Trainieren oder nicht?

Neulich wurde ich gefragt: woran erkennt man ob man ein Pferd so lässt und manche Sachen so akzeptiert oder ob man als Ausbilder noch die Aufgabe hat dem Pferd das beizubringen und ihm zu helfen, gewisse Sachen zu machen oder nicht zu machen?

Was für eine Frage! Ganz schön kompliziert. Und interessant.

Ich würde mal an einem anderen Punkt anfangen wollen: woher weiß ich selbst, ob ich Dinge an mir verändern kann und sollte oder ob ich mich so akzeptiere wie ich bin und alles so lasse? Ich zum Beispiel bin ein Chaot – schon immer gewesen. Allen Versuchen meiner Eltern zum Trotz, das zu ändern, ist es so geblieben. Lasse ich das jetzt so? Ich bin schließlich erwachsen und kann tun und lassen was ich will (zumindest in diesem Bereich). Trotzdem hat ordentlich sein natürlich viele Vorteile. Wie viel Arbeit und Zeit, im Zweifel auch Geld, bin ich bereit zu investieren in eine Veränderung meiner Persönlichkeit, die mich zu einem ordentlichen Menschen machen würde? Vielleicht hängt das auch davon ab, ob es in meinem Umfeld jemanden gibt, der unter meinem Chaos leidet. Grundsätzlich ist es meine eigene Entscheidung, ob ich das ändern möchte oder nicht.

Beim Pferd ist das natürlich anders, da soll der Mensch entscheiden, was er seinem Pferd noch ab- oder antrainieren möchte. Zum Beispiel gibt es Pferde, die lieben es von Natur aus, irgendwo hin zu fahren und in fremdes Gelände zu gehen. Mein Duncan ist so ein Exemplar und auch Diego scheint das gern zu mögen. Auch Duncans Ausreitkumpel macht gern Ausflüge und musste das nicht lernen. Es gibt aber auch Pferde, die das vielleicht nie mögen werden. Und dazwischen jene, die vielleicht lernen können, es zu mögen. Woher weiß ich nun, ob ich ein Exemplar habe, das das lernen kann und will oder eins von denen, die nie Freude daran haben werden? Vielleicht weiß man das vorher gar nicht.

Bei Duncan zum Beispiel bin ich überzeugt, dass er es lieben wird, allein ausreiten zu gehen. Weil er es liebt, draußen unterwegs zu sein. Wenn ich es jetzt schaffe, die Lernschritte so zu gestalten, dass er sich mit mir sicher fühlt und ich mich auf ihm sicher fühle, werden wir einen großen Gewinn daraus ziehen. Wenn ich aber an irgendeinem Punkt nicht mehr weiter kommen sollte, wenn sich doch herausstellt, dass wir das nicht schaffen, dann hole ich mir Rat und Hilfe. Allerdings wird diese Hilfe nicht so aussehen, dass jemand meinem Pferd beibringt, allein raus zu gehen. Diese Hilfe wird so aussehen, dass jemand mir hilft, meinem Pferd zu helfen, entspannter und selbstbewusster zu sein. Ob das dazu führt, dass wir allein ausreiten gehen, werde ich ja dann sehen.

Ich glaube, die Frage danach, was wir einem Pferd an- oder abtrainiern sollten, richtet sich weniger nach dem Inhalt, sondern danach, was wir dafür opfern müssten und wollen. Niemals würde ich mein Pferd (bewusst) so trainieren, dass es zwar tut, was ich möchte, dabei aber in die erlernte Hilflosigkeit rutscht.

Wenn ich aber einen Trainingsweg finde, bei dem mir und meinem Pferd das Üben Spaß macht und wir regelmäßig kleine Erfolge feiern können, dann würde ich alles trainieren wollen, was mir und meinem Pferd sinnvoll erscheint. Vielleicht findet mein Pferd es nicht sinnvoll, mit dem Anhänger in fremdes Gelände zum ausreiten zu fahren. Aber vielleicht mag mein Pferd sehr gern mit einem Kumpel zusammen im Anhänger fahren, irgendwo ankommen, dort schön grasen und dann wieder nach hause fahren (oder laufen). Und wenn es das mag, könnte es ja sein, dass sich mehr daraus entwickelt. Und vielleicht verändert sich ganz klammheimlich Schritt für Schritt sogar der Charakter meines Pferdes, vielleicht entwickelt es einen Hauch von Abenteuerlust, der da vorher nicht war.

Vielleicht, wenn ich dem übereifrigen Spanier nach und nach vermitteln kann, dass seine Bedürfnisse nach Bewegung und Erlebnis erfüllt werden und dass gemeinsame Ruhe auch was schönes ist, wird aus dem Zappelphillip noch ein etwas gelassenerer Typ, der auch mal Freude am gemeinsamen entspannen findet. Oder auch nicht, denn vielleicht ist er einfach so ein Typ, der kein Verständnis dafür hat. Aber ich vertu mir ja nichts, wenn ich weiter überlege und daran arbeite, wie ich mehr Ruhe in so ein Pferd bekomme.

Wir werden aus dem Spanier kein Shetty machen und aus meinem Highlandpony keinen Araber, so viel steht fest. Aus mir wird in meinem Leben ganz sicher kein sehr ordentlicher Mensch mehr. Ich glaube, wenn wir uns verbeißen und dann gar keinen Spaß mehr haben, sondern nur noch trainieren und üben, dann sollten wir es lieber lassen und unser Pferd so nehmen, wie es nun mal ist. So lange Pferd und Mensch gemeinsam Freude haben und jeder mit den kleinen Macken des anderen gut leben kann, besteht keine Notwendigkeit, etwas unbedingt zu verändern. Macken haben wir ja schließlich alle. Und manchmal geht mir der Selbst-Optimierungswahn unserer Zeit gehörig auf den Geist.

Trotzdem kann es natürlich nicht sein, dass ein Pferd sich schlecht benimmt, Leute über den Haufen läuft, oder nicht in der Lage ist, zur Not in einen Anhänger zu steigen und wir schulterzuckend sagen „so ist er eben“.

Vielleicht ist da eine Grenze, die ich ziehen könnte: kein Pferd muss gerne und mit großer Begeisterung Anhänger fahren. Aber ich finde, jedes Pferd sollte in der Lage sein, vernünftig ein- und auszusteigen und im Zweifelsfall transportiert werden können, weil das eine Notwendigkeit darstellen kann. Kein Pferd muss Bodenarbeit lieben und bis zum Exzess verfeinern, aber jedes Pferd sollte sich von A nach B führen lassen. Wenn die Basis da ist, ist der Rest Geschmackssache. Vom Menschen, denn der bestimmt. Aber ein vernünftiger, empathischer Mensch wird sich von seinem Pferd auch mal sagen lassen, was es nicht tun möchte und woran es einfach keine Freude hat.

Einmal hat Arnulf sich auf den Boden gehockt und Diego so dirigiert, dass der sich über Arnulf hinweg gedreht hat – Arnulf saß quasi zwischen den Pferdebeinen. Obwohl Diego dafür viel Lob und Kekse bekam, hat er sich nicht bewegen lassen, den Trick zu wiederholen. Er war ängstlich und angespannt und hat sich geweigert, seinen Menschen noch einmal in diese gefährliche Situation zu bringen. Und also hat Arnulf ihn nicht mehr danach gefragt. Es würde die Beziehung der beiden nicht stärken, sondern eher belasten, weiter an einer Sache zu üben, die Diego als bedrohlich empfindet.

Also könnte das ein weitere Anhaltspunkt sein: würde es unsere Beziehung verbessern, an diesem oder jenem Thema zu arbeiten, oder nicht? Wenn es die Beziehung verschlechtern würde, lässt man es lieber sein. Oder man braucht einen anderen Trainingsweg, der die Beziehung stärkt.

Ein bekannter Pferdetrainer hat einmal ein Pferd verkauft. Er wurde von vielen dafür angefeindet, aber seine Begründung fand ich total einleuchtend: er hatte ein Pferd gesucht, mit dem er auf Shows auftreten kann. Das beinhaltet viel Reisen und Unterbringung in fremden Ställen. Das Pferd, das er hatte, fühlte sich trotz aller Mühe und Training nicht wohl damit und also suchte er ihm ein zu hause, wo das nicht notwendig war und kaufte sich selbst ein Pferd, das Freude an dem hatte, was er tun wollte. Manches ist eben nicht trainierbar. Und obwohl das sicher ein Extrembeispiel ist, ist es nicht so weit von der Realität vieler Freizeitreiter entfernt, wie man meinen möchte. Eine ängstliche Reiterin tut gut daran, kein allzu reaktives Pferd zu haben. Denn Zusammenzucken oder einen kleinen Hüpfer machen steht bei solchen Pferden auf der Tagesordnung und wird auch nur begrenzt abtrainierbar sein. Wenn eine Reiterin dann jedesmal Herzrasen bekommt, ist das keine gute Kombination. Andererseits wird eine hoch energetische Person, die gern viel trabt und galoppiert, nicht glücklich sein mit einem allzu ökonomischen Pferd, das am liebsten im Schritt bleibt. Auch das wird nur begrenzt trainierbar sein.

Ich habe hier schon einmal darüber geschrieben: wir können uns in ein Pferd verlieben und es dann (im Wesentlichen) so nehmen wie es ist und gemeinsam das tun, was beiden Spaß macht. Oder wir suchen uns ein Pferd nach bestimmten Kriterien aus. Beides ist völlig legitim.

Ich bin öfter mal um Rat gefragt worden von Schülerinnen und ich war oft zu optimistisch. Ich habe oft gesagt „klar ist das trainierbar“. Und ich bin überzeugt davon, dass ich recht hatte (bestimmt nicht immer, aber oft). Ich hatte nur die Geduld, Fähigkeiten und Ressourcen der Schülerin überschätzt. Für SIE war es nicht trainierbar. Und also denke ich: die Frage, ob ich meinem Pferd etwas an- oder abtrainieren möchte, richtet sich vielleicht nicht nur danach, ob das für mein Pferd sinnvoll ist, sondern auch danach, ob es für mich machbar ist. Und da sind wir wieder am Anfang: wie viel bin ich bereit zu investieren an Zeit, Geld und Nerven? Und was bekomme ich dafür zurück? Ein „besseres“ Pferd? Oder vielleicht auch ein verbessertes Ich? Was hat mein Pferd davon? Mehr Möglichkeiten für beide? Oder nur Frust ohne Ende?

Diese Fragen muss wohl jeder für sich beantworten, je nach Thema um das es geht. Aber es lohnt sich sicher, immer mal darüber nachzudenken.

Ich geh dann jetzt mal bisschen aufräumen.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 406

Das ist ein komischer Sommer. Erst war es viel zu trocken. Dann hat sich das Wetter plötzlich umentschieden und es wurde nass, nässer und noch nässer. Jetzt ist alles nass und es wird wieder wärmer, so dass wir hier irgendwie in der Waschküche gewohnt haben. Mein Mädchen ist genervt, weil das gar nicht gut ist für Ledersachen und vor allem nicht fürs Heu.

Jetzt wird es nochmal richtig heiß.

Wir Ponys hingegen machen das, was wir schon seit Generationen tun: Winterfell produzieren. Die Tage werden kürzer und das ist für uns das Zeichen, dass der Winter kommt und wir uns rüsten müssen, obwohl es noch viel zu warm ist dafür. Weil ein gutes Winterfell einfach eine ganze Weile braucht in der Herstellung. Haar für Haar! Das ist nicht mal eben so gemacht. Wir Schotten haben ja noch ein bisschen mehr Pelz als viele andere Pferde, weil wir uns gegen waagerecht fallenden, eiskalten Regen schützen wollen.

Nun ist es aber so, dass wir hier ja gar nicht in Schottland wohnen und wenn der eiskalte Regen waagerecht fällt haben wir zum Glück einen schönen, trockenen Stall, den wir nach Belieben aufsuchen können. Von daher findet mein Mädchen, dass unsere Winterfellproduktion für unsere hiesigen Umstände doch recht übertrieben ist. Und weil sie in den letzten Jahren immer erst im Oktober gemerkt hat, dass es uns doch wirklich und wahrhaftig viel zu warm ist in unseren Winterjacken, hat sie sich dieses Jahr fest vorgenommen, früher dran zu sein. Und als sie jetzt gesehen hat, dass wir schon fleißig Haare abwerfen (das untrügliche Zeichen dafür, dass wir neue Haare produzieren), hat sie direkt zur Schermaschine gegriffen.

Einmal die Kehle runter, die Brust frei, unter der Mähne den Hals entlang und auf der anderen Seite vom Hals, wo ich keine Mähne hat, hat sie mit dem Strich geschoren, damit ich nicht so albern aussehe. Und diesmal hat sie ganz zufrieden geguckt und gesagt, das sei das erste Mal, dass das, was sie da geschoren hat, anständig aussieht. Das will sie jetzt immer wieder machen bis mindestens Oktober und dann schauen wir mal wie ich mich damit fühle.

Merlin und Diego sind auch dran gewesen. Diego hat aber noch nix produziert, da war gar nix abzuscheren. Dem ist ja immer so warm, der poduziert eh recht wenig Winterfell. Merlin hingegen hatte schon ordentlich Wolle und obwohl er keine schweißtreibende Arbeit mehr verrichtet, soll er es nicht zu warm haben, weil das für sein altes Herz nicht gut ist. Also hat er erst mal eine kleine Schur bekommen, nur unterm Hals lang, aber einen Tag später hat mein Mädchen gesehen, dass er schon durchs bloße Existieren schwitzt und also wurde nochmal nach geschoren, damit er ein leichteres Leben hat. Hals nackig und unterm Bauch auch ein „Lüftungsfenster“.

All die kleinen Haare, das kitzelt!

Mein Mädchen würde uns gern erklären, dass wir doch einfach weniger Fell produzieren sollen, aber da kommen wir nicht gegen an. Ich bin froh um die Schermaschine, denn bei dem ganzen traben und galoppieren was wir am Montag so gemacht haben, ist es doch wahrhaftig sehr, sehr warm gewesen und jetzt kommen noch so richtig heiße Tage. Und bei meinem melierten Fell fällt das geschorene im Moment auch gar nicht so doll auf.

Euer frisierter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 405

Darf ich vorstellen: das schnellste Pony der Welt!

Der sieht so harmlos aus, wie kann er so schnell sein?

Mit dem war ich gestern auf Ausflug. Aber jetzt mal von vorn. Mein Ausreitkumpel wird jetzt zum Kutschpony. Also vor 2 Jahren hat er das ja schon ein paar mal gemacht mit der Kutsche, aber dann hatten die Menschen keine Zeit mehr, sich darum zu kümmern, und so hat es bis jetzt gedauert. Aber jetzt lernt er das so ganz richtig. Das Mädchen vom Ausreitkumpel ist ja die gestrenge Fahrlehrmeisterin und die erklärt ihm das jetzt alles. Er kann das aber auch schon echt voll gut und ist natürlich ein Naturtalent.

Mein Ausreitkumpel hat am Sonntag hart gearbeitet!

Nur seine Muskeln können das noch nicht so. Ziehen ist nämlich voll anstrengend (sagt er). Und weil er am Sonntag so viel die Kutsche ziehen musste, sollte er nun gestern frei haben und sich erholen. Aber mein Mädchen und das Mädchen vom Ausreitkumpel wollten ja nun trotzdem ausreiten gehen, denn der Montag ist der neue Dienstag! Und also ist das Mädchen vom Ausreitkumpel einfach den Freund vom Ausreitkumpel geritten. Ich kenn den, der hat ja lange bei uns nebenan gewohnt. Ich war auch ein- oder zweimal mit ihm zusammen los, dann waren aber noch andere dabei und ich war noch kein Reitpony. Da sind alle nur Schritt gegangen und alle sind geführt worden, da ist mir gar nicht aufgefallen, WIE SCHNELL der ist! Im Schritt musste ich schon ordentlich Gas geben um hinterher zu kommen und er musste trotzdem immer mal einen extra Kringel drehen. Der Typ ist so heiß, wenn es ans Ausreiten geht, kann der gar nicht mehr bremsen. Alter Schwede, wie kann man nur so aufgedreht sein! Mein Mädchen wusste das und hat sich etwas Sorgen über mein Benehmen gemacht. Schon in der Wackelkiste vorm Ausladen hat sie zu mir gesagt „heute muss ich mich ganz besonders gut auf dich verlassen können“. Ich hab ihr das versprochen und dann ging es los.

Also das schnellste Pony der Welt immer vorne weg. Erst mal nur Schritt. Mein Mädchen war in Sorge, was wohl passiert, wenn wir traben, aber irgendwann hat sie sich getraut. Also ist das schnellste Pony der Welt angetrabt und ich auch und nach ein paar Sekunden hätten wir eigentlich nur noch eine Staubwolke gesehen, wenn der Boden nicht so feucht wäre. Das Pony vorne wurde kleiner und kleiner und ich hab dann beschlossen, dass ich dieses Tempo auf jeden Fall nur im Galopp halten kann. Mein Mädchen hat ein bisschen rum gemault, aber ich hab ihr gezeigt, dass ich ganz furchtbar gesittet galoppiere und da war sie ruhig und hat mich erst gebremst als wir dem Pony wieder näher gekommen waren. Um die Kurve und weg war der kleine weiße Blitz! Mein Mädchen meinte, wir bleiben jetzt mal noch einen Moment im Trab. Dann hat sie das Galopp-Kommando gegeben „Aaaaaachtung.. .und hopp!“ und ich hab losgelegt. Aber der da vorne war sooooo schnell! Da hab ich bisschen Gas gegeben. Mein Mädchen hat „Langsam!“ gebrüllt und das haben das Mädchen vom Ausreitkumpel und ich beide gehört und gebremst. Aber sobald der Abstand wieder einigermaßen ok war, rief sie von oben „weiter!“ weil sie nämlich nicht wollte, dass ich dann gleich wieder in den Trab falle. Sie findet ja immer, wenn ich so viel Übermut habe, dann soll ich auch was tun. Also galoppi galoppi! Bis ich selbst meinte, es sei mal Zeit für Trab. Aber im Trab ist der mir einfach davon gelaufen, also doch wieder Galopp. Und so haben mein Mädchen und ich den Ausritt genutzt um das mal klar zu kriegen. Ich hab das jetzt auch geschnallt, wann ich traben soll und wann ich galoppieren soll. Und mein Mädchen war soooooo stolz auf mich! Im Galopp war ich nachher nämlich einen Hauch schneller als der weiße Blitz im Trab (aber ich glaube nur, weil sein Mädchen ihn dauernd gebremst hat) und überholen sollte ich den lieber nicht. Deswegen sind wir immer getrabt bis wir etwas Abstand hatten und dann galoppiert bis wir wieder direkt bei ihm waren. Und ich hab das nachher alles auf Stimmkommando von oben gemacht. „aaaaachtung…“ ja ich weiß schon, es geht los! Und „brrrrrrrr“ war fürs Durchparieren. Auf den Punkt hab ich das gemacht. Trab, Galopp, Trab, Galopp, Trab, Galopp. Puh, da war uns beiden aber ordentlich warm nachher, meinem Mädchen und mir! Als wir nach 5,5km Graspause gemacht haben, hat mein Mädchen kurz nachgerechnet. Wir sind 5,5km in 42 Minuten geritten, das entspricht Tempo 7,6 (7,6Minuten/km). Für einen Distanzritt in der Wertung brauchen wir – je nach Ausschreibung – Tempo 8 (8Minuten/km) also nur ein wenig langsamer, das dann aber über 30 km! Da waren wir beide ein bisschen schockiert. Aber nur ganz kurz, denn eigentlich ist das ja egal, wir wollen ja nur Spaß haben – und das hatten wir gestern! Und wie! Unsere Geschwindigkeit hat sich laut App auch ganz schön gesteigert: 11,9km/h hab ich im Trab geschafft und im Galopp stolze 17,7km/h! Und das ohne Schuhverlust! Das bedeutet – laut meinem Mädchen – dass meine Schultern wohl schon lockerer geworden sind und ich vorne weiter raus komme, so dass ich mir gar nicht mehr so viel hinten rein trete. Trotzdem arbeitet sie daran, dass ich für meine Hinterfüße andere Schuhe bekomme.

Als wir nach der Graspause nach hause geführt wurden, hatte der kleine weiße Blitz die Taschen voll Gras. Auf dem Weg zur Weide? Das ist wirklich kurios. Mein Mädchen hat mir erklärt, dass bei ihm auf dem Hof noch andere Tiere wohnen, so kleine, plüschige, die auch gern Gras essen und denen er das leckere mitbringt. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hingegen hat behauptet, der kleine Schimmel sei wie ein E-Auto, das seinen eigenen Akku mithat. Und jetzt bin ich sehr verwirrt. Aber ich war vom vielen galoppieren und konzentrieren etwas müde und hab dann nicht weiter darüber nachgedacht.

Der hat seinen eigenen Akku mit, hat sie gesagt.

Ich hab mich dann noch kurz abschwammen lassen, damit mein Pelz nicht so juckt, dann ging es wieder in die Wackelkiste und ab nach hause. Mein Mädchen hat mich noch den ganzen Abend gefeiert und ich persönlich hatte so gute Laune, dass ich sie fröhlich angebrummelt habe, als sie nachher kam um uns auf die Weide zu lassen. Das war doch ein sehr, sehr feiner, flotter Ausflug!

Trab- Galopp- Trab Galopp- Trab- Galopp……

Euer flotter Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 404

Gestern hatten mein Mädchen und der Mann Ja-Tag! Vor 18 Jahren haben sie sich versprochen, dass sie zusammen bleiben, durch dick und doof und zusammenhalten wie Schwech und Pefel. Oder so ähnlich. Jedenfalls sagen sie es so immer.

Weil sie anlässlich dieses Feiertages ausnahmsweise was anderes als NUR Pony-Ausflug (wie bitte?) machen wollten, haben wir keine große Tour gemacht, sondern sind nach dem Frühstück nur einmal die Hausrunde gebummelt. Das waren gute Testbedingungen für ein geliehenes Reitpad und die neueste Konstruktion meines Mädchens. Sie reitet mich nämlich jetzt mit 4 Zügeln. Weil wir ja manchmal so eine kleine Diskussion darüber führen, ob jetzt galoppiert wird oder nicht und sie mit den 4 Zügeln ihre Signale auf mein Maul und meine Nase verteilen kann, so dass für mich vielleicht alles etwas verständlicher und deutlicher wird.

Reitpad zum testen und 4 Zügel

Das hat auch einen ganz anderen Vorteil: zum grasen mag ich ja das Gebiss nicht im Maul haben, das finde ich doch sehr hinderlich und deswegen macht mein Mädchen das immer raus. Bisher musste sie dafür absteigen, weil sie ja dann keine Zügel mehr hat. Heute hat sie mir einfach von oben das Gebiss aus dem Maul genommen und ich konnte grasen, weil sie ja noch die Zügel am Halfter hatte. Und als ich fertig gegrast hatte (so ein Quatsch! Fertig gegrast hat man wenn der Magen voll oder die Wiese leer ist. Also: als SIE meinte, ich hätte genug gegrast), hat sie einfach von oben das Gebiss hingehalten, ich habs ins Maul genommen und sie hat es wieder am Halfter eingeclickt. Ganz schön praktisch! Weil ich so kurz und handlich gebaut bin, geht sowas mit mir immer voll gut. Und natürlich weil ich so unglaublich artig bin (obwohl ich ja angeblich Pubertät habe).

Schwupps, Gebiss wieder drin. Praktisch!

