Mit freundlicher Unterstützung

Der Speicher von meinem Handy war voll. Fotos, Fotos, Videos, noch mehr Fotos. Auf der langen Fahrt vom Urlaub nach hause habe ich mir dann einen Teil davon mal vorgenommen und zumindest grob sortiert. Die meisten Fotos, die ich auf diesem Handy habe, sind aus der Zeit ohne Finlay, mit Duncan. Auf den ersten ist Duncan gerade hier eingezogen. Wie eine Zeitreise war das und als wir zu hause ankamen und ich mein Pony im Stall begrüßte, wunderte ich mich, wie groß er ist und wie viel weiß in seinem Fell schon zu sehen ist, war er doch auf den Fotos so klein und dunkel.

Und als ich die Fotos so durchgesehen habe, wurde mir wieder klar, wie viel Hilfe ich habe und hatte bei der Ausbildung meines jungen Ponys. Nicht nur der wunderbare Diego und die anderen Ponys, sondern auch Menschen, die mich unterstützt haben und unterstützen. Allen voran natürlich mein wunderbarer Mann und meine Freundin. Mit einem jungen Pferd ist am Anfang alles eine Übungsaufgabe. Von Stillstehen über Hufe geben bis zu den ersten Spaziergängen, nichts ist selbstverständlich. Man weiß nie, was einen erwartet. Ganz zu schweigen von all den ersten Malen: erstes Aufsitzen, erstes Ausreiten, erster Trab. Und der Erfolg oder Misserfolg solcher Unternehmungen hängt unter anderem von der Begleitung ab, die man hat. Ist da ein Mensch, der mich drängt, aufzusteigen, obwohl ich mich nicht wohl fühle? Ist da jemand, der einfach antrabt ohne mich zu fragen? Fängt jemand an zu galoppieren ohne zu beobachten, was mit meinem jungen Pferd passiert? Ist jemand genervt, wenn ich absteige und führe? Oder ist da, wie in meinem Fall, all diese wunderbare Unterstützung, die Rücksichtnahme, die Hilfe beim Einschätzen einer Situation (ist mein Pony jetzt schon müde oder einfach nur entspannt?). Kann ich ein Gespräch mitten im Satz unterbrechen und mich meinem Pony widmen, ohne dass mein Gegenüber beleidigt ist? Kann ich sagen „ich möchte den Plan ändern, das läuft nicht wie gedacht“?

In vielen Ställen erlebe ich, wie Pferdemenschen schlecht miteinander umgehen. Von gegenseitiger Unterstützung und Rücksichtnahme keine Spur – im Gegenteil: an der Bande wird gelästert über alles und jede und wenn jemand kleinschrittig und freundlich mit seinem Pferd arbeitet, wird mit den Augen gerollt. „Warum reitest du denn immer noch nicht?“ hören viele meiner Schülerinnen vielleicht als häufigsten Satz. Aber auch das unsägliche „du musst dich nur mal durchsetzen“.

Ich bin dann immer sehr traurig, denn wenn wir uns gegenseitig unterstützen würden, wäre vieles so viel einfacher. Das gelassene Pferd kann dem ängstlichen im Gelände etwas Sicherheit vermitteln, während das bewegungsfreudige Pferd das Energiesparmodell mal etwas „mitziehen“ kann. Wenn am Stall jemand den Anhänger anhängt zum üben, könnten alle anderen sich anschließen – wenn es denn eine entsprechende Übereinkunft gäbe, dass das verleihen des Anhängers angemessen „entlohnt“ wird, zum Beispiel indem man eine Urlaubsvertretung oder einen Stalldienst übernimmt. Anstatt dass wir ungefragt Tipps geben, weil wir immer meinen, alles besser zu können und zu wissen, könnten wir ja mal fragen „wie kann ich dich unterstützen?“. Oft helfen ja Kleinigkeiten schon weiter. Wenn ich mein junges Pferd reite, möchte ich gern, dass jemand davon weiß. Wenn ich runter fallen sollte, soll das bitte jemand mitkriegen und helfen oder Hilfe schicken. Deswegen rufe ich immer bei Arnulf an bevor ich aufsteige und sage dann per Whatsapp bescheid, wenn ich wieder abgestiegen bin. An einem Reitstall wäre es hilfreich, wenn jemand dann mal schaut oder vielleicht zeitgleich sein ruhiges Pferd in der Halle reitet. Es kann so einfach sein, sich gegenseitig zu unterstützen. Wenn eine Reiterin Angst hat, kann es helfen, mit ihr zu reden – nicht über das was sie falsch macht oder was sie tun sollte, sondern über ganz andere Sachen. Oder darüber, wie toll das Pferd das gerade macht. Manchmal kann ein Außenstehender uns helfen, einen Zwischenschritt zu finden, den wir selbst gerade nicht sehen: was könnte ich denn üben um da hin zu kommen wo ich hin will? Wie könnte ich diese Plane „entgruseln“ vor der mein Pferd sich so fürchtet?

Aber Hilfe kann auch ganz anders aussehen: geh bitte weg, ich möchte jetzt ungestört sein. Hör bitte auf, dieses Geräusch zu machen, mein Pferd hat Angst davor und ich möchte das JETZT nicht üben. Oder hast du Zeit, das mit dem Geräusch jetzt so zu machen, dass wir es üben können? Nimm bitte Rücksicht auf mich, mein Jungpferd ist noch nicht so sicher zu lenken.

Wie viel besser und leichter könnten wir mit der Ausbildung unserer Pferde voran kommen, wenn wir es nur schaffen würden, andere auf IHREM Weg zu unterstützen.

Ich bin dankbar für all die Unterstützung und Hilfe, die ich hatte und habe und manchmal, wenn ihr denkt, dass bei mir alles ganz leicht ist, dann liegt das zu einem großen Teil auch daran, dass meine Umgebung es mir und Duncan leicht macht. Und vielleicht könnt ihr es euch ja auch gegenseitig das eine oder anderen Mal leichter machen anstatt schwerer, das wäre auch sehr im Sinne der Pferde.

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