Gestern waren haben wir meine neuen Hufschuhe angepasst! Na das war ja wieder ein Getüddel. Ich bin wie mein Mädchen (sagt sie): mir passt nix von der Stange. Meine alten Hufschuhe sind ja jetzt zu klein und ich soll ein neues Modell bekommen, damit der Abrollpunkt besser passt. Der ist sonst doch zu weit vorn und das ist gar nicht gut für meine Beine, besonders wenn wir mehr traben. Also habe ich jetzt neue Hufschuhe bekommen. Aber so einfach ist das nicht! Obwohl es eine „w“ – Version für breitere Hufe ist (wie meine), sind die nämlich zu schmal. Nun kann man diese Dinger aber anpassen. Dafür ist vor allem eins nötig: viiiiiiiiiel Geduld von meiner Seite. Aber ihr wisst ja: wenn die Keksrate stimmt…… Also der Mann hat die Hufschuhe geföhnt, bis sie weich wurden. Dann musste ich sie anziehen (lassen), dann haben die beiden darauf herum gehämmert damit sie richtig an meinem Huf sitzen. Dann etwas warten bis alle abgekühlt ist. Dann nochmal gucken. Dann den Ballenhalter anschrauben und einstellen, das Ballenpolster festtüddeln. Naja, beim zweiten Schuh ging es zumindest etwas schneller als beim ersten.
Der Mann föhnt, ich muss warten Jetzt sitzt alles gut! Leider gibt es das Polster nicht in grün oder orange, da müssen wir uns mal beschweren!
Als dann endlich alles fest war, durfte ich probelaufen. Ach, eigentlich ganz gemütlich, die neuen Puschen! Und dann – so ein Glück! – haben wir gleich noch einen kleinen Ausritt zum testen gemacht. Nach dem ganzen stillstehen bin ich ordentlich los marschiert und wir sind auch ein bisschen getrabt. Die Schuhe haben gut gesessen und ich fand sie wirklich fein zum laufen. Hinten bleibt erst mal alles beim alten sagt mein Mädchen, aber sie hat bemerkt dass es da auch etwas knapper geworden ist….
Auf dem Ausritt war mein Mädchen dann noch extra mutig: wir sind den ganzen Grasweg durch getrabt, das heißt auch bergab! Sie hat dann immer Angst ich könnte stolpern und auf der Nase landen. Aber ich stolper ja gar nicht mehr so viel. Und ich weiß ja jetzt auch was sie meint, wenn sie sagt „Kopf hoch“ und dann mach ich das auch. Also sind wir da fein durchgetrabt (und haben vom Distanzreiten geträumt). Und nachher, als uns ein paar Reiter entgegen kamen, war mein Mädchen nochmal ganz besonders mutig und ist zum ersten Mal auf meinem Rücken sitzen geblieben! Diego ist zwischen uns und die fremden Pferde gegangen und mein Mädchen hat ganz doll geatmet und versucht, sich zu entspannen. So fremd waren die Fremden gar nicht, die kommen öfter bei uns vorbei. Trotzdem: ich will doch zeigen wie hübsch ich bin! Also hab ich einen schönen Kragen gemacht. Ein kleines bisschen tänzeln wollte ich auch gern aber das fand mein Mädchen doof, da hab ich es gelassen. Nur halt das Wallehaar in Pose geworfen, das muss dann schon sein. Sieht sie auch ein. Nachher war sie wieder super stolz auf mich und – das ist neu – auch auf sich selbst, weil sie sich das getraut hat. Also: ein sehr gelungener Sonntag!
Neulich kam mal wieder Besuch. Das ist immer eine große Attraktion hier, weil es sonst so ruhig ist bei uns. Kam also eine nette Dame in den Paddock, die eine Reitstunde mit Diego nehmen wollte. Ich bin dann gleich mal gucken gegangen, die sah doch sympathisch aus! Aber was soll ich euch sagen? Begrüßt wurde ich von ihr mit den Worten „Du bist ja noch kleiner als ich dachte!“ Hallo? Ich bin riesig geworden! Ein stolzer, prächtiger, beeindruckender Hengst bin ich! Wobei ok, die Dame war wirklich selbst sehr groß. Aber trotzdem. Ich habe ihr nur verziehen, weil sie mich so zauberhaft fand und entzückend und so. Naaaaaa gut. Dann will ich das „klein“ mal überhört haben.
Diego hat ihr dann was übers reiten beigebracht. Diego liebt solche Unterrichtsstunden, weil er nicht viel arbeiten muss und dafür ohne Ende Kekse kassiert. Ich will das auch endlich machen dürfen! Diego lässt die Leute immer ihre Fehler fühlen, sagt er, dann darf er anhalten und mein Mädchen erklärt lang und breit was da passiert ist und warum. Dann geht Diego ein oder zwei Runden und kontrolliert ob der Mensch da oben es jetzt besser kann, dann ist schon wieder Erklärstunde. Er sagt aber, meistens ist das nur beim ersten Mal so. Wenn die Reiterinnen dann wiederkommen, dann muss er mehr arbeiten. Das findet er dann schade. Aber er mag inzwischen ganz gern erklären. Früher war er da manchmal unsicher, hat er mir erzählt. Aber jetzt weiß er wie es geht: er macht ganz genau das, was die Reiterin da oben sagt, auch wenn es Blödsinn ist. Das ist wichtig, damit die Reiterin versteht, was sie da tut. Und Diego findet es toll, wenn der Mensch da oben auf seinem Rücken dann plötzlich in Begeisterungsstürme ausbricht, weil der Groschen gefallen ist. Dann lässt Diego sich feiern (und bekommt NOCH MEHR Kekse!).
Diego hat das gut erklärt. Jetzt will er Kekse!
Als Diego dann genug erklärt hatte, durfte ich auch nochmal dran sein. Mein Mädchen hat mit mir reiten geübt und die Dame hat zugeschaut und mich angefeuert und davon geschwärmt was für tolle Augen ich hab. Als wir fertig waren hat sie noch mit mir geschäkert. Mein Mädchen stand etwas weiter weg um Fotos zu machen und plötzlich macht die Besuchsdame so eine Handbewegung und ich schau zu meinem Mädchen und denke: diese Geste kenne ich doch! Dann hab ich mich erinnert: das haben mein Mädchen und der Mann mal mit mir geübt, da durfte ich immer vom einen zum anderen laufen und hab immer bei Ankunft einen Keks bekommen! Also bin ich los, schnurstracks zu meinem Mädchen. Hat geklappt! Sie hat zwar doll gelacht, weil das nicht so gemeint war, aber ich hab trotzdem einen Keks bekommen. Dann durfte ich das noch ein paar mal hin und her machen – großer Spaß!
Du bist nett! (Ich vergesse das, was du über meine Größe gesagt hast)Die Geste kenne ich doch?
Ob ich wohl auch irgendwann Menschen unterrichten darf? Mein Mädchen sagt, wenn ich Lust hab, kann ich das auch mal machen, aber dafür muss ich selbst erst noch mehr wissen und können. Erst mal bin ich dran mit lernen. Na gut, so lange die Keksrate stimmt!
„An welchen Stellen haben Deine Füße Kontakt mit dem Steigbügel?“
So, nun gibt es dazu eine Lehrbuchantwort. Und eine individuelle. Und die individuelle hängt von so vielen Faktoren ab: die Form und Beweglichkeit der Reiterhüfte. Die Länge der Beine in Relation zur Größe des Pferdes. Die Rumpfform des Pferdes. Die Länge der Steigbügelriemen – die wiederum mit der Form des Sattels zusammenhängt aber natürlich auch mit der Frage was man reiten möchte und mit welcher Steigbügellänge man sich wohl fühlt. Wieso reiten dann fast alle mit den gleichen Steigbügeln? Das kann nicht sein. Und immer öfter stoße ich auf solche kleinen Dinge, in denen jeder macht was alle machen und gar nicht geschaut wird ob das passt.
Schlimmer wird es beim Sattel. Da komme ich zu einer Reitschülerin die besser sitzen möchte und muss leider fest stellen dass das in dem Sattel gar nicht geht. Regelmäßig wird die Sattlerin fürs Pferd geholt, damit auch ja alles passt (und leider passt es trotzdem oft nicht!). Dass aber die Reiterin in diesem Sattel im Hohlkreuz sitzen muss, wird nicht beachtet. Dass das Sattelblatt zu gerade geschnitten ist für die benötigte Steigbügellänge – egal.
Zügel! Da tun es ja noch die alten aus dem Schrank. Verdreht, hart und mit Stegen dazwischen. Die werden mit Karabinern ins Gebiss gehängt. Dann werde ich gefragt, wie die Zügelverbindung feiner werden kann – ja so halt nicht.
Es wird viel gemeckert (zu Recht) über Reiter, die versuchen, Reitunterricht durch Equipment zu ersetzen. Dem gegenüber stehen die Reiter, die meinen, mit der Ausrüstung von der Stange müsste jeder Reiter jedes Pferd reiten können, wenn er denn nur gut genug ist. Beides funktioniert nicht.
Was war mein Leben einfach, als ich ohne Zaumzeug auf dem Platz geritten bin! Ein leichtes Pad zwischen mir und dem Pferderücken, zwei kurze Gerten, fertig war die Ausrüstung. Dann kam Finlay und wollte was anderes. Ein Zaumzeug musste her. Ich hatte Glück, konnte mir EIN Bosal anfertigen lassen für Merlin und Finlay, weil es beiden gepasst hat. Und – noch mehr Glück – heute passt das selbe Bosal meinem Duncan. Da habe ich viel Geld gespart. Auch Finlays alter Sattel – der zwar nur eine Übergangslösung ist, aber eben immerhin das – passt auf Duncan. Aber bei den Steigbügeln geht es schon los. Ich bin schrecklich, was Steigbügel angeht. Und meine Lieblingssteigbügel hatten keinen Korb. Ich habe aber aus meinem letzten Distanzritt mit Finlay gelernt: das Pony war müde, ich bin viel gelaufen. Leider sind meine Reitschuhe keine Laufschuhe und es war endlos unbequem und anstrengend. Jetzt habe ich bequeme Wanderschuhe, die möchte ich gern auch zum Reiten tragen. Ein Korb muss also an die Steigbügel, damit mein Fuß nicht durchrutschen und hängen bleiben kann. Alle Steigbügel mit Korb finde ich aber unbequem. Und so muss die Haus- und Hofschneiderin ran, die mir einen Korb an meine Lieblingssteigbügel baut (Duncan berichtete darüber). Jetzt habe ich es bequem und sicher und ich merke, was für ein großer Unterschied das ist. Wenn man auf Distanzritt will – selbst auf einen ganz kleinen – ist man stundenlang mit dem Pferd unterwegs. Viel Schritt, aber später auch viel Trab. Wehe, wenn da die Reithose oder der Steigbügelriemen scheuert. Wehe, wenn der Sattelgurt nicht richtig am Bauch des Pferdes sitzt (mein neuestes Thema, denn Duncan hat anscheinend eine sehr spezielle Bauchform an die nichts so richtig passen will).
Aber auch im Schülerinnenkreis: dieses Gebiss ist dem Pferd zu groß, zu klein, zu dick oder zu dünn. Oder die ach so pferdefreundliche gebisslose Variante rutscht dem Zausel am Kopf umher. Hier quetscht der Genickriemen den Ohransatz (so oft! Bitte schaut danach!), dort rutscht ein Nasenriemen herunter, wenn man ihn nicht viel zu fest anzieht. Ganz zu schweigen von Gerten und Peitschen, bei denen sich die wenigsten auskennen. So wird irgendwas verwendet. Ein hektisches Pferd mit einer Bogenpeitsche anzufuchteln ist aber eine blöde Idee und einen Energiesparer mit einer flexiblen Dressurgerte ins vorwärts zu motivieren klappt fast nie. Umgekehrt wird der Horsemanship-Stick nicht viel weiterhelfen, wenn es an die Piaffe geht. Fast jedes Werkzeug hat seinen eigenen Sinn und taugt nichts, wenn man es zweckentfremdet benutzt.
Ich finde, wir reden zu wenig über Equipment. Und wir probieren zu wenig aus. Erst neulich habe ich eine ehemalige Schülerin wieder gesehen (die jetzt leider sehr weit weg wohnt) und wir haben ein Unterrichtsstündchen gemacht. Ihr Pferd war plötzlich nicht mehr gebisslos unterwegs und ich fragte überrascht nach. Sie hatte mir immer gesagt, Gebiss geht bei ihm nicht, das hat man im Beritt versaut. Dabei hätte ich mir gewünscht sie könnte ihn mit Gebiss reiten denn ohne wirkte das alles sehr unglücklich. Jetzt erzählte sie von ihrer neuen Reitlehrerin, die ihr ein Gebiss mitgebracht hätte und siehe da: Pferd glücklich, Reiterin glücklich. Toll! Es lag nämlich nicht am Gebiss an sich, sondern an DEM Gebiss was benutzt wurde und dem Pferd nicht behagte.
Es wird hierzulande zu wenig getauscht und verliehen, finde ich. Ich versuche da mit gutem Beispiel voran zu gehen und und leihe und verleihe Equipment wo immer es geht. Kein Mensch kann und sollte alles gleich kaufen müssen um es ausprobieren zu können. Aber auch online gebraucht kaufen und verkaufen ist natürlich eine gute Option. Wir können unseren Pferden nun mal nicht den Katalog hin halten und fragen, was sie gern möchten. Es liegt an uns, immer wieder zu überprüfen, ob es nicht noch besser geht. Und wir dürfen da auch an uns selbst denken, denn wenn wir mit unpassendem Equipment kämpfen, bleiben wir selbst unterhalb unserer Möglichkeiten. Es lohnt sich immer, anderen Reitern über die Schulter zu schauen: so reite ich neuerdings mit Stulpen anstatt Lederchaps. Da mir im Gelände immer die Steigbügelriemen das Schienbein malträtieren, hatte ich bisher Chaps an. Wer hätte denn gedacht, dass einfache Wollstulpen um ein vielfaches gemütlicher sind? Und nicht, wie man vielleicht meinen möchte, nach 2 Ausritten hinüber sind. Hab ich von meiner Freundin gelernt. Kostenpunkt: Null Euro, denn Stulpen habe ich eh zu hause. Nach erfolgreichem Testen kaufe ich mir jetzt ein paar extra dicke. Für den Ritter brauche ich einen anderen Sattelgurt. Zwei habe ich bereits gebraucht gekauft, beide sitzen nur so einigermaßen. Also werde ich sie über kurz oder lang wieder verkaufen und andere ausprobieren, nützt ja nix. Wenn ich eins gelernt hab von den Distanzreitern, dann ist das, dem Equipment VIEL mehr Aufmerksamkeit zu geben. Nur weil unsere Pferde eine halbe Stunde oder Stunde etwas ertragen, heißt das nicht, dass es wirklich passt. Und wenn man dann länger unterwegs ist, dann zeigt sich das: Da scheuert was oder es drückt, engt die Atmung ein oder behindert die Schulter in der Bewegung. Seid kritischer mit der Ausrüstung, Euer Pferd wird es Euch danken. Und Ausprobieren schadet nicht, vielleicht erlebt Ihr die eine oder andere Überraschung!
Im Frühling und im Herbst gibt es immer ein paar Tage an denen mein Mädchen das Wetter einfach perfekt findet. Und dann kriegt sie einen Rappel und rennt hier draußen bei uns rum und schneidet den Zaun frei, baut um, lässt den Mann Pfosten setzen und lauter so Zeug. Neulich hat sie sanft an einem Pfosten gerüttelt um zu sehen ob der noch stabil steht, da machte es laut „krrrrrcks“ und sie hat noch lauter geflucht. Direkt am nächsten Tag kam sie mit dem Mann und hat ihm erklärt, wo sie jetzt die neuen Pfosten hin haben will. Das ist immer lustig, weil die Menschen dann erst drei mal aneinander vorbei reden, der Mann ein Loch an der falschen Stelle buddelt, während mein Mädchen zum 238402. mal zurück geht zum Stall um was zu holen, dann kommt sie wieder und sieht das Loch an der falschen Stelle und erklärt dem Mann nochmal wo sie den Pfosten haben will. Dann buddelt er ein neues Loch an der richtigen Stelle. Diesmal haben sie die Engstelle erweitert. Vorher war da so ein „Nadelöhr“. An sich ja kein Problem, aber wir stehen da sehr gern und äppeln da hin und weil es dann so eng war konnten wir nicht um die Äppel herum navigieren sondern haben sie platt getreten. Und das hasst mein Mädchen! Erstens weil sie dann mühsam alles zusammenkratzen muss und zweitens weil sie es gar nicht mag, wenn wir uns Äppel in die Hufe treten. Also hat sie einen kleinen Streifen Weide geopfert und den Weg verbreitert. Gut für uns, denn wir durften den neuen Streifen erst abgrasen und dann konnte ich im Anschluss noch den neuen Zaun sauber frei schneiden (ist ja auch wichtig!) dafür bin ich nämlich zuständig. Hat mein großer Bruder auch immer gemacht, sagt mein Mädchen.
Da könnt ihr noch erkennen wie schmal es vorher warIch bin Förster von Beruf….
Außerdem will sie dieses Jahr den Reitplatz wieder richtig schön kriegen. Wir haben da so wenig gemacht bisher und Merlin hat auch wenig gemacht und also ist da überall das Grünzeug gewachsen wo es gar nicht hin gehört. Jetzt will sie das alles wieder frei buddeln, damit sie über Winter ein Dressurpony aus mir machen kann. Ich bin noch nicht so ganz überzeugt, ob ich das will, aber mein Mädchen hat gesagt, das wird mir auch Spaß machen und sie hat versprochen, dass wir auch so viele Ausflüge wie möglich machen werden. Na gut dann will ich mal nicht so sein. Trotzdem: beim Freiförstern hätte ich auch helfen können, aber das wird mir ja dauernd untersagt! Jetzt muss sie die Arbeit halt allein machen. Pech!
Den Hufschlag wieder frei kämpfen
Mal sehen was ihr noch so einfällt diesen Herbst. Wir Ponys tanken derweil nochmal Kräfte für den Winter: Sonnenschein, Eicheln (zu wenige, mein Mädchen schnappt sich immer der Löwenanteil!), ein paar Äpfel, die den Weg in unseren Paddock finden (siehe Eicheln…) – alles saugen wir in uns auf. Dann machen wir daraus Winterfell und eine kleine Speckschicht, falls doch mal schlechte Zeiten kommen (die kommen! Weil mein Mädchen was von „Diät“ sagt und kalorienarmes Öko-Heu im Schober liegen hat …..).
Scheint bei Euch auch so schön die Sonne? Mein Mädchen ist schon wieder im 7. Himmel. Sooooooo schönes Herbstwetter! Nachdem es ausgiebig geregnet hat, lassen wir uns den Sonnenschein gefallen. Das Laub wird schon bunt und das Licht ist wunderschön. Da muss man einfach einen Ausflug machen! Diesmal wieder mal ein Stück weiter weg in einen unserer Lieblingswälder. Oh da waren wir ja ewig nicht! Aber bevor es los ging hatte mein Mädchen da noch diese Idee…. Weil uns Ponys ja so schnell zu warm wird bei diesem Wetter – wir haben ja schon so viel Pelz! – fand sie, wir sollten wenigstens die Mähne geflochten kriegen. Nun kann ich das ja einfach nicht leiden, wenn man mir am Wallehaar rum fummelt. Und mein Mädchen kann flechten auch nicht so toll leiden, das fällt bei ihr unter die verhasste „Bastel“-Kategorie. Ich hab also gehampelt und sie hat geflucht und geschimpft. Aber am Ende war dann der Zopf doch ganz ok. Nur dass sie eine Strähne vergessen hatte – sie dachte die gehört nach rechts und das bisschen Wallehaar rechts wollte sie nicht flechten. Diese Strähne gehörte aber nach links und hing da jetzt so herum. Na, es ging ja nicht um Schönheit, sondern darum, dass auch die linke Seite meines Halses an der frischen Luft ist und ich besser gekühlt werde. Ob es den Aufwand wert war?
Eine Strähne ist ihr entgangen.
Endlich im Wald angekommen, sind wir dann wieder mal los gezogen um Reitwege-Schilder zu finden. Die stehen da neu und sind jetzt anders als vorher. Manchmal sind auch keine da wo welche sein sollten und an einer Stelle war ein Weg ausgeschildert der in Wirklichkeit irgendwie gar nicht existiert. Kurios! Aber da wo wir lang wollten ist es anscheinend überall erlaubt, also los. Die meiste Zeit waren wir im Schritt unterwegs und ich hab mich auch tempomäßig nicht lumpen lassen. Bin jetzt nicht herum gesaust aber gebummelt hab ich auch nicht. Später sind wir noch ein Stück getrabt, dann eine schöne Graspause. Ich wollte so gern was trinken, aber die Pfützen waren alle eklig.
Schön durch den Wald.
7,7km hatte mein Mädchen geplant aber irgendwie sind es 9,5km geworden. Da war ich am Ende doch einigermaßen müde, muss ich gestehen! In der Pause als sie neben mir her gelaufen ist, war ich dann sehr gemach unterwegs. Mein Mädchen hat gekichert und gesagt, ich hätte sie 2,5 Jahre durch die Gegend geschleift und ihr gesagt dass sie zu langsam ist und jetzt sei endlich ihre Zeit gekommen. Rache ist süß, meinte sie! Aber egal. Ich mag Ausflüge, so oder so. Am Ende, an der allerletzten Kreuzung, wollte ich dann links abbiegen. Da hat mein Mädchen sich schon wieder gefragt, ob ich wirklich so einen schlechten Orientierungssinn habe. Wo die Wackelkiste doch rechts von uns stand! Oder ob es mir einfach egal ist und ich irgendwo hin laufe. Jedenfalls könnte man mir nicht den Heimweg überlassen wenn man sich verlaufen hat, das steht fest! Zum Glück gibt es ja Diego, den Mann und wenn gar nix mehr geht das Smartphone, die wissen immer wo man ist und wo die Wackelkiste steht. Also eigentlich brauche ich mich da nicht drum kümmern.
Schön, schön, schön. Obwohl es anstrengend war.
Diego und ich haben dann die Heimfahrt für ein geschmeidiges Nickerchen genutzt. Es schläft sich ja so fein in der Wackelkiste! Einfach an der Wand anlehnen und wegdösen.
Na toll. Das hab ich jetzt von der Flechterei.Einziger Trost: Diego sieht nicht besser aus….
Das war also unser Sonntag. Jetzt starten wir frohgemut in die neue Woche! Mal schauen was die so bringt.
Ich bin ja nicht so der große Kuschler. In der Regel spare ich mir kraulen und kratzen. Zum Glück ist mein Mädchen auch nicht so der große Putz-Fan, denn wenn sie mit der Bürste kommt, empfinde ich das eher als Zeitverschwendung. Ich will dann lieber schnell los! Aber manchmal finde ich es eben doch gut. Zum Beispiel jetzt im Fellwechsel, da juckt es einfach fies. Und zum Glück versteht mein Mädchen mich ja inzwischen ganz gut. Wenn ich sie so angucke, meine Lippe kurz mal vorstrecke und auffordernd Richtung meinem Hintern schiele, dann weiß sie, das sie mich mal kratzen soll. Macht sie dann auch. Aaaaaaaaah guuuuuuuut!
Bitte einmal Popo kratzen!
Wenn mein Mädchen nicht da ist, schnappe ich mir eben einen Kumpel zum kratzen. Am liebsten Gatsby, der hat die passende Größe und die richtige Kratzmethode.
Ich stelle mich etwas höher dann passt es noch besser mit der Größe.
Trotzdem hoffe ich dass das Gejucke bald wieder ein Ende hat, wenn das meiste Winterfell fertig ist. Dann halte ich lieber wieder meinen komfortablen Individualabstand.
Trab-Trab-Trab der Schweiß läuft mir den Rücken runter, weil ich wieder unterschätzt habe, wie warm die Sicherheitsweste ist. Jedes Mal!
Trab-Trab-Trab für meine Augen wird es schon sehr dämmrig aber die Ponys können natürlich noch prima gucken. Wir finden unseren Rhythmus und ich habe das Gefühl, Duncan entdeckt den Spaß daran. Meine kleine Dampflok läuft – gelegentlich feuere ich ihn etwas an, denn ich will endlich diese Handbremse lösen. Am festesten sitzt die wohl in meinem Kopf ….
Trab-Trab-Trab weiter geht es und weiter. Braucht er eine Pause? Es wirkt nicht so. Sicherlich ist er auch schon gut nass geschwitzt. Hoffentlich überfordere ich ihn nicht. Dann schaltet mein Verstand sich wieder ein: so schnell ist der nicht überfordert.
Trab-Trab-Trab der Wald riecht um diese Jahreszeit noch etwas besser als sonst und es ist wunderbar still. Ich atme und lausche den Ponyhufen.
Trab-Trab-Trab es nicht mehr so weit bis zum Anhänger, hier müssen wir rechts abbiegen. Duncan hat andere Ideen: er würde die Runde auch direkt nochmal laufen wenn ich ihn jetzt die Richtung wählen lassen würde. Dann ist er wohl nicht überfordert – oder er hat einen sehr schlechten Orientierungssinn (nein, nur Spaß. Wenn ICH eine Runde auswendig kann, kennt jedes Pferd sie schon im Schlaf).
Trab-Trab-Trab ich experimentiere mit meinem Sitz. Ellenbogen mehr ran, immer wieder habe ich das Gefühl dass er besser laufen kann, wenn ich meine ewig abstehenden Ellenbogen „einklappe“. Aber mit meinen Beinen stimmt es auch noch nicht. Jahrelang – jahrzehntelang! – hab ich meinen Dressursitz geübt. Der ist glaube ich erträglich. Aber Distanzreiten erfordert andere Sitzfähigkeiten. Oder eher Stehfähigkeiten. Leichttraben mag ich nicht mehr dafür habe ich zu oft gelesen dass es für die Pferde nicht leicht ist. Und ich will ein so einfach wie möglich zu tragender Mensch sein. Ich drücke mit den Füßen gefühlt meine Steigbügel nach unten weg: so fühlt es sich besser an. Scheint Duncan auch zu finden.
Trab-Trab-Trab er läuft einfach weiter. Ich beginne zu ahnen wie es einmal sein wird. Wenn er noch etwas flotter ist im Trab, wird es mit dem Stehen auch leichter, weil mehr Schub von hinten kommt. Noch kann ich mir nicht vorstellen, das stundenlang zu tun – er wohl auch nicht. Zum Glück trainiert man sich ja gemeinsam über die Zeit.
Trab-Trab-Trab ich wünschte ich könnte Euch erzählen – wirklich erzählen – wie schön sich das anfühlt. Die Angst in meinem Kopf hat mich verlassen, es gibt nur noch Duncan und mich im hier und jetzt. Mit kleinen Unterbrechungen weil Duncan es noch viel witziger finden würde, wenn er seinen Ausreitkumpel zwischendurch kneifen könnte. In diesen Momenten zeigt er mir, wie schnell er traben KÖNNTE. Und ich fühle: nach ein bisschen (oder ein bisschen mehr) Training und weiterer Gymnastizierung wird da noch mehr kommen. Langsam fängt mein Kopf an, es zu glauben: er ist ein sicheres Reitpferd. Er rast nicht plötzlich los, er springt nicht zur Seite, er hüpft nicht, er macht überhaupt nichts blödes. Seit ich vor einem halben Jahr angefangen habe ihn zu reiten hat er nicht einmal was blödes gemacht. Die Sorge, dass mein Treiben ihn veranlassen könnte, zu galoppieren und dass das wiederum zum Durchgehen führen könnte wegen Gleichgewichtsverlust, Ärger oder aus Spaß am Rennen, fällt von mir ab. Selbst wenn er jetzt galoppieren sollte würde nichts blödes passieren. Er bietet aber auch gar keinen Galopp an, was mir im Moment noch lieber ist (obwohl ich manchmal denke, dass es vielleicht bald mal so weit ist).
Trab-Trab-Trab „lass uns da vorne bei den Apfelbäumen durchparieren, da können wir absteigen“ sagt meine Freundin. Duncan lässt sich wie immer etwas Zeit mit dem Durchparieren. Eine kleine Dampflok eben – wenn sie erst mal Fahrt aufgenommen hat, hat sie auch etwas Bremsweg. Wir steigen ab und gehen den Rest zu Fuß. Am Anhänger zeigt die App: von den 5,8km die wir geritten sind, sind wir 4,7km getrabt! Das ist mal eine Steigerung (bisher war unser Maximum 2,9km Trab). Und unser Durchschnitt im Trab hat es auf 10,5km/h geschafft. Ok, wie sagt meine Freundin: wenn wir die Runde 5 mal schaffen, ist es ein Distanzritt (wohl gemerkt: ein kleiner „Einführungsritt“ für Anfänger zum Ausprobieren. Nix ernstes. Noch nicht mal eine „Kurzdistanz“). Ich schaue auf die App: was die Strecke angeht hat sie recht, aber unsere Gesamtgeschwindigkeit müssen wir dann schon auch noch einen Tacken erhöhen, wenn wir in der Zeit bleiben wollen. Hätte ich nicht mit Finlay die Erfahrung gemacht, dass das geht, würde mir jetzt das Herz in die Hose rutschen. So weiß ich: das kommt alles.
Und ich glaube, mein Pony entdeckt das gerade für sich, während ich es wieder-entdecke. Er wirkt hoch zufrieden mit sich und der Welt.
Zu hause messe ich Puls: anscheinend hat der Ritter sich wirklich ins Zeug gelegt, denn nach der Anhängerfahrt ist er immer noch bei 52. Der Schweiß in seinem Fell ist aber schon weitgehend trocken, also geht er mit den anderen auf die Weide. Später gehen wir nochmal runter, weil mein Helikopter-Gen wieder anspringt. Wir nehmen das Stethoskop mit und ein paar Apfelstücke. Ich rufe Duncan und er kommt fröhlich angedackelt: er hat allerbeste Laune. Sein Puls (zwischen dem Apfelgekaue nicht ganz so leicht zu hören für mich) liegt zwischen 40 und 42, sein Fell ist trocken. Jetzt kann ich beruhigt ins Bett gehen und vom Traben träumen. Ob er das auch tut?
Im März bin ich die ersten Meter geritten. Am 22.5. sind wir die ersten Meter getrabt. Jetzt, Anfang Oktober, schaue ich zurück und merke: pannenfrei. Wir hatten keinen Streit, es gab keinen Tag an dem er mich nicht aufsteigen lassen wollte und nur einen Tag an dem er mich mal gebeten hat, wieder abzusteigen. Er hat sich nie so verhalten dass ich Angst bekommen hätte (und das ist bei mir ein hoher Anspruch!). Er lässt sich im Gelände lenken und bremsen und hört mir meistens gut zu. Ich kann ihn daran hindern, das Begleitpferd zu kneifen und das förstern hat er sich weitgehend abgewöhnt. Ich würde sagen: das Anreiten ist abgeschlossen. Auf zu neuen Zielen!
Gestern war bei euch Menschen ja Feiertag. Da war also ein Feiertagsausflug angesagt! Ab in den Wald! Vorher war ich beim Sattelcheck. Der Mann meint, das passt alles. Dann die Hufschuhe an, die mein Mädchen ein bisschen überarbeitet hat. Aber die sind trotzdem knapp, meine Füße sind wirklich größer geworden! Die neuen Schuhe sind schon bestellt aber die Lieferung dauert ein bisschen. Bin gespannt! Bis dahin geht es noch so.
So, jetzt darf ich aber endlich einsteigen, oder? Ich liiiiiiiiiiiebe die Wackelkiste! Im Wald haben Diego und ich dann angemerkt, dass wir es auch voll ok finden würden, erst mal noch da drin zu bleiben und das Heu aufzuessen. Aber daraus wurde nix, so lange wollten die Menschen nicht warten, also mussten wir aussteigen. Na gut, durch den Wald laufen ist ja auch schön. Aber – herrje! – die „bösen Reiter“ hatten den ganzen Weg kaputt geritten, so dass alles total vermatscht war! Zumindest wird das ja immer behauptet. Ich fand ja nicht, dass das nach Hufspuren aussah…. Jedenfalls war das erste Stück des Weges ziemlich nass und rutschig. Ich musste mich ordentlich konzentrieren! Ich meine: zu hause, so alleine für mich, da komme ich klar wenn es rutschig ist. Auch im Turbogalopp und beim Steigen. Aber mit meinem Mädchen auf dem Rücken muss ich ja viel mehr balancieren! Das war ganz schön harte Arbeit. Und die Pfützen haben überhaupt nicht gut geschmeckt. Ein paar habe ich probiert, dann habe ich es aufgegeben. Eklig war das!
Die Reiter haben den Weg kaputt gemacht! Oder war das etwa jemand anders?
Zum Glück wurde der Weg nach einer Weile besser. Da sind wir dann ein schönes Stück getrabt. Aber plötzlich haben wir ein lautes Geräusch gehört! Das fand ich ein bisschen komisch. Wir sind dann näher ran gegangen, Diego vorne weg und mein Mädchen hat überlegt, ob sie jetzt absteigt oder nicht. Dann ist Diego stehen geblieben – und wenn Diego stehen bleibt, dann ist es wirklich gruselig! Er hat sich das angeschaut und überlegt, ob es gefährlich ist. Mein Mädchen ist derweil abgestiegen. Aber gerade da hat das Geräusch aufgehört! Es gibt ja eben doch nette Menschen und diese zwei, die da mit der Kettensäge im Wald zu Gange waren, die waren sehr nett. Haben ihren Hund ins Auto gesetzt, die Säge aus gemacht und uns vorbei gelassen. Mein Mädchen hat dann darum gebeten, dass sie die Säge wieder anmachen, damit ich mir das noch anschauen kann, nachdem wir vorbei gegangen sind. Und so konnten wir Ponys uns noch überzeugen, dass das genau so eine Säge ist, wie der Mann sie zu hause auch schon benutzt hat. Und ich konnte mich überzeugen, dass es Kekse gibt, wenn man sich das anhört.
Mein Mädchen war zu blöd mir den Keks richtig zu reichen. Na immerhin hab ich ihn noch bekommen!
Also konnten wir unbeschwert weiter reiten! Wir haben uns aber kurz danach erst noch ein Päuschen mit einem Häppchen Gras gegönnt. Dabei haben wir diesen Prachtkerl von Pilz gesehen. Da waren noch mehr so riesige Dinger im Wald, aber dieser war der schönste, weil der auch so schön leuchtet!
Nun ist das in unserem Wald so: es gibt einen kleinen Parkplatz – der ist näher an unserem zu hause. Deswegen parken wir da, wenn wir können. Am anderen Ende des Waldes gibt es einen großen Parkplatz. Wenn auf dem kleinen kein Platz ist, parken wir da. Letztes Mal haben wir auf dem großen Parkplatz geparkt. Und ich hatte kurz vergessen, das wir dieses Mal auf dem kleinen Parkplatz aus der Wackelkiste gestiegen sind. Als wir also nach der Hälfte unseres Ritts zum großen Parkplatz kamen, wollte ich da unbedingt hin. Mein Mädchen meint, ich wäre wohl sehr vergesslich! Aber hätte es nicht sein können, dass die Wackelkiste jetzt da steht? Wenn sie mich nicht nachschauen lässt, kann ich das ja auch nicht raus finden!
Auf dem Rückweg haben wir dann noch ein bisschen „biegen“ geübt. Linksrum kann ich das. Rechtsrum bin ich ein bisschen steif, da will das nicht so klappen. Deswegen haben wir dann gaaaaaaanz oft geübt. Mit Keksen zwischendurch, wenn es mir gut gelungen ist. Bis es besser wurde. Das draußen beim Ausreiten mehr zu üben steht jetzt auf der Agenda, sagt mein Mädchen. Weil ich anscheinend beim traben noch nicht so alles ganz richtig locker lasse und mich dann etwas verspanne.
Dann nochmal über den Matschweg und – juhuuu! – wieder in die Wackelkiste. Schöner Ausflug!
Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen Feiertag, liebe Menschen!
Heute vor 3 Jahren ist Duncan bei mir eingezogen. Unvergesslich, wie mein kleiner Jährling so völlig stressfrei 4 Stunden Anhänger gefahren ist mit Diego neben sich (der nicht gerade schockverliebt war). 4 Stunden in denen er nur gefressen oder gedöst hat. Nicht ein einziges Mal hat er mit dem Kopf geschlagen, gewiehert oder mit dem Huf gescharrt. Bis heute ist das so geblieben: er liebt Anhängerfahren. Viele andere Dinge sind nicht so geblieben. Elsa sagte auf dem Kurs zu mir: „es braucht viel Zeit, ein Pferd wirklich kennen zu lernen. Und da du ein junges Pferd hast, wirst du 27 Pferde kennen lernen müssen.“ Und so fühlt es sich an. Wobei ich hoffe, von den 27 Pferden vielleicht schon 17 geschafft zu haben. Die einzige Konstante mit einem jungen Pferd ist die Veränderung. Heute pubertär, morgen ängstlich, übermorgen mit Wachstumsschmerzen und nächste Woche ein paar Tage lang total erwachsen. Dann unausgelastet, nervig, größenwahnsinnig oder aber müde, abgeschlagen und unsicher. Hoch motiviert, mitzumachen oder hoch motiviert, einen Streit vom Zaun zu brechen, auf der Suche nach Halt und Trost oder auf der Suche nach Grenzen – mal so, mal so. Stimmungen können innerhalb eines Tages wechseln aber auch innerhalb einer Minute. Dann all diese Unbekannten: wovor hat er Angst, wovor nicht? Welche Dinge lernt er schnell, bei welchen dauert es ewig, welche leuchten ihm vielleicht nie ein? Welche Methode ist (im Moment) die richtige und wie lang ist die Konzentrationsspanne heute?
Die drei vergangenen Jahre waren ein heißer Ritt durch Höhen und Tiefen. Und dabei ist Duncan nach wie vor eins der einfachsten Ponys die ich kenne. Finlay war ein viel komplizierterer Charakter – oder kam es mir nur so vor, weil er mein erstes eigenes Jungpferd war? Sicher würde ich heute vieles anders machen und anders sehen. Fest steht, dass Finlay viel mehr Grenzen ausgelotet hat – auch in der Herde und am Zaun, nicht nur mit mir.
Die Achterbahn mit Duncan ist stark abgemildert worden durch unsere wunderbare Herde, die ihn hervorragend erzogen hat und mit seinen Launen und Stimmungen umzugehen weiß. Ob auch die Ponys von Finlay gelernt haben und jetzt besser wissen, wie man so einen kleinen Rotzlöffel groß zieht zu einem anständigen Kerl? Sie sind sich immer sehr einig und ziehen alle 4 perfekt an einem Strang, wenn mein nicht mehr ganz so kleiner Ritter sich daneben benimmt. Und dabei sind wir verletzungsfreie Zone, seit Duncans Eingewöhnung (in der er sich ein paar blutige Bisswunden geholt hat). Die Ponys haben noch nicht mal Kratzer. Wenn Duncan einen Kratzer hat, bin ich gewarnt: Pubertätsschub. Denn ansonsten passiert das hier nicht. Alle Uneinigkeit wird über Drohgebärden geklärt.
Drei Jahre sind eine lange Zeit – und eine kurze Zeit. Gleichzeitig war es eine von Krisen geprägte Zeit. Nicht nur Finlays Tod, sondern bald danach auch Krisen in der Welt, die mich zwar nicht so ganz direkt betreffen aber eben doch da sind und mir Sorgen und Unsicherheit bescheren. Umso mehr brauche ich die Stabilität hier zu hause – und Duncan konnte mir das in den letzten drei Jahren nicht so oft geben.
Jetzt werden die Tage mehr, an denen er das schafft. Ob wir uns gemeinsam auf dem Reitplatz konzentrieren und in fast schon meditativer Stimmung unsere Gymnastik machen oder ob er mich freundlich durchs Gelände trägt und wir einfach genießen, in der Natur unterwegs zu sein: immer öfter kann ich mich auf ihn verlassen. Ich muss nicht mehr ständig alles abklopfen auf potentielle Störungen. Regeln, die schon immer bestehen, stellt er nicht mehr dauernd in Frage. Ja, einen Moment der Ablenkung nutzt er immer noch aus um einen Grashalm zu erhaschen oder das Begleitpferd zu kneifen. Aber das finde ich nicht schlimm, denn es ist nur die Rückmeldung an mich, dass ich nicht ganz bei ihm war. Und es passiert ja nichts wildes.
3 Jahre mit Duncan und ich weiß: da kommen noch weitere 4 Jahre bis mein Pony wirklich ehrlich und vollständig erwachsen ist. Vielleicht habe ich Glück: Finlay war mit 6 Jahren so weit. Aber wissen kann man das eben nie und bei Duncan stehen uns wohl auch noch Testosteronschübe bevor. Wenn ich auf die vergangenen 3 Jahre zurück schaue, bin ich guten Mutes, dass alles rund läuft. Ein paar Pannen, ein paar Streits und die eine oder andere Überraschung kommen bestimmt noch. Aber die drei überstandenen Jahre – so anstrengend sie waren – machen mir auch Mut. Und das, was wir uns in den drei Jahren aufgebaut haben, kann uns keiner mehr nehmen.
Bei Finlay habe ich all die Arbeit in Ausbildung und Erziehung investiert in dem Gedanken, viele, viele Jahre davon zu profitieren. Bei Duncan fühle ich mich anders. Ich versuche, noch mehr das zu genießen was schon da ist. Manchmal packt mich die nackte Angst, dass es wieder morgen vorbei sein kann. Dann mache ich mir klar, dass ich mich entschieden habe, dieses Risiko wieder einzugehen. Dass ich nicht ohne Pony sein möchte, auch wenn ich vielleicht wieder einen harten, viel zu frühen Abschied erlebe. Und dass ich Duncan heute lieben kann, ohne an morgen zu denken. Wieder ist Ambiguitätstoleranz gefragt: ihn heute lieben, ohne an morgen zu denken – aber mich gleichzeitig heute so verhalten, dass morgen ein gutes Ergebnis dabei heraus kommt (auch dann, wenn das heute unbequem ist). Schreibt sich leicht, es zu tun ist eine Herausforderung. Allein, mein Herz wieder wirklich zu öffnen, mich wieder so verletzlich zu machen ist ein großes Risiko und im Gegensatz zu vorher bin ich mir dieses Risikos sehr bewusst. Nach und nach merke ich aber auch, wie sich die Angst etwas abmildert. Weil Duncan bereits 4 Lebensjahre lang bewiesen hat, dass er grundsätzlich gesund und sehr vernünftig ist. Er hat sich selbst nicht verletzt, auch beim wilden Spiel mit entsprechenden Stürzen nicht. Außer einer Kolik war er nie krank (und bei der Kolik weiß ich jetzt auch was ich vorher hätte sehen können). Mehr als das kann ich an Sicherheit nicht erwarten.
So gehen wir jetzt in unser 4. gemeinsames Jahr. Ein Jahr voller Ausritte und Gymnastizierung auf dem Platz. Ich bin gespannt, wie Duncans Energiepegel sich entwickelt, wenn das Wetter jetzt wieder kühler wird. Wird er wieder ungestüm und möchte endlos bewegt werden? Oder ist er insgesamt ruhiger geworden? Beim Ausreiten scheint es mir nun doch so zu sein, dass er sich seine Kräfte besser einteilt. Er hat – wie von mir gewünscht – gelernt, dass man nie so recht weiß, wie lang die Runde wird. Dass es dumm ist, alle Energie am Anfang zu verpulvern. Dass man Führpausen besser nutzt um sich zu erholen anstatt ständig Schabernack zu machen. Aber wer weiß, ob sich das ändert, wenn die Weide wieder zu ist, die Weidewampe etwas schrumpft und die Tage kälter werden. Diesmal habe ich aber bessere Mittel, damit umzugehen, denn ich kann mit ihm in Ruhe durch den Wald traben, bis er sich wieder wohl fühlt. Darauf freue ich mich und wie jedes Jahr bin ich gespannt, was ich nächstes Jahr zu berichten habe.
Duncan am Tag seines EinzugsDuncan dieses Jahr auf dem Kurs bei Elsa (Foto von Jessica Freymark)
Es hat ordentlich geregnet bei uns. Mein Mädchen freut sich, die Bäume freuen sich, die Wiese freut sich. Und wir Ponys sind nass. Das macht aber nix, denn wenn man nass ist, kann man sich so schön panieren und das hebt die Laune ungemein! Die meisten Menschen behaupten, Schimmel seien viel dreckiger als andere Pferde – dabei stimmt das gar nicht! Man sieht den Dreck auf dem weißen Fell nur besser. Aber das ist gar nicht der Grund, weshalb mein Mädchen keinen Schimmel mehr wollte. Sie findet einfach andere Farben schöner, das ist alles. Aber ein gutes Pferd hat niemals die falsche Farbe und ich bin der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke und also ist es vollkommen egal dass ich ein Schimmel bin, sagt mein Mädchen. Und es ist ihr auch vollkommen egal, wenn ich mich paniere. So lange ich rechtzeitig zum satteln wieder trocken bin und das hat gestern gut geklappt. Sie hat also die getrocknete Panade abgebürstet und dann ging es zum Dienstagsausflug. Und was soll ich sagen: mein Ausreitkumpel und ich haben wieder perfekt abgeliefert und unsere Mädchen haben nur so geschwärmt. Wir sind eben einfach die besten Ponys 2.0!
Schöne Panade Dienstagsausflug! Können wir.
Jetzt wird es schon wieder viel früher dunkel, da werden die Touren nicht mehr so weit. Oder aber schneller, das ist ja auch eine Lösung. Na mal sehen was der Herbst so bringt. Jetzt warte ich erstmal ungeduldig auf Sonntag, dann ist bestimmt der nächste Ausflug dran. Ich hab aber schon vernommen, dass mein Mädchen vorher den Mann bestellt nochmal nach meinem Sattel zu schauen. Sie meint nämlich ich wäre vorne doch wahrhaftig schon einen Hauch breiter geworden und da muss vielleicht was neu justiert werden. Na wollen wir mal sehen was der Mann dazu sagt!