Aber vor dieser Episode ist was ganz anderes passiert: als wir los reiten wollten, waren mein Mädchen und ich schon fertig, Diego auch, aber der Mann noch nicht. Der Mann musste sich noch umziehen und mein Mädchen sollte auf Diego aufpassen. Da ist sie auf meinen Rücken geklettert, hat Diegos Zügel in die Hand genommen und wir sind los geritten! Ich als Reitpferd, Diego als Handpferd! Das ist ganz schön lange her, dass ich damals gelernt habe, als Handpferd zu laufen! Jetzt war es plötzlich umgekehrt, das war lustig! Nach ein paar Metern sind wir umgedreht und zurück, aber der Mann war noch nicht fertig, also noch am Hof vorbei in die andere Richtung ein paar Meter und wieder zurück. Als wir wieder zum Hof kamen, hat der Mann gesagt, mein Mädchen hätte sein Pferd geklaut! Ach was. Er hat Diego genommen und mein Mädchen und ich sind schon mal allein los geritten. Als wir hinter uns Hufe gehört haben, hat mein Mädchen sich umgedreht: da kam Diego hinter uns her, aber ohne den Mann im Sattel! Er war uns heimlich einfach gefolgt, als der Mann kurz weg geschaut hat!

Also umdrehen, zurück Richtung Hof. Aber trotzdem sind mein Mädchen und ich nochmal am Hof vorbei gelaufen, diesmal wirklich allein. Ein paar Meter, umdrehen, Diego abholen und dann endlich ganz normal den Ausritt starten. So ein Hin und Her!

Der Ausritt war dann ganz entspannt. Das Wetter war toll, mein Mädchen war gut gelaunt und fröhlich und ich bin ja eh immer gut gelaunt wenn wir draußen sind.

Diese Maisfelder sind etwas gruselig, finde ich!
Endlich bin ich mal wieder vorne!

Wir sind diesmal anders herum geritten als sonst, so dass wir am Ende an DEM Baum vorbei kamen. Da hat mein Mädchen gemeint, sie würde so gern nochmal alleine ausreiten üben und ob der Mann nicht mit Diego da stehen bleiben könnte. Klar, konnte er. Diego durfte grasen und ich sollte weiter gehen. Moment mal! So war das aber nicht abgemacht! Was soll denn das! Ich will auch grasen! Aber mein Mädchen hat hoch und heilig versprochen, dass ich noch genug Gras bekomme und mir gesagt, dass wir jetzt wirklich, wirklich weiter gehen. Hm. Na gut. Wir sind dann nach hause gegangen und dort wieder kurz am Hof vorbei (meine Güte, was bin ich gestern oft an zu hause vorbei gelaufen!) – das fand ich ja wohl voll blöd. Hab mich dann aber nach 10 Metern in mein Schicksal gefügt und da ist mein Mädchen abgestiegen und ich durfte grasen. Und zwar so lange, bis Diego nachgekommen war – und das war lang! Da war ich mit dem Ausritt wieder versöhnt.

Gaaaaanz da hinten kommt Diego. Ich bin schon lange da!

Das Reitpad fanden wir beide ganz bequem, das werden wir dann mal auf dem Reitplatz testen. Und das mit den 4 Zügeln mochten wir auch gern, mein Mädchen und ich, das behalten wir erst mal bei. Jetzt müssen wir nur noch das Problem mit den hinteren Hufschuhen lösen, denn mein Mädchen hatte sie erst zu klein bestellt und jetzt – ratet mal! – zu groß! Sie sagt, evt müssen wir auch doch noch was basteln, weil sie nicht so ganz zufrieden ist mit der Form der Schuhe. Oje, das könnte noch etwas dauern, bis wir da wirklich zufrieden sind, scheint mir!

Ich hoffe, wir machen nächsten Sonntag wieder eine längere Tour, das wäre toll!

Euer ständig am Hof vorbei laufender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 403

Ich hatte ja versprochen, euch jedes mal davon zu erzählen, wenn mein Mädchen und ich ganz allein los ziehen. Auch wenn es vielleicht nicht viel zu berichten gibt, sollt ihr doch bei unserem größten Langzeitprojekt auf dem laufenden bleiben!

Diesmal war ganz schön was los. Als ich gerade fertig angezogen war und mein Mädchen die Aufsteigehilfe geholt hat, kam doch glatt ein fremdes Pony am Hof vorbei geritten und lief genau in die Richtung in die wir auch wollten! Da war mein Mädchen erst mal total genervt, denn das Pony war sehr langsam unterwegs und es war völlig klar, dass wir es überholen müssen, wenn wir jetzt in die gleiche Richtung gehen. Sie hat kurz überlegt, ob wir in die andere Richtung reiten, dann hat sie überlegt, ob wir warten und während sie so überlegt, sieht sie, wie das Pony antrabt und also schnell Land gewinnt. Na dann können wir ja doch los!

Diesmal bin ich hoch anständig wie ein Vollprofi vom Hof marschiert, aber kaum waren wir runter vom Hof, kam ein Moped angesaust. Da hat mein Mädchen mich nochmal angehalten und mir einen Keks gegeben, weil wir sowas zwar können, wenn wir mit anderen zusammen unterwegs sind, aber allein sind wir beide uns da noch nicht ganz so sicher. Ich war dann auch erst mal gar nicht so sicher, ob ich weiter gehen möchte. Mein Mädchen hat gewartet, ob ich mich vielleicht noch aufraffen kann, ich hab darüber nachgedacht, dann hat sie mich nochmal gefragt ob es losgehen kann und ich fand: ja, es kann los gehen. Also los.

Kaum war ich wieder in Gange, kam uns doch das fremde Pony entgegen! Mein Mädchen war dezent nervös was ich davon wohl halte, aber ich bin da ganz artig vorbei gegangen. Anhalten, Keks!

Weiter ging es Richtung Baum. Nach der Aufregung musste ich erstmal feste abschnauben, drei mal. Das fand mein Mädchen gut und hat gleich noch einen Keks raus gehauen.

Ich hab dann Maß genommen auf den Baum, wo ich doch weiß, dass ich da grasen darf! Fand mein Mädchen doof und meinte, wir gehen jetzt noch ein Stück um die Kurve, aus Prinzip. Aber nach ein paar Metern hatte sie ein Einsehen, ist abgestiegen und ich durfte schön grasen.

Lecker Gras! Im Hintergrund: DER Baum.

Als ich (nach Meinung meines Mädchens) lang genug gegrast hatte, sollte es wieder nach hause gehen. Es hat aber etwas gedauert mit dem Aufsteigen und so war ich doch leicht strapaziert und wollte dann auch fix wieder zurück, als sie wieder auf meinem Rücken saß. Das war ihr ZU fix und sie ist wieder abgestiegen und lieber ein Stück zu Fuß gegangen. Dann wieder rauf. Ich wollte Turboschritt mit Tendenz zum Trab, aber das fand mein Mädchen blöd und hat gebremst. Wenn ich langsamer wurde, hab ich dann immer einen Keks bekommen. Alsbald ist sie auch schon wieder abgestiegen, weil Autos kamen und sie sich nicht so sicher war, wie wir das schaffen.

Dann ist sie aber wieder aufgestiegen, denn sie wollte unbedingt nach hause reiten, weil wir ja traditionell dann nochmal auf den Reitplatz gehen und ein bisschen traben.

Diesmal hab ich auch nicht „die Kurve gekratzt“, sondern bin hoch anständig so gelaufen, wie sie gelenkt hat. Auf dem Weg zum Reitplatz bin ich am Stromzaun nochmal stehen geblieben, aber mit etwas Bedenkzeit und gutem Zureden kann ich das dann doch immer. Auf dem Reitplatz noch schön traben geübt, das kann ich ja jetzt auch voll gut. Und antraben aus dem Stand haben wir auch versucht. Aber da mein Mädchen und ich beide nach so einem aufregenden Allein-Ausritt nicht so konzentriert und entspannt sind wie sonst, ist unser Anspruch nicht so groß.

Nach ein paar Minuten war dann auch schon Feierabend und mein Mädchen war insgesamt ganz zufrieden. Nur dass ich so flott nach hause wollte, fand sie nicht so gut. Deswegen hat sie jetzt den Mann gefragt und sie haben noch einen neuen Übungsplan ausgeheckt, da lass ich mich mal überraschen, was ich da wieder machen soll.

Irgendwann, sagt mein Mädchen, ziehen wir wie die Vollprofis alleine los. Davon ist sie überzeugt. Ich übrigens auch. Weil wir bisher alles irgendwann hingekriegt haben, was wir uns vorgenommen haben.

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel

Mitte

„Geraderichten“ steht auf der Ausbildungsskala. Ich kann diese Skala ja so gar nicht leiden. Schon allein deswegen, weil sie meiner Meinung nach nur „Nebel in Tüten“ im Angebot hat. „Losgelassenheit“, „Versammlung“, tolle Worte. Und fast so aussagekräftig wie „warm“ oder „lecker“.

„Geraderichten“ finde ich noch dazu ein total blödes Wort. Da denke ich irgendwie daran, wie man uns früher die Gerte quer hinterm Rücken durch die Ellenbogen gefädelt hat, damit wir „gerade“ sitzen. Mein eigener Reitlehrer hat mal gesagt „nimm dir 4 Stifte: rechte Hand, linke Hand, rechter Fuß, linker Fuß, und schreib mit allen 4 Stiften gleich schön, dann bist du geradegerichtet“. Diesen Vergleich mag ich sehr, denn viele Reiterinnen erwarten vom Pferd, es möge bitte gerade sein, während sie mir von ihrem eigenen Beckenschiefstand berichten.

„Geraderichten“ – wenn ich die Ausbildungsskala umschreiben sollte, würde ich da viel eher sowas wie „Balance finden“ hinschreiben.

In letzter Zeit habe ich mit meinen Schülerinnen viel über Balance gesprochen. Dabei habe ich mich an eine Freundin aus Kindertagen erinnert, die ein Einrad besaß. Ich bin ein paar mal auf dem Ding gefahren, aber an der Bordsteinkante war Schluss. Sie hingegen fuhr später damit fröhlich zum durch den Ort zum Klavierunterricht. Balance ist ein weit gefasster Begriff. Wer nicht auf einem Bein stehen kann, hat wohl ziemlich wenig davon. Wer mit dem Einrad übers Stahlseil fährt, hat ziemlich viel davon. Dazwischen gibt es alle Abstufungen. Duncan hat eine gute Balance in vielen Situationen – zum Beispiel beim Anhängerfahren. Im Schritt auf dem Reitplatz wird es inzwischen auch besser, aber da ist noch Spielraum nach oben. Im Trab noch mehr und galoppiert sind wir dort aus gutem Grund noch gar nicht. Balance kann man natürlich nicht getrennt vom Rest üben. Balance halten erfordert Kraft, Koordination und gute Propriozeption (die Wahrnehmung darüber, wie mein Körper sich zum Raum verhält und wie meine Körperteile sich zueinander verhalten).

Balance halten bedeutet, die Mitte immer wieder finden – und zwar schnell, bevor man umfällt. Es bedeutet nicht, dass man immer in dieser Mitte ist. Aber man findet so schnell wieder rein, dass im Endeffekt niemand mehr sieht, wie man sie verliert und wieder sucht, weil es so kleine Bewegungen sind. Und später merkt man vielleicht noch nicht mal selbst, dass man Ausgleichsbewegungen macht, weil der Körper es von allein macht ohne Einmischung des Gehirns (zumindest ohne bewusstes Denken).

Die Mitte und Balance liegt genau zwischen rechts, links, vorne und hinten. Deswegen empfehle ich Schülerinnen, die permanent nach vorn fallen, sich mal so weit nach hinten zu lehnen, dass ich sage „jetzt ist es zu weit“. Von „zu weit vorn“ direkt in die Mitte zu finden ist nämlich nicht möglich, weil der Körper die Mitte als „zu weit hinten“ deklariert. Er muss erst erfahren, wo „zu weit hinten“ ist, bis er die Mitte finden kann.

Für Pferde ist Balance überlebenswichtig. Wer auf der Flucht vorm Raubtier hinfällt, ist tot. Aber auch andere Tiere – wie wir Meschen – werden schnell unsicher, wenn die Balance verloren geht. Je stabiler wir in unserem Körper sind, desto gelassener können wir damit umgehen, wenn es mal holprig wird. Das ist für Reiter eine wichtige Fähigkeit, damit wir nicht, wenn das Pferd einmal einen kleinen Erschrecker-Satz macht, gleich unten sind oder im Zügel hängen. Je besser wir uns ausbalancieren können, desto leichter zu tragen sind wir auch für unser Pferd, weil unser Gewicht dann immer schön in der Nähe des Pferdeschwerpunktes bleibt und nicht wild von rechts nach links oder von vorn nach hinten wackelt.

Aber Balance hat auch eine seelische Dimension: braucht mein Pferd mehr Herausforderung oder mehr Ruhe und Kleinschrittigkeit? Auch da können wir eigentlich nur ausprobieren. Uns mal was trauen, vielleicht mal einen Hauch zu viel machen und dann beobachten wie das Pferd reagiert.

Diesbezüglich habe ich von Finlay etwas gelernt, was Duncan mir ebenfalls zeigt: etwas, was erst mal wie eine Überforderung wirkt, kann im Nachhinein vom Pony doch als schönes Abenteuer interpretiert werden und sie wollen mehr davon. Das sehe ich daran, mit welch leuchtenden Augen und Begeisterung mein Pony ins nächste Abenteuer startet. Umgekehrt, besonders bei traumatisierten Pferden, ist man auch viel schneller über eine Grenze hinweg gegangen als man vielleicht gedacht hätte. Auch das wird das Pferd anzeigen, je nach Typ durch kleine Hinweise oder eine deutliche Ansage. Ich finde die Balance wie beim Reiten, indem ich mal zu weit in die eine und mal zu weit in die andere Richtung gehe, bis ich weiß, wo die Mitte ist.

Eins gilt aber in jedem Falle: Wo im Training die goldene Mitte ist bestimmen nicht wir, sondern unser Pferd. Wenn wir sie dann gefunden haben und mit unserem Training in der Mitte bleiben, ist unser Pferd seelisch „gerade gerichtet“. Und ich persönlich glaube, dass das unabdingbar verbunden ist mit dem körperlichen „geraderichten“. Wer die körperliche Mitte hat, kann die seelische leichter finden und umgekehrt.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 402

Pony-Yoga! Neulich waren wir zusammen mit Diego und dem Mann auf dem Platz. Diego hat Sparprogramm gemacht und war ruckzuck fertig, aber ich hab noch etwas mehr gemacht mit meinem Mädchen und der Mann hat uns dann noch zugeschaut und geholfen. Er meinte, da sei doch alles schief. Dann hat er Fotos gemacht und gefilmt, während mein Mädchen und ich immer versucht haben, ganz gerade von ihm weg zu reiten, dann umdrehen und ganz gerade wieder zu ihm zurück. Und nochmal. Und nochmal. Irgendwann war mir schon ganz komisch von dem ganzen Getüddel. Hab ich dann nach oben gefunkt. Und siehe da: mein Mädchen hat mich verstanden! Und gesagt, dass wir jetzt noch ein Ründchen traben und dann ist gut. Und also sind wir noch ein Ründchen getrabt und haben dann Feierabend gemacht.

Wo ist denn dieses verflixte „gerade“?

Heute haben wir uns dann allein auf dem Platz vergnügt. Vergnügt war mein Mädchen schon wieder von Anfang an, weil ich so hoch motiviert meine Nase ins Zaumzeug gesteckt habe. Und dann war ich wieder voll bei der Sache. Wir üben jetzt auch mal rückwärts gehen und heute haben wir versucht, aus dem Stand anzutraben. Im dritten Anlauf ist uns das dann auch gut gelungen und schon war wieder Feierabend!

Ich durfte noch auf dem Reitplatz etwas förstern (da ist vielleicht viel gewachsen diesen Sommer! Und man lässt mir nie genug Zeit um mich mal ordentlich zu kümmern!) und mein Mädchen hat sich im Rumstehen geübt.

Wir waren beide sehr glücklich und zufrieden mit uns!

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 401

Ui, was für ein Sonntagsausflug! Mein Mädchen war ja der Meinung, ich hätte wohl von Kraft geträumt und würde mich ein bisschen überschätzen und da sei es Zeit, dass ich mal so richtig müde werde. Und zwar nicht durch wildes Galoppieren (das wäre ja mein persönlicher Favorit gewesen), sondern durch ausgiebiges Schritt-Gehen. Nun wisst ihr ja, für mich gilt: Hauptsache raus.

Aber vorher alles anziehen. Hufschuhe! Da hat mein Mädchen geflucht und mit meinen vorderen Schuhen gekämpft, weil die einfach nicht auf meine Hufe gehen wollten. Schließlich wurde es ihr zu bunt, sie hat die Raspelmaschine zur Hand genommen, meine Hufe wieder besser in Form gebracht und dann ging es. Sie sagt, es ist gut, dass ich diese Schuhe hab, die zwingen sie dazu, meine Hufe immer tiptop in Form zu halten. Meine Hufe wachsen nämlich sonst zu viel nach vorn und das ist nicht gut.

Nachdem das geregelt war und der ganze Rest angetüddelt war, hat mein Mädchen die Aufsteigehilfe geholt. Jaaaaa ok, sie hat gesagt, ich soll warten. Aber ich wollte halt los! Und wenn sie den Hocker holt, dann weiß ich doch: sie will aufsteigen! Warum soll ich ihr dann nicht entgegenkommen? Da hat sie gelacht und sich gefreut, weil ich so viel Lust hab, loszulegen.

Und wie! Los ging es Richtung Dorf. Ich munter vorneweg im flotten Schritt. An meinen schottischen Freunden mit den Hörnern vorbei – die waren noch am pennen – und dann den schmalen Weg mit den Weidenbäumen entlang. Ach guck, da ist jetzt auch ein Zaun und noch mehr schottische Freunde! Die waren aber weit weg und ich kenn die ja auch, die sind ok. Direkt am Dorfeingang kam dann der Gulli. DER Gulli den ich zwar schon lange kenne, aber letztes Mal trotzdem etwas gruselig fand, weil ich ja ganz allein vorne war und die ganze Verantwortung hatte! Dieses Mal hat mein Mädchen gesagt, wir haben Zeit und wir gucken so lange ich gucken muss, aber sie möchte, dass ich vorneweg da rüber gehe und ich schaffe das. Ach, Mädchen! Ich bin doch jetzt 5 Jahre alt und also erwachsen! Und ich konnte ganz ohne gucken über den Gulli marschieren. Zack! Mädchen stolz. Wir haben dann Kekse gegessen – nein: ICH habe Kekse gegessen bis Diego mich eingeholt hatte.

Dann durchs Dorf. Dort kam uns ein Auto entgegen mit ganz lauter Musik und mein Mädchen war schon wieder stolz, weil mich das einfach GAR NICHT gestört hat. So ging es weiter. Auch an der Baustelle vorbei, da hab ich mir kurz angeschaut, was da so an Materialien rum liegt, aber ich war ganz entspannt dabei.

Schließlich kamen wir zu unserer Trabstrecke und los ging es! Mein Mädchen meinte, ich sei wohl doch vernünftiger geworden, weil ich gar keinen Galopp angeboten habe. Haha! Ich musste mich doch nur erst warmtraben! Wir mussten noch kurz durchparieren um an einem Hund vorbei zu gehen, danach wieder los und da dachte ich: Galopp macht doch mehr Spaß! Aber ich hab dann doch eingesehen, dass Trab auch fein ist und es dann ja keinen Ärger von oben gibt – also Trab. Naaaaaaa gut.

Mein Mädchen hatte sich eine lange Tour vorgenommen und als Regel ausgegeben, dass ich sie 1 Stunde trage und sie dann 10 min zu Fuß geht und dann wieder 1 Stunde tragen usw. Alsbald war die erste Stunde um und das traf sich gut, wir haben dann nämlich erst mal eine schöne Graspause gemacht (für meinen Blutzucker!). Außerdem waren wir fast im nächsten Dorf angekommen. Dort ging sie also zu Fuß mit mir durch. Da war vielleicht was los! Es kamen ständig Leute, Autos, Pferdeanhänger, Fahrradfahrer. Ich war aber ganz entspannt unterwegs. Bin doch jetzt 5! Nur ein Hund, der komische Geräusche hinterm Zaun gemacht hat, konnte mich ganz leicht beunruhigen. Wenn der aber auch so schief singt!

Aus dem Dorf raus, Mädchen wieder rauf auf meinen Rücken und weiter ging es. Immer im Schritt. Das ist auf Dauer anstrengender als es sich anhört, vor allem weil Diego ja so flott unterwegs ist und irgendwie auch nie müde wird (wie macht er das?) und so war ich ganz froh, als wir dann wieder an eine Trabstrecke kamen, das lockert alles einmal auf.

Lecker Graspause

Und so ging es weiter. Nach einer weiteren Stunde wieder eine Graspause, das hat wieder gut gepasst: Graspause am Dorfrand, zu Fuß durchs Dorf. Und dann Richtung nach hause. Puh, ich war einigermaßen durch. Mein Mädchen war sich nicht sicher, ob ich jetzt eigentlich kopf- oder körpermüde bin. Ich wusste das selbst gar nicht so genau, ich war nur müde. Aber mein Mädchen sagt, sie weiß genau, dass wir Schotten serienmäßig mit Reservetank ausgeliefert werden und ich soll den mal aufmachen. Ok, nach einer Weile hab ich ihn gefunden und dann ging es nochmal, so dass ich den Rest der Strecke dann doch noch gut geschafft habe. Diego hat sich nix anmerken lassen, aber manchmal konnten wir hören, dass er ein bisschen schlurft. Im Tempo hat er aber nicht nachgelassen.

Wir haben insgesamt einen neuen Rekord aufgestellt und waren 16km in gut 3 Stunden unterwegs! So eine weite Strecke bin ich noch nie an einem Stück gelaufen. Mein Mädchen sagt, jetzt werden mir wieder schöne Muskeln wachsen. Und wahrscheinlich träume ich dann wieder von Kraft und nächstes Mal müssen wir noch weiter gehen, bis ich müde bin.

Nach einer schönen Dusche und Pause mit Heu kam mein Mädchen wieder runter in den Stall und hat mich gerufen. Ich kam gleich angelaufen, was sie sehr gefreut hat, weil ich unsere Tour wohl nicht zu anstrengend fand. Ach Mädchen, ich weiß doch wie es ist: wenn ICH müde bin, dann bist DU doch auch müde und das heißt, heute machen wir gar nix anstrengendes mehr. Und ich hatte recht: keine Anstrengung. Stattdessen bekam ich eine schöne Massage! Der Mann hat meinem Mädchen gezeigt, wie sie meine Schultern etwas lockerer kriegen kann. Mein Job war, still zu stehen und zu zeigen, welche Stellen ich mag und welche nicht so. Aaaaaah ja da ist es gut! Das will sie jetzt regelmäßig machen, damit ich vornerum etwas lockerer werde. Bestimmt kann ich dann noch besser und schneller und länger laufen! Juhuuuu!

Erst etwas durchbewegen
Ja, das ist gut. Aaaaaaaaah, schööööööön

Ach das war ein schöner Sonntag. Ich fühle mich tatsächlich sehr ausgetobt, obwohl ich gar nicht galoppiert bin.

Euer wandernder Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 400

Wisst ihr noch, als ich mich verzählt habe und schon einmal einen 400. Tagebucheintrag gemacht habe? Es gibt jetzt einfach noch einen, weil es so schön passt. Wo ich euch doch heute von meinem Geburtstag berichte! Das ist ja schließlich auch eine 400 wert.

Gestern bin ich nämlich 5 Jahre alt geworden! Also erwachsen (finde ich). Zumindest fast (findet mein Mädchen). Und so ein Geburtstag muss natürlich gebührend gefeiert werden. Mit Ausflug! Also war ich – ganz und gar außer der Reihe – mit dem Ausreitkumpel verabredet. Und mit ihm zusammen bin ich zu Ritter Willibald gewackelt worden. Mein Mädchen dachte, da ich beide – den Ausreitkumpel und Ritter Willibald – ja schon kenne, wird es keine Probleme geben. Aber ich gestehe, ich fand das doch enorm aufregend mit den beiden zusammen unterwegs zu sein! Ich wollte gern beide im Blick behalten und wenn dann einer vor und einer hinter mir war, oder einer rechts und einer links, das hat mich ganz wuschig gemacht. Naja ich hab mich natürlich trotzdem gut benommen (mein Mädchen sagt „fast gut“).

Dann kamen wir an eine Stelle im Wald, wo plötzlich zwei weiße Rinder direkt am Weg standen. Nun hab ich ja normalerweise nicht so ein Thema mit Rindern und Willibald und mein Spaziergehkumpel auch nicht aber diese Rinder fanden wir alle drei etwas gruselig. Die standen da so und haben uns angestarrt und sich nicht bewegt! Schließlich ist Ritter Willibald dann vorneweg gegangen, so einen kleinen, steilen Waldweg runter. Mein Ausreitkumpel hat sich auch getraut und ich wollte dann hinterher. Aber ich war so auf die Rinder fixiert, dass ich einen Stein übersehen hatte, vor dem hab ich mich dann ordentlich erschreckt. Und weil mein Mädchen gar nicht leiden kann, wenn ich den steilen, schmalen Pfad nicht ruhig und konzentriert runter gehe, ist sie lieber abgestiegen, so wie letztes Mal (da waren die Rinder noch nicht an diesem Weg, aber es war ihr trotzdem zu steil).

Als wir den Berg runter waren, meinte das Mädchen von Ritter Willibald, wir könnten uns die Rinder nochmal ansehen wenn wir wollen. Das wollte mein Mädchen gern, damit ich nochmal feststellen kann, dass die doch wirklich ungefährlich sind. Also über einen anderen schmalen Pfad den Berg wieder rauf, an der Rinderkoppel entlang und da oben standen sie noch und haben uns wieder so angeglotzt! Ritter Willibald – der mutige Gigant – hat sich das von nahem angeschaut. Dann fanden mein Ausreitkumpel und ich das auch ok – letztendlich sind es ja doch eben nur Rinder, wenn sie auch ein bisschen komisch drauf sind. So und dann den Berg wieder runter. Das ist da in diesem Wald irgendwie so….

Ritter Willibald traut sich was!

Etwas weiter ist mein Mädchen dann wieder aufgestiegen und weiter ging die Tour. Weil ich so aufgeregt war, wenn ich meine beiden Begleiter vor oder neben mir hatte, durfte ich vorneweg gehen und hab das auch super gemacht. Nur zwischendurch, wenn nicht so klar war, wo der Weg lang geht (man, das ist vielleicht ein Abenteuerwald! Ich finde das toll. Mein Mädchen macht das immer nervös. Als ob ich sowas nicht könnte!), ist Ritter Willibald vorneweg gegangen. Wir kamen dann auch wieder an den Fluss wo ich letztes Mal so mutig vorweg geschwommen (na gut: gegangen) bin. Willi ist da so durch marschiert und mein Mädchen fand ich sollte warten bis er drüben ist, damit ich sehen kann wo es hin geht. Da hatte ich es einfach eilig und hab das mit zwei großen Sätzen erledigt. Nur, dass dann schon wieder einer meiner hinteren Hufschuhe einfach stehen geblieben ist. (Neue Schuhe sind bestellt aber noch nicht geliefert. Hoffentlich hat das dann ein Ende!). Mein Mädchen ist also abgestiegen, aber das Mädchen vom Ausreitkumpel war auch schon abgestiegen um den Schuh einzusammeln. Mein Ausreitkumpel war von meinem eleganten Sprung über den Fluss inspiriert und hat es mir nachgemacht. Dabei ist er ein bisschen in sein Mädchen rein gesprungen, die dann doch dezent sauer war. Jedenfalls haben die beiden den Fluss dann nochmal geübt, während mein Mädchen mir den Schuh angezogen hat. Mein Mädchen hat gesagt, wir üben den Fluss nicht, weil sie ja weiß, dass ich das besser kann wenn ich nicht so aufgeregt bin.

Mein Ausreitkumpel übt den Fluss

Nun waren wir wieder auf dem Rückweg und ich bin noch ein bisschen hinten gelaufen – das ging. Wenn Willibald vorne und mein Ausreitkumpel dahinter waren, konnte ich einfach meinem Ausreitkumpel hinterher laufen, das war ok.

Wir kamen wieder an einem tief hängenden Zweig vorbei, den wir noch vom letzten Mal kannten. Aber letztes Mal konnte mein Mädchen da noch fas aufrecht drunter her reiten, jetzt hängt der Zweig noch tiefer, so dass wir uns da ordentlich durchs Gebüsch schlagen mussten. Ich kann das natürlich. Und weil ich es so toll konnte, durfte ich es gleich nochmal machen: fürs Video. Da hatte ich mir nun aber überlegt, dass ich ja mal die gute alte Taktik probieren könnte. Wo kein Weg ist, muss man eben einen machen! Und ich bin schließlich Förster von Beruf! Wollte mir den Weg einfach frei fressen. Mein Mädchen meinte aber, das würde doch wohl zu lange dauern. Trotzdem fand sie, ich hab das super gemacht.

Ich bin Förster von Beruf…

Zum Schluss war dann nochmal ein kleiner Trab den Berg hoch angesagt und da wollte ich wieder weiter nach vorn. Durfte ich auch und wie ich Willibald so überhole, denke ich mir: so ein kleines Wettrennen zum Abschluss vielleicht? Aber mein Mädchen fand diese Idee ganz und gar nicht witzig. Traben sollte ich bitteschön. Und dann wurde dieser Berg auch wahrlich etwas steiler als ich gedacht hatte, so dass ich nochmal ordentlich die Pobacken zusammen kneifen musste, um da rauf zu kommen. Mein Mädchen war überrascht, wie viel Kraft ich nach alle dem auf und ab und der Aufregung noch hatte. Tja, ich hab ja auch trainiert!

Oben angekommen ist sie dann abgestiegen und hat gesagt, sie hatte genug Aufregung für heute und geht den Rest zu Fuß. Und da war sie auch froh drum, denn eine Aufregung kam noch! Da waren zwei klitzekleine Ponys auf einer Weide, die waren kleiner als unser Caruso, und die fanden es toll dass wir da vorbei gekommen sind und haben ein bisschen Party gemacht! Ich konnte das aber noch ganz gut weg stecken, auch wenn ich schon reichlich kopfmüde war.

Willibald ist dann nach hause abgebogen, das fand ich sehr schade, und wir sind zur Wackelkiste weiter gegangen, wo wir noch ein bisschen grasen durften vor dem Einsteigen. Ich war wirklich ganz schön kopfmüde, aber mein Körper hätte noch gut weiter gekonnt. 7,8km fast nur Schritt sind nicht mehr so eine große Herausforderung, auch wenn es viel bergauf und bergab ist. Und so plant mein Mädchen jetzt eine große Sonntagsrunde mit Diego. Der hat ja so einen schnellen Schritt, da muss ich mich ordentlich ins Zeug legen um mitzukommen und sie meint, es wird mir gut tut, mich mal im Schritt auszutoben und nicht immer so viel an Galopp zu denken. Ich werde wieder nicht gefragt, wie immer. Menno. Galopp ist doch viel lustiger als Schritt!

Jedenfalls war das ein toller Ausflug und alle Menschen fanden, dass ich das für meine 5 Jahre doch insgesamt sehr ordentlich mache. Sogar mein Mädchen fand das nachher, als sie sich wieder etwas entspannt hatte.

Abends haben wir dann zu hause noch eine Möhrenparty für alle gemacht. Der Mann hat Musik laufen lassen, weil er nicht selbst ein Ständchen singen wollte. Das fand ich sehr interessant! Bin immer hinter ihm und der Musik her gelaufen. Und mein Mädchen hat Möhren geworfen, die wir Ponys uns dann eingesammelt haben. Leckerleckerlecker!

Möhren- Party!

Jetzt muss ich ein Jahr auf den nächsten Geburtstag warten, das ist ein bisschen schade. Aber mein Mädchen sagt, wir füllen das Jahr mit Abenteuern und das klingt doch sehr vielversprechend! Sie ist ganz gespannt, wo ich in dem Jahr so hin wachse und was wir noch alles feines lernen. Ich bin gespannt, welche neuen Wege sie mir zeigt.

Ich hoffe, ihr bleibt mir gewogen, meine lieben Leser! Und ihr wisst ja, an wen ich an meinem Geburtstag auch immer denke: an die Pferde, die keine Abenteuer erleben, sondern hart arbeiten müssen. Bitte spendet ein paar Möhren an meine armen Kollegen. Danke!

Euer 5 Jahre alter Sir Duncan Dhu of Nakel

Galopp

Der Wind pfeift in meinem Helm. Padadamm, Padadamm, Padadamm machen Duncans Hufe unter mir. Er liebt galoppieren! Ich hatte noch nie ein so lauffreudiges Pony wie ihn. Mein kleiner Ritter fühlt sich stark und trittsicher an. Meine Angst, dass er stolpern und stürzen könnte, wie es Finlay mal passiert ist, ist nicht mehr so groß wie zu Anfang. Aber noch habe ich die Zügel kurz, damit sein Kopf oben bleibt. Rhythmisch gehen meine Hände mit vor, damit er trotzdem keinen Kontakt am Gebiss hat, so lange er sich so verhält, dass ich mich sicher fühle.

Padadamm, Padadamm, Padadamm
Meine Beine fühlen sich strapaziert an. Das Pony ist breiter geworden und ich glaube ich muss deswegen jetzt die Bügelriemen kürzer stellen. Irgendwie ist alles anders seit dem letzten Wachstumsschub. Andererseits kann ich jetzt auch mal von unten aufsteigen, ohne dass der Sattel mir komplett entgegen kommt. Er liegt durch die breiter Auflagefläche stabiler. Ich muss daran danken, meiner Sattel-Beraterin ein Foto zu schicken zum Checkup.

Padadamm, Padadamm, Padadamm geht es weiter. Ich hatte irgendwie vergessen, dass es anstrengend sein kann, im leichten Sitz zu galoppieren. Meine Fitness! Herrje.

Padadamm, Padadamm, Padadamm immer wenn Duncan beschleunigt, kommt die Angst: wird er zu irgendeinem Zeitpunkt beschließen, dass er mal zeigen könnte, WIE SCHNELL er rennen kann? Es reicht mir, das im Paddock zu sehen. Ich muss das wirklich nicht erleben, wenn ich drauf sitze. Aber ich weiß auch: am ehesten kann ich solche Eskapaden verhindern, wenn ich ihn ausgiebig galoppieren lasse und nicht zu viel bremse. Er wird sicher noch deutlich schneller galoppieren können mit etwas Training und mehr Mut von meiner Seite.

Padadamm, Padadamm, Padadamm da vorne ist der große Weg, wir müssen durchparieren. Der Bremsweg ist jetzt nicht mehr so lang, Duncans Übermut hat sich gelegt. Ich freue mich, dass er so viel Energie hat und dass die Anstrengung von letzter Woche ihn anscheinend nicht abgeschreckt, sondern eher angespornt hat.

Ein Blick auf die App verrät mir später, dass unsere Höchstgeschwindigkeit bei knapp 15 km/h lag. Erstaunlich, wie schnell sich etwas anfühlen kann, was man nicht (mehr) gewöhnt ist! Und wie lang mir die Galoppstrecke vorkam, dabei waren es nur ungefähr 500 Meter. Und am Ende des Ausritts sind wir insgesamt auf 1,1 km Galopp gekommen.

Ein knappes Jahr ist es her, dass Duncan und ich den gleichmäßigen Trab über längere Strecke für uns entdeckt haben. Jetzt also Galopp. Duncan ist – so wie Finlay damals auch – der Meinung, dass ich zu spät dran bin. Ich wollte mit dem Galopp bis nach seinem 5. Geburtstag warten. Aber wenn mein Pony so unbedingt findet, dass er so weit ist, verlasse ich mich auf ihn. Er ist – ebenfalls wie Finlay – kein Typ, der sich selbst überfordert. Er achtet auf sich, das habe ich jetzt 4 Jahre lang beobachten können. Er kennt seinen Körper und weiß, was er da tut, davon bin ich überzeugt. Und ich will ihm nicht den Spaß vermiesen indem ich ewig bremse.

In den letzten Wochen fühlt Duncan sich unbesiegbar. Er ist gewachsen, er ist kräftiger geworden, er hat jede Herausfoderung gemeistert und selbst als er müde war, war das für ihn anscheinend völlig ok. Er erinnert mich ganz schwer an jene Jugendliche, die offensichtlich endlos Energie haben, sich vor nichts fürchten und erst dann zufrieden sind, wenn sie sich selbst bis ans Limit gepusht haben.

Heute wird mein Ritter 5 Jahre alt. Wie sehr habe ich auf diesen Tag gewartet, den Tag an dem er den größten Teil des Erwachsen-werdens geschafft hat. Klar, bisschen was kommt schon noch. Vielleicht überrascht er mich auch und kriegt nochmal so richtig spätpubertäre Anfälle. Aber im Moment – obwohl er durchaus Pubertät hat – ist er einfach super. Ja, er hat ein paar merkwürdige Ideen. Aber wir zwei kennen uns jetzt so gut und haben so viel Spaß mit- und aneinander, dass uns das nicht ernsthaft erschüttert. Gelegentlich mache ich mir Sorgen, ob die eine oder andere Verhaltensweise (wie völlig unmotiviertes Abbiegen irgendwohin) eine tiefere Bedeutung hat, aber so lange mein Pony fröhlich in den Anhänger steigt und beim Ausreiten fröhlich vorneweg durch fremdes Gelände saust, denke ich, das passt schon so. Der darf auch mal ne komische Idee haben in seinem Alter. Und er macht insgesamt alles so toll! Er wirkt manchmal etwas größenwahnsinnig, aber auch das ist ja irgendwie für Jugendliche normal.

Damals, als mein kleiner Jährling hier eingezogen ist, hatte ich so eine vage Vorstellung davon, wie es mal werden könnte. Und so ganz grob gesehen stimmt die vielleicht auch, diese Vorstellung. Aber irgendwie auch nicht, denn die Realität ist noch viel besser als in meiner Vorstellung. Ich hätte nicht zu träumen gewagt, dass ich ein Pony bekomme, was so perfekt zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Wo gibt es das schon, diese Mischung aus Bewegungsfreude und dem Willen zur Strecke gepaart mit dem rechten Maß an innerer Ruhe und Gemütlichkeit, damit es mir nicht zu doll wird? Ich bin so eine anspruchsvolle Reiterin, habe schnell Angst, möchte aber trotzdem viel erleben. Ich bin nicht leicht zufrieden zu stellen. Aber dieser kleine Ritter, der ist so nah an der Perfektion wie es wohl möglich ist. Und die Sorge, er könnte zu klein sein für mich, ist vollständig von mir abgefallen, seit ich wieder und wieder fühle, mit welcher unglaublichen Leichtigkeit er mich trägt – bergauf oder bergab, im Schritt, Trab oder Galopp oder mit beginnender Kadenz auf dem Reitplatz. Wie unglaublich leicht ihm alles fällt durch seinen kompakten Körperbau, sein gutes Körpergefühl und seine gut gewinkelte Hinterhand. Und wie viel Lust er immer hat: noch ein Abenteuer, noch ein Ausflug, nochmal los ziehen und wenn es mal zu viel war, dann reicht ein Tag Pause bis es ihn wieder packt und er wieder los will. Kurz gesagt: er ist der Hammer. Und dabei wird er heute erst 5 Jahre alt. Wenn er so weiter macht, wage ich kaum, mir vorzustellen, was in 5 Jahren möglich sein könnte. So lang er nur bei mir bleibt, gesund und munter, stehen uns ganz sicher noch viele wundervolle gemeinsame Stunden bevor. Darauf eine Möhre! (oder eher ein paar mehr). Happy Birthday, mein wundervoller Ritter in glänzender Rüstung!