Ausnahmesituation

Heute war der Sattler bei uns. Deswegen bin ich auch so spät mit schreiben, denn alles fing damit an dass der Termin plötzlich 3 Stunden früher stattfand als geplant. War mir sehr recht, so war es noch ein bisschen hell. Unser klettbarer Hidalgo mit Lederbaum – den ich schon für Finlay sehr günstig gebraucht erstanden hatte – ist ja nicht für die Ewigkeit geplant. Und mir war schon klar, dass er suboptimal sitzt. Nun denn, ich hatte die Hoffnung, dass man ihn für kleines Geld nochmal so hinbekommt, dass es geht. Hinbekommen, dass es noch ein Weilchen geht ja, aber das Geld war dann doch weniger klein als gedacht und so werde ich mich von dem Sattel verabschieden… aber das soll ja jetzt nicht Eure Sorge sein.

Der Termin war das, was ich als „Ausnahmesituation“ für mein Pony sehe. Und ich habe wieder mal gemerkt: auch das will geübt werden. Da kommt ein fremder Mann, dann sind noch Arnulf und ich da und eine Freundin zum gucken. Dann wird gesattelt – nicht einfach so, sondern drauf gelegt, geschoben, wieder runter genommen, verändert, wieder drauf gelegt, Hände hier und da und dort unter den Sattel geschoben. Dann wird gegurtet und es geht auf den Reitplatz. Duncan ist hibbelig, ich bin hibbelig. An der Aufsteigehilfe klappt gar nichts. Wenn Duncan hibbelig ist, will er essen. Wenn ich hibbelig bin, will ich dass Dinge JETZT klappen. Oje. Schließlich bin ich oben und schon geht es weiter mit den Ausnahmen, denn nach 2 Runden Schritt soll ich antraben. Duncan macht mit. Dann anhalten, runter, wieder nach vorn in die Scheune, das Sattelspiel wiederholt sich. Wieder auf den Reitplatz, wieder reiten. Wieder in die Scheune. Das ganze vier Mal. Duncan zwischendurch sichtlich verärgert und verwirrt. Aber er macht ganz gut mit. Und er zeigt, wie ihm der Sattel besser gefällt, wird dann ruhiger. Ich bin froh, dass er diese Erfahrung macht: trotz all dem Chaos wird es für ihn besser. Er macht seinen Job. Und ich bin zufrieden mit ihm. Ich weiß aber auch: er kann das (noch?) nicht so gut. Vielleicht wird er so etwas nie gut können, weil er so sehr auf Menschen reagiert, weil er so ungern so viel angefasst wird und weil ihm all das Gefummel schnell zu viel wird. Aber ein bisschen geübt haben wir es heute und ich hoffe, er hat gelernt, dass es solche Situationen zwar gibt, aber man sie gut überleben kann.

Morgen geht es weiter, dann probieren wir den nächsten Sattel. Und ich hoffe, er hat noch einmal den Nerv, das auszuhalten. Diesmal nur Arnulf und ich, immerhin. Vielleicht kann er verstehen, dass wir das tun, damit er es bequem hat. Ich sage es ihm jedenfalls und hoffe, dass die Botschaft ankommt. Gleichzeitig weiß ich jetzt wieder, was Pferde aushalten müssen in unserer Welt. Ganz ohne dass jemand etwas blödes macht, kann es einfach sehr stressig sein mit uns Menschen. Und ich werde meinem Pony das nicht immer ersparen können. So lange er nur weiß, dass das die Ausnahme ist und dass wir dann wieder zu unserem ruhigen, berechenbaren Alltag zurück kehren.

Für ein vierjähriges Pony hat er alles toll gemacht: er hat niemanden gekniffen oder geschubst, er ist Schritt und Trab gegangen, wenn ich ihn darum gebeten habe, hat sich dabei notdürftig um all die Zuschauer herum lenken lassen und er hat seine Meinung zu den verschiedenen Polsterungen deutlich, aber freundlich geäußert. Er hat dafür Kekse kassiert ohne Ende aber heute konnte ich deutlich wahrnehmen, dass die Kekse es nicht wett machen konnten, dass so viel an ihm herum gefummelt wurde und ich so unentspannt war. Immerhin, etwas versüßen konnte ich ihm das alles vielleicht.

Und jetzt drückt uns die Daumen dass wir einen Sattel finden, der uns beiden gefällt ….

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1 Kommentar

  1. Hallo liebe Lioba, welchen Sattel hast du dir denn ausgesucht? Amadeus hat einen La Selle Dressage mit einem „Flexibaum“ und einfach anpassbaren Kopfeisen. Der Rest ist auch klettbar 🤗. Viel Schulterfreiheit und man sitzt sehr bequem 🙈😅. Liebe Grüße

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