Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 355

Vorgestern war ja wieder Sonntag – also Ausflugstag! Ihr fragt Euch sicher, was eigentlich am Sonntag davor los war. Da waren mein Mädchen und der Mann gar nicht da! Eine Woche waren sie weg und wir Ponys haben Langeweile geschoben. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat gelegentlich vorbei geschaut und ansonsten hat uns Gatsbys Mädchen versorgt. Gatsby fühlt sich dann immer gleich ganz königlich wichtig, wenn sein Mädchen der Chef im Hause ist. Und Diego und ich wissen gar nicht wohin mit unserer vielen Freizeit.

Dann kamen die beiden Menschen endlich wieder und es ging wieder los mit der Bespaßung! Am Samstag an der Doppellonge hab ich meinem Mädchen erst mal gezeigt, was so an Energie in mir steckt – aber ganz gesittet, versteht sich. Bis sie dann meinte, wenn ich so gut drauf bin, könnten wir ja auch mal wieder ein Galöppchen wagen und da ist es dann aus mir heraus gebrochen! Mein Mädchen hat gelacht und gemeint, buckeln könnte ich ja nicht so toll aber gleichzeitig mit allen vieren in die Luft springen, dabei den Kopf runter nehmen und wild schütteln und die Vorderbeine nach vorn raus werfen könnte ich ja schon ganz gut, ich sollte nur aufpassen, dass ich nicht auf die Nase fliege dabei. Ich weiß ja: so lange ich nicht an der Longe ziehe, ist Spaß haben erlaubt und das habe ich mir dann rechtsrum und linksrum auch erst mal gegönnt, bevor ich jeweils artig galoppiert bin. Mein Mädchen war hoch zufrieden, weil ich in allen Gangarten so schön im Takt war und so fleißig und aufmerksam und überhaupt. Sie meint, in der Woche in der sie weg war, bin ich noch ein bisschen erwachsener geworden – oder ich bin einfach froh, dass sie wieder da ist und gebe mir extra Mühe, das könnte auch sein.

Sonntag war dann also Sonntagsausflug aber bei Diego ist immer noch eine Schraube locker (also bei seinem Sattel) und deswegen ist der Mann ohne Sattel los geritten. Erweiterte Hausrunde, knappe 8km, die meiste Zeit Schritt weil traben ohne Sattel mit Diego kein großer Spaß ist. Mein Mädchen wollte aber den Ritt für einen letzten Sattel-Fein-Test nutzen und daher auch mal traben, was zur Folge hatte, dass wir immer vorne weg getrabt sind und Diego gaaaaaanz langsam nach gekommen ist. Da üben wir auch gleich wieder das alleine ausreiten, meinte mein Mädchen. Mein Kopf war etwas hyperaktiv, es war windig und ich war ja länger nicht draußen gewesen, aber benommen hab ich mich natürlich einwandfrei. Kann ich! Diego hatte auch Bock und ist im Schritt wieder so elendig schnell gelaufen, dass ich mit meinen etwas kürzeren Beinen trotz Turbo-Tempo einfach keine Chance hatte, mitzukommen. Menno. Meistens wartet Diego dann irgendwann auf uns (und rollt dabei genervt mit den Augen) oder wir traben mal ein Stückchen nach. Beim Nachtraben ist der Nachteil aber der, dass ich durchparieren muss, bevor ich richtig in Fahrt gekommen bin, das mag ich nicht so gern. Wenn man schon trabt, soll sich das doch auch mal lohnen, bitteschön! Ich bring doch meine Schwungmasse nicht mühsam auf Tempo um dann gleich wieder alles abzubremsen.

Das mit dem Sattel hat auch etwas genervt: Foto davor, Foto zwischendurch, dann mal neu satteln, eine Weile zu Fuß gehen, noch ein Foto…. und als sie dann zu hause abgestiegen war fiel meinem Mädchen ein, dass wir noch ein Foto mit ihr obendrauf brauchen – also ist sie wieder rauf geklettert. Danach wurde wieder mit Kreide auf mir rum gemalt und nach dem Schwerpunkt gesucht. Was hat sie für ein Glück, dass ich so ein geduldiger, höflicher Ritter bin! Aber die gute Nachricht ist: die Sattel-Expertin ist sehr zufrieden, der Sattel wird für passend erklärt! Jetzt können wir erst mal reiten und weiter beobachten ob er gut liegt. Ich soll ja noch wachsen und Muskeln aufbauen und der Sattel wird sich mit der Zeit noch etwas setzen, da müssen wir schauen ob nochmal nachjustiert werden muss. Aber erst mal hat das ganze fotografieren ein Ende – Gott sei Dank!

Sattel-Fotos, Sattel-Fotos, Sattel-Fotos….. egal, Hauptsache Ausflug!

Und wir können jetzt unsere alte Satteldecke dazwischen legen, die mit den Taschen, damit alles wieder seine Ordnung hat (und wir die komische Farbe vom Pad nicht mehr sehen).

Später am Tag ist dann übrigens noch etwas ganz interessantes und tolles passiert, aber davon erzähle ich euch nächstes Mal!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Mit freundlicher Unterstützung

Der Speicher von meinem Handy war voll. Fotos, Fotos, Videos, noch mehr Fotos. Auf der langen Fahrt vom Urlaub nach hause habe ich mir dann einen Teil davon mal vorgenommen und zumindest grob sortiert. Die meisten Fotos, die ich auf diesem Handy habe, sind aus der Zeit ohne Finlay, mit Duncan. Auf den ersten ist Duncan gerade hier eingezogen. Wie eine Zeitreise war das und als wir zu hause ankamen und ich mein Pony im Stall begrüßte, wunderte ich mich, wie groß er ist und wie viel weiß in seinem Fell schon zu sehen ist, war er doch auf den Fotos so klein und dunkel.

Und als ich die Fotos so durchgesehen habe, wurde mir wieder klar, wie viel Hilfe ich habe und hatte bei der Ausbildung meines jungen Ponys. Nicht nur der wunderbare Diego und die anderen Ponys, sondern auch Menschen, die mich unterstützt haben und unterstützen. Allen voran natürlich mein wunderbarer Mann und meine Freundin. Mit einem jungen Pferd ist am Anfang alles eine Übungsaufgabe. Von Stillstehen über Hufe geben bis zu den ersten Spaziergängen, nichts ist selbstverständlich. Man weiß nie, was einen erwartet. Ganz zu schweigen von all den ersten Malen: erstes Aufsitzen, erstes Ausreiten, erster Trab. Und der Erfolg oder Misserfolg solcher Unternehmungen hängt unter anderem von der Begleitung ab, die man hat. Ist da ein Mensch, der mich drängt, aufzusteigen, obwohl ich mich nicht wohl fühle? Ist da jemand, der einfach antrabt ohne mich zu fragen? Fängt jemand an zu galoppieren ohne zu beobachten, was mit meinem jungen Pferd passiert? Ist jemand genervt, wenn ich absteige und führe? Oder ist da, wie in meinem Fall, all diese wunderbare Unterstützung, die Rücksichtnahme, die Hilfe beim Einschätzen einer Situation (ist mein Pony jetzt schon müde oder einfach nur entspannt?). Kann ich ein Gespräch mitten im Satz unterbrechen und mich meinem Pony widmen, ohne dass mein Gegenüber beleidigt ist? Kann ich sagen „ich möchte den Plan ändern, das läuft nicht wie gedacht“?

In vielen Ställen erlebe ich, wie Pferdemenschen schlecht miteinander umgehen. Von gegenseitiger Unterstützung und Rücksichtnahme keine Spur – im Gegenteil: an der Bande wird gelästert über alles und jede und wenn jemand kleinschrittig und freundlich mit seinem Pferd arbeitet, wird mit den Augen gerollt. „Warum reitest du denn immer noch nicht?“ hören viele meiner Schülerinnen vielleicht als häufigsten Satz. Aber auch das unsägliche „du musst dich nur mal durchsetzen“.

Ich bin dann immer sehr traurig, denn wenn wir uns gegenseitig unterstützen würden, wäre vieles so viel einfacher. Das gelassene Pferd kann dem ängstlichen im Gelände etwas Sicherheit vermitteln, während das bewegungsfreudige Pferd das Energiesparmodell mal etwas „mitziehen“ kann. Wenn am Stall jemand den Anhänger anhängt zum üben, könnten alle anderen sich anschließen – wenn es denn eine entsprechende Übereinkunft gäbe, dass das verleihen des Anhängers angemessen „entlohnt“ wird, zum Beispiel indem man eine Urlaubsvertretung oder einen Stalldienst übernimmt. Anstatt dass wir ungefragt Tipps geben, weil wir immer meinen, alles besser zu können und zu wissen, könnten wir ja mal fragen „wie kann ich dich unterstützen?“. Oft helfen ja Kleinigkeiten schon weiter. Wenn ich mein junges Pferd reite, möchte ich gern, dass jemand davon weiß. Wenn ich runter fallen sollte, soll das bitte jemand mitkriegen und helfen oder Hilfe schicken. Deswegen rufe ich immer bei Arnulf an bevor ich aufsteige und sage dann per Whatsapp bescheid, wenn ich wieder abgestiegen bin. An einem Reitstall wäre es hilfreich, wenn jemand dann mal schaut oder vielleicht zeitgleich sein ruhiges Pferd in der Halle reitet. Es kann so einfach sein, sich gegenseitig zu unterstützen. Wenn eine Reiterin Angst hat, kann es helfen, mit ihr zu reden – nicht über das was sie falsch macht oder was sie tun sollte, sondern über ganz andere Sachen. Oder darüber, wie toll das Pferd das gerade macht. Manchmal kann ein Außenstehender uns helfen, einen Zwischenschritt zu finden, den wir selbst gerade nicht sehen: was könnte ich denn üben um da hin zu kommen wo ich hin will? Wie könnte ich diese Plane „entgruseln“ vor der mein Pferd sich so fürchtet?

Aber Hilfe kann auch ganz anders aussehen: geh bitte weg, ich möchte jetzt ungestört sein. Hör bitte auf, dieses Geräusch zu machen, mein Pferd hat Angst davor und ich möchte das JETZT nicht üben. Oder hast du Zeit, das mit dem Geräusch jetzt so zu machen, dass wir es üben können? Nimm bitte Rücksicht auf mich, mein Jungpferd ist noch nicht so sicher zu lenken.

Wie viel besser und leichter könnten wir mit der Ausbildung unserer Pferde voran kommen, wenn wir es nur schaffen würden, andere auf IHREM Weg zu unterstützen.

Ich bin dankbar für all die Unterstützung und Hilfe, die ich hatte und habe und manchmal, wenn ihr denkt, dass bei mir alles ganz leicht ist, dann liegt das zu einem großen Teil auch daran, dass meine Umgebung es mir und Duncan leicht macht. Und vielleicht könnt ihr es euch ja auch gegenseitig das eine oder anderen Mal leichter machen anstatt schwerer, das wäre auch sehr im Sinne der Pferde.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 354

Manchmal ist mein Mädchen ja ein bisschen schwer von Begriff. Seit einer Ewigkeit jammert sie, dass Schleswig-Holstein zwar ohne Zweifel das schönste Bundesland der Welt ist, aber für ein gutes Training leider viel zu flach. Die Auswahl an Bergen ist doch eher begrenzt bei uns und dabei machen Berge uns Ponys doch so schön fit!

Neulich fiel es ihr dann auf: wir haben den perfekten Trainingsberg bei uns im Paddock! Jeden Tag läuft sie daran vorbei und merkt nix. Oh man. Ich kenne diesen Hügel gut, weil ich den gern beim Spielen mit den anderen Ponys nutze. Ich stell mich da drauf und dann bin ich schön groß!

