Scheint bei Euch auch so schön die Sonne? Mein Mädchen ist schon wieder im 7. Himmel. Sooooooo schönes Herbstwetter! Nachdem es ausgiebig geregnet hat, lassen wir uns den Sonnenschein gefallen. Das Laub wird schon bunt und das Licht ist wunderschön. Da muss man einfach einen Ausflug machen! Diesmal wieder mal ein Stück weiter weg in einen unserer Lieblingswälder. Oh da waren wir ja ewig nicht! Aber bevor es los ging hatte mein Mädchen da noch diese Idee…. Weil uns Ponys ja so schnell zu warm wird bei diesem Wetter – wir haben ja schon so viel Pelz! – fand sie, wir sollten wenigstens die Mähne geflochten kriegen. Nun kann ich das ja einfach nicht leiden, wenn man mir am Wallehaar rum fummelt. Und mein Mädchen kann flechten auch nicht so toll leiden, das fällt bei ihr unter die verhasste „Bastel“-Kategorie. Ich hab also gehampelt und sie hat geflucht und geschimpft. Aber am Ende war dann der Zopf doch ganz ok. Nur dass sie eine Strähne vergessen hatte – sie dachte die gehört nach rechts und das bisschen Wallehaar rechts wollte sie nicht flechten. Diese Strähne gehörte aber nach links und hing da jetzt so herum. Na, es ging ja nicht um Schönheit, sondern darum, dass auch die linke Seite meines Halses an der frischen Luft ist und ich besser gekühlt werde. Ob es den Aufwand wert war?
Eine Strähne ist ihr entgangen.
Endlich im Wald angekommen, sind wir dann wieder mal los gezogen um Reitwege-Schilder zu finden. Die stehen da neu und sind jetzt anders als vorher. Manchmal sind auch keine da wo welche sein sollten und an einer Stelle war ein Weg ausgeschildert der in Wirklichkeit irgendwie gar nicht existiert. Kurios! Aber da wo wir lang wollten ist es anscheinend überall erlaubt, also los. Die meiste Zeit waren wir im Schritt unterwegs und ich hab mich auch tempomäßig nicht lumpen lassen. Bin jetzt nicht herum gesaust aber gebummelt hab ich auch nicht. Später sind wir noch ein Stück getrabt, dann eine schöne Graspause. Ich wollte so gern was trinken, aber die Pfützen waren alle eklig.
Schön durch den Wald.
7,7km hatte mein Mädchen geplant aber irgendwie sind es 9,5km geworden. Da war ich am Ende doch einigermaßen müde, muss ich gestehen! In der Pause als sie neben mir her gelaufen ist, war ich dann sehr gemach unterwegs. Mein Mädchen hat gekichert und gesagt, ich hätte sie 2,5 Jahre durch die Gegend geschleift und ihr gesagt dass sie zu langsam ist und jetzt sei endlich ihre Zeit gekommen. Rache ist süß, meinte sie! Aber egal. Ich mag Ausflüge, so oder so. Am Ende, an der allerletzten Kreuzung, wollte ich dann links abbiegen. Da hat mein Mädchen sich schon wieder gefragt, ob ich wirklich so einen schlechten Orientierungssinn habe. Wo die Wackelkiste doch rechts von uns stand! Oder ob es mir einfach egal ist und ich irgendwo hin laufe. Jedenfalls könnte man mir nicht den Heimweg überlassen wenn man sich verlaufen hat, das steht fest! Zum Glück gibt es ja Diego, den Mann und wenn gar nix mehr geht das Smartphone, die wissen immer wo man ist und wo die Wackelkiste steht. Also eigentlich brauche ich mich da nicht drum kümmern.
Schön, schön, schön. Obwohl es anstrengend war.
Diego und ich haben dann die Heimfahrt für ein geschmeidiges Nickerchen genutzt. Es schläft sich ja so fein in der Wackelkiste! Einfach an der Wand anlehnen und wegdösen.
Na toll. Das hab ich jetzt von der Flechterei.Einziger Trost: Diego sieht nicht besser aus….
Das war also unser Sonntag. Jetzt starten wir frohgemut in die neue Woche! Mal schauen was die so bringt.
Ich bin ja nicht so der große Kuschler. In der Regel spare ich mir kraulen und kratzen. Zum Glück ist mein Mädchen auch nicht so der große Putz-Fan, denn wenn sie mit der Bürste kommt, empfinde ich das eher als Zeitverschwendung. Ich will dann lieber schnell los! Aber manchmal finde ich es eben doch gut. Zum Beispiel jetzt im Fellwechsel, da juckt es einfach fies. Und zum Glück versteht mein Mädchen mich ja inzwischen ganz gut. Wenn ich sie so angucke, meine Lippe kurz mal vorstrecke und auffordernd Richtung meinem Hintern schiele, dann weiß sie, das sie mich mal kratzen soll. Macht sie dann auch. Aaaaaaaaah guuuuuuuut!
Bitte einmal Popo kratzen!
Wenn mein Mädchen nicht da ist, schnappe ich mir eben einen Kumpel zum kratzen. Am liebsten Gatsby, der hat die passende Größe und die richtige Kratzmethode.
Ich stelle mich etwas höher dann passt es noch besser mit der Größe.
Trotzdem hoffe ich dass das Gejucke bald wieder ein Ende hat, wenn das meiste Winterfell fertig ist. Dann halte ich lieber wieder meinen komfortablen Individualabstand.
Trab-Trab-Trab der Schweiß läuft mir den Rücken runter, weil ich wieder unterschätzt habe, wie warm die Sicherheitsweste ist. Jedes Mal!
Trab-Trab-Trab für meine Augen wird es schon sehr dämmrig aber die Ponys können natürlich noch prima gucken. Wir finden unseren Rhythmus und ich habe das Gefühl, Duncan entdeckt den Spaß daran. Meine kleine Dampflok läuft – gelegentlich feuere ich ihn etwas an, denn ich will endlich diese Handbremse lösen. Am festesten sitzt die wohl in meinem Kopf ….
Trab-Trab-Trab weiter geht es und weiter. Braucht er eine Pause? Es wirkt nicht so. Sicherlich ist er auch schon gut nass geschwitzt. Hoffentlich überfordere ich ihn nicht. Dann schaltet mein Verstand sich wieder ein: so schnell ist der nicht überfordert.
Trab-Trab-Trab der Wald riecht um diese Jahreszeit noch etwas besser als sonst und es ist wunderbar still. Ich atme und lausche den Ponyhufen.
Trab-Trab-Trab es nicht mehr so weit bis zum Anhänger, hier müssen wir rechts abbiegen. Duncan hat andere Ideen: er würde die Runde auch direkt nochmal laufen wenn ich ihn jetzt die Richtung wählen lassen würde. Dann ist er wohl nicht überfordert – oder er hat einen sehr schlechten Orientierungssinn (nein, nur Spaß. Wenn ICH eine Runde auswendig kann, kennt jedes Pferd sie schon im Schlaf).
Trab-Trab-Trab ich experimentiere mit meinem Sitz. Ellenbogen mehr ran, immer wieder habe ich das Gefühl dass er besser laufen kann, wenn ich meine ewig abstehenden Ellenbogen „einklappe“. Aber mit meinen Beinen stimmt es auch noch nicht. Jahrelang – jahrzehntelang! – hab ich meinen Dressursitz geübt. Der ist glaube ich erträglich. Aber Distanzreiten erfordert andere Sitzfähigkeiten. Oder eher Stehfähigkeiten. Leichttraben mag ich nicht mehr dafür habe ich zu oft gelesen dass es für die Pferde nicht leicht ist. Und ich will ein so einfach wie möglich zu tragender Mensch sein. Ich drücke mit den Füßen gefühlt meine Steigbügel nach unten weg: so fühlt es sich besser an. Scheint Duncan auch zu finden.
Trab-Trab-Trab er läuft einfach weiter. Ich beginne zu ahnen wie es einmal sein wird. Wenn er noch etwas flotter ist im Trab, wird es mit dem Stehen auch leichter, weil mehr Schub von hinten kommt. Noch kann ich mir nicht vorstellen, das stundenlang zu tun – er wohl auch nicht. Zum Glück trainiert man sich ja gemeinsam über die Zeit.
Trab-Trab-Trab ich wünschte ich könnte Euch erzählen – wirklich erzählen – wie schön sich das anfühlt. Die Angst in meinem Kopf hat mich verlassen, es gibt nur noch Duncan und mich im hier und jetzt. Mit kleinen Unterbrechungen weil Duncan es noch viel witziger finden würde, wenn er seinen Ausreitkumpel zwischendurch kneifen könnte. In diesen Momenten zeigt er mir, wie schnell er traben KÖNNTE. Und ich fühle: nach ein bisschen (oder ein bisschen mehr) Training und weiterer Gymnastizierung wird da noch mehr kommen. Langsam fängt mein Kopf an, es zu glauben: er ist ein sicheres Reitpferd. Er rast nicht plötzlich los, er springt nicht zur Seite, er hüpft nicht, er macht überhaupt nichts blödes. Seit ich vor einem halben Jahr angefangen habe ihn zu reiten hat er nicht einmal was blödes gemacht. Die Sorge, dass mein Treiben ihn veranlassen könnte, zu galoppieren und dass das wiederum zum Durchgehen führen könnte wegen Gleichgewichtsverlust, Ärger oder aus Spaß am Rennen, fällt von mir ab. Selbst wenn er jetzt galoppieren sollte würde nichts blödes passieren. Er bietet aber auch gar keinen Galopp an, was mir im Moment noch lieber ist (obwohl ich manchmal denke, dass es vielleicht bald mal so weit ist).
Trab-Trab-Trab „lass uns da vorne bei den Apfelbäumen durchparieren, da können wir absteigen“ sagt meine Freundin. Duncan lässt sich wie immer etwas Zeit mit dem Durchparieren. Eine kleine Dampflok eben – wenn sie erst mal Fahrt aufgenommen hat, hat sie auch etwas Bremsweg. Wir steigen ab und gehen den Rest zu Fuß. Am Anhänger zeigt die App: von den 5,8km die wir geritten sind, sind wir 4,7km getrabt! Das ist mal eine Steigerung (bisher war unser Maximum 2,9km Trab). Und unser Durchschnitt im Trab hat es auf 10,5km/h geschafft. Ok, wie sagt meine Freundin: wenn wir die Runde 5 mal schaffen, ist es ein Distanzritt (wohl gemerkt: ein kleiner „Einführungsritt“ für Anfänger zum Ausprobieren. Nix ernstes. Noch nicht mal eine „Kurzdistanz“). Ich schaue auf die App: was die Strecke angeht hat sie recht, aber unsere Gesamtgeschwindigkeit müssen wir dann schon auch noch einen Tacken erhöhen, wenn wir in der Zeit bleiben wollen. Hätte ich nicht mit Finlay die Erfahrung gemacht, dass das geht, würde mir jetzt das Herz in die Hose rutschen. So weiß ich: das kommt alles.
Und ich glaube, mein Pony entdeckt das gerade für sich, während ich es wieder-entdecke. Er wirkt hoch zufrieden mit sich und der Welt.
Zu hause messe ich Puls: anscheinend hat der Ritter sich wirklich ins Zeug gelegt, denn nach der Anhängerfahrt ist er immer noch bei 52. Der Schweiß in seinem Fell ist aber schon weitgehend trocken, also geht er mit den anderen auf die Weide. Später gehen wir nochmal runter, weil mein Helikopter-Gen wieder anspringt. Wir nehmen das Stethoskop mit und ein paar Apfelstücke. Ich rufe Duncan und er kommt fröhlich angedackelt: er hat allerbeste Laune. Sein Puls (zwischen dem Apfelgekaue nicht ganz so leicht zu hören für mich) liegt zwischen 40 und 42, sein Fell ist trocken. Jetzt kann ich beruhigt ins Bett gehen und vom Traben träumen. Ob er das auch tut?
Im März bin ich die ersten Meter geritten. Am 22.5. sind wir die ersten Meter getrabt. Jetzt, Anfang Oktober, schaue ich zurück und merke: pannenfrei. Wir hatten keinen Streit, es gab keinen Tag an dem er mich nicht aufsteigen lassen wollte und nur einen Tag an dem er mich mal gebeten hat, wieder abzusteigen. Er hat sich nie so verhalten dass ich Angst bekommen hätte (und das ist bei mir ein hoher Anspruch!). Er lässt sich im Gelände lenken und bremsen und hört mir meistens gut zu. Ich kann ihn daran hindern, das Begleitpferd zu kneifen und das förstern hat er sich weitgehend abgewöhnt. Ich würde sagen: das Anreiten ist abgeschlossen. Auf zu neuen Zielen!
Gestern war bei euch Menschen ja Feiertag. Da war also ein Feiertagsausflug angesagt! Ab in den Wald! Vorher war ich beim Sattelcheck. Der Mann meint, das passt alles. Dann die Hufschuhe an, die mein Mädchen ein bisschen überarbeitet hat. Aber die sind trotzdem knapp, meine Füße sind wirklich größer geworden! Die neuen Schuhe sind schon bestellt aber die Lieferung dauert ein bisschen. Bin gespannt! Bis dahin geht es noch so.
So, jetzt darf ich aber endlich einsteigen, oder? Ich liiiiiiiiiiiebe die Wackelkiste! Im Wald haben Diego und ich dann angemerkt, dass wir es auch voll ok finden würden, erst mal noch da drin zu bleiben und das Heu aufzuessen. Aber daraus wurde nix, so lange wollten die Menschen nicht warten, also mussten wir aussteigen. Na gut, durch den Wald laufen ist ja auch schön. Aber – herrje! – die „bösen Reiter“ hatten den ganzen Weg kaputt geritten, so dass alles total vermatscht war! Zumindest wird das ja immer behauptet. Ich fand ja nicht, dass das nach Hufspuren aussah…. Jedenfalls war das erste Stück des Weges ziemlich nass und rutschig. Ich musste mich ordentlich konzentrieren! Ich meine: zu hause, so alleine für mich, da komme ich klar wenn es rutschig ist. Auch im Turbogalopp und beim Steigen. Aber mit meinem Mädchen auf dem Rücken muss ich ja viel mehr balancieren! Das war ganz schön harte Arbeit. Und die Pfützen haben überhaupt nicht gut geschmeckt. Ein paar habe ich probiert, dann habe ich es aufgegeben. Eklig war das!
Die Reiter haben den Weg kaputt gemacht! Oder war das etwa jemand anders?
Zum Glück wurde der Weg nach einer Weile besser. Da sind wir dann ein schönes Stück getrabt. Aber plötzlich haben wir ein lautes Geräusch gehört! Das fand ich ein bisschen komisch. Wir sind dann näher ran gegangen, Diego vorne weg und mein Mädchen hat überlegt, ob sie jetzt absteigt oder nicht. Dann ist Diego stehen geblieben – und wenn Diego stehen bleibt, dann ist es wirklich gruselig! Er hat sich das angeschaut und überlegt, ob es gefährlich ist. Mein Mädchen ist derweil abgestiegen. Aber gerade da hat das Geräusch aufgehört! Es gibt ja eben doch nette Menschen und diese zwei, die da mit der Kettensäge im Wald zu Gange waren, die waren sehr nett. Haben ihren Hund ins Auto gesetzt, die Säge aus gemacht und uns vorbei gelassen. Mein Mädchen hat dann darum gebeten, dass sie die Säge wieder anmachen, damit ich mir das noch anschauen kann, nachdem wir vorbei gegangen sind. Und so konnten wir Ponys uns noch überzeugen, dass das genau so eine Säge ist, wie der Mann sie zu hause auch schon benutzt hat. Und ich konnte mich überzeugen, dass es Kekse gibt, wenn man sich das anhört.
Mein Mädchen war zu blöd mir den Keks richtig zu reichen. Na immerhin hab ich ihn noch bekommen!
Also konnten wir unbeschwert weiter reiten! Wir haben uns aber kurz danach erst noch ein Päuschen mit einem Häppchen Gras gegönnt. Dabei haben wir diesen Prachtkerl von Pilz gesehen. Da waren noch mehr so riesige Dinger im Wald, aber dieser war der schönste, weil der auch so schön leuchtet!
Nun ist das in unserem Wald so: es gibt einen kleinen Parkplatz – der ist näher an unserem zu hause. Deswegen parken wir da, wenn wir können. Am anderen Ende des Waldes gibt es einen großen Parkplatz. Wenn auf dem kleinen kein Platz ist, parken wir da. Letztes Mal haben wir auf dem großen Parkplatz geparkt. Und ich hatte kurz vergessen, das wir dieses Mal auf dem kleinen Parkplatz aus der Wackelkiste gestiegen sind. Als wir also nach der Hälfte unseres Ritts zum großen Parkplatz kamen, wollte ich da unbedingt hin. Mein Mädchen meint, ich wäre wohl sehr vergesslich! Aber hätte es nicht sein können, dass die Wackelkiste jetzt da steht? Wenn sie mich nicht nachschauen lässt, kann ich das ja auch nicht raus finden!
Auf dem Rückweg haben wir dann noch ein bisschen „biegen“ geübt. Linksrum kann ich das. Rechtsrum bin ich ein bisschen steif, da will das nicht so klappen. Deswegen haben wir dann gaaaaaaanz oft geübt. Mit Keksen zwischendurch, wenn es mir gut gelungen ist. Bis es besser wurde. Das draußen beim Ausreiten mehr zu üben steht jetzt auf der Agenda, sagt mein Mädchen. Weil ich anscheinend beim traben noch nicht so alles ganz richtig locker lasse und mich dann etwas verspanne.
Dann nochmal über den Matschweg und – juhuuu! – wieder in die Wackelkiste. Schöner Ausflug!
Ich hoffe, ihr hattet alle einen schönen Feiertag, liebe Menschen!
Heute vor 3 Jahren ist Duncan bei mir eingezogen. Unvergesslich, wie mein kleiner Jährling so völlig stressfrei 4 Stunden Anhänger gefahren ist mit Diego neben sich (der nicht gerade schockverliebt war). 4 Stunden in denen er nur gefressen oder gedöst hat. Nicht ein einziges Mal hat er mit dem Kopf geschlagen, gewiehert oder mit dem Huf gescharrt. Bis heute ist das so geblieben: er liebt Anhängerfahren. Viele andere Dinge sind nicht so geblieben. Elsa sagte auf dem Kurs zu mir: „es braucht viel Zeit, ein Pferd wirklich kennen zu lernen. Und da du ein junges Pferd hast, wirst du 27 Pferde kennen lernen müssen.“ Und so fühlt es sich an. Wobei ich hoffe, von den 27 Pferden vielleicht schon 17 geschafft zu haben. Die einzige Konstante mit einem jungen Pferd ist die Veränderung. Heute pubertär, morgen ängstlich, übermorgen mit Wachstumsschmerzen und nächste Woche ein paar Tage lang total erwachsen. Dann unausgelastet, nervig, größenwahnsinnig oder aber müde, abgeschlagen und unsicher. Hoch motiviert, mitzumachen oder hoch motiviert, einen Streit vom Zaun zu brechen, auf der Suche nach Halt und Trost oder auf der Suche nach Grenzen – mal so, mal so. Stimmungen können innerhalb eines Tages wechseln aber auch innerhalb einer Minute. Dann all diese Unbekannten: wovor hat er Angst, wovor nicht? Welche Dinge lernt er schnell, bei welchen dauert es ewig, welche leuchten ihm vielleicht nie ein? Welche Methode ist (im Moment) die richtige und wie lang ist die Konzentrationsspanne heute?
Die drei vergangenen Jahre waren ein heißer Ritt durch Höhen und Tiefen. Und dabei ist Duncan nach wie vor eins der einfachsten Ponys die ich kenne. Finlay war ein viel komplizierterer Charakter – oder kam es mir nur so vor, weil er mein erstes eigenes Jungpferd war? Sicher würde ich heute vieles anders machen und anders sehen. Fest steht, dass Finlay viel mehr Grenzen ausgelotet hat – auch in der Herde und am Zaun, nicht nur mit mir.
Die Achterbahn mit Duncan ist stark abgemildert worden durch unsere wunderbare Herde, die ihn hervorragend erzogen hat und mit seinen Launen und Stimmungen umzugehen weiß. Ob auch die Ponys von Finlay gelernt haben und jetzt besser wissen, wie man so einen kleinen Rotzlöffel groß zieht zu einem anständigen Kerl? Sie sind sich immer sehr einig und ziehen alle 4 perfekt an einem Strang, wenn mein nicht mehr ganz so kleiner Ritter sich daneben benimmt. Und dabei sind wir verletzungsfreie Zone, seit Duncans Eingewöhnung (in der er sich ein paar blutige Bisswunden geholt hat). Die Ponys haben noch nicht mal Kratzer. Wenn Duncan einen Kratzer hat, bin ich gewarnt: Pubertätsschub. Denn ansonsten passiert das hier nicht. Alle Uneinigkeit wird über Drohgebärden geklärt.
Drei Jahre sind eine lange Zeit – und eine kurze Zeit. Gleichzeitig war es eine von Krisen geprägte Zeit. Nicht nur Finlays Tod, sondern bald danach auch Krisen in der Welt, die mich zwar nicht so ganz direkt betreffen aber eben doch da sind und mir Sorgen und Unsicherheit bescheren. Umso mehr brauche ich die Stabilität hier zu hause – und Duncan konnte mir das in den letzten drei Jahren nicht so oft geben.
Jetzt werden die Tage mehr, an denen er das schafft. Ob wir uns gemeinsam auf dem Reitplatz konzentrieren und in fast schon meditativer Stimmung unsere Gymnastik machen oder ob er mich freundlich durchs Gelände trägt und wir einfach genießen, in der Natur unterwegs zu sein: immer öfter kann ich mich auf ihn verlassen. Ich muss nicht mehr ständig alles abklopfen auf potentielle Störungen. Regeln, die schon immer bestehen, stellt er nicht mehr dauernd in Frage. Ja, einen Moment der Ablenkung nutzt er immer noch aus um einen Grashalm zu erhaschen oder das Begleitpferd zu kneifen. Aber das finde ich nicht schlimm, denn es ist nur die Rückmeldung an mich, dass ich nicht ganz bei ihm war. Und es passiert ja nichts wildes.
3 Jahre mit Duncan und ich weiß: da kommen noch weitere 4 Jahre bis mein Pony wirklich ehrlich und vollständig erwachsen ist. Vielleicht habe ich Glück: Finlay war mit 6 Jahren so weit. Aber wissen kann man das eben nie und bei Duncan stehen uns wohl auch noch Testosteronschübe bevor. Wenn ich auf die vergangenen 3 Jahre zurück schaue, bin ich guten Mutes, dass alles rund läuft. Ein paar Pannen, ein paar Streits und die eine oder andere Überraschung kommen bestimmt noch. Aber die drei überstandenen Jahre – so anstrengend sie waren – machen mir auch Mut. Und das, was wir uns in den drei Jahren aufgebaut haben, kann uns keiner mehr nehmen.
Bei Finlay habe ich all die Arbeit in Ausbildung und Erziehung investiert in dem Gedanken, viele, viele Jahre davon zu profitieren. Bei Duncan fühle ich mich anders. Ich versuche, noch mehr das zu genießen was schon da ist. Manchmal packt mich die nackte Angst, dass es wieder morgen vorbei sein kann. Dann mache ich mir klar, dass ich mich entschieden habe, dieses Risiko wieder einzugehen. Dass ich nicht ohne Pony sein möchte, auch wenn ich vielleicht wieder einen harten, viel zu frühen Abschied erlebe. Und dass ich Duncan heute lieben kann, ohne an morgen zu denken. Wieder ist Ambiguitätstoleranz gefragt: ihn heute lieben, ohne an morgen zu denken – aber mich gleichzeitig heute so verhalten, dass morgen ein gutes Ergebnis dabei heraus kommt (auch dann, wenn das heute unbequem ist). Schreibt sich leicht, es zu tun ist eine Herausforderung. Allein, mein Herz wieder wirklich zu öffnen, mich wieder so verletzlich zu machen ist ein großes Risiko und im Gegensatz zu vorher bin ich mir dieses Risikos sehr bewusst. Nach und nach merke ich aber auch, wie sich die Angst etwas abmildert. Weil Duncan bereits 4 Lebensjahre lang bewiesen hat, dass er grundsätzlich gesund und sehr vernünftig ist. Er hat sich selbst nicht verletzt, auch beim wilden Spiel mit entsprechenden Stürzen nicht. Außer einer Kolik war er nie krank (und bei der Kolik weiß ich jetzt auch was ich vorher hätte sehen können). Mehr als das kann ich an Sicherheit nicht erwarten.
So gehen wir jetzt in unser 4. gemeinsames Jahr. Ein Jahr voller Ausritte und Gymnastizierung auf dem Platz. Ich bin gespannt, wie Duncans Energiepegel sich entwickelt, wenn das Wetter jetzt wieder kühler wird. Wird er wieder ungestüm und möchte endlos bewegt werden? Oder ist er insgesamt ruhiger geworden? Beim Ausreiten scheint es mir nun doch so zu sein, dass er sich seine Kräfte besser einteilt. Er hat – wie von mir gewünscht – gelernt, dass man nie so recht weiß, wie lang die Runde wird. Dass es dumm ist, alle Energie am Anfang zu verpulvern. Dass man Führpausen besser nutzt um sich zu erholen anstatt ständig Schabernack zu machen. Aber wer weiß, ob sich das ändert, wenn die Weide wieder zu ist, die Weidewampe etwas schrumpft und die Tage kälter werden. Diesmal habe ich aber bessere Mittel, damit umzugehen, denn ich kann mit ihm in Ruhe durch den Wald traben, bis er sich wieder wohl fühlt. Darauf freue ich mich und wie jedes Jahr bin ich gespannt, was ich nächstes Jahr zu berichten habe.
Duncan am Tag seines EinzugsDuncan dieses Jahr auf dem Kurs bei Elsa (Foto von Jessica Freymark)
Es hat ordentlich geregnet bei uns. Mein Mädchen freut sich, die Bäume freuen sich, die Wiese freut sich. Und wir Ponys sind nass. Das macht aber nix, denn wenn man nass ist, kann man sich so schön panieren und das hebt die Laune ungemein! Die meisten Menschen behaupten, Schimmel seien viel dreckiger als andere Pferde – dabei stimmt das gar nicht! Man sieht den Dreck auf dem weißen Fell nur besser. Aber das ist gar nicht der Grund, weshalb mein Mädchen keinen Schimmel mehr wollte. Sie findet einfach andere Farben schöner, das ist alles. Aber ein gutes Pferd hat niemals die falsche Farbe und ich bin der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke und also ist es vollkommen egal dass ich ein Schimmel bin, sagt mein Mädchen. Und es ist ihr auch vollkommen egal, wenn ich mich paniere. So lange ich rechtzeitig zum satteln wieder trocken bin und das hat gestern gut geklappt. Sie hat also die getrocknete Panade abgebürstet und dann ging es zum Dienstagsausflug. Und was soll ich sagen: mein Ausreitkumpel und ich haben wieder perfekt abgeliefert und unsere Mädchen haben nur so geschwärmt. Wir sind eben einfach die besten Ponys 2.0!
Schöne Panade Dienstagsausflug! Können wir.
Jetzt wird es schon wieder viel früher dunkel, da werden die Touren nicht mehr so weit. Oder aber schneller, das ist ja auch eine Lösung. Na mal sehen was der Herbst so bringt. Jetzt warte ich erstmal ungeduldig auf Sonntag, dann ist bestimmt der nächste Ausflug dran. Ich hab aber schon vernommen, dass mein Mädchen vorher den Mann bestellt nochmal nach meinem Sattel zu schauen. Sie meint nämlich ich wäre vorne doch wahrhaftig schon einen Hauch breiter geworden und da muss vielleicht was neu justiert werden. Na wollen wir mal sehen was der Mann dazu sagt!
Mein Mädchen sagt ja immer, ich soll wachsen. Mit der Höhe ist sie schon recht zufrieden, jetzt soll es bitte in die Breite gehen. Wenn ich dann aber wachse, dann bin ich nicht so gut drauf und in meiner Hüfte macht es oft laut „plopp“ und ich bin krumm und schief und überhaupt. Das findet mein Mädchen dann wiederum blöd – und ich im übrigen auch. Dann muss der Haus- und Hof-Osteopath ran und ich bekomme Dehnübungen und Massagen.
So nun habe ich also wieder einen Wachstumsschub dieser Art hinter mir und finde, ich bin ganz schön in die Breite gewachsen. Aber ihr kennt ja mein Mädchen! Sie ist nie zufrieden. Nie! Jetzt sagt sie doch wieder, ich hätte ja die vordere Hälfte vergessen! So wie damals, als ich hinten höher war als vorne. Nur dass ich jetzt diesmal hinten nicht höher bin als vorne, sondern breiter. Mein Mädchen sagt, ich sehe aus wie ein Dreieck! Also ehrlich. Lass mir doch ein bisschen Zeit, ich kann auch nicht alles auf einmal erledigen! Das kommt schon alles noch. Aber was soll ich euch sagen: diesmal komme ich nicht mit Massage und Dehnübungen davon. Diesmal ist Sport angesagt! Damit meine Brust breiter und kräftiger wird, soll ich jetzt ganz viel seitwärts üben. Meistens geht mein Mädchen dabei neben mir her, aber manchmal üben wir es auch beim reiten. Schön die Beine spreizen und kreuzen und spreizen und kreuzen, das macht angeblich eine kräftige Brust und also vorne breiter. Ich weiß nicht, Mädchen, hat das nicht eher was mit Futter zu tun? Aber wenn ich das anmerke, schaut sie auf meinen Bauch, murmelt was von „Weidewampe“ und sagt „nein, Muskeln bekommt man nicht vom essen, sondern vom trainieren“. Menno. Wenigstens gibt es viele Kekse für das Seitwärts-Gelaufe also hat es doch irgendwie was mit essen zu tun. Und ein paar Dehn- und Lockerungsübungen gibt es dann auch doch noch.
Gestern war auch wieder so ein Programm dran. Ausreiten ist nämlich ausgefallen, weil der Mann nicht da war – der hat einen Kurs gegeben und anderen Menschen was über Pferdehufe erzählt. Meine Hufe hat mein Mädchen auch wieder schick gemacht, ich hab kaum noch in meine Schuhe gepasst. Anscheinend sind meine Füße aber auch insgesamt nochmal größer geworden sagt sie. Also bitte, ich wachse doch! Was sie immer hat. Und natürlich werde ich auch vorne noch in die Breite wachsen. Nur damit mein Mädchen zufrieden ist.
Das mit der Balance ist nicht so einfach, sage ich euch! Mein Mädchen sagt das üben wir jetzt gemeinsam. Na so lange die Keksrate stimmt…..
Ich bin euch ja noch den Bericht von unserem Dienstagsausflug schuldig. Ach das war wieder großartig! Bei allerfeinstem Herbstwetter haben wir meinen Ausreitkumpel abgeholt (wir sind ja solche Profis, dass unsere Mädchen da immer schon völlig ausflippen. Ich steh brav in der Wackelkiste während er brav zusteigt. Wir versuchen jetzt auch nicht mehr, uns während der Fahrt gegenseitig am Halfter zu packen. Zugegebenermaßen geht das auch nicht mehr, weil mein Mädchen zwischen unseren Köpfen ein Heunetz installiert hat, so dass wir uns gar nicht richtig sehen können und schon gar nicht anfangen zu spielen. Weil die Mädchen finden, auf der Wackelkiste spielt man nicht…. )
Dann sind wir wieder ins schöne Moor gefahren. Nun sind da ja die Kühe, wie ihr wisst. Aber diesmal war ich verdammt mutig und bin da dran vorbei marschiert wie ein großer. Mein Mädchen war auch mutig, ist auf meinem Rücken sitzen geblieben, hat die Zügel schön lang gelassen und mir gut zugeredet. Unsere beiden Mädchen haben den Kühen dann Namen gegeben, damit sie freundlicher wirken. Eine Kuh ist ein Stück vor uns her gegangen, bis wir sie überholt haben, eine hat mit dem Kopf durch den Zaun Gras gefressen (das kann ich verstehen, Gras ist IMMER auf der anderen Seite des Zauns grüner!) und zum Glück hat keine gemuht und keine ist schnell gelaufen. Als wir das geschafft hatten, gab es erst mal eine kleine Graspause. Dann sind wir sind noch ein gutes Stück getrabt. Mein Ausreitkumpel vorne weg. Der hat lustige Ideen! Der sucht sich immer was zum erschrecken und tut so als würde er sich doll fürchten. Dann macht er einen riesigen Satz zur Seite und trabt anschließend weiter als wäre nix gewesen. Eine Bank – hüpf!- , ein Schaf – hüpf! – , ein Steinhaufen – hüpf! Mein Mädchen musste lachen, weil das so lustig aussah. Das Mädchen vom Ausreitkumpel musste auch lachen, weil das so eine bescheuerte Marotte ist. Aber sie sagt, mein Ausreitkumpel sorgt immer dafür, dass sie nicht das Gleichgewicht verliert und also ist alles ok. Ich bin lieber einfach geradeaus gelaufen. Hab mich konzentriert, ein gleichmäßiges Tempo zu halten obwohl der Boden da sehr wellig ist. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir und ich hab mich gut eingegroovt in die Traberei. Nicht schnell, aber stetig. Wie ein kleines Uhrwerk.
Weil ich schon auf Winterfell umrüste, hab ich allerdings ordentlich geschwitzt. Mein Mädchen meint, sie muss mir wohl doch wenigstens die Mähne weg flechten, damit mein Hals besser gekühlt wird. Irgendwie hab ich mehr Fell und/oder mehr innere Hitze als mein großer Bruder im Himmel, der hat nie so doll geschwitzt, sagt mein Mädchen. Ich hab halt Feuer!
Mein Mädchen guckt Sonnenuntergang…… während ich was schmause.
Später ist mein Mädchen noch ein Stück zu Fuß gegangen, damit ich mich erholen kann. Ich war allerbest gelaunt und sehr artig. Und mein Mädchen hat dem Mädchen von meinem Ausreitkumpel endlos erzählt, wie toll ich bin und was ich alles feines gelernt habe. Zum Beispiel kann ich jetzt gleichmäßig traben und ich muss auch nicht mehr ständig nach meinem Ausreitkumpel haschen sondern kann gesittet neben ihm her laufen. Und ich halte meinen Kopf besser und stolpere weniger. Ich weiß, was ein treibender Schenkel bedeutet und kann auch die Zügelhilfe für „Kopf etwas höher“ jetzt gut erkennen und umsetzen. Außerdem bin ich total artig, gar nicht pubertär (im Moment) und sehr vertrauenswürdig, weil ich nie Quatsch mache. Und ich förstere fast gar nicht mehr unterwegs. Überhaupt bin ich der beste Schotte diesseits der Regenbogenbrücke. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat immer freundlich genickt. Aber ob sie die Lobeshymnen wirklich noch hören kann? Keine Ahnung, eine Wahl hat sie ja nicht. Zwischendurch hat sie dann aber auch vom Ausreitkumpel geschwärmt, der auch soooooo erwachsen geworden ist. Im Endeffekt waren beide Mädchen ganz selig und glücklich, weil wir endlich richtig ausreiten können nach all dem Spazierengehen der letzten 3 Jahre (ja, so lang bin ich schon bei meinem Mädchen!). Dann haben sie große Pläne für nächsten Herbst geschmiedet, auf die wir jetzt hin trainieren. Wir Ponys waren auch glücklich, weil wir so schön unterwegs waren und weil wir die Lobeshymnen natürlich gar nicht oft genug hören können. Also schon wieder ein sehr gelungener Ausflug!
„Gurtest Du nochmal für mich nach, bitte?“ Ich grinse. Meine jüngste Reitschülerin (12) hat kapiert, wie es sich mit mir gut leben lässt. Anfangs hat sie immer wieder Sätze versucht wie „kannst du mal nachgurten?“ und hat immer die selbe Antwort bekommen: „ich kann, und wenn du mich freundlich bittest, mache ich es sogar“. Inzwischen hat sie sich das „bitte“ und „danke“ nachhaltig angewöhnt. Manchmal grinst sie auch schelmisch dabei, es ist so ein kleines Spiel zwischen uns.
Während ich für sie nachgurte, denke ich an Pferde-Ausbilder wie Elsa Sinclair, Warwick Schiller oder die Reitmeister der Hofreitschule in Bückeburg (um nur die zu nennen die mich im Moment besonders beeinflussen). Die Ausbilder, die mit möglichst wenig Druck und Dominanz arbeiten, sind die mit den höchsten Ansprüchen. Elsa steht da natürlich ganz oben auf der Liste, denn sie ist niemals dominant. Und sie hat – in meinen Augen – den höchsten Anspruch an das Pferd. Das klingt paradox, ist aber eigentlich logisch. Mit „Anspruch“ meine ich jetzt keinen Leistungsanspruch. Wer will, dass sein Pferd hoch springt, Kühe hütet oder ein Distanzrennen gewinnt, der muss halt trainieren. Mit „Anspruch“ meine ich einerseits den Anspruch an den Menschen – wer mit wenig Druck arbeiten möchte, braucht perfektes Timing, einen guten Plan, wie er das gewünschte Ergebnis bekommt und unter Umständen anfangs mehr Zeit (später, so nehme ich es jedenfalls wahr, sind diese Trainer dann viel schneller am Ziel). Aber da ist auch ein hoher Anspruch an das Pferd, auf kleinste Signale sehr akkurat zu reagieren, sich gut zu konzentrieren, die eigenen Gefühle gut regulieren zu können. So sehr es Menschen ehrt, wenn sie die Schuld immer nur bei sich suchen und nie beim Pferd: Es gehören zwei dazu und das Pferd muss seinen Beitrag leisten zu einer gelungenen Beziehung. Und während ich in jeder anderen Trainingsform den Ball wieder zurück spielen kann und sage: der Mensch ist dafür verantwortlich das Pferd zu motivieren und ihm das beizubringen, ist das im Freedom Based Training nicht so einfach. Denn dort tut das Pferd was es tut und ich kommentiere als Mensch nur. Mein Einfluss ist klein und je nachdem wie mein Pferd von Natur aus gestrickt ist oder was es an vergangenen Erfahrungen mitbringt, kann es sein, dass es lange dauert, bis das Pferd sich wirklich für meine Meinung interessiert. Noch mehr Zeit geht dann ins Land, bis das Pferd wirklich so „erwachsen“ geworden ist, dass es ein angenehmer Zeitgenosse für alle anderen ist. Elsa hat mir klar gezeigt, wie hoch der Anspruch auf dieser Ebene sein kann. Und sie hat immer wieder bewiesen, wie dieser hohe Anspruch dazu führt, dass das „langsamste Pferdetraining der Welt“ in kurzer Zeit Ergebnisse bringt – wenn auch nicht die, um die es im normalen Pferdetraining geht (für die braucht es viel mehr Zeit). Und während das Pferd durch diese Art des „Trainings“ lernt, seine Gefühle zu regulieren, kann der Mensch das gleich mit üben. Denn so einfach ist das nicht, wie es erst mal klingt. Es erfordert Konzentration und Geduld, Frustrationstoleranz und Kreativität, genaue Beobachtung und viele, viele Wiederholungen. All das, was man im „normalen“ Pferdetraining übrigens auch braucht. Und von all dem braucht man als Mensch eben umso mehr, je weniger Druck man aufs Pferd ausüben möchte. Kurz mal drauf hauen damit „der Bock“ schneller läuft kann jeder.
Meine kleine Schülerin hat in dieser ganz einfachen Situation natürlich schnell verstanden, worum es mir geht. Sicher bin ich nicht die erste, die es netter findet, wenn sie „bitte“ und „danke“ sagt und ich war in der Situation ziemlich dominant: wenn du deine Bitte nicht so formulierst wie es mir gefällt, tu ich gar nichts. Da bin ich als Reitlehrerin am längeren Hebel, denn sie will ja reiten und mit losem Gurt ist das gar nicht so witzig. Dennoch haben wir nicht gestritten oder gekämpft, sondern uns freundlich angegrinst und ein lustiges Spiel daraus gemacht. Anfangs hatte sie dann immer interessante Tonfälle „würdest Du bitte für mich nachgurten“ kann man ja auf sehr verschiedene Arten aussprechen. Wir haben uns köstlich amüsiert dabei und ich habe mir entsprechende Antworten einfallen lassen „aber gerne doch, gnädige Dame“. Inzwischen ist die höfliche Formulierung normal geworden und hat keine komischen Betonungen mehr.
Witziger weise beobachte ich ähnliches bei Duncan. Anfangs erlernte und teilweise extrem übertriebene Höflichkeitsgesten wie das Wegschauen wenn man einen Keks möchte, haben sich langsam in ein gutes, freundliches Alltagsverhalten gewandelt. Am Dienstag, als wir am Ende des Ausritts ein Stück nebeneinander gegangen sind, kam seine Nase zu mir: schelmischer Gesichtsausdruck, aber geschlossenes Maul. Dann streckte er die Oberlippe vor und ich glaube er flüsterte „ich könnte dich jetzt kneifen, soll ich?“. Ich musste lachen. Was für eine süße Spielaufforderung! Vor gut einem Jahr hatte ich diesen Artikel geschrieben über „Wasti oder die Kunst mit einem Krokodil spazieren zu gehen„. Da sah das noch ganz anders aus! Auch meine Freundin war beeindruckt von seiner neuen Verhaltensidee, sie erinnert sich nur allzu gut, wie der Ritter immer mit weit aufgerissenem Maul auf mich zusteuerte (nicht, dass er mich jemals ernsthaft gebissen hätte, keine Sorge. In aller Regel hat er mich noch nicht mal berührt, denn es war nur eine Spiel-Aufforderung). „Ich könnte dich beißen, einfach so, weil ich Lust dazu habe“ war damals die Bildunterschrift. Und ich verstehe: Weil ich es nicht bestraft habe – außer in den Fällen in denen seine Zähne mich dann doch berührt haben – ist das Verhalten nicht weg, aber es hat sich verändert. Er ist höflicher und freundlicher geworden, ohne seinen Charakter aufzugeben. Und wisst ihr was: das macht mich verdammt stolz, denn so hab ich mir das gewünscht.
Sonntag. Erst mal ausschlafen! So eine ganze Nacht auf der Weide ist ja auch echt anstrengend.
erst mal schön ausschlafen
Nach dem schönen Nickerchen ein Heusnack zur Stärkung. Und dann ab in den Wald! Ach, was war das wieder schön. Wie wir gerade so 10 Minuten unterwegs waren, hab ich hinter uns was gehört. Habe ich meinem Mädchen nach oben gefunkt. Die ist ja schon viel besser geworden darin, meine kleinen Signale zu lesen. Erst war sie nicht sicher, worum es geht, aber dann hat sie verstanden und sich umgedreht. Da war ein Auto hinter uns, mitten im Wald! Was auch immer es da wollte. Na wir haben es dann vorbei gelassen. Etwas später habe ich wieder nach oben gefunkt, das was nicht stimmt. Da hatte sich ein Zweig in meinem rückwärtigen Wallehaar verfangen und schliff hinter mir her über den Boden. Mein Mädchen hat dem Mann bescheid gesagt und wir haben alle angehalten. Der Mann hat sich dann sportlich vom viel zu großen Diego runter gebeugt und nach meinem Schweif geangelt und gemeinsam haben wir dann den Zweig da raus bekommen ohne dass jemand absteigen musste. Ach da war mein Mädchen wieder stolz auf mich! Weil sie sich erinnert hat, dass ich es letztes Jahr noch gruselig fand, wenn sie Zweige hinter mir her geschliffen hat. Und jetzt macht mir das nix mehr. Ich war auch ein bisschen stolz auf sie, weil sie mich so gut versteht.
Diego ist immer flott unterwegs. Kein Wunder bei den langen Beinen!
Weiter ging die Reise mit einem guten Stück Trab. Diego hat da so einen Zahn drauf! Schwupps, war er um die nächste Kurve außer Sicht! Ich hab wieder nach oben gefunkt: Mädchen, wenn ich jetzt galoppieren würde, könnten wir die ratzfatz einholen! Aber mein Mädchen meinte, das lassen wir lieber noch mit dem galoppieren. Also bin ich nur flotter getrabt. Hinter der Kurve hat Diego netterweise auf uns gewartet.
Ich finde, der Weg müsste mal wieder frei-geförstert werden. Ich würde das freiwillig übernehmen, wenn man mich denn lassen würde!
Noch etwas weiter, als wir auf dem schönen grünen Weg unterwegs waren – und uns schon gewundert hatten, warum der bloß so zugewachsen ist, seit wir das letzte mal dort waren – versperrte uns plötzlich ein umgestürzter Baum den Weg. Ist ja nicht so schlimm, wir Ponys sind ja geländegängig mit Allhufantrieb. Allerdings war da ein Graben zu überwinden – bestimmt 40 oder 50cm tief. Mein Mädchen war am überlegen: ob ich das mit ihr oben drauf schaffe? Sie meinte dann, wir könnten das ja mal versuchen. Ok! Ich also mit den Vorderhufen runter in den Graben. Dann war ich vorne so tief, dass das Gras auf der anderen Seite meinem Maul verdächtig nah war. Mein Mädchen meinte, ich soll nicht essen, sondern versuchen, da rüber zu kommen. Ich war aber nicht sicher wie das funktionieren soll und sie war nicht sicher ob ich das schaffe. Und also ist sie abgestiegen – oder sollte ich sagen abgefallen? Weil das nicht sooooo elegant war, weil ich ja vorne so viel tiefer war als hinten! Wir sind dann halt zu Fuß durch den Graben, um den Baum rum und durch den Graben auf der anderen Seite wieder auf den Weg. Diego konnte das natürlich alles ohne dass der Mann absteigen musste aber der ist ja auch viel größer und hat viel mehr Übung als ich. Mein Mädchen fand trotzdem dass ich das gut gemacht hab.
Da ist kein Durchkommen!
Ach es war ein wunderbarer Ausflug. Nachher waren wir alle ganz zufrieden. Mein Mädchen sagt, dreckige Hufschuhe sind ein eindeutiges Zeichen für einen gelungenen Ausritt und ich finde da hat sie recht. Ich war auch voll artig die ganze Zeit, habe Diego nur einmal gebissen (als mein Mädchen anderweitig beschäftigt war mit einem tief hängenden Zweig – man muss ja seine Chancen nutzen!) und die meiste Zeit habe ich auch nicht versucht, allzu viel zu förstern (obwohl es wirklich nötig gewesen wäre auf dem zugewachsenen Weg!). Und als sie zu Fuß neben mir her gelaufen ist war ich auch ganz furchtbar anständig unterwegs. Wie ein kleiner Streber hab ich das gemacht, sagt mein Mädchen.
Jetzt verbummeln wir den Rest vom Sonntag einfach, denn dafür sind Sonntage schließlich da.