Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 236

Am Sonntag war mal wieder Mess-Tag. Ab ging’s an die Wand und dann gibt es für mich immer Kekse, ohne dass ich mich groß anstrengen muss. Der Mann holt die Wasserwaage raus und drückt damit auf meinem Hintern herum und dann guckt er wieder schief, schüttelt den Kopf, dann muss ich weg gehen, nochmal hingehen und so. Diesmal musste ich sogar ordentlich stehen wie wir es geübt haben. Wenn meine Beine parallel stehen, bin ich nämlich größer!

Also ich bin jetzt 141cm groß – und zwar vorne und hinten! Obwohl es auf dem Foto so aussieht, als ob ich hinten noch ein Stück höher wäre, aber das täuscht wohl nur. Oder der Mann hat sich vermessen. Wer weiß? Mein Mädchen sagt, es ist egal, 141cm ist schon echt gut.

Das war vor zwei Jahren, da brauchte ich dafür noch ein Halfter. Und ich war viel kleiner!
Inzwischen kann ich das ohne Halfter. Bin schließlich Profi!

Nächsten Sonntag kommt die Waage und da werde ich nicht nur gewogen, sondern auch von denen nochmal gemessen. Mal sehen was die sagen! Jeder misst ja ein bisschen anders. Ich glaube mit der Körpergröße ist es wie mit dem Tempo. Da findet mein Mädchen ja auch, dass etwas „schnell“ ist, obwohl mein Tacho „gemütlich“ anzeigt…..

Sie kann es aber nach wie vor nicht lassen, mir beim Wachsen rein zu reden. Jetzt soll ich bitte breiter werden, sagt sie. Du meine Güte, Mädchen, kannst Du das mal lassen? Ich mach das schon! Sorg Du mal lieber dafür, dass die nötigen Baumaterialien da sind. Gutes Futter muss her! Wie wäre es mal mit Weidegang, hm? Nein, da müssen wir noch warten. Das Gras ist noch zu kurz und wenn es so kurz ist, ist es nicht gesund für uns. Außerdem ist dann nachher nicht genug da, wenn wir jetzt schon was davon weg futtern. Ach menno. Es riecht schon so nach Frühling und ich höre es ganz laut wachsen! Sage ich beim Spaziergang jetzt auch immer laut und deutlich. Zum Glück darf ich dann manchmal auch was knabbern. Aber nie genug! Und dann soll ich wachsen? Wie denn? Wovon denn? Mein Mädchen meint, ich könnte ja weniger spielen und die Energie fürs Wachsen verwenden. Aber spielen ist voll wichtig! Da kann ich nun wirklich nix einsparen.

Nur meine Patin, die hat es kapiert. Die hat meinem Mädchen Ostergeld zugesteckt und dann gesagt, da wäre ja sicher auch noch eine Möhre für mich drin (mit „eine Möhre“ meinte sie natürlich einen Möhrenacker!). Und deswegen schicke ich mein Mädchen jetzt einkaufen. Sie hat nämlich genug Osternaschi geschenkt bekommen, sie braucht nix mehr! Soll sie mal schön in mich investieren, da ist es doch bestens angelegt. Ich schreib ihr schon mal einen Einkaufszettel.

Euer gewachsener Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. 141cm! Toll oder?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 235

Meistens kann ich ja alles und mache alles richtig. Manchmal mit ein bisschen zu viel Energie, aber trotzdem richtig. Und dann gibt es diese Kleinigkeiten die ich gelegentlich vielleicht bisher noch nicht so ganz drauf hatte. Und deswegen hatte mein Mädchen ja schon letzten Herbst verkündet, jetzt sei Schluss mit Romantik und wir würden das alles voll viel üben. Zum Glück hat sie aber gar nicht so oft Lust, so was zu üben und entscheidet sich dann doch eher für die romantischen Strecken. Aber heute wollte sie es wirklich wissen und wir haben auf einer einzigen 9km- Tour alles geübt was es noch so zu üben gibt: Autobahnbrücke – allerdings die Anfängerversion, weil da gerade nur 2 Spuren befahren werden. Dafür sind wir 4 mal über die Autobahn gedackelt! Beim letzten Mal ganz ohne anhalten, Keks essen oder sonstwas. Einfach so als wäre es ein schnöder Feldweg. Kann ich jetzt!

Außerdem ging es noch durch ein fremdes Dorf und an fremden Pferden vorbei, die auch noch ganz schön spannend waren! Zwischendurch ungefähr 100 Autos – nette, die gebremst haben aber auch viele die einfach so getan haben als wären wir gar nicht da – und ein paar Trecker (da gab es auch nette und weniger nette). Das stört mich aber alles nicht.

Mein Mädchen ist jetzt völlig kaputt. Das war wohl zu viel für sie! Für mich nicht, ich hab alles gut gemacht. Sogar bei den fremden Pferden, obwohl das eine echte Herausforderung war. Die sind da rum gerannt und haben mich angewiehert! Da wollte ich doch mal einen Schnack halten und zeigen was für ein hübscher Kerl ich bin! Aber im Gegensatz zu früher, wo ich dann manchmal aus Versehen vergessen habe, dass mein Mädchen noch am Strick hängt, habe ich heute beides gleichzeitig geschafft: den fremden Pferden freundlich antworten und dann schnell zu meinem Mädchen gucken und den Kopf runter nehmen um einen Keks zu kassieren. Und meinen „Rüssel“ hab ich auch drin gelassen, da war mein Mädchen sehr zufrieden mit mir!

Weil sie schon bisschen am Ende war, hab ich sie dann auf dem einzigen Stück Strecke wo weder Autos noch Trecker noch fremde Pferde noch Autobahnbrücke war noch ein gutes Stück getragen. Kann ich ja jetzt! Und da hab ich natürlich auch wieder alles richtig gemacht.

Jetzt braucht mein Mädchen einen schönen Tee und ein Stück Kuchen. Ich hatte Heu in der Wackelkiste und zu Hause einen großen Schluck Wasser, jetzt könnten wir von mir aus wieder los! Aber mein Mädchen ist ja nicht so fit wie ich, wisst Ihr ja. Gut, dass ich sie jetzt immer mehr tragen kann! Das nennt sie „Energieausgleich“ – ich hab zu viel Power und sie zu wenig und wenn ich sie trage können wir das gerechter verteilen.

Euer fitter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Fotos gibt es keine – wir waren echt zu beschäftigt! Da müsst Ihr mal Eure Fantasie bemühen.

Gelernt

Ich bin gebeten worden etwas zu schreiben über Pferde, die Menschen bedrängen. Solche Pferde gibt es haufenweise. Es ist fast schon Standard, dass Pferde ihre Menschen in irgendeiner Form bedrängen. Bei der Hufpflege könnte ich schier ausflippen, wenn es Menschen nicht möglich ist, das Pferd daran zu hindern, „durch sie durch“ zu laufen. Es ist enorm nervig und anstrengend, einem Pferd die Hufe zu bearbeiten, das ständig in Diskussion mit dem Menschen ist und keine Grenze akzeptiert, das ständig den Arbeitsplatz verlassen möchte und dadurch alle in Gefahr bringt. Warum ist das so? Einfache Antwort: weil das Pferd das gelernt hat.

In meinen Augen geht das lange vor dem Zusammensein mit dem Menschen los. Ich sehen so viele Herden in denen ständiger Wechsel ist. Pferdebesitzer wechseln den Stall wie die Unterhose und die Pferde ziehen von A nach B. So kann sich keine vernünftige Herdenstruktur entwickeln und es gilt das Recht des Dreisteren. Wer selbstbewusst genug einfach da hin geht wo er hin will und Drohgebärden der anderen Pferde ignoriert, kommt am besten durchs Leben. Denn in der Regel sind Pferde sozial genug um es beim Drohen zu lassen – da wird vielleicht mal gebissen, aber nicht so schlimm, dass der Gewinn nicht höher wäre.

Eindrucksvoll beobachten konnten wir das, als Gatsby, das Pony unserer Mieterin, hier eingezogen ist. Der kam aus einem großen Bewegungsstall und hatte hier bei uns ein ganz komisches Verhalten (fanden wir und unsere Pferde). Er kommunizierte ganz wenig mit unseren Ponys – er wollte zwar dabei sein, ging aber irgendwie doch seiner Wege ohne Rücksprache zu halten.

Von unseren Ponys kenne ich das ganz anders. Auch Duncan musste das erst lernen. Wenn man irgendwo hin gehen möchte wo schon ein anderes Pony ist, findet ein „Gespräch“ darüber statt. Man deutet an, wo man hin möchte, bekommt eine zustimmende oder ablehnende Antwort, wenn man trotz Ablehnung weiterhin dort hin möchte, kann man warten und etwas später wieder nachfragen (das sind je nachdem ein paar Sekunden oder mal ein, zwei Minuten), man kann in der Wartezeit freundliche Beschwichtigungssignale senden (am Boden schnüffeln ist bei unseren Ponys dafür gern genommen, aber auch wegschauen) und hat dann eine gute Chance, doch noch dort hin zu dürfen wo man hin möchte. Wenn nicht kann es schon mal sein, dass es zu einem kleine Disput kommt, das hängt dann von der Situation und den beteiligten Ponys ab. Allerdings sehe ich häufig, dass in solchen Diskussionen sich dann eben der durchsetzt, der stoischer ist – nicht unbedingt der ranghöhere und schon gar nicht der, der in der Situation aggressiver agiert.

Wenn aber so ein Verhalten nicht in der Herde tagtäglich ganz selbstverständlich angewendet wird, weil in den ständig neu zusammengewürfelten Gruppen niemand höflich kommuniziert, dann kann ich von meinem Pferd wohl kaum erwarten, dass es sich mir gegenüber von selbst höflich verhält.

Andererseits: wenn mein Pferd sich mir gegenüber höflich verhält, ich aber die Anfragen und Signale nicht erkenne, findet das Pferd mich wahrscheinlich so unhöflich, dass es beschließt, die Kommunikation zu „vergröbern“ oder einzustellen und einfach seiner Wege zu gehen. Und leider bekommen wir Menschen ja so vieles nicht mit. Und dann ist da auch noch der umgekehrte Weg: wenn ich selbst ständig zu schnell, zu unhöflich und ungefragt in den Raum des Pferdes eindringe, wird mein Pferd wenig Anlass sehen, mir gegenüber höflich zu sein. Und auch das ist etwas, was viel zu oft passiert und wo wir Menschen noch viel zu lernen haben.

Die Bitte für den Blogartikel bezog sich darauf, wie man ein solches Verhalten korrigiert – abseits von reiner Bestrafung. Ich möchte mal so sagen: wenn ein Pferd meint, es könnte mich anrempeln, dann „rempel“ ich zurück (mangels Körpermasse nehme ich dann Gerte, Strick, Stimme oder was eben gerade da ist zur Hilfe). Das sehe ich nicht unbedingt als Strafe an, denn ich verteidige nur meinen Raum, aber lerntheoretisch gesehen ist es eine Strafe.

Viel wichtiger ist aber, das unerwünschte Verhalten des Pferdes nicht mehr zu belohnen. In der Regel tun Menschen das nämlich jeden Tag. Das drängelnde Pferd kommt hin wo es hin will, wird gekratzt wo es gekratzt werden will, bekommt Aufmerksamkeit aller Art. Hält das Pferd aber Abstand, wird es meist ignoriert, denn meistens bemerken wir es nicht, wenn ein Tier sich unauffällig verhält. Oder sollte ich sagen: wir bemerken das Tier nicht, wenn es sich unauffällig verhält? Nicht bemerkt zu werden, nicht integriert zu sein in eine Situation ist für ein soziales Lebewesen gar nicht schön und deswegen werden viele Pferde alles tun, um das zu ändern und sogar Strafen in Kauf nehmen, nur um nicht ignoriert zu werden. Und genau das können wir uns umgekehrt zu Nutze machen.

Leicht zu verändern ist das Verhalten zum Beispiel in Futtersituationen. Ob ich mit Heu, den Futterschüsseln oder Keksen in der Tasche komme: ich achte darauf, immer das Pferd zuerst zu füttern, das sich am höflichsten zurückhält. Dadurch belohne ich nicht nur das höfliche Pferd, sondern bestrafe auch das drängelnde (negative Strafe, es gibt in dem Moment kein Futter). Da Pferde sich Verhalten voneinander abschauen (mindestens vom ranghöheren Kumpel) können sie so schnell lernen, wie es besser geht.

Wenn ich bei der Stallarbeit bin und ein Pferd möchte einen kleinen Schnack mit mir halten, habe ich es noch einfacher: so lange das Pony höflich und freundlich ist, schnacken wir. Wenn es mich bedrängt, gehe ich kommentarlos weg. Manche Ponys – Finlay war da so ein Kandidat – sind so eine Art „Kampfkuschler“. Sie wollen unbedingt nah sein, sie wollen auch wirklich angefasst werden, kleine Maulspiele machen oder man soll ihnen die Ohren durchkneten. Auch bei diesen Modellen gibt es elegante Wege um Regeln klar zu stellen und gleichzeitig das Bedürfnis nach Nähe zu befriedigen. Von meinen Ponys habe ich gelernt, dass ich zum Beispiel die Oberlippe des Pferdes festhalten kann. Die entsetzten Blicke neuer Schüler sind sehr amüsant, noch amüsanter ist der Blick danach, wenn sich zeigt, dass das Pferd das toll findet und immer wieder kommt um mehr davon zu bekommen. Bei solchen Pferden fühle ich mich nicht so stark bedrängt, weil ich weiß, dass sie aus einem echten Nähebedürfnis heraus so handeln. Sollte es mir doch zu viel werden, kann ich aber jedes Kuscheln so steigern, dass das Pferd es irgendwann doch etwas zu viel findet und von selbst Abstand hält. So zeige ich dem Pferd mit meinem Verhalten, wie es sich anfühlt, wenn jemand einen Hauch zu aufdringlich ist.

Wenn ich mit dem Pferd arbeite, darf ich noch genauer hinschauen: warum bedrängt das Pferd mich? Häufig ist es ein Gleichgewichtsproblem. Schlecht ausbalancierte Pferde suchen „Anlehnung“ beim Menschen. Schickt man sie weg, fallen sie oft ins andere Extrem, driften nach außen und ziehen schlimmstenfalls am Strick. Hier hilft keine Erziehung, sondern nur Gymnastizierung.

Oder es ist ein Aufmerksamkeitsproblem. Duncan schiebt in genau einer Situation mit der Schulter gegen mich: wenn er nach fremden Pferden schaut. Dagegen hilft das üben der Gegenbewegung (Schulter von mir weg) in ruhigen Situationen, so dass es auch unter Aufregung besser abrufbar wird. Es ist aber auch meine Aufgabe, mein Pony nach Möglichkeit nicht in eine Situation zu bringen in der ich sehr deutlich werden muss um seine Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen. Das gelingt nicht immer, aber mit etwas Umsicht jedenfalls sehr oft.

Manchmal ist es auch Angst, die unsere Pferde drängeln lässt. Darum gehe ich immer auf der (potentiell) gefährlichen Seite, so lange mein Pferd unsicher ist. Ich bin auf der Seite, auf der die gruselige Plane liegt, das Motorrad längs donnert oder der Hund hinter dem Zaun bellt. So springt das Pferd im Zweifel von mir weg und – noch wichtiger – ich übernehme die Verantwortung im Angesicht der (vermeintlichen) Gefahr.

An Duncan, der ja schon mit 1 Jahr hier eingezogen ist, kann ich gut beobachten, wie höflich ein kleiner Hengst wird, wenn er es von klein auf lernt. Wenn er sich mal nicht im Griff hat und doch mal drängelt, muss ich nur kurz erstarren, dann besinnt er sich und nimmt sich zurück. Ich war aber auch deswegen mit Duncan von Anfang an so konsequent und umsichtig, weil ich eben wusste, dass er Hengst bleiben soll. Der Gedanke flößt mir genug Respekt ein, um noch mehr darauf zu achten, wie ich mit ihm umgehe. Strafen, damit er nicht drängelt, musste ich ihn nur selten, das meiste hat sich durch entsprechende Aufmerksamkeit im Alltag ergeben. Mein Merlin, der ja nun auch noch den Altersbonus hat, benimmt sich hingegen wirklich schlecht. Wie kann ich ihm das übel nehmen, wenn ich es ihm dauernd durchgehen lasse, ihn zauberhaft finde und er ja auch nie etwas gefährliches tut? Sein extra Futter fordert er vehement ein und ich habe nur die rudimentärsten Regeln eingeführt, an die er sich knapp hält. Und wenn sein Verhalten mich ärgert, schaue ich in den Spiegel und weiß: das hat er so von mir gelernt und es liegt an mir, Wege zu finden um besseres Verhalten zu bekommen anstatt das, was ich ihm beigebracht habe, jetzt unter Strafe zu stellen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 234

Dienstag! Ich liebe Dienstage! Das sind die Tage an denen wir immer einen schönen Ausflug mit meinem Spaziergehkumpel und seinem Mädchen machen. Diesmal waren wir wieder in meinem Lieblingswald! Und ich war allerbest gelaunt. Habe gleich ordentlich Gas gegeben und wieder alle paar Sekunden versucht, nach meinem Mädchen zu haschen. Die meinte, wenn ich so viel Energie übrig hab, soll ich sie doch tragen. Gerne! Also ist sie auf meinen Rücken gehüpft und wir sind los marschiert. Also ich meine ich bin losmarschiert und habe sie getragen. Kann ich! Und plötzlich waren die beiden Mädchen ganz senitmental, denn sie sind über 3 Jahre nicht zusammen ausgeritten – also so richtig dass beide auf dem Pony sitzen.

Hopp, mein Mädchen, rauf mit dir, damit es los gehen kann!

Mein Mädchen meint ja, ich soll sie noch nicht so lang tragen, also ist sie nach ein paar Minuten wieder abgestiegen und ein gutes Stück zu Fuß gegangen. Aber sie ist ja so langsam zu Fuß! Ich wollte schnelleren Schritt gehen und habe wieder angefangen am Strick zu ziehen. Da hat sie gelacht und gesagt, sie steigt wohl lieber wieder auf, damit ich mein Tempo gehen kann. Aha! Jetzt weiß ich wie ich sie überreden kann, aufzusteigen! Also ist sie noch ein Stück geritten. Und diesmal hat sie was neues raus gefunden. Nein eigentlich nicht neu aber sie vergisst es immer wieder: ich kann besser arbeiten wenn sie die Klappe hält. Sie redet ja so gern! Und wenn sie drauf sitzt will sie mir in einer Tour sagen, wie gut ich das mache. Ja ok, ich höre das gern, aber ich bin auch echt beschäftigt! Ich muss sie ja ausbalancieren, auf die Lenkung hören und gleichzeitig den Wald, meinen Spaziergehkumpel, den Weg und die Hunde von dem Mädchen vom Spaziergehkumpel im Blick behalten! Das ist schon eine ganze Menge auf einmal und ich finde so als Reitpony trage ich auch viel Verantwortung, da muss ich mich konzentrieren! Also hat sie mal den Flüsterfuchs gemacht und ne Runde geschwiegen und da konnte ich mich mal gut auf all die wichtigen Dinge konzentrieren. Dann habe ich kurz angemerkt, dass ein Keks wohl angemessen wäre. Dazu bleibe ich einfach mal stehen. Mein Mädchen lacht dann, sagt ich soll bitte weiter gehen, hält mich aber kurz danach an und steigt ab. Falls ich mit dem Stehenbleiben meine, dass es mir zu viel wird. Ach, was sie immer denkt! Es ist mir nicht zu viel, es sind nur zu wenig Kekse im Spiel! Bei all dem Konzentrieren sinkt ja der Blutzucker so schnell ab! Aber gut, so ist sie also nochmal ein Stück gelaufen. Insgesamt ist sie gestern 4 mal ein Stück geritten! Das ist ein neuer Rekord. Und ich hab das alles so toll gemacht! Kann ich. Die Mädchen waren ganz selig und total sentimental. Und zu langsam. Ich wollte wieder schneller aber mein Mädchen hat gesagt, dass wir jetzt gesittet zur Wackelkiste zurück gehen. Schon war der Ausflug vorbei – schade! Können wir nicht endlich mal länger los?

Aber es gibt noch eine sehr gute Nachricht: mein Mädchen hat im Wald eine Strecke gefunden die sie für geeignet hält für unseren ersten Trab! Sie sagt in ein paar Wochen geht das los. Oooooooh das wird bestimmt toll! Da fang ich schon mal an mich drauf zu freuen! Danach kann sie das mit dem Schritt reiten vergessen. Ich meine: wer will Schritt gehen wenn er traben kann? Na ich nicht!

Euer Reitschotte Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 233

Wie Ihr ja wisst, bin ich vielseitig begabt. Influencer, Förster, Bergsteiger, Pfützenfeinabschmecker. Aber hauptberuflich bin und bleibe ich Herzensreparateur. Und da war heute wieder ein wichtiger Tag, denn mein großer Bruder jenseits der Regenbogenbrücke hat heute Geburtstag. Und an diesem Tag braucht mein Mädchen mich ganz besonders. Ich hab da so meinen eigenen Stil: ich lasse ihr einfach keine Gelegenheit zum Trübsal blasen sondern halte sie gut beschäftigt. Dann ist sie ganz im Hier und Jetzt – so etwas nennt Ihr Menschen Achtsamkeit und es ist gut für Eure Seele. Ich bin ein schlauer Ritter und weiß das. Also habe ich unseren heutigen Ausflug gut durchstrukturiert. Wir sind heute die „Zwei-Dörfer-Runde“ gegangen. Die ersten 3 km habe ich mich damit beschäftigt, meinem Mädchen zu erzählen dass wir zwei Wochen (!) keinen Ausflug gemacht haben und auch sonst keine dollen Sachen (wegen dem Humpelfuß, der ist übrigens wieder tiptop in Ordnung) und ich deswegen dezenten Energieüberschuss habe. Da ich weiß, dass ich nicht am Strick ziehen darf, habe ich mich auf Kopfschlenkern beschränkt und dann so alle 2-3 Sekunden mal angedeutet, dass ich überlege, ob ich mal nach meinem Mädchen haschen soll. Woraufhin sie stoisch geradeaus geschaut und unbeteiligt mit ihrem Strick gewedelt hat. Ich weiß schon: wenn der Strick vor ihr kreist, ist es keine gute Idee, mit der Nase zu nah an sie ran zu kommen. Sonst krieg ich nämlich den Strick auf die Nase! Aber das hält mich natürlich nicht davon ab, mein Glück 2 Sekunden später wieder zu versuchen.

Nachdem wir also eine Weile so unterwegs waren, sind wir im ersten Dorf angekommen, Kleinvollstedt. Da war ich dann beschäftigt, habe „Vorgarten-watching“ gemacht. Mein Mädchen sagt, ich habe gelächelt. Da gibt es nämlich allerhand zu sehen und ich mag ja immer wenn mein Kopf was zu tun hat. Da hatte ich dann auch keine Zeit zum haschen spielen.

Diego und ich haben allerdings eine kleine Angewohnheit die unseren Menschen ordentlich auf die Nerven geht: wir äppeln IMMER im Dorf. Aus Prinzip. Weil wir es können. Dann halten wir alle an und mein Mädchen sammelt alles in eine Tüte ein. Wenn wir dann wieder im Grünen sind, wird die Tüte ausgeleert. Und jetzt aufgepasst: mein Mädchen hat gesagt, es sei gut, dass ich so klein bin! Warte mal, normalerweise soll ich doch immer wachsen? Was ist das jetzt für ein Sinneswandel? Sie meinte, noch geht sie ja eh zu Fuß aber später wenn sie reitet, wird es einfacher, schnell abzusteigen, die Tüte voll zu machen und dann wieder aufzusteigen. Siehst Du, mein Mädchen, gar nicht so schlecht, dass ich so ein handliches Format habe! Allerdings hat mein Mädchen dann dem Mann erklärt, er soll doch lieber einen tragbaren Staubsauger bauen. Der kommt dann in die Satteltasche und hat ein Rohr das lang genug ist um die Äppel ohne abzusteigen von der Straße weg zu saugen. Ideen hat sie immer…..

Als wir dann durch das Dorf durch waren, sind wir an zwei Pferden vorbei gekommen. Das eine kenne ich schon, das ist ein schöner schwarzer Friesenhengst! Ein ziemlicher Angeber. Ich wollte auch bisschen angeben, aber mein Mädchen hat gesagt, ich müsste da nicht mit machen. Also habe ich mich zusammengerissen und bin artig vorbei gegangen, da war sie sehr zufrieden und hat mal einen Keks rausgerückt.

Dann ein Stück durch den Wald und dann kamen wir an einen schönen Weg, da wollte mein Mädchen gerne reiten. Das ist immer ein Aufwand! Sie muss ihre Schutzweste anziehen, ihre Mütze ab- und den Helm aufsetzen (also ehrlich, als ob ich nicht gut auf sie aufpassen würde!), dann die Zügel aus den Packtaschen holen und an mein Halfter klipsen und den Strick ab machen und in die Taschen stopfen. Die kleine Gerte die sie immer mit hat, muss der Mann nehmen, damit sie uns nicht im Weg ist. Dann warnt sie mich immer einmal vor, hüpft ein bisschen neben mir hoch und legt sich einmal über mich drüber, damit ich weiß, dass es los geht. Das ist nett, weil ich nämlich dann noch Zeit habe, meine Füße zu sortieren. Und dann hüpft sie auf mich drauf. Normalerweise kann sie das recht elegant, aber heute irgendwie nicht so. Aber inzwischen kann ich das halten, ich spanne einfach meinen Körper bisschen an und dann kann sie sich an mir hoch ziehen. Danach gibt es einen wohlverdienten Keks für mich und wenn sie „voran“ sagt, gehe ich los. Dann merkt sie meistens dass sie schief sitzt und muss sich zurecht ruckeln – aber ich hab mich da schon dran gewöhnt und ignoriere da so drüber weg.

Während ich sie trage, üben wir ein bisschen das lenken, aber ich finde es geht schon sehr gut und mein Mädchen findet das auch. Nach einer Weile ist sie dann wieder abgestiegen. Wir waren beide schon ganz entspannt und kamen dann auch ins zweite Dorf, Groß Vollstedt. Da konnte ich mir noch ein paar Sachen anschauen. Und als wir dann wieder aus dem Dorf raus kamen, ist sie wieder rauf gehüpft. Also es war so: wir durften erst ein bisschen grasen, dann hat sie gesagt es sei Schluss mit grasen, dann ist sie rauf gehüpft. Ich dachte, jetzt wo sie bequem sitzt, könnte ich einfach weiter grasen. Aber das war nicht erlaubt! Habe ein paar mal nachgefragt, ob ich nicht doch…. Aber nein. Na gut. Also habe ich sie artig noch ein Stück getragen. Und schließlich ist sie wieder abgestiegen. Der Mann meinte, ich würde etwas müde aussehen, aber da habe ich mein Mädchen schnell eines besseren belehrt und bin nochmal kurz zum haschen spielen übergegangen. Aber dann hab ich gemerkt, dass ich doch ganz zufrieden bin und habe beschlossen, ihr den letzten Kilometer zu schenken und einfach ganz artig zu sein. Damit sie mich und unseren Ausflug in guter Erinnerung behält. Am Ende hat sie gesagt, ich hätte einen sehr guten Job gemacht. Na klar! Bin schließlich Profi. Sie hat mich gefragt, ob sie schwer zu tragen war, weil ihr Herz schwerer war als sonst. Ach was, mein Mädchen, hast du nicht gemerkt? Sobald du auf meinem Rücken gesessen hast, war dein Herz doch wieder ganz leicht! Herz reparieren kann ich.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 232

Mein Mädchen meinte, wir sollten noch ein bisschen Schonprogramm machen. Also haben wir ordentlich stehen geübt. Das geht so: sie berührt eins meiner Beine mit der Gerte. Ich muss ganz genau hinfühlen, welches Bein das ist und dann das Bein hochheben und – ganz wichtig! – so lange hoch halten bis sie die Gerte weg nimmt. Das kenne ich schon, aber manchmal komme ich mit den Beinen durcheinander. Immer wenn ich wachse fühlen die sich nämlich nachher anders an. Und mein linkes Hinterbein möchte ich manchmal lieber ein bisschen schütteln, anstatt es ruhig hoch zu halten. Das hab ich aber alles schon recht gut raus. Jetzt kam aber was neues dazu, ich soll nämlich den Fuß auch auf Kommando wieder abstellen – und zwar komplett. Sonst hab ich die Hinterhufe oft nur so halb in Ruheposition abgesetzt, aber mein Mädchen meinte, das ist sehr unpraktisch beim Schuhe anziehen. Also hat sie mir ein neues Stimmkommando erklärt „und ab“ das heißt: Fuß runter. Also ganz runter. Hat ein bisschen gedauert bis ich das geschnallt hatte.

Und manchmal hat sie mich dann ganz extra doll gelobt. Erst war ich nicht sicher, warum, aber ich glaube es dämmert mir: wenn ich meine Füße so ganz ordentlich nebeneinander sortiere, das mag sie gern.

Alle Hufe gut sortiert, so mag sie das!

Naja, das war also unser Programm. Später, als ein fieser Hagelschauer kam und mein Mädchen am Fenster stand, hab ich ihr dann mal gezeigt, was ich von der Schonerei halte – nämlich nix. Mag ja sein, dass ich im Trab noch etwas humpelig bin aber das ist ja völlig egal, schließlich habe ich ja noch den Galopp und wenn ich richtig Gas gebe (mein Mädchen schätzt 250km/h Spitzengeschwindigkeit) dann sieht man das auch nicht mehr mit dem Humpeln. Beziehungsweise mein Humpelfuß ist dann nur so kurz am Boden dass ich gar keine Zeit hab zu merken dass er weh tut. Toller Trick oder?

Mein Mädchen war nachher wieder nicht amüsiert – verstehe ich nicht. Aber für Sonntag hat sie mir einen Ausflug versprochen, weil ich deutlich darstellen konnte dass es ohne nicht gehen wird. Juhuuuu!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit den schön sortierten Füßen

Nudelsalat

Ich wandere durch die Gänge des Supermarkts und überlege, was ich wohl mal zu essen machen könnte. Nudelsalat! Den hatten wir ja ewig nicht! Im Kopf gehe ich durch, welche Zutaten ich brauche, welche ich zu hause habe und was ich noch kaufen muss.

Plötzlich kommt eine messerscharfe Erinnerung hoch und ich muss schlucken. Es würde nicht so viel Sinn machen, jetzt im Supermarkt los zu heulen, das würde meine Situation nicht verbessern, wenn dann mitfühlende Menschen auch noch fragen was los ist. Was hätte ich auch sagen sollen? Dass mein Pony nun bald drei Jahre tot ist und dass es an jenem beschissenen Tag auch Nudelsalat gab? Als ich den Nudelsalat gemacht habe, war meine Welt noch heile. Als ich ihn gegessen habe, war sie kaputt. Und ich steckte in dieser Situation, die man Trauer nennt, in der alles falsch ist und man so gar nichts dagegen machen kann das alles falsch ist. Dieses Gefühl, dem man ausgeliefert ist, diese Scheiße (Entschuldigung) in der man steckt, gegen die es nichts zu unternehmen gibt. Bei den meisten anderen blöden Dingen die einem so passieren, gibt es ja Handlungsoptionen. Bei Trauer nicht. Mein geliebtes Pony war tot – einfach so – und daran war und ist nichts zu ändern.

Damals hatte ich oft solche Momente. Jetzt sind sie selten geworden. Normalerweise sind Erinnerungen an Finlay zwar traurig und wehmütig, aber nicht mehr so extrem schmerzhaft und überwältigend. Aber in den letzten Wochen sind so ein paar blöde Dinge passiert, die in der Summe dazu geführt haben, dass meine seelische Widerstandskraft nicht so gut ist. Dazu kommt, dass der eigentlich ja freudige Umstand, dass ich anfange Duncan zu reiten, dazu führt, dass ich wieder mehr an Finlay denke, an unsere gemeinsamen Ritte. Und am kommenden Sonntag hat Finlay Geburtstag. 11 Jahre alt wäre er geworden. Ich hoffe, der Ritter ist bis Sonntag wieder fit und hilft mir mit einem Ausflug durch den Tag.

Nun also Nudelsalat. Verdammt. Ich beschließe, trotzdem Nudelsalat zu machen, verwende aber andere Nudeln, ein bisschen andere Zutaten und – ganz wichtig – eine andere Schüssel als damals. Warum das so wichtig ist – ich weiß es nicht. Ich habe gelernt, solche Dinge so hinzunehmen, es tut ja niemandem weh und mir hilft es.

Und dann frage ich heute morgen nach Wunschthemen für den Blog und es kommt „Routine“. Man übt etwas 100mal und trotzdem klappt es nicht zuverlässig.

Manchmal übt man ja falsch. Zum Beispiel lernen viele Pferde, Dinge nur auszuhalten und sich nicht wirklich zu entspannen. Manchmal übt man auch einfach mit zu wenig Abwechslung. Dein Pferd steigt gut in den Anhänger, aber tut es das auch noch wenn Du einen Haufen Dualgassen kreuz und quer vor den Anhänger schmeißt? Manchmal braucht es einfach mehr Wiederholungen als gedacht und auch Rückschritte sind ja total normal.

Aber heute denke ich an Nudelsalat. Und an die unzähligen Pferde, die zu hause sehr gut in den Anhänger steigen, aber dann am Ende eines Kurstages, eines Ausrittes oder gar eines Klinikbesuches nicht mehr einsteigen wollen (obwohl man meinen könnte, sie wissen, dass es nach hause geht). Ihre seelische Widerstandskraft ist aufgebraucht und reicht einfach nicht mehr, um noch einzusteigen. Merlin zum Beispiel war so ein Kandidat. Er ist immer eingestiegen, aber ich wusste, dass er nach einem Kurstag eben seine 15 Minuten dafür braucht: ein Schrittchen vor, Pause machen. Atmen, entspannen. Noch ein Schrittchen vor. So hatten wir unseren Weg gefunden. Merlin hat ja auf Kursen immer alles gegeben, alles möglich gemacht, sich wahnsinnig ins Zeug gelegt. Und dann war der Akku einfach leer.

Unsere Pferde können es uns nicht sagen. Ich kann genau erklären, warum der Nudelsalat mich diesmal so viel mehr raus gehauen hat als sonst. Aber was unserem Pferd so zustößt in den 23 Stunden am Tag, die wir es nicht sehen, das wissen wir nicht. War die Stimmung in der Herde blöd? Hat das Wetter genervt? Zwickt es vielleicht irgendwo – nicht so schlimm dass wir Menschen das sehen würden, aber schlimm genug um zu nerven und Kraft zu kosten? Spielen die Hormone verrückt? Bei Wallachen vielleicht nicht so (wobei das auch nicht für alle Wallache gilt) aber bei Stuten und Hengsten ja durchaus normal. Vielleicht ist der Seelenakku schon fast leer und wir wissen es nicht. Und dann verhalten wir uns aus Sicht des Pferdes vielleicht auch noch ein bisschen doof – kommen zur falschen Uhrzeit mit den falschen Leckerlies oder so und schon ist Ende.

Routine ist das eine. Das andere ist, die Seele so zu stärken, dass genug Reserven da sind. Routine kann die Seele natürlich wiederum auch stärken. Aber vielleicht können wir aufhören, zu glauben, dass unsere Pferde nicht auch mal so etwas erleben wie ich mit dem Nudelsalat. Fast jedes Pferd trägt mindestens ein mehr oder weniger großes Trauma mit sich herum. Je älter das Pferd war als es zu uns kam, desto weniger wissen wir darüber. Und was so ein Trauma triggert, wissen wir in den seltensten Fällen.

Und auch ohne Trauma hat halt jeder seine Themen. Angst vor Spinnen beim Menschen, Angst vor fließendem Wasser bei Duncan.

Als ich neulich ein Stück geritten bin, kamen wir über einen kleinen Bach. Ich wusste, dass Duncan im Kopf schon viel getan hatte und schon ein bisschen „durch“ war im Kopf. Und dann glitzerndes Wasser. Duncan guckt besorgt, ich rede ihm gut zu. Dann macht es „klick“, er bleibt stehen schaut ganz entspannt das Wasser an (es gibt bei ihm einen ganz deutlichen Unterschied in der Art wie er schaut wenn er sich fürchtet oder nicht fürchtet). Demonstrativ schaut er hin und dreht sich dann zu mir um „das habe ich toll gemacht und deswegen bekomme ich jetzt einen Keks“. Ich wäre vor Lachen fast runter gefallen, aber natürlich hat er seinen wohlverdienten Keks bekommen. Der stärkt nämlich die Seelenkräfte ungemein und so konnten wir danach auch noch die Horden von Spaziergängern bewältigen.

Nach meinem Supermarkt-Nudelsalat-Erlebnis habe ich keinen Keks gegessen, aber mir anderweitig neue Seelenkraft geholt. Weil es einfach nötig war. Viel nötiger als Routine und Übung.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 231

Also halten wir mal fest: am Sonntag hat mein Mädchen mir versprochen, dass wir was Humpelfuß-taugliches üben. Montag ist nix passiert, Dienstag ist nix passiert…. Heute ist Mittwoch und wir haben zum ersten Mal was geübt! Und das wohl auch eher nur, weil Gatsby und Diego meinem Mädchen ein bisschen leid tun. Es geht mir nämlich schon wieder ganz gut, im Schritt laufe ich meistens normal und ich kann auch schon wieder ganz gut geradeaus traben. Davon abgesehen hat mich der Humpelfuß ja sowieso nie am spielen gehindert. Aber heute ist mir dann der Langeweile-Kragen geplatzt und ich habe mir ein neues Spiel einfallen lassen. Ich nenne es „Ping-Pong“ und es geht so: schnell zu Diego laufen und ihn ein paar Sekunden ärgern. Dann umdrehen, zu Gatsby traben und den ein paar Sekunden ärgern. Dann wieder zu Diego, dann wieder zu Gatsby. Das bringt Spaß! Als mein Mädchen das gesehen hat, musste sie lachen und hatte ein Einsehen. Wir haben dann wirklich ein bisschen geübt. Ich soll jetzt lernen, was ein Target ist, meint sie. Das heißt, ich soll meine Nase an das Dings halten was sie mir da hin hält. Hab ich gleich kapiert, weil es doch ganz ähnlich ist wie das üben mit dem Gebiss. Allerdings glaube ich, es ist doch nicht ganz das gleiche, denn irgendwie wollte sie diesmal nicht, dass ich das Dings nicht ins Maul nehme.

Nase dran, Keks kassieren. Manchmal versuche ich noch andere Sachen, könnte ja sein….

Ich hoffe, sie bietet mir jetzt wieder mehr Abwechslung. Ist ja nicht auszuhalten so! Ein Abenteuer wäre mal wieder fällig!

Euer fast gesunder und sehr gelangweilter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 230

Mein Mädchen hat mit mir geschimpft. Weil ich mich nicht schone mit meinem Humpelfuß. Dabei hat sie selbst gesagt mit einem Hufgeschwür muss man sich nicht unbedingt schonen. Aber ich glaube sie hat gedacht ich würde das doch tun, weil es halt weh tut. Dabei habe ich doch noch 3 gesunde Hufe übrig! Zwei Hinterhufe, auf die ich mich stellen kann – funktioniert einwandfrei. Muss nur beim Landen aufpassen, nicht zu doll mit vorne rechts aufzukommen. Und außerdem kann man ja auch auf den „Knien“ spielen (die ja anatomisch gesehen gar nicht meine Knie sind aber so sagt Ihr Menschen ja mal gern, weil Ihr nicht auf Euren Handgelenken stützen könnt und wahrscheinlich neidisch seid). Wenn man nämlich auf die Vorderfußwurzelgelenke geht (so heißt das, liebe Menschen!) dann kann man seinen Spielpartner (in diesem Fall Diego der Große) ganz vortrefflich von unten kneifen – ein großer Spaß! Und wenn man dann schnell wegrennen muss dann sieht man eben zu, dass man den Humpelfuß nicht so doll belastet. Mein Mädchen wollte Beweismaterial filmen aber es war zum Glück schon zu dunkel.

Na jedenfalls ist der Verband jetzt hin, durchgespielt sozusagen. Also musste sie mir einen neuen machen – den hat sie jetzt mit einer Extra-Lage gemacht. Sie macht ja immer vorher so einen „Boden“ aus ganz viel Klebeband und kommt erst dann zu mir zum wickeln, das ist einfacher. Ich war auch ganz artig beim einpacken, damit sie aufhört zu schimpfen.

Na der ist futsch.
Mein Mädchen hasst Basteln, aber das schafft sie gerade noch so….
….. weil es egal ist wie es nachher aussieht, Hauptsache es hält.

Jetzt spiele ich weiter. Ach komm, mein Mädchen, wenn ich depressiv in der Ecke hängen und dauernd „aua aua“ sagen würde, wärst du doch auch ganz unglücklich, gib es doch zu! Und da musste sie mir recht geben. Na also.

Euer (un?)vernünftiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 229

Mein Mädchen hat jetzt schon Osternaschi geschenkt bekommen. Dabei ist es noch zwei Wochen hin bis Ostern! Aber ich will mich nicht beschweren, denn für mich ist auch Naschi dabei und das beste ist: ich habe eine Möhre bekommen! Und die hält keine zwei Wochen. Deswegen hat mein Mädchen gesagt, ich darf sie heute schon haben. Sie hat die Möhre in kleine Scheiben geschnitten und gesagt, dass sie eine tolle Tour geplant hat auf der wir Brücke Level 2 üben können und dass ich die Möhrenscheibe auf der Brücke essen darf.

Na so was! Jetzt schon!
Steht extra drauf: Osterleckerlies für mich!

Aber daraus wird nix, denn ich habe einen schlimmen Humpelfuß! Der tut richtig böse weh, ich sage es Euch! Menno. Mein Mädchen und der Mann haben sich das angeschaut und gesagt, dass das wohl ein Hufgeschwür sein wird. Das ist nicht gefährlich oder schlimm, tut aber übelst weh. Da war erst mal eine Runde Mitleid fällig! Dann haben sie mir einen schicken Sauerkrautwickel gemacht, dabei habe ich die Möhrenscheiben abkassiert. Zu guter Letzt hat mein Mädchen mir dann noch kühlende Paste ans Bein geschmiert, damit das nicht anschwillt, das tut es manchmal wenn man ein Hufgeschwür hat, sagt sie. Ich kenn mich da ja nicht aus, ich hatte so was noch nie. Ich weiß nur, dass es doof ist. Aber der Verband ist sehr angenehm, der polstert das ab und mein Huf wird etwas aufgeweicht, das lindert den Druck da drin. Mein Mädchen sagt, in ein paar Tagen ist bestimmt alles schon vorbei. Na, ich werde berichten!

Wenigstens werde ich liebevoll betüddelt.
Der Verband macht es ein bisschen besser

Bis dahin hat sie eine Liste an Sachen die wir im Stehen üben können, weil ich ja jetzt nicht so gern laufen mag. Damit will sie mich bei Laune halten, bin gespannt! Ich berichte Euch später davon.

Euer humpelnder Sir Duncan Dhu of Nakel