Jetzt hat mein Mädchen also auch diesen Berg entdeckt und möchte ihn in mein Training integrieren. Früher stand dort eine Hecke und von den Büschen stehen noch die Stümpfe da. Steine sind da auch im Weg, also es ist gar nicht so leicht, da rauf und runter zu laufen, da muss ich gut meine Hufe sortieren! Und oben kommt auch gleich der Zaun, da muss man scharf um die Kurve navigieren.

Zum Spielen da drauf stehen ist das eine, aber jetzt soll ich auf Kommando im Kreis rauf und runter gehen und manchmal sogar traben. Heidewitzka, das ist ganz schön anstrengend! Mein Mädchen sagt, wir fangen mit 10 Minuten an und ich gestehe das reicht auch erst mal. Zwei mal haben wir das jetzt an der Longe gemacht, aber einmal auch einfach so frei. Und mein Mädchen findet, ich hab das toll gemacht – was auch sonst?

Also das wird jetzt ein neuer Teil unseres Fitnessprogramms. Mein Mädchen sagt, sie ist schon ganz gespannt wie schön und geschmeidig ich das eines Tages kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem eigenen Trainingshügel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 353

Zur Fitness, sagt mein Mädchen, gehört nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern auch Geschmeidigkeit. Deswegen gehören ein paar Dehnübungen auch immer mit ins Programm. Meistens so zwischendurch wenn ich einen Keks bekomme, dann muss ich mich immer irgendwo hin strecken oder drehen um da ran zu kommen.

Kopf nach rechts, das üben wir natürlich auch nach links!
Ein paar Dehnübungen halten die Rüstung geschmeidig.

Und nach der Arbeit dehnen wir noch meine Beine, besonders mein linkes Hinterbein braucht immer einen Moment, bis ich das entspannen kann. Aber es wird besser! Und ich habe gelernt, dass das sehr angenehm ist. Am Anfang fand ich das immer eher gruselig und mein Mädchen hat nur gaaaaaanz sachte mein Bein nach hinten raus geführt bis ich loslassen konnte und einmal durchgeatmet habe. Jetzt weiß ich aber auch, dass es schön ist, wenn sie da mal vorsichtig ein bisschen Zug aufbaut. Dann lasse ich meine linke Pobacke sinken und entspanne mich und merke wie mir das gut tut.

Hmmmm schön entspannen.

Empfohlen und erklärt hat uns all diese Übungen natürlich der Mann in seiner Eigenschaft als Haus- und Hof-Osteopath. Der weiß genau, wo es bei mir gern mal zwickt und ziept. Und wenn ich es beim Spielen mal wieder übertrieben habe, richtet er mir manchmal meine Hüfte und mein Genick wieder, so dass alles gut voreinander sitzt und sich nix schief und krumm schiebt. Ich kenn das jetzt schon und ich weiß auch, dass ich da mithelfen kann und dass ich ein Mitspracherecht habe, wenn ich etwas nicht mag.

Auch vorne wird gedehnt, damit meine Schulter schön geschmeidig bleibt. Damit ich nicht nur schön und stark, sondern auch beweglich bin!

Schulter frei machen tut gut!

Euer beweglicher Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem eigenen Fitness-Trainer-Team

Sicherheit

Diego haben wir 2012 auf einem Kurs kennen gelernt. Als wir heraus fanden, dass er zum Verkauf steht, wunderten wir uns: wer verkauft so ein tolles Pferd? Es stellte sich heraus, dass Diego bei seiner Vorbesitzerin nicht glücklich war – er wurde in der Herde gemobbt.

Als Arnulf sich entschieden hatte, dass er Diego gern kaufen möchte, zog der zunächst auf Probe bei uns ein. Was hätte es genutzt, wenn er auch in unserer Herde nicht klar gekommen wäre? Aber Merlin hieß ihn gleich willkommen, die beiden waren nach 5 Minuten Freunde und außer Merlin wohnten damals nur die beiden Shettys bei uns, die sowieso mit jedem Pferd klar gekommen sind.

Ein halbes Jahr nach seinem Einzug wurde Diego Herdenchef und seitdem ist er unser wunderbarer, ruhiger, souveräner „Pony-Papa“ nach dem sich alle richten. Ich habe lange gerätselt, warum so ein gelassenes, durch und durch freundliches Pferd gemobbt wurde. Erst Elsa Sinclair hat mir die Erklärung geliefert, die ich für absolut einleuchtend halte.

Elsa hat viel mit Mustangs zu tun, die in der Wildnis aufgewachsen sind. Diese Pferde wissen – im Gegensatz zu unseren Hauspferden – was echte Lebensgefahr ist. Sie kennen nicht nur Hunger und Kälte, sondern auch Verletzungen und vor allem Fressfeinde. Aufpassen ist für sie wirklich noch überlebenswichtig und alle Herdenmitglieder sind gefragt, dabei mit zu helfen. Elsa beobachtet, dass in gemischten Herden – also Mustangs und Hauspferde – die Mustangs oft ungehalten sind, weil die Pferde, die in menschlicher Obhut aufgewachsen sind, einfach nicht genug aufpassen. Die Mustangs finden, dass die Hauspferde leichtsinnig sind und sie werden sauer, wenn die „Schnarchnasen“ zu viele Dinge einfach ignorieren und dösend stehen bleiben. Die Hauspferde wiederum verstehen aber nicht, warum die Mustangs sie durch die Gegend schicken und was sie eigentlich wollen. Und ich glaube, etwas ähnliches ist damals mit Diego passiert. Denn der hat nun wirklich die Ruhe weg. Es ist extrem selten, dass etwas seine Aufmerksamkeit wirklich nachhaltig erregt und dass er mal meint, es sei evt nötig, zu flüchten, passiert gefühlt nur 5 mal im Jahr. Er fühlt sich sicher in unserer Menschenwelt. Die anderen Pferde in seiner früheren Herde waren aber hochblütiger, ein Vollblut, ein Warmblut und ein Spanier wenn ich mich richtig erinnere. Wahrscheinlich waren diese Pferde einfach der Ansicht, dass Diego seinen Anteil am Aufpassen nicht erfüllt und wurden deswegen sauer. Diego konnte aber nicht verstehen, warum er durch die Gegend geschickt wird. Bei uns in der Herde traf er dann auf Pferde, die ein ähnliches Gemüt haben wie er. Merlin ist froh, wenn jemand Ruhe ausstrahlt und hat sich zumindest in jüngeren Jahren auch nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Mit seiner Gelassenheit hat Diego mir jetzt zum zweiten Mal geholfen, ein junges Pferd sicher durch sämtlich „Erstsituationen“ zu bringen, sei es Straßenverkehr, Anhänger fahren, fremdes Gelände oder was auch immer. Ohne seine Ruhe hätte alles mit Finlay und Duncan viel länger gedauert. Auch beim Einfahren, sowohl bei Finlay als auch bei Duncans Ausreitkumpel, ist Arnulf mit Diego jeweils bei den ersten Fahrten vorneweg geritten, was einen wunderbar beruhigenden Effekt auf alle Beteiligten hat.

