Komfortzone

Da sind wir wieder – in unserer Komfortzone. Und als ich mich auf die Suche machte nach einem passenden Zitat zum Thema musste ich feststellen, dass ich anscheinend nicht normal bin (Überraschung!) oder dass ich da was falsch verstehe. Denn irgendwie läuft es darauf hinaus, dass das Verlassen der eigenen Komfortzone bewirken soll, dass man sich nachher gut fühlt. Aber ich bin nur erschöpft. Vielleicht war ich wirklich zu weit draußen – mindestens zwischenzeitlich war ich definitiv in der Panikzone. Und mit zwischenzeitlich meine ich ungefähr ein Drittel der Zeit.

Aber mal von vorn: Anfang des Jahres habe ich in einem Anfall von Wahnsinn – und weil es ja noch so komfortabel weit weg war – den Kurs bei Elsa Sinclair gebucht. Als aktive Teilnehmerin mit meinem eigenen Pony. Und jetzt war es so weit: Duncan, Diego, Arnulf und ich fuhren 4 Stunden mit dem Anhänger gen Süden um Elsa zu sehen und von ihr zu lernen. Die gute Nachricht ist: wir haben gelernt. Alle meine Fragen wurden beantwortet (was bedeutet, dass mein Kopf in den nächsten Wochen und Monaten einen Haufen neue Fragen generieren wird). Die schlechte Nachricht ist: es war uns viel zu viel. Und jetzt sind wir vollkommen erschöpft. (Die gute Nachricht in der schlechten: ich wusste das vorher und habe genug Zeit zum Auftanken eingeplant bevor der Alltag wieder startet. Dachte ich. Noch eine Woche mehr wäre allerdings besser gewesen ….)

Elsa ist die Pferdefrau, die es wirklich schafft, mich wieder zum kompletten Anfänger zu machen. Und offensichtlich nicht nur mich: viele, die auch schon mehrere ihrer Kurse mit gemacht haben, fallen regelmäßig in Verzweiflung weil sie das Gefühl haben, das nie zu verstehen. Im Grunde ist es ja ganz einfach: geh in Harmonie mit dem was du magst und raus aus der Harmonie wenn du es nicht magst. So weit, so simpel. Und so sagt Elsa immer wieder „ich wundere mich, dass die Leute immer wieder kommen, es ist doch so einfach!“.

Aber ganz so einfach ist es dann eben doch nicht – weil Pferde so unterschiedlich sind und weil uns Anfängern die Erfahrungswerte fehlen. Weil die Zeichen der Pferde anfangs so klein sind und die Fortschritte auch, so dass die Frage „wird es besser oder wird es schelchter?“ irgendwie nicht zu beantworten ist. Elsa macht seit 11 Jahren nichts anderes, ich glaube ihr, dass es dann einfach ist. Ich saß vor 4 Jahren zum ersten Mal auf einem ihrer Kurse und war völlig erschlagen davon, dass ich da gar nichts verstehe. Zwei Tage lang habe ich mich nur gefragt, was sie da tut, warum sie es tut und wozu es führen soll. Immerhin diese Fragen konnte ich klären. Dann kam Duncan und hat komplett anders reagiert als die Pferde in den Kursen und ich wusste nicht weiter. Und so haben wir ihn also eingepackt und mitgenommen. Und das hat sich auch gelohnt, denn all meine „Duncan-spezifischen“ Fragen wurden beantwortet.

Aber es war auch die Hölle, ehrlich gesagt. Als echte „Helikopter-Pony-Mama“ habe ich mir Tag und Nacht Sorgen gemacht, dass mein kleiner Hengst den Zaun überwinden, sich verletzen oder eine Stresskolik bekommen könnte. Auf dem Hof kehrte keine Ruhe ein, was vor allem einem Hengst geschuldet war, der in einem winzigen Paddock in Sichtweite des Reitplatzes wohnte und alle nervös bzw alle Stuten rossig gemacht hat. Immer wenn gerade Ruhe eingekehrt war, fing er an zu schreien (wiehern kann man das eher nicht nennen) und eine Kaskade von Antworten kam zurück – von Duncan, von den Stuten auf der entfernteren Weide und von einigen Pferden dazwischen. So konnten unsere beiden Jungs offensichtlich nicht schlafen – ich bezweifle, dass sie gelegen haben in den 6 Tagen die wir dort waren – und Duncan konnte nicht wirklich zur Ruhe kommen.

Ich persönlich brauche jetzt so schnell keine Abenteuer mehr. Ich freue mich über die Ruhe und den Frieden hier bei uns – als wir zu hause waren habe ich die Fenster aufgemacht um „die Stille rein zu lassen“. Die Stille, die natürlich keine ist, sondern Vogelgezwitscher, Ponyhufe die über den Paddockboden knirschen, raschelnde Blätter und solche schönen Geräusche. Wenn dann – was ja manchmal vorkommt – beim Nachbarn mal ein Pferd geschrien hat (das machen die – glaube ich – wenn sie getrennt werden, zum Glück nicht so oft) – lief es mir eiskalt den Rücken runter. Inzwischen geht es wieder.

Und das nächste Mal, wenn wir unsere Komfortzone verlassen, werde ich sicher stellen, dass wir nur eben den großen Zeh über die Grenze schieben. Damit wir danach auch wirklich glücklich sind.

Duncan hingegen hat das alles schnell weg gesteckt. Ein bisschen pubertär war er die ersten Tage unterwegs, hatte mir und den anderen Ponys gegenüber vergessen was so grundsätzliche Regeln sind – man kann ja mal nachfragen. Als wir am Dienstag wieder mit dem Spaziergehkumpel los gezogen sind, hatte ich als erstes Mal ein Verladeproblem: Duncan wollte nämlich schon in den Anhänger einsteigen bevor ich fertig war mit putzen – ein sicheres Zeichen dass es ihm nicht zu viel war. Und nachdem wir dann einen schönen Ausflug gemacht haben, scheint es jetzt auch mit der Pubertät wieder vorbei zu sein (mal sehen). Und so sehr ich mich selbst überfordert habe, ist es mir doch so herum lieber als anders herum: wenn der Mensch fand, es war ein schönes Abenteuer und das Pferd überfordert ist. Das ist nämlich schwieriger zu reparieren und oft für den betroffenen Menschen auch schwieriger zu erkennen.

Und jetzt freue ich mich auf die Ausreitsaison – ohne Mücken und ohne Hitze und möglichst ohne Abenteuer. Mitten in unserer Komfortzone halt.

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