Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 262

Erinnert Ihr Euch noch an diesen Beitrag vom letzten Sommer? Und jetzt schaut mal genau hin:

Das war am 16.7.2021

Und so sieht es heute aus, wenn wir beide in der Wackelkiste stehen. Und jetzt, mein Mädchen, behaupte du noch ein einziges Mal, ich würde nicht wachsen!!!

Im Moment wachse ich wohl auch schon wieder, meint mein Mädchen. Aber augenscheinlich nicht in die Höhe, sondern wohl eher in die Breite. Sie vermutet, dass ich wachse, weil sie mich wieder so viel im Liegen schlafen sieht und ich derzeit mal wieder nicht ganz so energetisch unterwegs bin wie normal. Ich fühle mich immer nicht so fit, wenn ich doll wachse. Aber in der Regel ist das auch nach ein paar Tagen wieder vorbei. Mein Mädchen sagt, ich soll bald mal wieder auf die Waage. Damit sie die Ekelpaste richtig dosieren kann. Von der brauche ich nämlich öfter mal was, das scheint noch nicht so zu klappen mit der natürlichen Wurmabwehr – die großen Ponys können das. Naja, wenn es weiter nichts ist.

Im Übrigen hab ich auch voll viele weiße Flecken jetzt, schaut mal!

Mein Mädchen staunt, wie viel mehr weiß ich noch nach dem Ende des Fellwechsels gemacht habe. Da seht ihr Menschen mal, wie wir dauernd unser Haarkleid erneuern und ihr bekommt das gar nicht mit. Ich bin also flotten Schrittes auf dem Weg zum Schimmel. Nein, eigentlich bin ich ja schon ein Schimmel, aber auf dem Weg zum weißen Schimmel. Mein Mädchen sagt, vorher war ich ein schwarzer Schimmel und jetzt bin ich ein Fleckenschimmel. Na besser als ein Schimmelfleck…. Sie ist ganz gespannt, wie es weiter geht mit meiner Farbgebung. Und mit der Wachserei. Und mit der Pubertät. Die reinste Wundertüte bin ich, sagt sie. Und ich denke mir: Du sollst dich ja nicht langweilen, mein Mädchen! Nein, das tut sie nicht. Sie sagt, langweilen kann man sich mit Ponys sowieso nicht.

Eure Wundertüte Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 261

Heidewitzka, jetzt ist aber Sommer. Was war das heiß am Dienstag! Aber Ausflugstag ist Ausflugstag, also ging es los. Ausreitkumpel abholen und dann hatte mein Mädchen eine Strecke geplant (damit es nicht wieder so lang wird….). Sie dachte, da wären wenig Stechviecher unterwegs aber weit gefehlt! Wir wurden umsummt und umbrummt. Wenn ich meine Zebradecke trage bin ich da ja nicht so empfindlich, aber meinem Ausreitkumpel wurde trotz Decke und Spray ganz blümerant. Also was ist die Lösung: traben. Leider war der Boden richtig blöde aber wir haben es trotzdem durch gezogen. Mir war warm und mein Mädchen war unsicher ob ich so viel traben mag. Wir haben dann versucht, möglichst schnell zu einem Stück zu kommen wo nicht so viele Fliegviecher sind. Dort sind unsere Mädchen zu Fuß gegangen. Und dann haben wir die Abkürzung genommen und sind auf schnellstem Wege – also wieder im Trab über die blöden Steine – zurück zur Wackelkiste.

Also: ein schöner Ausflug war das nicht. Ich trabe ja gern aber es war mir zu heiß und zu steinig. Mein Mädchen sagt, gegen heiß kann sie nichts machen aber gegen die Steine schon – ich bekomme jetzt Einlagen in meine Hufschuhe. Normalerweise teilt sie es ja so ein dass wir auf fiesen Böden nicht traben, aber wie man sieht ist das manchmal schwierig und damit meine Füße nicht weh tun, gibt es jetzt extra Polster. Außerdem will sie versuchen, mir eine Fliegenmaske aufzusetzen beim reiten. Es ist nämlich so, dass die blöden Bremsen genau wissen, wo mein langer, schöner Schopf mir Schutz gibt und wo nicht. Die saßen immer direkt unter meinem Ohr! Mistviecher. Also wieder das Equipment aufpimpen. Und nach Wegen suchen, die noch reitbar sind zur Bremsenzeit. War das letztes Jahr eigentlich auch so schlimm? Kann ich mich gar nicht dran erinnern.

Gegen die Hitze, sagt mein Mädchen, hilft nur üben. Wenn wir später auf Distanzritt wollen, können wir uns das Wetter auch nicht aussuchen. Aber wenn wir bei jedem Wetter reiten sind wir nachher auch bei jedem Wetter fit. Als wir dann zu hause waren, hat sie meinen Puls gemessen. Das können wir jetzt schon ganz gut. Mein Job ist stillstehen und mein Herz laut schlagen lassen damit sie es gut hört. Ihr Job ist, mir das Stethoskop an die Rippen zu drücken, zu lauschen, auf die Uhr zu schauen und zu zählen. 48 Schläge pro Minute hat sie gezählt. (Voll lustig ist übrigens, wenn sie mir vorher einen Keks gibt und mein Kauen ganz laut hört während sie Herzschläge zählt. Man hat die sich über das Geräusch erschreckt!) Dann hat sie mich abgeduscht und nochmal gezählt, da waren es noch 44 Schläge. Bei der Wärme fand ich duschen ok. Sonst bin ich da ja nicht so ein Fan von, deswegen machen wir es nicht oft. 1 Stunde später, als es auf die Weide ging, hat sie gleich nochmal gemessen, da waren es noch 40 Schläge. Mein Mädchen möchte jetzt langsam raus kriegen wie meine Erholung so funktioniert. Wahrscheinlich will sie jetzt auch wieder dauernd Ruhepuls messen und schauen ob der sich verändert hat – weil ich ja gewachsen bin. Letztes Jahr war der bei 36, aber vielleicht geht er noch runter, sagt sie. Ich finde das Stillstehen ja blöde, aber so lange die Keksrate stimmt…. Na jedenfalls hat sie sich natürlich Sorgen gemacht, dass mir das viele getrabe zu doll war. Das Mädchen vom Ausreitkumpel war aber der Meinung, wenn ich nebenbei noch förstern kann und den Ausreitkumpel kneifen, dann kann ich wohl noch nicht so müde sein. Oh, da habe ich mich verraten!

Als es abends auf die Weide ging hab ich gedacht ich mache meinem Mädchen schnell das schlechte Gewissen weg und zeige ihr, dass ich nicht müde bin. Und schon war es wieder Merlin, der ihr Mitleid bekam, weil ich ihn geärgert habe. So schnell kann sich das Blatt wenden….

Kumpel ärgern geht immer!

Lasst euch nicht aussaugen, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Gefühle

Duncan rast im vollen Galopp über unseren Sommerreitplatz. Die Doppellongen wehen hinter ihm her, er ist in Panik. Ich rede beruhigend auf ihn ein und bete, dass er den Zaun wahrnimmt und rechtzeitig abdreht. Das tut er zum Glück und kommt nach ein paar Runden am Ausgang zum Stehen, rast aber wieder los bevor ich bei ihm bin. Nach weiteren zwei Runden stürzt er auf die Seite, rappelt sich wieder hoch und bleibt dann zitternd am Ausgang stehen. Diesmal bin ich näher dran, kann ihn einsammeln und mich entschuldigen. Wir waren lange nicht hier oben auf unserem abgezäunten Stück Wiese und ich hatte unterschätzt wie viele Bremsen und andere blutdurstige Tiere uns hier auflauern. Als ich es bemerkt hatte, dachte ich „bisschen Trab und dann gehen wir wieder“. Links herum war auch alles perfekt, dann kurz Pause. Und da hätte ich es wissen sollen, denn Duncan hat in der Pause kein Gras genascht,sondern meine Nähe gesucht und mich komisch angeschaut. Was er NICHT getan hat: doll mit dem Schweif schlagen, den Kopf schütteln oder sich unter den Bauch hauen, was mir deutlich gemacht hätte, wie schlimm er die Überfälle der Insekten findet. Statt dessen dieser Blick. Ich sage „komm, eine Runde rechts herum, im Trab geht es doch.“ Und kurz danach geht er mir durch. Es scheint seine einzige Option gewesen zu sein.

Gefühle sind im Moment sein Ding. Sie überwältigen ihn anscheinend einfach und er kann sie nicht managen. In einem Augenblick ist er sehr ruhig, im nächsten wieder flott und aufgeregt, oft ohne für mich ersichtlichen Grund. Häufig habe ich das Gefühl, er versucht viel zu lange, alles zu unterdrücken und explodiert dann. Und ich sehe viel zu spät, wie lange er schon mit sich kämpft. Schwierige Zeiten sind das und ich bin oft frustriert. Jedes dieser Erlebnisse – das Steigen auf dem Trailplatz und das Durchgehen auf dem Reitplatz – bleibt in mir haften, weil ich zwar die Ursache im Nachhinein erkenne aber befürchte, beim nächsten Mal wieder was zu verpassen. So beobachte ich ihn mit Argusaugen, werde aber nicht recht schlau aus seinem Verhalten. „Er ist komisch“ ist oft alles, was bei mir ankommt. Ich denke an Finlay, dem man nie irgendeine Gefühlsregung angesehen hat und ich fürchte, ein ähnlicher Lernprozess steht mir wieder bevor. Duncan ist eigentlich extrovertiert – aber anscheinend nur dann, wenn er kein Problem hat. Wenn wirklich etwas los ist, zeigt er es eben doch nicht so eindeutig. Ich kann nur hoffen, dass er lernt, mir deutlicher Bescheid zu sagen, während ich lerne, seine leisen Töne besser zu deuten. Ich höre sie, aber oft verstehe ich sie nicht.

Aber das Leben spielt mir in die Hände. Denn derzeit habe ich das Vergnügen, ein paar mal allein mit einem meiner Kundenpferde zu arbeiten, weil die Besitzerin gesundheitlich verhindert ist. Wir probieren allerhand aus und ich erkenne – mit Abstand von meinem eigenen Pony – ein paar hilfreiche Parallelen, die es für mich nun zu erkunden gilt.

Was ich derweil auch wieder erlebe ist etwas, was ich hier zu hause zum Glück mangels Einstellern nicht erdulden muss: Klugscheißer. Entschuldigt meine Wortwahl, aber es ist ja so. Was einem da rein geredet und an den Kopf geworfen wird, hat ja schon wirklich keine Art mehr. Und ich bin selbst herausgefordert, meine eigenen Gefühle nach solchen dummen Sprüchen wieder in den Griff zu kriegen und mich zu sortieren, damit ich vernünftig mit dem Pferd arbeiten kann. Und jetzt traue ich mich trotzdem wieder, hier öffentlich aufzuschreiben, was mir mit meinem eigenen Pony im Moment nicht gelingt. Ich hoffe, dass meine geneigten Leser verstehen, dass ich das nicht tue, weil ich wohlmeinende aber wenig hilfreiche Tipps aus der Ferne brauche, sondern weil ich teilen möchte, was zu wenig geteilt wird in unserer perfekten social-media-Welt. Weil ich mich nicht bei denen einreihen will, die immer nur über ihre Stärken und Erfolge sprechen und die damit (bewusst oder unbewusst) allen anderen das Leben schwer machen bei denen – oh Wunder! – nicht alles perfekt läuft. Wissen, dass andere auch ihre Schwierigkeiten haben, kann uns helfen, die eigenen Schwierigkeiten nicht über zu bewerten. In den letzten Wochen durfte ich diese Erfahrung immer wieder machen, wenn Menschen mir erzählt haben, was ihre Pferde im Alter von 3 oder 4 Jahren so angestellt haben. Pferde, die ich heute kenne, von denen ich weiß, dass sie gut zurecht kommen in der Welt. Menschen von denen ich weiß, dass sie sich viel Mühe geben, ihre Pferde gut auszubilden und Pannen zu vermeiden. Es passiert eben trotzdem, da müssen sowohl wir Menschen durch als auch die Pferde. Und wenn sogar meine Lieblingstrainerin erzählt, was für gravierende Fehler sie gemacht hat, dann macht mir das so viel Mut. Denn so blöde Fehler sind: man kann ja was draus lernen. Und mit viel Glück kann man sogar aus den Fehler der anderen lernen, dann muss man nicht alle selbst machen.

Duncan kann und weiß unfassbar viel für sein Alter und ist in aller Regel unglaublich toll in allem was wir anfangen. Jetzt steht offensichtlich die Regulation von Gefühlen im Vordergrund – nicht das Erlernen neuer Fähigkeiten sondern das Umgehen mit den eigenen Hormonen und der neu gewonnenen Kraft, die Frage nach der eigenen Position in der Welt. Dabei wird sich zwangsläufig auch unsere Beziehung noch einmal verändern, während mein Pony weiter geht auf dem Weg zum Erwachsensein. Ich kann den Weg nicht für ihn gehen, aber mit ihm. Was uns dabei hilft und was nicht gilt es jetzt zu erproben, zum Glück bekomme ich Ideen durch andere Menschen und andere Pferde. Und ich hoffe dass das, was wir jetzt lernen, uns nachher ein Leben lang hilft, mit schwierigen Situationen umgehen zu können ohne dass ein Desaster daraus wird.

Derweil freue ich mich mehr denn je über unsere tolle Herde hier, die meinem kleinen Hengst hilft, sich zu orientieren und mit seinen Gefühlen umgehen zu lernen. Besonders unser Diego, der so wunderbar mit sich und der Welt im reinen ist – ein wahrer Fels in der Brandung von Duncans Pubertät.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 260

Diesen Sonntag haben wir keinen Ausflug gemacht! Ist das zu fassen? Wir haben einfach gar nichts zusammen gemacht! Mein Mädchen fand das Wetter zu fies. Es war so heiß und drückend und sie kann dann nicht gut schlafen und hat schlechte Laune. Und diese schlechte Laune wollte sie mir nicht antun. Irgendwie ja auch nett. Stattdessen haben sie und der Mann den letzten Jakobs-Kreuzkräutern den Garaus gemacht. Dachten sie jedenfalls.

Aber am Montag kam dann der ausgleichende Regen. Mein Mädchen war ganz erleichtert, endlich wieder kühles Wetter, dann hat sie bessere Laune. Der Regen hat das Gras auf der Weide platt gelegt und wer schaut dann vorwitzig raus? All die Kreuzkräuter, die die Menschen bisher übersehen haben! Mein Mädchen ist also durch das nasse Gras gestapft und hat wieder geglaubt, dass sie den letzten Kreuzkräutern den Garaus macht. Das motiviert sie, wenn sie das glaubt. Wahr ist es nie, es bleiben immer welche übrig. Aber mein Mädchen sah vielleicht nachher aus! Klatschnass ist sie gewesen und die Hose klebte an ihren Beinen. Ich war nicht sicher ob ich lachen oder sie bemitleiden soll.

Als sie sich wieder trockengelegt hatte, haben wir dann zusammen was auf dem Reitplatz gemacht. Ich kann jetzt an der Longe schon ganz gut angaloppieren und mein Mädchen übt, dass Kommando ruhiger zu geben und mir mehr Zeit zu lassen es richtig zu machen, weil sie jetzt weiß, dass ich weiß, was zu tun ist. Anschließend haben wir noch mit dem Gebiss geübt, das ging auch schon ganz fein und mein Mädchen war ganz zufrieden. Ich verstehe jetzt langsam wie ich meinen Kopf bewegen soll wenn sie das Gebiss in meinem Maul bewegt. Bald können wir an die komplizierteren Sachen ran, meint sie. Das Problem ist: dieser ganze Kram ist immer langsam. Und langsam – das habt ihr wohl schon mal raus gehört – ist nicht meins. Deswegen hat sie gesagt wir mischen das jetzt mehr mit laufen zwischendurch. Da arbeitet sie noch am Konzept aber sie hat mir versprochen, Rücksicht zu nehmen auf meinen Bewegungsdrang. Dafür nehme ich dann auch manchmal Rücksicht auf sie.

Euer Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 259

Wie Ihr ja wisst, bin ich beruflich sehr engagiert. Hauptsächlich bin ich Herzensreparierer, aber nebenbei bin ich auch Förster, Influencer, Bergsteiger und Pfützenfeinabschmecker. Pfützen gibt es nicht nur unterwegs, sondern auch hier bei uns zu hause. Manchmal, wenn ich Glück habe, sind schöne, frische Pfützen auf dem Reitplatz. Die liebe ich, da schmeckt das Wasser am allerbesten. Das findet Merlin auch und Finlay fand das auch. Auch in unserem Paddock gibt es nach Regen immer diverse leckere Pfützen. Aber am längsten hält sich immer die Pfütze vor dem Misthaufen. Mein Mädchen findet die eklig. Weil doch immer ein kleiner Schwapp Wasser vom Misthaufen überläuft. Aber nur ein kleiner. Und wir Ponys finden, das Wasser schmeckt genau richtig. Auch wenn da schon so grüne Algen drauf sind, trinken wir es noch mit Genuss! Mein Mädchen schimpft dann immer. Wir hätten doch zwei vernünftige Tränken, sagt sie, eine frostsichere im Stall und eine Badewanne unterm Apfelbaum wo auch oft Regenwasser drin ist. Aber wir sind große Ponys und entscheiden ganz allein, was wir trinken möchten, mein Mädchen! Und aus der Pfütze ist es nun mal am leckersten, zumindest bis es dann zu lange nicht mehr geregnet hat. Dann ist es irgendwann wirklich nicht mehr so toll. Aber bis dahin: Prost!

Treffen wir uns an der Bar?

Euer durstiger Sir Duncan dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 258

Na das war vielleicht ein Dienstagsausflug! Mein Mädchen hat das Mädchen vom Ausreitkumpel gefragt, wo wir hinfahren wollen. Fast immer plant mein Mädchen unsere Ausflüge und dafür gibt es auch einen guten Grund. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat nämlich eine merkwürdige Wahrnehmung von Strecke – das weiß mein Mädchen von früher, als mein großer Bruder für den Distanzritt trainiert hat. Wenn das Mädchen vom Ausreitkumpel gesagt hat „das sind so 10km“ dann waren es in Wirklichkeit nachher 16km.

Deswegen hat mein Mädchen bisher immer selbst geplant. Aber diesmal wollten sie mal in ein Gebiet, wo mein Mädchen sich nicht auskennt. Also hat mein Mädchen zum Mädchen vom Ausreitkumpel gesagt „plan mal so 6km, dann sind es in Wirklichkeit 8 oder 9km, das schafft der Ritter. Wenn Du 8km oder 9km planst und es in Wirklichkeit 12km sind, wird es eng“.

Na was soll ich Euch sagen? Wir sind dann los gezogen, das Mädchen vom Spaziergehkumpel sagt „ja da geht’s ein Stück durchs Dorf und dann hinten in den Wald und da eine Runde rum und den anderen Weg zurück. Die Runde durch den Wald sind so 4km also dürften es insgesamt so 6km sein.“ Mein Mädchen meinte, sie packt lieber extra Proviant und den Schlafsack ein. Sie erinnerte sich nämlich noch an eine Tour durch den Wald, damals als sie noch alles zu Fuß gehen musste und mit brandneuen, nicht eingelaufenen Schuhen. Da sind wir alle los gelaufen und das Mädchen vom (damals noch) Spaziergehkumpel hat dann so Sachen gesagt wie „ich glaube wir müssen hier links“ (ah, Du glaubst?) und „ich hör die Autobahn, da sind wir richtig“ (ja? welche Autobahn ist es denn? Es gibt ja ein paar mehr in Deutschland) und so waren wir schließlich erst im Dunkeln wieder zu hause und waren 10km unterwegs gewesen. Da war mein Mädchen echt kaputt – und ich total zufrieden. Weiß ich noch! Deswegen finde ich es eigentlich lustig, wenn das Mädchen vom Ausreitkumpel die Planung mal übernimmt.

Und was soll ich sagen: am Dienstag hat das Mädchen vom Ausreitkumpel sich zwar wirklich perfekt ausgekannt und immer gewusst wo es lang geht, aber nachher waren es halt doch 10km, nicht 6. Und ich gestehe: 10km laufen ist das eine. 10km durch fremdes Gelände laufen wo ich noch nie war ist was anderes. Da war mein Kopf ganz schön müde. Bin zwischendurch ein bisschen träge hinter meinem Mädchen her geschlurft. Aber dann kamen wir an einer Koppel mit Stuten und Fohlen vorbei, da war ich schlagartig wieder wach! Nach langer Laufstrecke ist mein Mädchen dann zum Schluss nochmal wieder aufgestiegen. An der Stelle wo wir zur Wackelkiste abbiegen mussten, wollte ich geradeaus, da hat mein Mädchen mich noch gefragt, ob ich mich wirklich nicht erinnere, dass wir genau diesen Weg gekommen sind? Dann zur Wackelkiste. Ich hab angedeutet, dass rechts von der Wackelkiste Gras ist. Mein Mädchen hat aber gesagt, wir müssen auf die linke Seite der Wackelkiste. Also bin ich nach links. Und weil sie weiter nix gesagt hat, bin ich dann einfach weiter gelaufen, an der Wackelkiste vorbei den Weg runter. Mein Mädchen hat einen Lachanfall bekommen – weiß auch nicht warum. Dann hat sie mich angehalten und ist abgestiegen und die Mädchen haben gerätselt ob ich so kopfmüde war, dass ich einfach weiter gelaufen bin oder ob ich Lust hatte, noch weiter zu laufen. Tssss was gibt es da zu überlegen, Ihr Mädchen? Laufen geht eben immer! Kopfmüde hin oder her.

Tja das war ganz schön lustig. Und nebenbei, sagt mein Mädchen, tun wir was gegen das Insektensterben. Wir haben die nämlich ganz gut gefüttert, scheint mir. Zum Glück bin ich da hart im Nehmen und meine schöne Zebradecke hält das meiste ab, so dass die Viecher sich eher an meinem Mädchen vergreifen als an mir. Ich hoffe, das Mädchen vom Ausreitkumpel darf jetzt öfter mal die Tourenplanung übernehmen!

Euer abenteuerlustiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Drei Jahre

In unserer Nachbarschaft steht dieser Baum. Vor ein oder zwei Jahren ist er gestürzt und ich dachte, das ist sein Ende. Jetzt fängt er an, aus einem Ast, der nach oben zeigt, so eine Art neuen Stamm zu bilden. Als wir neulich an ihm vorbei gegangen sind, habe ich zu Arnulf gesagt: „Ich fühle mich ein bisschen wie dieser Baum.“

„Wir sind Überlebende, keine Superhelden“

Ich bin gestürzt und nicht wieder aufgestanden. Aber aus der neuen Lage ist etwas neues gewachsen. Es sieht skurril aus, aber es funktioniert, der Baum lebt. Wer weiß, was sein Wurzelwerk unterirdisch tut, was wir nicht sehen? Ähnlich dem was mein Unterbewusstsein, meine Seele oder wer auch immer im Hintergrund für mich getan hat, während ich lange nur im „Durchhalten“ war.

Im Gegensatz zu dem Baum sieht man es Menschen meistens nicht so direkt an, welche Verletzungen sie erlebt haben. Manche meiner Schülerinnen vertrauen mir Dinge an, die auf ihrer Seele liegen und manche dieser Geschichten sind so schlimm, dass ich mich frage, wie diese Frau ihr Leben so scheinbar normal führen kann. Ich bemühe mich, das, was meine Schülerinnen mir anvertrauen, im Kopf zu behalten, wenn ich unterrichte. Ich habe ein loses Mundwerk und mache gerne Witze – aber bei manchen mache ich manche Witze eben nicht. Die Arbeit mit Pferden führt oft direkt zu diesen Verletzungen die wir alle in mehr oder weniger großem Maß mit uns herum tragen. An der einen oder anderen Stelle kommen wir damit in Kontakt, weil die Pferde uns so fein lesen und darauf reagieren. Manchmal ahne ich beim Unterrichten, dass sich da etwas verbirgt, aber ich frage nicht nach. Es ist nicht meine Aufgabe, nachzufragen, wenn jemand es nicht erzählen möchte ist das völlig ok. Wenn jemand es erzählen möchte ist das auch völlig ok. Manche ist vielleicht auch einfach an einem Punkt, wo sie das, was da ist, gar nicht bewusst wahr nimmt – wir alle haben blinde Flecken und manches ist auch zu schmerzhaft, um es direkt anzuschauen.

Auch die Pferde tragen fast alle mehr oder weniger große Verletzungen ihrer Seele mit sich herum. Dafür müssen sie nicht verprügelt worden sein oder anderweitig sichtbar schlecht behandelt. Schon ein Stallwechsel und der Verlust der Freunde – selbst wenn er langfristig dem Wohl des Pferdes dienen mag – ist eine Verletzung der Pferdeseele.

Wir alle kommen nicht ohne solche Verletzungen durchs Leben. Der Wunsch, alles vom geliebten Kind oder Tier fern zu halten, bleibt unerfüllbar. Manche Menschen beschäftigen sich ausgiebig damit, andere schieben es zur Seite – beides kann funktionieren.

Gestern, an Finlays 3. Todestag, habe ich zum ersten Mal alles zur Seite geschoben. Ich wollte nicht wieder hinein springen in das schwarze Loch und diesmal hatte ich eine Wahl, die ich in den letzten zwei Jahren irgendwie nicht hatte. Ich habe trotzig die Nase in die Luft gereckt und ziemlich komplett ignoriert, welcher Tag ist. Und ich habe vielleicht zum ersten Mal ein Stück weit die andere Seite gefühlt, die Seite der Menschen, die sich nicht auseinandersetzen wollen und lieber alles beiseite schieben.

Mir schrieb jemand „vielleicht willst Du ja doch irgendwann über Finlays Unfall reden“. Für mich schwang da mit „Du musst doch darüber reden das ist doch wichtig“ (vielleicht war es nicht so gemeint aber ich hatte dieses Gefühl). Nein, darüber reden im Sinne von „erzählen was passiert ist“ ist nicht wichtig. Ich war in Therapie und die hat wunderbar funktioniert ohne dass meine Therapeutin mehr wusste als ihr: Finlay hatte einen tödlichen Unfall. Es war interessant für mich, dass sie lange Zeit noch nicht mal nachgefragt hat. Weil es nicht wichtig war für die Therapie. Erst in der vorletzten Stunde habe ich einen Satz dazu gesagt – nur einen. Aber es spielte keine Rolle, denn wichtig war nur, wie ich mich fühle und das – das wissen wir alle – ist oft völlig unabhängig von irgendwelchen Tatsachen.

Und so habe ich noch mehr gelernt, dass auch die Gefühle andere Menschen für mich nicht verständlich sein müssen. Dass es gilt, zu akzeptieren was der andere fühlt (was nicht heißt, dass er sich beliebig benehmen darf!). Wir müssen das nicht nachvollziehen können, warum jemand Angst hat, traurig ist, sich überfordert fühlt oder was auch immer wir vielleicht übertrieben oder unangemessen finden. Und wir brauchen auch die genauen Gründe gar nicht zu kennen, um Mitgefühl zu zeigen. Für den Betroffenen kann Nachfragen nämlich sehr schnell wie unangenehme Neugier wirken – ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. „Ich erkenne an, wie du dich fühlst, auch wenn ich nicht weiß, warum“ halte ich für einen alltagstauglichen Ansatz. Denn auch wenn uns jemand etwas erzählt: die meisten von uns sind keine Therapeuten und es ist nicht unser Job, ungebeten „helfen“ zu wollen mit „klugen“ Sprüchen oder ähnlichem. Wenn wir gute Gesprächspartner sein wollen, reicht es meines Erachtens erst mal völlig, zuzuhören und anzuerkennen, es sei denn, man bittet uns um mehr bzw andere Hilfe. Im Übrigen ist das zuhören und anerkennen ja ganz schön schwer, wenn man es mal ehrlich versucht. Kein Urteil fällen, nicht den erstbesten Kommentar raus hauen der einem in den Sinn kommt, das ist schwieriger als man denken mag.

Manchmal frage ich mich, was ich zu meinem 3 Jahre jüngeren Selbst sagen würde, einen Tag nach Finlays Tod. Ich glaube, ich würde nichts sagen. Ich würde mich selbst im Arm halten, zwischendurch einen Tee kochen, fragen ob ich etwas essen möchte und ansonsten nur zuhören. Und all jene Fragen, die ich mir ja immer noch stelle – die man sich sicher immer stellt wenn so etwas passiert – mit „ich weiß es leider auch nicht“ beantworten. Zum Glück hatte ich damals Menschen um mich herum die das für mich getan haben, dafür bin ich ewig dankbar. Vielleicht würde ich sagen „ich bin für dich da“ und „du darfst weinen und schreien so viel du willst, das ist völlig ok“ und „du musst nicht funktionieren, du darfst total neben der Spur sein und ich bleibe trotzdem bei dir“. Etwas später würde ich vielleicht mal vorsichtig nachfragen „gibt es etwas, was dir jetzt helfen würde, dich für einen Moment ein bisschen besser zu fühlen?“ aber anfangs wäre die Antwort immer die gleiche gewesen: ich will meinen Finlay zurück und nichts – gar nichts – kann irgendwas besser machen.

Diesen Zustand gemeinsam auszuhalten ist eine Herausforderung. Vielleicht können wir uns dieser Aufgabe öfter mal stellen, anstatt – wie in unserer Gesellschaft leider sehr üblich – alles schnell weg zu wischen, zu „reparieren“ oder zu übertünchen. Das ist meine Lehre aus den vergangenen drei Jahren. Und im übrigen möchte ich noch diesen schönen Text von Jules Rylan dazu teilen:

Here’s to the people whose trauma did not give them thick skin. The ones who became more sensitive and insecure, who cry more easily, who get overwhelmed at small things. I’m so tired of the narrative that trauma makes you tough and untouchable. We’re survivors, not superheroes.

(Frei übersetzt: Das hier ist an alle, deren Trauma ihnen keine dicke Haut gegeben hat. An diejenigen, die sensibler und unsicherer geworden sind, die leichter weinen und überfordert sind von kleinen Dingen. Ich bin das Märchen so leid, dass Trauma dich stärker und unverletzbar macht. Wir sind Überlebende, keine Superhelden.)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 257

Gestern haben wir so eine Art „Doppel-Ausritt“ gemacht! Das war lustig! Wir sind ins Nachbardorf geritten, das sind (über den schönen Weg) so gute 6km. Dort ist ein Hof, da war ich schon mal zum Wiegen. Diego und ich durften in den Roundpen gehen und dort Gras essen. Falls ich mich aufrege über die fremden Pferde hatte der Mann meinen Strick in der Hand, aber er hat mich nicht damit gestört, ich durfte machen was ich wollte. Fressen wollte ich! Die anderen Pferde fand ich nicht so interessant. Mein Mädchen hat derweil auf dem benachbarten Reitplatz mit einem Araber geübt – den kenne ich auch schon, den haben wir mal in der Spielhalle getroffen. Der Araber fand das voll interessant dass wir beide da stehen.

Wir dürfen essen, während mein Mädchen nebenan mit dem Araber arbeitet. (Der ist nicht im Bild)

Nach einer Weile hat mein Mädchen dann den Araber wieder weg gebracht (der wohnt da auf dem Hof), die Menschen haben uns wieder gesattelt und dann sind wir wieder nach hause geritten. Unterwegs natürlich wie üblich: mal ein kleines Stück Trab (ich kann jetzt im Trab auch mit Diego mit halten wenn ich mich anstrenge!) und zwischendurch ist mein Mädchen immer wieder zu Fuß gegangen. Am Ende war ich doch tatsächlich etwas kopfmüde, aber Ihr wisst ja: ich mag das. Das war ein toller Ausflug und mein Mädchen war auch hoch zufrieden mit mir! Sie sagt allerdings, wenn es mit mir so weiter geht wird es wohl immer schwieriger werden, mich zufrieden zu stellen, weil ich ja so schnell an Fitness gewinne. Na trotzdem ist sie glücklich, dass wir so schöne Ausritte zusammen machen können. Heute habe ich frei, damit ich mich erholen kann. Morgen ist dann Ausflug mit dem Ausreitkumpel (ehemals Spaziergehkumpel) und den Rest der Woche ist wieder verschiedene Bodenarbeit auf dem Reitplatz angesagt – hoffentlich denkt mein Mädchen sich da was interessantes aus.

Übrigens hat mein Mädchen gesagt, es wäre schon viel besser geworden mit meinen Marotten. Ich hasche jetzt nicht mehr so oft nach dem Gras und meistens kneife ich auch Diego nicht mehr (Ausnahmen bestätigen die Regel. Entschuldigung, Diego, ich war halt so übermütig und gut gelaunt!).

Aber eine „Rennsemmel“ bin ich immer noch, sagt sie. Dabei geh ich doch auch nur genauso schnell wie Diego! Aber bei dem sieht das nicht so schnell aus, weil der viel längere Beine hat als ich und also nicht so viele Schritte machen muss. Unfairer Vorteil! Aber ich gleiche das durch höhere Taktzahl wieder aus.

Euer flinker Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 256

Dieses Jahr ist das Gras mal wieder mächtig gewachsen! Wir dürfen ja nie die ganze Weide auf einmal betreten, sondern bekommen immer ein Stück zugesteckt. Und das, was wir dann neu bekommen, ist jetzt so hoch, dass wir unseren kleinen Caruso darin gar nicht mehr finden! Wenn er seine Decke gegen die fiesen Mücke auf hat, aus der oben nur die Ohren raus schauen, dann sagt mein Mädchen immer, er sieht aus wie ein kleines Gespenst. Dann nennt sie ihn „Hui-Buh“ und irgendwie ist es ja auch ein bisschen gruselig, wenn so ein Pony einfach verschwindet, da kann man sich schon erschrecken wenn er plötzlich vor einem steht! Nein, tun wir natürlich nicht. Wir hören ihn ja, weil er genauso genüsslich Gras mampft wie wir. Oder wir hören ihn nicht, weil wir selbst so genüsslich laut Gras mampfen!

Wo ist Caruso bloß?
Da ist er ja, unser kleiner Hui-Buh!

Es ist paradiesisch, so im hohen Gras zu stehen und mein Mädchen sagt, sie fühlt sich dann immer ganz reich. Weil sie weiß, dass genug zu essen für uns da ist und wir bis weit in den Herbst hinein Gras essen können. Jetzt wartet sie, dass Heu geliefert wird, damit dann auch das Winterfutter gesichert ist. Das ist immer ein bisschen aufregend, wenn Heu kommt, ob das mit dem Wetter auch alles klappt! Dann darf es nämlich ausnahmsweise nicht regnen. Sonst darf es fast immer regnen, findet mein Mädchen, damit die Weide genug zu trinken hat.

Paradiesisch!

Der Mann läuft um diese Jahreszeit auch ganz viel auf der Wiese rum. Er sticht die Pflanzen aus, die hier nicht wachsen dürfen. Mit seinem Stecher, seinem Hut und seinem großen Sack über den Rücken sieht er immer sehr lustig aus, wenn er sich durchs hohe Gras kämpft. Dann verschwindet er darin, weil er sich nach fiesem Kreuzkraut bückt und wenn er wieder hoch kommt hält er das Kraut in der Hand und zwingt es in den Sack hinein. Sieg! Jedes Jahr sind es ein paar weniger Kreuzkräuter, sagt mein Mädchen, und das ist gut so. Sie hat auch eine Anleitung für Anfänger geschrieben, wie mit dem Kreuzkraut zu verfahren ist:

Weit übers Land schallt das Halali – das Jakobskreuzkraut ist wieder zur Jagd freigegeben!

Und überall schultern die Pferdebesitzer ihre Stecher und Gabeln und Spaten und ziehen los. Waidmannsheil! Dabei ist das JKK nicht leicht zu erlegen. Im Laufe seiner Evolution hat es einige Tricks entwickelt um den Jägern zu entgehen.

Anfänger merken sich einige einfache Regeln

1. Jedes JKK hat einen eigenen Verteidigungsstein bereitliegen. Sobald die Zinken des Stechers in den Boden eindringen, schiebt es diesen zwischen die Zinken. Geübte JKK können den Stein so platzieren, dass er nur mit schwerem Gerät wieder zu entfernen ist und danach die Zinken des Stechers bis zur Unbrauchbarkeit verbogen sind.

2. Sobald Du das erste JKK erlegt hast, lässt es einen markerschütternden Schrei fahren (zum Glück in Schallfrequenzen außerhalb der Wahrnehmungsfähigkeit des menschlichen Ohres). Dieser Schrei dient allen JKK im Umkreis als Warnung, sich sofort zu ducken um den Augen des Jägers zu entgehen.

3. Einige JKK gehen eine innige Beziehung mit Löwenzahn oder Spitzwegerich ein. Sie verhaken ihre Blätter ineinander und auch ihre Wurzeln, so dass es unmöglich ist, nur das JKK auszustechen. Zwangsläufig muss der Jäger auch die andere Pflanze entfernen – nur damit im entstandenen Loch wiederum neue JKK wachsen können.

4. Besonders gern siedelt JKK in gerade aufgelaufener Grassaat. So wird der Jäger bei der Entfernung des JKK die jungen Gräser, die ja noch kaum Wurzeln haben, mit ausreißen müssen und die Konkurrenz wird effektiv ausgeschaltet.

5. Gehe niemals an einem JKK vorbei in dem Gedanken „hier komme ich gleich wieder hin mit dem leeren Eimer dann bist du dran!!“ Vergiss es – auf dem Rückweg wirst du es nicht mehr finden auch wenn du einen Hektar Wiese umgräbst!

6. Freue dich nie zu früh! Wenn du das erlegte JKK an den Zinken deiner Forke in die Höhe reckst mit einem Urschrei des Sieges, wirst du die kleinen ein- bis zweiblättrigen Nachwuchs-JKK unter den Nachbarpflanzen nicht entdecken! Ein ausgiebiger Freudentanz würde Dich zu weit vom Ort des Geschehens wegbewegen! Finde nach deinem Urschrei sofort zurück in deine mentale Mitte, wirf dich demutsvoll auf die Knie, such mit einem Vergrößerungsglas die Jungbrut und bringe sie ebenfalls zur Strecke.

Nach Stunden des Stechens wird der Jäger schließlich erschöpft aufgeben. Kaum verlässt er die Wiese, kommen alle JKK, die sich geduckt hatten, wieder hoch und fangen binnen Stunden an zu blühen und auszusamen, so lange der Jäger noch in der Erholungsphase ist.

Na dann – Waidmannsdank!

So ist das auf unserer Weide. Ein bisschen helfen wir Ponys auch dabei, das Kreuzkraut zu finden: wenn wir eines sehen, fressen wir akribisch drum herum so dass die Menschen es finden und erlegen können. Wenn wir alle gut zusammenarbeiten, wird vielleicht eines Tages gar kein Kreuzkraut mehr auf unserer Wiese wachsen. Mein Mädchen glaubt das aber nicht, sie glaubt, dass immer eines seinen Weg finden wird. Aber eines oder zwei, das ist ja nicht schlimm.

So, jetzt muss ich aber Gras essen gehen, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 255

Huiiiiiiiii das war ein schöner Dienstag! Mein Mädchen hatte ja versprochen, das Pensum zu erhöhen. Und ich weiß: wenn mein Mädchen was verspricht, dann hält sie das auch.

Also Dienstag wie immer den Spaziergehkumpel abgeholt und los ging es. Mein Mädchen hat gekichert, weil mein Spaziergehkumpel mich jetzt im Schritt nur noch von hinten sieht! Also eigentlich ist er ja jetzt gar nicht mehr mein Spaziergehkumpel, sondern mein Ausreitkumpel! Jedenfalls ist er nicht so fix im Schritt wie ich. Alsbald sind wir dann ein Stückchen getrabt. Mein Mädchen war begeistert, wie gut ich das schon kann! Ich durfte traben bis ich nicht mehr mochte. Dann wieder Schritt. Dann hab ich angemerkt, dass ich mich bereits erholt habe, also sind wir nochmal getrabt. Diesmal war mein Mädchen ganz entzückt, weil wir in einen schönen Rhythmus gekommen sind und ich ganz fluffig getrabt bin wie ein großer. Und noch bevor ich keine Lust mehr hatte, hat sie mich durchpariert und ist abgestiegen. Damit ich nachher noch Lust habe sie weiter zu tragen. Naja, ihr wisst ja jetzt schon: wenn sie neben mir geht, ist sie einfach zu langsam! Seufz. Aber dafür haben wir zwei schöne Graspausen gemacht. Das ist nämlich der einzige Nachteil wenn sie auf meinem Rücken sitzt: grasen ist dann nicht erlaubt. Naja, nach einer Weile sind beide Mädchen wieder aufgestiegen (das Mädchen vom Ausreitkumpel geht dann auch immer ein Stück zu Fuß, wenn mein Mädchen zu Fuß geht) und dann sind wir nochmal getrabt. Und dann nochmal. Als wir dann wieder im Schritt unterwegs waren, meinte mein Mädchen, ich sei wohl doch müde. Nix, ich bin nur kurz im Erholungsmodus! Dauert nur 2 Minuten. Dann gehen die Ohren vor und ich hab dezent nachgefragt ob wir nicht nochmal traben wollen? Mein Mädchen war etwas unsicher, sie hatte nämlich den Eindruck, dass ich vielleicht einfach nur möglichst schnell zur Wackelkiste zurück möchte. Ich durfte dann aber doch traben. Hab ordentlich Gas gegeben! Aber sie hatte Angst und hat ein bisschen gebremst. Na gut, dann zeige ich dir kurz, dass ich mich zur Not bremsen lasse. Darf ich dann jetzt? Ja durfte ich.

Ohren nach vorne und auf geht’s in die weite Welt!

Ich wollte gar nicht schnell zur Wackelkiste zurück. Hab ich meinem Mädchen auch gesagt. Habe an den beiden verbliebenen Kreuzungen vorgeschlagen, dass wir noch eine extra Runde drehen könnten. Da hat sie gelacht und gestaunt. Jaaaaaa mein Mädchen, im Gegensatz zu deiner Fitness ist meine steigerungsfähig! Bei dir hab ich das ja aufgegeben, du bist ja immer gleich langsam und wirst irgendwie nie schneller und fitter. Zum Glück kann ich das jetzt ausgleichen, wenn ich dich trage!

So wurde mir also wieder versprochen, dass der nächste Ausflug länger wird. Auf den muss ich jetzt aber wieder bis mindestens Samstag warten, dazwischen ist anderes Training zu hause angesagt. Ist auch wichtig, sagt mein Mädchen. Doppellonge und Handarbeit und so. Na gut, wenn es dann auch mit den Kilometern draußen stimmt, dann kann ich auch so was mit machen.

Euer fitter Sir Duncan Dhu of Nakel