Rückblick

Diesen Donnerstag ist es leicht, das passende Thema zu finden. Zu dieser Jahreszeit kann es ja eigentlich nur um Weihnachten oder um den Jahresrückblick gehen.

Sicher wird Duncan noch aus seiner Sicht schreiben, wie das Jahr so war, aber heute bin ich dran. Und ich kann sagen: das war ein verdammt gutes Jahr. Für mich natürlich vor allem, weil Duncan mich jetzt trägt. Und das habe ich ganz besonders gemerkt als wir zu unserem Weihnachts-Wald-Ausflug unterwegs waren. Ich erinnere mich noch allzu gut, wie es war, mit Duncan spazieren zu gehen, wenn er Energieüberschuss hatte. Ich war ihm immer zu langsam, die Touren waren immer zu kurz. Er wollte nicht Schritt gehen, schon gar nicht in meinem Tempo. Ich musste mir immer etwas überlegen. Aber ich habe von Anfang an versucht, ihm zu zeigen, dass er eben doch MIT mir zusammen Energie los werden kann, wenn auch nicht auf einen Schlag durch wilden Galopp sondern durch konstantes Gehen. Und jetzt konnte ich die Früchte dieser Bemühungen ernten. Denn Duncans Energieüberschuss ist  beträchtlich, als wir im Wald ankommen. Er konnte schon beim Anziehen der Hufschuhe nicht gut still stehen, aber es zeigt sich jetzt, was er gelernt hat. Er reißt sich zusammen, damit ich aufsteigen kann, als ich sitze und er seinen üblichen Keks kassiert hat, ist es aber vorbei mit der Geduld: er will los. Und mein kleiner, vierjähriger Hengst bietet mir flotten Schritt an mit der deutlichen Anfrage, ob wir nicht traben können, aber es ist eben nur eine Anfrage. Und als ich den Trab erlaube, wird es auch kein wildes Gerenne, sondern ein schönes, gleichmäßiges Traben. Ganz taktmäßig geht es durch den Wald und ich kann einfach genießen. Ich habe keine Diskussion, ich muss nicht bremsen, ich muss eigentlich gar nichts tun außer sitzen und nicht stören. Als wir an der Kreuzung kurz aufs Handy schauen, welchen Weg wir nehmen wollten, geht auch das völlig problemlos – Schritt, anhalten, warten, wieder los gehen. Dann in Ruhe wieder antraben. Anstatt zu explodieren, hat Duncan ein Ventil gefunden, durch dass die überschüssige Energie nach und nach kontrolliert entweichen kann. Und wir sind beide glücklich. Ich weiß jetzt auch: ich kann ihm da entgegen kommen. Ich muss nicht auf Biegen und Brechen auf die letzte kleine Artigkeit bestehen und damit einen Streit vom Zaun brechen der uns nirgendwo hin führt. Er kennt den Rahmen und ich weiß: wenn er sich immer an den Grenzen dieses Rahmens bewegt ist das seine Botschaft an mich, wie schwer ihm das eigentlich fällt und dass das das Beste ist, was er mir geben kann. Und das Beste was er mir geben kann ist mir nicht nur „gut genug“ sondern immer noch fantastisch. Korinthenkackerei kann ich mir und ihm also durchaus ersparen.

Am Ende sind wir beide sehr, sehr zufrieden. Er mit dem Ausflug und ich zudem noch mit dem Ergebnis meiner Ausbildungsarbeit. Wir hatten so viel Spaß zusammen!

Wenn ich also zurück blicke auf dieses Jahr, sehe ich all die Dinge, die wir dieses Jahr erreicht haben, aber natürlich haben wir sie in den Jahren davor vorbereitet. Dass ich dieses Jahr angefangen habe, Duncan zu reiten und dass das so wunderbar funktioniert hat, hat damit zu tun, dass ich mich bereits im vorigen Jahr bei ihm abgestützt habe, das Einparken geübt habe, mit dem Bauch über ihm lag und meinen Fuß auf seinem Rücken hatte. Dass ich das machen konnte, liegt wiederum daran, dass ich im Jahr davor geübt habe, dass er Nähe nicht nur aushält, sondern als angenehm empfinden kann, dass ich aber auch geübt habe, zu sehen, was wann geht und wann es ihm zu viel wird. Viele Fehler habe ich da gemacht, weil ich nicht wusste, wie Duncan kommuniziert und weil mir nicht klar war, wie viel Individualdistanz er hat – ganz im Gegensatz zu Finlay.

Als ich neulich in einer Vollmondnacht noch spät bei den Ponys war und ihnen beim  Heu fressen zugesehen habe, hatte ich den Wunsch, auf Duncans Rücken zu hüpfen und einfach dort zu sitzen. Wäre es Finlay gewesen, hätte ich das tun können und er hätte es gut gefunden. Ob ich es bei Duncan hätte tun können, wage ich zu bezweifeln, gut gefunden hätte er es ganz sicher nicht. Und so ist es für mich auch ein Jahr gewesen in dem ich noch besser verstanden habe, was Duncan leicht fällt, was er eben so mitbringt und an welchen Stellen ich entweder akzeptiere dass er so ist oder viel, viel  Arbeit (in diesem Fall in Freedom Based Training) investiere um nach und nach sein Gefühl dafür zu verändern. Ich habe mich gewissermaßen für beides entschieden: ich werde weiterhin im Freedom Based Training schauen, ob ich ihm noch mehr Freude an Nähe vermitteln kann, aber ich mache uns beiden da keinen Druck. Wenn er niemals möchte, dass ich im Paddock einfach so nah bei ihm bin, werde ich das akzeptieren und nicht persönlich nehmen, denn jetzt nach über 3 gemeinsamen Jahren, weiß ich, wie viel er für mich tut, wie viel Einsatz er bringt und wie viele von den Dingen die ich mit ihm gemeinsam tun möchte, ihm sowieso leicht fallen – wenn nun also etwas, was ich gerne hätte, nie passieren wird, ist das gar nicht schlimm.

Natürlich habe ich viele Pläne und Wünsche fürs nächste Jahr. Aber es ist keine „Problemlösung“ darunter. Weil es keine Probleme gibt. Ganz ehrlich: selbst die Begegnung mit fremden Pferden ist – realistisch betrachtet – kein Problem. Wenn ich Duncans Verhalten objektiv beobachte, weiß ich, dass das für einen Hengst in seinem Alter ganz sicher unproblematisch ist. Dass ich so ein Angsthase bin, ist ja nicht seine Schuld.

Und so ziehe ich aus diesem Jahr vor allem diese eine Bilanz: mein Pony hat alles richtig gemacht. Er hat bewiesen, wie verlässlich er schon ist und sich viel, viel Vertrauen meinerseits erworben. Was für ein feiner Kerl! Danke, mein wunderbarer Duncan.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 319

Man, hatte ich einen Energieüberschuss! Nun war ja ein Ausflug in den Wald versprochen und das ging auch los! Als die Wackelkiste da stand und ich sollte die Hufschuhe ankriegen, hab ich es nicht geschafft, stehen zu bleiben. Mein Mädchen war genervt und hat mich dann einfach angebunden um die Diskussion zu beenden. Dann ging es auch.

Im Wald wollte ich gleich los legen. Endlich mal Strecke machen! Mein Mädchen hat dann gesagt, wir können ruhig traben. Ich hab zwar keinen Sattel mehr (auf den neuen zum probieren warten wir noch) aber ein gut gepolstertes Pad und einen sehr bequemen Schotten-Trab, da kann ich mit meinem Mädchen auch ohne Sattel schön traben. Diego ist hinten geblieben und immer mal Schritt gegangen, so dass wir weit vorne waren – hat sich manchmal angefühlt als wären wir ganz allein unterwegs! Ich bin wie ein Uhrwerk einfach weiter getrabt. Bis direkt neben mir plötzlich ein Vogel soooo laut geschrieen hat! Da bin ich vor Schreck kurz in den Wald gehüpft! Hab aber gleich angehalten. Dann sind wir weiter getrabt. Als wir 3km hinter uns hatten, ging es mir besser und ich konnte mich entspannen. Etwas Schritt, eine Graspause, dann noch mehr Trab. Nach einer Weile wurde mein Rücken müde und mein Mädchen ist ein Stück neben mir her gegangen. Weil ich bisschen gähnen musste, meinte sie, ich sei wohl schon schön müde. Von wegen! Habe mir nur ein kurzes Päuschen gegönnt. Alsbald war ich wieder wach und hab angefangen, mein Mädchen zu kneifen. Da fand sie, es sei Zeit, nochmal aufzusteigen und wir haben von oben etwas seitwärts gehen geübt. Kurz vor der Wackelkiste ist der Mann abgestiegen, mein Mädchen meinte aber, das wäre jetzt unsere Gelegenheit um nochmal allein traben zu üben und so sind wir bis fast zur Wackelkiste nochmal 400m getrabt.

Nur weil ich mal gähne, heißt das nicht, dass ich wirklich müde bin! Nur kurz verschnaufen

Ach, das war toll! Müde war ich nicht, aber schön entspannt. Und nass. Weil ich nicht nur geschwitzt hatte, sondern zwischendurch auch Wind und Regen von der Seite kamen. Mein Mädchen sagt, es war gut, dass sie ihre neue Mütze auf hatte, sonst wären ihr die Ohren abgefroren! Ich fand gut, dass sie die neue, große Kekstasche mit hatte. Aber am besten war doch, wie viel Spaß wir hatten!

Es ist jetzt übrigens genau ein Jahr her, dass mein Mädchen zum ersten Mal auf meinem Rücken gesessen hat! Und mein Mädchen sagt, ich hab immer alles richtig gemacht, wenn sie auf mir gesessen hat und darauf ist sie ganz stolz! Und deswegen vertraut sie mir jetzt schon ganz doll. Und darauf bin ich stolz!

Das war einer unserer schönsten Ausritte bisher, finden wir beide. Tolle Weihnachten waren das und ich hoffe, ihr hattet es genauso toll wie wir!

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 318

Immer noch fröhliche Weihnachten, liebe Menschen!

Unser geplanter Ausritt ist auf morgen verschoben. Aber deswegen habe ich trotzdem keine Langeweile! Jetzt mal von vorn:

Gestern Abend haben der Mann und mein Mädchen Bescherung gemacht. Gegenseitig schenken sie sich ja nix, aber von einigen von euch gab es Geschenke! Darunter – tadaaaa! – eine Kekstasche! Das ist das braune Dings was ihr auf dem Foto seht. Und eine Mütze für mein Mädchen (sie hat ja kein Fell an den Ohren, deswegen braucht sie immer eine Mütze!). Die ist natürlich orange, wie es sich für mein Mädchen gehört.

So tolle Geschenke! Danke, liebe Menschen!

Das mit der Kekstasche ist der Hammer, oder? Wo ich euch doch erst gestern berichtet hatte, wie viele Kekse ich von euch zu Weihnachten bekommen habe! Und diese Tasche ist schön groß, da passt richtig was rein. Hat mein Mädchen dann heute gleich getestet. Ich hatte nämlich dezent Energieüberschuss und wollte mit Diego spielen. Aber der wollte nicht. Dann hat Gatsby sich überreden lassen und wir haben getobt bis wir beide ordentlich geschwitzt hatten. Mein Mädchen meinte, wenn ich nicht noch etwas Beschäftigung von ihr bekomme, werden die anderen sich wohl bei ihr beschweren. Also hat sie sich die Kekstasche angeschnallt und wir haben Dopplellonge gemacht. Eigentlich wollte mein Mädchen eine ausgiebige Session mit mir machen, damit ich etwas Energie los werde. Aber das Ding ist halt: ich mache immer alles richtig! Und diesmal nicht nur den Rechtsgalopp sondern auch den Linksgalopp auf Anhieb! Und weil mein Mädchen findet, wenn ich mich so doll bemühe und so klasse mitmache, werden Übungen nicht wiederholt, waren wir nach 13 min schon wieder fertig. Die Kekstasche war um einiges leichter und ich um das selbe Gewicht schwerer und wir waren alle sehr zufrieden. Wir haben dann noch meine osteopathischen Dehnübungen gemacht und dann gab es Heu.

Und zum Heu dazu gab es nochmal Geschenke! Mein Mädchen hatte ein paar Apfelschnitze in Heu in Kartons versteckt und wir Ponys durften die da raus suchen. Das war lustig!

Da sind doch irgendwo Apfelschnitze, ich riech sie doch!

Nachher kamen mein Mädchen und der Mann nochmal. Sie wollten mit Merlin und Diego auf den Reitplatz. Und da dachte ich: warte mal, die 13 min vorhin, die waren eigentlich echt zu kurz! Hab gefragt ob ich auch nochmal darf. Und ich durfte! Mein Mädchen hat mich und Merlin einfach zusammen mit auf den Reitplatz genommen. Ohne Halfter und alles! Und da haben wir das geübt was wir vor einer halben Ewigkeit mal im Roundpen geübt haben: einer von uns wartet, der andere macht was, dann wird gewechselt. Nebenbei ist da noch Diego mit dem Mann gewesen, die haben für sich geübt – das hat mich aber auch manchmal ganz schön irritiert! Ich musste echt aufpassen, wann ich denn nun gemeint bin mit bewegen und wann ich warten soll. Wenn der Mann Diego über den ganzen Reitplatz ruft, kann man sich nämlich auch mal angesprochen fühlen! Aber ich hatte das schnell raus, bin ja nicht blöd.

Gut, dass mein Mädchen jetzt die grooooße Kekstasche hat! Bei zwei Ponys gehen nämlich doppelt so viele Kekse weg wie bei einem! Und so war das Vergnügen auch viel zu schnell wieder vorbei. Mein Mädchen war wieder mal wahnsinnig stolz auf uns. Also das war mal ein toller Festtag! Und jetzt freue mich darauf, dass wir morgen schön in den Wald fahren.

Euer beschenkter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 317

Liebe Menschen,

ich wünsche euch großartige Weihnachten! Mein Mädchen hat wieder allerhand Naschereien geschenkt bekommen. Aber mir scheint, dass ihr auch an mich gedacht habt, denn sie hat nicht so viel Kekse, dafür mehr gesunde Sachen bekommen! Wahrscheinlich weil ihr gelesen habt, dass ihr Hintern nicht größer werden darf als er ist. Wie umsichtig von euch, liebe Menschen! Danke! Und auch an mich habt ihr gedacht. Ich habe Kekse und Hagebutten bekommen, da kann ich jetzt ordentlich schlemmen. Und irgendwie macht es doch auch viel mehr Sinn, MIR jetzt die Kekse zu geben, wo ich doch mein Mädchen jetzt so viel trage. Sie läuft sich ja gar nix mehr runter und ich soll schön Muskulatur aufbauen.

Wir machen uns das jetzt hier alle ganz gemütlich. Die Menschen machen heute Abend Bescherung, dann packen sie all die kleinen Pakete aus, die ihr für sie gepackt habt, und freuen sich. Danach kommen sie noch bei uns in den Stall und es gibt einen Weihnachtsapfel, eine Keksverkostung und die Versicherung, dass sie uns furchtbar lieb haben und dass wir die tollsten Ponys der Welt sind.

Kekse! Ich werde natürlich mit meinen Kumpels teilen. Danke, liebe Menschen!

Morgen machen wir dann einen schönen Weihnachtsausflug, hat mein Mädchen versprochen. Ab in den Wald! Wird mal wieder Zeit! Wo ich doch so viel Energie übrig hab.

Liebe Menschen, macht es euch gemütlich, esst Kekse und seid nett zu einander!

Euer weihnachtlicher Sir Duncan dhu of Nakel

Alle Jahre wieder

Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder sehr überraschend. Eben war noch November, bunte Blätter an den Bäumen und der Sommer schien gar nicht lange her – bzw er kam nochmal vorbei und bescherte uns viel zu warme Tage im Herbst – jetzt gab es plötzlich Schnee und Frost und – zack! – ist Weihnachten.

Und dann bricht auch gleich wieder die vorweihnachtliche Hektik aus. Alles gerät durcheinander, ich muss Hufpflegetermine jonglieren, den Urlaub vorbereiten, Heu organisieren, möchte Plätzchen backen und ganz nebenbei friert die Tränke zu. Dann stelle ich plötzlich fest, dass Donnerstag ist. Ich wusste das Datum aber nicht den Wochentag. Und Donnerstag ist Blog-Artikel-Tag! Und während es mir sonst fast immer leicht fällt, etwas zu schreiben, ist es diesmal schwer. Mein Gehirn ist überfüllt, ich bin seit Tagen reizüberflutet und ich beobachte an mir selbst, wovon Elsa Sinclair gesprochen hat: dass viele Menschen und Pferde nicht wirklich gut ausruhen können. Oft fallen wir stattdessen nur für eine Weile in Erstarrung, das ist die beste Pause die uns gelingt. Und ich beobachte mich selbst dabei, wie ich am Computerspiel hängen bleibe und nicht mehr weg komme, wie ich trotz Müdigkeit nicht ausschlafen kann und wie mein Gehirn immer wieder erstarrt, Sätze nicht formuliert werden können, Informationen nur im Schneckentempo verarbeitet werden.

Reizüberflutung kennt vielleicht jeder von uns. Jeder hat seine eigenen Grenzen, aber für jeden ist es irgendwann zu viel. Meine persönliche Grenze liegt ziemlich niedrig, schon immer, seid Finlays Tod noch etwas niedriger. Allerdings steigt sie langsam wieder, Duncan sei Dank. Zum Glück habe ich einen Mann und eine Freundin, die mich nicht drängen, die nicht sagen „stell dich nicht so an“, die die Musik leiser drehen wenn ich darum bitte und Aufgaben für mich übernehmen, wenn ich überfordert bin. Viel zu oft in meinem Leben habe ich geglaubt, Dinge aushalten zu müssen, weil andere das ja auch können. Wenn ich heute überflutet bin, denke ich an die Pferde. Oft wird von erlernter Hilflosigkeit gesprochen, aber ich bin nicht immer sicher, ob es das ist. Manchmal ja, aber bei vielen Pferden beobachte ich auch Strategien, mit Reizüberflutung umzugehen, die ähnlich aussehen. Abschalten. Aushalten, erstarren. Manche flippen auch aus. Dieser eine, letzte kleine Reiz, der das Fass buchstäblich zum Überlaufen bringt, kann dann so banal sein. Und vielleicht geht es den Pferden auch so wie mir, wenn ich plötzlich den Wochentag nicht mehr auf dem Schirm habe. Manchmal vergessen sie vielleicht einfach, was sie tun sollen, weil schon so viel anderes auf sie einprasselt.

In diesen vorweihnachtlichen Tagen kann ich sie gut verstehen. Und ich lerne von mir selbst: wenn ich mir etwas Zeit in Erstarrung gönne, bevor ich von mir selbst erwarte, wirklich zur Ruhe zu kommen, ist es einfacher. Denn von der Reizüberflutung in die Entspannung kann ein langer Weg sein und Erstarrung ein guter Zwischenschritt. Und den wähle ich jetzt, bevor ich dann durchatmen kann.

Ich wünsche Euch allen schöne Weihnachtstage, und dass Ihr sie so verbringen könnt, wie es Euch gefällt: mit vielen Reizen und Ablenkungen oder zurückgezogen mit viel Ruhe.

Den Pferden wünsche ich, dass wir lernen, sie noch besser zu lesen. Man sagt, in der Weihnachtsnacht könnten die Tiere sprechen. Eigentlich sprechen sie aber immer, es liegt an uns, zu lernen, sie zu verstehen. Damit wir ihr Leben angenehmer machen können und damit letztlich auch unser Leben angenehmer wird.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 316

Hugo, unser schweigsamer Reitmeister, hat uns gestern nochmal Unterricht gegeben.

Er lächelt immer so freundlich
Hugo beobachtet unsere Reitübungen

Erst lief alles ganz fein. Dann haben mein Mädchen und der Mann sich beraten, während ich so herum stand. Mein Mädchen auf meinem Rücken. Und da war plötzlich ein Ungeheuer im Schnee! Der Mann hat es auch gesehen, aber er meint, es war nur eine Ratte oder ein Vogel, jedenfalls kein Ungeheuer. Naja, wenn wir Ponys eins wissen, dann dass ihr Menschen von Ungeheuern keine Ahnung habt. Ich bin lieber auf Nummer sicher gegangen, habe auf dem Absatz kehrt gemacht und bin los. In der Drehung hat mein Mädchen kurz das Gleichgewicht verloren, aber sich noch schnell mit einem Oberschenkel gerettet und da war ich dann auch schon wieder stehen geblieben, weil mir auffiel, dass es vielleicht doch kein Ungeheuer war. Mein Mädchen war ganz fröhlich, weil sie immer etwas Angst hatte vor so einer fiesen Drehung. Ich bin ja nunmal klein und wendig (quadratisch halt!) und sie hatte Angst, dass sie einfach nicht mitkommt, wenn ich mal fix die andere Richtung einschlage. Jetzt hat sie diese Angst nicht mehr, weil sie ja gemerkt hat, dass sie doch ganz gut oben bleibt und ich sie nicht verliere.

Danach haben wir noch seitwärts geübt. Mein Mädchen hatte die fixe Idee, wir könnten mal ein Kruppeherein reiten, das haben wir bisher nur an der Hand geübt. Linksrum ging das ganz ok, rechtsrum nicht. Da war bisschen Chaos und dann hatte ich keine Lust mehr. In der Ecke wo ich das Ungeheuer gesehen hatte, hat es mich noch gegruselt (wo ein Ungeheuer ist, ist das zweite ja oft nicht weit!) und ich wollte zum Ausgang. Da hatten wir dann noch eine kleine Diskussion ob ich da echt nochmal abbiegen sollte. Nach ein paar Versuchen hab ich das nochmal gut gemacht und mein Mädchen ist abgestiegen. Dann ist sie los gelaufen Richtung Gruselecke und hat mich gerufen (allerdings war ich ihr schon nachgetrabt bevor sie gerufen hatte). Sie meinte, ich könnte in der gruseligen Ecke noch ein paar Kekse bekommen. Weil Kekse Monster besiegen – isso. Also haben wir „frei“ (ich hatte mein Zeug noch an aber sie hat es nicht angefasst) losgehen und anhalten geübt. Dann hatte sie die Idee ich könnte doch mal frei um sie herum traben. Hab ich gemacht, ist doch einfach. Dann meinte der Mann, ich soll es nochmal machen, für die Kamera. Naaaaaaa gut. Dann war Schluss und mein Mädchen war glücklich. Ich auch, wegen der Kekse.

Kekse essen in der Ungeheuer-Ecke
Ob ich mal um sie herum traben könnte hat sie gefragt. Klar kann ich.

Mein Mädchen sagt, sie hat wieder viel über mich gelernt. Vor allem dass ich ein echter Schotte bin, nämlich „opinionated“. Manche würden das mit „eigensinnig“ übersetzen, mein Mädchen nennt es „meinungsstark“ und sie liebt diese Eigenschaft an Ponys wie mir!

Mal sehen, was wir morgen noch von Hugo lernen, bevor er wieder abreist. Ich werde berichten!

Euer ungeheuerlicher Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 315

Dieses Wochenende haben wir einen echten Reitmeister hier! Mein Mädchen sagt, er heißt Hugo. Er steht an der Ecke unseres Reitplatzes und schaut uns zu, wie wir Dinge üben. Er hat eine Peitsche dabei, die er aber nie benutzt, und Leckerlies in der Hand. Ein sehr schweigsamer Geselle ist das! Aber er gibt sehr guten Unterricht. Weil er seine Schüler selbst die Lösung erarbeiten lässt, ist das besonders nachhaltig. Viel besser als wenn einem alles vorgesagt wird. Wenn wir ihn was fragen, dann schweigt er, aber er lächelt dabei so nett, dass uns die Antwort selbst einfällt. Mein Mädchen sagt, wir müssen es ausnutzen, dass er hier ist, denn er hat nur dieses eine Wochenende Zeit für uns. Also üben wir fleißig auf dem verschneiten Reitplatz das reiten – weil mein Mädchen nicht zu Fuß durch den Schnee neben mir her stapfen möchte! Ob ich durch den Schnee stapfen möchte, werde ich nicht gefragt, oder? Aber eigentlich mache ich das ja gern. So lange es nicht zu rutschig wird. Und – ihr ahnt es bereits – so lange die Keksrate stimmt. Da mein Mädchen ja findet, dass ich das alles spektakulär gut mache, stimmt sie übrigens immer.

Hallo, Herr Hugo, Sie sind sehr nett!
Hugo unterrichtet auch Diego und den Mann
Er lächelt immer so nett, aber etwas geheimnisvoll

Nächste Woche soll es ganz viel regnen, dann reist der Reitmeister wieder ab und mein Mädchen sagt, wir gehen mal wieder wippen, das ist ja unsere Lieblings-Regen-Beschäftigung.

So jetzt müssen wir los und uns für unsere Unterrichtseinheit bei Hugo vorbereiten!

Euer unterrichteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 314

Wie ihr ja schon von meinem Mädchen erfahren habt, war der Sattler da. Was zur Folge hat, dass ich jetzt gar keinen Sattel mehr habe. Voll unlogisch, oder? Wir sind jetzt auf der Suche, mein Mädchen und ich. Sie hat mich schon vorgewarnt, dass das noch einiges an Geduld von mir fordern wird, aber dass ich bitte auch immer klar meine Meinung sagen soll zu dem was wir da ausprobieren. Vorerst ist aber mal Weihnachtszeit da passiert jetzt gar nix.

Aber eigentlich wollte ich ja was anderes erzählen, was nur bedingt mit dem Sattel zu tun hat. Es gab nämlich mal wieder Ekelpaste. Dafür muss mein Mädchen immer wissen, was ich wiege, damit sie es richtig dosieren kann. Nun war ich ja im Frühling zuletzt auf der Waage und bin seitdem natürlich tüchtig gewachsen. Also war die Frage, wie viel schwerer ich wohl geworden bin und weil wir keine Zeit hatten, zur Waage zu fahren, hat sie mich vermessen. Dann kann man nämlich angeblich mein Gewicht ausrechnen. In der Praxis kam da aber viel zu wenig raus, naja. Jedenfalls muss man zur Berechnung des Gewichts auch meine Länge messen (ohne Hals). Und was kam dabei heraus? 140cm! Das ist genau das gleiche Maß was ich auch in der Höhe habe! Ich bin also quadratisch, praktisch, gut und mein Mädchen nennt mich jetzt immer ihren Sport-Ritter. Gaaaaaaaanz flaches Wortspiel, mein Mädchen! Aber süß bin ich ja schon (findet sie).

Kurz und gut!

Seitdem schaut sie mich immer an und sagt „man, bist du kurz!“. Ihr fiel dann nämlich auf, dass sie was vergessen hatte. Sie meinte ja immer, ich wachse noch. Ja schon, ein bisschen in die Höhe und ganz viel in die Breite aber wohl nicht mehr in die Länge! (Zumindest nicht viel). Also hat sie jetzt eine klare Ansage, was die Weihnachtsplätzchen angeht, ihr Hintern darf nämlich keinesfalls größer werden als er ist, sonst passt sie nicht mehr auf meinen handlichen Sitzplatz! Das hat sie jetzt davon, wir müssen ja auch immer Diät halten um bei Figur zu bleiben. Pech, mein Mädchen, Pech!

Für die Sattelbestellung hat sie ein paar Fotos von mir gemacht. Dann schaut sie darauf herum und meint, es wäre doch noch eine Menge zu tun, für mich an Wachstum und für uns beide an Training, damit ich ihm wahrsten Sinne des Wortes in Form komme. Na, so lange die Keksrate stimmt, bin ich bekanntlich dabei. Und die Ausflugsrate, versteht sich. Mein Mädchen sagt, mit 4 Jahren darf ich so aussehen, ich soll nur bitte jetzt mal wieder vorne wachsen, das würde sie toll finden. Na gut! Wenn sie mich so lieb fragt…..

Euer quadratischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Online-Konferenz

Heute mit Werbung vorab: Ihr habt mein Inteview noch nicht gehört? Macht nix. Ihr könnt Euch immer noch kostenlos anmelden bei der Weihnachtskonferenz von Herzenssache Pferd und von morgen (Freitag) bis Sonntag sind alle Interviews nochmal frei geschaltet. Dann könnt Ihr alle Trainer noch einmal hören. Meine besonderen Empfehlungen sind die Beiträge von Jule Liebelt, Denra Dürr, Ursula Wimmer, Andrea Bethge, Dzéni Bakac und Osteodressage.

Ich selbst habe nicht alle Interviews gehört, aber in fast alle mal reingelauscht. Was mir extrem auffällt, ist die unterschiedliche Herangehensweise der Ausbilder. Viele haben richtige Präsentationen erstellt, Bilder und Videos beschriftet und erklärt und offensichtlich viel Arbeit in ihr Interview gesteckt. Das ist alles sehr interessant und hochprofessionell. Andere – wie ich – sprechen einfach in die Kamera und gestikulieren dabei höchstens mal ein bisschen.

Viele sind sich ihrer Sache sicher. Dann fällt häufig der Satz „Biomechanisch ist es so, dass….“ Interessant ist, dass danach unterschiedliche Erklärungen folgen. Man scheint sich da eben doch nicht ganz einig zu sein, wie so ein Pferd nun genau funktioniert. Ich kenne das aus der Hufpflege schon seit Jahren: jeder erklärt seine Methode mit der angeblich natürlichen Funktion des Hufes, trotzdem kommen ganz unterschiedliche Bearbeitungen dabei heraus und das witzige ist, dass jede dieser Methode spektakuläre Behandlungserfolge vorzuweisen hat. Für mich ist daher schon lange nicht die Frage, welche Methode die richtigie ist, sondern nur noch, welche die richtige für welches Pferd ist. Ich bin Praktiker, ich muss nicht unbedingt wissen, warum etwas funktioniert, obwohl ich da natürlich schon auch neugierig bin. „Biomechanik“ als Totschlagargument lasse ich nicht mehr gelten. Ganz besonders interessant fand ich einen Moment im Interview mit Ursula Wimmer, die erklärte, warum sie genau das, was alle anderen WOLLEN (nämlich das Auffächern des Widerrists) beim reiten NICHT will. Da haben also zwei Seiten die selbe Auffassung der Biomechanik, interpretieren sie allerdings genau anders herum.

Während alle Ausbilder, deren Interviews ich gehört habe, brav ihre Fragen beantwortet und Dinge erklärt haben, habe ich Geschichten erzählt. Ich habe mich öfter mal geweigert, Fragen direkt zu beantworten und musste im Nachhinein lachen, als ich mein Interview gehört habe. Das ist so typisch für mich, meine Schülerinnen kennen das auch von mir nicht anders. Ich pflege zu sagen „es gibt zwei Sorten von Schülern: die einen halten mich aus, die anderen hab ich nicht lang“. Weil ich mir denke, dass es kompliziert sein kann mit mir. Aber viele finden meine Art unterhaltsam und ich selbst habe in meinem Leben am meisten von den Geschichten gelernt, die mir erzählt wurden. Ich glaube, dass Geschichten eine der natürlichsten menschlichen Arten des Lernens sind – und ich bin in guter Gesellschaft (wenn wir nur mal an die Gebrüder Grimm denken zum Beispiel). Wenn ich es schaffe, eine Geschichte so zu erzählen, dass sie zum Nachdenken anregt, zum Fragen stellen ermuntert und Raum zum Ausprobieren öffnet, dann bin ich zufrieden. Denn da nun wieder im Laufe der Konferenz klar wurde, dass jeder dieser Top-Ausbilder die da ausgefragt wurden, andere Antworten hat (mit Schnittmengen versteht sich) und dass Biomechanik kein vollständig erforschtes, feststehendes Handbuch zur korrekten Pferdebedienung ist, müssen wir alle unsere eigenen Wege beschreiten. Jede wie sie kann und will, jede wie es zu ihrem Pferd und den eigenen Ansprüchen passt.

Einen wichtigen Satz, den Ursula Wimmer zitiert hat, möchte ich allerdings aufnehmen: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Albert Einstein) Wenn also nichts geht, ein Problem sich einfach nicht lösen lassen will mit unseren bisherigen Mitteln, dann dürfen wir mal „out of the box“ denken. Mal jemanden fragen, der eine komplett andere Sichtweise auf die Dinge hat und aushalten, dass uns das merkwürdig vorkommt.

In einem Punkt schienen sich die meisten Interviewten einig zu sein: häufig geht es darum, ob ein Pferd grundsätzlich gesund ist. Dann braucht es nämlich in der Regel gar keine so komplizierte Ausbildung und Spezialtraining. Dann kann man „einfach reiten“ (was kein Freibrief ist für schlechtes reiten!) Dieser Punkt gibt mir vielleicht mehr zu denken als alle anderen, denn ich maule schon seit Jahren, dass wir zu viele kranke Pferde haben. Pferde, die krank gezüchtet werden oder die nicht so aufwachsen, dass sie sich gesund entwickeln können. Pferde, die sich die Beine in den Bauch stehen (selbst in Offenstallhaltung), Pferde die chronisch überfettet und überfüttert sind und dadurch krank werden. Viele Ausbilder haben sich spezialisiert – manche aus eigener Not heraus – auf Pferde mit chronischer Lahmheit. Und ich frage mich, wie viele dieser chronischen Lahmheiten gar nicht erst entstanden wären, wenn wir ein besseres Verständnis von Zucht, Aufzucht, Haltung und Fütterung hätten. Wie viele grundgesunde Pferde wir hätten, wenn schon am Anfang, bei der Auswahl von Stute und Hengst, mehr auf Gesundheit und weniger auf anderes geachtet würde. Wenn mehr Ankaufsuntersuchungen stattfinden würden und das, was dabei heraus kommt, den Kauf auch unter Umständen verhindern würde (wie oft habe ich erlebt, dass Menschen ein Pferd trotzdem kaufen, aus Mitleid oder warum auch immer). Wenn Menschen aufhören würden, die wegen Lahmheit nicht mehr reitbare Stute zur Zucht einzusetzen, wenn Richter aufhören würden, die Pferde mit den spektakulärsten Bewegungen am höchsten zu bewerten, obwohl man ihnen ansieht, dass sie ihm wahrsten Wortsinn nicht gut dastehen – wie viel einfacher könnte unser ALLER Leben sein, vor allem das der Pferde.

Es ist Dzéni Bakac, die in ihrem Beitrag explizit darauf eingeht: Wer es leicht haben will, kauft sich ein gesundes Pferd mit perfektem Gebäude. Ich spoilere nicht den wunderbaren (etwas gemeinen, aber sehr lustigen) Spruch, den sie an der Stelle bringt, er wird für immer in meinem Kopf bleiben.

Wenn wir nun aber ein Pferd mit dem einen oder anderen Problemchen im Stall stehen haben und unseren Zausel natürlich abgöttisch lieben (was denn sonst!), dann bleibt uns nur eins: lernen, lernen, lernen. Damit wir das Beste draus machen können. Und die wunderbare Weihnachtskonferenz von Herzenssache Pferd kann da ein Startpunkt sein, Meinungen hören, Fragen stellen und neue Ausbilder kennen lernen, von denen man sonst vielleicht nie erfahren hätte.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 313

Ganz schön winterlich ist das hier! Mein Mädchen ist happy und wir auch: Bisschen glitzernder Schnee, viel Sonne, schon sieht alles schön aus. Aber der Winter hat auch andere Vorteile: wenn es so kalt ist, dürfen wir Ponys viel mehr Heu schlemmen als sonst. Mein Mädchen sagt, weil wir das zum heizen brauchen, ist dieser Tage mal keine Diät angesagt. Und dann lacht sie, weil wir sofort mäkelig werden: wenn es mehr Heu gibt, wollen wir bitte nicht dieses kalorienarme Ökozeug, sondern von dem anderen, das ist leckerer. Aber sie wechselt die Sorten trotzdem ab – schade. In die Heunetze tut sie das Ökozeug und sagt, wer wirklich Hunger hat, wird sich das da schon raus fummeln. Tun wir dann auch. Wenn es nix besseres gibt…… Zum Glück gibt es ja einmal am Tag Schüsseln! Das ist immer das Highlight. Diego bekommt neuerdings lecker Hafer in die Schüssel, während ich nur so getreidefreies Zeug zum Knuspern bekomme mit meinem Mineralfutter. Menno. Mein Mädchen sagt, ich bräuchte echt nicht mehr Energie als ich hab – was denn? Energie kann man nie genug haben, oder? Aber sie ist mal wieder unerbittlich. Ich sauge dann die Haferkörner auf, die neben Diegos Schüssel gefallen sind.

Ich gehe jeden Tag an den Zaun und mit den Nachbarn zu schnacken.
Schnee und Eis hin oder her, ein kleines Spiel zwischendurch muss schon sein! Die anderen nehmen derweil ein Sonnenbad.

Unsere Pfütze, aus der wir so gern trinken, ist komplett gefroren. Neulich ist meinem Mädchen fast das Herz stehen geblieben, weil Merlin auf die Pfütze gegangen ist und zu spät gemerkt hat, dass es ganz schön glatt ist auf dem Eis! Aber der alte Knabe ist besonnen geblieben und gaaaaaanz vorsichtig zum Rand der Pfütze getippelt, bis er wieder griffigen Boden unter den Hufen hatte.

Diego hat ein Schläfchen mit den Hufen auf der Pfütze gemacht und dabei mit seinen warmen Füßen das Eis angetaut so dass schöne Hufabdrücke entstanden sind. Das fand mein Mädchen toll!

Hufabdrücke im Eis

Was mein Mädchen weniger schön findet, ist, dass unsere Äppel teilweise am Boden fest frieren. Dann rennt sie mit der Tomatenhacke über den Paddock und hackt alles lose, dabei spritzen die Äppel überall hin. Was wir nicht so toll finden ist dass wir wieder aus der Balltränke trinken müssen, weil alles andere so schnell zufriert. Dazu müssen wir den Ball runter drücken und zur Seite schieben um ans Wasser zu kommen – die sonst übliche Mundspülung fällt flach. Blöd, aber so haben wir wenigstens immer frisches Wasser.

Außerdem ist der Reitplatz gefroren. Im Schritt kann ich da aber noch ganz gut laufen, also machen wir Handarbeit und mein Mädchen ist total entzückt, weil ich so tolle Fortschritte gemacht habe. Ich bin viel stärker geworden und kann mich aufrechter halten – früher war ich immer so schnell müde und mein Kopf wollte immer runter, jetzt nicht mehr. Und ich bin auch total koordiniert und super aufmerksam und feinfühlig und all die guten Dinge sagt sie. Ich sage dazu: ich kanns. Damit ist doch alles klar.

Nächste Woche soll es wieder tauen, dann können wir auch wieder auf dem Reitplatz reiten. Ob wir zwischendurch ausreiten gehen können, hängt davon ab, ob alles vereist, drückt mir die Daumen! Nicht dass ich wieder Burgkoller kriege!

Euer winterfester Sir Duncan Dhu of Nakel