Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 239

Gestern hat mein Mädchen mich geholt und mir die Schuhe angezogen. Oh fein! Das gibt bestimmt ein Abenteuer! Aber Pustekuchen – sie hatte was ganz anderes vor! Sie hat mir Wasser in die Puschen gegossen! Igitt, das ist doch nass! Danach hat sie mich mitsamt den nassen Puschen zum Heu fressen geschickt. Hm. Während wir Heu gefressen haben, kam sie noch mit der Gießkanne und hat mir mehr Wasser an die Hufe gekippt. Ist sie verrückt geworden? Diego und Merlin hatten auch Schuhe an und haben auch was abgekriegt aus der Gießkanne. Mein Mädchen wollte uns nämlich die Hufe schön machen und weil es so trocken ist, sind die hart wie Stein. Deswegen hat sie sie ein bisschen eingeweicht. Also als das Heu weg gemampft war, hat sie dann die Raspelmaschine geschwungen und mich hübsch gemacht. War ganz schön nötig!

Anschließend sind wir noch auf den „Sommerreitplatz“ gegangen. In Wirklichkeit ist das ja nur ein abgezäuntes Stück Weide. Wir Ponys waren ganz aufgeregt, weil wir gedacht haben, es ginge endlich los mit anweiden! Aber schon wieder Fehlanzeige. Nur ich durfte mit raus und wir haben „Bauch, Beine, Po“ gemacht. Weil der Sommerreitplatz nämlich ganz schräg ist und es da also immer bergauf und bergab geht. Das war schwer, sage ich Euch! Nicht wegen bergauf und bergab sondern weil ich kein Gras essen sollte! Erst habe ich eine Diskussion gestartet. Aber mein Mädchen war unerbittlich und hat gesagt, ich darf nur auf Ansage grasen. Jetzt sollte ich mal schön um sie rum laufen. Ich habe mir dann beholfen, indem ich angetrabt bin. Ich kann zwar auch im Trab nach Gras haschen und habe das auch diverse Male versucht, aber im Schritt ist es noch viel schwieriger, der Versuchung zu widerstehen. Zum Glück musste ich immer nur so 2-3 Minuten laufen und durfte dann kurz grasen. Später bin ich besser geworden und konnte auch im Schritt gehen ohne zu naschen. Und nach 20 Minuten waren wir auch schon fertig und ich durfte noch 5 Minuten grasen. Leckerleckerlecker!

Leckerste Belohnung der Welt! Hab ich mir hart erarbeitet

Heute kommt die Waage. Was meint Ihr, wie schwer bin ich wohl geworden? Letzten Sommer waren es 360kg.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 238

Nach all dem Üben am Osterwochenende meinte mein Mädchen, sie braucht dringend etwas Romantik. Traf sich gut, dass sowieso Dienstag war – Ausflug mit dem Spaziergehkumpel! Ich weiß das ja immer schon vorher, weil die Wackelkiste parat steht. Dann warte ich geduldig, bis mein Mädchen mich holt. Schuhe anziehen, bürsten, rauf auf die Wackelkiste und rein ins Abenteuer! Juhuuu!

Wann holst du mich denn?

Wir haben meinen Spaziergehkumpel abgeholt und sind wieder gemeinsam in den Wald gefahren. Wie gesagt, mein Mädchen wollte Romantik. Ich nicht so, ich wollte lieber Kilometer machen. Los, sei doch nicht so langsam, mein Mädchen! Aber jetzt hat sie ja eine Lösung für das Problem. Sie klettert dann einfach auf meinen Rücken und sagt, wenn sie oben sitzt darf ich mein Schritttempo gehen. Und diesmal hat es klick gemacht bei mir! Die letzten Male hatte ich noch so viel zu tun mit der Balance. Ich musste gut auf meine Füße aufpassen und die im Griff behalten. Gerade so im Wald wo der Boden nicht ganz eben ist, fand ich das doch eine überraschend komplizierte Aufgabe und ich bin nicht ganz so schnell gegangen wie normalerweise. Aber jetzt haben meine Füße kapiert, wie das geht wenn ich mein Mädchen trage. Und sie machen ihren Job wieder ganz allein. Und was heißt das? Dass ich zügiger Schritt gehen kann! Genau so wie ich mir das immer vorgestellt habe. Nicht so im Schneckentempo neben meinem Mädchen her sondern mit Siebenmeilenstiefeln voran. Es gib nur zwei Probleme dabei. Erstens steigt sie ja immer alsbald wieder ab und läuft ein Stück, weil ich sie noch nicht so lange tragen soll. Und kaum berühren ihre Füße den Boden heißt es wieder: Geschwindigkeitsbegrenzung! Menno. Und zweitens – das war mir irgendwie nicht klar – ist der Ausflug schneller vorbei wenn man schneller voran kommt! Was, wir sind schon wieder an der Wackelkiste? Wieso das denn? Aber mein Mädchen hat versprochen, dass wir die Strecke einfach verlängern und dann passt es wieder. Ok! Bin bereit!

Los geht’s! Mein Spaziergehkumpel sieht mich nur noch von hinten!

Euer flotter Sir Duncan Dhu of Nakel

Menschen und Pferde

Es ist immer wieder interessant, wie ähnlich Menschen und Pferde sich sind. Weil alle Säugetiere sich ähnlich sind. Bei den schlechten Gewohnheiten zum Beispiel. So gut wie alle Menschen die ich kenne, wissen, dass sie schlechte Gewohnheiten haben. Sie wissen, dass man nicht durch das reine Wissen darum so eine schlechte Gewohnheit los wird. Gleichzeitig schauen sie verständnislos auf die schlechten Gewohnheiten ihres Pferdes: „warum macht er das?“ und ich darf sie dann daran erinnern, dass schlechte Gewohnheiten nichts sind, was man eben schnell mal so abschüttelt – sonst wären es keine Gewohnheiten. Oder bei der Angst: warum fürchtet das Pferd sich vor so komischen Dingen? Tja, warum fürchten Menschen sich vor Spinnen, vorm Fliegen, vor Spritzen oder im Aufzug? Die Auswahl an rational kaum oder gar nicht begründeten Ängsten ist bei Menschen wohl genauso groß wie bei Pferden.

Und warum möchte das Pferd lieber faul herum stehen als Sport machen, den es dringend bräuchte? Ui, da frag mal ein paar Menschen. Warum hat mein Pferd so eine schlechte Haltung, ein schlechtes Körpergefühl, schlechte Muskulatur? Da kenne ich auch ein paar Menschen bei denen das so ist. Warum ist mein Pferd so ungeduldig, möchte nicht gern im Gesicht angefasst werden, dafür aber ständig etwas naschen?

Es ist überraschend, wie oft ich Menschen darauf hinweisen kann, dass Menschen – inklusive ihnen selbst und meiner Wenigkeit – genau so sind. Jeder hat seine Marotten. Der eine ist faul und bewegt sich keinen Meter mehr als er muss. Der andere ist ständig am hampeln und reden und kommt nie zur Ruhe. Einer möchte ständig nah sein, der andere kann gar nicht genug Abstand haben. Und alle, alle haben schlechte Angewohnheiten. Ein Mensch knibbelt an seinen Fingernägeln, ein Pferd kaut am Strick. Und dann hat noch jeder seine Taktiken, um die anderen dazu zu bringen, das zu tun was man möchte. Mancher Mensch brüllt dazu rum und schüchtert andere ein, mancher stellt sich absichtlich ein bisschen dumm an. Wir Frauen wissen alle, dass wir oft mit einem netten Lächeln bekommen was wir wollen und sogar die Männer wissen oft, dass sie das jetzt nur tun weil eine Frau nett gelächelt hat und dass die Frau nur deswegen nett gelächelt hat, weil sie damit bekommt was sie will. Es funktioniert trotzdem. Im Straßenverkehr und an der Supermarktkasse versucht man oft, den Vordermann zu beschleunigen, indem man ihm auf die Pelle rückt – obwohl eigentlich klar sein dürfte, dass das nicht wirklich funktioniert.

Das schönste Beispiel habe ich mal in einem Podcast gehört: Wenn wir den bellenden Hund anbrüllen, dass er die Klappe halten soll. Bringt nix, weiß bei kurzem Nachdenken eigentlich jeder aus eigener Erfahrung. Aber für einen kurzen Moment bringt es eben doch etwas. Ganz kurz ist der Hund still. Und dieser kurze Moment ist für unser Gehirn die Belohnung für unser Verhalten. Also brüllen wir wieder – weil unser Gehirn das als lohnendes Verhalten abgespeichert hat obwohl es gar nicht wirklich zum Ziel geführt hat.

Für mich war das ein Aha-Moment. Es leuchtet mir total ein. Es ist der selbe Effekt warum wir Schokolade essen, die uns dick macht, Zigaretten rauchen, die uns krank machen oder eben keinen Sport machen. Unser Gehirn findet die kurzfristige Belohnung einfach zu attraktiv. Darum sind Facebook und Co so erfolgreich aber kaum einer läuft Marathon.

Und genauso geht es auch dem Pferd. Wenn mein Ritter neben mir her flitzt und durch nichts davon abzuhalten zu sein scheint, dann verstehe ich: was immer ich an Strafe oder Belohnung anbiete wird wenig Einfluss haben. Die kurzfristige Belohnung, schneller zu gehen, ist heute wichtiger als alles was ich dagegen zu bieten habe.

Nur ganz langsam lernt mein Teenager, gelegentlich die kurzfristige Belohnung, die ein Verhalten ihm bietet, lieber gegen eine langfristige einzutauschen. Das nennt sich wohl erwachsen werden. Bedürfnisaufschub, Frustrationstoleranz, Dinge die auf den ersten Blick einfach nur fies erscheinen, aber langfristig glücklicher machen. Dinge, die jedes Säugetier im laufe seines Lebens mehr oder weniger gut lernt. Je besser, desto angenehmer für alle Beteiligten. Und wenn ich meinen Teenie so anschaue und genervt bin von seinen Marotten, dann denke ich an meine Marotten. Daran, dass ich Duncan damit auch sicher oft gehörig auf die Nerven gehe. Und ich denke an den bellenden Hund und weiß: wenn ich etwas ändern will, brauche ich eine langfristig wirksame Strategie. Und vor allem bin ich zuständig, meinem Pony zu helfen beim erwachsen werden. Wenn ich dann mal diejenige bin, die ihn frustriert, um seine Frustrationstoleranz zu stärken, dann muss ich das aushalten können. Als Jungpferdebesitzerin ist es mein Job, den besten Weg dafür zu finden. Da darf ich Gehirnschmalz investieren und Zeit, Geduld und den Willen, auch nochmal die Taktik zu ändern, Unterricht zu nehmen oder mir selbst eine nützliche neue Gewohnheit zu schaffen. Je erwachsener ich bin, je mehr ich mein eigenes Gehirn mit seinen schlechten Angewohnheiten im Griff habe, je mehr Frust ich aushalten kann, je mehr ich meine Bedürfnisse auch mal hintenan stellen kann, desto besser wird mein Pony das nachher auch können. Deswegen sagt man wohl, der Umgang mit Pferden ist gut für die Charakterbildung. Von Zuckerschlecken war die irgendwie nie die Rede. Und nach diesen schlechten Nachrichten brauche ich ein Stück Schokolade, Ihr wisst schon.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 237

Neulich war wieder der schöne Spanier zu Besuch! Den kenne ich ja schon. Erst war er mit seinem Mädchen auf unserem Reitplatz und mein Mädchen hat den beiden ein paar Tipps gegeben. Aber nur wenige, weil die das schon echt gut können! Fanden wir Ponys auch – wir haben zugeschaut, wie die zwei das machen.

Wir haben genau zugeschaut was die da treiben.

Danach hat mein Mädchen mich dann dazu geholt. Während der Spanier kreuz und quer über den Reitplatz gelaufen ist, sollte ich mit meinem Mädchen anders kreuz und quer über den Reitplatz laufen. Und mich dabei total auf sie konzentrieren. Nicht den Rüssel raus hängen lassen (ok meistens hing er dann doch raus) und keinen Quatsch machen (das hab ich gut geschafft!). Dann haben wir Pause gemacht. Der Spanier stand gegenüber im Paddock und ich habe ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen. Wir haben alle etwas Heu geknabbert und ich hab mich immer bewegt, wenn der Spanier sich bewegt hat. So spannend war das! Die Menschen haben derweil zwischen uns in der Sonne gesessen Kuchen gegessen.

Links der schöne Spanier, das rechts bin ich

Dann sind wir nochmal gemeinsam auf den Reitplatz gegangen und haben die Übung wiederholt. Ooooooh es ist so schwer sich zu konzentrieren! Ich will den doch so gern näher kennen lernen, der sieht so nett aus! Wollen wir nicht Freunde sein? Mein Mädchen sagt, nur Brieffreundschaft. Also ohne anfassen! Sie meinte, wir könnten doch auch so über Körpersprache kommunizieren. Ja wie denn, wenn du mir ständig dazwischen quasselst! Also kurz und gut: ich musste mich wieder auf mein Mädchen konzentrieren. Hab ich gemacht. Auch wenn es verdammt schwer war! Und danach war sie zufrieden mit mir und hat eine Menge Kekse raus gerückt. Uff. Dann nochmal zusammen rum stehen – er auf der einen Seite des Weges und ich auf der anderen. Und dann ist er plötzlich weg gegangen! Ist wieder nach hause gewackelt worden in seiner Wackelkiste. Da war ich voll traurig! Habe ihm hinterher gewiehert und bin auf und ab getrabt, ich dachte, er bleibt bei uns und zieht hier ein! Und dann geht er einfach wieder! Menno. Das fand ich blöd. Da half auch kein Heu zum trösten. Naja, nun sind wir eben doch immer noch nur zu fünft hier. Aber ich hab ja die besten Kumpels der Welt hier, das ist auch ok. Und mein Mädchen hat gesagt, der schöne Spanier kommt uns auch mal wieder besuchen und dann versuchen wir zusammen spazieren zu gehen, wenn ich mich benehmen kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 236

Am Sonntag war mal wieder Mess-Tag. Ab ging’s an die Wand und dann gibt es für mich immer Kekse, ohne dass ich mich groß anstrengen muss. Der Mann holt die Wasserwaage raus und drückt damit auf meinem Hintern herum und dann guckt er wieder schief, schüttelt den Kopf, dann muss ich weg gehen, nochmal hingehen und so. Diesmal musste ich sogar ordentlich stehen wie wir es geübt haben. Wenn meine Beine parallel stehen, bin ich nämlich größer!

Also ich bin jetzt 141cm groß – und zwar vorne und hinten! Obwohl es auf dem Foto so aussieht, als ob ich hinten noch ein Stück höher wäre, aber das täuscht wohl nur. Oder der Mann hat sich vermessen. Wer weiß? Mein Mädchen sagt, es ist egal, 141cm ist schon echt gut.

Das war vor zwei Jahren, da brauchte ich dafür noch ein Halfter. Und ich war viel kleiner!
Inzwischen kann ich das ohne Halfter. Bin schließlich Profi!

Nächsten Sonntag kommt die Waage und da werde ich nicht nur gewogen, sondern auch von denen nochmal gemessen. Mal sehen was die sagen! Jeder misst ja ein bisschen anders. Ich glaube mit der Körpergröße ist es wie mit dem Tempo. Da findet mein Mädchen ja auch, dass etwas „schnell“ ist, obwohl mein Tacho „gemütlich“ anzeigt…..

Sie kann es aber nach wie vor nicht lassen, mir beim Wachsen rein zu reden. Jetzt soll ich bitte breiter werden, sagt sie. Du meine Güte, Mädchen, kannst Du das mal lassen? Ich mach das schon! Sorg Du mal lieber dafür, dass die nötigen Baumaterialien da sind. Gutes Futter muss her! Wie wäre es mal mit Weidegang, hm? Nein, da müssen wir noch warten. Das Gras ist noch zu kurz und wenn es so kurz ist, ist es nicht gesund für uns. Außerdem ist dann nachher nicht genug da, wenn wir jetzt schon was davon weg futtern. Ach menno. Es riecht schon so nach Frühling und ich höre es ganz laut wachsen! Sage ich beim Spaziergang jetzt auch immer laut und deutlich. Zum Glück darf ich dann manchmal auch was knabbern. Aber nie genug! Und dann soll ich wachsen? Wie denn? Wovon denn? Mein Mädchen meint, ich könnte ja weniger spielen und die Energie fürs Wachsen verwenden. Aber spielen ist voll wichtig! Da kann ich nun wirklich nix einsparen.

Nur meine Patin, die hat es kapiert. Die hat meinem Mädchen Ostergeld zugesteckt und dann gesagt, da wäre ja sicher auch noch eine Möhre für mich drin (mit „eine Möhre“ meinte sie natürlich einen Möhrenacker!). Und deswegen schicke ich mein Mädchen jetzt einkaufen. Sie hat nämlich genug Osternaschi geschenkt bekommen, sie braucht nix mehr! Soll sie mal schön in mich investieren, da ist es doch bestens angelegt. Ich schreib ihr schon mal einen Einkaufszettel.

Euer gewachsener Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. 141cm! Toll oder?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 235

Meistens kann ich ja alles und mache alles richtig. Manchmal mit ein bisschen zu viel Energie, aber trotzdem richtig. Und dann gibt es diese Kleinigkeiten die ich gelegentlich vielleicht bisher noch nicht so ganz drauf hatte. Und deswegen hatte mein Mädchen ja schon letzten Herbst verkündet, jetzt sei Schluss mit Romantik und wir würden das alles voll viel üben. Zum Glück hat sie aber gar nicht so oft Lust, so was zu üben und entscheidet sich dann doch eher für die romantischen Strecken. Aber heute wollte sie es wirklich wissen und wir haben auf einer einzigen 9km- Tour alles geübt was es noch so zu üben gibt: Autobahnbrücke – allerdings die Anfängerversion, weil da gerade nur 2 Spuren befahren werden. Dafür sind wir 4 mal über die Autobahn gedackelt! Beim letzten Mal ganz ohne anhalten, Keks essen oder sonstwas. Einfach so als wäre es ein schnöder Feldweg. Kann ich jetzt!

Außerdem ging es noch durch ein fremdes Dorf und an fremden Pferden vorbei, die auch noch ganz schön spannend waren! Zwischendurch ungefähr 100 Autos – nette, die gebremst haben aber auch viele die einfach so getan haben als wären wir gar nicht da – und ein paar Trecker (da gab es auch nette und weniger nette). Das stört mich aber alles nicht.

Mein Mädchen ist jetzt völlig kaputt. Das war wohl zu viel für sie! Für mich nicht, ich hab alles gut gemacht. Sogar bei den fremden Pferden, obwohl das eine echte Herausforderung war. Die sind da rum gerannt und haben mich angewiehert! Da wollte ich doch mal einen Schnack halten und zeigen was für ein hübscher Kerl ich bin! Aber im Gegensatz zu früher, wo ich dann manchmal aus Versehen vergessen habe, dass mein Mädchen noch am Strick hängt, habe ich heute beides gleichzeitig geschafft: den fremden Pferden freundlich antworten und dann schnell zu meinem Mädchen gucken und den Kopf runter nehmen um einen Keks zu kassieren. Und meinen „Rüssel“ hab ich auch drin gelassen, da war mein Mädchen sehr zufrieden mit mir!

Weil sie schon bisschen am Ende war, hab ich sie dann auf dem einzigen Stück Strecke wo weder Autos noch Trecker noch fremde Pferde noch Autobahnbrücke war noch ein gutes Stück getragen. Kann ich ja jetzt! Und da hab ich natürlich auch wieder alles richtig gemacht.

Jetzt braucht mein Mädchen einen schönen Tee und ein Stück Kuchen. Ich hatte Heu in der Wackelkiste und zu Hause einen großen Schluck Wasser, jetzt könnten wir von mir aus wieder los! Aber mein Mädchen ist ja nicht so fit wie ich, wisst Ihr ja. Gut, dass ich sie jetzt immer mehr tragen kann! Das nennt sie „Energieausgleich“ – ich hab zu viel Power und sie zu wenig und wenn ich sie trage können wir das gerechter verteilen.

Euer fitter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Fotos gibt es keine – wir waren echt zu beschäftigt! Da müsst Ihr mal Eure Fantasie bemühen.

Gelernt

Ich bin gebeten worden etwas zu schreiben über Pferde, die Menschen bedrängen. Solche Pferde gibt es haufenweise. Es ist fast schon Standard, dass Pferde ihre Menschen in irgendeiner Form bedrängen. Bei der Hufpflege könnte ich schier ausflippen, wenn es Menschen nicht möglich ist, das Pferd daran zu hindern, „durch sie durch“ zu laufen. Es ist enorm nervig und anstrengend, einem Pferd die Hufe zu bearbeiten, das ständig in Diskussion mit dem Menschen ist und keine Grenze akzeptiert, das ständig den Arbeitsplatz verlassen möchte und dadurch alle in Gefahr bringt. Warum ist das so? Einfache Antwort: weil das Pferd das gelernt hat.

In meinen Augen geht das lange vor dem Zusammensein mit dem Menschen los. Ich sehen so viele Herden in denen ständiger Wechsel ist. Pferdebesitzer wechseln den Stall wie die Unterhose und die Pferde ziehen von A nach B. So kann sich keine vernünftige Herdenstruktur entwickeln und es gilt das Recht des Dreisteren. Wer selbstbewusst genug einfach da hin geht wo er hin will und Drohgebärden der anderen Pferde ignoriert, kommt am besten durchs Leben. Denn in der Regel sind Pferde sozial genug um es beim Drohen zu lassen – da wird vielleicht mal gebissen, aber nicht so schlimm, dass der Gewinn nicht höher wäre.

Eindrucksvoll beobachten konnten wir das, als Gatsby, das Pony unserer Mieterin, hier eingezogen ist. Der kam aus einem großen Bewegungsstall und hatte hier bei uns ein ganz komisches Verhalten (fanden wir und unsere Pferde). Er kommunizierte ganz wenig mit unseren Ponys – er wollte zwar dabei sein, ging aber irgendwie doch seiner Wege ohne Rücksprache zu halten.

Von unseren Ponys kenne ich das ganz anders. Auch Duncan musste das erst lernen. Wenn man irgendwo hin gehen möchte wo schon ein anderes Pony ist, findet ein „Gespräch“ darüber statt. Man deutet an, wo man hin möchte, bekommt eine zustimmende oder ablehnende Antwort, wenn man trotz Ablehnung weiterhin dort hin möchte, kann man warten und etwas später wieder nachfragen (das sind je nachdem ein paar Sekunden oder mal ein, zwei Minuten), man kann in der Wartezeit freundliche Beschwichtigungssignale senden (am Boden schnüffeln ist bei unseren Ponys dafür gern genommen, aber auch wegschauen) und hat dann eine gute Chance, doch noch dort hin zu dürfen wo man hin möchte. Wenn nicht kann es schon mal sein, dass es zu einem kleine Disput kommt, das hängt dann von der Situation und den beteiligten Ponys ab. Allerdings sehe ich häufig, dass in solchen Diskussionen sich dann eben der durchsetzt, der stoischer ist – nicht unbedingt der ranghöhere und schon gar nicht der, der in der Situation aggressiver agiert.

Wenn aber so ein Verhalten nicht in der Herde tagtäglich ganz selbstverständlich angewendet wird, weil in den ständig neu zusammengewürfelten Gruppen niemand höflich kommuniziert, dann kann ich von meinem Pferd wohl kaum erwarten, dass es sich mir gegenüber von selbst höflich verhält.

Andererseits: wenn mein Pferd sich mir gegenüber höflich verhält, ich aber die Anfragen und Signale nicht erkenne, findet das Pferd mich wahrscheinlich so unhöflich, dass es beschließt, die Kommunikation zu „vergröbern“ oder einzustellen und einfach seiner Wege zu gehen. Und leider bekommen wir Menschen ja so vieles nicht mit. Und dann ist da auch noch der umgekehrte Weg: wenn ich selbst ständig zu schnell, zu unhöflich und ungefragt in den Raum des Pferdes eindringe, wird mein Pferd wenig Anlass sehen, mir gegenüber höflich zu sein. Und auch das ist etwas, was viel zu oft passiert und wo wir Menschen noch viel zu lernen haben.

Die Bitte für den Blogartikel bezog sich darauf, wie man ein solches Verhalten korrigiert – abseits von reiner Bestrafung. Ich möchte mal so sagen: wenn ein Pferd meint, es könnte mich anrempeln, dann „rempel“ ich zurück (mangels Körpermasse nehme ich dann Gerte, Strick, Stimme oder was eben gerade da ist zur Hilfe). Das sehe ich nicht unbedingt als Strafe an, denn ich verteidige nur meinen Raum, aber lerntheoretisch gesehen ist es eine Strafe.

Viel wichtiger ist aber, das unerwünschte Verhalten des Pferdes nicht mehr zu belohnen. In der Regel tun Menschen das nämlich jeden Tag. Das drängelnde Pferd kommt hin wo es hin will, wird gekratzt wo es gekratzt werden will, bekommt Aufmerksamkeit aller Art. Hält das Pferd aber Abstand, wird es meist ignoriert, denn meistens bemerken wir es nicht, wenn ein Tier sich unauffällig verhält. Oder sollte ich sagen: wir bemerken das Tier nicht, wenn es sich unauffällig verhält? Nicht bemerkt zu werden, nicht integriert zu sein in eine Situation ist für ein soziales Lebewesen gar nicht schön und deswegen werden viele Pferde alles tun, um das zu ändern und sogar Strafen in Kauf nehmen, nur um nicht ignoriert zu werden. Und genau das können wir uns umgekehrt zu Nutze machen.

Leicht zu verändern ist das Verhalten zum Beispiel in Futtersituationen. Ob ich mit Heu, den Futterschüsseln oder Keksen in der Tasche komme: ich achte darauf, immer das Pferd zuerst zu füttern, das sich am höflichsten zurückhält. Dadurch belohne ich nicht nur das höfliche Pferd, sondern bestrafe auch das drängelnde (negative Strafe, es gibt in dem Moment kein Futter). Da Pferde sich Verhalten voneinander abschauen (mindestens vom ranghöheren Kumpel) können sie so schnell lernen, wie es besser geht.

Wenn ich bei der Stallarbeit bin und ein Pferd möchte einen kleinen Schnack mit mir halten, habe ich es noch einfacher: so lange das Pony höflich und freundlich ist, schnacken wir. Wenn es mich bedrängt, gehe ich kommentarlos weg. Manche Ponys – Finlay war da so ein Kandidat – sind so eine Art „Kampfkuschler“. Sie wollen unbedingt nah sein, sie wollen auch wirklich angefasst werden, kleine Maulspiele machen oder man soll ihnen die Ohren durchkneten. Auch bei diesen Modellen gibt es elegante Wege um Regeln klar zu stellen und gleichzeitig das Bedürfnis nach Nähe zu befriedigen. Von meinen Ponys habe ich gelernt, dass ich zum Beispiel die Oberlippe des Pferdes festhalten kann. Die entsetzten Blicke neuer Schüler sind sehr amüsant, noch amüsanter ist der Blick danach, wenn sich zeigt, dass das Pferd das toll findet und immer wieder kommt um mehr davon zu bekommen. Bei solchen Pferden fühle ich mich nicht so stark bedrängt, weil ich weiß, dass sie aus einem echten Nähebedürfnis heraus so handeln. Sollte es mir doch zu viel werden, kann ich aber jedes Kuscheln so steigern, dass das Pferd es irgendwann doch etwas zu viel findet und von selbst Abstand hält. So zeige ich dem Pferd mit meinem Verhalten, wie es sich anfühlt, wenn jemand einen Hauch zu aufdringlich ist.

Wenn ich mit dem Pferd arbeite, darf ich noch genauer hinschauen: warum bedrängt das Pferd mich? Häufig ist es ein Gleichgewichtsproblem. Schlecht ausbalancierte Pferde suchen „Anlehnung“ beim Menschen. Schickt man sie weg, fallen sie oft ins andere Extrem, driften nach außen und ziehen schlimmstenfalls am Strick. Hier hilft keine Erziehung, sondern nur Gymnastizierung.

Oder es ist ein Aufmerksamkeitsproblem. Duncan schiebt in genau einer Situation mit der Schulter gegen mich: wenn er nach fremden Pferden schaut. Dagegen hilft das üben der Gegenbewegung (Schulter von mir weg) in ruhigen Situationen, so dass es auch unter Aufregung besser abrufbar wird. Es ist aber auch meine Aufgabe, mein Pony nach Möglichkeit nicht in eine Situation zu bringen in der ich sehr deutlich werden muss um seine Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen. Das gelingt nicht immer, aber mit etwas Umsicht jedenfalls sehr oft.

Manchmal ist es auch Angst, die unsere Pferde drängeln lässt. Darum gehe ich immer auf der (potentiell) gefährlichen Seite, so lange mein Pferd unsicher ist. Ich bin auf der Seite, auf der die gruselige Plane liegt, das Motorrad längs donnert oder der Hund hinter dem Zaun bellt. So springt das Pferd im Zweifel von mir weg und – noch wichtiger – ich übernehme die Verantwortung im Angesicht der (vermeintlichen) Gefahr.

An Duncan, der ja schon mit 1 Jahr hier eingezogen ist, kann ich gut beobachten, wie höflich ein kleiner Hengst wird, wenn er es von klein auf lernt. Wenn er sich mal nicht im Griff hat und doch mal drängelt, muss ich nur kurz erstarren, dann besinnt er sich und nimmt sich zurück. Ich war aber auch deswegen mit Duncan von Anfang an so konsequent und umsichtig, weil ich eben wusste, dass er Hengst bleiben soll. Der Gedanke flößt mir genug Respekt ein, um noch mehr darauf zu achten, wie ich mit ihm umgehe. Strafen, damit er nicht drängelt, musste ich ihn nur selten, das meiste hat sich durch entsprechende Aufmerksamkeit im Alltag ergeben. Mein Merlin, der ja nun auch noch den Altersbonus hat, benimmt sich hingegen wirklich schlecht. Wie kann ich ihm das übel nehmen, wenn ich es ihm dauernd durchgehen lasse, ihn zauberhaft finde und er ja auch nie etwas gefährliches tut? Sein extra Futter fordert er vehement ein und ich habe nur die rudimentärsten Regeln eingeführt, an die er sich knapp hält. Und wenn sein Verhalten mich ärgert, schaue ich in den Spiegel und weiß: das hat er so von mir gelernt und es liegt an mir, Wege zu finden um besseres Verhalten zu bekommen anstatt das, was ich ihm beigebracht habe, jetzt unter Strafe zu stellen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 234

Dienstag! Ich liebe Dienstage! Das sind die Tage an denen wir immer einen schönen Ausflug mit meinem Spaziergehkumpel und seinem Mädchen machen. Diesmal waren wir wieder in meinem Lieblingswald! Und ich war allerbest gelaunt. Habe gleich ordentlich Gas gegeben und wieder alle paar Sekunden versucht, nach meinem Mädchen zu haschen. Die meinte, wenn ich so viel Energie übrig hab, soll ich sie doch tragen. Gerne! Also ist sie auf meinen Rücken gehüpft und wir sind los marschiert. Also ich meine ich bin losmarschiert und habe sie getragen. Kann ich! Und plötzlich waren die beiden Mädchen ganz senitmental, denn sie sind über 3 Jahre nicht zusammen ausgeritten – also so richtig dass beide auf dem Pony sitzen.

Hopp, mein Mädchen, rauf mit dir, damit es los gehen kann!

Mein Mädchen meint ja, ich soll sie noch nicht so lang tragen, also ist sie nach ein paar Minuten wieder abgestiegen und ein gutes Stück zu Fuß gegangen. Aber sie ist ja so langsam zu Fuß! Ich wollte schnelleren Schritt gehen und habe wieder angefangen am Strick zu ziehen. Da hat sie gelacht und gesagt, sie steigt wohl lieber wieder auf, damit ich mein Tempo gehen kann. Aha! Jetzt weiß ich wie ich sie überreden kann, aufzusteigen! Also ist sie noch ein Stück geritten. Und diesmal hat sie was neues raus gefunden. Nein eigentlich nicht neu aber sie vergisst es immer wieder: ich kann besser arbeiten wenn sie die Klappe hält. Sie redet ja so gern! Und wenn sie drauf sitzt will sie mir in einer Tour sagen, wie gut ich das mache. Ja ok, ich höre das gern, aber ich bin auch echt beschäftigt! Ich muss sie ja ausbalancieren, auf die Lenkung hören und gleichzeitig den Wald, meinen Spaziergehkumpel, den Weg und die Hunde von dem Mädchen vom Spaziergehkumpel im Blick behalten! Das ist schon eine ganze Menge auf einmal und ich finde so als Reitpony trage ich auch viel Verantwortung, da muss ich mich konzentrieren! Also hat sie mal den Flüsterfuchs gemacht und ne Runde geschwiegen und da konnte ich mich mal gut auf all die wichtigen Dinge konzentrieren. Dann habe ich kurz angemerkt, dass ein Keks wohl angemessen wäre. Dazu bleibe ich einfach mal stehen. Mein Mädchen lacht dann, sagt ich soll bitte weiter gehen, hält mich aber kurz danach an und steigt ab. Falls ich mit dem Stehenbleiben meine, dass es mir zu viel wird. Ach, was sie immer denkt! Es ist mir nicht zu viel, es sind nur zu wenig Kekse im Spiel! Bei all dem Konzentrieren sinkt ja der Blutzucker so schnell ab! Aber gut, so ist sie also nochmal ein Stück gelaufen. Insgesamt ist sie gestern 4 mal ein Stück geritten! Das ist ein neuer Rekord. Und ich hab das alles so toll gemacht! Kann ich. Die Mädchen waren ganz selig und total sentimental. Und zu langsam. Ich wollte wieder schneller aber mein Mädchen hat gesagt, dass wir jetzt gesittet zur Wackelkiste zurück gehen. Schon war der Ausflug vorbei – schade! Können wir nicht endlich mal länger los?

Aber es gibt noch eine sehr gute Nachricht: mein Mädchen hat im Wald eine Strecke gefunden die sie für geeignet hält für unseren ersten Trab! Sie sagt in ein paar Wochen geht das los. Oooooooh das wird bestimmt toll! Da fang ich schon mal an mich drauf zu freuen! Danach kann sie das mit dem Schritt reiten vergessen. Ich meine: wer will Schritt gehen wenn er traben kann? Na ich nicht!

Euer Reitschotte Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 233

Wie Ihr ja wisst, bin ich vielseitig begabt. Influencer, Förster, Bergsteiger, Pfützenfeinabschmecker. Aber hauptberuflich bin und bleibe ich Herzensreparateur. Und da war heute wieder ein wichtiger Tag, denn mein großer Bruder jenseits der Regenbogenbrücke hat heute Geburtstag. Und an diesem Tag braucht mein Mädchen mich ganz besonders. Ich hab da so meinen eigenen Stil: ich lasse ihr einfach keine Gelegenheit zum Trübsal blasen sondern halte sie gut beschäftigt. Dann ist sie ganz im Hier und Jetzt – so etwas nennt Ihr Menschen Achtsamkeit und es ist gut für Eure Seele. Ich bin ein schlauer Ritter und weiß das. Also habe ich unseren heutigen Ausflug gut durchstrukturiert. Wir sind heute die „Zwei-Dörfer-Runde“ gegangen. Die ersten 3 km habe ich mich damit beschäftigt, meinem Mädchen zu erzählen dass wir zwei Wochen (!) keinen Ausflug gemacht haben und auch sonst keine dollen Sachen (wegen dem Humpelfuß, der ist übrigens wieder tiptop in Ordnung) und ich deswegen dezenten Energieüberschuss habe. Da ich weiß, dass ich nicht am Strick ziehen darf, habe ich mich auf Kopfschlenkern beschränkt und dann so alle 2-3 Sekunden mal angedeutet, dass ich überlege, ob ich mal nach meinem Mädchen haschen soll. Woraufhin sie stoisch geradeaus geschaut und unbeteiligt mit ihrem Strick gewedelt hat. Ich weiß schon: wenn der Strick vor ihr kreist, ist es keine gute Idee, mit der Nase zu nah an sie ran zu kommen. Sonst krieg ich nämlich den Strick auf die Nase! Aber das hält mich natürlich nicht davon ab, mein Glück 2 Sekunden später wieder zu versuchen.

Nachdem wir also eine Weile so unterwegs waren, sind wir im ersten Dorf angekommen, Kleinvollstedt. Da war ich dann beschäftigt, habe „Vorgarten-watching“ gemacht. Mein Mädchen sagt, ich habe gelächelt. Da gibt es nämlich allerhand zu sehen und ich mag ja immer wenn mein Kopf was zu tun hat. Da hatte ich dann auch keine Zeit zum haschen spielen.

Diego und ich haben allerdings eine kleine Angewohnheit die unseren Menschen ordentlich auf die Nerven geht: wir äppeln IMMER im Dorf. Aus Prinzip. Weil wir es können. Dann halten wir alle an und mein Mädchen sammelt alles in eine Tüte ein. Wenn wir dann wieder im Grünen sind, wird die Tüte ausgeleert. Und jetzt aufgepasst: mein Mädchen hat gesagt, es sei gut, dass ich so klein bin! Warte mal, normalerweise soll ich doch immer wachsen? Was ist das jetzt für ein Sinneswandel? Sie meinte, noch geht sie ja eh zu Fuß aber später wenn sie reitet, wird es einfacher, schnell abzusteigen, die Tüte voll zu machen und dann wieder aufzusteigen. Siehst Du, mein Mädchen, gar nicht so schlecht, dass ich so ein handliches Format habe! Allerdings hat mein Mädchen dann dem Mann erklärt, er soll doch lieber einen tragbaren Staubsauger bauen. Der kommt dann in die Satteltasche und hat ein Rohr das lang genug ist um die Äppel ohne abzusteigen von der Straße weg zu saugen. Ideen hat sie immer…..

Als wir dann durch das Dorf durch waren, sind wir an zwei Pferden vorbei gekommen. Das eine kenne ich schon, das ist ein schöner schwarzer Friesenhengst! Ein ziemlicher Angeber. Ich wollte auch bisschen angeben, aber mein Mädchen hat gesagt, ich müsste da nicht mit machen. Also habe ich mich zusammengerissen und bin artig vorbei gegangen, da war sie sehr zufrieden und hat mal einen Keks rausgerückt.

Dann ein Stück durch den Wald und dann kamen wir an einen schönen Weg, da wollte mein Mädchen gerne reiten. Das ist immer ein Aufwand! Sie muss ihre Schutzweste anziehen, ihre Mütze ab- und den Helm aufsetzen (also ehrlich, als ob ich nicht gut auf sie aufpassen würde!), dann die Zügel aus den Packtaschen holen und an mein Halfter klipsen und den Strick ab machen und in die Taschen stopfen. Die kleine Gerte die sie immer mit hat, muss der Mann nehmen, damit sie uns nicht im Weg ist. Dann warnt sie mich immer einmal vor, hüpft ein bisschen neben mir hoch und legt sich einmal über mich drüber, damit ich weiß, dass es los geht. Das ist nett, weil ich nämlich dann noch Zeit habe, meine Füße zu sortieren. Und dann hüpft sie auf mich drauf. Normalerweise kann sie das recht elegant, aber heute irgendwie nicht so. Aber inzwischen kann ich das halten, ich spanne einfach meinen Körper bisschen an und dann kann sie sich an mir hoch ziehen. Danach gibt es einen wohlverdienten Keks für mich und wenn sie „voran“ sagt, gehe ich los. Dann merkt sie meistens dass sie schief sitzt und muss sich zurecht ruckeln – aber ich hab mich da schon dran gewöhnt und ignoriere da so drüber weg.

Während ich sie trage, üben wir ein bisschen das lenken, aber ich finde es geht schon sehr gut und mein Mädchen findet das auch. Nach einer Weile ist sie dann wieder abgestiegen. Wir waren beide schon ganz entspannt und kamen dann auch ins zweite Dorf, Groß Vollstedt. Da konnte ich mir noch ein paar Sachen anschauen. Und als wir dann wieder aus dem Dorf raus kamen, ist sie wieder rauf gehüpft. Also es war so: wir durften erst ein bisschen grasen, dann hat sie gesagt es sei Schluss mit grasen, dann ist sie rauf gehüpft. Ich dachte, jetzt wo sie bequem sitzt, könnte ich einfach weiter grasen. Aber das war nicht erlaubt! Habe ein paar mal nachgefragt, ob ich nicht doch…. Aber nein. Na gut. Also habe ich sie artig noch ein Stück getragen. Und schließlich ist sie wieder abgestiegen. Der Mann meinte, ich würde etwas müde aussehen, aber da habe ich mein Mädchen schnell eines besseren belehrt und bin nochmal kurz zum haschen spielen übergegangen. Aber dann hab ich gemerkt, dass ich doch ganz zufrieden bin und habe beschlossen, ihr den letzten Kilometer zu schenken und einfach ganz artig zu sein. Damit sie mich und unseren Ausflug in guter Erinnerung behält. Am Ende hat sie gesagt, ich hätte einen sehr guten Job gemacht. Na klar! Bin schließlich Profi. Sie hat mich gefragt, ob sie schwer zu tragen war, weil ihr Herz schwerer war als sonst. Ach was, mein Mädchen, hast du nicht gemerkt? Sobald du auf meinem Rücken gesessen hast, war dein Herz doch wieder ganz leicht! Herz reparieren kann ich.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 232

Mein Mädchen meinte, wir sollten noch ein bisschen Schonprogramm machen. Also haben wir ordentlich stehen geübt. Das geht so: sie berührt eins meiner Beine mit der Gerte. Ich muss ganz genau hinfühlen, welches Bein das ist und dann das Bein hochheben und – ganz wichtig! – so lange hoch halten bis sie die Gerte weg nimmt. Das kenne ich schon, aber manchmal komme ich mit den Beinen durcheinander. Immer wenn ich wachse fühlen die sich nämlich nachher anders an. Und mein linkes Hinterbein möchte ich manchmal lieber ein bisschen schütteln, anstatt es ruhig hoch zu halten. Das hab ich aber alles schon recht gut raus. Jetzt kam aber was neues dazu, ich soll nämlich den Fuß auch auf Kommando wieder abstellen – und zwar komplett. Sonst hab ich die Hinterhufe oft nur so halb in Ruheposition abgesetzt, aber mein Mädchen meinte, das ist sehr unpraktisch beim Schuhe anziehen. Also hat sie mir ein neues Stimmkommando erklärt „und ab“ das heißt: Fuß runter. Also ganz runter. Hat ein bisschen gedauert bis ich das geschnallt hatte.

Und manchmal hat sie mich dann ganz extra doll gelobt. Erst war ich nicht sicher, warum, aber ich glaube es dämmert mir: wenn ich meine Füße so ganz ordentlich nebeneinander sortiere, das mag sie gern.

Alle Hufe gut sortiert, so mag sie das!

Naja, das war also unser Programm. Später, als ein fieser Hagelschauer kam und mein Mädchen am Fenster stand, hab ich ihr dann mal gezeigt, was ich von der Schonerei halte – nämlich nix. Mag ja sein, dass ich im Trab noch etwas humpelig bin aber das ist ja völlig egal, schließlich habe ich ja noch den Galopp und wenn ich richtig Gas gebe (mein Mädchen schätzt 250km/h Spitzengeschwindigkeit) dann sieht man das auch nicht mehr mit dem Humpeln. Beziehungsweise mein Humpelfuß ist dann nur so kurz am Boden dass ich gar keine Zeit hab zu merken dass er weh tut. Toller Trick oder?

Mein Mädchen war nachher wieder nicht amüsiert – verstehe ich nicht. Aber für Sonntag hat sie mir einen Ausflug versprochen, weil ich deutlich darstellen konnte dass es ohne nicht gehen wird. Juhuuuu!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit den schön sortierten Füßen