Verdoppelt

Mit Duncan zu arbeiten ist wirklich eine neue Herausforderung für mich. Schon vor 2 Jahren ist mir aufgefallen, dass er anders denkt als Merlin oder Finlay. Merlin und Finlay – beides Energiesparmodelle – hatten fast immer die Idee „das hat geklappt, jetzt schau ich mal ob die Hälfte reicht“. Sie haben immer etwas weniger Einsatz gebracht als zuvor und nachgefragt, ob das so wohl auch ginge. Das Training solcher Pferde ist sehr einfach, denn wenn man eine Situation erschafft in der das gewünschte Verhalten bedeutet, dass sie mit dem geringstmöglichen Energieeinsatz den größtmöglichen Gewinn erzielen, tun sie genau das was man möchte. Viele meiner Schüler, die verzweifelt mit ihrem „faulen“ Pferd zu mir kommen, sind erstaunt, wenn ich ihnen erkläre, dass diese Pferde wahnsinnig einfach auszubilden sind.

Sir Duncan hingegen macht das komplette Gegenteil. Er ist kein Energiesparer, er ist bereit, zu investieren und zu schauen was dabei herauskommt. Und das heißt: er verdoppelt. Und ich neige leider immer noch dazu, das zu vergessen. Beim Tempo haben wir das alles gut im Griff, aber bei anderen Fragen falle ich dann rein. So wie neulich an der Doppellonge:

Da er noch dazu geneigt hatte, sehr weit rein zu kommen und den Kreis sehr klein zu halten, hatte ich geübt, dass er raus gehen soll. Und leider verpasst, ihm zu sagen, wie weit. Ich hatte ihn gelobt fürs raus gehen und war dann einfach mit gegangen so dass er Platz hat. Und das habe ich nun davon. Denn als wir neulich wieder zusammen auf dem Reitplatz waren, hatten wir plötzlich Streit, weil Duncan ZU WEIT draußen lief. Unser Reitplatz ist nicht fest eingezäunt, sondern nur von einem Wall umgeben. Hätte ich ihn gelassen, wäre Duncan wohl über den Wall drüber geklettert. Weil er ja wusste: raus gehen ist gut! Das Problem war nur, dass ich das in dem Moment nicht verstanden habe. Ich war genervt über das Geziehe und Gezerre, Duncan war genervt von dem Geziehe und Gezerre und schon hatte sich ein handfester Streit entfacht. Na zum Glück konnten wir mit Arnulfs Hilfe die Wogen wieder glätten und einen guten Abschluss finden. Aber erst auf dem Weg vom Platz zurück wurde mir klar, WARUM das alles passiert ist. Und ich musste an dieses interessante Video denken

Die Zusammenarbeit mit Duncan wird nur funktionieren, wenn ich sein Echo korrekt berechne. Und die Formel für diese Berechnung ist ungefähr das Gegenteil von der Formel, die für Merlin gilt. So wie der Musiker in dem Video sicher erst üben musste um zu wissen, wann und wie laut er spielen muss, damit das passende Echo zurück kommt. Wie lang dauert es, bis eine Reaktion kommt? Und wenn ich einen lauteren Ton spiele, kommt er dann in Duncans Fall doppelt so laut zurück? Vielleicht ist Duncan auch so eine Art „Echokammer“ in der sich alles von selbst verstärkt. So wie das „Tal der Dämmerung“ in „Jim Knopf“, wo jedes Flüstern so hin und her geworfen wird, dass es schließlich zu einem riesigen Geschrei wird.

Jedenfalls habe ich mir fest vorgenommen, nächstes Mal früher an den Verdopplungseffekt zu denken und mich zu fragen, ob er zu diesem oder jenem Verhalten führen könnte. Bevor es Streit gibt.

Und jetzt muss ich meinem Pony erklären, WIE WEIT es genau raus gehen soll.

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