Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 287

Mein Mädchen sagt ja immer, ich soll wachsen. Mit der Höhe ist sie schon recht zufrieden, jetzt soll es bitte in die Breite gehen. Wenn ich dann aber wachse, dann bin ich nicht so gut drauf und in meiner Hüfte macht es oft laut „plopp“ und ich bin krumm und schief und überhaupt. Das findet mein Mädchen dann wiederum blöd – und ich im übrigen auch. Dann muss der Haus- und Hof-Osteopath ran und ich bekomme Dehnübungen und Massagen.

So nun habe ich also wieder einen Wachstumsschub dieser Art hinter mir und finde, ich bin ganz schön in die Breite gewachsen. Aber ihr kennt ja mein Mädchen! Sie ist nie zufrieden. Nie! Jetzt sagt sie doch wieder, ich hätte ja die vordere Hälfte vergessen! So wie damals, als ich hinten höher war als vorne. Nur dass ich jetzt diesmal hinten nicht höher bin als vorne, sondern breiter. Mein Mädchen sagt, ich sehe aus wie ein Dreieck! Also ehrlich. Lass mir doch ein bisschen Zeit, ich kann auch nicht alles auf einmal erledigen! Das kommt schon alles noch. Aber was soll ich euch sagen: diesmal komme ich nicht mit Massage und Dehnübungen davon. Diesmal ist Sport angesagt! Damit meine Brust breiter und kräftiger wird, soll ich jetzt ganz viel seitwärts üben. Meistens geht mein Mädchen dabei neben mir her, aber manchmal üben wir es auch beim reiten. Schön die Beine spreizen und kreuzen und spreizen und kreuzen, das macht angeblich eine kräftige Brust und also vorne breiter. Ich weiß nicht, Mädchen, hat das nicht eher was mit Futter zu tun? Aber wenn ich das anmerke, schaut sie auf meinen Bauch, murmelt was von „Weidewampe“ und sagt „nein, Muskeln bekommt man nicht vom essen, sondern vom trainieren“. Menno. Wenigstens gibt es viele Kekse für das Seitwärts-Gelaufe also hat es doch irgendwie was mit essen zu tun. Und ein paar Dehn- und Lockerungsübungen gibt es dann auch doch noch.

Gestern war auch wieder so ein Programm dran. Ausreiten ist nämlich ausgefallen, weil der Mann nicht da war – der hat einen Kurs gegeben und anderen Menschen was über Pferdehufe erzählt. Meine Hufe hat mein Mädchen auch wieder schick gemacht, ich hab kaum noch in meine Schuhe gepasst. Anscheinend sind meine Füße aber auch insgesamt nochmal größer geworden sagt sie. Also bitte, ich wachse doch! Was sie immer hat. Und natürlich werde ich auch vorne noch in die Breite wachsen. Nur damit mein Mädchen zufrieden ist.

Das mit der Balance ist nicht so einfach, sage ich euch! Mein Mädchen sagt das üben wir jetzt gemeinsam. Na so lange die Keksrate stimmt…..

Euer dreieckiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 286

Ich bin euch ja noch den Bericht von unserem Dienstagsausflug schuldig. Ach das war wieder großartig! Bei allerfeinstem Herbstwetter haben wir meinen Ausreitkumpel abgeholt (wir sind ja solche Profis, dass unsere Mädchen da immer schon völlig ausflippen. Ich steh brav in der Wackelkiste während er brav zusteigt. Wir versuchen jetzt auch nicht mehr, uns während der Fahrt gegenseitig am Halfter zu packen. Zugegebenermaßen geht das auch nicht mehr, weil mein Mädchen zwischen unseren Köpfen ein Heunetz installiert hat, so dass wir uns gar nicht richtig sehen können und schon gar nicht anfangen zu spielen. Weil die Mädchen finden, auf der Wackelkiste spielt man nicht…. )

Dann sind wir wieder ins schöne Moor gefahren. Nun sind da ja die Kühe, wie ihr wisst. Aber diesmal war ich verdammt mutig und bin da dran vorbei marschiert wie ein großer. Mein Mädchen war auch mutig, ist auf meinem Rücken sitzen geblieben, hat die Zügel schön lang gelassen und mir gut zugeredet. Unsere beiden Mädchen haben den Kühen dann Namen gegeben, damit sie freundlicher wirken. Eine Kuh ist ein Stück vor uns her gegangen, bis wir sie überholt haben, eine hat mit dem Kopf durch den Zaun Gras gefressen (das kann ich verstehen, Gras ist IMMER auf der anderen Seite des Zauns grüner!) und zum Glück hat keine gemuht und keine ist schnell gelaufen. Als wir das geschafft hatten, gab es erst mal eine kleine Graspause. Dann sind wir sind noch ein gutes Stück getrabt. Mein Ausreitkumpel vorne weg. Der hat lustige Ideen! Der sucht sich immer was zum erschrecken und tut so als würde er sich doll fürchten. Dann macht er einen riesigen Satz zur Seite und trabt anschließend weiter als wäre nix gewesen. Eine Bank – hüpf!- , ein Schaf – hüpf! – , ein Steinhaufen – hüpf! Mein Mädchen musste lachen, weil das so lustig aussah. Das Mädchen vom Ausreitkumpel musste auch lachen, weil das so eine bescheuerte Marotte ist. Aber sie sagt, mein Ausreitkumpel sorgt immer dafür, dass sie nicht das Gleichgewicht verliert und also ist alles ok. Ich bin lieber einfach geradeaus gelaufen. Hab mich konzentriert, ein gleichmäßiges Tempo zu halten obwohl der Boden da sehr wellig ist. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir und ich hab mich gut eingegroovt in die Traberei. Nicht schnell, aber stetig. Wie ein kleines Uhrwerk.

Weil ich schon auf Winterfell umrüste, hab ich allerdings ordentlich geschwitzt. Mein Mädchen meint, sie muss mir wohl doch wenigstens die Mähne weg flechten, damit mein Hals besser gekühlt wird. Irgendwie hab ich mehr Fell und/oder mehr innere Hitze als mein großer Bruder im Himmel, der hat nie so doll geschwitzt, sagt mein Mädchen. Ich hab halt Feuer!

Mein Mädchen guckt Sonnenuntergang…
… während ich was schmause.

Später ist mein Mädchen noch ein Stück zu Fuß gegangen, damit ich mich erholen kann. Ich war allerbest gelaunt und sehr artig. Und mein Mädchen hat dem Mädchen von meinem Ausreitkumpel endlos erzählt, wie toll ich bin und was ich alles feines gelernt habe. Zum Beispiel kann ich jetzt gleichmäßig traben und ich muss auch nicht mehr ständig nach meinem Ausreitkumpel haschen sondern kann gesittet neben ihm her laufen. Und ich halte meinen Kopf besser und stolpere weniger. Ich weiß, was ein treibender Schenkel bedeutet und kann auch die Zügelhilfe für „Kopf etwas höher“ jetzt gut erkennen und umsetzen. Außerdem bin ich total artig, gar nicht pubertär (im Moment) und sehr vertrauenswürdig, weil ich nie Quatsch mache. Und ich förstere fast gar nicht mehr unterwegs. Überhaupt bin ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat immer freundlich genickt. Aber ob sie die Lobeshymnen wirklich noch hören kann? Keine Ahnung, eine Wahl hat sie ja nicht. Zwischendurch hat sie dann aber auch vom Ausreitkumpel geschwärmt, der auch soooooo erwachsen geworden ist. Im Endeffekt waren beide Mädchen ganz selig und glücklich, weil wir endlich richtig ausreiten können nach all dem Spazierengehen der letzten 3 Jahre (ja, so lang bin ich schon bei meinem Mädchen!). Dann haben sie große Pläne für nächsten Herbst geschmiedet, auf die wir jetzt hin trainieren. Wir Ponys waren auch glücklich, weil wir so schön unterwegs waren und weil wir die Lobeshymnen natürlich gar nicht oft genug hören können. Also schon wieder ein sehr gelungener Ausflug!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Höflich

„Gurtest Du nochmal für mich nach, bitte?“ Ich grinse. Meine jüngste Reitschülerin (12) hat kapiert, wie es sich mit mir gut leben lässt. Anfangs hat sie immer wieder Sätze versucht wie „kannst du mal nachgurten?“ und hat immer die selbe Antwort bekommen: „ich kann, und wenn du mich freundlich bittest, mache ich es sogar“. Inzwischen hat sie sich das „bitte“ und „danke“ nachhaltig angewöhnt. Manchmal grinst sie auch schelmisch dabei, es ist so ein kleines Spiel zwischen uns.

Während ich für sie nachgurte, denke ich an Pferde-Ausbilder wie Elsa Sinclair, Warwick Schiller oder die Reitmeister der Hofreitschule in Bückeburg (um nur die zu nennen die mich im Moment besonders beeinflussen). Die Ausbilder, die mit möglichst wenig Druck und Dominanz arbeiten, sind die mit den höchsten Ansprüchen. Elsa steht da natürlich ganz oben auf der Liste, denn sie ist niemals dominant. Und sie hat – in meinen Augen – den höchsten Anspruch an das Pferd. Das klingt paradox, ist aber eigentlich logisch. Mit „Anspruch“ meine ich jetzt keinen Leistungsanspruch. Wer will, dass sein Pferd hoch springt, Kühe hütet oder ein Distanzrennen gewinnt, der muss halt trainieren. Mit „Anspruch“ meine ich einerseits den Anspruch an den Menschen – wer mit wenig Druck arbeiten möchte, braucht perfektes Timing, einen guten Plan, wie er das gewünschte Ergebnis bekommt und unter Umständen anfangs mehr Zeit (später, so nehme ich es jedenfalls wahr, sind diese Trainer dann viel schneller am Ziel). Aber da ist auch ein hoher Anspruch an das Pferd, auf kleinste Signale sehr akkurat zu reagieren, sich gut zu konzentrieren, die eigenen Gefühle gut regulieren zu können. So sehr es Menschen ehrt, wenn sie die Schuld immer nur bei sich suchen und nie beim Pferd: Es gehören zwei dazu und das Pferd muss seinen Beitrag leisten zu einer gelungenen Beziehung. Und während ich in jeder anderen Trainingsform den Ball wieder zurück spielen kann und sage: der Mensch ist dafür verantwortlich das Pferd zu motivieren und ihm das beizubringen, ist das im Freedom Based Training nicht so einfach. Denn dort tut das Pferd was es tut und ich kommentiere als Mensch nur. Mein Einfluss ist klein und je nachdem wie mein Pferd von Natur aus gestrickt ist oder was es an vergangenen Erfahrungen mitbringt, kann es sein, dass es lange dauert, bis das Pferd sich wirklich für meine Meinung interessiert. Noch mehr Zeit geht dann ins Land, bis das Pferd wirklich so „erwachsen“ geworden ist, dass es ein angenehmer Zeitgenosse für alle anderen ist. Elsa hat mir klar gezeigt, wie hoch der Anspruch auf dieser Ebene sein kann. Und sie hat immer wieder bewiesen, wie dieser hohe Anspruch dazu führt, dass das „langsamste Pferdetraining der Welt“ in kurzer Zeit Ergebnisse bringt – wenn auch nicht die, um die es im normalen Pferdetraining geht (für die braucht es viel mehr Zeit). Und während das Pferd durch diese Art des „Trainings“ lernt, seine Gefühle zu regulieren, kann der Mensch das gleich mit üben. Denn so einfach ist das nicht, wie es erst mal klingt. Es erfordert Konzentration und Geduld, Frustrationstoleranz und Kreativität, genaue Beobachtung und viele, viele Wiederholungen. All das, was man im „normalen“ Pferdetraining übrigens auch braucht. Und von all dem braucht man als Mensch eben umso mehr, je weniger Druck man aufs Pferd ausüben möchte. Kurz mal drauf hauen damit „der Bock“ schneller läuft kann jeder.

Meine kleine Schülerin hat in dieser ganz einfachen Situation natürlich schnell verstanden, worum es mir geht. Sicher bin ich nicht die erste, die es netter findet, wenn sie „bitte“ und „danke“ sagt und ich war in der Situation ziemlich dominant: wenn du deine Bitte nicht so formulierst wie es mir gefällt, tu ich gar nichts. Da bin ich als Reitlehrerin am längeren Hebel, denn sie will ja reiten und mit losem Gurt ist das gar nicht so witzig. Dennoch haben wir nicht gestritten oder gekämpft, sondern uns freundlich angegrinst und ein lustiges Spiel daraus gemacht. Anfangs hatte sie dann immer interessante Tonfälle „würdest Du bitte für mich nachgurten“ kann man ja auf sehr verschiedene Arten aussprechen. Wir haben uns köstlich amüsiert dabei und ich habe mir entsprechende Antworten einfallen lassen „aber gerne doch, gnädige Dame“. Inzwischen ist die höfliche Formulierung normal geworden und hat keine komischen Betonungen mehr.

Witziger weise beobachte ich ähnliches bei Duncan. Anfangs erlernte und teilweise extrem übertriebene Höflichkeitsgesten wie das Wegschauen wenn man einen Keks möchte, haben sich langsam in ein gutes, freundliches Alltagsverhalten gewandelt. Am Dienstag, als wir am Ende des Ausritts ein Stück nebeneinander gegangen sind, kam seine Nase zu mir: schelmischer Gesichtsausdruck, aber geschlossenes Maul. Dann streckte er die Oberlippe vor und ich glaube er flüsterte „ich könnte dich jetzt kneifen, soll ich?“. Ich musste lachen. Was für eine süße Spielaufforderung! Vor gut einem Jahr hatte ich diesen Artikel geschrieben über „Wasti oder die Kunst mit einem Krokodil spazieren zu gehen„. Da sah das noch ganz anders aus! Auch meine Freundin war beeindruckt von seiner neuen Verhaltensidee, sie erinnert sich nur allzu gut, wie der Ritter immer mit weit aufgerissenem Maul auf mich zusteuerte (nicht, dass er mich jemals ernsthaft gebissen hätte, keine Sorge. In aller Regel hat er mich noch nicht mal berührt, denn es war nur eine Spiel-Aufforderung). „Ich könnte dich beißen, einfach so, weil ich Lust dazu habe“ war damals die Bildunterschrift. Und ich verstehe: Weil ich es nicht bestraft habe – außer in den Fällen in denen seine Zähne mich dann doch berührt haben – ist das Verhalten nicht weg, aber es hat sich verändert. Er ist höflicher und freundlicher geworden, ohne seinen Charakter aufzugeben. Und wisst ihr was: das macht mich verdammt stolz, denn so hab ich mir das gewünscht.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 285

Sonntag. Erst mal ausschlafen! So eine ganze Nacht auf der Weide ist ja auch echt anstrengend.

erst mal schön ausschlafen

Nach dem schönen Nickerchen ein Heusnack zur Stärkung. Und dann ab in den Wald! Ach, was war das wieder schön. Wie wir gerade so 10 Minuten unterwegs waren, hab ich hinter uns was gehört. Habe ich meinem Mädchen nach oben gefunkt. Die ist ja schon viel besser geworden darin, meine kleinen Signale zu lesen. Erst war sie nicht sicher, worum es geht, aber dann hat sie verstanden und sich umgedreht. Da war ein Auto hinter uns, mitten im Wald! Was auch immer es da wollte. Na wir haben es dann vorbei gelassen. Etwas später habe ich wieder nach oben gefunkt, das was nicht stimmt. Da hatte sich ein Zweig in meinem rückwärtigen Wallehaar verfangen und schliff hinter mir her über den Boden. Mein Mädchen hat dem Mann bescheid gesagt und wir haben alle angehalten. Der Mann hat sich dann sportlich vom viel zu großen Diego runter gebeugt und nach meinem Schweif geangelt und gemeinsam haben wir dann den Zweig da raus bekommen ohne dass jemand absteigen musste. Ach da war mein Mädchen wieder stolz auf mich! Weil sie sich erinnert hat, dass ich es letztes Jahr noch gruselig fand, wenn sie Zweige hinter mir her geschliffen hat. Und jetzt macht mir das nix mehr. Ich war auch ein bisschen stolz auf sie, weil sie mich so gut versteht.

Diego ist immer flott unterwegs. Kein Wunder bei den langen Beinen!

Weiter ging die Reise mit einem guten Stück Trab. Diego hat da so einen Zahn drauf! Schwupps, war er um die nächste Kurve außer Sicht! Ich hab wieder nach oben gefunkt: Mädchen, wenn ich jetzt galoppieren würde, könnten wir die ratzfatz einholen! Aber mein Mädchen meinte, das lassen wir lieber noch mit dem galoppieren. Also bin ich nur flotter getrabt. Hinter der Kurve hat Diego netterweise auf uns gewartet.

Ich finde, der Weg müsste mal wieder frei-geförstert werden. Ich würde das freiwillig übernehmen, wenn man mich denn lassen würde!

Noch etwas weiter, als wir auf dem schönen grünen Weg unterwegs waren – und uns schon gewundert hatten, warum der bloß so zugewachsen ist, seit wir das letzte mal dort waren – versperrte uns plötzlich ein umgestürzter Baum den Weg. Ist ja nicht so schlimm, wir Ponys sind ja geländegängig mit Allhufantrieb. Allerdings war da ein Graben zu überwinden – bestimmt 40 oder 50cm tief. Mein Mädchen war am überlegen: ob ich das mit ihr oben drauf schaffe? Sie meinte dann, wir könnten das ja mal versuchen. Ok! Ich also mit den Vorderhufen runter in den Graben. Dann war ich vorne so tief, dass das Gras auf der anderen Seite meinem Maul verdächtig nah war. Mein Mädchen meinte, ich soll nicht essen, sondern versuchen, da rüber zu kommen. Ich war aber nicht sicher wie das funktionieren soll und sie war nicht sicher ob ich das schaffe. Und also ist sie abgestiegen – oder sollte ich sagen abgefallen? Weil das nicht sooooo elegant war, weil ich ja vorne so viel tiefer war als hinten! Wir sind dann halt zu Fuß durch den Graben, um den Baum rum und durch den Graben auf der anderen Seite wieder auf den Weg. Diego konnte das natürlich alles ohne dass der Mann absteigen musste aber der ist ja auch viel größer und hat viel mehr Übung als ich. Mein Mädchen fand trotzdem dass ich das gut gemacht hab.

Da ist kein Durchkommen!

Ach es war ein wunderbarer Ausflug. Nachher waren wir alle ganz zufrieden. Mein Mädchen sagt, dreckige Hufschuhe sind ein eindeutiges Zeichen für einen gelungenen Ausritt und ich finde da hat sie recht. Ich war auch voll artig die ganze Zeit, habe Diego nur einmal gebissen (als mein Mädchen anderweitig beschäftigt war mit einem tief hängenden Zweig – man muss ja seine Chancen nutzen!) und die meiste Zeit habe ich auch nicht versucht, allzu viel zu förstern (obwohl es wirklich nötig gewesen wäre auf dem zugewachsenen Weg!). Und als sie zu Fuß neben mir her gelaufen ist war ich auch ganz furchtbar anständig unterwegs. Wie ein kleiner Streber hab ich das gemacht, sagt mein Mädchen.

Jetzt verbummeln wir den Rest vom Sonntag einfach, denn dafür sind Sonntage schließlich da.

Genießt den Rest vom Wochenende!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 284

Da ist er, der Herbst! Nicht nach Eurem Kalender, aber nach dem Wetter. Mit Wind und Regen wie es sich gehört. Und schon fröstelt mein Mädchen wieder. Tja, wir Ponys wissen schon, warum wir so früh angefangen haben mit der Winterfellproduktion! Das war zwar die letzten Wochen echt zu warm, aber jetzt ist es sehr angenehm. Manchmal juckt der Fellwechsel aber auch echt. Dann suchen wir uns schöne Stellen zum kratzen, zum Beispiel am Holunder. Der ist schon ganz blank poliert…..

Schön poliert, unser Kratzbusch!

Außerdem ist Herbstzeit bei uns Naschzeit. Wir wandern rund um unseren Rundlauf und finden total gute Sachen da. Brombeeren und Schlehen, Eicheln (von denen räumt mein Mädchen leider so viele weg, weil sie Angst hat wir könnten zu viel davon essen….) und Hagebutten. Alles zupfen wir uns von den Büschen wo immer wir dran kommen. Nach dem Regen wachsen jetzt auch die kleinen grünen Halme am Wegesrand wieder ein bisschen und müssen dringend gestutzt werden. Und bald wird auch wieder die Zeit kommen, in der Diego der Große sich Haselnüsse pflückt. Das war lustig, als mein Mädchen mal im Herbst in den Stall kam und sich total erschreckt hat, weil es zwischen Diegos Zähnen so laut knirschte! Als sie hingegangen ist hat sie plötzlich gesagt „das riecht ja so nach Weihnachten!“ was sie aber meinte war: es riecht nach Haselnüssen. Diego liebt Haselnüsse und stört sich gar nicht an der holzigen Schale – die futtert er einfach mit weg. Leider heißt das, wir anderen Ponys bekommen kaum welche ab, denn er ist so groß, dass er alle runter pflücken kann und wir gucken dumm aus der Wäsche. Naja, sei es ihm gegönnt, er macht ja auch den verantwortungsvollsten Job hier als Chef.

Lecker
Lecker
Auch lecker

Die versprochenen Herbst-Ausritte sind bisher ausgeblieben. Ich hoffe aber sehr, dass es diesen Sonntag endlich los geht! Bisher waren wir viel auf dem Reitplatz und haben unsere Seitwärts-Versionen geübt. Mein Mädchen meint, ich kann das jetzt schon voll gut! Gestern haben wir auch wieder das Reiten geübt mit Seitwärts und mein Mädchen war wieder hingerissen. Ja, ein Film kommt noch!

Na jedenfalls hoffe ich auf Ausritte. Viele, lange Ausritte mit raschelndem Laub unter meinen Füßen. Dann kann ich mein Mädchen schön unterwegs nerven, indem ich nach gefallenen Blättern suche, die gut schmecken. Gibt bestimmt wieder Ärger, ist es aber wert. Jedenfalls hat sie diesen Herbst keine Ausrede mehr, die Ausflüge kurz zu halten. Ich kann sie ja jetzt tragen und sie muss nicht mehr jammern, weil sie so viel laufen muss. Und ich brauche endlich keine Fliegendecke mehr, die nervt ja auch irgendwie. Ach da wird fein! Kann es kaum erwarten dass es endlich los geht!

Genießt den Herbst, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Trainingsziele

„Wonach suchen wir?“ „Das wissen wir, wenn wir es gefunden haben“ (Zitat aus ungefähr jedem 3. Krimi)

Die „Star-Ermittler“ aus Krimis können das anscheinend gut: etwas finden, ohne zu wissen wonach sie suchen. Im realen Leben scheint mir das gar nicht ganz so leicht zu sein. Manchmal, wenn ich in einer Reitstunde begeistert rufe „Ja! Da! Hast Du das gefühlt?“ kommt ein trauriges „Nein“ zurück. Die Reiterin hat es nicht gefühlt – weil sie nicht weiß, wonach sie sucht. Macht nichts, denn zum Glück hat das Pferd trotzdem Lob bekommen – weil ich ja da bin – und wird also die Bewegung wieder anbieten. Und nach und nach kann die Reiterin fühlen, wovon ich spreche.

Aber auch ich weiß oft nicht wonach ich suche….

Meistens, wenn ich mit meinen Pferden etwas unternehme, habe ich ein klares Ziel. Wenn wir z.B. auf dem Reitplatz sind, könnte man das so erklären:

Übergeordnetes Ziel ist, dass ich mein Pony gymnastizieren möchte. Es soll ausbalanciert sein, genug Kraft haben, mich zu tragen und sich dabei wohl fühlen.

Was das jeweils bedeutet, hängt natürlich vom Ausbildungsstand des Ponys (und mir) ab. Wie Duncan euch verraten hat, bin ich neulich mit ihm das erste Schulterherein geritten, dieses Ziel stand schon länger auf meinem Zettel und ich habe sorgfältig darauf hin gearbeitet. An dem Tag, an dem wir es dann (erfolgreich) versucht haben, war mein Ziel, dass er ungefähr versteht, was er tun soll. Ein weiteres Ziel war aber auch, dass ich herausfinde, wie leicht oder schwer es ihm fällt, ob er mich versteht und wie der Unterschied zwischen rechts und links ist. Denn daraus ergeben sich wiederum die nächsten Ziele. Somit ist das Ziel meiner Einheit nicht nur ein Ergebnis (Schulterherein reiten) sondern auch neue Fragen zu finden, die zum nächsten Ziel führen.

Im Freedom Based Training, wenn Duncan und ich gemeinsam „herum stehen“ ist das schwieriger. Denn es passiert so wenig, dass es mir schwer fällt, zu erkennen, ob wir unserem übergeordneten Ziel näher kommen oder nicht. Duncan soll erwachsen werden und seine Gefühle besser regulieren. Dafür soll er lernen, seinen Fokus häufiger und deutlicher zu wechseln, denn das verbessert die Regulierung des Nervensystems. Und er soll lernen, das so deutlich zu machen, dass auch ich es verstehe, denn deutliche Kommunikation macht uns allen das Leben leichter. Aber ist das jetzt heute besser als gestern? Tue ich das richtige? Und warum verhält er sich so wie er sich gerade verhält?

Ja, es gibt natürlich Momente, da werden Fortschritte offensichtlich. So wie neulich, als Duncan auf dem Rundlauf unterwegs war und ich parallel zu ihm auf der Weide. Duncan wollte um die 90Grad-Kurve, ich war weit außen. Und mein kleiner Hengst hat so gut kommuniziert und so nett auf mich gewartet, dass ich in Harmonie mit ihm bleiben konnte, obwohl mein Weg so viel weiter war als seiner. Er hat es geschafft, mir ganz klar zu signalisieren, wann er wieder los geht und sich dann so langsam zu bewegen dass ich mitkommen kann. Ein großartiger Moment und einer in dem ich mir ganz sicher war: das war das, wonach ich suche.

Trotzdem stehe ich oft neben meinem Pony (wobei „neben“ in unserem Fall eher 10-20m entfernt bedeutet) und bin unsicher: ist das gut, was wir da gerade tun? Warum verhält er sich so, wie er sich gerade verhält? Hat das etwas mit mir zu tun oder nicht? Aber ich fange an, Dinge zu sehen. In seinem Gesicht zum Beispiel kann ich mehr und mehr erkennen, wie wohl er sich mit dem fühlt, was er tut. Es ist schwer, das zu beschreiben aber ein klar beschreibbares Kriterium habe ich gefunden: die Art, wie er blinzelt. Er hat so ein besonders langsames Blinzeln wenn er entspannt ist.

Da ich im Freedom Based Training das Verhalten meines Ponys nicht beeinflusse, sondern nur kommentiere, habe ich Zeit, zu fühlen und zu beobachten. Ich versuche, wenn es sich gut oder nicht so gut anfühlt, objektive Kriterien zu finden und zu beschreiben, was ich sehe. Es kommt mir vor wie ein Bild, dem ich immer neue Pixel hinzufüge. Anfangs ist alles ganz verschwommen und ungenau. Jedes Mal wenn ich etwas neu entdecke, wird das Bild schärfer. Und dann sind da die Momente, in denen ich denke „das ist es. Das fühlt sich richtig an“. Und dann beende ich das „Rumstehen“ und hoffe, dass ich tatsächlich richtig liege mit diesem Gefühl. Das zeigt sich dann später, wenn wir mehr geübt haben und deutlicher zu Tage kommt, was Duncan davon hält. Und wenn mich das frustriert, denke ich an meine Schülerinnen, die auch oft frustriert sind, wenn sie nicht gefühlt haben, was da tolles passiert ist, während ich gut gelaunt daneben stehe und weiß: wir sind auf dem richtigen Weg.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 283

Ich soll ja jetzt nicht nur erwachsen werden, sondern auch schön bemuskelt und ganz toll ausbalanciert. Bin ich ja schon, wenn ich so für mich alleine unterwegs bin. Aber mit meinem Mädchen neben dran oder gar oben drauf ist das doch eine andere Nummer! Deswegen machen wir ja jetzt immer schon so Gymnastik-Kram auf dem Reitplatz. Hauptsächlich irgendwas mit seitwärts. Da gibt es ja sooooo viele Variationen von! Und ich soll die alle können. So herum gucken aber anders herum laufen oder in die gleiche Richtung gucken wie laufen, mehr seitwärts bei weniger vorwärts oder mehr vorwärts bei weniger seitwärts, manchmal soll ich mich doll biegen und manchmal ganz gerade bleiben und alle Varianten sowohl rechtsrum als auch linksrum. Heidewitzka! Da kann einem schon mal alles durcheinander kommen! Bisher haben wir das alles fleißig nebeneinander gehend geübt. Gestern hat mein Mädchen dann gemeint, ich könnte das auch mal mit ihr oben drauf versuchen. Sie hat mir erst vom Boden gezeigt, welches Seitwärts es bitte sein soll (für die Kenner unter euch: Schulterherein links). Dann ist sie auf die Aufsteigehilfe geklettert und ich hab sie – ganz Gentleman – dort abgeholt. Und als sie dann auf mir drauf saß hat sie versucht, mir zu erklären, dass sie genau das gleiche will wie eben. Ich war kurzfristig verwirrt und habe meine Füße durcheinander bekommen. Plötzlich sagt sie „guuuuut“ und schiebt mir einen Keks rein. Was? Das war gut, als ich das Gleichgewicht verloren hab? Nein so meinte sie das nicht, aber der Schritt den ich gemacht hab um es wieder zu finden war gut. Ich hab dann nochmal vorsichtig probiert und – zack!- hatte ich raus wie es geht. Mein Mädchen ist völlig ausgeflippt, weil ich das so schnell kapiert hab. Hat mir die Zügel auf den Hals geworfen (ich weiß, was das heißt! Ich hab alles spitze gemacht und es gibt einen Keks!) und ist abgesprungen. Gestrahlt hat sie über alle Backen! Dann hat sie den Mann gefragt, ob es wohl zu riskant sei, noch die andere Seite zu probieren. Der fand das nicht zu riskant. Also haben wir Schulterherein rechts vom Boden aus gemacht – da hatte ich lange mit zu kämpfen, aber jetzt hab ich kapiert wie das geht. Dann ist sie wieder aufgestiegen, los geritten und hat gesagt ich soll das mit ihr oben drauf machen. Ja klar, kann ich! Hab ich gleich mal los gelegt. Und gar nicht mehr aufgehört. Da war mein Mädchen komplett fertig mit den Nerven, weil ich so ein schlaues Pony bin und schon hatte ich Feierabend! Und hab natürlich ne Menge Kekse kassiert.

Jetzt kann ich also Schulterherein mit Reiter. Und das ist schon voll erwachsen, sagt mein Mädchen.

Euer gut gymnastizierter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Filmchen gibt es bestimmt auch irgendwann, aber leider hat gestern abend niemand meine Heldentat gefilmt. Schade!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 282

Manchmal denke ich, mein Mädchen ist besessen von unseren Äppelhaufen. Also ich meine: ich mag Äppelhaufen. Ich rieche da gerne dran und ziehe mir Informationen daraus wie ihr aus einer Zeitung. Die neuesten Gerüch(t)e quasi! Und manchmal scharre ich sie auseinander um noch mehr riechen zu können. Gelegentlich lege ich danach einen von meinen Äppelhaufen oben drauf. Mein Mädchen sagt, ich soll das mal ruhig so machen, dann ist es einfacher, das alles einzusammeln. Aber in der Regel lasse ich wie alle anderen hier auch einfach fallen wenn ich muss. Keine Umstände machen wo keine sind.

Aber mein Mädchen ist wirklich besessen. Nicht nur, dass sie regelmäßig Haufen einsammelt und mit der Post verschickt, jetzt weicht sie sie auch noch in Wasser ein! Tagelang stand das Glas da herum, mit ein paar Äpfelchen von Caruso und einer Menge Wasser.

Äppel in Wasser? Echt jetzt?

Dann hat mein Mädchen kritisch geguckt. „Sand!“ hat sie gesagt. Tatsache, eine kleine Sandspur hatte sich unten im Glas abgesetzt. Das hatte sie schon befürchtet, weil es ja die letzten Wochen so trocken war und wir beim knabbern im Paddock und wahrscheinlich auch auf der Weide dann so viel Sand futtern. Der ist natürlich in größeren Mengen nicht so gut für unseren Darm! Die gute Nachricht ist: gegen Sand braucht man keine Ekelpaste. Gegen Sand hilft Schmatzofatz! Und Schmatzofatz ist lecker. Nur schwierig zu essen, aber egal.

Schwierig zu essen aber lecker!

Wenn wir eine Weile Schmatzofatz bekommen haben, fangen unsere Äppelhaufen extra schön an zu glänzen. Und das Schmatzofatz soll den Sand mit raus-schleimen quasi. Mal sehen ob das funktioniert! Bald ist die Tüte leer geschmatzt, dann wird sie wohl wieder Äppel in Wasser einweichen und das kontrollieren. Wir Ponys hätten aber auch nichts dagegen noch öfter Schmatzofatz zu essen, nur mein Mädchen findet das umständlich. Weil sie es immer vorher einweichen muss und wir dann ungeduldig sind. Und weil es überall fest klebt, wenn man nicht aufpasst. Sie mag lieber einfach ein paar trockene Zutaten in unsere Schüsseln werfen und fertig ist das Essen. Na, wir werden ja sehen was passiert!

Euer schmatzender Sir Duncan Dhu of Nakel

Komfortzone

Da sind wir wieder – in unserer Komfortzone. Und als ich mich auf die Suche machte nach einem passenden Zitat zum Thema musste ich feststellen, dass ich anscheinend nicht normal bin (Überraschung!) oder dass ich da was falsch verstehe. Denn irgendwie läuft es darauf hinaus, dass das Verlassen der eigenen Komfortzone bewirken soll, dass man sich nachher gut fühlt. Aber ich bin nur erschöpft. Vielleicht war ich wirklich zu weit draußen – mindestens zwischenzeitlich war ich definitiv in der Panikzone. Und mit zwischenzeitlich meine ich ungefähr ein Drittel der Zeit.

Aber mal von vorn: Anfang des Jahres habe ich in einem Anfall von Wahnsinn – und weil es ja noch so komfortabel weit weg war – den Kurs bei Elsa Sinclair gebucht. Als aktive Teilnehmerin mit meinem eigenen Pony. Und jetzt war es so weit: Duncan, Diego, Arnulf und ich fuhren 4 Stunden mit dem Anhänger gen Süden um Elsa zu sehen und von ihr zu lernen. Die gute Nachricht ist: wir haben gelernt. Alle meine Fragen wurden beantwortet (was bedeutet, dass mein Kopf in den nächsten Wochen und Monaten einen Haufen neue Fragen generieren wird). Die schlechte Nachricht ist: es war uns viel zu viel. Und jetzt sind wir vollkommen erschöpft. (Die gute Nachricht in der schlechten: ich wusste das vorher und habe genug Zeit zum Auftanken eingeplant bevor der Alltag wieder startet. Dachte ich. Noch eine Woche mehr wäre allerdings besser gewesen ….)

Elsa ist die Pferdefrau, die es wirklich schafft, mich wieder zum kompletten Anfänger zu machen. Und offensichtlich nicht nur mich: viele, die auch schon mehrere ihrer Kurse mit gemacht haben, fallen regelmäßig in Verzweiflung weil sie das Gefühl haben, das nie zu verstehen. Im Grunde ist es ja ganz einfach: geh in Harmonie mit dem was du magst und raus aus der Harmonie wenn du es nicht magst. So weit, so simpel. Und so sagt Elsa immer wieder „ich wundere mich, dass die Leute immer wieder kommen, es ist doch so einfach!“.

Aber ganz so einfach ist es dann eben doch nicht – weil Pferde so unterschiedlich sind und weil uns Anfängern die Erfahrungswerte fehlen. Weil die Zeichen der Pferde anfangs so klein sind und die Fortschritte auch, so dass die Frage „wird es besser oder wird es schelchter?“ irgendwie nicht zu beantworten ist. Elsa macht seit 11 Jahren nichts anderes, ich glaube ihr, dass es dann einfach ist. Ich saß vor 4 Jahren zum ersten Mal auf einem ihrer Kurse und war völlig erschlagen davon, dass ich da gar nichts verstehe. Zwei Tage lang habe ich mich nur gefragt, was sie da tut, warum sie es tut und wozu es führen soll. Immerhin diese Fragen konnte ich klären. Dann kam Duncan und hat komplett anders reagiert als die Pferde in den Kursen und ich wusste nicht weiter. Und so haben wir ihn also eingepackt und mitgenommen. Und das hat sich auch gelohnt, denn all meine „Duncan-spezifischen“ Fragen wurden beantwortet.

Aber es war auch die Hölle, ehrlich gesagt. Als echte „Helikopter-Pony-Mama“ habe ich mir Tag und Nacht Sorgen gemacht, dass mein kleiner Hengst den Zaun überwinden, sich verletzen oder eine Stresskolik bekommen könnte. Auf dem Hof kehrte keine Ruhe ein, was vor allem einem Hengst geschuldet war, der in einem winzigen Paddock in Sichtweite des Reitplatzes wohnte und alle nervös bzw alle Stuten rossig gemacht hat. Immer wenn gerade Ruhe eingekehrt war, fing er an zu schreien (wiehern kann man das eher nicht nennen) und eine Kaskade von Antworten kam zurück – von Duncan, von den Stuten auf der entfernteren Weide und von einigen Pferden dazwischen. So konnten unsere beiden Jungs offensichtlich nicht schlafen – ich bezweifle, dass sie gelegen haben in den 6 Tagen die wir dort waren – und Duncan konnte nicht wirklich zur Ruhe kommen.

Ich persönlich brauche jetzt so schnell keine Abenteuer mehr. Ich freue mich über die Ruhe und den Frieden hier bei uns – als wir zu hause waren habe ich die Fenster aufgemacht um „die Stille rein zu lassen“. Die Stille, die natürlich keine ist, sondern Vogelgezwitscher, Ponyhufe die über den Paddockboden knirschen, raschelnde Blätter und solche schönen Geräusche. Wenn dann – was ja manchmal vorkommt – beim Nachbarn mal ein Pferd geschrien hat (das machen die – glaube ich – wenn sie getrennt werden, zum Glück nicht so oft) – lief es mir eiskalt den Rücken runter. Inzwischen geht es wieder.

Und das nächste Mal, wenn wir unsere Komfortzone verlassen, werde ich sicher stellen, dass wir nur eben den großen Zeh über die Grenze schieben. Damit wir danach auch wirklich glücklich sind.

Duncan hingegen hat das alles schnell weg gesteckt. Ein bisschen pubertär war er die ersten Tage unterwegs, hatte mir und den anderen Ponys gegenüber vergessen was so grundsätzliche Regeln sind – man kann ja mal nachfragen. Als wir am Dienstag wieder mit dem Spaziergehkumpel los gezogen sind, hatte ich als erstes Mal ein Verladeproblem: Duncan wollte nämlich schon in den Anhänger einsteigen bevor ich fertig war mit putzen – ein sicheres Zeichen dass es ihm nicht zu viel war. Und nachdem wir dann einen schönen Ausflug gemacht haben, scheint es jetzt auch mit der Pubertät wieder vorbei zu sein (mal sehen). Und so sehr ich mich selbst überfordert habe, ist es mir doch so herum lieber als anders herum: wenn der Mensch fand, es war ein schönes Abenteuer und das Pferd überfordert ist. Das ist nämlich schwieriger zu reparieren und oft für den betroffenen Menschen auch schwieriger zu erkennen.

Und jetzt freue ich mich auf die Ausreitsaison – ohne Mücken und ohne Hitze und möglichst ohne Abenteuer. Mitten in unserer Komfortzone halt.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 281

So, hier kommt er, mein Abenteuerbericht für Euch!

Also am Donnerstag sind Diego und ich in die Wackelkiste geklettert und laaaaaaange gewackelt worden. Wir machen uns da ja nix draus, wir nutzen die Zeit sinnvoll mit Essen und Dösen. Schließlich sind wir auf einem Pferdehof angekommen. Dort haben wir ein Stück Wiese bezogen oder einen Paddock mit etwas Gras – kann man so sehen oder so. Ich hab erst mal den Zaun gecheckt und befunden, dass man da sehr gut den Kopf dran drücken kann um zu sehen ob das Gras auf der anderen Seite vielleicht grüner ist. Aus unerfindlichen Gründen fand mein Mädchen das nicht witzig, so dass sie dann direkt angefangen hat, einen zweiten Zaun etwas weiter innen zu bauen. Und der war bissig, so wie unser Zaun zu hause. Hatte sich was mit grünerem Gras! Was viel blöder war: ich hatte echt keine Chance zu den vielen anderen Pferden zu gehen die da waren. Da war immer ein Gerufe unter den Pferden, der Hengst von gegenüber war sehr aufgeregt (aufgeregter als ich!) und wenn der gewiehert hat, haben andere geantwortet – da hab ich dann auch gleich mal mit gemacht.

Am nächsten Tag zog dann nebenan ein Pferd aus und ein anderes zog ein, da war ich auch ziemlich aufgeregt. Mein Mädchen war schon fertig mit den Nerven, weil ich dauernd so aufgeregt war. Allerdings hat sie dann mal meinen Puls gemessen und mich direkt streng angeschaut. Sie meinte, ein Puls von 40 wäre so verräterisch niedrig, dass ich so aufgeregt gar nicht sein könnte! Es sei wohl mehr Angeberei, dass ich da so viel trabe und trompete, meinte sie.

Am Samstag ging es dann richtig los, da kamen ganz viele Menschen und haben sich direkt vor unserem Paddock ausgebreitet! Da war nämlich der Reitplatz und da haben die alle hin geschaut. Nun war es mir ja egal dass da so viele Menschen sind, aber sie haben mir die Sicht auf die Pferde auf dem Reitplatz versperrt, das war ärgerlich. Wollte doch gucken wer da so kommt und geht! Dann ging der Kurs mit Elsa los. Ich habe mir sagen lassen, das andere Kurse anders ablaufen. Aber auf diesem Kurs war es so, dass Diego und ich die ganze Zeit in unserem Paddock bleiben durften. Und wir durften auch machen was wir wollten. Mein Mädchen hat derweil das Rumstehen geübt. Das könnt ihr Menschen ja nicht so gut! Aber ich soll da auch noch was lernen. Also es ist so: es sieht ja ganz einfach aus, so zusammen herum zu stehen. Aber mein Mädchen hat da nicht so viel Ahnung von und dann steht sie gern mal zur falschen Zeit am falschen Ort oder sie bewegt sich zu schnell oder zu langsam oder überhaupt ganz verkehrt. Und das REGT MICH AUF! Dann maule ich sie an. Elsa meint aber, das wäre ganz kindisch und unerwachsen. Erwachsen und vernünftig wäre, wenn ich deutlich, aber freundlich sage, was mir nicht gefällt, so dass mein Mädchen die Chance hat, es besser zu machen. Und noch erwachsener wäre, wenn ich es schaffe, einfach weg zu gehen, falls sie es dann immer noch falsch machen sollte. Das soll ich jetzt lernen. Und gleichzeitig lerne ich dabei, meine eigenen Gefühle zu regulieren, indem ich auch mal an was anderes denke als an das, was mich grad so aufregt (sei es, dass mein Mädchen falsch steht oder dass da fremde Pferde sind oder was auch immer). Fokuswechsel heißt das.

Normalerweise ist mein Mädchen ja diejenige, die die Verantwortung trägt. Sie bestimmt, was wir machen und meistens mache ich das gern oder ich bekomme einen Keks dafür. Ich hab da schon auch Mitspracherecht aber sie hat das letzte Wort und trifft die Entscheidungen. Manchmal – das ist aber bisher ganz selten passiert – läuft alles schief. Dann sage ich ihr, dass ich ein Problem habe, aber sie hört mich nicht. Und dann mache ich was blödes. Und auch deswegen ist es wichtig, dass ich lerne, es nochmal und nochmal und deutlicher zu sagen wenn ich ein Problem habe. Damit ich nix blödes mehr machen muss, sondern mein Mädchen mich versteht und mir helfen kann. Dafür soll ich toleranter werden und eben besser mit ihr reden. Und damit ich das lerne, sagt sie mir beim Rumsteh-Training GAR NICHTS was ich machen soll. Ich mache das, was ich halt so denke und sie steht mit mir herum. Und an der Art, wie und wo sie so steht oder geht, kann ich erkennen, was sie von dem hält, was ich da so mache. Ich weiß, für euch Menschen ist das schwer zu verstehen, aber für uns Ponys ist das voll normal. Das machen wir 24 Stunden am Tag untereinander und das von Geburt an, da kennen wir uns aus. Ihr Menschen halt nicht und deswegen macht ihr da voll viel falsch.

Mein Mädchen findet das irre schwer. Weil sie eine Fremdsprache lernen muss. Na, ich hab ja auch deine Sprache gelernt mein Mädchen, da musst du dich halt jetzt mal anstrengen!

4 Tage lang ging der Kurs. Am letzten Tag war mein Mädchen schon völlig platt. Als dann mein Nachbar ausgezogen ist und weg gefahren wurde fand ich das richtig blöde und hab mich ordentlich aufgeregt. Ich war nämlich auch etwas übermüdet weil ich nicht so richtig zum schlafen gekommen bin die ganze Zeit. Diego war auch müde. Und so waren wir heil froh als am Mittwoch alles vorbei war und die Menschen uns in die Wackelkiste gebracht haben. Kaum standen wir da drin, sind wir beide im Stehen eingeschlafen. Ich hab die Fahrt einfach geschmeidig verpennt und Diego weitgehend auch. Zu hause musste ich dann den anderen Ponys schnell zeigen, dass ich doch ein bisschen mehr Hengst geworden bin in den Tagen die wir weg waren. Es hat sich aber niemand beeindruckt gezeigt und also hab ich gedacht, ich lasse das mal wieder. Die Jungs hier mögen mich lieber entspannter, das weiß ich ja auch. Und als ich dann erst mal wieder zur Ruhe gekommen war, ging es auch wieder.

Jetzt üben wir das mit dem Rumstehen hier zu hause weiter. Mein Mädchen ist ganz fröhlich, weil sie es so viel besser verstanden hat. Jetzt wartet sie darauf, dass ich erwachsen werde, während sie herum steht. Elsa hat gesagt, das kann dauern. Aber mein Mädchen ist ja so stur, ich glaube es ist ihr egal, wie lange es dauert. Und außerdem können wir ja trotzdem all unsere schönen Abenteuer zusammen erleben – dann entscheidet mein Mädchen und alles ist gut.

Euer erwachsen-werdender Sir Duncan Dhu of Nakel