Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 224

Mein Mädchen hat ja schon lange mit Pferden zu tun. Damals vor ungefähr 30 Jahren bei ihrer alten Reitlehrerin hat sie manches gelernt und gemacht was sie heute total blöde findet. Aber manchmal sagt sie, hatte ihre alte Reitlehrerin auch ganz gute Sprüche und Tricks auf Lager. Zum Beispiel hat sie mal gern gesagt „wer Arbeit will, soll Arbeit haben“. Und das hat mein Mädchen letzte Woche gesagt, weil ich doch angeblich so doll Pubertät hatte.

Sie hat also lustige Sachen aufgebaut und dann haben wir mit der Doppellonge geübt, dass wir genau die richtigen Muster gehen. Das war doch mal wieder komplizierter als gedacht!

Stangen und Hütchen und wir müssen genau den richtigen Weg da durch finden. Schwerer als gedacht!

Und es war ganz schön warm. Also habe ich geschwitzt. Und deswegen dachte mein Mädchen, ich möchte danach vielleicht gern duschen. Ich hatte aber keine Lust zu duschen, deswegen hab ich gehampelt. Erst hat mein Mädchen gemeckert. Dann hat sie gestutzt und gesagt, dass ich ja auch gar nicht duschen muss wenn ich es nicht mag. Ich musste aus Gründen der Ordnung noch einmal kurz still stehen, hab einen Keks bekommen und war dann entlassen. Ich bin immer ganz zufrieden wenn sie mich versteht. Manchmal seid Ihr Menschen ja so schwer von Begriff, aber diesmal hat es geklappt.

Übrigens bin ich jetzt wieder fertig mit Pubertät. Bis zum nächsten Schub, meint mein Mädchen. Vorerst bin ich wieder ganz ich selbst.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 223

Sonntag ist Ausflugstag! Schön in die Wackelkiste und ab in den Wald. Hach, das liebe ich einfach! Diesmal etwas anders: der Mann hat mich geführt. Mein Mädchen fragt ihn nämlich immer um Rat, wenn sie Schwierigkeiten mit mir hat. Und in letzter Zeit fand sie mich ja so pubertär. Meine Güte, nur weil ich mal ein Läunchen hab. Na jedenfalls wenn sie den Mann um Rat fragt, sagt er immer, er müsste das ausprobieren, wie er damit umgehen würde. Also hat sie gesagt, er muss jetzt ein Stück mit mir gehen. Und ausprobieren und ihr dann erklären wie er es macht.

Mein Mädchen ist derweil Diego den Großen geritten. Sie hätte ja auch zu Fuß gehen können, aber ich glaube es ist besser wenn sie ihn reitet. Weil Diego ja noch schneller Schritt geht als ich und sie findet ja mich immer schon zu schnell! Also wäre sie ja gar nicht hinterher gekommen.

Also bin ich mit dem Mann zusammen los. Nun bin ich ja nicht blöd. Ich weiß doch, dass er viiiiiiiiiel strenger ist als mein Mädchen. Nix mit „anplinkern um einen Keks zu bekommen“ und so. Nee nee, ich weiß schon: bei dem muss ich „bei Fuß“ gehen, sonst gibt es Ärger. Und weil ich keinen Ärger will, hab ich es gar nicht erst ausprobiert. Mein Mädchen war zickig, sie wollte doch sehen wie der Mann das Problem löst und dann war da kein Problem. Tja…..

Später, als meinem Mädchen kalt wurde und dem Mann schon viel zu warm (und das obwohl er ihr schon von seinem Pelz was abgegeben hatte) haben die beiden dann getauscht. Mein Mädchen hat dann so getan als wäre sie genauso streng wie der Mann und ich habe so getan als würde ich sie genauso ernst nehmen wie ihn. Muss ja gut Wetter machen, schließlich ist sie in der Regel für unsere Fütterung zuständig.

Alsbald waren wir wieder an der Wackelkiste um die Heimreise anzutreten. Allerdings hatten die Menschen mal wieder eine lustige Idee und anstatt direkt nach hause zu fahren, haben wir noch einen Abstecher zur Brücke gemacht. Diego ist in der Wackelkiste geblieben und mein Mädchen und ich sind auf der Brücke herum spaziert. Mein Mädchen hat sich doll gefreut, weil ich mich so gut erinnert habe, dass Blechkisten unter der Brücke nicht gefährlich sind. Ich war sehr entspannt, habe sehr viele Kekse bekommen und 5 Minuten später ging es dann auch schon wieder in die Wackelkiste und ab nach hause. Demnächst suchen wir uns dann eine Brücke mit höherem Schwierigkeitsgrad – für Fortgeschrittene sagt mein Mädchen. Übrigens hat sie das damals (letztes Jahr im Sommer!) auch gesagt, aber bisher haben wir noch gar nix gesteigert. Mal sehen ob es diesmal wahr wird. Solange sie nur die Keksrate entsprechend anpasst!

