Experimente

Am Beginn jeder Reitstunde frage ich meine Schülerin, was sie machen möchte. Die lustigste Antwort darauf gab mir eine langjährige Schülerin, die auf mein „was ist der Plan?“ antwortete: „ich hab keinen, ich weiß doch wie gern Du experimentierst“. Da musste ich schmunzeln und klärte sie dann auf, dass ich auch dann experimentiere, wenn sie einen Plan hat…..

Da ich kein festes Konzept unterrichte, sondern versuche, für DIESE Reiterin und DIESES Pferd, so wie sie da heute vor mir stehen, sinnvolle Übungen und Hinweise zu finden, ist es immer ein experimentieren.

Besonders deutlich wurde mir das jetzt wieder mit einer Schülerin, die ich seit einigen Monaten begleite. In unserer ersten Stunde hatte ich bestimmte Ideen, was das Pferd angeht. Aber die Schülerin hatte ich ein bisschen übersehen, die war überfordert. Zum Glück äußerte sie das auch direkt und ich konnte einen Schritt zurücktreten und sehen, dass ich – bevor wir dem Pferd helfen können – die Schülerin erst mal in die Lage versetzen muss, dem Pferd zu helfen.

Am schwierigsten beim Unterrichten finde ich das Lehren des korrekten Timings. Für ein Pferd, das eine doppelt so schnelle Reaktionszeit hat wie wir Menschen, werden Dinge schnell un- oder missverständlich, wenn unser Timing nicht stimmt. Und beim Reiten setzt man fast zwangsläufig immer verschieden Hilfen ein, selbst wenn man es nicht will: man sitzt irgendwie, also gibt es schon mal IMMER eine Gewichtshilfe. Dann tun Reiterbeine oft nicht das, was der Reiter will, da gibt es ungeplante Schenkelhilfen. Und die Zügel in unseren Händen tun in aller Regel auch ungeplante Dinge, ganz abgesehen von allen psychischen Dingen, die wir mit im Sattel haben und die sich ganz direkt und konkret auf unser Pferd übertragen. Nun haben wir unser Pferd also völlig ungeplant mit einer Menge an Informationen bombardiert, mit denen es oft gar nichts anfangen kann, weil es in aller Regel (zumindest in den Kreisen, in denen ich mich bewege), nicht die entsprechende Ausbildung genossen hat, sondern im Gegenteil eher einer lebenslänglichen Verwirrung unterworfen war.

Gut geraten ist halb verloren, ich bleibe dabei. Und die Pferde raten, weil ihnen nichts anderes übrig bleibt um mit uns Menschen klar zu kommen. Sie raten wild drauf los und nach und nach findet jedes seine eigene Taktik, mit der es einigermaßen rum kommt.

Nun komme ich also in eine Situation, in der die Reiterin meist nicht recht weiß, was sie da so alles tut, was sie tun könnte oder sollte und das Pferd weiß eben auch nicht so genau, was von ihm gefragt ist. Da haben wir noch nicht über handfeste Probleme gesprochen die von den Rückenschmerzen der Reiterin über den unebenen Reitplatz bis hin zu den ungünstigen Hufen des Pferdes beiden das Leben schwer machen.

Und ich soll es nun richten und habe dafür 45min Zeit. So fühlt es sich manchmal an….. und obwohl das natürlich keine Schülerin aktiv und bewusst von mir erwartet, tun es viele unbewusst doch. Sie stellen sich vor, dass in dem Moment, wo sie korrekt reiten (und das muss doch in 45min zu lernen sein!) das Pferd auch sofort korrekt läuft. Das wäre so als würde ich eine Ballettstunde nehmen in der Erwartung, danach Schwanensee tanzen zu können.

Und so verbringe ich viel Zeit damit, von der langen, langen To-Do-Liste, die sich mir beim Betrachten von Pferd und Reiterin präsentiert, erst mal Dinge ans Ende zu schieben, die wir jetzt eh nicht ändern können. Wenn ich dann alles nach hinten geschoben habe, was ich jetzt, hier und heute nicht ändern kann, bleiben noch genug Punkte, an denen wir uns abarbeiten können. Jetzt ist mein Job, den Punkt zu finden, an dem ich heute die schnellste, beste und effektivste Veränderung erreichen kann. Und das ist immer damit verbunden, dass ich Kompromisse eingehe, anders geht es nicht.

Ich probiere also was aus, versuche, meiner Schülerin etwas zu erklären und ein neues Bild zu geben. In den meisten Fällen wissen weder Reiterin noch Pferd, wie es besser geht, also muss ich überlegen, wem von beiden ich es zuerst erkläre und wie. Und so beginnt ein wilder Ritt durch 45min in denen ich Informationen in die beiden „Blackboxes“ Reiterin und Pferd hineingebe und beobachte, was wieder herauskommt.

Je länger ich diese Arbeit mache, desto höher wird naturgemäß meine Trefferquote, aber trotzdem ist es viel experimentieren und ab und zu liege ich total daneben. Dann freue ich mich, wenn ich eine neue Chance bekomme, um es besser zu machen.

Denn letztlich gilt Elsas wunderbare Richtschnur für alles was ich tue: „Wird es besser oder wird es schlechter?“ Und dann die entscheidende Frage dahinter „woran erkenne ich, was besser und was schlechter ist?“. Denn eins haben mich die Jahre gelehrt: Ob es besser oder schlechter wird, erkennt man NICHT an der Kopfhaltung des Pferdes, an seinem Tempo, an der Ausrüstung die jemand nicht, noch nicht oder nicht mehr verwendet, an Schleifen oder Abzeichen die jemand hat, an Schweiß der fließt oder nicht fließt und noch nicht mal daran, ob die Reiterin glücklich ist. Ob es besser wird oder nicht erkennt man am ehesten am Pferd. Daran, ob es sich sicherer fühlt, entspannter ist, sich groß und schön präsentiert, eine Aufgabe mit mehr Zuversicht angeht, sich lieber anfassen lässt als vorher, weniger Schmerzanzeichen zeigt oder vielleicht einfach mal einen Powernap einlegt.

Experimentieren können wir uns leisten – vor allem an zwei Enden der Skala: wenn wir nichts zu verlieren haben und wenn wir nicht MEHR zu verlieren haben. Dabei muss der Ausgang des Experiments offen sein: es ist kein Experiment, wenn wir vorab schon nicht bereit sind, zu akzeptieren, dass es schief gehen könnte. Daher müssen wir klarstellen, was im schlimmsten Fall passiert. Wenn wir nichts zu verlieren haben heißt das: im Zweifel gelingt halt der Zirkel nicht. Oder im Falle von Duncans und meinem Projekt „allein ausreiten“ versuche ich, meine Experimente so zu gestalten, dass es im Zweifel einfach nur etwas länger dauert, bis es uns gelingt. Ich halte das Risiko so klein, dass mein Experiment möglichst nicht dazu führt, dass er gar nicht mehr mit mir raus will.

Am anderen Ende der Skala, dort wo wir nichts MEHR zu verlieren haben, steht vielleicht das Pferd, das man nicht mehr zuverlässig von A nach B führen kann und das schon von einigen Trainern als gefährlich eingestuft wurde. Hier gilt es, die Sicherheit das Menschen herzustellen und dann das pferdefreundlichste Experiment zu starten, das mir einfällt. Und das sind dann manchmal Methoden, auf die eine Besitzerin sich zuvor nicht eingelassen hätte, weil sie zu lange dauern oder zu komisch aussehen, aber jetzt hat sie nichts mehr zu verlieren.

Häufig wird Pferdebesitzerinnen vom ausprobieren eher abgeraten. Das kommt sicherlich daher, dass zu viele Ausbilderinnen zu viele blöde Ergebnisse gesehen haben. Ich denke anders: wir sollten alle darin ausbilden, Experimente so zu gestalten, dass sie sinnvoll, pferdefreundlich und sicher sind.  Und so gehe ich mit einem neuen Vorsatz aus diesem Blogartikel: anstatt immer „heimlich“ im Unterricht zu experimentieren, möchte ich meine Schülerinnen öfter mal anleiten, das selbst zu tun. Manche tun das schon und oft bekomme ich dann Rückmeldung, was gut geklappt hat und was nicht, darauf können wir aufbauen und vielleicht auch mal den Weg, den wir eingeschlagen haben, korrigieren.

Manche mögen meine Experimentierfreude nicht. Sie mögen lieber ein festes Konzept haben und das ist ja auch völlig in Ordnung. Da gilt mein alter Spruch: es gibt zwei Sorten von Schülerinnen – die einen halten mich aus, die anderen hab ich nicht lang……

In diesem Sinne auf zu fröhlichen neuen Experimenten!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 420

Allerfeinstes Herbstwetter! Da wäre doch ein schöner Ausritt am Sonntag dran gewesen – Stichwort Romantik – und ein flotter Trab am Montag mit dem Ausreitkumpel!

Stattdessen hab ich Langeweile geschoben. Mein Mädchen ist am Sonntag noch nicht mal im Stall aufgetaucht! Der Mann kam zum füttern und hat gesagt, sie liegt mit einem fiesen Virus im Bett und kann nicht ausreiten gehen. Menno.

Am Montag kam sie dann selbst in den Stall gekrochen um uns unser Heu zu geben und hat mich ganz traurig angeschaut, weil sie nix mit mir machen konnte.

Am Dienstag ging es zum Glück schon wieder besser und sie hat es wenigstens schon mal geschafft, den Rundlauf für uns wieder zu eröffnen, aber erst nachdem sie alle Eicheln weg geharkt hatte. Eine Gemeinheit ist das! Das wäre doch mal ein Festessen geworden! Aber sie gönnt uns wirklich nix. Angeblich sind zu viele Eicheln sehr ungesund. Pah! Das sagt sie bestimmt nur so.

Die paar Eicheln hätten wir doch fix weggenascht……

Danach hatte sie dann noch genug Energie um mit mir ein bisschen Bodenarbeit zu machen. Sie hat ein paar Stangen hingelegt und mit mir „Füße sortieren“ geübt. Als ob ich das üben müsste!

Rechte Beine rechts, linke Beine links. Kann ich.

Nachdem ich die ersten zwei Übungen einfach mal so nebenbei erledigt hatte, hat sie mir die Stangen als „Mikado“ hingelegt. Teilweise waren die ganz schön hoch! Ja ich weiß, eigentlich soll man beim Mikado keine Stangen durch die Gegend werfen. Aber ich verrate euch was: Wenn man den Huf ganz knapp zu wenig hebt, dann in der Bewegung innehält, das Mädchen anblinzelt, mit dem Bein die Stange vom Block wirft und dann stehenbleibt und „ups, runtergefallen!“ signalisiert, kriegt man doch sehr lustige Reaktionen vom Mädchen! Sie hat mir dann die Aufgabe einfacher gemacht. Und noch einfacher. Bis ich schließlich gnädig war und die Beine genug gehoben habe, so dass die Stange liegen geblieben ist. Schließlich war sie ja noch etwas angeschlagen, da muss man auch mal Gnade vor Recht ergehen lassen. Aber ich denke, ich habe meinen Standpunkt klar gemacht: Stangen, die im Weg herum liegen, werden weggeräumt. Füße heben tu ich nur, wenn es nötig ist.

Klar KANN man da rüber steigen. Aber warum?

Heute hat sie die Stangen dann auch wieder sinnvoller verwendet, wir haben ein bisschen reiten geübt und die Stangen zur Orientierung im Raum verwendet, das leuchtet mir ja eher ein.

Hoffentlich ist sie jetzt bald wieder ganz fit, schließlich wollen wir am Sonntag zum Gruselparcours gehen und unser Kostüm präsentieren und das wollen wir vorher auch noch einmal ganz richtig üben!

Euer nicht ausgerittener Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 419

Mein Mädchen ist ja Equipment-Fan. Das muss alles stimmen, sonst kann sie das nicht leiden. Wenn Sachen nicht so sind, wie sie das praktisch findet, dann probiert sie so lange rum, bis alles so ist, wie sie es will. Deswegen probiert sie auch immer wieder was Neues, weil sie hofft, dass es noch besser geht. Und dazu leiht sie sich ständig Sachen von Leuten, die heimlich (oder unheimlich) meine Fans sind.
Jetzt war das eine neue Packtasche. Die liegt nicht hinten, sondern vorne auf meiner Schulter. So kann mein Mädchen immer an alles ran. Und die hat ganz viele verschiedene Taschen, das ist toll. Und verwirrend, weil mein Mädchen sich dauernd fragt, in welcher von den vielen Taschen nun das ist, was sie eigentlich gerade sucht. Dann macht sie 6-7 Reißverschlüsse auf und überlegt, ob sie mal einen Plan malen und mir zwischen die Ohren schnallen soll. Untersteh dich! Lern gefälligst einfach auswendig, was wo ist! Ich muss ja auch alles im Kopf behalten und kann mir nix aufschreiben!


Außerdem ist sie auf der Suche nach einer Kopflampe. Falls ihr einen Tipp habt… die, die sie jetzt hat, ist zwar sehr, sehr hell aber auch blöd zu verschnallen und einen Wackelkontakt hat sie auch. Also soll mal was anderes her, damit wir auch im Dunkeln reiten können. Weil der Ausreitkumpel im Winter im Hellen keine Zeit für uns hat.
Und dann ist da ja noch die Sache mit meinen Hinterhufschuhen! Also das Problem ist zwar weitgehend gelöst, aber eben nur weitgehend. So ganz immer halten die noch nicht, das hat man ja gesehen. Jetzt hat sie schon mit etwas Bandage den Schuh verkleinert, so dass ich mehr nach vorne in den Schuh rutsche.

Und jemand hat ihr den Tipp gegeben, dass Streichkappen evt verhindern könnten, dass ich mir die Schuhe selbst runter trete (das tu ich halt manchmal, meine Hinterbeine wollen immer gern nah beieinander sein beim Laufen…..). Und prompt hat mein Mädchen Streichkappen geliehen bekommen. Jetzt sucht sie in ihrer Sattelkammer nach den Streichkappen, die mein großer Bruder auf seinem ersten Distanzritt gewonnen hat und von denen sie dachte, dass sie sie nie brauchen würde. Mal sehen, ob sie die noch irgendwo findet.


Immer wenn sie dann denkt, es wäre alles perfekt, fällt ihr wieder was neues ein.
Aber heute ist sie kurz mal total verrückt geworden. Wir sind nämlich zu einer Halloween-Party eingeladen und da sollen wir uns verkleiden! Und mein Mädchen hat sich ein sehr, sehr gruseliges Kostüm ausgedacht. Was das ist, verraten wir natürlich noch nicht, soll ja eine Überraschung sein! Damit ich mich aber nicht fürchte, weil es so gruselig ist, haben wir einen Probelauf gemacht. Mit halbem Kostüm. Ich hab mich nicht gefürchtet. Also ist für Dienstag eine komplette Kostümprobe angesetzt. Da soll ich dann auch mal richtig laufen in meinem Outfit und ich soll mir das komplette Outfit von meinem Mädchen schon mal anschauen können. Ich sag mal so: wahrscheinlich wird es mich nicht gruseln. Weil ich ja nicht so der Typ bin, der sich schnell gruselt. Aber es ist ja nett von ihr, dass sie ganz sicher gehen will. Schließlich wird das mein erster öffentlicher Auftritt! Und da will alles gut vorbereitet sein. Wir werden euch dann natürlich ausführlich berichten.


Euer gruseliger Sir Duncan Dhu of Nakel

Unbeugsam

Pferde äußern sich nicht über Sprache, sondern über Verhalten. Im Laufe der Jahre, im Zusammensein mit vielen Kundinnen, habe ich gelernt, dass Menschen sich auch sehr viel ehrlicher über Verhalten als über Sprache ausdrücken, aber das steht auf einem anderen Blatt…..
Manche Verhaltensweisen von Pferden sind total klar. Wenn die Nase an die Kekstasche wandert und die Oberlippe daran herum nestelt, können wir uns wohl sicher sein, was das bedeutet.
Aber was genau will mein kleiner Ritter mir sagen, wenn er im Gelände plötzlich einfach irgendwo hin abbiegen will? Das kann alles Mögliche bedeuten! Hat er ein körperliches Problem, ist er müde, drückt der Sattel, scheuert ein Hufschuh? Oder hat er einfach keine Lust mehr? Habe ich mich missverständlich ausgedrückt? Möchte er sich einfach was zu essen besorgen? Hat er Lust, vom Weg abzubiegen, weil er diesen Weg schon so lange kennt und jetzt mal woanders lang gehen möchte?
Häufig, wenn wir im Gelände an eine Kreuzung kommen, möchte er in eine andere Richtung abbiegen als ich. Häufig führt diese Richtung ihn nicht nach Hause oder zum Anhänger, sondern weiter weg. Die Strecke, die wir montags häufig reiten (die er also wirklich in- und auswendig kennen sollte), führt über einen Weg hin, einmal im Kreis und den gleichen Weg zurück. Wenn wir den Kreis geritten sind, will er eigentlich immer nochmal auf den Kreis abbiegen, nie zurück Richtung Ausgangspunkt. Eines Tages werde ich ihn dort mal selbst entscheiden lassen und schauen, was dann passiert.

Aber als wir die Bergtour gemacht haben, fand er es schon angemessen, nach dem ersten Berg Richtung Heimat abzubiegen. Heißt das, die Trab-Ausritte machen ihm mehr Spaß als das Klettern? Auch Diego äußert sich bei der Bergtour an einer Stelle immer so, dass er nach Hause abbiegen will, obwohl er das sonst eigentlich nie tut. Ich glaube, wir haben hier einfach zwei Flachlandtiroler….
Am Montag, als der Hund meiner Freundin ganz oben auf dem Holzstoß stand und Duncan beunruhigt war, kam wieder dieses deutliche „ich muss hier abbiegen“ zum Vorschein. Und mein Helikopter-Gen lief sofort auf Hochtouren. Der ist überfordert, der weiß, dass wir jetzt viel traben wollen und will das nicht, der hat Angst, keine Lust oder oder.
Dann habe ich beschlossen, mal so zu tun als wäre das, was er da tut, nur eine Reaktion auf den Schreck und das legt sich dann schon. Einfach voran, Trab geradeaus, dann geht es bestimmt gleich wieder. Es ging ja dann auch und er wollte auch am Ende des Kreises wieder so abbiegen, dass wir die Runde nochmal geritten wären. Heißt das, er hat sich dann wieder beruhigt und Spaß an unserem Ausritt gefunden? Oder ist er einfach nur ein sehr artiges Pony? Manchmal ist das alles sehr schwer zu unterscheiden.
Neulich durfte ich mal kurz das Pferd einer Schülerin reiten, die sich immer viele Sorgen macht, ob es ihrem Pferd gut geht. Es war interessant für mich, denn kaum saß ich auf dem Pferd, fühlte ich seine Sorgen sehr deutlich, aber ich bin jetzt sicher, dass sie woanders herkommen als meine Schülerin denkt. Während sie immer an den Sattel denkt und an ihren Sitz, denke ich eher, dass das Pferd gestresst ist, weil es nicht weiß, wie es seinen Körper verwenden kann und weil es Hilfen nicht als Hilfen verstanden hat, sondern als Übergriffe, die es abzuwehren gilt.
Aber auch das ist erst mal nur eine Interpretation, dessen muss ich mir bewusst bleiben. Das Verhalten eines Pferdes ist eine Botschaft an uns, aber was diese Botschaft genau ist, was das Verhalten bedeutet, müssen wir uns langsam erarbeiten und immer wieder überprüfen, ob das wohl wirklich so stimmt.
Mein kleiner Ritter äußert sich anders als andere Pferde. Natürlich hat sowieso jedes Pferd seinen eigenen „Dialekt“ und das kann es manchmal auch so schwierig machen, sie zu verstehen. Ich glaube, britische Ponyrassen bedienen sich generell mal einer anderen Sprache als andere Rassen die wir hierzulande so kennen. Das Highlandpony an sich zeigt gerne mal den berüchtigten „Plant“ (Wurzeln schlagen), immer wieder Thema in diversen Foren. Wenn das Pony überfordert ist, bleibt es stehen. Auch Duncan zeigt dieses Verhalten, allerdings nur dann, wenn wir alleine ausreiten gehen wollen. Er fühlt sich dann noch nicht sicher genug.
Außerdem fällt mir bei ihm deutlich auf, wie er seinen Körper ganz fest und gerade machen kann, wenn er eine deutliche Meinung zu etwas hat. Das kann zur Folge haben, dass er einfach geradeaus weiter geht, anstatt abzubiegen, oder dass er weiter läuft anstatt zu bremsen. Auf dem Reitplatz führt es manches mal dazu, dass wir es einfach nicht schaffen, abzuwenden. Dann scheint es mir weniger eine Meinungsäußerung als eine Problemlösung zu sein: er hat das Gleichgewicht verloren und hilft sich, indem er sich in der Geraden versteift. Es ist jedenfalls ein Gefühl, dass ich als „Rigidity“ bezeichnen würde (das online-Lexikon bietet u.a. „Unbeugsamkeit“ als Übersetzung an und ich denke sofort an Asterix und ein kleines gallisches Dorf…..) Und genau so fühlt es sich auch an. Gerade so, als würden seine Gefühle in dem Moment so stark in seinem Körper sein, dass dieser unbeugsam wird, ebenso wie sein Geist. Ein interessantes Gefühl (so lange es nicht gerade im Galopp auftritt, dann finde ich es sehr beängstigend…..) Dieses Gefühl versuchen Reiter häufig sofort zu unterbinden oder zu beenden. Ich bemühe mich darum, das möglichst selten zu tun (also nur in Situationen, in denen es uns gefährlich werden kann). Denn ich glaube, dass dieses Gefühl, dieses körperliche Verhalten daherkommt, dass man diese Ponys für schwere Arbeiten gezüchtet hat. Wer einen Hirsch den Berg herunter tragen soll, braucht genau jene Art von Unbeugsamkeit. Nur wer sich ordentlich anspannen kann, wenn nötig, wird so etwas schaffen. Nur wer sich so fest machen kann, kann einen schweren Baumstamm ziehen. Es ist eine Qualität solcher Pferde, dass sie das können, kein Manko! Und ich möchte eben jene Kraft nicht brechen, denn das ist die selbe Kraft, mit der Duncan mich jeden Berg runter trägt und mit der er seinen Rücken gegen mich stemmt, während er Kilometer um Kilometer trabt. Ich bin im Verhältnis zu ihm recht groß und schwer, er braucht Kraft, um mich zu tragen und dazu muss er sich unbeugsam machen sonst hängt sein Rücken durch. Es ist jene Unbeugsamkeit, die ihn stark macht und in dem Moment wo er dieses Gefühl gegen mich einsetzt, habe ICH den Fehler gemacht (und sei es nur weil ich ihn in eine Situation gebracht habe, wo ein Hund plötzlich zwei Meter über ihm steht oder weil ich seiner Meinung nach zu viel bremse, wenn er vorwärts will).
Mein Job ist nicht, diese Kraft zu brechen oder zu verbiegen, sondern sie für mich zu gewinnen und zu lenken. Wenn mir das gelingt (immer öfter), wird Duncans Unbeugsamkeit nicht nur meinem Pony, sondern auch mir zu Gute kommen. Und dann haben Duncan und ich ganz ohne Zaubertrank übermenschliche Kräfte, wenn wir unsere Kräfte bündeln und sie sich dadurch vervielfachen. Denn eben diese Unbeugsamkeit, die sich körperlich äußert, ist ja ein Ausdruck seines inneren Gefühls. Und es sind zwei Seiten derselben Medaille, ob man sich mit aller Macht wehrt und sich deswegen gegen etwas stemmt, oder ob man sich stark, stabil und unbesiegbar fühlt und deswegen groß und aufrecht dasteht wie ein stolzer Krieger. Ein Verhalten drückt ein Gefühl aus, und unser Job ist es, das Blatt zu wenden und die andere Seite dieses Gefühls zu entdecken um eine Stärke daraus zu machen. So einfach ist das! Und so schwer.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 418

Diese Woche haben wir endlich mal wieder einen Montags-Ausflug mit dem Ausreitkumpel gemacht. Juhuuuuu! Weil es ja schon wieder so früh dunkel wird, fahren wir nicht mehr irgendwo hin, sondern haben dort jetzt so eine Standardrunde, die man auch im Dunkeln noch gut reiten kann. Ich werde also mit der Wackelkiste zum Ausreitkumpel befördert, dort sattelt mein Mädchen mich (derzeit unter erschwerten Bedingungen, weil auf dem Platz wo ich dabei stehe, soooooooo viele leckere Eicheln am Boden liegen, die ich NICHT essen darf! Das ist schwer!), und dann gehen wir los, die Mädchen erst mal zu Fuß. Wir gehen ein kleines Stück durchs Dorf und kommen dann in den Wald, wo die Mädchen von einem großen Haufen Baumstämme aus auf unsere Rücken klettern. Wenn sie dann aufgestiegen sind, geht es auch direkt im Trab los.
Aber diesmal war was anders, uns haben nämlich zwei Hunde begleitet und den einen davon kannte ich noch nicht. Hab ich mir erst mal angeschaut und der Hund hat mich angeschaut und dann haben wir vereinbart, uns so gut wie möglich zu ignorieren (so soll ich das machen mit Hunden) und dann geht das. Aber der Hund hatte da was nicht verstanden…. Na jedenfalls, kaum war mein Mädchen aufgestiegen, kam der Hund auf die Idee, auf den großen Stapel Baumstämme zu klettern! Und da stand er nun, mit seinem Leuchthalsband, ganz oben über unseren Köpfen! Und das fand ich nicht lustig. Ich hab meinem Mädchen gesagt, dass ich jetzt hier weg muss und nicht mehr mitmache. Hab mich umgedreht und wollte zurückgehen, aber sie hat mich gebremst und mit mir geredet und mich beruhigt und gemeint, das geht schon. Der Hund ist derweil von dem Holzstoß runtergekommen und ich hab mir dann erstmal einen Keks geben lassen. Aber ich war ganz durcheinander und wollte einfach lieber irgendwo anders hin gehen. Umdrehen durfte ich nun nicht, aber ich wollte dann stattdessen in den Wald abbiegen, einfach irgendwo anders hin! Mein Mädchen hat mich aber nicht gelassen, sondern gesagt, ich soll einfach vorwärts gehen, das ist die beste Art, Stress abzubauen. Geradeaus los und Trab. Ich war noch nicht überzeugt, aber weil ich so ein Guter bin, hab ich das mal versucht.


Und was soll ich sagen: sie hatte recht. Nachdem wir ein paar Minuten getrabt waren, wurde mir besser. Und noch besser. Und dann hatte ich mich eingelaufen und der Hund ist einfach so mitgelaufen und das ging alles. Und als ich dann mal im Fluss war, hab ich so meinen Rhythmus gefunden und der Ausreitkumpel, der erst vorneweg gelaufen war, hat sich hinter mir einsortiert und dann sind wir getrabt. Einfach so ganz gleichmäßig, das hatte sich mein Mädchen gewünscht, weil wir das so lange nicht gemacht haben. Völlig störungsfrei, keine Autos, keine Radfahrer, keine Fußgänger, einfach niemand unterwegs und niemand der uns nervt – abgesehen davon, dass mein Ausreitkumpel mich gelegentlich in den Po kneifen wollte (wehe! Ich hab dann immer gemeckert, er soll mich gefälligst nicht bei der Arbeit stören und das Mädchen vom Ausreitkumpel hat ihn dann zurückgenommen, damit er mal 10cm mehr Abstand hält. Also wirklich, andere während des Ausreitens in den Po kneifen, sowas macht man doch nicht! Also, es sei denn man ist ich. Ich darf so was. Aber alle anderen nicht!!)


35 Minuten sind wir durchgetrabt und haben dabei 6,3km zurückgelegt. Schnell ist das nicht, aber wir waren ganz gleichmäßig unterwegs. Ich bin über die Zeit immer noch ein kleines bisschen schneller geworden, weil ich so schön warm wurde und in Fahrt gekommen bin. Ich wäre auch noch ein gutes Stück weiter getrabt, aber der Weg war zu Ende und wir waren wieder am Aufsteigepunkt. Kurz Schritt, dann eine schöne Graspause, während der mein Mädchen erst mal ihr ganzes Fell abgeworfen hat, weil ihr viel zu warm war, und dann zu Fuß nach Hause.
Ach, das war schön! Mein Mädchen war auch ganz entspannt, hat gesagt, das wäre wohl dieses „Runners High“ obwohl sie ja gar nicht gelaufen ist. Aber sie mag das, wenn ich wie eine kleine Dampflok einfach meines Weges ziehe und sie nichts weiter zu tun hat, als möglichst wenig zu stören.
Jetzt hat sie Muskelkater. Jaja, ihr habt richtig gehört! ICH laufe und mein Mädchen hat den Muskelkater. In den Waden, vom Stehen in den Bügeln. Tja, einer von uns braucht noch mehr Fitnesstraining glaube ich!

Nicht zu übersehen: Ausreitkumpel, sein Mädchen und Hund


Mittlerweile war es ganz dunkel geworden, aber meinen Ausreitkumpel und seine Crew kann man nicht verfehlen, so wie die leuchten und reflektieren. Ich tu das auch, aber nicht ganz so krass, mein Mädchen meint, wir rüsten da nochmal ein bisschen auf.
Hoffentlich machen wir das nächsten Montag wieder! Wenn wir Glück haben und das Wetter oft genug mitspielt, sagt mein Mädchen, können wir auf diese Art die Kondition einigermaßen halten über den Winter und haben dann, wenn es im Frühling wieder länger hell ist, schon einen guten Startpunkt für längere, schnellere Ritte. Unser Gedenkritt steht schließlich auch immer noch aus! Und wer weiß, vielleicht, vielleicht können wir nächstes Jahr im Herbst einen Distanzritt wagen, wenn es gut läuft, das wäre doch mal eine Abenteuer! Bis dahin träumen wir noch ein bisschen und üben das gleichmäßige Traben mit dem Ausreitkumpel. Mit Diego üben wir sonntags das galoppieren, sagt mein Mädchen. Ach das klingt alles so vielversprechend!


Euer trabender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 417

Wie viele Erlebnisse passen eigentlich in einen Sonntagsausritt?
Also geplant war, dass wir zur Autobahnbrücke reiten. Zum Üben. Und dann wieder nach Hause. Das war übrigens ausnahmsweise nicht die Idee meines Mädchens, sondern die vom Mann. Stolze 16km wären das geworden!
Also haben wir alles eingepackt, alles angezogen und los. Weit sind wir aber nicht gekommen, denn schon nach den ersten Metern fiel meinem Mädchen auf, dass sie vergessen hatte, mir das obligatorische Zöpfchen zu flechten! Also umdrehen, Zöpfchen flechten, wieder los.
Nach einer kleinen Weile musste Diego mal was fallen lassen. Nun ist es ja normal, dass die Menschen das wegräumen, wenn wir im Dorf sind. Waren wir aber gar nicht. Trotzdem ist der Mann abgestiegen und komischerweise hat er sich sogar darüber gefreut! Er hat sich vom Mädchen eine Tüte geben lassen und einen kleinen Teil des Haufens säuberlich eingetütet und dann ein Etikett drauf gemacht. Es ist nämlich wieder einer dieser Tage…. . und anstatt uns einzeln irgendwo einzusperren meinte mein Mädchen, wir erledigen das ganz elegant so nebenbei. Gut.

Echt jetzt? Eintüten, beschriften und mitnehmen? Menschen…..

Nachdem das geschafft war, ging es weiter und auf zu einem munteren Galopp! Das war fein. Bis der Weg plötzlich so komisch wurde, da haben wir lieber durchpariert. Treckerspuren! „Oje“ meinte mein Mädchen „wir haben die Maisernte vergessen!“

Maisernte bedeutet, dass sehr, sehr viele sehr, sehr große Trecker sehr, sehr schnell durch die Gegend fahren. Für Reiter bleibt da nur eins: immer auf der Hut sein und rechtzeitig irgendwo im Heckloch oder neben dem Weg auf dem Feld oder der Wiese verschwinden. Und das ging dann auch alsbald los. Riesig sind die Dinger und mein Mädchen fürchtet sich ziemlich davor. Ich nicht. Noch nicht mal wenn sie direkt neben mir „pffffffffft“ machen. Ich weiß doch: je größer der Trecker, desto größer der Keks! Null problemo!

Was mir allerdings schon etwas Sorge gemacht hat, war der starke Feuergeruch, an dem wir dann vorbeigekommen sind. Da haben wir Ponys von Natur aus so eine Steppenbrand-Warnglocke. Mein Mädchen hat aber versprochen, dass das nicht schlimm ist und Diego war wie immer völlig unberührt, also hab ich das auch geschafft.


Als wir dann 4 riesige Trecker später im Nachbardorf – Kleinvollstedt – ankamen, sind wir wie geplant rechts abgebogen. Aber da kam schon wieder so einer! Und zwar genau aus dem Weg raus, in den wir einbiegen wollten. Und da hat der Mann gemeint, wir bräuchten Plan B. Also umdrehen und überlegen, wie ein möglichst Maistreckerfreier Weg nach Hause führt. Der ging dann erst mal durch dieses ganze, ewig lange Dorf. Kleinvollstedt ist nicht groß (das sagt ja schon der Name) aber es zieht sich einfach soooooo in die Länge! 2km immer geradeaus die Dorfstraße lang. Klingt langweilig, ist aber eher das Gegenteil! Weil es da einfach alles gibt: Noch ein Maistrecker (man war der schnell!), ein Sportwagen, der uns gleich zweimal überholt hat (der ist bestimmt im Kreis gefahren und wollte angeben!), Fahrradfahrer, Kinderwagen, Motorräder, eine Frau die vor ihrer Haustür Unkraut aus den Steinen gekratzt hat, jemand der unsichtbar, aber recht laut ein komisches Gerät bedient hat…. und so weiter, und so weiter. Und das waren jetzt nur die Dinge, die sich bewegen, alles andere, was sich nicht bewegt und keine Geräusche macht, ist ja auch da und will beachtet werden. Da läuft mein Kopf auf Hochtouren (und der von meinem Mädchen auch, schließlich versucht sie immer, alles wahrzunehmen und einzuschätzen was ich wahrnehme, damit ich mich auf sie verlassen kann).


In der Mitte des Dorfes stehen zwei Rinder auf einer Weide. Normalerweise bin ich da ja nicht so, aber diese Rinder haben ganz komische Geräusche gemacht! Da hatte ich einen halben Nervenzusammenbruch und musste mich ein bisschen an Diegos Schweifzipfel hängen. Mein Mädchen hat auf mich eingeredet und versucht, mir zu erklären, dass das gar nicht die Rinder sind, die die Geräusche machen. Und als wir dann an der Rinderweide vorbei waren, fiel mir auf, dass sie recht hatte! Da standen einige kleine Menschlein am Straßenrand und die haben die Geräusche gemacht! Erst fand ich das komisch, aber dann dachte ich: ach, Menschen sind Menschen, egal wie groß. Dingo war wieder vorneweg und gerade als er auf der Höhe der kleinen Menschen war fragte der eine kleine Mensch „darf ich das mal streicheln?“. Also haben wir angehalten. Die kleinen Menschen haben ganz lieb gefragt, ob sie mich auch streicheln dürfen und mein Mädchen hat ja gesagt und genau beobachtet wie ich reagiere. Die kleinen Menschen waren sehr, sehr lieb und haben mich ganz zart gestreichelt und das fand ich total nett! Ich hab mich streicheln lassen und nochmal streicheln lassen und fand das alles ganz wunderbar in Ordnung. Die kleinen Menschen wollten wissen, ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin, wie alt ich bin, und warum ich einen Zopf habe. Mein Mädchen hat alles beantwortet und ich hab dem einen kleinen Menschen einen zarten Kuss geschenkt, weil die so nett waren.

Freundliche kleine Menschen am Wegesrand!

Nach einer Weile sind wir dann weiter gegangen. Noch ein ganzes Stück durchs Dorf. Als wir dann schließlich von der Hauptstraße abgebogen sind, kamen wir auf den Weg wo es an dem Friesenhengst vorbei geht. Das ist vielleicht ein Macker! Der macht immer eine Szene, wenn wir da vorbeikommen, rennt am Zaun auf und ab und plustert sich auf. Ich bin da ja raus aus dem Stadium, bin ja jetzt Wallach und in diesen Momenten ist mein Mädchen immer besonders froh darum. Ich auch, ehrlich gesagt, so viel Aufregung brauche ich nicht. Naja, mein Mädchen ist trotzdem vorher abgestiegen, weil der Angeber mich doch meistens noch ordentlich aus dem Konzept bringt. Aber heute hatte ich einen Plan. Ich bin einfach am langen Zügel neben meinem Mädchen hermarschiert und habe betont in die andere Richtung geguckt. Und so getan, als könnte ich den Kerl gar nicht sehen. Mein Mädchen fand, dass ich das mega toll gemacht habe, hat erst einen Keks rausgerückt und dann einen Graspause verkündet. Oh toll, was zu essen kam mir nun gerade recht nachdem ich schon so viel Gehirnschmalz investiert hatte.
Wir haben also was geschmaust und gerade als wir wieder los wollten, kam ein anderes Pferd mit Reiterin aus dem Wald getrabt. Als es uns gesehen hat, hat es sich plötzlich total gefürchtet – und das obwohl wir gar keine Zebraverkleidung anhatten. Ich war ein bisschen verwundert, dass man sich so aufregen kann über zwei so nette, entspannte Gesellen wie Diego und mich. Na, ich muss nicht alles verstehen.
Jetzt kam endlich der romantischere Teil der Reise. Naja so halb, denn der Weg sieht zwar schön aus, geht aber erst mal direkt neben der Autobahn entlang. Aber ich kann das inzwischen, ich weiß, die machen da allerhand komische Geräusche, das braucht mich aber nicht zu interessieren.
Dann über die Straße zum wirklich romantischen Teil. Da sind wir dann noch ein schönes Stück galoppiert, das hat Spaß gemacht und mein Mädchen war sehr zufrieden mit mir.
Als wir dann auf den größeren Weg kamen, war schon wieder was los! Da haben zwei Männer ein merkwürdiges Gefährt auf einen Anhänger verladen. Sie waren dabei, mit Ketten das Ding fest zu machen und das hat sehr merkwürdige Geräusche gemacht. Ich hab mich ein bisschen gegruselt, bin aber tapfer weiter gegangen. Gerade als wir dran vorbei waren, hat es nochmal richtig laut „krchrch“ gemacht und ich hab mich ein bisschen erschreckt.

Bin zusammengezuckt und habe blitzschnell die Möglichkeiten abgewägt. Dann habe ich mich für die mit dem Keks entschieden. Das ist ja die Regel, die mein Mädchen aufgestellt hat: wenn ich Angst habe und mich statt rennen fürs stehenbleiben entscheide, kriege ich einen Keks. Und den hab ich mir dann auch geben lassen und da waren wir beide sehr, sehr zufrieden!
Danach noch ein schöner Galopp und schon waren wir wieder in Groß Vollstedt. Und ich musste mal. Diesmal sind die Bollen auf der Straße gelandet und darauf hatte mein Mädchen die ganze Zeit gewartet. Normalerweise sollen wir nicht im Dorf äppeln. Heute wollte sie, dass ich im Dorf äppel. Wie man´s macht….. aber ich hab es ja richtig gemacht. Also wurden meine Äppel auch noch sauber vertütet und etikettiert.
Am Landgasthof vorbei und dann den schmalen Weg unter den Weiden durch (mein Mädchen hat sich in einer Tour die Spinnenweben aus dem Gesicht gewischt) und dann ab nach Hause.
Fast 13 km in 2,5 Stunden, aber mein Mädchen sagt, für unsere Köpfe müsste man das dreifache zählen, bei dem was da heute alles los war. Ich fand´s toll, ich bin gerne kopfmüde.
Und ich hab alles richtig macht und wunderbar gemeistert, sagt mein Mädchen. Wie ein ganz Großer (der ich ja auch bin!). Nächsten Sonntag, hat mein Mädchen beschlossen, ist dann aber unbedingt wieder Romantik angesagt.

Euer kopfmüder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan dhu 416

Alleine rausgehen muss man ja auch gar nicht immer geritten machen, findet mein Mädchen. Und da unsere gestrenge Fahrlehrmeisterin mal wieder zu Besuch gekommen ist, hat mein Mädchen die Chance ergriffen, sich Unterricht geben zu lassen. Aber diesmal Outdoor. Also es ging so: die gestrenge Fahrlehrmeisterin ist mit ihren Hunden spazieren gegangen, während mein Mädchen mich erst gefüttert und dann angeschirrt hat. Dann sind wir in die andere Richtung vom Hof gegangen, der gestrengen Fahrlehrmeisterin entgegen.

Kann los gehen!

Mein Mädchen hatte beobachtet, dass ich auch in Begleitung von Diego nicht so gern rechts runter vom Hof gehe. Die Strecke, die noch an unserem Grundstück entlang führt und dann der Nachbarhof – irgendwie sind da viele Huchmampfs überall. Aber wenn man dann am Nachbarn vorbei ist, dann geht´s. Also hat sie sich fest vorgenommen, dass wir es am Nachbarn vorbei schaffen. Haben wir dann auch. Danach links um die Kurve, und da kam sie uns auch schon entgegen, die gestrenge Fahrlehrmeisterin mit ihrem Hunderudel. Da war ein Hund dabei, den ich noch nicht kannte, ist mir gleich aufgefallen. Wir sind dann noch ein Stück weiter weg von zu hause gegangen, aber ich habe alsbald angemerkt, dass ich gern umdrehen würde und mein Mädchen hat gesagt, das machen wir dann auch demnächst. An der nächsten Kurve haben wir also eine saubere Wendung hingelegt und es ging zurück. Ich wollte etwas schneller und mein Mädchen wurde etwas nervös und hat versucht, mich zu bremsen, was nicht dauerhaft geklappt hat. Aber dafür hatten wir ja die gestrenge Fahrlehrmeisterin dabei! Mein Mädchen hat gute Tipps von ihr bekommen, wie sie mit den Leinen besser mit mir kommuniziert und so sind wir beide dann ruhiger geworden und ganz entspannt zu hause angekommen. Mein Mädchen sagt immer, es sei doch sehr erstaunlich, wie viel es zu lernen gibt, wenn man nix weiter als zwei Leinen in der Hand hat. Beim Reiten muss man ja auch noch den Rest des Körpers im Griff haben, aber wenn man hinter dem Pony her läuft, sagt sie, hat man ja nur die zwei Hände zu koordinieren und das müsste doch eigentlich leicht sein – ist es aber gar nicht! Tja, Mädchen, ich muss ja auch immer so viel lernen, warum soll es dir denn besser gehen? Üben, üben, üben!! Schließlich wollen wir irgendwann mit der Kutsche los. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr!

Dann hat mein Mädchen nachgeschaut, wie viel Strecke wir geschafft haben, und das in ihre Tabelle eingetragen. Sie hat da ja so eine Berechnung, wie viele Kilometer wir schon zusammen unterwegs waren, und sie wartet darauf, dass wir die 1500km knacken. Und was soll ich euch sagen: als sie die 1,7km eingetragen hatte, meinte diese Liste, wir wären jetzt 1499,85km zusammen los gewesen. Knapp verfehlt! Natürlich ist diese Liste nicht so genau wie sie tut und deswegen hat mein Mädchen gesagt, wir können jetzt selbst entscheiden, ob wir die 1500km schon geknackt haben oder nicht. Beim Distanzreiten sagt man „in der Wertung“. Das heißt, immer wenn man auf Distanzritt geht, man innerhalb der Zeitvorgabe geblieben ist und der Tierarzt sagt, das Pony ist fit und gesund durch gekommen (Reiter ist nicht so wichtig, der darf im Ziel zusammenbrechen), dann zählen diese km als „in der Wertung“.

Mein Mädchen sagt, ich habe meine 1500km mit ihr auch „in der Wertung“ geschafft. Zeit ist uns egal (4 Jahre, um es genau zu nehmen), aber ich bin gesund und munter und ich habe fast immer fast alles fast richtig gemacht, das zählt. Dafür hätte ich jetzt eigentlich eine Urkunde, einen Orden, eine Schleife oder ähnliches verdient, aber weil ich mir da nix draus mache, flüstert sie mir nur kurz zu, was für ein feiner Kerl ich doch bin und wie froh sie ist, mich bei ihr zu haben und dann kriege ich einen Keks (wieso eigetnlich einen? Für 1500km?).

Ach, letztlich ist es mir egal, Hauptsache wir gehen raus! Am liebsten viel, lang und schnell!

Euer 1500km – Ritter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 415

Eigentlich wollte mein Mädchen ja heute die Tour von Sonntag wiederholen und mit mir üben, dass ich nur traben soll, wenn sie nix von Galopp gesagt hat. Aber heute ist Sturm. Und also kein Ausritt. Sie meinte, wenn sie die Zeit und Energie hätte, würde sie bei dem Wetter mal eine schnelle 15km Tour mit ausgiebigem Trab machen wollen, aber heute hat sie weder die Zeit, noch die Energie. Also was hat sie sich überlegt? Dass sie mich mal wieder an die Longe nehmen könnte. Und da könnte ich mich so richtig austoben. Und wir könnten da ja auch das mit dem Trab und dem Galopp üben.

„Leider“ ist auf unserem Sommerreitplatz so viel Gras, dass man da im Moment zwar hervorragend essen könnte, aber mein Mädchen da nicht gut laufen kann. Also sind wir auf den normalen Reitplatz gegangen, auch wenn es da viel enger ist. Und dann ging es los. Trab und dann ist sie im Trab neben mir die lange Seite runter gesprintet. Weil sie weiß, dass ich dann ordentlich Gas gebe und oft auch mal angaloppiere. Sie wollte jetzt üben, dass ich das nicht tun soll. Ich hab einmal angefragt ob Galopp ok wäre, sie hat einmal nein gesagt und danach hab ich die ganze Zeit einfach alles immer perfekt gemacht. Hab mir Kekse geben lassen für richtiges Zulegen im Trab ohne Angaloppieren, für Durchparieren vom Galopp zum Trab und vom Trab zum Schritt und hab überhaupt insgesamt „rumgestrebert“ wie mein Mädchen sagt. Naja, im Galopp hab ich mal ein paar lustige Hüpfer hingelegt, aber das ist ja an der Longe erlaubt, so lange ich nicht an der Longe ziehe (was ich selbstverständlich nicht getan habe!).

Gegen Ende, als mein Mädchen noch einen letzten Galopp angesagt hatte, dachte ich, ich könnte das Ganze nochmal etwas aufpeppen und bin voll durchgestartet. Aber bevor irgendwas anderes passiert ist, hat es mir voll die Hinterbeine weg gezogen und ich bin platt auf der Seite gelandet! Mein Mädchen fand, das wäre eine sehr logische Konsequenz daraus, wenn man Quatsch macht. Also hab ich das gelassen, hab auch die letzten Minuten noch gestrebert und durfte dann noch etwas grasen.

Hier hat es mir die Hinterbeine weggezogen und ich fand mich auf der Seite wieder! Sowas kommt von sowas, sagt mein Mädchen.

Fürs Rumstehtraining (was mein Mädchen immer macht, während ich grase) hat sie mich heute nicht los gemacht wie sonst, sondern die Longe in der Hand behalten aus Gründen wie „Pubertät“, „Quatschkopf“ und „Energieüberschuss“. Naja, egal, ich durfte mich ja trotzdem bewegen wie ich wollte und habe mir noch ein paar Kräuter vom Wall gezupft bevor dann endgültig Feierabend war.

Komischerweise wollte sie heute die Longe lieber dran lassen. Na egal, hauptsache grasen.

Leider gestaltet sich dieser Feierabend so gar nicht nach unserer Vorstellung, denn man hat uns den Zugang zu den Eicheln versperrt! Was soll denn das? Da kommen doch heute all die leckeren Dinge von den Bäumen gepurzelt und dann dürfen wir da nicht hin? Angeblich sind wir „aufgespeckt“ und zu „mopsig“ und brauchen auf keinen Fall noch Mastfutter. Menno.

Jetzt muss ich mal sehen, wen ich den Tag über noch so ärgern kann, um meine stürmische Energie los zu werden.

Euer Streber Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 414

Sonntag! Los geht´s! Es war mal wieder Bergtour angesagt.

Und jetzt erkläre ich euch mal was.

  1. Ich habe meinen Wachstumsschub beendet
  2. In den letzten Tagen haben wir ordentlich Eicheln genascht und uns eine Menge Energie angefressen
  3. Das Wetter ist heute sehr viel angenehmer, nämlich kühler.
  4. Am Donnerstag haben wir LongSlowDistance-Training gemacht (so nennt sich das wenn man lange Strecken langsam reitet) und nach LongSlowDistance ist schnell und kurz angesagt! (Finde ich)
  5. Das Training vom Donnerstag hat mir schon wieder etwas mehr Kraft und Kondition beschert (das ist ja auch der Sinn der Sache!) und ich hatte einen Tag frei und gestern nur 10 min auf dem Reitplatz wo wir nur was für den Kopf geübt haben. Macht quasi zwei Tage frei nach einem guten Training.

Und all das zusammen genommen macht gute Laune! So. Es ging also los Richtung Berg, diesmal eine etwas andere Runde als letztes Mal. Den ganz steilen Berg hoch ist mein Mädchen freundlicherweise abgestiegen. Dann wieder rauf auf meinen Rücken, ein Stück halbwegs eben, dann kommt noch ein kurzes, steiles Stück. Diego hat da mal den Turbo angeschmissen und ist flott hoch getrabt. Hab ich doch genau gesehen! Und was, bitteschön, ist dann dagegen einzuwenden dass ich auch mal den Turbo anschmeiße? Was gibt es denn da schon wieder zu meckern, mein Mädchen?

Da soll ich rauf. Und warum wird dann gemault, wenn ich kurz den Turbo zünde?

Dann den kleinen, schmalen Pfad entlang. Immer im Turboschritt. Links um den Baum, rechts um den Baum, links um den Baum. Bisschen hoch, bisschen runter. An einer Stelle hat der Regen die Wurzeln so frei gewaschen dass es fast so ist wie eine Treppe runter steigen. Meinem Mädchen ist das Herz in die Hose gerutscht aber ich hab kurz gebremst, überlegt, meine Füße sortiert und schon waren wir wohlbehalten unten. Ich kann das, Mädchen, lass mich nur machen!

Hier kann man den Berg am besten erkennen.

Diesmal sind wir dann noch einmal rechts abgebogen und dadurch den steilen Berg wieder runter. Da ist mein Mädchen dann freundlicherweise auch wieder abgestiegen.

Den steilen Berg runter ist sie netterweise zu Fuß gegangen

Dann fing es an, ein bisschen zu regnen und mein Mädchen meinte, wir könnten den langen Weg runter traben, dann werden wir nicht so nass. Diego fand das gut und ist fröhlich losgetrabt in seinem schnellsten Trab. Nun ist Diegos schnellster Trab – ihr wisst das schon – sehr viel schneller als alles was ich im Trab schaffe. Aber ich kenne ja die Lösung: Galopp! Mädchen von oben: nein, wir galoppieren hier nicht bergab! Trab! Menno. Zu langsam! Galopp! Mädchen von oben: nein, Trab. Verflixt! Das wurde mir zu blöd. Ich hab dann einfach entschieden, dass jetzt Galopp-Zeit ist. Mädchen, schnall dich an und genieß die Aussicht! Ich mach das schon!

Ooooooh jetzt wurde sie aber böse! Hat mich rum gezogen und ausgebremst und dann musste ich ein gutes Stück den Berg wieder hoch, wieder wenden und artig im Trab zu Diego zurück, der derweil auf uns gewartet hat. Dann ging es weiter im Trab und mein Mädchen hat mich immer angetrieben, ich sollte schnell traben aber wehe, wenn ich galoppieren wollte! Da hat sie mich angefaucht, ich soll das bloß lassen!

Ach herrje, warum hab eigentlich ausgerechnet ich so eine Spaßbremse erwischt? Seit 4 Jahren sage ich ihr, dass schneller einfach mehr Spaß bringt, aber sie will immer nur langsam! Menno. Ich meine, ich mag sie sehr, aber das muss doch mal besser werden! Wer bremst, hat Angst! Ja, sagt mein Mädchen, und auf Freunde, die Angst haben, nimmt man gefälligst Rücksicht. Oooooh wenn du wüsstest wie viel Rücksicht ich schon immer nehme, mein Mädchen….

Sie hat dann wieder diese Sachen gesagt: „Pubertät“, „von Kraft geträumt“, „hält sich für den König der Welt“ und „ich hätte es wissen müssen, so fit wie der am Donnerstag noch war“. Ja, Mädchen das hättest du wissen müssen und deswegen hättest du auf dieser kurzen Runde (ja, knappe 9km sind jetzt eine kurze Runde, so verschieben sich die Maßstäbe!) einfach mehr Tempo einplanen müssen!

Naja, sie hat gesagt, am Dienstag haben sie und der Mann frei, dann wird die Runde wiederholt und dann üben wir das mit der Würde, dem Anstand und der Bremse nochmal. Oder aber, mein Mädchen, wir machen es einfach EINMAL so wie ich das will und geben ordentlich Gas!

Euer Turbo- Ritter Sir Duncan dhu of Nakel

Gut geraten

…. ist halb verloren.

Puzzleteile setzen sich in meinem Hirn zusammen: Draußen, wenn Duncan und ich alleine ausreiten üben, bleibt er viel stehen und geht auf Aufforderung nicht geradeaus los. Das hatte ich auf seine Sorgen geschoben (und tue das zum größten Teil immer noch). Aber plötzlich hatten wir ähnliche Probleme auf dem Reitplatz. Dort habe ich es aufs Wachstum geschoben und den Osteopathen zu Rate gezogen. Arnulf hat Duncan dann auch prompt wieder die Hüfte gerichtet. Es wurde danach besser mit dem losgehen, aber nicht so gut wie es mal war. Dann war eine Zufallssituation, in der Duncan am Hufschlag förstern wollte und ich kurz etwas deutlicher wurde. Duncan ging plötzlich flott voran und blieb dabei. Und dann dämmerte es mir: ich hatte mit Duncan viel das Schreiten geübt, immer schön langsam und möglichst erhaben. Und mein kleiner Verdoppler, der immer findet, wenn etwas gut geklappt hat, kann man mehr davon machen, hat verdoppelt….. So üben wir jetzt auf dem Reitplatz den Unterschied zwischen langsam und schnell, stehenbleiben, losgehen und rückwärts. Weil sich zeigte: Duncan hatte bisher viel geraten und oft einfach das wiederholt, was vorher gut geklappt hatte, ohne zu verstehen, dass er dazu auf meinen Hilfen hören soll. Und ich hab es nicht gemerkt.

Pferde raten sehr, sehr gut. Es gehört zu meinem täglichen Brot, Stellen aufzudecken, an denen ein Pferd bisher nicht verstanden, sondern nur sehr gut geraten hat. Aber manchmal hat man selbst eben einfach blinde Flecken….

Am Sonntag im wilden Moor haben wir dann das angaloppieren auf Kommando geübt – und Duncan hat das fein gemacht! Einen Sonntag später, als ich NICHT galoppieren will, ist er nicht zu bremsen. Ob er auch da noch nicht sicher ist, was was bedeutet?

Ich denke, er weiß und versteht auf jeden Fall noch nicht, dass ich wirklich unter allen Umständen die Gangart bestimmen möchte. Warum auch? Grundsätzlich macht das für ein Pferd keinen Sinn. Wenn wir doch jetzt vorwärts kommen wollen, dann eben vorwärts, egal wie, oder? Aus Pferdesicht macht Trab oder Galopp da keinen Unterschied und wenn Galopp nunmal schneller und bequemer ist, dann halt Galopp!

Leider kann ich das auf dem Platz noch nicht üben, weil wir dort noch nicht galoppieren können. Ich brauche also einen Plan, wie ich ihm das im Gelände mal so erklären kann, dass er wirklich versteht, dass mir das wichtig ist (WARUM mir das wichtig ist, wird er wohl nie verstehen). Aber schließlich finde ich einen Weg, es doch vorher noch auf dem Platz zu üben: an der Longe. Und es zeigt sich: ich habe mich anscheinend am Sonntag SEHR klar ausgedrückt, denn Duncan weiß jetzt: wenn ich ihn im Trab ordentlich vorwärts schicke (ausnahmsweise wirklich so, dass er deutlich über ein vernünftiges Trabtempo hinaus kommt), heißt das NICHT dass er angaloppieren soll.

Ich weiß nach wie vor nicht, ob es am Sonntag eine bessere Lösung gegeben hätte. Ihn in schlechtester Cowgirl-Manier herum zu ziehen war eine Notlösung die mir überhaupt nicht gefällt. Sehr unfein. Die bessere Lösung wäre VORHER gewesen, das Thema noch klarer zu üben, aber die Idee mit der Longe kam mir zu spät. Und hier liegt die Krux in der Ausbildung: es gibt Verhaltensweisen, die treten nur in bestimmten Situationen auf. Diese Situationen sind manchmal schwer zu simulieren und dadurch kann man nicht so gut eine Übungssituation erstellen. Und da zeigen sie sich dann, die Missverständnisse. Zweite Lösung, die mir im Nachhinein eingefallen ist: Ich hätte am Sonntag schon bei den ersten Galoppversuchen seinerseits direkt wenden können. Da wäre er wohl noch leicht zu wenden gewesen und hätte sofort verstanden, dass das so nicht zielführend ist. Das ist also mein Plan B wenn er sich wieder so verhält (schließlich kann das auch einfach die reine Lauffreude gewesen sein, vielleicht wusste er sehr wohl ganz genau dass ich das nicht witzig finden würde…)

Ich vermute, ein mutigerer Reiter als ich hätte Duncan einfach laufen lassen, etwas schlimmes wäre wohl nicht passiert. Ich hatte auch nicht die Angst, dass an diesem Tag etwas schlimmes passiert. Ich hatte aber sofort das Bild im Kopf, was Duncan lernt, wenn ich ihn dieses mal laufen lasse. Wenn er im vollen Galopp hinter Diego her rasen darf (denn das war sein Plan. Gesittet galoppieren hätte ich vielleicht gestattet, aber gesittet war das nicht mehr). Ich glaube, es hätte ihm wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und er hätte sich überlegt, dass er das jetzt öfter machen möchte. Und das gibt weder mein Mut her, noch unser Ausreitgelände, in dem man immer damit rechnen muss, dass die nächste Straße, der nächste Spaziergänger mit Hund oder die nächste enge Kurve kommt. Sorry, mein Ritter, wildes Rennen nur auf Ansage auf ganz bestimmten Strecken. Der Tag, an dem ich das genehmige, liegt noch in weiter Zukunft, denn der kommt erst, wenn ich sicher bin, dass die Kommunikation steht.

Nun haben wir ein paar Stellen ausgebügelt, an denen er eben nicht verstanden, sondern nur geraten hatte. Die nächsten dieser Stellen kommen bestimmt. All diese Fragen zu klären nennt sich übrigens „Ausbildung“.

Im Zweifel für den Angeklagten schreibe ich sein Verhalten am Sonntag diesem Missverständnis von „vorwärts oder nicht“ zu. Aber natürlich wird auch noch etwas anderes passieren – und vielleicht ist es das am Sonntag auch bereits gewesen: er wird die Regeln absichtlich in Frage stellen. Er rennt nun mal gern und er war sehr, sehr gut drauf am Sonntag. Vielleicht hat er auch einfach Lust gehabt, zu rennen und es gar nicht eingesehen, warum ich ihm da jetzt reinfunken will. Er ist inzwischen so stark und ausbalanciert, dass es ihn nicht mehr behindert, dass ich auf seinem Rücken sitze. Er hat auch mit mir obendrauf seine volle Bewegungskapazität erreicht und möchte die sicherlich auch mal ausnutzen. Dass das gefährlich oder zumindest für mich beängstigend ist, weiß er ja nicht. Er weiß: ich kann rennen und ich habe viel Übung darin, dabei auf den Hufen zu bleiben. Straßen, Autos und Hunden stören ihn dabei nicht, er stellt sich wohl vor, dass er da schon so durch navigieren kann. Das ist der Punkt, an dem es wichtig ist, dass wir Menschen doch 51% Entscheidungsgewalt haben. Ganz ehrlich: wären wir in der Pferdewelt unterwegs, wo er die Gefahren besser kennt als ich, würde ich mich auf seine Entscheidung verlassen wollen. Wenn er dort Vollgas gibt, kann uns das das Leben retten. Aber wir leben in der Menschenwelt und hier kann es uns das Leben kosten. Darum möchte ich das letzte Wort haben und er wird das leider akzeptieren müssen.

Und ich kann jetzt nur versuchen, das möglichst oft in möglichst harmlosen Situationen auf möglichst nette Art und Weise klar zu stellen und hoffen, dass er das eines Tages so hinnimmt. Und wenn er das tut, dann kann ich ihm ein wildes Rennen schenken auf einer schönen, freien, möglichst sanft ansteigenden Strecke. Aber das dauert wohl noch, bis wir so weit sind. Bis dahin mache ich ihm ein Gegenangebot: Anstatt wild zu rennen, darf er sich im gleichmäßigen Trab und ruhigen Galopp austoben, bis er sich so richtig wohlig müde fühlt, wie er es so gern mag. Und so kann ich vielleicht auch hier ein Missverständnis ausräumen. Anstatt immer nur zu bremsen und ihn damit zu verärgern, kann ich ihn vorwärts reiten bis er selbst bremsen möchte. Nur nicht über die kurze Strecke im Renngalopp, sondern über die lange im ruhigeren Tempo. Und so hat er mir auch mal wieder was erklärt: Berge rauf und runter klettern ersetzt nicht das Strecke machen.

Übrigens: nach unserem Ausritt mit Streit am Sonntag kam er am Montag wieder ganz besonders frohgemut zu mir gelaufen als ich ihn gerufen haben. ER fand den Ausflug großartig! Und das beruhigt mich, zeigt es doch, dass er mir das Gezerre am Zügel und das Schimpfen nicht übel genommen hat. Vielleicht hat er eben doch nur mal wissen wollen, was ich eigentlich machen würde, wenn er alle meine Kommentare ausblendet und seinen eigenen Wunsch nach Geschwindigkeit auslebt…. Man muss ja auch mal nachfragen, ob Regeln noch bestehen, dafür ist so ein Pubertätsschub da…. Und das finde ich in dem Rahmen in dem er es macht auch total legitim. Nur raten müssen soll er nicht, er soll sich sicher sein, was ich meine. Sich dann bewusst zu entscheiden, dass meine Meinung jetzt egal ist, dass man den Rüffel in Kauf nimmt für den kurzen Moment in dem man soooooo viel Spaß hat – das gehört auch mal dazu.