Burgkoller

Wenn ich mich in den Highlandpony-Gruppen auf Facebook herumtreibe, sehe ich viele Beiträge, in denen es darum geht, die Ponys für die Platzarbeit zu motivieren. Beim Ausreiten scheinen die meisten eine Menge Spaß zu haben (es sei denn sie sind unsicher, dann schlagen sie auch beim Ausreiten gerne mal Wurzeln, der berüchtigte Highlandpony-Plant). Und auch ich hatte am Anfang meine Zweifel, ob ich Duncan jemals für die Platzarbeit würde begeistern können. Inzwischen kann ich sagen: das ist mir gelungen. Überraschenderweise fand er von Anfang an, dass longieren eine gute Sache ist – etwas, was sich all meinen anderen Ponys nie erschlossen hat. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir und meiner Einstellung dazu, wer weiß? Jedenfalls longiere ich derzeit mehr als mir lieb ist. Denn Ausreiten – das hat der Ritter bereits berichtet - ist schwierig und zur Zeit bleibt noch nicht mal der Reitplatz zum reiten übrig, denn der ist hart gefroren und es liegt kein Schnee.

Derweil beobachte ich, dass nicht nur ich einen Burgkoller habe. Auch mein kleiner großer Ritter zeigt Verhaltensweisen, die ich längst erledigt glaubte. Wenn ich mich neben ihn stellen will beim Heu fressen, meckert er mich an. Beim Putzen schüttelt er mit dem Kopf und geht weg. Trotzdem bettelt er nach Aufmerksamkeit. Und er freut sich, wenn ich ihn an die Longe nehme, bietet mir dann direkt Trab und Galopp an – nicht doof überdreht, sondern ganz fein und gesittet – und möchte eigentlich nicht nach 25 Minuten aufhören. Während ich es anstrengend finde, über den unebenen Boden meine kleinen Kreise mitzugehen, läuft er munter und geschmeidig den Hang rauf und runter und seine Laune bessert sich zusehends. Trotzdem klärt sich für mich im Nachhinein manche Diskussion auf, die wir im Winter so hatten, denn ich weiß jetzt, woher die schlechte Laune kommt: mein Ritter ist süchtig nach ausreiten und Abenteuer, genau wie ich. Derzeit sind wir auf Entzug und so lange könnte ich ihn gar nicht longieren, dass er so wohlig entspannt und ein bisschen müde wäre wie nach einem ausgiebigen Ausritt. Das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren braucht Abenteuer und sein Körper möchte auch ausgiebig bewegt werden. Seine Grundfitness ist schon ganz anständig und so ist es jetzt deutlich schwieriger, Energieüberschuss abzubauen, als noch vor einem Jahr. Zwar ist er nicht mehr so wild und überschießend wie er es als Hengst war, aber auch als Wallach möchte er doch ordentlich Sport machen – wiederum etwas, was ihn von meinen bisherigen Ponys unterscheidet.

All die Dinge die ich zu selten tue oder schon immer mal tun wollte: ausgiebig auf dem Sommerreitplatz longieren, wo ein sanfter Hügel das reine „im Kreis laufen“ schon zu einem schönen bergauf-bergab- Training macht. Oder „Mount Groß Vollstedt“ erklimmen, mit hoch gelegten Stangen üben und ausgiebig wippen oder neue Übungen an unserem Holzsteg ersinnen…. all das tue ich jetzt, in der Hoffnung, dass es uns beiden die Zeit vertreibt, bis wir endlich wieder mal so richtig schön ausreiten können. Und einmal mehr wird mir klar: ich muss es schaffen, allein ausreiten gehen zu können. Wenn das gelingt, steigt die Anzahl der möglichen Tage enorm an, denn dann muss ja nur ich Zeit haben und nicht auch noch jemand anders. Wenn dann mal kein Eis, kein Sturm und kein eiskalter Regen ist, können wir los.

Bis das klappt, müssen wir durchhalten, der Ritter und ich. Ob er – wie ich – vom nächsten Ausritt träumt? Ob er eine Vorstellung davon hat, wie schön das sein wird, wenn wir wieder mal ein halbes Stündchen durchgängig traben können? Ich weiß es nicht. Man sagt, Pferde leben im Hier und Jetzt. Nachprüfen kann ich es nicht. Ich jedenfalls freue mich schon auf sein Lächeln, wenn es wieder in einen unserer Lieblingswälder geht. Und ein bisschen fürchte ich mich vor seiner Fitness, die im Vergleich zu meiner sehr viel weniger gelitten haben wird unter der Winterpause. Bis dahin ertrage ich seine teilweise schlechte Laune so wie er meine erträgt, so ist das unter Freunden…..

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 451

Ich glaube, mein Mädchen hat auch Burgkoller. Anders kann ich es mir nicht erklären!

Heute meinte sie, wir besteigen „Mount Groß Vollstedt“. Aha. Also wir erklimmen ja gelegentlich „Mount Westensee“ aber dass wir in unserem Dorf auch einen Berg haben, war mir nicht bewusst. Stellt sich heraus: der ist bei uns auf der Weide! Sie meint damit den Hügel auf unserer Abenteuerweide. Echt jetzt?

Sie möchte den schon ewig mal fürs Training nutzen, aber entweder es war zu warm und zu mückig, oder zu nass. Oder das Wetter war gut und wir waren lieber ausreiten oder auf dem Reitplatz üben. Jetzt ist der Boden gefroren, Ausreiten ist nicht drin, der Reitplatz ist unbrauchbar und so war es heute so weit. Und jetzt ratet, wer da eine Viertelstunde lang den Berg rauf und runter marschiert ist und wer schön immer unten am Fuß des Berges stand und nix gemacht hat? Richtig. Ich war munter am trainieren, mein Mädchen hat mich nur immer angefeuert. Naja, bekekst hat sie mich auch. Trotzdem: was ist denn mit IHRER Fitness, hm?

Immer (halbwegs) munter rauf und runter…..

Immerhin, wie sie mich nachher so angeschaut hat, meinte sie, ich hätte eine gute Figur und das würde ihr gefallen, was sie da sieht. Und ich hab mir immer mal zwischendurch schnell ein paar Halme geschnappt, die unterm Schnee raus guckten. Diego musste dann übrigens auch noch ran und den Mount Groß Vollstedt besteigen. Derweil habe ich mich verdient von der Sonne wärmen lassen und von weitem zugeschaut.

Euer Bergsteiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 450

Normalerweise bin ich ja ein stets gut gelaunter Ritter. Aber manchmal bin ich dann doch genervt. Gestern zum Beispiel. Ich meine: es war doch Sonntag! Und Sonntag ist doch Ausflugstag! Aber nix war´s. Die Straßen und Wege sind vereist, gefroren und insgesamt ungemütlich, mein Mädchen war nur sehr mittelmäßig motiviert und also haben wir versucht, etwas Handarbeit auf dem gefrorenen Reitplatz zu machen. Das ging aber wirklich nicht so irre gut und ich hatte wenig Lust. Am Abend kam mein Mädchen dann nochmal und meinte, ein bisschen in der Halle im Kreis laufen könnte meine Laune heben. Aber das hab ich in letzter Zeit so oft gemacht…. alles öde. Mein Mädchen wusste also: Not am Mann, der Ritter hat Burgkoller! Da sie aber das Wetter nicht bestimmen kann, hat sie nach einem Ausweichplan gesucht. Und einen gefunden! Auf unserem „Sommerreitplatz“, da ist nämlich noch hohes Gras und etwas Schnee oben drauf und da, hat sie sich gedacht, kann man bestimmt gut laufen. Also hat sie mich mitgenommen und mich auf dem Sommerreitplatz longiert (und das mitten im Winter!). Ach, das hat mir gut getan. Endlich mal wieder frei raus traben, ein bisschen galoppieren durfte ich auch, aber vor allem meine Kraft sinnvoll nutzen. Denn auf dem Sommerreitplatz geht es immer rauf und runter. Rauf, runter, rauf, runter, Richtungswechsel, rauf, runter….. und mein Mädchen einigermaßen faul in der Mitte (weil SIE mit dem Boden nicht so toll klar kommt. Aber egal, Hauptsache ich kann mich bewegen!). Ich wollte ja noch weitermachen, aber nach einer halben Stunde meinte sie, das würde wirklich reichen (pah! Ich war gerade mal knapp warm geworden!) und wir würden das demnächst wiederholen (ich bitte doch sehr darum, wenn wir schon nicht ausreiten gehen können). Außerdem hat sie mal wieder angemerkt, ich sei ein komisches Pony, weil ich Longe so gern mag. Alle anderen Ponys die sie bisher so hatte, haben keinen Sinn darin gesehen, im Kreis um den Menschen rum zu laufen. Ganz ehrlich: ich würde auch mehr Sinn darin sehen, meinen Menschen geradeaus durchs Gelände zu schleppen, aber wenn das nun mal so gar nicht im Angebot ist, was soll ich machen? Dann lieber im Kreis mal ordentlich laufen, als immer nur in der Halle rumdümpeln.

Berg rauf….. gleich geht’s wieder runter!

Jetzt ist meine Laune wieder besser, ich hoffe, dass wir das übermorgen nochmal machen und wenn wir Glück haben, können wir ja vielleicht am Sonntag endlich mal wieder ausreiten, drückt mir die Daumen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem Burgkoller

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 449

Ich finde das Wetter prima. Spielen und toben und rennen und dabei immer kurz vorm ausrutschen, aber ich hab das natürlich immer perfekt im Griff. Mein Mädchen hingegen findet es ungemütlich. Zu kalt, zu windig, der Boden zu nass. Unser Reitplatz ist zwar schön anzuschauen, aber zum reiten ist es nicht so toll (meint sie).

Winterliche Reitplatz-Idylle

Also ist Alternativ-Programm angesagt. Und weil man angeblich nicht immer nur wippen kann (meint sie!), machen wir diesen Winter ganz viel Stangentraining. Im Schritt. Stangen hoch und verschiedene Abstände und dann Hufe heben und sortieren. Am Anfang fand ich das ja voll schwer, aber jetzt kriege ich es langsam raus. Zwischendurch hält sie mich dann über einer Stange an oder wir üben mal wieder die Füße merkwürdig zu sortieren.

Füße sortieren

Und dann freut sie sich wieder, weil ich noch viel besser, geschickter, schlauer und stärker geworden bin. Dann sagt sie manchmal „ich glaube, ich hab da was richtig gemacht mit dir“ (das ist ihre Art zu sagen, dass sie stolz ist auf das was wir gemeinsam geschafft haben). Und ich finde, ich hab auch was richtig gemacht mit ihr, wenn sie so fröhlich lächelt und so glücklich ist.

Euer winterlich beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel

Verfeinern

So, geschafft. Schritt, Trab, Galopp – alle Gangarten abrufbar, sowohl im Gelände als auch auf dem Reitplatz (kurze Gedenkminute für alle, deren Pferde mehr als 3 Gänge hat – ach nein, ihr wollt das ja so, selbst schuld 😉 )

Jetzt also ans Fine-Tuning. Ich bin ja jemand der gern sabbelt und zappelt und zum Glück habe ich geduldige Ponys (nein, nicht „zum Glück“, sondern schlau ausgesucht), die das mit Würde ertragen. Trotzdem arbeite ich beständig daran, meine Hilfen zu verfeinern. Duncan stellt mich da vor eine ganz neue Herausforderung, denn während Diego und Merlin sich durch Stimmlob und Bestätigung zwischendurch anfeuern und motivieren lassen, ist Duncan nach wie vor zufriedener, wenn ich still bin. Vielleicht liegt dass daran, dass er nicht nur mehr Stimmkommandos kennt als die anderen, sondern auch mehr damit anfangen kann. Sowas ist ja eine persönliche Präferenz. Stimmkommandos sind für Pferde erst mal unnatürlich, weil sie ja selbst kaum über Laute kommunizieren. Und viele Pferde reagieren daher nicht so gut auf Stimme. Aber das liegt auch daran, dass wir Menschen im Training fast immer das Stimmkommando mit anderen Informationen verknüpfen – eine Berührung oder eine sichtbare Bewegung. Dann bilden wir uns ein, das Pferd hätte auf Stimme reagiert, aber in Wirklichkeit hat es seine Information von unserem Körper bekommen. Duncan scheint aber ein Typ zu sein, der doch recht viel mit Stimme anfangen kann (und wenn es nur in Ergänzung zur Körpersprache ist). Das heißt im Umkehrschluss aber auch: immer wenn ich ein Geräusch mache, überlegt er, was das bedeutet. Und ich habe die schlechte Angewohnheit, viele, oft eher bedeutungslose Geräusche zu machen….. also übe ich, die Klappe zu halten und meiner Begeisterung anderweitig Ausdruck zu verleihen. Das ist vielleicht schwer!

Außerdem übe ich – wie immer – meine Beine ruhig zu halten. Das ewige Thema „treiben“, eine Altlast von Merlin, an der ich 20 Jahre gearbeitet habe, macht sich bei Duncan auf neue Art bemerkbar. Nicht, dass ich ihn viel treiben müsste, aber er ist einfach klein und so hängen meine Beine ohne Steigbügel weit runter. Das erschwert es mir, korrekte Schenkelhilfen zu geben, weil meine Wade nicht an den Ponybauch kommt. Und obwohl ich meinen Schülerinnen immer sage, man muss sich daran anpassen und mehr mit dem Oberschenkel reiten….. naja, Ihr ahnt es bereits. Meine Wade will da ein Pferd fühlen und wenn sie das nicht tut dann sucht sie sich eins, das ist so ein Reflex. Puh. Da träume ich doch manches mal wieder von Steigbügeln fürs Dressurreiten, aber noch habe ich keine passende Lösung gefunden.

Von meinen Händen will ich gar nicht erst anfangen. Mein Hände sind immer noch zu ungeduldig. Wenn Duncan nicht gleich umsetzen kann, was ich von ihm möchte, tun die viel zu schnell viel zu viel. Meine Zügelhilfen sind schon fair und effektiv und ich kann ganz gut nachgeben, aber ich MACHE halt ständig zu viel.

Zum Glück weiß ich von Berufs wegen, dass ich damit ganz und gar nicht alleine bin. Und ich weiß auch: die Pflicht zur Verfeinerung liegt immer beim Menschen, die Pferde sind fein genug, wenn sie sich für uns interessieren (und dafür zu sorgen, DASS sie sich für uns interessieren ist wiederum unsere Aufgabe).

In diesem Sinne wünsche ich Euch auch 2024 wieder viel Spaß beim reiten lernen!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 448

Was für ein Wetter. Nass und windig und wie mein Mädchen sagt „eklig“. Finde ich nicht, ich habe erstmal ausgiebig mit Gatsby rumgetobt. Danach hatte ich ein bisschen Langeweile, sogar der Weidegang ist heute ausgefallen, weil alles soooo nass ist. Was tut man da den ganzen Tag? Aber gegen Abend nahte Rettung: Die Menschen haben in der Halle ein kleines „Zirkeltraining“ aufgebaut und da haben wir ein bisschen rumgespielt.

Spaaaaaaaaaaaaaaß!

Ach das war fein! Wir hatten einen Riesenspaß und zum Schluss habe ich selbstverständlich noch schnell beim Aufräumen geholfen.

Nachher hab ich noch beim aufräumen geholfen.

Euer gut bespaßter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 447

So liebe Menschen, seid ihr alle heil gelandet im neuen Jahr?

Wir haben uns gestern erst mal einen Tag frei genommen. Heute ging es dann wieder los! Weil es regnet und regnet und der Reitplatz schon genauso nass ist wie ich, hat mein Mädchen beschlossen, mich an die Longe zu nehmen. Weil sie mich nicht so gern anfassen mag wenn ich so nass und durchgeweicht bin. Ich hingegen haben ja bekanntlich einen wasserfesten Pelz, mir ist das alles egal. Dann freut sie sich immer, dass sie die Biothane -Longe hat, der ist das einfach egal, die wird nicht hart oder schwer, braucht nicht lange zum trocknen und ist immer schön leuchtend grün. Und noch mehr freut sie sich, dass sie so einen Ritter hat wie mich, der sich nichts daraus macht, wenn von oben Regen fällt und unten zwischen Matsch und Pfütze nur wenige trockene Schritte zu machen sind. Ich laufe genauso wie immer, mir ist das einerlei. Los ging es also! Ich war sehr gut gelaunt und habe gleich mal rumgestrebert, als wir zum Aufwärmen ein bisschen Hütchen-Slalom geübt haben. Ein Hütchen stoße ich immer absichtlich mit der Nase um, das lasse ich mir nicht nehmen, aber danach bin ich vorbildlich und laufe schön dran vorbei.

Als ich dann warmgeschritten war, ging es an den Trab und ich hab auch gleich angemerkt, dass auch der dritte Gang im Angebot ist. Klar! Also Galopp! Und ich kann das jetzt so fein, da freut mein Mädchen sich wie Bolle. Ich bin galoppiert und dann: Scheeeeeritt! Und – zack! – Mädchen stolz weil ich das so schön hingekriegt habe. Dann angaloppieren aus dem Schritt und wieder durchparieren und zum krönenden Abschluss haben wir noch was neues probiert: Galopp, Trab, direkt Handwechsel im Trab und fix wieder in den (neuen) Galopp. Kein Problem! Weil die Technik nicht so wasserfest ist wie ich, wird es mit einem Video wohl noch etwas dauern (es soll ja noch mehr regnen!), aber sobald es mal trocken ist, werde ich euch das zeigen, was ich da jetzt schönes kann!

Ach, da war mein Mädchen schon wieder ganz entzückt und nach ein bisschen Hinterbein-Gymnastik („übertreten“) im Schritt zum Verschnaufen war schon Feierabend und mein Mädchen hat uns die Weide aufgemacht. Da war ich nun so schön warmgelaufen, da habe ich gleich mal Gas gegeben und die anderen sind auch mitgerannt (bis auf Diego, der rennt ja äußerst selten). Aber der alte Merlin hat mit uns anderen mitgehalten und da hat mein Mädchen sich gleich nochmal gefreut, weil es unserem „Großvater“ noch so gut geht.

So starten wir munter und fidel ins neue Jahr! Ich hoffe ihr tut das auch, frohes neues Jahr für euch alle, liebe Menschen!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 446

(Alles was unterstrichen ist könnt ihr anklicken und direkt nachlesen)

So, jetzt ist das Jahr rum. Ausreiten fällt heute leider aus, weil es ja Menschen gibt, die die Uhr nicht richtig lesen können und ihre Böller schon irgendwann vor Mitternacht verschießen. Und das wollen wir nicht erleben, wenn wir draußen unterwegs sind, also bleiben wir schön hier zu hause, wo wir in Sicherheit sind. Da habe ich genug Zeit, über das Jahr nachzudenken!

Lass mal sehen. Angefangen hat es ja ganz gut, mit Hallenspielen (wegen Wetter) und einem neuen Sattelgurt für mich. Aber über den Februar reden wir lieber nicht! Der war nämlich für uns alle die Hölle. Na egal, jetzt bin ich entspannter Wallach und das ist gut so. Wir sind alle sehr zufrieden damit – auch ich. Ganz ehrlich: die Stuten nebenan sind nett, aber es ist schöner wenn ich nicht den ganzen Tag darüber nachdenken muss.

Als wir also die Hölle durchschritten hatten und am anderen Ende wieder raus kamen, ging es wieder los mit Fitness (davon hatte ich einiges eingebüßt).

Im März sind wir dann wieder voll eingestiegen ins Training (inklusive Wellness), haben Merlins 30. Geburtstag gefeiert, und wir hatten den vielleicht schlechtesten Unterricht, den mein Mädchen je bekommen hat.

Im April habe ich dann meinen neuen Sattel bekommen, mit dem wir beide (im Gelände) sehr glücklich und zufrieden sind. April ist auch immer der Monat in dem der Geburtstag meines großen Bruders ist, da ist mein Job als Herzensreparateur wieder ganz besonders wichtig. Und wir haben ein paar schöne Ausflüge gemacht, wie es sich gehört!

Im Mai habe ich dann in der Funktion als Service-Pony zum ersten Mal einen anderen Menschen als mein Mädchen getragen (und das natürlich großartig gemeistert!). Wir hatten einen Höllen-Trip, aber auch den ersten Ausritt mit dem Schimmelfreund! Und es ging endlich mal wieder los mit DEM Ausreitkumpel (der beste von allen!)

Im Juni habe ich Ritter Willibald kennengelernt! Der Zahnarzt war da und wir haben angefangen allein rauszugehen, mein Mädchen und ich. Außerdem hat mein Mädchen die Ausflüge noch genauer geplant (oder sagen wir: sie hat es versucht).

Im Juli hatte mein Mädchen Geburtstag und hat eine Garrocha geschenkt bekommen, wir waren nochmal mit Ritter Willibald los und wir haben unseren Ja-Tag gefeiert, aber wegen Wetter waren wir leider viel zu wenig ausreiten.

Im August haben wir dann stramm trainiert. Einmal wäre ich dabei fast von den Bremsen aufgefressen worden, aber nach ein paar guten Trainings hatte ich ordentlich Energie und eine kleine Diskussion mit meinem Mädchen über die Wahl der Gangart.

Im September haben wir weiter allein ausreiten geübt, ich war mit dem schnellsten Pony der Welt unterwegs und wir haben meinen Einzugs-Jahrestag gefeiert.

Nach all dem feinen Training durch die vielen schönen Ausritte war ich im Oktober dann wirklich ganz schön fit. Bergtour? Kein Problem! Dann war mein Mädchen eine Runde krank und deswegen ist Halloween quasi ausgefallen (ui, da schulde ich euch noch einen kleinen Film!). Fitness in Kombi mit Langeweile ergibt dann einen gut gelaunten Ritter mit dezentem Energieüberschuss, wie mein Mädchen im Anschluss feststellen durfte!

Im November war dann Schluss mit den langen Ausflügen, für den Ausreitkumpel war es zu dunkel und Diego hat sich ein fieses Hufgeschwür eingefangen, das ihn wochenlang lahmgelegt hat. Dafür habe ich meine erste Reitstunde gegeben und wir sind mit dem allein ausreiten ein Stück weiter gekommen.

Im Dezember kam Reitmeisterin Eleonore bei uns vorbei und hat und unterrichtet. Als sie wieder abgereist war, war endlich mal wieder Gelegenheit, mit der Wackelkiste los zu ziehen und ich habe die Lorbeeren für meine Arbeit in diesem Jahr geerntet: mein Mädchen vertraut mir jetzt viel mehr als vorher! Und schon war Weihnachten und es gab Geschenke für alle (ich hab meinem Mädchen den ersten Reitplatzgalopp geschenkt!).

Also wenn ich den Februar überspringe, war es insgesamt ein gutes Jahr. Wir waren ungefähr 500 km zusammen unterwegs (insgesamt zeigt mein Tacho jetzt 1585km an) – das ist eigentlich ein bisschen wenig, aber dafür dass so viele Ausfälle waren (ich krank, Diego krank, Mädchen vom Ausreitkumpel ist auch 6 Wochen ausgefallen…. ) ist es doch ganz ok. Trotzdem hoffen wir, dass es 2024 noch deutlich mehr Kilometer werden! Ich hoffe natürlich vor allem, dass mein Mädchen ihr Versprechen hält und wir noch viel mehr galoppieren! Und auch sonst haben wir noch einige Pläne, aber darüber reden wir dann nächstes Jahr!

Erstmal guten Rutsch, liebe Menschen!

Euer ins neue Jahr galoppierende Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 445

Gestern haben wir wieder an der Longe geübt, mein Mädchen und ich. Bei dem Wind auf dem nassen Reitplatz war sie schon wieder ganz glücklich, dass sie Ponys hat und keine verrückten Pferde. Ich habe das alles in ritterlicher Gelassenheit hingenommen, bin durch die Pfützen geplatscht und habe akzeptiert, dass der Wind auch mit in die Longe greift. Nur eins kann ich nicht ab: wenn der Schlag von der Longierpeitsche nass ist und mein Mädchen die Peitsche so schwingt, dass ich Wasser abkriege! Das ist wirklich eklig. Aber natürlich reiße ich mich dann auch zusammen, mache keinen Quatsch und funkle sie nur kurz böse an, damit sie weiß, dass das nicht geht. Dann entschuldigt sie sich auch immer ganz artig und gelobt Besserung.

Na jedenfalls haben wir wieder den Turbotrab geübt und natürlich Galopp. Und jetzt hab ich den Bogen raus! Ich kann jetzt zuverlässig in fast allen Fällen aufs erste Kommando schön angaloppieren ohne zwischendurch zu rennen. Und weil ich es im Trab so schön gemacht habe, hat mein Mädchen dann aus dem Galopp „Scheeeeeeeeritt“ gesagt – kann ich! Auch wenn es noch nicht so super elegant aussieht (sagt mein Mädchen) und dann aus dem Schritt „aaaaaaachtung – und hopp!“ Und siehe da: hab ich hingekriegt! Mit einem klitzekleinen Zwischenschritt aus dem Schritt in den Galopp. Keksparty!!!! Ha! Ich werde nie wieder was anderes machen wenn es dafür so viele Kekse gibt! Und weil ich es auf der einen Seite so gut geschafft hatte, haben wir noch die andere Seite probiert. Erst ein Fehlversuch, aber dann hat´s geklappt. Und was da schon wieder los war an der Keksfront! Ach, ein wahrer Festschmaus. Und schon war Feierabend und mein Mädchen war wieder sooooo stolz und ich im übrigen auch!

Heute waren wir dann wieder zusammen mit Diego und dem Mann auf dem Reitplatz und haben reiten geübt. Natürlich auch im Galopp! Kann ich jetzt schon voll gut, auch mit meinem Mädchen auf dem Rücken (auch wenn es dann doch etwas anstrengender ist). Und zwar so gut, dass ich finde, traben wird eher überbewertet. Wo ich mich doch gerade warm gelaufen hatte!

Am Ende hat mein Mädchen dann den Satz aller Sätze zum Mann gesagt: „Ich werd jetzt einfach nur noch galoppieren, das macht soooo Spaß!“

Und da, mein Mädchen sind wir uns vollkommen einig. Also bitte im Galopp Richtung neues Jahr!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Erwartungen

Und schon ist Weihnachten wieder vorbei. Dieses Jahr ist mir extrem aufgefallen, wie sehr Weihnachten mit Erwartungen verbunden ist und wie – obwohl Arnulf und ich uns weitgehend von all dem fernhalten – sogar in mir dieser Erwartungsdruck entsteht. Selbst fernab vom irrsinnigen Konsum sind Erwartungen. Schön soll es doch sein, besinnlich, festlich, besonders. Eine Bekannte beklagte sich bei mir, dass alle ihr eine „besinnliche Zeit“ wünschen, während auf der Arbeit die Hölle los ist (Jahresabschluss) und sie daneben noch die Weihnachtsfeierlichkeiten mit der Familie inklusive dementer Mutter organisieren muss. Besinnlich ist da nix dran. Zur Ruhe kommen, mal in sich gehen, das Jahr ausklingen lassen – Fehlanzeige.

Ich glaube, viele Erwartungen sind uns gar nicht bewusst. Sie kommen heutzutage wohl vor allem durch die Medien zu uns, teils bewusst gestreut durch Werbung, teils unabsichtlich dadurch, dass die meisten Menschen fast nur das teilen, was gut läuft. Gerade in der Pferdewelt sieht man jeden Tag Postings von Trainern, die beschreiben, wie einfach alles ist, wie toll ihre Pferde laufen, wie gut alle trainiert sind, wie gesund und fit und überhaupt. Abgesehen davon, dass man unterschätzt, wie versiert so eine Reiterin ist, unterschätzt Otto-Normal-Pony-im-Offenstall-Besitzerin auch die Umgebung. Viele meiner Schülerinnen haben eben keinen guten Reitplatz und schon gar keine Halle. Sie haben keine 10 Sättel da hängen von denen einer dann schon so weit passt dass man einfach mal loslegen kann, und schon gar nicht haben sie 20 Jahre Erfahrung in der Pferdeausbildung. Und so muss ich doch lachen, wenn mir jemand sagt, sie hätte auf „romantische Spaziergänge“ mit ihrem Zweijährigen gehofft. Nichts ist romantisch an einem Spaziergang mit einem Zweijährigen. Wenn es denn so ist, dass man gefahrlos spazieren gehen kann, erfordert ein Pferd – noch dazu ein junges – unsere volle Aufmerksamkeit, wir müssen die Umgebung mit ihm Blick und unseren eigenen Körper im Griff haben und bei einem Pferd in der Pubertät können wir uns keineswegs sicher sein, dass das, was heute so wunderbar klappt, auch nächste Woche noch funktioniert.

Es ist wie die Schönheitsideale, die durch Instagramm und Co entstehen, weil die Damen und Herren dort nur Fotos posten, auf denen sie top gestylt sind und womöglich noch ein Filter zum Einsatz kam. Und so sehen wir auch in der Pferdewelt nur die schönen Seiten oder die bereits gelösten Probleme. Kein Wunder, denn wenn man über seine Probleme berichtet, kann man sich sicher sein, dass man ungefragte Tipps bekommt (ist mir sogar mit meinem Blog schon passiert) und/oder als unfähig betitelt wird. Und darauf hat verständlicherweise niemand Lust. Daher denke ich auch, der Ruf nach „mehr Realität“ wird verhallen, weil mehr Realität nicht zu besserer Stimmung führt. Wenn jemand seine Wahrheit zeigt, müssten die anderen eben auch damit gut umgehen und das wird – außer in kleinen Gruppen – sicherlich Wunschtraum bleiben, denn Besserwisser gibt es überall. Um ein realistisches Bild zu bekommen, müssen wir also in die echte Welt. Und hier die Augen aufmachen: wie hoch ist denn so der reiterliche Standard um mich herum. Hier, an meinem Stall oder am Nachbarstall. Welche Probleme haben die Menschen dort mit ihren Pferden. Und vielleicht nicht selbst gleich denken „das würde ich alles anders machen und dann würde das auch gehen“, sondern mal bescheiden bleiben und feststellen: es gibt diese Probleme. Es gibt Pferde, die nicht so einfach sind. Es gibt Pferde mit gesundheitlichen Problemen die vielleicht angeboren sind und nicht mal eben so geheilt werden können. Und es gibt einen Haufen Reiterinnen, die über ein einigermaßen geregeltes „Schritt, Trab, Galopp und Sonntags ein kleiner Ausritt“ – Pensum gar nicht hinaus kommen.

Das ist doch auch gar nicht schlimm! Gibt nur niemand gerne zu, denn Erwartungen werden auch geweckt durch Reitlehrer und Reitweisen. Leute, die versprechen, dass jedes Pferd das Piaffieren lernen kann (aber dabei unterschlagen, dass der Mensch davor so viel zu lernen hat, dass die Zeit einfach gar nicht reicht). Leute, die versprechen, dass ein Pferd ratzfatz fit und toll bemuskelt ist, wenn man nur diesen einen Online-Kurs besucht (und dabei verschweigen, dass der Mensch ohne 1zu1 Anleitung Schwierigkeiten bei der Umsetzung kriegen wird und das alles nicht hilft wenn der Reitplatz im Winter wochenlang unter Wasser steht). Und natürlich all die „Wendys“ die einfach nur romantische Postings von der tiefen Verbundenheit zu ihrem Pferd zeigen – kann sein, dass es stimmt (Spoiler: meistens nur wenn man nicht allzu genau hinschaut), aber auch bei denen ist nicht jeden Tag eitel Sonnenschein.

Kurz und gut: vor Erwartungen können wir uns nicht schützen. Aber sie als Erwartungen identifizieren und zu sehen, ob das überhaupt realistisch ist, was wir uns da ausmalen, kann uns helfen, besser damit umzugehen. Und wenn wir dann einen Gang zurückgeschaltet haben, sind wir frei genug im Umgang mit unserem Pferd, so dass es uns jenseits unserer Erwartungen zeigen kann, was es im Angebot hat.