Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 444

So, nachdem ich ja gestern den ersten Linksgalopp hingelegt habe mit meinem Mädchen auf dem Rücken, haben wir das heute gleich nochmal versucht. Es hat ein bisschen gedauert bis ich meine Hufe alle sortiert hatte, aber dann hab ich losgelegt! Hab mich sogar lenken lassen im Galopp und war ganz toll ausbalanciert. Nach einer halben Zirkelrunde gabs einen Keks und mein Mädchen hat den Mann gefragt ob sie Feierabend machen oder noch die andere Seite versuchen soll. Na ihr kennt ja den Mann, der lässt nix unversucht und meinte gleich: andere Seite! Hat wieder einen Augenblick gedauert bis ich drin war aber dann bin ich rechts rum genauso schön galoppiert wie links. Dann war aber Feierabend und eine gewaltige Keksparty sage ich euch! Ach, so gefällt mir mein Leben.

Habe dann gegen Ende aber auch noch kurz angemerkt, dass ich finde, wir könnten demnächst mal wieder alleine ausreiten gehen üben. Leider ist das Wetter dafür die nächsten Tage wohl nicht geeignet, also müssen wir das auf nächstes Jahr verschieben. Zum Glück ist das ja jetzt gar nicht mehr lange hin! Und vielleicht bin ich schneller da, wenn ich es im Galopp mache?

Euer fleißig galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 443

So, bevor jetzt der letzte Weihnachtstag noch rum geht und ihr nix über meine Geschenke gehört habt, kommt hier mal meine „Beuteliste“:

Unübersehbar ist ja wohl die grüne Schüssel! Extra in „meinem“ grün. Überreicht von einer Dame, die sich voll gut mit Distanzreiten auskennt und die meinte, das sei jetzt meine Distanzreitschüssel. Das ist die Schüssel, aus der ich auf Distanzritten in der Pause ein paar Körnchen essen soll. Körnchen! Da hat mein Mädchen gleich mal gelacht und gesagt, bis ich Körnchen bekomme (also Hafer oder so was leckeres), geht noch viel Zeit ins Land. Aber auf „Pseudokörnchen“ (also getreidefreies Schmatzofatz) könnte sie sich einlassen. Naaaaa gut, aber wenn ich wirklich mal viele Kilometer machen soll, müssen wir schon nochmal über die Körnchen reden, mein Mädchen! Hafer macht nämlich gute Laune, das seh ich doch an Diego! Aber sie meint natürlich, meine Laune sei gut genug.

Geschenke für mich! Mein Mädchen hat auch schöne Sachen bekommen, vor allem zum Naschen.

Außerdem gab es von der netten Distanzreiterin noch fein Leckerchen und eine neue grüne Bürste. Danke!

Mein Mädchen hat ein Geschenk bekommen, da stand ihr Name drauf, aber soll ich euch was verraten? Es war eben doch für mich! Mal sehen wo wir dieses schöne Stück unterbringen, das weiß ich noch nicht. Aber immer gut, wenn mein Name überall steht, damit jeder weiß, wie ich angesprochen werden möchte!

Der Mann hat ein sehr kurioses Geschenk bekommen, das hat auch ein bisschen was mit uns Ponys zu tun. Er kann nämlich jetzt ganz, ganz merkwürdige Fotos von uns machen! Darauf kann er sehen, wie viel Wärme wir abstrahlen. Dadurch können die Menschen sehen, ob bei uns zum Beispiel ein Bein wärmer ist als das andere oder ob an unserem Rücken ein heißer Fleck ist.

So sah ich nach dem ausreiten aus, da seht ihr noch die Wärme die sich unter dem Sattel angesammelt hat.

Mein Mädchen hat noch ein Geschenk bekommen, mit dem sie mich ausspionieren will, aber das funktioniert noch nicht. Soooooo leicht lasse ich mir nicht in die Karten gucken! Sie will nämlich meinen Puls beim Laufen messen können. Aber ich verrate den nicht! Das bleibt mein kleines Geheimnis.

Nachdem ich nun so viele Geschenke bekommen habe, habe ich mich nicht lumpen lassen und meinem Mädchen heute auch noch ein Geschenk gemacht: wir waren alle zusammen auf dem Reitplatz, Diego mit dem Mann und mein Mädchen und ich. Wir haben heute abwechselnd „gearbeitet“, also der Mann ist ein paar Minuten geritten, während mein Mädchen und ich zugeschaut haben und umgekehrt. In der ersten Einheit haben mein Mädchen und ich kurz Handarbeit gemacht, dann Pause und zugucken, dann ist sie aufgestiegen. Ich hab meinen allerschönsten Feiertagstrab hingelegt und da hat es sie gepackt und sie meinte, wir versuchen es einfach nochmal. Tönt es von oben „aaaaachtung…. und hopp!“. Ja ich weiß ja was das heißt aber ich krieg es noch nicht hin! Beim zweiten Versuch hab ich mal angedeutet um zu beweisen, dass ich doch WEISS was ich tun soll . Zack! Keks! Dann hab ich mal nach oben gefunkt: sitz still, schnall dich an, ich kann das ganz allein aber du darfst mich nicht stören! Und als es das dritte mal „aaaaaachtung…. und hopp!“ hieß, bin ich ganz geschmeidig angaloppiert. Nach 3 oder 4 schönen Sprüngen ist mein Mädchen in Jubelgeschrei ausgebrochen, ich habe planmäßig die Bremse reingehauen (soll ich bei Jubelgeschrei) und schon war sie abgesprungen, hat mir viele, viele Kekse gegeben und mich doll gefeiert! Schade, dass ich keine Schleife um den Galopp binden konnte, das war doch mal ein feines Geschenk. So können wir Weihnachten jetzt ganz in Ruhe ausklingen lassen, die Menschen fahren noch in ein schönes Restaurant, wir knabbern unser Heu und morgen überlegen wir, wie das mit dem Alltag noch gleich ging.

Euer jetzt auch auf dem Reitplatz galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 442

Das tolle an Weihnachten ist, dass es 3 Tage lang dauert! Nicht wie so ein Geburtstag, der schneller vorbei ist als man hopp sagen kann, sondern so richtig ausgiebig. Heute also der zweite Teil: endlich mal schöneres Wetter und also sind wir schön ausreiten gegangen. Naja, nicht so irre romantisch, weil es ja so stürmisch ist und wir nicht so gerne irgendwelche Äste auf den Kopf kriegen wollten. Wir sind also die „Galloway-Runde“ geritten, weil man da an ganz vielen Koppeln vorbei kommt wo meine Landsleute von Rindsviechern stehen.

Los ging es natürlich im Schritt, aber mein Mädchen hat sich in den Kopf gesetzt, dass wir jetzt den Turbo-Schritt üben. Ist das zu fassen? Jahrelang keucht sie neben mir her und meint, ich wäre zu schnell und jetzt, wo ich meine gemütlich Seite entdeckt habe, kann es ihr gar nicht schnell genug gehen! Naja, ich hab mich ordentlich bemüht. Einmal ist mir ganz gepflegt ein Vorderbein auf den Blättern einfach so nach vorne weggerutscht, aber ich kann das inzwischen problemlos regeln, auch mit meinem Mädchen oben drauf. Zack! – Mädchen stolz.

Dann haben wir einen kleinen Galopp eingelegt. Ich hatte so ein bisschen die Idee, ich könnte doch mal was flotter machen, aber mein Mädchen nun wieder: da geht es bergab und überall ist es rutschig, mach gefälligst langsam! Spaßbremse.

Dann ging es weiter im Schritt – Turbo-Schritt! Durchs Dorf und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg. Der Mann wollte Schritt reiten, aber meinem Mädchen war noch nach ein bisschen Trab. Und so wurde der Abstand zu Diego größer und größer. Und schießlich höre ich von oben „aaaaachtung… und hopp!“. Jo, kann ich. Also noch ein kleiner, gemächlicher Galopp. Danach war Diego dann so weit hinten, dass wir ihn nicht mehr gesehen und gehört haben. Schritt! An den Galloways vorbei. Da fingen die doch an, sich zu streiten, als wir gerade da vorbei gegangen sind! Oh da war mir nicht so ganz wohl. Aber mein Mädchen hat mir gut zugeredet und wir haben das geschafft. Und die nächste Weide auch noch. Und dann hat sie mich angehalten, mir einen Keks gegeben und gemeint, wir könnten mal auf Diego und den Mann warten. Aber wie wir da so stehen

VOGEL!!

Ach es ist einfach immer das gleiche: ich will mich entspannen und dann fliegt neben mir so ein Dinosaurier hoch! Da hab ich einen kleinen Hopser gemacht. Aber wisst ihr was: mein Mädchen hat das voll entspannt weggesteckt! Hat sogar gelacht und gemeint, wenn stehen nicht gut ist, dann gehen wir einfach im Schritt weiter. Da fühlte ich mich ganz verstanden, das hilft wirklich, wenn ich dann meine Füße bewegen kann um den Schreck wieder loszuwerden. Etwas weiter haben wir dann wieder angehalten und sie hat noch ein schönes Foto für euch gemacht. Diego hat uns eingeholt und wir sind zusammen nach hause gegangen. Mein Mädchen hat dem Mann lang und breit erzählt, wie toll ich das alles gemacht habe, dass ich heute 3 mal auf Stimmkommando prompt angaloppiert bin und auch schön durchpariert habe und dass ich überhaupt und sowieso das beste Pony der Welt bin.

Schön war das heute!

Und das stimmt ja auch!

Und weil wir so lang draußen unterwegs waren und die Menschen dann noch schön gekocht und gegessen haben, ist es jetzt zu spät um noch von den Geschenken zu erzählen. Das muss ich also morgen nachholen, bis dahin habt ihr bestimmt noch Geduld!

Euer weihnachtlicher Sir Duncan Dhu of Nakel (bestes Pony der Welt!)

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 441

Frohe Weihnachten, liebe Menschen!

Wir haben dieses Jahr ganz besondere Weihnachten, denn wir Ponys dürfen sogar jetzt noch ein bisschen auf die Weide! Jeden Tag eine Stunde. Wenn das Frühjahr rechtzeitig kommt, hat mein Mädchen ausgerechnet, dann haben wir vielleicht bis dahin noch genug altes Gras und können dann direkt zum neuen übergehen. Das wäre doch fein! Aber erst mal genießen wir, dass wir überhaupt noch Gras zum Naschen haben. Auch wenn es heute doch recht ungemütlich war, windig und nieselig. Aber egal.

Die Frisur sitzt bei dem Wetter nicht so gut.

Danach haben wir uns erst mal in der Halle versteckt und gewartet bis es wieder Heu gibt und nach dem Heu hat mein Mädchen mit uns in der Halle ein bisschen Stangentraining gemacht – erst mit mir, dann mit Diego. Ich hab bei Diego die ganze Zeit zugeschaut, ich hätte schon auch noch ein Ründchen mehr gedreht! Ehrlich gesagt ist mir nämlich etwas langweilig bei dem miesen Wetter. Den ganzen Tag so im Stall rumhängen ist ganz schön öde, aber draußen sein wollen wir halt auch nicht so recht, wenn der Regen uns waagrecht ins Gesicht klatscht. Morgen soll es besser werden, hoffentlich können wir dann mal schön ausreiten gehen.

Ich würde gerne gleich nochmal!

Jetzt machen die Menschen erst mal Bescherung, sie haben sooooo viele tolle Sachen von Schülerinnen und Kundinnen bekommen, und für mich sind auch ein paar Geschenke dabei!

Bescherung!

Aber davon erzähle ich euch dann morgen!

Weihnachtliche Grüße von Eurem Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 440

Normalerweise setzt mein Mädchen ja auf den „Turboentpelzer“ wenn es darum geht, uns von viel zu warmem Winterpelz zu befreien. Aber diese große Maschine mit dem langen Kabel ist zwar perfekt, um einen Pony-Hals zu scheren, aber für den Bereich rund um meine kleinen Öhrchen ist sie einfach zu groß und zu unhandlich. Das ist aber genau der Bereich, wo es mich ja immer so juckt! Und Caruso auch. Deswegen wollte mein Mädchen uns beide da jetzt mal ein bisschen rasieren, damit mehr Luft an unsere Haut kommt und sie die auch mal bisschen pflegen kann. Also hat sie sich einen kleinen Mini-Entpelzer für Hunde gekauft mit Akku, für den „Feinschnitt“. Fast hätte sie ein Foto vom Ergebnis gepostet aber ich konnte sie knapp daran hindern. Normalerweise kann ja nichts so ein schönes Pony wie mich entstellen, aber das ist schon nah dran muss ich sagen…. jetzt wollen wir mal sehen ob es mich dann weniger juckt, dann wäre es mir das wert. Es juckt mich nämlich vor allem dann dort, wenn ich ein bisschen geschwitzt habe und das sollte sich ja bessern mit weniger Pelz.

Bei Caruso sieht es noch schlimmer aus, da der sich traditionell im Winter den Kopf scheuert, hat sie da auch noch die halben Backen runter alles weggeschoren….. ach es ist ein Trauerspiel mit ihren Frisierkünsten. Aber Caruso und ich tragen es mit Fassung und haben uns für unsere Geduld ordentlich bekeksen lassen.

Danach sind mein Mädchen und ich noch auf den Reitplatz gegangen und haben an der Longe geübt. Ich kann ja alles: Anhalten, losgehen, rückwärts gehen, schneller Schritt, langsamer Schritt, antraben aus dem Schritt, antraben aus dem Halt, schneller Trab, langsamer Trab, Handwechsel im Schritt, Handwechsel im Trab, Handwechsel aus dem Stand, und wir üben weiterhin angaloppieren aus dem Trab – das kann ich jetzt meistens auf Anhieb – und eigentlich üben wir auch angaloppieren aus dem Schritt, aber da hapert es noch an meiner Koordination. Wenn man alles so auf Kommando machen soll, fühlen 4 Beine sich schnell an wie 12 und dann komme ich durch den Tüdel. Aber mein Mädchen sagt, das ist eine reine Übungssache und ich mache das schon fein, das wird schon werden. Eigentlich kann ich auch schon aus dem Galopp zum Schritt durchparieren aber das haben wir heute nicht geübt. Wisst ihr warum? Weil mein Mädchen das vergessen hat. Die braucht mal eine Liste, weil ich schon so viele tolle Sachen kann!

Jetzt stehen wir hier weiter rum und lassen den Wind über uns hinweg pusten. Es ist zum Glück nicht so doll, also bleibt unser Rundlauf auf. Nur auf der Weide waren wir heute leider nicht, weil dort der Zaun etwas in den Seilen hängt wenn so eine steife Brise weht.

Haltet euren Schwerpunkt tief und Augen auf bei der Wahl des Friseurs, sage ich euch!

Euer Nacktohrpony Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. nein meine Ohren sind nicht nackt, nur der Ansatz drumherum. Da lasse ich einfach mein Wallehaar drüber fallen, sieht von weitem keiner.

Die Bilder in meinem Kopf

Jeder, der mit Pferden arbeitet, kennt wohl die Macht der Bilder in unserem Kopf. Das, was wir denken und uns vorstellen, kommt eigentlich immer gleich beim Pferd an – unser Körper vermittelt es eindeutig. Und nur allzu oft sind unsere Pferde bereit, dieses Bild Wirklichkeit werden zu lassen – leider unabhängig davon, ob es ein gutes oder ein schlechtes Bild ist.

Und viel zu oft habe ich gehört, wie Reiterinnen das vorgeworfen wird (inklusive mir selbst) nach dem Motto „na wenn Du so viel Angst hast dass er durchgeht, dann muss er ja durchgehen“. Kleiner Tipp: So ein Satz hilft nicht. Denn die Bilder in unserem Kopf sind erst mal da (wie der berühmte rosa Elefant). Die lassen sich nicht einfach ausradieren. Es ist viel Arbeit, sie zu verändern und braucht oft eine große Portion Hilfe von außen. Wenn wir zu einem negativen Bild im Kopf noch eine Schippe Schuldgefühle hinzufügen, weil da ein böses, negatives Bild im Kopf ist, wird nichts besser.

Amanda Barton habe ich mehrfach dabei beobachten dürfen, wie sie ihren Schülerinnen meisterhaft beim Verändern der Bilder geholfen hat. Allerdings ist dann in der Reitstunde auch nichts anderes passiert, denn die Veränderung des Bildes hat alle Kapazitäten beansprucht. Auch mir hat sie damals geholfen, als ich mit Finlay zum ersten Mal auf Kurs war. Hier die Kurzversion, weil ich die Geschichte so gern mag:

Finlay war gerade angeritten, ich konnte ihn im Schritt lenken. Wir waren auf unserem ersten Kurs und der fand in einer Halle statt, wo auf der anderen Seite ein Offenstall war. Man konnte nichts sehen, aber alles hören und so manch überraschendes Geräusch kam plötzlich von hinter der Wand. Ich hatte Sorge, dass Finlay sich erschrecken und loshüpfen könnte und teilte meine Sorge mit Amanda. Die fragte mich, wie ich das wahrnehme, diese Angst und ich sagte „fühlt sich an als hätte ich Würmer in meinem Magen“.

Nachdem wir eine Weile gesprochen hatten, kam uns die Lösung: Es sind gar keine Würmer, die ich da in meinem Magen fühle, sondern Raupen! Und aus Raupen werden bekanntlich wunderschöne Schmetterlinge und Schmetterlinge im Bauch ist eins der schönsten Gefühle die es gibt, oder? Und so veränderte sich meine Angst im Nu in Freude. Danke, Amanda, bis heute hilft mir dieses Bild in manchen Situationen.

Nun war es aber so, dass die Situation tatsächlich sehr ungefährlich war. Finlay war ja gar nicht der Typ für wilde Hüpfer und er war sehr entspannt auf diesem Kurs. Es war NUR mein Kopf der ein Problem hatte, mein Pony hatte keins.

Mit Duncan im Gelände ist das etwas anders (gewesen). Hier ist (hoffentlich war!) das Problem in meinem Kopf: wenn wir jetzt galoppieren und der kommt ins Rennen (aus Angst oder Spaß ist egal) dann hält der nicht mehr an. Der rennt bis zur nächsten Straße (die ja leider meistens nicht weit ist) und wir landen vor einem Auto. Dieses Bild in meinem Kopf war da und wollte einfach nicht weg gehen.

Daher bin ich mit Duncan sehr vorsichtig mit Gelände-Galopp. Ich checke ständig die Bremse und lasse nicht zu, dass er das Tempo selbständig erhöht. Und wenn er aus dem Trab ungefragt angaloppiert, pariere ich ihn durch. Das dauert lang, denn wenn er einmal im Galopp ist, braucht er einige Sprünge, bis er wieder in den Trab gefunden hat. Und dieses Gefühl ist es, was meine Angst immer wieder aufflammen lässt: ein Pony, dass aus einem langsamen Galopp 10 Sprünge zum durchparieren braucht, wie lange braucht das aus einem Renngalopp? Viel zu lang jedenfalls.

Am Sonntag plötzlich änderte sich das: Duncan konnte einen halben oder ganzen oder zwei Galoppsprünge machen und sofort durchparieren. Anscheinend hat seine Balance sich verbessert, so dass er nicht mehr so sehr seinem Schwerpunkt hinterherrennt. Und in meinem Kopf ändern sich die Bilder. Einfach so. Plötzlich kann ich, selbst wenn ich es versuche, die Angst nicht mehr abrufen. Weil ich fühle, dass die Gefahr im Moment einfach nicht besteht.

Das erinnert mich daran, immer zu überprüfen, wo Bilder in Reiterköpfen her kommen: haben sie eine reale Ursache? Dann arbeite ich nicht so gern an den Bildern, sondern lieber an der Ursache (also an der Ausbildung von Pferd und Reiter). Denn manchmal sind es nur Bilder im Kopf, aber eben nicht immer. Manche Bilder sind Warnschilder, die wir nicht ignorieren sollten. Sie weisen uns die Richtung, in die die gemeinsame Ausbildung weiter gehen darf, so dass die angsterfüllten Bilder eines Tages verschwinden.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 439

Gut, dass wir am Sonntag so schön ausreiten waren. Seitdem ist das Wetter nämlich ziemlich nass. Deswegen hatten wir am Montag erst mal schön frei, nach dem ausgiebigen Galopp hatten wir uns das auch redlich verdient. Gestern hat es dann geregnet, geregnet und geregnet und mein Mädchen wollte was in der Halle machen – sie ist ja einfach nicht wasserfest! Uns ist der Regen egal, wir finden es toll, trotzdem ganz oben in der Ecke beim Nachbarn zu sein, da ist der Boden nicht rutschig und wir haben einen schönen Platz zum Spielen.

Naja, mein Mädchen wollte aber in die Halle und Diego und ich hatten beide Lust, was zu machen. Da hat sie uns kurzerhand beide mitgenommen zur Wippe! Wir haben uns dann abgewechselt: einer hat gewartet, der andere hat gewippt. Wer gewartet hat, stand auf dem Steg oder auf der Matratze. Auf dem Steg stehen ist voll gemein, wenn man da einen Huf bewegt macht es nämlich laut „klonk“ und schon weiß mein Mädchen, dass man nicht artig war – obwohl sie nicht hingeschaut hat! Diego und ich haben aber fast die ganze Zeit alles richtig gemacht und tonnenweise Kekse kassiert. Nach 20min war schon wieder Schluss weil mein Mädchen es anstrengend fand uns beide im Blick zu behalten und weil ich soooooo schön gewippt habe, dass sie fand, schöner geht es ja eh nicht mehr.

Zu zweit in der „Turnhalle“ – das ist neu!

Heute war es dann tatsächlich von oben trocken und wir waren auf dem Reitplatz. Handarbeit wollte mein Mädchen aber nicht machen, weil der Reitplatz nur noch kleine trockene Stellen zwischen unterschiedliche großen und tiefen Pfützen hat. Also reiten. MIR ist es schließlich egal ob ich über Sand oder durch eine Pfütze laufe. Aber ich wachse gerade wieder und da brauche ich lang, bis ich in die Gänge komme. Es ging am Ende sehr gut, aber mein Mädchen hat fest versprochen, nächstes Mal nicht gleich aufzusteigen, weil mir das im Moment so schwer fällt am Anfang.

Euer wachsender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 438

Sonntaaaaaag! Und endlich ging es mal wieder mit der Wackelkiste los! Diego und ich haben uns doll gefreut und waren hoch motiviert. Es war so windig, dass mein Mädchen schon stolz war, dass sie sich überhaupt traut, bei dem Wetter zu reiten. Aber es sollte noch viel besser kommen!

Seit sie angefangen hat, mich zu reiten (also schon fast 2 Jahre!), arbeite ich ja daran, dass sie mir vertraut. Die ganze Zeit war ich immerzu total artig (bis auf ein paar klitzekleine Ausnahmen, aber auch da habe ich nie was wirklich schlimmes gemacht). Deswegen ist sie heute auch aufgestiegen, obwohl es ein bisschen stürmisch ist. Ich war auch ganz entspannt unterwegs. Den schönen Weg mit ein bisschen Trab – Diego und ich mussten uns erstmal einlaufen, wir sind ein bisschen eingerostet in den letzten Wochen! Aber nach einer Weile wurden wir warm und geschmeidig. Dann im Schritt Richtung Dorf. Dort kam aus einer Einfahrt ein Radfahrer mit Hund und ich hab mich kurz erschreckt, bin ein kleines bisschen zusammengezuckt. Mein Mädchen dreht sich zum Mann um und sagt „weißt Du was? Ich zucke nicht mehr zusammen, wenn er zusammenzuckt“. Soll heißen: sie weiß, dass ich mich nur kurz erschreckt habe, aber gar nichts weiter los ist. Und ihr Unterbewusstsein hat das jetzt auch abgespeichert. Na endlich! Denn so ein kleines Zusammenzucken kann ich halt nicht immer verhindern – wer kann das schon? Sogar Diego ist neulich zusammengezuckt als der Hase direkt vor seiner Nase aus dem Gebüsch geschossen kam!

Also im Schritt durchs Dorf, da sind die Menschen ein Stück gelaufen. Dann weiter zur Brücke, wo mein Mädchen schon wieder ganz entzückt war, weil ich da noch nicht mal mehr hinschaue. Mein alter Feind, die Brücke, ist jetzt nicht mehr mein Feind. Es interessiert mich einfach nicht mehr, so wie mich auch andere Dinge nicht mehr interessieren. Und Dinge, die mich interessieren, wie zum Beispiel eine Gruppe Schwäne oder eine große Herde Schafe, schaue ich mir einfach in Ruhe an.

Nach dem Dorf gab es eine viel zu kurze Graspause und dann ging es weiter im Galopp! Insgesamt haben wir 1,2 km Galopp geschafft, fast am Stück! Ich habe sowohl Rechts- als auch Linksgalopp angeboten und da war mein Mädchen schon wieder happy. Nach dem ersten Galoppstück sagt sie zum Mann: „boah, ich bin nix Gutes mehr gewohnt, meine Oberschenkel!“ Der Mann so „wieso sitzt Du den Galopp nicht aus? Ist doch viel gemütlicher“ also hat mein Mädchen das ausprobiert. Dafür muss sie mir mehr vertrauen weil sie die Zügel länger lassen muss – aber wie gesagt, ich habe ja daran gearbeitet dass sie mir vertraut! Also noch ein kleines Stück Galopp, diesmal ausgesessen (mein Mädchen nennt das „Geländeaussitzen“).

Danach noch ein gutes Stück Trab (ich munter vorneweg), dann im Schritt zurück zur Wackelkiste. Diego und ich hatten ordentlich geschwitzt, weil es doch ziemlich warm ist, trotz Wind. Mein Mädchen hat schon wieder Entpelzungspläne aber dafür muss unser Fell ganz trocken sein, sonst geht das nicht.

Lieblingsausblick von meinem Mädchen ist der durch meine Ohren!

Da mein Mädchen neulich rausgefunden hat, wo sie unseren Puls gut mit der Hand fühlen kann (nämlich an der Schweifrübe) hat sie schnell mal Puls gemessen. Wir waren beide knapp unter 50 und sie fand das einen guten Wert: nicht zu hoch, aber auch nicht so niedrig, dass es nicht als Training zählt. 7,6km haben wir in 1Std 15min geschafft, also Tempo 10. Zu langsam für einen Distanzritt, aber für Training das richtige Tempo, vor allem jetzt in unserer „Winterkondition“ (die lange nicht so viel hergibt wie die Sommerkondition).

Ab in die Wackelkiste, nach hause und jetzt schön auf die Weide. Ach, herrlich, so ein Sonntag nach meinem Geschmack! Hoffentlich können wir das jetzt wieder öfter machen!

Euer vertrauenswürdiger Sir Duncan Dhu of Nakel

Verfressen

Eine Winter-Szene letzte Woche: Mittlerweile liegen wohl knapp 10 cm Schnee auf unserer Weide. Die Ponys haben unterschiedliche Taktiken, um trotzdem an das Gras darunter zu kommen. Duncan schiebt einzelne Bereiche mit der Nase frei, Gatsby scharrt den Schnee mit den Hufen weg.

Nach dem Reinholen gibt es von mir immer hingeworfene Leckerlies, damit die Ponys das leckere Grün gerne verlassen. Natürlich versuche ich, die Leckerlies auf festen Schnee zu werfen, aber ein paar verschwinden doch im losen Weiß. Ein Pony hat das verstanden: Caruso wühlt noch lange mit den Hufen nach dem allerletzten Keks im Schnee, während die anderen Ponys längst ihrer Wege gegangen sind.

Ponys sind verfressen, das würde wohl fast jeder Ponybesitzer so unterschreiben. Und Verfressenheit wird eher als negative Eigenschaft wahrgenommen.

Dabei vergessen wir, dass unsere Ponys tausende von Jahren überhaupt nur überleben konnte, weil sie verfressen sind. Der Bauer, der noch vor 200 Jahren mit seinem Pony das Feld bestellt hat, war sicher froh, wenn das liebe Tierchen mit gutem Hunger alles verspeiste, was man ihm so anbot, denn der wird auch nicht immer das 1a Heu gehabt haben. Das eine oder andere Pony wird auch mal mehr von altem, wenig schönem Zeug gelebt haben. Und wenn die Ponys im Herbst schön fett waren, waren sie leichter über den Winter zu kriegen. In der Wildnis waren Ponys, die sich keine Reserve angelegt hatten, eben im Frühjahr nicht mehr da, um sich weiter zu vermehren. Gerade in den Breitengraden, wo es im Winter kalt, feucht und windig ist, wo die Ponys viele Kalorien verbrauchen nur um ihre Körpertemperatur zu halten, ist es lebenswichtig, verfressen zu sein.

Und auch in uns stecken ähnliche Gene. Wer von uns ist denn nicht verfressen? Deutschland wird doch auch immer dicker. Ich habe mal den schönen Spruch gehört „alles, was lebt, ist faul“ und ich möchte dazufügen, „und verfressen“. Das ist eine Überlebensstrategie die sich für alle Lebewesen über viele, viele Generationen bewährt hat und Ponys stehen da ganz oben auf der Liste.

Meine Schwester, eine äußerst disziplinierte und hochintelligente Frau, hat sich einmal bei mir bitter beklagt, dass sie sich nicht gut auf das Gespräch mit meinen Eltern konzentrieren kann, wenn da ein Plätzchenteller auf dem Tisch steht. „Ich bin dann so damit beschäftigt, NICHTS von diesem Teller zu essen, dass ich kaum an etwas anderes denken kann!“ sagte sie zu mir. Und an diesen Satz denke ich, wenn auch mein kleiner Ritter oft an nichts anderes denken kann, als ans Futter. So funktioniert unser Gehirn nun mal! Das Grün am Wegesrand ist dann einfach wichtiger als alles andere.

Zum Glück ist das Gehirn eine formbare Masse und kann lernen. Und es kann auch lernen, den Fokus immer wieder weg zu nehmen vom Essen. Trotzdem: die Chipstüte im Schrank ist leicher zu ignorieren als die auf dem Tisch vor einem. Das wissen wir wohl alle! (Verdammt, jetzt kriege ich Hunger, es darf nicht wahr sein…. )

Seit mir klar geworden ist, wie schwer es ist, etwas leckeres, essbares zu ignorieren und sich auf etwas anderes zu konzentrieren, versuche ich immer, das bewusst zu üben mit meinen Ponys. Und gleichzeitig komme ich ihnen entgegen: nach einer konzentrierten, guten Übung oder der Erklimmung eines steilen Berges gibt es Futter als Belohung. So kann ich den Urinstinkt „Verfressenheit“ beruhigen und trotzdem das bekommen, was ich möchte. Nach und nach kann ich dann die Zeiten ausweiten, in denen wir etwas anderes tun als zu fressen.

Grundsätzlich bekommt mein Pony nur dann Futter oder darf nur dann grasen, wenn es sich vorher auf eine Art und Weise verhalten hat, die für mich angenehm ist. Also wenn es mir Aufmerksamkeit gegeben hat, ohne mich zu bedrängen. Hier liegt die Krux, aber das ist einen ganz eigenen Artikel wert.

Jetzt geh ich erst mal was essen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 437

Endlich mal wieder ein richtiger Sonntagsausritt! Na das wurde aber auch Zeit. Mein Mädchen wollte soooooo gern in den Wald. Eigentlich wollte sie in ihren Lieblingswald, aber da können wir nur mit der Wackelkiste hin und der Mann hat gesagt bei den Eisresten auf den Wegen ist das zu riskant. Nun ist es ja nicht so, dass wir hier keinen Wald vor Ort hätten. Aber der Wald in die eine Richtung besteht aus Berg und auch da fanden die Menschen das zu riskant, auf Eisspuren den Berg runter zu rutschen. Glück für uns Ponys, wir finden dieses verdammte Bergtraining nämlich wirklich unverschämt anstrengend. Also in die andere Richtung reiten: rein ins Dorf und dann Richtung Nachbardorf.

Aber erst mussten wir vom Hof runter und am Nachbarn vorbei und irgendwie war ich so lange nicht richtig draußen und bei uns war morgens so eine Gruselstimmung gewesen, da wurde mir ganz anders. Obwohl Diego ja dabei war, aber der war am Anfang auch gar nicht so überzeugt. Es ging also mehr schlecht als recht und mein Mädchen meinte schon, wir sind alle ganz furchtbar aus der Übung mit dem Ausreiten und es wird dringend Zeit, dass wir wieder in Schwung kommen.

Als wir den Nachbarn geschafft hatten wurde es besser, aber an einigen Stellen lag was am Wegesrand, was für mich verdammt nach toten Reitmeistern aussah! Oh das war mir aber sehr gruselig! Bis mein Mädchen mich mal an so einen Haufen hat hingehen lassen und ich feststellen konnte: dieser Schnee war nie beseelt. Nur schnöder Schneerest, kein toter Reitmeister. Danach konnte ich das ignorieren.

Als Diego und ich schön warmgelaufen waren und unsere Diesel-Motoren das Porsche-Niveau erreicht hatten, ging es dann auch los mit etwas Trab. Diego ist anscheinend wieder ganz der Alte mit seinem Huf, denn er hat einen dermaßen fixen Trab vorgelegt, dass mein Mädchen ganz ohne Murren gestattet hat, dass ich galoppiere, weil sie wohl auch eingesehen hat, dass die beiden sonst schnell als Punkt am Horizont verschwinden und wir nur noch hinterherwinken können, wenn wir uns nicht ein bisschen ranhalten.

Der Wald ist leider nicht mehr so romantisch wie früher, man hat dort so eine Art „Autobahn“ gebaut, eine ganz breite Schneise, wo man wohl mit den ganz breiten Maschinen durchfahren kann. Wissen diese Leute nicht, dass unsere Kollegen, die Kaltblüter, Holz ganz schonend aus dem Wald holen können? Stattdessen schlagen sie breite Schneisen. Andererseits: eine Autobahn ist doch der Ort für Geschwindigkeit oder? Also sind wir nochmal schön getrabt und Diego wurde noch viel schneller und ich bin ganz lässig mit galoppiert und hab immer schön auf Stimmkommando durchpariert und bin dann ebenfalls auf Kommando wieder angaloppiert. Zack – Mädchen stolz!

Als wir nach hause kamen, hatten wir 10km auf der Uhr und auch ganz schön geschwitzt aber wir waren alle sehr zufrieden.

Mein Mädchen sagt, viele von euch werden unser Foto nicht schön finden, weil alles so grau aussieht (inklusive meiner Ohren!), aber wir mögen dieses neblige Wetter gern. Wir mochten auch den Schnee gern! Aber dann können wir nicht mit der Wackelkiste los. Jetzt hofft mein Mädchen auf nächstes Wochenende, vielleicht können wir dann in den Lieblingswald fahren. Bis dahin soll Diego noch ordentlich Sport machen, der braucht dringend mehr Muskeln nach der ganzen Humpelei. Ich soll auch ordentlich Sport machen, wegen der Wintervorräte, die ich mir angelegt habe. Aber ich kann auch Sport machen UND Wintervorräte haben, da bin ich voll flexibel.

Euer endlich mal wieder richtig ausgerittener Sir Duncan Dhu of Nakel