Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 458

Sonntaaaaaag! Ich hab meinem Mädchen gleich gesagt, was heute dran ist: Ausreiten! Und da lasse ich auch nicht mit mir reden! Ich wollte sie direkt am Strick vom Hof runterziehen, aber da hat sie gelacht und gesagt, wir sollten schon erst noch die Schuhe anziehen und satteln.

Eigentlich wollten wir mit der Wackelkiste los, aber daraus wurde nichts. Mein Mädchen hat mir erklärt, dass sie und der Mann heute Nachmittag nochmal ohne uns los wollen. Und zwar zu einer Demonstration. Ich hab sie gefragt, worum es denn da wohl geht und sie hat mir das so erklärt: In Deutschland scheint es ein paar Menschen zu geben, die finden, dass Menschen aus anderen Ländern nicht so gut sind wie die, die in Deutschland geboren wurden. Das ist so, als ob ich zum Beispiel nur noch mit weißen Ponys zusammenleben würde oder nur noch mit Schotten, oder vielleicht sogar nur mit weißen Schotten. Ich hab sie verständnislos angeschaut: warum sollte ich das denn wollen? Meine besten Freunde haben fast alle eine andere Farbe als ich. Und sie sind andere Rassen. Nicht nur meine Freunde hier zu hause, sondern auch mein Ausreitkumpel, mein Schimmelfreund und der schöne Spanier! Und ich selbst bin genetisch gesehen Schotte, meine Mama und mein Papa sind aus Schottland gekommen, aber ich wurde in Dänemark geboren und bin dann nach Deutschland ausgewandert. Bin ich jetzt Schotte, Däne, oder Deutscher? Mein Mädchen sagt, ich bin das beste Pony der Welt und nur darauf kommt es an. Und deswegen geht sie zu der Demo, weil sie es auch bei den Menschen viel lieber bunt mag als so einheitlich. Und sie freut sich sehr, dass sooooooo viele Menschen das genauso sehen wie sie!

Also, weil die beiden Menschen noch zur Demo wollen, war keine Zeit für die Wackelkiste. Aber es ist dringend Zeit für Training! Und was heißt das nun wieder? Richtig, es geht über den Berg…. Vor dem Berg ging es aber erst mal ins Dorf. Dort müssen wir immer durch ein kleines Hindernis, wo man sich so durchschlängeln muss. Bisher ist mein Mädchen da immer abgestiegen aber heute meinte sie, dass ich das jetzt auch mit ihr oben drauf kann. Ich habe mich reingeschlängelt, dann wusste ich nicht genau und bin erst mal stehengeblieben. Sie hat gesagt, ich kriege das hin und also habe ich mich auf der anderen Seite wieder raus geschlängelt und – zack! – Mädchen stolz!

Da hab ich mich durchgeschlängelt – mit meinem Mädchen an Bord!

Aber zwischendurch meinte sie dann, ich hätte wohl etwas Übermut. Nur weil ich mal Stimmung gemacht hab. Und deswegen sagte sie, wir erklimmen den Berg im Trab. Nun ist der Berg nicht nur steil (und wird immer steiler, je weiter rauf man kommt!), sondern derzeit auch sehr matschig. Gleichzeitig ist er aber auch voller großer Steine und dann lagen da auch noch Äste. So war die Herausforderung perfekt, aber mein Mädchen hat gesagt, das schaffen wir und ich hab das dann auch geschafft. Ich weiß ja auch: oben auf dem Berg machen wir traditionell eine schöne, ausgiebige Graspause!

Diego kam den Berg im Schritt hoch. Während ich mich den ganzen Winter über einigermaßen fit gehalten habe, ist er ja wegen des Hufgeschwürs und seiner komischen Zähne so gar nicht gut in den Winter gestartet und dann war ewig kein Wetter bei dem man so wirklich Muskeltraining machen konnte. Deswegen muss er jetzt mit der Fitness von vorn anfangen. Und plötzlich ist alles umgekehrt: seit ich hier bei meinem Mädchen bin war Diego immer der „Große“ und hat Rücksicht auf mich genommen. Hat auf mich gewartet, wenn ich nicht schnell genug war und sich an mein Tempo angepasst. Jetzt bin ich der fittere von uns beiden und ich bin dran mit anpassen. Diego soll ja sein Schritttempo gehen (schneller als meins) und keine Rücksicht mehr nehmen, aber umgekehrt, wenn er den Berg im Schritt macht, den ich im Trab schaffe, bin ich dran damit, oben auf ihn zu warten. Ok, kann ich!

Nach ungefähr 1,5 Stunden und 8km waren wir dann wieder zu hause. Ich fühle mich entspannt, aber kein Stück müde und das weiß mein Mädchen auch ganz genau und plant schon wieder, was diese Woche noch so auf meinen Zettel kommt, damit ich nicht zu viel Übermut und Burgkoller ansammle. Außerdem muss ich meine Fitness noch ein bisschen steigern, denn sobald mal gutes Wetter auf den richtigen Wochentag fällt, wollen wir auch wieder den Ausreitkumpel besuchen und ich weiß genau, dass der im Winter viiiiiiiel mehr draußen unterwegs war als ich und jetzt aussieht wie ein Top-Athlet und mich einfach abhängt, wenn ich nicht aufpasse!

So liebe Menschen, schaut doch mal ob es nicht in Eurer Nähe auch noch eine Demo gibt, damit unser Leben schön bunt bleibt!

Euer schottisch-dänisch-deutscher Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 457

So jetzt hat es endlich mal geklappt mit einem kleinen Galopp-Video für Euch!

Hoppi Galoppi! Können wir jetzt schon ganz gut!

Die Technik ist natürlich überfordert mit meiner Überlichgeschwindigkeit und sie lässt mein Mädchen zwischenzeitlich etwas kopflos wirken, aber das ist in Wahrheit nicht der Fall. Wir beide haben großen Spaß am galoppieren und wenn ich mal in Fahrt bin, mag ich immer wieder angaloppieren. Diesmal hat mein Mädchen die Galopphilfe schon direkt aus dem Schritt gegeben. Das kriege ich mit ihr oben drauf noch nicht hin, aber das findet sie auch nicht schlimm. Ich soll nur wissen, dass das mal das Ziel sein wird. Wir haben diesmal auch das geübt, was wir an der Longe gemacht haben: Galopp, Schritt, Handwechsel, neuer Galopp. Kann ich! Wenn ich dazwischen genug Zeit habe, meine Beine zu sortieren. Und die hab ich, weil ich weiß, dass ich mir die einfach nehmen kann und mein Mädchen weiß, dass ich dann schon los lege wenn ich so weit bin. Ach, es ist einfach ein großer Spaß! Aber auch ganz schön anstrengend. Nachdem wir dann ein paar mal angaloppiert waren (wir galoppieren ja immer nur so 2 Zirkelrunden), war ich doch ein bisschen ermattet. Ich meine: im Gelände geradeaus ist das eine, aber diese Kreise, die fordern mein Gleichgewicht und meine Körperspannung ganz schön heraus! Mein Mädchen ist sehr stolz auf mich, weil ich das alles jetzt so toll hinkriege. Und ich bin auch stolz auf mein Mädchen, weil sie so gut verstanden hat, dass und wie ich das hinkriege. Trotzdem hoffen wir beide sehr, dass wir diesen Sonntag endlich mal wieder mit der Wackelkiste losfahren und einen richtig schönen Ausritt machen können. Bis dahin überstehen wir jetzt heute NOCH EINEN Tag mit Wind und Regen.

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Experten

Diego zählt jetzt wohl in die Kategorie „älteres Pferd“. Dieses Jahr wird er 21 und da können schon mal die ersten kleinen Zipperlein auftauchen, auch wenn er sonst ja noch wunderbar fit ist. Das blöde ist ja immer: die meisten Zipperlein kommen nicht von heute auf morgen, sondern schleichend. Und erst denkt man sich vielleicht noch nichts dabei oder merkt es gar nicht. Das Pferd kann ja nicht sprechen, es kommuniziert über Verhalten. Wenn dieses Verhalten aber nur ein etwas langsameres Kauen ist, dann übersieht man das schnell. Und unser Diego war ja immer zu dick. Daher habe ich mich zunächst gefreut, als sich das änderte. Ja, ich wusste schon, dass das ein Zeichen des Älterwerdens ist, der Bedarf steigt ein bisschen, die Verfressenheit nimmt ein bisschen ab, damit ist er nicht allein. Aber dann kam plötzlich der Tag wo mir klar wurde: ich habe den Punkt verpasst. Diego hat so viel abgenommen, dass es ZU viel war und plötzlich ist da ein Problem und ein zu dünnes Pferd. Und dann kam das böse Erwachen auf meiner Seite – viel zu spät aber immerhin noch rechtzeitig – dass das gar nicht (nur) das Alter ist, sondern dass da was nicht stimmt.

Während manche Menschen ihre Pferde den ganzen Tag „krank-gucken“ wollen andere es noch nicht mal wahrhaben, wenn es für alle anderen schon offensichtlich ist. Die meisten sind aber irgendwo in der Mitte dieser beiden Extreme – sie sehen, wenn was nicht stimmt, aber im Nachhinein finden sie, sie haben es zu spät gesehen. Damit bin ich nicht allein, aber es ärgert mich natürlich trotzdem, dass ich es zu spät gesehen habe. Ein genauerer Blick zeigte mir dann: Diego kaut zu langsam, frisst mit zu wenig Begeisterung, macht manchmal komische Dinge beim Kauen. Ansonsten ist er munter und fidel wie immer (abgesehen davon, dass er ordentlich Muskulatur eingebüßt hat, weil ja auch noch ein fieses Hufgeschwür dazwischen kam)

Also: wir brauchen einen Zahnarzt. Und jetzt geht es los. Unser normaler Dentist, der einmal im Jahr kommt, ist ein wunderbarer und meines Erachtens kompetenter Mann, aber er ist kein Tierarzt, kann daher nicht sedieren und ist – weil er aus dem Ausland kommt – auch nicht immer verfügbar. Dinge wie Endoskopie oder Röntgen sind für ihn nicht möglich. Also steht fest: wir brauchen jemand anders.

Es sind diese Momente, in denen ich meine Reitschülerinnen und Hufpflegekundinnen immer am besten verstehen kann. Auf wen kann ich mich jetzt verlassen? Wer kennt sich wirklich aus, wer hat recht? Wer kann unserem Pferd helfen? Natürlich kann ich mich umhören und andere fragen, mit wem sie zufrieden sind. Die Erfahrung hat mich allerdings gelehrt: da jeder mal einen Fehler macht, kann mir über jeden Experten jemand etwas schlechtes erzählen. Umgekehrt schwärmen manche von Experten, mit denen ich persönlich schlechte Erfahrungen gemacht habe. So ein Pferdezahnarzt muss ja mindestens drei Dinge mitbringen: er sollte natürlich die Zähne richtig behandeln, aber auch mit dem Pferd gut umgehen und dann auch noch mit uns als Besitzer kommunizieren.

Wir haben uns dann für einen Experten entschieden und Diego dort behandeln lassen. Der Umgang mit dem Pferd und uns war super (wobei man auch sagen muss, dass es wirklich schwer ist, mit Diego nicht gut umzugehen. Das 600kg schwere Ross bekommt eine Sedierung für 150kg, ist durchweg tiefenentspannt und macht einfach alles super artig mit). Wir bekamen alles im Detail erklärt und gezeigt und uns wurde auch gesagt, was wir selbst zwischendurch tun können (Arnulf hat jetzt wohl ein neues Hobby und darf Zahnstein entfernen und Zahnlücken reinigen).

Diego hingegen sagte nach der Behandlung: kauen kann ich jetzt gar nicht mehr. Obwohl wir ja wissen, dass das am Anfang so sein kann, fuhr mir doch zunächst der Schreck in die Glieder, denn meine Sorge ist immer, dass zu viel Zahnsubstanz weggenommen wird und da kam für mein Gefühl bei der Korrektur doch einiges runter von den Zähnen. Aber am nächsten Tag hat Diegos Kauverhalten sich eingependelt und wir haben dass Gefühl, dass es ihm besser geht als vorher. So richtig wird das dann der Langzeittest zeigen.

Aber das ist ja nie das Ende der Geschichte, denn schon stellen sich neue Fragen: sind die Probleme nur altersbedingt oder hätte man früher schon etwas anders machen sollen? Ist unser „normaler“ Dentist kompetent genug? Stelle ich demnächst auch Duncan mal dem Experten vor? Wenn wir dann jeweils mit Duncan und Diego in die Klinik fahren zum Zähne machen, wer kümmert sich dann um die Zähne von Merlin und Caruso? Die können nicht mehr Anhänger fahren und der Experte der Diego jetzt gemacht hat, kommt nicht bis zu uns.

Und schon steckt man als Pferdebesitzer wieder in der Klemme. Ich habe mich ein Stück weit mit dieser Klemme abgefunden. Ich weiß, ich werde es nie perfekt machen können. Ich kann nicht auch noch eine Ausbildung zum Tierarzt, Zahnspezialisten, Sattler, Futterberater und Frisör machen. Ich kann nur versuchen, im Rahmen meiner finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten das Beste für meine Pferde zu tun und jene Experten zu Rate zu ziehen, die mir die besten zu sein scheinen. Im Nachhinein kann ich dann sehen, was wirklich passiert: geht es meinem Pferd besser oder nicht?

Der Zahnarzt bei dem wir jetzt waren, beantwortet mir gerade, während ich diesen Text schreibe, noch Fragen per mail und ist rundum hilfreich. Heißt dass, er kann gut Zähne raspeln? Diego steht unten im Stall und kaut Heu, sieht gut aus, fühlte sich gestern beim reiten gut an und wirkt fröhlicher als vorher. Wie es weitergeht, zeigt die Zeit.

Was ich damit sagen will: Augen auf bei der Expertenwahl, aber man muss sich klar sein, dass man auch mal daneben greifen wird. In den allermeisten Fällen entscheidt die Wahl des Experten zum Glück nicht über Leben und Tod (manchmal leider schon….). Es kann nervtötend sein und viel Zeit und Geld kosten, jemanden zu finden, der für das eigene Pferd die passende Kompetenz hat, aber wir brauchen nunmal Experten, die uns helfen, unsere Pferde gesund zu halten. Hier meine persönliche Checkliste

Ein guter Experte

  • weiß, dass er nicht alles weiß (er weiß auch nicht, warum Diego so viel speichelt)
  • hört zu, wenn die Besitzerin etwas sagt und fragt nach
  • nimmt die gegebenen Informationenen ernst (ja, Diego braucht wirklich so wenig Sedierung)
  • ist nett zum Pferd
  • ist nett oder zumindest höflich zum Besitzer
  • hat nicht für jedes Problem die selbe Lösung (immer sehr verdächtig, wenn ALLES IMMER an diesem oder jenem liegt)
  • bietet verschiedene Optionen an (wir können nachsedieren um zu röntgen, aber das röntgen können wir auch auf einen anderen Termin verschieben)
  • bezieht die Besitzer mit ein und gibt Tipps oder Aufgaben mit, was sie tun können
  • beantwortet Fragen und erklärt so lange bis der Besitzer die Antwort auch verstanden hat

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 456

Der Norddeutsche sagt „Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“. Nur: wenn keine Schafe in Sichtweite sind, wie stellt man dann fest, ob schon Sturm ist oder nur „büschen Wind“? Mein Mädchen hat sich heute überlegt, ob man nicht die Windstärke am Wallehaarflugwinkel bemessen könnte. Daran arbeitet sie jetzt. Mit uns macht sie heute nix – wir könnten zwar in die Halle gehen und wippen, aber irgendwann ist auch mal genug Wetter und dann möchte sie so wenig wie möglich vor die Tür. Deswegen vertreiben Diego und ich uns die Zeit in den Regenpausen mit einem lustigen Spiel, das ist auch fein.

In welchem Verhältnis steht der Wallehaarflugwinkel zur Windstärke?

Mein Mädchen macht derweil Büroarbeit und dann hat sie gleich wieder schlechte Laune, aber egal. Morgen soll es ja besser werden, dann hat mein Mädchen auch wieder Lust was mit uns zu machen.

Liebe Menschen, passt gut auf euch auf, fliegt nicht davon und schaut für mich doch bitte mal nach, ob die Schafe noch Locken haben!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem fliegenden Wallehaar

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 455

Gestern hatte ich frei. Wir Ponys haben den Schwerpunkt tief gehalten, damit wir nicht weggeweht werden und mein Mädchen hatte so schlechte Laune, dass sie uns lieber gar nicht so nah kommen wollte. Normalerweise sind wir Ponys ja dafür zuständig, ihre Laune zu heben, wenn die mal im Keller ist. Dann sagt mein Mädchen immer „deswegen hab ich Ponys“ (und keine andere Rasse) „weil Ponys das aushalten“. Und das stimmt! Wir sind gut darin, ihre schlechte Laune so lange auszuhalten bis es wieder gute Laune geworden ist. Wir nehmen ihr das auch nicht krumm und ganz ehrlich: die Umwandlung von schlechter in gute Laune kostet uns in der Regel nur wenige Augenblicke. Aber manchmal – ganz selten – ist ihre Laune so schlecht, dass sie uns das nicht zumuten möchte und das finden wir dann auch nett. Und gestern war so ein Tag.

Heute war aber alles wieder gut und also haben wir abends noch Programm gemacht. Der Reitplatz ist endlich wieder aufgetaut und es hat gerade mal weder geregnet noch gestürmt, also ging es los! Ich durfte an der Longe schnell mal alles zeigen, was ich kann. Inklusive angaloppieren aus dem Schritt, was mir jetzt schon fast richtig gelingt! Es wird wirklich mal Zeit für ein neues Video! Auch durchparieren vom Galopp zum Schritt kann ich schon voll gut. Und wir haben wieder Handwechsel geübt: Galopp rechtsrum, dann in den Trab, Handwechsel im Trab und zügig in den Galopp linksrum. Und natürlich das ganze in umgekehrter Reihenfolge. Eine schöne Koordinationsübung für mich, sagt mein Mädchen. Stimmt, ich muss kurz überlegen wie jetzt der richtige Galopp geht, aber ich kriege das hin! Tja und nachdem ich wieder einfach alles auf Anhieb richtig gemacht hatte, war mein Mädchen wieder ganz doll stolz auf mich und total verliebt und so soll das ja auch sein. Feierabend! Jetzt soll es nochmal richtig stürmisch werden, also wieder schön den Schwerpunkt runter und warten bis es vorbei ist. Haltet euch gut fest, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem tiefen Schwerpunkt

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 454

Endlich! Das Wetter hatte ein Einsehen mit uns. Es hat zwar schon ordentlich und kalt gepustet, aber der Regen lässt noch auf sich warten und die Straßen sind eisfrei. Zeit, meine eingestaubten Glieder zu strecken und meine 409kg Kampfgewicht (bestehend ausschließlich aus Muskeln und Samensträngen, versteht sich….) mal wieder auf die Straße zu bringen! 409kg haben sich heute ein bisschen angefühlt wie 409 PS! Diego und ich hatten schon am Stalltor gewartet, wann es endlich los geht und beim Schuhe anziehen hat mein Mädchen schon gemeint, ich würde mich wohl doll freuen, weil ich so unfassbar artig stand. Ich wollte schnell los und das hab ich ja kapiert: wenn ich still halte geht es schneller!

Turboschritt! Es ist ja so: man kann schnelle, kleine Schritte machen, oder langsame, große. Wenn man es schafft, schnelle, große Schritte zu machen, dann ist das Turboschritt. Und nach all den Schrittstangen und dem ganzen Geübe der letzten Wochen habe ich jetzt den Bogen schon ganz gut raus, auch mit meinem Mädchen auf dem Rücken! Habe den schnellsten Schritt aller Zeiten hingelegt und einen Schnitt von 5,4km/h im Schritt geschafft. Jaaaaaa, ich weiß, das ist nicht wirklich schnell, aber ich hab halt einfach so kurze Beine!

Mein Mädchen und der Mann haben beschlossen, dass Diego nicht mehr gebremst wird, weil der ja wieder Muskeln aufbauen soll und also sein eigenes Schritt-Tempo gehen muss, damit das passiert. Nun ist Diego in seinem gemütlichen Reiseschritt immer noch ein gutes Stück schneller als ich, aber mein Mädchen meint, ich bin wirklich groß genug, das auszuhalten. Ab und an wartet Diego dann oder wir traben ein Stück nach. Ich habe mich ordentlich bemüht und mein Mädchen war sehr, sehr stolz auf mich. An einer Stelle wurde es mir dann aber doch zu bunt und ich bin einfach mal ungefragt in den Galopp gefallen. Wer will denn immer nur Schritt gehen, auch wenn es Turboschritt ist? Aber nein, mein Mädchen hat mich direkt wieder ausgebremst. Menno. Also habe ich meine Energie weiter in den Schritt gesteckt – manchmal denke ich, ich bin einfach ZU nett. Gerade als ich so richtig schön warmgelaufen war, waren wir dann aber auch schon wieder zu hause. Schade! Aber besser eine kleine Runde raus als weiterhin der totale Burgkoller. Vielleicht schaffen wir nächsten Sonntag mehr, meint mein Mädchen, immer abhängig vom Wetter….

Euer etwas weniger burgkolleriger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 453

Winter, Winter, Winter! Gestern waren mein Mädchen und ich auf dem Reitplatz. Der Boden war so halb gut, da haben wir einen Mix aus Doppellonge und Fahren vom Boden gemacht. Heute haben wir uns dann wieder in der Halle verkrochen. Dort haben wir jetzt nicht mehr nur die Wippe, den Steg und die Matratze, sondern auch eine hochgelegte Stange. Mein Mädchen hat herausgefunden, wie wir lernen können, den richtigen „Absprungpunkt“ zu finden (haha, wir gehen da ja nur im Schritt rüber. Aber sowohl Diego als auch ich gehen irgendwie immer zu nah ran und reißen dann die Stange runter….). Sie hat also eine „Absprungstange“ für uns unten vor die hochgelegte Stange platziert – ach ich zeige euch das demnächst einfach mal. Jedenfalls gehen wir da jetzt immer mal rüber und wenn die Stange liegen bleibt, gibt es einen Keks.

Heute haben wir neben Wippen und korrekt über die Stange gehen auch wieder geübt, rückwärts auf den Steg zu gehen. Das ist eine meiner neueren Fähigkeiten. Mit den Vorderbeinen kann ich das schon lange, aber jetzt gehe ich auch mit den Hinterbeinen rückwärts drauf. Das zu tun während mein Mädchen etwas schräg steht, damit sie filmen kann, ist übrigens noch etwas komplizierter. Normalerweise steht sie ganz gerade vor mir – ich soll ja auch gerade rückwärts gehen! Aber im zweiten Anlauf ist es uns gelungen, so dass ihr meine Beingymnastik mal sehen könnt.

Rückwärts den Hinterhuf wieder da hoch sortieren! Sieht nur so einfach aus, weil ich es kann!

Auf der Wippe war ich heute recht kreativ und mein Mädchen hat sich gefreut, dass ich jetzt auch mal eigene Vorschläge einbringe, das habe ich früher nicht so gemacht. Sie hat jetzt aber auch viel mehr Zutrauen und weiß ja, dass ich die Spielregeln kenne und mich (fast) immer daran halte. Jedenfalls sind wir jetzt schon ein (im wahrsten Sinne des Wortes) eingespieltes Team. Manchmal sagt sie zwischendurch „mir wird Angst und Bange wenn du sowas machst“ (weil ich ein bisschen waghalsige Stunts drehe auf der Wippe) aber dann schaut sie mich an und sagt „ich weiß, du hast das im Griff“. Ja, habe ich! Schließlich übe ich wippen, seit ich klein bin.

Jetzt steht uns wohl noch eine knappe Woche Sturm und Regen bevor, so dass es am Sonntag SCHON WIEDER keinen Ausritt geben wird, aber dann … dann hoffen wir, dass wir endlich mal wieder los können. Wegen dem Burgkoller, ihr wisst schon.

Euer winterlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Neue Wege

Neulich ritt ich einen kleinen Isländer. Er kann noch nicht sooo viel auf dem Platz, aber er ist stets bemüht und voller Eifer dabei. An diesem Tag allerdings nur rechts herum. Links herum war er sehr steif und konnte nicht so wie er wollte. Ich bemühte mich, ihm zu erklären, dass er sein linkes Hinterbein untersetzen sollte, aber es wollte einfach nicht gelingen. Nach 30 min vergeblichen Versuchens stieg ich schließlich ab und wollte vom Boden arbeiten. Es zeigte sich, dass er sich anscheinend beim Spielen derart die Muskulatur verzogen hatte, dass er auch ohne mein zusätzliches Gewicht einfach nicht in der Lage war, das linke Hinterbein unter den Körper zu bringen. Ich machte einige vorsichtige Dehnübungen, danach konnte er wenigstens das. Anschließend schickte ich ihn zum Osteopathen, aber davor hatte ich noch ein bisschen Zeit mich zu ärgern: warum hatte ich 30min lang versucht, ihn zu reiten? Mir hätte doch gleich klar sein müssen, dass das nichts wird, oder? Vielleicht. Wobei man ja bei besser ausgebildeten Pferden schon manchmal in der Lage ist, so etwas wegzureiten. Aber halt nicht bei einem „Anfänger“.

Ein bisschen erinnerte mich die Geschichte an den Artikel, den ich über Abbruch geschrieben habe. Da ist es wieder, das Problem, an einem Plan festzuhalten. Vielleicht bin ich da einfach zu unflexibel. So ein Gehirn möchte ja stets Energie sparen. Und nun hat man ja schon so viel Energie für Plan A aufgewendet, da möchte man sich ungern noch Plan B überlegen müssen. Und ich hatte mir das ja auch alles so fein ausgemalt, wollte schön Spaß haben beim Reiten und gute Ergebnisse erzielen. Und jetzt klappt das nicht, das ist doch eine Unverschämtheit!

Kurze Zeit später hatten wir ein ähnliches Thema bei einer Schülerin. Ihr Pferd konnte sich rechts rum nicht richtig biegen (es ist einfach Winter und wir haben oft blöde Böden und schon kommen lauter solche Themen dabei raus….). Ich sagte zu ihr „denk daran, dass das kein Gehorsamsproblem ist“ und sie sagte „nein, natürlich nicht!“, hängte sich dann kurz an dem Wort „Gehorsam“ auf und plötzlich, nach einer kurzen Stille, sagte sie „aber ich merke gerade: ich behandel es wie eins“. Und das war der Punkt (der mir auch manchmal passiert): obwohl wir WISSEN, dass das Pferd es im Moment nicht kann, ist unsere erste Reaktion eben doch „ach jetzt mach das doch mal“. Und die Pferde, nett wie sie nun mal sind, versuchen und versuchen anstatt sich hinzustellen und zu sagen „ES GEHT HEUTE NICHT!“.

Wenn wir anerkennen können, dass wir allzu oft an alten Plänen festhalten, können wir vielleicht üben, schneller zu erkennen, wann das falsch ist. Denn wenn wir ehrlich sind, wird es uns im Pferdetraining nicht anders gehen als im restlichen Leben: wir werden uns immer wieder mal verlaufen. Falsche Entscheidungen treffen, einfach weil wir im Vorhinein nicht wissen können, was die richtige Entscheidung wäre. Aber wenn wir dann so eine Entscheidung getroffen haben und sehen, dass wir damit gar nicht da hin kommen, wo wir hin wollen, dann können wir ja den Weg ändern. Einen neuen Weg suchen, eine neue Entscheidung treffen. Das kostet erst mal Kraft, ja. Aber im Nachhinein kostet es weniger Kraft, als eine einmal getroffene falsche Entscheidung auf Biegen und Brechen weiter zu verfolgen. Und so übe ich weiter, meine Entscheidungen immer mal wieder auf den Prüfstand zu stellen, und zwar früher und schneller: Hilft mir das, was ich gerade tue, wirklich weiter? Nein? Dann STOPP und nach einem anderen Weg suchen. Damit werden wir unseren Pferden seltener Unrecht tun und Probleme schneller lösen können.

Und leider steht dieser ganze Artikel jetzt wieder in völligem Kontrast dazu, dass manchmal auch das Gegenteil richtig ist: an Plänen festhalten und wiederholen, vielleicht 100 mal, um zu sehen, ob es dann besser wird. Naja, niemand hat jemals ernsthaft behauptet, dass Pferdeausbildung leicht sei, oder?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 452

Gestern haben wir sowas wie einen Familienausflug gemacht. Nur Diego ist zu hause geblieben – einer muss ja auf den Stall aufpassen! Aber Merlin, Caruso, Gatsby und ich haben uns mit meinem Mädchen, dem Mann und dem Mädchen von Gatsby auf den Weg gemacht zum Nachbarstall. Dort war nämlich die Pferdewaage! Mein Mädchen war nicht so richtig fit und hat mir gesagt, dass ich wieder mal besonders artig sein muss. Klar! Kann ich doch. Und weil ich ja nun kein Hengst mehr bin, kann ich auch mit fremden Pferden ganz entspannt umgehen. Wir haben da alle in einer Reihe gewartet bis wir dran waren.

In einer Reihe warten

Caruso durfte als erster auf die Waage – der ist ja so klein, dass ich mich immer frage, ob die Waage das überhaupt merkt? Aber sie hat es gemerkt. Zarte 150kg wiegt unser kleiner Caruso! Dann war Merlin dran. Der kann ja gar nicht mehr so gut gucken und auf der Waage hat das so ein bisschen geglänzt, da hatte er erst etwas Sorge, ob man da wohl wirklich drauf gehen kann. Aber mit etwas gutem Zureden, hat er sich dann doch getraut und als er gemerkt hat, dass das keine Pfütze ist, war es dann auch ok für ihn. 607kg hat die Waage angezeigt, das findet mein Mädchen fast ein bisschen viel und dann meint sie wieder, sie würde ihm wohl doch zu viele Eimer geben. Aber dann schaut Merlin sie so an und sie ist viel zu verliebt um ihn auf Diät zu setzen. Nur bei mir klappt das irgendwie nie! Mich hat sie doch auch lieb und trotzdem muss ich Diät halten. Ich glaube es liegt daran, dass Merlin ungefähr 100 Jahre alt ist und viel mehr Zeit hat, mein Mädchen zu erziehen… da hab ich wohl noch viel Arbeit vor mir!

Gatsby hat auch ein paar Anläufe gebraucht um auf die Waage zu gehen – er ist ja nicht der mutigste – aber schließlich hat er sich doch getraut. Ist ein paar mal drüber gelaufen bis er es dann auch geschafft hat, stehen zu bleiben. Und die Waage war nett zu ihm und hat gesagt, er ist schön schlank, nur knappe 500kg!

Ich war natürlich Vollprofi wie immer. Wiegen macht mir keine Angst! Vor allem nicht, weil mein Mädchen ja gesagt hat, ich hätte eine gute Figur. Und weil sie das gern nochmal von jemand anders hören wollte, hat die nette Waagenfrau mich mal abgegrabbelt und angeschaut und dann das selbe gesagt. Ich bin nicht zu dick, nur sehr flauschig. Da hat mein Mädchen sich gefreut! Außerdem bin ich noch gemessen worden, ganz professionell mit Laser. Leider hat der Laser mich auch nicht größer gemacht, so dass ich nur durch freundliches Aufrunden auf 140cm gekommen bin. Naja, letztlich weiß mein Mädchen ja jetzt, dass ich stark genug bin, sie zu tragen und im Herzen bin ich eh ein ganz Großer. Also findet sie es auch nicht so wichtig, was das Zentimetermaß sagt.

Was ich wiege wollt ihr wissen? Na dann ratet mal! Ihr wisst ja: wer am nächsten dran ist, darf sich ein Thema wünschen für den Blog.

Euer gewogener Sir Duncan Dhu of Nakel

Burgkoller

Wenn ich mich in den Highlandpony-Gruppen auf Facebook herumtreibe, sehe ich viele Beiträge, in denen es darum geht, die Ponys für die Platzarbeit zu motivieren. Beim Ausreiten scheinen die meisten eine Menge Spaß zu haben (es sei denn sie sind unsicher, dann schlagen sie auch beim Ausreiten gerne mal Wurzeln, der berüchtigte Highlandpony-Plant). Und auch ich hatte am Anfang meine Zweifel, ob ich Duncan jemals für die Platzarbeit würde begeistern können. Inzwischen kann ich sagen: das ist mir gelungen. Überraschenderweise fand er von Anfang an, dass longieren eine gute Sache ist – etwas, was sich all meinen anderen Ponys nie erschlossen hat. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir und meiner Einstellung dazu, wer weiß? Jedenfalls longiere ich derzeit mehr als mir lieb ist. Denn Ausreiten – das hat der Ritter bereits berichtet - ist schwierig und zur Zeit bleibt noch nicht mal der Reitplatz zum reiten übrig, denn der ist hart gefroren und es liegt kein Schnee.

Derweil beobachte ich, dass nicht nur ich einen Burgkoller habe. Auch mein kleiner großer Ritter zeigt Verhaltensweisen, die ich längst erledigt glaubte. Wenn ich mich neben ihn stellen will beim Heu fressen, meckert er mich an. Beim Putzen schüttelt er mit dem Kopf und geht weg. Trotzdem bettelt er nach Aufmerksamkeit. Und er freut sich, wenn ich ihn an die Longe nehme, bietet mir dann direkt Trab und Galopp an – nicht doof überdreht, sondern ganz fein und gesittet – und möchte eigentlich nicht nach 25 Minuten aufhören. Während ich es anstrengend finde, über den unebenen Boden meine kleinen Kreise mitzugehen, läuft er munter und geschmeidig den Hang rauf und runter und seine Laune bessert sich zusehends. Trotzdem klärt sich für mich im Nachhinein manche Diskussion auf, die wir im Winter so hatten, denn ich weiß jetzt, woher die schlechte Laune kommt: mein Ritter ist süchtig nach ausreiten und Abenteuer, genau wie ich. Derzeit sind wir auf Entzug und so lange könnte ich ihn gar nicht longieren, dass er so wohlig entspannt und ein bisschen müde wäre wie nach einem ausgiebigen Ausritt. Das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren braucht Abenteuer und sein Körper möchte auch ausgiebig bewegt werden. Seine Grundfitness ist schon ganz anständig und so ist es jetzt deutlich schwieriger, Energieüberschuss abzubauen, als noch vor einem Jahr. Zwar ist er nicht mehr so wild und überschießend wie er es als Hengst war, aber auch als Wallach möchte er doch ordentlich Sport machen – wiederum etwas, was ihn von meinen bisherigen Ponys unterscheidet.

All die Dinge die ich zu selten tue oder schon immer mal tun wollte: ausgiebig auf dem Sommerreitplatz longieren, wo ein sanfter Hügel das reine „im Kreis laufen“ schon zu einem schönen bergauf-bergab- Training macht. Oder „Mount Groß Vollstedt“ erklimmen, mit hoch gelegten Stangen üben und ausgiebig wippen oder neue Übungen an unserem Holzsteg ersinnen…. all das tue ich jetzt, in der Hoffnung, dass es uns beiden die Zeit vertreibt, bis wir endlich wieder mal so richtig schön ausreiten können. Und einmal mehr wird mir klar: ich muss es schaffen, allein ausreiten gehen zu können. Wenn das gelingt, steigt die Anzahl der möglichen Tage enorm an, denn dann muss ja nur ich Zeit haben und nicht auch noch jemand anders. Wenn dann mal kein Eis, kein Sturm und kein eiskalter Regen ist, können wir los.

Bis das klappt, müssen wir durchhalten, der Ritter und ich. Ob er – wie ich – vom nächsten Ausritt träumt? Ob er eine Vorstellung davon hat, wie schön das sein wird, wenn wir wieder mal ein halbes Stündchen durchgängig traben können? Ich weiß es nicht. Man sagt, Pferde leben im Hier und Jetzt. Nachprüfen kann ich es nicht. Ich jedenfalls freue mich schon auf sein Lächeln, wenn es wieder in einen unserer Lieblingswälder geht. Und ein bisschen fürchte ich mich vor seiner Fitness, die im Vergleich zu meiner sehr viel weniger gelitten haben wird unter der Winterpause. Bis dahin ertrage ich seine teilweise schlechte Laune so wie er meine erträgt, so ist das unter Freunden…..