Neulich, als die Gänse auf unserem Paddock waren, konnte ich zum ersten Mal beobachten, dass auch Duncan manchmal findet, dass Diego doch mehr aufpassen könnte. Als Diego sich hingelegt hatte, ging Duncan hin und ärgerte ihn, bis er wieder aufstand und mein Eindruck war, dass er sich einfach nicht sicher genug fühlte mit den Gänsen. Duncan wollte, dass Diego gut aufpasst. Ob Diego verstanden hat, worum es da ging? Ich weiß es nicht.

Mit Duncan kann ich jetzt zum zweiten Mal beobachten, wie das Sicherheitsgefühl junger Pferde sich ändert. Am Anfang sind die Kleinen unheimlich angstfrei. Viele Jährlinge sind sehr sorglos. Sie liegen gern oft mitten im Geschehen platt auf der Seite, pennen in aller Seelenruhe und sind sich sicher: die Großen passen auf. Von den Kleinen wird nicht erwartet, dass sie sich um Gefahren kümmern, sie kennen sich ja eh noch nicht aus.

Dann kommt ein Alter, in dem die Großen doch etwas mehr erwarten. Ein langsamer Übergang, in dem das junge Pferd lernt, dass es auch selbst auf Gefahren achten muss. Gerade im letzten halben Jahr ist Duncan diesbezüglich deutlich anders geworden. Wenn ich dann auch noch reite, anstatt neben ihm zu gehen, fühlt er sich oft für unser beider Sicherheit verantwortlich. Dass Diego gelassen bleibt, dient nur noch teilweise seiner Beruhigung. Da Diego die meisten Dinge in seiner Umwelt ignoriert, hat Duncan für vieles was er sieht, wahrscheinlich erst mal keinen Anhaltspunkt: findet Diego das ok oder hat er es nicht gesehen/gehört? Duncans Augen und Ohren sind unaufhaltsam dabei, seine Umwelt zu überprüfen. Die meisten Dinge stuft er als „interessant“ ein. Manche erschrecken ihn kurz, wenige lösen wirklich einen Fluchtreflex aus. Ich erwarte, dass er innerhalb der nächsten Jahre ein großes Repertoire an Eindrücken sammelt und dann vermutlich wieder etwas gelassener wird, weil er viele Dinge schon oft gesehen hat. Aber vom Typ her ist er sicher ein Pony, das grundsätzlich mehr Aufmerksamkeit für seine Umwelt mitbringt.

Von Elsa habe ich auch gelernt, was Duncan und Diego mir jetzt bestätigen: dass das ranghöhere Pferd gelassen bleibt und eine vermeintliche Gefahr ignoriert, vermittelt nicht immer Sicherheit. Als unser Bundeskanzler an die Macht kam konnte ich dieses Gefühl übrigens plötzlich gut nachvollziehen und habe es des öfteren mit Erfolg im Unterricht als Beispiel eingesetzt….

Wenn wir ein Problem sehen und es ist jemand da, der eigentlich zuständig ist, dann wollen wir bitte, dass derjenige HANDELT! Und so habe ich bei den Pferden einen Teil von Elsas Vorgehen übernommen: ich gucke mit, ich passe mit auf. Natürlich versuche ich, auszustrahlen, dass ich das, was ich da sehe oder höre, für ungefährlich halte, aber ich nehme es wahr, ich ignoriere es nicht. Auch wenn ich nicht weiß, wonach mein Pony gerade schaut oder lauscht, kann ich meine Sinne kurz schärfen und dort hin richten wo er mir etwas anzeigt. Dann entspanne ich mich wieder und sage ihm, dass ich überzeugt bin, dass wir in Sicherheit sind. Was zur Folge hat, dass mir immer öfter auffällt, dass Duncan, wenn er etwas sieht, zwischendurch Kontakt zu mir sucht und schaut, was ich davon halte. Und das ist ja genau das was ich will! Er soll mir ja vertrauen – und ich hasse diesen Satz. Denn es ist nicht SEINE Aufgabe, mir zu vertrauen, sondern MEINE Aufgabe, ihm die entsprechende Sicherheit zu geben. Und heute weiß ich, dass ich diese Sicherheit nicht unbedingt durch ignorieren aller Umweltreize geben kann, sondern vielmehr indem ich meinen Teil zu unserer aller Sicherheit beitrage – auf eine Art und Weise, die das Pferd auch wirklich so empfindet.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 352

Heute war kein Ausritt angesagt, weil bei Diego eine Schraube locker ist. Nein, nicht was ihr denkt, nur an seinem Sattel! Deswegen haben wir uns entschlossen, das Abenteuer von neulich zu wiederholen: Besuch bei fremdem Pferd! Diesmal in der Version für Fortgeschrittene – soll heißen: ohne Diego. Nur ich allein in die Wackelkiste und los ging die Reise. Wieder zu dem Araber, den ich an Ostern schon gesehen hatte – wieder auf die tolle Weide! Ooooooh da ist das soooo schön grün und lecker!

Heute fand ich, der Araber zählt nicht mehr als fremd. Den hab ich doch neulich erst gesehen, da brauche ich mich nicht aufregen. Mein Mädchen fand das toll und so sind wir gleich zur nächsten Fortgeschrittenen-Version übergegangen und haben einen gemeinsamen „Ausritt“ gemacht. Wahrscheinlich war das der kürzeste Ausritt aller Zeiten, 300 Meter hin und 300 Meter wieder zurück. Mein Mädchen ist auf mir geritten, der Mann hatte mich sicherheitshalber am Strick (was echt nicht nötig gewesen wäre, aber ihr kennt ja mein Mädchen) und das Mädchen vom Araber ist mit dem Araber schräg hinter uns oder schräg vor uns gelaufen. Das fand ich voll ok und alles gut. Was ich NICHT ok fand war, dass ich derweil nicht von dem verdammt leckeren Grünzeug am Wegesrand essen durfte! Mein Mädchen meint, um diese Jahreszeit wäre ich ein echter Junkie. Nur dass ich das Gras halt esse anstatt es zu rauchen…. Aber sie weiß ja auch, dass ich wieder entspannter damit werde, wenn wir erst mal angeweidet sind und ich jede Nacht Gras schmausen kann so viel das Herz begehrt.

Na, jedenfalls fand mein Mädchen, dass ich das alles wunderbar und fein gemacht habe, wir sind nochmal zusammen grasen gegangen und jetzt soll der Araber bald mein „Ausreitkumpel 2“ werden. Aber das ist mir zu kompliziert, die alle durch zu nummerieren also habe ich beschlossen, ihn meinen Schimmelfreund zu nennen. Er wird nämlich auch weiß, so wie ich, und wie ihr sehen könnt, ist er mir da auch etwas voraus! Nur dass er sein Wallehaar noch schwarz trägt während das ja bei mir als erstes weiß wird.

Hallo Schimmelfreund! Du bist nett. Aber ich muss jetzt dringend Gras essen!

Das Mädchen vom Schimmelfreund meint, dass er und ich uns bestimmt Nachrichten per Gänsepost geschickt haben seit dem letzten Treffen. Weil bei denen auch immer so viele Gänse sind. Wer weiß?

Schließlich ist mein Schimmelfreund dann weg gegangen in Richtung von seinem Stall – ich wollte da dann doch gern noch mit, aber mein Mädchen hat am Strick gezupft und gesagt, wir trennen uns jetzt wieder. Ich durfte noch kurz grasen, dann wieder rein in die Wackelkiste und nach hause. Und was soll ich euch sagen: jetzt kriege ich wieder den ganzen Tag zu hören, wie toll ich doch bin und dass mein Mädchen fast platzt vor Stolz und dass es so viel besser lief als sie jemals zu hoffen gewagt hätte und dass ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke bin.

Ich habe dann das angenehme mit dem notwendigen verbunden und mich an der Stalltür eingeparkt. Notwendig war nämlich eine kleine Auszeit für mein Gehirn um all die Eindrücke zu verarbeiten, angenehm war, dass mein Mädchen da ständig vorbei gelaufen kam und mich angehimmelt hat und mir wieder gesagt habt, dass ich ein großartiger kleiner (was?) Ritter bin und mir versprochen, dass wir dann mit dem Schimmelfreund auch den einen oder anderen schönen Ausflug machen können, sobald wir das noch ein bisschen geübt haben.

Dösen an der Stalltür

Ach, das war fein!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem neuen Schimmelfreund (den ich nicht anfassen darf! Hab ich verstanden.)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 351

Fitness, Fitness, Fitness! Gestern haben wir die Bergtour wiederholt. Fast 5 Wochen sind vergangen, seit wir dort waren, weil es zwischendurch so viel geregnet hat und der Berg dann nicht gut begehbar ist. Und was soll ich sagen: das Training in den 5 Wochen hat sie ausgezahlt!

Aber von vorn. Bevor wir zum Berg können, müssen wir ja durchs Dorf. Ich war etwas angespannt, in letzter Zeit waren so viele Tiere bei uns im Paddock unterwegs, dass die Ruhe etwas zu kurz kam. Dann bin ich leicht nervös und zucke öfter mal zusammen. Mein Mädchen sagt, es ist „Spitzohrtag“, weil ich meine Ohren dann immer nach vorn spitze und alles genau im Blick behalte. Kaum aus dem Dorf raus, hören wir ein ganz merkwürdiges, rhytmisches Knallen. Und wir sind genau drauf zu geritten! Mädchen, bist du dir da sicher? Ja, war sie. Im Übrigen war sie sich leider auch sicher, dass noch keine Zeit für eine Graspause war, obwohl ich ihr gezeigt habe, wie schön grün es da schon ist! Menno.

Wir sind dem Knallen immer näher gekommen und meine Nerven lagen schließlich so blank, dass mein Mädchen abgestiegen ist. Was war da los? Da wurde eine Koppel neu eingezäunt und ein großer Trecker hat mit der Ramme Pfähle eingeschlagen. Als mein Mädchen dann neben mir war, ging es mit meinen Nerven. Gab natürlich auch Kekse und wir wissen alle: Kekse besiegen Monster.