Kann ich.

Euer sonntäglicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Alle Jahre wieder

Mein dritter Frühling mit Sir Duncan. Und obwohl ich neulich noch gesagt habe „dieses Jahr ist es besser“ muss ich das leider revidieren. Nichts ist besser. Der einzige Unterschied ist, dass die Frühlingsgefühle sich etwas (aber nur etwas) anders äußern, weil er mehr weiß. Anstatt beim spazieren gehen in einer Tour nach mir zu haschen, hat er jetzt eine neue Marotte entwickelt: er kündigt lange an, dass er GLEICH nach mir haschen wird. Also anstatt geradeaus zu schauen wo er hin läuft, schaut er mich herausfordernd an, streckt die Nase in meine Richtung und ich kann ihn quasi hören „gleich…. gleich werde ich nach dir schnappen! Gleich!“. Und so lustig das aussieht, so nervig ist es auch, denn erstens kommt das Maul ja dann doch irgendwann und zweitens kann er kaum geradeaus laufen, weil er einfach zu sehr mit seiner Ankündigung beschäftigt ist. Ihn von diesem Verhalten abzubringen ist eine Kunst.

Und dann ist da noch die Sache mit der gestiegenen Leistungsfähigkeit. Während früher ein schöner 7km-Spaziergang gereicht hat, um ihn zur Ruhe zu bringen und die überschüssige Energie los zu werden, kann davon jetzt keine Rede mehr sein. Samstag 8km Spaziergang, Sonntag „longieren“, Montag Handarbeit, Dienstag 7km Spaziergang und trotzdem hat er am Mittwoch noch so viel überschüssige Energie, dass wir auf dem Sommerreitplatz beim Handpferdereiten alle Hände voll zu tun haben (Diego leicht genervt von dem Tunichtgut an seiner Seite).

Unser „longieren“ (nicht im Kreis, sondern mit viel wandern, unverhofften Kurven und Geraden zwischen Zirkeln und Volten) war besonders denkwürdig: ich will mal ausprobieren, wo gerade so das Limit ist. Arnulf ist mit Diego mit auf dem Platz und schaut gelegentlich mit drauf. Ich wage eine Blick auf die Uhr wie lange Duncan wohl problemlos durchtrabt. 2 Minuten. Kurz Schritt. Dann weitere 3 Minuten Trab. Nach der Schrittpause vergesse ich auf die Uhr zu schauen, könnten nochmal 2 Minuten gewesen sein. Dann spreche ich Arnulf an, ich finde Duncan lässt schon etwas nach. Arnulf sagt trocken „der sieht noch nicht müde aus“. Also üben wir ein bisschen galoppieren. Inzwischen sind insgesamt 25 Minuten vergangen und wir haben so stramm durchgearbeitet wie noch nie. „Jetzt sieht er ein bisschen müde aus“ sagt Arnulf. Also möchte ich noch etwas Schrittarbeit machen vor dem Feierabend. Duncan denkt eher, wir könnten doch noch ein paar Mal antraben – von wegen müde. Er hat nur den Reserve-Tank geöffnet. Ich bestehe auf Schritt und mache dann Feierabend aber eins weiß ich gewiss: das Energie-Limit habe ich heute nicht gefunden. Da werde ich mir was anderes ausdenken müssen. Verzweifelt grinsend denke ich an den Rat, den ich Pferdebesitzern gerne gebe, wenn die Pubertiere über schier endlose Energie verfügen: such dir eine Möglichkeit, wie du dein Pferd mal so auslasten kannst, dass es wirklich müde ist. Einmal, vielleicht zwei mal. So dass das liebe Tierchen mal die Erfahrung macht, dass es nicht endlos Energie hat und dadurch lernt, sich die Kräfte einzuteilen. Ich bin heute an dieser Aufgabe gescheitert. Und nicht nur heute: die ganze Woche. Sir Duncan strotzt vor Energie und nervt neben all den Dingen die ich mit ihm tue auch noch ganz ungeniert den Rest der Herde mit ständiger Spiellaune. Inzwischen denke ich, die Großen möchten ihn vielleicht mal ein, zwei Wochen in ein Feriencamp schicken um ihre Ruhe zu haben. Arnulf meint, Diego würde demnächst eine Anzeige schreiben „suche Rüpel-Sitter damit ich mal ausschlafen kann“.

Derweil zeigt sich auch – wie letztes Frühjahr – dass der Ritter „vergessen“ hat, dass er bitte sein Tempo an das der Führperson anpassen soll. Er will schneller und ich bin zu langsam. Meine Schuld (findet er).

Ein Trost bleibt mir: im nächsten Frühjahr kann ich ihn dann entsprechend seinem Energieniveau reiten. Vielleicht wird mein Leben dann leichter. Oder auch nicht: vielleicht verlagert sich die Anstrengung nur von meinen Beinen in meine Arme, weil ich permanent bremsen muss. Ich lasse mich überraschen. Und hoffe einfach, dass ich den derzeitigen Energieüberschuss möglichst sinnvoll genutzt kriege, damit am Ende ein besser bemuskeltes, wohlerzogenes und für sein Alter gut trainiertes Pony in den Sommer geht.

Bis dahin heißt es: durchhalten.

P.S. Dies war ein Service-Artikel für all jene die immer meinen bei uns wäre alles ganz furchtbar einfach und es würde immer alles glatt laufen. Seid Euch gewiss: Nein. Wenn Ihr Zweifel habt, fragt bei Arnulf oder bei meiner Freundin nach, die derzeit wieder viel rohrspatziges Geschimpfe meinerseits mit und über mein Pony ertragen müssen. Zwei Stunden später kann ich dann wieder mit Herzchen in den Augen schwärmen, weil er mich wieder soooooo süß angeguckt hat. Das hat er voll raus… .

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 222

Haarige Zeiten sind das! Wir sind jetzt schon fleißig am umrüsten. Und die olle Winterrüstung muss ja irgendwo hin. Merlin nimmt da am liebsten den Holunderbusch zur Hilfe – den mag er sowieso furchtbar gern, da kann man sich sehr schön kratzen. Aber wir Ponys helfen uns auch gegenseitig beim ausziehen.

Und wenn mein Mädchen uns putzt, nimmt sie immer den „Turbo-Entpelzer“, das Teil zieht einiges an Fell raus. Danach schaut sie betrübt auf den Putzplatz, weil unsere Haare nicht einfach zu Boden fallen sondern sich überall verteilen und sie alles weg fegen muss.

Diego kann den Fellwechsel am elegantesten, sagt mein Mädchen. Bei dem merkt man da kaum was davon. Merlin hingegen haart sich was zurecht, dass es eine wahre Freude ist.

Bei mir ist mein Mädchen jetzt wieder wahnsinnig gespannt wegen der Farbgebung. Wie ich wohl diesen Sommer aussehen werde? Etwas heller bin ich ja schon geworden. Ich hab ganz viele weiße Stichelhaare. Aber mein Mädchen erinnert sich, dass ich die letztes Jahr im Frühjahr alle abgeworfen hab und dann doch wieder fast schwarz war. Na, sie wird es ja sehen wenn es so weit ist, vorher verrate ich nix!

Ansonsten mache ich hier einen auf Frühling und habe Energie ohne Ende. Mein Mädchen ist etwas verzweifelt, weil sie schon so viel mit mir macht und ich überhaupt nicht nachlasse. Ausflug, Longe, Handarbeit, wieder Ausflug und trotzdem bin ich auch am 4. „Arbeitstag“ in Folge noch fit wie ein Turnschuh und habe überschüssige Energie. Die anderen Ponys tun ihr auch schon ein bisschen leid, weil die reihum mit mir spielen müssen. Deswegen hat sie versprochen dass wir heute wieder Handpferdereiten auf dem Sommerreitplatz machen. Sie will wissen ob ich mich da jetzt besser benehmen kann. Ich überlege es mir noch….. kommt ja auch aufs Programm an!

Euer frühlingsfrischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 221

Mein Mädchen hat so allerhand Spitznamen für mich. Sie gibt das immer nicht so zu – wenn sie von mir spricht, sagt sie „Duncan“, wenn sie mich ruft, ist es „Duncan dhuuuuuuuuu“. Aber wenn wir zwei unter uns sind, dann hat sie allerhand interessante Bezeichungen. Früher, als ich noch winzig klein war, hat sie mich ja manchmal „Dunci-wanki“ „wampi Dhu“ oder „Daddeldidu“ genannt. Manchmal rutscht ihr heute noch „Daddelchen“ raus, aber dann schaue ich sie streng an und sage ihr dass sie sich das mal schön abgewöhnen darf. Dann entschuldigt sie sich bei mir. Die anderen haben mir erzählt, wenn sie zum Heu ruft und ich mich verspäte, dann fragt sie in die Runde, wo denn „der Mini-Schotte“ sei. Ooooooh Mädchen, lass dich nicht von mir erwischen!! „Mini-Schotte“ ist ja wohl nicht Dein Ernst!

Manchmal gibt sie mir aber auch indianische Namen – keine Ahnung warum. Wo ich doch Schotte bin. Aber lustig sind die schon. Wenn ich zum Beispiel dringend Kekse möchte, nennt sie mich „Häuptling Kleiner Geier“ und wenn ich Diego dem Großen alles nachmache sagt sie „Häuptlingssohn Kleiner Schatten“ zu mir. Warum es immer „klein“ sein muss, weiß ich nun auch nicht.

Wenn ich ein bisschen viel Frühling habe und beim Spazierengehen nach ihr hasche, sagt sie, ich sei eine schottische Schnappschildkröte und packt ihren alten Zungenbrecher aus: schaurig-schöne, Schecken-schmausende, schimmelige schottische Schnappschildkröte. Und sie ist übrigens die (S)chefin von der schaurig-schönen, Schecken-schmausenden, schimmeligen schottischen Schnappschildkröte. Schrecklich!

Häufig sagt sie ja auch einfach „Ritter“ zu mir. Das mag ich, da ist kein „klein“ drin. „Kleiner Ritter“ sagt sie nämlich (fast) nie. Manchmal sagt sie, wir machen „Ritter-Sport“ und dann kichert sie, aber ich weiß nicht genau warum.

Wenn sie sehr verliebt ist oder traurig oder müde oder sonstwie emotional, dann bin ich ihr Schatz und ihr Engel, aber diese Bezeichnungen muss ich mir mit Merlin teilen, der ist das nämlich auch. Na gut.

Früher hat sie manchmal „Herr Hengst“ zu mir gesagt, das fand ich super. Aber das hat sie sich abgewöhnt, weil sie meint, sie muss mich ja nicht dauernd daran erinnern dass ich ein ganzer Kerl bin. Schade, ich erinnere mich da schon sehr gern mal dran…..

Wenn ich besonders mutig war oder etwas großartiges gemacht habe, bin ich ihr Held – das höre ich auch gern! Und ganz gelegentlich, wenn sie findet, dass es richtig gut läuft mit uns und wir gewaltige Fortschritte machen, passiert etwas magisches, dann bin ich nämlich plötzlich ihr „Großer“! Jawohl solche Momente gibt es! Da staunt Ihr, was? Dann ist mein Tag gerettet. Ach, was sag ich, da ist gleich die ganze Woche gerettet!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (so heiße ich in Wirklichkeit und das wollen wir ja auch nicht vergessen, nicht wahr, mein Mädchen?)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 220

Ihr wisst ja, wie mein Mädchen ist. Sie möchte immer dass ich wachse. Ich sag ihr ja immer, wie es läuft: gib mir viel gutes Futter, dann mache ich das. Aber nein, sie will mir ja immer rein reden und mir noch erzählen, wann ich wie wohin wachsen soll. Fehlt nur noch, dass sie anfängt, an mir zu ziehen.

Jetzt erzählt sie mir, ich sollte in die Breite wachsen. Und damit ich mal ein Gefühl dafür kriege, wie breit meine Brust werden soll, macht sie lustige Übungen mit mir. Naja. Also es gibt Kekse dafür. Insofern ist es ok. Demnächst soll ich dann noch mit den Hinterbeinen so stehen. Ich kann Euch sagen, das ist ganz schön knifflig!

Und nur um das jetzt nochmal klarzustellen: fürs Wachsen bin ich allein zuständig. Fürs Füttern bist Du zuständig, mein Mädchen. Und es gibt da einen Zusammenhang.

Ich geh jetzt was essen.

Euer wachsender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 219

Da ist er ja: der Frühling! Hier eine Anleitung für Euch, wie man ihn am besten verbringt:

  1. Tiiiiiiiiiiiiiiiiief einatmen. Das riecht so gut! Nach den ersten Blüten, dem ersten ganz klitzekleinen Grashalm (den ich gleich vernichten werde wenn ich denn ran komme) und überhaupt nach Frühling! Aber Vorsicht: diesen Punkt lieber auslassen, wenn der Nachbar gerade Gülle auf sein Feld fährt, sonst wird der Genuss doch eher etwas zweifelhaft.
  2. Rechtzeitig umrüsten von Winter auf Sommer! So ein Fellwechsel dauert, also nicht zu lange warten! Aber auch nicht unterschätzen wie kalt die Nächte noch sind. Da muss jetzt jedes Haar genau überprüft werden ob es noch nötig ist oder schon weg kann.
  3. Nicht verwechseln: es gibt die Frühjahrsmüdigkeit und die Frühlinsgefühle. Wenn beides aufeinander trifft ist das nicht gut, also in der Herde immer gut abstimmen, was gerade so dran ist.
  4. Schon mal nach der Weide schielen. Jetzt kommt wieder die Zeit in der mein Mädchen schon ständig auf die Weide darf und wir noch nicht. Dabei frisst sie noch nicht mal Gras! Keine Ahnung was sie da so tut. Aber wir nutzen dann die Gelegenheit um anzumerken, dass es schon toll wäre, auch mal raus zu dürfen. Dann sagt sie uns, dass das noch einige Wochen dauert – och menno.
  5. Mal was neues ausprobieren! Ich zum Beispiel habe den Sattel von meinem großen Bruder anprobiert. Passt! Nur einen anderen Gurt hab ich gebraucht. Hab den Sattel schon mal über den Platz getragen – Schritt, Trab, Galopp und auch mal über eine hochgelegte Stange gehüpft. Mein Mädchen war schon wieder entzückt, weil ich das alles so perfekt gemacht habe. Klar, kann ich!
  6. Hoch motiviert in die Saison starten. Zeit, die Streckenlänge wieder zu erhöhen, mein Mädchen! Wo ist bloß Deine Fitness vom letzten Sommer geblieben? Hopp hopp, raus ins Grüne und laufen, laufen, laufen! Je schneller und länger, je lieber. Wollen wir nicht mal wieder ein paar neue Wege probieren? Ich trag Dir auch das Picknick.
  7. Ach egal, vergesst die Anleitung. Einfach genießen! Das schafft Ihr schon!
Sattelanprobe

Euer frühlingsfrischer Sir Duncan Dhu of Nakel

Schlechte Tage

Ich habe hier schon einmal geschrieben, dass und warum ich nicht der Meinung bin, dass wir nur dann zum Pferd gehen sollten, wenn wir perfekt ausgeglichen, gut gelaunt, geerdet und fit sind.

Trotzdem ist meine Stimmung und Verfassung natürlich nicht bedeutungslos für die Arbeit mit den Pferden. Dieser Tagen denke ich mehr darüber nach, was ich wann mit meinen Ponys mache, denn es sind verwirrende Tage für mich. Einerseits ist das Wetter toll und Duncan macht mich wahnsinnig glücklich mit allem was er ist und tut. Andererseits finden außerhalb der Grenzen unseres Paradieses in dem wir hier leben furchtbare Dinge statt, die sich nicht nur jetzt schon direkt auf unser Leben auswirken – nicht nur an der Tankstelle – sondern die ich auch durchaus sehr bedrohlich finde, bedrohlicher als alles was in meinem bisherigen Leben so war. Und obwohl diesmal – im Gegensatz zu Corona – keiner meiner Kunden und Schüler bisher ein Gespräch dazu angefangen hat, schwebt das Thema über unser aller Köpfe. Mir scheint fast, wir Pferdeleute hätten eine unausgesprochene Übereinkunft getroffen, dass wir die Zeit beim Pferd genießen und alles andere ausklammern. Und das finde ich sehr gut so. Denn einerseits hilft es niemandem, wenn wir uns die Zeit mit dem Pferd verderben, andererseits wird diese Zeit auch für unser Pferd verdorben sein, wenn unser Kopf sich mit schrecklichen Szenarien beschäftigt die jenseits unserer Einflussmöglichkeiten liegen.

Und wieder – wie nach Finlays Tod und wie so lange nach Duncans Einzug – übe ich Ambiguitätstoleranz. Aushalten, dass Dinge sich gleichzeitig gut und schlecht anfühlen können. Aushalten, dass eine wahnsinnige Distanz liegt zwischen dem, was ich hier zu hause mit den Ponys erlebe und dem, was ich im Radio höre. Aushalten, dass das im Moment so ist und dass ich es nicht ändern kann. Mir erlauben, glücklich und zufrieden zu sein obwohl ich zur gleichen Zeit aufgewühlt und verängstigt bin. Meine eigenen Sorgen ernst nehmen obwohl ich weiß wie lächerlich sie sind gegen die Sorgen anderer. Schwierig.

Und an solchen schwierigen Tagen schaue ich besonders genau hin, was geht. Welche Dinge kann ich mit den Ponys tun, welche lasse ich lieber? Bei Merlin und Diego weiß ich das. Ich weiß, was mir persönlich gut tut (in meinem Fall sind es Aufgaben die von mir eine hohe Konzentration erfordern, aber nichts neues anfangen. Ich verfeinere bekannte Übungen und mache alles sehr langsam und sorgfältig). Und ich weiß, dass Merlin und Diego in ihrer erfahrenen, gelassenen Art, bereit sind, mit mir das zu tun was ich ihnen vorschlage.

Bei Duncan sieht das anders aus. Derzeit suchen wir keine Herausforderungen mit fremden Pferden. Denn auch wenn ich in der Übungssituation voll konzentriert wäre: einen Rückschlag würde ich nicht aushalten. Ich könnte im Moment nicht verkraften, wenn es schief geht. Und deswegen riskiere ich nicht, dass es schief geht. Ich wähle Aufgaben, die (ziemlich) sicher klappen. Gleichzeitig sorge ich dafür, dass ich nach der Arbeit mit Duncan entweder Zeit für ein anderes Pony habe oder Zeit für mich (mag es auch bei der Stallarbeit sein) so dass ich nicht nach einer vielleicht verpatzten Session los fahren muss und meine miese Gefühlslage mitnehme zu anderen Pferden. Normalerweise bin ich da nicht so zimperlich, aber jetzt zur Zeit schaffe ich mir so einen Puffer. Denn bei allem, was mein Pony im Moment großartig machte, bleibt es doch dabei, dass er erst 3,5 Jahre alt ist. Er ist noch nicht so stabil und verlässlich wie die Großen, das möchte ich an Tagen wie diesen nicht vergessen. Es gibt allerdings inzwischen schon viel mehr Dinge, die wir machen können, von denen ich weiß, dass sie gut gehen. Und so sehe ich auch, wie weit wir schon gekommen sind. Und ich hoffe auf bessere Tage.

Übrigens ist meine Lieblings-Organisation Equiwent auch für die Ukraine tätig. Sie helfen dort nicht nur Tieren sondern auch Menschen und sind froh über jeden Euro.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 218

Neulich waren wir allein spazieren. Also ich meine: ohne Begleitpferd. Mein Mädchen mag noch nicht mit mir alleine raus, weil sie nicht sicher ist, was passiert wenn wir fremden Pferden begegnen. Deswegen musste der Mann mit. Aber das macht nix, der will sich eh mehr bewegen. Wir wollten schön die „Hausrunde“ gehen aber was soll ich sagen? Der Sturm war fleißig! Wir hatten die gute Hälfte der Strecke hinter uns und hatten uns schon an einer Stelle wagemutig durchs Gestrüpp geschlagen, als uns ein quer liegender Baum den Weg komplett versperrt hat. Da half dann nur noch umdrehen.

Bin ich hier bei Dornröschen oder was?
Da ist kein durchkommen.
Hätte man übrigens vorher schon sehen können, dann hätten wir uns die Dornröschen- Nummer gespart!

Mein Mädchen war ganz entzückt von mir, weil ich alles absolut souverän und großartig gemacht habe. Dabei waren wir ewig nicht ohne Begleitpferd los. Aber ich bin ja jetzt schon ein großer Ritter und hab kein Problem damit, allein los zu ziehen. Zwischendurch haben wir Sachen geübt. Zum Beispiel rückwärts den Berg hoch gehen. Holla, das ist anstrengend! Oder gemeinsam den Berg runter traben und ich darf nicht beschleunigen. Auch nicht so ganz leicht! Da kommt man immer so in Fahrt! Und als wir an den Nachbarpferden vorbei gegangen sind, haben wir wieder „Ruuuuuuuuhe“ geübt. Das sagt mein Mädchen jetzt immer wenn ich den Kopf runter nehmen soll. Weil wenn man den Kopf unten hat, kann man sich nicht aufregen und angeben. Deswegen soll ich das machen wenn fremde Pferde da sind. Das ist manchmal richtig schwer, sage ich Euch! Nix für Anfänger!

Eigentlich kann ich das!
Manchmal ist es voll kompliziert!

Aber mein Mädchen war begeistert von meiner Performance. Sie sagt, wir gehen nicht so oft allein los, offensichtlich müssen wir das ja nicht so doll üben. Und da es ihr nicht so viel Spaß macht, können wir uns das dann auch sparen. Später, wenn ich ganz erwachsen und furchtbar vernünftig bin (so in 100 Jahren), ziehen wir wohl auch mal allein los, sagt sie. Aber bis dahin nur ab und zu zu Übungszwecken. Mir ist es einerlei nur eins steht fest: echt Abenteuer finden jenseits der Grundstücksgrenze statt! Das hat sie aber kapiert. Und jetzt wo der Frühling kommt, hat sie auch versprochen dass wir wieder öfter mit Diego oder meinem Spaziergehkumpel zusammen los ziehen. Und wer weiß, vielleicht findet sich auch noch der eine oder andere zusätzliche Spaziergehkumpel.

Heute ist jedenfalls wieder eine schöne Tour geplant, Sonne tanken!

Euer sonniger Sir Duncan Dhu of Nakel

Filterblase

Viele Dinge im Pferdetraining finde ich schwer zu erklären. Techniken sind leicht zu zeigen und daher nur selten das Problem. Aber zu erklären, was ich in meinem Kopf tue, ist etwas anderes. Und das was in meinem Kopf passiert, kommt ungefiltert bei meinem Pferd an. Pferde haben eine so feine Wahrnehmung unserer Körpersprache, sie nehmen unsere Stimmung wahr, sie wissen, wie es uns geht und sie ziehen ihre Schlüsse daraus. Sie „sehen“ die Bilder in unserem Kopf, sie wissen ob wir etwas wahrnehmen oder nicht, ob wir etwas wichtig finden oder nicht, ob uns etwas Angst einflößt oder nicht. Es gibt keinen Raum, sie anzulügen und zu täuschen. Das macht sie zu so wunderbaren Lehrmeistern.

Als ich zum ersten Mal mit zwei Ponys gleichzeitig Freiarbeit gemacht habe – vor einigen Jahren mit Merlin und Finlay – fühlte mein Gehirn sich nachher an wie gespalten. Aber es hat sich gelohnt, das zu üben. Denn ich durfte erfahren, wie fein die Pferde uns lesen. Ein Pony sollte stehen, das andere sich mit mir bewegen. Beide muss ich im Blick haben, beide zum richtigen Zeitpunkt belohnen. Trotzdem schließe ich das Pony das warten und stillstehen soll ein Stück weit aus. Es soll nicht auf meine Körpersprache reagieren, bis es wieder gemeint ist. Ich sehe es, aber es nimmt nicht teil. Und das zu üben, hat mich ein gutes Stück weiter gebracht im Umgang mit Pferden.

Wenn ich heute mit Duncan in die Halle fahre und dort mit einer Bekannten und ihrem Pferd übe, dass wir fremde Pferde ignorieren, brauche ich genau diese Art von Filterblase um uns herum. Das andere Pferd ist da, natürlich wissen Duncan und ich das beide. Und wir wissen auch beide, wann das andere Pferd sich ungewöhnlich bewegt, wann wir wie nah ran gehen können, ob vielleicht etwas unvorhergesehenes passiert. Aber es hat nichts mit uns zu tun, wir üben Ignorieren. Und das klappt, ich kann Duncan mit in meine Filterblase ziehen und er ist wundervoll konzentriert bei mir. Bis zu diesem Moment, in dem „Tür frei“ erschallt. Ich erstarre, meine Blase platzt, Duncans Kopf schnellt in die Höhe. Da kommt eine mir unbekannte Person mit Pferd und ich bin hilflos. Verdammt.

Wir bringen die Situation irgendwie unelegant hinter uns. Zu hause überlege ich, welche besseren Strategien es gibt. Ich denke an die Schüler an den großen Ställen, die ständig damit zu kämpfen haben, dass ihnen jemand rein redet, blöde Sprüche aller Art und Sorte an den Kopf haut oder „gute Tipps“ hat. Ich persönlich wäre massiv gestresst davon und ich bin nicht die einzige. „Ich kann mich dann nicht konzentrieren“ sagen viele und ich kann das total verstehen.

Als ich nach der Hallenbegegnung nach hause komme, bin ich geistig total platt. Es hat mich wahnsinnig angestrengt, 20 Minuten meine Blase aufrecht zu erhalten. Das erfordert Übung und Wiederholung, genau wie Muskeltraining. Mein kleiner Hengst, der stetige geistige Anwesenheit erfordert, hilft mir beim üben. Merlin und Diego mit ihrer Erfahrung und Gelassenheit fordern das nicht ein. Sie können damit leben, wenn ich unkonzentriert und fahrig bin. Aber natürlich sollen sie nicht damit leben müssen – zumindest nicht allzu oft. Und so nehme ich mir vor, die Konzentration zu üben, auch wenn ich zu hause mit meinen Ponys bin. Mich noch mehr zu fokussieren. Und mir ein paar schlaue Strategien und Sätze zurecht zu legen für die nächste unvorhersehbare Situation. Sätze, die fertig formuliert sind und freundlich aber eindeutig klar machen, was ich möchte. Wenn das nächste Mal jemand „Tür frei“ ruft, könnte ich antworten „Moment bitte“ dann für Abstand sorgen und wenn die Person mit Pferd drin ist sagen „Entschuldigung, ich habe einen jungen Hengst an der Hand, der fremde Pferde wahnsinnig aufregend findet. Es wäre toll, wenn du kurz auf die andere Seite der Halle gehen könntest, dann gehen wir raus. Oder wenn du mir beim Üben helfen magst, könntest du 5 Minuten Schritt auf dem anderen Zirkel gehen. Nach spätestens 5 Minuten gehe ich dann raus.“ Diese Sätze auswendig zu lernen, damit ich sie dann sagen kann während ich mich auf Duncan konzentriere, klingt vielleicht für den einen oder anderen komisch. Aber aus der Erfahrung, mit mehreren Ponys frei zu arbeiten habe ich gelernt, dass meine Filterblase besser hält, wenn ich mich gewappnet fühle für möglichst viele Situationen. Und dann kommt die positiv-Spirale ins Spiel: je ruhiger ich bin, desto mehr Ruhe kann ich auf Duncan übertragen, je mehr Ruhe ich auf Duncan übertrage, desto mehr verinnerlicht er, dass man eben immer ruhig und entspannt bleibt und je mehr er das verinnerlicht, desto entspannter werden wir beide insgesamt. Bis wir irgendwann entspannt genug sind um uns auch in Situationen zurecht zu finden, die wir noch nie geübt haben.

Duncan hat auch schon viel gelernt. Vor einem Jahr war es noch so: wir gehen an einer Weide mit fremden Pferden vorbei. Duncans Kopf geht hoch, er hat nur noch Augen für die anderen Pferde und wenn ich ihn nicht SOFORT daran erinnere, dass ich da bin, ihn bitte, die Schulter von mir weg und die Nase zu mir hin zu wenden, bin ich abgeschrieben. Dann hänge ich nur noch am Strick und muss mich mit mehr oder weniger Gewalt durchsetzen um zu verhindern, dass Duncan zu den anderen Pferden geht oder wenigstens erhobenen Hauptes und Schweifes im Angebertrab posiert. Heute geht das schon viel besser. Wenn die Pferde auf der anderen Seite des Zauns entspannt sind, kann ich Duncan ruhig hinschauen lassen. In vielen Fällen schafft er es, nur kurz zu schauen, dann wieder nach mir zu gucken und dann wieder kurz nach den anderen Pferden. Ohne dass ich etwas dazu sagen muss. Auch meinen „Aufmerksamkeitscheck“ (unangekündigt stehen bleiben und schauen ob Duncan auch stehen bleibt) besteht er jetzt immer öfter. Er kann sogar in vielen Fällen auf mein Kommando im Stehen den Kopf senken und sich dadurch einen Keks verdienen. Auch er hat sein Gehirn anscheinend trainiert und kann mich jetzt noch wahrnehmen obwohl er nach den anderen Pferden schaut. Und wenn er es mal nicht schafft, reicht fast immer ein kleines Zupfen am Strick um ihn zu erinnern, dass ich auch noch da bin. Das macht mir Mut für die Sommersaison, wenn an einigen unserer Spaziergehwege wieder sehr viel mehr Pferde stehen werden – und nicht nur stehen, denn einige sind gerne mal sehr neugierig oder auch geneigt, etwas action zu machen. Da wird es dann wieder Zeit, das Konzentrationslevel zu erhöhen und die Filterblase zu verstärken. Übung macht den Meister und die Meisterin.