Verfeinern

So, geschafft. Schritt, Trab, Galopp – alle Gangarten abrufbar, sowohl im Gelände als auch auf dem Reitplatz (kurze Gedenkminute für alle, deren Pferde mehr als 3 Gänge hat – ach nein, ihr wollt das ja so, selbst schuld 😉 )

Jetzt also ans Fine-Tuning. Ich bin ja jemand der gern sabbelt und zappelt und zum Glück habe ich geduldige Ponys (nein, nicht „zum Glück“, sondern schlau ausgesucht), die das mit Würde ertragen. Trotzdem arbeite ich beständig daran, meine Hilfen zu verfeinern. Duncan stellt mich da vor eine ganz neue Herausforderung, denn während Diego und Merlin sich durch Stimmlob und Bestätigung zwischendurch anfeuern und motivieren lassen, ist Duncan nach wie vor zufriedener, wenn ich still bin. Vielleicht liegt dass daran, dass er nicht nur mehr Stimmkommandos kennt als die anderen, sondern auch mehr damit anfangen kann. Sowas ist ja eine persönliche Präferenz. Stimmkommandos sind für Pferde erst mal unnatürlich, weil sie ja selbst kaum über Laute kommunizieren. Und viele Pferde reagieren daher nicht so gut auf Stimme. Aber das liegt auch daran, dass wir Menschen im Training fast immer das Stimmkommando mit anderen Informationen verknüpfen – eine Berührung oder eine sichtbare Bewegung. Dann bilden wir uns ein, das Pferd hätte auf Stimme reagiert, aber in Wirklichkeit hat es seine Information von unserem Körper bekommen. Duncan scheint aber ein Typ zu sein, der doch recht viel mit Stimme anfangen kann (und wenn es nur in Ergänzung zur Körpersprache ist). Das heißt im Umkehrschluss aber auch: immer wenn ich ein Geräusch mache, überlegt er, was das bedeutet. Und ich habe die schlechte Angewohnheit, viele, oft eher bedeutungslose Geräusche zu machen….. also übe ich, die Klappe zu halten und meiner Begeisterung anderweitig Ausdruck zu verleihen. Das ist vielleicht schwer!

Außerdem übe ich – wie immer – meine Beine ruhig zu halten. Das ewige Thema „treiben“, eine Altlast von Merlin, an der ich 20 Jahre gearbeitet habe, macht sich bei Duncan auf neue Art bemerkbar. Nicht, dass ich ihn viel treiben müsste, aber er ist einfach klein und so hängen meine Beine ohne Steigbügel weit runter. Das erschwert es mir, korrekte Schenkelhilfen zu geben, weil meine Wade nicht an den Ponybauch kommt. Und obwohl ich meinen Schülerinnen immer sage, man muss sich daran anpassen und mehr mit dem Oberschenkel reiten….. naja, Ihr ahnt es bereits. Meine Wade will da ein Pferd fühlen und wenn sie das nicht tut dann sucht sie sich eins, das ist so ein Reflex. Puh. Da träume ich doch manches mal wieder von Steigbügeln fürs Dressurreiten, aber noch habe ich keine passende Lösung gefunden.

Von meinen Händen will ich gar nicht erst anfangen. Mein Hände sind immer noch zu ungeduldig. Wenn Duncan nicht gleich umsetzen kann, was ich von ihm möchte, tun die viel zu schnell viel zu viel. Meine Zügelhilfen sind schon fair und effektiv und ich kann ganz gut nachgeben, aber ich MACHE halt ständig zu viel.

Zum Glück weiß ich von Berufs wegen, dass ich damit ganz und gar nicht alleine bin. Und ich weiß auch: die Pflicht zur Verfeinerung liegt immer beim Menschen, die Pferde sind fein genug, wenn sie sich für uns interessieren (und dafür zu sorgen, DASS sie sich für uns interessieren ist wiederum unsere Aufgabe).

In diesem Sinne wünsche ich Euch auch 2024 wieder viel Spaß beim reiten lernen!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 448

Was für ein Wetter. Nass und windig und wie mein Mädchen sagt „eklig“. Finde ich nicht, ich habe erstmal ausgiebig mit Gatsby rumgetobt. Danach hatte ich ein bisschen Langeweile, sogar der Weidegang ist heute ausgefallen, weil alles soooo nass ist. Was tut man da den ganzen Tag? Aber gegen Abend nahte Rettung: Die Menschen haben in der Halle ein kleines „Zirkeltraining“ aufgebaut und da haben wir ein bisschen rumgespielt.

Spaaaaaaaaaaaaaaß!

Ach das war fein! Wir hatten einen Riesenspaß und zum Schluss habe ich selbstverständlich noch schnell beim Aufräumen geholfen.

Nachher hab ich noch beim aufräumen geholfen.

Euer gut bespaßter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 447

So liebe Menschen, seid ihr alle heil gelandet im neuen Jahr?

Wir haben uns gestern erst mal einen Tag frei genommen. Heute ging es dann wieder los! Weil es regnet und regnet und der Reitplatz schon genauso nass ist wie ich, hat mein Mädchen beschlossen, mich an die Longe zu nehmen. Weil sie mich nicht so gern anfassen mag wenn ich so nass und durchgeweicht bin. Ich hingegen haben ja bekanntlich einen wasserfesten Pelz, mir ist das alles egal. Dann freut sie sich immer, dass sie die Biothane -Longe hat, der ist das einfach egal, die wird nicht hart oder schwer, braucht nicht lange zum trocknen und ist immer schön leuchtend grün. Und noch mehr freut sie sich, dass sie so einen Ritter hat wie mich, der sich nichts daraus macht, wenn von oben Regen fällt und unten zwischen Matsch und Pfütze nur wenige trockene Schritte zu machen sind. Ich laufe genauso wie immer, mir ist das einerlei. Los ging es also! Ich war sehr gut gelaunt und habe gleich mal rumgestrebert, als wir zum Aufwärmen ein bisschen Hütchen-Slalom geübt haben. Ein Hütchen stoße ich immer absichtlich mit der Nase um, das lasse ich mir nicht nehmen, aber danach bin ich vorbildlich und laufe schön dran vorbei.

Als ich dann warmgeschritten war, ging es an den Trab und ich hab auch gleich angemerkt, dass auch der dritte Gang im Angebot ist. Klar! Also Galopp! Und ich kann das jetzt so fein, da freut mein Mädchen sich wie Bolle. Ich bin galoppiert und dann: Scheeeeeritt! Und – zack! – Mädchen stolz weil ich das so schön hingekriegt habe. Dann angaloppieren aus dem Schritt und wieder durchparieren und zum krönenden Abschluss haben wir noch was neues probiert: Galopp, Trab, direkt Handwechsel im Trab und fix wieder in den (neuen) Galopp. Kein Problem! Weil die Technik nicht so wasserfest ist wie ich, wird es mit einem Video wohl noch etwas dauern (es soll ja noch mehr regnen!), aber sobald es mal trocken ist, werde ich euch das zeigen, was ich da jetzt schönes kann!

Ach, da war mein Mädchen schon wieder ganz entzückt und nach ein bisschen Hinterbein-Gymnastik („übertreten“) im Schritt zum Verschnaufen war schon Feierabend und mein Mädchen hat uns die Weide aufgemacht. Da war ich nun so schön warmgelaufen, da habe ich gleich mal Gas gegeben und die anderen sind auch mitgerannt (bis auf Diego, der rennt ja äußerst selten). Aber der alte Merlin hat mit uns anderen mitgehalten und da hat mein Mädchen sich gleich nochmal gefreut, weil es unserem „Großvater“ noch so gut geht.

So starten wir munter und fidel ins neue Jahr! Ich hoffe ihr tut das auch, frohes neues Jahr für euch alle, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 446

(Alles was unterstrichen ist könnt ihr anklicken und direkt nachlesen)

So, jetzt ist das Jahr rum. Ausreiten fällt heute leider aus, weil es ja Menschen gibt, die die Uhr nicht richtig lesen können und ihre Böller schon irgendwann vor Mitternacht verschießen. Und das wollen wir nicht erleben, wenn wir draußen unterwegs sind, also bleiben wir schön hier zu hause, wo wir in Sicherheit sind. Da habe ich genug Zeit, über das Jahr nachzudenken!

Lass mal sehen. Angefangen hat es ja ganz gut, mit Hallenspielen (wegen Wetter) und einem neuen Sattelgurt für mich. Aber über den Februar reden wir lieber nicht! Der war nämlich für uns alle die Hölle. Na egal, jetzt bin ich entspannter Wallach und das ist gut so. Wir sind alle sehr zufrieden damit – auch ich. Ganz ehrlich: die Stuten nebenan sind nett, aber es ist schöner wenn ich nicht den ganzen Tag darüber nachdenken muss.

Als wir also die Hölle durchschritten hatten und am anderen Ende wieder raus kamen, ging es wieder los mit Fitness (davon hatte ich einiges eingebüßt).

Im März sind wir dann wieder voll eingestiegen ins Training (inklusive Wellness), haben Merlins 30. Geburtstag gefeiert, und wir hatten den vielleicht schlechtesten Unterricht, den mein Mädchen je bekommen hat.

Im April habe ich dann meinen neuen Sattel bekommen, mit dem wir beide (im Gelände) sehr glücklich und zufrieden sind. April ist auch immer der Monat in dem der Geburtstag meines großen Bruders ist, da ist mein Job als Herzensreparateur wieder ganz besonders wichtig. Und wir haben ein paar schöne Ausflüge gemacht, wie es sich gehört!

Im Mai habe ich dann in der Funktion als Service-Pony zum ersten Mal einen anderen Menschen als mein Mädchen getragen (und das natürlich großartig gemeistert!). Wir hatten einen Höllen-Trip, aber auch den ersten Ausritt mit dem Schimmelfreund! Und es ging endlich mal wieder los mit DEM Ausreitkumpel (der beste von allen!)

Im Juni habe ich Ritter Willibald kennengelernt! Der Zahnarzt war da und wir haben angefangen allein rauszugehen, mein Mädchen und ich. Außerdem hat mein Mädchen die Ausflüge noch genauer geplant (oder sagen wir: sie hat es versucht).

Im Juli hatte mein Mädchen Geburtstag und hat eine Garrocha geschenkt bekommen, wir waren nochmal mit Ritter Willibald los und wir haben unseren Ja-Tag gefeiert, aber wegen Wetter waren wir leider viel zu wenig ausreiten.

Im August haben wir dann stramm trainiert. Einmal wäre ich dabei fast von den Bremsen aufgefressen worden, aber nach ein paar guten Trainings hatte ich ordentlich Energie und eine kleine Diskussion mit meinem Mädchen über die Wahl der Gangart.

Im September haben wir weiter allein ausreiten geübt, ich war mit dem schnellsten Pony der Welt unterwegs und wir haben meinen Einzugs-Jahrestag gefeiert.

Nach all dem feinen Training durch die vielen schönen Ausritte war ich im Oktober dann wirklich ganz schön fit. Bergtour? Kein Problem! Dann war mein Mädchen eine Runde krank und deswegen ist Halloween quasi ausgefallen (ui, da schulde ich euch noch einen kleinen Film!). Fitness in Kombi mit Langeweile ergibt dann einen gut gelaunten Ritter mit dezentem Energieüberschuss, wie mein Mädchen im Anschluss feststellen durfte!

Im November war dann Schluss mit den langen Ausflügen, für den Ausreitkumpel war es zu dunkel und Diego hat sich ein fieses Hufgeschwür eingefangen, das ihn wochenlang lahmgelegt hat. Dafür habe ich meine erste Reitstunde gegeben und wir sind mit dem allein ausreiten ein Stück weiter gekommen.

Im Dezember kam Reitmeisterin Eleonore bei uns vorbei und hat und unterrichtet. Als sie wieder abgereist war, war endlich mal wieder Gelegenheit, mit der Wackelkiste los zu ziehen und ich habe die Lorbeeren für meine Arbeit in diesem Jahr geerntet: mein Mädchen vertraut mir jetzt viel mehr als vorher! Und schon war Weihnachten und es gab Geschenke für alle (ich hab meinem Mädchen den ersten Reitplatzgalopp geschenkt!).

Also wenn ich den Februar überspringe, war es insgesamt ein gutes Jahr. Wir waren ungefähr 500 km zusammen unterwegs (insgesamt zeigt mein Tacho jetzt 1585km an) – das ist eigentlich ein bisschen wenig, aber dafür dass so viele Ausfälle waren (ich krank, Diego krank, Mädchen vom Ausreitkumpel ist auch 6 Wochen ausgefallen…. ) ist es doch ganz ok. Trotzdem hoffen wir, dass es 2024 noch deutlich mehr Kilometer werden! Ich hoffe natürlich vor allem, dass mein Mädchen ihr Versprechen hält und wir noch viel mehr galoppieren! Und auch sonst haben wir noch einige Pläne, aber darüber reden wir dann nächstes Jahr!

Erstmal guten Rutsch, liebe Menschen!

Euer ins neue Jahr galoppierende Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 445

Gestern haben wir wieder an der Longe geübt, mein Mädchen und ich. Bei dem Wind auf dem nassen Reitplatz war sie schon wieder ganz glücklich, dass sie Ponys hat und keine verrückten Pferde. Ich habe das alles in ritterlicher Gelassenheit hingenommen, bin durch die Pfützen geplatscht und habe akzeptiert, dass der Wind auch mit in die Longe greift. Nur eins kann ich nicht ab: wenn der Schlag von der Longierpeitsche nass ist und mein Mädchen die Peitsche so schwingt, dass ich Wasser abkriege! Das ist wirklich eklig. Aber natürlich reiße ich mich dann auch zusammen, mache keinen Quatsch und funkle sie nur kurz böse an, damit sie weiß, dass das nicht geht. Dann entschuldigt sie sich auch immer ganz artig und gelobt Besserung.

Na jedenfalls haben wir wieder den Turbotrab geübt und natürlich Galopp. Und jetzt hab ich den Bogen raus! Ich kann jetzt zuverlässig in fast allen Fällen aufs erste Kommando schön angaloppieren ohne zwischendurch zu rennen. Und weil ich es im Trab so schön gemacht habe, hat mein Mädchen dann aus dem Galopp „Scheeeeeeeeritt“ gesagt – kann ich! Auch wenn es noch nicht so super elegant aussieht (sagt mein Mädchen) und dann aus dem Schritt „aaaaaaachtung – und hopp!“ Und siehe da: hab ich hingekriegt! Mit einem klitzekleinen Zwischenschritt aus dem Schritt in den Galopp. Keksparty!!!! Ha! Ich werde nie wieder was anderes machen wenn es dafür so viele Kekse gibt! Und weil ich es auf der einen Seite so gut geschafft hatte, haben wir noch die andere Seite probiert. Erst ein Fehlversuch, aber dann hat´s geklappt. Und was da schon wieder los war an der Keksfront! Ach, ein wahrer Festschmaus. Und schon war Feierabend und mein Mädchen war wieder sooooo stolz und ich im übrigen auch!

Heute waren wir dann wieder zusammen mit Diego und dem Mann auf dem Reitplatz und haben reiten geübt. Natürlich auch im Galopp! Kann ich jetzt schon voll gut, auch mit meinem Mädchen auf dem Rücken (auch wenn es dann doch etwas anstrengender ist). Und zwar so gut, dass ich finde, traben wird eher überbewertet. Wo ich mich doch gerade warm gelaufen hatte!

Am Ende hat mein Mädchen dann den Satz aller Sätze zum Mann gesagt: „Ich werd jetzt einfach nur noch galoppieren, das macht soooo Spaß!“

Und da, mein Mädchen sind wir uns vollkommen einig. Also bitte im Galopp Richtung neues Jahr!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Erwartungen

Und schon ist Weihnachten wieder vorbei. Dieses Jahr ist mir extrem aufgefallen, wie sehr Weihnachten mit Erwartungen verbunden ist und wie – obwohl Arnulf und ich uns weitgehend von all dem fernhalten – sogar in mir dieser Erwartungsdruck entsteht. Selbst fernab vom irrsinnigen Konsum sind Erwartungen. Schön soll es doch sein, besinnlich, festlich, besonders. Eine Bekannte beklagte sich bei mir, dass alle ihr eine „besinnliche Zeit“ wünschen, während auf der Arbeit die Hölle los ist (Jahresabschluss) und sie daneben noch die Weihnachtsfeierlichkeiten mit der Familie inklusive dementer Mutter organisieren muss. Besinnlich ist da nix dran. Zur Ruhe kommen, mal in sich gehen, das Jahr ausklingen lassen – Fehlanzeige.

Ich glaube, viele Erwartungen sind uns gar nicht bewusst. Sie kommen heutzutage wohl vor allem durch die Medien zu uns, teils bewusst gestreut durch Werbung, teils unabsichtlich dadurch, dass die meisten Menschen fast nur das teilen, was gut läuft. Gerade in der Pferdewelt sieht man jeden Tag Postings von Trainern, die beschreiben, wie einfach alles ist, wie toll ihre Pferde laufen, wie gut alle trainiert sind, wie gesund und fit und überhaupt. Abgesehen davon, dass man unterschätzt, wie versiert so eine Reiterin ist, unterschätzt Otto-Normal-Pony-im-Offenstall-Besitzerin auch die Umgebung. Viele meiner Schülerinnen haben eben keinen guten Reitplatz und schon gar keine Halle. Sie haben keine 10 Sättel da hängen von denen einer dann schon so weit passt dass man einfach mal loslegen kann, und schon gar nicht haben sie 20 Jahre Erfahrung in der Pferdeausbildung. Und so muss ich doch lachen, wenn mir jemand sagt, sie hätte auf „romantische Spaziergänge“ mit ihrem Zweijährigen gehofft. Nichts ist romantisch an einem Spaziergang mit einem Zweijährigen. Wenn es denn so ist, dass man gefahrlos spazieren gehen kann, erfordert ein Pferd – noch dazu ein junges – unsere volle Aufmerksamkeit, wir müssen die Umgebung mit ihm Blick und unseren eigenen Körper im Griff haben und bei einem Pferd in der Pubertät können wir uns keineswegs sicher sein, dass das, was heute so wunderbar klappt, auch nächste Woche noch funktioniert.

Es ist wie die Schönheitsideale, die durch Instagramm und Co entstehen, weil die Damen und Herren dort nur Fotos posten, auf denen sie top gestylt sind und womöglich noch ein Filter zum Einsatz kam. Und so sehen wir auch in der Pferdewelt nur die schönen Seiten oder die bereits gelösten Probleme. Kein Wunder, denn wenn man über seine Probleme berichtet, kann man sich sicher sein, dass man ungefragte Tipps bekommt (ist mir sogar mit meinem Blog schon passiert) und/oder als unfähig betitelt wird. Und darauf hat verständlicherweise niemand Lust. Daher denke ich auch, der Ruf nach „mehr Realität“ wird verhallen, weil mehr Realität nicht zu besserer Stimmung führt. Wenn jemand seine Wahrheit zeigt, müssten die anderen eben auch damit gut umgehen und das wird – außer in kleinen Gruppen – sicherlich Wunschtraum bleiben, denn Besserwisser gibt es überall. Um ein realistisches Bild zu bekommen, müssen wir also in die echte Welt. Und hier die Augen aufmachen: wie hoch ist denn so der reiterliche Standard um mich herum. Hier, an meinem Stall oder am Nachbarstall. Welche Probleme haben die Menschen dort mit ihren Pferden. Und vielleicht nicht selbst gleich denken „das würde ich alles anders machen und dann würde das auch gehen“, sondern mal bescheiden bleiben und feststellen: es gibt diese Probleme. Es gibt Pferde, die nicht so einfach sind. Es gibt Pferde mit gesundheitlichen Problemen die vielleicht angeboren sind und nicht mal eben so geheilt werden können. Und es gibt einen Haufen Reiterinnen, die über ein einigermaßen geregeltes „Schritt, Trab, Galopp und Sonntags ein kleiner Ausritt“ – Pensum gar nicht hinaus kommen.

Das ist doch auch gar nicht schlimm! Gibt nur niemand gerne zu, denn Erwartungen werden auch geweckt durch Reitlehrer und Reitweisen. Leute, die versprechen, dass jedes Pferd das Piaffieren lernen kann (aber dabei unterschlagen, dass der Mensch davor so viel zu lernen hat, dass die Zeit einfach gar nicht reicht). Leute, die versprechen, dass ein Pferd ratzfatz fit und toll bemuskelt ist, wenn man nur diesen einen Online-Kurs besucht (und dabei verschweigen, dass der Mensch ohne 1zu1 Anleitung Schwierigkeiten bei der Umsetzung kriegen wird und das alles nicht hilft wenn der Reitplatz im Winter wochenlang unter Wasser steht). Und natürlich all die „Wendys“ die einfach nur romantische Postings von der tiefen Verbundenheit zu ihrem Pferd zeigen – kann sein, dass es stimmt (Spoiler: meistens nur wenn man nicht allzu genau hinschaut), aber auch bei denen ist nicht jeden Tag eitel Sonnenschein.

Kurz und gut: vor Erwartungen können wir uns nicht schützen. Aber sie als Erwartungen identifizieren und zu sehen, ob das überhaupt realistisch ist, was wir uns da ausmalen, kann uns helfen, besser damit umzugehen. Und wenn wir dann einen Gang zurückgeschaltet haben, sind wir frei genug im Umgang mit unserem Pferd, so dass es uns jenseits unserer Erwartungen zeigen kann, was es im Angebot hat.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 444

So, nachdem ich ja gestern den ersten Linksgalopp hingelegt habe mit meinem Mädchen auf dem Rücken, haben wir das heute gleich nochmal versucht. Es hat ein bisschen gedauert bis ich meine Hufe alle sortiert hatte, aber dann hab ich losgelegt! Hab mich sogar lenken lassen im Galopp und war ganz toll ausbalanciert. Nach einer halben Zirkelrunde gabs einen Keks und mein Mädchen hat den Mann gefragt ob sie Feierabend machen oder noch die andere Seite versuchen soll. Na ihr kennt ja den Mann, der lässt nix unversucht und meinte gleich: andere Seite! Hat wieder einen Augenblick gedauert bis ich drin war aber dann bin ich rechts rum genauso schön galoppiert wie links. Dann war aber Feierabend und eine gewaltige Keksparty sage ich euch! Ach, so gefällt mir mein Leben.

Habe dann gegen Ende aber auch noch kurz angemerkt, dass ich finde, wir könnten demnächst mal wieder alleine ausreiten gehen üben. Leider ist das Wetter dafür die nächsten Tage wohl nicht geeignet, also müssen wir das auf nächstes Jahr verschieben. Zum Glück ist das ja jetzt gar nicht mehr lange hin! Und vielleicht bin ich schneller da, wenn ich es im Galopp mache?

Euer fleißig galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 443

So, bevor jetzt der letzte Weihnachtstag noch rum geht und ihr nix über meine Geschenke gehört habt, kommt hier mal meine „Beuteliste“:

Unübersehbar ist ja wohl die grüne Schüssel! Extra in „meinem“ grün. Überreicht von einer Dame, die sich voll gut mit Distanzreiten auskennt und die meinte, das sei jetzt meine Distanzreitschüssel. Das ist die Schüssel, aus der ich auf Distanzritten in der Pause ein paar Körnchen essen soll. Körnchen! Da hat mein Mädchen gleich mal gelacht und gesagt, bis ich Körnchen bekomme (also Hafer oder so was leckeres), geht noch viel Zeit ins Land. Aber auf „Pseudokörnchen“ (also getreidefreies Schmatzofatz) könnte sie sich einlassen. Naaaaa gut, aber wenn ich wirklich mal viele Kilometer machen soll, müssen wir schon nochmal über die Körnchen reden, mein Mädchen! Hafer macht nämlich gute Laune, das seh ich doch an Diego! Aber sie meint natürlich, meine Laune sei gut genug.

Geschenke für mich! Mein Mädchen hat auch schöne Sachen bekommen, vor allem zum Naschen.

Außerdem gab es von der netten Distanzreiterin noch fein Leckerchen und eine neue grüne Bürste. Danke!

Mein Mädchen hat ein Geschenk bekommen, da stand ihr Name drauf, aber soll ich euch was verraten? Es war eben doch für mich! Mal sehen wo wir dieses schöne Stück unterbringen, das weiß ich noch nicht. Aber immer gut, wenn mein Name überall steht, damit jeder weiß, wie ich angesprochen werden möchte!

Der Mann hat ein sehr kurioses Geschenk bekommen, das hat auch ein bisschen was mit uns Ponys zu tun. Er kann nämlich jetzt ganz, ganz merkwürdige Fotos von uns machen! Darauf kann er sehen, wie viel Wärme wir abstrahlen. Dadurch können die Menschen sehen, ob bei uns zum Beispiel ein Bein wärmer ist als das andere oder ob an unserem Rücken ein heißer Fleck ist.

So sah ich nach dem ausreiten aus, da seht ihr noch die Wärme die sich unter dem Sattel angesammelt hat.

Mein Mädchen hat noch ein Geschenk bekommen, mit dem sie mich ausspionieren will, aber das funktioniert noch nicht. Soooooo leicht lasse ich mir nicht in die Karten gucken! Sie will nämlich meinen Puls beim Laufen messen können. Aber ich verrate den nicht! Das bleibt mein kleines Geheimnis.

Nachdem ich nun so viele Geschenke bekommen habe, habe ich mich nicht lumpen lassen und meinem Mädchen heute auch noch ein Geschenk gemacht: wir waren alle zusammen auf dem Reitplatz, Diego mit dem Mann und mein Mädchen und ich. Wir haben heute abwechselnd „gearbeitet“, also der Mann ist ein paar Minuten geritten, während mein Mädchen und ich zugeschaut haben und umgekehrt. In der ersten Einheit haben mein Mädchen und ich kurz Handarbeit gemacht, dann Pause und zugucken, dann ist sie aufgestiegen. Ich hab meinen allerschönsten Feiertagstrab hingelegt und da hat es sie gepackt und sie meinte, wir versuchen es einfach nochmal. Tönt es von oben „aaaaachtung…. und hopp!“. Ja ich weiß ja was das heißt aber ich krieg es noch nicht hin! Beim zweiten Versuch hab ich mal angedeutet um zu beweisen, dass ich doch WEISS was ich tun soll . Zack! Keks! Dann hab ich mal nach oben gefunkt: sitz still, schnall dich an, ich kann das ganz allein aber du darfst mich nicht stören! Und als es das dritte mal „aaaaaachtung…. und hopp!“ hieß, bin ich ganz geschmeidig angaloppiert. Nach 3 oder 4 schönen Sprüngen ist mein Mädchen in Jubelgeschrei ausgebrochen, ich habe planmäßig die Bremse reingehauen (soll ich bei Jubelgeschrei) und schon war sie abgesprungen, hat mir viele, viele Kekse gegeben und mich doll gefeiert! Schade, dass ich keine Schleife um den Galopp binden konnte, das war doch mal ein feines Geschenk. So können wir Weihnachten jetzt ganz in Ruhe ausklingen lassen, die Menschen fahren noch in ein schönes Restaurant, wir knabbern unser Heu und morgen überlegen wir, wie das mit dem Alltag noch gleich ging.

Euer jetzt auch auf dem Reitplatz galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 442

Das tolle an Weihnachten ist, dass es 3 Tage lang dauert! Nicht wie so ein Geburtstag, der schneller vorbei ist als man hopp sagen kann, sondern so richtig ausgiebig. Heute also der zweite Teil: endlich mal schöneres Wetter und also sind wir schön ausreiten gegangen. Naja, nicht so irre romantisch, weil es ja so stürmisch ist und wir nicht so gerne irgendwelche Äste auf den Kopf kriegen wollten. Wir sind also die „Galloway-Runde“ geritten, weil man da an ganz vielen Koppeln vorbei kommt wo meine Landsleute von Rindsviechern stehen.

Los ging es natürlich im Schritt, aber mein Mädchen hat sich in den Kopf gesetzt, dass wir jetzt den Turbo-Schritt üben. Ist das zu fassen? Jahrelang keucht sie neben mir her und meint, ich wäre zu schnell und jetzt, wo ich meine gemütlich Seite entdeckt habe, kann es ihr gar nicht schnell genug gehen! Naja, ich hab mich ordentlich bemüht. Einmal ist mir ganz gepflegt ein Vorderbein auf den Blättern einfach so nach vorne weggerutscht, aber ich kann das inzwischen problemlos regeln, auch mit meinem Mädchen oben drauf. Zack! – Mädchen stolz.

Dann haben wir einen kleinen Galopp eingelegt. Ich hatte so ein bisschen die Idee, ich könnte doch mal was flotter machen, aber mein Mädchen nun wieder: da geht es bergab und überall ist es rutschig, mach gefälligst langsam! Spaßbremse.

Dann ging es weiter im Schritt – Turbo-Schritt! Durchs Dorf und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg. Der Mann wollte Schritt reiten, aber meinem Mädchen war noch nach ein bisschen Trab. Und so wurde der Abstand zu Diego größer und größer. Und schießlich höre ich von oben „aaaaachtung… und hopp!“. Jo, kann ich. Also noch ein kleiner, gemächlicher Galopp. Danach war Diego dann so weit hinten, dass wir ihn nicht mehr gesehen und gehört haben. Schritt! An den Galloways vorbei. Da fingen die doch an, sich zu streiten, als wir gerade da vorbei gegangen sind! Oh da war mir nicht so ganz wohl. Aber mein Mädchen hat mir gut zugeredet und wir haben das geschafft. Und die nächste Weide auch noch. Und dann hat sie mich angehalten, mir einen Keks gegeben und gemeint, wir könnten mal auf Diego und den Mann warten. Aber wie wir da so stehen

VOGEL!!

Ach es ist einfach immer das gleiche: ich will mich entspannen und dann fliegt neben mir so ein Dinosaurier hoch! Da hab ich einen kleinen Hopser gemacht. Aber wisst ihr was: mein Mädchen hat das voll entspannt weggesteckt! Hat sogar gelacht und gemeint, wenn stehen nicht gut ist, dann gehen wir einfach im Schritt weiter. Da fühlte ich mich ganz verstanden, das hilft wirklich, wenn ich dann meine Füße bewegen kann um den Schreck wieder loszuwerden. Etwas weiter haben wir dann wieder angehalten und sie hat noch ein schönes Foto für euch gemacht. Diego hat uns eingeholt und wir sind zusammen nach hause gegangen. Mein Mädchen hat dem Mann lang und breit erzählt, wie toll ich das alles gemacht habe, dass ich heute 3 mal auf Stimmkommando prompt angaloppiert bin und auch schön durchpariert habe und dass ich überhaupt und sowieso das beste Pony der Welt bin.

Schön war das heute!

Und das stimmt ja auch!

Und weil wir so lang draußen unterwegs waren und die Menschen dann noch schön gekocht und gegessen haben, ist es jetzt zu spät um noch von den Geschenken zu erzählen. Das muss ich also morgen nachholen, bis dahin habt ihr bestimmt noch Geduld!

Euer weihnachtlicher Sir Duncan Dhu of Nakel (bestes Pony der Welt!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 441

Frohe Weihnachten, liebe Menschen!

Wir haben dieses Jahr ganz besondere Weihnachten, denn wir Ponys dürfen sogar jetzt noch ein bisschen auf die Weide! Jeden Tag eine Stunde. Wenn das Frühjahr rechtzeitig kommt, hat mein Mädchen ausgerechnet, dann haben wir vielleicht bis dahin noch genug altes Gras und können dann direkt zum neuen übergehen. Das wäre doch fein! Aber erst mal genießen wir, dass wir überhaupt noch Gras zum Naschen haben. Auch wenn es heute doch recht ungemütlich war, windig und nieselig. Aber egal.

Die Frisur sitzt bei dem Wetter nicht so gut.

Danach haben wir uns erst mal in der Halle versteckt und gewartet bis es wieder Heu gibt und nach dem Heu hat mein Mädchen mit uns in der Halle ein bisschen Stangentraining gemacht – erst mit mir, dann mit Diego. Ich hab bei Diego die ganze Zeit zugeschaut, ich hätte schon auch noch ein Ründchen mehr gedreht! Ehrlich gesagt ist mir nämlich etwas langweilig bei dem miesen Wetter. Den ganzen Tag so im Stall rumhängen ist ganz schön öde, aber draußen sein wollen wir halt auch nicht so recht, wenn der Regen uns waagrecht ins Gesicht klatscht. Morgen soll es besser werden, hoffentlich können wir dann mal schön ausreiten gehen.

Ich würde gerne gleich nochmal!

Jetzt machen die Menschen erst mal Bescherung, sie haben sooooo viele tolle Sachen von Schülerinnen und Kundinnen bekommen, und für mich sind auch ein paar Geschenke dabei!

Bescherung!

Aber davon erzähle ich euch dann morgen!

Weihnachtliche Grüße von Eurem Sir Duncan Dhu of Nakel