Als wir das überlebt hatten, ging es weiter Richtung Teich, wo Herr und Frau „Ente des Grauens“ diesmal friedlich herum geschwommen sind und auf das Erschrecken armer Ponys dankenswerter Weise verzichtet haben. Dann schön den ersten Berg hoch, das ging ganz anständig. Ein Stück wieder runter und Anlauf auf den zweiten Berg. Aber halt, Moment mal? Was ist denn da los? Auf der Weide stand eine ganze Menge Schotten! Also die anderen. Die mit dem lustigen Pony und den großen Hörnern. Und so viele, in ganz verschiedenen Farben und Größen! Das musste ich mir genauer ansehen. Mein Mädchen fand, ich mache das toll, weil ich nicht ängstlich und angespannt war, sondern nur vorsichtig neugierig beobachtet habe, was für Gesellen das sind. Und wir wurden auch zurück-beobachtet, ich glaube manche von denen fanden uns auch interessant.

So viele Schotten!

Nachdem ich genug geguckt hatte, ging es dann also den nächsten Berg hoch. Und mein Mädchen und der Mann waren schwer begeistert, wie viel besser Diego und ich das jetzt wieder können. Schön im gleichmäßigen Schritt da hoch, ohne groß zu schnaufen. Ich wollte zwischendurch mal traben, war aber nicht erlaubt. „Schieb!“ hat mein Mädchen gesagt „hinten ist der Motor!“. Das ist wohl wahr, mein Mädchen, aber vorne ist die Futterluke! Das fiel ihr dann auch wieder ein und so gab es oben auf dem Berg traditionell Graspause und Aussicht. Die Graspause war ausgiebig, aber zu kurz – ihr wisst schon, es ist einfach zu verlockend grün um diese Jahreszeit und auf die Weide dürfen wir ja noch nicht. Da ist so eine Graspause pauschal IMMER zu kurz.

Traditionelle Graspause auf dem Gipfel.

Den Berg runter und an der Landstraße lang ist mein Mädchen dann gelaufen, weil sie fand, eine Pause tut mir bestimmt gut. Dann ein kleines Stück noch reiten und schon waren wir wieder zu hause. Schön war das wieder und wir sind ganz stolz auf unsere gestiegene Fitness!

So soll es jetzt über Sommer weiter gehen mit dem Training, damit wir dann im Herbst den Gedenkritt schaffen.

Euer trainierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Motivation

Ich war in meinem Leben nie fest angestellt. Vielleicht habe ich deswegen einen anderen Blick auf diese Art Arbeitsverhältnis. Ich höre und sehe in meinem Freundes- und Kundenkreis ja so einiges und bin immer wieder erschüttert und erschrocken über das, was ich da so erfahre. Kürzlich hat meine Freundin ihren Job gekündigt, weil sie etwas besseres gefunden hat. Und es ist genau das passiert, was ich erwartet hatte: plötzlich macht man ihr große Angebote, damit sie doch noch bleibt. Plötzlich kann man – oh Wunder – doch mehr Gehalt zahlen (was vorher jahrelang angeblich nicht möglich war). Angeblich steht man natürlich immer voll hinter ihr und alles, was in letzter Zeit so gar nicht dafür sprach, dass man ihre Arbeit wert schätzt hat sie „falsch verstanden“. Nun denn, zum Glück ist meine Freundin vernünftig und fällt auf solche Märchen nicht rein.

Direkt nach dem Telefonat in dem wir beide uns köstlich darüber amüsierten, dass sie nun sogar einen freien Tag bekommen hat um die Entscheidung nochmal zu überdenken, betrete ich mit Halfter, Strick und Gerte den Paddock. Duncan sieht mich und kommt – völlig ungefragt – zu mir. Er weiß, dass ich das passende Equipment mit habe um mit ihm etwas schönes zu machen. Er hat Lust, ist motiviert und freut sich auf unsere gemeinsame Zeit. Woran liegt das?

Meine Pferde bekommen viel Futterbelohnung. Das kann man vielleicht als eine Art „Bezahlung“ verstehen, ähnlich verstehe ich z.B. das Kratzen beliebter Stellen oder eine schöne Massage (wenn das Pferd das denn mag). Es gibt aber auch Dinge, für die ich meine Ponys nicht „bezahle“. Ausreiten (oder Spazierengehen) ist für Duncan z.B. selbstbelohnend. Er ist einfach so gern draußen und sieht die Welt! Manche Araber, die ich kenne, freuen sich auch über einen ausgiebigen Trab an der Longe (etwas wofür ich Merlin, Diego oder Finlay niemals begeistern konnte). Auch Duncan hat einfach Freude an der Bewegung und findet es ganz ok, länger an der Longe oder an der Hand zu traben, wenn es zwischendurch was zu Naschen gibt.

Inzwischen glaube ich aber auch, dass Duncan einfach gern mit mir zusammen ist. Das, was ich bei Elsa Sinclair gelernt habe, macht sich bemerkbar. Duncan findet, dass ich oft gute Entscheidungen treffe und er genießt meine Gesellschaft, so wie ich seine genieße. Ich sage ihm jeden Tag (meistens mehrfach) dass er der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke ist, ich feiere es, wenn er eine schwierige Übung hinkriegt (und inzwischen feiert er dann mit – anfangs hat sich ihm dieses Konzept nicht erschlossen). Er fühlt sich großartig wenn wir etwas gemeinsam machen, weil ich die Aufgaben nach Möglichkeit so dosiere, dass er sie mit etwas Konzentration und Anstrengung erfüllen kann. Und ja, ich lobe ihn nach wie vor auch für die Dinge, die selbstverständlich sind: Hufe geben, warten, los gehen, antraben. Ich nehme nichts als gegeben hin. Oft denke ich an Alex Zell der mich im Unterricht oft gefragt hat „macht er das gut?“ und wenn meine Antwort „ja“ war, kam von ihm ein „dann sag ihm das!“. Wir müssen dafür nicht jedes mal in Lobeshymnen ausbrechen, Pferde lieben Harmonie und wenn wir uns darum bemühen, diese zu finden, und uns unserem Pferd anpassen, ist das für viele Pferde schon eine sehr große Motivation. Ihnen die ganze Zeit – egal ob verbal oder nonverbal – mitzuteilen wie sehr wir seine Bemühungen schätzen, macht die Pferde stolz und motiviert sie.

Und doch ist das anscheinend für viele schwer. So wie für manche meiner „Arbeitgeber“ – meine Kundinnen. Einige geben mir jedes mal Trinkgeld. In den letzten Monaten gab es ein paar, die mir gesagt haben, dass sie finden es sei jetzt Zeit für eine Preiserhöhung und mir deswegen mehr geben. Andere bringen mir Schokolade mit, packen mir zu Weihnachten Päckchen mit Leckereien oder anderen schönen Dingen, kochen mir Tee oder sind einfach sehr nett zu mir. Viele versuchen, mir meine Arbeit bei der Hufpflege so leicht wie möglich zu machen. Ich bekam auch schon extra Scheinchen, weil Termine so schwierig zu vereinbaren waren und von Kundinnenseite mehrfach verschoben wurden oder weil ein Pferd mir auf den Fuß getreten ist. Für diese Kundinnen fahre ich gern die extra Meile und mache auch einen ungünstigen Termin noch möglich. Ich investiere gern etwas extra Zeit für diese Menschen, wenn ich per Whatsapp eine Frage bekomme. Sprich: ich bin besonders motiviert, für diese Menschen etwas zu tun, die meine Arbeit offensichtlich wertschätzen und nicht meinen, mit Bezahlung allein wäre doch alles nötige getan.

Und wenn Ihr das nächste Mal ein motiviertes Pferd seht, dann beobachtet doch mal, wie viel Lob und freundliche Worte, wie viel Rücksicht auf körperliche Schwierigkeiten, wie viel Pflege (im Sinne von regelmäßigem Zahn- Huf- und Osteopathentermin, Sattelanpassung etc) dieses Pferd bekommt. Und dann schaut nach dem anderen Pferd, das lieber weg geht, wenn der Besitzer kommt. Hört zu, wenn diese Besitzerin über ihr Pferd spricht. Darüber, dass es faul und dominant ist, dass es „das jetzt einfach mal machen“ kann, dass es das doch weiß und warum es denn so blöd ist.

Und den Angestellten unter Euch kann ich nur raten, auch mal eure Chefin unter die Lupe zu nehmen. Wie behandelt man Euch im Job? Und ist das wirklich noch zeitgemäß was da passiert? Vielleicht geht Ihr mit Eurem Pferd so um, wie Ihr es selbst auf der Arbeit erlebt – und vielleicht ist das gut oder vielleicht eben auch nicht. Oder seid Ihr selbst die Chefin? Und wie geht Ihr mit Euren Angestellten um?

Ich freue mich jeden Tag auf Duncan, und wenn wir – wie gestern – 11 Minuten schön zusammen arbeiten ist mir das unendlich viel mehr wert als wenn wir eine Stunde miteinander verbringen, in der wir beide unzufrieden sind. Auch das gehört für mich zur Motivation meiner Pferde unbedingt dazu: aufhören, wenn es am schönsten ist, anstatt mehr und mehr und mehr zu verlangen. Körperliches Training ja, aber nicht ohne Spaß.

Und jetzt entschuldigt mich, mein Pony wartet auf mich.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 350

Hier auf dem Hof wohnen wir Ponys und die Menschen, möchte man meinen. Aber in Wirklichkeit ist hier viel mehr los! Zum Beispiel wohnen hier jede Menge Regenwürmer, die regelmäßig umziehen müssen. Außerdem haben wir oft Besuch von Rehen (mein Mädchen sagt, jeder der sich auskennt, schlägt jetzt die Hände überm Kopf zusammen, weil das bestimmt in Wirklichkeit Damwild heißt und nicht Reh, aber das ist uns egal). Die „Rehe“ dürfen auf die Weide bevor wir es dürfen und fressen uns da das Gras weg – das finde ich nicht fair! In den letzten Jahren hat auch fast immer eines sein Kitz hier in der Wiese versteckt. Mein Mädchen versucht immer mitzukriegen wo gerade eins liegt und lässt uns dann nicht auf diese Weide, sondern lieber auf ein anderes Stück.

In unserem Misthaufen, wo es schön warm ist, lässt eine Blindschleich ihre Eier ausbrüten. Dann kommt immer eine Zeit wo wir denken „man, sind die Regenwürmer groß geworden“ und erst auf den zweiten Blick fällt uns auf, dass es sich um Blindschleichenbabys handelt.

Ein Riesenregenwurm? Nein, eine Mini-Schleiche!

Jetzt im Frühling kriegen wir auch immer mit, wie viele Hasen und Kaninchen hier so herum hoppeln – die sind ganz schön frech und düsen wirklich überall herum, vor allem wenn sie in Paarungslaune sind. Und der Fasan, der wohnt hier auch und erschreckt uns gerne alle mal, indem er laut schreiend auffliegt. In einem Jahr hat seine Frau mal ihre Küken über den Paddock geführt, sagt mein Mädchen, das fand sie süß. Vielleicht passiert das ja dieses Jahr auch wieder.

Auch ein Bussard schaut hier immer wieder vorbei. Und setzt sich immer so weit weg, dass mein Mädchen kein scharfes Bild bekommt.
Pfütze oder Ententeich?

Dieses Jahr haben sich aber noch mehr Vögel bei uns eingefunden, plötzlich waren hier zwei Enten unterwegs, die unsere Pfütze kurzerhand zum Ententeich deklariert haben und jetzt ist unsere Wiese dieser Tage auch noch zur Gänseweide geworden! Und ich gestehe: Gänse machen mich fertig. Die finde ich gleichzeitig spannend und gruselig. Wenn die so laut schnattern und hochfliegen und dann einige Meter weiter wieder landen, da kann ich nicht mit umgehen. Ich erinnere mich dann immer an die Ente des Grauens. Heute morgen war hier gänsemäßig Hochbetrieb und Diego wollte sich allen Ernstes schlafen legen! Da habe ich ihn aber schnell wieder geweckt, das wollte ich nicht. Wenn gruselige Gänse da sind, dann muss Diego bitteschön aufpassen und nicht schlafen! Er war dann etwas schlecht gelaunt aber mir war das einfach wichtig, dass er da die Verantwortung übernimmt.

Unsere neuesten Besucher. Oder sind das jetzt Mitbewohner?

Natürlich gibt es hier noch viele andere Tiere. Ab und zu kommen zum Beispiel Wildschweine vorbei. Dann ist mein Mädchen genervt, weil die immer den Zaun zerstören. Ein größeres Tier, vielleicht ein Fuchs oder Dachs, hat oben an unserem Rundlauf seinen Bau, aber den Bewohner hat mein Mädchen noch nie gesehen.

Und dann sind da noch die Huchmampfs! Ihr wisst nicht, was das für Wesen sind? Dann schaut mal hier! Die Huchmampfs verstecken sich gern mal im Gebüsch rund um den Reitplatz und lauern mir auf, besonders im Frühling und im Herbst. Wenn man da nicht aufpasst, ist es schnell vorbei, das sage ich euch! Aber ich glaube, ihr Menschen habt vom Huchmampf einfach keine Ahnung und würdet es noch nicht mal erkennen wenn es euch schon verspeist hat….. da muss ich mich schon selbst um meine Sicherheit kümmern.

Also, einsam ist es hier ganz sicher nicht. Meine Aufzählung erhebt auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Bald kommen ja die Schwalben wieder und machen den Sommer (so sagt man doch, oder?), die dicken Hummeln brummen schon wieder herum und freuen sich, dass mein Mädchen allerhand „Unkraut“ hat das jetzt schon blüht. Und die Wespen überlegen, ob sie wieder ein Nest im Heuschober bauen. Kurz und gut: hier ist ordentlich was los und das ist schön so.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel mit den vielen Mitbewohnern (einige davon gruselig)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 349

So, ihr wartet doch bestimmt schon auf meinen Sonntags-Ausflugs-Bericht, oder?

Heute hatte mein Mädchen den Plan, dass mein neuer Sattel nochmal ordentlich im Trab getestet wird. Dafür hat sie eine schöne Strecke raus gesucht, die wir zwar schon öfter gegangen sind, aber jetzt schon ganz lange nicht mehr. Da kann man fein ein längeres Stück auf richtig schönem Boden durch traben. Und zwar in der Schweiz! Tjaja, da staunt ihr, was? Wir kommen ganz schön rum! Naja, es war „nur“ die Nienkattbeker Schweiz. Der Mann hat unterwegs gerätselt, warum es wohl so heißt. Berge sind da nämlich keine. Ob es in der Region guten Käse gibt? Oder vielleicht besonders feine Schokolade? Oder Uhren? Wir haben es nicht heraus gefunden. Schön ist es da jedenfalls, das steht fest. Wir sind also munter getrabt. Dann ein Stück Schritt, dann ist mein Mädchen eine ganze Weile zu Fuß gegangen, damit ich sie mit dem neuen Sattel noch nicht so lange tragen muss. Auf dem Rückweg sind wir dann nochmal den schönen Weg vom Anfang getrabt – ich vorne weg. Mein Mädchen möchte nämlich mal raus finden, welches Tempo gut ist für mich zum traben.

Also das Problem ist ja folgendes: Diego der Große heißt ja nicht zum Spaß so. Er ist echt groß! Und er hat lange Beine. Wenn der im Schritt gemütlich schlendert, bin ich schon auf Anschlag mit meiner Schrittgeschwindigkeit. Diegos Reiseschritt ist deutlich schneller als ich jemals Schritt gehen kann. Und im Trab sieht es natürlich genauso aus! Jetzt hat der Mann so einen Faible für „Angebertrab“ da läuft Diego ganz langsam und ist gut zu sitzen. Der Trab ist aber für mich dann zu langsam, da habe ich nicht genug Schub von hinten und kann mein Mädchen nicht gut tragen, ich brauche da einfach mehr Vortrieb. Wenn Diego dann aber schnell trabt, komme ich nicht mehr hinterher und müsste langsam galoppieren (bzw. dann wäre ich wieder zu schnell!). Ihr seht: es ist vertrackt. Mein Mädchen meinte, da hätte sie beim Kauf einfach nicht dran gedacht, dass ich wohl tempomäßig nicht zu Diego passen werde. Aber ich weiß: es war ihr einfach total egal, denn sie wollte MICH!

Mein Mädchen findet, die Großen müssen auf die Kleinen Rücksicht nehmen. Also muss Diego sich an mein Tempo anpassen. Und mein Tempo im Trab sind im Moment so 10,5km/h. Das ist nicht sonderlich schnell, ich weiß, aber mein Mädchen und ich wissen auch, dass ich noch schneller werde wenn ich mehr trainiert habe. Und dann wird mein flotter Trab wohl einigermaßen zu Diegos halb flottem Trab passen.

Mit meinem neuen Sattel sind wir jedenfalls seeeeeehr zufrieden. Er hat sich jetzt schon ein gutes Stück gesetzt, so dass mein Mädchen nicht mehr so thront wie am Anfang. Heute ist sie wohl so 6km geritten, also müsste er nach ungefähr 4 weiteren Reit-Kilometern vollständig gesetzt sein.

Ein Foto habe ich nicht für euch, weil alles so herrlich unspektakulär war. Mein Mädchen war sehr zufrieden mit diesem ruhigen, völlig abenteuerfreien Ausritt. Und wir anderen auch. Richtig schön war das. Jetzt steht wieder ein paar Tage Platz-Arbeit auf dem Programm, bis es wieder auf Ausflug geht. Fitness, Fitness, Fitness! Mein Mädchen sagt, sie hat sich auch noch etwas neues ausgedacht, was sie mal testen will, wenn das Wetter etwas länger trocken war. Bin gespannt!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel