Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 471

Also das war ja mal wieder ein Sonntagsausflug! Fangen wir vorn an, beim üblichen Procedere: Putzen, Hufschuhe anziehen, Wackelkiste besteigen. Aber halt! Vorab habe ich noch Hufglocken über die Vorderhufe bekommen, damit ich nicht wieder Schuhe verliere. Mein Mädchen hatte beim Aufräumen nämlich noch passende entdeckt. Sie meinte, ich sehe jetzt aus wie ein Springpferd mit meinen Streichkappen hinten und den Glocken vorne.

Guter Dinge sind wir dann los. Mein Mädchen war auf der Suche nach einer längeren Galoppstrecke (juhuuuuu!) und dabei fiel ihr dieser Wald wieder ein, wo wir soooo lange nicht waren. Jedenfalls nicht mit Diego. Zwischendurch waren wir da mal mit dem Ausreitkumpel, aber das ist auch schon fast 80 Tagebucheinträge her. Und da hatten wir Stress, die Wege zu finden. Heute wollte mein Mädchen das nochmal in Ruhe angehen mit den Reitwegen.

Diese Ruhe war schon an der ersten Kreuzung dahin, da haben wir schon mal ein Hin und Her gehabt, ob wir jetzt geradeaus oder lieber links, weil da der Reitweg ist… naja. Letztlich sind wir links abgebogen, haben dann fest gestellt, dass der Reitweg nur in die falsche Richtung führt, sind dann bei nächster Gelegenheit verbotenerweise rechts. Komischerweise haben wir dort viele Hufspuren gefunden… und als wir wieder auf dem Hauptweg waren, war der plötzlich dann doch als Reitweg beschildert. Da war mein Mädchen direkt auf Zinne, weil sie das immer so aufregt: man darf nur da reiten wo ein Reitweg ausgeschildert ist, aber dann ist die Beschilderung so bekloppt, dass man die gar nicht verstehen kann! Darüber kann sie sich endlos aufregen. Kann sie, will sie aber nicht. Lieber hat sie es genossen, dass sie das beste Ponys der Welt unterm Hintern hat und sich ihres Lebens gefreut.

Eine Weile war es dann recht unspektakulär, wir sind schön getrabt und ein Stück galoppiert und mein Mädchen hat festgestellt, was ich ihr ja doch schon seit einer Ewigkeit erkläre: wenn die Abenteuer-Rate passt, bin ich ganz furchtbar artig und galoppiere genau so (langsam) wie sie das will. Dann eine kleine Graspause (man, das riecht schon so nach Frühling! Ich bin schon wieder jedem grünen Hälmchen hinterher).

Als wir dann auf einem Plattenweg unterwegs waren sagte der Mann in sarkastischem Ton „da könnten sie doch mal ein Reitwegeschild hinstellen, das sieht doch so aus wie der übliche Reitweg!“ und zeigte auf den völlig vermatschten und kaputten Streifen der links neben dem Hauptweg zu sehen war. Mein Mädchen hat grimmig gelacht. Aber dann hat sie aufgehört zu lachen und fassungslos geguckt. Weil nämlich GENAU DAS der Reitweg ist und da tatsächlich ein Reitwegeschild stand! Ok, wir haben dann versucht, diesem Weg zu folgen, weil mein Mädchen es ja nun endlich mal rausfinden wollte wo man da lang soll.

Eine Weile weiter wollten wir rechts abbiegen. Nur: wo? Da stand zwar ein Schild am Wegesrand, aber wo soll der Weg sein? Der Mann meinte, wir sollten ein Stück zurück, in den Parallelweg und dann von da über den Wall. Mein Mädchen hat gesagt, er kann ja zurück reiten, sie nimmt hier die kleine Abkürzung. Ich bin also mit meinem Mädchen über den einen Wall geklettert, dann über den anderen und ein Stück den Grasweg rein. Ob das hier wirklich der Weg sein soll? Na, wir warten Mal auf Diego und den Mann. Und dann haben wir gewartet. Und gewartet. Mein Mädchen hat dann mal gerufen und gepfiffen aber Antwort kam keine.

Wo bleiben die beiden bloß?

Schließlich meinte sie, es nützt nichts, wir gehen jetzt zurück. Also wieder über den Wall und dann versucht, den Weg nachzuvollziehen, den der Mann geritten ist. Ach, sieh an, ein Reitwegeschild! Na dann ist er wohl da lang? Mein Mädchen hat versucht ihn anzurufen, aber sie hatte kein Netz. Vor uns lag der matschigste Weg aller Zeiten aber wir haben gelegentlich Spuren von Diegos Hufschuhen erkannt (die zum Glück ziemlich einzigartig aussehen). Also war mein Mädchen guter Dinge, dass wir die beiden gleich sehen. Ich musste mich doll konzentrieren, wie und wo ich durch den tiefen Matsch komme (deswegen gibt es leider auch kein Foto!), es war wirklich eine Herausforderung! Immer mal kurz aufatmen wenn es besser wurde und dann hinein in das nächste Matschloch! Zwischendurch hat mein Mädchen nochmmal versucht zu telefonieren, aber kein Netz. Dann klingelte ihr Telefon und der Mann war dran und wollte wissen, ob es uns gut geht? Er war ein ganzes großes Stück weiter geritten, weil er dachte, wir hätten einen anderen Weg gefunden! Die Menschen hatten total aneinander vorbei geredet. Nun denn, weiter durch den Matsch. Mein Mädchen war sooooooo stolz auf mich wie ich das alles gemeistert habe! Nach einer gefühlten Ewigkeit so mutterseelenallein im Matsch haben wir Diego und den Mann gesehen. Wir haben dann erst mal eine Graspause eingelegt und die Menschen haben diskutiert, wie es weiter geht.

Die weiteren Wege waren dann gut. Bis zum Schluss, da hat mein Mädchen gesagt, wir reiten jetzt hier stur geradeaus und biegen nicht nochmal auf so einen Reitweg ab, auf dem man entweder im Matsch versinkt oder sich die Haxen bricht. Scheiß auf die Regeln, wir wollen jetzt nach hause! Nochmal schnell den Turbotrab einlegen und bis zum Hauptweg durch traben. Aber ach, trotz der Glocken hat der Turbotrab wieder getan was er nicht lassen kann: Hufschuh weg! Umdrehen! Zurück traben – zum Glück nicht so weit – Hufschuh einsammeln. Danach wollte der Mann nicht mehr traben, also im Schritt zur Wackelkiste.

Jetzt bestellt mein Mädchen Zusatzriemen für die Schuhe. Sie beißt sich noch die Zähne an dem Thema aus, glaube ich! Aber sie ist bekanntlich stur. Und sie sagt, sie hat lieber ein gesundes, munteres und fideles Pony und dafür Ärger mit den Schuhen, als dass sie keinen Ärger mit den Schuhen hat, aber dafür ein krankes Pony oder eins was keine Lust auf ausreiten hat. Richtig so, mein Mädchen, man muss die Prioritäten klar haben!

So, und nach diesen überaus aufregenden 11,7 km in knapp 2,5 Stunden brauchen wir jetzt alle etwas Erholung!

Mein Mädchen ist sowieso noch platt von gestern. Gestern abend hat sie nämlich ihr allererstes Webinar gegeben – über mich! Naja, sie sagt das stimmt nicht. Es ging um junge (Highland-)Ponys und wie man als Mensch gut mit ihnen umgehen kann. Aber auf JEDEM einzelnen Foto und Video was sie verwendet hat, war ICH zu sehen! Also ging es eben doch um mich, finde ich. Und das gefällt mir! Wollt ihr eine Aufzeichnung sehen? Schreibt an info@highlandponies.de, zahlt 10€ und dann bekommt ihr sie.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (zum Glück Matsch-tauglich!)

Wackelkisten- Tage sind die schönsten Tage! Heute war es echt anstrengend, aber ihr wisst ja, ich mag das, mich richtig auszupowern.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 470

Am Mittwoch war zwar nicht Sonntag, aber wir haben trotzdem einen Ausflug in den Wald gemacht! Ach, das war fein, ich hab mich so gefreut! Das ist unser Erinnerungswald. Da waren wir ganz oft als ich gelernt hab, mein Mädchen zu tragen. Und in dem Wald sind wir auch das erste Mal getrabt. Und überhaupt den allerersten „woanders“-Spaziergang, als ich noch winzig klein war, den haben wir auch da gemacht. Und sooooo viele schöne Ausritte!

Dann haben sie da ziemlich viel Schotter hin gekippt und wir waren eine Weile nicht da, aber jetzt wollten wir es mal wieder versuchen. Alles andere ist ja ziemlich matschig und da hat der Schotter dann doch gewisse Vorzüge. Da wir ja unsere super Hufschuhe haben, stört uns der Schotter nicht.

Aber diese Hufschuhe, die ärgern uns ja immer noch ein bisschen. Weil ich ja so ein Schmalspur-Pony bin und mir gelegentlich im Eifer des Gefechts mal mit dem einen Huf am anderen entlangschleife und dann ein Schuh abfällt. Deswegen hatte mein Mädchen beim Anziehen schon versucht, mir alte Hufglocken überzuziehen, aber die waren von ihrem Warmblüter und viiiiiiiiiel zu groß. Also sind wir wieder ohne Glocken los (sie muss dringend shoppen gehen, sagt sie). No risk, no fun! Und es kam wie es kommen musste: nach längerer Schritttour kam der erste Weg, wo wir traben konnten, und da sind wir dann ein schönes Stück getrabt, bis es zu matschig wurde und wir durchpariert haben. Der Mann hat einen kritischen Blick auf meine Füße geworfen und ….. oh nein! Schon wieder ein Hufschuh weg! Mein Mädchen war total genervt. Tja. Umdrehen, zurück traben! Schuh wieder einsammeln, anziehen, etwas enger schnallen, weiter gehts! Schön im Trab, wieder bis zu der matschigen Stelle, durchparieren, dann wurde der Weg wieder besser, also Trab. Gerade war die versprochene Graspause in Sichtweite gerückt, als von hinten der Mann rief. Oh nein! Anscheinend kann nicht nur ich Schuhe verlieren. Diesmal war es der Mann! Der hatte einen seiner Handschuhe aus der Tasche verloren. Zurück marsch, marsch! Mein Mädchen meinte, wir haben ja jetzt gesehen, dass der Weg da ok ist, also Zeit für einen kleinen Galopp! Sie hat gesagt, ich soll langsam galoppieren. Ich hab kurz nachgedacht, mich an letztes Mal erinnert und mir dann gedacht: lieber so langsam galoppieren wie eine Schnecke als wieder Ärger bekommen. Da war sie sehr zufrieden mit mir und hat mich doll gelobt! Mädchen, Diego ist hinter uns getrabt und trotzdem mitgekommen, also schnell waren wir nicht….. aber sie meint, das macht nichts, beschleunigen können wir später immer noch. Ich hab wirklich, wirklich das langsamste Mädchen unter der Sonne erwischt! Wenn ich nicht so ein Gentleman wäre…

Wir mussten weit zurück, nämlich ziemlich genau bis zu dem Punkt, wo es so matschig war und aufgefallen war, dass mein Hufschuh fehlt! Ach herrje! Jetzt waren wir so viel hin und her geritten, dass wir schon viel mehr Kilometer auf der Uhr hatten, als geplant. Also haben die Menschen beschlossen, die Runde von hier aus abzukürzen. Das heißt: keine Graspause! Denn wir waren die ganze Zeit im Wald und da ist selten was zu finden, schon gar nicht um diese Jahreszeit, und an der leckeren Stelle sind wir nun gar nicht vorbei gekommen. Och menno.

Weiter ging es und wir haben fleißig geübt, was mein Mädchen sich vorgenommen hatte, nämlich Tempo-Unterschiede im Trab. Laaaaaaangsam (warum?) und „voran!“. Ja, voran kann ich! Aber dieses langsame Traben macht im Gelände nicht so viel Sinn oder? Naja, ich habe es gemacht, weil ich so ein Guter bin. Diego hat auch mitgemacht.

Dann hörten wir ein Fahrzeug. Der Wald ist normalerweise wie leer gefegt, was ist da jetzt los? Da war einer dabei, Baumstämme aufzuladen. Das haben wir uns von weitem erst mal schön angeschaut. Der greift mit seinem großen gelben Maul einen Baumstamm (wie so ein Hund!) und dann hebt er den Baumstamm hoch und legt ihn auf der Ladefläche wieder ab – alles mit viel Gewackel und Geschlenker. Als ich genug geschaut hatte, sind wir darauf zu geritten – ich bin vorne weg gegangen! – und der nette Mensch auf dem Gerät hat den Motor irgendwie halb ausgemacht, es war jedenfalls sehr viel leiser. Ich bin wie ein Großer daran vorbei marschiert – zack! Mädchen stolz!

Mutig voran! Kann ich.

Dann noch ein frischer kleiner Galopp – erst ich vorneweg und dann hat Diego überholt. Zack!- Mädchen schon wieder stolz, weil mich das Überholen nicht aufgeregt hat! Etwas Schritt zum Verschnaufen – Diego ist der Schweiß aus dem Pelz getropft, der Arme muss dringend nachgeschoren werden! Bei mir ging es, ich bin ja teilentpelzt. An der Grillhütte noch ein kleiner Grassnack – naja viel war da nicht zu holen aber ein paar grüne Halme – und dann ab nach hause. 11,2 km haben wir geschafft mit dem ganzen Hin und Her (geplant waren 10). Die App hat gesagt, ich hätte heute 5,5km/h im Schritt geschafft, das ist ein neuer Rekord! Allerdings lügt sie wohl ein bisschen, denn für Trab sagt sie 10,2 km/h (kann sein) und für Galopp 7,3km/h, das wäre ja dann doch sehr langsam gewesen. Da stimmt irgendwas nicht. Naja, so genau ist das Ding dann wohl doch nicht. Als Spitzengeschwindigkeit hat die App jedenfalls runde 12 km/h angezeigt und das, mein Mädchen, ist kein Galopptempo! Ich muss ihr das wirklich beibringen.

Meinem Mädchen sind die km/h nicht so wichtig, die lässt sie sich nur aus Interesse zeigen und damit sie einen Distanzritt planen kann. Entscheidend ist, dass ich wieder alles großartig richtig gemacht habe! Und ich bin sehr zufrieden, weil ich mich endlich mal wieder richtig auspowern konnte. Aaaaaaah das hat gut getan! Ich hoffe wir machen das jetzt bald wieder regelmäßig.

Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

Ansprüche

Ich war ja bisher nie so der Fan vom Longieren. Meine Ponys haben das immer als sinnbefreit empfunden und ich konnte das gut verstehen. Aber Duncan sieht das anders: er läuft gern an der Longe. Und also machen wir das regelmäßig und haben über die Jahre eine gute Kommunikation entwickelt. Duncan kann schon eine Menge schöner Übergänge (aus dem Halten antraben, aus dem Schritt angaloppieren, aus dem Galopp in den Schritt usw) und er beherrscht im Schritt und im Trab „laaaaaangsam“ und „voran“ als Unterscheidung des Tempos. Handwechsel und Rückwärtsgehen gehören in unser Progarmm, er weiß, wie weit er raus gehen soll und dass er niemals an der Longe ziehen soll. Wir longieren Volten, Geraden, Zirkel verkleinern und vergrößern, um Hütchen, über Stangen usw.

Die anderen Ponys longiere ich nie. Aber jetzt, wo Diego wirklich dringend neue Muskeln braucht und ich da nicht dauernd auch noch draufsitzen will, hat ihn das Longier-Schicksal ereilt. Es ist einfach die beste Art, schnell ein bisschen Grundmuskulatur wieder aufzubauen, finde ich. Nun ist das Problem, dass Diego zwar weiß, wie longieren geht, es aber bei uns – also seit fast 12 Jahren – eigentlich nie gemacht hat. Von einer feinen Kommunikation wie mit Duncan kann daher keine Rede sein. Außerdem ist Diego auf unserem recht kleinen Reitplatz herausgefordert: für ihn, mit seinem hohen Schwerpunkt und seiner Überbeweglichkeit, ist es viel schwieriger, die Kurve korrekt zu kriegen, als für den kleinen, kompakt-kurzen, stabilen Ritter. Zumal ihm ja genau jene Muskulatur gerade fehlt, die er dafür braucht.

Hätte ich alles vorher wissen können. Bzw wissen sollen. Stattdessen habe ich Diego unbedarft an die Longe genommen und gemeint, er könnte das doch jetzt mal machen. Und er müsste das jetzt mal tun, wegen der Muskeln. Und dann war das alles Mist. Und es wurde immer mistiger. Diego zog nach außen, ich war sauer, er war sauer und von schönem Training war keine Rede.

Als ich nachher darüber nachdachte, was da wohl passiert ist, wurde mir klar: meine Ansprüche waren viel zu hoch. Weil Diego immer der Große ist, der alles besser kann als Duncan, habe ich automatisch unbewusst geschlussfolgert, dass er das an der Longe genauso gut kann wie Duncan. Aber woher denn, wenn wir es nie mit ihm geübt haben? Was für eine dumme Annahme. Also fange ich jetzt eben von vorne an. Habe ihm einen Gurt gekauft, nehme ihn an die Doppellonge und erarbeite mir Schritt für Schritt das, was ich mir mit Duncan ja auch Schritt für Schritt erarbeitet habe. Das ist ja gar kein Problem!

Ich nehme das als Warnschuss für mich. Denn bisher war Duncan immer „der Kleine“. Mir war klar, dass er nichts kann, was ich nicht mit ihm geübt habe. Aber bei erwachsenen Pferden gehen wir viel zu oft davon aus, dass sie dieses oder jenes einfach können. Das liegt sicher auch daran, dass ein erfahrenes Pferd mit guter Grundausbildung die meisten Aufgaben auf Anhieb gut lösen kann. Weil Pferde eben einfach schlau sind und oft richtig raten, trotz mangelhafter Übung und schlechter Hilfestellung unsererseits. Aber es ist nicht fair, sie in Situationen zu bringen, in denen sie sich nicht auskennen, und dann raten zu lassen. Und jetzt, wo mein Ritter langsam erwachsen ist, möchte ich das im Kopf behalten. Jede neue Situation ist eine Übungssituation. Ja, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er gute und richtige Entscheidungen trifft. Es ist mein Job, ihm dann rückzumelden, welche Entscheidungen ich toll finde. Und es ist mein Job, ihm zu helfen, wenn er sich nicht auskennt. Es ist mein Job, die Aufgabe möglichst so zu wählen, dass er sie gut bewältigen kann.

Neben Missverständnissen und Unwissenheit kommen oft auch körperliche Schwierigkeiten dazu, die wir Menschen komplett unterschätzen. An der Longe im Kreis laufen, kann doch nicht so schwer sein, oder? Ein Pferd müsste das doch können – um die Kurve laufen. Auf der Koppel schafft er das doch auch! Aber auf der Koppel kann das Pferd alles selbst entscheiden: Geschwindigkeit, Kurvenlage, Stellung/Biegung. Und auch da können wir oft sehen, wie Pferde unelegant irgendwo längs schroten und im Zweifel noch wegrutschen oder in den Zaun knallen. Pferde sind nicht unbedingt für Kurven gebaut. Sobald aber der Mensch ins Spiel kommt, sollen sie lernen, die Kurven vernünftig zu laufen, nämlich so, dass kein Bein übermäßig belastet wird und der Reiter im Schwerpunkt sitzen kann. Und das will nunmal gelernt sein. Und ein Pferd wie Diego, der das mit Reiter durchaus beherrscht, kann dann trotzdem an der Longe recht verloren sein, weil die einrahmenden Hilfen von oben fehlen und stattdessen die Longe am Kopf das Gleichgewicht empfindlich stört.

Und während wir all solche Dinge verlangen, nehmen wir den Pferden gleichzeitig die Möglichkeit, sich selbst gut zu trainieren. Auf unseren stinklangweiligen, meist sehr ebenen Weiden und Paddocks (ganz zu schweigen von Boxen) haben sie keine Möglichkeit, sich mal in Ruhe mit ihrem Körper auseinanderzusetzen. Deswegen hat der Ritter bei mir von Anfang an Wippe, Matratze und Hangtraining kennengelernt. Wieder ist es also mein Job: dafür zu sorgen, dass er sein Gleichgewicht üben kann in möglichst vielen verschiedenen Situationen. Dafür zu sorgen, dass ich ihn möglichst wenig störe in seiner Balance. Dafür zu sorgen, dass ich keine Aufgabe stelle, die er aus körperlichen Gründen gar nicht lösen kann.

Ein Leben lang bleibt das mein Job, egal wie gut mein Pferd geworden ist. Ich bin verantwortlich, denn mein Pferd ist mir ausgeliefert in einer Welt, die seiner Natur nicht entspricht. Wenn ich meinen Job ernst nehme und gut mache, können wir zusammen eine Menge Spaß haben. Wenn ich meinen Job vernachlässigt habe, so wie bei Diego an der Longe, entschuldige ich mich und mache es dann besser. Mein Anspruch an meine Ponys ist wahnsinnig hoch, das weiß ich. Und die Ponys sind mehr als bereit, meine Ansprüche zu erfüllen, wenn ich meinen Teil der Arbeit richtig mache: sie vorbereiten, ausbilden und nichts jemals als gegeben hinnehmen, sondern immer bereit sein, zu helfen oder einen (oder mehrere) Schritt zurückzugehen. Egal, wie alt mein Pony ist.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 469

„Hat hier ein Schotte Lust auf ein Abenteuer?“ hat mein Mädchen in den Stall gefragt. Ich war gerade beim Staubsaugen (letzte Halme Heu zusammenklauben), aber als ich den Satz gehört hab, bin ich natürlich sofort zur Tür! Klar hab ich Lust auf ein Abenteuer! Also ab in die Wackelkiste und zum Schimmelfreund! Und jetzt passt gut auf, denn jetzt wird es kompliziert: der Schimmelfreund hat ja auch Kumpel, nämlich ein Exmoorpony und einen Schimmelfreund! Und mit dem sind wir heute ausreiten gewesen – also mit dem Schimmelfreund vom Schimmelfreund.

Das Mädchen von den beiden Schimmelfreunden war schon gleich hellauf begeistert, weil ich einfach ganz still angebunden am Anhänger gewartet habe, während mein Mädchen mich gesattelt und sich selbst angezogen hat. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, sie soll sich mal nicht täuschen lassen, ich wäre schon aufgeregt! Aber das Mädchen vom Schimmelfreund meinte, dann würde ich das ja wohl voll gut wegatmen. „Deswegen hab ich Ponys!“ sagt mein Mädchen. Aber da hab ich sie streng angeschaut! Sie findet Ponys nämlich immer genau so lange toll, bis ich meiner Pony-Natur folge und den nächsten grünen Halm anvisiere! Dann sagt sie plötzlich Dinge wie „verfressen“ und „wehe wenn der Schotte was zu essen sieht – oder auch nur was, was er für essbar hält“. Aber, mein Mädchen, ein Pony ist ein Pony ist ein Pony! Man kann nunmal das eine nicht ohne das andere haben, isso! Und jetzt gib mir einen Keks, schließlich mache ich das hier gerade wirklich großartig, obwohl ich aufgeregt bin!

Die Menschen sind dann aufgestiegen und es ging los! Während ich so ganz konzentriert darauf war, alles richtig zu machen (und das auch gut hingekriegt habe), ist das Mädchen vom Schimmelfreund plötzlich abgestiegen, der war nämlich etwas „arabisch“ und tänzelte da herum. Ich hingegen – Vorteile des Ponys! – bin ganz super artig weiter geradeaus gegangen und habe so getan als würde mich das nur sehr peripher tangieren. Nach einer Weile hatte der Schimmelfreund vom Schimmelfreund sich abgeregt und sein Mädchen ist wieder aufgestiegen. Danach sind wir ganz gepflegt zu dritt im Schritt eine kleine Runde gegangen .

Zwischendurch kam nochmal die Ente des Grauens ins Spiel, aber ich habe mich doll zusammengerissen und fleißig weiter geatmet, keinen Hopser gemacht und mir dafür auch wieder direkt einen Keks geben lassen. Kurz danach mussten wir über eine Holzbrücke, da ist mein Mädchen lieber nochmal abgestiegen. Ihr Kopf macht ja dann so Sachen und sie malt sich aus, wie die Ente des Grauens direkt unter der Brücke auffliegt, ich mich erschrecke, einen winzigen Hopser mache, auf dem feuchten Holz ausrutsche und dann das Unheil seinen Lauf nimmt. Quatsch, Mädchen, ich hätte das gekonnt! Aber sie wollte lieber neben mir sein. Nach der Brücke ist sie dann einfach wieder auf meinen Rücken gehopst – kleine Ponys haben große Vorteile!

Ein Stück weiter stand eine nette Frau am Wegesrand, die dieses schöne Foto von uns gemacht hat! Die nette Frau war das Mädchen vom Kumpel von den beiden Schimmelfreunden – das Exmoorpony. Ich weiß, ich weiß, mit den Verwandschaftsverhältnissen wird das hier immer komplizierter! Ich blicke da auch nicht immer ganz durch. Ist ja auch nicht so wichtig, wichtig war für mich vor allem, dass sie sofort schockverliebt in mich war und ich mit ihr flirten durfte, während mein Mädchen Fragen über mich beantwortet hat.

Zu dritt auf Tour! Schön war das.

Als wir fertig waren mit flirten, ging es weiter. Diego immer vorneweg. Und dann ist was passiert, was ich noch nie erlebt habe: Diego hat sich plötzlich gefürchtet und wollte nicht weiter gehen! Rechts neben dem Weg lag etwas auf der Wiese, was in seinen Augen aussah wie eine Hydra! Es hatte viel zu viele Köpfe! Der Mann hat angefangen zu lachen, Diego hat eine kleine Runde gedreht, der Schimmelfreund und ich haben angemerkt, dass etwas, was Diego Angst einjagt, definitiv zu gefährlich ist, um daran vorbei zu gehen, da kam Diego von hinten, hatte seinen ganzen Mut gesammelt und ist an der Hydra vorbei gegangen. Stellt sich raus: es waren nur kleine Baby-Schafe, die da schlafend zusammengekuschelt lagen. Aber man kann als Pony einfach nicht vorsichtig genug sein! Ich bin froh, dass Diego so verantwortungsbewusst mit der Situation umgegangen ist.

Etwas weiter sind wir noch an einer gruseligen Stelle vorbei gekommen, wo unter uns ein Wasserfall war. Die beiden anderen hat das nicht interessiert, aber ich war doch ein bisschen im Zweifel, ob ich da so einfach weitergehen kann. Mein Mädchen hat gesagt „wir schaffen das, wir sind schon groß!“ und hat so getan als wäre sie sich da ganz sicher. Und ich hab dann auch einfach so getan als wäre ich mir sicher. Ich bin nämlich ein guter Schauspieler geworden! Wenn man so tut als wäre man sich sicher, passiert auch nix schlimmes, habe ich fest gestellt.

Nach gut 3km waren wir dann auch schon wieder zurück. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir, weil ich alles richtig gemacht hab. Mein Kopf hat eine Menge Eindrücke zu verarbeiten und ich hab wieder viele Dinge gesehen und gehört, die man so als Pony mal gesehen und gehört haben sollte. Die Liste an ungefährlichen Situationen wird länger und die an vielleicht gefährlichen entsprechend kürzer. Was auch länger wird: die Liste mit den Ausreitkumpels!

Morgen ist hoffentlich ein Romantik-Ausflug dran, dann kann mein Körper sich austoben während der Kopf nicht viel zu tun hat.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit den vielen Ausreitfreunden

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 468

Regen, Regen, Regen! Sonst konnte das Wetter gestern gar nix. Mein Mädchen hat grimmig gelacht und gesagt, wir können froh sein, dass der Regen diesmal senkrecht von oben kommt und nicht – wie sonst so oft – waagrecht. Trotzdem war das einfach kein Ausreitwetter. Es war ja nicht nur von oben nass, sondern mittlerweile ist ja auch von unten alles sooooo nass, dass es wirklich keinen Spaß mehr macht.

Also kein Ausritt. Stattdessen waren die Menschen auf einer Spezial-Mission. Mein Ausreitkumpel hat nämlich einen neuen Freund bekommen! Den haben mein Mädchen und der Mann gemeinsam mit dem Harem von meinem Ausreitkumpel begutachtet und dann mit unserer Wackelkiste in sein neues Zuhause gefahren. Sicherlich werde ich ihn demnächst persönlich treffen, wenn wir mal wieder ausreiten gehen, da bin ich schon gespannt!

Ich hab derweil zu hause Langeweile geschoben. Samstag hatte ich frei, da hat mein Mädchen den ganzen Tag gearbeitet. Und jetzt also dieser Sonntag mit Regen, Regen und Regen. Wir Ponys haben uns in den Stall gestellt und mürrisch geguckt. Ich hab ab und zu ein bisschen gestänkert, aber so richtig Spaß hat das auch nicht gemacht.

Mittags tauchten die Menschen dann auf und fingen an, den Stall sauber zu machen. Ich hab mein Mädchen aufgefordert, was mit mir zu machen, aber sie meinte, sie macht jetzt erst noch den Stall sauber. Mir ist aber so langweilig! Also hab ich, als sie nicht hingeschaut hat, die anderen ein bisschen geärgert. Mein Mädchen hat das aber wohl gehört, jedenfalls hat sie gelacht und gesagt, ich würde wohl wieder ein bisschen Stunk machen, oder? Dann hat sie mich angeschaut und nochmal gelacht, weil ich meinen unschuldigsten Blick aufgesetzt hatte und sie mit ganz runden Knopfaugen unter meinem Pony angeblinzelt habe. Iiiiiiiiich? Ich ärgere doch niemanden! Bin dann zu ihr gegangen und hab mit ihr ein bisschen geflirtet und sie hat versprochen, dass wir nachher was machen. Ok!

Nachher kam sie dann auch. Im Schlepptau hatte sie den Mann. Wir haben wieder Stangen in der Halle gemacht, aber diesmal hat der Mann immer genau abgemessen, wie groß der Abstand sein muss. Im Schritt und auch im Trab. Ich war am Anfang dezent überdreht wegen der Langeweile. Mein Mädchen hat gesagt, ich bin dann so, wie ich früher immer war. So ein bisschen zu aufgedreht und nicht so aufmerksam wie sonst. Ich bin dann so in Schwung und dann mache ich einfach das Programm was ich da seh und vergesse, dass sie ja immer alles bestimmen will. Ich meine: da liegen Stangen, dann geh ich da rüber, so soll ich das doch! Aber sie ist ja so pingelig. Naja, nach den ersten Runden ging es mir besser und ich konnte zuhören. Es war praktisch, dass der Mann da war, denn wenn ich mal die hochgelegte Stange von ihren Haltern gefegt hatte, konnte er sie wieder aufheben. Das passiert mir aber immer seltener, vor allem im Trab kann ich das jetzt voll gut. Deswegen hat mein Mädchen gemeint, wir versuchen mal einen kleinen Galopp. In unserer winzigen Halle ist das voll schwer! Da jagt eine Kurve die nächste! Letztes Mal als wir Galopp versucht haben, hab ich das nicht geschafft. Aber ich bin ja so viel besser geworden mit den Kurven und dem Galopp, dass mein Mädchen dachte, wir probieren das. Mit einer Stange zum Hüpfen. Aber das mit dem Hüpfen, das hab ich noch nicht so ganz raus.

Der einzige gelungene Versuch – den Rest erspare ich euch lieber!

Naja, trotzdem fand sie, ich hab das alles toll gemacht und jetzt ist Feierabend! Danach war Diego dran. Ich bin draußen vorm Tor stehengeblieben und hab mir das angeschaut. Auch für Diego wurden die Stangenabstände genau vermessen. So kann mein Mädchen jetzt demnächst die Stangen einfach gleich ganz richtig und akkurat hinlegen. Diego hat noch nicht so viel Übung mit den Stangen, bei dem macht es voll oft „Klonk“ wenn er da rüber läuft. Obwohl alle ganz niedrig am Boden liegen! Bei mir ist mein Mädchen da streng: wenn es „klonk“ macht, kriege ich keinen Keks! Ich muss ganz leise über die Stangen laufen, damit es einen Keks gibt. Bei Diego ist sie da nicht so streng, aber der soll das auch noch lernen.

Ich hoffe bloß, dass es dann auch bald wieder Outdoor-Programm gibt, sonst versauere ich hier noch! Dann muss ich doch ganz eventuell noch den einen oder anderen Kumpel ein bisschen ärgern, aber psssssst sagt das nicht meinem Mädchen!

Euer gelangweilter Sir Duncan Dhu of Nakel

Allein ausreiten

Das Wunschthema der besten Gewichts-Schätzerin ist dran!

Nachdem ich erst noch dachte, dass es wohl noch dauert, bis ich zu diesem Thema ernsthaft was schreiben kann, ist es ja nun einfach so passiert. Und zwar genau so, wie ich es mir vorgestellt habe: unspektakulär. Ohne Angst – weder auf meiner, noch auf Duncans Seite. Ohne Stocken, Glotzen, Zucken oder Beschleunigen. Ohne einen einzigen Moment in dem er gefragt hätte ob wir umdrehen und ohne einen Moment in dem ich hätte absteigen wollen.

Wenn ich Dinge tue, die für mich am Limit der Angst liegen, tue ich immer alles, um mich möglichst sicher zu fühlen. Am Anfang steht dabei stets die Akzeptanz des Restrisikos. In meinem Kopf ist es die Angst, dass Duncan sich erschreckt und kopflos losrennt. Dabei könnte er stürzen, auf die Straße in ein Auto rennen oder sich mit dem auf unserer Hausrunde allgegenwärtigen Stacheldraht anlegen. Das Restrisiko bleibt: jedes Pferd kann sich erschrecken (bei Diego bin ich da allerdings nicht ganz sicher… ). Aber einige Jahre Erfahrung mit Duncan haben mir gezeigt, dass er nicht der Losrenn-Typ ist. Zusammenzucken, mal ein Stück laufen, einen Hüpfer zur Seite machen, das hatten wir alles schon. Blindes losrennen hatten wir tatsächlich nur zweimal und das beide Male hier zu hause und in Situationen, die so im Gelände nicht passieren.

Außerdem für mein Sicherheitsgefühl unerlässlich: der Notfallplan. Mein Mann ist im Homeoffice, der kann uns sofort aufsammeln, wenn was sein sollte. Er weiß, welche Wege wir reiten und wie lange das dauert. Sollte ich stürzen und nicht in der Lage sein, ihn anzurufen, wird er das spätestens nach 45min merken. Da mir das zu lang ist, rüste ich jetzt auf und habe einen Sturzsensor für meinen Helm gekauft, den ich demnächst dann mit habe.

Falls mich unterwegs die Angst überrollt, hätte ich gern moralische Unterstützung: reden hilft mir. Es lenkt mich vom Kopfkino ab. Und wie redet man mit jemandem, der weit weg ist? Man telefoniert. Da mein Mann nicht den Nerv hat, sinnlos mit mir zu reden, habe ich mir da jemand anders auserkoren und mit ihr abgesprochen, dass ich sie anrufen darf wenn ich es brauche. Ich brauchte es nicht, aber ich werde mir diese Option sicher noch ein paar mal offen halten. Headset machts möglich, ich könnte zur Not den ganzen Ritt über jemanden im Ohr haben. Dann weiß ich auch: diese Person kann meinen Mann informieren falls die Verbindung abreißt. Apropos Handy: der Akku ist natürlich voll geladen, wenn ich los reite!

Für mich fühlt es sich sicherer an, mit Reitpad (ohne Sattel) loszuziehen. Eine für manche vielleicht etwas merkwürdige Sicherheitsmaßnahme, die ich auch beim Anreiten ergreife. Ich mag am liebsten schnell unten sein, wenn es drauf ankommt. Kein Steigbügel zum verheddern (das kann ja auch mit Sicherheitssteigbügeln passieren), kein Vorder- und Hinterzwiesel zum hängen bleiben. Einfach rutschen lassen, wenn es Not tut.

Meinen Körper schütze ich so gut wie es geht. Ich reite Duncan tatsächlich IMMER mit Handschuhen. Er hat mir diese Kraft gezeigt, die in ihm steckt und ich will zur Not doch wenigstens festhalten können, auch im Sturz noch, wenn es Spitz auf Knopf steht. Auch die Sicherheitsweste ist bei Duncan im Gelände für mich ein Muss. Ich bin älter geworden, so ist das nunmal. Ich weiß nicht, ob ich noch so geschmeidig falle und ich möchte meinen Rücken geschützt wissen. Unser Gelände ist steinig, wir sind viel auf Asphalt, mit dem möchte ich mich nicht anlegen. Helm ist bei mir im Gelände sowieso immer auf, ich hab nur den einen Kopf (er mag nicht viel taugen aber ohne wäre wohl schlimmer).

Anfangs wagen wir uns nur bei passendem Wetter alleine raus: kein Wind, wärmer als die Tage davor, kein Regen. Das können wir alles später üben, wenn wir mehr Routine haben. Für den Fall einer unheimlichen Begegnung (welcher Art auch immer) habe ich genug Kekse in der Tasche. Weiß der Himmel, welcher Herausforderung wir begegnen und Kekse besiegen bekanntlich Monster. Es beruhigt meine Nerven, zu wissen, dass ich zur Not füttern kann bis Hilfe kommt. Auch für mich selbst habe ich einen kleinen Riegel mit, vielleicht hilft essen mir im Notfall auch.

Außerdem wende ich die „vielleicht heute“-Taktik an und dabei wird es noch eine Weile bleiben. „Vielleicht heute“ bedeutet, dass ich mir bei jedem Ausritt die Option offen halte, zu reiten, zu führen oder umzudrehen. Vielleicht reite ich heute. Aber sicher ist das eben nicht. Es ist kein fester Vorsatz, den ich auf Biegen und Brechen umsetze. Es muss sich richtig anfühlen – und zwar KOMPLETT richtig. Ein gewisses Maß an Angst kann schon mitkommen, aber ich muss das Gefühl haben, dass es so wenig ist, dass wir beide – Duncan und ich – gut damit umgehen können. Gegen die Angst hilft (neben dem Headset mit dem ich zur Not eine helfende Stimme im Ohr haben kann) auch die Atmung. Mir hilft „Box-breathing“: Einatmen auf 4, dann 4 anhalten, 4 ausatmen, nochmal 4 anhalten. Das hat den Vorteil, dass man ziemlich beschäftigt ist mit atmen und zählen und es gleichzeitig das Nervensystem runterfährt.

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, wie viel Angst für mich tolerabel ist und wann es ein echtes Problem ist. Zu viel Angst macht mich fahrig, steckt mein Pony an, beeinträchtigt mein Urteilsvermögen. Ich denke mal, dass jeder sein eigenes Maß an Angst-Toleranz hat, meins ist klein. Unter anderem ein Grund, weshalb ich Ponys reite und keine Spanier, Araber oder Vollblüter. Außerdem funktioniert es bei mir nicht, die Angst zu überwinden und danach zu lernen: ist nicht schlimm. In meinem Kopf bleibt es immer schlimm, wenn ich zu viel Angst hatte. Besser wird es nur, wenn die Angst nachlässt, während ich reite. Ich hatte hier schon einmal ausführlich darüber geschrieben.

Trab! Ich hab die Erfahrung gemacht, dass im Schritt die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass Duncan unter Spannung kommt. Er schaut sich dann etwas zu viel um und hat zu viel Zeit, nachzudenken. Davon abgesehen dauert die Runde im Schritt viel länger, so dass noch viel mehr Zeit ist, sich zu fürchten. Sein langsamer Pony-Trab kommt mir da gerade recht. Das ist eine sehr ruhige Gangart, in der er sich gut entspannt und die ich gut aussitzen kann.

Letztlich läuft es dann alles wieder auf Punkt 1 hinaus. Reiten ist gefährlich, so oder so. Aber Autofahren ist das auch und trotzdem tun wir es dauernd ohne uns Sorgen zu machen. Und ich bin nicht gewillt, mir den Spaß am Ausreiten nehmen zu lassen. Seit ich Duncan habe, träume ich davon, wieder ausreiten gehen zu können. Und gerade im Winter habe ich mich oft geärgert, wenn dann mal gutes Wetter war und ich Zeit hatte, aber niemanden, der hätte mitkommen können. Einmal die Hausrunde reiten zu können ist schon eine große Bereicherung für unser Winter-Repertoire. Davon abgesehen, dass ich viele Dinge üben kann auf so einem allein-Ausritt, weil ich mich nicht dem Tempo von anderen anpassen muss, sondern spontan entscheiden kann. Kurz und gut: ich will allein ausreiten können. Und das Restrisiko ist gering, also Bange machen gilt nicht. Manchmal hilft es mir, dass Finlay in einer eigentlich komplett harmlosen und sicheren Situation verunglückt ist. So habe ich gelernt: jede noch so sicher scheinende Situation kann in die Katastrophe führen. Es macht also keinen Sinn, jedes noch so kleine Risiko meiden zu wollen und dafür den ganzen Spaß zu verpassen. Und Duncan ist genau wie Finlay: aufschieben ist nicht. Gelebt wird jetzt, hier und heute.

Trotzdem gehört zum allein ausreiten natürlich gute Vorbereitung. 11 mal sind wir gestartet. Gefühlt haben wir die ersten 9 male eher Rück- als Fortschritte gemacht. Das auszuhalten ist manchmal schwer, aber ich hatte das sichere Gefühl, dass unser Tag schon kommen wird. Ich hatte auch noch ein paar Pläne in petto. Was letztlich jetzt den Unterschied gemacht hat, weiß ich nicht. Ich glaube, Duncan ist einfach insgesamt in den letzten Wochen nochmal erwachsener geworden. Er wirkt auch im sonstigen Umgang anders, viel gefestigter in sich.

Was uns sicherlich sehr viel geholfen hat war „alleine ausreiten ohne alleine auszureiten“. Bei den letzten Ausritten habe ich dazu jede Möglichkeit genutzt, die sich ergeben hat. Und ich konnte sehen, wie es Duncan von mal zu mal leichter fiel, sich von Diego zu lösen und munter vorweg zu traben. Und auch mein Kopfkino wurde immer weniger. Das schöne an dieser Übung: ich bestimme komplett allein, wann und ob ich sie abbreche. Denn im Zweifel kann ich anhalten, absteigen und Duncan grasen lassen, bis Diego uns eingeholt hat. Dieser beruhigende Gedanke hat mich mutig gemacht.

Nun bleibt mir zu hoffen, dass wir unseren Erfolg wiederholen können. Jedenfalls weiß ich jetzt, wie Duncan sich anfühlen soll, wenn wir losreiten. Er sagt mir schon, ob er das schafft. Sollte er sich nicht so anfühlen, kann ich ja umschwenken auf Plan B. Der erste Schritt ist geschafft, wir haben ein wunderbar positives Erlebnis abgespeichert und sind jetzt erstmal stolz auf uns.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 467

Mein Mädchen ist ja wirklich zu lustig. Immer redet sie von Fitness. Ich soll Sport machen für meine Figur, Diego soll Sport machen für seine Muskeln, beide sollen wir Sport machen für die Gesundheit. Aber sie selbst…. am Sonntag, als ich ihr mal gezeigt habe, wie fit ich bin – trotz winterlicher Pause! – hat sie prompt gemerkt, wie unfit SIE eigentlich ist. Und das lässt sie nicht auf sich sitzen! Also macht sie jetzt Sport. Sie hat sich ein Programm zusammengestellt, genau wie für uns. Einen Tag Beine, einen Tag Bauch, einen Tag Arme und Schultern. Das ist wie einen Tag Longe, einen Tag reiten, einen Tag Wippen. So wie wir wird sie wohl auch gelegentlich einen Pausentag einlegen um die Muskeln wachsen zu lassen. Es ist zu schade, dass ich sie bei ihrem Training nicht beobachten kann, ich finde es ja immer so witzig, wenn sie versucht „sportlich“ zu sein. Ich meine, ihr solltet das mal sehen, wenn sie an der Longe versucht, ein bisschen mitzulaufen, damit ich geradeaus galoppieren oder auch nur traben kann. Nach 10 Metern verlässt sie ja schon ihre Puste und sie kriegt das Hecheln!

Aber jetzt ist sie wild entschlossen, weil sie Angst hat, dass sie nicht mithalten kann. Wenn es bald hoffentlich wieder losgeht mit den Ausflügen mit dem Ausreitkumpel, dann werden wir uns beide umschauen, der hat nämlich sauber durchtrainiert und läuft uns davon! Und mein Mädchen sagt, sie kennt mich, ich bin bestimmt ganz schnell wieder voll mit dabei, nur sie selbst halt nicht. Dem will sie etwas entgegensetzen. Das ist lobenswert, mein Mädchen, aber insgesamt können wir beide heilfroh sein, dass ich so ein starker Gentleman bin und dich trage. Ich erinnere mich mit Schrecken an die Zeit, als sie neben mir her gelaufen ist. Sooooooo langsam! Es war zermürbend. Und ich persönlich finde, ich hab da noch was gut bei ihr und darf jetzt auch mal bisschen schneller als sie es will – schließlich war sie jahrelang viel langsamer als ich es wollte! Da ist das nur gerecht, oder?

So oder so: ich kriege sie schon fit. Und wenn sie ohne mich noch etwas dafür tut, wird es hoffentlich nicht so mühsam für mich und wir können bald einfach wieder Spaß haben.

Euer fitter Sir Duncan Dhu of Nakel (in seiner Funktion als Mädchen-Trainer)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 466

Heute waren mein Mädchen und ich wieder allein ausreiten. Wenn ich mich nicht verzählt habe, war es das 12. mal. Und bisher haben wir es nie weiter als bis zum zweiten Nachbarn geschafft und das war am 20.11.! Danach waren wir nicht mehr allein los, weil nie die richtige Kombi war. Wetter muss stimmen, der Mann muss zu hause sein, mein Mädchen muss sich fit fühlen und ich darf nicht ZU gute Laune haben.

Heute hat das dann endlich mal wieder alles gestimmt! Mein Mädchen hatte schon so ein Gefühl. Sie hat mir meine Schuhe angezogen, weil sie meinte, es könnte heute so weit sein. Und ich hab das auch gemeint. Sie hat mich angezogen und dann hat es noch ewig gedauert, bis es wirklich los ging, weil sie erst dem Mann Bescheid gesagt hat, dann hat sie noch ihr Headset eingepackt und das Mädchen vom Schimmelfreund informiert, dann nochmal Nase putzen, Handy starten, durchatmen…. und endlich ist sie auf den Hocker geklettert. Ich hab sie gleich passgenau abgeholt und dann ging es los! Ich hatte richtig Bock und bin los marschiert wie ein Großer. Links vom Hof (rechts mag ich ja nicht so) und dann einfach so, als hätten wir nie was anderes getan. Mein Mädchen hat sich sicher gefühlt und mir gesagt, dass ich das so toll mache, dass sie sich sicher fühlt. Ich hab mich auch sicher gefühlt. Dann kamen wir an den Baum. Da haben wir ja bisher immer eine Graspause gemacht, da habe ich mein Mädchen dran erinnert, aber sie hat nein gesagt. Doch! Nein! Wir gehen jetzt weiter! Menno. Na gut. Ein kleines Stückchen Trab (mein „kleiner“ Trab, gut mit Pad zu sitzen für mein Mädchen und so ruhig, dass sie nicht das Gefühl hat, es könnte mit mir durchgehen). Dann kam eine Spaziergängerin mit einem Hund, der hatte so eine reflektierende Decke an, da hab ich kurz geguckt, aber im Grunde stört mich sowas ja nicht. Und schon waren wir an der Eiche! Das ist quasi der „point of no return“, denn danach kommt der schöne Grasweg. Mein Mädchen hat überlegt, ob sie akustische Unterstützung braucht. Deswegen hatte sie nämlich das Headset mit, dann hätte sie das Mädchen vom Schimmelfreund angerufen und sich mit ihr unterhalten, damit ihr Kopf nicht so viele dumme Dinge denkt. Aber nach einer kurzen Überlegung hat sie gemerkt: ihr Kopf denkt gar keine dummen Dinge. Sie ist entspannt und ich bin es auch und wir genießen unsere Zweisamkeit. Also ging es den Grasweg entlang, an den guten Stellen im Trab, an den allzu glitschigen Stellen im Schritt. Ich hab super aufgepasst und alles richtig gemacht. Dann kamen wir auch schon an den Dornröschenweg. Den findet mein Mädchen ja immer etwas gruselig, weil der so schmal ist: links Stacheldraht, rechts eine Baumreihe, hinter der ein Wassergraben liegt. Kein Platz für nix! Aber wir waren beide so gut drauf, dass sie gesagt hat, wir kriegen auch das hin. Und ich bin ja ein Schmalspurpony, ich komme eigentlich überall gut durch. Also hab ich sie da durch getragen und danach haben wir eine Graspause gemacht. Während ich Gras geschmaust habe, stand mein Mädchen neben mir und hat ein Foto für den Mann (und für euch) gemacht. Sie hat dem Mann das Foto geschickt und ganz viele Herzchen drunter gemacht, damit er weiß, dass wir schon so weit gekommen sind und alles gut ist.

Hinter mir seht ihr den Dornröschennweg. Auch den haben wir entspannt gemeistert!

Nach einer Weile war die Graspause zu Ende, mein Mädchen ist wieder aufgestiegen und dann kam der Teil, den ich am wenigsten mag. Ich habe eine Alternativ-Route übers Feld vorgeschlagen aber leider müssen wir auf den Wegen bleiben. Es geht da steil bergab mit großen Steinen, das ist immer kompliziert und wenn es so viel geregnet hat, ist es noch komplizierter. Aber ich kann das und habe mein Mädchen auch da wohlbehalten runtergetragen. Dann noch etwas Trab, im Schritt an den Pferden vorbei (mein Mädchen war schon wieder stolz, weil ich das so toll mache), noch etwas Trab und schon waren wir wieder fast zu hause. Da kam uns noch der Nachbar mit seinem komischen Gefährt entgegen, das surrt so merkwürdig, aber auch das kann ich. Und kurz vor zu hause ist sie abgestiegen, hat mir viiiiiiiiiiiele Kekse gegeben und gelacht, weil ich angeblich schon wieder „dieses Gesicht“ gemacht habe. Dieses Gesicht, sagt sie, sieht aus als wollte ich sagen „jaaaaa ich weiß, ich bin toll, aber das ist doch alles ganz selbstverständlich, ich konnte das doch schon immer und es ist gar nix besonderes“.

Mein Mädchen sagt, genauso hat es sich angefühlt, als ob wir das schon immer gekonnt hätten. Ganz unspektakulär, einfach nur schön und entspannt. Und genau so sollte es ja auch sein! Ohne gucken oder angespannt sein oder Angst haben. Nur ausreiten.

Später kam sie dann und hat Diego gerufen, da habe ich mir überlegt, dass so ein kleiner Ausritt ja auch gar nicht reicht und hab mich nochmal angestellt. Ich hätte jetzt auch noch was auf dem Platz machen können! Aber mein Mädchen ist ja nicht so fit wie ich, die braucht dann irgendwann eine Pause, das verstehe ich ja. Also habe ich einfach noch zugeschaut, wie sie was mit Diego gemacht hat, sie danach gefragt, ob wir nicht doch vielleicht noch eine Runde drehen wollen und wenn nein ob ich dann noch einen Keks bekommen kann (leider auch nein) und habe mir nochmal sagen lassen, was für ein großartiges, wunderbares, mutiges, erwachsenes, selbständiges und geniales Pony ich bin.

Ich wäre ja gern nochmal dran!

Und das höre ich ja wirklich gern, muss ich sagen. Dann mache ich wieder mein Gesicht, tue so als wäre das selbstverständlich und fühle mich innerlich wie der König der Welt!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 465

Sonntaaaaag! Als mein Mädchen die Wackelkiste parat gestellt hat, hab ich schon gleich angefangen, mich zu freuen. Los ging es, zu einem unserer Lieblingswege. Und wisst ihr was? Das Satteldeckenproblem ist gelöst! Und zwar auf die denkbar beste Art und Weise! ICH habe jetzt nämlich eine neue Satteldecke in passender Farbe bekommen und Diego trägt meine alte mit der komischen Farbe. Der macht sich da nix draus, das passt schon, sagt er.

Mein Mädchen wollte die App starten, aber die App hatte heute Sonntag und keine Lust zu starten. Also ohne App, macht ja auch nix. Aber später hat sie sich schon geärgert, dazu komme ich gleich….

Schön im Trab den Lieblingsweg entlang bis zur Grillhütte. Dort hat der Mann einmal nachgesattelt, er muss noch üben mit der neuen Decke so zu satteln, dass alles auch da bleibt wo sie soll. Als alles wieder richtig lag, hat mein Mädchen vorgeschlagen, wir könnten galoppieren. Wir vorneweg. Mein Mädchen von oben „aaaachtung, und hopp“ und ich bin angaloppiert. Ach, herrlich, endlich mal die Beine strecken! Mädchen, schau mal, ich kann auch schneller! „Na gut, ein bisschen schneller darfst du noch“. Ok. Aber schau mal, wenn ich mich ganz gerade mache, kann ich sogar noch schneller! Wollte sie nicht. Also hab ich wieder etwas gebremst. Aber so langsam ist halt so langweilig! Also hab ich wieder Gas gegeben. Sie wieder gebremst, ich wieder Gas gegeben. So ging es etwas hin und her, bis am Wegesrand ein komisches Dings stand und mich der Mut verließ, da habe ich durchpariert. Als wir da vorbei getrabt waren sagt mein Mädchen „wir galoppieren jetzt nochmal aber mit Würde und Anstand“ – oder aber, mein Mädchen, wir galoppieren jetzt nochmal und diesmal mit mehr Tempo! Wo ich mich doch gerade so schön warm gelaufen hab, schau mal huiiiiiiii! Und ich könnte noch viel schneller wenn du nicht ständig bremsen würdest! Fühlst du das, diesen Turbo in meinem runden Pony-Popo? Der ist warm und hat ordentlich PS unter der Pelzhaube, merkst du das? Ich könnte noch viel …. oh. Jetzt ist sie sauer. Schade.

Aber jetzt soll mir die Logik einer mal erklären: im Schritt sagt sie mir in einer Tour, ich soll so schnell gehen, wie ich nur kann. Im Trab sagt sie, ich soll so schnell laufen wie ich kann. Aber im Galopp, wenn ich dann mal zeigen will, WIE schnell ich kann, dann ist es falsch! Das macht doch keinen Sinn, Mädchen! Ich glaube, das müssen wir noch diskutieren.

Naja, es ging dann im Schritt durchs Dorf und kaum waren wir raus aus dem Dorf, war auch schon wieder Trab angesagt. Weil ich ja so gut drauf war! Na mir war das recht. Diego flott vorneweg (mein Mädchen sagt, Diego ist eine Maschine. Der läuft und läuft und wenn der Mann sagt er soll schneller laufen, läuft er schneller und es sieht nie so aus als ob es ihn auch nur im Geringsten anstrengt! Wie macht er das nur?). Wir sind dann, als der Abstand groß genug war, nochmal hinterher galoppiert und haben das Durchparieren geübt. Ich war seeeeeeehr artig, wollte ja nicht wieder angerüffelt werden.

Dann wieder in den schönen Weg und während Diego sich ein Schrittpäuschen genehmigt hat, meinte mein Mädchen, wir traben mal noch schön weiter, ich hätte es schließlich nötig. Ok! Ich bin munter weiter getrabt und da war mein Mädchen sehr zufrieden, weil ich das jetzt schon so schön kann, so alleine vorneweg.

Überhaupt meint sie, bis auf den Galopp hätte ich das wieder alles toll gemacht und sie mag das, wenn ich gut drauf bin. Dass sie im Galopp nicht so schnell mag, das muss ich halt erst noch lernen, sagt sie. Ich sehe das anders: SIE muss lernen, wie schön so ein richtig schneller Galopp ist! Naja, wie gesagt, das diskutieren wir noch. Vorerst sagt sie, der Galopp wird jetzt erst stattfinden, wenn wir vorher schon ordentlich getrabt sind und ich nicht so doll Burgkoller habe. Diese Bangbüx!

Insgesamt hat das echt gut getan, mal wieder wirklich zu laufen. Wir haben ordentlich geschwitzt, Diego und ich. Als wir dann auf dem Weg zurück zur Wackelkiste waren haben wir kurz angehalten und mein Mädchen hat Puls bei uns beiden gefühlt. Sie kann das jetzt schon ganz gut, mit ihren Fingern an der Schweifrübe. Wir waren beide etwas über 60, damit war sie sehr zufrieden. Nachher, als wir wieder zu hause waren, hatten wir beide einen 40er Puls, auch damit war sie sehr zufrieden. Sie sagt, wir haben heute mal wirklich was für die Fitness getan und so kann es weiter gehen, wenn das Wetter jetzt endlich mal besser mit macht.

Die App wollte ja nicht, aber nachvollziehen konnte mein Mädchen es doch nachher noch ganz gut: Ungefähr 4,5km insgesamt im Trab, lächerliche 750m Diskussion im Galopp (hättest du mich mal gelassen hätte ich die 750m einfach in 10 Sekunden erledigt und gut wäre es gewesen! Aber nein….) Gesamtstrecke 7,6km (Kommentar vom Mädchen: das muss jetzt dringend wieder mehr werden. Kommentar von mir: ja, und schneller!)

Euer schneller Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 464

Gestern hatte ich frei, weil mein Mädchen nach dem Absammeln so nass und kalt war, dass sie keine Lust mehr hatte (sie sagte dann „ich bin ja Mittwoch und Donnerstag geritten, da kannst du heute mal frei haben“. Na ich brauche keinen freien Tag! Nur sie, wegen mangelnder Fitness und/oder Wetterfestigkeit…..). Also nachdem ich gestern frei hatte, war mir wichtig, dass heute wieder Bespaßung stattfindet.

Vormittags tauchten mein Mädchen und der Mann auf und fingen an, neben Merlins Separe herumzuwerkeln. Merlin – und inzwischen auch Caruso – bekommen dort ja 5 mal am Tag ihre Extra-Eimer. Voll ungerecht, nur weil die so alt sind! Na jedenfalls ist Diego ja auch irgendwie älter geworden und braucht jetzt mehr Heu als Gatsby und ich. Alt werden muss toll sein, weil man dann immer so viel essen darf…. Jedenfalls steht Diego jetzt immer einmal am Tag im Stall einzeln und bekommt einen ganzen Sack Heu für sich allein zum sattessen. So fängt es an, ich weiß es genau! Und später werden es zwei Säcke Heu und dann ein Eimer dazu und noch ein Eimer….

Damit Diego nicht immer im Stall eingesperrt steht, hat mein Mädchen sich überlegt, dass jetzt noch ein zweites Separe gebaut wird, extra für Diego. Dafür muss aber erst auf- und umgeräumt werden. Und da haben sie heute vormittag etwas weiter gemacht, während Diego und ich zugeschaut haben. Ich hab mein Mädchen schon immer auffordernd angeschaut: wann geht es denn mal los mit dem Bespaßungsprogramm? „Bald“ hat sie gesagt. Dann ist sie weg gegangen. Ich hab da gestanden und gewartet. Dann ist sie wieder aufgetaucht, mit einem Stapel bunter Dinger und ist damit auf den Reitplatz gegangen. Ich bin dann auch zum Reitplatz und hab übern Zaun geschaut, wie sie da immer so Schritte gezählt und die Dinger hingelegt hat. Die sehen aus wie Ufos! Bin ich jetzt in der Area 51 gelandet oder was?

Sehr ihr die kleinen bunten Dinger?

Dann ist sie wieder weg gegangen, hat aber gesagt, dass sie gleich da ist. Ok, dann warte ich hier auf Dich! Einige Zeit später kam sie dann mit der Longe wieder. Wir sind auf den Reitplatz gegangen und sie hat gesagt wir machen heute „Präzisionsarbeit“. Aha! Das heißt, ich muss genau zwischen den Hütchen durchgehen, die sie mir anzeigt. Mal weiter außen, mal weiter innen. Mit Handwechsel und Volte und auch ein bisschen Schlangenlinien (1/8 Kreis außen, nächster 1/8 Kreis innen, dann wieder außen). Im Galopp ging es aber nur ganz außen rum, da haben wir geübt, dass ich länger durchhalte. Linksrum geht das, aber rechts geht mir manchmal der Motor aus, da muss ich noch üben. Links finde ich viel leichter! Ich war hoch motiviert und mein Mädchen war hoch zufrieden und als wir fertig waren, war ich eigentlich gerade warm gelaufen. Mein Mädchen meint, sie muss sich jetzt wohl angewöhnen, mal länger zu machen, damit das dann auch mal sportliche Effekte hat, was wir da machen. Ok, ich bin dabei! Aber wichtiger wäre ein ausgiebiger Ausritt, das weißt du schon, oder? Morgen ist Sonntag, ich wollte es nur gesagt haben…

Euer präzise arbeitender Sir Duncan Dhu of Nakel