Aufgaben

„Gib der mal eine Aufgabe!“ sagt die Reitlehrerin. Und ich sitze in den Zuschauerreihen und fühle mich ertappt. Denn das Pferd-Mensch-Team dem ich da auf dem Kurs gerade zuschaue, kenne ich. Und ich weiß: die Reiterin neigt dazu, sehr wenig von ihrem Pferd zu fordern. Das hat gute Gründe, aber jetzt ist es an der Zeit, das zu ändern und ich gebe der Reitlehrerin total recht. Den Punkt finden, an dem ein Pferd bereit ist, an dem man nicht mehr schonen muss, vorsichtig sein, in Minischritten arbeiten – diesen Punkt finden ist eine große Kunst. Bei dem Pferd im Kurs waren es Krankheiten, die der Leistungsfähigkeit im Weg standen, bei Duncan einfach nur das (fehlende) Alter aber das Ergebnis ist das gleich: man gewöhnt sich an, übervorsichtig zu sein und dann verpasst man plötzlich den Punkt an dem das nicht nur nicht mehr nötig sondern im Gegenteil kontraproduktiv ist. „Totschonen“ ist das schöne Wort an der Stelle und etwas, was meiner Meinung nach mit unglaublich vielen Freizeitpferden passiert, während die Sportpferde andersherum verheizt werden. Wo ist dieses magische goldene Mittelmaß dass es zu finden gilt? Ich muss mich wohl neu auf die Suche machen.

Jetzt ist Duncan 3 Jahre alt und während ich ihm die letzten 2 Jahre immer nur Dinge erklärt und gezeigt habe und nie an dem Punkt war, ihn körperlich zu fordern, kann es jetzt los gehen und mehr noch: es muss los gehen. Denn da steht er nun und kann und weiß alle wesentlichen Dinge die er wissen und können muss. So ganz viel großes neues kommt da erst mal nicht mehr, so lange ich ihn noch nicht reite. Aber um ihn reiten zu können, braucht er jetzt Muskeln und Gleichgewicht. Und das heißt, es reicht nicht mehr, ihn ein bisschen um mich herum laufen zu lassen. Es reicht nicht mehr, die ersten drei Schritte im Schulterherein zu feiern und die Einheit zu beenden. Es müssen Trainingsreize her und Herausforderungen körperlicher Art. Und dazu darf er jetzt vor allem eins lernen: weitermachen. Nicht mehr: gut gemacht, Keks, nächste Übung. Sondern wiederholen und länger arbeiten bis der Keks kommt. Und er kann das. Er hat Spaß am machen, er braucht nicht ständig Bestätigung. Einfach mal machen lassen. Denn ganz ehrlich: wenn er (vielleicht schon nächstes Jahr) vor der Kutsche läuft dann ist da vorne niemand bei ihm, der ihm dauernd Kekse gibt. Dann muss er einfach mal eine gewisse Strecke laufen ohne gefüttert zu werden. Und sich einfach daran erfreuen, draußen zu laufen. Und ja, auch Pferde sind stolz, wenn sie Aufgaben gelöst haben. Und draußen unterwegs sein ist für den Ritter sowieso selbstbelohnend.

Am Sonntag haben wir den Anspruch gleich ein bisschen erhöht (der Ritter berichtete darüber). Und er war stolz dass er das konnte. Er hat es gern gemacht und fand sich offensichtlich großartig. Ich war leicht beschämt, denn ich bin sicher, dass ich ihn oft unterfordere. Er macht immer alles so gut, er hat keine Schwierigkeiten mit nix (ok außer Fremdpferdbegegnungen) und ich bewerfe ihn mit den symbolischen Wattebäuschen, das macht ihn nicht glücklich.

Es ist in meinen Augen immer wieder das schwierigste an der Ausbildung junger Pferde, dass die Pferde sich so stark verändern. Wo Duncan vor einem Jahr noch unsicher und schnell auch mal hektisch wurde, wenn eine neue Übung nicht gleich geklappt hat und insgesamt super sensibel war, ist er heute viel selbstbewusster, kann Pannen besser aushalten, weiß, dass er einfach ausprobieren soll, bis er die richtige Lösung gefunden hat. Dass Fehler machen dabei dazu gehört und keine schlimmen Konsequenzen hat, weiß er jetzt und er versteht meine Hinweise besser, die ihn auf dem Weg zum Ziel leiten. Auch im Umgang mit den anderen Ponys steht er sehr viel mehr seinen Mann. Er ist nicht mehr so schnell eingeschüchtert, er weiß, wo sein Platz ist und hält auch eine kleine Auseinandersetzung aus. Vorgestern wurde mir Angst und Bange, als sein Spaziergehkumpel Duncans Ohr festhielt und einfach nicht mehr los lassen wollte. Aber obwohl das Ohr nachher warm war und einen (klitzekleinen) Kratzer hatte, wollte Duncan weiter spielen und boxen. Der rauhe Ton macht ihm einfach nicht mehr so viel aus, dem Schotten. (Mir schon….)

Natürlich ist er trotzdem genauso freundlich wie vorher, es ist nur eine andere Art von Freundlichkeit. Und ich genieße dieses Gefühl, aber es ist eben noch neu und ich muss mich jetzt wieder anpassen in meinem Umgang mit ihm. Auch Finlay war mit 3 Jahren den geistigen Kinderschuhen entwachsen. Und von ihm habe ich damals gelernt, dass der Mensch aufpassen darf auf diese Veränderungen. Immer und immer wieder, nicht verpassen, dass der Kleine plötzlich ein ganz Großer ist. Oft empfinden wir ein Pferd, das noch nicht geritten wird, noch als „Jungpferd“ aber ich glaube diese Empfindung täuscht. Denn mag mein Pony auch noch weit entfernt von ausgewachsen sein, so ist der Kopf doch quasi fertig. Wie es ja auch Menschen gibt, die mit 15 Jahren im Kopf erwachsen sind – und andere bei denen das erst später der Fall ist.

Und so suche ich nun nach Aufgaben, überlege mir, wie ich das Training aufbaue und probiere vieles aus. Mal sehen, wie es jetzt los geht mit uns. Und ich lache über mich selbst: zwei Jahre habe ich gewartet bis ich „richtig“ mit ihm arbeiten kann und jetzt wo er da steht und bereit ist, hab ich mich irgendwie so an den „Babymodus“ gewöhnt, dass es mir schwer fällt, da heraus zu finden und ans arbeiten zu kommen. Da brauche ich dann den einen oder anderen Schubs von außen, um mich zu trauen. Zum Glück habe ich hier auch den einen oder anderen der mir sagt „gib dem mal ne Aufgabe“ und mir hilft, mich an mein neues Pony anzupassen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 180

Statt Ausflug habe ich gestern mit meinem Spaziergehkumpel gerangelt. Wir waren gut drauf und haben ordentlich Gas gegeben! Einmal hat mein Spaziergehkumpel es geschafft, sich mein Ohr zu schnappen. Und er wollte und wollte einfach nicht los lassen! Obwohl ich ihn in einer Tour ins Bein gezwickt hab. Mein Mädchen ist fast ohnmächtig geworden, sie dachte schon ich werde zum Schlitzohr verunstaltet! Ach was, Mädchen, wir wissen doch was wir tun. Irgendwann hat er dann doch los gelassen. Ich hab ihm übrigens als Revanche zwei Kratzer an der Brust gemacht, also sind wir quitt und unter besten Freunden ist das doch gar kein Thema.

Nachher als wir fertig waren hat mein Mädchen sich mein Ohr angeschaut. „Das ist ja ganz heiß“ hat sie gesagt. Na klar, wenn jemand an Deinem Ohr gezogen hätte wäre das auch heiß! Also kam sie prompt mit dieser Paste angesaust die sie immer überall drauf schmiert. Iiiiiih das klebt ja voll! Aber dann hab ich gemerkt dass das auch schön kühlt. Na dann mach mal. Und Kekse gab es ja auch fürs Einschmieren. Jetzt bin ich ein Weiß-Ohr-Ritter sagt sie. Ganz seltene Spezies. Ein klitzekleiner Ratscher ist da doch in meinem Ohr aber ganz ehrlich, im Winterpelz sieht man den doch gar nicht. Soll sich nicht so anstellen, mein Mädchen.

Heute ist das meiste von der Paste schon wieder abgekrümelt

Euer rangelnder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncn Dhu 179

Am Wochenende haben wir eine schöne Sonntags-„Ausfahrt“ gemacht. Mein Mädchen hat so getan als würde sie Kutsche fahren. Diego der Große und der Mann sind einfach so spazieren gegangen. Und diesmal hat mein Mädchen sich mal was getraut: wir sind nämlich die Dorfstraße entlang marschiert. Und zwar nicht mehr auf dem Bürgersteig (das machen wir sonst so, obwohl man das eigentlich nicht macht. Aber mein Mädchen sagt dass ist sicherer für junge Pferde und wir sind bisher nur auf die Straße gegangen wenn uns jemand auf dem Bürgersteig entgegen kam). Diesmal sind wir auf der Straße gegangen, so wie es halt auch wäre, wenn ich schon die Kutsche ziehen würde. Und sie ist die ganze Zeit hinter mir gegangen (sonst ist sie immer noch nach vorn gekommen wenn da Autos waren). Erst war mein Mädchen etwas nervös. Als ein Transporter mit einem Anhänger von hinten kam, war sie unsicher, das habe ich genau gespürt. Und weil sie so unsicher war, war ich auch ein bisschen unsicher. Aber ich weiß ja was ich tun soll wenn ich unsicher bin und hab einfach angehalten. Ach da hat sie sich süß gefreut! Gab auch einen Keks. Als wir dann weiter gegangen sind, hat sie immer ganz viel geatmet und ihre Füße gefühlt und sich entspannt und mir gesagt, dass ich einfach weiter gehen kann. Ok, wenn Du so entspannt bist, kann ich das auch, mein Mädchen.

Dann ein bisschen hinten rum durch die Felder marschiert und dann auf dem Rückweg wieder auf die Dorfstraße. Und da war in Groß Vollstedt Rushhour. Da kam ein Auto nach dem anderen! Wo die alle hin wollten wusste mein Mädchen auch nicht. Und Motorräder und was nicht noch alles. Zwischendurch dachte ich, dass ist doch ganz schön viel und hab das auch meinem Mädchen nach hinten gefunkt. Aber sie hat gesagt, dass alles gut ist und ich das schaffe. Also hab ich mich einfach weiter brav benommen und gehofft dass es bald aufhört. Dann mussten wir noch warten weil wir auf die andere Straßenseite mussten und als wir dann dort drüben angekommen waren, ist mein Mädchen komplett ausgeflippt. Hat mir ganz viele Kekse gegeben und gesagt, dass ich ihr Held bin und das beste Pony der Welt und schon so groß und erwachsen und überhaupt! Ich war etwas überrascht über diesen enormen Gefühlsausbruch aber ist ja auch immer schön wenn sie sich so freut (vor allem wenn sich diese Freude in Keksen ausdrückt).

Dann ging es nach hause. Und zu hause hat sie mir dann noch den ganzen Tag erzählt wie toll ich das alles gemacht habe. Ach Mädchen, das ist ja immer so fein wenn ich dich so einfach glücklich machen kann. Jetzt hat sie also noch mehr Herzchen in den Augen wenn sie mich anschaut und ist noch doller in mich verliebt. So lässt sich das leben und dafür kann ich gern auch in der Rushhour die Dorfstraße lang marschieren, kein Problem.

Euer stolzer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 178

„Man muss die Feste feiern wie sie fallen“ sagt mein Mädchen. Gefallen ist ne ganze Menge – nämlich Wasser vom Himmel. Und deswegen ist unser Reitplatz jetzt so eine Art Wassertretbecken. Schon der alte Kneipp wusste: das ist voll gesund, durchs Wasser zu laufen. Sagt mein Mädchen. Aber anscheinend ist es nur für mich gesund, denn sie selbst ist nicht durch gelaufen. Sie hat auf einem trockenen Fleck gestanden und mich durch geschickt. Naja, kann ich schon machen. War auch irgendwie ganz lustig. Und nass war ich eh schon, also was soll’s. Hoffentlich rostet meine Rüstung jetzt nicht!

Ich bin übrigens sogar da durch getrabt, auch durch die tieferen Gewässer, aber das konnte mein Mädchen nicht filmen. Sie war leicht überfordert mit Longe, Peitsche und Handy in der Hand. Deswegen hier nur ein kurzer Einblick.

Bleibt schön trocken!

Euer gekneippter Sir Duncan Dhu of Nakel

Verlasspferd

„Der kleine Dunci“ sagt meine Freundin (oooooh für diese Formulierung wird sie seitens des Ritters sicher böse Blicke ernten!) „man kann sich doch auf ihn verlassen, wenn es hart auf hart kommt“.

Ein Verlasspferd, das gibt es ja vor allem im Verkaufsanzeigen. Im realen Leben sind diese Tiere eher selten unterwegs. Aber es gibt sie schon, je nachdem wie man „Verlasspferd“ definiert. Für mich ist das nicht ein Pferd das nie Fehler macht, sich nie erschreckt oder mit dem man keinen Unfall hat. Ein Pferd ist keine Maschine (und selbst auf die ist nie 100% Verlass). Ein Verlasspferd ist in meinen Augen ein Pferd, dass in unbekannten, ungeübten, potentiell gefährlichen Situationen gute Entscheidungen trifft. Diego zum Beispiel ist in meinen Augen ein absolutes Verlasspferd. Als er sich wirklich mal richtig böse erschreckt hat und einen großen Satz zur Seite machte, hat Arnulf nachher geschworen, Diego hätte ihn bewusst mitgenommen, sich so bewegt, dass Arnulf nicht fällt. Ja, auch ein Verlasspferd kann das bestimmt nicht immer, aber eben so oft, dass man sich mit ihm sicher fühlt.

Duncan ist natürlich noch kein Verlasspferd, das ist man mit 3 Jahren einfach nicht. Im Gegenteil, er ist mal wieder in der Pubertät und stellt Grundregeln in Frage. Aber im Gegensatz zum letzten Pubertätsschub hat sich etwas geändert. Neulich als wir spazieren waren und er es eigentlich eilig hatte, hat er trotzdem nicht am Strick gezogen. Kopf schlenkern, Kekse haschen wollen, grimmig gucken und die Stricklänge voll ausloten, ja. Aber kein Gezerre mehr. Und als ich dann – immer noch überfordert mit 7m Seil – den Strick plötzlich hinter meinem Fuß hatte und im Gehen versuchte, mich zu sortieren, da wurde er langsamer. Ganz selbstverständlich, schaute zu mir rüber, nahm mein Problem wahr und half mir, es zu lösen indem er Rücksicht nahm. Ich weiß nicht ob irgendjemand nachvollziehen kann wie sich das anfühlt, außer den Menschen, die es selbst erlebt haben. Da ist dieser Rotzlöffel mit all seinen Launen – aber wenn es ernst wird, nimmt er eben doch Rücksicht. Das gibt mir das Gefühl, dass ich ihm wichtig bin, wichtiger als noch vor ein paar Monaten. Und dass er erwachsener geworden ist.

Bei unseren Aufsteigeübungen habe ich neulich nicht gut aufgepasst: Die Aufsteigehilfe stand nicht ganz stabil. Und just als ich mit einem Bein auf der Kiste und dem anderen über Duncans Rücken stand, kippelte die Kiste. Nur ein bisschen, aber genug, dass ich einen Schreck bekam und mich kurz auf Duncan abstützte um mein Gleichgewicht zu halten und die Kiste wieder zurück zu kippen. Und Duncan, obwohl überrascht über die Situation, stand wie ein Fels. Und das Gefühl war: „ja ich steh gut, stütz dich ruhig ab.“ Vielleicht hat er in diesem Moment gelernt, wie man einen strauchelnden Reiter ausbalanciert. Hätte er sich bewegt, nur einen einzigen Schritt, oder sogar nur sein Gewicht von mir weg verlagert, hätte ich wohl auf der Nase gelegen. Aber er stand.

Ich glaube: wenn wir diese Momente wahrnehmen und gebührend würdigen – das muss nicht unbedingt mit Keksen sein aber mit Aufmerksamkeit auf das, was das gerade passiert und mit Wertschätzung – dann bekommen wir ein Verlasspferd. Nämlich ein Pferd, dass immer versuchen wird, unser Wohlergehen mit zu berücksichtigen, wie misslich die Lage auch sein mag. Weil wir ihm wichtig sind und weil es gelernt hat, wie es uns beschützen und helfen kann.

Für ein junges Pferd ist das in meinen Augen eine der größten Lernaufgaben: verstehen, wie Menschen sich bewegen, was für sie problematisch ist und wie ihr Gleichgewicht funktioniert. Dass Menschen viel empfindlicher sind als Pferde, dass man sie nicht spielerisch kneifen und rempeln darf, dass sie nicht angestiegen werden wollen und lange nicht so schnell rennen können, das alles ist für ein junges Pferd ja nicht klar. Woher soll es das auch wissen? Da müssen erst Erfahrungswerte her.

Als wir letzten Dienstag auf einem Plattenweg neben dem geparkten Anhänger standen um unsere Ponys fertig zu machen für den wöchentlichen Ausflug, kam eine Frau mit ihrem Hund (oder sollte ich sagen: ein Hund, der sein Frauchen spazieren führte?). Sie blieb bei uns stehen, sprach uns an und während sie die Ponys bewunderte, zog ihr Hund an der Leine, bis er direkt vor Duncans Vorderfüßen stand. Mein Herz setzte aus, denn Duncan mag nun zwar die Hunde meiner Freundin knapp akzeptieren, aber ein fremder Hund, der ihm dermaßen nah kommt, könnte dafür einen hohen Preis bezahlen… ich schob mich schnell dazwischen und versuchte, Duncan zu signalisieren, dass stillstehen die Lösung der Wahl ist. Und wirklich: er stand und regte kein Ohr, während die Hundebesitzerin ihr Tier in Sicherheit zerrte. Aus Sicht des Pferdes hätte Duncan jedes Recht gehabt, den Hund zu vertreiben und evt sogar zu jagen. Der Hund hätte vielleicht mit seinem Leben bezahlt. Dass Duncan die Situation ausgehalten hat, zeigt mir, dass er die Menschenwelt schon besser versteht. Mehr als das: er sah ein bisschen aus wie Diego in dem Moment, der „über den Dingen“ steht in solchen Situationen, ungerührt von dem was um ihn herum passiert. Er sah noch nicht einmal verärgert aus, nur leicht angenervt.

Die Hundebegegnung erinnert mich an eine Situation mit Finlay, als er 6 Jahre alt war. Wir hatten unsere alte Hündin „Sali“ mit beim Ausreiten, als uns plötzlich eine Frau mit 4 Hunden entgegen kam. Ich stieg ab und nahm Sali an die Leine. Rechts das Pony, links den Hund sah ich plötzlich, dass nur 2 der fremden Hunde angeleint waren, die anderen zwei schossen im vollen Tempo auf uns zu. Mir wurde Angst und Bange, Arnulf und Diego waren hinter uns und somit zu weit weg um uns die Hunde vom Leib zu halten. Da ging mein Finlay in aller Seelenruhe schräg vor Sali und mich, blockte die Hunde mit seiner Breitseite und schaute sie unmissverständlich an: „kommt nur her, wenn ihr Ärger wollt“. Und die Hunde verstanden die Botschaft sofort. Weg waren sie! Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich an diese Begebenheit denke. Finlay hatte die Situation nicht nur voll durchschaut, er war auch in der Lage, zu entscheiden, als ich starr vor Schock war und die Entscheidung, die er traf, war perfekt. Was für ein Pferd! Ein Verlasspferd eben. Und wenn ich Duncan jetzt gerade so sehe denke ich, er ist auf dem Weg dahin. Er lernt mehr und mehr, wie das mit den Menschen funktioniert und langsam erwacht der Gentleman in ihm, auch wenn er im Moment noch überlagert ist von Pubertät.

Es ist der Unterschied zwischen dem „perfekt erzogenen“ Pferd und dem, was in meinen Augen das Verlasspferd ist: das perfekt erzogene Pferd wird stets das tun, was man ihm sagt. Was bedeutet: Finlay wäre neben mir her gelaufen und hätte die Hunde ignoriert. Das Ergebnis wäre ein Desaster gewesen. Stattdessen hat er selbst entschieden und es war eine gute Entscheidung. Ein Verlasspferd (wie ich es meine) hat die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen und dann zu sehen ob es gute oder schlechte Entscheidungen waren. Im Menschenleben nennt man diesen Prozess wohl „erwachsen werden“. Natürlich wird die Entscheidungsfreiheit für die Pferde in der Menschenwelt immer eingeschränkt bleiben aber ich muss dem Pferd nicht JEDE Entscheidung abnehmen und es in ewiger, totaler Unselbständigkeit halten. Auch mein Pferd kann ein passendes Maß an Eigenständigkeit entwickeln.

Dazu fällt mir noch eine lustige Geschichte ein: Merlin hat einen behinderten Reitschüler. Der junge Mann kommt mit Betreuern, die ihn zu uns fahren, dann aber in aller Regel einfach warten, während er Reitunterricht von Arnulf und Merlin bekommt. Eines Tages war eine neue Betreuerin dabei, die sich unbedingt einmischen wollte. Sie stand immer ganz nah an Merlin, während der geputzt wurde und versuchte, dem jungen Mann ständig rein zu reden. Merlin fand das wohl störend (oder er spürte dass die beiden Männer es störend finden), denn plötzlich trat er mit seinem Huf gezielt aber sanft auf den Fuß der Betreuerin! Sie wurde nicht verletzt, aber sie merkte, dass sie wohl doch etwas zu nah gewesen war und zog sich zurück. Merlin – in meinem Verständnis von Verlasspferd – hatte die Situation erfasst und das Problem auf seine Weise gelöst. Übrigens tritt er sonst niemals jemandem auf den Fuß…..

Und wenn jener junge Mann Hüftschmerzen hat und sich selbst mit dem reiten überfordert, dann bleibt mein Merlin einfach stehen. Er trifft dann oft die bessere Entscheidung als der Mensch.

So ein Pferd fällt nicht vom Himmel. Es wächst und lernt indem wir Menschen die getroffenen Entscheidungen entsprechend kommentieren. Wenn wir die guten Entscheidungen wahrnehmen – auch wenn es mal unkonventionelle Lösungen sein mögen, die unser Pferd da anbietet – und wertschätzen, dann wird unser Pferd lernen, welche Entscheidungen zu einem guten Ergebnis für ALLE Beteiligten führen. Und ja, natürlich gehört dazu auch das Gegenteil: wenn mein Pferd eine schlechte Entscheidung trifft, ist es meine Aufgabe, ihm das mitzuteilen. Im besten Fall so, dass es selbst merkt, dass das, was da passiert eine Konsequenz seiner eigenen Entscheidung ist und keine Willkür meinerseits.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 177

Neulich hatten wir ja unsere erste Unterrichtsstunde in Doppelkeks …. äh ich meine Doppellonge, ihr erinnert euch?

Und wir hatten viel Spaß, aber da mein Mädchen noch nicht das passende Equipment hatte, konnten wir danach gar nicht üben. Erst musste sie mal wieder shoppen gehen. Und wenn mein Mädchen was für mich kauft, dann ist das meistens grün. Mein Mädchen mag ja eigentlich am liebsten orange und meinem großen Bruder hat das wohl auch sehr gut gestanden. Aber sie meint, ich sei einfach nicht der Typ für orange. Und auch nicht für braun. Aber zu orange und braun passt grün ganz wunderbar dazu und das steht mir gut. Deswegen habe ich ein grünes Halfter, grünen Strick, bisschen grün an den Hufschuhen…. und jetzt eine grüne Doppellonge! Totschick oder?

Totschick, oder?

Dann hat sie versucht, sich zu erinnern wie das ging. Mein Gedächtnis ist ja besser, ich merke mir das immer alles gleich. Sie hat es dann auch noch hinbekommen und wir haben ein paar schöne Runden gedreht. Mein Mädchen hat gesagt, ich sei ihre Dampflok – ich schnaufe zwar nicht, aber meine Beine gehen rauf und runter wie Kolben und ich laufe ganz gleichmäßig, das findet sie super! Der Mann stand am Rand und hat gefilmt und gestaunt. Weil ich immer alles richtig mache, das kann er manchmal gar nicht glauben! Mein Mädchen gewöhnt sich da langsam dran, die weiß dass ich schlauer bin als sie.

Allerdings muss ich anmerken, dass ich kleinere Kreise im Trab noch voll schwer finde. Hat mein Mädchen auch gemerkt und mich ordentlich angefeuert! Dann hat sie gesagt, das üben wir jetzt. Ich soll nämlich jetzt ganz viel Sport machen, Muskeln bekommen und ganz viel Gleichgewicht. Es ist ja so: manche Sachen muss man einfach nur kapieren. Zum Beispiel dass ich außen rum laufen soll und dass ich mir die Doppellonge so hinlegen kann wie ich es bequem finde. Aber manche Sachen muss man halt auch üben, kleine Kreise traben zum Beispiel. Klar VERSTANDEN hab ich das aber ich finde es ist nicht so leicht, wie es aussieht! Übrigens sagt mein Mädchen, genau so sei es mit dem Menschen-tragen auch. Nicht schwer zu verstehen aber man braucht viel Kraft und ein gutes Gleichgewicht. Und das soll ich jetzt trainieren, damit ich noch schöner, noch stärker, noch schlauer und noch größer werde. Ok, klingt erstrebenswert, lass uns anfangen, mein Mädchen!

Euer grün-sportlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 176

Während mein Mädchen sich noch ziert und noch gar nicht richtig aufgestiegen ist, haben andere den Job längst erledigt. Eigentlich ist das ja geheim, aber sie haben sich verraten! Seht ihr das? Feenknoten!

Feenknoten!

Die Feen kommen nämlich nachts zu uns Ponys und sie reiten auch sehr gern! Die Legende sagt, das sie ihrem Lieblingspferd die Mähne so verknoten, dass sie sie als Steigbügel verwenden können. Und jetzt war ich zum ersten Mal auch dran! Sonst sind sie immer nur Diego geritten. Aber jetzt finden sie ich bin groß genug um mitzumachen (hörst Du das, mein Mädchen?). Hui, schnell wie der Wind! Feen sind nicht so langsam und ängstlich wie mein Mädchen, die legen gleich los im Galopp! Toll war das!

Morgens hat mein Mädchen das gesehen und gelacht und zum Mann gesagt, jetzt könnte sie mich wohl auch reiten, denn ich sei bereits eingeritten worden. Ja eben, lass mal loslegen jetzt!

Ob das alles so wahr ist? Nun, Schottland ist bekanntlich voller Feen und Elfen, warum sollen hier nicht auch welche sein? Ich jedenfalls mag die Feen. Und mein Mädchen weiß auch, dass man Feenknoten nicht gleich raus machen soll aus der Mähne, sonst werden die Feen nämlich böse! Also lässt sie sie in paar Tage drin, damit wir nachts gemeinsam Spaß haben können.

Euer feen-gerittener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 175

Für gewöhnlich ist mein Mädchen ja nicht sehr reinlich. Sie ist immer dreckig und riecht meistens verdächtig ähnlich wie wir. Das gute daran ist, dass es sie dadurch auch nicht so stört, wenn wir ein bisschen dreckig und zauselig aussehen und unseren Geruch findet sie wunderbar. Manchmal geht sie ganz nah an uns ran, steckt ihre Nase in unser Fell und zieht die Luft genüsslich ein. Dann entspannt sie sich ganz doll und sagt „du riechst so gut“.

Aber manchmal sagt sie auch „igitt!“. Neulich als sie in meinen Schweif gefasst hat. Weil ja Fellwechsel und Wetterumschwung und herbstliches Gras unsere Bäuche ein bisschen durcheinander gebracht haben (deswegen gibt es wieder Schmatzofatz!), hatte ich zwischendurch nicht ganz so adrette Äpfel produziert. Nix wildes, aber mein Schweif hat ja so viel Wallehaar, der ist schwer hoch zu heben. Deswegen hebe ich ihn halt nur eben so dass es reicht um eine Ladung fallen zu lassen. Wenn die Ladung dann aber eine Spur zu weich ist, bleibt leider ein bisschen was im Schweif hängen. Und das sieht dann so aus

Igitt!!

Da wird mein Mädchen dann doch plötzlich reinlich. Also ist sie los gelaufen und hat einen Eimer mit schön warmem Wasser geholt und Zauberpulver rein getan. Normalerweise hat sie dann den Eimer mit einer Hand hoch gehalten und mit der anderen meinen Schweif darin geschwenkt. Aber diesmal hatte sie eine bessere Idee und hat das so gemacht

In der Waschanlage

Sie hat gekichert und gesagt das sei so eine Art Waschanlage. Und dann hat sie fest gestellt dass der dreckigste Teil meines Schweifs trotzdem noch nicht im Wasser ist. Sie meinte, die grüne Tonne sei wohl zu klein. Blödsinn! In Wirklichkeit bin ich nur einfach inzwischen so riesengroß! Ist doch logisch.

Ich bin zu groß! Endlich bin ich mal zu groß!

Also hat sie geschwenkt und getunkt und mit Wasser geworfen was das Zeug hielt. Mein Job war stillstehen und nicht bewegen. Kann ich (gegen die entsprechende Bezahlung, die zur Zeit sogar aus lecker Möhrenstücken besteht und die ich mit Nachdruck eingefordert habe durch gelegentliches Kopf zu ihr drehen und sie eindringlich anstarren). Nach einer Weile war sie zufrieden, hat die Tonne weggeräumt und das Wasser weg geschüttet. Vorher war es weiß – nachher eher so was wie Matsche…. hat sich wohl gelohnt! Dann kommt der eklige Part: Ausspülen. Mit kaltem Wasser! An meinem Po! Sehr nah am Gemächt! Das ist fies, Mädchen, dafür brauche ich definitiv mehr Möhren!

Schon besser!

Im Anschluss hat sie mich ein bisschen abgetrocknet damit der Trocknungsvorgang nicht so lang dauert weil das Wetter ja schon so frisch geworden ist. Dann wollte sie mich noch fein bürsten, aber ach, die Uhrzeit war schon fortgeschritten und wir hatten beide einen dringenden Termin! Ich musste frühstücken und sie musste arbeiten gehen. Also wird das bürsten demnächst nachgeholt. Mein Mädchen hat gesagt, ich soll zusehen, dass mein Schweif wenigstens für eine Weile sauber bleibt.

Auch ohne Bürsten kann das Ergebnis sich sehen lassen!

Na gut!

Euer sauberer Sir Duncan Dhu of Nakel (mit glänzendem Wallehaar)

Anmerkung des Mädchens: bei dem Zauberpulver handelt es sich um Backpulver

Warum

„Ich hatte als Kind einen Esel“, sagt die Trainerin in dem Video „der hat auch irgendwann klein beigegeben“. Mich gruselt. „klein beigeben“ als Trainingsziel – echt jetzt? Dabei wurde mir erzählt, sie würde so pferdegerecht arbeiten, mit Körpersprache und so.

Immer wenn ich so etwas höre, nutze ich das als Anlass, nochmal darüber nachzudenken was wir da tun. „Wir tun so komische Sachen mit Pferden“ sagte eine Schülerin neulich „je älter ich werde, desto komischer finde ich das alles“. Ich konnte das total gut nachvollziehen aber meine Antwort hatte ich parat. Ich bin der festen Überzeugung dass es nur sehr, sehr wenige – vielleicht gar keine – Pferde in Deutschland gibt, die in einer Umgebung leben, die ihnen genug Anreize und Abwechslung bietet um nicht in Langeweile zu leben und geistig wie körperlich zu verkümmern. Und deswegen bin ich auch überzeugt davon, dass die komischen Dinge die wir tun für die Pferde bereichernd sein können.

Und ich glaube da geht es gar nicht so sehr um das, WAS wir tun. Ich glaube, es geht um das WARUM. Oder sollte ich sagen: das was ergibt sich aus dem warum? Tun wir etwas, damit unser Pferd sich „unterwirft“ so ist das in meinen Augen eben nicht pferdegerecht. Tun wir etwas ähnliches, um eine Kommunikation zu ermöglichen aus der wir dann eine gemeinsame Sprache entwickeln können, so ist das pferdegerecht – auch wenn beides von außen ähnlich aussehen mag.

Reiten wir Dressuraufgaben, weil der Richter sie sehen will oder reiten wir jene Aufgaben, die unser Pferd beweglicher und stärker machen (wodurch es sich automatisch wohler fühlen wird)?

Ziehe ich meinem Pferd ein Kopfstück an, weil es sonst nicht bei mir sein möchte, oder verwende ich das Kopfstück um meinem Pferd zu vermitteln, wie es seinen Körper besser verwenden kann?

Letztendlich: Übernehmen wir die Führung, weil wir so gern den Chef raus hängen lassen und einfach nur wollen dass der blöde Gaul das tut was wir sagen oder übernehmen wir Führung und Verantwortung um unserem Pferd Stress zu nehmen und es sicher durch die Menschenwelt bringen zu können? Ich bin überzeugt davon, dass die Pferde unsere Absicht spüren.

Und genau diese Absicht kann für uns der Kompass sein, für welche Art des gemeinsamen Tuns wir uns entscheiden. Für mich bedeutet pferdegerechtes Training, dass mein Pferd sich besser fühlt, größer, schöner, stolzer. Dass sein Selbstbewusstsein steigt, nicht sinkt. Und das tut es vor allem dann, wenn wir lösbare Aufgaben stellen mit dem richtigen Maß an Herausforderung für dieses Pferd hier, heute und jetzt. Wenn wir unser Pferd unterstützen und ihm helfen. Wenn wir erkennen, wie schwierig eine Aufgabe wirklich ist (da täuschen wir Menschen uns ganz schnell) und unser Pferd Schritt für Schritt befähigen, diese (schwierige) Aufgabe zu bewältigen.

Interessanterweise werden oft diejenigen für die besten Pferdetrainer gehalten, die ein Pferd dazu bringen können, etwas zu tun, was es eigentlich nicht möchte. Die Trainer von denen ich lernen möchte, sehen das umgekehrt: der Mensch muss es schaffen, das gewünschte so attraktiv für das Pferd zu machen, dass das Pferd es selbst auch will. Das ist die Kunst. Und genau wie das bei uns Menschen nicht nur über Geld erreichbar ist, sondern ein guter Job aus viel mehr besteht, so geht es beim Pferd auch nicht nur um Futter oder Pause.

Natürlich ist das mit dem „klein beigeben“ für den Menschen einfacher. Wenn man jedes Problem darauf zurückführt, dass das Pferd zu „dominant“ ist, braucht man auch nur eine einzige Lösung für alle Probleme. Und letztlich ist ein Pferd das „klein beigegeben“ hat vielleicht auch einfacher zu dirigieren. Ein starkes, stolzes und selbstbewusstes Pferd wird uns eher mal sagen, dass wir gerade auf dem Holzweg sind. Es wird unsere Kompetenz auch mal in Frage stellen. Es begegnet uns auf Augenhöhe und hat eine eigene Meinung. Das kann unbequemer sein und erfordert die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Ein selbstbewusstes Pferd wird sich auch führen lassen und gern Verantwortung abgeben, aber eben nur dann, wenn es sich fair behandelt fühlt und den Menschen als kompetente Führungspersönlichkeit sieht.

Und was in der Theorie so einfach zu unterscheiden ist, geht in der Praxis natürlich mal wieder fließend ineinander über. Die Frage, wie viel und welche Art von Führungsanspruch ich als Mensch stelle, muss letztlich jeder für sich selbst klären (und mit seinem Pferd). Viele Faktoren spielen da eine Rolle. Nur eins steht für mich fest: wer darauf abzielt, dass das Pferd „klein beigibt“ ist nicht der Trainer MEINER Wahl. Und so lerne ich wieder: nicht überall, wo „pferdegerecht“ drauf steht, ist auch meine Definition von pferdegerecht drin. Und es lohnt sich, Ausbilder mal nach dem „warum“ zu fragen und da auch mal nachzuhaken.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 174

Wisst Ihr, welcher Wochentag der beste von allen ist?

Der Dienstag! Am Dienstag kommt das Mädchen von meinem Spaziergehkumpel. Wenn ich höre, dass sie da ist, komme ich meistens schon ans Stalltor und gucke erwartungsvoll. Weil ich genau weiß: Dienstag ist Abenteuertag! Mein Mädchen findet das immer total süß.

Dann werden mein Spaziergehkumpel und ich erst mal nebeneinander angebunden und geputzt. Währenddessen unterhalten wir uns und schmieden Pläne für den Nachmittag.

Vorbesprechung
Bereit zur Abfahrt!

Dann geht’s ab in die Wackelkiste und wir werden irgendwo hin gewackelt. Und dann ist Abenteuer! Manchmal im Wald, manchmal im Moor, manchmal durch die Felder. Und immer passiert etwas spannendes. Wir sehen Kühe oder Schafe, Züge oder Trecker, andere Pferde oder Brücken. Oder wir verlaufen uns oder schlagen uns durch die Büsche, weil der Weg so schmal ist. Das Wetter ist eigentlich immer schön und unsere Mädchen haben immer gute Laune. Es sei denn wir sind etwas zu aufgedreht. Dann schimpfen sie wie die Rohrspatzen. Aber nach einer Weile geht es dann immer.

Abenteuerlich durchs Gebüsch! Der Weg war echt schmal. Im Hintergrund mein Mädchen und ich. Ich wollte förstern aber ihr kennt ja mein Mädchen… (ich sage nur: Rohrspatz!)

Mein Mädchen tut Dienstags oft so als würde sie Kutsche fahren und das Mädchen vom Spaziergehkumpel (die ist ja dann „die gestrenge Fahrlehrmeisterin“) gibt ihr manchmal Tipps wie es noch besser geht. Inzwischen können wir das schon echt gut. Und mein Mädchen ist verdammt stolz auf mich, wenn ich auch an gruseligen Sachen vorbei vorne weg gehe. Da bin ich oft mutiger als mein Spaziergehkumpel. Ich weiß jetzt auch: schneller Schritt ist erlaubt, aber traben soll ich nicht ohne Aufforderung, auch nicht, wenn es mich gruselt.

Gestern abend kam der Nebel über die Felder und es wurde schon ganz dämmrig. Unsere Mädchen fanden das schööööööön aber wir Ponys ehrlich gesagt nicht so. Denn im Nebel könnte der eine oder andere hungrige Räuber lauern und Sachen die man sonst gut kennt sehen plötzlich verdächtig anders aus…. . Aber inzwischen kann ich gruselige Sachen aushalten, kann weiter vorne weg gehen und wenn mein Mädchen hinter mir sagt dass ich das toll mache und alles gut ist, dann schaffe ich das. Und ab und zu sagt sie „Keks“ und dann bekomme ich was.

Schöööööööön (finden unsre Mädchen)

Am Ende von diesen Abenteuern bin ich immer kopfmüde. Aber nicht so schlimm dass ich nicht mehr denken könnte, nur eben gerade so dass ich mich auf zu hause freue. Mein Mädchen sagt, so soll es sein. Wenn mein Kopf ordentlich gearbeitet hat, benehme ich mich nämlich besser. Wobei ich mich doch sowieso immer gut benehme. Naja, fast immer.

Leider wird es jetzt schon immer so früh dunkel, dass unsere Abenteuer kürzer werden. Aber nächsten Sommer, wenn ich mein Mädchen vielleicht schon ab und zu ein kleines Stück tragen kann, können wir noch längere Abenteuer unternehmen, das sind doch tolle Aussichten, oder?

Euer abenteuerlicher Sir Duncan Dhu of Nakel