Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 154

Mein Mädchen ist schlau – sagt sie. Ich nenne das faul. Aber sie sagt dann immer, Faulheit würde das Schlau-sein fördern. Work smarter not harder und so. Na jedenfalls hat sie so allerhand Helfer um sich die Arbeit zu erleichtern. Zum Beispiel das Knatterpferd. Aber sie hat auch eine Maschine, die die Hufe für sie raspelt. Ich hab das schon beobachtet, bei Merlin und Diego. Die machen sich da nix draus. Sie haben mir gesagt, es sei sehr angenehm. Ist zwar laut, aber es ruckelt nicht so wie die Handraspel, sondern vibriert ganz entspannend, die Menschen stehen ruhiger bei der Arbeit und es geht schneller. Da hab ich mir gedacht, ich probiere das auch mal aus.

Laut. Aber sonst eigentlich angenehmer als die Handraspel.

Mein Mädchen war wieder total begeistert von mir. Weil ich nicht mit der Wimper gezuckt hab. Beim ersten Mal habe ich eine Keksnarkose bekommen vom Mann. Aber jetzt kann ich das ohne Keksnarkose. Ist alles wie immer: Huf hoch, still halten bis mein Mädchen sagt, dass sie fertig ist, Huf runter, dann den Keks kassieren. Keine große Sache. Und mein faules Mädchen ist glücklich – weil ich so schlau bin.

Euer schlauer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 153

Wir haben jetzt einen Sommerreitplatz. So nennt mein Mädchen das. Sie hat einfach ein Stück Wiese eingezäunt und zum Reitplatz deklariert. Ein großes Stück Wiese. Gestern haben wir da zum zweiten Mal was drauf gemacht. Irgendwie ist es cool, weil man zwischendurch Gras naschen kann. Aber es ist auch ganz schön anstrengend, weil man nämlich die meiste Zeit nicht naschen DARF und sich gaaaaaaaaanz doll zusammenreißen muss. Mein Mädchen sagt das ist eine gute Übung fürs Spazierengehen, damit ich nicht immer jedem Grashalm hinterher-hasche. Naja. Ich versteh das ja immer nicht so ganz, aber sie sagt wir kommen sonst nicht voran und da hat sie natürlich auch wieder recht.

Viel mehr Platz als auf dem Sandplatz!

Jedenfalls ist der neue Reitplatz ansonsten ganz schön lustig. Weil er so schön groß ist und weil es da ein bisschen hügelig ist. Und weil mein Mädchen ganz viel neben mir her rennt und dann keucht und pustet und schwitzt. Das ist witzig! Sie hat echt null Kondition. Ich hab ihr dann mal gezeigt wie man richtig galoppiert, aber sie hat es nicht wirklich hinbekommen, das muss ich noch mit ihr üben. Trab kann sie schon ganz gut, wenn auch nur sehr kurz. Sie war jedenfalls restlos begeistert weil ich das alles so toll kann. Aus unerfindlichen Gründen hatte sie gedacht dass Galopp an der Leine noch zu schwer für mich ist – wegen der Kurvenlage. Hat sie mich nie beim Spielen beobachtet? Kurven kann ich, Mädchen. Und alles andere auch.

Los, Mädchen, galoppieren! Lauf, lauf!

Danach war uns beiden warm und wir sind duschen gegangen. Ich zuerst, unterm Gartenschlauch. Ich bin da ja jetzt nie so der Fan von gewesen aber gestern fand ich es gar nicht schlecht. Schön die Beine abkühlen und den sexy Po. Davor und danach hat mein Mädchen Tierarzt gespielt und einen Lauschangriff gestartet um meinen Herzschlag zu hören. Sie wollte mal wissen was ich so für einen Puls hab. Vor der Dusche waren es 60 Schläge pro Minute und nach der Dusche 40 Schläge pro Minute. Was das heißt kapiere ich nicht, aber sie sagt es ist wichtig dass sie so etwas weiß fürs spätere Training. Sie will das wohl jetzt öfter mal machen. Wenn du meinst, Mädchen, mir egal.

Sie will auch öfter mit mir auf den Sommerreitplatz damit ich mal richtig laufe. Sie meint nämlich, ich hätte zu viel Energie übrig (was man von ihr nicht behaupten kann!). Gut für mich, dann kann ich sie ein bisschen trainieren. Aber nicht auf Kosten der Spaziergänge mein Mädchen, das weißt Du ja! Denn einen ordentlichen Spaziergang wo es mal was zu gucken gibt kann der Sommerreitplatz nicht ersetzen, das ist doch wohl logisch.

Euer sommerlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 152

Der Zahnarzt war mal wieder da – hat mein Mädchen Euch ja schon erzählt. Aber das wichtigste hat sie Euch verschwiegen. Der Zahnarzt war nämlich von vorn bis hinten begeistert von mir. Ich kam da hin und hab ihm hallo gesagt und ihm ohne Umschweife gezeigt wie groß und erwachsen ich jetzt schon bin. Und er hat mich angeschaut und war ganz beeindruckt. Ich wäre ja ein ganz anderes Pferd von damals als er mich zum ersten Mal gesehen hätte.

Da mein Mädchen mir ja nix zutraut und meint ich könnte nix alleine schaffen – noch nicht mal den Zahnwechsel – hat er dann meine Beißerchen kontrolliert. Da hing noch eine olle Milchzahnkappe überm Backenzahn, die hat er mir weg gemacht, das war ganz angenehm. Klar, hätte ich alleine auch noch gekonnt, hätte halt länger gedauert. Bei uns Ponys löst sich die Wurzel vom Milchzahn auf, wenn es Zeit ist, den neuen Zahn raus zu schubsen und die Kappe bleibt übrig. Die auf der anderen Seite hatte ich schon weg gemacht. Na er hat also diese schöne Kappe abgezogen und meinem Mädchen geschenkt. Die hat sich doll gefreut! Na kannst Du behalten mein Mädchen, brauche ich nicht mehr. Ich hab ja jetzt den neuen Zahn. Da wusste mein Mädchen dann auch ganz sicher, dass meine „Bissigkeit“ in letzter Zeit vom Zahnen kam, das hatte sie sich schon gedacht. Sie kennt mich ja und weiß dass ich nicht einfach so in den Strick beiße und so. Das stört halt wenn da so was halb locker im Maul rum hängt! Da muss ich jede Gelegenheit nutzen um das loszuwerden.

Kannst du behalten, mein Mädchen. (Ja das gehört so dunkel das ist kein Karies.)

Der Zahnarzt war mega zufrieden mit mir. Weil ich das so toll mache und meine Zähne alle gut sind und gut wechseln und dann hat mein Mädchen ihm noch ein Video gezeigt wie wir im Gelände so tun als würden wir Kutsche fahren und er fand das total gut. Voll der nette Typ ist das. Dann hat er meinem Mädchen erklärt, wie erwachsen ich schon bin. Aber sie hat ihm nicht geglaubt. Naja. Was soll ich dazu sagen….. das übliche halt. Ich arbeite mit Hochdruck daran dass sie es kapiert!

Ich hab dann noch da rum gestanden und Gatsby Gesellschaft geleistet. Gatsby ist ja so ein Angsthase, der braucht immer viel Zuspruch. Der kannte aber unseren Zahnarzt noch nicht und war nachher ganz verwundert, dass Zahnärzte so nett sein können! Das war für ihn ganz neu. Jetzt will er auch immer zu diesem netten Zahnarzt. Da braucht er auch keine Angsthasenspritze, da kann er sich die Zähne einfach so machen lassen.

So genug geplaudert jetzt muss ich los, viel zu tun im Moment! (Zäune freifressen, mit den Nachbarn schnacken, die anderen ein bisschen ärgern, am Holunderbusch kratzen, zwischendurch Heu knabbern, die Reinigungsarbeiten beaufsichtigen und heute Abend mit meinem Mädchen spielen, nebenbei neue Zähne machen und noch bisschen wachsen)

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Zu nah

Der Pferdezahnarzt ist da. Und diesmal soll auch Gatsby gemacht werden. Da der wenig Begeisterung zeigt sondern eher etwas Angst hat, bleibe ich mit Duncan in der Scheune, als beruhigende Gesellschaft. Ob das was bringt wissen wir nicht, aber es kostet nix. Oder doch, denn Duncan schiebt natürlich sofort Langeweile. Ich fange also an, ihn wieder zu bespaßen wie beim letzten Mal (könnt Ihr hier nachlesen). Die „Belly bumps“ zu denen der Zahnarzt mich letztes Mal anstiften wollte, können wir jetzt. Und ich mache meine kleine „Spagatübung“, stehe am Boden und hebe mein Bein auf Duncans Rücken – das geht gerade so ganz knapp. Der Zahnarzt lacht und sagt „hol Dir doch einen Stuhl“. Ich hole mir einen Eimer zum drauf stehen. Duncan kennt das, ich hab das schon mal gemacht. Ich stehe auf dem Eimer und lege mein Bein auf seinen Rücken. Kennt er, kann er. Der Zahnarzt stiftet mich an, den Fuß auf der anderen Seite zu bewegen und ist ganz entzückt von Duncan, der mit einem interessierten Blick nach hinten reagiert und mich fragt, was ich da tue. Lustig findet mein Ritter das, sehr unterhaltsam. Der Zahnarzt meint, mein Pony sei so weit, ich könnte mich doch auch drauf setzen. Ich meine das nicht. Und der Zahnarzt sagt lächelnd „Du bist ihm zu nah“ (emotional meint er).

Vielleicht. Vielleicht ist meine Einschätzung falsch und ich könnte mich drauf setzen. Vielleicht ist meine Einschätzung auch richtiger als die des Zahnarztes, denn ich kenne mein Pony. Vielleicht ist mein Anspruch höher. Ich bin sicher, ich könnte mich auf Duncan setzen ohne dass etwas dramatisches passieren würde. Aber ich bin ebenso sicher, dass Duncan das blöd finden würde. Ich möchte erst dann aufsteigen, wenn Duncan es mit hoher Wahrscheinlichkeit witzig und interessant findet. „Aushalten“ und sich dran gewöhnen ist nicht mein Weg. Ich denke an so viele Kaffee- oder Weintrinker die ich kenne. Wenn ich diese Leute frage, ob sie das nicht früher auch eklig fanden, kommt erstaunlich oft die Antwort: „man gewöhnt sich dran“. Ich werde es nie verstehen, aber anscheinend haben diese Menschen angefangen, Kaffee oder Wein zu trinken obwohl es ihnen anfangs eben NICHT geschmeckt hat. Inzwischen haben sie sich dran gewöhnt und es schmeckt ihnen. Kann ja jeder machen was er will, ich habe halt die Gewöhnungsphase weg gelassen und trinke das Zeug bis heute nicht. Und ich möchte nicht, dass mein Pony sagt „man gewöhnt sich dran, dass einem jemand auf dem Rücken sitzt“. Ich möchte, dass Duncan begeistert in sein Tagebuch schreibt, wenn es so weit war. Dass er nach dem Absteigen laut „nochmaaaaaaal!“ ruft, weil er es so interessant und unterhaltsam fand. Nicht nur weil es (vielleicht) einen Keks gab. Auch deswegen gibt es bisher für diese Dinge eben KEINE Kekse. Weil ich eine ehrliche Rückmeldung haben möchte (auch wenn mir die nicht immer gefällt). Ich möchte den Sitzplatz auf Duncans Rücken nicht kaufen, sondern ihn mir verdienen und er soll „nein“ sagen dürfen oder „ich bin noch nicht so weit“ oder „ich bin nicht sicher“. Später, wenn er es kann, wird sich das sicher ändern. Dann wird es Kekse geben um die Motivation zu steigern. Aber der Anfang soll so sein.

Bin ich zu nah an meinem Pony und unterschätze ihn? Kann sein. Erst neulich durfte ich einer Schülerin aufzeigen, wie sehr ihr Pony sich entwickelt hat und dass aus dem verschreckten Norweger, der schnell im Erstarrungsverhalten „verschwand“ wenn er überfordert war, ein rotzfrecher Clown geworden ist, der hundert Mittel und Wege hat um günstig an Lob, Aufmerksamkeit und Kekse zu kommen und unliebsamen Dingen aus dem Weg zu gehen. Und sie sah ein, dass sie da wohl eine Entwicklung verpasst hat und fest hängt in ihrem alten Bild von ihrem Pony. Vielleicht geht es mir ähnlich? Ich weiß es nicht und ich werde es nie wissen. Die gute Nachricht ist: in Situationen wie dieser vergebe ich mir nichts, wenn ich warte und es dann mache wenn ich es für richtig halte.

In anderen Situationen darf ich schon wachsam sein. Denn natürlich hat Duncan sich im Laufe des letzten Jahres altersbedingt sehr stark verändert. Natürlich ist er jetzt ganz anders drauf. Ich beobachte ihn mit Argusaugen in der Herde um zu lernen, an welchen Stellen er anders reagiert als früher. Er hat mehr „standing“, schon allein weil er mehr Körpermasse hat. Er lässt sich nicht mehr so leicht weg schubsen von „seinem“ Heuhaufen. Er bleibt einfach stehen und ist unbeeindruckt von Gatsby, der den Haufen für sich beansprucht. So wird das Heu eben geteilt. Später ist Duncan dann allerdings doch weg gegangen um woanders Heu zu fressen – mein harmonieliebendes Pony möchte eben doch gern den Frieden erhalten. Und so verhält er sich auch bei mir: er fragt mal nach, ob diese Regel wirklich gilt, aber wenn er feststellen muss, dass sie wirklich gilt, ist das ok für ihn. Fragen kostet ja nix.

Seine Laune schwankt nicht mehr ganz so schnell, er ist etwas mehr zur Ruhe gekommen in sich selbst. Mental. Körperlich hingegen merke ich ihm an dass er in den letzten Wochen viel zu wenig Bespaßung hatte und somit vor überschüssiger Energie mal wieder nur so strotzt. Da muss ich ran, damit er nicht explodiert…. (sonst bekomme ich wieder Beschwerdemeldungen von der genervten Herde).

Aber das schönste Geschenk hat er mir neulich gemacht, als wir in der Freiarbeit eine neue Übung probiert haben. Anstatt dass – wie früher – der Vorderhuf hoch kam und die Verzweiflung stieg weil er nicht wusste was er tun sollte, hat er in Ruhe ausprobiert und angeboten. Hat sich von meiner stimmlichen Rückmeldung mit „ja“ und „nein“ lotsen lassen (im Sinne von „Du bist näher dran“ und „Du bist weiter weg“ – nein heißt nicht „total falsch lass den Mist“!), hat sich zwischendurch einen Keks fürs probieren geben lassen und schlussendlich die Lösung gefunden. Und das war so erwachsen, mit noch nicht ganz 3 Jahren, da war ich baff. Und stolz, denn irgendwas hab ich wohl richtig gemacht. Und irgendwann kommt auch der Aufsteige-Tag. Wenn ich glaube, dass mein stolzer Ritter so weit ist.

Eines Tages wird es so weit sein.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 151

Mein Mädchen hat gesagt, der Mann und ich sollen mal ein „Männergespräch“ führen. Weil ich nämlich gerade dabei bin, ein ganzer Kerl zu werden. Woran sie das gemerkt hat, erzähle ich Euch aber nicht, das ist sehr privat und geht überhaupt nur mich was an.

Der Mann hat jedenfalls gefragt worüber er denn wohl mit mir reden soll und mein Mädchen hat geantwortet, dass sie das nicht weiß, weil sie ja kein Mann ist und es ja ein Männergespräch sein soll. Also gut, wir haben uns unterhalten, der Mann und ich. War sehr nett. Worüber wir geredet haben bleibt aber unser Geheimnis.

Männergespräch

Ansonsten kann ich berichten, dass alles beim Alten ist. Mein Spaziergehkumpel und sein Freund wollen nämlich doch lieber bei ihrer Stute wohnen als bei uns. Kann ich voll verstehen – wenn ich eine eigene Stute hätte würde ich die auch nicht aus den Augen lassen. Also wohnen die jetzt wieder „nebenan“ und mein Spaziergehkumpel und ich treffen uns gelegentlich zum spielen. Ich finde es ein bisschen schade, aber wie gesagt durchaus sehr verständlich.

Wir knabbern uns jetzt jede Nacht auf der Weide den Bauch rund – das Gras ist so hoch, dass Caruso drin verschwinden kann! Der reinste Überfluss, wie im Paradies. Und heute waren wir endlich mal wieder mit der Wackelkiste los für einen schönen (wenn auch zu kurzen) Spaziergang. So lässt sich der Sommer gut genießen!

Euer zufriedener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 150

Na, was macht Euer Wallehaar so? Viele von Euch ja doch mittlerweile recht respektable Mähnen entwickelt! Auch mein Mädchen hat deutlich längeres Kopfhaar als vorher. Manchmal nervt es sie. Dann muss der Mann die Schere nehmen und was abschneiden. Lustig, wenn er das bei mir machen würde, dann würde mein Mädchen ihm ganz schön den Marsch blasen! Bei mir ist ihr jedes Haar heilig. Nur meinen Schweif kürzt sie ab und zu ein bisschen damit ich mir nicht drauf trete und die heiligen Haare ausreiße. Sie findet mein Wallehaar einfach wunderschön!

Der Mann hat auch keine lange Mähne, der hatte da keine Lust drauf. Also musste mein Mädchen ihm die Haare schneiden. Und jetzt weiß ich auch, warum sie das bei mir nicht tut: sie kann es nicht so gut. Deswegen hat sie dem Mann auch ein Entschuldigungsschreiben mitgegeben, als er neulich zum ersten Mal wieder beim Friseur war, weil es ihr so peinlich war.

Sie hat ihm echt ein Entschuldigungsschreiben mitgegeben! War auch nötig…..

Ich überlege derweil, ob ich mir noch etwas mehr Wallehaar zulege. Bisher habe ich meine Mähne immer stramm links getragen. Aber mein Papa hat auf beiden Seiten Mähne. Das ist irgendwie ausgewogener oder? Deswegen hab ich gedacht ich mach es rechts auch mal bisschen haariger. Nach und nach hab ich ein paar Strähnen da rüber kippen lassen. Und vielleicht mach ich da noch paar mehr hin. Damit mein Mädchen was zum freuen hat. Und zum bürsten. Und gelegentlich zum einflechten (obwohl sie das nicht so gern macht. Aber manchmal ist die Haarpracht einfach im Weg. Und abschneiden ist bei mir ja nicht erlaubt!)

Echt jetzt, Mädchen? Dein Ernst?
Auch bisschen Mähne nach rechts, was meint Ihr?

Was meint Ihr, ob mir das stehen würde, so eine Doppelmähne? Und wie sieht es bei Euch so aus um den Kopf herum? Ich bin schon sehr gespannt wann mein Mädchen wieder zum Friseur geht und wie sie dann aussieht! Hoffentlich erkenne ich sie wieder. Notfalls am Geruch (wobei auch der sich beim Friseurbesuch ändert, habe ich gemerkt!). Dann halt an der Stimme. Spätestens wenn sie das magische Wort sagt (Keks!).

Euer haariger Sir Duncan Dhu of Nakel

Seelenkräfte

Wie Ihr gelesen habt, habe ich nun Finlays zweiten Todestag hinter mich gebracht. Und noch ein paar andere anstrengende Dinge. Und der Tank ist leer. Die Tanknadel ist im roten Bereich angekommen. Mein Auto macht an der Stelle immer laut „Bing!“ und meldet an, dass es zur Tankstelle möchte. Meine Seele macht das anders, aber auch sie ist unüberhörbar.

Als Finlay gestorben war, da habe ich im Nachhinein gemerkt, wie viel Kraft er mir gegeben hat. 2018 durch den heißesten Sommer den ich je bewusst erlebt habe, die anstrengendsten Wochen voller Hitze, Staub und steinharter zu bearbeitender Hufe, voller Sorge, weil es zu wenig Heu gab und das Gras nicht wachsen wollte mangels Wasser, der ewige Blick auf die verdorrten Flächen – durch all diese Zeit hat mich angefeuert und befeuert was mein Plan mit Finlay war: den ersten kleinen Distanzritt schaffen. Ein Witz für alle Profis, eine Herausforderung für uns: 28km nicht langsamer als Tempo 8 (8 Minuten für 1km oder andersherum ausgedrückt 7,5km/h). Klingt einfach, aber für Finlay musste da schon eine Menge Training her. Dieses Ziel haben wir ja dann auch gut erreicht, lagen im Endeffekt sogar im Mittelfeld der Wertung. Was für ein tolles Abenteuer!

Aber das tolle an dem Abenteuer war nicht die Wertung oder die Plakette. Das tolle war der gemeinsame Weg da hin. Das Training, das ausgerichtet war auf dieses Ziel. Der Ansporn, weiter zu machen. Ich erinnere mich gut an einen Tag, an dem wir erst um 20 Uhr geritten sind weil „es dann kühler ist“. Das Thermometer zeigte bei Abritt auch tatsächlich „nur“ 32 Grad. Es wurde bald dämmrig, es war drückend heiß, aber wir konnten reiten ohne gegrillt zu werden. Niemals wäre ich an so einem Tag geritten, wenn da nicht dieses Ziel vor meinen Augen gewesen wäre. Es hat mich so sehr angespornt und mein Pony hat einfach mitgemacht. Er wusste nichts von diesem Ziel, aber er fand, dass das alles ein großes Abenteuer sei, eine Bereicherung seines Lebens und also fand er es toll.

Häufig habe ich meine Seelenkraft aus solchen Dingen gezogen. Mit Merlin eine bestimmte Lektion üben. Mit Schülern an einen bestimmten Punkt kommen, ein Problem lösen, ein Pferd dazu bringen, in den Anhänger zu steigen oder meinem Schüler zu helfen, besser zu sitzen.

Dann kam Duncan. Und so ein Zwerg, der nichts kann, nichts weiß und oft noch sehr unzuverlässig ist, der ist nicht geeignet, mir diese Form von Seelenkraft zu geben. Für den muss ich fit sein, genug Kraft mitbringen um für ihn mit zu denken, aufzupassen, Dinge so zu regeln dass es klappt. Zum Glück kamen wir schnell an den Punkt an dem wir gemeinsam durch den Wald dackeln konnten und da war sie wieder: meine Seelenkraft-Tankstelle. Heute sind wir weiter und auch gemeinsame Freiarbeit, Wippen oder ähnliches gibt mir Kraft anstatt mich welche zu kosten. Und wenn es hart auf hart kommt kann ich Freedom Based Training machen, mit den Ponys gemeinsam herumstehen und darauf vertrauen dass das wirklich etwas Gutes für unsere Beziehung ist.

„Die Seele polieren“ hat Duncan es in seinem Tagebuch genannt. Das ist das was wir jetzt brauchen. Nein, das ist das was ICH jetzt brauche. Häufig sprechen wir Pferdetrainer davon, dass wir das „Konto“ bei unserem Pferd mit guten Dingen auffüllen. Jedes Freedom Based Training, jeder entspannte Waldspaziergang aber auch jede Wipp-Session ist etwas, womit ich mich – platt gesagt – bei Duncan beliebt mache. Wenn dann der Tierarzt kommt und die Impfspritze ins Pony pikt (ja das wird nicht mit ie geschrieben, habe ich neu gelernt), hebe ich von meinem Konto etwas ab. Wer in die Miesen kommt beim Pony, der hat ganz schön Probleme, dann wird es im wahrsten Sinne des Wortes „mies“.

Aber was ist mit meinem Konto? Ich denke in letzter Zeit viel darüber nach. Viele Menschen machen sich so viel Stress wenn sie bei ihrem Pferd sind. Das muss gemacht werden, das muss geübt werden und wehe der Fortschritt ist zu klein. Und man meckert mit sich selbst, man übt nicht genug, man reitet nicht gut genug, man kann das alles nicht gut genug, denn dann würde das Pferd ja längst dieses oder jenes tun. Uff. Und plötzlich, so scheint mir, hat sich etwas eingeschlichen, eine Gefühls-Assoziation die wir gar nicht wollten. Wir verbinden das Zusammensein mit unserem Pferd mit Anstrengung. Wir haben – schon wieder – Leistungsdruck. Es soll doch bitte vorwärts gehen. Und während ich oft schimpfe über die Leute die die Basics nicht üben – das Pferd ist nicht verladefromm und steht bei der Hufpflege nicht still – tun mir doch auch jene Menschen leid, die vergessen haben, wie viel Gutes wir uns und unserem Pferd tun, wenn wir Dinge tun, die wir gut können und die uns Spaß machen. Und manchmal brauche ich Schüler, die mich daran erinnern, dass Fortschritt nicht alles ist. Einfach etwas tun, was wir gut können. Und viele sind gern bereit mich dafür zu bezahlen, dass ich daneben stehe und ihnen sage wie schön sie das machen. Dass ich kleinste Kleinigkeiten anmerke oder eine Übung ein bisschen variiere, ohne den Punkt, an dem es schwierig oder herausfordernd wird, auch nur im entferntesten zu streifen. Einfach Zeit mit unserem Pferd verbringen in der wir etwas gemeinsam tun, aber nichts neues lernen oder üben. Ob das bedeutet, dass wir ein Ründchen über den Reitplatz traben oder in der Bodenarbeit ein paar Übungen wiederholen, die wir schon gut können oder ob wir einfach durch den Wald wandern. Die Messlatte mal da lassen wo sie ist anstatt sie immer höher zu legen. Unser Konto füllt sich, während wir sagen „das klappt, das können wir, das ist leicht“. Später, wenn wir genug Seelenkraft gesammelt haben, wenn alles wieder aufpoliert ist und das Konto gut gefüllt, dann können wir die Messlatte ein Stückchen höher schubsen und uns frohgemut der nächsten Herausforderung stellen. Nicht kriechend auf dem Zahnfleisch mit hängender Zunge sondern aufrecht und gut gelaunt, zuversichtlich und mit genug Selbstvertrauen um auch eine Niederlage lächelnd wegzustecken.

Bevor wir also wieder mit fremdem Pferd spazieren gehen oder uns an die Autobahnbrücke wagen, werden wir jetzt erst mal Dinge genießen die wir können, Sir Duncan und ich. Immerhin können wir schon ganz schön viel. Und auf diesen Lorbeeren ruhen wir uns jetzt ein Weilchen aus.

Zwei Jahre

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass mein Finlay gestorben ist.

Diesen Text habe ich schon mindestens 3 mal angefangen. Ich habe über meine beiden besten Ponys geschrieben, ich habe über die Wochen vor Finlays zweitem Todestag geschrieben, ich habe darüber geschrieben, dass Finlay in den Hintergrund rückt und dass das einerseits mein Leben leichter macht und andererseits wieder neue Trauer auslöst. Ich wollte Euch schreiben, wie es mir geht, heute, an diesem Tag und hier und jetzt in meinem neuen Leben, das vor zwei Jahren anfing. Aber es ist sehr schwer in Worte zu fassen, wie es mir geht. Es ist ja nicht nur mein Pony gestorben. Mein Leben war davor schon ein bisschen durcheinander gepurzelt und dann kam dieser schreckliche Unfall, diese Absurdität und Gemeinheit des Lebens, diese Unerklärlichkeit. Mein Pony war 8 Jahre alt und quicklebendig – und dann war es plötzlich tot. Im Gegensatz zu meinem alten Hund, der nun seit gut einem Jahr tot ist und der mich ohne Trauma und sogar fast ohne Trauer mit so vielen guten Erinnerungen und Gefühlen zurückgelassen hat, hat Finlays Tod mein Leben auf den Kopf gestellt, meine Glaubenssysteme erschüttert und eine Million Fragen aufgeworfen, die mir niemand beantworten kann. Ich bin manchmal ein bisschen neidisch auf all jene, die eine feste Vorstellung davon haben, wie Leben funktioniert oder die einen Glauben haben an eine höhere Macht, an einen Sinn, einen Plan oder so etwas. Manchmal habe ich versucht, so etwas zu glauben, aber es fühlte sich nie richtig an. Und wann immer ich meine Fragen formuliert habe, konnte mir niemand eine zufriedenstellende Antwort geben.

Ich habe gelernt, damit zu leben. So wie ich gelernt habe, mit all den unformulierbaren Zuständen und Gefühlen zu leben, die dieser Todestag in mir auslöst. Ambiguitätstoleranz heißt das, hab ich im Trauerpodcast gelernt. Die Fähigkeit, sich scheinbar widersprechende Gefühle nebeneinander und gleichzeitig auszuhalten.

Und als die Erdbeerverkäuferin mich heute gefragt hat, was sie mir Gutes tun kann, da habe ich kurz überlegt, ob ich sie bitte, die Zeit zwei Jahre zurück zu drehen. Den Unfall verhindern und weiter leben mit meinem Finlay. Aber auch da ist die Ambiguität, denn dann hätte ich meinen geliebten Finlay wieder, aber ich hätte nicht Duncan hier, jenen kleinen, ganz anderen Glücksgenerator, dieses wunderbare Pony das ich jeden Tag mehr liebe und den ich nie, nie wieder hergeben mag (es sei denn er ist uralt und steif und müde und hat sein Leben gelebt, so wie mein Hund letztes Jahr…..)

Letztes Jahr zu dieser Zeit hatte ich für mich selbst beschlossen, mir noch ein Jahr Zeit zu geben. Noch ein weiteres Jahr zu akzeptieren, dass ich im Ausnahmezustand bin. Ich hatte gerade eine Trauma- Therapie angefangen und gemerkt, wie sehr ich noch immer neben der Spur war. Es tat mir gut, für mich selbst diesen Entschluss zu fassen: ein weiteres Jahr in dem ich nicht erwarte, dass ich so zurecht komme wie vorher. Das hat mir den Druck genommen. Und Anfang diesen Jahres fing es an, deutlich besser zu werden. An den allermeisten Tagen bin ich normal, zufrieden und glücklich mit der Situation wie sie jetzt ist. Duncan ist das neue Normal geworden. Dass Finlay nicht mehr hier ist, ist das neue Normal geworden. Und das neue Normal ist auch gut.

In den letzten Wochen, wo dieser Tag mir so bevorgestanden hat, sind viele Erinnerungen hoch gekommen und ich habe viele alte Texte gelesen. Ich sehe: meine Vorstellung davon, wie Duncan ist und wie es mit Duncan ist, war weit entfernt von der Realität. Duncan ist ganz, ganz anders. Und ich habe gelernt, ihn so zu lieben wie er ist. Seine Macken sind nicht besser oder schlechter als die von Finlay, nur anders. In so vielen Punkten ist Duncan das Gegenteil von Finlay. Manchmal, wenn mein kleiner Hengst mit seinen überbordenden Gefühlen, seiner extrovertierten Art, seiner schier endlosen Energie und seinem beständigen Hunger nach Abenteuer mich an meine Grenzen bringt, dann denke ich an meinen Bummelanten. Meinen verträumten Finlay, immer gemütlich unterwegs. Nie eilig, nie zu viel Energie. Und ich trauere der Entspannung nach, die er so sehr in sich trug.

Manchmal ist es aber auch umgekehrt. Mit Finlay unterwegs zu sein bedeutete, immer hinter den anderen her zu dackeln. Immer das langsamste Team zu sein. Mit Finlay zu arbeiten bedeutete immer, ihn dazu zu motivieren, sich zu bewegen und sich anzustrengen. Ich fühlte mich immer wie ein personal trainer. Das ist mit Duncan nicht so. Duncan ist ja eher mein personal trainer.

Jetzt, in diesem pubertären Jahr, in dem Duncan sich (erwartungsgemäß) sehr verändert, das Jahr in dem ich mir nie sicher sein kann, welche Laune mein Pony hat – in diesem Jahr trauere ich vor allem all dem hinterher, was ich mit Finlay schon erreicht hatte. 8 Jahre. Und mein Pony war so richtig schön erwachsen und verlässlich. Er ruhte in sich – davon kann bei Duncan häufig noch keine Rede sein und das ist ja auch normal. Kinder wachsen nicht schneller wenn man dran zieht und auch so eine Pubertät dauert eben so lange sie dauert. Mir bleibt nur zu hoffen, dass am anderen Ende das wunderbare Pony herauskommt das ich in Duncan sehe und dass dieses Pony mir viele Jahre erhalten bleibt.

Trauer vergeht nicht, aber sie verändert sich. Das riesengroße Loch, das Finlay in meinem Alltag hinterlassen hat, füllt Duncan gut aus: er hält mich auf Trab. Er lässt nicht zu, dass ich Leere fühle und das hilft mir. Und weiterhin, immer wieder, bin ich enorm dankbar, dass er so anders ist als mein Finlay. Dass vergleichen gar nicht möglich ist. Dass auch hier einiges anders ist als zu der Zeit als Finlay so alt war wie Duncan jetzt.

Heute werde ich Duncan mitnehmen auf den Spaziergang. Wir werden gemeinsam in die Nähe der Stelle gehen, an der mein Finlay sich tödlich verletzt hat. Die letzten Meter aber gehe ich allein, denn kein Pferd wird mit mir zusammen jemals wieder dort hin gehen. Rational ist das nicht logisch. Aber ich glaube, Ihr könnt das verstehen. Ich werde – wie letztes Jahr – ein kleines Geschenk für Finlay mit haben, einen Strauß von Gräsern und ein paar Möhren. Irgendein Tier wird sich daran erfreuen, das ist ok. Für mich ist diese Stelle so etwas wie Finlays Grab, obwohl es das natürlich nicht wirklich ist. Ich gehe nie dort hin, nur an seinem Todestag. Und ich denke daran, wie dankbar ich ihm bin, dass er andere vor Schaden bewahrt hat. Auch als er selbst tödlich verletzt war, hat er auf uns Menschen noch aufgepasst. Noch in seiner letzten Stunde war er mein großer grauer Held.

Ich bin dankbar, dass es keine Wahl gab. Ich musste keine schreckliche Entscheidung treffen, die ich im Nachhinein hätte anzweifeln können. Und ich bin dankbar für alles, was er mich gelehrt hat.

Ich liebe Dich für immer, mein wunderbarer Finlay

Finlay hat mich gelehrt, dass das Leben nicht so läuft, wie wir es erwarten – schon zu Lebzeiten hat er stets und ständig alles in Frage gestellt was ich zu wissen, zu können und zu wollen glaubte. Und sein Tod hat meine Sicht auf das Leben nachhaltig verändert.

Im letzten Jahr gab es für mich viele Tage an denen mein Leben „normal“ war. Viele Tage ohne übertriebene Angst, viele unbeschwert fröhliche Tage voller Zukunftspläne und Vorfreude. Dann, in den letzten Wochen, ist ein bisschen von dem Horror zurückgekehrt der mich das ganze erste Jahr nach Finlays Tod begleitet hat. Die Erinnerungen lassen die Angst zurückkehren. Aber ich weiß: wenn der Todestag geschafft ist wird das wieder besser. Finlay wird dann ein Stück weiter in den Hintergrund rücken und das ist gut so. Ich werde mich wieder mehr mit dem auseinandersetzen was hoffentlich kommt als mit dem was war. Morgen kann alles anders sein, aber darüber endlos nachzugrübeln macht das heute dann auch nicht besser….

So gehe ich dann jetzt ins dritte Jahr. Und genau wie letztes Jahr frage ich mich, wie es wohl nächstes Jahr sein wird. Wie wird Duncan dann sein, was werden wir erleben, über welche Stolpersteine werden wir fallen, uns die Nasen stoßen, wieder aufstehen und die Rüstung zurechtrücken und wie sehr werden wir zusammenwachsen und zusammen wachsen? So lange er nur bei mir bleibt, werden wir Wege finden, zusammen glücklich zu sein, da bin ich mir sicher.

Ernst

Die wichtigste Mahlzeit des Tages ist der Clown.

Zumindest für Merlin und er war es auch für Finlay. Immer für einen Spaß zu haben und je lauter ich lache desto besser. Sich was überlegen, bisschen Stimmung in die Bude bringen und im Mittelpunkt stehen.

Duncan frühstückt keine Clowns. Der ist ernst. Und das ist für mich sehr ungewohnt. Es ist etwas, was mich an Diego schon immer ein bisschen irritiert hat, denn der ist auch kein großer Clown. Nur selten und wenn dann meistens nur mit Arnulf. Und mein kleiner Duncan ist eigentlich immer ernst. Konzentriert (manchmal auf mich und die Aufgabe manchmal auf andere Dinge, aber immer konzentriert), immer am erforschen, wie wo was wann funktioniert oder nicht funktioniert, eifrig, motiviert, schnell mal emotional „drüber“. Aber Schabernack und Clownerei? Nein. Wenn ich lache, weiß er wohl, dass ich ihn toll finde, aber es spornt ihn nicht dazu an, auszuprobieren, was man noch so tun könnte. Wenn ich etwas frage, was er noch nicht kann und er weiß nicht Bescheid, kommt der Vorderhuf hoch und er „scharrt“, das ist für mich das Signal, dass ich ihm das besser erklären muss, weil er verzweifelt ist. Er ist nicht der Typ, der dann kreativ ausprobiert. Ein Stück weit wird das sicher trainierbar sein, aber von Natur aus ist er nicht so. Finlay, wenn er etwas nicht verstanden hat, hat entweder gesagt „macht nix, dann bleib ich stehen“ oder er hat seine eigene Lösung angeboten und war gerne mal beleidigt wenn ich die nicht wollte. Wenn das, was er angeboten hat, nicht gut genug für mich war, konnte ich ihm auch direkt mal gestohlen bleiben. Duncan ist es schon wichtig, das richtig zu machen (von kurzen Pubertätsanfällen mal abgesehen). Und meine Meinung scheint ihm niemals egal zu sein.

Finlay hat sich quasi selbst das Apportieren der Gerte beigebracht. Er hatte sie ja eh immer im Maul, es brauchte nur einen kleinen Schubs um ihm zu zeigen, dass er damit auch laufen und sie zu mir bringen kann. Finlay hatte auch sonst immer alles im Maul. Als meine Freundin ihn zum ersten mal traf, hat er ihr zur Begrüßung gleich mal den Kunstpelzkragen von der Jacke abmontiert. Duncan nutzt sein Maul hingegen nur zum kommunizieren, als Aufforderung an mich, einen Keks raus zu rücken oder mit ihm ein Spielchen anzufangen. Gegenstände aus Spaß wahllos ins Maul nehmen ist nicht seins. Wenn er Gegenstände untersucht, dann tendenziell eher mit dem Huf, aber auch das nur selten. Meistens reicht gucken. (Und ausnahmsweise meint er mit „gucken“ in diesen Fällen nicht „anfassen“, diese Regel gilt nur für andere Pferde….)

„Ein junges Pferd zu kaufen ist wie ein Blind Date“ – diesen Satz meiner Freundin finde ich zu schön. Man weiß nie so recht was man kriegt. Und so kauft man immer Eigenschaften mit, die man nicht wissentlich gekauft hätte. Ich hätte bei Finlay damals nicht gedacht, dass er so ein großer Energiesparer ist. Und bei Duncan hätte ich nicht gedacht, dass er so ernst ist. Und wenn man so ein junges Pferd dann hat, dann kann man sich darüber beklagen, dass es nicht so ist, wie man dachte, oder man kann was draus machen. Und die Eigenschaften lieben lernen, die man unwissentlich mit gekauft hat. So gibt es nun also wesentlich weniger Schabernack, weniger lustige Spieleinlagen, weniger kreative Lückenfüllung. Stattdessen gibt es dieses wunderbar konzentrierte, bemühte Pony das so sehr bereit ist, sich von mir führen zu lassen und nachzufragen wie ich es haben möchte. Ein Pony das Freude hat an stiller Harmonie und dem das gemeinsame Erleben völlig ausreicht als Belohnung, weil es so unersättlich neue Eindrücke in sich aufsaugen mag und in jedem neuen Weg, jedem neuen Gegenstand und jedem neuen Erlebnis eine große (und notwendige) Bereicherung seines Lebens sieht. Ein Pony das eine endlos scheinende Konzentrationsspanne mitbringt und nie zu viele Eindrücke haben kann. Faszinierend.

Ich lerne, damit umzugehen, mein Training an das Pony anzupassen, das ich da vor mir habe und mehr und mehr kennenlerne und er lernt, mit meinem inneren Clown umzugehen, denn für mich hat sich nichts geändert, auf meinen Frühstücksteller gehört regelmäßig ein Clown. Mahlzeit!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 149

Liebe Menschen, ich hätte Euch sooooooooooo viel zu erzählen! Ihr glaubt ja gar nicht was hier los ist! Mein Spaziergehkumpel und sein Freund der kleine Schimmel dürfen jetzt mit uns auf die Weide gehen! Das ist so aufregend!! Ich könnte seitenlang von meinen Erlebnissen erzählen, aber mein Mädchen ist leider ein bisschen gestresst und mag das nicht alles tippen was ich ihr diktiere. Sie macht sich so viele Gedanken und versucht es uns immer allen Recht zu machen und möchte dass es uns allen gut geht und wir uns nicht streiten. Und deswegen hat sie in den letzten zwei Wochen viel Zeit damit verbracht uns von A nach B zu verfrachten, aufzuhalftern, abzuhalftern, einzufangen, Wege zu zeigen, Sachen zu erklären, Zäune umzubauen und vor allem neben uns zu stehen und sich große Sorgen zu machen. Ach, so ist sie nun mal. Dabei ist doch alles wunderbar! Finde ich zumindest. Mein Spaziergehkumpel, der Freddy, der findet das aber auch nicht ganz so wunderbar. Der ist auch manchmal ein bisschen gestresst. Weil ich so gern seinen Freund den kleinen Schimmel mal angucken möchte – und wenn ich angucken sage meine ich anfassen. Und der Freddy möchte nicht, dass ich den kleinen Schimmel anfasse, weil das SEIN kleiner Schimmel ist. Und der kleine Schimmel möchte auch nicht dass ich ihn anfasse. Und dann findet der Freddy auch den Diego so interessant. Aber auch furchteinflößend! Diego ist ja auch Diego der Große. Der macht halt echt was her! Und ich meine: ich weiß ja dass er eigentlich echt ein lieber Papa mit einem großen Herz ist. Aber ich erinnere mich schon auch noch an meinen Einzug, da fand Diego das auch nicht toll dass ich nun da war und hat erst mal bisschen rum gemeckert und da kann man es schon mal mit der Angst kriegen! Ach und in all dem Hin und Her hat mein Mädchen gar keine Zeit und Lust gehabt was zu schreiben. Dann hatten wir auch noch ein bisschen Streit, sie und ich, weil ich wieder Pubertät hab (angeblich) und sie hat schlaue Artikel gelesen die sie aber gar nicht schlauer gemacht haben sondern nur nachdenklicher und gestern hat sie dann gesagt, dass es jetzt reicht und dass wir in den Wald gehen zum „Seele polieren“. Damit meint sie, dass wir einfach nur zusammen durch den Wald laufen ohne irgendwas zu üben und ohne zu streiten und ohne fremde Pferde und ohne Anspruch. Na das war mal ein guter Plan, da bin ich doch immer für zu haben. Jetzt ist ihre Seele ganz gut poliert und glänzt fast schon wieder wie neu. So eine Seele ist wie eine Ritterrüstung: muss ab und zu zurechtgerückt, aufpoliert und geölt werden, sonst sieht es nicht mehr schön aus, fängt an zu quietschen und funktioniert nicht mehr richtig. Da weiß ich gut Bescheid.

Also ich hoffe sie tippt bald wieder für mich, ich kriege das nun mal einfach nicht hin. Und Ihr sollt doch wissen was ich zu erzählen habe, ist doch wichtig!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel