Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 362

Dienstaaaaaaaaag! Da bin ich gleich mal im Trab zu meinem Mädchen gesaust, als sie mich gerufen hat. Das hat sie sehr gefreut, weil sie dachte, ich wäre ihr vielleicht noch gram wegen des Höllentripps am Sonntag. Ach, im Nachhinhein war es ja auch irgendwie eine Art Abenteuer, was solls. Und den Dienstag möchte ich doch auf keinen Fall verpassen! Rein in die Wackelkiste, den Ausreitkumpel abholen und ab geht die Fahrt! 11,4km haben wir geschafft, wie die Großen! Und flott waren wir unterwegs. Mit Diego gehen wir ja immer viel Schritt, aber mein Ausreitkumpel mag Schritt nicht leiden und da traben wir immer ganz viel. Nach einer Weile wollte ich mal Pause haben, wir haben durchpariert und das Mädchen vom Ausreitkumpel meinte, sie will die Schrittstrecken zu Fuß gehen. Also beide Mädchen runter. Wir Ponys haben erst mal einen Schluck aus so einer frischen, leckeren Pfütze getrunken. Mit dem Gebiss im Maul finde ich das noch kompliziert, mein Mädchen hat gekichert, weil immer an der Seite von meinem Maul ein kleiner Wasserstrahl raus kam. Aber ich kann das jetzt schon besser als vor ein paar Wochen, ich lern das schon noch.

Dann kam ein besonders schöner Weg (einer unserer Lieblingswege), der viel zu schade ist zum Schritt gehen. Beide Mädchen wieder rauf, mein Mädchen und ich vorneweg. Sie zu mir: Trab! Ich „ok, los geht´s“ und los ging´s! Schneller und schneller und noch schneller. Mein Mädchen hatte vorher fest gestellt, dass sie viel zu oft bremst und hat das dann mal gelassen. Ich hab dann fest gestellt, dass ich nicht so schnell traben kann wie ich unterwegs sein möchte. Und gerade als mein Mädchen gefragt hat, was da eigentlich in dieser Pfütze war – Zaubertrank? – habe ich beschlossen, dass es Zeit wird, den dritten Gang einzulegen. Hoppi galoppi! Juhuuu, das macht Spaß! Aber was soll ich euch sagen: von oben gab es Mecker! Ach Mädchen, sei doch mal still, schnall dich an und genieß einfach die Aussicht! Nein, wollte sie nicht. Weil sie immer findet, wer nicht durchpariert wenn man ihm das sagt, darf nicht galoppieren. Menno. Es folgte eine ausgedehnte Diskussion darüber, ob wir jetzt galoppieren oder nicht, aber letztendlich war sie einfach sturer als ich. Seufz. Wenn ich nicht so ein Gentleman wäre…. Als wir dann an die Stelle kamen, wo der Weg eine Kuhle hat und eine Biegung macht, musste ich sogar langweilig Schritt gehen. Mädchen! Ich hätte das im Galopp geschafft! Ich kann sowas jetzt! Wir haben kurz die Hufschuhe gezählt, weil das der Weg ist, wo wir schon ein paar mal Schuhe verloren haben. Dann ging es weiter.

Ein Stück durchs Dorf sind die Mädchen dann zu Fuß gegangen und als sie wieder aufsteigen wollten, haben sie festgestellt, dass mein Ausreitkumpel einen Schuh verloren hat! Verdammt! Die Schuhkontrolle war zu früh, danach kam noch ein kleines Stück von dem schönen Weg und da ist es wohl passiert. Zu weit zum umdrehen. Also musste mein Kumpel barfuß weiter, ging aber auch. Noch der ein oder andere Trab, noch das ein oder andere Angebot von mir, doch vielleicht den Galopp zu nehmen, noch die eine oder andere Absage von meinem Mädchen diesbezüglich, dann ein letztes Stück Schritt mit Mädchen zu Fuß zur Wackelkiste. Diesmal hatte mein Mädchen das Stethoskop mit: mein Puls war bei 60, mein Kumpel bei 50 – der Angeber. Der hat ja auch schon viel mehr Training gehabt als ich!

Wir rein in die Wackelkiste zum wohlverdienten Heu und dann haben wir uns gemütlich Richtung Hufschuh kutschieren lassen. Aber dann…. tja dann hat mein Mädchen versucht, die Wackelkiste zu wenden und dabei leider ein Matschloch erwischt. Trotz all der Lauferei, bei der wir unseren ganzen Blutzucker verbraucht hatten, hieß es, wir Ponys sind zu schwer, mit uns beiden in der Wackelkiste kommt sie da nicht mehr raus. Also mussten wir aussteigen! Ich dachte mein Schwein pfeift. Mitten im Wald raus aus der Wackelkiste und das Mädchen vom Ausreitkumpel ist mit uns noch ein paar Halme Gras schmausen gegangen. Mein Mädchen hat die Wackelkiste gewendet und dann sind wir wieder eingestiegen.

Mitten im Wald noch mal aus- und wieder einsteigen. Mit uns kann man es ja machen…..

Unsere Mädchen waren so verdammt stolz auf uns, weil wir sowas können – einfach so. Naja, mit uns kann man es machen, wir sind ja so artige Jungs. Aber dann sind wir in Ruhe nach hause gefahren und haben uns das Heu schmecken lassen. Zu hause hatte mein Puls die traditionellen 44 erreicht (allerdings nur so lang, bis das Weidetor nochmal aufging – juhuuuuuuu!).

Mein Mädchen hat fest gestellt, dass ich fast die ganze Ausreitstrecke vorweg marschiert bin wie ein Großer (der Ausreitkumpel hatte keine Lust, Verantwortung zu übernehmen und ich kann das jetzt schon echt gut!) und dass ich natürlich sowieso und überhaupt das beste Highlandpony diesseits der Regenbogenbrücke bin. Klar, mein Mädchen, nur eine Info fehlt dir anscheinend noch: das mit dem Galopp, das kann ich inzwischen auch. Also merk dir doch mal: anschnallen, Klappe halten und die Aussicht genießen! Ich mach das schon!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (der wirklich gern galoppieren möchte!)

Unser Ausritt im Detail.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 361

Ihr kennt das: Sonntag abend oder am Montag berichte ich normalerweise von unserem Sonntagsausflug. Meistens darüber, wie schön es war. Diesmal…. naja. Sagen wir so: es waren Rinder auf der A7, die Rader Hochbrücke wurde voll gesperrt und aus diesem Grunde war unser Sonntagsausflug eher ein kleiner Ausflug in die Hölle. Zumindest hatten wir ein Rückticket und sind heil zu hause gelandet. Aber von vorn:

Mein Mädchen wollte mit mir Brücken über Straßen üben und auch noch ein bisschen Straßenverkehr an sich. Dafür gibt es hier eine „Anti-Romantik-Strecke“, da geht man erst über die Brücke und dann knapp 2km direkt neben der Landesstraße auf einem kleinen Wirtschaftsweg, dann nochmal rüber über die Straße und nochmal 800 m auf der anderen Seite neben der Straße. Alles ganz sicher weil man weit genug weg ist von den Autos, aber man ist halt doch sehr nah dran und bekommt alles mit. Als wir über die erste Brücke gegangen sind, sagt mein Mädchen schon „was ist denn hier heute los?“. Da kam ein Auto nach dem anderen! Das ist da sonst nicht so voll. Aber wie Menschen sind: was sie geplant hat, will sie dann auch durchziehen. Wir also an der Straße lang. Und knappe 2km ziehen sich ordentlich, wenn man einen gewissen Grundstress hat, das sage ich euch. Aber ich hab das gut gemacht und alles war fein.

Die erste Hälfte der Strecke waren wir noch einigermaßen entspannt.

Bis auf der Hälfte der Strecke einfach mal der Teufel persönlich von hinten kam! Mein Mädchen sagt, das war Blaulicht mit Sirene. Ich bin sicher: es war der Leibhaftige! Und Diego hat das nicht viel anders gesehen! Wir beiden Ponys haben uns ordentlich zusammengerissen und haben nicht die Flucht angetreten (ich zugegebenermaßen nur, weil mein Mädchen mich daran gehindert hat). Danach war ich durch mit dem Lack. Wir sind dann an einer Stelle ein Stück abgebogen und durften etwas grasen, um uns zu beruhigen. Dann mussten wir aber weiter, es gibt dort keine andere Möglichkeit. Mein Mädchen hat noch ganz viele Kekse raus gerückt (zum Glück hatte sie vorsorglich die große Tasche voll gemacht!) und ich hab meine Nerven zusammengehalten (manchmal nur knapp). Dann etwas weg von der Straße und eine weitere Graspause. Und dann wieder über die Straße. Uff. Dann nochmal an der Straße lang, diesmal auf der anderen Seite. Mein Mädchen immer „nicht mehr weit, nicht mehr weit“. Ich hatte mich gerade etwas abgeregt und wir konnten den Abbieger schon sehen und dann…. steht da so eine Baustellenbake! Da hat es mich nochmal kurz verlassen. Ich war so sicher, dass alle Monster LINKS von uns sind und plötzlich ist rechts auch noch eins!

Naja, dann hatten wir es wirklich geschafft. Mein Mädchen ist dann noch so lang zu Fuß gegangen bis wir uns abgeregt hatten. Dann wollte sie aufsteigen, weil sie schon ganz kaputt war von der Lauferei und irgendwie blöde Socken anhatte, die nicht bequem waren. Aber das Aufsteigen musste verschoben werden. Sie hatte nämlich unsere alte Satteldecke mit den Taschen zwischen meinen Sattel und das Pad gelegt, aber das klappt nicht, da rutscht alles nur durch die Gegend. Sie konnte also nicht ohne Aufsteigehilfe rauf. Bis sie was zum raufklettern gefunden hat, musste sie dann noch eine ganze Weile laufen. Ihre Laune war im Eimer, sage ich euch. Dann rauf und ich hab sie schön durch den Wald getragen. Wir wären gern noch getrabt aber das haben wir lieber gelassen wegen dem rutschigen Sattel. Schlussendlich sind wir im Dorf angekommen, dort ist mein Mädchen dann lieber wieder abgestiegen, weil unser beider Nerven doch ordentlich blank lagen. Zurück zur Wackelkiste und ab nach hause. Den Rest des Tages habe ich ihr signalisiert, dass das eindeutig zu viel Abenteuer war und sie hat sich hundert mal bei mir entschuldigt. Aber sie war auch stolz auf mich, weil ich es einigermaßen anständig gemacht habe (mehr kann man in der Situation wirklich nicht erwarten) und vor allem weil ich danach noch in der Lage war, sie so fein zu tragen, ihr noch zu zu hören und alles richtig zu machen. Sehr erwachsen, findet sie. Und für die nächsten Touren hat sie uns beiden wieder viel Romantik versprochen. Später hat sie dann das mit der Sperrung der Autobahn heraus gefunden. Deswegen waren da nämlich so viele Autos wo sonst gar nicht so viele sind. Ich sage euch: Autos hatte ich jetzt wirklich genug!

Euer Sir Duncan dhu of Nakel (zurück aus dem Kurzbesuch in der Hölle)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 360

Zahlen! Ihr Menschen seid so besessen davon! Bestes Beispiel neulich: mein Mädchen vergleicht Bilder. Sie fotografiert mich ja gern mal, besonders wenn ich grad passend stehe für ein gutes Vergleichsbild. Sie schaut sich also diese beiden Bilder hier an:

So sah ich im März aus. Bitte die blöde Grimasse nicht beachten.
So war es Mitte Mai um mich bestellt. Da gibt es doch nix nachzumessen!

Und sagt „man, du bist aber toll gewachsen und hast dich ganz schön gemacht in den letzten Monaten“. Und dabei HÄTTE sie es ja lassen können. Kekse rein, weil ich so ein toller bin und fertig. Nein! Nein, sie muss mich unbedingt an die Wand stellen. Und der Mann muss messen. Weil sie ohne Zahlen gar nicht glauben kann wie toll groß und gut bemuskelt ich bin. Ich lass mir das aber nicht mehr bieten und mache an der Wand, was ich will. Ich ducke mich ein bisschen und dann sind die Striche da wo sie vorher auch waren und mein Mädchen und der Mann gucken sich verwirrt an. Pech für euch! Mir doch egal, was für Zahlen auf dem Zollstock stehen.

Und als ich von meinem Dienstagsausflug berichtet habe, da war es ähnlich. Kaum geht es mal ein bisschen mit mir durch und ich hab echte Abenteuer zu berichten, schon wird mir angekreidet, dass ich mich verzählt habe. Weil nach 359 ja gar nicht 400 kommt. Ok ok, aber es hat sich halt angefühlt wie ein Abenteuer dass der 400 würdig wäre! Das muss man dann doch auch mal verstehen. Also liebe Menschen, wir zählen jetzt extra für euch ganz korrekt weiter. Bis ich mich wieder mal vergaloppiere, was halt mal passieren kann im Eifer des Gefechts.

Übrigens finde ich, das mit den Zahlen nervt auch beim Weidegang sehr. Anstatt dass man uns Ponys fragt, wann wir denn wohl satt und zufrieden wären. Nein, da wird auf die Uhr geschaut und alles minutiös berechnet und irgendwie kommt immer dabei rum, dass wir nicht so viel essen dürfen wie wir wollen. Das ist doch blöde! Einfach mal aufs Bauchgefühl hören! Naja, so seid ihr Menschen wohl, damit müssen wir Ponys halt leben.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Worte und Bilder

Neulich las ich einen hervorragenden Tweet, der so anfing:

Drei Anwälte in schwarz gehen über den Bahnhof. Zwei davon tragen Kleider.

Worte erzeugen Bilder in unserem Kopf. Und auch, wenn wir dann im Nachhinein merken, dass wir das Bild korrigieren müssen, damit es wieder stimmt, ist das erste Bild eben doch entstanden. Und die Korrektur kostet Energie und mit der haushaltet unser Gehirn ja gern. Schlauer wäre es daher, gleich die gewünschten Bilder zu erzeugen und also die passenden Worte zu verwenden. Auch in der Pferdewelt haben wir so viele ungünstige Worte, die überall verwendet werden und eigentlich total verkehrte Bilder in den Köpfen von Pferdemenschen erzeugen.

Zum Beispiel „nachgeben“. Unsere Pferde sollen wahlweise im Maul oder im Genick „nachgeben“. Auch ich habe dieses dämliche Wort bis vor kurzem verwendet. Und mir jetzt vorgenommen, es mir abzugewöhnen. Denn wer nachgibt, macht sich klein und nimmt sich zurück – im besten Fall aus Freundlichkeit oder Rücksicht, im schlimmsten aus Angst. Unsere Pferde (zumindest meine) sollen aber groß und stolz werden, sich aufrichten und präsentieren! Ja, sie sollen weich sein dabei und mit mir kommunizieren, aber das ist etwas anderes als nachgeben. Nachgeben sieht bei den Pferden meist so aus wie auch bei uns: Kopf einziehen. Aufrichten ist das Gegenteil davon.

Ein weiteres solches Wort ist „Trageerschöpfung“. Wer immer dieses Wort in die Welt gesetzt hat, hat eine denkbar schlechte Wahl getroffen, finde ich. Trageerschöpfung, das klingt für mich so als hätte ich einen 15kg Rucksack den Berg hoch getragen. Lösung des Problems: Rucksack absetzen, mich hinsetzen und Pause machen. Ein Pferd mit der Diagnose „Trageerschöpfung“ braucht aber (fast immer) etwas ganz anderes, nämlich Training! Es hat nicht genug Kraft und Muskulatur, sich selbst und den Reiter zu tragen. Das bedeutet, schonen und Pause machen ist nicht der richtige Weg, das Problem zu lösen, sondern durchdachtes Training muss her!

Auch andere Wörter sind mir mittlerweile ein Dorn im Auge: der Rücken des Pferdes soll „schwingen“. Oje! Nein, bitte nicht! Stellt Euch doch mal vor, was passieren würde, wenn die Wirbelsäule des Pferdes schwingt! Rauf, runter, rauf runter und jedesmal stoßen die Wirbel aneinander! Gruseliger Gedanke. Ja, es fühlt sich für den Reiter „schwingend“ an, im Gegensatz zu „werfend“ oder „stoßend“. Weil das Pferd über seine Rumpfträger die Wirbelsäule so stabilisiert, dass eben KEINE so große Bewegung mehr stattfindet und vor allem keine unkontrollierte.

Andere Wörter werden ständig benutzt, haben aber in der Reiterwelt nach und nach ihre feste Bedeutung verloren. „Versammlung“ ist so ein Wort. Alle wissen, was damit gemeint ist. Oder etwa nicht? Und selbst wenn wir es wissen: wo genau fängt sie an, diese mysteriöse „Versammlung“? Oder „Vorwärts-Abwärts“ – gern als Gegenstück zur „Versammlung“ verwendet. Das „Vorwärts-Abwärts“ wurde leider durch die FN-Reiterei verdorben, denn in den meisten Kreisen bedeutet es jetzt, dass das Pferd hinter der Senkrechten läuft. Aber selbst wenn nicht: wo genau ist denn „Vorwärts-Abwärts“? Solche Worte funktionieren oft deswegen nicht mehr, weil es heute so viele Reitweisen gibt und jede die selben Worte verwendet, damit aber etwas anderes meint. Ein Westernreiter wird unter „Vorwärts-Abwärts“ und „Versammlung“ etwas anderes verstehen als ein Dressurreiter oder ein Islandpferdereiter.

Wenn wir also solche Begriffe verwenden, sollten wir sie definieren (oder damit leben, dass der andere etwas anderes darunter verstehen könnte).

Andere Begriffe führen uns direkt in die Irre. „Freiarbeit“ zum Beispiel. Auch ich verwende diesen Begriff noch gelegentlich mangels eines besseren Wortes (wobei mir „Freiraum-Training“ gut gefällt, ein Wort, dass ich bei Wege zum Pferd gefunden habe) . Denn auch in der „Freiarbeit“ sind die Pferde nicht frei. Ich kenne nur eine Trainerin, deren Pferde bei der gemeinsamen „Arbeit“ wirklich frei sind und das ist Elsa Sinclair. Und auf einer philosophischen Ebene können wir jetzt sagen, dass auch ihre Pferde eingezäunt sind (was sie aber im Training nicht ausnutzt, daher spielt es in meinen Augen keine Rolle bei der Ausbildung.) Jede andere Freiarbeit beruht darauf, dass wir den Pferden mindestens die Möglichkeit nehmen, effektiv weg zu laufen. Meistens beruht sie darauf, dass wir ihnen beibringen, auch ohne Zaumzeug irgendeiner Art bei uns zu bleiben und mitzumachen. Das ist nicht schlecht oder falsch! Aber halt auch nicht frei.

Überhaupt: „Arbeit“. Das ist ein viel diskutiertes Wort in der Pferdewelt. Ich bevorzuge wahlweise „Training“ (das kann ja körperlich oder geistig sein) oder ich sage einfach „ich mache was mit meinem Pony“. Wie definieren wir „Arbeit“? Da ist wieder die Sache mit den Bildern im Kopf. Und der viel zitierte Witz unter Müttern und Hausfrauen, denen gesagt wird, sie würden nicht arbeiten, weil sie keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Dass sie trotzdem den ganzen Tag schuften, steht auf einem anderen Blatt.

Ich persönlich habe viel Unterricht auf Englisch bekommen und muss feststellen, dass es oft nicht gut funktioniert, Worte zu übersetzen. „Be consistent“, sagt Amanda immer. Wir haben das mit „beständig“ übersetzt, aber es greift ein bisschen zu kurz. Auch Mark Rashids Wort „Softness“ übersetzt sich nicht gut. Und für das stets und überall gebrauchte „Timing“ scheint es mir schon gleich gar kein geeignetes Wort zu geben. Auch das Wort „Anlehnung“ entspringt einer fürchterlich unglücklichen Übersetzung, die ganz und gar falsche Bilder in Reiterköpfen erzeugt.

Aber auch deutsche Worte können verdreht werden. Sehr beliebt in meinem Schülerkreis ist die Verwechslung von Vor- und Hinterhandwendung. Ursprünglich – und das ist meine Eselsbrücke – heißt es nämlich „Wendung UM die Vorhand“ und „Wendung UM die Hinterhand“ womit klar ist, dass sich bei der Vorhandwendung die Hinterhand UM die Vorhand bewegt.

Bei den Seitengängen gibt es auch regelmäßig Ärger, manche haben deutsche und französische Namen, aber den französischen für „Schulterherein“ verwendet hier niemand (wer weiß, wie das heißt? Bitte in die Kommentare schreiben!) und ob „Traversale“ ein deutsches Wort ist, wage ich doch sehr zu bezweifeln (so wie ich es verstehe ist es die Kombi aus zwei französischen Begriffen – wo sind hier die Experten?). Krupperherein heißt auch Travers und ganz oft wissen Schüler gar nicht, dass das deckungsgleich ist und glauben, es gäbe da noch einen Seitengang den sie nicht reiten können. Ach, es ist kompliziert.

Ihr seht schon: es lohnt sich, die Worte mal zu hinterfragen. Ganz besonders, wenn Eure Reitlehrerin sie verwendet: fragt nach. Was genau ist damit gemeint? Was soll passieren oder nicht passieren? Denn jedes Wort erzeugt Bilder in unseren Köpfen und es wäre schön, wenn wir ungefähr das gleiche Bild im Kopf hätten, sonst klappt es nicht mit der Kommunikation.

Manchmal bin ich ganz froh, dass die Pferde sich so viel mehr auf Körpersprache (die oft aus unseren inneren Bildern entsteht!) und Tonfall verlassen als auf das Wort an sich. Auch wenn das bedeutet, dass mein Pony die Bremse rein haut und mich erwartungsvoll anschaut, wenn ich ihn – nachdem er etwas in der Nase hatte und einige Male geschnaubt hat – frage: „geht´s?“ Hört sich für ihn eben an wie „Keks“ – fiel mir dann im Nachhinein auch auf….. (auch das Wort „jetzt“ ohne Satz drum herum verwende ich in Duncans Beisein nicht mehr. Auch Markerwörter haben ihre Tücken…..)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 400

Wow, der 400. Tagebucheintrag! Und ich habe genau die passende Abenteuergeschichte für euch, passt mal auf!

Also gestern war ja Dienstag. Und was ist Dienstag (jetzt endlich wieder)? Ausflugstag mit dem Ausreitkumpel! Mein Mädchen sagt, das nennt sich jetzt „Training“. Weil wir ja im Herbst den Gedenkritt machen wollen und da müssen wir alle fit sein. Wir wollen jetzt ganz viel traben und uns damit immer schön ein bisschen steigern. Ok, kann losgehen!

Das Mädchen vom Ausreitkumpel scheint allerdings etwas aus der Übung gekommen zu sein, scheint mir. Das hat vielleicht gedauert, bis das endlich los ging! Dann ging es los und nach 20 Metern standen wir schon wieder, weil die Steigbügelriemen nicht richtig waren. Mein Ausreitkumpel wollte nicht stillstehen, der wollte jetzt los und also hat es eeeeeeewig gedauert bis sie endlich fertig waren weil sie zwischendurch noch 5 mal streiten mussten. Dann ging es endlich los. Im Schritt – also ich jedenfalls. Mein Spaziergehkumpel hatte nicht die Nerven für Schritt, der musste tänzeln. Ich versteh das, er muss dringend Speck los werden und das geht schneller und besser wenn man tänzelt! Dann sind wir angetrabt und gerade als ich mich eingrooven wollte mussten wir wieder anhalten! Wegen der Steigbügel oder so, bin nicht sicher. Hmpf.

Dann ein Stück getrabt bis zu einem gruseligen Bauernhof. Ich war da schon mal, ist aber lange her. Da gibt es alles was ein bisschen gefährlich aussieht, also lieber Schritt. Ich bin vorne weg gegangen und mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Und sie war sooooo stolz auf mich, weil ich das toll gemacht habe! Dann wollten wir weiter, aber nein! Das Mädchen vom Ausreitkumpel wollte die Ärmel von ihrer Jacke ab machen. Was sie allein nicht hinbekommen hat, also mussten wir Ponys ganz nah beieinander still stehen, damit mein Mädchen ihr helfen kann. Erst rechts, dann links. KÖNNEN WIR DANN JETZT ENDLICH LOS? So wird das nix mit dem Distanzritt!

Ja, endlich ging es los. Nun war das die Strecke, die mein Mädchen die Ü-Strecke nennt, weil da alles mit ü ist: Züge, Brücken, Kühe und Pfützen.

Ok, Züge waren gestern keine da und Pfützen nur sehr wenige. Aber Kühe dafür ganz viele! Große Herden auf großen Weiden. Sonst sind wir da immer im Schritt vorbei aber wenn man immer bei der kleinsten Kleinigkeit durchpariert wird das nix mit dem gleichmäßigen Trab und also fand mein Mädchen es sei Zeit, an den Kühen vorbei zu traben. Hab ich gemacht. Und bin sogar brav weitergetrabt als die Kühe neben uns auch getrabt sind. Zack! – mein Mädchen schon wieder stolz wie Bolle. Weil ich das so toll kann! Wir sind einfach gleichmäßig wie ein Uhrwerk weiter getrabt. Mit dem Mädchen vom Ausreitkumpel war schon wieder irgendwas aber wir sind weiter getrabt, die können ja aufgaloppieren. Wir traben also so durchs schöne Moor und genießen die frische Luft und mein Mädchen sagt „das machst du schon so toll, das ist ja fast wie allein ausreiten!“ und ich feiere mich als plötzlich ….

VOGEL!!!

Man, hab ich mich erschreckt! Diese blöden Viecher fliegen da so hinter den Büschen hoch, dass man sie nicht sieht und dabei rascheln sie präzise genauso wie ein hungriger Säbelzahntiger! Ich bin also reflexmäßig nach rechts gesprungen Richtung Graben. Aber dann wurde mir klar: kein Säbelzahntiger. Nur ein Vogel. So und jetzt kommt´s: normalerweise wenn ich mich erschreckt habe, haben wir angehalten und es gab einen Keks für mich. Weil mein Mädchen das so gut findet, wenn ich nicht los rase, sondern stehen bleibe nachdem ich mich erschreckt habe. Aber diesmal nicht! Diesmal hat sie mich einfach wieder auf den Weg gelenkt und mir gesagt, dass wir weiter traben und als ich dann weiter getrabt bin, hat sie mich über den grünen Klee gelobt, wie toll ich das gemacht habe und wie stolz sie auf mich ist. Ich war also gerade wieder dabei mich zu feiern als plötzlich ….

VOGEL!!

Es gibt einfach zu viele davon im Moor, ehrlich! Und schon saßen wir wieder halb im Gebüsch. Aber wir sind wieder einfach weiter getrabt. Mein Mädchen meinte, jetzt hat sie doch wackelige Knie aber wir schaffen das. Und wir haben das geschafft. Wie die Großen!

Nach all der Aufregung war dann Zeit für eine Graspause. Sehr gut, die haben wir uns auch wirklich verdient. Während wir am mampfen waren, haben die Mädchen einen Schluck getrunken und plötzlich sagt das Mädchen vom Ausreitkumpel „oh nein, ich habe einen Ärmel verloren!“. Ja, sowas kommt davon wenn man die nicht an der Jacke lässt! Und jetzt? Den ganzen Weg zurück? Das wäre zu weit geworden. Aber den halben Weg zurück und dann eine Abkürzung nehmen, das geht. Als wieder rauf und zurück marsch marsch! Oh, das hat mich jetzt schon ein bisschen aufgeregt! Da musste ich doch mal mit dem Kopf runter und schütteln und mich ärgern – gab aber Mecker von oben. Na gut, aber dann hurtig! Nein, auch nicht recht. Ruhiges, gleichmäßiges Tempo. Vogel! Aber diesmal hab ich keinen Satz mehr gemacht. Und da war mein Mädchen schon wieder versöhnt und stolz.

Weiter ging es Richtung Kühe. Und dann….. fanden wir uns plötzlich im Galopp wieder und mein Mädchen hat den Bremsfallschirm aktiviert (in Gedanken). Sie hat nicht verstanden, was los war, weil sie ja immer nix mitkriegt! da war eine ganze Kuhherde HINTER uns im Galopp her gerannt! Da lasse ich mich doch nicht lumpen, was denkst du denn? Nein, war nicht erlaubt. Durchpariert zum Schritt, atmen. Der Ausreitkumpel war schon im Schritt, weil wir uns nämlich zum Glück nie gegenseitig anstecken und sein Mädchen ihn fix durchpariert hat als sie gesehen hat, dass mir nach einem Sprint zumute ist.

Mein Ausreitkumpel und ich sind das perfekte Pony-Sicherheits-Team: er erkennt alle lauernden Drachen (von denen die Menschen regelmäßig meinen es seien Baumstämme – weil ihr Menschen von Drachen einfach nix versteht!) und ich erkenne jedes kleine Geräusch sich anschleichender Säbelzahntiger (oder Dinosaurier, Vögel sind schließlich Dinos!). Somit ist jede Gefahr abgedeckt. Da wir unsere Aufgabenbereiche so klar eingeteilt haben, regt sich keiner auf, wenn der andere kurz was abcheckt. Unsere Mädchen finden das sehr, sehr praktisch. Ich auch, dann muss ich nicht auch noch nach Drachen gucken!

So und nach dem ganzen Vögel- und Kuhgalopp-Gedöns waren wir dann – ohne den Ärmel zu finden – auf der Abkürzung für den Rückweg. Mein Mädcehn meinte schon wieder, ich hätte ja NULL Orientierungssinn, weil ich es ganz verkehrt fand, da abzubiegen. Ich wäre einfach die selbe Strecke zurück gelaufen, meint sie. Aber ehrlich, über Orientierungssinn braucht man mit ihr nicht reden! Sie hat ja selbst keinen.

Als die Wackelkiste in Sicht kam, sind die Mädchen abgestiegen und haben geführt. Mein Mädchen hat mir kritisch ins Gesicht geschaut, wie es mir so geht und hat dann gesagt „der hat ja nicht mal Atmung!“. Also ich muss doch sehr bitten, ich atme den ganzen Tag korrekt ein und aus, das muss dir doch schon mal aufgefallen sein! Jaaa, aber das meinte sie nicht. Sie meinte, das meine Nüstern direkt nach all der Traberei noch nicht mal ansatzweise rund sind und man außer etwas Schweiß nicht erkennen kann, dass wir diesmal stolze 6,9km getrabt sind. Tja, Mädchen, so was nennt sich Fitness, aber auch davon hast du ja keine Ahnung…..

Also kurz und gut: mein Mädchen ist unfassbar stolz auf mich und ein bisschen auf sich selbst, weil sie es geschafft hat, sich nicht so doll vor meinen Erschreckern zu fürchten. Sie sagt, sie hat jetzt schon gutes Zutrauen zu mir, dass ich nix schlimmes mache. Außerdem hat unser neuer Sattel das Vogelhopsen gut gehalten und ist nicht gerutscht, das sind auch sehr gute Nachrichten.

Den Ärmel haben wir nachher wieder gefunden, wir sind mit der Wackelkiste einen kleinen Schlenker zum gruseligen Bauernhof gefahren und da lag er, kurz hinter der Stelle wo das Mädchen vom Ausreitkumpel ihn ausgezogen hatte. Wahrscheinlich ist er aus der Tasche gefallen als mein Ausreitkumpel den Drachen dort gesehen hatte (die Menschen behaupten wieder, es sei ein Baumstamm gewesen. Tssssss). Ganz umsonst umgedreht! Wirklich, ich muss ein ernstes Wort mit ihr reden. Aber andererseits….. sie sorgt für Abenteuer. Also so richtig böse kann ich ihr dann doch nicht sein. Und wenn wir so ein feines Abenteuer hatten, ist mein Mädchen wieder die ganze Woche stolz auf mich, das habe ich sehr, sehr gern!

Euer mutiger Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. bei all der Traberei wird es schwierig mit Fotos. Aber ich glaub, ihr könnt es euch vorstellen, oder?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 359

Seht ihr das? Seht ihr das? Wisst ihr was das heißt?

Pusten! Pusten!

Mein Mädchen hat mal irgendwo als Bauernregel aufgeschnappt „anweiden, wenn der Löwenzahn zur Pusteblume geworden ist“. Das ist jetzt immer ein wichtiger Indikator für sie (wenn auch nicht der einzige, das Gras muss natürlich auch hoch genug sein). Deswegen pusten wir Ponys immer heimlich, damit die gelben Blüten zu Pusteblumen werden – funktioniert aber leider nicht.

Zum Glück weiß mein Mädchen, wie groß unser Grashunger um diese Jahreszeit ist und wir dürfen vorher immer schon mal ein Stündchen raus. Aber gesteigert wird diese Zeit eben erst jetzt! Bis wir dann die ganze Nacht raus dürfen, dauert es noch, weil unsere Bäuche erst wieder lernen müssen, wie man Gras verdaut. Das kommt daher, dass wir im Winter nie auf Weide dürfen! Ich finde, man könnte das verbessern. Aber mein Mädchen sagt, dafür haben wir leider einfach nicht genug Fläche. Schade.

Sie steckt uns für jeden Weidegang (morgens und abends dürfen wir jeweils raus) ein Stück Wiese weiter. Während sie flucht und schimpft – weil die Brennesseln und Disteln durch die Hose piken, weil da, wo sie den Pfosten einschlagen will, wieder hunderte von Steinen liegen oder weil sie sich den Daumen blutig klemmt am Aufrollmechanismus vom Weitersteckzaun – tigern wir Ponys am Zaun auf und ab und versuchen herauszufinden, durch welches Tor es heute raus geht. Und rufen Sachen wie „Du hast gesagt Disteln sind gesund!“ oder „wir sind eben steinreich!“ nur um sie ein bisschen zu ärgern.

Wo geht’s denn heute auf die Wiese?

Dann kommt der große Moment und sie macht das Tor auf! Diego steht immer vorne und macht dann einen lustigen Freudenquietscher wenn er los galoppiert. Ich bin da nicht so eilig, ich nehme erst mal ein Hälmchen direkt am Eingang und trabe dann gemach hinterher.

So mache ich es auch beim Reinkommen. Wenn mein Mädchen ruft, schaue ich hoch, um ihr zu zeigen dass ich sie gehört habe, dann nehme ich den Kopf wieder runter, suche mir noch ein leckeres Maulvoll zusammen und erst dann gehe ich zu meinem Mädchen. Sie hat inzwischen verstanden, dass das bei mir so ist und ich mir da auch nicht rein reden lassen. Eile mit Weile und einem Maulvoll Gras bitteschön. Zum Glück mag sie Ponys mit Charakter und Eigenleben, da ist sie bei mir genau richtig!

Wenn wir dann vom Gras wieder drin sind, ist erst mal verdauen angesagt. Wir ziehen uns alle zusammen in die Halle zurück und ich werde von meinem schweren Grasbauch zu Boden gezogen. Die anderen Ponys bleiben meistens stehen und lassen nur die Unterlippe hängen aber ich brauch immer ein schönes Schläfchen. Vor allem wenn es so warm ist wie in den letzten Tagen. Danach finden wir dann, es könnte wieder raus gehen für die nächste Portion Gras! Die Zeit zwischen morgens und abends kann manchmal ganz schön lang sein…..

So und jetzt entschuldigt mich, ich muss Gras essen gehen!

Euer grasender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 358

Sonntag! Ausflugstag! Ab in die Wackelkiste und dann ist ja immer die Frage: wo geht es heute hin? Mir fiel schon auf, dass ich keine Hufschuhe an bekommen habe. Dann weiß ich schon, dass es keine lange Tour wird, sondern wahrscheinlich eher was zum üben. Und richtig: wir haben meinen Schimmelfreund wieder besucht! Diesmal war Diego wieder mit und das war auch gut so, denn wir waren zusammen ausreiten: Diego, der Schimmelfreund und ich. Das Mädchen vom Schimmelfreund geht noch zu Fuß, der hat noch nicht so viel Reit-Erfahrung. Aber mein Mädchen ist erst mal munter aufgestiegen. Los ging es, alle zusammen! Ich war aufgeregt. Ooooooooh was war ich aufgeregt! Mein Mädchen hat das genau gemerkt. Benommen hab ich mich ja trotzdem gut, aber ich war im Turboschritt unterwegs und dann hat der Schimmelfreund plötzlich hinter mir laut gewiehert! Man, hab ich mich verjagt! Bin erst mal halb ins Feld gehüpft! Mein Mädchen meinte, da sieht man, wie aufgeregt ich bin. Sie meinte, wenn sie eine Weile reitet, wird es bestimmt besser mit meiner Aufregung, aber das wurde es irgendwie nicht. Der Schimmelfreund hat immer mal wieder gewiehert und ich bin jedes Mal zusammengezuckt und überhaupt bei jedem lauteren Geräusch auch einmal angetrabt. Schließlich ist mein Mädchen dann abgestiegen und meinte, es wäre wohl doch besser für meine Nerven, wenn sie zu Fuß geht. Das fand ich auch und nach und nach wurde es dann auch besser. Ich musste noch drei mal äppeln und dann ging es langsam. Der Schimmelfreund war wohl auch aufgeregter als er zugeben wollte, denn normalerweise macht er das nicht mit dem Gewieher. Insgesamt waren wir nur knappe 3km unterwegs, aber ich war doch ziemlich müde danach. Mein Mädchen sagt, ich hab das toll gemacht und nächstes Mal bin ich bestimmt schon weniger aufgeregt. Sie hat aber auch gesagt, wenn wir auf Distanzritt wollen, muss ich das alles können: fremde Pferde, fremdes Gelände und Gewieher! Oha, ich sehe schon: es gibt noch einiges zu lernen für mich.

Zum Glück gab es danach eine leckere Runde Gras für uns: Ich sag es euch: der Schimmelfreund, der wohnt im Paradies! So viel grünes Gras! Ich war echt traurig als mein Mädchen meinte, dass wir wieder in die Wackelkiste einsteigen sollen. Können wir nicht hier bleiben? Nein, ab nach hause. Tschüss, mein Schimmelfreund! Wir kommen wieder!

Das ist das Paradies!
Tschüss, Schimmelfreund! Bis bald!

Euer müder Sir Duncan dhu of Nakel (der jetzt eine Pause macht)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 357

Wenn man in der Öffentlichkeit steht – so wie ich – dann wird man ständig mit der Kamera verfolgt. Überall Paparazzi! Ob ich nun schlafe oder esse, einen neuen Sattel anprobiere oder fleißig trainiere. Mein Mädchen meint, ich wäre zwar wunderschön, aber das mit dem fotografieren hätte ich noch nicht richtig verstanden. Was denn, ich denke ich soll immer im Bilde sein? Also sehe ich zu, dass ich der Kamera immer nah komme. Aber sie sagt, dann wäre nur meine Nase zu sehen. Na und, meine Nase ist doch echt schick? Und manchmal möchte ich einfach nur abchecken, ob da ein Keks zu holen wäre, so ganz eventuell.

Nase…
Nase…..
Ich will in den Vordergrund!

Und weil es ohne euch, meine liebe Fangemeinde, diesen Blog gar nicht gäbe, bekommt ihr heute mal ein virtuelles Pony-Küsschen von mir.

Ein virtuelles Küsschen für euch, liebe Leserinnen (na gut, für die Herren auch, ich will mal nicht so sein)

Danke, dass ihr meine Geschichten lest und mir gelegentlich auch einen Kommentar da lasst! Ich werde natürlich weiter fleißig von meinen Abenteuern berichten. Und immer wenn ihr denkt, ein kleines Dankeschön wäre angebracht für die Arbeit, die mein Mädchen damit hat, geht ihr bitte hier hin und lasst ein paar Taler für meine armen Artgenossen springen, denen es nicht so gut geht wie mir, ok? Oder für die Menschen dort, die können es auch gebrauchen.

Danke dafür!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (Person Pony des öffentlichen Lebens)

Trainingsplan

So, da ist sie, die „echte“ Ausreitsaison. Mit Sattel und Ziel: Gedenkritt im Herbst. 23km auf den Spuren der besten Ponys 1.0. Wie lange wir für die 23 km brauchen ist egal, aber meine Freundin und ich sind beide keine passionierten Schritt-Reiter und ich wünsche mir schon, dass wir uns an das Tempo eines Einführungs-Distanzritts annähern (auf unserem ersten Ritt mit Finlay war damals mindestens Tempo 8, echte Distanzreiter kichern jetzt). Ich könnte also jetzt versuchen, mit meinem laienhaften Wissen einen Trainingsplan zu erstellen und ich werde das auch zumindest ansatzweise tun im Sinne von: wie viele Wochen, wie viele Ritte, bis zu welcher Strecke möchte ich vorher schon mal geritten sein. Wichtiger wird mir sein, die Teile der Strecke zu üben, die für Duncan eine Herausforderung sein könnten, allen voran die Autobahnbrücke.

Zeitgleich beobachte ich in meinen Unterrichtsstunden, wie es laufen kann: man sucht sich ein Thema aus und landet plötzlich ganz woanders. Weil heute komisches Wetter ist, weil die Pferde ausgebrochen sind und sehr aufgeregt sind, weil das Pferd sich die Hüfte schief gezogen hat beim Sprint auf die feuchte Wiese oder weil ich einfach eine oder zwei Stufen unterhalb des sichtbaren Problems eine Ursache entdecke, die zuerst beseitigt werden muss.

Manchmal glaube ich, mein nicht vorhandener Ehrgeiz ist in Sachen Pferdeausbildung ein großer Vorteil. Wenn wir den Ritt nicht diesen Herbst machen können, weil das Training noch nicht reicht oder irgendwas anderes ist, dann wird er eben verkürzt oder verschoben. Auch damals auf unserem Einführungsritt: wie lange es dauert ist mir egal, Hauptsache wir kommen an. Bei unserem zweiten Einführungsritt waren wir weit außerhalb des Zeitlimits. Der eigentliche Reiz lag für mich viel mehr im Training davor. Plötzlich war ausreiten nicht mehr so beliebig, was für mich dann schnell etwas langweilig wird. Ausreiten hatte eine Struktur, es gab Sachen zu üben, zu beobachten und zu überdenken. Ich habe viel gelernt bei unseren Trainingsritten – über mein Pony, über mich, über unser Equipment, unsere Grenzen und Motivation. Und natürlich gab es dauernd Fortschritte zu feiern!

Manche meiner Reitschülerinnen meinen, ich würde mich langweilen mit ihnen, weil sie noch nicht so gut reiten und wir an der Basis arbeiten. Nein! Es gibt so viele Facetten von Unterrichtserteilung, so viele Möglichkeiten an der kleinsten Kleinigkeit zu arbeiten, ich kann meine Sprache variieren, meine Erklärform, meine Übungswahl und das alles ist eine riesige Spielwiese für mich. Wenn ich wirklich mal denke „das erkläre ich jetzt zum 100. mal“ dann verändere ich meine Sprechgeschwindigkeit und staune, welchen Effekt das jeweils auf meine Schülerin hat. Ehrgeiz, meine Schüler irgendwo hin zu bringen, habe ich nicht und das selbe gilt für mich und mein Pony.

Und ganz ehrlich: mir ist es hundertmal lieber wenn eine Schülerin absteigt, nachdem sie ein paar Meter geritten ist und sagt „das geht heute nicht, wir müssen Handarbeit machen“ als wenn auf Teufel-komm-raus geritten wird obwohl Pferd und Reiterin dafür heute viel zu aufgeregt sind. Und wenn eine Schülerin, die heute galoppieren wollte, mit mir bereit ist, am Schritt zu tüfteln, weil wir da gerade ein Problem aufgespürt haben, dann bin ich dafür sehr dankbar. Aber auch umgekehrt kann es ja passieren: jede Schülerin, die vor einer bestimmten Sache Angst hab (meistens vorm galoppieren) weiß, dass sie jederzeit sagen kann „jetzt ist es so weit“. Plötzlich kommt der eine Moment und dann geht es los – egal, was eigentlich gerade geplant war. Und mir ging es mit Duncans erstem Galopp mit mir oben drauf nicht anders – das war völlig ungeplant. Solche Chancen dann nicht zu ergreifen wäre ja sehr schade!

Alle meine bisherigen Pläne mit Duncan haben sich im Laufe der gemeinsamen Jahre immer wieder verschoben und verändert. Wenn ich also einen rudimentären „Trainingsplan“ erstelle und ein Ziel ans Ende schreibe, dann ist das nicht mehr als eine Orientierungslinie. Das Ziel (und ein Plan ist ja auch nichts weiter als lauter Zwischenziele) dient meiner Motivation, bestimmte Dinge anzupacken, die ich sonst vielleicht auf die lange Bank schieben wollen würde. Und es dient mir dazu, Grenzen auszuloten – nicht beim ersten Anzeichen von Müdigkeit auf meiner oder Duncans Seite auf der Bremse zu stehen, die „Helikoptermutter“ zu machen und lieber einen Schritt zurück zu treten, sondern uns beide ein bisschen heraus zu fordern und das Augenmaß dafür zu entwickeln, wo Grenzen wirklich sind und wo nur ein erstes „oh, anstrengend“ vermeldet wird.

Dazu, und nur dazu, dient mir mein „Trainingsplan“. Und ich bin sehr gespannt, was ich im Laufe dieser Zeit über Duncan lernen werde, denn wir betreten neues Terrain: echtes Training mit dem Ziel der Leistungssteigerung. Wird es einen Punkt geben, an dem er sagt „es reicht“? Finlay hat sich seine Pausen ja immer selbst und vehement verschafft. Da kannte er keinen Spaß. Aber nach einer Pause war er auch bereit, weiter zu machen und er hat sich durchaus auch gut gesteigert im Training. Das Tempo hat er dabei selbst bestimmt. Wie wird Duncan damit umgehen? Wahrscheinlich ganz anders. Eins steht fest: im Herbst weiß ich mehr.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 356

Dienstaaaaaaag! Ich dachte schon, mein Mädchen hätte vergessen, wie so ein ordentlicher Dienstag abzulaufen hat! Das ist ja eeeeeeeeewig her! Seit Oktober waren wir nicht mehr zusammen los, mein Ausreitkumpel und ich. Aber jetzt geht es endlich wieder los – juhuuuuuu! Und mit dem Ausreitkumpel ist immer ganz viel traben angesagt, auch damit geht es jetzt wieder los! Zum Einstieg haben wir eine kleine Tour gemacht, 6,7km, aber davon immerhin stolze 4,1km im Trab (in zwei Etappen mit Graspause dazwischen versteht sich). Mein Mädchen hat nachher gerechnet: ich schaffe im Trab gute 10km/h also Tempo 6 (6min für einen Kilometer.). Das heißt wir sind bummelig 24 min getrabt, das ist schon echt ok oder? Mein Mädchen meint, mit etwas Übung kann ich später vielleicht 12 km/h im Trab schaffen, aber das ergibt sich von allein, ich bestimme mein Tempo selbst. Nur gleichmäßig soll es sein. Mit meinem neuen Sattel laufe ich wie ein schweizer Uhrwerk, ein Schritt genauso wie der andere. Was bedeutet, dass mein Mädchen schön ruhig sitzen kann, was bedeutet, dass ich sie leichter tragen kann, was bedeutet, dass ich schön lange und gleichmäßig wie ein Uhrwerk laufen kann – ihr versteht? Mein Mädchen war hoch erfreut über meine Fitness: obwohl es echt warm war, hab ich nicht übermäßig geschnauft und auch nicht doll geschwitzt. Sie macht sich ja gern mal Sorgen, dass es mir zu viel sein könnte, aber sie weiß inzwischen auch, dass ich ganz deutlich bescheid sage, wenn es mir anstrengend wird, dann nehme ich im Trab den Kopf immer so runter. Und das hab ich nicht gemacht, also alles gut. Der neue Sattel machts möglich! Und natürlich all das andere Training was wir machen, ist ja klar. Ich sag nur: Handarbeit, Doppellonge, Hügeltraining, Ausreiten, Wippen…… (und Gras essen, aber davon erzähle ich die Tage mal).

Weil wir so flott unterwegs waren und uns alle so gefreut haben, blieb keine Zeit für ein Foto, aber ihr könnt euch das ja sicher gut vorstellen. Hier eine Bildbeschreibung:

Sonnenschein, Vogelgezwitscher, mein Ausreitkumpel und ich schon wieder in Fliegendecke (ich als Zebra, dazu komme ich gleich noch!), unsere Mädchen grinsend von einem Ohr zum anderen, wir Ponys grinsend von einem Ohr zum anderen, Waldweg und dann das Geräusch von trabenden Ponys (trabtrabtrabtrabschnaubtrabtrabtrab). Mein Mädchen hat abends auf der App gesehen, dass ich angeblich 89bpm im Trab habe, das entspricht zum Beispiel dem Song „I´m still standing“ von Elton John. Da sie öfter mal Ohrwürmer hat findet sie es nützlich zu wissen, welchen Song sie auf ihrer inneren Schallplatte laufen lassen kann, damit der Rhythmus passt. Das wird nächstes Mal gleich ausprobiert!

Auf dem Rückweg sprach uns dann noch eine nette Dame an, ich wäre ja ein süßes Zebra! Ich wollte ihr gern hallo sagen und sie hat mir die Hand hin gehalten. Sie bekam einen zarten Handkuss von mir und hat mir dann leider mitgeteilt, dass sie keine Kekse für mich hat. Schade! Aber nett war sie trotzdem. Mein Ausreitkumpel wollte gern in ihrem schicken Cabrio mit fahren (manchmal ist er doch etwas lauffaul und ganz ehrlich: er hat sich im letzten halben Jahr eine ordentliche Wampe angefuttert, weil er so wenig Sport gemacht hat! Da bin ich doch schon wieder als personal trainer gefragt!)

Am Ende waren wir alle happy und mein Mädchen und ich sind wieder nach hause gefahren. Dort hat sie noch meinen Puls gemessen, der – traditionsgemäß – bei 44 lag. Das ist irgendwie mein Wert, den ich nach der Heimfahrt anscheinend immer hab. Vielleicht denkt sie ja mal dran das Stethoskop mitzunehmen und direkt nach dem Reiten meinen Puls zu messen.

Wir erklären jetzt die Saison offiziell für eröffnet und arbeiten auf unseren Gedenkritt im September hin!

Euer hoch zufriedener Sir Duncan dhu of Nakel