir alle zusammen weggeknuspert. Eine schöne Party war das!

Party für unseren wahrscheinlich ältesten Freund!

Merlin ist jetzt also offiziell uralt. Noch ist er ja ganz fit so weit, aber arbeiten mag er nix mehr. Das macht nichts, das übernehme jetzt ich! Ich mag voll gern mit meinem Mädchen alles mögliche machen und Merlin kann derweil seine Rente genießen. Zack – alle glücklich.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel in seiner Funktion als Merlin-Nachfolger

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 338

Weil mein Mädchen beschlossen hat, dass wir dieses Jahr kein großes Abenteuer erleben, sondern lieber ein paar kleinere, war gestern Ausflugstag. Wir sind ganz kurz in der Wackelkiste gewesen und dann an einem Ort ausgestiegen, den wir schon ganz gut kennen. Vor da ging es los auf eine längere Tour – ich kannte alle Wege, aber nicht in dieser Reihenfolge.

Als erstes kamen wir gleich mal an eine Baustelle. Da wird ein riesiges Umspannwerk gebaut! Aber Baustelle kann ich. Da war auch nicht viel los.

Baustelle kann ich.

Dann ging es munter im Trab los und plötzlich meinte mein Mädchen, ein Galopp wäre doch auch mal was schönes. Und – zack! – haben wir einen der Punkte auf unserer Liste abgehakt: wir sind nämlich nebeneinander her galoppiert, Diego und ich. Und natürlich haben wir KEIN Wettrennen gemacht. Wir wissen schließlich, was sich gehört! Manchmal ist es praktisch, den Mann dabei zu haben. Der fragt nämlich nicht so lang und macht sich nicht so viele Sorgen, der lässt Diego einfach galoppieren und gut is.

Das Wetter war so windig und sonnig, dass mein Mädchen meinte, es sei das reinste Nordsee-Feeling. Meine Mähne war komplett verweht! Aber kalt war es nicht.

Der Wind hat mein Wallehaar zerzaust!

Nach einer ganzen Weile, als wir schon auf dem Rückweg waren, kam von hinten ein Trecker mit Güllewagen. Wir sind ein bisschen aufs Feld ausgewichen und haben den vorbei gelassen, das kann ich. Da fürchte ich mich nicht. Dann sind wir hinter ihm her geritten und er blieb plötzlich stehen. Der Mensch stieg aus und fing an, Zweige aus der Feldeinfahrt zu räumen. Also rechts stand der Trecker mit laufendem Motor und links hat der Treckerfahrer so halb versteckt im Gebüsch gewerkelt – da war ich mir doch nicht mehr ganz so sicher! Mein Mädchen meinte, ich schaffe das. Vorneweg. Ich meinte, ja, aber dann ganz schnell. Nein, bitte langsam, meinte mein Mädchen. Hm. Dann hab ich gedacht: ok, hier ist ein Kompromiss eine gute Idee. Wir machen die erste Hälfte langsam und die zweite ganz schnell! Hab ich dann so gemacht. Fand mein Mädchen nicht so gut. Als wir dann vorbei geflitzt waren, hat sie gesagt wir drehen jetzt um und gehen da nochmal hin und gucken. Hm. Sicher? Ja, gibt auch Kekse. Na gut. Aber so ganz wirklich überzeugt war ich trotzdem nicht. Habe mir das angeschaut und mir Kekse geben lassen, aber ich war trotzdem froh als wir dann weiter gegangen sind. Leider hatte ich bei meinem Blitzstart einen Hufschuh stehen lassen, also musste mein Mädchen noch absteigen und zurück gehen. Ich fand sie ja recht mutig, dass sie da einfach so ganz allein wieder hingeht! Sonst ist sie doch viel ängstlicher als ich!

Danach sind wir noch ein gutes Stück getrabt, bis ich ziemlich müde wurde. Wieder an der Baustelle vorbei. Dort gab es eine kleine Diskussion, ob wir an der roten Ampel halten müssen, wenn wir davor rechts abbiegen (ja ok, da war kein Grünpfeil. Aber ich hatte es halt eilig!), während der Mann lustige Reime aufgesagt hat und anschließend drohte, wir würden wohl ein Knöllchen bekommen.

