Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 281

So, hier kommt er, mein Abenteuerbericht für Euch!

Also am Donnerstag sind Diego und ich in die Wackelkiste geklettert und laaaaaaange gewackelt worden. Wir machen uns da ja nix draus, wir nutzen die Zeit sinnvoll mit Essen und Dösen. Schließlich sind wir auf einem Pferdehof angekommen. Dort haben wir ein Stück Wiese bezogen oder einen Paddock mit etwas Gras – kann man so sehen oder so. Ich hab erst mal den Zaun gecheckt und befunden, dass man da sehr gut den Kopf dran drücken kann um zu sehen ob das Gras auf der anderen Seite vielleicht grüner ist. Aus unerfindlichen Gründen fand mein Mädchen das nicht witzig, so dass sie dann direkt angefangen hat, einen zweiten Zaun etwas weiter innen zu bauen. Und der war bissig, so wie unser Zaun zu hause. Hatte sich was mit grünerem Gras! Was viel blöder war: ich hatte echt keine Chance zu den vielen anderen Pferden zu gehen die da waren. Da war immer ein Gerufe unter den Pferden, der Hengst von gegenüber war sehr aufgeregt (aufgeregter als ich!) und wenn der gewiehert hat, haben andere geantwortet – da hab ich dann auch gleich mal mit gemacht.

Am nächsten Tag zog dann nebenan ein Pferd aus und ein anderes zog ein, da war ich auch ziemlich aufgeregt. Mein Mädchen war schon fertig mit den Nerven, weil ich dauernd so aufgeregt war. Allerdings hat sie dann mal meinen Puls gemessen und mich direkt streng angeschaut. Sie meinte, ein Puls von 40 wäre so verräterisch niedrig, dass ich so aufgeregt gar nicht sein könnte! Es sei wohl mehr Angeberei, dass ich da so viel trabe und trompete, meinte sie.

Am Samstag ging es dann richtig los, da kamen ganz viele Menschen und haben sich direkt vor unserem Paddock ausgebreitet! Da war nämlich der Reitplatz und da haben die alle hin geschaut. Nun war es mir ja egal dass da so viele Menschen sind, aber sie haben mir die Sicht auf die Pferde auf dem Reitplatz versperrt, das war ärgerlich. Wollte doch gucken wer da so kommt und geht! Dann ging der Kurs mit Elsa los. Ich habe mir sagen lassen, das andere Kurse anders ablaufen. Aber auf diesem Kurs war es so, dass Diego und ich die ganze Zeit in unserem Paddock bleiben durften. Und wir durften auch machen was wir wollten. Mein Mädchen hat derweil das Rumstehen geübt. Das könnt ihr Menschen ja nicht so gut! Aber ich soll da auch noch was lernen. Also es ist so: es sieht ja ganz einfach aus, so zusammen herum zu stehen. Aber mein Mädchen hat da nicht so viel Ahnung von und dann steht sie gern mal zur falschen Zeit am falschen Ort oder sie bewegt sich zu schnell oder zu langsam oder überhaupt ganz verkehrt. Und das REGT MICH AUF! Dann maule ich sie an. Elsa meint aber, das wäre ganz kindisch und unerwachsen. Erwachsen und vernünftig wäre, wenn ich deutlich, aber freundlich sage, was mir nicht gefällt, so dass mein Mädchen die Chance hat, es besser zu machen. Und noch erwachsener wäre, wenn ich es schaffe, einfach weg zu gehen, falls sie es dann immer noch falsch machen sollte. Das soll ich jetzt lernen. Und gleichzeitig lerne ich dabei, meine eigenen Gefühle zu regulieren, indem ich auch mal an was anderes denke als an das, was mich grad so aufregt (sei es, dass mein Mädchen falsch steht oder dass da fremde Pferde sind oder was auch immer). Fokuswechsel heißt das.

Normalerweise ist mein Mädchen ja diejenige, die die Verantwortung trägt. Sie bestimmt, was wir machen und meistens mache ich das gern oder ich bekomme einen Keks dafür. Ich hab da schon auch Mitspracherecht aber sie hat das letzte Wort und trifft die Entscheidungen. Manchmal – das ist aber bisher ganz selten passiert – läuft alles schief. Dann sage ich ihr, dass ich ein Problem habe, aber sie hört mich nicht. Und dann mache ich was blödes. Und auch deswegen ist es wichtig, dass ich lerne, es nochmal und nochmal und deutlicher zu sagen wenn ich ein Problem habe. Damit ich nix blödes mehr machen muss, sondern mein Mädchen mich versteht und mir helfen kann. Dafür soll ich toleranter werden und eben besser mit ihr reden. Und damit ich das lerne, sagt sie mir beim Rumsteh-Training GAR NICHTS was ich machen soll. Ich mache das, was ich halt so denke und sie steht mit mir herum. Und an der Art, wie und wo sie so steht oder geht, kann ich erkennen, was sie von dem hält, was ich da so mache. Ich weiß, für euch Menschen ist das schwer zu verstehen, aber für uns Ponys ist das voll normal. Das machen wir 24 Stunden am Tag untereinander und das von Geburt an, da kennen wir uns aus. Ihr Menschen halt nicht und deswegen macht ihr da voll viel falsch.

Mein Mädchen findet das irre schwer. Weil sie eine Fremdsprache lernen muss. Na, ich hab ja auch deine Sprache gelernt mein Mädchen, da musst du dich halt jetzt mal anstrengen!

4 Tage lang ging der Kurs. Am letzten Tag war mein Mädchen schon völlig platt. Als dann mein Nachbar ausgezogen ist und weg gefahren wurde fand ich das richtig blöde und hab mich ordentlich aufgeregt. Ich war nämlich auch etwas übermüdet weil ich nicht so richtig zum schlafen gekommen bin die ganze Zeit. Diego war auch müde. Und so waren wir heil froh als am Mittwoch alles vorbei war und die Menschen uns in die Wackelkiste gebracht haben. Kaum standen wir da drin, sind wir beide im Stehen eingeschlafen. Ich hab die Fahrt einfach geschmeidig verpennt und Diego weitgehend auch. Zu hause musste ich dann den anderen Ponys schnell zeigen, dass ich doch ein bisschen mehr Hengst geworden bin in den Tagen die wir weg waren. Es hat sich aber niemand beeindruckt gezeigt und also hab ich gedacht, ich lasse das mal wieder. Die Jungs hier mögen mich lieber entspannter, das weiß ich ja auch. Und als ich dann erst mal wieder zur Ruhe gekommen war, ging es auch wieder.

Jetzt üben wir das mit dem Rumstehen hier zu hause weiter. Mein Mädchen ist ganz fröhlich, weil sie es so viel besser verstanden hat. Jetzt wartet sie darauf, dass ich erwachsen werde, während sie herum steht. Elsa hat gesagt, das kann dauern. Aber mein Mädchen ist ja so stur, ich glaube es ist ihr egal, wie lange es dauert. Und außerdem können wir ja trotzdem all unsere schönen Abenteuer zusammen erleben – dann entscheidet mein Mädchen und alles ist gut.

Euer erwachsen-werdender Sir Duncan Dhu of Nakel

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