Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 187

Also, Klamotten shoppen. Und was steht da an? Ausmessen, na klar. Das ist vielleicht immer ein Gefummel! Diesmal hat der Mann sich das ganz extra schlau überlegt. Kam mit Kreide an und hat an meinem Kopf rum gemalt! Hey! Kannst Du das lassen? Das sieht doch blöde aus! Was sollen denn die Leute denken! Aber ihr wisst ja wie es ist: mein Mädchen sagt „waaaaaaarte“ und dann weiß ich: gleich kommt der Keks! Und dem Versprechen kann ich halt einfach nicht widerstehen! Also wurde ich angemalt. Gegen meinen Willen, wie ich betonen möchte! Dann wurde mit dem Maßband gefummelt. So herum. Anders herum. Dann nochmal. Das kann doch nicht stimmen was da raus kommt? Doch es stimmt aber. Eieieiei, gut, dass wir das nicht so oft machen müssen, nervt wie Sau!

Da sind Kreidestriche an meinem Kopf! Menno!

Als sie dann endlich fertig waren, hat mein Mädchen tief geseufzt und gesagt, der schlimmste Part kommt erst noch! Was?? War das nicht schlimm genug? Aber diesmal hatte ich Glück: mit dem schlimmsten Part meinte sie, dass sie sich für Farben entscheiden muss. Aber ich hab einfach leise gesummt „grün grün grün sind alle meine Kleider….“. Soll sie mal diese Entscheidung treffen, ich weiß ja dass sie mich mit pink, türkis und glitzer verschont (uff, Glück gehabt! Augen auf bei der Menschenwahl, liebe Ponys!)

Männergespräch. Der Mann macht immer so komisches Zeug. Mein Mädchen sagt ich soll mich einfach dran gewöhnen. Hmpf.

Zum Glück hat sie dann noch ein bisschen was mit mir auf dem Reitplatz gemacht, weil sie weiß, dass ich es hasse, wenn man an mir rum tüddelt und mich dann einfach so wieder weg stellt. (Ihr erinnert Euch?)

Jetzt heißt es warten bis das gute Stück geliefert wird. Ich beschäftige mich derweil mit meiner Lieblingsübung: ich versuche, mein Mädchen zu überreden, endlich aufzusteigen! Klappt bald, wir machen gute Fortschritte. Ich kriege sie schon noch rum!

Euer bald neu eingekleideter Sir Duncan Dhu of Nakel

Klamotten

Wisst Ihr, was für mich die absolute Höchststrafe ist? Klamotten kaufen. Schrecklich! Erst mal gefällt mir das meiste farblich nicht. Wenn ich dann was sehe was mir gefällt, ist es oft sehr unpraktisch und ich weiß: das werde ich eh nie anziehen. Und wenn ich was sehe, was mir gefällt und was tatsächlich „tragbar“ ist, dann passt es mir nicht. Weil die Ärmel zu kurz sind oder der Hosenbund zu eng, die Schultern zu schmal oder das ganze sitzt einfach insgesamt nicht. Wenn ich mir Klamotten bestelle (meistens ja im Arbeitskleidungs-shop) und Arnulf bestellt sich was mit, dann nimmt das immer das gleiche Ende: Arnulf packt aus, zieht an und sagt „ja, das gefällt mir! Das passt, das behalte ich“. Ich packe aus, ziehe an, packe wieder ein und schicke zurück. Klamottenladen betreten vermeide ich tunlichst, denn mich dann x-mal in der Kabine umziehen nur um alles wieder zurück zu hängen finde ich noch viel schrecklicher, zumal das Licht in diesen Kabinen einen ja immer gruselig aussehen lässt.

Eine meiner schönsten, am besten passendsten Blusen hat mir übrigens Arnulf mal geschenkt. Er war in der Stadt unterwegs, hat die Bluse gesehen, am Bügel hoch gehalten und gewusst, dass sie mir wie angegossen passen wird – was sie auch tut. Ich bettel ja immer, dass er mir alle meine Klamotten so kauft, aber bisher war ich da nicht erfolgreich.

Der Schwierigkeitsgrad steigert sich übrigens von oben nach unten: eine Mütze kaufen ist leicht. Oberteil oder Jacke geht noch. Bei Hosen wird es schon sehr kompliziert und bei Schuhen zur absoluten Katastrophe. Und immer frage ich mich: bin ich es, die so komisch gebaut ist oder geht es allen so? Aber wenn ich dann sehe, in was für Klamotten Menschen so herum laufen beschleicht mich der Verdacht, dass ich einfach empfindlich bin, was Passformen angeht. Manchmal kneift mich so eine Hose ja schon beim Hinschauen. Und Frauen, die spitze, womöglich hochhackige Schuhe tragen, wecken bei mir immer den Verdacht, sie würden ihre Füße gar nicht mehr fühlen.

Nun habe ich ja Glück: niemand erwartet, dass ich gut gekleidet zur Arbeit erscheine. Ich darf den ganzen Tag dreckig rumlaufen und so aussehen als käme ich direkt aus dem Stall – ich liebe meinen Beruf. Trotzdem brauche ich ja was zum anziehen.

Meine Ponys waren da irgendwie immer unkompliziert. Bei Merlin und Finlay hatte ich nie den Eindruck, dass es sie irgendwie bekümmert, ob, was und wo man so an ihnen fest tüddelt. Halfter aller Art und Sorte, Bosal, Kappzaum, Gebiss oder nicht, alles einerlei. Reitpad, Gurt, Sattel, Satteldecken, Fahrgeschirr – keine Beschwerden. Auch Diego hat dazu nie etwas gesagt. Einzig beim Sattel hatten wir mal das Gefühl, dass ein anderer Gurt her muss, aber das war schnell gelöst.

Und jetzt steht da Duncan. Und der hat ne Meinung. Vielleicht liegt es ja auch nur am Zahnwechsel, dass er so viel Meinung hat zu dem was ich ihm da an den Kopf tu, aber da Duncan grundsätzlich wesentlich sensibler ist als unsere anderen Ponys, nehme ich an, dass es nicht nur der Zahnwechsel ist. Und wenn doch: er soll es ja JETZT bequem haben und nicht erst in zwei Jahren wenn er fertig ist mit Wechseln.

Bisher waren wir ja fast nur spazieren. Da war von Einwirkung kaum die Rede, da reicht ein einfaches Knotenhalfter, das mir ermöglicht, den kleinen Hengst im Zweifel auch wirklich bei mir zu halten. Und so wie sein Kopf in den letzten zwei Jahren gewachsen ist, bin ich heilfroh, dass ich nicht dauernd was neues kaufen musste.

Dann haben wir angefangen mit longieren (wenig, aber eben mal angefangen). Und mich beschlich der Verdacht dass ihm etwas nicht gefällt. Ich dachte, es sei das longieren an sich. Heute weiß ich: es war das Cavesson. Das hatte ich geschenkt bekommen und es ist so ein Standard-Ding was so viel benutzt wird, dass ich gar nicht weiter darüber nachgedacht hatte. Aber er hasst es! Nun ist er ja kein Typ der sich etwas nicht anziehen lässt oder der wild mit dem Kopf schleudert. Aber ich kenne ihn ja nun besser, sehe seine Gesichtsausdrücke und Verhaltensweisen und kann sie besser einordnen. Das Cavesson habe ich jetzt verliehen an jemanden, der sich darüber freut und Duncan versprochen es ihm nicht mehr anzuziehen. Ein weicherer Kappzaum gefiel ihm da schon deutlich besser. Aber eine echte Offenbarung war erst das Halfter mit gleitendem Ring. Obwohl ich nie an meinem Pony herumziehe scheint schon allein das Gewicht der Longe und die eine oder andere leise Einwirkung ihn gestört zu haben, weil das feste Kopfstück sich am Kopf dann drehen möchte – oder vielleicht weil es ihn aus dem Gleichgewicht bringt? Oder vielleicht weil das Kopfstück grundsätzlich fester sitzen muss um sich dann eben nicht zu doll zu bewegen? Ich weiß es nicht, ich kann nur sehen, was er mag und was nicht.

Es gilt, weiter zu forschen was er gern mag. Ich könnte mir vorstellen dass er eins jener Pferde ist, die lieber mit Gebiss laufen als im Sidepull. Mal sehen ob er mein heißgeliebtes Bosal mögen wird oder nicht. Er hat bei diesen Dingen das letzte Wort, das ist ja klar – im Rahmen dessen was ich als sicher empfinde. Denn mit einem Hengst draußen unterwegs zu sein ist für mein persönliches Sicherheitsgefühl schon eine andere Nummer als mit einem Wallach. Aber da werden wir uns schon einig.

Ich bin froh, dass ich inzwischen so gut sehen kann, was er mir sagt. Und ich bin bereit, weiter an der Ausrüstung zu feilen, bis alles so ist wie er es möchte. Derweil hoffe ich, dass die Klamotten in meinem eigenen Schrank noch eine Weile halten, damit ich nicht so schnell wieder shoppen gehen muss. Und wenn dann nur mit Arnulfs Hilfe, der mir vor der Anprobe sagt, ob das passt oder nicht.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 186

Jetzt wo ich größer werde und wir mehr unterschiedliche Sachen machen, sagt mein Mädchen wir müssen mal meine Ausrüstung erweitern. Ein bisschen shoppen war sie ja neulich schon, unsere schöne grüne Doppellonge. Aber es mangelt mir noch an anderen Dingen, vor allem an einem Universalzaumzeug für alle Lebenslagen. Also Fahrzaum und ein Sidepull kann ich von Finlay auftragen, Knotenhalfter hat der Mann mir schon mehrere gemacht (weil mein Kopf schon so doll gewachsen ist). Aber so wie es jetzt ist, ist mein Mädchen nicht zufrieden. Erstens weil sie, wenn wir mit der Wackelkiste los fahren, immer das Halfter nach dem Aussteigen tauschen muss (ich darf niemals mit dem Knotenhalfter in der Wackelkiste fahren, mein Mädchen sagt, da könnte ich mir böse weh tun). Das Getausche nervt sie. Zweitens soll ich ja später vielleicht mit Gebiss geritten werden, zumindest im Gelände. Mein Mädchen sagt, wir könnten das alles auch ohne machen, aber weil ich Hengst bin, möchte sie lieber auf Nummer sicher gehen. Und wir wissen ja auch beide noch nicht, was ich eigentlich lieber mag, weil wir ja noch nicht reiten. Und deswegen hätte sie gern ein Zaumzeug, das beides kann: mit Gebiss und ohne. Dann könnte sie wechseln wie es gerade so kommt. Und wenn wir mit Gebiss unterwegs sind, möchte sie es aushaken können für die Graspausen, damit ich gemütlich schmausen kann. Und sie hätte gern was für die Bodenarbeit. Aber den Kappzaum den sie bisher hatte, mag ich nicht. Zum Glück hat sie das jetzt kapiert! Den kann ich gar nicht leiden, hab ich ihr gesagt und sie hört dann ja auch auf mich.

Zum ausprobieren geliehen. Von dem anderen hab ich kein Foto.

Große Frage war also: gibt es was, was das alles kann und was ich gern am Kopf haben mag? Und um das herauszufinden, sagt mein Mädchen, ist leihen das Mittel der Wahl. Sie verleiht auch dauernd Sachen damit Menschen und Pferde ausprobieren können. Jetzt sind wir mal mit leihen dran. Und so haben wir uns alles mögliche zusammen-geliehen: Nicht nur ein Gebiss zum üben, sondern auch ein Multifunktionszaumzeug und ein spezielles Halfter zum Ausprobieren. Dann hat sie mich immer gefragt was ich davon halte, auch so im Vergleich zum normalen Knotenhalfter. Und ich habe einen ganz eindeutigen Favoriten gefunden! Ach da hat sie sich gefreut als ich gesagt habe das DAS eindeutig am allerbequemsten an meinem Kopf ist. So will ich das bitte, mein Mädchen. Und sie sagt, das ist eine sehr gute Wahl die auch alle ihre Wünsche erfüllt. Nun geht sie also wieder shoppen. Dafür muss sie mich wieder erst vermessen. Und nach dem messen kommt das allerschwierigste: sie muss eine Farbwahl treffen. Oooooooh da quält sie sich bestimmt wieder tagelang. Es soll ja umwerfend aussehen – nicht nur jetzt, sondern auch mit allen Farbnuancen die ich auf dem Weg zum reinen weiß noch so zu machen gedenke (und ich verrate das nicht im Voraus!).

Vielleicht lässt sie sogar noch meinen Namen drauf schreiben. Damit jeder weiß, wie ich angesprochen werden möchte. Natürlich werde ich Euch berichten, sobald das gute Stück da ist!

Ich freu mich immer, wenn ich mal was eigenes bekomme, ich muss so oft alte Sachen auftragen. Mein Mädchen hofft jetzt schon, dass ich mal das Bosal tragen kann was Merlin gehört (und das Finlay auch gepasst hat) weil das ja soooooo teuer ist. Aber ehrlich, Mädchen, so wenig wie ich an extra Futter bekomme muss da schon wenigstens der eine oder andere Euro für eigene Klamotten drin sein oder?

Wo wir gerade dabei sind: wenn wir so tun als würden wir Kutsche fahren, trage ich das alte Geschirr von meinem Spaziergehkumpel. Da muss auch mal bald was eigenes her, sagt mein Mädchen. Im nächsten Frühjahr soll das losgehen. Da hat sie sogar schon eine Spardose eingerichtet, darauf kann ich mich also auch freuen.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (auf Shoppingtour)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 185

Schaut mal, liebe Menschen, jetzt wird es langsam ernst! Nachdem wir ja geübt haben wie ich das „Gebiss“ nehmen soll (ihr erinnert euch?) darf ich es jetzt schon mal zur Gewöhnung bei der Arbeit im Maul haben. Signale gibt mein Mädchen mir noch normal am Halfter, ich soll erst mal lernen, wie es sich anfühlt und wie ich das Dings am bequemsten in meiner Schnute sortiere. Manchmal drehe ich es komisch, sagt mein Mädchen. Aber vielleicht gibt sich das, wenn ich es noch ein bisschen geübt habe.

Das mit dem Gebiss birgt allerdings ungeahnte Tücken – nämlich beim Kekse essen! Man da hab ich anfangs ganz schön tüfteln müssen wie das funktionieren soll! Aber jetzt kann ich das.

Mit Gebiff Kekfe effen ift ganf fön komplifiert!

Das Gebiss mit dem wir jetzt üben hat mein Mädchen sich geliehen – das macht sie dauernd, sich Sachen leihen. Ob wir das nachher beim Reiten weiter benutzen weiß sie noch nicht. Auf jeden Fall hat sie mir jetzt sogar schon mein erstes eigenes Gebiss zum Fahren gekauft aber das wurde noch nicht geliefert. Da hat sie ein Schnäppchen ergattert sagt sie, was günstiges gebrauchtes. Hoffentlich ist es gut! Ich werde Euch berichten. Fürs Fahren nimmt man ja meistens andere Gebisse als fürs reiten weil da alles ein bisschen anders ist – aber mit den Feinheiten kenne ich mich da noch nicht aus.

Jetzt übe ich also erst mal, das Gebiss spazieren zu tragen. Ihr wisst ja wie mein Mädchen ist: sie meint immer wir müssen alles ganz oft wiederholen, damit ich es wirklich verstehe. Ich denke da anders, aber sie ist einfach nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Na so lange die Keksrate stimmt….

Euer gebissiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Kritik

Ich bin mit Duncan an der Doppellonge auf dem Reitplatz. Wir üben korrektes Lenken und er macht es absolut fantastisch. Wahnsinnig gut. Und dann, als ich noch ein letztes Mal traben will und er in der Kurve am Ausgang etwas Schwung verliert (was mir jetzt im Nachhinein schon verdächtig vorkommt), feuere ich ihn mit der Stimme an und schwenke noch einmal die Peitsche. Und Duncan dreht ab zum Ausgang, bleibt stehen, schaut mich an, dreht sich zu mir um, so dass er sich (meines Erachtens mutwillig) in die Longe eindreht und wirft mir einen Blick zu, der deutlich missmutig ist. Ich gehe zum ihm hin und entwirre ihn. „Entschuldigung“ sage ich „da habe ich wohl übertrieben. Können wir das noch einmal in schön machen?“. Er funkelt mich böse an. Ich schicke ihn wieder los. Das Spiel am Ausgang wiederholt sich. „Tut mir leid“ sage ich, „aber ich möchte die Situation nicht so blöd stehen lassen, gibst du mir die Chance, es besser zu machen?“ Ich schicke ihn nochmal los, diesmal im Schritt. Halte ihn vor der Kurve an, gebe ihm einen Keks. Danach schaffen wir noch eine gute Trabrunde und machen Schluss.

Ich bin überzeugt, dass alle Tiere, die in Gruppen leben, eine Form von Entschuldigung kennen müssen. Jeder macht doch mal Mist. Und ich beobachte meine Ponys auch gelegentlich dabei, wie sie sich (so interpretiere ich es zumindest) entschuldigen. Meistens wenn einer sich blöd irgendwo durch gequetscht hat und es doch enger war als geplant.

Nun kann Sir Duncan lernen, wie ich mich entschuldige. Und auch, dass wir die Situation nicht so stehen lassen, sondern dass ich es besser kann und mache. Ich bügle meinen Fehler aus und er macht dafür nochmal kurz mit. Dann passt das.

Und obwohl ich mich unfassbar über mich selbst ärgere, weil ich eine so großartige Einheit versaut habe durch meinen zu hohen Anspruch, bin ich doch auch ein bisschen froh, denn ich habe dabei etwas wichtiges gelernt und ich habe gesehen, dass auch Duncan gelernt hat.

Damals, letzten Sommer, ist er mir ja einmal vom Reitplatz abgehauen. Und auch da hatten wir die perfekte Einheit vorher. Damals ist er – ohne für mich sichtbare Vorwarnung – im gestreckten Galopp vom Platz gesaust und ich hatte keine Chance ihn fest zu halten. Und ich gestehe, dieses Erlebnis hat mir noch sehr lange nachgehangen.

Diesmal hat er das selbe Verhalten so langsam gezeigt, dass ich ihn verstehen konnte. Er hat sich so viel Zeit gelassen, dass nichts dramatisches passiert ist, aber dennoch war er so deutlich, dass ich wusste: ich hab’s verbockt. Und das ist für mich großartig! Denn es heißt: er hat herausgefunden wie er mir die Fehler, die ich zwangsläufig mal machen werde, auf eine Art zeigt, die ich verstehen kann und die nicht ins Desaster führt. Schlaues Pony!

Und ich habe noch mehr über ihn gelernt: er mag nicht angefeuert werden. Anfeuern ist etwas, was bei so vielen Pferden total gut funktioniert. Sie legen sich dann nochmal richtig ins Zeug und geben ihr Allerbestes. Aber Duncan – so nehme ich es zumindest wahr – gibt immer schon sein allerbestes. Er strengt sich unglaublich an, konzentriert sich wahnsinnig um alles richtig zu machen und wenn ich dann sage „ein bisschen mehr noch!“ dann wird er (zu Recht) wütend. Denn mehr als das Beste geht ja gar nicht. Ich darf also mal wieder umlernen für mein neues Pony. Und jetzt, wo wir anspruchsvollere Bodenarbeit machen, wird das mein größter Job: raus finden, wie viel ich verlangen kann, wie lang seine Motivation hält und wie ich mich verhalten soll um ihn möglichst zu unterstützen in seinen Anstrengungen.

Er wird mir noch viele Fehler verzeihen müssen – ich hoffe, dass Merlin und Diego ihm das schon erzählt haben. Und ich hoffe, dass ich genug „Bonuspunkte“ bei ihm habe.

Als wir einige Tage später wieder mit der Doppellonge auf den Platz gehen, habe ich einen besseren Plan. Es gibt mehr Kekse und mehr Pause, dafür weniger Wiederholungen. Aber vor allem beobachte ich mein Pony genauer. Ich sehe seine Motivation, es richtig zu machen – auch wenn „richtig machen“ in seinen Augen nicht immer das selbe ist wie in meinen. In den Pausen sehe ich, wie konzentriert er ist, wie lange er braucht, um runter zu kommen. Und ich verstehe: es mag einfach aussehen (das ist wohl seine besondere Gabe, es ganz leicht aussehen zu lassen), aber er strengt sich wahnsinnig an um so aufmerksam bei mir zu sein. Kein Wunder also, dass er grantig wurde, als er das Gefühl hatte es sei „immer noch nicht genug“.

Wir hatten eine schöne gemeinsame Einheit und ich habe wieder viel zu denken.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 184

Mit dem Füttern ist das so: Wir bekommen 6 Heumahlzeiten am Tag. Bei vier davon bekommt Merlin eine riesige Schüssel während wir anderen nur Heu bekommen. Der Zahnarzt hat gesagt, dass Merlin 3 lose Backenzähne hat, die ihm weh tun wenn er hartes Zeug kauen muss. Deswegen bekommt er diese riesigen Schüsseln mit leckerstem Heu-Mix-Brei. Hoffentlich werde ich auch bald alt, damit ich auch so viele Schüsseln bekomme! Aber ich schweife ab. Was ich eigentlich erzählen wollte: wir anderen bekommen einmal am Tag eine winzige Schüssel Schmatzofatz. Das bekommen wir zu einer Heumahlzeit, meistens zu der um 10 Uhr, aber wenn mein Mädchen da keine Zeit hat, kann es auch mal 14 Uhr oder 18 Uhr sein (übrigens sind diese Zeiten reine Theorie, sie hält sich da nie so richtig dran.) Die Kunst ist also, raus zu finden, wann es die Schüssel gibt. Ich kann das, weil ich so schlau bin. Woher ich weiß, wann es Schüssel gibt, verrate ich nicht. Mein Mädchen vermutet, ich sehe es ihr an der Nasenspitze an, weil ich so gut beobachten kann.

Gestern hat mein Mädchen uns gerufen für Heu. Es war 14 Uhr und es hatte um 10 Uhr noch keine Schüssel gegeben. Mein Mädchen hat also gerufen und meine Kumpels sind alle runter gegangen in den Paddock wo sie mit dem Heu gewartet hat. Ich nicht. Ich wusste doch, dass es noch Schüssel gibt! Mein Mädchen ist in den Stall gekommen und hat laut gelacht. Ich hab mich dann so umgedreht – ich beherrsche diesen Blick mittlerweile schon ganz gut! Dann weiß sie, dass sie sich beeilen soll mit der Schüssel, ich will nämlich nicht ewig warten!

Kommst du endlich?

Diego und Caruso haben inzwischen begriffen, dass ich meistens richtig liege, wenn ich nicht zum Heu gehe, sondern lieber auf die Schüssel warte. Als sie mitbekommen haben, dass ich oben im Stall geblieben bin, sind sie schnell vom Heu weg wieder zu mir gekommen und wir haben gemeinsam auf die Schüsseln gewartet. Das ist immer spannend, dann hören wir mein Mädchen nebenan in der Futterkammer klappern – welch verheißungsvolles Geräusch! Aber es dauert immer sooooo lange bis sie endlich fertig ist!

Dann kam sie endlich und es gab Schmatzofatz. Einziges Problem: es ist immer zu wenig. Naja, dafür ist es lecker. Danke Mädchen! Und jetzt kann ich Heu essen gehen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 183

Eigentlich kann ich ja schon alles. Und ich mache auch immer alles richtig. Weil ich so schlau bin (und weiß wofür es Kekse gibt).

Nur diese eine Sache, die ist echt schwierig: fremde Pferde. Wenn ich fremde Pferde sehe, dann kann ich mich gar nicht mehr auf mein Mädchen konzentrieren. Und dann meckert sie mit mir, weil ich dummes Zeug mache, aber ich merke gar nicht, dass ich dummes Zeug mache – ich muss doch nach den fremden Pferden schauen, die möchte ich doch gern kennenlernen!

Also hat mein Mädchen gesagt, wir müssen das mehr üben. Damit ich mich auch konzentrieren kann, wenn fremde Pferde da sind. Und deswegen will sie jetzt öfter mal Besuch einladen. Und wir wollen auch mal fremde Pferde besuchen fahren. Neulich war es dann zum ersten Mal so weit: da kam ein schöner Spanier auf den Hof gefahren! Und wir sind dann zusammen auf den Reitplatz gegangen. Er auf dem einen Zirkel mit seinem Mädchen, ich mit meinem Mädchen auf dem anderen Zirkel. Beim ersten Mal war ich noch ziemlich abgelenkt. Mein Mädchen hat mich herumgeführt und dabei geklungen wie eine Schallplatte die einen Sprung hat: „pass auf, ich bin hier, achte auf mich. Pass auf, ich bin hier, achte auf mich. Pass auf…..“

Da steht er der Ablenker vom Dienst! Im Hintergrund seht ihr mich bei Konzentrationsübungen. Nur nicht hingucken…..
Beim zweiten Anlauf konnte ich es schon richtig gut!

Dann haben wir alle Pause gemacht und was geschmaust. Danach sind wir nochmal zusammen auf den Reitplatz gegangen. Diesmal haben die beiden Mädchen uns longiert – der Spanier wieder auf seinem Zirkel und ich auf meinem. Und ich hab mich sooooooooooo doll auf mein Mädchen konzentriert und versucht, gar nicht nach dem fremden Pferd zu gucken. Mein Mädchen war wahnsinnig entzückt und nach 5 Minuten war schon Schluss weil ich alles perfekt gemacht hatte. Kekse gab es auch! Die musste ich mir aber immer ganz weit unten abholen, so kurz über dem Boden. Mein Mädchen sagt, Kopf runter nehmen beruhigt die Nerven und dann kann ich mich leichter konzentrieren. Ich sage, je mehr Kekse, desto mehr Konzentration.

Na Hauptsache mein Mädchen platzt mal wieder vor Stolz weil ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke bin.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 182

Hallo, Spaziergehkumpel, du stehst ja bei uns in der Halle! Wollen wir spielen? Was guckst du denn so komisch? Müde? Wie, müde?

Oh, hallo Tierarzt, du bist ja auch hier! Ich kriege eine Spritze? Wieso? Oh…. jetzt bin ich auch… ganz …..müde….. ……..

….. lange Zeit später bin ich wieder aufgewacht. Puh, ich war ganz schön weggedusselt! Warum fühlt mein Maul sich eigentlich so komisch an? Da hat mein Mädchen es mir gezeigt: die haben mir meinen Wolfszahn raus genommen!

Ist das nicht komisch, dass man als Pony einen Wolfszahn haben kann? Sind auch keine ganz richtigen Zähne, nur so kleine Überreste von der Evolution. Die echten Zähne dürfen wir alle behalten, versteht sich. Die brauchen wir ja auch! So einen Wolfszahn braucht niemand, der hängt nur nutzlos in der Gegend herum. Mein Spaziergehkumpel hatte sogar zwei Wolfszähne! Aber seine waren viel kleiner als meiner, obwohl er so viel älter ist als ich.

Diego hat mir erzählt er hatte auch früher Wolfszähne. Bevor der Mann ihn gekauft hat. Und einmal hat ihm das dann doll weh getan mit dem Metallding im Maul was die Menschen zum reiten und zum Kutsche fahren nehmen. Da hat sich wohl das Zahnfleisch eingeklemmt und es hat ihm so weh getan, dass er durchgedreht ist und aus Versehen seine Reiterin verloren hat. Und das Diego! Dem passiert so etwas nie! Seitdem hat mein Mädchen beschlossen, dass Wolfszähne raus müssen, bevor man was mit „Gebiss“ macht (lustig, so nennen Menschen das Metalldings). Denn weh tun soll uns ja nichts! Eigentlich sollte mein Wolfszahn schon im Sommer raus, da haben wir schon angefangen mit dem Gebiss zu üben. Aber dann habe ich vorher Bauchweh bekommen und musste ins Krankenhaus. Deswegen haben wir den Zahntermin verschoben.

So jetzt habe ich das hinter mir, schlimm war das auch nicht. Sobald mein Maul ganz verheilt ist, können wir endlich wirklich anfangen. Bin schon aufgeregt!

Euer entzahnter (oder entwolfter?) Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 181

Ich lerne ja immer durch Zugucken. Weiß mein Mädchen auch schon. Besonders wenn Diego der Große was macht, schau ich immer gaaaaaaanz genau hin. Damit ich nachher weiß, wie das funktioniert. Mein Mädchen lacht schon über mich, weil ich viele Sachen ganz genau so mache wie er. Aber was gibt es da zu lachen? Er kann halt alles so gut und die Menschen sind (fast) immer zufrieden mit ihm und sagen er ist ein ganz tolles Pony, also was sollte dagegen sprechen, alles genauso zu machen wie er?

Deswegen hab ich heute auch über den Wall auf den Reitplatz geluschert als mein Mädchen da eine Reitschülerin auf Diego hatte. Die Reitschülerin hat irgendwann gesagt, sie würde sich sehr beobachtet fühlen, weil ich da immer hingestarrt habe.

Mit den Augen klauen!

Ist aber auch blöde, dass man den Reitplatz von da unten nicht so gut einsehen kann – können wir das mal ändern? Ich verpasse ja die Hälfte! Trotzdem war es sehr interessant. Habe heute was übers geradeaus gehen gelernt – das scheint schwieriger zu sein als ich dachte! Und übers rückwärts, dann übers galoppieren. Jetzt bin ich wieder ein gutes Stück schlauer. Sollte mein Mädchen sich in diesem Leben nochmal aufraffen und einfach mal aufsteigen, könnte ich ihr das zeigen! Aber nein, angeblich bin ich ja IMMER NOCH zu klein! Ist das zu fassen?

Euer schlau-geguckter Sir Duncan Dhu of Nakel

Beständigkeit

„Du bist aber auch immer konsequent!“

Obwohl es bald 20 Jahre her ist, dass eine Miteinstellerin diesen Satz zu mir gesagt hat, werde ich ihn wohl nie vergessen. Diese Mischung aus Bewunderung und Vorwurf war wohl einmalig. Sie hatte das am schlechtesten erzogene Pferd am ganzen Stall und sie hatte soeben beobachtet wie ich meinem Warmblüter untersagt hatte, sein Kraftfutter zu fressen so lange er noch das Gebiss im Maul hatte. Nase raus aus dem Eimer, erst die Trense runter machen und das Halfter drauf. Ist doch klar. Und ja auch wichtig, denn fressen mit Gebiss im Maul kann halt auch schief gehen wenn nicht richtig gekaut wird.

Ich bin heute noch ein bisschen ratlos über diesen Satz an dieser Stelle. Was hätte sie wohl getan? Ihr Pferd einfach fressen lassen? Leider habe ich sie nicht gefragt.

Ich glaube, für die Pferde ist es schrecklich, wenn keine Beständigkeit herrscht im Regelwerk. Heute hüh, morgen hott. In einer Welt, in der sie sowieso immer „Fremdsprache“ sprechen, ist das sicher noch verunsichernder. Und so ist es schon allein meinen Pferden zuliebe, dass ich mich um Beständigkeit bemühe. Perfekt bin ich da natürlich auch nicht, wer ist das schon. Ich sehe aber eben auch, dass ein paar Grundregeln das Zusammenleben doch sehr erleichtern.

In dem selben Stall wurde ich angesprochen, meine Pferde seien ja „so artig“, weil ich zwei Pferde allein auf den Anhänger schicken konnte. Dass ich zuvor dafür kritisiert worden war, als ich das geübt habe („das arme Pferd muss ganz allein auf den Anhänger gehen“) hatte man wohl vergessen.

Ich bin nicht die einzige, der es so geht. Viele meiner Schüler investieren viel Arbeit in (scheinbar) kleine Dinge. Und dann bekommen sie erst zu hören, was sie denn da tun und was das soll, warum sie noch nicht reiten oder nicht einfach dies oder jenes tun, nur damit man später voller Neid meint, das Pferd sei ja so artig. Das das eine mit dem anderen zusammenhängt fällt vielen einfach nicht auf.

Egal wo man startet – mit jedem Pferd an einem anderen Punkt – und egal wie schnell oder langsam man voran kommt: Pferdeausbildung ist Arbeit. Neulich las ich einen Satz der ging ungefähr so „Durchhalten heißt, viel harte Arbeit in etwas zu stecken nachdem man schon viel harte Arbeit rein gesteckt hat und eigentlich keine Lust mehr hat“

Das klingt ja wieder so unromantisch. Wäre es nicht schöner, wir könnten einfach jeden Tag Spaß haben mit unseren Pferden? Die gute Nachricht ist: wir können. Wenn wir unsere Ausbildungsziele so stecken, dass wir immer Erfolg haben. Dann sind wir selbst glücklich und unser Pferd auch. Nur: wenn wir kein klares Ziel haben, werden wir auch keins erreichen. Wir werden uns dann treiben lassen und da irgendjemand ja ein Ziel haben muss im gemeinsamen tun wird es dann das Pferd sein, dass sich Ziele setzt – je nach Charakter. Und weil Pferde so kluge Tiere sind und jedes Pferd seinen Menschen hervorragend kennt und lesen kann wie ein offenes Buch, kommen sie ganz elegant und ohne Streit zum Ziel, jeder mit seiner eigenen Strategie.

Manche Pferde sind Meister der Überredung. Ich kenne zum Beispiel zwei Araber, die ihren Menschen erfolgreich einflüstern können, dass Schritt stinklangweilig ist. Dass sie im Trab schöner aussehen und mehr Spaß haben. Und dann traben sie – wenn auch ungefragt – wunderschön (viel schöner als auf Kommando). Und die Menschen freuen sich so über den schönen Trab, dass sie vergessen, dass das gar nicht angesagt war. Später, wenn es ihnen wieder einfällt und sie ihr Pferd durchparieren, gibt es kurz Schritt und dann wiederholt sich das Spiel. Diese Pferde sind so charmant wie der Taschendieb, der einem Komplimente für die schöne Brosche macht, während er einem die Ohrringe entwendet.

Manche Pferde machen auch „türkischen Basar“. Sie verhandeln stets und ständig darum, ob die etwas energiesparendere Variante nicht auch reichen würde. So werden aus 6 Galoppsprüngen schnell 5 und von der halben Runde Trab ziehen sie großzügig 4m ab. Bemerkt man das nicht, so werden im nächsten Anlauf aus den verbliebenen 5 Galoppsprüngen 4, dann 3, dann 2…… Diese Pferde handeln so langsam herunter, dass der Mensch es erst merkt, wenn plötzlich die Hälfte der Übung weg-verhandelt wurde. Der verwunderte Mensch fragt sich dann, was wohl passiert ist, das Pferd freut sich, dass es so viel Energie gespart hat.

Andere wiederum sind Meister der Ablenkung. Wie Kinder, die während den Hausaufgaben von ganz anderen Dingen zu sprechen beginnen, hoffen diese Pferde, dass man vergisst, dass sie eigentlich einen schönen Übergang vom Schritt zum Trab machen sollten, wenn sie lang genug um andere Dinge diskutieren – plötzlich nicht mehr auf der Linie bleiben, angaloppieren wollen, stehen bleiben oder seitwärts gehen, da gibt es eine Menge an Auswahl. Das ziehen sie 15 Minuten durch und hoffen auf die Vergesslichkeit der Menschen, was auch allzu oft funktioniert. Mehr noch: es gibt dann oft Kekse zwischendurch für Dinge, die an sich nie auf dem Stundenplan standen.

Wie kleine Kinder lernen Pferde solche Taktiken aus Erfahrung und es fordert Konzentration und Willensstärke von uns, uns weder ablenken und durcheinanderbringen zu lassen noch wütend und ungerecht zu werden. Beständig und beharrlich am Plan festhalten (wenn es denn in dieser Situation Sinn macht, am Plan fest zu halten, natürlich gibt es dann auch noch die anderen Situationen. Und das zu unterscheiden ist gleich die nächste Kunst).

Oft wende ich dann das an, was ich die „Pizza-Taktik“ nenne. Duncan hat auch damit schon Bekanntschaft gemacht. Im Schritt einmal um den Roundpen herum OHNE antraben: an manchen Tagen eine Herausforderung. Kann mal länger dauern! Dann stelle ich mir vor, dass ich mir einfach eine Pizza bestelle. Der Pizzabote liefert sie mir direkt in den Roundpen und ich werde sie vor Duncans Augen verspeisen, während er weiterhin die Aufgabe hat, eine Runde im Schritt zu gehen. Eine machbare Aufgabe, er kann das. Wenn er will. Und sobald er an meiner Körpersprache sieht, dass es mir WIRKLICH egal ist, wie lange es dauert, macht er es auch. Dabei hilft die Pizza-Vorstellung mir ganz ungemein.

Es ist ja eigentlich nicht schlimm, wenn das Pferd selbst entscheidet. Bis es dann eben doch mal schlimm ist. Und da liegt das Problem, denn wenn unser Pferd im Alltag ständig selbst entscheidet ohne dass wir Menschen das merken, dann etabliert sich das in unserer Beziehung. Und was wird das Pferd dann tun wenn es glaubt, eine Situation sei gefährlich? Wird es auf unsere Entscheidung warten? Wohl kaum. Und wenn eine Situation dann wirklich gefährlich ist, dann steigt leider die Wahrscheinlichkeit, dass das Pferd eine ungute Entscheidung trifft, weil es sich in der Menschenwelt nicht gut genug auskennt.

Und wer jetzt glaubt, dieser Artikel stünde im Widerspruch zum dem über Verlasspferde, der fängt an zu verstehen, wie komplex Pferdeausbildung ist. Denn die Wahrheit liegt da, wo sie fast immer liegt: in der Mitte. Und die wiederum liegt für jedes Pferd-Mensch-Paar woanders.