Neue Wege

Neulich ritt ich einen kleinen Isländer. Er kann noch nicht sooo viel auf dem Platz, aber er ist stets bemüht und voller Eifer dabei. An diesem Tag allerdings nur rechts herum. Links herum war er sehr steif und konnte nicht so wie er wollte. Ich bemühte mich, ihm zu erklären, dass er sein linkes Hinterbein untersetzen sollte, aber es wollte einfach nicht gelingen. Nach 30 min vergeblichen Versuchens stieg ich schließlich ab und wollte vom Boden arbeiten. Es zeigte sich, dass er sich anscheinend beim Spielen derart die Muskulatur verzogen hatte, dass er auch ohne mein zusätzliches Gewicht einfach nicht in der Lage war, das linke Hinterbein unter den Körper zu bringen. Ich machte einige vorsichtige Dehnübungen, danach konnte er wenigstens das. Anschließend schickte ich ihn zum Osteopathen, aber davor hatte ich noch ein bisschen Zeit mich zu ärgern: warum hatte ich 30min lang versucht, ihn zu reiten? Mir hätte doch gleich klar sein müssen, dass das nichts wird, oder? Vielleicht. Wobei man ja bei besser ausgebildeten Pferden schon manchmal in der Lage ist, so etwas wegzureiten. Aber halt nicht bei einem „Anfänger“.

Ein bisschen erinnerte mich die Geschichte an den Artikel, den ich über Abbruch geschrieben habe. Da ist es wieder, das Problem, an einem Plan festzuhalten. Vielleicht bin ich da einfach zu unflexibel. So ein Gehirn möchte ja stets Energie sparen. Und nun hat man ja schon so viel Energie für Plan A aufgewendet, da möchte man sich ungern noch Plan B überlegen müssen. Und ich hatte mir das ja auch alles so fein ausgemalt, wollte schön Spaß haben beim Reiten und gute Ergebnisse erzielen. Und jetzt klappt das nicht, das ist doch eine Unverschämtheit!

Kurze Zeit später hatten wir ein ähnliches Thema bei einer Schülerin. Ihr Pferd konnte sich rechts rum nicht richtig biegen (es ist einfach Winter und wir haben oft blöde Böden und schon kommen lauter solche Themen dabei raus….). Ich sagte zu ihr „denk daran, dass das kein Gehorsamsproblem ist“ und sie sagte „nein, natürlich nicht!“, hängte sich dann kurz an dem Wort „Gehorsam“ auf und plötzlich, nach einer kurzen Stille, sagte sie „aber ich merke gerade: ich behandel es wie eins“. Und das war der Punkt (der mir auch manchmal passiert): obwohl wir WISSEN, dass das Pferd es im Moment nicht kann, ist unsere erste Reaktion eben doch „ach jetzt mach das doch mal“. Und die Pferde, nett wie sie nun mal sind, versuchen und versuchen anstatt sich hinzustellen und zu sagen „ES GEHT HEUTE NICHT!“.

Wenn wir anerkennen können, dass wir allzu oft an alten Plänen festhalten, können wir vielleicht üben, schneller zu erkennen, wann das falsch ist. Denn wenn wir ehrlich sind, wird es uns im Pferdetraining nicht anders gehen als im restlichen Leben: wir werden uns immer wieder mal verlaufen. Falsche Entscheidungen treffen, einfach weil wir im Vorhinein nicht wissen können, was die richtige Entscheidung wäre. Aber wenn wir dann so eine Entscheidung getroffen haben und sehen, dass wir damit gar nicht da hin kommen, wo wir hin wollen, dann können wir ja den Weg ändern. Einen neuen Weg suchen, eine neue Entscheidung treffen. Das kostet erst mal Kraft, ja. Aber im Nachhinein kostet es weniger Kraft, als eine einmal getroffene falsche Entscheidung auf Biegen und Brechen weiter zu verfolgen. Und so übe ich weiter, meine Entscheidungen immer mal wieder auf den Prüfstand zu stellen, und zwar früher und schneller: Hilft mir das, was ich gerade tue, wirklich weiter? Nein? Dann STOPP und nach einem anderen Weg suchen. Damit werden wir unseren Pferden seltener Unrecht tun und Probleme schneller lösen können.

Und leider steht dieser ganze Artikel jetzt wieder in völligem Kontrast dazu, dass manchmal auch das Gegenteil richtig ist: an Plänen festhalten und wiederholen, vielleicht 100 mal, um zu sehen, ob es dann besser wird. Naja, niemand hat jemals ernsthaft behauptet, dass Pferdeausbildung leicht sei, oder?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 452

Gestern haben wir sowas wie einen Familienausflug gemacht. Nur Diego ist zu hause geblieben – einer muss ja auf den Stall aufpassen! Aber Merlin, Caruso, Gatsby und ich haben uns mit meinem Mädchen, dem Mann und dem Mädchen von Gatsby auf den Weg gemacht zum Nachbarstall. Dort war nämlich die Pferdewaage! Mein Mädchen war nicht so richtig fit und hat mir gesagt, dass ich wieder mal besonders artig sein muss. Klar! Kann ich doch. Und weil ich ja nun kein Hengst mehr bin, kann ich auch mit fremden Pferden ganz entspannt umgehen. Wir haben da alle in einer Reihe gewartet bis wir dran waren.

In einer Reihe warten

Caruso durfte als erster auf die Waage – der ist ja so klein, dass ich mich immer frage, ob die Waage das überhaupt merkt? Aber sie hat es gemerkt. Zarte 150kg wiegt unser kleiner Caruso! Dann war Merlin dran. Der kann ja gar nicht mehr so gut gucken und auf der Waage hat das so ein bisschen geglänzt, da hatte er erst etwas Sorge, ob man da wohl wirklich drauf gehen kann. Aber mit etwas gutem Zureden, hat er sich dann doch getraut und als er gemerkt hat, dass das keine Pfütze ist, war es dann auch ok für ihn. 607kg hat die Waage angezeigt, das findet mein Mädchen fast ein bisschen viel und dann meint sie wieder, sie würde ihm wohl doch zu viele Eimer geben. Aber dann schaut Merlin sie so an und sie ist viel zu verliebt um ihn auf Diät zu setzen. Nur bei mir klappt das irgendwie nie! Mich hat sie doch auch lieb und trotzdem muss ich Diät halten. Ich glaube es liegt daran, dass Merlin ungefähr 100 Jahre alt ist und viel mehr Zeit hat, mein Mädchen zu erziehen… da hab ich wohl noch viel Arbeit vor mir!

Gatsby hat auch ein paar Anläufe gebraucht um auf die Waage zu gehen – er ist ja nicht der mutigste – aber schließlich hat er sich doch getraut. Ist ein paar mal drüber gelaufen bis er es dann auch geschafft hat, stehen zu bleiben. Und die Waage war nett zu ihm und hat gesagt, er ist schön schlank, nur knappe 500kg!

Ich war natürlich Vollprofi wie immer. Wiegen macht mir keine Angst! Vor allem nicht, weil mein Mädchen ja gesagt hat, ich hätte eine gute Figur. Und weil sie das gern nochmal von jemand anders hören wollte, hat die nette Waagenfrau mich mal abgegrabbelt und angeschaut und dann das selbe gesagt. Ich bin nicht zu dick, nur sehr flauschig. Da hat mein Mädchen sich gefreut! Außerdem bin ich noch gemessen worden, ganz professionell mit Laser. Leider hat der Laser mich auch nicht größer gemacht, so dass ich nur durch freundliches Aufrunden auf 140cm gekommen bin. Naja, letztlich weiß mein Mädchen ja jetzt, dass ich stark genug bin, sie zu tragen und im Herzen bin ich eh ein ganz Großer. Also findet sie es auch nicht so wichtig, was das Zentimetermaß sagt.

Was ich wiege wollt ihr wissen? Na dann ratet mal! Ihr wisst ja: wer am nächsten dran ist, darf sich ein Thema wünschen für den Blog.

Euer gewogener Sir Duncan Dhu of Nakel

Burgkoller

Wenn ich mich in den Highlandpony-Gruppen auf Facebook herumtreibe, sehe ich viele Beiträge, in denen es darum geht, die Ponys für die Platzarbeit zu motivieren. Beim Ausreiten scheinen die meisten eine Menge Spaß zu haben (es sei denn sie sind unsicher, dann schlagen sie auch beim Ausreiten gerne mal Wurzeln, der berüchtigte Highlandpony-Plant). Und auch ich hatte am Anfang meine Zweifel, ob ich Duncan jemals für die Platzarbeit würde begeistern können. Inzwischen kann ich sagen: das ist mir gelungen. Überraschenderweise fand er von Anfang an, dass longieren eine gute Sache ist – etwas, was sich all meinen anderen Ponys nie erschlossen hat. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir und meiner Einstellung dazu, wer weiß? Jedenfalls longiere ich derzeit mehr als mir lieb ist. Denn Ausreiten – das hat der Ritter bereits berichtet - ist schwierig und zur Zeit bleibt noch nicht mal der Reitplatz zum reiten übrig, denn der ist hart gefroren und es liegt kein Schnee.

Derweil beobachte ich, dass nicht nur ich einen Burgkoller habe. Auch mein kleiner großer Ritter zeigt Verhaltensweisen, die ich längst erledigt glaubte. Wenn ich mich neben ihn stellen will beim Heu fressen, meckert er mich an. Beim Putzen schüttelt er mit dem Kopf und geht weg. Trotzdem bettelt er nach Aufmerksamkeit. Und er freut sich, wenn ich ihn an die Longe nehme, bietet mir dann direkt Trab und Galopp an – nicht doof überdreht, sondern ganz fein und gesittet – und möchte eigentlich nicht nach 25 Minuten aufhören. Während ich es anstrengend finde, über den unebenen Boden meine kleinen Kreise mitzugehen, läuft er munter und geschmeidig den Hang rauf und runter und seine Laune bessert sich zusehends. Trotzdem klärt sich für mich im Nachhinein manche Diskussion auf, die wir im Winter so hatten, denn ich weiß jetzt, woher die schlechte Laune kommt: mein Ritter ist süchtig nach ausreiten und Abenteuer, genau wie ich. Derzeit sind wir auf Entzug und so lange könnte ich ihn gar nicht longieren, dass er so wohlig entspannt und ein bisschen müde wäre wie nach einem ausgiebigen Ausritt. Das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren braucht Abenteuer und sein Körper möchte auch ausgiebig bewegt werden. Seine Grundfitness ist schon ganz anständig und so ist es jetzt deutlich schwieriger, Energieüberschuss abzubauen, als noch vor einem Jahr. Zwar ist er nicht mehr so wild und überschießend wie er es als Hengst war, aber auch als Wallach möchte er doch ordentlich Sport machen – wiederum etwas, was ihn von meinen bisherigen Ponys unterscheidet.

All die Dinge die ich zu selten tue oder schon immer mal tun wollte: ausgiebig auf dem Sommerreitplatz longieren, wo ein sanfter Hügel das reine „im Kreis laufen“ schon zu einem schönen bergauf-bergab- Training macht. Oder „Mount Groß Vollstedt“ erklimmen, mit hoch gelegten Stangen üben und ausgiebig wippen oder neue Übungen an unserem Holzsteg ersinnen…. all das tue ich jetzt, in der Hoffnung, dass es uns beiden die Zeit vertreibt, bis wir endlich wieder mal so richtig schön ausreiten können. Und einmal mehr wird mir klar: ich muss es schaffen, allein ausreiten gehen zu können. Wenn das gelingt, steigt die Anzahl der möglichen Tage enorm an, denn dann muss ja nur ich Zeit haben und nicht auch noch jemand anders. Wenn dann mal kein Eis, kein Sturm und kein eiskalter Regen ist, können wir los.

Bis das klappt, müssen wir durchhalten, der Ritter und ich. Ob er – wie ich – vom nächsten Ausritt träumt? Ob er eine Vorstellung davon hat, wie schön das sein wird, wenn wir wieder mal ein halbes Stündchen durchgängig traben können? Ich weiß es nicht. Man sagt, Pferde leben im Hier und Jetzt. Nachprüfen kann ich es nicht. Ich jedenfalls freue mich schon auf sein Lächeln, wenn es wieder in einen unserer Lieblingswälder geht. Und ein bisschen fürchte ich mich vor seiner Fitness, die im Vergleich zu meiner sehr viel weniger gelitten haben wird unter der Winterpause. Bis dahin ertrage ich seine teilweise schlechte Laune so wie er meine erträgt, so ist das unter Freunden…..

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 451

Ich glaube, mein Mädchen hat auch Burgkoller. Anders kann ich es mir nicht erklären!

Heute meinte sie, wir besteigen „Mount Groß Vollstedt“. Aha. Also wir erklimmen ja gelegentlich „Mount Westensee“ aber dass wir in unserem Dorf auch einen Berg haben, war mir nicht bewusst. Stellt sich heraus: der ist bei uns auf der Weide! Sie meint damit den Hügel auf unserer Abenteuerweide. Echt jetzt?

Sie möchte den schon ewig mal fürs Training nutzen, aber entweder es war zu warm und zu mückig, oder zu nass. Oder das Wetter war gut und wir waren lieber ausreiten oder auf dem Reitplatz üben. Jetzt ist der Boden gefroren, Ausreiten ist nicht drin, der Reitplatz ist unbrauchbar und so war es heute so weit. Und jetzt ratet, wer da eine Viertelstunde lang den Berg rauf und runter marschiert ist und wer schön immer unten am Fuß des Berges stand und nix gemacht hat? Richtig. Ich war munter am trainieren, mein Mädchen hat mich nur immer angefeuert. Naja, bekekst hat sie mich auch. Trotzdem: was ist denn mit IHRER Fitness, hm?

Immer (halbwegs) munter rauf und runter…..

Immerhin, wie sie mich nachher so angeschaut hat, meinte sie, ich hätte eine gute Figur und das würde ihr gefallen, was sie da sieht. Und ich hab mir immer mal zwischendurch schnell ein paar Halme geschnappt, die unterm Schnee raus guckten. Diego musste dann übrigens auch noch ran und den Mount Groß Vollstedt besteigen. Derweil habe ich mich verdient von der Sonne wärmen lassen und von weitem zugeschaut.

Euer Bergsteiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 450

Normalerweise bin ich ja ein stets gut gelaunter Ritter. Aber manchmal bin ich dann doch genervt. Gestern zum Beispiel. Ich meine: es war doch Sonntag! Und Sonntag ist doch Ausflugstag! Aber nix war´s. Die Straßen und Wege sind vereist, gefroren und insgesamt ungemütlich, mein Mädchen war nur sehr mittelmäßig motiviert und also haben wir versucht, etwas Handarbeit auf dem gefrorenen Reitplatz zu machen. Das ging aber wirklich nicht so irre gut und ich hatte wenig Lust. Am Abend kam mein Mädchen dann nochmal und meinte, ein bisschen in der Halle im Kreis laufen könnte meine Laune heben. Aber das hab ich in letzter Zeit so oft gemacht…. alles öde. Mein Mädchen wusste also: Not am Mann, der Ritter hat Burgkoller! Da sie aber das Wetter nicht bestimmen kann, hat sie nach einem Ausweichplan gesucht. Und einen gefunden! Auf unserem „Sommerreitplatz“, da ist nämlich noch hohes Gras und etwas Schnee oben drauf und da, hat sie sich gedacht, kann man bestimmt gut laufen. Also hat sie mich mitgenommen und mich auf dem Sommerreitplatz longiert (und das mitten im Winter!). Ach, das hat mir gut getan. Endlich mal wieder frei raus traben, ein bisschen galoppieren durfte ich auch, aber vor allem meine Kraft sinnvoll nutzen. Denn auf dem Sommerreitplatz geht es immer rauf und runter. Rauf, runter, rauf, runter, Richtungswechsel, rauf, runter….. und mein Mädchen einigermaßen faul in der Mitte (weil SIE mit dem Boden nicht so toll klar kommt. Aber egal, Hauptsache ich kann mich bewegen!). Ich wollte ja noch weitermachen, aber nach einer halben Stunde meinte sie, das würde wirklich reichen (pah! Ich war gerade mal knapp warm geworden!) und wir würden das demnächst wiederholen (ich bitte doch sehr darum, wenn wir schon nicht ausreiten gehen können). Außerdem hat sie mal wieder angemerkt, ich sei ein komisches Pony, weil ich Longe so gern mag. Alle anderen Ponys die sie bisher so hatte, haben keinen Sinn darin gesehen, im Kreis um den Menschen rum zu laufen. Ganz ehrlich: ich würde auch mehr Sinn darin sehen, meinen Menschen geradeaus durchs Gelände zu schleppen, aber wenn das nun mal so gar nicht im Angebot ist, was soll ich machen? Dann lieber im Kreis mal ordentlich laufen, als immer nur in der Halle rumdümpeln.

Berg rauf….. gleich geht’s wieder runter!

Jetzt ist meine Laune wieder besser, ich hoffe, dass wir das übermorgen nochmal machen und wenn wir Glück haben, können wir ja vielleicht am Sonntag endlich mal wieder ausreiten, drückt mir die Daumen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem Burgkoller

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 449

Ich finde das Wetter prima. Spielen und toben und rennen und dabei immer kurz vorm ausrutschen, aber ich hab das natürlich immer perfekt im Griff. Mein Mädchen hingegen findet es ungemütlich. Zu kalt, zu windig, der Boden zu nass. Unser Reitplatz ist zwar schön anzuschauen, aber zum reiten ist es nicht so toll (meint sie).

Winterliche Reitplatz-Idylle

Also ist Alternativ-Programm angesagt. Und weil man angeblich nicht immer nur wippen kann (meint sie!), machen wir diesen Winter ganz viel Stangentraining. Im Schritt. Stangen hoch und verschiedene Abstände und dann Hufe heben und sortieren. Am Anfang fand ich das ja voll schwer, aber jetzt kriege ich es langsam raus. Zwischendurch hält sie mich dann über einer Stange an oder wir üben mal wieder die Füße merkwürdig zu sortieren.

Füße sortieren

Und dann freut sie sich wieder, weil ich noch viel besser, geschickter, schlauer und stärker geworden bin. Dann sagt sie manchmal „ich glaube, ich hab da was richtig gemacht mit dir“ (das ist ihre Art zu sagen, dass sie stolz ist auf das was wir gemeinsam geschafft haben). Und ich finde, ich hab auch was richtig gemacht mit ihr, wenn sie so fröhlich lächelt und so glücklich ist.

Euer winterlich beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel

Verfeinern

So, geschafft. Schritt, Trab, Galopp – alle Gangarten abrufbar, sowohl im Gelände als auch auf dem Reitplatz (kurze Gedenkminute für alle, deren Pferde mehr als 3 Gänge hat – ach nein, ihr wollt das ja so, selbst schuld 😉 )

Jetzt also ans Fine-Tuning. Ich bin ja jemand der gern sabbelt und zappelt und zum Glück habe ich geduldige Ponys (nein, nicht „zum Glück“, sondern schlau ausgesucht), die das mit Würde ertragen. Trotzdem arbeite ich beständig daran, meine Hilfen zu verfeinern. Duncan stellt mich da vor eine ganz neue Herausforderung, denn während Diego und Merlin sich durch Stimmlob und Bestätigung zwischendurch anfeuern und motivieren lassen, ist Duncan nach wie vor zufriedener, wenn ich still bin. Vielleicht liegt dass daran, dass er nicht nur mehr Stimmkommandos kennt als die anderen, sondern auch mehr damit anfangen kann. Sowas ist ja eine persönliche Präferenz. Stimmkommandos sind für Pferde erst mal unnatürlich, weil sie ja selbst kaum über Laute kommunizieren. Und viele Pferde reagieren daher nicht so gut auf Stimme. Aber das liegt auch daran, dass wir Menschen im Training fast immer das Stimmkommando mit anderen Informationen verknüpfen – eine Berührung oder eine sichtbare Bewegung. Dann bilden wir uns ein, das Pferd hätte auf Stimme reagiert, aber in Wirklichkeit hat es seine Information von unserem Körper bekommen. Duncan scheint aber ein Typ zu sein, der doch recht viel mit Stimme anfangen kann (und wenn es nur in Ergänzung zur Körpersprache ist). Das heißt im Umkehrschluss aber auch: immer wenn ich ein Geräusch mache, überlegt er, was das bedeutet. Und ich habe die schlechte Angewohnheit, viele, oft eher bedeutungslose Geräusche zu machen….. also übe ich, die Klappe zu halten und meiner Begeisterung anderweitig Ausdruck zu verleihen. Das ist vielleicht schwer!

Außerdem übe ich – wie immer – meine Beine ruhig zu halten. Das ewige Thema „treiben“, eine Altlast von Merlin, an der ich 20 Jahre gearbeitet habe, macht sich bei Duncan auf neue Art bemerkbar. Nicht, dass ich ihn viel treiben müsste, aber er ist einfach klein und so hängen meine Beine ohne Steigbügel weit runter. Das erschwert es mir, korrekte Schenkelhilfen zu geben, weil meine Wade nicht an den Ponybauch kommt. Und obwohl ich meinen Schülerinnen immer sage, man muss sich daran anpassen und mehr mit dem Oberschenkel reiten….. naja, Ihr ahnt es bereits. Meine Wade will da ein Pferd fühlen und wenn sie das nicht tut dann sucht sie sich eins, das ist so ein Reflex. Puh. Da träume ich doch manches mal wieder von Steigbügeln fürs Dressurreiten, aber noch habe ich keine passende Lösung gefunden.

Von meinen Händen will ich gar nicht erst anfangen. Mein Hände sind immer noch zu ungeduldig. Wenn Duncan nicht gleich umsetzen kann, was ich von ihm möchte, tun die viel zu schnell viel zu viel. Meine Zügelhilfen sind schon fair und effektiv und ich kann ganz gut nachgeben, aber ich MACHE halt ständig zu viel.

Zum Glück weiß ich von Berufs wegen, dass ich damit ganz und gar nicht alleine bin. Und ich weiß auch: die Pflicht zur Verfeinerung liegt immer beim Menschen, die Pferde sind fein genug, wenn sie sich für uns interessieren (und dafür zu sorgen, DASS sie sich für uns interessieren ist wiederum unsere Aufgabe).

In diesem Sinne wünsche ich Euch auch 2024 wieder viel Spaß beim reiten lernen!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 448

Was für ein Wetter. Nass und windig und wie mein Mädchen sagt „eklig“. Finde ich nicht, ich habe erstmal ausgiebig mit Gatsby rumgetobt. Danach hatte ich ein bisschen Langeweile, sogar der Weidegang ist heute ausgefallen, weil alles soooo nass ist. Was tut man da den ganzen Tag? Aber gegen Abend nahte Rettung: Die Menschen haben in der Halle ein kleines „Zirkeltraining“ aufgebaut und da haben wir ein bisschen rumgespielt.

Spaaaaaaaaaaaaaaß!

Ach das war fein! Wir hatten einen Riesenspaß und zum Schluss habe ich selbstverständlich noch schnell beim Aufräumen geholfen.

Nachher hab ich noch beim aufräumen geholfen.

Euer gut bespaßter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 447

So liebe Menschen, seid ihr alle heil gelandet im neuen Jahr?

Wir haben uns gestern erst mal einen Tag frei genommen. Heute ging es dann wieder los! Weil es regnet und regnet und der Reitplatz schon genauso nass ist wie ich, hat mein Mädchen beschlossen, mich an die Longe zu nehmen. Weil sie mich nicht so gern anfassen mag wenn ich so nass und durchgeweicht bin. Ich hingegen haben ja bekanntlich einen wasserfesten Pelz, mir ist das alles egal. Dann freut sie sich immer, dass sie die Biothane -Longe hat, der ist das einfach egal, die wird nicht hart oder schwer, braucht nicht lange zum trocknen und ist immer schön leuchtend grün. Und noch mehr freut sie sich, dass sie so einen Ritter hat wie mich, der sich nichts daraus macht, wenn von oben Regen fällt und unten zwischen Matsch und Pfütze nur wenige trockene Schritte zu machen sind. Ich laufe genauso wie immer, mir ist das einerlei. Los ging es also! Ich war sehr gut gelaunt und habe gleich mal rumgestrebert, als wir zum Aufwärmen ein bisschen Hütchen-Slalom geübt haben. Ein Hütchen stoße ich immer absichtlich mit der Nase um, das lasse ich mir nicht nehmen, aber danach bin ich vorbildlich und laufe schön dran vorbei.

Als ich dann warmgeschritten war, ging es an den Trab und ich hab auch gleich angemerkt, dass auch der dritte Gang im Angebot ist. Klar! Also Galopp! Und ich kann das jetzt so fein, da freut mein Mädchen sich wie Bolle. Ich bin galoppiert und dann: Scheeeeeritt! Und – zack! – Mädchen stolz weil ich das so schön hingekriegt habe. Dann angaloppieren aus dem Schritt und wieder durchparieren und zum krönenden Abschluss haben wir noch was neues probiert: Galopp, Trab, direkt Handwechsel im Trab und fix wieder in den (neuen) Galopp. Kein Problem! Weil die Technik nicht so wasserfest ist wie ich, wird es mit einem Video wohl noch etwas dauern (es soll ja noch mehr regnen!), aber sobald es mal trocken ist, werde ich euch das zeigen, was ich da jetzt schönes kann!

Ach, da war mein Mädchen schon wieder ganz entzückt und nach ein bisschen Hinterbein-Gymnastik („übertreten“) im Schritt zum Verschnaufen war schon Feierabend und mein Mädchen hat uns die Weide aufgemacht. Da war ich nun so schön warmgelaufen, da habe ich gleich mal Gas gegeben und die anderen sind auch mitgerannt (bis auf Diego, der rennt ja äußerst selten). Aber der alte Merlin hat mit uns anderen mitgehalten und da hat mein Mädchen sich gleich nochmal gefreut, weil es unserem „Großvater“ noch so gut geht.

So starten wir munter und fidel ins neue Jahr! Ich hoffe ihr tut das auch, frohes neues Jahr für euch alle, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 446

(Alles was unterstrichen ist könnt ihr anklicken und direkt nachlesen)

So, jetzt ist das Jahr rum. Ausreiten fällt heute leider aus, weil es ja Menschen gibt, die die Uhr nicht richtig lesen können und ihre Böller schon irgendwann vor Mitternacht verschießen. Und das wollen wir nicht erleben, wenn wir draußen unterwegs sind, also bleiben wir schön hier zu hause, wo wir in Sicherheit sind. Da habe ich genug Zeit, über das Jahr nachzudenken!

Lass mal sehen. Angefangen hat es ja ganz gut, mit Hallenspielen (wegen Wetter) und einem neuen Sattelgurt für mich. Aber über den Februar reden wir lieber nicht! Der war nämlich für uns alle die Hölle. Na egal, jetzt bin ich entspannter Wallach und das ist gut so. Wir sind alle sehr zufrieden damit – auch ich. Ganz ehrlich: die Stuten nebenan sind nett, aber es ist schöner wenn ich nicht den ganzen Tag darüber nachdenken muss.

Als wir also die Hölle durchschritten hatten und am anderen Ende wieder raus kamen, ging es wieder los mit Fitness (davon hatte ich einiges eingebüßt).

Im März sind wir dann wieder voll eingestiegen ins Training (inklusive Wellness), haben Merlins 30. Geburtstag gefeiert, und wir hatten den vielleicht schlechtesten Unterricht, den mein Mädchen je bekommen hat.

Im April habe ich dann meinen neuen Sattel bekommen, mit dem wir beide (im Gelände) sehr glücklich und zufrieden sind. April ist auch immer der Monat in dem der Geburtstag meines großen Bruders ist, da ist mein Job als Herzensreparateur wieder ganz besonders wichtig. Und wir haben ein paar schöne Ausflüge gemacht, wie es sich gehört!

Im Mai habe ich dann in der Funktion als Service-Pony zum ersten Mal einen anderen Menschen als mein Mädchen getragen (und das natürlich großartig gemeistert!). Wir hatten einen Höllen-Trip, aber auch den ersten Ausritt mit dem Schimmelfreund! Und es ging endlich mal wieder los mit DEM Ausreitkumpel (der beste von allen!)

Im Juni habe ich Ritter Willibald kennengelernt! Der Zahnarzt war da und wir haben angefangen allein rauszugehen, mein Mädchen und ich. Außerdem hat mein Mädchen die Ausflüge noch genauer geplant (oder sagen wir: sie hat es versucht).

Im Juli hatte mein Mädchen Geburtstag und hat eine Garrocha geschenkt bekommen, wir waren nochmal mit Ritter Willibald los und wir haben unseren Ja-Tag gefeiert, aber wegen Wetter waren wir leider viel zu wenig ausreiten.

Im August haben wir dann stramm trainiert. Einmal wäre ich dabei fast von den Bremsen aufgefressen worden, aber nach ein paar guten Trainings hatte ich ordentlich Energie und eine kleine Diskussion mit meinem Mädchen über die Wahl der Gangart.

Im September haben wir weiter allein ausreiten geübt, ich war mit dem schnellsten Pony der Welt unterwegs und wir haben meinen Einzugs-Jahrestag gefeiert.

Nach all dem feinen Training durch die vielen schönen Ausritte war ich im Oktober dann wirklich ganz schön fit. Bergtour? Kein Problem! Dann war mein Mädchen eine Runde krank und deswegen ist Halloween quasi ausgefallen (ui, da schulde ich euch noch einen kleinen Film!). Fitness in Kombi mit Langeweile ergibt dann einen gut gelaunten Ritter mit dezentem Energieüberschuss, wie mein Mädchen im Anschluss feststellen durfte!

Im November war dann Schluss mit den langen Ausflügen, für den Ausreitkumpel war es zu dunkel und Diego hat sich ein fieses Hufgeschwür eingefangen, das ihn wochenlang lahmgelegt hat. Dafür habe ich meine erste Reitstunde gegeben und wir sind mit dem allein ausreiten ein Stück weiter gekommen.

Im Dezember kam Reitmeisterin Eleonore bei uns vorbei und hat und unterrichtet. Als sie wieder abgereist war, war endlich mal wieder Gelegenheit, mit der Wackelkiste los zu ziehen und ich habe die Lorbeeren für meine Arbeit in diesem Jahr geerntet: mein Mädchen vertraut mir jetzt viel mehr als vorher! Und schon war Weihnachten und es gab Geschenke für alle (ich hab meinem Mädchen den ersten Reitplatzgalopp geschenkt!).

Also wenn ich den Februar überspringe, war es insgesamt ein gutes Jahr. Wir waren ungefähr 500 km zusammen unterwegs (insgesamt zeigt mein Tacho jetzt 1585km an) – das ist eigentlich ein bisschen wenig, aber dafür dass so viele Ausfälle waren (ich krank, Diego krank, Mädchen vom Ausreitkumpel ist auch 6 Wochen ausgefallen…. ) ist es doch ganz ok. Trotzdem hoffen wir, dass es 2024 noch deutlich mehr Kilometer werden! Ich hoffe natürlich vor allem, dass mein Mädchen ihr Versprechen hält und wir noch viel mehr galoppieren! Und auch sonst haben wir noch einige Pläne, aber darüber reden wir dann nächstes Jahr!

Erstmal guten Rutsch, liebe Menschen!

Euer ins neue Jahr galoppierende Sir Duncan Dhu of Nakel