Wenn der Mann anfängt, zu reimen, wird es ernst!
Jaaaa wir hätten warten müssen. Aber ich hatte keine Zeit!
Oje, hoffentlich wird das nicht zu teuer!

Den Rest sind die Menschen dann zu Fuß gegangen, weil wir Ponys schon etwas müde waren und dann sind wir hochzufrieden nach hause gefahren. Anstrengend, aber sehr, sehr schön.

Mein Mädchen plant jetzt jeden Monat einmal so eine Extra-Tour. Da wollen wir dann auch mal etwas weiter weg fahren und fremdes Gelände erkunden. Ui da freu ich mich doll drauf!

Euer durchgepusteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Ursachenforschung

Ich bitte um Entschuldigung, aber mein Unterrichtserlebnis vor ein paar Wochen war so teuer und frustrierend, dass ich jetzt wenigstens das Beste daraus machen muss. Und das Beste sind in diesem Fall Erkenntnisse und also Blogartikel. Ich beziehe mich heute also noch einmal auf dieses unsägliche Erlebnis. Ich glaube, danach bin ich fertig damit.

Duncan und ich schwanken über den Reitplatz. Ich laufe neben ihm, weiß aber nicht genau wohin. Und er ist ständig zu schnell. „Ich habe ein Problem mit der Zügelführung“ sage ich zu der Reitlehrerin in meinem Ohr. Ich soll die Zügel direkt unterm Pferdekinn halten – eine Zügelführung die ich noch nie verwendet habe. Ich verstehe, warum das gerade sinnvoll ist, aber das macht es mir nicht leichter. Also äußere ich mein Problem. Schließlich sitzt am anderen Ende des Internets eine Person, die mir helfen soll. Als durch den Knopf in meinem Ohr ihre Antwort kommt, glaube ich zuerst an einen Scherz „dann sei froh dass wir nicht die andere Zügelführung machen, die ist noch viel schwerer“. Ok, lustig. Und jetzt bitte zu dem Teil wo mir geholfen wird. Aber der bleibt aus.

Ich ärgere mich, dass ich den Unterricht nicht an dieser Stelle unterbrochen habe. Es wäre Zeit gewesen, mich selbst zu beschützen. Meinem Gefühl zu vertrauen und die Stopp-Taste zu drücken. Aber ich war bereits derart überfordert mit all den anderen Dingen, die zu tun und zu beachten waren, dass ich nicht in der Lage war, für mich selbst einzustehen.

Zum Glück unterrichte ich ja selbst. Und habe deswegen ein paar Techniken gelernt und entwickelt, um meinen Schülerinnen bei solchen Problemen helfen zu können. Die konnte ich dann im Nachhinein bei mir selbst anwenden. Gedanklich ging ich in die Situation zurück. Ich nahm den Platz der Lehrerin ein und fragte mich selbst „was ist denn dein Problem mit der Zügelführung?“. Als Schülerin antwortete ich mir „ich stoße immer mit meinem Arm an Duncans Hals an und dann ist es ein einziges Drücken und Schieben“.

(Ja, ich führe manchmal Selbstgespräche. Da ich selbstständig bin, zählt das bei mir als Teambesprechung.)

Als Lehrerin konnte ich mir dann genau erklären, dass es gar kein Problem mit der Zügelführung als solches gibt. Das wirkliche Problem ist einfach nur das Tempo. Denn dass mein Arm an Duncans Hals anstößt passiert nur dann, wenn er zu weit vor gelaufen ist. Und schon bin ich wieder bei den Häppchen, denn hier wäre es jetzt nötig gewesen, kleinschrittiger zu üben. Losgehen und, wenn Duncan schneller geht als ich, sofort anhalten (das ist dann bei dem gewählten Tempo so nach 1-2 Schritten der Fall). Ihm sagen, dass er stehenbleiben soll, selbst einen Schritt nach vorn gehen, damit ich wieder in Position bin, dann wieder los gehen. Setzt voraus, dass er lernt, zu warten, während ich neben ihm vor gehe (Übung eins) und mit mir loszugehen, wenn er soll (Übung zwei, denn das kann er zwar schon, macht es aber derzeit IMMER, weil er es so gelernt hat). Aus Erfahrung weiß ich, dass so eine Unterscheidung – wann soll er los gehen, wann nicht, während der Mensch sich fast gleich verhält – ganz schön schwierig ist und viele, viele Wiederholungen braucht, bis sie zuverlässig klappt.

Alternative: Ich könnte ihn rückwärts wieder auf seine Position schicken, aber das war in dem Fall nicht erwünscht. Oder ich könnte versuchen, mich deutlich anders zu bewegen um meine Position zu korrigieren. Z.B. könnte ich mich seitwärts in meine Position bewegen, vielleicht würde ihm das schneller zu verstehen geben, dass er jetzt NICHT mitkommen soll. Oder ihm die Gerte vor die Nase halten, während ich nach vorne gehe. Oder die Zügel los lassen, mein „warte“-Kommando verwenden und im Bogen neben ihm nach vorn gehen. Oder die Zügel so halten, dass er vom Gebiss gebremst wird, während ich vor gehen. Wir könnten die Übung auch noch kleiner machen und wirklich immer nur einen Schritt gehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er deutlich vor mir zum stehen kommt, noch etwas kleiner (wenn auch nicht null!).

Ach, es gab so viele Optionen, das Problem zu lösen. Mir zu sagen, dass eine andere Zügelführung noch viel schwieriger wäre, war sicherlich eine der allerschlechtesten. Aber egal.

Worauf ich hinaus will: Das Problem, das ich formuliert hatte, war gar nicht das Problem. Dass die Zügelführung mir Schwierigkeiten machte, war nur das Symptom eines anderen, zugrunde liegenden Problems. Und das ist gar nicht selten.

Die Reiterin, die von sich selbst behauptet, schief zu sitzen, in Wahrheit aber von ihrem Pferd schief hingesetzt wird.

Die Reiterin die meint, ihre Hand wäre zu hart, weil das Pferd gegen das Gebiss geht, in Wirklichkeit zeigt das Pferd nur, dass es die Gebisshilfen falsch verstanden hat.

Das Pferd, das immer mit der Schulter drängelt und in Wirklichkeit ein Balanceproblem hat.

Das Pferd, dem ewig Stangentraining gegen Stolpern verordnet wird, obwohl es einfach komplett falsch auffußt und deswegen stolpert.

Das Pferd, das angeblich so triebig ist – in Wirklichkeit aber zu verspannt um vorwärts zu gehen.

Ich bin höchst überrascht, wie viele erfahrene Pferdeausbilder oft Ursachen nicht erkennen, die eigentlich völlig offensichtlich sind. Aber wer weiß, was ich alles übersehe? In jedem Fall denke ich, nachfragen und nachforschen lohnt sich. Viel zu oft werden Probleme „gelöst“ (also in Wirklichkeit nicht gelöst) indem man das Pferd beschuldigt, „dominant“, „stur“ oder „faul“ zu sein, während man der Reitschülerin bescheinigt, sie sei „zu nett“, „zu inkonsequent“ oder „eben noch nicht so weit“. Oder – wie in meinem Fall – Fragen einfach gar nicht beantwortet, sondern Pferd und Mensch damit allein lässt, weil man wohl keine bessere Idee dazu hat.

Manchmal ist es nicht so leicht, Ursachen zu finden, aber wir sollten niemals aufgeben. Ja, oft ist die Antwort auch „ihr dürft das einfach noch ein bisschen üben“. Allerdings bringt üben ja auch nur dann was, wenn RICHTIG geübt wird. Im Falle meines Zügelführungsproblems hätte „üben“ wahrscheinlich bedeutet, dass Duncan und ich so lange frustriert über den Reitplatz eiern, bis er mehr oder weniger zufällig kapiert wie es geht. (So ähnlich wurde es mir übrigens auch erklärt, blumig verpackt in den Worten, dass das Pferd selbst raus findet wie es seinen Körper benutzt. Ich bin total dafür dass das passiert, aber doch nicht während ich in seinem Maul hänge!). Diese zufälligen Ergebnisse sind meines Erachtens eine Katastrophe für die Beziehung zu unserem Pferd. Das Pferd lernt: der Mensch stellt eine unlösbare Aufgabe und „meckert“ (in diesem Fall: hängt im Zügel), wenn ich sie nicht löse, zeigt mir aber auch nicht wie es besser geht.

Bevor also „üben“ die Lösung ist, muss klar sein, was und wie denn zu üben ist. Dafür gilt es, die Ursache des Problems zu erforschen, sonst übt man am Problem vorbei (und das leider manchmal jahrelang).

Das System „raten lassen“ ist weder für den Reiter noch fürs Pferd hilfreich. Ja, im Rahmen der einen oder anderen Übung. Ich plädiere ja immer fürs Ausprobieren. Aber nur dann, wenn das ziemlich sicher zügig zum Erfolg führt – und mit zügig meine ich so im 3. oder 4. Anlauf (nicht im 1000.).

Obwohl wir bei besagter Dame keine Unterricht mehr nehmen werden, habe ich die Übung in unser Repertoire aufgenommen (wenn auch derzeit noch mit einer anderen Zügelführung). Ich arbeite jetzt kleinschrittig nach, was mir in einem unverdaulichen Brocken serviert wurde. Das tue ich unter anderem deswegen, weil ich nach Möglichkeit immer versuche, keinen Misserfolg stehen zu lassen. Weder Pferd noch Mensch sollen aus der Situation gehen und ein blödes Gefühl zurück behalten. Wo immer es geht, wiederhole ich Übungen, die schief gegangen sind, so, dass sie klappen. Das gibt beiden – Mensch und Pferd – neues Zutrauen in ihre Fähigkeiten und Mut, es beim nächsten Mal wieder auszuprobieren. Und das schöne ist: da ich jetzt die Ursache kenne, kommen wir ganz fix zum Erfolg. Und mein Pony ist hochmotiviert dabei.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 337

Wie ihr bestimmt schon mitbekommen habt, ist mein Mädchen ziemlich faul. Sie nennt das „schlau“. Sie sagt immer, wer faul ist, hat die besten Ideen, sich die Arbeit leichter zu machen. Ich sage, wer faul ist, ist faul. Ganz einfach! Wie gut, dass ich inzwischen groß genug bin, sie zu tragen, das kommt unserer Energieverteilung wirklich sehr entgegen. Aber es gibt halt Dinge, die muss sie selbst machen. Zum Beispiel meine Füße in Form bringen. Ich laufe mir die zwar auch ganz gut ab, so richtig lang werden sie nie, aber mein Mädchen sagt, es wächst halt doch immer ein bisschen in die falsche Richtung. Und da sie die Expertin auf dem Gebiet ist, glaube ich ihr das mal. Tatsächlich läuft es sich leichter, wenn sie meine Füße in Form gebracht hat. Und die Schuhe gehen dann auch wieder leichter an. Na jedenfalls findet sie es anstrengend, immer Hufe zu raspeln – das macht sie ja nicht nur bei mir, sondern auch bei ganz vielen anderen Pferden! Um das Geld für unser Futter zu verdienen. Und weil es anstrengend ist, hat sie sich jetzt was neues überlegt. Sie hat sich einen fahrbaren Untersatz gekauft! Ihr Bobbycar ist das, sagt sie. Und damit kann sie um die Pferde herum sausen von einem Huf zum anderen. Ich finde ja, sie soll damit lieber mal vom Keks-Vorrat zu mir sausen! Hat sie dann auch verstanden. Jedenfalls hatte sie einen Mordsspaß dabei, um mich rum zu flitzen. Na, wenn sie meint. Ich hingegen flitze ja lieber selbst, ganz ohne Bobbycar. Und bin dabei sehr viel schneller unterwegs als sie. Aber das ist ja jetzt gar nix neues.

Euer umfahrener Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 336

Heute war schon richtig warmes Frühlingswetter. Und Sonntag! Also Ausflugstag! Wir sind mal wieder von zu hause aus aufgebrochen. Mein Mädchen meinte, zwecks Wiedererlangung der Grundfitness wäre eine kleine Bergsteigertour mal wieder ganz gut. Aber bevor es auf den Berg geht, müssen wir durchs Dorf. Und was soll ich sagen: da war er wieder! Cerberus, der Höllenhund! Seit wann wohnt der denn bei uns im Dorf? Der hat so fies gebellt, dass sogar Diego sich erschreckt hat – und das will was heißen! Ich hab einen kleinen Satz gemacht, aber dann hab ich gesehen, dass da ein guter Zaun zwischen uns und Cerberus ist und dann ging es wieder.

Raus aus dem Dorf und ein gutes Stück getrabt. Schön ein bisschen durchs Feld, dann in den Wald. In dem Wald ist ein Teich. Und was soll ich euch sagen? Ich habe heute festgestellt dass dort auch gefährliche Tiere leben! Ich nenne sie „die Ente des Grauens“! Sie kam plötzlich mit viel lautem Geschnatter aus dem Schilf hoch geflogen. Man, hab ich mich wieder erschreckt! Mein Mädchen war aber ganz stolz auf mich. Weil ich nämlich wieder – wie bei Cerberus – nur einen Satz gemacht habe und dann stehen geblieben bin. So macht man das, sagt sie. Erschrecken kann sich schließlich jeder! Das ist ganz normal. Die blöde Ente hätte ja auch still sitzen bleiben können!

Als wir dann also wegen der ganzen Erschrecker-Viecher schon ordentlich Puls hatten, kam der erste Berg. Puh, ich hatte irgendwie vergessen, wie steil das da bergauf geht! Als wir oben waren, meinte mein Mädchen zum Mann, die ursprünglich geplante Route wäre wohl etwas zu viel für unsere mangelnde Fitness und wir sollten lieber etwas abkürzen. Ja, das ist allerdings ganz in meinem Sinne! Also ein Stück den Berg wieder runter. Aber dann nochmal rechts ab, den Berg wieder rauf! Man, man, man, das ist auch echt viel Arbeit, mein Mädchen da hoch zu schleppen! Aber es lohnt sich doch immer wieder. Denn oben ist die schöne Aussicht und eine traditionelle Graspause! Und weil Diego und ich schon so schwitzig und etwas schnaufig waren von dem ganzen Bergsteigen, war es eine ziemlich ausgiebige Graspause.

Aussicht und Gras, das hat auf dieser Runde Tradition.

Danach haben wir dann den Heimweg angetreten und die Menschen haben beschlossen, dass wir jetzt wieder öfter die Bergtour reiten. Für die Fitness! Auf dem Rückweg haben wir noch das eine oder andere seitwärts geübt und mein Mädchen war voll entzückt, wie gut ich das jetzt schon kann.

Zu hause gab es erst mal eine Verschnaufpause und dann kam mein Mädchen wieder mal Puls messen. Das macht sie ja gelegentlich, weil sie wissen will, was da so für Werte zustande kommen. Diego 36, ich 40. Macht aus dieser Information was ihr wollt, ich habe keine Ahnung. Mein Mädchen sagt, die hat sie auch noch nicht, aber sie will Daten sammeln, damit sie irgendwann Ahnung hat. Ok, so lange es fürs Puls messen Kekse gibt, soll es mir recht sein. Morgen haben wir frei und lassen unsere Muskeln wachsen während mein Mädchen fleißig arbeiten geht um unser Futter zu bezahlen.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel im Fitnesstraining

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 335

Mein Mädchen bekommt immer mal ängstliche Nachfragen, ob ich denn jetzt wieder ganz gesund bin. Ja bin ich! Wirklich wahr. Und mit Gatsbys Hilfe trainiere ich mich jetzt wieder zur alten Fitness auf. Spielen, spielen, spielen! Gestern kam mein Mädchen und wollte eigentlich „Rumstehtraining“ mit mir machen. Ich hatte aber Lust, mit Gatsby zu spielen. Also durfte mein Mädchen nicht rumstehen, denn wenn ich mich bewege muss sie sich auch bewegen. So sind die Regeln im Rumstehtraining! Sie hat versucht, die Kamera trotzdem ruhig genug zu halten um für euch ein schönes Video zu machen.

spielen, spielen, spielen!
Anschließend gemeinsam rumstehen.

Nach dem Spielen stehen wir dann immer noch ein bisschen zusammen rum, Gatsby und ich. Mein Mädchen lacht immer, wenn wir so stehen. Wir zwei wären „ein Kopp und ein Arsch“ sagt sie dann immer. Wir sind eben Schottenkumpel! Jetzt wo ich etwas erwachsener bin und mich schon gut auskenne im Leben brauche ich nicht mehr den ganzen Tag hinter Diego her laufen und ihm alles nachmachen. Ich weiß ja, was er so macht und wie das geht. Ich bin jetzt lieber mehr mit Gatsby zusammen, der hat nämlich schön viel und oft Lust zu spielen! Und er kann das voll gut. Und gerade jetzt muss ich ja sehen, dass ich meine Muskulatur wieder auf Vordermann bringe! Und Diego genießt derweil seine Ruhe.

Euer wirklich wieder vollständig gesunder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 334

Na sowas, mein Mädchen und ich haben doch glatt einen Jahrestag verpasst! Am 27.2.2022 habe ich mein Mädchen nämlich zum ersten Mal ein Stückchen durchs Gelände getragen. Seitdem sind ein paar Kilometer dazu gekommen, nach unserer Schätzung ungefähr 230km, die ich sie getragen habe. Dazwischen noch eine Menge, die sie zu Fuß gegangen ist (geschätzte 380km). Mein Mädchen meint, dieses Verhältnis darf sich gerne noch verschieben. Sie möchte nämlich lieber getragen werden als zu Fuß gehen und ich bin da ganz bei ihr – zu Fuß ist sie einfach zu langsam. Sicherlich wird sie immer mal ein Stück zu Fuß gehen – um ihre Füße aufzuwärmen im Winter oder um meinem Rücken eine Pause zu geben oder weil eine Situation zu gruselig ist für sie (oder mich). Aber die meiste Zeit möchte sie doch lieber, dass ich sie trage.

Auf den ganzen Kilometern, die ich sie getragen habe, habe ich nie was falsch gemacht, sagt mein Mädchen. Und sie ist verdammt stolz auf mich. Manchmal hatte sie Angst oder hat sich Sorgen gemacht, aber es war immer grundlos. Ich hab mich zwar ein paar mal erschreckt, zum Beispiel vor Bären, Vögeln oder Ungeheuern aber ich habe immer für sie gesorgt und sie nie verloren. Manchmal hatte ich etwas mehr Energie als ihr lieb war, aber auch dann habe ich mich immer anständig benommen. Wenn ich Probleme hatte oder müde war, hab ich das immer angemessen und verständlich geäußert. Voll erwachsen halt.

Wir sind mit Sattel unterwegs gewesen und mit Reitpad, mit Gebiss und ohne, bei Regen, bei Sonne, bei Schnee und bei Mücken. Im Schritt, im Trab und ein bisschen sogar schon im Galopp! Was auf der Liste noch fehlt ist alleine ausreiten und gemeinsam galoppieren (bisher bin ich nur galoppiert, während Diego getrabt ist. Mein Mädchen fürchtet, ich könnte es sonst als Wettrennen verstehen….. ).

Auf dem Reitplatz haben wir nur ungefähr 25 mal Reiten geübt und das immer nur ganz kurz. Dort machen wir lieber noch Handarbeit und andere schöne Sachen, meint mein Mädchen. Weil man auf dem Reitplatz immerzu um die Kurve gehen muss und das ist mit Reiter auf dem Rücken doch komplizierter als ich dachte! Dafür brauche ich Kraft, sagt mein Mädchen, und Balance. Aber ich komme schon noch dahinter und ich bin dem an diesem Sonntag auch ein gutes Stück näher gekommen, als ich kapiert habe, wie ich meinen Rumpf anheben kann und dass laufen dann leichter wird.

Also bin ich jetzt wohl so ganz richtig, echt und ehrlich ein Reitritter. Und wir beide – mein Mädchen und ich – sind sehr zufrieden damit.

Euer Mädchen-Träger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 332

Sonntaaaaaag! Also Ausflugstag!

Meine Lahmheit ist weg und die Schwellung auch. Fast, sagt mein Mädchen, aber ehrlich, jemand anders würde da sicherlich keine Schwellung mehr sehen. Also hat sie beschlossen, ich bin wieder fit. Eher gesagt: sie hat das beschlossen, als sie mich hat spielen sehen. Ich steige zwar noch nicht wie vorher, aber ansonsten kann ich den anderen schon wieder prima auf die Nerven gehen. Und das heißt: ein schöner Ausflug zum Austoben ist angesagt! Weil meine Kumpel ihr schon wieder leid tun.

Also ab in die Wackelkiste und in den Wald. Da unser Testsattel noch nicht da ist, musste wieder das Reitpad her halten. Alles angetüdelt. Dann stellt mein Mädchen sich auf die Aufsteigehilfe und sagt ich soll rankommen. Nun bin ich ja normalerweise Gentleman, parke ordentlich ein und warte, bis sie meinen Rücken erklommen hat. Aber wenn es ans Ausreiten geht, hab ich die Geduld einfach nicht. Dann gehe ich gemachen Schrittes einfach ganz nah an der Aufsteigehilfe vorbei. Genau so, dass mein Mädchen mit einem beherzten Beinschwung präzise auf meinem Rücken landen würde. Ich könnte dann einfach schon weiter gehen. Aber jedes mal meint sie, so jung ist sie nicht mehr und es ist Winter und sie hat zu viel an. Also soll ich anhalten. Herrje, wann geht es denn nun endlich los? Der Mann meint, im früheren Leben hätte ich bestimmt beim Pony-Express gearbeitet. Die haben nie angehalten zum aufsteigen! Der Gedanke gefällt mir. Könnte ich mal auf die Liste meiner Berufswünsche schreiben!

Als mein Mädchen dann eeeeeeendlich aufgestiegen war, konnte es los gehen. Wollen wir nicht mal wieder schön ausgiebig traben, mein Mädchen? Ja, wollen wir. Aber bitte erst wenn sie es sagt. Menno. Sie hat es dann aber alsbald gesagt und schon ging es los. Mein Mädchen happy, ich happy. Im Wald war heute absolut niemand außer uns. Trab, Schritt, Graspause mit Absteigen, dann ist sie ein Stück zu Fuß gegangen. Dann das ganze von vorn.

Plötzlich, wie ich so am traben bin, sagt mein Mädchen „wow, super!“ und ich wusste auch was sie meint. Irgendwas hab ich plöztlich anders gemacht mit meinem Körper. Mein Mädchen meint, ich hätte meinen Rumpf angehoben. Jedenfalls war es plötzlich leichter, große Schritte zu machen. Mein Mädchen war hin und weg. Sie meinte, ich bin ja so schon gut zu sitzen im Trab, aber wenn ich so schön trabe, dann ist es wie schweben. Da hatte sie ganz viele Herzchen in den Augen! (Ich kann das ja von unten nicht sehen, aber fühlen kann ich das ganz genau!)

Am Ende der Tour ging es noch ein bisschen im Galopp, juhuuuu! Der Mann ist flott vorne weg getrabt und immer wenn wir etwas Abstand hatten, hat mein Mädchen gesagt, ich darf galoppieren. Bitte langsam, sonst hat sie Sorgen dass es mit mir durch geht. Ok! Kann ich. Und – zack! – Mädchen noch glücklicher als vorher.

Bilder vom Ritt gibt es keine, mein Mädchen war damit beschäftigt, im Kreis zu grinsen.

Wir waren genau rechtzeitig wieder an der Wackelkiste als gerade der Schneeregen los ging. Jetzt sind wir alle glücklich und träumen schon von den langen Touren im Frühling!

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel