Klamotten

Wisst Ihr, was für mich die absolute Höchststrafe ist? Klamotten kaufen. Schrecklich! Erst mal gefällt mir das meiste farblich nicht. Wenn ich dann was sehe was mir gefällt, ist es oft sehr unpraktisch und ich weiß: das werde ich eh nie anziehen. Und wenn ich was sehe, was mir gefällt und was tatsächlich „tragbar“ ist, dann passt es mir nicht. Weil die Ärmel zu kurz sind oder der Hosenbund zu eng, die Schultern zu schmal oder das ganze sitzt einfach insgesamt nicht. Wenn ich mir Klamotten bestelle (meistens ja im Arbeitskleidungs-shop) und Arnulf bestellt sich was mit, dann nimmt das immer das gleiche Ende: Arnulf packt aus, zieht an und sagt „ja, das gefällt mir! Das passt, das behalte ich“. Ich packe aus, ziehe an, packe wieder ein und schicke zurück. Klamottenladen betreten vermeide ich tunlichst, denn mich dann x-mal in der Kabine umziehen nur um alles wieder zurück zu hängen finde ich noch viel schrecklicher, zumal das Licht in diesen Kabinen einen ja immer gruselig aussehen lässt.

Eine meiner schönsten, am besten passendsten Blusen hat mir übrigens Arnulf mal geschenkt. Er war in der Stadt unterwegs, hat die Bluse gesehen, am Bügel hoch gehalten und gewusst, dass sie mir wie angegossen passen wird – was sie auch tut. Ich bettel ja immer, dass er mir alle meine Klamotten so kauft, aber bisher war ich da nicht erfolgreich.

Der Schwierigkeitsgrad steigert sich übrigens von oben nach unten: eine Mütze kaufen ist leicht. Oberteil oder Jacke geht noch. Bei Hosen wird es schon sehr kompliziert und bei Schuhen zur absoluten Katastrophe. Und immer frage ich mich: bin ich es, die so komisch gebaut ist oder geht es allen so? Aber wenn ich dann sehe, in was für Klamotten Menschen so herum laufen beschleicht mich der Verdacht, dass ich einfach empfindlich bin, was Passformen angeht. Manchmal kneift mich so eine Hose ja schon beim Hinschauen. Und Frauen, die spitze, womöglich hochhackige Schuhe tragen, wecken bei mir immer den Verdacht, sie würden ihre Füße gar nicht mehr fühlen.

Nun habe ich ja Glück: niemand erwartet, dass ich gut gekleidet zur Arbeit erscheine. Ich darf den ganzen Tag dreckig rumlaufen und so aussehen als käme ich direkt aus dem Stall – ich liebe meinen Beruf. Trotzdem brauche ich ja was zum anziehen.

Meine Ponys waren da irgendwie immer unkompliziert. Bei Merlin und Finlay hatte ich nie den Eindruck, dass es sie irgendwie bekümmert, ob, was und wo man so an ihnen fest tüddelt. Halfter aller Art und Sorte, Bosal, Kappzaum, Gebiss oder nicht, alles einerlei. Reitpad, Gurt, Sattel, Satteldecken, Fahrgeschirr – keine Beschwerden. Auch Diego hat dazu nie etwas gesagt. Einzig beim Sattel hatten wir mal das Gefühl, dass ein anderer Gurt her muss, aber das war schnell gelöst.

Und jetzt steht da Duncan. Und der hat ne Meinung. Vielleicht liegt es ja auch nur am Zahnwechsel, dass er so viel Meinung hat zu dem was ich ihm da an den Kopf tu, aber da Duncan grundsätzlich wesentlich sensibler ist als unsere anderen Ponys, nehme ich an, dass es nicht nur der Zahnwechsel ist. Und wenn doch: er soll es ja JETZT bequem haben und nicht erst in zwei Jahren wenn er fertig ist mit Wechseln.

Bisher waren wir ja fast nur spazieren. Da war von Einwirkung kaum die Rede, da reicht ein einfaches Knotenhalfter, das mir ermöglicht, den kleinen Hengst im Zweifel auch wirklich bei mir zu halten. Und so wie sein Kopf in den letzten zwei Jahren gewachsen ist, bin ich heilfroh, dass ich nicht dauernd was neues kaufen musste.

Dann haben wir angefangen mit longieren (wenig, aber eben mal angefangen). Und mich beschlich der Verdacht dass ihm etwas nicht gefällt. Ich dachte, es sei das longieren an sich. Heute weiß ich: es war das Cavesson. Das hatte ich geschenkt bekommen und es ist so ein Standard-Ding was so viel benutzt wird, dass ich gar nicht weiter darüber nachgedacht hatte. Aber er hasst es! Nun ist er ja kein Typ der sich etwas nicht anziehen lässt oder der wild mit dem Kopf schleudert. Aber ich kenne ihn ja nun besser, sehe seine Gesichtsausdrücke und Verhaltensweisen und kann sie besser einordnen. Das Cavesson habe ich jetzt verliehen an jemanden, der sich darüber freut und Duncan versprochen es ihm nicht mehr anzuziehen. Ein weicherer Kappzaum gefiel ihm da schon deutlich besser. Aber eine echte Offenbarung war erst das Halfter mit gleitendem Ring. Obwohl ich nie an meinem Pony herumziehe scheint schon allein das Gewicht der Longe und die eine oder andere leise Einwirkung ihn gestört zu haben, weil das feste Kopfstück sich am Kopf dann drehen möchte – oder vielleicht weil es ihn aus dem Gleichgewicht bringt? Oder vielleicht weil das Kopfstück grundsätzlich fester sitzen muss um sich dann eben nicht zu doll zu bewegen? Ich weiß es nicht, ich kann nur sehen, was er mag und was nicht.

Es gilt, weiter zu forschen was er gern mag. Ich könnte mir vorstellen dass er eins jener Pferde ist, die lieber mit Gebiss laufen als im Sidepull. Mal sehen ob er mein heißgeliebtes Bosal mögen wird oder nicht. Er hat bei diesen Dingen das letzte Wort, das ist ja klar – im Rahmen dessen was ich als sicher empfinde. Denn mit einem Hengst draußen unterwegs zu sein ist für mein persönliches Sicherheitsgefühl schon eine andere Nummer als mit einem Wallach. Aber da werden wir uns schon einig.

Ich bin froh, dass ich inzwischen so gut sehen kann, was er mir sagt. Und ich bin bereit, weiter an der Ausrüstung zu feilen, bis alles so ist wie er es möchte. Derweil hoffe ich, dass die Klamotten in meinem eigenen Schrank noch eine Weile halten, damit ich nicht so schnell wieder shoppen gehen muss. Und wenn dann nur mit Arnulfs Hilfe, der mir vor der Anprobe sagt, ob das passt oder nicht.

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