Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 456

Der Norddeutsche sagt „Sturm ist erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben“. Nur: wenn keine Schafe in Sichtweite sind, wie stellt man dann fest, ob schon Sturm ist oder nur „büschen Wind“? Mein Mädchen hat sich heute überlegt, ob man nicht die Windstärke am Wallehaarflugwinkel bemessen könnte. Daran arbeitet sie jetzt. Mit uns macht sie heute nix – wir könnten zwar in die Halle gehen und wippen, aber irgendwann ist auch mal genug Wetter und dann möchte sie so wenig wie möglich vor die Tür. Deswegen vertreiben Diego und ich uns die Zeit in den Regenpausen mit einem lustigen Spiel, das ist auch fein.

In welchem Verhältnis steht der Wallehaarflugwinkel zur Windstärke?

Mein Mädchen macht derweil Büroarbeit und dann hat sie gleich wieder schlechte Laune, aber egal. Morgen soll es ja besser werden, dann hat mein Mädchen auch wieder Lust was mit uns zu machen.

Liebe Menschen, passt gut auf euch auf, fliegt nicht davon und schaut für mich doch bitte mal nach, ob die Schafe noch Locken haben!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem fliegenden Wallehaar

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 455

Gestern hatte ich frei. Wir Ponys haben den Schwerpunkt tief gehalten, damit wir nicht weggeweht werden und mein Mädchen hatte so schlechte Laune, dass sie uns lieber gar nicht so nah kommen wollte. Normalerweise sind wir Ponys ja dafür zuständig, ihre Laune zu heben, wenn die mal im Keller ist. Dann sagt mein Mädchen immer „deswegen hab ich Ponys“ (und keine andere Rasse) „weil Ponys das aushalten“. Und das stimmt! Wir sind gut darin, ihre schlechte Laune so lange auszuhalten bis es wieder gute Laune geworden ist. Wir nehmen ihr das auch nicht krumm und ganz ehrlich: die Umwandlung von schlechter in gute Laune kostet uns in der Regel nur wenige Augenblicke. Aber manchmal – ganz selten – ist ihre Laune so schlecht, dass sie uns das nicht zumuten möchte und das finden wir dann auch nett. Und gestern war so ein Tag.

Heute war aber alles wieder gut und also haben wir abends noch Programm gemacht. Der Reitplatz ist endlich wieder aufgetaut und es hat gerade mal weder geregnet noch gestürmt, also ging es los! Ich durfte an der Longe schnell mal alles zeigen, was ich kann. Inklusive angaloppieren aus dem Schritt, was mir jetzt schon fast richtig gelingt! Es wird wirklich mal Zeit für ein neues Video! Auch durchparieren vom Galopp zum Schritt kann ich schon voll gut. Und wir haben wieder Handwechsel geübt: Galopp rechtsrum, dann in den Trab, Handwechsel im Trab und zügig in den Galopp linksrum. Und natürlich das ganze in umgekehrter Reihenfolge. Eine schöne Koordinationsübung für mich, sagt mein Mädchen. Stimmt, ich muss kurz überlegen wie jetzt der richtige Galopp geht, aber ich kriege das hin! Tja und nachdem ich wieder einfach alles auf Anhieb richtig gemacht hatte, war mein Mädchen wieder ganz doll stolz auf mich und total verliebt und so soll das ja auch sein. Feierabend! Jetzt soll es nochmal richtig stürmisch werden, also wieder schön den Schwerpunkt runter und warten bis es vorbei ist. Haltet euch gut fest, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem tiefen Schwerpunkt

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 454

Endlich! Das Wetter hatte ein Einsehen mit uns. Es hat zwar schon ordentlich und kalt gepustet, aber der Regen lässt noch auf sich warten und die Straßen sind eisfrei. Zeit, meine eingestaubten Glieder zu strecken und meine 409kg Kampfgewicht (bestehend ausschließlich aus Muskeln und Samensträngen, versteht sich….) mal wieder auf die Straße zu bringen! 409kg haben sich heute ein bisschen angefühlt wie 409 PS! Diego und ich hatten schon am Stalltor gewartet, wann es endlich los geht und beim Schuhe anziehen hat mein Mädchen schon gemeint, ich würde mich wohl doll freuen, weil ich so unfassbar artig stand. Ich wollte schnell los und das hab ich ja kapiert: wenn ich still halte geht es schneller!

Turboschritt! Es ist ja so: man kann schnelle, kleine Schritte machen, oder langsame, große. Wenn man es schafft, schnelle, große Schritte zu machen, dann ist das Turboschritt. Und nach all den Schrittstangen und dem ganzen Geübe der letzten Wochen habe ich jetzt den Bogen schon ganz gut raus, auch mit meinem Mädchen auf dem Rücken! Habe den schnellsten Schritt aller Zeiten hingelegt und einen Schnitt von 5,4km/h im Schritt geschafft. Jaaaaaa, ich weiß, das ist nicht wirklich schnell, aber ich hab halt einfach so kurze Beine!

Mein Mädchen und der Mann haben beschlossen, dass Diego nicht mehr gebremst wird, weil der ja wieder Muskeln aufbauen soll und also sein eigenes Schritt-Tempo gehen muss, damit das passiert. Nun ist Diego in seinem gemütlichen Reiseschritt immer noch ein gutes Stück schneller als ich, aber mein Mädchen meint, ich bin wirklich groß genug, das auszuhalten. Ab und an wartet Diego dann oder wir traben ein Stück nach. Ich habe mich ordentlich bemüht und mein Mädchen war sehr, sehr stolz auf mich. An einer Stelle wurde es mir dann aber doch zu bunt und ich bin einfach mal ungefragt in den Galopp gefallen. Wer will denn immer nur Schritt gehen, auch wenn es Turboschritt ist? Aber nein, mein Mädchen hat mich direkt wieder ausgebremst. Menno. Also habe ich meine Energie weiter in den Schritt gesteckt – manchmal denke ich, ich bin einfach ZU nett. Gerade als ich so richtig schön warmgelaufen war, waren wir dann aber auch schon wieder zu hause. Schade! Aber besser eine kleine Runde raus als weiterhin der totale Burgkoller. Vielleicht schaffen wir nächsten Sonntag mehr, meint mein Mädchen, immer abhängig vom Wetter….

Euer etwas weniger burgkolleriger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 453

Winter, Winter, Winter! Gestern waren mein Mädchen und ich auf dem Reitplatz. Der Boden war so halb gut, da haben wir einen Mix aus Doppellonge und Fahren vom Boden gemacht. Heute haben wir uns dann wieder in der Halle verkrochen. Dort haben wir jetzt nicht mehr nur die Wippe, den Steg und die Matratze, sondern auch eine hochgelegte Stange. Mein Mädchen hat herausgefunden, wie wir lernen können, den richtigen „Absprungpunkt“ zu finden (haha, wir gehen da ja nur im Schritt rüber. Aber sowohl Diego als auch ich gehen irgendwie immer zu nah ran und reißen dann die Stange runter….). Sie hat also eine „Absprungstange“ für uns unten vor die hochgelegte Stange platziert – ach ich zeige euch das demnächst einfach mal. Jedenfalls gehen wir da jetzt immer mal rüber und wenn die Stange liegen bleibt, gibt es einen Keks.

Heute haben wir neben Wippen und korrekt über die Stange gehen auch wieder geübt, rückwärts auf den Steg zu gehen. Das ist eine meiner neueren Fähigkeiten. Mit den Vorderbeinen kann ich das schon lange, aber jetzt gehe ich auch mit den Hinterbeinen rückwärts drauf. Das zu tun während mein Mädchen etwas schräg steht, damit sie filmen kann, ist übrigens noch etwas komplizierter. Normalerweise steht sie ganz gerade vor mir – ich soll ja auch gerade rückwärts gehen! Aber im zweiten Anlauf ist es uns gelungen, so dass ihr meine Beingymnastik mal sehen könnt.

Rückwärts den Hinterhuf wieder da hoch sortieren! Sieht nur so einfach aus, weil ich es kann!

Auf der Wippe war ich heute recht kreativ und mein Mädchen hat sich gefreut, dass ich jetzt auch mal eigene Vorschläge einbringe, das habe ich früher nicht so gemacht. Sie hat jetzt aber auch viel mehr Zutrauen und weiß ja, dass ich die Spielregeln kenne und mich (fast) immer daran halte. Jedenfalls sind wir jetzt schon ein (im wahrsten Sinne des Wortes) eingespieltes Team. Manchmal sagt sie zwischendurch „mir wird Angst und Bange wenn du sowas machst“ (weil ich ein bisschen waghalsige Stunts drehe auf der Wippe) aber dann schaut sie mich an und sagt „ich weiß, du hast das im Griff“. Ja, habe ich! Schließlich übe ich wippen, seit ich klein bin.

Jetzt steht uns wohl noch eine knappe Woche Sturm und Regen bevor, so dass es am Sonntag SCHON WIEDER keinen Ausritt geben wird, aber dann … dann hoffen wir, dass wir endlich mal wieder los können. Wegen dem Burgkoller, ihr wisst schon.

Euer winterlicher Sir Duncan Dhu of Nakel

Neue Wege

Neulich ritt ich einen kleinen Isländer. Er kann noch nicht sooo viel auf dem Platz, aber er ist stets bemüht und voller Eifer dabei. An diesem Tag allerdings nur rechts herum. Links herum war er sehr steif und konnte nicht so wie er wollte. Ich bemühte mich, ihm zu erklären, dass er sein linkes Hinterbein untersetzen sollte, aber es wollte einfach nicht gelingen. Nach 30 min vergeblichen Versuchens stieg ich schließlich ab und wollte vom Boden arbeiten. Es zeigte sich, dass er sich anscheinend beim Spielen derart die Muskulatur verzogen hatte, dass er auch ohne mein zusätzliches Gewicht einfach nicht in der Lage war, das linke Hinterbein unter den Körper zu bringen. Ich machte einige vorsichtige Dehnübungen, danach konnte er wenigstens das. Anschließend schickte ich ihn zum Osteopathen, aber davor hatte ich noch ein bisschen Zeit mich zu ärgern: warum hatte ich 30min lang versucht, ihn zu reiten? Mir hätte doch gleich klar sein müssen, dass das nichts wird, oder? Vielleicht. Wobei man ja bei besser ausgebildeten Pferden schon manchmal in der Lage ist, so etwas wegzureiten. Aber halt nicht bei einem „Anfänger“.

Ein bisschen erinnerte mich die Geschichte an den Artikel, den ich über Abbruch geschrieben habe. Da ist es wieder, das Problem, an einem Plan festzuhalten. Vielleicht bin ich da einfach zu unflexibel. So ein Gehirn möchte ja stets Energie sparen. Und nun hat man ja schon so viel Energie für Plan A aufgewendet, da möchte man sich ungern noch Plan B überlegen müssen. Und ich hatte mir das ja auch alles so fein ausgemalt, wollte schön Spaß haben beim Reiten und gute Ergebnisse erzielen. Und jetzt klappt das nicht, das ist doch eine Unverschämtheit!

Kurze Zeit später hatten wir ein ähnliches Thema bei einer Schülerin. Ihr Pferd konnte sich rechts rum nicht richtig biegen (es ist einfach Winter und wir haben oft blöde Böden und schon kommen lauter solche Themen dabei raus….). Ich sagte zu ihr „denk daran, dass das kein Gehorsamsproblem ist“ und sie sagte „nein, natürlich nicht!“, hängte sich dann kurz an dem Wort „Gehorsam“ auf und plötzlich, nach einer kurzen Stille, sagte sie „aber ich merke gerade: ich behandel es wie eins“. Und das war der Punkt (der mir auch manchmal passiert): obwohl wir WISSEN, dass das Pferd es im Moment nicht kann, ist unsere erste Reaktion eben doch „ach jetzt mach das doch mal“. Und die Pferde, nett wie sie nun mal sind, versuchen und versuchen anstatt sich hinzustellen und zu sagen „ES GEHT HEUTE NICHT!“.

Wenn wir anerkennen können, dass wir allzu oft an alten Plänen festhalten, können wir vielleicht üben, schneller zu erkennen, wann das falsch ist. Denn wenn wir ehrlich sind, wird es uns im Pferdetraining nicht anders gehen als im restlichen Leben: wir werden uns immer wieder mal verlaufen. Falsche Entscheidungen treffen, einfach weil wir im Vorhinein nicht wissen können, was die richtige Entscheidung wäre. Aber wenn wir dann so eine Entscheidung getroffen haben und sehen, dass wir damit gar nicht da hin kommen, wo wir hin wollen, dann können wir ja den Weg ändern. Einen neuen Weg suchen, eine neue Entscheidung treffen. Das kostet erst mal Kraft, ja. Aber im Nachhinein kostet es weniger Kraft, als eine einmal getroffene falsche Entscheidung auf Biegen und Brechen weiter zu verfolgen. Und so übe ich weiter, meine Entscheidungen immer mal wieder auf den Prüfstand zu stellen, und zwar früher und schneller: Hilft mir das, was ich gerade tue, wirklich weiter? Nein? Dann STOPP und nach einem anderen Weg suchen. Damit werden wir unseren Pferden seltener Unrecht tun und Probleme schneller lösen können.

Und leider steht dieser ganze Artikel jetzt wieder in völligem Kontrast dazu, dass manchmal auch das Gegenteil richtig ist: an Plänen festhalten und wiederholen, vielleicht 100 mal, um zu sehen, ob es dann besser wird. Naja, niemand hat jemals ernsthaft behauptet, dass Pferdeausbildung leicht sei, oder?

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 452

Gestern haben wir sowas wie einen Familienausflug gemacht. Nur Diego ist zu hause geblieben – einer muss ja auf den Stall aufpassen! Aber Merlin, Caruso, Gatsby und ich haben uns mit meinem Mädchen, dem Mann und dem Mädchen von Gatsby auf den Weg gemacht zum Nachbarstall. Dort war nämlich die Pferdewaage! Mein Mädchen war nicht so richtig fit und hat mir gesagt, dass ich wieder mal besonders artig sein muss. Klar! Kann ich doch. Und weil ich ja nun kein Hengst mehr bin, kann ich auch mit fremden Pferden ganz entspannt umgehen. Wir haben da alle in einer Reihe gewartet bis wir dran waren.

In einer Reihe warten

Caruso durfte als erster auf die Waage – der ist ja so klein, dass ich mich immer frage, ob die Waage das überhaupt merkt? Aber sie hat es gemerkt. Zarte 150kg wiegt unser kleiner Caruso! Dann war Merlin dran. Der kann ja gar nicht mehr so gut gucken und auf der Waage hat das so ein bisschen geglänzt, da hatte er erst etwas Sorge, ob man da wohl wirklich drauf gehen kann. Aber mit etwas gutem Zureden, hat er sich dann doch getraut und als er gemerkt hat, dass das keine Pfütze ist, war es dann auch ok für ihn. 607kg hat die Waage angezeigt, das findet mein Mädchen fast ein bisschen viel und dann meint sie wieder, sie würde ihm wohl doch zu viele Eimer geben. Aber dann schaut Merlin sie so an und sie ist viel zu verliebt um ihn auf Diät zu setzen. Nur bei mir klappt das irgendwie nie! Mich hat sie doch auch lieb und trotzdem muss ich Diät halten. Ich glaube es liegt daran, dass Merlin ungefähr 100 Jahre alt ist und viel mehr Zeit hat, mein Mädchen zu erziehen… da hab ich wohl noch viel Arbeit vor mir!

Gatsby hat auch ein paar Anläufe gebraucht um auf die Waage zu gehen – er ist ja nicht der mutigste – aber schließlich hat er sich doch getraut. Ist ein paar mal drüber gelaufen bis er es dann auch geschafft hat, stehen zu bleiben. Und die Waage war nett zu ihm und hat gesagt, er ist schön schlank, nur knappe 500kg!

Ich war natürlich Vollprofi wie immer. Wiegen macht mir keine Angst! Vor allem nicht, weil mein Mädchen ja gesagt hat, ich hätte eine gute Figur. Und weil sie das gern nochmal von jemand anders hören wollte, hat die nette Waagenfrau mich mal abgegrabbelt und angeschaut und dann das selbe gesagt. Ich bin nicht zu dick, nur sehr flauschig. Da hat mein Mädchen sich gefreut! Außerdem bin ich noch gemessen worden, ganz professionell mit Laser. Leider hat der Laser mich auch nicht größer gemacht, so dass ich nur durch freundliches Aufrunden auf 140cm gekommen bin. Naja, letztlich weiß mein Mädchen ja jetzt, dass ich stark genug bin, sie zu tragen und im Herzen bin ich eh ein ganz Großer. Also findet sie es auch nicht so wichtig, was das Zentimetermaß sagt.

Was ich wiege wollt ihr wissen? Na dann ratet mal! Ihr wisst ja: wer am nächsten dran ist, darf sich ein Thema wünschen für den Blog.

Euer gewogener Sir Duncan Dhu of Nakel

Burgkoller

Wenn ich mich in den Highlandpony-Gruppen auf Facebook herumtreibe, sehe ich viele Beiträge, in denen es darum geht, die Ponys für die Platzarbeit zu motivieren. Beim Ausreiten scheinen die meisten eine Menge Spaß zu haben (es sei denn sie sind unsicher, dann schlagen sie auch beim Ausreiten gerne mal Wurzeln, der berüchtigte Highlandpony-Plant). Und auch ich hatte am Anfang meine Zweifel, ob ich Duncan jemals für die Platzarbeit würde begeistern können. Inzwischen kann ich sagen: das ist mir gelungen. Überraschenderweise fand er von Anfang an, dass longieren eine gute Sache ist – etwas, was sich all meinen anderen Ponys nie erschlossen hat. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir und meiner Einstellung dazu, wer weiß? Jedenfalls longiere ich derzeit mehr als mir lieb ist. Denn Ausreiten – das hat der Ritter bereits berichtet - ist schwierig und zur Zeit bleibt noch nicht mal der Reitplatz zum reiten übrig, denn der ist hart gefroren und es liegt kein Schnee.

Derweil beobachte ich, dass nicht nur ich einen Burgkoller habe. Auch mein kleiner großer Ritter zeigt Verhaltensweisen, die ich längst erledigt glaubte. Wenn ich mich neben ihn stellen will beim Heu fressen, meckert er mich an. Beim Putzen schüttelt er mit dem Kopf und geht weg. Trotzdem bettelt er nach Aufmerksamkeit. Und er freut sich, wenn ich ihn an die Longe nehme, bietet mir dann direkt Trab und Galopp an – nicht doof überdreht, sondern ganz fein und gesittet – und möchte eigentlich nicht nach 25 Minuten aufhören. Während ich es anstrengend finde, über den unebenen Boden meine kleinen Kreise mitzugehen, läuft er munter und geschmeidig den Hang rauf und runter und seine Laune bessert sich zusehends. Trotzdem klärt sich für mich im Nachhinein manche Diskussion auf, die wir im Winter so hatten, denn ich weiß jetzt, woher die schlechte Laune kommt: mein Ritter ist süchtig nach ausreiten und Abenteuer, genau wie ich. Derzeit sind wir auf Entzug und so lange könnte ich ihn gar nicht longieren, dass er so wohlig entspannt und ein bisschen müde wäre wie nach einem ausgiebigen Ausritt. Das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren braucht Abenteuer und sein Körper möchte auch ausgiebig bewegt werden. Seine Grundfitness ist schon ganz anständig und so ist es jetzt deutlich schwieriger, Energieüberschuss abzubauen, als noch vor einem Jahr. Zwar ist er nicht mehr so wild und überschießend wie er es als Hengst war, aber auch als Wallach möchte er doch ordentlich Sport machen – wiederum etwas, was ihn von meinen bisherigen Ponys unterscheidet.

All die Dinge die ich zu selten tue oder schon immer mal tun wollte: ausgiebig auf dem Sommerreitplatz longieren, wo ein sanfter Hügel das reine „im Kreis laufen“ schon zu einem schönen bergauf-bergab- Training macht. Oder „Mount Groß Vollstedt“ erklimmen, mit hoch gelegten Stangen üben und ausgiebig wippen oder neue Übungen an unserem Holzsteg ersinnen…. all das tue ich jetzt, in der Hoffnung, dass es uns beiden die Zeit vertreibt, bis wir endlich wieder mal so richtig schön ausreiten können. Und einmal mehr wird mir klar: ich muss es schaffen, allein ausreiten gehen zu können. Wenn das gelingt, steigt die Anzahl der möglichen Tage enorm an, denn dann muss ja nur ich Zeit haben und nicht auch noch jemand anders. Wenn dann mal kein Eis, kein Sturm und kein eiskalter Regen ist, können wir los.

Bis das klappt, müssen wir durchhalten, der Ritter und ich. Ob er – wie ich – vom nächsten Ausritt träumt? Ob er eine Vorstellung davon hat, wie schön das sein wird, wenn wir wieder mal ein halbes Stündchen durchgängig traben können? Ich weiß es nicht. Man sagt, Pferde leben im Hier und Jetzt. Nachprüfen kann ich es nicht. Ich jedenfalls freue mich schon auf sein Lächeln, wenn es wieder in einen unserer Lieblingswälder geht. Und ein bisschen fürchte ich mich vor seiner Fitness, die im Vergleich zu meiner sehr viel weniger gelitten haben wird unter der Winterpause. Bis dahin ertrage ich seine teilweise schlechte Laune so wie er meine erträgt, so ist das unter Freunden…..

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 451

Ich glaube, mein Mädchen hat auch Burgkoller. Anders kann ich es mir nicht erklären!

Heute meinte sie, wir besteigen „Mount Groß Vollstedt“. Aha. Also wir erklimmen ja gelegentlich „Mount Westensee“ aber dass wir in unserem Dorf auch einen Berg haben, war mir nicht bewusst. Stellt sich heraus: der ist bei uns auf der Weide! Sie meint damit den Hügel auf unserer Abenteuerweide. Echt jetzt?

Sie möchte den schon ewig mal fürs Training nutzen, aber entweder es war zu warm und zu mückig, oder zu nass. Oder das Wetter war gut und wir waren lieber ausreiten oder auf dem Reitplatz üben. Jetzt ist der Boden gefroren, Ausreiten ist nicht drin, der Reitplatz ist unbrauchbar und so war es heute so weit. Und jetzt ratet, wer da eine Viertelstunde lang den Berg rauf und runter marschiert ist und wer schön immer unten am Fuß des Berges stand und nix gemacht hat? Richtig. Ich war munter am trainieren, mein Mädchen hat mich nur immer angefeuert. Naja, bekekst hat sie mich auch. Trotzdem: was ist denn mit IHRER Fitness, hm?

Immer (halbwegs) munter rauf und runter…..

Immerhin, wie sie mich nachher so angeschaut hat, meinte sie, ich hätte eine gute Figur und das würde ihr gefallen, was sie da sieht. Und ich hab mir immer mal zwischendurch schnell ein paar Halme geschnappt, die unterm Schnee raus guckten. Diego musste dann übrigens auch noch ran und den Mount Groß Vollstedt besteigen. Derweil habe ich mich verdient von der Sonne wärmen lassen und von weitem zugeschaut.

Euer Bergsteiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 450

Normalerweise bin ich ja ein stets gut gelaunter Ritter. Aber manchmal bin ich dann doch genervt. Gestern zum Beispiel. Ich meine: es war doch Sonntag! Und Sonntag ist doch Ausflugstag! Aber nix war´s. Die Straßen und Wege sind vereist, gefroren und insgesamt ungemütlich, mein Mädchen war nur sehr mittelmäßig motiviert und also haben wir versucht, etwas Handarbeit auf dem gefrorenen Reitplatz zu machen. Das ging aber wirklich nicht so irre gut und ich hatte wenig Lust. Am Abend kam mein Mädchen dann nochmal und meinte, ein bisschen in der Halle im Kreis laufen könnte meine Laune heben. Aber das hab ich in letzter Zeit so oft gemacht…. alles öde. Mein Mädchen wusste also: Not am Mann, der Ritter hat Burgkoller! Da sie aber das Wetter nicht bestimmen kann, hat sie nach einem Ausweichplan gesucht. Und einen gefunden! Auf unserem „Sommerreitplatz“, da ist nämlich noch hohes Gras und etwas Schnee oben drauf und da, hat sie sich gedacht, kann man bestimmt gut laufen. Also hat sie mich mitgenommen und mich auf dem Sommerreitplatz longiert (und das mitten im Winter!). Ach, das hat mir gut getan. Endlich mal wieder frei raus traben, ein bisschen galoppieren durfte ich auch, aber vor allem meine Kraft sinnvoll nutzen. Denn auf dem Sommerreitplatz geht es immer rauf und runter. Rauf, runter, rauf, runter, Richtungswechsel, rauf, runter….. und mein Mädchen einigermaßen faul in der Mitte (weil SIE mit dem Boden nicht so toll klar kommt. Aber egal, Hauptsache ich kann mich bewegen!). Ich wollte ja noch weitermachen, aber nach einer halben Stunde meinte sie, das würde wirklich reichen (pah! Ich war gerade mal knapp warm geworden!) und wir würden das demnächst wiederholen (ich bitte doch sehr darum, wenn wir schon nicht ausreiten gehen können). Außerdem hat sie mal wieder angemerkt, ich sei ein komisches Pony, weil ich Longe so gern mag. Alle anderen Ponys die sie bisher so hatte, haben keinen Sinn darin gesehen, im Kreis um den Menschen rum zu laufen. Ganz ehrlich: ich würde auch mehr Sinn darin sehen, meinen Menschen geradeaus durchs Gelände zu schleppen, aber wenn das nun mal so gar nicht im Angebot ist, was soll ich machen? Dann lieber im Kreis mal ordentlich laufen, als immer nur in der Halle rumdümpeln.

Berg rauf….. gleich geht’s wieder runter!

Jetzt ist meine Laune wieder besser, ich hoffe, dass wir das übermorgen nochmal machen und wenn wir Glück haben, können wir ja vielleicht am Sonntag endlich mal wieder ausreiten, drückt mir die Daumen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem Burgkoller

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 449

Ich finde das Wetter prima. Spielen und toben und rennen und dabei immer kurz vorm ausrutschen, aber ich hab das natürlich immer perfekt im Griff. Mein Mädchen hingegen findet es ungemütlich. Zu kalt, zu windig, der Boden zu nass. Unser Reitplatz ist zwar schön anzuschauen, aber zum reiten ist es nicht so toll (meint sie).

Winterliche Reitplatz-Idylle

Also ist Alternativ-Programm angesagt. Und weil man angeblich nicht immer nur wippen kann (meint sie!), machen wir diesen Winter ganz viel Stangentraining. Im Schritt. Stangen hoch und verschiedene Abstände und dann Hufe heben und sortieren. Am Anfang fand ich das ja voll schwer, aber jetzt kriege ich es langsam raus. Zwischendurch hält sie mich dann über einer Stange an oder wir üben mal wieder die Füße merkwürdig zu sortieren.

Füße sortieren

Und dann freut sie sich wieder, weil ich noch viel besser, geschickter, schlauer und stärker geworden bin. Dann sagt sie manchmal „ich glaube, ich hab da was richtig gemacht mit dir“ (das ist ihre Art zu sagen, dass sie stolz ist auf das was wir gemeinsam geschafft haben). Und ich finde, ich hab auch was richtig gemacht mit ihr, wenn sie so fröhlich lächelt und so glücklich ist.

Euer winterlich beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel